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    Irenicus-Bezwinger  MiMo's Avatar
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    Mit Feder und Tinte


    Am Weihnachtstag war die Stadthalle üppig mit Girlanden, Mistelzweigen und Zuckerstangen geschmückt. In abgesteckten Bereichen standen sich jeweils zwei Tische mit Sichtschutzwänden entgegen. Mitarbeiter des Schreibduellverbunds und Schiedsrichter hasteten mit roten Bommelmützen zwischen den Tischen entlang, füllten Pergamentvorräte und Tintenfässer auf, tauschten kippelnde Tische aus und spitzten Federkiele nach. In wenigen Minuten würden die Turnierteilnehmer hereinströmen.
    Nora rückte ihre Bommelmütze zurecht und sah sich nach Tymon um, den sie auf einen kippelnden Stuhl in der achten Arena aufmerksam machen wollte. Sie war hier, um den Koordinatoren und Schiedsrichtern zur Hand zu gehen. Denn sobald die Duelle begannen, hatten diese natürlich keine Zeit mehr für andere Aufgaben. Sie fragte sich lediglich, ob sie wegen ihrer Praktikantenstelle oder als Vertretung für Achterblom hier gelandet war.
    [...]
    Die Tore wurden geöffnet. Achtundsechzig Kombattanten stürmten die Halle. Die Absperrbänder der ersten Arena wurden schon nach fünf Minuten über den Haufen gerannt. Nora half dem dort zuständigen Koordinator, alles wieder ins Lot zu bringen und auf eventuell rasch angebrachte Spicker zu untersuchen. Der Lärmpegel schwoll an, während alle aufgeregt miteinander tuschelten. Während sie von einem Brandherd zum nächsten eilte, erhaschte sie auch einen kurzen Blick auf Sucineri. Sie hatte schon geahnt, dass er sich auch dieses Turnier nicht entgehen lassen würde.
    Die erste Runde begann. Da erst am Abend zur Finalrunde Publikum zugelassen war, breitete sich eine angespannte Stille über die Halle. Nora sah zu, wie eine ehemalige Mitschülerin in der zwölften Arena ihren ersten Schreibduellturnierbeitrag verfasste. Sie schrieb hinter ihrer schulterhohen Sichtschutzwand eifrig drauf los, während auf dem Pult des Koordinators eine Sanduhr durchlief. Sowohl hinter ihr als auch hinter ihrem Kontrahenten stand ein Schiedsrichter. Keine Bewegung konnte übersehen werden. Schummeln war unmöglich. Sie wirkte ziemlich zufrieden mit sich, als sie genau in dem Moment ihren Schlusspunkt setzte, in dem das letzte Sandkorn in die untere Kolbenhälfte fiel. Ihr Schiedsrichter nahm ihr das Pergament ab und ging mit ihm zum Pult des Koordinators. Alle Koordinatoren hatten einen Kurs in Schönschreibstenografie belegt, der wohl höchsten Kunst ästhetischen Schreibens. So konnte der Koordinator in wenigen Augenblicken das eventuell unzumutbare Gekritzel einiger Turnierteilnehmer in eine schöne Abschrift überführen. Während dieses Prozederes war es die Aufgabe der beiden Schiedsrichter, die Wörter des Beitrags zu zählen. Nur wenn beide bestätigten, dass nicht mehr als zweihundertzwanzig Wörter verwendet worden waren, reichte der Schiedsrichter die Abschrift des Beitrags an den Kontrahenten weiter. Dann wurde die Sanduhr wieder umgedreht und der Kontrahent musste seinen Beitrag verfassen. Insgesamt ging es so vier Mal hin und her, nur nicht in diesem Fall.
    „Zweihundertvierundvierzig Wörter“, waren sich beide Schiedsrichter einig. Der Koordinator legte mitten im Satz seine Feder nieder, seine Arbeit wurde hier nicht mehr benötigt.

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    Irenicus-Bezwinger  MiMo's Avatar
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    Gellert und die überdimensionale Reifeprüfung


