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[Story] Aratroks Vermächtnis

  1. #1 Reply With Quote
    Knetmaster  Wombel's Avatar
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    Vorabinfo:

    So, nun habe ich gestern Abend/Nacht begonnen die Geschichte grob zu scripten, quasi ein Drehbuch zur Geschichte erstellt. Die Geschichte wird voraussichtlich einen Prolog, 2 oder 3 Kapitel, sowie einen Epilog enthalten. Man wird einige Schauplätze besuchen die man schon aus dem Spiel kennt. Natürlich wird es gruselige Dungeons geben, ein paar blutige Sequenzen natürlich auch. Weiterhin wird das jeweilige Getier, welches zwangsläufig immer mit von der Partie ist, auch mächtig rumwuseln.

    Ach ja, bitte in diesem Thread keine Fremdposts, oder Kommentare. (Ich könnte meinen Thread zwar schliessen, aber die anderen Teilnehmer ihren nicht.)
    Sollte hierzu Bedarf bestehen, bitte den entsprechenden Diskussionsthread dazu benutzen.
    Regel 3:
    a) In die bestehenden [Story]-Threads darf außer von dem Ersteller selbst nichts geschrieben werden.
    Leseprobe:

    Plötzlich wich die Dunkelheit einem taghellen Licht. Feriomar hatte einen Lichtzauber beschworen, welcher einen grässlichen Anblick enthüllte.
    „Das...das ist ja widerlich ...“ stammelte Arnock und starrte wie gelähmt auf das Tier, welches den Matrosen angefallen und getötet hatte.
    Die Zangen des Untiers hatten sich komplett in den Brustkorb des Mannes gebohrt. Aus dem riesigen, fetten Hinterleib hing ein mächtiger Stachel welcher blutverschmiert rot glänzte.
    Arnock taumelte einen Schritt zurück und stolperte über einen Stein.
    Das Geräusch ließ das metergroße Untier herumwirbeln.
    Vier Augenpaare unterschiedlicher Größe, aber allesamt schwarz glänzend erfassten den Krieger, der bisher nicht in der Lage gewesen war seine Waffe zu ziehen.
    Mit klickenden Kieferklauen bewegte sich das Tier schnell auf den Krieger zu.
    Wombel is offline Last edited by Wombel; 04.12.2009 at 14:11.

  2. #2 Reply With Quote
    Knetmaster  Wombel's Avatar
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    Prolog

    Die Personen:

    [Bild: Arnock.jpg]
    Arnock

    ältester der Gruppe und als Axtschwingender Krieger auch der stärkste von den Vieren.
    Seine gescheiterte Beziehung zu Esoriel macht ihm manchmal zu schaffen. Ansonsten ein sehr umgänglicher und herzensguter Kerl.


    [Bild: Feriomar.jpg]
    Feriomar

    ein ewig betrunkener Magier.
    Aber trotz - oder gerade wegen seiner umnebelten Geistesblitze und seiner magischen Fähigkeiten ein treues und gern gesehendes Mitglied der Truppe.


    [Bild: Esoriel.jpg]
    Esoriel

    ist eine hübsche und zierliche kleine Person. Nicht zuletzt wegen ihrer Gewandtheit ist sie eine geschickte Diebin geworden.
    Die geschärften Dolche sind ihr stetiger Begleiter. Kein Schloß, welches sie nicht öffnen könnte.


    [Bild: Radorn.jpg]
    Radorn

    ist ein sehr schweigsamer Jäger und Waldläufer. Er hat beim Angriff auf Ravenbrook alle seine Angehörigen verloren.
    Seine traurigen Augen sind aber stets wachsam. Viele Leute sagen, es gab und gibt keinen besseren Bogenschützen.


    Vorgeschichte


    Nach dem Fall der freien Stadt Stonehelm sind die Überlebenden in die vielen kleinen umliegenden Fischerdörfer geflohen. Dort gibt es unzählig viele Spelunken und insbesondere in den Hafenvierteln gibt es mindestens ebenso viele dunkle Ecken für lichtscheues Volk. Kurz nach der Expedition, welche den Schädel der Schatten ausfindig machen sollte trafen sich vier Glücksritter um sich in der Taverne „zum gegrillten Paokai“ neue Geschichten von den Seefahrern anzuhören. Arnock, ein hünenhafter Kämpfer mit einer massigen Streitaxt auf dem Rücken und der älteste der Truppe, öffnete die stabile Eichentüre und hielt sie augenzwinkernd für die nachfolgende, wesentlich zierlichere Frau auf. Diese dankte ihm diese Geste mit einem wundervollen Lächeln.

    Die vier Freunde hatten sich vor vier Jahren bei der großen Schlacht um die Stadt Ravensbrook kennengelernt. Die Verteidigung der Stadt an sich war ein sinnloses Unterfangen. Die anstürmenden Horden der Feinde waren in einer sehr großen Überzahl. Es ging eher darum, das nackte Leben zu verteidigen. Nachdem die Truppen und die Bevölkerung von den Feinden gnadenlos überrannt wurden, gelang es den vieren, wie durch ein Wunder durch die angrenzenden Sümpfe zu entkommen. Monatelang irrten Sie umher und waren oft dem Tode näher als dem Leben. Aber der eiserne Zusammenhalt der Gruppe und die Talente jedes einzelnen trugen dazu bei, dass sie Freunde es immer wieder schafften sich auch aus den gefährlichsten Situationen irgendwie herauszuwinden. Nicht zuletzt dieser Umstand schweißte die vier immer noch stärker zusammen. Nach einiger Zeit gelang Ihnen schließlich die Flucht in ein Fischerdorf in der Nähe von Stonehelm. Von hier aus organisierten sie immer wieder kleine Streifzüge und Expeditionen in das ganze angrenzende Umland. Von den eher bescheidenen Schätzen die sie hier und da erbeuteten konnten sie aber relativ ihr Überleben und Auskommen sichern.
    Die Gruppe streifte nun quer durch die schmuddelige Kaschemme zu einem runden, massiven Eichentisch.

