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Manga / Anime / Visual Novel / Zeichentrick - Review Center

  1. #381 Reply With Quote
    Ritter HappyTurtle's Avatar
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    Oct 2010
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    Format: Anime, 24 Folgen
    Genre: Romance, Comedy
    Produktion: Toei Animation
    Erscheinungsjahr: 2007

    Story
    Risa ist für ein japanisches Schulmädchen etwas zu groß geraten. Ootani ist dagegen für einen Jungen etwas klein geraten. Dem Problem des Gegenübers bewusst, versuchen sich die beiden gegenseitig zu verkuppeln. Dabei merken sie, dass sie sich eigentlich ganz gut verstehen. Oder verkörpern sie doch nur ein Comedy-Duo à la „All hanshin-Kyoijin“?

    Review
    Gutes altes Thema RomComs. Das hier ist mal eine gute. Es geht um ein super sympathisches Comedy-Pärchen. Die beiden Protagonisten machen wirklich eine gute Figur und die Chemie zwischen den beiden macht großen Spaß. