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  1. #21 Reply With Quote
    Ritter Jannik der Spieler's Avatar
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    So ich werde nun anfangen auch eine kleine Geschichte zu schreiben.
    Mit dem Spiel Dragon Age Origins und einer kleinen von mir ausgedachten Geschichte nebenher.Heißt alle die DA:O noch nicht durch haben sollten hier nicht lesen.Freue mich über Kritik.

    Prolog

    Erster Verzauberer, Finwe !

    Was gibt es, Oberverzauberer Valandil ?

    Ich habe hier etwas gefunden.Dieses Buch.Es ist von dem Wächter Hawke Amell.Unserem Retter!

    Wo hast du es gefunden?

    Wisst ihr nicht?Heute ist er in die Tiefen Wege gegangen um dort sein restliches Leben gegen die Dunkle Brut zu kämpfen.Er sagte zu uns Magiern wir sollten es in den Zirkel bringen und es studieren.

    Wisst ihr warum?

    Nein.Vielleicht steht dort etwas was uns hilft.Wir sollen dieses Buch aber danach zu seinem letzten Verwandten schicken,nach Lothering.

    So dann fangen wir gleich mal an zu lesen.Setz dich zu mir Valandil.

    1. Die Läuterung:

    "Magie soll dem Menschen dienen und ihn niemals beherrschen." Das waren die ersten Worte die sie mir sagten als ich in den Turm der Läuterung kam.
    Mitten in der Nacht!Aber genug.
    Sie erklärten mir ich müsse das Ritual schaffen in dem ich ins Nichts geschleudert werde und gegen einen Dämon kämpfen müsse.
    So ging es los.Als ich im Nichts ankam war mir schwindlich und es sah alles so komisch aus.Als erstes sah ich eine rießige Statue.

    [Bild: Das_Nichts.jpg]


    Ich lief los und traf auf ein Irrlicht das kein Problem für mich war.

    [Bild: Irrlicht.jpg]

    Es folgten 2 weitere und dann traf ich auf jemanden der sich als Maus vorstellte.

    [Bild: Maus.jpg]

    Er bestätigte mir das ich einen Dämon töten müsse.Erklärte mir das die Templer einen töten,so wie es mir auch schon der Kommandant erzählte.
    Er ried mir ausserdem auch noch nicht alles anzugreifen was ich sehe.So folgte mir Maus.




    So das wars erstmal ich hofe es hat euch gefallen.
    Ich mach dann heut Mittag weiter.



    So jetzt gehts weiter.


    So ging ich zusammen mit Maus weiter.
    Traf auf ein paar Irrlichter...und dann sah ich sie.Die Schwarze Stadt!In ihr soll der Erbauer gelebt haben bis die Menschen aus Tevinter die Stadt entweihten.

    [Bild: Die_Schwarze_Stadt.jpg]


    Von dort aus bin ich weitergelaufen und traf einen Geist.Er stellte sich als Heldenmut vor der die perfekte Waffe herstellen möchte.

    [Bild: Heldenmut.jpg]

    Ich fragte ihn ob eine der Waffen auch dem Dämon etwas anhaben könnte.Er fragte mich daraufhin ob die Waffen aus Holz oder Stahl seien.Er wartete meine Antwort nicht ab sondern sagte mir das alles eine verstofflichung eines Gedankens wäre.Er würde mir eine geben wenn ich gegen ihn kämpfe.Ich nahm an und es ging los.

    Es war ein kurzer Kampf.Er gab auf


    [Bild: Kampf_mit_Heldenmut.jpg]


    und ich tötete ihn.

    Den Stab nahm ich und ging weiter.Nach ein paar Metern kamen Seelenwölfe die ich ohne Probleme tötete,dank meiner neuen Waffe.


    [Bild: Seelenw_lfe.jpg]


    Es ging weiter.Als nächstes traf ich auf einen Dämon der Trägheit.Dieser bot mir an das er Maus in einen Bären verwandeln könne.Dies taten wir und er stellte uns 3 Rätsel.

    1.Rätsel
    Ich habe Meere ohne Wasser,Küsten ohne Sand,Städte ohne Menschen,Berge ohne Land,was bin ich?

    Es war für mich eine sehr leichte Entscheidung: Eine Landkarte.Es war richtig.

    2.Rätsel
    Ich werde selten berührt ,aber oft gehalten.Wer kug ist benutzt mich richtig.Was bin ich?

    Das war dann schon schwerer.Ich überlegte...sagte es mir immer wieder...Dann!! Eine Rede!
    Die Trägheit schaute dumm aus der Wäsche.Wieder richtig.

    3.Rätsel

    Oft erzähle ich eine Geschichte,berechne nie etwas dafür.Unterhalte dich eine ganze Nacht werde aber dennoch meist vergessen.Was bin ich?


    Das war meiner Meinung nach die leichteste Frage.
    Ein Traum?
    Ja richtig.

    Daraufhin verwandelte er Maus in einen Bären und wir achten uns auf die jagt nach dem Dämon.
    Auf dem Weg stellten sich uns erneut Seelenwölfe in den Weg.

    [Bild: Nochmal_Seelenw_lfe.jpg]

    Jetzt war es soweit ich sah den Dämon.


    [Bild: Der_D_mon.jpg]


    Der Dämon sprach mich an und ich erfuhr das der Dämon und Maus einen packt hatten.Diesmal jedoch hat Maus für den Schüler gekämpft.

    Nach einer weile des Kampfes ist Maus zusammengekracht.

    [Bild: Allein.jpg]


    So musste ich den Dämon allein besiegen.Es war ein harter Kampf,doch ich siegte.

    Maus stand wieder auf und verwandelte sich in einen Menschen er sagte zu mir das er hoffte das ich es schaffe.
    Als ich ihn fragte wie die anderen Schüler hießen wussteer ihre Namen nicht.Ich fragte ihn was ich tun kann daraufhin sagte er das ich ihn reinlassen könne.Das ging mir zuweit!Wer seid ihr?Seid ihr der wahre Gegner?Er verwandelte sich und sah schrecklich aus.Er gab mir noch den Tipp wachsam zu bleiben.

    Ab da erinnere ich mich an nichts.Erst am Morgen weckte mich mein Freund Jowan und machte sich sorgen wann er zur Läuterung dürfe.

    [Bild: Jowan.jpg]

    Ich erzählte ihm alles was ich darüber wusste da er mein Freund war.Er hatte Angst das er zu einem Besänfigtem gemacht wird,eine grausame Alternative.Bei der alle Gefühle ausgelöscht werden.Grauenvoll dachte ich da nur.

    Erteilte mir ausserdem mit das ich zum ersten Verzauberer Irving muss.




    Ich hoffe es hat euch gefallen.
    Jannik der Spieler is offline Last edited by Jannik der Spieler; 11.04.2011 at 17:51.
  2. #22 Reply With Quote
    Halbgöttin Fawks's Avatar
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    @Jannik: Dachte schon, es fängt mit DA II an, aber hab dennoch weitergelesen. War gut zu lesen, das einzige was es ein bisschen stört sind noch ein paar Rechtschreibfehler

    @topic:
    So, ich versuche mich auch mal an einer DAO-Geschichte. Spielercharakter Jaina, menschliche Adelige, geht auf Reisen...



    1) Das Willkommen

    Schnell hetzte Jaina hinter Duncan her. Er hatte ihr versichert, dass es nicht mehr lange dauern würde, dann wären sie in Ostagar angekommen. Sie konnte es kaum erwarten. Sie musste etwas tun, jede Faser ihres Körpers schrie danach ihr Leid in die weite Landschaft hinauszubrüllen, aber ihr Wille und ihre Ausbildung zur Kämpferin wie zur Herrscherin hielten sie davon ab. Wo, beim Erbauer, war Fergus? Sie hatte mehr riskiert, um ihn zu finden als ihren Eltern lieb gewesen sein konnte – oder Duncan. In diesem Moment verlangsamte jener seinen Schritt und sah sie aufmerksam an. „Wir sind da. Dort vorne ist das Lager. Seine Majestät wird uns begrüßen.“ Jaina nickte kurz. Ihre Gedanken schweiften schon zu König Cailan – dem mächtigsten Mann in ganz Ferelden. Konnte er Fergus gesehen haben? Konnte er – ein König – ihr helfen ihn wiederzufinden?

    Sie hatte über den König nicht viel gehört, außer, dass er ein freundlicher Mann war und durchaus fähig sein Reich zu regieren. Böse Zungen behaupteten jedoch, das Zusammenhalten seines Reiches sei nur Königin Anora, seiner Frau, zu verdanken. Sie überlegte hin und her, wie der König zu den Grauen Wächtern stand und ob diese einfordern könnten, nach ihrem Bruder zu suchen. Sie mussten doch einsehen, dass dies äußerst dringend war, Highever war ohne Regent – zumindest solange, bis Rendon Howe das Gebiet für sich beanspruchte.

    [Bild: Jaina_201.jpg]

    Mit diesem bitteren Gedanken trat sie auf einen großen Mann zu, in einer goldglänzenden Rüstung, blonden Haaren und einem jungenhaften und hübschen Gesicht. Dieser begrüßte Duncan und scherzte mit ihm. Jaina wartete nach außen hin geduldig, innerlich fing sie langsam an zu kochen.
    „Ah, das ist also die neue Rekrutin?“ König Cailan drehte sich zu ihr und lächelte sie an. „Lasst mich der erste sein, der euch willkommen heißt.“
    „Vielen Dank, eure Majestät.“ Die höfischen Aussagen und Haltungen waren für Jaina nichts Neues – sie war als Kind schon damit konfrontiert worden und es bereitete ihr normalerweise keine Schwierigkeiten. Jetzt aber, da sie ihre komplette Familie verloren hatte und ihr Bruder spurlos verschwunden war...
    „Ihr wisst es noch nicht, eure Majestät?“ Jainas fiel es schwerer zu atmen. Nein. Nicht noch einer dem sie alles erklären müsste. Sie wollte Fergus sehen, sonst nichts. Duncans Stimme durchdrang ihre düsteren Gedanken, als er erzählte, wie Howe die Couslands verraten hatte.
    „Ich werde Howe dafür zur Rechenschaft ziehen sobald die Schlacht vorbei ist. Das versichere ich euch, Mylady.“ Cailan schien dieses Versprechen ernst zu meinen. Jaina sah ihm in die Augen und sie fühlte wie sie ein Teil der Ruhe des Königs überkam. Seltsam, sie hatte seine Ausstrahlung nicht bemerkt. Er strahlte die gute Laune aus, die sie an jedem ihrer Tage verspürt hatte. Und eine gewisse Ruhe... Jaina schluckte und stellte die Frage, die ihr am meisten auf der Seele brannte. „Habt ihr meinen Bruder Fergus gesehen? Er sollte mit einigen Soldaten hierherkommen, noch bevor Howe sich gegen uns wandte.“
    „Ja, er ist hier,“ Jaina überkam eine Flutwelle der Erleichterung. Ihr Bruder lebte, er war hier. Sie konnte ihn sehen! „Aber im Moment ist er in der Korcari-Wildnis. Er wir wohl nicht bis vor Ende der Schlacht zurück sein. Tut mir Leid, Mylady.“

    Die Erleichterung ebbte schnell ab, bis auf einen kleinen Teil – immerhin war ihr Bruder hier. Und er war am Leben. In der Wildnis – naja, er hatte sich schon schlimmeren Sachen stellen müssen. In Gedanken konnte sie sogar kurz grinsen, als sie an einen der Streiche dachte, den sie gemeinsam ausgeheckt hatten. Sie spürte eine feuchte Schnauze in ihrer Handfläche. Natürlich – kaum ging es um Streiche, schien ihr Mabari-Hund ihre Gedanken lesen zu können. Wobei – das konnte er fast immer.
    König Cailan verabschiedete sich von ihnen und Jaina ging mit Duncan auf das Lager zu, ihr Hund folgte ihnen. Erst jetzt bemerkte Jaina, wie locker und unbefangen der König über die Shlacht gesprochen hatte. Nun, da sie zumindest wusste, dass Fergus lebte, konnte sie sich wieder mit dem eigentlichen Thema beschäftigen. Eine Schlacht gegen die dunkle Brut. Soweit sie gehört hatte waren das Monster, die zu erlegen nicht unbedingt leicht war. Und wenn eine ganze Armee auf sie wartete – wie sehr würde das ihre Chancen beeinträchtigen?
    Jainas Mundwinkel zuckten. Sie hatte sich bisher jedem Gegner gestellt. Sie würde einfach jedes dieser Dunklen-Brut-Wesen in Gedanken mit dem Gesicht von dieser verräterischen Ratte Howe überdecken, dann hätte sie vielleicht sogar Spaß am Töten. Sie überlegte gemeinsam mit Duncan, ob es denn nun wirklich eine Verderbnis sei, die das Land überrolle und ob man das so leicht nehmen konnte und sollte, wie Cailan es tat. Sie kamen zu dem Schluss, vorsichtig vorzugehen und Duncan bot ihr an das Lager zu erforschen und die anderen beiden Rekruten sowie den anderen Grauen Wächter Alistair kennenzulernen und mit ihnen zum Lagerfeuer zu kommen.

    Während Duncan über eine Brücke gemeinsam mit ihrem Hund Richtung Lager lief, sah sie gedankenverloren Jag hinterher. So hatte sie ihren Mabari genannt. Er war alles, was sie noch an das Leben in Highever erinnerte. Gedankenverloren ging sie über die Brücke. Was würde nun geschehen? Eine Schlacht, die sie womöglich nicht gewinnen konnten? Und wenn ja, was dann? Sie wusste nicht, was es hieß ein Grauer Wächter zu sein. Sie wusste nicht einmal, wie ihre Kameraden gesinnt sein würden. Nun gut, dann gilt es das herauszufinden, dachte Jaina bei sich und lief einen Tick entschlossener über die Brücke.
    Fawks is offline Last edited by Fawks; 13.04.2011 at 11:05.
  3. #23 Reply With Quote
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    2. Ostagar – Die Rekruten

    Das Lager erschien ihr zuerst chaotisch und durcheinander, hier Magier, dort Priester, dort das königliche Zelt direkt neben dem Übungsplatz... Nach und nach erkundete sie alles. Eine ältere Frau fiel ihr auf, schlank und hochgewachsen, mit streng zusammengebundenen grauen Haaren, aber einem gütigen und weisen Gesicht. Jaina hielt auf sie zu, sie erkannte eine Magierrobe an der Frau. Sie stellten sich einander vor und sprachen kurz über die bevorstehende Schlacht und über das Nichts, in dem normale Menschen träumten, Magier aber wach bleiben könnten. Die Maga, Wynne hieß sie, schien das Thema vertiefen zu wollen, aber Jaina wollte weiter nach den Rekruten suchen.

    Sie verabschiedete sich und lief wahllos Richtung Quartiermeister, wo ein junger Soldat stand und mit einer Frau sprach. Er war groß und gertenschlank, hatte eine hohe Stimme mit einem etwas seltsam anmutendem Dialekt. Er trug die Haare kurz und hatte einen vier-Tage-Bart. Alles in allem sah er wirklich hübsch aus, seine kleinen blauen Augen leuchteten ungeachtet der bevorstehendem Schlacht oder unangenehmen Aufgaben. Jaina wartete ab, bis die Frau sich davonmachte und sprach den Soldaten an. Ihre Intuition war richtig gewesen, sein Name war Daveth und er war einer der Rekruten. Er erzählten ihr von der möglichen Aufgabe in die Wildnis aufzubrechen – sie nahm bei ihm eher Unbehagen wahr ob dieser möglichen Prüfung.

    Sie selbst freute sich fast, zum einen wäre sie beschäftigt, zum zweiten würde sie die Gegend kennenlernen war vor einer Schlacht nie falsch war, und zum dritten war doch ihr Bruder irgendwo da draußen. Mit ein wenig Glück würde sie ihm über den Weg laufen. Daveth unterbrach ihre Träumereien indem er ihr erzählte, dass der andere Rekrut, Ser Jory, sich auch irgendwo im Lager befand und ihr eine Richtung wies.

    Sie machte sich in die genannte Richtung auf und sah einen kräftigen Mann mit einem Zweihänder auf dem Rücken. Er stand in einer Ecke des Lazaretts und schien nachzudenken. Er hatte kurz rasierte Haare dafür aber viele kräftige Bartstoppeln. Er wirkte stark und durchtrainiert, anders als Daveth, der eine sehr hohe Belastung in Kauf nehmen konnte, seinem Aussehen nach. Trotz seiner offensichtlichen Stärke deutete seine Haltung darauf hin, dass er sich nicht allzu wohl fühlte – und genau dasselbe vermittelte der Tonfall in dem er sprach, als sie sich ihm vorstellte.
    Na das kann ja lustig werden, dachte Jaina bei sich. Sie hatte schon als kleines Kind mit ihrem Bruder Mutproben gewagt, die sie häufig gewonnen hatte. Angst hatte sie vor nichts gehabt. Damals hatte sie auch noch nichts verloren – im Gegensatz zum jetzigen Zeitpunkt. Und selbst jetzt war ihr Wille größer als ihre Traurigkeit, auch wenn das wahrscheinlich nur jetzt im Angesicht der Schlacht so war. Sie hoffte, dass Ser Jory mehr Mut beweisen könnte als er ausstrahlte.

    Sie verabschiedete sich auch von ihm und machte sich auf die Suche nach dem Grauen Wächter namens Alistair. Sie fand ihn auf einer Plattform im Norden des Lagers und blieb in einiger Entfernung stehen als sie sah, dass ein Magier sich mit dem jungen Mann dort unterhielt. Letzterer sah auf eine Weise unscheinbar aus, so als würde er in einer Menschenmenge nicht hervorstechen. Doch dass er durchtrainiert und athletisch war, sah Jaina sofort. Allein an der Haltung des Mannes erkannte sie, dass er eine Kämpferausbildung genossen hatte. Er hatte kurz geschnittene Haare, die am Stirnansatz ein wenig nach oben standen. Ein glattes und junges Gesicht mit einer geraden Nase verlieh ihm ein fast jungenhaftes Aussehen. Der kleine Bart unterhalb des Mundes verstärkte diesen Eindruck sogar.
    Sie lauschte und realisierte sofort, dass es weniger ein Gespräch als schon fast ein Streit war: Der junge Mann sollte den Magier wohl zur Ehrwürdigen Mutter schicken, doch der wollte sich nicht herumkommandieren lassen. Innerlich rollte Jaina mit den Augen – es war Krieg, musste der sich so anstellen? Der junge Mann, der anscheinend dieser Graue Wächter war, sah das wohl ebenso, denn er zog den Magier auf und damit dessen Ungehaltenheit auf sich. Letztendlich aber drehte sich der Magier auf dem Absatz um und ging erhobenen Hauptes Richtung Lager – im Vorbeigehen warf er Jaina einen Blick zu, der seine ganze Wut auf den jungen Mann deutlich machte.

    Dieser hatte Jaina bemerkt und kam ihr die letzten Schritte entgegen, mit einem versonnenen Gesichtsausdruck. „Das ist das Schöne an der Verderbnis ist ja, dass sie die Leute zusammenbringt.“ Jaina musste unwillkürlich grinsen. „Ich weiß genau was ihr meint.“
    „Es ist wie eine Feier. Wir könnten uns im Kreis aufstellen und uns an den Händen halten. Darüber könnte die Dunkle Brut dann nachdenken.“ Der junge Mann grinste schelmisch, dann wurden seine Züge wieder ernst. „Moment, wir kennen uns noch nicht, oder? Ihr seid nicht zufällig auch ein Magier?“
    Jaina wollte schon fast erneut grinsen als sie erwiderte: „Nein, keine Sorge. Ich bin keine Maga.“

    Erkenntnis zeichnete sich schlagartig auf dem Gesicht des jungen Mannes ab. „Moment mal, ich weiß wer ihr seid. Duncans neue Rekrutin aus Highever! Entschuldigt bitte, ich hätte das früher merken können. Erlaubt mir mich vorzustellen: Ich bin Alistair, der neue Graue Wächter – obwohl ihr das sicher schon wusstet. Ich werde Euch helfen euch auf den Beitritt vorzubereiten und euch begleiten.“
    „Erfreut euch kennenzulernen. Ich bin Jaina.“ Jaina war fast versucht einen Knicks anzudeuten, ließ es aber sein. Dieser Bursche hatte Humor, das gefiel ihr. Er war ein Grauer Wächter, das heißt sie könnte ihn über alles ausfragen was ihr bisher noch unklar war. Und Alistair erschien ihr durchweg sympathisch.
    „Ahja, das war der Name. Mir fällt gerade ein, dass es bei den Wächtern nie viele Frauen gab. Ich frage mich warum...“
    Nun lächelte Jaina doch. „Wahrscheinlich sind wir zu klug für euch.“
    Alistair erwiderte das Grinsen und betrachtete sie von oben bis unten. „Möglich. Doch dann frage ich mich, wie es kommt, dass ihr hier seid...“
    Kalt erwischt, dachte Jaina. Sie scherzte noch ein wenig mit Alistair, bis er sie fragte, ob sie denn schon einmal Dunkle Brut bekämpft hatte. Sie verneinte wahrheitsgemäß und hörte interessiert Alistairs Ausführungen zu, wie er das erste Mal Dunkler Brut gegenübergestanden hatte. Es schien wahrlich kein angenehmes Erlebnis zu sein – wesentlich rauher und widerlicher, als in einer herkömmlichen Schlacht.
    Als Alistair fertig war, fragte Jaina ihn nach dem Streit zwischen dem Magier und ihm. Daraufhin erzählte er ihr, dass er einmal ein Templer, ein Jäger von abtrünnigen Magiern, gewesen sei und diese Hintergrundgeschichte ihn in einige Konflikte zwischen Kirche und Zirkel der Magi bringen konnte.