    Einer der alten Seebären zog die Aufmerksamkeit der meisten Besucher auf sich. Er saß grölend und eine Flasche schwenkend auf der Tischplatte. Mit brummiger Stimme raunte er eine Geschichte in die Runde.
    „Es gibt auf der Insel noch viele Geheimnisse zu entdecken. Eins davon ist das geheime Heiligtum der Orks. Tief unter der Erde sollen sie es versteckt haben, zusammen mit den Edelsteinen, die diese Bestien über Jahrtausende den Menschen geraubt haben.“
    Mit verschwörerischer Mine schaute er in die Runde und fuhr fort:
    „Während dieser komische Sareth und die blonde Puppe wie blöd auf der Insel nach irgendeinem Schädel gesucht haben, ist der Kapitän mit mir und ein paar anderen Matrosen mit dem zweiten Beiboot auf die andere Seite der Insel gerudert. Wir hatten gehofft dort an ein bisschen Gold zu kommen.“
    Die vier Freunde näherten sich dem Tisch des alten Seemanns und lauschen seinen Ausführungen.
    „Nach der Landung sind wir runter in Richtung der Höhlengewölbe. Nachdem wir eine unangenehme Begegnung mit einem Ork hatten, wollten wir eigentlich wieder umkehren. Aber der zweite Maat hat gedrängelt wir sollen weitergehen ... verfluchter Idiot ... Mir graust es jetzt noch, wenn ich an die lausigen Spinnenviecher denke die da überall rumgewuselt sind.“
    Arnock rümpfte die Nase und sah Radorn angeekelt an.
    Radorn nickte sanft mit dem Kopf und lächelte kaum merklich. Er wusste dass Arnock eine tiefe Aversion gegen Spinnentiere entwickelt hatte.
    Der Alte erzählte die Geschichte bis tief in die Nacht. Die vier verließen die Kneipe als letzte Gäste ...
    Wombel is offline Last edited by Wombel; 03.12.2009 at 16:32.

  3. #3 Reply With Quote
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    Kapitel 1: Ein tollkühner Plan

    „Du bist doch komplett verrückt!“ donnerte Arnock der älteste der vier Abenteurer, und hieb mit der Faust energisch auf den Tisch.
    Feriomar schreckte aus seinem Dösen auf und griff sich mit schmerzverzerrtem Gesicht an den Kopf.
    „Oouuh, nichso laut bitte. In meinem Kopf wohnt ein Rudel wild gewordener Hugger.“
    Arnock ignorierte den völlig verkaterten Magier gänzlich.
    „Wir haben ja schon eine Menge Blödsinn fabriziert, aber wenn du denkst ich fahre mit einem Schiff zu dieser... dieser... Todesinsel von der der Alte gefaselt hat, dann hast Du Dich mächtig geschnitten!“ Mit hochrotem Kopf und blitzenden Augen schaute er dem alten Freund ins Gesicht.
    Radorn blickte unbeirrt zurück.
    „Komm schon, sei kein Hasenfuss...“ Esoriel blickte Arnock von der anderen Tischseite her entwaffnend an.
    „So schlimm wird es schon nicht sein. Wir sind bis jetzt noch immer heil geblieben. Ich finde Radorns Idee nicht schlecht.“ Esoriel nippte an ihrem Wasserglas, während sie sich wieder über ihr Frühstück beugte.
    Radorn wiederholte noch einmal sein Anliegen. Diesmal nicht im Plauderton, sondern ernst.
    „Du hast doch genauso gut wie wir gehört, was der alte Seebär gestern Nacht erzählt hat. Mir geht es nicht drum stinkendreich zu sein, aber ich habe genug von unseren ewig gescheiterten Versuchen ein freies und normales Leben zu führen.“
    Mit seinen traurigen Augen sah er seine Freunde an.
    „Ich hatte eine Familie. Ich war einst ein glücklicher Mann, der nichts weiter zu tun hatte, als am Morgen in den Wald zu gehen, und spätestens mittags mit einem Braten zu Frau und Kinder zurückzukehren.“
    „Wenn wir diese Insel plündern und den Krempel verkaufen, haben wir – jeder für sich, oder wir alle zusammen – die Chance auf ein neues Leben. Irgendwo. Ohne Sorgen und ohne Angst vor dem nächsten Tag.“
    Es entstand eine kurze, stille Pause.
    „Ich bin es einfach leid, bei unseren Abenteuern immer und immer wieder mein Leben gegen Ghoule, Zombies, Liche oder gar Necromanten zu riskieren für ein paar lächerliche Goldmünzen, die wir dann in ein paar Tagen bereits wieder ausgegeben haben, um dann wieder von vorne mit dem Quatsch anzufangen!“
    Traurig senkte er den Kopf, er wusste, dass er den letzten Satz zu laut gesagt hatte.
    „Ich will endlich wieder ein ruhiges Leben führen.“ fügte er leise hinzu.
    Feriomar brummte mit tiefster Katerstimme:
    „Er hat recht. Wir hatten bisher Glück. Manchmal sogar schon wirklich unverschämtes Glück. Wenn ich nur an die Aktion mit der Höhle, also die mit dem Zyklop denke, dreht sich bei mir alles ...“
    „Bei dir dreht sich doch sowieso immer alles.“ feixte Esoriel.
    Dem Magier misslang das Lächeln gründlich und sagte ruhig:
    „Lasst uns das Zeug dort holen und dann endgültig Schluss machen mit der Abenteurerei.“

    Die Idee war geboren.
    Und auch wenn Arnock noch Bedenken hatte, er würde seine Freunde nicht alleine gehen lassen. Er würde sie auf jeden Fall und wohin auch immer begleiten. Nach weiteren zwei Tagen in denen sich die Freunde um die Sache stritten, stimmte er schließlich doch zu.
    Die Vorbereitungen waren getroffen, die Ausrüstung und der Proviant waren in dem kleinen Zweimastschiff verstaut. Neben den Abenteurern waren noch zwei weitere Matrosen an Bord. Arnock, welcher das Boot steuern konnte, stand am Kai und blickte zum ablegebereiten Schiff hinüber.
    Widerwillig ging er langsam die Landungsbrücke hinauf.