    Die Wolkendecke brach auf. Vor der hellen Scheibe des Vollmonds schwebte Xardas in der Luft. Seine weißen Augen sahen auf seine Kinder herab. Umkreist wurde er von fünf Dämonenlords und niemand geringerem als Xyz. Langsam schwebten sie aus dem Himmel zu ihnen herab.
    Gellert versuchte den Überblick zu behalten, während er sich das Hirn zermarterte wie sein Alter ihm hier hatte auflauern können. Sein Blick huschte von Dämonenlord zu Dämonenlord. Tiamat hatte ein Loch in der Brust. Der Himmelsspeer in seiner Rechten war blutverkrustet. Sellibels filigrane Gestalt wirkte so zerbrechlich wie immer, doch Gellert wusste, dass die meterlangen Krallen an jedem ihrer siebzehn Finger noch nie abgebrochen waren. Und das obwohl sie damit schon gegen einen früheren Avatar‘ Innos zu Felde gezogen war. Der riesige Garthur hielt seine Arme verschränkt. Sein Höllenschwert, das doppelt so groß war wie er selbst, war noch auf seinem breiten Rücken geschnallt. Mit seiner gigantischen Klinge hatte er die Meerenge zwischen Myrtana und Varant geschlagen. Gottromp war ein einziges Knäuel aus Gliedmaßen. Gellert hatte schon miterleben dürfen, wie er sich bei Bedarf neue wachsen und alte verlängern konnte. In der Schlacht um Ixidia hatte der knäuelförmige Dämon mit eintausend Schwertern gleichzeitig gekämpft. Draxax erinnerte wie üblich eher an einen Drachen mit Menschenkopf als an einen Dämon. Das purpurne Leder, das seinen Körper anstatt von stählernen Schuppen bedeckte, wiesen ihn jedoch zweifelsohne als Anhänger seiner Rasse aus. Sein Dämonenfeuer hatte beim Untergang von Atlantis eine tragende Rolle gespielt.
    Er blieb an Xyz hängen, der grimmig auf ihn herab blickte. Der Feldherr musste ihn verraten haben. Nur Sekunden nachdem er ihm ein Versprechen gegeben hatte. Da zeigte sich wieder, dass Dämonen sich niemandem verpflichtet sahen, der mit Innos im Bunde stand.
    „Es mag dir unwahrscheinlich vorkommen“, hallte plötzlich Xyz‘ Stimme in Gellerts Kopf wider. „doch ich habe dich nicht verraten. Ich weiß nicht warum, aber dein Vater konnte unsere Unterhaltung mithören.“
    „Und das soll ich dir glauben?“
    „Du wirst es mir glauben, wenn du siehst, was für eine Strafe der Meister sich für mich ausgedacht hat, wenn das hier alles vorüber ist.“
    Damit war das Gespräch auch schon beendet. Die Dämonen waren im grauen Sand gelandet. Die riesigen Klauenfüße von Garthur und Draxax versanken tief in dem weichen Boden. Gottromp balancierte seinen Körper auf einem dürren Ärmchen, was Gellert auf groteske Weise an eine Pusteblume erinnerte.
    Während die Dämonen einen gewissen Sicherheitsabstand einhielten, landete Xardas samtfüßig auf einem der Monolithen des Steinkreises. Die erhöhte Position erlaubte es ihm, seine drei Opfer weiterhin von oben herab über seine gekrümmte Nase anzufunkeln. „Du bist zu weit gegangen, Gellert“, eröffnete Xardas das Gespräch, ruhig und ernst. „Ich fordere dich nun zum letzten Mal auf, mich nach Burg Götterfall zurück zu begleiten. Du hast keine Ahnung, was du angerichtet hast.“
    „Hab ich deinen tollen Weltenplan durcheinander gebracht, Paps?“, höhnte Gellert stolz. Die Geschichte hatte er damit schon mal geändert. Doch leider würde die Welt davon nichts mitkriegen.
    „Du siehst, dass ich selbst in der kurzen Zeit, die mir blieb, genug Diener finden konnte, die sich mit mir in den Hinterhalt legen. Wenn nötig, werde ich dich mit Gewalt meinem Willen beugen. Ihr seid mehr als zwei zu eins unterlegen.“
    „Sagen wir drei zu eins. Der Wurm kann unmöglich mitzählen“, kicherte Sellibel aus der Ferne. Hogs empörte sich kleinlaut, so dass es niemand außer Gellert und Sigrid hören konnte.
    „Ich mache mir nichts aus zahlenmäßiger Unterlegenheit“, entgegnete Gellert. „Was zählt ist die Qualität. Ich kann es locker mit deinen Lords aufnehmen. Und Sigrid scheint dich ja ganz gut beschäftigen zu können. Nicht wahr, Vater?“ Tiamat entfuhr ein Prusten.
    „Du bist so aufsässig wie eh und je“, bemerkte Xardas müde. „Wenn du dich den Worten verschließt, kann ich nur noch mit Taten zu dir durchdringen. Also lassen wir das Geplänkel und kommen zu dem handgreiflichen Teil.“

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    Drachentöter Lord Regonas's Avatar
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    Agnitio
    Einst kam ich hier täglich her… fühlte mich hier zuhause, wurde respektiert und es gab hier Menschen wie mich selbst… die Taverne von Khorinis.
    Man nahm sich die Zeit und hörte mir zu… man hatte gemeinsame, amüsante und schöne Stunden… ja, hier waren und sind ein Großteil meiner Freunde.

    Doch alles hat sich verändert…

  4. View Forum Posts #144 Reply With Quote
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    Post Buchstabenbrei

    Buchstabenbrei
    Die Insel Khorinis... Hof von Sekob.

    An einem sonnigen Herbstabend kehrte der Bauer Sekob in sein trautes Heim zurück. Er besaß einen Hof, eine Frau, als auch Vieh und Knechtschaft. Hin und wieder so wie an diesem Abend, gönnte er sich ein paar Stunden in der bäuerlichen Taverne. Dort lies er sich vom Feinsten von der dortigen Wirtin „Thekla“ bedienen und volllaufen. Dies geschah natürlich sehr zum Leidwesen seiner Frau Rosi. Die nun langsam aber immer bestimmter die Nase voll davon hatte. Wie jedes Mal, wenn Sekob sturzbetrunken heimkehrte, ging er direkt ins Bett, um seinen Rausch auszuschlafen. So geschah es auch an diesem Abend. Er torkelte ohne seine Frau zu begrüßen oder sich über seinen Zustand zu entschuldigen ins Schlafgemach und lies sich dort auf das Bett fallen.

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    Post Wolle und das Rad

    Wolle und das Rad
    Auf einer entfernten Insel in der Nähe einer noch viel entfernteren Stadt lebte Wolle. Er war stets auf der Flucht und seinen Verfolgern zumeist einen Schritt voraus. Trotz der Tatsache, dass sie schon fast seine ganze Familie kaltblütig ermordet hatten, gelang es ihm bis zuletzt, ihnen immer wieder zu entkommen. Warum seinesgleichen so sehr gehasst wurde, wusste und wollte Wolle eigentlich auch gar nicht wissen. Er war den Schlächtern bisher immer entkommen und das war alles, was für ihn zählte.

    Für einen Sklaven eines fahrenden Händlers war dagegen ein hölzernes Rad alles, was zählte.

    Sklave (hilflos):
    „Das sieht übel aus Boss“
    Händler (schlecht gelaunt):
    „Du ziehst weiter!“
    Sklave (verzweifelt):
    „Aber das Rad...“
    Händler (sehr böse):
    „Diese Waren müssen Khorinis noch vor Sonnenuntergang erreichen!
    Sieh zu!“