    Währenddessen gingen sie gemeinsam zu Duncan, wo auch schon die anderen beiden Rekruten standen. Sie wurden aufgefordert, in die Wildnis aufzubrechen, so wie Daveth es vermutet hatte, und dort etwas Blut der Dunklen Brut und alte Wächter-Verträge ausfindig zu machen und zurückzubringen. Jaina beobachtete Jory, der sich über den Auftrag am wenigsten zu freuen schien. Ihr fiel es schwer nicht spöttisch über ihn zu denken – sie kannte ihn ja kaum. Außerdem musste sie sich ja nicht mit ihm befassen.
    Sie ertappte sich bei diesem Gedanken und fragte sich, mit wem sie sich denn lieber befassen würde. Ihre Antwort war innerhalb weniger als eines Sekundenbruchteils klar und das fand sie seltsam.
    Sie hatte eine Kampfausbildung genossen, zusammen mit vielen Männern und wenigen Frauen. Sie hatte viele in Highever sympathisch und freundlich gefunden, andere waren aber auch kriecherisch und immer darauf aus sich bei ihr einzuschmeicheln, weil sie die Tochter des Teyrn von Highever war. Ser Gilmore war so einer gewesen, den sie auf Anhieb sympathisch gefunden hatte als sie noch jünger war. Ganz ähnlich wie jetzt bei Alistair. Und nun? Ser Gilmore war wahrscheinlich in der Nacht ihrer Flucht gestorben. Gestorben, weil ein angeblicher Freund ihrer Familie ebenjene verraten hatte. Was hatte Gilmore ihre Sympathie genutzt? Nichts, rein gar nichts. Kalte Wut breitete sich in Jaina aus und sie musste dagegen ankämpfen nicht aus der Haut zu fahren.
    Sie brannte darauf mehr über die Grauen Wächter zu erfahren und in die Wildnis aufzubrechen. Es bestand eine kleine Chance, dass sie ihren Bruder dort finden würde. So setzte sie sich an die Spitze der Vierergruppe und ging voraus, in Richtung des Tores.
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  4. #24 Reply With Quote
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    3) Ostagar – Die Wildnis

    Gemeinsam durchstreiften sie die Wildnis. Hier und da bekämpften sie Dunkle Brut und hatten auch schnell das Blut beisammen. Jaina bemerkte, dass Alistairs Erfahrungen wohl auch den ihren entsprachen. Diese Kreaturen sahen abscheulich aus, humanoid vom Körperbau, aber entstellt und Fratzen als Gesichter. Sie stanken nach Verwesung und getrocknetem Blut. Es war widerwärtig aber, traurigerweise, nur eine Frage der Gewöhnung diese Biester zu töten. Als sie schließlich bei den Ruinen des Wächterturms angekommen waren und die Truhe durchsucht hatten, fanden sie keine Verträge.

    Jaina war die ganze Zeit über wachsam gewesen – von Fergus keine Spur. Zum Glück aber auch nicht von seiner Leiche. Sie fühlte sich beobachtet und ihr Instinkt trog sie selten. Was hätte sie gegeben Jag dabeizuhaben und ihn losschicken zu können, auf der Suche nach – ja, was? Oder wem?
    Diese Frage wurde ihr plötzlich beantwortet, als sie sich vor der Truhe, in der die Verträge sein sollten, wieder erhob und umdrehte. Eine durchaus ansehnliche junge Frau schlenderte hüftschwingend und gleichzeitig bedrohlich eine Anhöhe herunter. „Soso, was haben wir denn hier? Plünderer oder einfach ein paar Eindringlinge, die den Frieden der Wildnis stören wollen?“

    Daveth und Jory flüsterten sich gegenseitig zu, dass diese Frau eine Hexe sein musste, dass sie sie verwandeln würde – Jaina teilte lediglich den Gedanken, dass diese Frau nicht ungefährlich war.
    „Weder noch. Wir sind hier um die Verträge der Grauen Wächter zu holen.“
    „Soso, und wer seid Ihr?“ Leichter Spott zeichnete sich auf dem Gesicht der Frau ab.
    Gelassen entgegnete Jaina: „Ihr könnt mich Jaina nennen.“
    Erschien es ihr nur so, oder wich der Spott für eine winzige Sekunde der Bewunderung? „Dann könnt Ihr mich Morrigan nennen.“
    Die Miene der Hexe änderte sich nicht, auch nicht als schließlich Alistair sie des Diebstahls bezichtigte. Im Gegenteil, sie wies ihn zurecht, dass nicht sie, sondern ihre Mutter diesen „Diebstahl“ begangen hatte.
    „Folgt mir also wenn ihr es wünscht, ich bringe euch zu meiner Mutter.“ Damit ging Morrigan davon.
    Trotz der bösen Vorahnungen Daveths und Jorys beschloss Jaina, dann eben die Verträge zurückzuholen und schloss sich Morrigan an.
    Sie war eine überaus attraktive Frau, mit einem Hauch von Nichts bekleidet, das ihren gesamten Rücken freiließ und nur das Innerste ihrer Oberweite verbarg – natürlich mit einem gewaltigen Ausschnitt. Die hochgesteckten Haare ließen freien Blick auf einen schlanken Hals, das schöne Gesicht wurde von ein paar Ponyfransen betont. Ein langer und enganliegender Rock ließ wohlgeformte Hüften vermuten, die Beine steckten zusätzlich in einer Lederhose, die schlanken Waden zeichneten sich deutlich ab. Jaina, die direkt hinter Morrigan lief, vermutete stark und in einer durchaus gehässigen Weise, dass sich die Männer hinter ihr keine bessere Aussicht wünschen konnten.

    Tatsächlich kamen sie nach einer kurzen Zeit an einer schäbigen Hütte an, davor stand eine ältere Frau und kicherte vor sich hin. Morrigan erzählte ihr, weshalb die „Eindringlinge“ hier waren und erstaunlicherweise gab ihre Mutter die Verträge sofort zurück. „Und bevor ihr zu schimpfen anfangt, die Siegel waren schon kaputt. Ich habe die Verträge nicht gestohlen, ich habe sie beschützt.“
    Alistair blieb fast der Mund offen stehen. „Beschützt? Ihr habt…? Danke.“ Er nahm die Verträge entgegen. Morrigans Mutter musterte Jaina und Alistair scharf. „Ihr solltet euren Kameraden erzählen, dass diese Verderbnis größer ist, als sie bisher ahnen.“
    Daveth mischte sich ein. „Wie meint ihr das, größer als wir ahnen?“
    Morrigans Mutter verfiel wieder in ein Glucksen. „Wer weiß. Vielleicht heißt es, dass die Verderbnis größer wird. Vielleicht heißt es, dass eure Kameraden zu wenig ahnen. Vielleicht ahnen sie überhaupt nichts!“
    Restlos verwirrt zuckte Daveth mit den Schultern. Morrigan schob sich vor ihre Mutter und wollte die Vier zurückschicken. Ihre Mutter jedoch unterbrach sie: „Mach dich nicht lächerlich, Mädchen. Das hier sind deine Gäste!“
    Morrigans Gesicht zeigte keine Regung als sie antwortete. „Oh, sehr schön. Also, folgt mir, ich bringe euch aus der Wildnis.“
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    4)Ostagar – Der Beitritt

    Jaina blieb nicht viel Zeit zum Nachdenken, Morrigan führte sie bestimmt auf dem kürzesten Weg zurück zum Lager und machte sich auch keine große Mühe, sich zu verabschieden. Dennoch sinnierte sie unterdessen über ihre Begleiter. Ser Jory ging ihr mehr und mehr auf die Nerven. Als sie anfangs einen verwundeten Soldaten gefunden und verbunden hatten, war er der erste gewesen, der sich über die Gefahren in der Wildnis ausgelassen hatte. Jaina konnte selbst bei allem Respekt nicht verstehen, wie Ser Jory sich das Leben als Grauer Wächter vorgestellt hatte. Mit Tee trinken und Keksen essen? Oder war er gezwungen worden? Konnte man einen Menschen zwingen, Grauer Wächter zu werden?

    Daveth schien wesentlich unkomplizierter und etwas mutiger. Er war bereit, die Herausforderungen anzunehmen, das war offensichtlich. Ebenso wie sie selbst. Was hatte sie auch für eine Wahl?

    Sobald sie im Lager waren führte Jaina die Gruppe zu Duncan, übergab ihm das Blut und Alistair zeigte Duncan die Verträge. „Gut gemacht.“ Duncan nickte Alistair zu, und dieser steckte die Verträge in seinen Gürtel. „Wenn ihr nun keine weiteren Fragen habt, fangen wir mit dem Beitritt an.“ Er sah jeden einzelnen an. „Gut, worauf warten wir noch?“ meinte Jaina.
    „Meine Meinung. Bringen wir es hinter uns.“ Ser Jory warf Jaina einen Blick zu den sie nicht interpretieren konnte. Was war denn mit ihm los? War er doch tapferer als sie gedacht hatte? Oder wollte er sich nur aufspielen? Sie wurde aus diesem Ritter einfach nicht schlau.
    [Bild: Jaina_203.jpg]
    „Alistair, bring sie zum alten Tempel.“ Duncan ging in die entgegengesetzte Richtung davon.

    Alistair wies die drei Rekruten mit einem Blick an, ihm zu folgen. Jaina hielt sich von Daveth und Jory fern, die direkt hinter Alistair folgten. Sie wusste nicht was auf sie zukommen würde. Aber sie war sich sicher, dass sie es schaffen könnte. Sie hatte Fergus nicht finden können. Also musste sie ihn nach der Schlacht suchen. Der König hatte ihr sein Wort gegeben. Und dennoch wusste sie, dass sie sich auf die Schlacht konzentrieren sollte und nicht all ihre Kräfte darauf fokussieren, Fergus zu finden. Was half ihr das, wenn sie deshalb in der Schlacht umkam?

    Am alten Tempel angekommen, schloss sie zu Jory und Daveth auf, die schon wieder über die Gefahren des Rituals diskutierten.
    „Je mehr ich über diesen Beitritt höre, desto weniger gefällt er mir.“
    „Fangt Ihr schon wieder damit an?“
    „Ich verstehe nicht was diese ganzen Prüfungen sollen. Habe ich mich nicht schon genug bewiesen?“ Jory blickt Daveth mit einer Mischung aus Traurigkeit und Unverständnis an. Dieser ging nicht darauf ein. „Vielleicht wollen sie das tun um Euch zu ärgern. Vielleicht ist es Tradition.“

    Jory warf ihm einen missbilligenden Blick zu. „Ich weiß nur, dass meine Frau daheim in Highever ist und unser Kind erwartet. Wenn sie mich gewarnt hätten...“
    „Wärt ihr gekommen, wenn sie Euch gewarnt hätten? Die Wächter tun was sie tun müssen.“
    „Gehört dazu auch, dass sie sich opfern?“
    „…ich würde noch viel mehr opfern, wenn ich wüsste, dass es eine Verderbnis beendet. Und das solltet ihr auch!“
    Jaina mischte sich ein: „Ich schwöre, ich bin die Tapferste hier und ich bin eine Frau.“
    Hatte sie es sich nur eingebildet oder hatten Alistairs Mundwinkel kurz gezuckt? Ser
    Jory kam ihr mehr und mehr vor wie ein Waschlappen. Ein Waschlappen mit einem Zweihänder auf dem Rücken, dachte sie bitter.

    Sie hörte Schritte hinter sich und sah Duncan auf sie zukommen. „Wir fangen nun mit dem Beitritt an. Die Grauen Wächter wurden während der ersten Verderbnis gegründet, als die Menschheit kurz vor der Ausrottung stand. So kam es, dass die ersten Grauen Wächter das Blut der Dunklen Brut tranken. Und die Verderbnis überwanden.“
    Ser Jorys Gesichtsausdruck spiegelte Ekel und Abscheu wider. „Wir sollen das Blut dieser – Kreaturen trinken?!“ Duncan schritt auf ihn zu. „So wie es die ersten Grauen Wächter vor uns taten – so wie wir es vor Euch taten. Dies ist die Quelle unserer Kraft und unseres Sieges.“
    „Diejenigen die den Beitritt überleben werden immun gegen die Verderbnis. Wir können die Dunkle Brut spüren und dadurch den Erzdämon töten.“ Damit wandte Alistair sich an die Rekruten. Sie schwiegen unangenehm berührt. Duncan ergriff wieder das Wort. „Es werden nur wenige Worte vor dem Ritual gesprochen. Doch diese wurden seit der ersten Aufnahme gesagt. Alistair, würdest du bitte.“

    Alistair senkte den Kopf. Seine Stimme war ruhig und entspannt, doch die Bedeutung der Worte schien gestochen scharf. „Tretet uns bei, Brüder und Schwestern. Kommt zu uns in die Schatten, wo wir wachsam warten. Tretet uns bei und tragt mit uns die Bürde, die getragen werden muss. Und solltet ihr fallen, wissett, dass euer Opfer nicht vergessen werden wird. Und dass wir eines Tages zu euch kommen werden.“

    Duncan ergriff den Kelch. „Daveth, tritt vor.“ Daveth tat wie ihm geheißen und nahm den Kelch entgegen. Nach kurzem Zögern trank er einen Schluck und ließ den Kelch in Duncans ausgestreckte Hand gleiten.
    Er wich keinen Schritt zurück, als das Blut in ihm seine Wirkung zu entfalten schien. Sein Gesichtsausdruck wurde leer, er schwankte ein wenig. Nachdem ein paar Sekunden nichts geschah, krümmte er sich plötzlich wie unter großen Schmerzen und stieß einen gepeinigten Schrei aus. Er riss den Kopf nach oben, wo nur das Weiße seiner Augen zu sehen war, ehe er langsam zuckend zusammenbrach – leblos. „Es tut mir Leid, Daveth.“ Duncan dreht sich mit dem Kelch in der Hand zu Jory. „Tritt vor, Jory.“ „Aber...“ Jory wich zurück und hob die Hand zu seiner Klinge. „Ich habe eine Frau. Ein Kind“ Mit diesen Worten zog er sein Schwert von seinem Rücken. „Hätte ich das gewusst...!“ „Es gibt kein Zurück.“ Duncan ging unerbittlich auf ihn zu, Jory wich zurück, bis er an eine Wand stieß. „Nein. Ihr verlangt zuviel. Daran ist nichts Glorreiches.“ Bedächtig stellte Duncan den Kelch beiseite und zog seinerseits sein Schwert. Ein, zwei Paraden – und Duncan versenkte seine Klinge in Jorys Bauch. „Es tut mit Leid.“

    Nun war Jaina entsetzt. Duncan – ihr Retter – hatte einen Rekruten getötet. Weil er ein Angsthase war. Jorys Blut breitete sich über den Boden aus, als Duncan mit einiger Schärfe in der Stimme zu ihr sagte, dass das Ritual noch nicht vorbei sei. „Von diesem Moment an bisst du ein Grauer Wächter!“ Sie nahm den Kelch entgegen, trank einen Schluck und übergab ihn mit zitternden Händen wieder Duncan.
    Sie konnte das Blut der Dunklen Brut in ihren Magen fließen hören. Wie es innerhalb von Sekundenbruchteilen ihren ganzen Körper durchströmte und sämtliche Nerven plötzlich zu überreizen schien. Sie sah nichts mehr, hörte nichts mehr, und glaubte dennoch einen Schrei von sich gegeben zu haben, der jedoch übertönt wurde von einem Brüllen in ihrem Inneren. Vor ihrem geistigen Auge sah sie einen riesenhaften Drachen mit zähnebewehrtem Maul, der sich in ihre Richtung drehte und ihr Wut, Hass und Abscheu in einem unsagbar lautem Gebrüll entgegenschickte. Entsetzt und aufgebracht riss sie ihren Oberkörper aufwärts, sie sah nur den riesigen Drachen in grünem, widerlichen Licht. Sie konnte nicht denken. Sie wusste dass es der Erzdämon war, aber sie wusste nicht wie. Sekunden wurden zu Minuten, sie fühlte sich wie in Zeitlupe fallen. Und dann war alles schwarz.
    Fawks is offline Last edited by Fawks; 14.04.2011 at 12:33.
  6. #26 Reply With Quote
    Deus VRanger's Avatar
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    Vorherige -> K1 #17 • Weitere Lektionen

    Der Mann hatte eine Unterweisung zum Hacken von Holz erhalten und ein Stangenparkour wurde aufgestellt. So entwickelte sich die Geschichte weiter:

    K1 #18 • Ein Schleifstein

    »Jaaah!« schallte es durch den Wald. Mit Freude hielt der Mann, dessen rosenblondes Haar in der Sonne leuchtete, das Stilett in den Himmel. Deutlich leiser fügte er an: »Endlich, endlich habe ich es geschafft.«

    Das »Jaaah!« lockte in Isilde ihre alte Angst vor dem Unbekannten hervor, als sie erkannte, dass der Mann die Stichwaffe hoch in den Himmel hielt. Sie eilte ins Haus und rief ihrer Mutter zu: »Er hat ihn aus dem Tisch gezogen,« und fügte nach einem kurzen Luftholen noch an »den Dolch.« »Ich dachte schon, er macht es nie,« entgegnete Magaritt trocken, ohne dabei von ihrer Arbeit aufzuschauen. »Du machst mir Spaß,« wetterte die Tochter. »Was soll nun werden?« »Was soll nun werden?« sprach die Mutter die Frage nach und erklärte ihre Tochter zum Angsthasen. »Nichts! Es wird so sein wie immer. Aber er wird langsam wieder der, der er war. Und jetzt schau, dass die Wäsche gewaschen wird, die Kammer ist zu säubern, hier steht noch ein Abwasch. Ich glaube,« so die Ältere, »Du solltest Dir mehr über Deine Arbeit den Kopf zerbrechen.«

    Derweilen hatte draußen der laute Ruf den Mabari angelockt. Er stand mit leicht gespreizten Läufen vor dem Mann, hechelte und drehte mit einem sehr sanften Winseln den Kopf zur Seite, als wenn er schauen wollte, was es da Interessantes gab. Der Mann legte das Stilett auf die Holzdielen des Tisches und klopfte dem Tier auf das Fell. Dieser beantwortete den Klaps mit einem Sprung an die Brust des Mannes. Dieser hatte arg zu tun dem Gewicht des Hundes standzuhalten. »He, Klecks! Willst mich wohl umschubsen? Doch eigentlich brauche ich einen Schleifstein. Siehst Du einen,« sagte er zu dem Mabari. Und der Mann lief suchend über den Hof vor dem Haus und sagte mehr zu sich: »Der alten Schleifstein, besser das Schleifrad, mit dem ich die Axt schärfe, ist zu grob für das Stilett.« Doch als er nichts Brauchbares finden konnte, beschloss er Isilde zu suchen und sie zu fragen.

    Im Haus angekommen, grüßte er Magaritt. Sie nickte ihm zu und sagte: »Na, habt ihr den Dolch endlich aus dem Tisch? Ich dachte schon wir können draußen nicht mehr essen.« Dabei lachte sie ihn an. Er stutzte und sagte: »Ihr habt den ja dort versenkt?« Sie nickte lachend und sagt: »Ja, ja. Habe ich.« »Stimmt!« antwortete er nur und überlegte, wie fest das Stilett all die Tage bei seinen Übungen bereitgestanden hatte. Auch er dachte an die Tiefe, in der die Klinge in den dicken Holzdielen gesteckt hatte. »Doch Ihr kommt doch nicht an einem solchen Sonnentag zu mir, um Euch mit dem Dolch zu brüsten?« wollte sie wissen. Er gewann etwas an roter Farbe im Gesicht. An diese Dinge hatte er überhaupt nicht gedacht. »Nein, … nein!« stotterte er. »Nein,« reichte er etwas später fester im Ausdruck nach, »ich suche einen Schleifstein.« »Warum nehmt Ihr nicht das Schleifrad hinten am Holzstapel? Die Kurbel müsste ja noch dran sein,« schlug Magaritt in ihrer Art vor. »Und warum wollt Ihr überhaupt einen Schleifstein?« fragte sie. »Nun,« antwortete er. »Ich brauche etwas, um die vom Wasser zusammenklebenden Seiten des Buches zu lösen. Mit dem Stilett sollte es schon gehen. Denn die Klinge ist sehr gut gefertigt, aber nicht mehr scharf genug.« Und weil er merkte, dass er ihre Frage noch nicht vollständig beantwortete hatte, fügte er an: »Der Sandstein hat zu viele Riefen. Er müsste mal glatt gezogen werden. Zudem hatte das Stilett einen Flachklingenschliff.« »Ihr scheint Euch ja mit solchen Dingen auszukennen,« antwortete Magaritt. »Ich kann es Euch nicht genau sagen. Ihr wisst, der Schlag auf den Kopf und mein Gedächtnis, aber der Flachklingenschliff wird eher bei flexiblen und relativ dünnen Klingen verwendet. Es wird quasi die gesamte Klingenbreite ausgenutzt. Deshalb braucht man eigentlich auch einen flachen Stein zum Schleifen.« Und er erklärte noch, wo sein Wissen so aus ihm heraussprudelte: »Den Hohlklingenschliff findet man dagegen bei Schwertern und Säbeln. Denn die Klinge soll den breiten und stabilen Klingenrücken behalten und trotzdem über einen spitzen Schneidenwinkel verfügen.«

    Magaritt überlegte eine Weile und fragte: »Kann es auch roter Sandstein sein?« »Ja, man müsste es versuchen,« antwortete er. »Draußen am Stall, dort wo auch der Mabari seinen Platz hat, steht ein Futtertrog. Dieser besteht aus dem roten Stein. Aber seht zu, dass kein Schleifgut in das Innere fällt,« erklärte die Grauhaarige. Er bedankte sich und begab sich nach draußen.

    Wenige Minuten später kam die Tochter die Treppe herunter. »Er ist gerade weg,« sagte die Mutter zu ihr. »Was? Er war hier. Was wollte er?« fragte sie. »Er sucht einen Schleifstein.« »Was! Einen Schleifstein!« äußert sie mit Schrecken in der Stimme. »Nun beruhige Dich!« wurde die Mutter laut. »Er will das Stilett schärfen, um die Buchseiten, die zusammenhängen, zu trennen,« unterwies sie die Tochter. »Ach so. Dann ist es ja gut,« beruhigte sich die Jüngere.

    Nächste -> K1 #19 • Schleifen
    VRanger is offline Last edited by VRanger; 18.07.2011 at 19:11. Reason: zeitliche Einordnung
  7. #27 Reply With Quote
    Waldläuferin Seregil's Avatar
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    Dann packe ich hier meine beiden Stories auch mal rein.


    Kurze Erklärung zur ersten Geschichte: "Talí" ist ein Wort, das in den Nightrunner-Büchern von Lynn Flewelling benutzt wird. Und zwar von den Aurenfaie (sind in der Welt keine Elfen.. aber Elfen-ähnlich sind die schon...finde ich). Jedenfalls bedeutet das so viel wie "Liebster". Mag das Wort irgendwie und fands passend, daher bin ich in der Geschichte schnell dazu übergegangen. Also nicht wundern.
    Die Geschichte fängt ungefähr da an, wo ich mit Awakening durch war.