    Esoriel stand an der Reling und blickte ihn ernst an.
    „Ich kenne dich nun schon sehr lange. So habe ich dich aber noch nie erlebt. Was ist denn nur los mit dir?“
    Er schaute sie lange an, und lies dann den Blick zurück auf den Hafen von Stonehelm schweifen.
    „Nichts.“ sagte er leise.
    „Komm schon. Raus mit der Sprache.“ sie ging auf ihn zu, legte ihre Hand sanft auf seinen Unterarm und blickte zu ihm auf.
    Arnock wollte ihr für einen kurzen Moment lang von seinen Albträumen berichten, welche er seit der Erzählung des Alten in der Taverne hatte. Es kam des Nachts ein Orkschamane in seine Träume. Es schien Arnock so, dass der Schamane ihn warnte, obgleich er seine Worte nie verstand.
    Und dann kam die Spinne ... diese widerliche riesige Spinne...
    Nachdenklich senkte er den Blick. Nein, er wollte es für sich behalten. Noch.
    „Ich hasse Spinnen.“ sagte er matt.
    „Hahaha, du alter Ogerfurz. Und deswegen machst du dieses lange Gesicht? Wir werden die Krabbelviecher schon das fürchten lehren.“ sie blickte ihm lächelnd fest in die Augen.

    Nach drei Tagen war die Insel erreicht. Das Landemanöver war bilderbuchreif.
    Als das größere Schiff geankert hatte, wurden die zwei Beiboote zu Wasser gelassen.
    Neben den vier Abenteurern gingen die zwei Matrosen ebenfalls mit an Land. Eine Bordwache erschien in diesem gottverlassenen Gewässer nicht notwendig zu sein.
    Wombel is offline Last edited by Wombel; 02.12.2009 at 20:13.

  4. #4 Reply With Quote
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    Kapitel 2: Auf der Insel

    Die beiden kleinen Ruderboote schoben sich knirschend auf den Strand.
    Stille.
    Kein Laut, kein Vogel. Nichts.
    Absolute Stille außer dem stetigen Geräusch der Meeresbrandung

    „Da stimmt was nicht.“ raunte Radorn, und nahm seinen Bogen vom Rücken.
    „Wassnlos?“ fragte Feriomar der sich die letzten Tage ausschließlich von flüssiger Nahrung (Rum) ernährt hatte.
    Angeblich trank er ja nur wegen seiner Seekrankheit. Allerdings, und das konnten seine Freunde bestätigen, war er nie wirklich Seekrank gewesen.
    Radorn und Arnock sprangen aus dem Boot. Die beiden Matrosen folgten und begannen die Boote auf den Strand zu ziehen.

    Die Gruppe nahm ihr Gepäck auf und folgte dem dünnen Küstenstreifen. Ein kleiner Trampelpfad zog sich vom Meer hoch in Richtung der hell schimmernden Kreidefelsen. Der Pfad mündete in eine sehr schmale Schlucht.
    „Ich denke mal dass es hier weitergeht.“ Radorn spähte vorsichtig ins Dunkle.
    „Macht die Fackeln an. Einer Voraus, einer hinterher.“ sagte Arnock zu den beiden Matrosen.
    „Und dass mir alle hübsch beisammenbleiben.“ ergänzte Radorn.
    Das schmale blaue Band des Himmels, welches von oben hereinfiel spendete neben den Fackeln noch ein kleines bisschen Licht.
    „Was meinst Du, wie hoch sind die Wände dieser Schlucht bis oben im Licht?“ fragte Esoriel staunend.
    Arnock wollte noch antworten, aber ein gellender Schrei und eine plötzliche Dunkelheit überraschten alle. Der vorn laufende Matrose war nicht mehr zu erkennen, und seine Fackel war abrupt erloschen.
    Plötzlich wich die Dunkelheit einem taghellen Licht. Feriomar hatte einen Lichtzauber beschworen, welcher einen grässlichen Anblick enthüllte.
    „Das...das ist ja widerlich ...“ stammelte Arnock und starrte wie gelähmt auf das Tier, welches den Matrosen angefallen und getötet hatte.
    Die Zangen des Untiers hatten sich komplett in den Brustkorb des Mannes gebohrt. Aus dem riesigen, fetten Hinterleib hing ein mächtiger Stachel welcher blutverschmiert rot glänzte.
    Arnock taumelte einen Schritt zurück und stolperte über einen Stein.
    Das Geräusch ließ das metergroße Untier herumwirbeln.
    Vier Augenpaare unterschiedlicher Größe, aber allesamt schwarz glänzend erfassten den Krieger, der bisher nicht in der Lage gewesen war seine Waffe zu ziehen.
    Mit klickenden Kieferklauen bewegte sich das Tier schnell auf den Krieger zu.
    Urplötzlich schlug mit einem dumpfen Klacken ein Pfeil in den Schädel des Tieres.
    Das Tier taumelte etwas unsicher zurück, als nacheinander zwei weitere Pfeile in die Augen folgten.
    Mit einem ächzenden, kreischenden Geräusch fiel das Tier schließlich nach hinten um und zuckte hilflos mit den Beinen. Nach ein paar Sekunden herrschte wieder Stille.
    „Da hätte ich jetzt etwas mehr von Dir erwartet, großer Krieger.“ sagte Radorn zu Arnock gelassen, als er seinen Bogen wieder schulterte.
    Feriomar zwängte sich an den Beiden vorbei und schaute den Matrosen an.
    „Nix mehr zu machen. Dass V*hicks*ieh hat mächdich Gift in den armen Teufel gepumpt. Da is nix mehr zu machen. Armer Kerl.“
    Arnock schüttelte seine Starre ab und sagte bleich:
    „Verdammt noch mal. Ausgerechnet Spinnen. Gebt mir Schlangen, Orks oder wegen mir sogar einen leibhaftigen Paokai, ich mache alles Platt. Aber warum müssen es diese verfluchten achtbeinigen Giftspritzen sein.
    „Schon gut.“ sagte Esoriel. „Wir müssen weiter, der Schlucht folgen.“
    „Ich... ich geh aber nicht voraus.“ stammelte der zweite Matrose.
    „Keine Angst mein Freund, das wird unser erleuchteter Magier übernehmen.“ sagte Radorn.
    „Gute Idee.“ sagte Arnock immer noch ein wenig bleich.
    „Neben seinem hellen Licht wird er das Viehzeug noch mit seinem ätzenden Atem vertreiben.“
    „Bissu lustich, großer Krieger.“ sagte Feriomar mit entsprechender Geste seiner Hände.

    Fast eine Stunde führte der Weg immer tiefer in den Berg hinein. Der Spalt nach oben war eben verschwunden, als sich der schmale Pfad in einen großen Hohlraum mündete. Das letzte Tageslicht fiel auf eine große, runde Steinplatte. In dem fast kreisrunden Felsengewölbe war sonst nichts zu erkennen außer glatt bearbeiteten Felswänden.
    Die Gruppe rastete eine kleine Weile.
    Schließlich begannen sie die Platte zu untersuchen.