  6. View Forum Posts #146 Reply With Quote
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    Post Eine Tasse Tee

    Eine Tasse Tee
    "Guten Morgen werter Lord, sind wir auch endlich mal aus dem Bett gefallen?"
    „Gefallen?“ Regonas stand sichtlich noch vor Müdigkeit neben der Spur, als dass er den Sarkasmus seiner Lebensgefährtin erkannte.
    „Vergiss es.“ Sie schüttelte den Kopf.
    „Deine Tochter hat Hunger, der Hund muss raus und der Tisch ist schon seit geraumer Zeit gedeckt. Es wäre also schön, wenn du dir noch etwas mehr als deine Shorts anziehen könntest, damit wir frühstücken können.“
    „Erstmal eine rauchen...“, gähnte Regonas und suchte vergeblich nach seinen selbst gedrehten Zigaretten, die er am Vorabend noch auf den Wohnzimmertisch abgelegt hatte.
    „Deine Tochter hält absolut nichts vom Rauchen und hat all dein Kraut in die Kloake geworfen.“, berichtete seine Lebensgefährtin.
    „Dein Ernst jetzt!“
    „Ja und jetzt setz dich gefälligst an den Tisch, wenn du es schon nicht schaffst, dich anzuziehen!“ Auch zum diskutieren war Regonas definitiv noch viel zu müde, also vergaß er sein Kraut und leistete der Aufforderung Folge.
    „Ich will einen Tee.“, murmelte er und saß sich an den gedeckten Frühstückstisch neben seine Tochter und gegenüber seiner Lebensgefährtin.
    „Wie immer der Herr.“ Sie reichte ihm vorsichtig die Tasse mit Tee.
    „Möge er dich zurück ins Leben führen.“ Regonas setzte zum Trinken an, verharrte jedoch einen Augenblick, als er die gespannten Blicke seiner Lebensgefährtin und seiner Tochter bemerkte.
    „Du bist komisch... hast du deine Tage?“ Sie ignorierte die Frage und er nahm schließlich einen kräftigen Schluck aus der Tasse mit Tee. Einen kräftigen Schluck, den er sogleich auch wieder hustend ausspuckte und so den getrunkenen Tee über den gesamten Frühstückstisch verteilte.

  7. View Forum Posts #147 Reply With Quote
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    Post Desiderium

    Desiderium
    Was das hier werden soll? Gute Frage. Ich weiß es ehrlich gesagt selber nicht. Ich fürchte, es ist ein Ausdruck jener Gefühle, die sich im Laufe der Zeit in diesem Gefängnis, das man nicht anfassen kann, angestaut haben. Ein Ausdruck von Hoffnungslosigkeit und Depressionen, denen ich im Laufe der Zeit erlegen bin.
    Wer ich bin? Nur ein Gefangener unter hunderten. Kein Erzbaron, aber auch kein einfacher Buddler. Den Beruf, sofern man es den unter den gegebenen Umständen einen Beruf nennen darf, den ich gewählt habe, erfüllt mich weder mit Zufriedenheit, noch stört er mich sonderlich. Den tieferen Sinn meiner Arbeit, die ich tagtäglich verrichte, konnte ich bisher noch nicht finden. Doch andersrum gesehen, was bin ich ohne diesen Beruf? Arbeitslos und nicht besser als all die stinkenden und bettelnden Buddler. Ergo brauche ich diesen Beruf. Ich bin auf ihn angewiesen, denn er verhilft mir zu meinem Status und einen neuen Beruf zu finden, der mir eventuell mehr zusagt, ist zu der momentanen Arbeitslage nahezu unmöglich. Und so beiße ich die Zähne zusammen und mache Tag für Tag weiter. Ich gehe einen dunklen Tunnel entlang, dessen Ende ich nie erreichen werde. Was mir bleibt und was mich jeden Tag erneut antreibt, ist der des Menschen wohl größte Irrglaube. Etwas so absurdes, dass aus mir wohl einen Narr machen würde, wenn ich in aller Öffentlichkeit darüber sprechen würde. Ein Keim, der sich in mir immer wieder aufs Neue ausbreitet und dabei mit jedem Mal größer wird. Jene Sache, die vielleicht des Tunnels Ende sein könnte… jene Sache, die vielleicht der Fall der Barriere sein könnte…

  8. View Forum Posts #148 Reply With Quote
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    Post Einsam/Zweisam

    Einsam/Zweisam

    Einsamkeit:
    Früher war alles besser!
    Ich habe mir damals in meiner Jugend sämtliche Bände von Battlestar Myrtana gekauft. Bei einer Flasche khoriner Weizen habe ich sie mir alle allabendlich durchgelesen. Ich habe mir sämtliche Ausgaben von World of Gothic gekauft, nur um bis mitten in die Nacht hinein, alle darin vorkommenden Story`s lesen und zu kommentieren zu können. Als ich mich noch in meiner Ausbildung bei Thorben dem Tischler befand, da habe ich mich in der Sommerzeit jeden Nachmittag in die Sonne gelegt und einfach nur gedöst. Dann und wann stand auch mal eine Pokerrunde mit den besten Freuden an. Bei Musik und reichlich khoriner Weizen haben wir bis in die frühen Morgenstunden hinein gezockt. Erst als die Morgendämmerung einsetzte, verabschiedeten wir uns voneinander. Früher war alles besser...

    Ich war zwar Einsam, aber frei und habe es genossen.


    Zweisamkeit:
    Heute ist alles besser geworden!

  9. View Forum Posts #149 Reply With Quote
    Drachentöter Lord Regonas's Avatar
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    Post Sie

    Sie
    Tag für Tag sehe ich „Sie“ und ich bin ihr wahrlich verfallen. Wir arbeiten zusammen und so beobachte ich sie tagtäglich, ohne dass sie etwas davon bemerkt. Sie ist fast ein ganzes Jahrzehnt älter als ich und dennoch. Sie hat etwas an sich, dass mich in den Wahnsinn treibt. Vielleicht liegt es auch einfach nur daran, dass sie nicht aus Khorinis ist, doch das ist mir gleich. Es hilft mir, mit ihr ins Gespräch zu kommen. Als Zugezogene kennt man sich mit vielen Gepflogenheiten nicht aus und so helfe ich, wo ich kann. Dabei ist es mir egal, dass das Gespräch rein beruflich stattfindet, denn jedes mit ihr gewechselte Wort ist magisch. Ich warte förmlich darauf, dass sie mich um Hilfe bittet, verzerre mich um jedes einzelne mit ihr geführte Gespräch. Eine unstillbare Sucht, die jedes mal erneut meine Hoffnung schürt, dass das mit ihr geführte Gespräch in eine gewisse Richtung fließt. Dass sich aus dem geführten Gespräch etwas entwickelt. Doch dann folgt jedes mal das schmerzhafte Ende des Gespräches ohne meine Hoffnungen auch nur ansatzweise zu befriedigen. Unvorstellbare Enttäuschung, die mich jedes mal mehr und mehr niederstreckt; und doch...

