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Reviewcenter

  1. #81 Reply With Quote
    Forentroll  Harbinger's Avatar
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    Jul 2003
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    John Carpenter's Vampires: Los Muertos

    [Bild: Vampires%20Los%20Muertos.jpg]

    DVD-Start: 17.12.2002
    Genre: Action/Horror
    Regie: Tommy Lee Wallace
    Darsteller: Jon Bon Jovi, Cristián de la Fuente, Natasha Gregson Wagner
    FSK: 16

    Inhalt: Der Vampirjäger Derek Bliss wird beauftragt eine Truppe von marodierenden mexikanischen Blutsaugern ausfindig und anschließend kalt zu machen. Allerdings gestaltet sich das als denkbar schwierig, denn die Vampire sind ihm immer einen Schritt voraus und legen eine ganze Reihe von anderen Vampirkillern um. Noch dazu haben sie das Kreuz von Bersier gestohlen, dass es Vampiren ermöglichen soll, im Sonnenlicht spazieren zu gehen. Lone Ranger Derek gabelt eine Halb-Vampirin, einen jungen möchtegern-Killer, einen Priester und einen weiteren Profi auf und rüstet sich zum Kampf...

    Kritik: Und wieder 'ne Bildungslücke geschlossen. Nachdem also am Samstag abend schon zum ersten Mal der Höhlen-Schocker "The Cave" und zum dritten Mal die amerikanische Version des Horrorstreifens "The Ring" über die Mattscheibe flimmerten, entschloss ich mich, mir gerade noch das Nachtprogramm um die Ohren zu hauen und mir die goldene Mitte des mit "John Carpenter's Vampires" begründeten Franchises anzuschauen, namentlich halt "John Carpenter's Vampires: Los Muertos". Meine vorigen Begegnungen mit eben diesem Franchise waren doch eher zwiespältig, den ersten Teil sah ich irgendwann vor acht Jahren zum ersten Mal (hiss boo, ja, ich war gerade mal 14...) und war sofort sogleich ziemlich angetan von diesem Streifen, schaute ihn mir dann noch zwei weitere Male bislang an, wenn ich mich recht entsinne (einmal die verstümmelte 16er-Version bei einem Kumpel), ehe ich ihn mir vor kurzer Zeit auf DVD kaufte. Sobald ich ihn mal wieder unter die Lupe genommen habe, kommt da auch noch ein Review. Ich liebe den Streifen, ehrlich wahr. Naja, andererseits sah ich irgendwann vor ein paar Monaten ebenfalls im Nachtprogramm (ich glaube es war sogar auch auf Pro7, aber ich würde keine Wetten drauf annehmen) den... äh... "krönenden Abschluss" (bislang und wenn's nach der Qualität gehen sollte, dann wird er das auch bleiben, aber Qualität ist in Hollywood ja eh relativ, da zählt nur die Kohle, aber ich zweifle ernsthaft daran, dass der dritte Teil auch nur IRGEND ETWAS eingespielt hat) namens "Vampires: The Turning" (dass John Carpenters Name hier rausgelassen wurde ist eine gute Sache, ehrlich wahr...), einen sehr kuriosen Streifen, dessen Hauptdarsteller sich etwa 90 Minuten lang ohne erkennbaren Grund immer abwechselnd wie das größte Weichei und der größte Arschkeks von Welt aufführte, ständig im Kreis lief, nicht einen logischen Gedanken hatte, die ganze Zeit seiner gekidnappten Freundin hinterherheulte, die ihm in den ersten paar Filmminuten ziemlich unumwunden zu verstehen gab, dass sie gar keinen Wert darauf legt, das noch weiter zu bleiben (also Freundin, niet gekidnappt, wobei ihr das wohl auch nicht so gefiel), und am Ende dafür sorgte, dass irgend jemand explodierte, fragt mich nicht, ich will mich gar nicht daran erinnern. Das schreckte jedenfalls ab (und ich fühlte mich hinterher so hirngefickt, dass ich nicht mal ein Review dazu schrieb), trotzdem wollte ich mir den zweiten Teil irgendwann mal anschauen, denn zum Einen spielt halt Bon Jovi die Hauptrolle, was ich persönlich irgendwie ziemlich cool finde (ich sah den Mann nie vorher schauspielern, aber ich mag ihn einfach), zum Anderen laß ich hier und da, dass nicht nur die FSK mit der 16er-Freigabe sehr generös war, sondern dass "Los Muertos" sich auch ziemlich dicht am Vorgänger orientiert, sprich: ihn bei jeder Gelegenheit abrippt...
    Nicht unverständlich, möchte ich sagen, saß doch mit Tommy Lee Wallace ("Halloween 3") Carpenter höchst eigener Protegee auf dem Regiestuhl und da John-Boy sich immerhin noch als ausführender Produzent listen ließ, wollte Wallace es seinem großen Mentor wohl recht machen und übernahm so direkt mal alle Trademarks, die der Vorgänger etabliert hatte. Ja, hier ist wirklich so gut wie alles wieder mit an Bord, was "John Carpenter's Vampires" so groß machte, der Badass-Antiheld, der christlich-mythologische Hintergrund, eine fast identische Figurenkonstelation (inklusive Priester und gebissener Frau mit Mind-Link zum Bösewicht), gleiche Jagdmethoden, Herrgott noch eins, Wallace recycelte sogar das blöde schwarze Kreuz aus dem ersten Teil. Und auch blutiger Splädda ist wieder mit dabei, inklusive einem Massaker in einem Kloster, das mich so frappierend an den ersten Teil erinnerte, dass ich doch ein wehmütiges Lächeln auf meinen Lippen vorfand. "Los Muertos" ist quasi die Antithese zu "The Turning" (bzw. umgekehrt), der eine bediente sich minutiös am Original (inklusive - wenn ich mich nicht täusche - eines Auftritts des Paters aus dem ersten Teil, hier leider von einem anderen Darsteller verkörpert), der andere reißt die Thematik nicht mal am Rande an, große Klasse. Wallace, du bist echt 'n mieser Plagiator, wenn ich das mal so sagen darf. Aber wenn Johnny die Chose finanziert hat, dann wird das schon in Ordnung gehen, oder?
    Jain. Es ist echt zum Haare raufen, wie Wallace hier die Gegensätze aufeinanderprallen lässt. Also frühstücken wir doch erstmal die positiven Aspekte ab: Die Darsteller sind echt nicht so schlecht. Bon Jovi ist zwar vom reinen Talent her keine große Leuchte, aber er muss ja nur den Badass de jour geben und das kriegt er mit wetterfester Frisur, großer Wumme und halbem Lächeln auf den Lippen sowie ein oder zwei One-Linern bezüglich seiner Affinität zum Surfen ganz ordentlich hin. Man hat nie das Gefühl da Vampirjäger Derek Bliss zuzuschauen, man ist sich zu jeder Sekunde bewusst, dass Jon Bon Jovi sich da einen vor der Kamera abhampelt, aber er ist trotzdem irgendwie verdammt sympathisch und von daher geht das ganz gut in Ordnung. Die Antagonistin (irgendwie gefiel Velecq mir besser als die doofe Frau, deren Namen man nicht mal erfuhr, wenn ich mich nicht täusche) gibt Arly Jover ("Blade", "Impostor") und sie rattert ihre Rolle als zumindest mal bisexuell veranlagte Vampirbitchqueen ziemlich routiniert herunter, macht in den Kampfszenen keine schlechte Figur und ihre Brüste scheinen auch mal durch das dünne Hemdchen, das sie trägt, hindurch. Ganz besonders attraktiv ist zwar anders, ging aber. Als Dereks Sidekicks sind dann noch Natasha Wagner ("Düstere Legenden" - Halbvampirin Zoey), Diego Luna ("Milk", "The Terminal" - Nachwuchsjäger Sancho), Cristián de la Fuente ("Basic", "Driven" - Priester Rodrigo) und Darius McCrary ("15 Minuten Ruhm" - maximalpigmentierter Memphisianer Roy) zu sehen, die alle solide Leistungen abfeiern, wobei ich sagen muss, dass McCrary nach einem sehr coolen Auftakt doch äußerst rasant in meiner Gunst sank, aber dazu später noch mehr. Damit sind die wichtigen Rollen eigentlich schon alle genannt, es gibt noch die eine oder andere Figur die urplötzlich wie vom Himmel gefallen kommt, einen Namen verpasst bekommt und dann zwei Sekunden später aus der Handlung verschwindet (Honorato Magaloni als alter mexikanischer Dorfzausel und Anilú Pardo als Krankenschwester Lupe - I loves that name - zum Bleistift), seltsam. Wallace, was tust du nur?
    Andererseits sind da die Actionszenen und die Special-FX. Mir wurde hier und da schon versprochen, dass das Ding für einen 16er doch ziemlich saftig ist, möglicherweise sogar mit dem Vorgänger mithalten könnte, der - zumindest soweit meine Erinnerung mich nicht trügt - doch eine hammerdeftige Schlachtplatte vor dem Herren ist (die Szene in der Mark Boone Jr. mittels Fingernägeleinsatz in zwei Hälften zerteilt wird ist ganz großes Kino) und auch in den Actionszenen mächtig punkten konnte, Daniel Baldwin und James Woods sei's gedankt. Klar, "Los Muertos" ist ein mickriges Direct-to-Video-Sequel mit einem Bruchteil der Kohle in der Hinterhand, trotzdem wurde hier nicht schlecht gearbeitet. Die Actionszenen handelte Wallace zwar immer recht flink ab (ich hätte mir doch hin und wieder mehr Geballer, Gekloppe, Geschnetzel gewünscht, hy liebe Jugendschützer, kommt ihr Mittwoch zum Abendessen vorbei?), aber sie waren doch routiniert durchgezogen. Und die FX... hui. Handwerklich gab's ein paar grobe Fouls, vor allem dann, wenn CGI eingesetzt wurde (wobei mir jetzt gerade nur drei Stellen einfallen, eine im Prolog als einer Frau Blut aus dem Mund spritzt, eine beim Angriff auf das Kloster als einem Kerl die Zunge abgebissen wird und einmal ging ein Vampir sehr unüberzeugend in Flammen auf), aber ansonsten ist das Ding hier nicht wenig übel. Hier werden am laufenden Band Vampire und Menschen geköpft (der kopfüber aufgehangene Kerl, dem ein Vampir mit der bloßen Faust die Birne wegbolzte war schon irgendwie cool), gepfählt, totgeschossen, mit Schwertern ein wenig angehackt oder kratzten auch mal dem einen oder anderen Menschen mit ihren Fingernägeln die Brust weg, kennt man ja. Ich bin wirklich erstaunt, dass das Ding ab 16 rausgegangen ist und schätze mal, dass das eine knappe Angelegenheit war oder das ganze Gremium halt wieder betrunken, it's for you to decide.
    In dieser Hinsicht ist also eigentlich alles gar nicht so übel, aber obwohl Wallace in Sachen Inszenierung eigentlich gar nicht so viel falsch macht (eigentlich gar nichts, die Regie ist halt etwas uninspiriert und der Look des Films ein bißchen billig geraten) hatte er auch noch die großartige Idee, das Skript zu verfassen. Wie schon angedeutet klaut er sich etwa eine Stunde lang (inklusive Werbepausen, dürfte wohl ohne Werbung etwa 50 Minuten gedauert haben) durch den kompletten Plot des Vorgängers, ehe ihm nichts mehr einfiel oder John Carpenter so was sagte wie "Ließt sich ja alles ganz nett, aber hast du auch mal eine eigene Idee, Tommy?". Und dann rappelt's ganz arg im Karton. Davor machte Wallace auch schon ein paar recht merkwürdige Fehler, allen voran wohl die Charakterzeichnung. Alle Figuren, mit Ausnahme von Bon Jovis Derek Bliss werden nämlich quasi als Wegwerf-Charaktere gebastelt. Jeder wird mit großem Trara eingeführt, als ob er mindestens die Reinkarnation von Jesus wäre und dann bei der erstbesten Gelegenheit für eine nebensächliche Plotline weggeworfen. Die sind dann zwar den restlichen Film über noch dabei (größtenteils), aber beschränken sich halt darauf im Hintergrund herumzustehen und im dramaturgisch richtigen Augenblick einen Vampir zu pfählen oder so. Als der Film (inklusive Werbung) dann aber die 60-Minuten-Marke überschritt, da begann ich an Wallaces Verstand zu zweifeln. Oder halt an seinem Sinn für die physikalische Realität. Von einer Sekunde auf die andere scheinen alle Figuren, die in diesem Film involviert waren, vollends zu verblöden, treffen dämliche Entscheidungen, führen strunzdoofe Dialoge (ein bißchen mehr Doofheit und sie hätten sich angegrunzt und mit Fäkalien beworfen...) und pfeifen sowieso auf so überbewertete Spirenzchen wie gesunden Menschenverstand. Dummerweise mausert der Streifen sich dann aber auch nicht zu einer Actiongranate bei der nur noch Menschen und Vampire durch die Luft fliegen und das jeweils in drei verschiedene Richtungen, Wallace versucht nämlich auf Biegen und Brechen ein Ende zu konstruieren, schafft es aber nicht, so dass der Film erst im vierten Anlauf wirklich den Showdown abfeiern kann. Alle Versuche davor wirken dementsprechend völlig dämlich und abgewürgt (schießen außerdem der filminternen Logik so kaltblütig in den Rücken und verscharren sie im Garten, das hab ich echt lange nicht gesehen), so dass der Film ab diesem Zeitpunkt mächtig an Drive verliert und der Zuschauer eigentlich nur noch rhythmisch den Kopf auf die Tischplatte haut, um die Sekunden zu zählen, bis der Käs denn nun gegessen ist. Und das dauert. In der letzten halben Stunde rennt das Pacing mit dem Kopf zuerst in einen Fleischwolf und ward fortan nicht mehr gesehen.
    Schade drum, bis zu diesem Zeitpunkt ist "John Carpenter's Vampires: Los Muertos" nämlich eine recht flotte Sache (das Ganze auch noch schön unterlegt von einem lässigen Soundtrack von Brian Tyler, der auch den für "Bubba Ho-Tep" schusterte), die zwar dem Vorgänger niemals das Wasser reichen kann (Derek Bliss ist cool, ja, aber er und seine Kammeraden erreichen niemals die Tiefe, die Sympathie, die abgebrühtheit und die einmalige Chemie, die sich zwischen Jack Crowe, Montoya und Katrina abspielte), aber doch ganz gut unterhält, wenn nur das verkorkste Ende nicht wäre...
    Kommen wir zum Fazit: "John Carpenter's Vampires: Los Muertos" kann man gesehen haben, muss man aber nicht. Etwa eine Stunde lang liefert Tommy Lee Wallace routinierte Arbeit ab und stellt einen spaßigen Vampirklopper auf die Beine, der Freunden des Vorgängers eine Menge Spaß bereiten dürfte, danach fällt er dummerweise in ein Qualitätsloch. Trotzdem sind coole Sprüche, nette Actionszenen und eine ganze Menge Blut vorhanden. Und Bon Jovi als Vampirjäger ist eh cool. Trotzdem nicht mehr als Durchschnitt.

    Einzelwertungen:
    Darsteller: 06/10 (alle ganz okay, Bon Jovi hatte sichtlich Spaß)
    Plot: 03/10 (die erste Hälfte geklaut, die zweite Hälfte so doof, dass es schon fast weh tut)
    Effekte: 06/10 (keine handwerklichen Meisterleistungen, aber doch recht viele Effekte, die sich gut einpassen)
    Anspruch: 01/10 (haha, am Ende besser nicht mehr mitdenken, es könnte weh tun)
    Gesamteindruck: 05/10 (ich wollte den Film ja wirklich mögen, aber naja... der Vorgänger ist um Längen besser, der Nachfolger noch schlechter)

    Link zur IMDB-Seite (Wertung: 4.5)
    Link zum Trailer
    Die DVD bei Amazon.de
    Harbinger is online now Last edited by Harbinger; 06.12.2009 at 20:37.

  2. #82 Reply With Quote
    Legend LorD AvengeR's Avatar
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    Die Sopranos Season 1

    [Bild: 4v6ybs0.jpg]

    Laufzeit: ca. 900 Minuten
    Genre: Mafia / Thriller
    Creator: David Chase
    Darsteller: James Gandolfini, Lorraine Bracco, Tony Sirico
    Gesehen auf: Deutsch

    Inhalt:
    Mafia-Capo Anthony Soprano erleidet Zusammenbrüche, die in Bewusstlosigkeit enden und landet über Umwege bei einer Psychiaterin, die die Diagnose auf Angstattacken stellt. Eine heikle Situation, wenn ein Mafiaoberhaupt zum Psychiater geht, darf davon natürlich niemand etwas wissen. Zu allem Überfluss gibt es in dieser Zeit noch massig Probleme, die bewältigt werden müssen: Tonys schwierige Mutter, die langsam senil zu werden scheint, der Tod des Mafiabosses und der Wettkampf mit seinem Onkel Junior sind nur die gravierendsten Fakten.

    Kritik:
    Ich bin froh, dass ich es endlich einrichten konnte, meine Sopranos Mafia-Box einzuweihen. Ich kannte die erste Staffel zwar schon, aber hatte eine ganze Menge vergessen – und selbst wenn, sie ist einfach spitze und macht locker noch ein drittes und viertes Mal Laune. Es gibt auch einfach nichts Vergleichbares – zumindest nichts, das mir bekannt wäre.

    Was zeichnet diese Serie aus? Eine gute Frage, Mr. Watson… Danke. Ich denke, es gibt viele Merkmale, die Die Sopranos besonders machen und ich war auch sehr von den Gedanken hinter der Serie angetan, die im Interview mit Creator David Chase herausgefiltert wurden. Dieser wollte zum Beispiel viel lieber Kurzfilme drehen, als eine Serie, aber die Macht liegt schließlich immer bei den Geldgebern… So kam es aber, dass das Script immer so gehalten wurde, dass die einzelnen Folgen nahezu in sich abgeschlossen sind und immer nur geringen Bezug zueinander nehmen (besonders gelungen ist das in Chases Lieblingsfolge »Reise in die Vergangenheit«). Damit in Zusammenhang stehen auch die relativ zentralen Sitzungen beim Psychiater. Chase erzählte, dass alle Episoden einfach aus dem Bauch heraus geschrieben worden waren und wenn in einer späteren Folge auf die Ereignisse eingegangen wird, so haben sich die Drehbuchautoren auch immer erst dann Gedanken darüber gemacht, was das Ganze nun hätte bedeuten können – und sie haben immer plausible und glaubwürdige Ergebnisse zu Tage gefördert. Nun ja, und obgleich das Interview stellenweise recht interessant war, war’s mir dann doch einfach zu lang und ich habe es nicht zu Ende gehört… vielleicht gibt es noch mehr tolle Ideen und Einfälle.

    Naja, wo wir gerade noch beim Interview sind, kann ich auch noch eben auf den Punkt eingehen, der diesbezüglich ebenfalls bei mir hängengeblieben ist: Die Musik. Es gibt keine Filmmusik, sondern lediglich eingespielte Musikstücke. Chase bestand zu Beginn der Produktion darauf, genügend Budget für die Musiklizenzen zur Verfügung zu haben und er hat sie gut genutzt. Ich bin ja eigentlich ohnehin jemand, dem die Musik kaum auffällt (außer wenn gerade solche Knüller wie bei »The Punisher« oder vereinzelt auch bei Serien wie »Californication« auftauchen), wenn er sich etwas anschaut, aber selbst wenn man dieses Wissen im Hinterkopf hat, fällt es einem kein Stück auf, dass die Filmmusik fehlt. Die Songs sind immer so passend eingespielt und treffend ausgewählt, dass nie etwas zu fehlen scheint – vielleicht vergleichbar mit den markanten musiklosen Stellen in »The Dark Knight«.

    Schauspielerisch und Figur-technisch ist die Serie auch auf sehr hohem Niveau. James Gandolfini spielt ganz große Klasse und ich habe mich sehr gewundert, dass ich ihn bisher nur in »Crimson Tide« gesehen habe – und das auch erst lange nachdem ich Die Sopranos kennen lernen durfte. Mindestens genauso genial sind auch die beiden Mafiafiguren Paulie und Silvio, gespielt von Tony Sirico (der ironischerweise öfters in der Serie über »Goodfellas« spricht, in dem er selbst mitgewirkt hat) und Steve Van Zandt, den man trotz des markanten Namens nur aus den Sopranos kennen sollte. Sehr geniale Figuren, wirklich. Nicht minder toll gezeichnet sind auch alle anderen, von dem schnorrenden Pfarrer über die hinterhältig gerissene Mutter, Onkel Junior, die Psychiaterin und und und. Ich finde so großartig, dass alle einfach sehr menschlich wirken. Sie verhalten sich nicht irgendwie gekünstelt, sind ziemlich unberechenbar, haben keinen aufgesetzten Humor oder gestellte coole Sprüche. Letztere gehen sogar so flüssig in alles Andere über, dass man sie glatt überhören könnte – was sehr schade wäre, denn es sind verdammt geniale Zitate dabei, die mich auch schon mal herzhaft haben lachen lassen.

    Die Folgen der Serie sind im Übrigen mit fast einer ganzen Stunde Laufzeit außergewöhnlich lang und passen somit noch besser in das Bild des Creators Kurzfilme zu erschaffen. Ich kann nicht mal genau sagen, warum sie so fesselnd sind, obgleich die meisten Episoden nicht wirklich Grund zur Spannung bieten… die Figuren sind einfach dermaßen sympathisch, das man ihren Werdegang und ihr Leben mit Interesse verfolgt. Zudem sind die Episoden eben auch sehr abwechslungsreich und gespickt mit fabelhaften Ideen des Mafialebens, obwohl es (nach Chases Aussage) keine realen Vorlagen gab. Überhaupt befindet sich die Serie auf einem recht hohen Niveau und ist sehr intelligent geschrieben und umgesetzt.

    Diese Season ist nicht perfekt, das will ich gar nicht sagen, aber ich kann auch nicht wirklich sagen, was an ihr nicht perfekt ist. Vielleicht fehlt eben ein bisschen der Nervenkitzel von »Prison Break«, das man am Ende jeder Folge einfach nur weitergucken möchte, weil es so unglaublich spannend ist, aber andererseits ist dieses in sich Abgeschlossene ja auch etwas Besonderes, das besticht. Ich kann es wirklich nicht sagen. Vielleicht fehlt das Markante… denn obgleich es sehr coole Stellen und Episoden und Zitate gibt, würde ich von keinem davon sagen, dass es sich jetzt so dermaßen in mein Hirn eingebrannt hätte, dass ich es nie wieder vergessen werde. Wenn ich mir ein ziemlich unangebrachtes Beispiel nennen dürfte, das mir erst kürzlich wieder über den Weg gelaufen ist: Das vermeintliche Haargel in »Verrückt nach Mary« - niemand, der den Film auch nur ein Mal halbherzig angeschaut hat, wird diese Szene je wieder vergessen können. So etwas fehlt hier vielleicht noch, würde ich sagen. Ansonsten ist alles wirklich großartig und fesselnd – man hat sogar viel mehr den Eindruck einen oder mehrere Filme zu gucken, als eine Serie.

    Bewertung:
    Darsteller: 10/10
    Plot: 7/10
    Effekte: 10/10 (es gibt ein paar Bluteffekte, die sehr gut und nicht übertrieben sind)
    Anspruch: 7/10
    Gesamteindruck: 8/10

    Link zur IMDB-Seite (Wertung: 9.5)
    Die DVDs bei Amazon.de (MafiaBox zu empfehlen)
    LorD AvengeR is offline

  3. #83 Reply With Quote
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    DVD-Start: 28.02.2006
    Genre: Action/Drama/Science-Fiction/Krieg
    Regie: Kazuaki Kiriya
    Darsteller: Yusuke Iseya, Kumiko Aso, Toshiaki Karasawa
    FSK: 16

    Inhalt: Nach einem fünfzigjährigen Krieg beherrscht die asiatische Föderation endlich ganz Eurasien, doch noch immer gibt es Widerständler, die gegen das faschistische Regime ankämpfen. Bei solchen Kampfhandlungen wird der junge Tetsuya Azuma getötet. Doch mittels seiner Forschungsarbeit, den sogenannten "Neo-Zellen", holt sein Vater ihn ins Leben zurück. Tetsuya ist aber nicht der einzige, der der zweiten Ursuppe entsteigt, auch die "Neo-Menschen" werden dort geboren. Und sofort von ihren Schöpfern gejagt. Sie fliehen und schwören Rache an den Menschen. Und nur Tetsuya kann sie aufhalten.