    Mehrere Stunden lang mühten sie sich ab die Steinplatte zu öffnen. Alle Versuche stellten sich als völlig sinnlos heraus. Die Platte lag ungerührt auf dem Sockel.
    „Jetzt hab ich aber endgültig genug! Mal sehen ob wir das scheiß Ding nicht auch einfacher aufgekommen.“ giftete Arnock wütend und zog abrupt seine breite Axt aus dem Rückenhalfter. Mit einem mächtigen Schwung ließ er die Waffe auf die Platte niedersausen.
    „Nein, nicht!“ rief Esoriel.
    Beim Aufprall wurde nicht nur die Energie der Waffe frei. Irgendeine magische Barriere blockierte den heruntersausenden Stahl abrupt mit einem gleißenden Blitz.
    Die Axt wurde mit Wucht senkrecht in die Luft geschleudert und Arnock fiel schwungvoll nach hinten um. Verdutzt rappelte er sich wieder hoch und kratzte sich am Kinn.
    „Oder auch nicht.“ murmelte er staunend.
    Wombel is offline Last edited by Wombel; 03.12.2009 at 16:40.

  5. #5 Reply With Quote
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    Kapitel 3: Eine Welt aus Stein

    „Geh mal weg du alter Esel. Da braucht man Köpfchen, keine rohe Gewalt.“ Mit sanftem, aber bestimmendem Druck schob Esoriel den immer noch verdutzt blickenden Arnock zur Seite.
    Die geschickte Diebin untersuchte die massige Steinplatte noch einmal ganz genau.
    Ihre Finger an den Kanten und in den Vertiefungen entlangfahrend musterte sie die sonderbaren Zeichen auf der Oberseite.
    „Es ist orkisch. Soweit bin ich mir hier mal ganz sicher. Aber es ist alt. Sehr alt. Ich bin mir nicht sicher ob ich das übersetzen kann.“ flüsterte sie ehrfürchtig und fast unhörbar leise.
    Feriomar trat einen Schritt nach vorne und beugte sich leicht torkelnd aber schwungvoll zu Esoriel hinab.
    „Llass michma versuchen.“ lallte er Esoriel ins Gesicht.
    Die Fahne die ihr entgegenschlug raubte ihr fast den Atem.
    „Uuh, ähja, sehr gerne. Mach ruhig Feriomar.“
    Mit wedelnder Hand vor der Nase und verzerrtem Gesicht machte sie dem Magier platz.
    „Solo. Mmhm. Is ´nderessant ...“ stammelte Feriomar und kniff krampfhaft ein Auge zu um besser sehen zu können.
    Die anderen drei sahen sich grinsend an.
    „Türlich!“ rief er plötzlich.
    „Dassis Orkisch!“
    Esoriel verdrehte lachend die Augen und rief mit gespieltem Überraschen:
    „Ist nicht wahr! Das hätte ich jetzt nicht gedacht. Orkisch? Bist du sicher?“
    „Nna schteht doch drauff.“ grinste Feriomar selbstsicher zurück.
    Das lächeln in ihrem Gesicht verschwand sofort.
    „Du kannst es lesen?“ fragte sie halb verblüfft, halb erregt.
    „Latünich, is doch nich schwer. Das is die alde orkische Keilschrifffft. Ei*hick*gentlich is das sogar einfacher als das jessige Kauderwelsch.“
    Plötzlich runzelte der Magier die Stirn und kratze sich am Kopf.
    Ihm schien eine plötzliche Erkenntnis tief zu berühren.
    „Aber dann issas ja auch weit über dreitausend Jahre alt.“
    Staunend blickte er auf den Stein und warf seine Weinflasche achtlos weg.
    „Sag schon“, drängelte Esoriel „was steht denn nun da?“
    Der immer noch staunende Magier begann langsam, konzentriert und mit fester Stimme zu übersetzen:

    „Unwissender, deine Reise ist zu Ende. Kehre um, oder der Tod wird dich fürderhin nach unten begleiten. Nur der Wächter, der den Weg der Macht durch die Verdammnis der Dunkelheit kennt, wird wahrlich zum Ziel gelangen und den wahren Sinn des Vermächtnis vom Gott der Spinnen erkennen. Das Erbe der Schamanen währet ewiglich.“

    Nachdem der angetrunkene Magier geendet hatte entstand eine lange Stille.
    Feriomar kratze sich erneut am Kinn.
    „Ich glaube Arnock hadde recht. Wir solldns wirklich besser lllassn. Dassis nne Nummer su groß für uns.“
    „Witzbold. Selbst wenn wir weitermachen wollten. Wir kriegen ja nicht mal das erste Siegel hier auf.“ entgegnete Esoriel
    „Dassis kein Problem.“
    Entgeistert schauten alle Beteiligten nun den Magier an.
    „Najja. Jetzz wissnwir dasses orkisch is. Ergo musses ein orkischer Schliessssauber sein.“
    „Na und? Sag mir jetzt nicht, dass du auch noch orkisch zaubern kannst ...“ feixte Esoriel.
    „Das kann fast jeder.“ entgegnete Feriomar mit glasigen Augen.
    „Die verfl*hicks*ten Orks sssaubern meisstens mit einfachen Spruchrollen.“
    Eine kurze Pause folgte.
    Feriomar fuchtelte plötzlich mit den Händen:
    „Naja ssei doch alle nich sso schwer von Begriff. Es mussier irgenwo ne Andwort auffas gekritzel auf dem Siegel geben hier. Irgendwo hier schdehts wie wir da runterkommen. Aba ich bin mir nichmer so sicher obbich dass will. Soo einladend war das mitder Schbinne vorher un das Geschreibsel auf dem Deckel isja woohl auch nich wirklich lustich ...“

    Nach langer Debatte entschieden sich die Abenteurer, trotz der eindringlichen Warnung auf dem Siegel den Weg nach unten fortzusetzen. Alle wollten nun nicht mehr umkehren. Arnock erzählte auch von seinem Traum mit den Spinnen und dem Orkschamanen.
    Trotz, oder gerade weil es so gefährlich erschien, wollten nun alle sehen was sich hinter dem Siegel verbarg.
    Die Suche nach dem Orkzauber war schnell erledigt.
    Esoriel hatte einen kleinen Steinaltar entdeckt, der in der Wand eingelassen war.
    Den Verschluss hatte sie mit wenigen Handgriffen geöffnet.
    Darin lag ein einzelnes, vergilbtes Pergament ...