  10. View Forum Posts #150 Reply With Quote
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    Post Innere Leere

    Innere Leere
    Es ist früh am Morgen, als ich aufwache. Mein Blick starrt die Holzwand meines bescheidenen Hauses im Hafenviertel an. Irgendwas fehlt… ich weiß zurzeit noch nicht was, doch es schmerzt. Langsam richte ich mich auf und sehe mich verschlafen in meinem Schlafzimmer um. Die zwei Stühle und der dazugehörige Tisch. Der völlig überladene Nachtschrank und der unaufgeräumte Kleiderschrank. Ein bekannter Duft steigt mir in die Nase und erinnert mich schmerzlich daran, was geschehen ist. Ich atme tief durch und eine Welle des Schmerzes überkommt mich. Das Atmen fällt mir schwer und mir tun die Augen von der Trauer des vergangenen Abends weh. Noch immer bin ich mir nicht im Klaren darüber, was das geschehene für Auswirkungen haben wird. Vielleicht will es mir auch nicht klar werden. Ebenso wie ich keinen Schmerz fühlen will. Ich verdränge ihn, wohl wissend, dass er irgendwann später wiederkehren und dann umso heftiger zuschlagen wird. Ich hoffe nur, dass ich ihm dann standhalte, sei es auch noch so schwer.

  11. View Forum Posts #151 Reply With Quote
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    Post Erkenntnis

    Erkenntnis
    Und nun legt Henker mir die Schlinge um den Hals, die mir sämtliche Atemluft nehmen soll und die Meute jubelt lautstark auf. Die Meute beschimpft mich, bewirft mich und wünscht mir nichts mehr, als den Tod. Es gibt kein Entrinnen, es ist unvermeidbar und in den letzten Minuten meines Lebens, kommt „Sie“…die Erkenntnis.
    Hatte ich überhaupt jemals Erfolgschancen? Gab es je die Spur einer Hoffnung, das ach so bittere Verlangen meiner Sehnsucht zu befriedigen? Die Antwort ist hart und reißt tiefe Wunden in meine ohnehin schon geschundene Seele. Mehr noch... sie verhindert, dass sich diese Wunden je wieder schließen. Sie hat mir eine Lektion erteilt, die ich nie wieder vergessen werde. Und nun, wo die Schlinge um meinen Hals liegt und die Meute mehr noch beginnt, aufzuschreien, kann ich dieser schmerzvollen Antwort nicht mehr ausweichen. Ich bin gezwungen, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen. Doch es ist eine grausame Wahrheit.
    Der Boden fällt unter meinen Füßen hinfort und der langsame, sichere Tod nimmt seinen Lauf. Mit meinen letzten verzweifelten Versuchen, die Schlinge zu lockern und die wohltuende Luft einzuatmen, rollen Tränen über meine Wangen. Tränen jener Erkenntnis, die ich nicht wahrhaben wollte, die ich erst zu spät ernst genommen habe. Die letzten Gedanken meines Lebens, befassen sich trotz alle dem, mit dem Wesen, mit dem alles anfing…

  12. View Forum Posts #152 Reply With Quote
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    Ein Ausschnitt aus
    Rotes Wachs



    Marcus hoffte inständig, dass er sich bei den Kanonenkugeln nicht verzählt hatte. Der andere Marcus würde das nämlich merken, wie er alles merkte, weil er immer noch nachträglich alles auf Fehler nachzählte. Den beständigen Einwand seiner aus Sparzwang über die Jahre geschrumpften Arbeiterschaft, dann könne man sich das Zählen doch ganz sparen, wenn nur das Ergebnis des Meisters selbst galt, wusste er stets wegzuwischen. So funktioniere eine Inventur nun einmal seit jeher, sagte er dann immer, und er wolle mit diesem System auf die alten Tage nicht mehr brechen, und überhaupt, wenn es ihnen nicht passte, könnten sie ja gehen, allesamt, bräuchten dann aber auch nicht mehr wiederkommen. In einer ruhigen, freundlicheren Minute hatte der alte Marcus dem jungen Marcus dann einmal erzählt, dass er selbst zu Anfang seiner Militärkarriere als Rekrut in einem Lager untergebracht gewesen war, und es dort nicht anders zugegangen war. Dass er allein deswegen im Hafenlager nun die gleichen Saiten aufzog, war dem jungen Marcus dann aber auch alles andere als nett vorgekommen. Das Gegenteil wäre angebracht gewesen.
    Nachdem Marcus die letzte Kanonenkugel zurück in die Kiste befördert und das Ergebnis – einhundertundsiebenunddreißig Stück – auf der Liste eingetragen hatte, ließ er sich erschöpft auf einer unbenutzten Holzkiste nieder und erlaubte sich eine kurze Pause. Er hatte pünktlich, sogar noch vor sechs Uhr, mit der Inventur angefangen. Nun war es bereits kurz nach Mittag, und er hatte seitdem durchgearbeitet. Die meiste Zeit draußen. Im Lagerhaus selbst streunte nur noch ein ihm wenig bekannter Hilfsarbeiter herum. Marcus hatte sich nicht einmal seinen Namen merken können, das wechselte ihm zu schnell. Er hatte das Gefühl, dass das für den anderen Marcus genau so galt.
    Marcus’ fühlte, dass seine Haare ein bisschen feucht waren. Er schwitzte in der Mittagshitze und war stellenweise schwarz von den rußigen Kugeln. Seine Handgelenke – von Natur aus eher dünn und fragil – taten ihm weh, von den ungünstigen Bewegungen beim Greifen und Tragen der Kanonenkugeln. Dafür war das Schwierigste jetzt geschafft. Hätte er geraucht, er hätte sich nun eine angesteckt.
    Er ließ den Blick über den Hafen schweifen. Die Mittagssonne tauchte das Pflaster in Licht. Arbeiter schlurften hin und her, manche auf dem Weg zur Pause, manche auf dem Weg zur nächsten Kiste. Marcus hatte schon länger den Verdacht, dass manche von ihnen einfach nur sinnlos Kisten von einer Ecke zur anderen und wieder zurück schleppten, einfach nur, um beschäftigt zu sein, vielleicht auch, ohne es selbst zu bemerken. Doch immer, wenn Marcus zur Bestätigung dieser Theorie einen von ihnen auf seinem gesamten Weg hin und zurück verfolgen wollte, verlor er ihn früher oder später im Getümmel aus den Augen. Er gab sein Vorhaben deshalb meist rasch wieder auf, aber immer mal wieder startete er einen neuen Versuch aus der Ferne.
    Hier im eigenen Lager war deutlich weniger los. Ilse und Alfred hatten häufiger von den Zeiten erzählt, als noch die Paladine in der Stadt waren und unter anderem hier ihre Übungen durchführten. Welchen Glanz auch immer das Gehampel und Geschepper von Blecheimern – so Katharinas Wiedergabe der Worte ihrer eigenen Mutter – ausgestrahlt haben mochte, davon war nun nichts mehr übrig. Das Lagerhaus hier am Hafen, auf halbem Weg vom Bordell bis hin zur Anlegestelle für die großen Galeeren von einst, schmiegte sich klein und ängstlich an den steinernen Bergrücken an, der sich wie von Riesenhand ausgehöhlt über den Hafenkai bog. Obwohl hier immer noch viel Sonne hinkam, führte das Lager ein gewisses Schattendasein. Marcus fragte sich oft, woher sein Vorgesetzter eigentlich das Geld bekam, um ihn zu bezahlen, wo dieses Lager doch keinen wirklich zu interessieren schien, außer eben den alten Marcus selbst. Andererseits wollte er lieber nicht zu sehr darüber nachgrübeln. Solange er jede Woche seinen Lohn bekam, konnte ihm alles andere schließlich egal sein. Dafür zählte er zur Not auch mal unbrauchbare Kanonenkugeln, halb vergammelte Feldrüben, Kisten voller Kerzenwachs und Fässer voller schlangenhafter Taue.
    „Er ist gerade nicht da, oder? Gut, dann können wir ja reden.“
    Zu müde, um überrascht zu sein, blickte Marcus über seine Schulter nach hinten. Zwischen zwei hohen Kistenstapeln kam Katharina zum Vorschein.