    Kritik: Boah Kinners, liegt hier wieder viel Staub auf dem Boden, putzt ihr nicht regelmäßig, wenn ich mich mal wieder eine Weile rar mache? Kann's ja nicht sein. Jetzt darf ich hier wieder aufräumen oder was? Nö nö, das ist eh nicht so meine Stärke, also lass ich mich jetzt einfach in diesem Saustall nieder und sinniere ein wenig vor mich hin.
    Ja, ich hab mal wieder eine Weile nicht reviewt. Das lag mitnichten daran, dass ich kein taugliches Material vor die Flinte bekommen hätte, mir fehlte einfach irgendwie die Kraft, die Lust, der Antrieb, nennt es halt wie ihr wollt. Ja, tatsächlich sah ich ein paar Filme in letzter Zeit, die auch durchaus ein Review verdient hätten und vielleicht sogar noch mit einem bedacht werden (wobei ich ja mittlerweile ein großer Feind dessen bin, ein Review Tage und Wochen nach dem letzten Anschauen zu schreiben, aber hey, ein paar davon schau ich mir bestimmt nie wieder an). "Brazil" flimmerte zum Beispiel über den Bildschirm, "Sunshine Cleaning" lief in der Sneak und wurde sehr wohlwollend aufgenommen, "300" und "Running Scared" schaute ich mir mit meiner Freundin an und dann zwang mich mein Mitbewohner vor ein paar Tagen noch zu "Pi" und obwohl ich schon irgendwie Lust gehabt hätte ein Review zum größten Scheißfilm seit "Possession" zu tippen, die Kraft, sie fehlte mir wohl. Kommt vielleicht noch, ein Verriss tut irgendwie mal wieder Not. Aber zu erfreulicheren Dingen, denn heute wurde wieder gewürfelt und welcher Streifen ließ all seine Mitbewerber hinter sich? Richtig, "Casshern".
    "Davon hab ich doch schon mal gehört", mag sich der eine oder andere jetzt denken und er hat recht, wenn er zu meinen treuen Lesern gehört, denn den Streifen erwähnte ich echt bei jeder sich bietenden Gelegenheit hier im Reviewcenter (okay, eine SuFu-Recherche ergab fünfmal, aber hey, geht) und reite auch sonst oft und gerne darauf herum (öh... nicht was ihr jetzt denkt), denn wenn der Film eins ist, dann einprägsam. Aber bis zum heutigen Tag sah ich ihn nur einmal (Ende 2006 that is) und dementsprechend war's 'ne feine Sache, dass der Würfelwurf für die Live-Action-Verfilmung des Animes (irgendwie hab ich Hemmungen dieses Wort auszusprechen oder auszuschreiben und es liegt nicht nur am beschissenen Klang...) aus dem Jahre 1973 (also die Vorlage ist von dann, der Streifen selbst von 2004) entschied.
    Mit guten 600.000.000 Yen (in Worten SECHSHUNDERTMILLIONEN fuck noch eins), was etwa 6 Millionen Dollar entspricht, ging der japanische Musikvideoregisseur Kazuaki Kiriya (arbeitet zur Zeit an seinem zweiten Film "Goemon") an den Start, um den doch recht abgedrehten Stoff (wenn man dem allgemeinen Konsens glauben kann, ich hab ehrlich gesagt keinen Schimmer, aber ich akzeptiere es mal) in einen abendfüllenden Film zu verwandeln. Did he succeed? Ich wage einfach mal hier schon "Ja" zu sagen, ich meine, ihr dachtet es euch eh schon, ich schrieb davon, dass der Film eindrücklich ist und ich ihn mir (trotz titanischer Länge von 142 Minuten, halt dich lieber davon fern, LorDi, er könnte beißen) gerne zweimal anschaute (und es wohl noch öfter tun werde). Also kann er ja gar nicht so übel sein. Aber erstaunlicherweise ist er ein ziemlich inkonsistentes Erlebnis, wenn ich das mal so sagen darf. Ja, "Casshern" ist komisch. Seeeehr komisch.
    Was nicht wirklich "schlecht" heißen soll, schlecht ist an dem Film nämlich nur sehr wenig. Zum Einen ist der Soundtrack etwas suboptimal ausgefallen, nicht wegen seiner Qualität, eigentlich sind alle Tracks, die hier gespielt werden, ausnahmslos gut. Aber der Wechsel zwischen klassischen, epischen Streicherarrangements und heftigen Heavy-Metal-Klängen kommt manchmal doch etwas holprig durch die Boxen. Außerdem sind ein paar Kampfszenen etwas unübersichtlich geraten (die zwischen Tetsuya und Sagure im Haus der Kozukis zum Beispiel, die... naja) und haben auch inszenatorische Probleme. Man wollte wohl so dicht wie möglich an der gezeichneten Vorlage dran bleiben (wobei ich jetzt gar nicht weiß, ob's einen Manga gibt, ich meine, Animes bewegen sich ja per deffinitionem schon mal, oder? Wieso also?) und so sind ein paar Kampfszenen arg statisch und comichaft geworden. Und die sind einfach um einiges weniger beeindruckend als die wirklich rasanten Actionsequenzen, die hier teilweise geboten werden. Sowieso hätte hier und da etwas weniger Zeitlupe eingesetzt werden können, aber das stört jetzt nicht dermaßen. Letzten Endes muss man einen Schnitzer auch noch dem Dreiergespann Kazuaki Kiriya/Shotaro Suga/Dai Sato (allesamt relative Neulinge auf dem Gebiet) anlasten, die gemeinsam am Drehbuch werkelten. Denn: Was zum Fick, Leute? Was tut ihr denn da? Ich will jetzt nicht behaupten, dass die Story simpel wäre, das ist sie nämlich wirklich nicht. Aber so eine konfuse Erzählweise wie hier gepflegt wird... Meine Fresse. Am Ende fügt sich zwar alles nett zusammen und beim zweiten Anschauen konnte ich auch endlich den Faden behalten, trotzdem wäre mir etwas weniger Verschachtelung und etwas weniger Gestapfe in die Fettnäpfchen der japanischen Mentalität, die hier im Westen kein Schwein nachvollziehen kann, ein ganzes Stück lieber gewesen. Naja, passiert ist passiert, kann man nix mehr machen, abgesehen davon...
    Ist "Casshern" nämlich toll. Ja, echt. Hier passt alles zusammen (außer vielleicht die letzten paar Minuten, die die ganze Moral des Films noch mal auf eine Art und Weise resümieren, die so was von "Für alle, die unterwegs eingeschlafen sind, hier noch mal die Botschaft:" hat...), hier macht alles verdammt viel Spaß, hier ist von den Production Values her alles im dermaßen grünen Bereich, dass man den Film dafür knutschen könnte. Echt mal, fangen wir doch bei denen an, die steckten da wirklich nur 6 Mille rein. Und raus kommt einer der audiovisuell beeindruckendsten Filme, den ich jemals gesehen habe. Das war eine der seltenen Gelegenheiten, bei denen ich irgendwie froh war, kein tolles Soundsystem zu beistzen, denn so war der Ton des Films schon so ungefähr das Äquivalent einer Abrissbirne. Special Effects sind natürlich an der Tagesordnung (der Film wurde - wie "Sky Captain And The World Of Tomorrow", "Immortal" und "Sin City" beispielsweise mit dieser Greenscreen-Methode gedreht, sprich alle Hintergründe kommen aus der Nachbearbeitung) und das sieht alles einfach nur so dermaßen toll aus, dass es sich alleine dafür lohnt, den Streifen in Augenschein zu nehmen. Da ziehen die Actionszenen natürlich mit, von denen es - aufgemerkt - irgendwie gar nicht so viele gibt. Hier kurz mal etwas Gekloppe, da eine kleine Schwertkampf-Einlage (die ist aber verdammt cool, wenn auch zu kurz), wirklich seine Muskeln spielen lässt der Film in den Augenblicken, in denen er Massenzerstörung vorführt. Vor Allem als Tetsuya Burais Roboterarmee in Kleinholz verwandelt, da sind ein paar dermaßen geniale Augenblicke drin, Hut ab, das macht Spaß und Freude. Prinzipiell steht es zwar der Botschaft des Films (man ahnt es vielleicht schon, ich sage es euch aber gerne noch mal, auch wenn man das als minimalen Spoiler ansehen kann: "War is bullshit!!!") ein wenig im Weg, dass hier Mass-Destruction zelebriert wird und die dann auch noch Freude macht, aber man kann es auch in die andere Richtung auslegen, dass der Film Imperfektion nicht vom Elfenbeinturm herunter diktiert sondern vorlebt, was auch wesentlich wirkungsvoller ist. Einen kleinen Schwachpunkt in Sachen Design muss der Film sich aber noch gefallen lassen, Tetsuyas Kampfrüstung sieht in manchen Szenen einfach völlig dämlich aus. Die "Power Rangers" lassen grüßen. Glücklicherweise wurden ein paar Ideen aus dem Anime (der sich in einen Bohrer verwandelnde Hund oder der mechanische Schwan) rausgelassen...
    Auch die anderen Werte des Streifens stimmen. Die darstellerischen Leistungen kann ich einmal mehr nicht wirklich ganz einschätzen, es sind halt Japaner, aber ganz besonders Akira Terao ("Ran") als Dr. Azuma und Toshiaki Karasawa (spielte in nichts mit, was man hierzulande kennen müsste) als Neo-Sapiens-Anführer Burai gefielen mir ziemlich gut. Auch Yusuke Iseya (spielte auch in Miikes "Sukiyaki Western Django") machte seine Sache sehr sehr gut, so weit ich das beurteilen kann ist der Film auch bis in die Nebenrollen tadellos besetzt, auch wenn hier mal wieder das gern genommene Problem mit den asiatischen Darstellern daher kam. Ich kann die alten Schlitzaugen (nehmt's mir nicht übel) einfach nicht gut auseinanderhalten. Beim zweiten Ansehen ging's jetzt und da gab es auch schon andere Filme, die sich in der Hinsicht wesentlich schlechter gemacht haben, aber trotzdem hatte ich ein paar mehr oder weniger große Probleme (zum Beispiel mit dem Typen, der den leicht beschrappten Neo-Menschen aufschlitzen wollte... kam der vorher schon mal vor?). Egal, das sollte man jetzt nicht zu sehr breittreten, es gibt nämlich noch ein paar Dinge, die zumindest am Rande noch erwähnt werden sollten.
    Nämlich, dass "Casshern" entgegen dem teilweisen Marketing des Films (falls überhaupt schon jemals einer von euch Banausen davon gehört hat, hehe) kein hirnloses, mit Special Effects vollgestopftes Actionfeuerwerk ist. Action ist drin (auch wenn es mehr hätte sein können), aber die Story ist viel tiefgründiger, wenn man mal von der holprigen Erzählweise absieht. Sie ist einfach interessant, berührt emotional, wirft interessante Fragen auf und ist dann noch mit so netten Details vollgestopft (die sich übrigens auch in der Optik wiederfinden, die Symbolik des Films ist teilweise einfach nur erschlagend, aber auf eine coole Art und Weise), dass man sie eigentlich gern haben muss. Oder wenigstens sollte. Ja, irgendwo unter den metaphysischen Dialogen (die in der deutschen Synchrofassung alle hervorragend geschrieben sind) ist eine coole Idee einer Story vergraben, mit der man sehr viel Freude haben kann. Genau wie mit dem Rest des Films, denn...
    Kommen wir zum Fazit: When all is said and done... äh... dann ist "Casshern" eine sehr sehr nette Sache, glaubt's mir gern. Der etwas konfusen Erzählweise zum Trotz wird hier ein sehr interessanter und tiefgründiger Actionreißer geboten, der sowohl für's Hirn, als auch für's Herz, als auch für's Auge was hat und nebenbei den Spaß an der Freude nicht vergisst. "Casshern" sieht so verdammt gut aus und macht mit seinen Actionszenen, seiner tollen Musik und seinen emotionalen Momenten so viel Boden gut, dass man auch gerne über seine Schwachpunkte hinweg sieht. Klar, wären die ausgemerzt worden, man hätte hier etwas noch besseres abliefern können, aber auch so ist der Film schon sehr genial.

    Einzelwertungen:
    Darsteller: 07/10 (soweit beurteilbar sehr ordentliche Leistungen)
    Plot: 08/10 (ziemlich cool mit netten Ideen, Twists und Turns, leider etwas künstlich verkompliziert)
    Effekte: 10/10 (leck mich fett, ey...)
    Anspruch: 05/10 (die Botschaft ist eine wichtige und gut vermittelt, aber die letzten Minuten des Films sind dann doch etwas zu viel des Guten, da sollte es jeder schon verstanden haben)
    Gesamteindruck: 8.5/10 (ich schwankte zwischen 8 und 9, ich entschied mich letzten Endes für die 8.5, weil der Film mir jetzt beim zweiten Mal ein Stück besser gefiel als beim ersten Mal, als ich zwischen 7 und 8 schwankte, er scheint noch zu wachsen)

    Link zur IMDB-Seite (Wertung: 6.3)
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    DVD-Start: 08.03.2005
    Genre: Thriller/Drama
    Regie: Darren Aronofsky
    Darsteller: Sean Gullette, Mark Margolis, Ben Shenkman
    FSK: 12

    Inhalt: Max ist besessen von Mathematik und ihrer Verankerung im Leben der Menschen. Er ist sich sicher, wenn man sich nur genug anstrengt, dann sollte es möglich sein, ein Muster in der physikalischen Realität zu finden, das die Grenzen von Raum und Zeit sprengt und die Zukunft greifbar macht. Zu diesem Zweck hat er sich beinahe vollständig von der Gesellschaft abgekapselt und geht seinen Studien nach, bis die Realität ihn einholt, in Form von zwielichtigen, pseudoreligiösen und potentiell kommunistischen Mächten, die ihn aufhalten wollen... Oder nicht?

    Kritik: Ja ja, ich gab es im Review zu "Casshern" schon zu, es ist eine ganze Weile her, dass ich "Pi" gesehen habe, wohl ein oder zwei Wochen, für genauere Zeitangaben müsste ich wohl ein paar ICQ-Logs durchforsten, aber im Augenblick bin ich nicht an meinem Rechner, also wird das schwer, es ist ja auch egal, der Konsens meiner Ausführungen war, dass ich mich sträube, einen Film zu reviewen, wenn ich ihn nur einmal sah und wenn dieses eine Mal schon etwas länger her ist. Ist ja auch irgendwo verständlich, das menschliche Gedächtnis ist alles andere als perfekt (für nähere Ausführungen dazu, schaut einfach nochmal "Memento"), aber im Falle von "Pi"... Naja... Es gibt mehrere Gründe, wieso das Review bis jetzt warten musste. Zum Einen hatte ich damals kein Bock, zum Anderen habe ich jetzt Zeit und Lust darauf, etwas zu dem Streifen zu schreiben. Und zum Dritten wollte ich doch mal sehen, ob der Film den "Test of Time" besteht, also sich auch in der Nachbetrachtung auf genau demselben Qualitätslevel hält, das mir schon beim Abspann des Films vorschwebte. Und ich muss sagen: Jau, kein Thema. "Pi" schafft das bravourös. Will heißen:
    "Pi", der erste abendfüllende Film des US amerikanischen Wunderkinds Darren Aronofsky ("The Wrestler", "The Fountain", "Requiem For A Dream") ist in jeder Hinsicht von vorne bis hinten und zu jeder einzelnen Sekunde seiner knapp 80-minütigen Laufzeit unlogisch, dumm, schlecht, diletantisch gemacht, völlig unambitioniert und ein gewaltiger, bösartiger Haufen Kot und hat sich damit den Titel "Beschissenster Film, seit "Possession" daher kam" redlich verdient. Es war wirklich eine sehr erschreckende Erkenntnis, als der Abspann dieses Machwerkes über den Bildschirm flimmerte und mir schlagartig klar wurde, dass dieses Filmverbrechen, das er mit "Requiem For A Dream" ablieferte, eine deutliche Steigerung gegenüber seinem vorherigen Schaffen darstellte. Fast so erschreckend, wie die Tatsache, dass auch diese Zelluloidkatastrophe hier beinahe kultistisch verehrt wird. Aber mir war ja schon länger klar, dass ein Großteil der Filmnormalverbraucher Idioten sind, allerdings hatte ich bezüglich der Auswirkungen dieses Idiotentums in genau die andere Richtung gedacht. Wie auch immer, es ist mir völlig schleierhaft, wie auch nur irgend jemand, der nicht mit seinem Mathebuch in den Arm gekuschelt nächtigt, irgend etwas an diesem Film mögen kann, wahrscheinlich ist es das gute alte "Woah, in schwarz-weiß gedreht und dann noch mit mächtig Stilmitteln, voll Artsy und so, ich peil's nicht aber da muss was dran sein, höhö, geiler Film", das manch einer vom Stapel lässt, um nicht als unkultivierter Banause dazustehen und in irgend welchen Kreisen Ansehen zu genießen, goil...
    Egal, genug zusammenhangsloses Gestammel mit dem ich nicht nur den Film an sich sondern grob geschätzt zwei Drittel meiner Leserschaft (tut mir Leid, ihr Beiden, ehrlich) mehr oder weniger direkt beleidigt habe, elaborieren wir doch lieber mal, was hier los ist... Naja, nicht viel. Das sollte von Anfang an klar sein. Aronofsky hat hier ein dermaßen inkonsistentes und uninteressantes Drehbuch zusammengeschustert, das über weite Strecken von der Lebensgeschichte des Karl Koch inspiriert sein dürfte ("23" war by no means ein guter Film, aber er war interessant, weil er wahr war, was "Pi" nicht von sich behaupten kann), mit ein paar Einsprengseln aus dem surrealistischen Sektor (aka "Ich hab "Eraserhead" nicht verstanden, aber Lynch ist damit berühmt geworden, also mach ich's auch"... Aronofsky, Sie sind ein Idiot...) und pseudoreligiöser Motivik, die zwar völlig verquer und verblödet ist, aber immerhin scheinbar so eindrucksvoll, dass einige Ideen tatsächlich grob in "Matrix" recycelt wurden (ein weiterer Grund für mich, noch mehr über den Film zu lachen... also über "Matrix", der absolut kein schlechter Film ist, aber doch nicht halb so gut, wie die Allgemeinheit meinen möchte). Kurzum: Aronofsky hatte Ideen, das kann man nicht bestreiten. Wo der Hund begraben liegt: Ihm fehlte jegliche Inspiration, jegliche Motivation (wieso auch immer, anders kann ich's mir nicht erklären) und scheinbar auch jegliche Fähigkeit, aus diesem wirren Schwachfug eine komplette Story zu stricken.
    So schauen wir also 80 Minuten lang einem sozial verkrüppelten Unsympathen (wieso er das ist, der Film schweigt sich gern aus, muss man halt einfach schlucken, kann ich auch, aber dann verliert das doch mächtig an Durchschlagskraft) bei seinem Tagewerk zu und kriegen nebenbei auch noch jede Menge gekünstelte Plotentwicklungen geboten, die völlig wilkürlich ins Skript gestreut wirken, die nur mit einer gewaltigen Portion Nachsicht (die ich dem Film gegenüber nie hatte, ja ja, ich bin unvoreingenommen) mit der restlichen Handlung in Verbindung bringen könnte und die sowieso nirgendwo hin führen. Nebenstränge werden aufgemacht wie Aronofsky gerade mal lustig war und beendet wird eh keiner davon, Hölle noch eins, nicht mal der Hauptstrang wird beendet. Okay, das will ich jetzt per se nicht ankreiden, ich bin immer für ungewöhnliche, mutige Ideen und Experimente zu haben (wie den Helden nach der Hälfte des Films umzubringen, gell "Maniac Cop"?), aber den Film eines wirklichen Endes zu berauben und stattdessen mit einem völlig sinnfreien und unmotivierten Handlungsschnitt quasi den ganzen Streifen abzuwürgen... herrje. Dazu kommt dann noch das Problem, das Aronofsky auch bei "Requiem For A Dream" plagte (das er dort wohl nur wieder inkorporierte, weil er hier so gut damit fuhr... unter diesen Voraussetzungen hab ich echt Schiss, mir "The Wrestler" anzuschauen), nämlich der extreme Style-Overkill, der dem Film nicht den geringsten Zweck abnötigt, sondern einfach nur dafür sorgt, dass der Streifen zur Hälfte wie ein Werbevideo der Marke "Schaut mal was ich auf der Filmfachhochschule gelernt habe" ausschaut... Oh, und zur anderen Hälfte wie ein überlanges Musikvideo zu Clint Mansells ("Requiem For A Dream", "11:14") manchmal ganz okay, oftmals nicht im geringsten gelungenen Soundtrack. Yey. Und die zwecklos eingestreuten surrealistischen Szenen habe ich ja schon erwähnt, da möchte ich eigentlich gar nicht weiter drauf eingehen, vielleicht mit Ausnahme der Tatsache, dass sie - obwohl in diesem Film völlig fehl am Platz und quasi so plump von "Eraserhead" kopiert, dass Lynch sich im Grabe umdrehen würde, wenn er tot wäre - tatsächlich alles andere als übel in Szene gesetzt werden. An dieser Stelle wirkt die S/W-Machart des Films (die ansonsten eigentlich nur herrlich nervt), aber so viel Lob sollte ich hier nicht ausschütten, es ist ja nur ein winziger Pluspunkt.
    Also doch lieber weiter mit negativen Aspekten, da reihen sich nämlich die Schauspieler nahtlos mit ein. Okay okay, ich sollte hier nicht so ungerecht sein, immerhin haben wir es mit einem absoluten No-Budget Film zu tun, der von Aronofsky und seinen Kumpels gehäkelt wurde, kennt man ja, man hat nicht unbedingt die größten thespischen Leuchten im Freundeskreis. Nevertheless: Meine Fresse, waren die Gurken hier vor der Kamera alles... äh... ja, eben dies. Zu den Darstellern fällt mir ehrlich nur das wunderprächtige englische Wort "atrocious" ein, schaut selbst nach, was es heißt. Allen voran wohl Sean Gullette ("Requiem For A Dream") als uns' nomineller... eh... "Held" Max, der ein entsetzlich debiles Grinsen spazieren trägt, die Paranoia wie vom Blatt abgelesen spielt und in Sachen "Line Delivery" auf ganzer Linie versagt. Abgesehen davon, dass seine Figur sowieso völlig unleidlich ist nervt sein Anti-Schauspiel auch noch dermaßen, dass es die 80 Minuten zu einer Qual macht. Ihm zur Seite steht ein ganz besonders illustrer Kreis von Nasbirnen, angeführt von Mar Margolis ("The Wrestler", "Die Thomas Crown Affäre") als sein Mentor Sol Robeson, dem man wirklich keine Sprechrolle hätte andrehen dürfen. Auch hier regiert wieder "auswendig gelernt und runtergerattert". Etwas besser macht sich Ben Shenkman ("Eraser", "Requiem For A Dream") als jüdischer Intellektueller mit Hut Lenny, der zwar rein figurentechnisch völlig in die falsche Kerbe haut, zwischen all diesen Fehlzündungen aber angenehm aufragt. Was nicht heißt, dass sein Schauspiel "gut" wäre. Es ist nur einfach "besser". Auch Pamela Hart (spielte mal in einer Folge "4400") als zwielichtige schwarze Strippenzieherin Marcy Dawson könnte tatsächlich eine schlechtere Figur machen, aber auch hier schießt die Dummheit des Charakters der ganz passablen Schauspielerei wieder mächtig ins Knie (scheint auch so einer von Aronofskys Ticks zu sein, seine Skripts immer mit entsetzlichen Blödbirnen vollzustopfen, wie er es auch in "Requiem For A Dream" ausgiebig feierte). Noch völlig hundsmieserabel gibt sich Kristyn Mae-Anne Lao (spielte sonst in nix) als Max' mehr oder minder attraktive Nachbarin, zu der er auch irgendwie ein gestörtes Verhältnis hat (wieso, weiß der Geier). Mit ihrem halben Gesichtsausdruck und der Spielfreude sponsored by Valium ist es allerdings irgendwie kein Wunder, dass sie Maxens Herz nicht so wirklich erobert hat...
    An dieser Stelle breche ich mal lieber ab, ehe sich irgend einer der an diesem Film beteiligten noch persönlich angegriffen fühlt, aber wenn dem so wäre, bei Gott, er oder sie hätte es ja verdient, denn...
    Kommen wir zum Fazit: Jau, das war ja mal gar nichts. Egal ob in Sachen Story, Darsteller oder Inszenierung, "Pi" versagt bewundernswerterweise wirklich auf ganzer Linie. Seit "Possession" ist mir kein dermaßener Rohrkrepierer mehr vor die Flinte gekommen und tatsächlich ist es nur die hin und wieder relativ gefällige Musik und die paar ganz nett in Szene gesetzten surrealistischen Einsprengsel, die den Film hier vor dem absoluten Tiefpunkt retten. Und um noch mal in den letzten Atemzügen richtig beleidigend zu werden: Jeder der diesen Film gut findet, sollte sich die letzten paar Szenen zu Herzen nehmen.

    Einzelwertungen:
    Darsteller: 02/10 (Ben Shenkman kann ein bißchen was, der rest ist einfach fürchterlich)
    Plot: 01/10 (dem feuchten Traum eines Mathematikers entwachsen und dann auch noch völlig inkonsistent und sinnfrei)
    Effekte: 03/10 (das merkwürdige riesige Gehirn sah ganz okay aus, der Rest... hmja... hmja... neee)
    Anspruch: 01/10 (hahaha... so ein Blödsinn)
    Gesamteindruck: 02/10 (ich hätte tatsächlich nicht gedacht, dass Aronofsky noch größeren Mist als "Requiem For A Dream" machen könnte, aber: Mission accomplished)

    Link zur IMDB-Seite (Wertung: 7.6)
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    Running Scared - Renn oder stirb

    [Bild: Running%20Scared.jpg]

    Kinostart: 13.04.2006
    Genre: Action/Thriller
    Regie: Wayne Kramer
    Darsteller: Paul Walker, Vera Farmiga, Cameron Bright
    FSK: 16

    Inhalt: Joey Gazelle arbeitet für die örtliche Mafia und neben den gewöhnlichen krummen Dingern ist er auch dafür zuständig, schmutzige Waffen verschwinden zu lassen. So geschieht es, dass Tommy, der Sohn des örtlichen Paten, bei einem Drogendeal einen korrupten Cop erschossen hat und die Tatwaffe wird Joey anvertraut. Der wird sie aber nicht los, sondern bunkert sie, wie er es schon oft zuvor tat, in seinem Keller, um eine Rückversicherung zu haben. Dumm nur, dass Oleg, der Sohn der Nachbarn, die Waffe klaut, damit seinen Stiefvater anschießt und stiften geht. Jetzt muss Joey den Jungen und die Waffe finden, ehe die Cops oder seine Mafiakumpel es tun...

    Kritik: Viermal hab ich "Running Scared" jetzt schon gesehen, spätestens nach dem zweiten Mal wollte ich eigentlich ein Review darüber schreiben, aber irgendwie kam immer was dazwischen, sei es chronische Unlust oder tatsächlich irgend etwas, was mehr oder minder Bewandtnis hat. Der letzte Durchlauf ist jetzt auch schon wieder ein paar Tage/Wochen (fragt mich nicht) her und wieder versemmelte ich es, danach direkt was zu verfassen. Aber gut, ich sah den Film jetzt schon des Öfteren und da er ziemlich einprägsam ist, denke ich mal, kann ich jetzt ein paar Zeilen dazu loswerden. Hoffen wir's zumindest.
    Jedenfalls brachte "Running Scared" eigentlich alle Zutaten mit, die dafür sorgen müssten, dass ich den Film eigentlich hassen oder wenigstens niet gutt finden müsste. Ich meine, ein Plot der sich heftig auf Kinderdarsteller verlässt, ein Zitat von Quentin Tarantino auf dem Cover (der Arsch kann auch echt zu keinem Film mal die Fresse halten... wenn er denn wenigstens mal irgend etwas "informatives" von sich geben würde und nicht pseudo cooles Dummgelaber, aber hey, es ist Tarantino, also wieso reg ich mich überhaupt auf?), ein Stil, den Regiestuhlbesetzer Wayne Kramer ("The Cooler", "Crossing Over" sich scheinbar direkt von Kollege Tony Scott abgeschaut hat (ich muss mir "Mann unter Feuer" echt noch mal anschauen, aber was ich da so im Kopf habe... es war penetrant), randvoll mit stilisierter, selbstzweckhafter Gewalt und dann auch noch Milchgesicht Paul Walker in der Hauptrolle... Yey, "Running Scared" hätte echt das Potential dazu gehabt, viel zu verkacken. Aber ich schätze mal der erste Absatz dieses Reviews hat's euch schon vermuten lassen, so übel kann das Ding hier gar nicht sein, wenn ich's mir tatsächlich viermal anschaue, oder? (Andererseits, "Die Geisterstadt der Zombies" hab ich auch zweimal in Marla reingelassen...)
    Tatsächlich nicht. Ja, eigentlich sind die Zutaten, aus denen "Running Scared" gebastelt wurde, jetzt nicht so berauschend, aber aus irgend einem Grund funktioniert die Mischung blendend. Wahrscheinlich der Verdienst Kramer höchstpersönlich, der hier nicht nur Regisseur sondern auch Drehbuchautor ist, denn er liefert hier etwas sehr beeindruckendes ab, nämlich einen wirklich originellen, intensiven, verflucht flinken Film, der dem Zuschauer quasi nur das minimalst nötige an Atempausen zugesteht und ansonsten in so einem atemberaubenden Tempo durch die völlig überdrehte Handlung hetzt, dass einem echt schwindelig werden kann. Denn der Film setzt direkt mit einem Paukenschlag ein, als Joey und Oleg blutbesudelt aus irgend einem Gebäude stürzen, zum Auto hetzen und durch die Straßen heizen, während Joey immer wieder "Halt durch, Oleg" brüllt. Yey. Okay, dann kommt die gute alte Rückblendenstruktur ins Spiel (18 Stunden früher, höhö), die schon den einen oder anderen Film etwas versaut hat, aber hier stört sie nicht wirklich. Ja, dass Joey den Jungen früher oder später aufspürt dürfte jedem durchschnittlichen Kinobesucher eh von Anfang an klar sein, die Frage ist halt einfach, wie es dazu gekommen ist, auf welcher kuriosen Station der Odyssee durch die Nacht hier wieder eingesetzt wird. Und auch nachdem in die relative Vergangenheit zurückgeblendet wird bekommt der Zuschauer keine Gelegenheit zum Durchatmen geboten, dann setzt nämlich der erste hyper-aufpolierte Shootout ein. Und obwohl der extrem slick von der Hand geht ist er doch eine feine Sache, denn hier steckt so viel Wumms dahinter...
    Egal, ich sollte aufhören hier die ganze Story nachzuerzählen, ich denke ihr habt verstanden, was ich sagen will: "Running Scared" ist fix bei der Sache. Hier ein wenig Ultraviolence (die für die 16er-Freigabe ziemlich explizit ist... ich hätte hier echt das rote Aufkleberlein gezückt)... äh... da noch ein bißchen mehr davon und... eigentlich hat der Film sowieso wenig zu bieten, außer Gewalt jeglichen Coleurs, aber in so einer stakkatomäßigen Abfolge, dass es schwer ist, sich dem Film nicht voll und ganz anzuvertrauen. Na okay, skurrile Charaktere alle Nase lang gibt's natürlich auch, denn sowohl Joey als auch seine Frau Teresa als auch der junge Oleg selbst treffen im Verlauf des Films auf ein Sammelsurium an Verrückten und Psychopathen, die sich ein ums andere Mal gegenseitig ausstechen (no pun intended... es ist aber echt so, wie mein Bruder mir beim ersten Ansehen sagte, schon die ersten Gesellen wirken wie das personifizierte Böse, gegenüber den nächsten Figuren, die den Plot betreten, aber völlig harmlos...). Das Skript ist zwar nicht das brillanteste von Welt, Twists und Turns gibt's nicht so viele (wobei die wenigen gut sind), aber es ist halt einfach vollgestopft mit abgedrehten Ideen (okay, der "Ich bin ein Amerikaner"-Part hätte nicht Not getan) und gestörten Figuren.
    Und diese Figuren werden überraschenderweise auch verdammt gut gespielt. Vor allem von Paul Walker ("The Fast & the Furious", "Kill Bobby Z"), den ich vorher für einen ziemlichen Waschlappen gehalten hatte, war ich im Endeffekt sehr begeistert. Als Joey Gazelle muss er zwar nicht viel mehr machen, als total angepisst zu wirken, bei jeder Gelegenheit darauf herumreiten, dass er einen Herzinfarkt bekommt oder ganz sicher sterben wird und hin und wieder mal irgend eine arme Wurst zur Sau machen (und wie er das macht) oder Prügel und andere Dinge einstecken, aber hey... Walker macht seine Sache wie gesagt verdammt gut, kann echte Sympathien für seine etwas doofe Figur aufbauen und trägt den Film ganz gut. Auch Vera Farmiga ("The Hard Eays", "The Departed") gefiel mir persönlich gar nicht schlecht, spielt eine ziemlich coole Figur und sieht auch gar nicht übel aus. Und die Szene, in der sie "Oleg abholt" ist sowieso absolut hohe Kunst, nicht nur vom Schauspielerischen her, hier wurde auch schreiberisch verdammt gute Arbeit geleistet (jaja, die liebe Selbstjustiz, eigentlich sollte ich so was seit "Dead Man's Shoes" ja nicht mehr mögen). Dann ist da noch Cameron Bright ("Godsend") als Oleg und ich deutete es ja schon an (bzw. sprach es in mehreren Reviews unumwunden aus): Ich mag Kinderdarsteller nicht. Aber er zieht sich exzellent aus der Affäre und ist vielleicht das coolste Kind, das ich je in einem Film gesehen habe (außer vielleicht der Junge in "Six-String Samurai"... wobei, der hat irgendwie genervt). Wobei ich es irgendwie halbwegs unverantwortlich finde, ein Kind in so einem Film mitspielen zu lassen. Und dann auch noch in so einer Rolle... Aber gut, wie will man's sonst machen? Weiter im Text, auch noch mit an Bord ist Karel Roden ("15 Minuten Ruhm", "The Abandoned") als Anzor Yugorsky, Olegs Stiefvater. Und ich mag den Typen einfach. Bedenklich, wenn man überlegt, dass er eigentlich immer nur Psychopathen und totale Arschlöcher spielt (hier auch), aber egal, ich mag ihn, fertig aus. Als Anzor ist er gewohnt gut, lässt den Psychopathen wieder ordentlich raushängen und hat auch sonst einige recht starke Szenen. Dann haben wir noch Chazz Palminteri ("Die üblichen Verdächtigen") als korrupter Cop Rydell, der versucht seinen eigenen Nutzen aus der Sache zu ziehen. Für meinen Geschmack grinst er ein wenig viel, aber davon abgesehen zieht er eine routinierte Nummer ab und bringt das Ekel gut rüber. Apropos Ekel, in kleinere Nebenrollen sieht man noch Bruce Altman ("Tricks") und Elizabeth Mitchell ("Frequency") als... ähm... Paar, bei dem Oleg kurzzeitig unterkommt. Ich will jetzt nicht zu viel verraten, aber: sollte man gesehen haben. Sowieso versteckt sich in den Nebenrollen mit David Warshofsky ("96 Hours", "Sag kein Wort") als Zuhälter Lester noch ein wahres Kleinod, der Typ ist so cool schmierig und so bösartig, dass man ihn einfach gern haben muss. Auch ein paar seiner Zitate... Ach, schaut es euch einfach selbst an, es lohnt sich.
    Und die Bösartigkeit ist auch etwas, was "Running Scared" sicherlich zu etwas ganz Besonderem macht. Denn der Film ist fies. Nicht ganz so fies wie "Midnight Meat Train", aber das Drehbuch ist in der Hinsicht wirklich eine Wonne, denn hier weiß man nie, was als nächstes passiert. Mit einem wahnwitzigen Tempo hetzt der Streifen von einer Station zur nächsten und landet immer tiefer im Sumpf der totalen Finsternis, hier ist nur wenig vorhersehbar, was den Film beim ersten Mal ziemlich atemberaubend machen dürfte und auch bei den weiteren Anschauvorgängen (Scheißwort) hat man als Freund von brutaler Gewalt in Film und Fernsehn und sowieso schwarzem Humor sicherlich noch seinen Spaß mit "Running Scared". Auch der von mir am Anfang so gescholtene Stil fällt nicht wirklich negativ ins Gewicht, denn er sorgt für ein paar sehr coole Einstellungen und Momente und macht den Film Alles in Allem verständlicher als wie wenn man ihn einfach straight durchgedreht hätte. So ist der Film auch optisch noch eine wahre Augenweide und auch die Soundkulisse kommt nicht zu kurz. Coole musikalische Untermalung, fette Soundeffekte, stimmt so weit alles. Oder?
    Prinzipiell ja, aber es gibt tatsächlich eine Sache, die ich dem Film ankreiden muss und das sind die letzten zwei Minuten. Ohne zu viel verraten zu wollen: Der Streifen wäre besser gewesen, wenn er ein wenig kürzer gewesen wäre (was jetzt nicht heißen soll, dass er langatmig wäre, sondern dass man einfach was hätte weglassen sollen). Davon abgesehen...
    Kommen wir zum Fazit: "Running Scared" vereint einen ganzen Haufen von wirklich hassenswerten Zutaten... Und macht daraus einen der intensivsten Actionthriller, den ich je gesehen habe. Von vorne bis hinten durchstilisiert, hundsgemein, saubrutal, völlig absichtlich auf cool gemacht, das hätte alles schief gehen können, aber es funktioniert wirklich bewundernswert. "Running Scared" ist nahezu perfekte Unterhaltung mit einer wahnsinnigen Optik, guten Darstellern und einer wirklich halsbrecherischen Geschwindigkeit. Sollte man auf jeden Fall gesehen haben.

    Einzelwertungen:
    Darsteller: 08/10 (allesamt gut bis sehr gut, vor Allem Paul Walker)
    Plot: 08/10 (eigentlich relativ Simpel, aber die Details reißen's raus)
    Effekte: 08/10 (ein paaren sieht man ihre CGI-Herkunft schon an, aber allgemein ist das alles äußerst schnieke)
    Anspruch: 01/10 (der Film glorifiziert Gewalt und Selbstjustiz auf's Äußerste... böse aber gut)
    Gesamteindruck: 09/10 (großartiger Actionthriller mit einem etwas doofen Ende)

    Link zur IMDB-Seite (Wertung: 7.6)
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  6. #86 Reply With Quote
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    Eragon - Das Vermächtnis der Drachenreiter

    [Bild: Eragon.jpg]

    Kinostart: 14.12.2006
    Genre: Fantasy/Abenteuer
    Regie: Stefen Fangmeier
    Darsteller: Ed Speleers, Jeremy Irons, John Malkovich
    FSK: 12

    Inhalt: Der Bauernjunge Eragon findet, als er eines Nachts auf der Jagd ist, einen merkwürdigen blauen Stein. Dieser Stein ist in Wirklichkeit ein Ei, das dem bösen König Galbatorix geklaut worden war. Ein Drachenei. Das letzte Drachenei, denn die Drachen und damit die Drachenreiter wurden schon vor Jahren vom König höchst selbst ausgerottet. Der ist verständlicherweise etwas sauer, dass ihm sein Ei geklaut wurde, aber inzwischen schlüpfte bereits die Drachin Saphira daraus und die hat Eragon als ihren Reiter auserkoren. Mit dem alten Krieger Brom zusammen macht Eragon sich auf den Weg, um vor den Häschern des Königs zu fliehen und sich dem Widerstand anzuschließen...

    Kritik: Gähn.
    Irgendwie putzig. Da schreibt ein pubertierender Schnösel (hier spricht nur ein gaaaanz kleines Bißchen Neid aus mir) namens Christopher Paolini einen Fantasy-Schinken, der ungefähr so einfallsreich ist wie meine Mittagessensplanung (die letzten beiden Male als ich selbst gekocht hab gab's Wraps, übermorgen wohl auch wieder, denn Madame drohte mir so ungefähr mit den Worten "Wehe du machst keine Wraps, wenn ich dich nächstes Mal besuchen komme"... Frauen), hat das Glück, dass der Schonks veröffentlicht wird (stellt euch an dieser Stelle gerne ein Zähneknirschen meinerseits vor) und da "Der Herr der Ringe" ja mächtig erfolgreich war (und noch dazu drei verdammt gute Filme, kann man nix sagen, die 10 vom LorD würde ich aber nicht unterschreiben) dachte man sich im Jahre 2006, dass man an den Erfolg doch anschließen könnte, indem man den Kram flugs verzelluloidisiert und auf die doofen Fankiddies loslässt. Die kaufen doch alles. Dumm nur, dass die Idee mittlerweile so ungefähr jeder hatte und wir uns in den letzten Annuaden kaum noch vor den "Fantasyblockbustern des Jahres" retten können. An den Erfolg von Tolkiens Epos konnte bislang keines anknüpfen, wobei ich jetzt gar nicht mal behaupten will, dass das am zu Grunde liegenden Werk liegt (die Buchvorlagen für "Der Herr der Ringe" finde ich - gelinde gesagt - ja auch scheiße), in dieser Hinsicht müsste man ja eh warten, bis irgend jemand mal versucht, Eddings "Elenium"-Saga zu verfilmen. Vielleicht liegt's einfach daran, dass jeder außer Peter Jackson, der sich bislang daran verging, eine untalentierte Flachzange war. Was jetzt aber nicht heißen soll, dass "Eragon" inhaltlich irgendwie superiorisch zum aalten Ringmeister wäre. Denn ich als kenner der Vorlage habe einiges zu beanstanden. Und wenn ich sage "Vorlage", dann meine ich nicht das plöde Buch von dem ollen Paolini, das laß ich nicht. Wenn ich sage "Vorlage", dann rede ich natürlich von "Star Wars".
    Es ist wirklich faszinierend mit was für dreisten Fällen von Plagiarismus wir's heutzutage auf dem Buchmarkt zu tun haben (und nicht erst seit diesem komischen "Tannöd" oder wie das Buch hieß, von dem ich zufällig mal in einer Vorlesung was mitbekam). Denn "Eragon" kann sich wahrlich und wahrhaftig auf die Fahne schreiben, nicht eine einzige eigene Idee zu haben. Okay, ich rede jetzt wirklich nur vom Film, vielleicht ist das beim Buch ja gaaaaanz anders, aber ich zweifle jetzt mal dran. Also teilen wir dieses Review doch mal flugs in zwei Teile auf. Erster Teil: Sachen, die ich im Allgemeinen an "Eragon" zu bemängeln habe. Zweiter Teil: Sachen, die mich jetzt am Film speziell gestört haben. Klingt nach mächtig Gemecker, ich weiß. Und ist es auch, aber glaubt mir, der Film hat's verdient.
    Was stört mich also am Kontinuum "Eragon" im Allgemeinen? Die einfachere Frage wäre: "Was stört mich nicht daran?" Aber ich meckere gerne ausführlich, also nehm ich mir die Freiheit und haue jetzt mal kräftig auf den Putz. Punkt 1: Eragon? Was bitte ist das denn für ein doofer Name. Okay, das klingt jetzt fies und ist gar nicht so gerechtfertigt, klar, der Name ist scheiße, aber soll der Paolini doch seinen Helden nennen wie er will. Viel mehr stört mich die mangelhafte Sorgfalt, die der Knabe allgemein in hat walten lassen. Aragorn, Boromir, Faramir, Denethor... Diese Namen passen in einen gemeinsamen Kulturkreis, Tolkien, haddu fein macht. Aber zeigt mir gern einen Kreis, in dem Namen wie Eragon, Murthaug, Brom und Galbatorix zusammen passen. Diese Namen sind allein von ihrer Klangfarbe so dermaßen unterschiedlich, dass man deutlich merkt, was hier für ein Stümper am Werke war. Ich meine, ich gebe zu, dass es schwer ist, sich zusammenpassende Namen auszudenken, aber wenn ich's nicht kann, dann lass ich's eben und veröffentliche nicht trotzdem. So ist das einfach nur das, was der Engländer gerne "lazy writing" nennt.
    Und diese Faulheit ist auch mein Punkt 2: Die Welt von "Eragon" ist einfach völlig unglaubhaft (zumindest sofern sie im Film dargestellt wurde, ich weiß nicht, ob das im Buch besser ist, aber ich zweifle daran). Die Regeln, denen hier alles mögliche unterworfen wird, dehnen sich bis zum Bersten. Die Storyinterne Logik schießt sich bei jeder Gelegenheit selbst ins Knie und macht sich so selbst unglaubwürdig. Der größte Blödfug spielt sich ja immer noch in Sachen Magie ab. Die Magie kommt also von den Drachen? Wieso können dann auch Menschen ohne Drachen zaubern? Oder zählt das nicht? Herrje...
    Und Punkt 3: Hellafucka, das ist ja alles geklaut. "Star Wars" nannte ich schon, es ist wirklich entsetzlich, wie dreist und offenkundig hier mindestens mal die komplette Story von "Star Wars Episode IV" genommen und in ein Fantasy-Setting geprügelt wird. Eragon ist Luke (wobei, von der Attitüde her eher Anakin), Brom Obi-Wan, Galbatorix eine Mischung aus Imperator und Darth Vader, Durza auch noch ein kleines Stück vom ollen Vatter, Arya Leia, Magie ersetzt die Macht und Drachenreiter sind dementsprechend Jedi. Oh... und Saphira ist ein sprechender X-Wing, höhö. Dazu bedient Paolini sich noch freimütig bei "Dragonheart" (offensichtlich), "Der Herr der Ringe" (noch viel offensichtlicher) und auch sonst bei allem, was nicht bei drei auf dem Baum ist. Und er verschlimmbessert alles bis ins Unermessliche. Wie ich kurz vorm Abspann zu meinem Bruder sagte: "Der Film sah sich so, als ob "Herr der Ringe" bei ihrer Ankunft in Bruchtal vorbei wäre." Mit 'ner Schlacht, versteht sich, denn heutzutage kommt ja kein Fantasy-Vehikel mehr ohne zünftige Kloppe aus.
    Außer "Eragon" und damit kommen wir schon zu den filmischen Verbrechen des Films. Ja, es gibt eine Schlacht am Ende. Es gibt sogar noch mehrere kleinere Scharmützel in der Mitte drin (und wenn ich schreibe "klein", dann meine ich so ungefähr zwei gegen zwei). Die sind auch grundsätzlich gar nicht so übel, hier wird ganz nett choreographiert gekämpft und das sieht alles ganz manierlich aus... Und dann sind sie auch plötzlich schon wieder zu Ende. Daran kranken die Kampfszenen ganz erheblich, dass sie einfach zu kurz sind. Oder zu unspektakulär. Oder beides. Wie auch der Kampf zwischen Eragon und Durza auf Saphira und dem Schattendrachen... Nett und unten auf dem Boden sollte es ja auch mächtig zur Sache gehen, aber wir sehen immer nur die beiden Kombatanten vor rauchigem Hintergrund. Laaaangweilig.
    Sowieso versucht der Film bloß um keinen Preis aufzufallen. Die Kulissen sind langweilig und vergessenswert (sie ziehen ganz klar den Kürzeren gegen "Westender"... und wahrscheinlich sogar noch gegen "Dragonheart 2", aber den hab ich gerade nicht im Kopf), die Requisiten und Spezialeffekte schwanken zwischen okay und sehr okay, die Story erlebt auch keine Höhenflüge, Charaktermotivation ist Mangelware, genau wie Entwicklungen selbiger, Twists und Turns, und und und. "Eragon" macht in dieser Hinsicht einfach alles "okay", aber nicht mehr. Mit einer Ausnahme: Unser nomineller Held Eragon ist eine unsympathische Sau vor dem Herren, so dass ich es liebend gern gesehen hätte, wenn er in den ersten Minuten mit dem Gesicht in einen Rechen gefallen wäre und dann die Protagonistenstelle für einen sympathischeren Kandidaten (Brom zum Beispiel) geräumt hätte. Wie öfter gesagt wurde: "Zu einem Viertel mutig, zu drei Vierteln ein Narr." Die Leute hätten auch Höflichkeit Höflichkeit sein lassen können und es unumwunden aussprechen: "Eragon, du bist ein Volldepp, geh sterben." So findet sich tatsächlich kein Fünkchen Charakterentwicklung in der Figur Eragons, er wechselt einfach sprunghaft die Stimmung ab und tut gerade genau das, was das Drehbuch von ihm verlangt, ohne jegliche Motivation. Und oft ist das, was er tut, einfach nur doof und macht ihn noch unsympathischer, als er eh schon ist. Große Klasse.
    Ehre wem Ehre gebürt, kommen wir zu einem positiven Aspekt: den darstellerischen Leistungen. Nicht die von Ed Speleers (bekam davor und danach nie wieder eine Rolle), der den Eragon gibt. Der darf sich mit Hayden Christiansen darum streiten, wer denn jetzt die dumme Wurst weniger überzeugend spielt, er Eragon oder sein Konkurrent den ollen Anakin. So kann Speleers die generelle Unsympathie seiner Figur nicht mal durch eine anständige Leistung ausgleichen. Ganz im Gegensatz zu Jeremy Irons ("Die Unzertrennlichen", "Dungeons & Dragons") als Brom, dem scheinbar klar war, worin er sich hier befindet. Er packt die volle Overacting-Keule aus und macht so die Figur des grummeligen Brom viel sympathischer, als sie von Rechts wegen her eigentlich sein dürfte. Sowieso stiehlt er Speleers zu jedem Zeitpunkt die Show. John Malkovich ("Being John Malkovich", "Mutant Chronicles") ist sich mittlerweile echt für keinen Scheiß mehr zu Schade und liefert als König Galbatorix die vielleicht dümmsten Dialogzeilen des Films ab ("Ich leide ohne meinen Stein..."). Rein darstellerisch leistet er solide Arbeit, wirkt aber mindestens so müde und desinteressiert, wie als Constantine in "Mutant Chronicles", in zweiterem hatte er aber eine völlig unnötige Rolle. Dann ist da noch Robert Carlyle ("Once upon a Time in the Midlands", "The 51st State"), den ich persönlich eigentlich recht gerne mag. Als Fiesarsch vom Dienst Durza hatte er auch ein paar gar nicht so üble Szenen und konnte sich allgemein eher bei den positiven Erscheinungen des Streifens einreihen. Etwas doof kam Sienna Guillory ("Tintenherz", "Resident Evil: Apocalypse") als Elfenprinzessin Arya daher, die irgendwie noch auf Teufel komm raus ins Skript geprügelt werden musste, allerdings absolut keine Bewandnis hatte und eine absolut misratene Chemie mit Speleers verband. Entsetzlich. Aber sie holte immerhin das Optimum aus dieser doofen Figur raus. Noch nett zu sehen war Djimon Hounsou ("Blood Diamond", "Gladiator") als Rebellenanführer Adjihad, der nicht viel zu tun hatte und allgemein auch eher gelangweilt von seiner Rolle wirkte, zudem einen doofen Hut tragen musste und nach den letzten Szenen vor der großen Schlacht so plötzlich verschwand, wie er aufgetaucht war. Garrett Hedlund ("Troja", "Vier Brüder", "Death Sentence") als Murtagh blieb ebenfalls völlig blass. Kurzum: Auch hier ist alles im Durchschnitt. Bestenfalls.
    Aber woran liegt es denn jetzt eigentlich, dass "Eragon" so sehr versagt? Ich könnte jetzt gemein sein und behaupten, dass es die Länge macht. Der Film kommt gerade mal auf 90 Minuten, viel zu wenig für ein Epos solcher Ausmaße, da fehlen einfach viele Szenen, die nicht unbedingt wichtig für den Plot sind, sondern uns helfen die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander besser zu verstehen, aber die waren eh alle doof und Scheiße, also hätte das auch nicht gut funktioniert. Ja, ich wage zu behaupten, sogar wenn man "Der Herr der Ringe - Die Gefährten" auf 90 Minuten zusammenkürzen würde, dann wäre das noch ein besserer Film als "Eragon". Denn hier wurde an allen Ecken und Enden gespart. Mehr Epik, mehr Action, bessere Kulissen, interessantere Figuren... Um es mal mit den Worten von Durza zu sagen: "I was expecting something more... well... more." All das hat "Eragon" nicht, der Film ist in so ziemlich allem "Okay", nette Unterhaltung für einen Sonntag Nachmittag, aber keinesfalls der Fantasy-Blockbuster des Jahres. Und ich schätze mal, dass die Verfilmungen der folgenden Teile bei so einem Ergebnis auf wackligen Beinen stehen.
    Kommen wir zum Fazit: "Eragon" ist nichts halbes und nichts ganzes. Ein zusammengeklauter Plot, schwache Charaktere, Inkonsistenz im filmeigenen Universum, eine halbgare Inszenierung der potentiell interessanten Ideen... Hier hätte wesentlich mehr Sorgfalt, mehr Arbeit, mehr Herzblut... MEHR reingesteckt werden müssen. So bleibt ein geradezu verkrüppelter Fantasy-Reißer, der den Vorbildern nicht das Wasser reichen kann. Tut nicht weh ihn zu sehen, man kann hin und wieder drüber lachen, aber sonst...

    Einzelwertungen:
    Darsteller: 06/10 (Carlyle und Irons sind gut, der Rest... naja)
    Plot: 01/10 (geklaut und strunzdämlich)
    Effekte: 06/10 (sogar der 13 Jahre alte Draco sieht besser aus als Saphira und sobald es potenziell aufwändig wird zeigt der Film lieber interessantere Dinge wie Gras, Bäume und Rauch)
    Anspruch: 01/10 (ein hirnverbrannter Film, völlig mit ohne Sinn, Zweck und Botschaft)
    Gesamteindruck: 04/10 (keine Stärken, wenige echte Schwächen, das ist "Eragon")

    Link zur IMDB-Seite (Wertung: 5.0)
    Link zum Trailer
    Die DVD bei Amazon.de
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    Erscheinungsjahr : 1980
    Genre : Horror
    Regie : Stanley Kubrick
    Darsteller: Jack Nicholson, Shelley Duvall
    FSK : 16
    Länge : 119 Minuten

    Ich empfehle für: Alle (außer King-Fans)


    Inhalt: Der Autor Jack Torrance verbringt den Winter zusammen mit seiner Frau und seinem Sohn in einem abgeschiedenen Berghotel. Freie Adaption von Stephen Kings gleichnamigen Roman (1977).

    Mein Review basiert auf der „Nicht-Amerika“ 119-min Fassung.

    Kritik: Tja, Kubrick ist Kult und ich bin sicher einer der Anhänger dieses Kultes, auch wenn mit „Barry Lyndon“ einer seiner eher unbekannten Werke mein absoluter Lieblingsfilm ist. Bei seinen Filmen habe ich dieses einzigartige „Kubrick-Gefühl“ von Menschen in Filmen, die Teil einer eigenen, abgeschlossenen, selbstreflexiven Welt mit restriktiven Naturgesetzen sind, der sie nicht entfliehen können, da sie die mathematische Grausamkeit des Zufalls nicht entkommen lässt. Den Filmen keines anderen Regisseurs gegenüber habe ich auch nur annähernd so starke Emotionen entwickelt, kein Film hat mich mehr verändert als Barry Lyndon. Die Herangehensweise an die Erzählung in z.B. Barry Lyndon (wenn ich schon einmal bei diesem Film bin) lässt mich auch beim was-weiß-ich-wievielten-male fassungslos staunen, wie durch die Art der Präsentation ein beinahe kontinuierliches Spektrum an Inhaltsebenen entsteht, am Ende verstummt der Erzähler, der beinahe wie ein Museumsführer agierte, das Bild gefriert für eine halbe Sekunde und die letzte Szene raubt einem dem Atem. Um die Tragik dieser Filme zu erfassen, muss man aktiv und mehrmals sehen, selbst Fragen stellen: Oder wie kann einem sonst die Erkenntnis, warum Barry Lieschen „verließ“ (also von dort überhaupt erst fortritt) in die Magengrube schlagen – eine Schlüsselstelle des Films, die scheinbar kaum ein Reviewer (ich kenne keinen) bemerkt hat, da sie sich vom Erzähler leimen ließen. Die Art, in der Kubrick z.B. dort fundamentale, übergreifende Gesellschaftskritik fernab von jedem Lehrbuch übt, merken leider die wenigsten: Vielleicht ist sie deshalb (für mich) am berührendsten, wirksamsten und ehrlichsten. Wer Kubrick für kalt hält, weil seine Filme auf der Oberfläche kalt sind, hat gar nichts verstanden (ich empfehle einen Blick auf Kubricks Frührwerk, insbesondere Killer’s Kiss, zu dem ich demnächst ein Review schreibe (dies habe ich zumindest vor) – für mich ein (besserer) Vorläufer von „Taxi Driver“, wenn auch mit deutlicheren Mängeln).


    Warum dieser lange Vorlauf? Ganz einfach: Ich möchte deutlich machen, dass ich an „Shining“ ganz andere Maßstäbe anlege und ganz andere Erwartungen habe, als an das, was einen Horrorfilm ausmacht. Und um dies einmal kurz abzuhandeln: Als reiner Unterhaltungshorrorschocker betrachtet ist Shining – das stelle ich jetzt einfach als Tatsache hin – nicht DIE Erleuchtung. Sicher ist aus meiner Sicht nicht wirklich zu bestreiten, dass er trotzdem den ganzen Albernheiten wie „The Ring“ auch unter diesem Aspekt überlegen ist und wer Jumper oder Splatter für Horror hält, ist bei Shining sowieso falsch. Aber die Angst, die einen sprichwörtlich „in die Hose machen lässt“ habe ich nicht empfunden, viel eher war es so das, seitdem ich „Shining“ das erste mal sah (das war mit ca. 14, glaube ich) kein anderer Horrorfilm für mich mehr funktionierte, sie hatten ihr Schrecken vollkommen verloren. Nicht zuletzt deswegen mache ich in der Regel einen großen Bogen um alles, was Horror heißt, da dies zu einem Stichwort für einfach langweilig und öde geworden ist, den Exorzisten (Teil 1 selbstredend) einmal ausgenommen. Vielleicht ist es deshalb, dass meiner Erfahrung nach einige Horrorfans ausgerechnet „Shining“ nicht wirklich mögen. So geht es auch dem Autor des Buches, Stephen King, der so wenig begeistert von Shining ist, dass er gleich das Drehbuch zu einer bestenfalls durchwachsenen Neuverfilmung in Form einer dreiteiligen TV-Miniserie schrieb. Ja, die Unterschiede zwischen Buch und Film sind dermaßen gravierend, dass man kaum noch von einer Adaption sprechen kann, aber neben dem Umstand, das dass in diesem Fall eher ein Vorteil sein dürfte, betrachte ich den Film einfach als eigenständiges Werk, dass gar nicht viel mit dem Buch zu tun haben muss, um gut bzw. weitaus besser zu sein: Nicht nur da Literatur und Film zwei verschiedene Medien sind, sondern (auch) da Shining (King) und Shining (Kubrick) einfach zwei komplett verschieden Dinge sind. Es gibt in meinen Augen also kein „Falsch“ weil das Buch unterschiedlich ist, wenn Jack im Film schon von Anfang an bedrohlich ist, dann ist das nicht die ungenaue Umsetzung des Buches, sondern eben die Geschichte des Filmes.

    Ich hoffe, dass es jetzt auch verständlich ist, wenn ich das Buch von King nicht weiter beachte und wenn ich schreibe, was jeder, der sich mit Kubricks Filmen, auch wenn er sie nicht mag, auseinandergesetzt hat, nachvollziehen kann, dass die Vorstellung, die zahlreichen Inkontinuitäten seien Fehler im eigentlichen Sinne, nicht korrekt ist. Dafür sind es schlichtweg zu viele und dafür werden sie viel zu auffällig betont: Die zwei Gradys, die verschiedenen Geschwister, der Zeitpunkt der Gewalt gegenüber Danny, das Geld im Geldbeutel, die verschiedenen Labyrinthe, die sich verschieden öffnenden Türen, usw. Diese „Fehler“ wurden mit voller Absicht gemacht (ich beziehe mich dabei nicht auf den Hubschrauberschatten, der in den DVD-Fassungen (im Kino sieht man ihn nicht) gegen Anfang zu sehen ist).


    Jack Nicholson ist sicherlich für nahezu jeden ein Begriff, in Shining lieferte er, wie auch in „Einer flog ins Kuckucksnest“ eine legendäre, unvergessliche Darstellung ab (übrigens war er da nicht der einzige, der von Jack getötete Dick Hallorann spielte dort einen Wärter). Noch besser fand ich persönlich allerdings Shelley Duvall, die als absolut charakteristische Erscheinung nicht nur ein Opfer verkörpert, sondern auch fühlbare Verzweiflung ausstrahlt und wie gemacht für ihre Rolle scheint, sie erlaubt es dem Zuschauer, ihr, als Opfer, distanziert gegenüber zu bleiben. Wie eine Maus beherrscht sie das Bild nicht, sondern scheint ständig auf der Flucht zu sein, Jack behält die Leinwandpräsenz. Und der kleine Junge bzw. Hase Danny macht seine Sache auch ausgezeichnet.

    Technisch ist „Shining“ einfach nur fantastisch. Der intensive Einsatz der Steadycam, der übrigens damals ein Novum in der Geschichte des Films war, beschert Kamerafahrten die unter die Haut gehen. Die Fahrten im schneebedeckten Labyrinth sind ebenso unvergesslich wie die Aufzugsszene oder das radeln Dannys durch das Hotel. Die Spiegelungen, die Reflexe, die Objektive, die Symmetrien, die Rot-Weiß-Farbgestaltung, das Set, der Schnee, das Design von Zimmer 237, die Kamera (John Alcott), die Musik, die Schnitte, die unglaublich geniale Beleuchtung, dies alles ist Kino-wie-es-sein-soll im allerbesten Sinne und schlicht und einfach unvergesslich. Aber da stundenlanges Schwärmen niemand weiterhilft, kann ich nur sagen, wer Shining schon gesehen hat, wird wissen, was sich meine, wer nicht, sollte dies nachholen: I love it, um in der Sprache der Werbung zu bleiben. Es wundert mich nicht, dass Shining laut IMDb den Rekord für die meistgedrehte Szene hält: Besser geht es einfach nicht. Wer meinen Augen und meinem Urteilsvermögen nicht glaubt, billigt hoffentlich Spielbergs (Interviewlink unten aufgeführt) Expertenmeinung. Wer mich trotzdem für einen Scheiße labernden Fan hält, da Kubrick schließlich nie selbst einen Oscar gewonnen habe (außer Spezialeffekte für 2001), dem komme ich nicht mit den Namen derer, die auch keinen bekommen haben, oder der Blödsinnigkeit der Anschauung der Oscars als seriösen Filmpreis, sondern mit einer kleinen Anekdote: Beim Dreh zu Spartacus legte der Kameramann eine offizielle Beschwerde ein, da er nichts zu tun habe und Regisseur Kubrick alles mache. Wer gewann wohl u.a. einen Oscar für Spartacus? Genau, der Kameramann. (Wer will, kann gerne nachrecherchieren, es stimmt)

    Aber genug der äußeren Werte, „Shining“ ist nämlich kein bloßer Blender, sondern hat auch innerlich viel (wenn nicht gar noch mehr) zu bieten, wenn man sich auf die Prämisse einlassen kann, das es keine absolute, dogmatische Wahrheit bei der Deutung geben muss, dass stupides Vorkauen nicht höchsten Filmgenuss ausmacht: Wer Kubricks Filme „verstehen“ will muss, so habe ich beobachtet, auch etwas von sich selbst investieren, „Shining“ als eine Art Zerrspiegel akzeptieren. Ich (und nicht nur ich) vergleiche Kubrick ja oft mit Kafka: So schön und toll seine Werke sein mögen (sind), jeder kann, darf und sollte sogar etwas anderes in ihnen sehen, denn eben dies macht ihren Reiz aus: Man kann sie als Blödfug abtun, oder als Mittel zur (Selbst)Erkenntnis nutzen. Heute wohl meistakzeptierte Deutungen, die Shining als Parabel auf den Holocaust bzw. den Völkermord an den Indianern sehen, sind in diesem Sinne absolut richtig und eine Intention Kubricks diesbezüglich ist auch schwer von der Hand zu weisen: Man denke an die ganzen indianischen Motive, die mehrdeutigen Dialoge (Contract), den getöteten „Nigger“, „white mans burden“, die Beschriftung der Lebensmitteldosen, usw..., alles Dinge die Kubrick (und nicht King) einbaute. Das Blut des Aufzugs als das verdrängte Fundament zu sehen, auf dem Amerika gebaut ist, nämlich Mord und Sklaverei, das ist korrekt.


    Aber den Film auf diese eine Deutung zu beschränken wäre kurzsichtig und falsch, ebenso wie meine Meinung, die ich zur Abgrenzung verspoilern werde, auch nur eine, bestenfalls gleichwertige, ergänzende Ansicht ist:

    Spoiler:(zum lesen bitte Text markieren)
    Für mich fühlte sich „Shining“ unter anderem wie eine fast schon hohnlachende, brutal ehrliche Fortführung von Andrei Tarkowskis „Solaris“ (1972) an. Solaris, ein Sci-Fi-Film, der – obwohl ich ihn für, überspitzt gesagt, beinahe albern halte – aufgrund seiner Machart ohne Zweifel auch 10/10-Punkte verdienen würde, wird meist, auch von mir als Antwort Tarkowskis auf Kubricks 2001 gesehen. Eigentlich unzulässig kurz gesagt sieht man am Ende (Achtung Spoiler) eine Insel, die alleine nach die Wünsche bzw. Gedanken des Protagonisten erzeugt wird.

    Dieses Konzept, formal und inhaltlich vereint, steckt für mich durch und durch in Shining, am deutlichsten äußert sich dies in den jeweiligen „Visionen“:

    Danny: Danny, der bisher niemand zum spielen hatte (4:25) und der alles über Kannibalismus weiß, da er es aus dem Fernsehen kennt (11:35) wird mit Bildern von Geschwistern konfrontiert, die ihn zum Spielen „für immer“ auffordern und währenddessen getötet zu sehen sind.Somit wird auch klar, dass die gesehen Zwillingsschwestern kein „Fehler“ sind und mitnichten die zwei Schwestern (8 bzw. 10 Jahre), die am Anfang erwähnt werden, sein müssen.

    Wendy: Die „confirmed ghost story and horror film addict “ (8:20) begegnet dem “It’s a great party”-Sprecher, die Szene sexuell einseitiger Befriedigung (die irgendwie zufällig und verfremdet aus dem Buch übernommen worden zu sein scheint) scheint gut zu ihrer Beziehung zu Jack zu passen.

    Jack: Der Alkoholiker trifft Partygäste, einen Barmann und einem Kellner, der so aussieht wie der „Grady“, den er in der Zeitung gesehen hat. Ein unbeabsichtigter Namensfehler bezüglich des am Anfang erwähnten „Charles Grady“ liegt hier – dafür lege ich meine Hand in alle Feuer der Welt - nicht vor, wie es ja auch schon die Charaktere sagen: „What do they Call you around here?” “Grady, sir. Delbert Grady.” “Grady?“ „Yes sir.“ „Delbert Grady.“ „That’s right sir“

    Spätestens hier wird deutlich, dass Shining aus verschiedenen, präzise konstruierten Perspektiven erzählt wird, die wir nicht für bare Münze nehmen können. Die Erzählperspektiven übertragen sich auch auf die Form des Filmes, Danny ist z.B. überwiegend in langen Kamerafahrten zu sehen, Jack ist Beteiligter an langen Dialogen während Wendy beinahe unsichtbar verschwindet, konfrontiert wird und nicht reagiert, von der Kamera nur wenig Beachtung findet. Bemerkenswert auch, dass die eindringliche und kryptische Szene, die zu einer Art Aushängeschild für den Film (auch im Originaltrailer) geworden ist, nämlich der Aufzug, der sich öffnet, Blut freilässt, kurz stoppt und sich anschließend weiter öffnet, während Blut herausströmt, von Danny und Wendy gesehen wird, nicht jedoch von Jack. Dessen Wahrnehmungen finden vor Spiegeln (Kellner, Barmann) statt.

    Wenn man also annimmt, dass die Erscheinungen keineswegs echt sind – an einer Stelle des Filmes, als man Jack aus einer offensichtlich „unsichtbaren“ Flasche trinken sieht, wird dies noch einmal explizit deutlich – muss man natürlich anfangen zu fragen: Was hat sich tatsächlich ereignet? Was war „real“?

    Eine – von mir noch nicht erwähnte Vision – scheinen sich wiederum Danny und Jack und sogar Dick Hallorann zu teilen (man beachte die nicht weniger als brillante Schachtelung verschiedener „Visionsebenen“ an dieser Stelle), auch sie scheint durch mehrmaliges auftauchen eine Schlüsselstelle zu spielen: Das Geschehen in Zimmer 237, dass wir zu Beginn der Szene nicht einmal eindeutig einer Person zuordnen können: War sie real? Ich behaupte: Nein, denn der Film fordert uns sogar explizit dazu auf, sie zu hinterfragen: Jack erzählt Wendy, er habe in Zimmer 237 nichts gefunden. Er könnte lügen, wir könnten die Szene aber auch als Dannys Sicht betrachten. Welche andere Erklärung könnte es geben, fragt uns der Film. Nun, ich denke manchmal ist die trivialste Lösung nicht unbedingt die schlechteste, wenn auch nicht die einzigste: Jack hat Danny misshandelt.

    Und unter dieser Annahme scheinen gleich zwei weitere Puzzelsteine zu passen: Wir erfahren zweimal das Jack Danny schon einmal misshandelt hat, allerdings stimmen dabei die Zeitangeben nicht überein. Und: Kurz vor Zimmer 237 hat Jack kein Geld im Geldbeutel, nachdem er herauskommt ist er wieder gefüllt. Was uns auch gleich ein Motiv beschert: Danny hat das Geld gestohlen.

    Bevor Danny ins Zimmer ging kam übrigens etwas auf ihn zugerollt: Ein Tennisball. Und wer spielt mit diesem: Genau, Jack. Und was spielte Danny zu diesem Zeitpunkt: Autounfall – was ihn wieder mit Dick Hallorann verbindet. Spätestens hier muss ich einräumen, dass der Film zu komplex ist, um ihm in Worten gerecht zu werden: Er ist nicht wirklich reduzierbar, ohne entscheidendes auszulassen, ich habe mich schon jetzt hemmungslos im Labyrinth verlaufen: Deshalb werde ich jetzt noch einige meiner Gedanken in Stichpunkten schildern, das Projekt, Shining auf den Punkt zu bringen, muss ich allerdings schon jetzt verloren geben: Wenn ich alle Assoziationen, die mein Hirn mir hier zu diesem Film liefert, aufschreiben würde, wäre ich wohl Monate beschäftigt und würde immer noch zu kurz greifen.

    Wir sehen die „Wahrheit“ im Film aus verschiedenen, subjektiven Augen. Wie wir auch wir in unserer heutigen, komplexen Welt keine Chance haben, zu wissen was richtig und falsch ist. Es gibt immer ein rechts und links, schier unendlich viele Lösungsvorschläge zu unendlich vielen Problemen, die alle behaupten, dass sie richtig sind. Wir können uns nicht unserer Wahrnehmung sicher sein. Dies macht uns Angst, wir müssen es verdrängen, um konstruktiv zu bleiben. Man beachte Wendy, die wegsieht, wegläuft, sich nicht schützend von Danny stellt: Sie ist nur zu groß, um durchs Fenster zu passen, nicht opferbereit.

    Für mich ist „Shining“ eine perfekte und die schlussendlich konsequenteste Darstellung dieses menschlichen Albtraums der Unmöglichkeit der Bestimmung der Wahrheit, das untrennbar mit unserem Bewusstsein einhergeht: Die Erzählung kennt keine objektive Wahrheit, die Wahrnehmung (die Bilder, die wir sehen) ebenso nicht, selbst die Kulisse wird zu einem Labyrinth aus Labyrinthen (man denke an den Zoom), es gibt nicht nur mindestens zwei verschiedene Labyrinthe vor dem Hotel, sondern sogar das Hotel selber wird zu einem Labyrinth mit sich stetig verändernden Lokalitäten, währenddessen uns ständig höhnisch die „Exit“-Schilder anlachen. Dies überträgt sich auf praktisch alle nur denkbaren Aspekte, sogar die Bildgestaltung kennt mit ihren ständigen Spiegeln kein oben und unten, rechts oder links. Ja, sogar der Zeitbegriff löst sich komplett auf.

    Im Gegensatz zu "konventionellem" Horror, der die instinktiven Ängste des (unaufgeklärten) Menschen anspricht, der Angst vor bösen Mächten bzw. Bedrohung der persönlichen Unversehrtheit, geht Shining wesentlich weiter, ohne dies im ersten Moment offensichtlich werden zu lassen: Er ist Horror für unser Bewusstsein und steht damit - man muss sich das einmal vorstellen - 30 Jahre nach erscheinen praktisch im Horrorgenre alleine. Kein Wunder, dass man beim sehen von Shining die Genialität und den Horror zwar fühlt und sie unbewusst mit sich trägt (weiteres dazu im letzten Abschnitt meines Reviews, das kulturelle "Grundbrummen" spricht Bände), aber sie nicht wirklich fassen kann, da einem ganz einfach die Maßstäbe, die Konventionen dazu fehlen, so revolutionär ist dieser Film meiner Ansicht nach immer noch, bis heute. Ja, es gibt z.B. Lynch, aber dessen Filme sind etwas anders, auch wenn sie gewisse Schnittmengen aufweisen. (Mehr Mysteryhorror als Horror um es mal zu vereinfachen)

    Filme mit dieser Thematik gab es schon lange vor Shining, ich sage nur Rashomon (Kurosawa). Aber bei Shining ist diese – so empfinde ich es – nicht nur in der Handlung, sondern in allen Bereichen, Elementen und Aspekten des Filmes umgesetzt: Er verschmilzt völlig, wird zu einem Werk, zur puren Audiovision, deren Tonspur sich nicht von den Bildern trennen lässt, die sich nicht in Worten ausdrücken lässt, sondern immer ein Stück mehr ist. Er ermöglicht es – wie auch „2001“, „Barry Lyndon“ und die meisten anderen Kubrick-Filme – auf einer Ebene zu denken, die mit Worten nicht erreichbar ist, er hebt diese Limitierung auf. Er „erweitert“ das Bewusstsein. Oder wie Spielberg einmal über 2001 (sinngemäß) sagte: Leute nahmen Drogen und sahen den Film, für mich war der Film die Droge. Dito.


    Wie so viele Filme Kubricks (allen voran Dr. Strangelove) fühlt sich auch Shining wie eine Art „Genre-Karikatur“ an, da viele der typischen Elemente ins Gegenteil verkehrt wurden: Der Film ist hell ausgeleuchtet, die „Schrecksequenzen“ (z.B. Zwillinge) sind klar abgegrenzt und scheinen keine direkte Bedrohung darzustellen, die Physik wird nicht für ungültig erklärt und das Erzähltempo ist langsam. Die Schnitte sind lang, das „Böse“ ist nicht an einer Person oder Sache festzumachen, es gibt lange Dialoge, der Retter spielt keine Bedeutung, sondern wird mit voller Absicht gleich nach Ankunft bedeutungslos (er brachte aber das Schneemobil) und die Handlung ist nicht trivial, „verständlich“. Umso faszinierender (und ein weiterer Beleg für das Genie Kubricks) ist es, dass Shining nichtsdestotrotz als Horrorfilm funktioniert, wer Full Metal Jacket kennt, kann eine entsprechende Beobachtung machen.

    Der letztendliche Beweis für die Klasse dieses Geniestreichs ist aber, dass er – beinahe 30 Jahre nach seinem Dreh – so hell strahlt wie eh und je. Außergewöhnlich war Shining schon damals, wirklich großer Kult ist er erst in den letzten 10, meinetwegen 20 Jahren geworden. Absolut zurecht, auch wenn er, falls man Stephen King diesbezüglich die Entscheidungsgewalt zugesteht, keine gute Adaption sein mag. Wenn man einmal anschaut, was an diesem Film besonders beeindruckend ist und man schließlich feststellt, das das wenigste davon im Buch vorkommt, kann man entweder meckern, dass der Film nicht buchgetreu ist oder anerkennen, dass es sich bei Shining um etwas völlig anderes als Kings Buch handelt. Etwas, das zumindest mir weitaus mehr zusagt, obwohl "Shining" damals gleich zwei "Goldene Himbeere"-Nominierungen erntete (Kubrick für die Regie und Duvall, fairerweise muss man allerdings anmerken, dass damals die "Razzies" noch in der Säuglingsstation lagen) und auf breiter Front bestenfalls mäßig begeisterte Kritiken bekam.

    Interessant ist sicher auch die ständige Benutzung von den Symbolen und der Musik, die Kubrick auswählte und zu denen er der gesamten westlichen Kultur von heute Assoziationen einbrannte, in der Werbung (ich habe ehrlich gesagt nicht viele Werbeblöcke gesehen in denen dies nicht mindestens bei einem Spot der Fall ist, wird klassische Musik benutzt steht die Chance 50-50, dass sie schon bei Kubrick Verwendung fand, ich sage nur Warsteiner, Diesel & Co, dass da nicht nur "Klassikfans" am Werke waren zeigt die Machart der Spots und die Tatsache, dass in aller Regel die für den jeweiligen Film adaptierten Varianten zu hören sind) - zufällig habe ich gerade eben den offiziellen Teaser zu Emmerichs "2012" gesehen - ratet mal welchen Film er da, wie schon so viele vor ihm, praktisch vollständig "zitiert" (Musik und Szene allgemein (Schnee, Berge, Flut), sogar die Kamera bis ins letzte Detail (Kameraflug am Anfang, Blickwinkel, Kamera beim rennen durch Gang) und sogar die Bewegungsrichtungen der Darsteller). Genau (siehe Trailer unten)! Hoffentlich wird 2012 auch so gut wie eben dieser^^. Finanziell erfolgreicher an den Kinokassen wird er wohl auf jeden Fall, tja die Welt ist gerecht, Shining ein langweiliger, kalter Kotzbrocken und Kubrick sowieso völlig überschätzt.

    Einzelwertungen:
    Darsteller : 10/10
    Plot : 8/10 (Dies gebe ich als "Trivialunterhaltungswertung", korrekt wäre natürlich auch hier die 10/10)
    Effekte : 10/10
    Anspruch : 10/10
    Gesamtwertung : 10/10


    Amazon (DVD) (ich empfehle bewusst eine Version im 4:3-Bildformat, da dort die Symmetrien besser zur Geltung kommen)
    IMDb (Wertung 8.5)

    Trailer (Youtube)
    interessantes Spielberg-Interview, großteils über Shining (Youtube) recht hat er!
    "alternativer" Shining Trailer einfach witzig

    EDIT: Ich habe jetzt erst (lange nachdem ich meine Kritik geschrieben habe) Georg Seeslens bzw. Fernand Jungs Shining-Interpretation gelesen, dass diese sich mit meiner in so vielen Punkten deckt (z.B. Solaris-Bezug) ist reiner Zufall (und nicht abgeschrieben) bzw. zeigt, dass meine Ideen anscheinend so verrückt nicht sind. Ein Aspekt der mir so gar nicht aufgefallen war und denn ich noch erwähnen möchte ist der Bezug zu vielen Mythen und Horrorgeschichten, quasi dem kulturrelen Fundus an Horror in Shining: von Minotaurus über Kain und Abel bis zu Hänsel und Gretel uvm.)
    c_87 is offline Last edited by c_87; 26.03.2010 at 21:52.

  8. #88 Reply With Quote
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    Kinostart: 30. Dezember. 2004
    Genre: Action/Komödie
    Regie: Trey Parker
    Drehbuch: Trey Parker, Matt Stone
    FSK: 16
    Dauer: 98 min.
    Drehort: USA
    Gesehen auf: Deutsch, Englisch, Französisch


    Kritik:
    Der Film ist sehr, sehr anders... Aber im Guten Sinne anders, er hat Witz viel Action und ist in seiner Mach-Art einzigartig aber dennoch wird es bei dem Film einigen Leuten sauer aufstoßen
    Der Film ist an einigen Stellen sehr rassistisch (gegenüber Schauspielern und Hans Blix) und nutzt relativ viele Fäkalausdrücke. Der Film beginnt anfangs als eine gute Politsatiere schweift später jedoch ins Abstruse ab (das Stück Lease mit dem Song "Everyone has Aids", eine Puppen-Kamasutra Szene und viele weitere eher Oberflächliche Witze). Äußerst witzig sind die Paralelen der Haupfiguren zu berühmten Persönlichkeiten so erinnern Lisa und Gary an Barbie und Ken, Sarah änhelt Lucy Liu, Kris lässt einen an Charlie Sheen denken, Joe sieht aus wie Freddie Prinze Jr., Spootswoode ist Ex-President George W. Bush nachempfunden und I.N.T.E.L.L.I.G.E.N.C.E ist ganz klar das Abbild von K.I.T.T. Auserdem werden Stars wie George Clooney, Liv Tyler, Tim Robbins, Alec Baldwin, Sean Penn, Michael Moore, Helen Hunt und Susan Sharandon durch den Kakao gezogen; besonders lustig ist die Veräppelung von Matt Damon (auch wenn diese sehr einfach und beleidigend ist), denn dieser sagt im ganzen Film 10 Wörter nämlich diese.
    Witzige Wortspiele sind im Film auch vorhanden (wenn auch nicht sonderlich genial), , aber das witzigste am ganzen Film ist die letzte Szene (diese ist auch nicht sonderlich genial und ergibt keinen Sinn solange man beim nicht aufgepasst hat). Aber größten Teils sind diese Szenen wirklich dämlich und ruinieren die Politsatiere im Film.
    Nun kommen wir zur Machart des Filmes, denn da merkt man die Liebe an die in diesen Film gesteckt wurde alle Puppen sind wunderbar designt und passen in das Gesammt-Bild des Filmes, die Sprechbewegungen der Puppen sind sehr gut gelungen, die Puppenspiel-Bewegungen sind ebenfalls sehr gut gelungen (außer die Kung-Fu Szene zwischen Kris und einem Terroristen am Anfang), das Set-Design ist sehr gut gelungen und erzeugt eine nette Atmosphäre im Gesammten ist die Machart des Filmes perfekt !
    Die Special Effects sind relativ gut, so werden Paris und andere Städte im Film gesprengt, diese Szenen waren sehr gut, genauso die Verfolgungsjagden mit Ferngestäuerten Autos.
    Die Sprecher sind in allen Fassungen sehr gut ich habe mir den Film in Englisch, Deutsch und Französisch angesehen und muss sagen, dass alle diese Fassungen sehr sehr gut vertont waren, Achtung: in der Englischen Fassung werden die Schauspieler nicht von den Original Stars vertont ! Aber in der deutschen Fassung höhrt man die Original Synchronsprecher der Schauspieler (außer die von Matt Damon).
    Mein Fazit: Ein gut gemachter Film der aber mit veinigen Schwächen leben muss, der Film ist eher leichte Kost und für einen Kinoabend bestens geeignet.