    Das öffnen des Siegels selbst war eine unspektakuläre Angelegenheit.
    Esoriel gab dem Magier die Spruchrolle.
    Feriomar las den Text einfach ab.
    Einen Augenblick später leuchtete das komplette Siegel in einem schwachen giftigen Grün auf. Das saugende und pfeifende Geräusch ließ darauf schließen, dass es Druckunterschiede geben musste. Jedenfalls wurde die Luft geräuschvoll in den Schlund hinabgesogen.
    „Los, fasst mal mit an.“ sagte Arnock und hob den Rand des Siegels an einer Seite an.
    Kurz darauf gähnte ein Abgrund vor Ihnen.
    „Wer geht vor?“ fragte Esoriel
    „Ich.“ Antwortete Radorn
    Die kreisrunde Wendeltreppe aus Holz und Stein wurde wie ein umgedrehter Trichter nach unten breiter und breiter. Während man zu Beginn mit ein paar wenigen Schritten einen Kreis laufen konnte, dauerte es nun schon fast 5 Minuten um einmal die vollen 360° herumzukommen. Unzählige Schriftzeichen und Bilder waren in die Holzvertäfelungen geritzt.
    „Wer immer auch das hier gebaut hat, es war ein wahrer Baumeister!“ staunte Radorn.

    Man konnte bereits viele Meter weiter unten den Boden dieses riesigen Abgangs erahnen, als Radorn auf einen unsichtbaren Schalter in der Stufe trat.
    Mit einem trockenen Klicken rastete hinter der Felswand ein Mechanismus ein.
    Einen Sekundenbruchteil später brachen einige der Treppen aus dem Rund des Aufganges heraus.
    Ein irrsinniger Reflex ließ Radorn erneut einen Bogen ziehen.
    Diesmal jedoch verwendete er einen besonderen Bogen mit speziellen Pfeilen.

    Zwei Pfeile surrten in unterschiedlichen Richtungen in die massiven Stützpfeiler der Treppe.
    Radorn griff nach einem der Seile und stieß sich mit letzter Kraft in Richtung Esoriel ab.
    Es gelang ihm die Diebin an der Hüfte zu umschlingen und zog sie auf das Seil zu.
    Aus dem Augenwinkel sah er, dass Arnock mit einer Hand am Seil hing. An der anderen Hand hing der Umhang des Magiers mitsamt desselbigen.
    Der Matrose hatte weniger Glück.
    Der Boden war zu weit entfernt, als dass er diesen Sturz hätte überleben können.
    Nach einem langen gellenden Schrei war lediglich noch ein kurzes, hässliches Klatschen zu hören.
    Feriomar giftete Arnock an.
    „Verdammpnochma. Musdu mich unbedingt verkehrtrum hängen lassen? Mann dreh mich um. Mirwifd schlemmmpf ...“
    Arnock keuchte vor Anstrengung.
    Lange würde er nicht mehr durchhalten können.
    „Esoriel, klettere rasch das Seil runter. Ich muss den beiden helfen.“ keuchte Radorn.
    Während Esoriel hastig nach unten kletterte, schlang er sich mit seinen Beinen um das Seil, an dem er hing und zog erneut den Seilbogen.
    Der Pfeil hieb weiter oben im Gebälk ein.
    Er schwang sich am zweiten Seil rüber zu Arnock und Feriomar.
    Letzterer hatte just in diesem Moment realisiert was überhaupt geschehen war und verharrte kreidebleich und mucksmäuschenstill an Arnock hängend.
    Schlussendlich konnten die drei aber irgendwie wieder kletternd nach unten fortbewegen.
    Der restliche Abstieg dauerte fast drei Stunden.
    Erschöpft und komplett außer Atem rastete die Gruppe vor dem nächsten Durchgang.

    Auch diesmal war es die kleine Diebin, die den zweiten Schamanenzauber fand.
    Und wieder öffnete Feriomar den Durchgang damit.
    Der kreisrunde Stein musste diesmal aber nicht gehoben werden. Er rollte dröhnend zur Seite und gab den Blick in ein riesenhaftes Gewölbe frei.
    Die Höhle schien keine Wände zu haben.
    „Mmomment nochma.“ Feriomar beschwor erneut einen Lichtzauber.
    „Das ... das ist unmöglich.“ staunte Esoriel.
    „Ich sehe keine Wände außer der, durch die wir gekommen sind. Diese ... Höhle ... ist das größte was ich je in meinem Leben gesehen habe.
    Feriomar ließ den Lichtzauber etwas heller aufleuchten und schob den Lichtball noch etwas weiter nach oben.
    Nichts.
    Nichts war zu sehen außer einem trockenen Felsboden und in weiter Ferne die alles verschlingende Dunkelheit.
    „Und nun?“ fragte Arnock.
    Radorn zuckte mit den Achseln. Esoriel suchte nach einem Hinweis, einem Wegweiser.
    Aber es gab nichts. Nur die endlos große und leere Hohlwelt.
    „Mmmoment mal, mirfällt was ein.“
    Feriomar murmelte etwas Unverständliches vor sich hin.
    Die Farbe des Lichtballs änderte sich von Weiß in ein kaltes, helles Blau.
    Wie durch Zauberei tauchten überall um sie herum unzählig viele weiße Schriftzeichen auf. Der komplette Felsboden war über und über mit den Runen übersäht.
    Lediglich ein Steifen von ca. zwei Meter Breite der gänzlich ohne Symbole war führte wie eine Art Weg in das Gewölbe hinein.
    „Dassisn alter Trick.“ lachte Feriomar.
    „Was machen wir, wenn Dein Manavorrat erschöpft ist?“ fragte Radorn.
    „Oh, das passiert nich schnell. Soo viel brauchtdas Lichtlein nich. Un ausserdem habbich noch was zum auffüllen.“
    Feriomar tätschelte seine kleine, am Gürtel befestigte Feldflasche.
    Die drei anderen grinsten sich an.
    „OK, also los.“ sagte Esoriel.
    „Bleibbs aber umbeding auf dem Weg. Ich willnich wissen, was passssiert wenn man auf die Runen tritt.“
    „Dann wird besser sein, wenn wir dich in die Mitte nehmen.“ grinste Radorn und hakte sich bei dem Magier ein.
    Esoriel ging voraus, Radorn stützte den Licht spendenden Magier, Arnock bildete die Nachhut.
    Langsam tasteten sich die vier Freunde durch die Finsternis nach vorne.