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    Ein Ausschnitt aus

    Du entscheidest Dich dafür, mit Melanie mitzugehen. Ermittlungen hin oder her, Du würdest es Dir nie verzeihen, wenn Du die Gelegenheit, in der alle Deine Fantasien wahr werden können, ungenutzt verstreichen lassen würdest. Selbst wenn Du Dich dabei ein wenig schuldig fühlst.
    „Das klingt gut. Lass mal sehen.“
    Deine Stimme klingt in Deinen Ohren etwas dumpf, es fällt Dir schwer, noch etwas zu sagen. Glücklicherweise musst Du aber gar nicht mehr so viel sagen.
    „Freut mich“, erwidert Melanie. „Dann komm mal mit.“
    Sie legt Dir sachte eine Hand auf die Hüfte, und Du erwiderst die Bewegung ebenso sachte, immer noch nicht wissend, wie Dir geschieht. Deine nächsten Schritte auf dem roten Teppich fühlen sich an wie auf Watte. Ihr gelangt oben auf den Korridor und biegt nach rechts ab. Du bemerkst die Kronleuchter über Dir und fühlst Dich mehr und mehr fehl am Platze, bist gleichzeitig aber aufgeregt darüber, was nun wohl gleich passieren wird.
    Ihr kommt erst ganz am Ende des Korridors zum Stehen. Melanie öffnet eine Tür zur Linken und bittet Dich mit wortloser Geste und einem Zwinkern hinein. Drinnen entdeckst Du ein Bett und einen Badezuber, aber mehr Zeit zum Umsehen hast Du schon gar nicht, denn als Du Dich wieder umdrehst, hat Melanie bereits hastig die Tür hinter Euch geschlossen – und ihre fülligen Brüste entblößt. Bevor Du nur irgendwie darauf reagieren kannst, fällt in Windeseile auch der Rest ihrer Kleidung zu Boden.
    „Dann komm mal her und fick mich“, sagt sie dann.
    Das lässt Du Dir nicht zweimal sagen.

    Als Du wieder aufwachst, ist es fast dunkel im Raum. Melanie muss das Licht gelöscht und die Vorhänge zugezogen haben. Ein wenig Tageslicht dringt noch von außen herein, es kann also noch nicht so spät sein.
    Du bemerkst, wie Melanie neben Dir im Bett liegt, und fühlst Dich gut. Sehr gut sogar. Du lächelst in Dich hinein und kommst nicht umhin, schon jetzt das Fazit zu ziehen, dass sich die Reise zum Haus Kastaroth absolut gelohnt hat. Ein besonders schönes Geheimnis des Hauses hast Du ja auch immerhin schon lösen können.
    „Bist du wach?“, fragt Melanie Dich plötzlich. Du hattest geglaubt, sie schliefe noch, aber möglicherweise ist sie auch jetzt erst zusammen mit Dir wieder aufgewacht. Als Du Deinen Kopf nochmal zu ihr hindrehst, siehst du, wie das weiße Licht von außen ihre Nippel bescheint. Du bemerkst, dass Du noch nicht genug hast – und Melanie bemerkt das offenbar auch.
    „Bereit für die nächste Runde? Wenn du es mir nochmal so gut gibst, lasse ich dich nie mehr gehen.“
    Der Reiz, auf Melanies erneutes Angebot einzugehen, ist stark. Ebenso gewinnt aber auch Dein schlechtes Gewissen an Kraft: Du bist eigentlich hier, um den Mord am Hausherren höchstselbst aufzuklären. Das hat normalerweise Vorrang – zumal ja nicht gesagt ist, dass Du nach Deinen Ermittlungen nicht noch ein wenig Zeit für Melanie übrig hättest. Trotzdem bist Du unschlüssig, was Du nun tun sollst.