    Wertung:
    Sprecher: 8/10 (In allen Fassungen seeehhhrr gut)
    Plot: 5/10 (für eine Parodie angemessen und einige Witze bringen einen wirklich zum lachen)
    Effekte: 10/10 (einzigartig gemacht)
    Anspruch: 1/10 (so viel Anspruch wie ein Luftballon)
    Gesammtwerung: 7/10

    Link zu imdb: 7.3
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  9. #89 Reply With Quote
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    Erscheinungsjahr : 2004
    Genre : Action / Komödie / ungewollter Trash
    Regie : Tim Story
    Darsteller: Jimmy Fallon, Queen Latifah, Gisele Bündchen
    FSK : 12
    Länge : 85 Minuten


    Ich empfehle für: Alle, die bereit sind, für 1 Sekunde Anblick von Jennifer Espositos reizendem Po einen der schlechtesten Filme in diesem Universum zu ertragen

    Inhalt: Ein Cop und eine Taxifahrerin jagen Bankräuberinnen.

    Kritik: Bevor man einem Film totales Versagen attestieren kann, sollte man klären, was er erreichen wollte: New York Taxi sollte offensichtlich lustig, unterhaltsam und sexy sein sowie packende Action bieten. Ach ja, Autos sind auch noch da (gähhhhnnn), eine nachvollziehbare Story dagegen nicht, allerdings muss man wohl einräumen, dass solche Ansprüche sowieso viel zu hoch gegriffen wären.

    Lustig: Nö, das war nun mal gaaaaaar nichts. Der „Humor“ ist zwar lächerlich, bringt aber nicht zum lachen. Nicht ein einziges mal zuckte mein Mundwinkel auch nur einen Millimeter. Telekolleg ist da deutlich witziger. Einfach entsetzlich, wem sind nur diese peinlichen Humorfürze entwichen? Lustig – in diesem Punkt stinkt New York Taxi schon mal kräftig ab. Die Dialoge sind nur dann zu ertragen, wenn sie nicht stattfinden, eine Kostprobe spare ich mir, um nicht wegen Körperverletzung verurteilt zu werden.

    Sexy: Nun, ja. Jennifer Esposito als Marta sieht ja ganz süß aus. Und liefert eine „nur“ schlechte Leistung ab, was sie schon zur „besten“ Darstellerin dieses Folterinstrumentes macht. Gisele Bündchen mag zwar ein akzeptables Äußeres aufweisen, scheint aber leider die personifizierte Talentfreiheit zu sein. Und was helfen die schönen Beine, wenn der Regisseur der Kamera nach zu urteilen eine derart leere Flasche ist, dass selbst Sumoringen ästhetischer wirkt. Zu Queen Latifahs Schauspielkunst spare ich mir die Worte, die angebrachten Beleidigungen wären kaum mehr jugendfrei. Und Jimmy Fallon fügt sich nahtlos in die beeindruckend Reihe der Totalausfälle ein.

    Action: New York Taxi ist ein Lehrfilm für alle, die sich dafür interessieren, wie man eine Verfolgungsjagd NICHT inszeniert. Die Kamera ist zum Kotzen, die Schnitte wie von einem Zufallsgenerator auf Droge ausgeführt. Überhaupt: New York Taxi ist extrem langweilig. Eine lahme Ente, die zudem noch kräftig klaut, jedoch unglücklicherweise fast nur schlechtes.

    Autos: Ich gestehe offen ein, dass ich Autos wenig bis gar nichts abgewinnen kann. Bei wem dies anders ist, der hat die Wahl zwischen einer Unzahl an Filmen, in denen es wesentlich potentere Autos zu sehen gibt. Und das Autotuning per Schalter könnte man mit bösem Willen kindisch nennen, schlecht umgesetzt ist es auf jeden Fall.

    Regisseur Tim Story hat übrigens auch die zwei Fantastic Four Filme in seinem Oeuvre. Boah, ist der schlecht. Plakativ formuliert: Uwe Boll ist ehrlich gesagt weitaus besser. Denn New York Taxi ist ein in Bilder gegossener Haufen all dessen, was einen wirklich schlechten Film ausmacht. Und die Musik ist zudem noch scheiße. O mein Gott!

    Einzelwertungen:
    Darsteller : 1/10
    Plot : 2/10
    Effekte : 2/10
    Anspruch : 1/10
    Gesamtwertung : 1/10


    Kauf bei Amazon (DVD)
    IMDB (Wertung 4.2)
    c_87 is offline Last edited by c_87; 10.04.2009 at 04:54.

  10. #90 Reply With Quote
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    DVD-Start: 22.08.2005
    Genre: Action
    Regie: Sidney J. Furie
    Darsteller: Dolph Lundgren, Polly Shannon, Conrad Dunn
    FSK: 18

    Inhalt: Die "Direct Action Unit" ist eine Spezialeinheit, die sich um ganz besonders brisante Fälle in Sachen Mord, Drogendelikte etc. pp. kümmert. Allesamt Veteranen und elende Helden, hoch dekoriert, kennt man ja. Dummerweise auch korrupt as fuck. Und das kann Frank Gannon, seines Zeichens einer von den guten Cops, denen eigentlich nicht durchgehen lassen, also will er gegen sie aussagen. Grund genug für sie alles daran zu setzen, dass der gute Mann es nicht bis in den Gerichtssaal schafft. Ultraviolence ensues...

    Kritik: Ich mochte den Film vom ersten Augenblick an. Echt wahr. Ich meine, wie kann man, als Freund von massenzerstörerischen Filmen wie "Phantom Kommando", "The Killer" und "Crank" ein Revival des guten alten schwarz-weiß-denkenden 80er-Jahre Action-Rumplers mit einem der Heroen dieser Epoche in der Hauptrolle, der dann auch noch den vielsagenden Titel "Direct Action" trägt... Verdammtes Bier, ich hab keinen Schimmer, wie ich diesen Satz jetzt grammatikalisch korrekt zu Ende bringen kann, also fangen wir einfach noch mal so an: "Direct Action", ick hab dir lieb.
    Das dachtet ihr euch schon längst, oder? Immerhin hab ich das Ding in den letzten keine Ahnung wie vielen Wochen und Monaten bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit erwähnt und wollte ihn mir, seitdem er per Post eintrudelte, eigentlich direkt anschauen, aber dann kam ständig irgend etwas dazwischen. Grrrr. Naja, nachdem ich am heutigen Abend (shiet, es ist ja schon wieder früher Morgen, also streichen wir das) beim "Mario Party 3"-Storymodus wieder scheiterte (ich bin so schlecht, ich geb's zu) durchwühlte ich meine Filmsammlung nach irgend etwas ansehbarem. Und ich hatte Bock auf mächtig Blutwurst. Also keinen Splädda ausnahmsweise, heute wollte ich Action vom Feinsten (oder von mir aus auch vom Schlimmsten, Hauptsache Waffengewalt). Zehn Filme landeten auf die ominöse Liste (ich hab jetzt auch echte zehnseitige Würfel, das macht die Sache einfacher), die da wären: "Ghosts Of Mars", "Hitman", "Die Klapperschlange" (ja ja, zwei Carpenters, "Big Trouble In Little China" kommt auch irgendwann noch, muss ja mein Pensum erfüllen), "Inglorious Bastards" (der alte), "The Final Cut", "Highwaymen", "A Sound Of Thunder", "Red Scorpion" (noch mal Dolph) und "Last Man Standing". Jau, Action-Gallore. Oh. Und "Direct Action" halt, wie mein Mitbewohner feststellen musste, der irgendwann betrunken zur Tür reinkam und kurz mitschaute, ehe er neben mir auf dem Sofa einpennte. Naja.
    Zu Unrecht, denn bei "Direct Action" einzuschlafen ist ein Sakrileg, möchte ich mal behaupten. Der Film ist zwar nicht das, was der Engländer "sophisticated" nennt, aber sagen wir mal so: it delivers. Ich kenn mich mit dem Backkatalog von uns' Dolph Lundgren jetzt nicht so gut aus, ich sah John Woos "Blackjack", dann "The Punisher", in "Johnny Mnemonic" hatte er ja auch eine Rolle, aber das kann man schlecht zählen. Und dann ist da noch "Ritter der Apokalypse", den fand ich auch nicht gar so übel. Oh, und in "Masters of the Universe" schaute ich mal rein, aber gut... Ist ja auch Wurscht, die Quintessenz dieses Salbaderns soll wohl sein: Ich hab keine Ahnung, wie der durchschnittliche Lundgren-Klopper aussieht und kann deswegen mehr schlecht als recht sagen, inwiefern der Mann sich über die Jahre gehalten hat (hier ist er immerhin schon 47 Lenze alt gewesen), Fakt ist aber, dass ich meinen Spaß hatte und deswegen dies bestimmt niet der letzte Lundgren gewesen sein wird, den ich mir selbst kredenzt haben werde.
    Aber woran liegt das eigentlich, dass die Chose hier gut Laune macht? Das ist eine durchaus berechtigte Frage und eine, die man auf die Schnelle gar nicht so einfach zu beantworten weiß, denn vieles an "Direct Action" ist geradezu herzlich doof. Sei es der Plot aus der Feder von Regisseur Sidney J. Furie ("Showdown" mit Peter Weller, Tia Carrere und Dennis Hopper, den hab ich sogar auch auf DVD, er war aber nicht so gut), der nicht nur keinen gesteigerten Sinn ergibt, sondern es nicht mal schaft, sich selbst irgendwie ausreichend zu erklären (selbst nach dem Abspann war mir nur unzureichend klar, was die Bösen überhaupt wollten bzw. getan haben außer... äh... korrupt zu sein). Sei es die durchwachsene Inszenierung aus dem Hause von eben genanntem Furie, die an einigen Stellen ganz empfindlich das Tempo vermissen lässt (für einen Film der "Direct Action" heißt, ging es mir einfach nicht "direct" genug zur Sache) und dank Direct-to-Video-Optik eher suboptimal ausschaut. Sei es das unschlagbar günstige Budget des Hobels (nix genaues weiß man wie des Öfteren nicht, viel kann's aber halt nicht gewesen sein), das viele gute Ideen (oder was man so nennt, also Schießereien) im Keim erstickt oder ihnen wenigstens das Leben schwer macht... An allen Ecken und Enden quietscht's hier.
    Aber Quietschen ist jetzt kein Totschlagargument, denn alles, was in der Umsetzung nicht perfekt gelungen ist, ist doch im Ansatz eine runde Sache. Der Plot ist wesentlich detailierter Ausgearbeitet, als der eines solchen Streifens es von Rechtswegen aus sein dürfte (auch wenn er doof ist, scheiß halt drauf). Die Inszenierung ist holprig, okay, geb ich zu, kann man nicht wegdiskutieren. Und das Budget... ja mei, es war halt nicht viel da, aber was da war, das wurde scheinbar genutzt. So ballert Dolph gut in der Landschaft herum und tötet kräftig, der Supporting-Cast macht auch ordentlich mit, man hat sich für den Streifen ein nettes Waffenarsenal angelacht und die Shootouts machen auch Laune (Pyroeffekte hätte es halt mehr geben können, so bleibt es bei einem explodierenden Van), auch wenn sie manchmal etwas dummbrätzig daher kommen. Highlight ist in der Hinsicht wohl die Szene, in der Dolph den Kerl überprüfen will, der den Wagen mietete, den er den bösen Cops klaute, die ihn ins nächste Leben befördern wollten. Ich hatte schon Schwierigkeiten, meine Kinnlade wieder einzurenken, als Dolph nebst Anhang zu irgend einer Adresse fuhr, die er zu diesem Zweck aufgetrieben hatte, relativ unbürokratisch alle Anwesenden inklusive Mehrwertsteuer erschoss und dann seinen Kumpel anrief, der ihm die gewünschte Auskunft erteilte. That's storytelling, Freunde. Saudoof aber lustig wie die Hölle.
    Und um mal auf der eher positiven Well weiterzusurfen, das zieht sich durch den ganzen Film. Konsequenz hagelt es hier nicht gerade (großartig eine Szene am Anfang, als uns' Held zufällig zu einem Restaurant kommt, das gerade überfallen wird oder so, er anfängt Fiesmänner zu vertrimmen und Knochen zu brechen, ich murmelte ein "Jetzt fehlt ja nur noch, dass er die Kerle laufen lässt" zu meinem Mitbewohner, ihr dürft gerne raten, was zwölf Sekunden später passierte... jaha, verhaftet wird nicht, entweder laufen lassen oder gleich erschießen, das ist gute Polizeiarbeit), alle Twists und Turns sind bei näherer Betrachtung blöde geraten und an den Haaren herbeigezogen, aber wenn Dolph mal wieder durch die Landschaft walzt und tötet, dann ist das alles vergeben und vergessen, denn der Mann hat meiner Ansicht nach einfach wesentlich mehr Charisma als alle Van Dammes, alle Segals, alle Dudikoffs zusammen. Klar, an Arnie kommt er nicht ran, aber egal.
    Und was die schauspielerische Seite angeht, es ist halt Dolph. Er feiert seine Figur insofern ab, dass er ein paar Bösewichte vertrimmt, totschießt oder sonst wie mishandelt und am Ende dafür gefeiert wird. Er braucht keine große Mimik oder Gestik, er muss keine großen Charaktermomente durchleben, er muss einfach Schaden verursachen, dann läuft die Sache. Das macht er auch verdammt gut, ich bin aber wie gesagt kein Martial Arts Experte, sondern schon vollauf zufrieden, wenn irgend was kaputt geht, egal ob das dann Kunst ist oder nicht. Andererseits hüpfen dann hier auch noch andere Nasen vor dem Bildschirm rum, zum Beispiel die unvermeidliche weibliche Hauptrolle, ausgefüllt von Polly Shannon (gern gebuchte TV-Nebendarstellerin mit komischen Brüsten, ich oller Sexist, höhö), die routinierte Arbeit leistet, ohne groß was besonders zu machen, außer halt auch ein paar Fiesmänner zu entsorgen. Auch noch mit an Bord: Rothafrod Gray ("Max Payne", "Tötet Smoochy") als Dolphs Semi-Sidekick. Auch hier, sehr solide gespielt, nichts Weltbewegendes. Wirklich gut hingegen gefielen mir Donald Burda ("Flucht aus Absolon", "Maximum Risk") und Walter Alza ("Rent-a-Kid") als justifiziertes Mörderduo, die ein paar gar nicht so üble Szenen auf ihrer Seite hatten und auch überraschend runde Figuren spielten. Auch Conrad Dunn ("Chicago", "Silent Trigger") als Chef der Bande, also Captain der Polizei, machte eine gute Figur, auch wenn er etwas zu offensichtlich der Fiesarsch vom Dienst war. Die beste Leistung lieferte allerdings Alex Karzis ("Caveman's Valentine") als Undercover-CIA-Agent ab, der einem sehr schnell ans Herz wuchs und gut Sympathien aufbauen konnte. Und auch Daniel Kash ("Jack Brooks: Monster Slayer") machte sich überraschend gut als Vize-General-Staatsanwalt oder so. Kurzum, in Sachen Besetzung war alles auf einem mindestens soliden Niveau und deswegen absolut adäquat für einen billigen Actionklopper der Direct-to-DVD-Variante.
    Wenn doch nur alles an dem Film so solide wäre. Versteht mich nicht falsch, "Direct Action" macht viel Laune und prinzipiell auch alles richtig, nur eben in zu kleinen maßen. Mehr Gewalt, ein höherer Bodycount, noch mehr Dummfug im Skript, das hätte der Film gebraucht, um zum Beispiel verdienterweise an Großtaten wie "Phantom Kommando" anzuschließen. Leider klappte das aber nicht ganz (und der nächste Regisseur, der für seine Titelsequenz Szenen aus dem nun folgenden Film vorkaut, den erschlag ich, yey!!!), trotzdem kommt etwas bei rum, was man wohl am Besten so beschreiben kann...
    Kommen wir zum Fazit: "Direct Action" ist durch und durch gut. Nicht brillant, keine Revolution des Action-Genres, nicht weltbewegend, sondern einfach nur ein launiges, schmerzloses (höhö) Revival des Spirits der 80er-Jahre-Actionreißer der Marke Schwarzenegger, Stallone und Co. Wer hier Sinn und Verstand, Moral oder eine ganz besonders durchdachte Story sucht, der ist völlig falsch, der Film nimmt sich nicht ernst sondern versucht einfach nur durch ein zünftiges Actionfeuerwerk zu unterhalten. Das tut er auch ziemlich bravourös, aber das Budget spielt einfach nicht mit, um etwas so atemberaubendes abzuliefern, wie es die Ambitionen des Produktionsteams es einfach verdient hätten. Trotzdem ist "Direct Action" einfach nur klasse.

    Einzelwertungen:
    Darsteller: 06/10 (Dolph ist Dolph, der Rest macht sich solide)
    Plot: 03/10 (er ist nicht so flach, wie man meinen möchte, aber er ist einfach hin und wieder zu konfus und letzten Endes zu schlecht ausgearbeitet)
    Effekte: 05/10 (mehr Geld, mehr Geld, ein paar der Blutspritzer waren schon schwer in Ordnung, die Van-Explosion wurde zu schnell abgehandelt, danach war Sense)
    Anspruch: 01/10 (ney)
    Gesamteindruck: 07/10 (großartige Unterhaltung, die sogar noch großartiger sein könnte)

    Link zur IMDB-Seite (Wertung: 4.9)
    Link zum Trailer
    Die DVD bei Amazon.de
    Harbinger is online now Last edited by Harbinger; 06.12.2009 at 20:45.

  11. #91 Reply With Quote
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    Nosferatu - Phantom der Nacht

    [Bild: Nosferatu.jpg]

    Kinostart: 12.04.1979
    Genre: Horror/Drama
    Regie: Werner Herzog
    Darsteller: Klaus Kinski, Isabelle Adjani, Bruno Ganu
    FSK: 16

    Inhalt: Jonathan Harker bekommt von seinem Chef Renfield den Auftrag, von Viesmar nach Transylvanien zu reisen, um dort den Grafen Dracula zu treffen, der sich dafür interessierte, ein Haus in der beschaulichen Stadt zu kaufen. Doch noch bevor Jonathan das Schloss des Grafen erreicht häufen sich die merkwürdigsten Vorkommnisse, die Bewohner der Gegend scheinen regelrecht Angst vor besagtem Dracula zu haben. Dieser entpuppt sich als waschechter Vampir, der Jonathan for no apparent reason mal schnell in seinem Schloss einsperrt und sich mit einem Heer Pestratten im Schlepptau auf den Weg nach Viesmar macht...

    Kritik: Kinners, isses echt schon so lang her, dass ich zuletzt einen Kultklassiker in seine Schranken verwies? Tatsache, ich glaube seit "Psycho" hab ich mir mit solchen Methoden keine Feinde mehr gemacht und das war immerhin am Neujahrstag des vorigen Jahes (oder to a lesser extent vielleicht noch bei "Possession" - der mit unserem heutigen Film eine Gemeinsamkeit hat - und "The Wizard Of Gore", aber ehe ich diese Filme "Klassiker" nenne, beiße ich mir lieber die Zunge durch). Irgendwie scheine ich mich in der Hinsicht auch auf Horrorfilme eingeschossen zu haben, es kam da ja durchaus schon hin und wieder vor, dass ich kultistisch gefeierte Werke (die auch mit recht hohen IMDB-Wertungen aufwarten konnten) quasi mit dem Rasenmäher auf eine ihnen zustehende Größe zurücktrimmte, also wieso davon abweichen? Geben wir einem weiteren "critically acclaimed"-Horrorreißer die Behandlung, die ihm zusteht.
    Die Rede ist von "Nosferatu - Phantom der Nacht" und irgendwie tut's mir in der Seele weh, den Streifen jetzt so richtig in der Luft zu zerreißen. Weniger wegen seinem Regisseur, vom Kollegen Werner Herzog sah ich bisher nämlich nur "Aguirre, der Zorn Gottes", der okay war aber nicht mehr. Aber das Ding fand sich ja nicht in einer DVD-Box mit dem Titel "Werner Herzog Collection", sondern die "Werner Herzog/Klaus Kinski Collection". Und Klausi... ihr wisst, dass ich den Mann unheimlich gern mag (also... ich würde ihm nicht im Dunkeln begegnen wollen, vor allem jetzt nicht mehr, da er seit 18 Jahren tot ist, aber...) und für unheimlich talentiert halte. Und Dracula soll so ungefähr eine seiner besten Rollen sein, also kann das Ding doch gar nicht so übel ausfallen, oder?
    Um gleich mal fast alles, was ich an Pulver aufzubieten habe, zu verschießen: Es kann. Und wie es kann. "Nosferatu" versagt nahezu auf ganzer Linie. Schon in der zweiten Szene (die erste ist mit den Mumien-Aufnahmen tatsächlich richtig schnieke) traf es mich wie einen Schlag in die Magengrube, wie unglaublich diletantisch der Film gestrickt ist. Zu einem absolut entsetzlichen Soundtrack, der jedem Anflug von Atmosphäre die Faust ins Gesicht manövriert, bekommen wir die Herzog-typischen Sets und Ausstaffierungen der Marke "Sieht aus wie die 1970er Jahre, die versuchen so auszusehen wie das 19. Jahrhundert" präsentiert, die schon in "Aguirre" einen Großteil der Glaubwürdigkeit über den Amazonas schickten (höhö, ich halte mich selbst gerade für unglaublich geistreich, aber da bin ich wohl der Einzige...). Und in denen hampeln die gnadenlos miesesten Entschuldigungen für Schauspieler herum, die mir seit längerer Zeit untergekommen sind. Ich war schockiert, die ersten beiden Hauptfiguren, die uns nahgebracht wurden, waren Jonathan und Lucy Harker (da läuft dein Plagiatsanwalt ins Leere, aalten Stoker, wa?), gespielt von Bruno Ganz ("Der Untergang", "Der Vorleser") und die zweifach für den Oscar nominierte (und nebenbei hier noch extrem fesch aussehende) Isabelle Adjani ("Possession"... wenn ich genauer drüber nachdenke, irgendwie wundert ihre Leistung mich doch nicht) und... Okay, es ist nur eine Vermutung. Ich habe keine Ahnung, wieso Herzog das angeordnet haben könnte, aber... Er muss seinen Mimen eigentlich eingebläut haben "Spielt bloß ohne jede erkennbare Gefühlsregung, ohne Motivation und Freude dran und liefert jede Dialogzeile so ab, als ob sie vom Blatt abgelesen wäre", genau das ist es nämlich was passiert. Ganz und Adjani sind in jeder Hinsicht einfach nur grauenhaft. Vielleicht wollte er einen Gegensatz zwischen Gut und Böse inszenieren, denn die beiden "bösen" Figuren, nämlich Renfield, gespielt vom Franzosen Roland Topor, sowie uns' allerliebster Klausi, also Klaus "Für Geld spiele ich jeden Scheiß" Kinski höchstpersönlich als Graf Dracula, waren beide großartig, wenn ersterer sich bei der Zurschaustellung von Gefühlen auch meistens auf überdrehtes Kichern beschränkte. Die komplette "Heldenriege" (kann man nur mit seeeehr viel gutem Willen als solche bezeichnen) zeigte sich komplett von ihrer mimisch unfähigsten Seite. Erschütternd aber leider wahr.
    Aber auch ansonsten haben wir mit der Erwähnung von Kinskis Schauspielkunst (obwohl man wohl sagen muss, dass er hier nicht so überdreht wirkt wie sonst, er hat ein paar heftige Szenen, aber ansonsten eher ungewohnt gemäßigt, teilweise gar zerbrechlich, was Berichten zufolge daran liegt, dass er sich für die Rolle von seiner geliebten Haarpracht trennen musste) schon quasi alle Pluspunkte abgehakt, denn auch der Rest des Films schwankt zwischen "Meine Fresse ist das Scheiße" und "Wie hat es das nur über die Post Production hinaus geschafft". Ein weiterer wirklich tiefschürfender Knackpunkt nach den gräslichen Schauspielleistungen ist das... äh... Skript. Okay, ich habe das Original nicht gesehen, ich weiß nicht, wieviel auf dem Mist von Henrik Galeen gewachsen ist, dem Autor von Murnaus Film aus dem Jahre 1922. Aber "Nosferatu" schaut sich so, als ob Herzog ein handelsübliches Skript genommen und alle Seitenzahlen, die durch drei teilbar waren, herausgerissen hätte, die miteinander vermischt und in völlig wilkürlicher Reihenfolge wieder irgendwie ins Drehbuch gestopft hätte. Es ist fürchterlich. Nichts hier ergibt Sinn, nichts ist interessant, nichts führt irgendwo hin, nichts reiht sich irgendwie logisch aneinander, das ganze wirkt von Zeit zu Zeit wie eine schlichte Aneinanderreihung von irgend welchen Szenen mit denselben Darstellern. Und noch dazu sind ein paar von diesen Szenen wirklich wirklich komisch. Ich habe keine Ahnung, ob es Absicht war oder sich irgendwie so ergab... Ich musste mehrfach über den Film lachen, weil die Komik auf dem Bildschirm so greifbar war... Sie war nicht gut, aber sie war da, irgendwie.
    Okay, an dieser Stelle muss ich für den Film doch noch irgendwie eine Lanze brechen, denn trotz all seiner Verfehlungen in der ersten Stunde, ab dem Zeitpunkt, da das Rattenheer in Viesmar einfällt und die Pest verbreitet gibt es hin und wieder ein paar Szenen, die dermaßen kompetent durchgezogen bin... Viele von den teilweise gar surrealistischen Geschehnissen auf dem Platz vor der Kirche seien hier mal genannt, inklusive den langen Sargprozessionen und dem Fest der Pestkranken (ob es wohl real war oder eine Vision?), das macht alles schon ordentlich Stimmung. Um so verwunderlicher ist es dann aber, dass Herzog ansonsten immer, wenn Stimmung und Atmosphäre gefragt sind, vollends versagt oder es aber gar nicht erst für nötig hält zu versuchen, so etwas aufzubauen. Ich verstehe es nicht, ich habe keine Ahnung, wie man einen Film nur so kaltblütig gegen die Wand fahren kann. Einem gut aufgelegten Klaus Kinski und ein paar extrem morbiden Augenblicken steht ein restlicher Film gegenüber, der in allen bereichen so sehr krankt, dass ich mich echt fragen muss, wie der Streifen so populär werden konnte. Eine schauderhafte Inszenierung, uninspirierte Kameraarbeit, grauenhafte Darsteller, ein beschissenes Skript und ein gnadenlos stimmungstötender Score... Das sind die Zutaten, die "Nosferatu" ganz kräftig vermiesen, also...
    Kommen wir zum Fazit: "Nosferatu - Phantom der Nacht" ist ein Rohrkrepierer allererster Güte. Der Film ist denkbar uninteressant, schlecht gemacht, schlecht gespielt und schafft es noch dazu nicht, irgend eine nachvollziehbare, sinnvolle Geschichte zu erzählen, ohne mehr Plotlöcher aufzureißen, als der Film Minuten geht. Es ist wirklich eine Tragödie, wie hier Kinskis Talent verschenkt wird und wie deplaziert die guten Szenen in diesem knapp 100 minütigen Mistfilm wirken...