    Dragon Age Origins & Awakening: Dalish-Elf Khenir

    Nach der Vernichtung der „Mutter“ blieb Khenir nicht mehr lange in Vigils Wacht.
    Die Verderbnis war endgültig beendet, es herrschte Frieden und die Grauen Wächter brauchten ihn nicht mehr als ihren Kommandanten. Es gab Andere, die diesen Posten übernehmen konnten, sollte es nötig werden.
    Ihn zog es nach Antiva, wo Zevran zuletzt gewesen war. Khenir hoffte, er würde seinen Geliebten dort finden, um endlich die Einsamkeit vertreiben zu können, unter der er in den letzten Monaten so sehr zu leiden hatte. Die letzten Wochen waren schwer gewesen. Er konnte sich immer schlechter konzentrieren. Sicher hatte er Freunde in Vigils Wacht, aber keiner seiner Freunde konnte seine Einsamkeit verstehen. Nicht einmal die Dalish-Elfe Velanna verstand ihn richtig, da sie zu sehr mit ihren eigenen Problemen und dem Verlust ihrer Schwester zu kämpfen hatte. Als Elf – und besonders als einer der Dalish – war es nicht leicht, unter Menschen zu leben. In Städten und Festungen, die einen einengten. Mit Zevran zusammen hätte es ihm nicht so viel ausgemacht, aber ohne seinen wichtigsten Vertrauten, tat Khenir sich schwer. Auch wenn er versuchte, es sich nicht anmerken zu lassen und seiner Pflicht als Grauer Wächter nachzukommen, obwohl er diese das eine oder andere Mal in seinem Leben lieber ignoriert hätte.
    Doch nun wurde er nicht mehr gebraucht. Er hatte auch wahrlich genug getan in den letzten Monaten.
    Und so verließ Khenir eines Nachts Vigils Wacht. Ohne Abschied und ohne seine Gefährten zu informieren. Alleine Oghren hatte einen Verdacht, wohin der Kommandant verschwunden sein konnte. Doch behielt er diese Vermutung lange Zeit für sich.

    Die Reise nach Antiva war lang und beschwerlich und Khenir hoffte inständig, dass sie sich lohnen und er Zevran wiedersehen würde.
    In seinem letzten Brief hatte Zevran geschrieben, dass er in Antiva versuchen wolle, seine Angelegenheiten mit den „Krähen“ zu erledigen und er dann zu Khenir zurückkehren wolle, um dann für immer mit ihm zusammen zu bleiben. Khenir lächelte bei dem Gedanken daran.
    Er war an diesem Tag schon weitaus länger gelaufen, als er es ursprünglich vorgehabt hatte. Der Staub der Straße klebte an ihm und seine Beine wollten ihn kaum noch tragen. Doch er wusste, er würde bald die Stadt Antiva erreichen. Und so lange wollte er noch aushalten.
    Nach zwei weiteren mühseligen Stunden hatte er endlich die Stadttore von Antiva vor sich. Er ging zum Markt, wo er erschöpft auf die Knie sank. Endlich war er angekommen. Jetzt musste er nur noch Zevran finden. Nach einer Weile stand er auf und machte sich auf die Suche nach einem Gasthaus.
    Die Leute waren Fremden gegenüber immer sehr misstrauisch, aber auch neugierig. Ein gewöhnlicher Reisender war er nicht, das sah man ihm sofort an. Und so ging schnell das Getuschel über den Fremden los.

    Zevran saß in einer Taverne, als er beim Belauschen der Leute eine interessante Neuigkeit hörte. Ein dunkelhaariger Elf war in der Stadt angekommen. Manche munkelten sogar, es sei vielleicht der Held Fereldens, derjenige, der den Erzdämon erschlagen und damit die Verderbnis beendet hatte.
    „Der Held Fereldens, ja?“, dachte Zevran. „Interessant. Das muss ich mir doch mal näher ansehen…“ Er leerte sein Glas und verließ die Taverne.
    Zevran war ein verdammt guter Spion und Meuchelmörder und hatte sein Ziel schnell gefunden. Es war aber dieses Mal auch nicht sonderlich schwierig, da der dunkelhaarige Elf nicht mehr sehr zielsicher durch die Stadt wankte. Zevran brauchte ihn nicht lange zu beobachten, um genau zu wissen, dass die Gerüchte stimmten und er dort tatsächlich den Helden Fereldens – seinen Geliebten – vor sich hatte. Er schüttelte nur den Kopf. Wie konnte Khenir nur so leichtsinnig sein. Zevran lief durch die Schatten und wartete, bis Khenir an seiner dunklen Gasse vorbeikam. Dann sah er sich kurz um, packte den Elfen blitzschnell am Arm, zog ihn – noch ehe Khenir begriff, wie ihm geschah – zu sich in die Gasse und hielt ihm ein Messer an die Kehle. In der Hoffnung, Khenir würde dadurch davon abgehalten werden, nach seinen Waffen zu greifen.
    „Psst. Ich bins, Amore.“, Zevran grinste ihn an. Als er merkte, dass der Elf ihn erkannt hatte, steckte er seinen Dolch wieder weg. „Was zur Hölle glaubst du eigentlich, was du hier machst?“ Er funkelte Khenir angriffslustig an. „Hast du auch nur eine winzige Ahnung, wie gefährlich es ist, in Antiva so ganz ohne Deckung rumzulaufen? Du kannst froh sein, dass ich dich vor den Krähen gefunden habe.“, zischte er. Dann umarmte er den jüngeren Elfen jedoch. Khenir ließ sich einfach nur erleichtert in seine Arme fallen. Er war zu müde und erledigt, um auf die Rüge zu reagieren.
    Zevran sah ihn sich genauer an. Khenir musste einiges durchgemacht haben in den Monaten ihrer Trennung. Der Elf sah schrecklich mitgenommen aus. Also schaffte er ihn umgehend in sein Zimmer im Gasthaus und verfrachtete ihn ins Bett. Dann setzte er sich zu ihm und betrachtete ihn, während er einschlief.

    Nach ein paar Stunden Ruhe, setzte Khenir sich im Bett auf und rieb sich den Kopf. Die Reise war wirklich anstrengender gewesen, als er gedacht hatte. Er hätte vielleicht nicht alleine reisen sollen.
    Zevran, der am Schreibtisch gesessen hatte, stand auf und setzte sich wieder zu ihm: „Was ist passiert, Talí? Du siehst schrecklich aus.“
    Khenir lächelte schwach: „Du hast keine Ahnung, wie verrückt die letzten Wochen gewesen sind…“
    Zevran sah ihn an und wischte eine Strähne von Khenirs langem Haar aus dessen Gesicht: „Erzähls mir, wenn du magst, Talí…“, er machte eine kurze Pause und fuhr fort, als Khenir nicht reagierte: „Ich bin froh, dass du wieder bei mir bist.“ Er beugte sich näher zu ihm und küsste ihn sanft.
    Dann sah er ihn wieder schweigend an und fragte sich zum wiederholten Male, was seinem Wächter bloß passiert war. Vermutlich hätte er es nicht zulassen sollen, dass der jüngere Elf schon so kurz nach dem Kampf gegen den Erzdämon wieder als Wächter arbeitete. Er hätte sich Ruhe gönnen sollen. So viel Stress konnte doch keiner lange aushalten ohne zusammen zu brechen. Vermutlich war dieser Punkt bei seinem Wächter nun erreicht. Er legte seine Arme um Khenir und hielt ihn fest. Der legte seinen Kopf an Zevrans Schulter und kurz darauf merkte dieser, dass der Elf weinte.
    Schluchzend erzählte Khenir ihm, was passiert war. Von seinen neuen Gefährten in Vigils Wacht, seiner Einsamkeit unter den ganzen Menschen, seinen schweren Entscheidungen, wie der, die Stadt Amaranthine in Brand setzen zu lassen, nachdem diese von Dunkler Brut überrannt worden war und es vermutlich keine Überlebenden – und wenn dann vermutlich nur mit Verderbnis infizierte – gegeben hatte. Außerdem redete er über den Angriff auf Vigils Wacht, den Tod einiger Kameraden und seinem Kampf gegen ein Wesen, dass sich „die Mutter“ nannte.
    Nachdem er all dieses erzählt hatte, drückte Zevran ihn umso fester an sich. Die Vermutungen des Assassinen hatten sich bestätigt: Khenir hatte wirklich Grauenhaftes erlebt. Dinge, die kaum eine Seele ohne Narben verkraften konnte.
    Zevran machte sich große Sorgen. Hoffentlich verkraftete Khenir das Erlebte irgendwie und veränderte sich nicht.
    „Ich liebe dich, Talí. Und ich werde dich nie wieder alleine lassen. Das verspreche ich dir.“, Zevran sah Khenir tief in die Augen. Der zog ein zerknittertes und blutverschmiertes Papier aus einer Tasche an seiner Rüstung, hielt es Zevran hin und sagte leise: „Wenn ich zu dir zurückkehre, werden uns nicht einmal mehr scharfe Rasiermesser trennen können…“
    Zevran kannte diesen Satz, schließlich hatte er ihn selbst geschrieben. Bei dem Zettel handelte es sich also um seinen Brief. „Du hast ihn aufbewahrt…“
    „Ja, habe ich. Er hat mir geholfen. Der Gedanke dich wieder zu sehen…“, Khenir blickte Zevran an. Der küsste ihn sofort und meinte dann: „Und so wird es sein. Ich werde dich nie wieder gehen lassen, Talí. Wir schaffen das alles gemeinsam.“
    „Klingt schön.“, murmelte der Wächter, dann ließ er sich zurück aufs Bett sinken. Nach einem Blick in die Augen seines Geliebten, zog er diesen zu sich herunter. „Wir haben einiges nach zu holen…“


    Der Graue Wächter und der Assassine hielten ihre Treueschwüre. Nichts konnte sie auseinander bringen. Sie hatten genügend kleinere Aufträge zu erledigen – meistens in Antiva – und nach einem Handel mit den Krähen, bei dem Khenir sein aus Drachenknochen hergestelltes Schwert „Wachsamkeit“ abgegeben und sich und Zevran dafür ewige Ruhe vor den Krähen gesichert hatte, hatten sie deutlich weniger Feinde gegen sich als jemals zuvor. So reisten sie durch Ferelden, besuchten alte Freunde und lebten eine Weile bei dem Dalish-Clan zu dem Khenir vor seinem Beitritt zu den Grauen Wächtern gehört hatte.

    Sie verbrachten einige glückliche Jahre zusammen. Doch irgendwann kam die Zeit, in der bei Khenir die Träume begannen.
    Jene schlimmen Träume über die Dunkle Brut und den Erzdämon, die jeden Grauen Wächter irgendwann heimsuchten und die den baldigen Tod des Wächters ankündigten. Das war der Preis für den Beitritt zu den Grauen Wächtern. Und Khenir hatte ihn bezahlen müssen, sonst wäre er schon Jahre zuvor an der Verderbnis in seinem Blut gestorben.
    Khenir wusste nicht, wie er Zevran über die Tatsache, dass diese Albträume ihn nun heimsuchten, aufklären sollte. Er wollte ihn nicht traurig machen. Doch Zevran war es nicht entgangen, dass Khenir immer öfters nachts unruhig schlief und irgendwann schweißgebadet aufwachte.
    Eines Morgens rüttelte Zevran ihn aus einem der Albträume und sah ihn ernst und zugleich traurig an: „Es sind die Wächter-Träume, richtig?“
    Khenir nickte traurig.
    „Und was machen wir jetzt, Talí? Wie lange geht das jetzt noch so?“
    „Ich weiß es nicht… Wenn wir… nichts tun… Ist es wohl irgendwann… vorbei.“, er sah Zevran traurig an. Er wollte seinen Geliebten nicht so unglücklich sehen, wusste aber nicht, was er sagen sollte. Ihnen beiden war klar, dass Khenir nicht mehr lange leben würde. Die Albträume würden von Tag zu Tag schlimmer werden, bis das verderbte Blut in ihm seinen Geist auslöschen würde.
    „Was machen Graue Wächter denn normalerweise?“, fragte Zevran.
    „Alistair hat mir einmal erzählt, dass sie nach Orzammar gehen… In die Tiefen Wege. Um… im Kampf zu sterben. Das ist wohl Tradition…“, er griff nach seinem Dolch und hielt ihn Zevran entgegen: „Du kannst aber auch…“, den Rest des Satzes ließ er unausgesprochen. Zevran wusste auch so, was er meinte und stieß seine Hand mit dem Dolch weg: „Auf keinen Fall! Ich will nicht, dass du SO stirbst! Das lasse ich nicht zu!“
    „Du würdest deinen Auftrag letztendlich doch zuende bringen…“, der Wächter lächelte schwach.
    „Du weißt, dass ich das nicht will. Es war ein Auftrag, der lange vergessen ist…“, Zevran stand auf: „Wir gehen nach Orzammar.“
    Khenir sah ihn leicht verwirrt an: „Wir? Wieso „wir“?“
    „Na glaubst du etwa, ich lasse dich allein gehen? Schlag dir das mal schön aus deinem hübschen Kopf!“, er zog Khenir an sich und umarmte ihn: „Wenn wir in den Tod gehen, dann gemeinsam. Ich hab dir doch gesagt, dass uns nichts mehr trennen wird. Und was soll ich denn hier noch ohne dich…“
    Khenir schloss die Augen. Er wollte nicht, dass Zevran genauso sterben sollte, wie er. Aber er wusste auch, wie ernst es Zevran war und dass es vermutlich die beste Lösung für Kämpfer wie sie beide war. Er konnte sich seinen Geliebten auch nicht vorstellen, wie er alt und grau wurde. Er lächelte leicht bei dem Gedanken. Nein, das passte nicht zu dem Assassinen. Ein Meuchelmörder wie er hatte sich ohnehin an den Gedanken gewöhnt, dass jeder Tag sein letzter sein könnte.
    Also würden sie zusammen in den Kampf gegen die Dunkle Brut ziehen, Seite an Seite kämpfen und dort ihr Ende finden. In Orzammar.


    Einige Zwerge in Orzammar erzählten später, dass sie den Helden Fereldens zusammen mit seinem elfischen Gefährten gesehen hätten, wie diese weit in den Tiefen Wegen Hand in Hand auf einen gefährlichen Oger zuliefen und letztendlich besiegt wurden. Dies wurde eine Legende, die viele Jahrhunderte unter den Zwergen Bestand haben sollte.

    Unter den Dalish-Elfen ging die Geschichte um, dass es niemals eine tiefere Liebe als die zwischen dem ehemaligen Kommandanten der Grauen Wächter und seinem elfischen Antivaner gegeben hatte. Ihre Geschichte wurde auch Jahrhunderte später noch den Dalish-Kindern von ihren Eltern erzählt, um sie zu lehren, wie wichtig Vertrauen und Liebe sind.




    2. Geschichte:

    Anzusiedeln ist die Geschichte irgendwann nach dem Tod von Hawkes Mutter und bevor er und Fenris wieder zusammen sind. (Passt zwar nicht wirklich in die Story von DA2, aber egal.)


    Dragon Age 2: Thero Hawke

    Der Magier Thero Hawke betrat entschlossenen Schrittes den Gehängte n Mann und ging zu seinem Freund, dem Zwerg Varric.
    „Würdet Ihr mir einen Gefallen tun, Varric? Es ist wichtig und ich weiß, dass ich Euch vertrauen kann.“
    Varric sah ihn leicht irritiert an: „Natürlich helfe ich Euch. Aber warum so förmlich, Hawke? Sollen wir zusammen ein Bier trinken?“
    Hawke schüttelte leicht den Kopf, die Anspannung war ihm deutlich anzumerken. Er legte einen Brief und einen Ring mit dem Wappen der Familie Amell – seiner Familie – vor Varric auf den Tisch.
    „Gebt das bitte Fenris.“
    Noch ehe der Zwerg etwas dazu sagen konnte, hatte der Magier sich umgedreht und war schon fast an der Tür, als Varric ihm hinterher rief: „Aber was ist denn los, Hawke?“ Er bekam jedoch keine Antwort mehr.
    Mit einem unguten Gefühl und ein wenig schlechtem Gewissen öffnete er den Brief und überflog ihn kurz. „Scheiße!“ Er packte den Ring und seine Armbrust Bianca und rannte aus dem Haus.

    Kurz darauf war er in der Krankenstation des Magiers Anders angekommen, hatte den Magier mit einem gegrummelten „Sofort mitkommen!“ gepackt und lief kurz darauf zusammen mit ihm zum Anwesen des Elfen Fenris. Unterwegs klärte er den Magier über das nötigste auf.
    Aufgeregt kamen die beiden bei dem Anwesen an. Varric knurrte Anders noch kurz an: „Kein falscher Kommentar, Blondschopf! Ich habe Euch nur mitgenommen um Hawke zu helfen.“ Dann betraten die beiden das Anwesen und Varric drückte Fenris den Brief und den Ring in die Hand: „Lest!“
    Fenris war irritiert. Zum Glück konnte er inzwischen gut genug lesen. Er las den Brief und während er das tat, begannen seine Augen sich vor Schreck zu weiten.
    Varric beobachtete ihn genau und grummelte dann: „Wie ich sehe, habt Ihr verstanden. Dann lasst uns gehen!“
    Fenris nickte nur und zusammen machten sie sich auf den Weg zur Galgenburg.

    Währenddessen saß Hawke auf einer Kiste im Schatten des Hofes der Galgenburg und hing seinen düsteren Gedanken nach.
    Hatte er das Richtige geschrieben? Sich richtig ausgedrückt?
    Bald würde das Ganze keine Bedeutung mehr für ihn haben, dessen war er sich sicher.
    Er dachte noch einmal an den Inhalt seines Briefes:

    Liebster Fenris!
    Ihr alle seht mich immer als den starken Hawke, der alle Schwierigkeiten zu meistern versucht. Doch egal wie sehr ich versucht habe, immer stark zu sein. Es fällt mir doch mit jedem Tag schwerer.
    Ich habe alle verloren, die ich je geliebt habe. Vater, Bethany, Carver, Mutter … und Euch.
    Das kann ich einfach nicht mehr ertragen. Ich kann nicht mehr stark sein.
    Daher habe ich mich dazu entschlossen in die Galgenburg zu gehen und dafür zu sorgen, dass die Templer keine andere Wahl mehr haben werden als mich zu einem Besänftigten zu machen. Nur so kann ich meine Gefühle für Euch weiterhin unterdrücken.
    Nehmt den Ring als Zeichen meiner Liebe zu Euch.
    - Hawke


    Nach einer Weile stand er dann auf und stellte sich vor die große Treppe der Galgenburg. Noch schien ihn niemand zu beachten.
    Er holte einen kleinen Dolch hervor, betrachtete ihn kurz und schnitt sich dann tief ins Handgelenk. Den Schmerz ignorierend dachte er kurz darüber nach, welcher seiner Zauber wohl am ehesten nach Blutmagie aussehen würde. Er hatte nicht viel Ahnung von Blutmagie und hoffte einfach nur, dass seine Vorstellung ihren Zweck erfüllen würde.
    Das Blut lief an seinem Ärmel herab und er wollte gerade mit seinem Zauber beginnen, als er eine vertraute Stimme hinter sich wahrnahm: „NICHT!!“
    Als er sich verwundert umdrehte, sah er Fenris auf sich zu rennen. Als dieser bei ihm ankam hörte er das flirrende Geräusch eines Abschirmungszaubers um sich. Er sah sich um und entdeckte Anders, der den Zauber gewirkt hatte, um die Aufmerksamkeit der Leute von der Szene abzuhalten. Varric stand mit verschränkten Armen und grimmigem Gesicht hinter Anders.
    Fenris war inzwischen bei Hawke angekommen, hatte das verletzte Handgelenk genommen und ein kleines Halstuch um die Wunde gewickelt, welches sich schon mit Blut tränkte. Hawke nahm alles um sich herum nur wie durch einen Schleier wahr.
    Der Elf sah ihn mit Tränen in den Augen an: „Tut sowas nie wieder! Ich weiß doch gar nicht wie ich ohne Euch leben soll!“ Mit diesen Worten drückte er seine Lippen kurz auf die von Hawke.
    Anders kam mit grimmiger Miene auf die beiden zu: „Seid Ihr wahnsinnig geworden? Ein Besänftigter werden… Was habt Ihr Euch nur dabei gedacht?! Habt Ihr ÜBERHAUPT gedacht?!“
    „Ich…“, Hawke wusste nicht, was er sagen sollte.
    „IHR habt mir damals wegen Karls Besänftigung gesagt, dass Ihr lieber sterben würdet, als besänftigt zu sein! Wieso nur habt Ihr Eure Meinung geändert?“
    „Ich…“, Hawke sah Fenris ins Gesicht, der noch immer den blutenden Arm hielt.
    „Klar…!!“, wütend drehte Anders sich um. „Sorgt Euch jetzt wenigstens gut um Ihn, Elf!“ Mit einem Fingerschnippen verschwand der Abschirmungszauber und Anders verließ den Hof der Galgenburg.
    Kopfschüttelnd gesellte sich Varric zu Hawke und Fenris: „Ihr habt doch nicht geglaubt, ich lasse Euch damit durchkommen…“ und zu Fenris gewandt fügte er hinzu: „Bringt ihn nach Hause, Elf. Und sorgt dafür, dass er eine Weile im Bett bleibt, bis er wieder bei Verstand ist.“ Mit diesen Worten ging der Zwerg ebenfalls.