    … Bei Melanie bleiben. (→ Post 48)

    … Aufstehen und gehen. (→ Post 49)

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    Ein Ausschnitt aus

    Es war das erste Mal, dass Frederik die Leitstelle betrat. Im ersten Moment fühlte er sich an den Versammlungssaal erinnert, in dem Iscarion gestern noch seine Lehrstunde abgehalten hatte – was Frederik angesichts der vergangenen Ereignisse wie Jahre her vorkam. Wie der Versammlungssaal waren die Räumlichkeiten im Erdgeschoss der Leitstelle jedenfalls sehr hell, weiß, in einem kalten Sinne modern. Vor allem aber war das Gebäude größtenteils aus Stein – eine Eigenschaft, die auch dem Runenlager sehr zugute gekommen wäre.
    „Es ist niemand hier“, bemerkte Frederik das Offensichtliche, als er ein wenig durch den Empfangsbereich geschaut hatte. Eine Art Tresen war direkt am Eingang aufgebaut, der normalerweise wohl von einem oder mehreren der Kollegen besetzt war. Nun aber war alles verlassen.
    „Das wird kein Zufall sein“, raunte Nefarius. „Da vorne ist die Treppe zum Obergeschoss. Sei vorsichtig, ich weiß nicht -“
    Zwei nervenzerfetzende Schreie durchschnitten die Luft und ließen Frederiks Herzschlag eine Sekunde lang aussetzen. Verwirrt blickte er Nefarius an. Dessen müde Augen verengten sich zu Schlitzen.
    „Dämonen! Damit ist Iscarion weiter gegangen, als ich geglaubt hätte. Dämonenbeschwörung! Und mir warf er verbotene Magie vor.“
    Nefarius bestätigte damit das, was Frederik bereits als laienhafte Vermutung aufgestellt hatte. Die beiden Schreie – sie waren aus dem Treppenhaus gekommen – hatten in der Tat nicht menschlich geklungen.
    Nefarius streckte eine Hand nach vorne aus, als ergriffe er eine Fackel, und vollführte mit der anderen Hand darüber dann empor gleitende, spiralförmige Bewegungen. Kleine Eiskristalle flogen aus dem Nichts auf Nefarius zu, und kurze Zeit später hielt er ein weiß und blau glänzendes Schwert in der vorher noch leeren Hand.
    „Nimm das. Mit deinen Runen wirst du hier nicht weit kommen.“
    Frederik ergriff das Schwert und spürte sofort die eisige Kälte, die von ihm ausging. Ohne seine Kettenhandschuhe hätte er es kaum anfassen können, was ihn wundern ließ, wie Nefarius es mit bloßer Hand hatte berühren können. Aber das waren wohl schlicht Magierdinge, von denen er selbst nichts verstand.
    „Gewöhn’ dich besser schnell daran. Sie kommen.“
    Einen Augenblick später waren Flügelschläge von der Treppe aus zu hören, erneut ertönten die Schreie, und ein verfaulter, verpesteter Gestank füllte das Erdgeschoss. Und dann kamen sie tatsächlich.

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    „Was die anderen wohl gerade machen …“, fragte Kristina tonlos, während sie sich auf dem ächzenden Stuhl gegenüber von Thoren niederließ. Den Eintopf hatte sie direkt in ihrer Mitte abgestellt. Sie schob ihn dann aber beiseite, weil er sonst so zwischen ihr und Thoren stand.
    „Wenn die auch ’nen Mann zu Hause haben, dann wahrscheinlich auch kochen, oder?“, meinte Thoren.
    „Ich weiß nicht“, überlegte Kristina. „Also, Ellis hat einen Kerl, die kocht bestimmt. Bei Jasmin weiß ich es nicht so genau, die hat nie viel von ihrem Privatleben erzählt. Ich glaube, die hat gar keins mehr. Und bei Agneta bin ich mir recht sicher, dass sie keinen Mann hat. Zumindest hat sie nie von einem erzählt. Stattdessen hat sie mal was von einem kranken Bruder oder so angedeutet – Schneepest übrigens – da hätte sie, wenn sie schon sowas erzählt, ja auch mal über einen Kerl erzählen können. Wenn sie denn einen hätte. Aber sie wird ja auch was essen müssen, von daher wird sie wohl auch kochen. Geköchelt haben wir ja eh immer viel, warum also zu Hause damit aufhören?“
    „Auch wieder wahr“, brummte Thoren. Er schielte rüber zum Eintopf. Er dampfte noch. „Und was ist mit Nawal?“, fragte er dann.
    Kristina zog eine Augenbraue hoch. „Was soll mit ihr sein?“
    „Na, ob sie auch kocht.“
    „Ob sie einen Mann hat, meinst du.“
    „Eigentlich ging es doch darum, wer kocht.“
    „Als ob das so wichtig wäre.“
    „Du hast doch gefragt, was die anderen wohl machen. Sie kochen vielleicht. Vielleicht kocht Nawal ja auch.“
    „Ja, vielleicht kocht sie ja sogar nackt.“
    „Was?“ Thoren ließ ein überraschtes Lachen ertönen. „Wie kommst du denn jetzt darauf?“
    „Naja, wie komme ich da jetzt wohl drauf?“
    „Ja, wie du darauf kommst.“
    „Wieso sollte ich nicht darauf kommen?“
    „Weil …“
    „Ja, eben. Vielleicht kocht Nawal ja nackt. Denk doch mal darüber nach.“
    „Wie, jetzt? Ich soll jetzt darüber nachdenken?“
    „Tust du spätestens jetzt ja sowieso.“
    „Spätestens also!“
    „Ja, spätestens.“
    „Spätestens!“
    „Genau.“
    Jetzt zog Thoren die Augenbrauen hoch. „Also, ich weiß immer noch nicht …“
    „Ach komm“, wandte Kristina ein. „Ich weiß noch genau, diesen Sommer, als ich Nawal kurz unseren kleinen Kräutergarten hinterm Haus gezeigt habe. Da konnten deine Augen doch gar nicht groß genug werden.“
    „Sind ja auch schöne Kräuter.“
    Kristina lachte. „Jaja. Genau das nämlich.“
    „Ach Krüssi … du weißt doch, meine Augen sind groß, aber sie sind nur für dich -“
    „Weil man für mich so große Augen braucht, oder wie?“
    „Also, jetzt wirst du aber unfair!“
    „Ach, jetzt erst, oder wie?“, lachte Kristina. „Aber wenn du die ganze Zeit so um den heißen Brei herumredest.“
    „Was meinst du?“
    „Mit Nawal.“
    „Was ist mit Nawal?“
    „Ja, das frage ich ja dich.“
    Thoren stieß demonstrativ Luft aus und verschränkte die Arme. „Das wird langsam anstrengend. Was soll mit Nawal schon sein? Ich kenne sie ja gar nicht.“
    „Aber du weißt, wie sie aussieht.“
    „Ja, weiß ich. Gut sieht sie aus. Ist es das, was du hören willst? Sie sieht gut aus. Sehr gut sogar.“
    „Na siehst du, da sind wir doch einer Meinung“, sagte Kristina zufrieden. „Ich glaube übrigens, der Eintopf ist jetzt genug abgekühlt.“