    Einzelwertungen:
    Darsteller: 03/10 (Kinski und Torpor werten die restliche schauderhafte Vorstellung wieder auf)
    Plot: 01/10 (ähm... hallo?)
    Effekte: 03/10 (Kinskis Makeup war abgesehen von den Zähnen gut, die Fledermäuse sahen ziemlich scheiße aus)
    Anspruch: 02/10 (falls sich irgend eine Moral, eine Botschaft, ein Sinn darin versteckt haben sollte, ich hab ihn nicht mal ansatzweise aufgespürt)
    Gesamteindruck: 03/10 (Trostpunkte gibt's für den Kinski und die tatsächlich guten Szenen im letzten Drittel, trotzdem einfach nur scheiße)

    Link zur IMDB-Seite (Wertung: 7.4)
    Link zum Trailer
    Die DVD bei Amazon.de
    Harbinger is online now Last edited by Harbinger; 11.09.2009 at 12:37.

  12. #92 Reply With Quote
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    Kinostart: 30. März 2008
    Genre: Horror/Thriller/Splatter
    Regie: Alexandre Bustillo und Julien Maury
    Haupt-Darsteller: Béatrice Dalle, Alysson Paradis
    FSK: ungeprüft
    Laufzeit: ca 79min Uncut

    Inhalt: Ein Autounfall traumatisiert die schwangere Sarah und macht sie zur jungen Witwe. Als sie, kurz vor der Niederkunft, Weihnachten im einsamen Apartment verbringt, greift aus dem Nichts eine unbekannte Psychopathin an und metzelt alles nieder, was bluten kann. Frankreichs fleischfressende Sexpflanze Béatrice Dalle gibt der Schlächterin mit Scherenfaible den Liebreiz einer schwarzen Witwe: Sie hat es auf Sarahs ungeborenes Kind abgesehen.

    Kritik: Endlich! Mein erster französischer Terrorfilm! Was hab ich mich gefreut, als ich ihn endlich in meinen DVD-Player schieben konnte! Und ich wurde nicht enttäuscht!
    Die ersten 20 Minuten (circa) bestehen darin, die Ausweglosigkeit und Trauer, die die Hauptdarstellerin Sarah empfindet, darzustellen. Dies gelingt auch ziemlich gut - man fühlt die bedrückende, traurige Stimmung, die fast schon einer Depression gleicht. Sarah scheint nur noch eine leere Hülle zu sein. Ich finde, dass der Film auch durchaus als Terror-Drama durchgegangen wäre, da mir am Ende des Films sogar ziemlich nach heulen zumute war (mehr verrate ich aber nicht). Bevor es mit dem Terror so richtig los geht, tritt unsere "la femme" (die böse Frau^^) zunächst immer wieder beobachtend und äußerst beunruhigend in Erscheinung, wie es zu Halloween Zeiten noch Michael Myers getan hat.
    Nach ungefähr einer halben Stunde bricht dann der blanke Terror los und das mit einer brachialen Intensität, die ihres gleichen sucht - ein Saw oder Hostel würde sich unterm Bett verstecken.^^
    Die Geräuschkulisse ist der Wahnsinn! Durch die Geräuschuntermalung gewinnen viele Szenen noch mehr an Intensität, als sie ohnehin schon haben. Ein Beispiel: Es spritzt im Film eimerweise Blut und teilweise torkeln die Betroffenen dann noch ein wenig blutspritzend im Bild rum und immer wenn das Blut spritzt kommt so ein lautes Zisch-Geräusch oder andere Geräusche wenn die Person zu Boden fällt oder sonst was. Hört sich vielleicht ein wenig seltsam an (ich kann es schlecht beschreiben), aber es verstärkt die Wirkung dieser Szenen wirklich ungemein! Verschiedene Geräusche untermalen gekonnt verschiedene Szenen, wie z.B. ein grauenhafter Pfeifton ertönt, während sich Sarah aus einem Zimmer zu befreien versucht und unten ein paar Cops um Eintritt verlangen. Diese Geräusche treiben die Spannung nochmals in die Höhe! Die Musik ist ebenso toll in Szene gesetzt, sowie auch schweißtreibende Stille gekonnt eingesetzt wird.
    So werden einige Leute (ob Familienmitglieder oder Cops) äußerst brutal (wirklich ekelhaft brutal!) zur Strecke gebracht (meistens mit einer Schere oder anderen spitzen Gegenständen, aber auch mal mit ner Knarre). Die Atmospähre behält ständig ihren Krankheitsfaktor bei und ist immerzu äußerst bedrohlich und überaus spannend. Zwischendurch schleichen die Protagonisten mit Taschenlampen wie in guten alten Slasher-Filmen durchs Haus und niemand weiß wo sich unsere "la femme" gerade herum treibt.
    Das Ende des Films ist vielleicht ein wenig übertrieben und es gibt da eine Stelle, die auch etwas unrealistisch anmutet, aber im Endeffekt stört das nur wenig. Die Auflösung des Plots ist auch recht glaubwürdig und passt ganz einfach. Die letzten Szenen sind dann schließlich sehr dramatisch und auch traurig. Wie gesagt - in der allerletzten Einstellung vorm Abspann ist einem dann schon ein wenig nach heulen zumute.

    Fazit: Alles in allem ists ein großartiger Terror-Film! Ich habe viel erwartet und auch viel bekommen! Ich kann den Film nur jedem wärmstens ans Herz legen, der auf jeden Fall über 18 und ein Freund des Genres ist. Leute, die Hostel oder Saw schon grenzwertig fanden, kann ich diesen Film nur bedingt empfehlen, da das Gezeigte teilweise wirklich abartig brutal ist und in kaum einem Vergleich zu bspw Hostel steht. Der Trailer gibt auch einen recht guten Ersteindruck!
    Ach, und besorgt euch unbedingt die Uncut-Version aus Österreich (da ist sie auch in deutscher Sprache) oder woher auch immer! Die deutsche Fassung ist total verstümmelt und nicht zu empfehlen!

    Einzelwertungen:
    Darsteller: 9/10 (Die beiden Hauptdarstellerinnen liefern eine absolut großartige Leistung ab! Die Nebendarsteller spielen auch allesamt solide. Niemand tanzt aus der Reihe.)
    Plot: 7/10 (die Sache mit der Schwangerschaft ist neu und stimmig)
    Effekte: 10/10 (Abartig, brutal, ekelhaft, genial!)
    Anspruch: 6/10 (Anspruch ist durchaus vorhanden, wenn auch nicht in übertriebenem Maße)
    Gesamteindruck: 10/10 (Psycho-Terror vom Feinsten!)

    Link zur IMDB-Seite (Wertung: 7.1)
    Link zum Trailer
    freezing rain is offline Last edited by freezing rain; 28.04.2009 at 22:55.

  13. #93 Reply With Quote
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    Kinostart: 29. August 2008
    Genre: Action, Science Fiction
    Regie: Mathieu Kassovitz
    Darsteller: Vin Diesel, Melanie Thierry, Gerad Depardieu, Michelle Yeoh, Charlotte Rampling
    FSK: Ab 16 Jahren
    Laufzeit: ca. 97 Minuten (ungeschnittene Fassung)

    Inhalt:
    In einer unbestimmten aber nicht allzu ferner Zukunft nimmt Söldner Toorop (Vin Diesel) einen Auftrag von einem Mafiaboss namens Gorsky (Gérad Depardieu) an : er soll die junge Frau Aurora (Mélanie Thierry) von Russland nach New York bringen. Aurora wird von einer Nonne (Michelle Yeoh) begleitet.
    Zusammen machen sie sich auf den Weg wobei schon nach kurzer Zeit klar wird, dass sich noch andere für Aurora interessieren.

    Kritik: Soviel erst einmal zum Inhalt. Klingt eigentlich nach einer typischen Hollywoodgeschichte, entwickelt sich aber in eine andere Richtung, die sogar Raum zum Nachdenken lässt.
    Ich fange mal mit meinen Erwartungen an: ja, ich bin ein Vin Diesel Fan (vor allem wegen der tollen Riddick-Filme und dem (eigentlich sogar besserem) Riddick-Computerspiel. Ich mag ihn als Schauspieler und bin wahrscheinlich einer der wenigen die denken, dass er ein recht guter Schauspieler ist. Leider kann er das nur in sehr wenigen Filmen beweisen. Ich habe nicht sehr viel erwartet da besonders die amerikanischen Kritiken den Film zerissen haben. Eigentlich interessieren mich Kritiken kaum aber bei dem Film hatte ich irgendwie das Gefühl, dass er einfach nicht gut ist.
    Deswegen bin ich auch nicht ins Kino gegangen als der Film anlief. Gestern habe ich ihn mir schließlich auf DVD gekauft und heute angesehen : Der Film fängt mit einem Blick aus dem Weltall auf die Erde an. Tausend Lichter leuchten besonders auf dem amerikanischem Kontinent auf. Man sieht Umrisse von riesigen Städten - ein guter Anfang!
    Dann kommt die Ernüchterung : Die Szene wechselt nach Russland, alles sehr düster gehalten: eine zerstörte Stadt, überall Plattenbauten. Dann wird Hip-Hop eingespielt. Ich möchte nichts gegen Hip-Hop sagen (auch wenn ich kein großer Fan davon bin, obwohl ich doch alten Hip Hop gerne höre) aber die Musik passte überhaupt nicht. Da wären Streicher oder einfacher Elektropop besser gewesen. (Ich achte immer sehr genau auf die Filmmusik)
    Na ja, dachte ich mir, ich schaue erst einmal weiter. Zum Glück hörte die Musik dann auch auf und man hat einen kurzen Einblick in das Leben von Toorop und von den Nachbarn bekommen. Alles ist düster und dreckig gehalten - eine wunderbar düstere Atmosphäre, trifft genau meinen Geschmack. Dann geht's auch bald los und Toorop bekommt einen Auftrag von einem Mafiaboss - Gérard Depardieu als russischer Mafiaboss - herrlich! Dann geht der Film auch eigentlich schon los. Mehr will ich nicht verraten, ich gehe jetzt lieber auf die Atmosphäre und den Stil ein : immer wieder wechselt der Film zwischen düsteren Landschaftsbildern und es entstehen immer wieder Pausen zwischen der Handlung und den Action-Szenen. Die Action kommt natürlich auch nicht zu kurz : eine Verfolgungsjagd hier, eine Schießerei da, Schlägereien - diese Szenen wirken nicht zu hektisch und nicht all zu übertrieben. Auch besteht der Film nicht nur aus Action, es gibt viele Dialoge die nicht immer unbedingt die Handlung vorantreiben, das stört aber nicht im geringsten. Die schauspielerische Leistung von allen Darstellern ist ziemlich gut, wobei Vin Diesel (meiner Meinung nach) klar hervorsticht. In diesem Film kann er endlich mal wieder beweisen, dass auch er was drauf hat.
    Die Musik wird auch besser im Laufe des Films. Hans Zimmer hat auch am Soundtrack mitgewirkt - das hört man an vielen Stellen und passt dann auch endlich zum Film.
    Die Story scheint am Anfang nicht sonderlich einfallsreich zu sein, entwickelt sich aber im Laufe des Films und regt sogar teilweise zum Nachdenken an. Aber hier hätte der Drehbuchschreiber sich mehr zutrauen können, denn man hätte sehr viel mehr noch aus der Handlung machen können.
    Es ist ein sehr guter Actionfilm, der leider doch etwas zu kurz geraten ist. Denn ab und zu macht der Film seltsame Sprünge (die Grenze der USA in Kanada wird aus irgendeinem Grund nicht gezeigt: der Zoll an der Grenze im Norden von der USA wird direkt am Anfang erwähnt denn Toorop wird in den USA gesucht - er bekommt zwar eine andere Identität in einer Spritze (die er sich auch spritzt) aber man sieht dennoch nicht, wie er es schließlich durch den Zoll schafft - da fehlt einfach was).
    Das waren auch schon alle Kritikpunkte (und die unpassende Anfangsmusik natürlich) - ansonsten ist Babylon A.D. ein wirklich guter Film, und endlich mal wieder ein guter Vin Diesel Film.

    Fazit: Wie gesagt, für Actionfans ein Muss, für Vin Diesel-Fans sowieso und jeder, der auf Filme wie Blade Runner steht wird diesen Film vor allem wegen der Atmosphäre und dem dreckigen Stil mögen.

    Einzelwertungen:
    Darsteller : 8/10 (Vin Diesel zeigt endlich wieder dass er auch schauspielen kann, die anderen Darsteller sind allesamt gut)
    Plot : 9/10 (Eine sehr gute Geschichte mit einigen Wendungen, hätte man dennoch mehr draus machen können)
    Effekte : 10/10 Da gibt's nichts zu meckern. Gute, moderne Effekte (besonders im finalen Kampf)
    Anspruch : 6/10 Na ja, Anspruch ist so eine Sache. Ist, wenn man sich gerne mehr Gedanken macht durchaus vorhanden, besonders am Ende)
    Gesamteindruck : 9/10 (Ich schwanke zwischen 8/10 und 9/10 - kann mich eigentlich nicht entscheiden - aber da ich ein Vin Diesel Fan bin gebe ich mal die neun, alle, die Vin Diesel eher nicht mögen können dann einen Punkt abziehen)

    IMDB (Wertung 5.3/10)
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    Orome is offline Last edited by Orome; 25.04.2009 at 22:23.

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    Kinostart: 14.08.2008
    Genre: Horror/Thriller
    Regie: Pascal Laugier
    Haupt-Darsteller: Morjana Alaoui, Mylène Jampanoï
    SPIO/JK: Strafrechtlich unbedenklich
    Laufzeit: ca 96 Minuten (Uncut)

    Inhalt: Frankreich, Anfang der 70er-Jahre, ein verlassenes Industriegelände. Keine Menschenseele ist zu sehen, als sich die zehnjährige Julie schreiend und blutend durch die staubigen Straßen schleppt, dem Wahnsinn nahe, auf der Flucht vor unbekannten Peinigern. Als sie endlich aufgefunden wird, weist ihr geschundener Körper die Merkmale monatelanger Entbehrungen auf, aber keinerlei Anzeichen sexueller Gewalt. Das Mädchen wird in ein Krankenhaus eingewiesen. Täter und Motiv bleiben im Dunkeln. 15 Jahre später klingelt es an der Tür einer vierköpfigen Familie. Als der Herr des Hauses öffnet, sieht er sich Julie gegenüber - und dem todbringenden Lauf eines Jagdgewehrs ...

    Kritik: Tja... ein Film, der mit vielen Vorschusslorbeeren in den Olymp des Terror-Kinos gehoben wurde. Er sollte so unfassbar schlimm sein... die Evolution des Terrors. Ich hab ihn jetzt auch gesehen und bin etwas enttäuscht. Kein Vergleich zu dem genialen Inside, den ich vor ein paar Tagen noch gesehen habe.
    Die erste Stunde (und zwar fast auf die Minute genau!^^) war noch richtig super - Psychoterror vom Feinsten mit einigen wirklich traurigen und schockierenden Momenten. Zwar handeln die Protagonisten nicht immer glaubwürdig, aber man ist einfach zu geschockt von den Ereignissen, um näher darauf zu achten. Alles in allem aber auch nicht schlimmer als Hostel, zumindest nicht was die Brutalität angeht. Inside war da um einiges härter, wie ich finde. Naja, das erstmal zur ersten Stunde.
    Nach der ersten Stunde wirds dann irgendwie doof und teilweise auch ein wenig langweilig. Da wird eine langatmige, total langweilig in Szene gesetzte Folter gezeigt, die allerdings auch in ihrer Intensität deutlich weniger drauf hat, als z.B. Hostel oder so. Klar wäre das Gezeigte in der Realität grauenhaft, furchtbar und so weiter... ich will es in keinem Fall schön reden! Aber im Film wird das alles teilweise erschreckend langweilig dargestellt.. naja, ich wusste nicht so recht was ich davon nun halten sollte. Vielleicht nennt man es in der Form "realistisch".. wenn dem so ist, hab ichs lieber ein bisschen unrealistischer und dafür weniger langweilig...
    Das Ende ist dann wiederum doch noch ganz okay gewesen, allerdings auch nicht so wirklich das Wahre (weils im Grunde genommen total dämlich ist). Irgendwie wirkte der ganze Film auf mich sehr seltsam und vielleicht auch noch nicht so ganz ausgereift...

    Fazit: Die erste Stunde war super Psycho-Terror, danach ging dem Film die Luft aus. Und so schlimm (im positiven Sinne), wie er teilweise angekündigt wurde, war er ganz sicher nicht!

    Einzelwertungen:
    Darsteller: 7/10 (teilweise unglaubwürdiges Handeln der Darsteller, ansonsten gut)
    Plot: 7/10 (Brauchbarer, aber seltsamer Plot. Am Schluss bleiben viele Fragen offen)
    Effekte: 8/10 (Recht gut, allerdings hat man da auch schon Besseres gesehen)
    Anspruch: 6/10 (Anspruch ist auf jeden Fall in gewissem Maße vorhanden)
    Gesamteindruck: 7/10 (In der 1.Stunde super, danach eher mäßig)

    IMDB (Wertung 7.0)
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    freezing rain is offline Last edited by Harbinger; 06.12.2009 at 20:46.

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    Kinostart: 22.08.1996
    Genre: Action/Thriller
    Regie: Chuck Russell
    Darsteller: Arnold Schwarzenegger, Vanessa Williams, James Caan
    FSK: 16

    Inhalt: US Marshall John Krueger arbeitet für Witsec, eine Organisation, die sich den Schutz von wichtigen Zeugen zur Aufgabe gemacht hat. Ihm wird die Sicherheit einer Angestellten eines Waffenherstellers anvertraut, die gegen ihre Bosse auspacken will, die haben nämlich vor, neu entwickelte Hightech-Waffen an den Meistbietenden zu verschachern. Problem nur, dass es bei Witsec einen Maulwurf gibt, der nicht nur Zeugen umlegt, sondern die Schuld dafür auch Krueger in die Schuhe schieben will. Der schlägt zurück...

    Kritik: Kindheitserinnerungen sind eine schöne Sache. Damals war die Welt nämlich noch wesentlich in Ordnunger als heute (kann man das so sagen?), außerdem hatte man (also ich) noch nicht so viele Filme gesehen und war dementsprechend noch wesentlich leichter zu beeindrucken (wobei böse Zungen ja behaupten könnten, dass es kein Kunst ist, mich zu beeindrucken, Hauptsache es kracht ordentlich auf dem Bildschirm, gell?). Und noch dazu waren Actionfilme sowieso schon mal per Deffinitionem "geilooo", wenn irgendwo mit Kanonen rumgefuchtelt wurde und wahlweise auch noch Arnie mitspielte, dann war klein Count doch immer gleich Feuer und Flamme. So auch geschehen bei "Eraser", den der Gouvernator Mitte der '90er drehte, also zu einer Zeit, zu der er sich ein wenig von den ganz fiesen Schinken der Vorzeit abgewandt hatte und mit mächtig großen Budgets im Rücken in die Vollen ging. Ihr wisst schon, die guten Tage, in denen mitunter auch der geniale "True Lies" entstand. Ich sah "Eraser" jedenfalls vor sehr langer Zeit zum ersten Mal, es war wohl noch vor der Jahrtausendwende, und ich war ziemlich begeistert davon. Aber wenn man älter und klüger wird (streicht das Zweite, bleiben wir einfach bei "älter"), dann muss sich so ein Urteil ja erst mal bestätigen, also kaufte ich irgendwann vor einiger Zeit mal den guten "Eraser" auf DVD. Schaute ihn aber nicht dort an, sondern am Abend des 24. April, als er mal wieder im Free-TV lief. Wieso auch nicht? Die Alternativen (irgend ein französischer Film, der vom Titel her recht reizvoll klang, von der Inhaltsbeschreibung aber nicht, desweiteren noch ein koreanischer Klopper namens "Shiri", dessen erste paar Minuten mich allerdings nicht gerade ansprachen) waren alles andere als verlockend, also hi ho, let's go, Schwarzenegger.
    Was sagte ich gerade noch? Ah ja, großes Budget. Stimmt. Für "Eraser" machte das Studio gerade mal so hundert Millionen locker, mit denen Regiekasper Chuck Russell ("Die Maske") allerlei anstellte, nur eins nicht: ein gutes Drehbuch einkaufen. Echt wahr, das Autorengespann Tony Puryear (war seine erste Drehbucharbeit), Walon Green ("The Wild Bunch", "RoboCop 2") und Michael S. Chernuchin (schrieb ein paar Folgen "24", allerdings - Überraschung - erst später, muhahaha) muss sich irgendwo in einer Kneipe getroffen haben. Und zwar unter dem Tisch. Denn "Eraser" ist einfach nur ein grauenhaft geschriebener Reißer, bis oben hin vollgestopft mit Plot-Blödheiten und sonstigen Fehlern, dass man reihenweise ins Sofa beißen könnte. Die Fiesmänner verhalten sich wie die letzten Blödbirnen, Arnie nicht minder doof (heyho, US Marshall, die Taktik zum Häuser sichern üben wir aber noch mal, oder lässt du dir gern jedes Mal potenziell in den Rücken schießen?), die ganze Story ist an den Haaren herbei gezogen, und und und. Aber so doof die Plotte auch sein mag, eins kann man ihr nicht absprechen: Sie schafft es bravourös, ein Grundgerüst zu basteln, in das man eine Actionszene nach der anderen kloppen kann. Und genau das ist es doch, was wir uns wünschen. Dazu haben unsere Drehbuchverbrecher auch noch den einen oder anderen Actionhobel der letzten zehn Jahre gebüffelt und sich so ein paar coole One-Liner aus den Fingern gesaugt, was will man mehr?
    Naja, Chuck Russell wollte offensichtlich mehr, nämlich irgend etwas Anspruchsvolles aus dem Skript stricken. Zumindest in der ersten Stunde des (leicht zu lang geratenen) Films spürt man noch, wie er die Thriller-Aspekte herauskehren möchte, aber wegen exzessiver Blödheit im Drehbuchdepartment ist das sowieso gleich zum Scheitern verurteilt und so hat der Film relativ arg mit Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen. Von ein paar Actioneinsprengseln und ein paar doofen Mienenspielen der Marke Arnie abgesehen passiert hier nicht viel Interessantes (den Gastauftritt von James Cromwell mal abgesehen, der aber hammermäßig schlecht etabliert wird, wie sehr vieles in dem Film, hy Skript!!!) und deswegen dachte ich mir auch, dass sich meine damalige Einschätzung des Streifens nicht bestätigen würde, zum Glück zieht der Film aber spätestens nach der Einbringung des Maulwurf-Plots (hier leistet Russell sich auch ein paar grobe Inszenierungs-Patzer, ich sprach ja bei "Highway Psychos" schon davon, dass Regisseure ihr Publikum doch gerne mal etwas klüger einschätzen dürften) mächtig an und feiert ein paar grandiose Actionsequenzen ab. Sei es die Schießerei im Flugzeug (inklusive der Fallschirm-Sequenz), der Kram im Zoo (Hallo? Arnie erschießt ein Krokodil, geht's noch cooler?) oder natürlich der Showdown mit den Railguns (yey), das macht alles mächtig Laune und trotz blauem Aufkleber wird hier eigentlich auch nicht zahmer gemeuchelt als bei "Phantom Kommando". Beim abgebissenen Arm und der Erledigung einer ganzen Wagenladung harmloser Sicherheitsmänner, die bestimmt alle Frauen und Kinder hatten, musste ich schlucken und grinsen gleichzeitig. Kennt man ja.
    Von der Marke "Kennt man ja" sind auch die Schauspielleistungen. Arnie zieht eine gewohnte Show ab, ist in den Actionszenen absolut brillant, hat ansonsten Charisma und liefert seine One-Liner in gewohnter Qualität ab, ansonsten nichts Herausragendes. Ihm zur Seite steht Sängerin Vanessa Williams ("Shaft"), die optisch zwischen nicht so reizvoll und relativ attraktiv schwankt. Vom Können her ist die Frau ziemlich solide, hat aber auch absolut nicht viel zu tun. Dann ist da noch James Caan ("Der Pate", "Mickey Blue Eyes", "The Way Of The Gun") als Arnies Mentor/Maulwurf (oh, hab ich jetzt gespoilert? Theoretisch schon, aber das hat sich eh schon jeder gedacht und der Film macht auch gar keinen so großen Hehl draus) Robert Deguerin und der Mann ist gewohnt gut, als wahrer Actionfiesling fehlt's ihm ein wenig an physischer Durchschlagskraft (ist ja auch nicht mehr der Jüngste), aber schauspielerisch leistet er gute Arbeit und ist vor Allem auch mit viel Freude bei der Sache. Ansonsten gibt es Massenweise namenloses Kanonenfutter, allerdings auch ein paar Gastauftritte zu Verzeichnen. James Cromwell würdigte ich bereits, dann ist da noch James Coburn ("Steiner - Das eiserne Kreuz") als Witsec-Chef Beller, der mittlerweile verstorbene Robert Pastorelli ("Be Cool", "Tödliche Nähe") als Arnies Semi-Sidekick im letzten Akt, Johnny C, Joe Viterelli ("Mafia!", "Mickey Blue Eyes") als Johnnys Cousin und ganz kurz darf auch K. Todd Freeman ("Grosse Pointe Blank") noch seine Nase vor die Kamera halten. Pastorelli macht dabei einen etwas durchwachsenen Eindruck, er ist für den Plot (der ja eh etwas scheiße ist) nicht unerheblich, aber seine Comic-Relief-Momente wirken... hm... aufgesetzt, um es mal vorsichtig zu sagen. Aber sowieso ist die "Stimmung" des Films etwas unausgewogen, nicht nur der Humor. Auch lässt das Skript die Akteure in den eher "melodramatischen" Augenblicken ziemlich im Regen stehen, bzw. Konsequenz wird hier eher klein geschrieben. Wenn Vanessa Williams' Ex-Freund mit einer Railgun perforiert wird zum Beispiel und sie ganz kurz aufheult, nach wenigen Augenblicken aber alles wieder vergessen ist... Hmja.
    Ist aber Wurscht, was hier die Hauptsache ausmacht ist ja all die sexy violence, die vor Allem die zweite Hälfte des Films zu einer verdammt spaßigen Angelegenheit macht. Was könnte aber die gewalttätigen und bleihaltigen Auseinandersetzungen noch in den Schritt treten? Richtig, schlechte Effekte. Bei den meisten Actionreißern fällt das ja nicht so sehr ins Gewicht, solange die Schießereien eher Bodenständig bleiben (und das Blut von Hand gemacht wird und nicht vom Rechner), "Eraser" setzt aber erstaunlich viel auf CGI. Einerseits haben wir da natürlich die Railgun-Schießereien, die relativ cool aussehen, aber ja auch eher von der flinken inszenatorischen Sorte sind (ist auch viel netter als ewig nur olle Knarren, die Dinger rocken halt) und man dementsprechend nicht so viel falsch machen kann. Dann ist da die große Flugzeug-Actionszene, in der schon ein paar etwas hässlichere Computereffekte geboten werden, vor allem der CGI-Arnie, der draußen hängt, wirkt... komisch. Aber es geht noch und tut dem Spaß wenig Abbruch. Und auch die Schießerei im Zoo kommt nicht ohne Special-F/X aus, immerhin muss Schwarzenegger sich hier ja mit Krokodilen balgen und in den Szenen mit engem Körperkontakt kommen die auch mit großer Wahrscheinlichkeit (bzw. Sicherheit... ich seh's doch) aus der Rechenmaschine. Sieht relativ künstlich aus, ja, aber der Einsatz hält sich in Grenzen, so dass auch hier nicht groß gestört wird.
    "Nicht groß gestört" ist ein gutes Stichwort, denn "Eraser" hat durchaus Nachteile, sei es seine doofe und löchrige Story, sein unausgewogener und meist unlustiger Humor, sein holpriger Auftakt oder seine durchwachsenen CGI-Effekte, aber die fallen nicht groß ins Gewicht, denn entschädigt wird man voll und ganz durch die coolen Actionszenen, die netten One-Liner, das gut aufgelegte Darstellerensemble und... Hallo? Arnie erschießt ein Krokodil!!!
    Kommen wir zum Fazit: "Eraser" ist ein kunterbuntes Actionfeuerwerk voller schwachsinniger aber hillariöser Momente, kerniger Schießereien und cooler One-Liner. Arnie ist in seinem Element und liefert einen Film ab, der nicht viel mehr will, als zu unterhalten und dazu ein angenehm hohes Budget verballern darf. Ein netter Bodycount, überraschend brutale Augenblicke und eine treudoofe schwarz-weiß-Moral wie noch zu besten "Phantom Kommando"-Zeiten runden das Gesamtbild ab. Wenn man "Eraser" etwas anlasten kann, dann seine lahme Anlaufphase und die Tatsache, dass ihm irgend ein besonderes Gimmick fehlt, das die meisten anderen Schwarzenegger-Hobel inne haben, aber trotzdem ist der Film absolut tolles Unterhaltungskino.