    Fenris brachte Hawke nach Hause und beförderte ihn ins Bett. Dann betrachtete er die Wunde am Handgelenk. Das Halstuch hatte er auf den Nachttisch gelegt. „Dieser verfluchte Magier hätte das wenigstens noch heilen können…“
    Hawke hielt seine andere Hand über die Wunde und nutzte seinen eigenen Heilzauber.
    Dann sah er Fenris schweigend an. Er kam sich die ganze Zeit über vor, als wäre er in einem dichten Nebelfeld. Alles kam ihm unwirklich vor. Er begriff kaum, was alles geschehen war. Und dennoch war Fenris bei ihm, das wusste er.
    Der Elf betrachtete eingehend die verschlossene Wunde. „Also ist Magie manchmal doch zu etwas nütze.“, sagte er sanft. Dann legte er sich zu Hawke ins Bett und legte seinen Kopf an dessen Brust.
    „Ich bin so ein Idiot… wie konnte ich Euch nur in dem Glauben lassen, ich würde Euch nicht lieben…“
    „Tut Ihr es denn?“, fragte Hawke leise.
    „Was?“
    „Mich lieben.“
    Fenris antwortete nicht, aber er küsste Hawke mit einer Verzweiflung, die alles ausdrückte, was er nicht sagen konnte.
    „Ich werde niemals wieder von Eurer Seite weichen.“
    Seregil is offline
  8. #28 Reply With Quote
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    Vorherige -> K1 #18 • Ein Schleifstein

    Das Stilett wurde aus dem Tisch gezogen und sollte geschärft werden. So entwickelte sich die Geschichte weiter:

    #19 • Schleifen

    »Habt Ihr etwas Brauchbares gefunden?« fragte Isilde, als der Mann ihr mit einem ziegelgroßen Stein vor dem Bauch entgegen kam. »Ja,« antwortete er. »An dem Futtertrog lagen noch weitere Sandsteine für den Wasserablauf. Ich bringe den Stein nachher zurück, will ja hier das Anwesen nicht umbauen,« scherzte er mit einem Schmunzeln im Gesicht und legte den roten Sandstein auf die Tischdielen, gleich, wo auch das Stilett befand. »Benötigt Ihr noch etwas?« bot die Frau ihre Hilfe an. »Ja, etwas Wasser in einem Becher für den Stein und ein altes Leder.« »Ich schaue mal,« entgegnete sie und eilte ins Haus zurück. Er setzte sich an den Tisch, legte sich den Stein zurecht und griff nach der Stichwaffe. Isilde kam mit einem Holzbecher voller Wasser zurück, legte ein dickes Lederband, wie von einem Gürtel auf den Tisch und wollte wissen: »Kann man zusehen?« Dabei versuchte sie ihres Misstrauen Herr zu werden, in dem sie seine Gründe erforschen wollte.

    »Gerne, setzt Euch nur,« freute er sich über ihr Interesse und beträufelte den Stein ein wenig mit dem Wasser. Dann zog er das Stilett etwas diagonal über den Sandstein. Sie konnte ausmachen, dass er sich große Mühe gab, den Winkel des Dolchs beizubehalten. Nach einer Weile fragte sie: »Ihr kennt Euch also mit Waffen aus?« Er schaute hoch, lächelte, schüttelte ein wenig den Kopf und antwortete: »Nun was bedeutet auskennen. Ich schleife einen Dolch. Einen Guten übrigens, auch wenn die Waffe etwas in die Jahre gekommen ist. Warum es geht, kann ich Euch nicht sagen, es ist einfach da. So vertraut, als wenn ich es gestern zum letzten Male erst ausgeübt hätte.« Sie schwieg eine Weile und fragte dann nach: »Wieso ist es ein besserer Dolch? Woran erkennt man das?«

    Er nahm die Stichwaffe und drehte sie mit der Linken so, dass Isilde die einzelnen Bestandteile erkennen konnte. Mit dem Zeigefinger der rechten Hand zeigte er auf Teile des Stiletts und erklärte dabei: »Die Hauptbestandteile dieser Waffe sind die Klinge und der Griff. Er wird hier in Ferelden auch Heft genannt. Dieses wird von einem Griffende abgeschlossen. Dieser Knauf hat die Form einer nach außen gehenden Säule, die jedoch in eine flache kegelige Spitze ausläuft. Und man kann die Reste feiner Zisilierungen erkennen. Da wurden feine Muster in das Metall, es könnte schon Silber sein, getrieben. Auch das Leder, welches der Hand einen festen Halt geben soll, ist in Ringen geprägt, aber schon abgegriffen. Vielleicht liegt auch eine mit dem Griff verlötete Drahtwicklung darunter,« sagte er zu ihr. Dann zeigte er auf Klinge und sprach weiter: »Zwischen Klinge und Heft befindet sich die Parierstange. Sie ist nach innen gerade gehalten. Mit ihr kann man, wenn man mit Schwert und Dolch kämpft, auch einen gegnerischen Hieb zur Seite drücken. Und die Schrammen an der Parierstange zeigen mir, dass der Vorbesitzer es auch getan haben muss. Das ist das interessanteste Teil an dem Stilett. Man sagt dazu auch Ricasso oder Fehlschärfe. Ihr könnt aber auch den Daumen in die als Vertiefung ausgelegte Fehlschärfe legen.« »Ihr könnt es gut erklären. Ich habe dieses Stilett schon so oft genutzt, doch so habe ich die Dinge nicht gesehen. Es liegt einfach gut in der Hand,« beschrieb Isilde ihre Erfahrungen mit dem Stilett. Der Mann, erfreut über das wachsende Interesse, berichtete weiter: »In dem Ricasso findet Ihr eine leider nur noch schwach erkennbare Signatur. Es ist eigentlich ein Meisterzeichen eines Schmiedes,« erklärt er ihr. »Und durch den symmetrischen und beidseitigen Schliff befindet sich die Dolchspitze genau in der Mitte. Damit trifft man auch dort hin, wo man hinschaut. Doch jetzt lasst mich bitte weiter schleifen. Denn ich möchte die zusammengeklebten Seiten des Buches trennen. Es ist spannend geschrieben und mir deucht es, es sind in den Seiten weitere Karten dabei.«

    Sie nickte und schaute noch eine Weile zu, wie er mit Sorgfalt die vier Seiten des Stiletts über den roten Sandstein schliff, ab und zu die Klinge am Leder abzog und die Schärfe am Fingernagel des Daumens der linken Hand prüfte und den Stein mit Wasser beträufelte. Als sie dann gehen wollte, sagte sie noch: »Wenn Ihr so geschickt mit dem Stein umgehen könnt, werde ich mal mit Mutter reden, wir haben noch eine ganze Menge stumpfer Messer im Haus.« Er nickte und lachte: »Nur zu. Da kann ich mich ein wenig nützlich machen und es übt die Hand.« Dann fragte er sie noch: »Isilde, gehen wir heute Nachmittag noch zum Weiher? Würde mich freuen.« Sie hielt erneut inne auf dem Weg zum Haus, lächelte, nickte leicht in seine Richtung und antwortete: »Sicher, sicher. Doch zuerst muss ich meine Arbeit erledigen. Denn Mutter hat mir gerade eine Liste der unerledigten Dinge aufgezählt und Ihr kennt ihre Art ja auch.«

    Nächste -> K1 #20 • Ein Kettenhemd
    VRanger is offline Last edited by VRanger; 18.07.2011 at 19:13. Reason: zeitliche Einordnung
  9. #29 Reply With Quote
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    5) Ostagar – Der König

    Langsam schlug sie die Augen auf. Fast wäre sie erschrocken, als sie über sich die Gesichter von Duncan und Alistair sah. In beiden sah sie Zufriedenheit, sogar Freude. Sie rappelte sich auf während Duncan sie beglückwünschte. Alistair sah traurig aus.„Zwei weitere die wir verloren haben. Bei meinem Beitritt ist nur einer gestorben, aber es war.... grauenhaft. Ich bin froh, dass zumindest einer von euch es geschafft hat.“ „Wie fühlst du dich?“ „Mir geht’s gut. Alles vorbei.“ Tatsächlich meinte Jaina diese Worte auch so, sie war nicht leicht niederzuringen und selbst wenn, dann machte sie nach dem Aufstehen so weiter wie davor.
    „Habt Ihr geträumt? Nach meinem Beitritt hatte ich schreckliche Träume.“ Alistair sah von Jaina zu Duncan, welcher ergänzte: „Solche Träume kommen, wenn du anfängst die Dunkle Brut zu spüren, so wie wir alle. Wir werden es dir, so wie noch vieles andere, in den kommenden Monaten erklären.“
    „Bevor ich es vergesse, der Beitritt umfasst noch eine letzte Aufgabe. Wir nehmen etwas von Eurem Blut und füllen es in ein Amulett. So haben wir etwas, was uns an die erinnert, die... es nicht so weit geschafft haben.“ Alistair griff nach ihrem Arm und sie spürte einen kleinen Stich.
    Sie konzentrierte sich jedoch wieder auf Duncan, der ihr sagte, sie solle sich, nachdem sie sich ausgeruht hatte zu einem Treffen mit ihm und dem König einfinden.

    Sie war schon wieder wach genug als dass ihre Gedanken schneller wurden. Der König? Hatte er etwas herausgefunden? „Was ist das für ein Treffen?“ Neugierig blickte Jaina Duncan an.
    „Der König will die Strategie für die kommende Schlacht festlegen. Ich bin mir nicht sicher warum er auf deine Anwesenheit bestanden hat.“
    War das ein Zeichen? Hatte König Cailan Howe schon zur Rechenschaft ziehen können? Oder hatte er Fergus gefunden? Oder beides? Oder... war Fergus tot aufgefunden worden? Duncan und Alistair nickten ihr kurz zu und gingen in verschiedene Richtungen davon. Jaina blieb noch ein wenig auf der Plattform stehen und sah sich um. Nichts verriet was hier geschehen war. Sie betrachtete den kleinen Einstich an ihrem Arm. Wenn Vater das nur sehen könnte, dachte sie wehmütig. Oder Fergus. Ob er wohl wirklich zurückgekehrt war?

    Nunja, dachte sich Jaina, ich könnte auch einfach zu dem Treffen gehen und es herausfinden. Sie wandte sich in die Richtung, die Duncan ihr gewiesen hatte und sah ein Schild, dass den Weg zum Kriegsrat auswies. Sie beeilte sich dort anzukommen und sie konnte Cailan schon aus einiger Entfernung hören.
    „Loghain, meine Entscheidung ist gefallen. Ich werde in dieser Schlacht an der Seite der Grauen Wächter kämpfen.“ Der Mann den Cailan ansprach war ein kräftiger Hüne, mit rabenschwarzen Haaren die nach hinten gekämmt waren und nur zwei kleine geflochtene Zöpfe baumelten an der rechten und linken Seite seines Gesichts. Er hatte einen grimmigen Gesichtsausdruck und würdigte Jaina nicht eines Blickes. Er sprach mit einer männlichen Stimme und in einem protestierenden, sogar arroganten Tonfall.
    „Ihr riskiert zuviel, Cailan. Die Horde der Dunklen Brut ist zu gefährlich als dass Ihr an vorderster Front den Helden spielen solltet.“
    [Bild: Screenshot20110414144731906.jpg]
    Cailan sah Loghain ruhig und gemessen an und antwortete ebenso gelassen. „Wenn das so ist, sollten wir vielleicht einfach warten, bis die Truppen aus Orlais zu uns stoßen.“ Jaina konnte sich nicht helfen, aber sie meinte aus Cailans Aussage einen leichten Spott zu hören. Sie hatte sich neben Duncan gestellt, der mit verschränkten Armen den beiden Männern zusah und fast teilnahmslos wirkte.
    Der Mann der Loghain genannt worden war, gestikulierte um seine Aussage zu unterstreichen. „Ich muss erneut gegen Eure törichte Idee protestieren, dass wir Orlais brauchen um uns zu verteidigen!“ Loghain wandte sich langsam von Cailan ab und sah so nicht die Entrüstung, die in Cailans Gesicht erschien. Nichtsdestotrotz war sein Tonfall ebenso empört: „Das ist KEINE „törichte Idee“! Unsere Differnzen mit Orlais sind Vergangenheit!“ Wie in einem Anfall von Trotz fügte er hinzu: „Und Ihr solltet nicht vergessen wer hier König ist!“
    Loghain fasste sich an die Stirn ohne sich umzudrehen oder Cailan ausreden zu lassen. „Zum Glück muss Maric nicht mehr miterleben, wie sein Sohn Ferelden denjenigen übergibt, die uns ein Jahrhundert lang versklavt hatten!“
    Für Jaina war das die reinste Unverschämtheit. Wer konnte es wagen, dem König den Rücken zu kehren, während er mit einem sprach? Die Antwort dämmerte ihr schon: Nur Vertraute. Irgendwie passte ihr das nicht. Loghain war ihr auf Anhieb unsympathisch.
    Zu allem Überfluss gab der König auch noch klein bei. „Nun, dann müssen unsere Kräfte wohl genügen. Duncan, sind eure Männer bereit?“
    „Das sind sie, Euer Majestät.“
    Cailans Blick fiel auf Jaina. „Oh, und ist das nicht die junge Frau aus Highever, der ich vorhinn begegnet bin? Es sieht so aus als seien Glückwünsche angebracht.“
    Diese lächelte freundlich und erwiderte ihren Dank automatisch. Ihr Blick war eher auf Loghain gerichtet, der sie jetzt unfreundlich anstarrte.
    „Wir brauchen jetzt jeden Grauen Wächter. Ihr solltet euch geehrt fühlen, dass ihr zu ihnen gehört.“ Cailan lächelte sie offen und bewundernd an, sodass sie ihren Blick von Loghain löste und ihn wieder Cailan zuwand.
    Im Gegenzug drehte sich Loghain wieder weg und meckerte weiter. „Eure Faszination für Ruhm und Legenden wird euer Untergang sein, Cailan. Wir müssen uns der Realität widmen.“
    Cailan willigte ein und beugte sich über einer Karte auf dem Tisch vor ihnen. „Die Grauen Wächter und ich ziehen die Dunkle Brut auf uns, und dann?“ Loghain beugte sich gleichsam über die Karte.
    „Ihr werdet dem Turm signalisieren das Leuchtfeuer zu entzünden. Dann greifen meine Männer aus der Deckung an.“ „Und fallen der Dunklen Brut in die Flanke,“ fügte Cailan hinzu. „Und Ihr meint den Turm von Ishal in den Ruinen, oder? Wer soll das Leuchtfeuer entzünden?“
    Loghain richtete sich auf. „Ich habe dort einige Männer stationiert. Diese Aufgabe ist nicht gefährlich, aber entscheidend.“ Cailan dachte nicht lange nach. „Dann sollten wir sie den Besten anvertrauen. Schickt Alistair und Jaina, den neuen Grauen Wächter.“

    Wie Jaina es erwartet hatte, begann Loghain wieder das Meckern. Cailan verließe sich zusehr auf die Grauen Wächter, was der König entschlossen verneinte. Auch als Duncan einwandte, dass der Erzdämon sich zeigen könnte, lehnte Loghain das ab, indem er versicherte, es seien keine Drachenspuren gefunden worden. Cailan bedachte Duncan mit einem scharfen Blick. „Sind eure Männer nicht genau dazu da, Duncan?“ Dieser zögerte. „Ich... ja, Euer Majestät.“ Jaina verstand diese Unsicherheit nicht. Cailan unterstützte die Wächter offensichtlich, daran konnte auch dieser Loghain nichts ändern. Warum sich also aus der Ruhe bringen lassen. Sie hatte schon resigniert bemerkt, dass die Sprache keineswegs auf ihren Bruder oder Howe kam. Sie würde das nach der Schlacht noch einmal ansprechen. Irgendwo war es logisch, dass der König erst einmal alle lebend durch den Kampf bringen wollte.
    Loghain schien das Treffen beenden zu wollen und fasste alles noch einmal kurz zusammen. Gemeinsam freuten sich die beiden auf diesen glorreichen Sieg.

    Auf dem Weg zum Feuer überlegte Jaina, ob es denn wirklich so simpel werden könnte. Nun, sie würde es ohnehin leicht haben. Sie war nicht ganz zufrieden damit, nur als Fackelhalter abgestellt zu werden, aber sie wusste auch, dass man Neulinge langsam an Aufgaben heranführen sollte.
    Alistair protestierte ebenfalls vehement als Duncan den Entschluss des Königs verkündete. Er verwendete nahezu die selben Worte die Jaina in ihren Gedanken gebraucht hatte. „Er braucht also zwei Graue Wächter, die da oben nur rumstehen und die Fackel halten? Nur um ganz sicherzugehen?“ Jaina stimmte ihm zu.
    „Wir sollten auch kämpfen.“ Duncan schüttelte den Kopf. „Aber das ist nicht eure Entscheidung. Wenn König Cailan wünscht, dass wir das Leuchtfeuer entzünden, dann werden die Grauen Wächter diese Aufgabe ausführen.“
    Alistair hob die Schultern und zog eine Grimasse.“Ja, ja. schon verstanden. Aber damit eins klar ist: sollte mich der König jemals bitten ein Kleid anzuziehen und für ihn zu tanzen, ist Schluss. Dunkle Brut hin oder her.“ Jaina grinste breit und stieß Alistair an. „Das würde ich eigentlich gerne sehen!“
    Er zuckte mit den Schultern. „Für Euch vielleicht. Aber es muss ein hübsches Kleid sein.“
    Duncan seufzte laut auf und schien dennoch der Jugend ihren Humor nicht übelnehmen zu können.

    Alistair und Jaina tauschten amüsierte Blicke aus, wurden danach aber wieder ernst.
    Eine Frage beschäftigte Jaina noch. „Was tun wir wenn der Erzdämon auftaucht?“ Alistair drehte seinen Kopf zu ihr und sah sie ernst an. „Dann machen wir uns vor Angst in die Hose, was sonst?!“ Jaina grinste ihn an. Sicherlich nicht die schlechteste Einstellung, vor dem Kampf zu witzeln. Besser als Loghain, der ganz ähnlich wie die Köchin auf Schloss Cousland, nur dabei war, sich zu beschweren.
    „Dann überlasst ihr ihn uns. Keine Heldentaten von euch, ja? Von keinem von beiden.“ Duncan fixierte erst Alistair, dann Jaina streng. Sie wussten nun alles Notwendige und verabschiedeten sich von Duncan. Alistair schien Duncan wirklich zu schätzen, er sah ihm besorgt nach, als er in Richtung Schlachtfeld verschwand.
    „Hier rüber“ Jaina bedeutete Jag ihr zu folgen – unerwarteterweise folgte auch Alistair dem Wink. Jaina konnnte sich ein Lachen verkneifen aber wunderte sich dennoch – Alistair war länger bei den Grauen Wächtern als sie, und ließ ihr nun die Führung?
    Aber gut, sie würde das schon schaffen. Zu dritt hetzten sie über die Brücke, wichen Pfeilen aus und spürten den Teil der Brücke erbeben, den sie hinter sich gelassen hatte. Offensichtlich war er von einem Felsen getroffen worden. Sie konnte das Schlachtgebrüll direkt unter sich hören. Es blitzte und donnerte und die gesammelten Geräusche ließen Jainas Nackenhaare aufstehen. Sie wusste den Weg zum Turm noch, hier war sie mit Duncan entlanggelaufen. Jag hielt mit ihr mit und Alistair war direkt hinter ihr.
    Sie kam am Aufgang zum Vorhof des Turmes an, als sie einen Soldaten und einen Magier ihnen entgegenstürzen sah. „Ihr seid Graue Wächter, oder? Der Turm! Er wurde eingenommen!“ Alistair fuhr dazwischen. „Eingenommen? Wovon redet ihr da?“ „Die Dunkle Brut kam aus den tiefergelegenen Gängen. Die meisten von uns sind tot.“ Alistair macht einen Schritt vorwärts. „Dann müssen wir das Leuchtfeuer selbst entzünden. Los!“ Der Magier schloss sich ihnen an, während der Soldat in Richtung der Brücke rannte. Jaina folgte Alistair, ebenso wie ihre Beine rasten ihre Gedanken. Hatte Loghain nicht gesagt, es sei ungefährlich? Er konnte doch nicht so blöd sein und glauben, eine Handvoll Leute abzustellen sei genug. Sie selbst wusste, dass man auf einen Hinterhalt gefasst sein sollte. Es fiel ihr schwer zu glauben, dass dieser anscheinend erfahrene General so etwas nicht bedacht hatte.
    Toll. Jetzt dürfen wir es ausbaden. Jaina sah einige Wesen der Dunklen Brut vor dem Turmeingang. Aber naja, wir wollte auch kämpfen...
    Fawks is offline Last edited by Fawks; 15.04.2011 at 14:30.
  10. #30 Reply With Quote
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    2. Nach der Läuterung

    Jowan erzählte mir ich solle zu Irving gehen,dem 1.Verzauberer.

    So lief ich los und hörte/sah viele interessante Dinge.

    2 Templer die behaupteten die Wände hätten Augen,behauptete der eine und den anderen interessierte es nicht.Er redete über einen Schüler den sie wegschicken sollten und andere Dinge doch der andere unterbrach ihn.

    Dann lauschte ich einem Gespräch von zwei Schülern.Der eine sagte zum Anderen das es ein Gerücht gäbe das jemand Blutmagie praktizierte,eine mächtige und verbotene Schule der Magie.

    Es ging weiter in den 2.Stock.Dort war die Bibliothek.Ich sah viele Bücher über Magie und andere Dinge,aber nirgendwo ein Buch über Blutmagie.
    In der Bibliothek traf ich auf einen Elfen der mir erzählte das es Elfen gab die vielleicht sehr alte Magie könnten.Die Dalish.
    In der Nähe eines Bücherregales Standen 2 Magier die über die Hierarchie
    des Zirkels redeten.Ich fragte sie was das sein und erfuhr das es verschiedene Gruppen gibt.Die Äquitärianer,Libertärianer usw.
    Desweiteren erfuhr ich viel über die Hierarchie.
    1.Verzauberer
    2.Oberverzauberer
    3.Verzauberer
    4.Magier
    5.Schüler
    und irgendwo dazwischen die Besänftigten.

    Weiter ging es...

    In einem Zimmer traf ich auf einen alten Mann der mir erzählte das ein Grauer Wächter anwesend wäre.Die Grauen Wächter sind ein uralter mächtiger Orden,erzählte er mir.Er sagte zu mir er wäre auch fast einmal bei den Grauen Wächtern aufgenommen worden.Es gab immer nur einen Magier bei den Wächtern,erklärte er mir auch noch.Er hat jedoch abgelehnt was ihn sehr ärgerte seid diesem Tag.

    In einem Gang sprach mich ein Templer an.Es war Cullen.Er bot mir Glückwünsche und erzählte das er noch nie eine Abscheulichkeit gesehen hat und das er mich hätte töten müssen,hätte ich versagt.

    Nach dem kurzen Gespräch ging es weiter und ich kam in die Kirche wo ich viele Bücher fand.Über den Erbauer,den Gesang des Lichts und andere.


    Als ich endlichbei Irving ankam waren er und 2 andere Männer bei ihm der eine war Gregoir und der andere vermutlich der Graue Wächter.
    [Bild: Die_3.jpg]
    Sie stritten sich.Als sie mich sahen ging Gregoir.
    Irving stelllte mir Duncan den Anführer der Grauenwächter vor.
    Sie erzählten mir von einem Krieg gegen die Dunkle Brut schaurige Kreaturen aus der Tiefe.
    Ich sagte das ich Ferelden helfen will.
    Irving unterbrach dies und erzählte mir das mein Phylakterion,ein Fläschchen mit Blut mit dem man mich fangen könnte würde ich abtrünnig werden,nach Denerim ,der Hauptstadt,geschickt wurde.
    Ich bekam noch ein Geschenk und sollte nun Duncan in sein Zimmer begleiten.
    Doch davor viel mir ein Stapel Bücher auf,die über Blutmagie handelten.
    Ich wollte Irving fragen was die da machen,er wollte mir aber nichts sagen.