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    Lord Andre stand inmitten von Ruinen. Links von ihm ein dunkles, eingerissenes Steinhaus ohne Dach, rechts von ihm ein helleres Gebilde, das wie ein Überbleibsel eines Schreins einer fremdartigen Kultur aussah. Unter ihm war dunkler, zerklüfteter Felsboden, und noch weiter unter ihm rauschte ein Fluss, vielleicht auch das Meer selbst. Denn auch über ihm, nicht sehr weit hoch, sah er nur Fels, Höhlenfels, von dem tentakelförmige Algen sowie knorrige Wurzeln herunterhingen und den Geruch von Salzwasser verbreiteten. In einigen Metern Entfernung war – vielleicht – eine Brücke zu sehen, und die Höhlenwand des weitläufigen und verschlungenen Geländes war dort mit hellen, silbrig glänzenden Platten bedeckt, die ebenfalls wie die Rückstände einer im wahrsten Sinne des Wortes untergegangenen Zivilisation erschienen. Ihr Schimmern speiste sich aus mehreren der großen Standfackeln, die in unregelmäßigen Abständen in diesem unüberschaubaren Grottengewölbe abgestellt waren und mit großer Flamme einen absonderlichen Geruch verströmten. Dazu mischte sich ein fernes Hauchen und Klingeln von unsichtbaren Glöckchen, die selbst dann nicht verstummten, wenn der gesamte Höhlenkomplex mal wieder von einem leichten bis mittelschweren Seebeben heimgesucht wurde.
    Andre fror. Allein deshalb regte sich in ihm der Drang, sich zu bewegen. Er wusste nur nicht, wohin. Der Zwiespalt aus Ruinenstadt und Meereshöhle, in dem er sich befand, ließ kaum Orientierung zu. Zudem konnte er sich nicht sicher sein, auf welche Felsen er gefahrlos treten konnte, ohne, dass sie nachgaben. Er wusste ebenso wenig, wohin ihn die vielen verschlungenen Wege führten, die teils von Meereswasser ausgewaschen, teils durch die Folgen noch schwererer Beben der – hoffentlich fernen – Vergangenheit geschaffen worden waren.
    Ein huschendes Flügelflattern nahe der Brücke schreckte ihn auf. Andre glaubte nicht an Einbildung. Er begann, sich einen Weg zu bahnen, über herumliegende Steine hinweg, zwischen zwei Fackeln hindurch, die an der Spitze unterhalb der Flamme mit zerfransten Fetzen umwickelt waren, welche Andre viel zu sehr an menschliche Hautlappen erinnerten, wie er sie an Schmuckpfählen fremder Stammeskulturen auf den südlichen Inseln mal erlebt hatte. Als Andre an der Brücke angekommen war, bemerkte er, dass sie ins Nichts führte, weil sie in etwa auf der Hälfte abgebrochen war. Im reißenden Strom unter ihm sah er abgebrochene Pfeiler, aus einer Zeit, als das Steingebilde noch zur Querung der Kluft geeignet gewesen war. Den geflügelten Teufel sah er hier jedoch nicht.
    Andre erwog, den Pfad zu seiner Linken zu nehmen, der an den silberig schimmernden Wandplatten vorbei führte, doch ein weiteres Beben schreckte ihn ab, da es in dieser Richtung Felsbrocken von der Decke löste, von einer Größe, die selbst ihm als Gerüsteten nicht mehr geheuer war. Der Weg rechts von der Brücke dagegen war zu schwach ausgeleuchtet, zumal Andre nicht an die Stabilität der Klippen glaubte. Deshalb wandte er sich um – und sah einen kleinen roten Leib in etwa dort, von wo er gekommen war, direkt neben dem Schreingebilde. Andre marschierte los, darauf bedacht, sich nicht in eine für ihn aussichtslose Hetzjagd verwickeln zu lassen. Als er wieder zurück beim Schrein war, war nichts mehr vom Teufelchen zu sehen. Das hatte Andre erwartet – selbst, wenn er gerannt wäre, so ahnte er, hätte er das Wesen nicht erwischt. Er spürte jedoch einen Luftzug und richtete seinen Blick deshalb zur Decke. Dort, an einer besonders knorrigen, braunen Wurzel, hatte sich der geflügelte Teufel niedergelassen und sah zu ihm herab. Es hätte gut gepasst, hätte er seine Zunge herausgestreckt, doch klein bedeutete bei diesem Dämon nicht kindlich. Als ihre Blicke sich trafen, flog der Teufel auch schon wieder los, nahe an der Decke, außer Reichweite Lord Andres.