    Nach etwa einer halben Stunde tauchte ein riesiger Schatten in der Mitte des Gewölbes auf.
    „Was zum ...“ Arnock gefror das Blut in den Adern.
    „Bitte lass das kein lebendes Exemplar sein.“
    Stein.
    Eine riesige aus dem Stein herausgearbeitete Spinne stand vor ihnen.
    Der komplette Boden rund um die Statue war von unzähligen Diamanten und anderen Edelsteinen übersäht.
    „Es muss hier wieder einen Verschlussmechanismus geben.“ sagte Esoriel.
    „Lass uns von den Edelsteinen mitnehmen was wir tragen können und dann nichts wie raus hier.“ sagte Arnock.
    „Das sehe ich auch so. Lass das Spinnending in Ruhe und hilf uns beim einpacken. Ich will so schnell wie möglich raus hier“ raunte Radorn.
    Er füllte bereits seinen zweiten Lederbeutel mit den größten Stücken die er auf die Schnelle fand.
    „Schaut doch nur.“ rief Esoriel
    „Hier sind wieder Vertiefungen in dem einen Spinnenbein.“
    Arnock warnte:
    „Lass es sein. Wir hatten genug Glück gehabt bis hierher. Fordere es nicht noch mehr heraus.“
    Aber Esoriel tastete bereits wieder am Verschluss herum.
    „Ja glaubt ihr denn ich gebe mich jetzt mit den Diamantsplittern die auf dem Boden sind zufrieden? Wenn ich das Ding aufmachen kann werde ich ... AAARGH.“ entgeistert schaute Esoriel auf ihre blutenden Hände.
    Wombel is offline Last edited by Wombel; 05.12.2009 at 21:26. Reason: Schreibfehler korrigiert

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    Kapitel 4: Auf der Flucht

    „Bei allen Göttern.“ rief Arnock entsetzt.
    Arnock, Feriomar und Radorn stürzten auf Esoriel zu.
    Esoriel begann seltsam von innen heraus zu leuchten, so schien es.
    Radorn blickte entgeistert auf die beiden langen Stachel, welche in der Vertiefung des Mechanismusses blutig schimmerten.
    Ein leiser Pfeifton war aus dem Inneren zu vernehmen.
    Traurig schaute sie Arnock ins Gesicht, während das Leben langsam aus ihrem Körper schwand. Feriomar nestelte fieberhaft an seinem Gürtel herum und führte rasch eine kleine Phiole an ihre bereits blauen Lippen.
    Sie trank noch zwei große Schlucke.
    Aber das Gift welches ihr durch den versteckten Mechanismus in beide Arme injiziert wurde war nicht mehr aufzuhalten und sehr stark.
    Einen kurzen Moment später sank sie sterbend in die Arme von Arnock.
    Eine Minute lang herrschte absolute Stille.
    Arnock schoss das Wasser in die Augen.
    Feriomar steckte traurig seine Phiole wieder zurück an den Gürtel.
    „Nein ... bitte nicht ...“ Arnock versuchte den Schmerz zu begreifen, der durch sein Herz raste.
    Radorn legte ihm tröstend die Hand auf die Schulter.
    „Komm mein Freund, lass uns diesen verfluchten Ort verlassen.“
    „Er hat recht. Nix wie wech hier.“ sagte Feriomar düster.
    Traurig blickten die beiden auf den knienden Krieger.
    Plötzlich hob dieser lauschend den Kopf.
    „Hört ihr das auch?“
    Ein leises, feines klickendes Geräusch, das von allen Seiten zu kommen schien war zu hören.
    „Zum Lich. Jetzt aber verdammtnochma nix wie raus hier.“ sagte der Magier in die Dunkelheit spähend.
    Radorn befestigte seine beiden prall gefüllten Beutel an seinem Gürtel und zog anschließend erneut seinen Bogen von der Schulter.
    Arnock legte Esoriel sanft zu Boden, schloss ihr behutsam die starren Augen und verschränkte ihre Hände auf der Brust. Ihre kostbaren Blitzdolche, welche sie stets bewundernd bei sich trug, nahm er behutsam von ihrem Gürtelbund und band diese an seinem Gürtel fest. Wenigstens ein Andenken wollte er von ihr besitzen.
    Dann erhob er sich und zog seine Axt.
    Feriomar der Arnocks Beutel bereits an sich genommen hatte, schritt schon langsam den Weg zurück.
    „Nnulosdoch. Ich will nich wissn was das Pfeiffn ausgelöst hat. das Geklicke komm mir bekannt vor. Llass uns abhaun.“ drängte er.
    Er ließ noch einmal einen Lichtzauber in die Höhe steigen und drängte weiter zurück.
    Das Klicken wurde stetig lauter.
    Fieberhaft schauten sich die drei nach allen Seiten um.
    Es bewegte sich etwas auf sie zu. Nur was und woher? Von welcher Seite?
    Das Klicken war überall.