    Also begleitete ich Duncan in sein Zimmer.





    Ich hoffe dieses Kapitel hat euch gefallen.
    Hoffe es gibt viel konstruktive Kritik und positive.


    Ihr anderen schreibt übrigens tolle Geschichten.
    Jannik der Spieler is offline
  11. #31 Reply With Quote
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    6) Ostagar – Die Schlacht

    Tatsächlich mussten Jaina, Jag, Alistair und der Magier erst einige Dunkle Brut aus dem Weg räumen, bevor sie den Turm betreten konnten. Innerhalb des Turmes herrschte Chaos. Herausgerissene Mauerstücke übersäten den Boden, zersplittertes Holz lag überall herum, hier und da standen ganze Kisten in einer Ecke und willkürlich auf dem Boden verstreut lagen Leichen. Die kleine Gruppe kämpfte sich ihren Weg zum nächstgelegenen Aufgang. Sie kamen an einigen Ballisten vorbei, die der Magier betätigte und damit um Haaresbreite Jaina und Alistair über den Haufen geschossen hätte. Jag ließ ein Knurren hören, das weniger auf die Dunkle Brut als auf die Unfähigkeit des Magiers zurückzuführen war.
    Der Mabari erledigte einen Genlock oder Hurlock nach dem anderen, so hießen diese Wesen der Dunklen Brut. Sie hatten auch einen Schamanen dabei, der Magier war zum Glück geistesgegewärtig genug, diesen als erstes einzufrieren und Alistair machte kurzen Prozess mit ihm. Auf dem Weg ins nächste Geschoss raunte Alistair Jaina zu: „Was tun die hier? Die Dunkle Brut weit vor dem Rest der Horde? Es sollte hier gar keinen Widerstand geben!“ Jaina blieb kurz stehen um Atem zu schöpfen. „Sagt Ihnen doch dass sie am falschen Ort sind.“ kommentierte Jaina trocken. Alistair ging darauf ein. „Richtig. Denn das ist offensichtlich alles ein Missverständnis. Wir lachen darüber wenn alles vorbei ist. Jedenfalls müssen wir uns beeilen. Loghains Männer warten darauf, dass das Leuchtfeuer entzündet wird.“

    Sie arbeiteten sich weiter durch den Turm. Hier und da wurden sie von Dunkler Brut überrascht, aber sie schafften es immer, den Sieg davon zu tragen. Jaina zog es vor ihren Gegnern beide Klingen in den Leib zu rammen und maximalen Schaden anzurichten während Alistair den Rest ablenkte und an sich band. Er war sehr gut mit Schild und Schwert und steckte selten einen Treffer ein, sodass Jaina, Jag und der Magier nur blind draufhalten mussten und die Wesen der Dunklen Brut nur so fielen. So bahnten sie sich einen Weg durch drei Stockwerke.

    An der Spitze angekommen betraten sie den Raum – und standen einem leibhaftigen Oger gegenüber. Jaina stockte erstmals der Atem. Sie hatte so ein Vieh noch nie gesehen, aber es passte auf sämtliche Legenden. Riesenhaft, mit zwei Hörnern an den den Seiten des bulligen Kopfes, eine spitze Schnauze mit nicht minder spitzen Zähnen bestückt. Es bewegte sich auf zwei Beinen die Säulen ähnelten und dennoch sehnig und gelenkig wirkten. Die muskulösen Arme waren wie der Rest des Körpers fellbedeckt. Der Oger schien gerade sein Abendessen zu sich zu nehmen, zumindest den Geräuschen nach – und Jaina verspürte keinerlei Wunsch genaueres zu wissen. Doch das Wesen hatte gute Ohren und drehte sich langsam um, fuhr sich mit einer fast menschlichen Geste über den Mund – nur um ihnen dann einen Schwall Speichel entgegenzubrüllen.

    Jag sprang direkt auf den Oger los, er war winzig im Gegensatz zu dem gehörnten Wesen und verbiss sich in seine Beine. Das störte den Oger nicht im mindesten, er sprang in die Luft und knallte beim Aufprall seine Pranken auf den Boden, sodass Jag weggeschleudert wurde.
    Nun geriet Leben in Jaina, Alistair war vorausgesprungen und hieb dem Oger sein Schwert in den Rücken. Jaina umrundete den Oger um sich zwischen Jag und ihn zu postieren und ließ ihre beiden Klingen wirbeln – ein Schwert und einen Dolch. Im fahlen Fackellicht schimmerten die Klingen silbrig und Blut tropfte daran herab als sie Schwert und Dolch wieder aus dem Leib des Ogers zog.

    Der Magier wirkte einen funkelnden und blitzenden Zauber nach dem anderen und anhand des Brüllens des Ogers schienen die auch einiges zu bewirken. Eine blaue, gleißende Schockwelle raste auf den Oger zu und umhüllte seinen gesamten Körper. Der Magier richtete seinen Stab auf den Oger aus und ließ eine Feuerlanze daraus hervorbrechen, die den Oger genau in die Seite traf. Jaina wich aus, um nicht selbst verbrannt zu werden. Flink wie ein Wiesel wich sie den blinden Schlägen des Ogers aus und stach an unerwarteten Stellen zu. Schnell und geschickt schaffte sie es, bedeutende Nadelstiche zu setzen. Mit einem Mal zog der Oger sich gekrümmt zurück, fast geschlagen, doch er nahm nur Anlauf.
    Alistair realisierte das zu spät und konnte dem heranstürmenden Oger nicht mehr ausweichen. Er wurde in eine Ecke des Raumes geschleudert. Jaina warf alle Vorsicht über Bord und sprang von hinten an den Oger heran und bohrte beiden Klingen in ihn. Der Oger quittierte das mit einem anscheinend schmerzerfüllten Brüllen, fuhr herum und packte sie mit einer Pranke. Oh, nicht gut, dachte Jaina erschrocken. Sie zappelte, doch der Oger hielt sie eisern fest und schüttelte sie durch die Luft. Ihr treuer Mabari rannte gegen den Riesen an, doch es war zu wenig.

    Sie konnte den stinkenden Atem des Ogers riechen, es war ekelhaft. Der Oger schüttelte sie, dass sie jeden ihrer Knochen im Leib spüren konnte. Der Magier schoss etwas auf den Oger ab, was den aber nicht im Mindesten störte. Er hielt Jaina direkt vor sein Gesicht und öffnete die große Schnauze. Eine Welle der Verwesung schlug Jaina entgegen und sie kämpfte dagegen an nicht ohnmächtig zu werden. Die Finger des Ogers schlossen sich zusehends fester um ihre Rippen, sie hätte schwören können, dass da eine geknackst hatte.

    Plötzlich fühlte Jaina sich fallen, geistesgegewärtig rollte sie sich ab und drehte sich um – dort sah sie Alistair, der mit einem riesenhaften Satz auf den Rücken des Ogers gesprungen war und sein Schwert in dessen Genick versenkte.
    Der Oger brüllte ein letztes Mal auf und ging zu Boden während Alistair elegant absprang.
    Er sah sich im Raum um und winkte Jaina. „Hier, das ist das Leuchtfeuer. Wir sollten es entzünden.“ Jaina tat wie geheißen und bückte sich nach den Feuersteinen. Keine halbe Minute später brannte das Signal und sie hoffte, sie wäre nicht zu spät dran gewesen.
    Nun hieß es warten. Sie ging auf Alistair zu und sah ihn an. „Danke.“ sagte sie schlicht. „Ich konnte Euch doch nicht dem Oger überlassen, sonst müsste ich mich in Zukunft alleine solchen Biestern stellen. Euer Hund hat übrigens großartige Arbeit geleistet.“ Alistair sah auf Jag herab, der sich eifrig das Blut von den Tatzen leckte.
    „Bis auf ein paar Ausnahmen scheint er einen guten Geschmack zu haben“ scherzte er weiter. Jaina beugte sich zu Jag, strich ihm über den Nacken und meinte: „Feiner Hund. Schau mal, das ist Alistair. Lass dich nicht von ihm veralbern, der ist ein rechter Spaßvogel.“ Jaina schickte ein schelmisches lächeln in Richtung Alistair. „Und das ist Jag. Ein Mabari, wie ihr sicherlich bemerkt habt.“ Alistair nickte und begann auf und ab zu wandern, offensichtlich ungeduldig.

    Jaina ging neben ihrem Hund in die Hocke und schwieg. Sie warteten und warteten. Der Magier versenkte sich in irgendeine Meditation, in jedem Fall saß er im Schneidersitz auf dem Boden und gab keinen Mucks von sich.
    „Warum senden sie keinen?!“ Alistairs Empörung schlug sich Bahn. „Irgendwas stinkt doch da zum Himmel. Die Schlacht müsste längst vorbei sein. Oder ein Bote hätte uns eine Nachricht überbringen sollen. Wir müssen...“
    Im gleichen Augenblick sprang die Tür auf, und Jaina machte einen Satz. Sie wollte schon erleichtert aufatmen, doch im gleichen Moment gewahrte sie mehrere Genlocks, die allesamt mit ihren Bögen auf sie angelegt hatten. Und dann schossen sie.
    Fawks is offline
  12. #32 Reply With Quote
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    7) Neuanfang

    Jaina erwachte. Sie lag nackt in einem Bett, die Decke lag zerknüllt auf dem Boden neben ihr. Sie richtete sich langsam auf und konnte ein Stöhnen nicht unterdrücken. Was war mit ihr geschehen? Wo war sie überhaupt? Sie nahm den Kopf in beiden Hände und versuchte sich zu erinnern. Bilderfetzen waren das Einzige an was sie sich erinnern konnte. Ein Turm. Ein Feuer. Eine Brücke. Ein Oger.
    Plötzlich kehrten all die Erinnerungen auf einen Schlag zurück: Die Schlacht! Sie war irgendwo in Ostagar! Duncan und der König waren auf dem Schlachtfeld gewesen – und sie im Turm von Ishal um das Leuchtfeuer zu entzünden.

    Erneut stöhnte Jaina auf. Sie hatte den Oger vor Augen, den sie niederstrecken mussten. Das Biest hatte ihr sämtliche Rippen geprellt, sie spürte es mit jeder Bewegung. Und auf einmal waren diese Bogenschützen dagewesen. Sie hob den Kopf aus den Händen und blickte sich um.
    Im gleichen Moment erschrak sie, als sich ebenfalls eine Frau nach ihr umdrehte.
    „Ah, Ihr seid wach. Das wird Mutter freuen.“ Jaina erkannte sie sofort. Es war Morrigan, die Hexe aus der Wildnis, deren Mutter die Verträge der Wächter aufbewahrt hatte.
    Jaina schwang die Beine über die Bettkante und rappelte sich auf. Sie stellte dich nächstliegende Frage: „Wo bin ich?“ „Zurück in der Wildnis. Ich bin Morrigan, falls ihr euch erinnert. Ich habe gerade eure Wunden verbunden. Gern geschehen, übrigens. Wie geht es eurem Gedächtnis? Erinnert Ihr euch, dass Mutter euch gerettet hat?“
    Jaina war restlos verwirrt. „Sie hat mich gerettet? Von der Turmspitze?“
    „Mutter konnte Euch und Euren Freund retten, aber es war ziemlich knapp. Der Mann der auf euer Signal reagieren sollte hat sich zurückgezogen. Die Dunkle Brut hat die Schlacht gewonnen. Alle Zurückgelassenen wurden getötet. Euer Freund... er kommt nur schwer damit zurecht.“

    Das war zu viel auf einmal für Jaina. Sie starrte Morrigan an und konnte nicht glauben, was diese gerade gesagt hatte. „Aber... was ist mit den anderen Wächtern? Dem König?“
    Morrigans Stimme war teilnahmslos und hätte genauso gut das Wetter beschreiben können. „Alle tot. Seit Mutter es Eurem Freund gesagt hat schwankt er zwischen Verweigerung und Trauer. Mutter möchte Euch auch sehen, sobald ihr wach seid.“
    „Gibt es noch andere Überlebende?“ Jaina konnte immer noch nicht glauben, dass nur sie und Alistair das ganze unbeschadet überstanden hatten. Nun zuckte Morrigan mit den Achseln. „Ein paar Versprengte vielleicht. Obwohl ich lieber nicht wissen möchte, was jetzt in dem Tal vor sich geht.“

    Eine Welle des Schmerzes überflutete Jaina. „Fergus, wo bist du?“ schrie sie in Gedanken. Alle waren tot? Duncan, Cailan vielleicht auch die Maga – wie hieß sie gleich – Wynne? Nein, nicht alle. Loghain hatte anscheinend überlebt.
    Putzmunter schien er zu sein. Der Schmerz mischte sich mit Wut. Warum hatte er das getan? Was für einen Nutzen zog er daraus? War es eine persönliche Abneigung gegen Cailan? Oder erhoffte er sich den Thron davon? Schließlich war seine Tochter die Königin, Cailans Ehefrau. Nein, Witwe.
    „Warum hat Eure Mutter uns überhaupt gerettet? Und wie?“
    Morrigan betrachtete Jaina interessiert. „Das frage ich mich auch, sie möchte es mir nicht sagen. Ich hätte den König gerettet. Der gibt viel mehr Lösegeld.“ Jaina lächelte schwach. „Ja, sehr viel mehr.“
    „Und was das Wie angeht, Mutter hat sich in einen großen Adler verwandelt und pflückte euch von der Turmspitze, einen in jeder Klaue.“ Morrigan sah nicht so aus als würde sie Witze machen und Jaina beschloss, das alles mal so hinzunehmen. „Danke in jedem Fall.“
    Sie erhob sich, und ging auf ihr Bündel Wäsche zu, das neben dem Bett am Boden lag. Alles war sauber, nicht blutverschmiert oder eingerissen. Wahrscheinlich auch ein Zauber von Morrigans Mutter, dachte Jaina bei sich. Sie zog die Beinschoner über die Beine und schlüpfte in ihre Lederrüstung. Ihr Schwert und ihr Dolch lagen direkt daneben und sie befestigte beide auf ihrem Rücken. So trat sie zur Tür und öffnete sie vorsichtig. Draußen schien gerade die Sonne aufzugehen. Sie sah Alistair gedankenverloren an einem See vor dem Haus stehen, er bemerkte sie nicht einmal.
    Morrigans Mutter dagegen hatte sie gehört und wandte sich an Alistair. „Seht Ihr, junger Mann, hier ist eure Wächter-Freundin. Ihr sorgt euch zu viel.“
    Alistair drehte sich zu Jaina um und Ungläubigkeit überzog sein Gesicht. „Ihr lebt? Ich war sicher dass Ihr tot seid.“
    Jaina versuchte ein Lächeln. „Um mich zu töten brauch es etwas mehr als Dunkle Brut.“
    „Duncan ist tot. Selbst der König. Sie alle. Und wir wären es auch, wenn Morrigans Mutter uns nicht von diesem Turm gerettet hätte.“
    „Rede nicht so als stünde ich nicht direkt neben dir, Bursche.“ Morrigans Mutter schien für ihr Alter sehr gesund und munter zu sein. Kein Wunder, sie war ja auch eine Maga. Alistair nahm die Zurechtweisung an und fragte sie nach ihrem Namen.
    „Die Chasind nennen mich Flemeth. Das sollte reichen.“ Alistair Augen wurden groß. „Die Flemeth? Aus den Legenden? Dann hatte Daveth Recht. Ihr seid eine Hexe der Wildnis!“
    Flemeth zuckte mit den Schultern. „Ja, ich kenne mich ein wenig mit Magie aus, aber es hat euch beiden wohl nicht geschadet, oder?“
    Flemeth klärte die beiden darüber auf, dass der Großteil der Horde weitergezogen war – sie also in relativer Sicherheit. Doch nicht für lange, das war ihnen klar. Jaina nahm an, dass so wie sie die Dunkle Brut spüren konnte, die das andersherum auch bei ihr konnte.
    „Warum habt ihr uns gerettet?“ Jaina sah Flemeth herausfordernd an.
    „Nun... wir konnten nicht alle Wächter auf einen Schlag wegsterben lassen. Es war schon immer die Pflicht von euch Grauen Wächtern die Länder gegen die Verderbnis zu vereinen. Oder hat sich das geändert als ich gerade nicht aufgepasst habe?“
    „Natürlich nicht!“ Alistair mischte sich gereizt ein: „Wir haben gekämpft! Der König hatte die Horde fast besiegt – wäre nicht Loghain gewesen. Warum hat er das getan? Aus welchem Grund?“
    Flemeth wandte sich ihm voller Interesse zu. „Das ist eine sehr gute Frage. Ihr wisst vielleicht nicht, dass die Herzen von Menschen dunkler sein können als die der dunkelsten Kreatur. Möglicherweise glaubt er, er könnte die Dunkle Brut austricksen. Sie umgehen oder auf andere Art besiegen. Er scheint nicht zu sehen, dass das Böse dahinter die wahre Gefahr ist.“ Alistair begriff sofort. „Der Erzdämon.“
    Jaina fackelte nicht lange. „Nun, dann müssen wir ihn finden.“ Alistair sah sie entgeistert an. „Allein?! Es gab keinen Grauen Wächter, der die Verderbnis allein besiegen konnte, nicht ohne die Hilfe mehrere Länder! Ganz zu schweigen davon dass ich keine Ahnung habe wie wir das anstellen sollen.“
    „Nun, es klingt nach zwei verschiedenen Fragen: Wie tötet ihr den Erzdämon und wie bekommt ihr Verbündete. Wisst ihr denn von keinem Verbündeten?“ Flemeth klang nachdenklich.
    „Duncan sagte, die Wächter aus Orlais sein gerufen worden. Arl Eamon würde diese Sache nicht auf sich beruhen lassen.“
    „Dann sollten wir zu diesem Arl Eamon gehen.“ Jaina wartete ab was Alistair darauf sagen würde. Er hatte bei weitem mehr Erfahrung als sie, aber das war auch kein Kunststück.
    „Arl Eamon ist in Redcliffe, er war nicht bei Ostagar. Er hat noch all seine Truppen. Er ist ein einflussreicher Mann im Landthing. Ich kenne ihn, er ist ein guter Mann! Wir könnten zu ihm gehen und ihn um Hilfe bitten.“
    Jaina dachte nach. Und sie erinnerte sich an etwas. „Wir haben doch bestimmt noch andere Verbündete.“ Sie deutete auf Alistair. Der verstand sofort und griff nach seinem Gürtel. „Natürlich! Die Verträge!“ Er nestelte an einer der kleinen Taschen und zog tatsächlich die Verträge hervor, die sie von Flemeth zurückbekommen hatten. „Während einer Verderbnis können wir die Hilfe von Elfen, Zwergen und Magiern einfordern – sie sind verpflichtet uns zu helfen!“
    Flemeth schmunzelte. „Nun, Zwerge, Elfen, Magier und dieser Arl Eamon, wer weiß was sonst noch – das klingt doch nach einer Armee.“
    „Also langsam: Können wir das tun?“ Alistair sah von Flemeth zu Jaina, offensichtlich wieder vom Eifer gepackt. „Zu all diesen Leuten gehen und Hilfe einfordern?“

    Jaina nickte. „Natürlich können wir das.“ Flemeth schien überaus zufrieden. „Also seid ihr bereit? Bereit eure Pflicht als Graue Wächter zu erfüllen?“ Alistair und Jaina nickten gleichzeitig. „Gut, dann habe ich noch eine Sache, die ich euch anbieten kann.“ In diesem Moment trat Morrigan an die Seite ihrer Mutter und berichtete, dass das Abendessen bald fertig sei würde. „Die Wächter werden uns bald verlassen, Morrigan. Und du wirst mit ihnen gehen.“ „Sehr schade für... Moment, was?!“ Morrigan drehte sich vollkommen zu ihrer Mutter um, ungläubig und beinahe entsetzt. Doch ihre Mutter lächelte sie nur schelmisch an, wie ein altes Mütterlein. „Du hast Ohren am Kopf, Liebes, ich weiß es genau.“
    Jaina trat unbehaglich von einem Fuß auf den anderen. Hilfe, schön und gut, aber Morrigan schien sich nicht sehr für die Ziele der Grauen Wächter einsetzen zu wollen. Eigentlich schien sie sich für niemandes Ziele, außer ihrer eigenen, einzusetzen. Auch Alistair reagierte misstrauisch und fragte offen, ob Morrigan nicht eher eine Last sein würde, als Maga außerhalb des Zirkels. Flemeth wies ihn zurecht, dass die beiden Hexen ihnen das Leben gerettet hatten – und versicherte, dass Morrigan ihnen eine große Hilfe sein würde. Morrigan schien sich mehr darüber zu ärgern, dass über ihren Kopf hinweg entschieden wurde als dass sie die Wildnis wirklich vermissen würde.
    Schlussendlich schärfte Flemeth ihnen ein, dass sie nicht versagen durften, und sie ihnen nur deshalb das ihr Liebste auf Erden mitgab.