    Einzelwertungen:
    Darsteller: 07/10 (alle wie gehabt, Caan mit viel Spaß bei der Sache)
    Plot: 02/10 (katastrophal, voller Löcher und Ungereimtheiten)
    Effekte: 06/10 (veraltet, aber immer noch ordentlich genug, um nicht zu stören)
    Anspruch: 01/10 (pure mindless fun)
    Gesamteindruck: 7.5/10 (spaßig, wenn auch etwas breit gelatscht und deswegen nicht so unterhaltsam, wie andere Schwarzenegger-Vehikel)

    Link zur IMDB-Seite (Wertung: 5.9)
    Link zum Trailer
    Die DVD bei Amazon.de
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    Kinostart: 29.07.1999
    Genre: Western/Science-Fiction/Komödie
    Regie: Barry Sonnenfeld
    Darsteller: Will Smith, Kevin Kline, Kenneth Brannagh
    FSK: 12

    Inhalt: Das 19. Jahrhundert, irgend jemand entführt die klügsten Wissenschaftler der Welt. Kurz darauf erhält der Präsident der Vereinigten Staaten einen Brief, in dem er aufgefordert wird, sich dazu bereit zu machen, innerhalb von einer Woche seinen Posten zu räumen. Die beiden Agenten Jim West und Artemus Gordon werden - trotz persönlicher Differenzen - angewiesen, den Dingen auf den Grund zu gehen.

    Kritik: Wir schreiben das Jahr 2009 und Will Smith ist nicht nur der bestbezahlte, sondern auch der publikumsträchtigste Schauspieler des Planeten. Ganze Kinosäle füllen sich, wenn man nur seinen Namen erwähnt. Ist eigentlich wurscht, wo der Mann mitspielt, der Erfolg ist garantiert. Aber das war nicht immer so. Vor zehn Jahren war sein Stern als Kinoschauspieler gerade noch am Aufgehen, zwar hatte er bereits in prestigeträchtigen Projekten wie "Independence Day" oder ebenfalls unter der Regie von Barry Sonnenfeld in "Men In Black" mitgespielt, aber der große Durchbruch war das noch nicht, wie die zweite Kolaboration der beiden Männer im Jahre 1999 bewies. Da wurde nämlich flugs versucht, gleichzeitig mit Hilfe von Will Smiths Popularität als auch dem aufkommenden "Wir verfilmen alte Kultserien"-Boom abzukassieren. Das Ergebnis daraus, die Multi-Millionen-Dollar-Produktion "Wild Wild West", entwickelte sich allerdings nicht nur bei den Kritikern sondern auch an den Kinokassen zu einem Desaster. Der Film ging baden. Ganz enorm. Aber wieso das eigentlich? Genau das wollte ich doch mal unter die Lupe nehmen, als sich die Gelegenheit ergab, bzw. der Film im Free-TV lief.
    Und siehe da, der Schuldige ist auch schon erstaunlich schnell ausgemacht. Es ist nicht Will Smith, der wie immer sehr gut spielt (allerdings nichts abliefert, was ihn als "bestbezahlter Schauspieler von Welt" prädestinieren würde), den man aber Angesichts seines Materials geradezu bemitleiden könnte. Es ist auch nicht Barry Sonnenfeld, der die 170 Millionen Budget voll ausnutzt und den ganzen Film zum Niederknien gut ausstatten lassen hat und auch stringent und rasant durchinszeniert. Die beiden können echt nix dafür, kämpfen sogar nach Leibeskräften gegen den wahren Unhold an. Die sich da Jim und John Thomas nennen und für das Drehbuch von "Wild Wild West" verantwortlich zeigen (gemeinsam mit einem ganzen Haufen Screenplay-Editoren) und auch schon so Blockbuster wie "Predator" verfassten. Ich gestehe jetzt gleich mal, ich kenn die Originalserie gerade mal so vom Namen her, ich weiß nicht, wieviel da recycelt wurde, aber Western mag ich ja eh und die Idee, so einen mit Sci-Fi-Elementen anzureichern und damit eine Art "James Bond of the 19th Century" zu basteln finde ich persönlich nicht nur interessant sondern sogar richtig löblich. Daraus könnte man eine ganze Menge machen. Aber nicht, wenn man die guten Mister Thomas ans Drehbuch lässt. Denn deren Schreibe als "grauenhaft" zu klassifizieren wäre noch geschmeichelt.
    Die Grundidee ist gut, da will ich gar nichts dran meckern, daraus hätte man ein gutes Drehbuch schustern können. Die meisten Plotentwicklungen sind sogar gar nicht so übel, zwar vorhersehbar, aber wer mit Klischees arbeitet ist meistens auf der sicheren Seite, beziehungsweise liefert ein mindestens solides Drehbuch ab. Aber die Details sind es, in denen die treibende Kraft hinter diesem... ähm... "Skript" sich total verkalkuliert. Um mal so freundlich wie unter den gegebenen Umständen möglich zu bleiben, die guten Herren haben nicht nur keine Ahnung von Charakteren, wichtigen Handlungslementen oder HUMOR, sie können auch einfach nicht schreiben. So klauen sie ihr Skript aus Motiven anderer, wesentlich besserer Filme zusammen (mir fielen unter Anderem Anlehnungen an "True Lies" und diverse "James Bond"-Filme auf, der augenscheinlichste wohl "Goldfinger"), garnieren das Ganze noch mit doofen Dialogen und Humor, der keiner ist, et voilà. Das schaut sich genau so merkwürdig, wie es klingt.
    Dabei ist der größte Klopser wohl tatsächlich der Humor, der schwankt nämlich zwischen "ganz okay" (immer dann, wenn Rassismus-Witze gebracht werden - und ehe mich jemand dafür belangen will, ich rede von der negativen Variante, also die, die Will Smith urhebt - und in ganz seltenen Fällen mal ein One-Liner) und "heilige Scheiße, wer hat sich das denn ausgedacht" (in jeder anderen Situation). Es ist wirklich beängstigend, was für einen beschränkten humoristischen Horizont die Herren Thomas gehabt haben müssen, um dieses Skript zu verfassen, denn die meisten Scherze ruhen sich auf diversen Peinlichkeiten aus und halbgarer Slapstick und Schwulenwitze werden natürlich auch mal wieder gebracht. Kevin Klines feminine Verkleidungsmethoden sind da nur die Spitze des Eisberges. Aber auch ansonsten bekleckert sich das Skript nicht gerade mit Ruhm, vor allem die physikalischen Unzulänglichkeiten der magnetischen Kragen waren... interessant. Womit sich dieser geradezu kindische Humor dann aber wieder beißt ist die teilweise richtiggehend brutale Natur des Streifens. Wenn der Bösewicht mal gerade ein ganzes Regiment Soldaten mittels Maschinengewehren ins nächste Leben schickt, wenn Jim West im Nahkampf einem Gegner ein Messer in die Brust rammt, um die Leiche dann als "Korkenersatz" für einen feindlichen Schornstein zu verwenden, wenn er mir nichts dir nichts etwa sechs Angreifer totschießt... Dann fragt man sich doch, wer eigentlich kindlich genug ist, um über den Humor zu lachen, andererseits von diesen doch gar nicht so harmlosen Szenen nicht nicht ersch... äh... ich hab den Faden verloren, aber ich schätze mal ihr habt in etwa verstanden, was ich meinte (und wehe irgend jemand antwortet auf die unausgesprochene Frage im vorigen Satz "Na aalten Count natürlich, höhöhö", für die dummen Witze auf meine eigenen Kosten bin immer noch ich selbst verantwortlich, biete, danke, ok!!!). Kurzum: Das Skript von "Wild Wild West" ist eine sehr konfuse Angelegenheit, die großen Teilen des Films mit Anlauf in den Schritt tritt.
    Und das ist schade, um nicht zu sagen verdammt schade, denn wenn man hier besser gearbeitet hätte, dann hätte das Ding eine richtig runde Sache werden können. Das Geld war vorhanden und wurde auch an die richtigen Stellen gepumpt, die Special-F/X (allen voran die riesige mechanische Spinne) sehen richtig cool aus, die Actionszenen machen auch was her (hätten aber angesichts des im Ansatz gezeigten eigentlich noch brutaler ausfallen dürfen, hier hätte man mal Massenappeal bei Seite lassen und auf eine 16er-Freigabe gehen sollen) und die Darstellerriege ist theoretisch eh über jeden Zweifel erhaben. Praktisch... äh... ja, hätte man hier auch ein paar "lustige Ideen" weglassen können. Will Smith ist wie schon erwähnt gut (auch wenn er ein paar doofe Dialogzeilen rüberbringen muss und seine Figur eh irgendwie ziemlich doof ausgefallen ist), wird aber von seinem Sidekick Kevin Kline ("French Kiss", "Ein Fisch namens Wanda") locker in den Schatten gestellt, der Mann hat's einfach raus. Was die Tatsache betrifft, dass der aber neben Artemus Gordon auch noch den Präsidenten mimt... Hätte es meiner Meinung nach nicht gebraucht, sorgte zwar für einen der witzigeren Witze des Films, aber vor allem in der deutschen Synchronfassung war die Stimmenverstelleinlage des gemeinsamen Synchronsprechers eher bescheidener Natur. Dann ist da Bösewicht Kenneth Brannagh ("Hamlet", "Mary Shellys Frankenstein") und der macht seine Sache auch sehr gut, ich sah bislang noch nicht viel mit ihm, aber den wahnwitzigen Krüppel (pardon my french) hat er gut drauf und er ist auch mit viel Spielfreude bei der Sache. Etwas weniger freundliche Worte muss ich wohl verlieren, wenn ich mich der Leistung von Salma Hayek ("From Dusk Till Dawn", "Desperado") annähere, das liegt aber nicht an ihr, beziehungsweise ich kann's ihr echt nicht übel nehmen, dass sie so vergessenswert spielt, ihre Rolle ist einfach völlig doof und überflüssig und nervt teilweise einfach nur. Aber man brauchte wohl eine Frau im Skript, ist ja so was wie eine Vorschrift in Hollywood. Noch Erwähnenswert ist Ted Levine ("Evolution", "Joy Ride") als Semiekel General "Blutbad" McGrath, der ein paar nette Szenen hat, aber überraschend früh aus der Handlung verschwindet, genau wie Ling Bai ("The Crow") als Kollegin East, was für ein paar gar lustige Wortspiele (also das, was die Herren Thomas sich unter "lustige Wortspiele" vorstellen) sorgt. Und M. Emmet Walsh ("Die Hochzeit meines besten Freundes") als Zugführer Coleman ist sogar richtig cool. Prinzipiell alles in Ordnung von der Seite aus, wie auch bei den restlichen Production Values. Was man von Will Smiths hauseigenem Soundtrack halten will ist wohl Geschmackssache, ich fand ihn eigentlich gar nicht übel.
    Aber was macht man jetzt aus "Wild Wild West"? Latent unlustiger Humor und eine Story wie sie dämlicher nicht geschrieben sein könnte prallen auf eine astreine, temporeiche Inszenierung (das Ding geht tatsächlich - von seinen Blödheiten abgesehen - runter wie Öl, auch wenn die sage und schreibe umpfzig Showdowns - ich hab nicht mitgezählt, sorry, waren aber viele - doch etwas zu viel des Guten sind, vor allem, weil das Skript da gar keine nennenswerten Ideen mehr hat, sondern sich einfach nur noch im Kreis dreht), gute Darsteller, coole Effekte und Actionszenen. Also lasst es mich mal so sagen...
    Kommen wir zum Fazit: "Wild Wild West" nervt gar nicht so aktiv. Es gibt viele Dummheiten im Skript, die einfach nicht hätten sein müssen, auch sind die Witze öfter peinlich als lustig, aber trotzdem unterhält der Film ziemlich schmerzfrei, den guten Darstellern, den wenigen gelungenen Scherzen und den ordentlichen Actionszenen sei's gedankt. Wer mit hohlen Drehbüchern was anfangen kann und sich ansonsten nur berieseln lassen will, der liegt mit dem Film wohl gar nicht so falsch, aber es gibt wesentlich bessere Alternativen.

    Einzelwertungen:
    Darsteller: 07/10 (alle irgendwie etwas unterfordert, Kline trotzdem groß)
    Plot: 05/10 (grundsätzlich gut, aber scheiße geschrieben)
    Effekte: 08/10 (das sieht schon alles echt cool aus, muss man sagen)
    Anspruch: 02/10 (doof, doof, doof)
    Gesamteindruck: 05/10 (tut nicht weh zu sehen, aber man muss sich wahrlich nicht drum reißen)

    Link zur IMDB-Seite (Wertung: 4.2)
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    DVD-Start: 01.04.2009
    Genre: Horror/Thriller/Drama
    Regie: Pascal Laugier
    Darsteller: Morjana Alaoui, Mylène Jampanoï, Catherine Bégin
    FSK: 18

    Inhalt: Die kleine Lucie wurde als Kind von Fremden eingesperrt und gefoltert. Eines Tages gelang ihr die Flucht, sie kam daraufhin in einem Krankenhaus unter, wo sie sich mit Anna anfreundete. Aber die seelischen Narben der Tortur wird sie trotzdem nicht los und so klingelt sie eines schönen Tages 15 Jahre später bei einer Familie an der Tür und pustet Vater, Mutter und beide Kinder ins nächste Leben, denn diese Familie hat ihr das damals angetan, da ist sie sich sicher. Aber damit ist die Sache noch lange nicht erledigt...

    Kritik: Eigentlich wollte ich mal wieder eine Review-Pause machen, nachdem ich mich durch das Geschreibsel zu "Eraser" und "Wild Wild West" quasi mit Händen und Füßen durchkämpfen musste und mir zu dem gestern angeschauten "Highwayman" mit James Caviezel überhaupt keine Beurteilung in Langform einfallen wollte (in kurz: Eine relativ herbe Enttäuschung...). Tja, passiert, aber dann laß ich vorhin Good Psychos Review zu unserem heutigen Streifen, entschied mich fix ihn doch mal selber anzuschauen und als dann der Abspann über den Bildschirm flimmerte, da war mir klar, da muss ein Gegenreview kommen. Also hier ist es. Freut euch biete.
    Okay, ich schätze mal die Sache hier wird relativ kurz werden (zumindest hoffe ich es, aber das war ja noch nie so meine Stärke), denn ich hab eigentlich keine gesteigerte Lust, diesem gewaltigen Haufen Scheiße hier noch mehr von meiner wertvollen Zeit zu opfern (stellt euch nur vor, was ich ansonsten alles damit anfangen könnte... mir die Fingernägel feilen oder meine M&Ms alphabetisch sortieren oder so...), aber die Chronistenpflicht, man kennt das ja. Ich denke ihr wisst es schon, ich bin alles andere als zart besaitet, habe mit gewaltigen Blutmengen oder sonstigen Formen der Ultraviolence in Filmen kein Problem, trotzdem hat "Martyrs" es mühelos geschafft, mich zu schockieren und anzuekeln. Und beides nicht etwa wegen der exzessiven Gewaltdarstellung des Streifens, die war nämlich eigentlich doch eher harmlos. Sondern viel eher weil es mir mal wieder handfest vor Augen führte, was doch Falsch ist an dieser unseren Welt, in der so eine bodenlose Frechheit von einem Film nicht nur erdacht und gedreht sondern auch noch von Kritikern und Fans frenetisch gefeiert wird. Hallo, habt ihr sie noch alle? Danke, jetzt geht's mir besser...
    Zugegeben, ich habe einige harte Worte über "Jack Ketchum's Evil" verloren, zu dem von einigen Leuten, die sich "Martyrs" anschauten, ja Vergleiche herangezogen wurden. Und wenn ich die beiden Filme jetzt so nebeneinander stelle und vergleiche, dann muss ich mich bei ersterem doch echt entschuldigen, denn gegenüber "Martyrs" ist "Jack Ketchum's Evil" ganz große Kunst. Aber andererseits kann man das gar nicht miteinander vergleichen, denn wo "Jack Ketchum's Evil" eine wahre Geschichte nacherzählt (mehr oder weniger) und von daher die Möglichkeit gehabt hätte schockierend zu wirken (was an der Tatsache scheiterte, dass nur schauspielerische Vollpfosten beteiligt waren und Autor "Jack Ketchum" einfach keine Eier in der Hose hatte), da fällt das bei "Martyrs" von daher flach, dass das Drehbuch einfach nur eine absolute Katastrophe ist und nicht mal im Ansatz die Möglichkeit hat, dem Zuschauer mit der Realitätskeule zu kommen (zumindest nicht, wenn man nicht mehr an den Weihnachtsmann glaubt...). Viel zu lang walzt Regisseur Pascal Laugier (oh meine verfickte Scheiße, der Mann soll "Hellrasier" neu auflegen, ich hol mir 'nen Strick) seine hirnverbrannte Storyidee, die ganz klar als Kurzgeschichte oder - film besser geeignet gewesen wäre (alles hier dran schreit auch geradezu danach, dass der Film gerne genau so etwas gewesen wäre, allem voran die allerletzte Szene, die so eine richtig typische Kurzgeschichtenauflösung war... ich kam übrigens danach aus dem Kichern ob dieser bodenlosen Dummheit kaum raus), aber dann könnte man ja nicht so viel Blood & Gore einbringen und dann würde es ja keiner sehen wollen. Also mal fix die ganze Chose aufgebohrt und noch ein paar Liter Suppe reingekippt...
    Es funktioniert nicht. Wenn man auch nur ein wenig Erfahrung mit brutalen Filmen hat (und sowieso kein Problem damit hat, Film von Realität zu unterscheiden, was die halbgare Inszenierung des Stoffes, das hirnverbrannte Drehbuch und die mittelprächtigen bis lächerlichen Schauspielleistungen nur noch unterstützten), der merkt schon während dem Anschauen, wie sich hier alle beteiligten Komponenten jede Menge Beine stellen. Vielleicht bin ich auch einfach nur der falsche Mensch für diese Art von Filmen (was für mich ein ganz klares Kompliment wäre, aber mit Terrorfilmen kann ich prinzipiell was anfangen wenn sie gut gestrickt sind, wie "The Devil's Rejects" bewies, den ich zwar nicht so gut wie Ponti fand, aber doch ansehbar), aber selbstzweckhafte Gewalt (und damit ist dieser Streifen randvoll) wirkt auf mich entweder anekelnd (Fulci, hy!!!) oder extrem ermüdend. Zweiteres schafft "Martyrs" ganz bravourös, die unmotivierten Gewalteskapaden, die von dem hakeligen Drehbuch zusammengehalten werden, langweilen extrem, da ihnen einerseits völlig der Unterhaltungswert abgeht, sie andererseits aber auch einfach nicht schockieren können, weil alles drum herum so blöde geraten ist.
    Was dabei also heraus kommt ist ein dümmlicher Gewaltporno der Marke "Hostel" (ohne den jetzt diskreditieren zu wollen, ich hab ihn noch nicht gesehen, aber was man so hört... naja, ich schau ihn irgendwann mal), der Leuten gefallen dürfte, die entweder Probleme mit der Unterscheidung von Film und Realität haben (erwähnte ich ja schon), oder denen bei exzessiver (und auch noch schlecht inszenierter) Gewalt gegen Frauen mächtig einer abgeht. Haha, was haben wir gelacht. Nicht. "Martyrs" fasst ziemlich gut all das zusammen, was schlecht und böse am "Terrorfilm" ist und jeder, der den Film irgendwie gut findet, sollte erwachsen werden oder sich in psychiatrische Behandlung begeben oder beides. Auf die handwerkliche Seite will ich jetzt gar nicht mehr groß eingehen, es sei nur gesagt, dass die Kameraführung ein wahrer Graus ist, die Ausleuchtung ebenso, der Score latscht hin und wieder bis zur Kniekehle ins Fettnäpfchen, die Darsteller tummeln sich irgendwo zwischen "okay" und "scheiße" (inklusive unfreiwillig komischer Szenen, in denen ich das Lachen kaum verdrücken konnte) und die Effekte sind vom Billigsten. Und trotz aller Anstrengung hab ich echt nichts gefunden, was ich an diesem Film mögen könnte.
    Kommen wir zum Fazit: "Martyrs" ist grobe Scheiße. Sinnlos, langweilig, nicht mal besonders brutal und dann doch wieder gewalttätig genug, um jeglichen anderen Vorzüge, die der Film potentiell hätte haben können (ich gebe zu, es sind nicht viele) locker auszuboten. Eine halbe handwerkliche Katastrophe ist da nur noch der Tropfen auf dem heißen Stein. Der Film wird sein Publikum finden, keine Frage, ich bin heilfroh, dass ich nicht dazu gehöre. Na das war doch jetzt mal kurz. So ein Scheiß...

    Einzelwertungen:
    Darsteller: 04/10 (im Allgemeinen okay mit ein paar totalen Ausfällen, vor Allem auf Seiten von Morjana Alaoui)
    Plot: 01/10 (dünn, dummdreist und für ein Full-Length-Feature absolut ungenügend)
    Effekte: 05/10 (vor allem die abgezogene Haut sah ja mal zum Fürchten aus...)
    Anspruch: -01/10 (ja, richtig gelesen...)
    Gesamteindruck: 0.5/10 (ein Scheißfilm, wie er einem nur selten unter kommt... hoffentlich... oh Gott, "Inside" hab ich auch noch da...)

    Link zur IMDB-Seite (Wertung: 7.0)
    Link zum Trailer
    Die DVD bei Amazon.de
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    Genre: Drama
    Regie: Jessie Nelson
    Haupt-Darsteller: Sean Penn, Michelle Pfeiffer, Dakota Fanning
    FSK: 6
    Laufzeit: ca. 128 Minuten

    Inhalt: Ich bin Sam ist die bewegende Lebensgeschichte des geistig behinderten Sam Dawson (Sean Penn): Mit der Unterstützung außergewöhnlicher Freunde zieht er seine Tochter Lucy selbst auf. Aber als Lucy sieben wird und Sam ihr intellektuell nicht mehr gewachsen ist, gerät die Familienidylle aus dem Lot: Die zuständige Sozialarbeiterin will Sam seine Tochter wegnehmen und Pflegeeltern anvertrauen. Vor Gericht hat Sam keine Chance. Dennoch nimmt er - mit Hilfe der energischen Anwältin Rita Harrison (Michelle Pfeiffer) - den Kampf gegen das Rechtssystem auf...

    Kritik: Der schönste und bewegendste Film, den ich jemals in meinem Leben gesehen habe. Und das ist nicht nur eine Phrase, wie man leicht annehmen könnte.. auch wenn ich diesen (oder einen ähnlichen) Spruch recht oft raus haue und jedes mal denke, er wäre zutreffend. Hierbei ist es tatsächlich nicht übertrieben zu sagen, dass dies definitiv der schönste und bewegendste Film ist, den ich jemals gesehen habe (nur ums nochmal zu erwähnen^^).
    Vielleicht mag es daran liegen, dass ich in meinem späteren Beruf und auch jetzt (als FSJ-ler im Endstadium) viel mit Menschen mit Behinderungen zu tun habe. Jedenfalls habe ich ohne zu übertreiben schlichtweg so gut wie den gesamten Film über geweint. Immer wieder, mal mehr, mal weniger. Mir fällt es eigentlich nicht so leicht, bei einem Film zu weinen... da ist zwar schonmal die tiefe Traurigkeit vorhanden, aber Tränen behalte ich mir dann meistens doch vor (bis auf kleinere Ausnahmen). Aber hier ist das ganz ganz anders... Auf eine bewegende Szene folgt die nächste. Tiefes Mitgefühl wird durch einen kurzen lustigen Moment aufgelockert, was dazu führt, dass man zwischen den ganzen Tränen auch immer wieder lächeln muss. Deshalb "schön" und "bewegend".
    Der Film schafft auch unheimlich viel durch seine geniale Musikuntermalung. Traurige, ruhige Musik setzt immer zu 100% passend in den genau richtigen Momenten ein, um die Tränen dann auch wirklich aus den Augen hinaus zu zerren, ohne Wiederrede. Eigentlich könnte ich nicht nachvollziehen, wie ein Mensch von diesem Film nicht emotional so berührt werden könnte, dass er weinen muss. Egal welche Art Mensch. Wie gesagt, arbeite ich aber auch mit viel Freude mit behinderten Menschen zusammen, sodass es schon ein wenig damit zu tun haben könnte, dass ich derart empfindlich auf diesen Film und so gut wie jede Szene darin reagiert habe, was mir wirklich noch nie bei einem Film passiert ist...
    Sean Penn spielt den Sam jedenfalls mit derart viel Hingabe und Gefühl, dass zu keinem Zeitpunkt irgendwelche Zweifel (noch nicht mal im Ansatz!) an der Echtheit seiner Behinderung aufkommen. Wahrhaft eine Schande, dass er nur für den Oscar als bester Hauptdarsteller nominiert wurde... verdient hätte er ihn für diese Rolle wie kaum ein anderer! Michelle Pfeifer bietet derweil einen guten Sidekick für Sam. Sie spielt auch ordentlich, versinkt allerdings teilweise etwas im Schatten Penn's. Vergessen wollen wir aber auch nicht die Kleine, Sams Tochter, um die es ja im ganzen Film auch geht. Die Schauspielerin leistet für ihr Alter erstaunliches! Wirklich großartig!
    Die Beziehung der Charaktere zueinander erhält im Verlauf des Films eine derartige Tiefe... man kann eigentlich mit sämtlichen Charakteren mitfühlen - sei es mit Sam und seinen behinderten Freunden, die so irgendwie.. einfach nur süß sind, wie sie sind (knuddelig^^). Oder die aufkeimende Beziehung zwischen Sam und Rita, welche anfangs noch eher spontan aufgezwungen wird, die sich dann aber zu einer rührenden besonderen Art von Freundschaft entwickelt. Oder die tolle Vater-Tochter Beziehung zwischen Sam und seiner Tochter, die aller Widrigkeiten zum Trotz nie an Intensität verliert... Es ist schon faszinierend, was uns dieser Mensch mit seiner geistigen Behinderung alles über Liebe beibringen kann... und darüber was einen guten Vater ausmacht... der ganze Film ist einfach nur großartig!
    So will ich jetzt auch erstmal verbleiben...

    Fazit: Emotional bewegend und schön wie kaum ein anderer Film. Mein absoluter Favourit unter den Dramen. Noch nie habe ich so viel weinen müssen, wie bei diesem Film. Wirklich noch niemals auch nur ansatzweise! Eine absolute Empfehlung!

    Einzelwertungen:
    Darsteller: 10/10 (Sean Penn's Rolle seines Lebens, die anderen spielen ebenfalls sehr gut)
    Plot: 10/10
    Effekte: 5/10 (naja, es gibt hier halt so gut wie keine Effekte zu bestaunen... ist eben ein Drama)
    Anspruch: 10/10 (Übermäßig emotional - sollte man nicht unterschätzen)
    Gesamteindruck: 10/10 (der bewegendste und schönste Film, den ich jemals gesehen habe)

    Link zur IMDB-Seite (Wertung: 7.3)
    Link zum Trailer (englisch - die deutsche Synchro ist aber auch absolut phantastisch!)
    DVD bei Amazon
    freezing rain is offline Last edited by freezing rain; 14.05.2009 at 15:45.

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    FleshEater: Revenge of the Living Dead

    [Bild: FleshEater.jpg]

    DVD-Start: 14.09.2006
    Genre: Horror/Splatter
    Regie: S. William Hinzman
    Darsteller: S. William Hinzman, John Mowod, Leslie Ann Wick
    FSK: 18

    Inhalt: Ein Haufen hirnbefreiter Saufnasen in Form von College Studenten will eine Nacht in der Wildnis mit Saufen und Pimpern verbringen. Doof für sie, dass ein Simpel von einem Waldarbeiter mit ohne Sinn und Verstand etwa hundertfufzig Meter weiter einen Zombie aufweckt und gleich von dem gebissen wird. Chaos bricht aus...

    Kritik: Wer sich jetzt mal wieder darüber beschweren will, dass meine Inhaltsangabe ungenau und/oder vielleicht auch beleidigend ist, der soll sich den Film halt bitte selbst anschauen und danach vor mir auf die Knie fallen und mich um Gnade anflehen. Bei mir hat's auch zwei Anläufe gebraucht, bis ich dieses Machwerk (das ich irgendwann mal für 5€ bei einer eBay-Bestellung mitkaufte, das war dieselbe Bestellung, bei der ich "The Church" miterstand) von vorne bis hinten durchgeschaut habe und glaubt mir, ich verbrachte viel der Spieldauer damit, meiner Plüschgiraffe Leopold beim mit-dem-Kopf-wackeln zuzuschauen, denn das war interessanter (und vor Allem viel putziger, hehe). Den ersten Versuch diesen "Film" in Augenschein zu nehmen unternahm ich gemeinsam mit falcono am ersten Tag des ersten offiziellen Kinoforums-CTs, als wir sturzbetrunken in der Gegend rumhockten und uns noch was tumbes, splattriges anschauen wollten. Knappe 15 Minuten haben wir durchgehalten, dann entschlossen wir uns, doch lieber pennen zu gehen. Aber ich wäre ja nicht aalten Count, wenn ich diese Schmach einfach so auf mir sitzen lassen würde. Ney Freunde, was muss, das muss...
    Der Name S. William Hinzman (oder auch "Bill Hinzman") dürfte Freunden der gepflegten Zombieunterhaltung gar kein so unbekannter sein. Zwar legte der gute Mann keine besonders große Karriere auf's Parkett, aber wer sich noch an "Nacht der lebenden Toten" erinnert, der wird ihn wohl kaum vergessen haben. Der erste Zombie, der im Film auftauchte. Der alte Mann (bzw. was heißt "alt", der war damals gerade mal 33...), der Johnny und Barbara auf dem Friedhof heimsuchte. Im Jahre 1988 dachte der gute Willi sich halt, dass er seine Karriere als Schreckgespenst mal wieder ankurbeln könnte und drehte deshalb mal 'nen Film. Da er sich aber für absolut omnitalentiert (das Wort gibt es wahrscheinlich in dieser Form nicht) hielt, übernahm er nicht nur Regie, Drehbuch, den Platz des Produzenten und quasi die Hauptrolle, er mischte sich auch noch in Schnitt und Kinematographie ein. Wunderprächtig. Dumm nur, dass Hinzman auf fast jedem dieser Gebiete ziemlich unfähig war, bzw. wahrscheinlich nicht so besonders viel Mühe und/oder Sorgfalt hinein steckte, sondern nach einem bewährten Prinzip vorging: Rip off Romero and add Gore and Tits. Kann funktionieren, muss aber nicht...
    Geschnetzeltes und nackte Tatsachen, zwei wichtige Grundpfeiler für gepflegte Trash-Unterhaltung und Hinzman hat es wirklich raus, ordentlich Blutwurst zu machen und seine Darstellerinnen bei jeder passenden (und unpassenden) Gelegenheit die Möpse auspacken zu lassen. Insofern geht der Film (ahoi Jugendschützer) also schon mal schwer in Ordnung, die "Values" stimmen, allerdings hat Hinzman ganz grobe Probleme, den Käse ordentlich in Szene zu setzen. Viel zu langatmig wird hier zu Werke gegangen, die Leute sterben zu langsam, die... ahem... erotischen Szenen (also was man Ende der 80er so erotisch fand... ich bin jetzt nicht so der Dauerwellen-Freund) werden zu ausführlich platt gewalzt, das passiert alles mit einer viel zu großen Emphasis (gibt's das Wort?) auf... eben diese Dinge. Ihr versteht schon, was ich meine. Sex und Gewalt sind keine Nebensächlichkeiten, die flink am Rande abgehandelt werden, sie werden einfach zu sehr in den Mittelpunkt gerückt, als dass der trashige Charme ordentlich zünden könnte. Man möchte meinen, der Kameramann kommt aus dem Starren auf die Brüste der Darstellerinnen gar nimmer raus. Und darüber hinaus vergisst er auch noch, sein Instrument zu bedienen. Die Kameraführung ist steif, undynamisch... Herrje, es GIBT keine Kameraführung. Der ganze Streifen hätte genau so gut eingefangen werden können, indem man eine Kamera auf irgend einen Stein legt und dann davor herumhampelt. Große Kunst... Und da ich im Staff gerade gar keinen Director of Photography finde, behaupte ich einfach mal, dass es so war...
    Abgesehen von totaler Abwesenheit von Dynamik, einer lahmarschigen Inszenierung, einem grausam schäbigen Direct-to-Video-Look und einer Synchronisation, die ich meinem schlimmsten Feind niet wünsche, zieht der Film sich handwerklich aber ganz okay aus der Affäre (lasst euch diesen Satz mal auf der Zunge zergehen... hehe). Die Ausleuchtung ist in Ordnung, die Zombiemasken ebenfalls, an Splattereffekten gibt's sogar ein paar ziemlich nette Sachen zu bestaunen (wobei ich den ersten Kehlenbiss, der in einem sauber durchgeschnittenen Hals resultierte, immer noch merkwürdig finde), Hand durch den Brustkorb, Herz rausgerissen, ein paar Kopfschüsse und vor Allem die extrem zerfleischten Leichen sahen echt cool aus, genau wie der Typ, dem das halbe Gesicht fehlte. Nix zu meckern hier, Gerald Gergely (durfte danach auch das Makeup für das "Nacht der lebenden Toten"-Remake übernehmen) und seine Crew haben da sehr ordentliche Arbeit geleistet.
    Die größten Klopser - und das habt ihr euch sicher auch schon gedacht - stecken aber im Drehbuch, denn das ist einfach nur blöd, blöd, blöd. Dümmliche Dialoge, tumbe Charakter-Decissions, sowieso völlig unleidliche Pappnasen und eine episodenhafte Erzählstruktur, die jeglichen Drive in den Hintern tritt oder schlimmeres. Das Skript ist viel zu sehr damit beschäftigt, jeden potentiellen Protagonisten abzumurksen, dass es darüber hinaus völlig vergisst, eine Story zu erzählen. Und wenn es dann mal auf die Idee kommt, dann klaut es einfach nur noch hemmungslos von Romeros Magnum Opus... Ohne dieses verstanden zu haben. Die letzten Szenen sind fast 1:1 übernommen, allerdings ohne den Einschlag zu erzielen, den das Finale des "Originals" inne hatte, weil ganz einfach ganz große Lücken in der Dramaturgie vorhanden sind. Aus Tragik wird ganz große Doofheit, aus einem emotionalen Angriff auf den Zuschauer wird ein tumber Gag, der gerade mal so mit knapper Not zum Kichern reizt... Ob Hinzman das so wollte?
    Ja, nein, vielleicht... Ich bin mir nicht ganz sicher, wo jetzt die beabsichtigte und wo die unbeabsichtigte Komik war, es war zwar beides vorhanden, aber nicht so viel, wie ich mir eigentlich gewünscht hätte. Der Film ist auf keinen Fall einer, der ernst genommen werden will, lustig und unterhaltsam ist er nun aber auch wieder kaum, außer man kann sich über die verkorkste Synchro beömmeln oder wahlweise auch Humor aus den dummbrätzige Gewaltszenen ziehen. Viel kommt dabei aber nicht rum, ganz große Hilaritäten des Trashkinos bleiben aus und so ist "FleshEater" eigentlich nur was für Komplettisten, völlig schmerzfreie Gorehounds und solche, die es noch werden wollen, sowie Bill Hinzman Fans, denn der ist in dem Film eine coole Sau vor dem Herren und sympathischer als alle anderen Blödbirnen zusammen. Kann man gesehen haben, wenn man absolut gar nichts besseres zu tun hat.
    Kommen wir zum Fazit: "FleshEater" ist ganz okay. Nein, eigentlich nicht, eigentlich ist er eine inszenatorische und storytechnische Katastrophe. Den "Helden" wünscht man einen blutigen Tod an den Hals (den sie auch kriegen, hehe), dem Oberzombie Hinzman drückt man die Daumen, lachen kann man selten, sich langweilen aber auch oft. Bonuspunkte gibt es übrigens für den recht windschnittigen Score von Erica Portnoy, der einen wohligen Nostalgie-Schauer über meinen Rücken jagte, klingt in etwa wie die Titelmusik eines 80er-Jahre-Horrorvideospiels. Aber nur, weil das Ding gut klingt, hätten sie's nicht die vollen 85 Minuten durchnudeln lassen müssen...

    Einzelwertungen:
    Darsteller: 04/10 (ein ganzer Haufen Nasbirnen und Bill Hinzman als echt cooler Zombie)
    Plot: 02/10 (von Romero geklaut mit Anflügen einer "Wir verwechseln Szenario mit Story"-Inkompetenz)
    Effekte: 07/10 (absolut nicht übel das alles, ausreichend brutal und gut gemacht)
    Anspruch: 01/10 (uargh)
    Gesamteindruck: 04/10 (kann man sich bestimmt noch lustiger saufen, aber ist dann immer noch kein Brüller des Genres)

    Link zur IMDB-Seite (Wertung: 4.8)
    Link zum Trailer
    Die DVD bei Amazon.de
    Harbinger is online now Last edited by Harbinger; 06.12.2009 at 20:48.

  20. #100 Reply With Quote
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    Kinostart: 04.06.1971
    Genre: Horror/Komödie/Erotik
    Regie: Freddie Francis
    Darsteller: Pia Degermark, Thomas Hunter, Yvor Murillo
    FSK: 18

    Inhalt: Die gefeierte Hollywood-Actrice Betty Williams erbt von ihrem verstorbenen Onkel ein uraltes Schloss in Transilvanien. Dort angekommen um ihr Erbe anzutreten stößt sie aber gleich auf mehr oder minder schwere Probleme in Form ihres neuen Buttlers Josef, der bei ihrem Anblick beinahe einem Herzinfarkt zum Opfer fällt. Denn er schwört Stein und Bein, dass die Dame genau so aussieht wie ihre Urgroßmutter Clarimonde und die war (und ist) nun mal ein Vampir. Und als diese dann von Betty noch aus Versehen aus ihrem Sarg befreit wird, bricht Chaos aus. Und gepoppt wird auch.

    Kritik: "Also nein, in diesem Haus wird man ja irgendwann noch verrückt. Ich glaub mich trifft der Schlag." Haha, I loves that. Äh... hy. Schon da? Okay, dann können wir ja anfangen mit unserem heutigen Review, das ich da zu schreiben gedenke, zu einem Film, den ich am gestrigen Abend nach längerer Zeit zum zweiten Mal in Augenschein nahm. Der Gedanke keimte relativ spontan in mir auf, als ich vorgestern "FleshEater" anstierte, denn dessen dröger "Wir fahren auf dem Heuwagen in unser Verderben, juche"-Auftakt erinnerte mich an was. Nicht wegen seiner Drögheit, sondern wegen seinr billig-trashigen Machart und so. So was ähnliches hatte ich doch schon mal vor längerer Zeit gesehen, eines Nachmittags mit ein paar Kumpels und wir hatten nicht zu knapp gelacht (recherche ergab, dass es im Februar 2007 war, also echt schon gar nicht so kurz her). Was war das noch gleich? Ah, ja, genau, "The Vampire Happening", auch bekannt als "Happening der Vampire" und "Gebissen wird nur nachts", den ich mir dann (weil ich die Trash-Strähne nicht so schnell abreißen lassen wollte) direkt zu Gemüte führte. Große Kunst...
    ...gibt es hier nicht zu bestaunen. "The Vampire Happening" ist ein Kind der sexuellen Befreiung der 1960er und 70er-Jahre, ganz präzise kam er 1971 ins Kino und der britische Regisseur Freddie Francis (mehr oder weniger bekannter Horrorfilm-Regisseur, der unter Anderem auch den allerersten "Geschichten aus der Gruft"-Film in Szene setzte) versuchte damit gemeinsam mit seinen beiden Schreiberlingen Karl-Heinz Hummel (seine erste und einzige Arbeit) und August Rieger (verdingte sich eher mit Heimatfilmen... seine Filmographie ließt sich unglaublich schlecht, hehe) eine sehr merkwürdige Melange von einem Film zusammenzustellen. Und zwar war es ihre Intention, Motive des klassischen Vampirfilms mit einer Verwechslungskomödie zu verknüpfen und nebenbei - weil das ja ordentlich Reibach machen dürfte - noch ein wenig Softsex-Attitüde einzustreuen. Klingt kurios, ist es auch, verspricht aber vor Allem eins: Good old fashioned trashy fun...
    Ungefähr so hatte ich dieses "Kunstwerk" hier noch in Erinnerung und genau so präsentierte es sich mir auch erneut. Als teilweise grenzdebiles, erschütternd geskriptetes aber unglaublich unterhaltsames Erlebnis, voll mit skurrilen Ideen, die zwar nicht die geringste Bewandtnis für unsere... ähm... Plotte haben, die aber verdammt cool daher kommen. Schon allein der Anfang des Films dürfte für den einen oder anderen ausgerenkten Unterkiefer sorgen (und da meine ich nicht das Passagierflugzeug, das als Bordfilm einen besseren Softporno zeigt, sondern eher den unmotiviert den Berg herunterrollenden Steinwürfel oder den einfach mal so umfallenden Baum...), das wird aber so konsequent von vorne bis hinten durchgezogen, oft und gerne kriegt der Freund von dümmlich-profanen Späßen etwas geboten, was doch wenigstens zum Grinsen animiert, wenn nicht sogar zum lauten Lachen (irgendwie fand ich Thomas Hunters Dialogzeile "Jetzt lassen Sie sich doch nicht so ziehen, wir gehen ja nicht zum Finanzamt", als er den Kollegen Yvor Murillo am Schlafittchen gepackt zur Vampirburg buchsierte, zum Brüllen komisch, but that's just me...). Egal ob ein wenig Slapstick, die Dialoge, die wohl die Grenzen dessen auslotete, was man in den 70ern verbal rüberbringen durfte, oder aber auch einfach rundheraus mal wieder nackte Tatsachen, so dümmlich das alles wirken mag, es ist mit so einer treudoofen "Ich nehm mich selbst eh nicht ernst"-Attitüde in Szene gesetzt, dass man nicht anders kann, als den Film dafür gern zu haben.
    Klar, das rettet ihn nicht davor, eine mittelschwere Katastrophe zu sein. Als Horrorfilm ist das Ding eh nicht zu gebrauchen, denn viel horrendöser als "Ein Vampir, buh!!!" wird es nicht (wobei es schon ein paar seltsame "Traumsequenz"-Szenen gibt, die eigentlich gar nicht so übel sind...). Noch viel nutzloser ist das Ding hier aber als "Erotikfilm", oder sagen wir mal so, ich will nicht wissen, welche Art von Mensch sich ernsthaft zu dem hier gezeigten die Sichel putzt... Möpse gibt es natürlich so weit das Auge reicht (vor allem die der damals 22-jährigen Schwedin Pia Degermark, die sie bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit aus dem Ausschnitt hüpfen lässt...), kopuliert wird auch gelegentlich (wobei das so zahm dargestellt wird... ne, echt nicht), aber wer dabei oder bei den großartigen Sex-Kalauern ("Sehr wohl, ich werde heute abend niemanden mehr reinlassen." - "Aber ich...") einen hoch bekommt, der ist wohl sehr einfach zu stimulieren. Oder anfang der 70er war Sex im Kino halt solche Mangelware, dass die Leute das für den Höhepunkt der Erotik hielten und halt nahmen, was sie kriegen könnten. Ansonsten ist "The Vampire Happening" als (sorry, explizite Worte voraus) Wichsvorlage aber in etwa so gut geeignet, wie "The Gore Gore Girls".
    Und trotzdem macht er mindestens genau so viel Spaß wie dieser. Dafür sorgen anhaltende Hilaritäten des Drehbuchs, dümmliche Dialoge und krude Ideen, sowie Schauspieler, die zwar keine gesteigerte Ahnung haben, was sie da tun, aber mit viel Spaß und Freude bei der Sache sind. Pia Degermark (hat in nichts weiter mitgespielt, was man kennen müsste) meistert die Doppelrolle recht souverän, hat aber eigentlich nicht viel zu tun, außer sich ständig auszuziehen. Thomas Hunter ("Ein Mann rechnet ab") macht sich ebenfals ziemlich gut als Lehrer Jens Larsen, der hin und wieder mal über Betty oder Clarimonde drüberrutschen darf und wenn er und Yvor Murillo (leider sein einziger Film, abgesehen von einer Rolle in der von "Lindenstraße"-Erfinder Hans W. Geissendörfer in Szene gesetzten TV-Produktion "Marie") aka Buttler Josef im letzten Akt zu ahnungslosen Vampirjägern wider Willen mutieren, dann dürfte eh kein Auge trocken bleiben, so... äh... gewitzten Rhabarber werfen die sich gegenseitig an den Kopf. Also... ne, ist natürlich strunzeblöd, macht aber Laune. Murillo ist sowieso das absolute Highlight des Films, seine Figur Josef und dessen ewiges "Ich glaub mich trifft der Schlag" muss man einfach mögen. Joachim Kemmer (spielte sich zeitlebens durch so ziemlich alles, was nicht bei drei aufem Baum war) kann als notgeiler Mönch Martin auch einige starke Szenen für sich verbuchen, ist manchmal aber etwas zu sehr in seinem eigenen Overacting gefangen. Dafür kann der Mainzer Ferdy Mayne ("Warlock - Satans Sohn kehrt zurück", "Knight Moves") als Dracula eine sehr coole Christopher Lee Impersonation auf's Parkett legen und hat auch einen dieser klassischen "Handfläche trifft auf Stirn"-Momente im Repertoire ("So Kinder, und jetzt wollen wir blasen", sprach's im Bett mit vier halbnackten Vampirinnen und packte dann das Alphorn aus... classic stuff). Kurzum: Abgesehen von Yvor Murillo (der mich mehr oder minder stark übrigens an Ralf Wolters erinnerte) ist die ganze Darstellerriege objektiv betrachtet so daneben, wie man nur sein kann, rein subjektiv macht es aber eine irrsinnige Freude, diesen Pappnasen bei ihrem Blödsinn zuzuschauen, denn die hatten wohl auch eine mords Gaudi.
    Alas, kein Film ist ohne Makel. Und das muss auch "The Vampire Happening" sich gefallen lassen. Obwohl es viel und oft was zu lachen gibt, kommt der Film doch nicht ohne Leerlauf aus. Besonders der Mittelteil ist etwas dröge und mit beinahe 100 Minuten ist das Ding dann auch alles andere als kompakt, auch wirkt der letzte Akt etwas sehr aufgeplustert (dafür gibt's 'ne Menge Möpse) und die Titles am Anfang hätte man ebenfalls kürzer fassen können. Die Story ist und bleibt eine Katastrophe und auch die Sets machen einen eher durchwachsenen Eindruck. Ein paar sind echt cool, ein paar... Naja. Und wer wegen der Altersfreigabe jetzt Gore-Galore oder Hardcore-Scheiß erwartet, der hat sich auch in dieser Hinsicht getäuscht. Ein paar blutige Hälse gibt's zu sehen und einen Haufen Titten, mehr auch nicht. Der rote Aufkleber ist wohl ein Überbleibsel aus den 70er-Jahren des letzten Jahrtausends, heutzutage könnte das Ding meiner Meinung nach locker ab 12 durchgehen.
    Wer sich aber an ein wenig Leerlauf nicht stört und auch ansonsten trashige Filme gern hat, der dürfte mit "The Vampire Happening" seine Freude haben. Denn der Streifen ist absolut schmerzfreie Blödelei, die mit Freunden und Alkohol gemeinsam sicher noch mal so lustig werden kann...
    Kommen wir zum Fazit: Eine Vampir-Softsex-Verwechslungskomödie aus deutschen Landen, besetzt mit einem internationalen Cast und in Szene gesetzt von einem britischen Regisseur, der sich mit Horrorschwurbel seine Meriten verdiente, kann das gut gehen? No sir, aber trotz aller Unzulänglichkeiten macht "The Vampire Happening" verflucht viel Spaß, zumindest wenn man mit krudem Sex-Humor etwas anfangen kann, der nicht halb so offensiv ist, wie das, was heutzutage die Kinosäle unsicher macht. Sollte man in so einem Fall mal gesehen haben. Und jetzt entschuldigt micht bitte, "Ich glaub mich trifft der Schlag..."

    Einzelwertungen:
    Darsteller: 04/10 (Murillo ist gut, die anderen recht unfähig aber mit Spaß und Freude bei der Sache)
    Plot: 01/10 (reichlich inkonsistent und eigentlich nur Mittel zum Zweck)
    Effekte: 03/10 (hier gibt's kaum was zu sehen, außer ein wenig rote Farbe hier und da)
    Anspruch: 01/10 (Softsex, hy!!!)
    Gesamteindruck: 07/10 (sauspaßige Angelegenheit, wenn man sich drauf einlassen kann)

    Link zur IMDB-Seite (Wertung: 4.6)
    Link zum Trailer
    Die DVD bei Amazon.de
    Harbinger is online now Last edited by Harbinger; 06.12.2009 at 20:48.

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