    „Da, seht doch!“ rief Radorn.
    Ein riesiger Schatten huschte in einiger Entfernung in die Dunkelheit.
    „Los doch, bis zum Durchgang isses nich mehr weit.“ rief Feriomar, welcher wohl das erste Mal seit langem die Welt nicht durch seinen Alkoholnebel sah, sondern fieberhaft und klar denkend.
    Der Durchgang erschien in einiger Entfernung als dunkles Loch.
    Mit einem Mal brach die Hölle los.
    Spinnen. Unmengen von riesigen Spinnen stürmten auf die Gruppe zu.
    Radorn verschoss einen Pfeil nach dem anderen.
    „Wir müssen durch das zweite Siegel durch und es wieder verschließen.“ brüllte er wie von Sinnen.
    Eine Spinne kam dem Magier bedrohlich nahe.
    Mit einem gewaltigen Satz sprang Arnock dem Tier auf den Rücken und drückte es mit seinem Gewicht zu Boden. Er hieb dem Tier mit seiner Axt auf den Schädel.
    Angewidert zog er die Axt aus dem toten Tier und schob mit einer Hand den Magier weiter Richtung Durchgang.
    Ein weiteres Tier, ein kleineres Exemplar wurde von Radorns Pfeil glatt auf den Boden genagelt.
    Endlich war der Durchgang erreicht.
    „Los, am Seil mit Euch hoch.“ herrschte Arnock seine Freunde an.
    „Nein, wir müssen den Durchgang erst verschließen.“ keuchte Feriomar.
    „Auf keinen Fall, dafür ist es zu spät.“
    „Ich würde mal sagen dass die Spinnen mit Ihren acht Beinen besser mit dem Aufstieg zu Recht kommen als wir. Wir müssen die Scheissviecher wieder einsperren.“ grölte Radorn.
    „Los verdammt, hilf mir doch Feriomar.“
    Arnock stand breitbeinig im Durchgang und hieb die heranstürmenden Arachnen zurück, so gut er konnte.
    Radorn und Feriomar stemmten sich gegen den runden Verschlussmechanismus, aber er bewegte sich keinen Millimeter.
    „Verdammt, beeilt euch.“ schrie Arnock, der bereits mehrere Biss,- und Kratzwunden an den Armen aufwies.
    Endlich setzte sich die Scheibe in Bewegung.
    Unendlich langsam knirschte das tonnenschwere Gebilde in der Steinschiene in die Endposition, als sich ein besonders großes Spinnentier durch die Öffnung zwängte.
    Drei kleinere Exemplare folgten dem adulten Tier noch durch den Durchlass, dann rastete die Scheibe mit einem lauten, steinernen Knirschen in die Vorrichtung ein.
    Arnock stand nun etwa 10m entfernt von den beiden Freunden mit dem Rücken zur Wand und verteidigte sich verzweifelt mit seiner Axt gegen die Riesenspinne.
    Radorn riss seinen Bogen vom Rücken und schoss einen Pfeil in den fetten Hinterleib.
    Feriomar beschwor einen Feuerball und warf diesen mit Wucht gegen eines der kleineren Tiere, welches umgehend kreischend in Flammen aufging.
    Arnock wurde erneut attackiert. Diesmal von einem kleinen Tier, welches sich ihm seitlich genähert hatte.
    Mit einem Axtstreich hieb er der Spinne in den Kopf.
    Gerade als er die Axt wieder aus dem sterbenden Tier ziehen wollte hatte sich die Riesenspinne hinter ihn bewegt.
    Mit einer schwungvollen Bewegung des Hinterleibs rammte das Tier den Giftstachel tief in Arnocks Rücken.
    Arnock taumelte unbeholfen ein paar Schritte nach vorne.
    Radorn zielte auf das letzte Jungtier und traf es zwischen die Kieferklauen.
    Torkelnd stürzte das Tier schließlich um und starb mit zuckenden Gliedern.
    Das Muttertier drehte sich nun zu Feriomar um.
    „Mich bekommst Du nicht, du Drecksvieh.“ schrie Feriomar in abgrundtiefem Zorn.
    Ein gewaltiger Blitzstrahl fuhr aus Feriomars rechter Hand und traf das Tier frontal am Kopf.
    Kreischend und geblendet taumelte das Tier zurück.
    Zwei genau platzierte Pfeile fuhren dem Tier in den hässlichen Schädel.
    Das Kreischen verdoppelte sich. Das Tier taumelte schwer verwundet auf den am Boden liegenden Arnock zu.
    Als die Spinne direkt über ihm stand, mobilisierte er seine letzten Kräfte.
    Mit einem gewaltigen Ruck stieß er die beiden Blitzdolche von Esoriel bis zum Schaft in den fetten Leib über ihm.
    Einen Augenblick später überzogen silberne Blitze das sterbende Tier, welches gequält umhertaumelte.
    Schließlich brach das Tier tot vor dem wiederverschlossenen Durchgang zusammen.
    Wombel is offline Last edited by Wombel; 03.12.2009 at 16:50.