    Ohne großartigen Abschied wandten sich Jaina, Alistair, Jag und Morrigan der Wildnis zu, und machten sich unter Morrigans Führung zu einem Ort namens Lothering auf. Laut Morrigan lag er überhalb der Korcari-Wildnis und sei der erste Anlaufpunkt für neue Ausrüstung.
    Sie verbrachten den Großteil der Reise schweigend, sie waren auch nur knapp anderthalb Tage unterwegs.
    Jaina suchte Trost bei Jag, und auch wenn sie sich nicht sicher sein konnte, dass ihr Bruder noch lebte, so wollte sie lieber daran glauben als die Hoffnung aufzugeben. Ser Jory hatte die ganze Zeit über Ungerechtigkeit gejammert, weil ihnen nichts über das Ritual verraten worden war. Doch Jaina konnte sich allmählich des Gefühls der Ungerechtigkeit nicht länger erwehren. Wie viele Tage waren vergangen seit Howes Verrat? Noch keine drei. Und schon hatte sie das, was ihr neues Zuhause werden sollte, wieder verloren. Sie hatte an Wächtern nur Duncan kennengelernt, abgesehen von Alistair.
    Dieser schwieg ebenso wie sie. Keiner war erpicht darauf,das Gespräch auf die Grauen Wächter oder Duncan zu lenken. Jaina merkte, dass die Wunde bei Alistair tief saß. Sie verstand nicht ganz warum, aber sie wusste ja auch kaum etwas über ihn, außer dass er ein halbes Jahr länger bei den Grauen Wächtern war als sie und dass Duncan ihn durch die Einberufung zu den Wächtern gerettet hat. Vor was eigentlich? Dem Templer-Dasein? Sie stellte sich diese Fragen und verwarf sie wieder. Es würde eine Zeit geben, da könnte sie ihn fragen. Jetzt hatte sie alle Mühe ihre eigenen Verluste zu bewältigen.
    Morrigan ließ sich von der schlechten Laune nicht anstecken und stichelte gerne in Richtung Alistair, der jedoch nicht darauf einging.
    Am Vormittag des zweiten Tages war es soweit: Sie kamen in Lothering an.
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    Die Geschichte von Yuri und Kalyo


    - Kapitel 1 -

    „Verdammte Menschen!“, Yuri biss die Zähne zusammen und zerrte an seinem Fuß, um ihn aus der Falle zu bekommen.
    „Hör auf zu ziehen! Du machst es nur noch schlimmer!“, Aroh versuchte die Falle aufzustemmen, damit sein Freund den Fuß frei bekam.
    „Diese verdammten Wilderer machen nur Ärger. Ständig stellen sie ihre Fallen hier auf, obwohl sie hier nicht jagen dürfen. Und wir treten dann rein…“, der Elf ließ sich vorsichtig auf den Boden sinken. Er bekam seinen Fuß einfach nicht frei und der Blutverlust machte seinem Kreislauf bereits Probleme. „Scheiße verdammte!“, er trat mit seinem freien Fuß heftig gegen die Falle und zuckte sofort vor Schmerz zusammen.
    „Hör endlich auf zu zappeln… du verlierst nur noch mehr Blut.“, Aroh bemühte sich wirklich den Schließmechanismus der Falle zu öffnen, doch es funktionierte einfach nicht.
    „Braucht ihr zufällig Hilfe?“, fragte eine Stimme hinter Yuri, die ihn zusammenzucken ließ. Er drehte sich, soweit es ihm möglich war, um und sah den Verursacher der Stimme an.
    Hinter ihm stand ein fremder Elf. Zumindest sah er irgendwie elfisch aus. Mit spitzen Ohren, so ähnlich wie die von ihm und Aroh, aber deutlich länger. Aroh und er hatten eher kleine Ohren – ähnlich wie die Ohren von den Menschen nur mit leichten Spitzen an den Enden. Die Ohren dieses Elfen – Yuri bezeichnete ihn im Geist zumindest so – waren jedoch wirklich spitz und ragten deutlich aus seinen kurzen, schneeweißen Haaren hervor. Auch seine restliche Erscheinung unterschied sich von allen Elfen, die Yuri – sich selbst und Aroh eingeschlossen – bisher gesehen hatte. Dieser Fremde war etwas größer, als andere Elfen, und seine Haut war sehr hell, beinahe weiß. Und die Augen… Yuri hatte nie in seinem Leben so tiefrote Augen gesehen.
    Der Fremde grinste ihn an: „Was ist jetzt? Soll ich euch helfen, oder nicht?“
    Yuri nickte nur irritiert. Der fremde Elf ging an ihm vorbei und hockte sich neben die Falle. Er legte seine Hand über den Schließmechanismus, schloss die Augen und murmelte irgendwelche Worte, die Yuri nicht verstand. Kurz darauf schnappte die Falle auf. „Whoa!“, überrascht zog Yuri seinen Fuß aus der Falle. Der Fremde hielt seinen Fuß jedoch fest und besah sich die Wunde.
    „Sieht nicht schön aus.“, meinte er und bevor Yuri überhaupt die Möglichkeit hatte zu reagieren, legte er seine rechte Hand genau auf die Wunde und packte fest zu. Yuri schrie vor Schmerz auf, doch der Fremde ließ nicht los. Plötzlich glühte seine Hand in einem hellblauen Licht. Und als er Yuris Fuß schließlich losließ, war die Wunde verschwunden. Yuri starrte irritiert auf seinen Fuß:
    „Wie… hast du das gemacht?“
    „Magie.“, der Fremde grinste.
    Aroh, der das Ganze erstaunt und sprachlos verfolgt hatte, sah den Fremden an: „Dann ist wohl ein „Danke“ angebracht, schätze ich.“
    Der weißhaarige Magier sah ihn amüsiert an: „Ach ja. Das passt schon. Ich freue mich, dass ich helfen konnte.“, er stand auf und packte Yuris Arm, um ihm ebenfalls aufzuhelfen. Als sie alle wieder standen, streckte er Aroh seine Hand hin: „Mein Name ist übrigens Kalyo.“
    Aroh schüttelte die Hand: „Freut mich. Ich bin Aroh und das da…“, er deutete auf den jüngeren Elf: „Ist mein Clansbruder Yuri. Er ist gut darin, sich selbst in Schwierigkeiten zu bringen.“
    Yuri verschränkte missmutig die Arme: „Ist doch gar nicht wahr…“
    Kalyo grinste immer noch amüsiert vor sich hin.
    „Verratet Ihr uns auch, WAS genau Ihr seid, Kalyo?“, fragte Aroh, „Ihr seht aus wie ein Elf. Und doch seht Ihr so anders aus als alle Elfen, die ich bisher gesehen habe.“
    Kalyo grinste verschmitzt: „Das Gleiche könnte ich von euch beiden behaupten. Allerdings kenne ich eure Art. Ich bin euch also einen Schritt voraus.“, er verschränkte die Arme, „Aber um eure Neugier zu befriedigen…“, er sah kurz zu Yuri, der ihn gebannt anstarrte, „Ich bin ein Blutelf.“
    „Ein Blutelf??“, platze Yuri aufgeregt heraus.
    „Ja, ein Blutelf. Eigentlich unterscheiden wir uns nicht so sehr von eurer Art. Wir sehen nur etwas anders aus, können Magie wirken und dann…“, er machte eine bedeutungsvolle Pause, „ist da noch die Sache mit dem Blut.“
    Yuri zog hörbar Luft zwischen seinen Zähnen ein.
    „Unser Stoffwechsel funktioniert anders als eurer. Wir ernähren uns von rohem Fleisch und Blut.“
    Yuris Augen wurden immer größer, schließlich platzte es aus ihm heraus: „Du kannst nur nachts herumlaufen und saugst deine wehrlosen Opfer aus!“
    Kalyo kicherte leise. „Was du meinst sind Vampire, mein junger Freund. Und nein, ich bin kein Vampir. Vampire sind nur Fabelwesen. So etwas gibt es gar nicht. Ich ernähre mich hauptsächlich von Hasen und anderen Tieren. Je nachdem, was ich beim Jagen erwische. Und was das „nur nachts herumlaufen können“ angeht…“, er breitete seine Arme aus, „Dir ist schon aufgefallen, dass heute ein wunderschöner, sonniger Tag ist, oder?“
    Yuri verschränkte wieder missmutig die Arme. „Ja. Schon gut.“
    Kalyo kicherte amüsiert. Wenn er lachte sah man das in seinem ganzen Gesicht. Seine Augen strahlten und er hatte kleine Lachfältchen um die Augen. Offensichtlich lachte er sehr viel.
    Er wandte sich wieder Aroh zu: „Was macht ihr beiden eigentlich hier?“
    „Wir waren auf der Jagd. Unser Clan ist erst vor ein paar Tagen in diesen Wald gekommen.“, er sah den Blutelfen an, „Und Ihr? Was macht Ihr hier? Seid Ihr allein unterwegs?“
    Kalyo nickte und zum ersten Mal seit sie ihn kannten, verschwand das Lächeln aus seinem Gesicht: „Ich bin schon seit Monaten allein unterwegs und… ich möchte nicht darüber reden.“
    Aroh nickte verstehend, dann sagte er: „Wenn Ihr wollt, könnt Ihr mit uns kommen. Schließlich seid Ihr auch ein Elf und habt uns geholfen.“
    Yuri nickte begeistert: „Oh ja! Das ist eine gute Idee!“ Er hoffte auf ein paar spannende Geschichten von Kalyo. Außerdem fand er den Blutelfen faszinierend.
    „Nun gut. Die Idee ist vielleicht gar nicht so schlecht.“, meinte Kalyo zustimmend.
    Also machten die drei sich gemeinsam auf den Weg ins Elfen-Lager.

    Bei den anderen Elfen wurde Kalyo mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Einige fühlten sich in seiner Gegenwart unbehaglich. Irgendwie fürchteten sie sich ein wenig vor ihm. Einerseits durch seine seltsame Erscheinung, andererseits durch die Tatsache, dass er Magie wirken konnte. Als sie erfuhren, welche Art von Nahrung er zu sich nahm, wurde ihr Misstrauen nicht besser.
    Dennoch duldeten sie ihn bei sich, schließlich hatte er einem der ihren geholfen, und er war froh, erst mal nicht mehr alleine sein zu müssen.
    Um sich den anderen nicht zu sehr aufzudrängen saß er häufig etwas abseits. Aber das war ihm schon ganz recht so.
    Der Einzige, der keinerlei Vorbehalte gegen ihn hatte, war Yuri, welcher ihm wie ein Hund hinterherlief und auf spannende Geschichten hoffte.
    Und Kalyo hatte wirklich einige Geschichten zu erzählen. Er war in seinem Leben viel gereist und kannte die unterschiedlichsten Legenden und Lieder. Und es machte ihm Spaß, mit Yuri am Lagerfeuer zu sitzen und ihm die Geschichten zu erzählen. Yuris Augen leuchteten dann voller Spannung wie bei einem kleinen Kind. Dabei war er schon zwanzig, was für einen Elfen zwar noch recht jung war, ein Kind war er jedoch nicht mehr.

    Eines Tages, sie saßen wieder zusammen am Lagerfeuer, fragte Yuri plötzlich: „Beißt ihr andere Elfen, damit diese auch Blutelfen werden?“
    Kalyo sah ihn an und lachte dann laut:
    „Fängst du schon wieder mit diesen Vampir-Geschichten an? Wer hat dir nur diesen Mist erzählt?“, er tippte ihm mit dem Finger gegen die Stirn.
    „Ja, aber… wie entsteht ihr denn dann?“
    Kalyo sah den jungen Elfen an: „Ja weißt du… Es gibt da eine Elfen-Frau… und einen Elfen-Mann…“, er trippelte mit den Fingern auf seinem Bein herum, als wolle er zwei Figuren nachspielen, die aufeinander zu gingen. Yuri beobachtete ihn aufmerksam.
    „Die lernen sich kennen, mögen sich… und DANN…“, er machte eine ziemlich eindeutige Bewegung mit seinen Händen.
    Yuri lief augenblicklich rot an: „Oh…“
    Kalyo grinste amüsiert: „Was hast du denn gedacht, wie wir entstehen? Genauso wie ihr natürlich. Oder hat dich deine Mutter etwa nicht aufgeklärt?“
    Yuri senkte verlegen den Kopf und grummelte nur: „Doch…“
    „Na siehst du! Dann ist ja alles klar.“, Kalyo lehnte sich grinsend zurück und beobachtete den jungen Elf mit den dunklen Haaren. „Du hast diese Vampir-Geschichte doch nicht wirklich geglaubt, oder? Das kannst du vergessen. Wirklich. Ich bin gar nicht so viel anders als ihr. Abgesehen von meinem, für euch etwas seltsamen, Äußeren und meinen Ess-Gewohnheiten.“
    „So seltsam siehst du doch gar nicht aus.“, meinte Yuri.
    „Nett, dass du das sagst.“, sagte Kalyo grinsend. Dann begann er wieder mit einer seiner Geschichten.
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    - Kapitel 2 -


    Jahre später war der einst so naive junge Elf zu einem starken Jäger geworden. Yuri war mittlerweile 25 Jahre alt und sollte bald heiraten. Seine Eltern hatten schon Jahre zuvor mit dem Clansoberhaupt abgesprochen, dass ihr Sohn seine Tochter heiraten würde sobald beide alt genug waren. Inzwischen war Narome 20 Jahre alt und damit im richtigen Alter um zu heiraten.
    Bei den Elfen war es nicht ungewöhnlich, dass solche Absprachen unter den Eltern getroffen wurden. Ob es den Kindern passte oder nicht. Hauptsache, beide Seiten machten eine gute Partie. Und die Tochter des Clansoberhauptes WAR eine gute Partie. Nur passte es dem ungestümen Yuri ganz und gar nicht, ohne seine Zustimmung verheiratet zu werden. Sicher, er mochte Narome. Doch sah er sie mehr als kleine Schwester denn als seine künftige Braut an. Und so kam es, dass Yuri ein paar Wochen vor der Hochzeit gereizt durchs Lager stiefelte.
    Kalyo legte ihm beruhigend die Hand auf die Schulter: „Was ist denn los, mein Freund?“
    Yuri sah ihn wütend an: „Ich will nicht heiraten! DAS ist los!!“
    „Aber warum denn nicht? Narome ist doch ein nettes Mädchen…“
    „Oh ja. Nett… Sie ist wie meine kleine Schwester. Ich kann doch nicht meine SCHWESTER heiraten!“, Yuri war fürchterlich aufgebracht und Kalyo wusste nicht, was er sagen sollte, um ihn zu beruhigen.
    „Davon abgesehen, dass ich ÜBERHAUPT nicht heiraten will! Was denken die sich? Wieso interessiert es eigentlich niemanden, was ICH will?“, Yuri ballte seine Hände zu Fäusten und schlug sie gegen einen Baum.
    Kalyo spürte die tiefe Verzweiflung seines Freundes, wusste aber nicht, was er dagegen tun konnte. „Meinst du nicht, du kannst dich damit… abfinden…?“
    „Abfinden? Mit einer Hochzeit? Na du hast gut reden. DU bist ja nicht derjenige, der heiraten muss!!“, Yuri schlug nun vor Wut so lange mit seinen Fäusten auf den Baum ein, bis seine Hände blutig wurden. Kalyo packte ihn an der Schulter und zog ihn weg. Yuri drehte sich um, lehnte sich gegen Kalyo und fing an seiner Schulter an zu weinen. Kalyo zögerte kurz, dann legte er seine Arme um ihn und hielt den schluchzenden Elfen fest.
    Nach einer Weile hob Yuri den Kopf und sah Kalyo mit seinen verheulten Augen an. Dann beugte er sich langsam vor und küsste den verwirrten Blutelfen auf den Mund. Der war zunächst irritiert, dann drückte er den Jungen jedoch noch fester an sich.
    In dem Moment schien Yuri zu begreifen, was er getan hatte und stieß Kalyo von sich. „Scheiße, verdammt!“, mit diesen Worten drehte er sich um und rannte in den Wald. Kalyo lief ihm nach einer Schrecksekunde hinterher. „Verdammt. Das hätte nicht passieren dürfen…“, dachte er während er hinter Yuri herlief.
    An einem kleinen Teich hatte er den Elfen schließlich eingeholt. Yuri stand an einen Baum gelehnt und starrte gedankenverloren ins Wasser.
    „Es tut mir leid.“, sagte Kalyo leise.
    Yuri drehte sich zu ihm um: „Wenn sich einer von uns entschuldigen sollte, dann bin wohl eher ich das.“, er drehte sich wieder Richtung Wasser. „Ich wollte dich nicht so überfallen.“
    Kalyo sah ihn traurig an: „Schon ok…“
    „Und was machen wir jetzt?“, Yuri sah ihm wieder in die Augen.
    „Naja. Du heiratest Narome. Und ich…“
    „Vergiss es! Mir ist egal was meine Eltern sagen! Ich WERDE sie nicht heiraten!“
    „Aber…“, setzte Kalyo an.
    „Ich liebe sie doch nicht. Wie könnte ich jemanden heiraten, den ich nicht liebe…“
    Kalyo wusste nicht, was er dazu sagen sollte.
    „Aber was willst du denn dann tun?“, fragte er nach einer Weile sanft.
    „Ich weiß nicht. Aber ich glaube…“, er machte einen Schritt auf Kalyo zu, „Ich möchte bei dir sein.“
    Der Blutelf schüttelte vorsichtig den Kopf: „Das geht doch nicht.“
    „Und warum nicht? Weil du ein Blutelf bist und ich nicht?“, Yuri funkelte ihn verärgert an.
    „Nein. Weil ich ein Kerl bin und du auch!“
    „Na und?“
    „Wie willst du deiner Art helfen, weiter zu bestehen? So viele Elfen gibt es schließlich nicht mehr.“
    „Wieso bin ich jetzt für den Fortbestand meiner Art zuständig? Sollen das doch andere übernehmen!“
    „Aber du sollst doch die Tochter des Oberhaupts heiraten. Das ist sicher wichtig…“
    Yuri ließ sich auf die Knie sinken und fing an zu schluchzen. Kalyo hockte sich neben ihn. Er konnte Yuris Verzweiflung nur zu gut nachvollziehen.
    „Ich würde lieber sterben, als mir ständig von allen sagen zu lassen, wie ich zu leben habe…“
    Kalyo sah ihn entsetzt an: „Sag sowas nicht!“
    Yuri schluchzte weiter. Schweigend blieben die beiden noch eine Weile an dem Teich bevor sie zurück ins Lager gingen.

    In den nächsten Tagen verbrachte Yuri noch mehr Zeit zusammen mit Kalyo, als er es ohnehin schon tat. Kalyo, der keinen Ärger mit dem Clan wollte, packte eines Abends seine wenigen Habseligkeiten zusammen, um den Clan zu verlassen. Er hatte ihre Gastfreundschaft nun lange genug ausgenutzt. Außerdem dachte er, dass Yuri ohne ihn vielleicht eher zur Vernunft kommen und sich mit der Hochzeit abfinden würde. Er war sich sicher, dass Yuri einfach nur verwirrt war und er ihn bald vergessen haben würde, wenn er erst einmal das Mädchen geheiratet hatte.
    Aber er hatte seine Rechnung ohne Yuri gemacht.
    Kalyo hatte das Lager gerade heimlich verlassen, zumindest dachte er das, da tauchte Yuri hinter ihm auf. Ebenfalls mit gepackten Sachen.
    „Hast du wirklich gedacht, du könntest einfach so ohne mich verschwinden?“
    „Yuri… es ist besser so. Für uns beide.“, Kalyo sah ihn traurig an.
    „Warum denkst du das?“
    „Du sollst heiraten! Und ich stehe dir dabei nur im Weg.“
    „Das ist doch gar nicht wahr! Das hat nichts mit dir zu tun.“
    „Ach nein? Warum hast du mich dann geküsst?“, fragte Kalyo herausfordernd.
    „Ich…“, Yuri brach ab. Leise fuhr er fort: „Ich weiß es nicht…“ Er sah Kalyo traurig an. Der Blutelf konnte diesen Anblick nicht ertragen und umarmte den kleineren Elf vorsichtig.
    „Es ist nicht richtig. Ich kann dich doch nicht von deiner Familie wegholen… und von deinen Freunden. Der Clan wird dich verstoßen…“
    Yuri sah ihn an: „Meine Familie und Freunde interessieren sich doch gar nicht wirklich für mich. Sonst würden sie mich nicht zu etwas zwingen, das ich nicht will.“
    Kalyo war hin- und hergerissen. Einerseits wollte er Yuri nicht von seinem Clan wegholen, andererseits wusste er nicht, ob er ohne ihn leben wollte.
    Er packte Yuri an den Schultern und sah ihm in die Augen: „Na schön. Wenn es dir wirklich ernst damit ist, dann nimm deine Sachen und komm mit.“
    Yuri grinste ihn an, nahm seine Sachen und lief hinter Kalyo her, der schon losgegangen war.
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    - Kapitel 3 -


    Die nächsten Wochen verbrachten sie wandernd. Tagsüber liefen sie durch die Wälder und nachts schlugen sie ihr Lager auf.
    Yuri blühte immer mehr auf. Je länger sie zusammen auf Reisen waren, desto glücklicher und zufriedener war er. All die Probleme der letzten Wochen waren vergessen.
    Und auch Kalyo war glücklich. Er saß mit Yuri zusammen an ihrem eigenen kleinen Lagerfeuer, erzählte ihm Geschichten und brachte ihm Lieder bei.
    Da Yuri so ein guter Jäger geworden war, hatten sie auch immer ausreichend zu essen. Kalyo fand es immer wieder erstaunlich, wie gut Yuri in den Jahren seit sie sich kennengelernt hatten, damit klargekommen war, dass Kalyo seinen Teil vom Essen immer roh verzehrte, anstatt ihn zu braten. Die anderen Jäger waren nie sehr angetan von dem Anblick, doch Yuri hatte es nie gestört. Kalyo lächelte bei dem Gedanken daran.
    „Was ist los? Warum grinst du so?“, fragte Yuri.
    „Ach nichts. Ich bin froh, dass du bei mir bist.“, meinte der Blutelf.
    „Bin ich auch.“, Yuri sah plötzlich nachdenklich aus.
    „Alles in Ordnung, Yuri?“
    „Was? … Oh ja.“, der Elf starrte ins Feuer. Alles war Bestens. Oder doch nicht? Yuri wusste nicht, was er sagen sollte. Er war so glücklich mit Kalyo. Und wenn er lachte… das machte ihn noch glücklicher.
    „Ich glaube, ich bin nur müde…“, murmelte er und stand auf, um sich im Zelt hinzulegen.
    Kalyo kümmerte sich noch um das Feuer und legte sich im Zelt dann neben Yuri, so wie immer. Doch irgendwas war anders als sonst.
    „Bist du dir sicher, dass alles in Ordnung ist?“, fragte Kalyo leise.
    Yuri drehte sich zu ihm und sah ihn an. „Ich weiß nicht. Sag du es mir…“, mit diesen Worten kuschelte er sich an Kalyo und schloss seine Augen. Kalyo war überrascht, legte dann aber seinen Arm um den kleineren Elf. Es war schön, Yuri so nah bei sich zu haben. Zufrieden schloss Kalyo ebenfalls die Augen und schlief ein.
    Als er am Morgen erwachte, lag Yuri noch immer eng an ihn geschmiegt da und schlief. Kalyo lächelte leicht und küsste den Schlafenden auf die Stirn. Yuri wachte auf und blickte ihn verschlafen an. Er lächelte. „Es ist schön hier mit dir zu liegen.“
    Kalyo lächelte übers ganze Gesicht. „Ja, das stimmt. Aber jetzt sollten wir aufstehen. Wir haben noch einen langen Weg vor uns.“ Mit diesen Worten stand er auf.
    „Wohin wollen wir überhaupt?“, fragte Yuri.
    „Das erfährst du noch früh genug.“, grinste Kalyo.

    Als sie ihre Sachen gepackt hatten, marschierten sie los. Den Großteil des Tages verbrachten sie schweigend. Jeder hing seinen eigenen Gedanken nach.
    Yuri dachte an die letzte Nacht zurück. Es war schön gewesen, so eng an Kalyo geschmiegt zu schlafen. Er gab ihm Wärme und Geborgenheit. Yuri sah zu ihm rüber und lächelte. Wie gut, dass das Schicksal sie beide zusammengeführt hatte.

    Abends saßen sie wieder am Lagerfeuer und rösteten Yuris Hälfte eines Hasen über dem Feuer. Kalyo aß seine Hälfte bereits – wie immer roh. Yuri beobachtete ihn fasziniert. „Deine Zähne müssen stärker und spitzer sein als meine. Ich denke mit so einem rohen Hasen hätten meine Zähne ganz schöne Probleme.“
    Kalyo tastete über seine Zähne: „Naja. Ein klein wenig spitzer als deine sind sie schon.“
    Yuri rückte näher an ihn heran: „Lass mal sehen.“
    Kalyo grinste ihn breit an.
    “Stimmt. Sie sind wirklich ein wenig spitzer als meine. … Also doch ein Vampir!“
    „Hey!“, Kalyo knuffte ihn grinsend in die Seite. „Ich hab dir dich gesagt, dass es sowas wie Vampire nicht gibt.“
    „Jaja. Das sind nur Fabelwesen. Aber weißt du: Das denken manche Menschen über uns auch.“
    „Da hast du wohl recht.“, Kalyo lächelte ihn an. „Pass auf, dass dein Essen nicht verbrennt!“

    Später im Zelt drehte Kalyo sich sofort auf die Seite, mit dem Rücken zu Yuri. Er wollte verhindern, dass der dunkelhaarige Elf sich wieder so nah zu ihm legen konnte, wie er es in der letzte Nacht getan hatte. Yuri hatte längst Gefühle in ihm geweckt, die der Blutelf noch immer nicht bereit war, zuzugeben oder sie sich überhaupt selbst einzugestehen.
    Der kleinere Elf sah traurig zu Kalyo und rollte sich dann auf seiner Seite zusammen.

    Die darauffolgenden Nächte verhielt sich Kalyo genauso. Daher stellte Yuri ihn an einem Morgen vor dem Zelt verärgert zur Rede. „Was soll das eigentlich? Warum schottest du dich jetzt immer so von mir ab? Magst du mich denn nicht mehr?“, Yuri sah ihn traurig an.
    „Doch natürlich, aber…“
    „Aber was? Warum machst du das?“
    „Weil…“, Kalyo wusste nicht, was er sagen sollte. Yuri sah so verletzt aus.
    Plötzlich legte Kalyo seine Hände in den Nacken des kleineren Elfs, zog ihn näher zu sich heran und küsste ihn sanft. Yuri war zuerst überrascht, erwiderte den Kuss dann jedoch.
    Schließlich löste sich Kalyo von ihm und sah ihn an: „Tut mir leid…“
    Er wollte sich gerade umdrehen und gehen, als Yuri ihn am Arm packte und festhielt. „Das muss es nicht.“
    Kalyo drehte sich wieder zu ihm um.
    „Ich habe dich auch mal geküsst. Erinnerst du dich?“, Yuri lächelte leicht. „Ich weiß nur nicht was das jetzt bedeutet.“
    „Möchtest du denn, dass es was bedeutet?“, fragte der größere Elf.
    Yuri nickte. „Ich denke schon. Ich hatte nur noch nie solche… Gefühle… für jemanden…“
    Kalyo zog ihn schweigend an sich und umarmte ihn. Nach Keilans Tod hätte er es nicht für möglich gehalten, noch einmal solche Gefühle für jemanden zu entwickeln. Er seufzte. Die Geschichte wiederholte sich.
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    Das Stilett wurde geschärft und weitere Spaziergänge zum Weiher waren abgesprochen. So entwickelte sich die Geschichte weiter:

    K1 #20 • Ein Kettenhemd

    Der Mann mit dem rosenblonden Haar rannte zum wiederholten Male durch die Gasse aus Stäben. Er kam schnell voran. Auch dem pendelnden Sack, den Isilde in den letzten Tagen am Ast des Baumes vor der letzten Stange angebracht hatte, konnte er leichtfüßig ausweichen. Sein Mabari begleitete ihm und bellte nach Herzenslust. Den beiden war der Spaß an der Übung anzusehen. Auch mit einem langen Stock aus Haselnuss in der Hand ausgerüstet wurden die Stangen schnell von dem Mann durchschritten.

    [Bild: Tobias_vS.png] »Ihr habt in den letzten Wochen rasche Fortschritte vollzogen,« würdigte Magaritt den Mann, als sie vom Weiher kam mit zwei Karauschen im Netz. »Oh,« antwortete dieser. »Ihr wollt Fisch zubereiten?« fragte er im Rennen. Dann besann er sich und stoppte seine Übungen. »Danke für die Anerkennung, doch viele Dinge habe ich Euch und Eurer Tochter zu verdanken,« sagte er. Doch die ältere Frau lies sich davon nicht beeindrucken und antwortete nur im Vorbeigehen: »Schön, schön, doch ich möchte Euch sehen, wenn Ihr mit mehr Gewicht durch die Stangen rennt.« »Oh, nein. Ihr kocht gut, aber mehr Gewicht, nein!« sagte der Mann und schüttelt dabei den Kopf. »Ha, ha, haaha!« lachte Magaritt. »Ihr könnt ja auch richtig komisch sein. Nein! Schaut Euch an,« erklärte sie. »Ihr rennt hier in leichter Bekleidung, so wie sie die Bauern oder die Händler tragen. Ich möchte sehen, wenn Ihr eine Rüstung tragt, wie dann Euer Lauf ist.« Bei dem Reden drehte sie sich zur Seite und sagte zu ihrer Tochter, die ihr beim Fischen geholfen hatte: »Geh und hole das Kettenhemd!« »Das Kettenhemd?« fragte die Tochter nach, als wenn sie die Aussage der Mutter nicht verstanden hatte. »Papperlapapp! Mach rasch. Hole das Kettenhemd!« Die Tochter senkte den Kopf und eilte in einen Raum des Nebengelasses.

    »Ihr habt ein Kettenhemd? Hier in der Wildnis? Ihr überrascht mich,« staunte der Mann. »Was heißt Ihr überrascht mich,« entgegnete die ältere Frau. »Es ist Euer Kettenhemd. Schaut, da kommt es ja schon.« Dabei zeigte sie auf Isilde, die einige Mühe hatte im schnellen Schritt die Rüstung in den Händen zu halten.

    »Mein Kettenhemd?« wollte er wissen, rannte dann aber auf die jüngere Frau zu, um ihr den Ausrüstungsgegenstand abzunehmen. »Danke,« sagte diese und gab ihm das Kettenhemd. Die Brünierung leuchtete in der Sonne goldgelb bis leicht ins Rötliche. »Es passt gut zu Eurem Haar,« versuchte Isilde zu scherzen. Doch er hatte kein Ohr dafür und erklärte: »Ja, das ist mein Kettenhemd. Habt Ihr noch andere Sachen von mir?« Er richtete die Frage an die Ältere. Diese war schon auf diese Wendung vorbereitet. Denn sie hatte mit Absicht die Sprache auf seine noch vorhandene Ausrüstung gebracht. »Viel ist es nicht, was Ihr damals noch bei Euch hattet, als wir Euch bei dem Wagenzug gefunden hatten. Es waren noch ein Paar kniehohe Schuhe aus Drachenleder und eine Robe. Bei der meinte meine Tochter, diese könnte aus Orlais sein.« Während der Mann sich das Kettenhemd über den Kopf zog und die fast fünfzehn Kilogramm an Gewicht erstaunlich gut verträgt, wollte er wissen: »Kein Schwert, kein Schild und auch keine Armschienen?« »Nein, mehr als dass was Ihr auf den Leib hattet, ist hier nichts,« erklärte Magaritt und sie fügte noch an: »Kettenhemden sind selten und teuer. Dieses ist für Euch gefertigt, es passt. Ebenso müsst Ihr es schon lange tragen, denn es scheint, obwohl Ihr es mehrere Wochen nicht anhattet, wie eine zweite Haut zu sein.«

    »Kann ich die Robe bitte sehen?« fragte der rosenblonde Mann ohne auf das Kompliment einzugehen. »Kommt, wir gehen zu dem Lagerraum. Dort könnt Ihr Euch die Sachen anziehen,« schlug Isilde vor. Denn sie wollte nicht noch einmal von Mutter den Weg geschickt werden. Auf dem Weg zu dem Anwesen fragte sie: »Was ist denn so besonders an einem Kettenhemd?«

    Er schmunzelte, als wenn er die Frage bereits erwartet hatte und erklärte im Gehen: »Zum einen ist es der Wert.« »Wirklich?« staunte sie. »Ihr bekommt ein normales Schwert für 30 bis 60 Kronen und ein gutes für einen bis zwei Royal.« Er überlegte kurz und korrigierte dann: »So viel kostet es in Orlais, hier in Ferelden sind es ein bis zwei Sovereign. Ein normales Kettenhemd kostet mindestens 50 bis 60 von den Goldmünzen,« erzählte er. »Oh, das ist viel Geld. Das kann sich nicht jeder leisten. Doch warum ist es so teuer?« wollte sie wissen. »Es ist die besondere Technik bei der Herstellung. Der Schmied, der meins erstellte, hat etwa 20.000 Metallringe verarbeitet,« führte er aus. »Was! 20.000 Ringe!« fiel sie ihm ins Wort. Er schmunzelte über ihre Wissbegierde und sprach weiter: »Dabei wird, damit die Rüstung auch einen Schwerstreich oder einen Schildschlag aushält, jeder Ring vernietet. Man flechtet die Rüstung gewissermaßen. Es gibt einen mittleren Ring. In diesen kommen vier weitere. In die zwei Linken und den in der Mitte kommen erneut zwei Ringe. Diese beiden nehmen den nächsten Mittelring auf. Seht,« dabei griff er mit der linken Hand in den halblangen Ärmel des rechten Armes und hob diesen an, um ihr das Muster zu zeigen. »Tatsächlich!« staunte sie erneut. »Das Kettenhemd wird aus Ringstücken für die Schultern, die Arme, den Bauch und Rücken zusammengesetzt. Dieser Ringverband wird auch Trötnaht genannt,« fügte er an. Sie lachte, als sie den Namen hörte.

    Dann öffnete sie die Tür der Abstellkammer und forderte ihn auf: »Kommt! Hier drin sind Eure restlichen Sachen. Ich habe diese gut verwahrt, nach dem ich die Robe von Schlamm, Dreck und Blut aus dem Überfall gereinigt habe.« Bald hatte er auch seine Robe übergezogen und die Schuhe aus Drachenleder an und man sah die edle Ausrüstung. »Sie passt zu Euch!« lobte Isilde den Mann.

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    - Kapitel 4 -


    Kalyo hätte es nie zu hoffen gewagt, doch er war wieder glücklich. Wirklich glücklich. So glücklich wie man nur sein konnte, wenn man wusste, dass es jemanden gab, der echte Gefühle für einen hatte.
    Er und Yuri waren in diesen Tagen noch ausgelassener als zuvor und es ging ihnen beiden wirklich gut. Sie verbrachten ihre Tage wie immer mit wandern und jagen, bis sie irgendwann aus dem Wald heraus traten und von einer großen Anhöhe heruntersahen.
    Yuri blieb erstaunt stehen. In der Ferne sah er einige Gebäude und auch eine große blaue Fläche. „Was ist das?“, fragte er an Kalyo gewandt.
    Der grinste: „Das ist Sehenthine. Eine große Hafenstadt. Das Blaue dahinter ist das Meer. Es wird dir bestimmt gefallen.“
    „Das Meer?“, Yuri war ganz aufgeregt. Er kannte das Meer bisher nur aus Kalyos zahlreichen Geschichten. „Aber was ist mit der Stadt? Da leben doch sicher Menschen.“
    „Das stimmt. Aber dort leben so viele Menschen, dass wir dort kaum auffallen werden. Außerdem leben dort auch einige Blutelfen.“
    „Blutelfen…“, der einzige Blutelf, den Yuri je kennengelernt hatte, war Kalyo. Es war sicher interessant einmal andere seiner Art kennen zu lernen.

    Als sie durch die Stadt liefen, fühlte Yuri sich nicht wirklich wohl. Er konnte Menschen noch nie leiden und hier gab es – genau wie Kalyo gesagt hatte – sehr viele Menschen. Beruhigend legte der Blutelf seinen Arm um Yuris Schulter. Der kleinere dankte ihm die schützende Geste mit einem Lächeln.
    Als sie gerade über den Marktplatz gingen, hörten sie eine Stimme hinter sich: „Ach nein. Wen haben wir denn da…“
    Erschrocken drehten sie sich in Richtung des Sprechers. Vor sich sahen sie einen Blutelfen. Er war etwas größer als Kalyo und hatte längere Haare, ansonsten sahen sie sich auf den ersten Blick recht ähnlich. „Kalris…“, zischte Kalyo und seine Augen verengten sich zu wütenden Schlitzen.
    „Wie ich sehe erkennst du mich noch… Bruder.“, meinte der Angesprochene.
    „Bruder?“, Yuri war irritiert.
    „Oh… und ein neues Spielzeug hast du auch, wie ich sehe.“, Kalris Stimme triefte vor Verachtung. „Was ist denn mit deinem letzten Geliebten passiert? Ist er vernünftig geworden und hat dich verlassen?“
    „Du weißt genau was mit ihm passiert ist, Kalris!“, rief Kalyo wütend. Er hielt Yuri noch immer schützend im Arm, sein Griff wurde jedoch deutlich fester. Yuri hatte keine Ahnung was los war, aber er wusste definitiv, dass sein Freund sehr angespannt war.
    „Ach stimmt ja… Der Verräter ist unglücklicherweise in diese tiefe Schlucht gefallen. Ich vergaß. Solche Leute wie ihn vergisst man so schnell.“, er grinste breit.
    Kalyo wollte gerade auf seinen Bruder losgehen, als dieser die Hand hob. „Das würde ich dir nicht raten.“, hinter ihm erschienen drei Blutelfen-Jäger, ihre Bögen auf Yuri gerichtet. „Und denk nicht mal daran deine Magie einzusetzen. Sonst wird der Kleine hier bald ein paar Löcher in seinem schönen Kopf haben.“
    „Was willst du, Kalris? Reicht es nicht, dass der Clan mich verstoßen hat und dass du Keilan umgebracht hast? Musst du mir nach all den Jahren noch immer Ärger machen? Ich bin dein Bruder, verdammt!“
    „Falsch. Mein Bruder ist schon vor Jahren gestorben. Als er unsere Familie und seinen Clan verraten hat, nur weil ihn diese kleine Ratte verführt hat.“
    „Sprich nicht so über ihn!“
    „Warum nicht? Ich habe doch Recht! DU hättest dem Clan helfen können! Die Hochzeit ist so wichtig gewesen! Und was machst du? Lässt dich vom Bruder deiner Braut verführen. Elender Verräter! Sei froh, dass Vater es nicht geduldet hätte, dass ich dich töte. Davon, dir dein jämmerliches Leben nicht zur Hölle zu machen, hat er jedoch nichts gesagt…“, Kalris grinste Yuri an, „Wieder jemand, den du nicht verlieren möchtest, habe ich recht? Wer ist er überhaupt? Ein Blutelf ist er jedenfalls nicht.“
    Yuri hatte die Unterhaltung schweigend verfolgt. Er hatte keine Ahnung, worum es hier genau ging, aber er hatte fürchterliche Angst vor dem anderen Blutelfen.
    „Er ist ein Elf aus den Wäldern. Lass ihn in Ruhe! Er hat nichts mit unseren Problemen zu tun.“
    Kalris seufzte: „Das stimmt leider. Schade. Mit anderen Elfen-Arten sollten wir uns besser nicht anlegen. Dein Glück. Aber wir werden uns wiedersehen. Das kannst du mir glauben. Und wenn ich erst mal Oberhaupt bin, wird dein kleiner Freund hier definitiv nichts mehr zu lachen haben.“, er gab den Bogenschützen ein kurzes Zeichen und sie verschwanden. Kalris drehte sich um und ging ebenfalls.
    Kalyo seufzte erleichtert. Er hatte mit dem Schlimmsten gerechnet. Doch hier in einer Menschenstadt und dazu noch an die Regeln des Clans gebunden, konnte Kalris ihm offensichtlich nichts anhaben. Zumindest nicht solange ihr Vater noch lebte.
    Er packte Yuri am Arm: „Komm. Lass uns hier verschwinden.“
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    Vorherige -> K1 #20 • Ein Kettenhemd

    Er trug seine Sachen wieder. Die er nach dem Überfall noch an sich hatte wurde ihm von Isilde gegeben. So entwickelte sich die Geschichte weiter:

    K1 #21 • Ein Name

    Er trat durch die Tür ins Freie, zog für einen Moment die Luft tief ein, blinzelte in die Sonne. Dann sagte er zu der Frau: »Isilde, Ihr werdet es nicht glauben. Doch mir ist gerade mein Name eingefallen. Ihr hattet doch so sehr danach gefragt.« »Oh, das ist ja wunderbar,« freute sich die jüngere Frau mit ihm. »Wollen wir Mutter dazu holen?« wollte sie wissen. »Nein. Nein, macht nicht so ein Aufheben wegen eines Namens,« versuchte er sie davon abzuhalten. Er ergänzte dann noch: »Ich möchte mich noch vergewissern. Im Saum der Robe hat der Schneider aus Val Royeaux ein Monogramm mit meinen Namensbuchstaben gestickt.«

    »Oh,« rief sie, worauf er zu ihr schaute. »Ich habe beim Waschen die kleine Stickerei gesehen. Sie ist sehr fein ausgeführt und Euer Schneider versteht sein Handwerk,« sagte sie. »In Val Royeaux, der Hauptstadt von Orlais, gibt es viele gute Schneider. Er schuldete mir einen Gefallen und so hat er beim Umarbeiten der Robe eben das Monogramm mit eingearbeitet.« »Die Robe wurde umgearbeitet?« wollte sie wissen. »Ich hätte es wissen sollen, dass ein Frauenzimmer wie Ihr, eben nicht einfach Schneider, Stoffe und Ähnliches hören könnt,« sagte er mit einem Lachen. »Die Robe wurde für einen guten Freund gefertigt und ist die eines Magiers. Als er hörte, ich will nach Ferelden zurück und nichts mich davon abbringen könne, hat er diese mir geschenkt.« Der Mann überlegte eine Weile und sprach dann weiter: »Ja, und um meine Art des Handelns zu zeigen, habe ich die Robe bei einem Schneider ändern lassen, damit das Kettenhemd zu Geltung kommt und die Robe zugleich nicht behindert. Doch jetzt lasst mich nach dem Monogramm sehen,« bemerkte er und wollte sich bücken.

    »Aua!« hörte er und dann fasste er sich an den Kopf. Beide schauten sich in der Hocke an. Sie wollte behilflich sein und so knallten ihre Köpfe zusammen Er fasste sich an sein rosenblondes Haar und sagte kein Wort. Sie hörte aber, wie er tief Luft holte. »Ach herrje! Ich Dummchen! Jetzt stoße ich auch noch Euren Kopf, wo Ihr gerade alles überwunden habt. Tut es sehr weh?« wollte sie besorgt wissen.

    Er setzte sich auf einen Stein, holte tief Luft und begann dann doch zu lachen. Sie konnte nicht anders und lachte mit. Dann sagte er: »Ihr habt aber einen verdammt harten Kopf! Aber es geht schon. Und jetzt lasst mich nachsehen.« Ohne noch eine weitere Wendung oder Antwort abzuwarten, griff er nach dem Saum an seinem linken Bein, hob ihn hoch und drehte ihn ins Licht. Die Buchstaben erstrahlten auch durch das Licht der Sonne von einem weißen bis zu einem bläulichen Farbton.

    [Bild: Tobias_Mono1.png]
    »Ja!« sagte er. »Ein T, ein kleines v und ein S sowie ein Weinblatt. Es stimmt.« »Ihr könnt einen aber gehörig neugierig machen. Erklärt Ihr mir es bitte, was dieses Monogramm bedeutet?« wollte sie wissen. »Jetzt, wo ich durch Hilfe von Euch und Eurer Mutter meinen Namen wieder weiß, ist es sehr einfach,« antwortet der Mann. Er schaute sie mit seinem bläulichen Augen an und sagt: »Ich bin Tobias Bryland.«

    Nach einer Zeit des Schweigens fragt Isilde: »Habt Ihr etwas mit Leonas Bryland, dem Arl von Südhang zu tun?« »Ja! Er ist, um es genau zu sagen, mein Vater! Und das ist auch die Bedeutung. T für Tobias und die anderen Initialien für von Südhang« sagte Tobias. » Leonas Bryland ist Eurer Vater?« fragte sie bestimmend nach. »Ja, ich wurde im Alter von 12 Jahren von den abrückenden Besatzungstruppen als Geisel mit nach Orlais genommen. Und jetzt, wo ich dort an keinen Eid mehr gebunden bin, wollte ich heim und meinen Vater sehen. Kennt Ihr ihn?« wollte der Mann wissen.

    »Nein, ich kenne ihn nicht persönlich. Aber er ist mir schon ein Begriff. Denn von den fünf hoch angesehenen Überlebenden bei der Schlacht am weißen Fluss ist nur noch er und Loghain Mac Tir am Leben,« sagte Isilde. »Was! Bryce Cousland ist tot? Das glaube ich nicht. Mein Vater und er sind oft gemeinsam zur Jagd geritten. Und was ist mit Rendon Howe? Er ist doch hier der Arl von Amaranthine,« wollte Tobias aufgeregt wissen. »Ich glaube,« antwortete Isilde, »wir sollten zuerst zu Mutter gehen und ihr sagen, wer Ihr seid. Die anderen Dinge sollte man in Ruhe besprechen,« schlug sie vor. Er willigte ungern ein und so gingen die beiden in das Anwesen, um von den Neuigkeiten zu berichten.