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    Hat man den Wolfsclan hinter sich gelassen, taucht man erst so richtig in Nordmar ein. Gewaltige Gletscher und Schneemassen säumen den Weg, der als solcher im Schnee kaum erkennbar ist. Riesige Eiszapfen hängen von Felsbögen herab, die den Eindruck frostiger, aber auch fragiler Orgelpfeifen vermitteln. Die Vegetation nimmt im bergigen Hochland etwas ab, aber sie verändert sich auch: „Morgentau“ ist nicht nur der Begriff für ein Myrtanern wohlbekanntes Wetterphänomen, sondern auch der Name einer Pilzart, die hier in Nordmar besonders gut gedeiht. Ihre violetten Hüte sind, wenn auch in der Regel durch weiße Flocken beschneit, häufig schon von Weitem zu erkennen und geben der sonst so mächtig bläulich-weißen Eislandschaft wunderbare Farbtupfer. Sie ähneln in ihrem Aufbau übrigens dem „Krötenwurz“, der auch in den Breiten von Myrtana geläufig ist und sich vom Morgentau durch seine scheckige, grün-gelbe Farbe und seine raue Oberfläche unterscheidet. Auch den Krötenwurz findet man in Nordmar, meist in der Nähe der Dörfer, manchmal aber auch in der Wildnis, dann häufig in erstaunlich großen Kolonien im Windschatten größerer Felsen.
    Die dritthäufigste Pilzart in Nordmar, die von den Pflanzenkundlern Myrtanas noch nicht endgültig klassifiziert wurde und von den Einheimischen in Nordmar mal eher bieder „Turmpilz“, mal recht neckisch „Nordzipfelchen“ genannt wird, besticht eher durch seine auffällige Form denn durch seine blasse Farbe: Das teils überirdisch gelegene Pilzgeflecht verbindet sich mit einem breiten Halm, der wiederum in einen sehr sonderbar anmutenden Hut übergeht, der sich geschwungen wie ein kleiner Magierturm gen Himmel zirkelt. Ein wirklich faszinierender Anblick, der aber stets aus der gebührenden Entfernung genossen werden sollte, damit Sie sich nicht selbst in Versuchung bringen, vom Pilz zu kosten. Es ist kein Speisepilz, und schon der Verzehr kleinster Mengen kann schwere toxische Wirkungen entfalten, die sich im Anfangsstadium meist in irreversiblen Hautveränderungen äußern. Halten Sie sich also selbst und insbesondere auch Ihre Kinder, sollten sie denn mitreisen, von diesen Pilzen fern!
    Auch lieber aus der Ferne genießen sollten Sie die insbesondere im Hochland reichhaltig vorhandene Fauna. Bedenken Sie stets: Das nordmarer Hochland ist kein Streichelzoo! Zwar ist den sogenannten „Trollschluchten“ nur noch ihr Name geblieben, und auch die umherstreifenden Eiswölfe sind entweder sehr scheu oder längst domestiziert. Säbelzahntiger dagegen treiben sich noch immer im nordmarer Hochland herum, wenn auch eher abseits der Wege – Sie werden vermutlich keinem begegnen, und selbst wenn Sie das tun, wird der Säbelzahn sein Heil in der Flucht suchen. Eine gewisse Grundvorsicht ist aber natürlich dennoch geboten, wie bei allem, was der Reisende in der Wildnis von Nordmar unternimmt.

    Durchaus nicht weniger wehrhaft als die Säbelzahntiger, aber gleichwohl ungefährlicher und harmloser und ein wahrhaft erhebender Anblick sind dagegen die Wollbisons, deren Bestand von Orks und Menschen gleichermaßen gesichert wurde, weshalb die gehörnten Vierbeiner noch heute in kleinen bis mittelgroßen Herden umherstreifen. Die Chancen stehen gut, dass Si~~~~~


    „Ach Mist, wieder abgerutscht!“
    Alina knüllte das gerade neu angefangene Blatt Papier wütend zusammen und schmiss es zu den anderen zerknitterten Papierkugeln im Hinterraum des Schlittens.
    „Ich glaube, das mit dem Schreiben unterwegs, das wird auf Dauer nichts.“
    „Nicht meine Schuld!“, rief Rogas vergnügt zu ihr nach hinten. „Aber wir fahren auch nicht mehr lange, ich kann den Hammerclan schon sehen!“
    Tatsächlich war in der Ferne, auf einer hohen, nebelverhangenen Bergkuppe, ein Dorf aufgetaucht, welches nur der Hammerclan sein konnte. Sie fuhren allerdings nicht in direkter Richtung darauf zu, sondern umkreisten den Berg, um so nach und nach an Höhe zu gewinnen. Ulla, die Pensionsinhaberin, hatte ihnen bei einer kräftigen Schüssel Fischsuppe für jeden – gut gegen Kater, wie sie versprochen und gehalten hatte – den richtigen Weg erklärt. Wären sie allein nach Karte gefahren, wären sie wohl früher oder später in eine der Gletscherspalten gestürzt. Rogas tat sein Bestes, um wirklich nur auf befestigten und offensichtlich sicheren Strecken zu fahren, auch wenn er dafür ein ums andere Mal hektisch manövrieren musste, was die Orkhunde vor dem Schlitten aber zumeist artig mit sich machen ließen. Sie hatten vor der Tour schließlich auch noch etwas Extrafutter bekommen, Corwyn sei Dank.
    „Ich glaube das immer noch nicht, wie fit du schon wieder bist“, sagte Alina, nachdem sie ihr Schreibzeug wieder weggepackt hatte. „Aber warte nur ab, der dicke Hammer kommt sicher noch, so ab Nachmittag.“
    „Würde ja zum Hammerclan passen, was?“, sagte Rogas, ab jetzt den Blick wieder stur und konzentriert nach vorne gerichtet. „Aber mir geht es wirklich blendend. Naja, der Schädel brummt schon noch ein bisschen, aber so mit der frischen Luft geht das schon.“
    „Schön für dich“, bekannte Alina. „Aber ab jetzt gilt für dich auf dieser Reise ein absolutes Alkoholverbot, dass wir uns richtig verstehen.“
    Jetzt schaute Rogas doch wieder über die Schulter. „Was? Warum denn? So ein Bierchen am Abend ist doch trotzdem noch -“
    „Alkoholverbot“, wiederholte Alina. „Ohne Ausnahme.“
    „Finde ich sehr unschön“, kommentierte Rogas pikiert. „Immerhin bin ich doch erst dadurch mit den Leuten in der Taverne ins Gespräch gekommen. Was die mir alles erzählt haben …“
    „Allen möglichen Unsinn, wahrscheinlich“, fuhr Alina dazwischen. „Ich habe mich doch selber mit dem einen Trunkenbold unterhalten, das war alles für die Katz. Und was die dir in der Taverne da für Geschichten erzählt haben, das will ich lieber gar nicht wissen. Vermutlich ist das dann dieses Zeug, was man später in der Sildener Rundschau liest.“
    „Die haben da übrigens eine eigene Zeitung, den Nordmarer Clanboten. Aber der kommt nur alle halbe Jahr mal raus, weil seit dem Frieden einfach nicht mehr genug passiert. Ach übrigens, wusstest du, dass die Orks in der Schlacht um Faring angeblich ihre eigenen Kinder -“
    „Obacht! Eiliger Journalist auf der Überholspur!“

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