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    Kapitel 5: Das Ende

    Radorn bewegte sich vorsichtig auf das Muttertier zu. Es war tot.
    Er zog angewidert die beiden Dolche aus dem Leib und ging hinüber zu dem am Boden liegenden Arnock.
    Feriomar, der bereits neben ihm kniete schüttelte traurig den Kopf.
    „Diesmal war es nicht das Gift.“ sagte er ergriffen zu Radorn.
    „Er starb durch den Stachel, welcher seine Lunge durchbohrt hat.“
    Betroffen standen die beiden verbliebenen Freunde eine Weile vor dem toten Krieger.
    „Er hat es von Anfang an geahnt dieser Teufelskerl. Er hat mit allem was er sagte bis zum Schluss immer Recht behalten. Verdammt. Wir müssen jetzt hier raus. So schnell wie möglich, sonst sind wir auch noch dran.“ sagte Radorn traurig.
    „Ja, lass uns diese verfluchte Insel schnell verlassen.“ sagte Feriomar.
    Radorn reinigte die beiden Dolche vorsichtig mit einem Tuch und beugte sich anschließend zu dem toten Arnock hinunter. Er legte ihm die beiden Dolche vorsichtig auf die Brust.
    „Der Aufstieg wird dunkel und beschwerlich werden, mein Mana Vorrat ist erschöpft, und ich habe keine Tränke mehr.“ sagte Feriomar.
    „Nicht nur das, er wird auch gefährlich werden. Ich habe nämlich auch nur noch sehr wenige Pfeile.“ entgegnete Arnock.
    Sie begannen die Rundtreppe hinaufzusteigen, und nach einer Weile erreichten Sie die Stelle, an der die Stufen herausgebrochen waren.
    Radorn zog seinen Seilbogen und sagte zu Feriomar:
    „Mein vorletzter Seilpfeil. Wollen wir hoffen, dass wir nicht mehr brauchen bis wir oben ankommen.“
    Als die Stelle überwunden war gingen die beiden in gleichmäßigem Trott nach oben. Die Zeit verging. Nach einigen Stunden erreichten die beiden den oberen kreisrunden Ausgang.
    Keuchend und vor Erschöpfung zitternd blieben die zwei Freunde neben dem Abgang eine Weile sitzen.
    „Lass uns zum Boot zurückkehren.“ schnaufte Radorn.
    „Wir... wir müssen ... den Durchgang wieder ... zumachen.“ keuchte Feriomar.
    „Was hat dich denn gebissen? Spinnst Du?“ Radorn blickte Feriomar entgeistert an.
    „Es geht hier um ein mehrtausendjähriges Geheimnis, das besser eins bleiben sollte. Ich möchte nicht wissen was passiert, wenn jemand auf die Idee kommt das Gewölbe genauer zu untersuchen und dabei dann etwas Böseres aufweckt als ein paar kleine Spinnen. Die Spinnenstatue ist jedenfalls ganz bestimmt nicht nur zum Spaß da unten aufgestellt worden.“
    Der Waldläufer nickte schließlich zögernd.
    Unter größten Anstrengungen gelang es den beiden Männern die schwere Platte wieder auf den Sockel zu schieben.
    Keuchend sagte Feriomar:
    „Gut ... jetzt muss ich es nur noch ... magisch verschließen ...“ er hustete.
    „Lass das doch. Die Insel ist am Arsch der Welt. Niemand wird kommen um ...“
    Ein Orkpfeil riss die Haut an Radorns linken Arm auf.
    „Vorsicht.“ schrie Feriomar und mobilisierte seine letzten magischen Kräfte.
    Radorn duckte sich instinktiv und dies rettete ihm das Leben.
    Der zweite Pfeil surrte um haaresbreite an seinem Kopf vorbei.
    Aus den Augenwinkeln sah er weiter hinten im schmaler werdenden Gang zum Strand zwei Orkkrieger stehen.
    Wieder zog er seinen Bogen von der Schulter und legte an.
    Im selben Moment als der Pfeil seinen Bogen verließ, sauste ein großer Feuerball an ihm vorbei auf den zweiten Ork.
    Beide waren sofort tot.
    „Komm jetzt verdammt noch mal.“ bettelte Radorn ungeduldig.
    „Moment.“ sagte Feriomar.
    Er murmelte eine lange Beschwörung und verschloss den Deckel wieder magisch.
    Taumelnd stützte er sich mit einer Hand an der Felswand ab.
    „Was ist los mit Dir?“ fragte Radorn während er sich ein Tuch um die verletzte Schulter band.
    „Ach nichts, ich hab mich nur etwas übernommen. Mir fehlt sämtliches Mana im Körper. Das ist ein unangenehmes Gefühl für einen Magier.“ sagte Feriomar matt.
    „Außerdem bin ich kein Krieger oder Akrobat.“ sagte er und taumelte schwer.
    „Komm schon, lass uns endlich abhauen.“ sagte Radorn und hielt seinen Freund fest.
    Gegenseitig stützten sich die beiden Männer und schleiften sich gemeinsam zum Strand zurück.
    Als die ersten Sonnenstrahlen Feriomars Gesicht berührten lächelte er sanft.
    Endlich hatte sie das Licht wieder.
    Völlig erschöpft brach Feriomar endgültig zusammen.
    „Komm schon. Nicht aufgeben jetzt. Drüben auf dem Schiff gebe ich Dir ein Fass Rum aus, aber steh wieder auf, noch ein paar Meter bis zum Boot. Sieh nur, einen kleinen Mast kann man schon erkennen.“ keuchte Radorn.
    Aber Feriomar war zu erschöpft um sich wieder erheben zu können.
    Radorn legte seine Waffen, die Bögen und den Köcher ab. Nur seinen Schultergürtel mit den Edelsteinen behielt er an.
    Unter größter Anstrengung nahm er den Magier an den Armen und legte ihn der Länge nach auf seinen Rücken.
    Tragend und taumelnd schleppte er sich dem Ruderboot entgegen.
    Nur noch wenige Meter.
    Als seine Hände den Rand des Bootes berührten spürte er mehrere Schläge von hinten.
    Feriomar röchelte kurz auf, und spuckte Blut über Feriomars Schulter.
    Der Waldläufer wollte den Magier soeben in das Boot legen, als er sah, dass drei Pfeile im Rücken des Magiers steckten.
    Feriomar war tot. Die Pfeile waren präzise geschossen worden.
    Er ließ den Magier los und schob mit seinen letzten Kräften das Boot zu Wasser.
    Ein weiterer Pfeil fuhr in die vorderen Planken des kleinen Holzbootes.
    Fieberhaft nahm er die Ruder zur Hand und richtete das Ruderboot in Richtung des Segelschiffs aus. Sollte er dieses erreichen, wäre er vor den Orks und Spinnen sicher.
    Nun ruderte er wie besessen um sein Leben.
    Wombel is offline Last edited by Wombel; 03.12.2009 at 15:02.

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    Epilog

    Der alte Mann saß auf einer kleinen Holzbank vor seinem Haus. Er liebte es zu dieser Tageszeit draußen zu sitzen und die letzten Sonnenstrahlen aufzunehmen. Er zog die dicke Wolldecke hoch bis zu seiner Brust und ließ den Blick über die endlose Weite streifen. Er sah in der Ferne die ersten Wildgänse ziehen. Er goss sich einen Becher Wein ein und dachte über sein Leben nach. Viel hatte er erlebt, viel Unglück ist dem alten Mann widerfahren und vieles hätte er gerne ungeschehen gemacht.
    Aber er hatte auch viel Glück in seinem Leben gehabt.
    Als er halb verhungert und ausgezehrt auf dem Meer treibenden Schiff gefunden wurde, kam er wieder ins Leben zurück.
    Er vermisste seine Freunde, die er vor langer Zeit verloren hatte. Aber er wusste auch, dass manche Dinge im Leben einfach geschehen, und dass nichts auf der Welt sie wieder ungeschehen machen kann. Sein Blick schweifte zu einem kleinen Altar, in den ein paar Diamanten eingelassen waren und eine große Kerze brannte. Neben den Namen der Menschen seiner einst verstorbenen Familie, waren noch drei weitere Namen in Stein gemeißelt und mit Gold verziert worden.
    Eine kleine Träne bildete sich in seinem Auge, als sich eine kleine, sehr sanfte Hand auf seine Schulter legte.
    „Komm schon, alter Narr.“ sagte die liebe, alte Frauenstimme, die er seit vielen Jahren abgöttisch verehrte.
    „Lass das denken sein und komm zu mir ins Haus. Lass die Toten ruhen.“
    Sie küsste ihn liebevoll auf die Stirn.
    „Es gibt dein Leibgericht, und außerdem wollen deine Enkel von dir später das Bogenschiessen lernen.“
    „Ich komme.“ sagte er.
    Er erhob sich, und ging gebückt auf das Haus zu. Er warf noch einen Blick zum Altar.
    „Freunde. Ich werde euch nie vergessen.“ sagte er leise.
    Wombel is offline Last edited by Wombel; 03.12.2009 at 15:05.

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