    Nächste -> K1 #22 • Pläne
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  19. #39 Reply With Quote
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    Der Mann mit dem rosenblonden Haar wusste wieder, dass er der einst als Geisel entführte Sohn von Leonas Bryland, dem Arl von Südhang, war. So entwickelte sich die Geschichte weiter:

    K1 #22 • Pläne

    Isilde und Tobias gingen im Erdgeschoss des Anwesens zu Magaritt, um ihr von den Neuigkeiten zu berichten. Als die ältere Frau die beiden kommen sah, ahnte sie an dem Verhalten, der Gestik und Mimik, dass etwas Bedeutsames passiert sein musste. Sie rieb die Hände trocken, strich instinktiv über ihre Schürze, die sie bei der Hausarbeit trug. Doch sie wollte die beiden nicht erst die Worte finden lassen und sagte auffordernd: »Na Ihr beiden! Was ist so wichtig, dass ihr beide gleich zu mir in die Küche kommen müsst? Die gut aussehende Robe kenne ich ja, nur nicht mit dem Blick auf einen aufrecht gehenden Mann darin.«

    Isilde schaute zu dem Mann mit einem fragenden Blick. Er nickte und sie fasste es als Aufforderung auf, als Erste zu antworten. »Stelle Dir vor,« erklärte Isilde, »er kennt seinen Namen und all die Dinge. Die Robe war der letzte Schlüssel zum Erinnern,« sagte sie weiter und schaute dabei zu ihm. Er nahm die Anrede auf, verneigte sich tief vor den beiden Frauen und erklärte: »Zum einen möchte ich Euch beiden aufrichtig von Herzen danken. Ihr habt mich gerettet. Ohne Eure Hilfe wäre ich längst bei den Toten und würde nicht hier stehen. Auch wie Ihr Euch um mich gekümmert habt, obwohl ich am Anfang nicht nur gebrechlich, sondern auch fast nichts sagen konnte. Und vielleicht habt Ihr auch daran denken müssen, wer ich sein könne. Denn ohne Risiko ist es nicht, einen Mann, der seinen Namen und seine Herkunft nicht kennt, einfach so ins Haus aufzunehmen.« Bei den Worten senkte Isilde leicht den Kopf, weil eine Röte in ihre Haut fuhr. »Ja, es stimmt,« dachte sie sich, »solche Gedanken und Befürchtungen hatte ich.«

    Magaritt schaute mit festem Blick auf den Mann und wartete, was er wohl zu berichten wusste. Bei dem Dank stieg jedoch auch ihr die Freude ins Gesicht. Denn sie war sich wohl bewusst, dass sie einen Herr aus gutem Hause seit Monaten zu Gast hatten. »Dafür zeugt nicht nur der Mabari, der ihnen gefolgt war,« zählte sie für sich auf. »Besonders eine sehr beherrschte Körperhaltung, sein Benehmen, seine Art und auch wie der den Dingen geradezu entgegensehen kann und sein Blick,« ergänzte sie ihre Aufzählung.

    »Ich bin Tobias Bryland, der Sohn Leonas Bryland, des Arl von Südhang,« erklärte er und unterbrach so die Gedanken der beiden Frauen. Magaritt hatte sich vieles vorstellen können, doch den Sohn eines Arl im Hause zu haben, überraschte auch sie. Deshalb fragte die Ältere: »Ihr seid Euch sicher oder habt Ihr den Namen aus dem Buch, welches ich Euch gegeben habe?« »Nein,« antwortete Tobias. Und weil er die Frage als Skepsis deutete, bückte er sich und nahm den Saum der Robe in die Hand. »Seht das Monogramm. Es sind meine Initialen und ein Schneider aus Val Royeaux hat sie eingearbeitet, als er die Robe für mich angepasst hat,« erklärte er. Dann hielt er eine Weile inne, schaute in die Runde … und sprach weiter: »Ich bin mit dem Schiff in Amaranthine angelandet und wollte nach den vielen Jahren nach Hause. Ich hatte mich einem Handelszug angeschlossen, doch dieser wurde überfallen.«

    Wieder hielt er inne, als schien er zu überlegen, wie er die vielen Dinge, die es zu erzählen galt, sortieren könnte … Dann sprach er weiter: »Ich wurde im Alter von 12 Jahren von den sich zurückziehenden orlaisianischen Truppen als Geisel aus meinem Elternhaus geraubt. Denn mein Vater gehörte mit zu denen, die die Schlacht am weißen Fluss bestanden und überlebt hatten. Und als ich in Orlais hörte, dass eine erneute Verderbnis bereits am Beginn des Entstehens vernichtet wurde, wollte ich heim.«

    [Bild: TvS_Wappen.gif] Dann tat er wenige Schritte bis zu einer Tafel, auf der die Frauen Dinge des Einkaufs notiert hatten, ergriff ein Stück Kreide und malte. Er zeichnete zwei geschwungene Linien, die von Nordost nach Südwest reichten. Mit geübten Strichen ergänzte er auf der westlichen Hälfte ein Blatt und an der Südlichen eine Weintraube und erklärte dann: »Wenn ich noch meinen Schild hätte, könntet Ihr darauf mein Wappen, deren von Südhang, sehen.«

    »Ich freue mich für Euch,« antwortete dann Magaritt und ging zu einem großen Schrank und öffnete eine der oberen Türen. Sie entnahm drei zinnerne Becher aus diesem, stellte sie auf den Tisch und sagte: »Setzt Euch doch. Ich hole schnell noch etwas Wein.«

    Tobias merkte man deutlich an, dass ihm diese Erklärung nicht leicht gefallen war. Denn bisher wurde er hier geachtet, vielleicht wie einer von ihnen. Doch jetzt? Jetzt war er der Sohn von Leonas Bryland. Ob es so bleiben konnte, wie bisher? Das wusste er nicht.

    Schnell füllten sich die Becher und nach den ersten Schlucken wollte Isilde wissen: »Was wollt Ihr jetzt machen, wo Ihr Euren Namen kennt? Wollt Ihr Eure Reise fortsetzen?« »Das ist eine gute Frage,« antwortete der Mann. »Doch wenn ich es mir recht überlege,« meinte er mit einem Schmunzeln, »wollte mich Magaritt mit Gewicht durch den Stangenparkour laufen sehen. Und wenn Ihr nichts dagegen habt, würde ich es auch dabei belassen. Denn für eine weite Reise bis zum Südhang, fühle ich mich noch nicht stark genug. Also ich würde gern noch bleiben, es soll nicht Eurer Schade sein.«

    »Da bin ich aber froh, dass bei Euch mit der Rückkehr des Namens die Vernunft nicht gelitten hat,« scherzte Magaritt zurück und hielt Tobias den Becker zum Anstoßen entgegen. »Ihr könnt gern bleiben, so lange Ihr wollt. Denn Ihr packt auch mit zu und es hilft. Wenn ich nur an das gehackte Holz hinter dem Hause denke,« sagte sie noch. »Wenn Ihr möchtet, können wir auch die Spaziergänge zum Weiher beibehalten,« fügte Isilde noch hinzu und erhob auch ihren Becher.

    Tobias nickte erfreut und auch er erhob seinen Becher zum Gruß. So bekräftigten die drei mit ihren Trinksprüchen das weitere Zusammenwohnen in dem ländlichen Anwesen. Als die Becher wieder auf den Tisch standen, zog Tobias eine Karte aus seinen Taschen. Er legte sie auf den Tisch und faltete sie mit den Händen gerade. »Sie ist aus dem Buch. Aus den zusammenklebenden Seiten konnte ich sie mit dem Stilett heraustrennen. Sie ist vom Wasser stark gekennzeichnet, doch vielleicht könnt Ihr mir zeigen, wo ich ungefähr bin? Denn es interessiert mich schon, wie weit es bis nach Hause ist.«

    »Lasst mal sehen,« sagte Isilde und drehte die Karte und begann zu suchen, wo ihr Anwesen einzuordnen sei ...

    Nächste -> K1 #23 • Geografischer Überblick
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    8) Lothering

    Sie gingen gemeinsam auf dem Kaiserlichen Hochweg entlang. Er war stabil und majestätisch, hatte diesen Namen also nicht von ungefähr. Das Dorf war schon gut zu erkennen, als die vier vor ihnen auf dem Weg einige Banditen bemerkten, die ihnen einigen Zoll abknüpfen wollten. Jaina ergriff das Wort und kurz danach auch ihre Waffen. Sie hatte mehr als genug angestauten Zorn in sich und wirbelte durch die Banditen, stieß hier einen Dolch hinein und riss dort eine Wunde. Morrigan setzte taktisch klug Gegner außer Gefecht in dem sie sie einfror und Alistair folgte ihrem Beispiel indem er die Gefährlichsten zuerst ausschaltete. Es dauerte nicht lange, da verstauten alle ihre Waffen wieder und bückten sich nach Wertgegenständen der Banditen.
    Jag entdeckte eine Leiche, die offensichtlich nicht zu den Banditen gehörte. Er sabberte Jaina einen Zettel in die Hand, den er anscheinend bei der Leiche gefunden hatte. Jaina untersuchte die Leiche und förderte noch ein Kästchen zutage.
    Sie verstaute es in ihrem Gepäck und gemeinsam mit ihren Begleitern ging sie auf den Abgang des Hochwegs zu. Auf halber Höhe hielt Alistair plötzlich an und bedeutete den anderen es ihm gleichzutun.
    Sie kamen auf einer kleinen Plattform zum Halt, die bot einen guten Überblick über Lothering. Selbst vor dem Dorf wimmelte es nur so von Leuten, die sich inmitten von Zelten tummelten. Kleine Kinder sprangen umher und hielten sich dicht an die Eltern gedrückt. Überall lagen Kisten, Rucksäcke und Lederbeutel herum, in denen sich wohl die notwendige Habe der Flüchtlinge befand.
    In einiger Entfernung ragte eine Kirche auf, obwohl sie aus Stein gebaut war schien sie zu glänzen und etwas Hoffnung zu verströmen.

    „So, da wären wir. Lothering. Ein guter Zeitpunkt innezuhalten und uns zu unterhalten.“ Alistair drehte sich vom Dorf zu Jaina, Morrigan und Jag um. Morrigan sah ihn hochmütig an. „Also habt Ihr beschlossen euch uns wieder anzuschließen? Ich nehme an es war zu viel Aufwand Euch vor Trauer in Euer Schwert zu stürzen?“ Alistair entgegnete entrüstet: „Ist meine Trauer so schwer zu verstehen? Habt Ihr noch nie jemanden verloren, der euch nahe stand? Was würdest Ihr denn tun, wenn Eure Mutter sterben würde?“
    Morrigan lächelte heiter und blickte ihm geradewegs in die Augen. „Vor oder nach Ende meines Lachanfalls?“ „Jaja, schon gut, sehr gruselig. Vergesst, dass ich gefragt habe.“ Alistair wandte sich ab.
    Jaina ergriff das Wort. „Ihr wart sehr schweigsam, Alistair.“ „Ja, ich weiß. Ich habe nur nachgedacht.“ Morrigan konnte es nicht sein lassen. „Ah, das erklärt warum es so lange gedauert hat.“
    Alistair schickte einen genervten Blick gen Himmel. „Wie auch immer, wir sollte erst einmal besprechen, wo wir überhaupt hingehen.“ Er blickte Jaina erwartungsvoll an.
    Auf diese Frage hatte sie gewartet. „Wir müssen meinen Bruder Fergus suchen.“ „Er war auf einer Erkundungsmission in der Wildnis, richtig? Der König sagte so etwas.“ Alistair schien zu grübeln.
    „Es wäre unklug unter diesen Umständen nach ihm zu suchen. Entweder ist er tot, oder er konnte nach Norden fliehen.“ Morrigan würde exzellent an den Hof passen – zumindest als Herrscherin. Nahm nie ein Blatt vor den Mund und sprach die unangenehmen Wahrheiten explizit aus.

    Jaina war auf solche Aussagen gefasst gewesen und ließ sich nach außen hin nichts anmerken. Aber innerlich schien etwas in ihr zu bröckeln und sie wusste nicht was. Fergus war stark und klug. Er konnte die Horde umgangen haben, er wusste schließlich, dass sie in seiner Nähe war.
    „Sehr sensibel“, kommentierte Alistair Morrigans Aussage. Diese verteidigte sich. „Was denn? Ich sage doch nur, dass es Unsinn ist in der Wildnis nach jemandem zu suchen, wenn man nicht weiß wo er ist und sich dort Dunkle Brut tummelt.“
    Doch Jaina konnte nicht so leicht aufgeben. Fergus würde ebenso darauf beharren sie zu finden, das wusste sie ganz genau. „Ich muss dennoch nach ihm suchen!“
    Morrigan sah Jaina scharf an. „Wenn ihr eurem Bruder einen Gefallen tun wollt, dann rächt ihn. Nach Überlebenden können wir später suchen.“

    Oh Fergus, was soll ich nur machen, Jaina war drauf und dran innerlich zu verzweifeln. Sie musste ihn suchen und finden, aber sie wusste auch, dass ihre neuen Pflichten als Grauer Wächter Vorrang hatten. Alistair zählte derweil die Reiserouten auf, die sie noch benötigen würden: Zu den Elfen, den Zwergen und zum Magierzirkel. Er schlug auch Redcliffe als erstes Ziel vor da dort Arl Eamon wohnte.
    Jaina fühlte sich entmutigt. „Warum überlasst ihr das alles mir?“ wandte sie sich vorwurfsvoll an Alistair. Sie wollte nicht jammern, aber er sah doch ganz genau, in welchem Konflikt sie steckte.
    Alistair zögerte. „Weil ich auch nicht weiß wohin wir gehen sollen. Ich folge Euch, was immer Ihr entscheidet.“ Morrigan warf ihm einen Blick zu. „Warum nur überrascht mich das nicht?“ Sie beließ es aber dabei.
    Jaina überlegte hin und her. Es schien, als müsste sie nun ihren weiteren Weg festlegen. Alleine hatte sie keine Chance Fergus zu finden. Und Morrigan würde sich weigern, das wusste sie. Alistair schien insgeheim ähnlich wie Morrigan zu denken, aber auch Mitgefühl zu haben.
    Ach verdammt. Fergus, es tut mir Leid. Sie lassen mir keine vernünftige Wahl. Jaina holte tief Luft.
    „Also schön. Gehen wir uns Dorf und rüsten uns aus. Danach brechen wir nach Redcliffe auf.“
    sie ging an ihren Kameraden vorbei und setzte sich an die Spitze ihres Trupps. Sie wusste nicht ob sie zu fantasieren begann, aber hatte sie in Morrigans Augen so etwas wie Mitgefühl gesehen?
    Nein, absolut unmöglich, sagte eine gehässige Stimme in ihr.

    So durchstreiften sie Lothering, schlichteten einen Streit mit einem Kaufmann und nahmen einige Bitten der Kirche entgegen, Banditen, Wölfe und Bären unschädlich zu machen und wurden dafür mit einer kleinen Summe Geld belohnt.
    Nach all den Aufgaben steuerte Jaina auf die Taverne zu, eine schäbige Hütte die neben der Kirche aber noch im besten Zustand in diesem Flüchtlingsdorf war. Auch hier standen überall Leute herum, Männer wie Frauen, Kinder wie Alte, Elfen wie Menschen. Die meisten beachteten Jainas Gruppe gar nicht, für sie waren es eben nur mehr Flüchtlinge. Jaina öffnete die Tür zur Taverne und trat ein. Sie wollte sich gerade an einen kleinen freien Tisch begeben, als sich ihr jemand in den Weg stellte.
    Sehr unklug von dir, knurrte Jaina innerlich.
    „Seht mal was wir da haben, Männer.“ Ein Soldat der nicht größer war als sie selbst stand vor ihr und grinste einen seiner Kameraden an. Es war ein fieses Grinsen und das reizte Jaina noch mehr. „Ich würde sagen wir sind gesegnet.“ Sein Kamerad betrachtete Jaina aufmerksam. „Haben wir nicht den ganzen Morgen damit verbracht nach genau SO einer Frau zu suchen? Und keiner hatte sie gesehen? Merkwürdig, eine solche Schönheit fällt einem doch auf...“ Der aufmerksame Blick wandelte sich in einen gierigen und blieb auf Brusthöhe hängen. Jaina hatte schon die Hand zu ihren Klingen erhoben – wie konnte diese Schweine es wagen! Loghains Schweine, mit Sicherheit. Umso mehr Grund sie aus dem Weg räumen.
    Sie sah eine Bewegung neben sich und da stand eine Schwester der Kirche. Mit sanfter Stimme sprach die die Soldaten an: „Meine Herren, es besteht doch kein Grund für Streitigkeiten. Das sind sicherlich nur ein paar arme Seelen auf der Suche nach Schutz.“
    „Sie sind mehr als das. Und jetzt aus dem Weg Schwester. Wenn Ihr euch mit diesen Verrätern verbündet, droht euch dieselbe Strafe wie ihnen!“

    Sie wollen Gewalt – sollen sie sie bekommen. Schnell zog Jaina ihren Dolch und jagte ihm einen der Soldaten in den Bauch. Ihr Hund hatte darauf nur gewartet und erledigte den Rest während sie sich einem anderen widmete. Alistair und Morrigan nahmen sich des Hauptmanns an. Die Tavernenbesucher standen umher und sahen zu, viele verschreckt andere bereit sich zu wehren, wenn auch mit bloßen Fäusten. Nachdem der letzte von Loghains Soldaten gefallen war ergab sich der Hauptmann. „Lasst mich am Leben! Ich gebe auf!“
    Jaina hielt ihm drohend das Schwert vor den Hals. „Ihr wolltet uns töten!“ Die Schwester war nicht von ihrer Seite gewichen und hatte sogar eifrig mitgekämpft, aus den Tiefen ihres Kirchengewandes hatte sie einen Dolch gezogen. „Nein! Sie haben ihre Lektion gelernt. Wir können aufhören zu kämpfen.“ Jaina sah nicht einmal zu ihr hin, ihr Blick verbohrte sich in den des Soldaten. „Sie hätten uns einfach niedergemacht. Ich habe kein Mitleid mit ihnen!“ Jainas Augen blitzten wütend und Abscheu strahlte dem Hauptmann nur so entgegen, der versuchte sich der Klinge an seinem Hals zu entziehen, vergeblich.
    „Sie haben sich ergeben, sie sind keine Gegner für euch. Verschont sie!“ Die Schwester stelle sich tatsächlich fast schützend neben den Hauptmann. Jaina hatte gute Lust den Hauptmann dennoch zu töten, aber der Kampf hatte sie von ihren Aggressionen befreit und sie begann klarer zu sehen. Es brachte ihr nichts außer noch mehr Leid wenn sie sinnlos tötete.
    Widerwillig ließ sie das Schwert sinken aber blieb wachsam. „Überbringt Loghain eine Nachricht. Sagt ihm, dass er für seine letzte Tat bezahlen wird!“ Der Hauptmann rappelte sich auf und stammelte „Ja, wird gemacht, sofort, danke Euch!“ und machte sich davon.
    Jaina stieß hörbar Atem aus und steckte ihre Waffen weg. Erst jetzt kam sie dazu diese Schwester genauer zu betrachten. Sie hatte rote Haare, die sie auf Kinnhöhe trug, eine einzige geflochtene Strähne baumelte an der linken Seite ihres Kopfes. Ihre blauen Augen strahlten eine Heiterkeit aus die gut zu ihr passte, weniger gut passte das Kirchengewand, das nun über und über mit Blut bespritzt war. Jaina konnte darunter nur eine schlanke Figur vermuten.
    Ihre Kämpferfähigkeiten waren mehr als was man einer normalen Kirchenschwester zutrauen würde – weit mehr. Sie war auch nicht alt, ungefähr in Jainas Alter.
    Die Schwester ging auf Jaina zu.
    „Tut mir Leid, dass ich mich eingemischt habe. Aber ich konnte nicht einfach danebensitzen ohne euch zu helfen.“ Sie sah Jaina aus den wachen, blauen Augen an, eine Fröhlichkeit schien ihr in die Züge gemeißelt zu sein, die Jaina verblüffte.

    „Kein Problem. Ich habe gerne euer Leben gerettet.“ „Mein Leben gerettet? Ich versichere Euch, ich kann gut alleine auf mich aufpassen!“ Jaina fand die Entrüstung der Schwester schon fast niedlich. Sie schien schon lange nicht mehr gekämpft zu haben, wenn ihr soviel daran lag, alleine auf sich aufpassen zu können.
    „Wunderbar. Ich muss jetzt gehen.“ Jaina wollte sich schon umdrehen, sie merkte dass ihre Wut noch nicht ganz verraucht war. „Oh, wir gehen los? Wohin denn?“ Die Schwester machte noch einen Schritt auf Jaina zu. Diese war verwundert. „Moment mal, wer ist „wir“?“
    Die rothaarige junge Frau blinzelte. „Oh, ich bin schon zu weit voraus. Entschuldigt bitte. Mein Name ist Leliana. Ich bin eine der Ordensschwester hier in der Kirche in Lothering.“
    „Schön euch kennenzulernen. Ich bin Jaina.“
    „Ihr seid doch Graue Wächter – und ihr bekämpft Dunkle Brut. Das ist es doch was Graue Wächter tun, nicht wahr? Ich habe ja gesehen was passiert ist und daher glaube ich, Ihr könnt jede Hilfe gebrauchen. Deshalb komme ich mit.“ Sie blickte Jaina so fröhlich an, als wäre das das Selbstverständlichste auf der Welt. Es fehlte nur noch, dass sie fragte, warum Jaina nicht selbst darauf gekommen sei. „Und warum genau seid Ihr so scharf darauf mir zu helfen?“
    „Weil der Erbauer mir es gesagt hat. Seht Ihr, all diese Leute hier sind verzweifelt. Das Übel, das Chaos – es wird sich ausbreiten. Das will der Erbauer nicht.“
    Jainas Verwunderung wurde nun zu kaum verhülltem Misstrauen. „In Ordnung, ich werde jetzt langsam rückwärts gehen...“
    Alistair gluckste leise. „Noch mehr Verrückte. Ich dachte wir hätten schon alle im Boot.“
    Leliana schien noch einen Auflauf wagen zu wollen. „Aber ich...!“ Sie besann sich anders und seufzte. „Ich werde jetzt gehen. Es ist nicht wichtig, dass Ihr mir glaubt, nur dass ihr am Ende dem Erbauer dient.“
    Damit ging sie wehenden Gewandes an Jaina vorbei und verschwand durch Tür.
    Fawks is offline Last edited by Fawks; 25.04.2011 at 11:21.
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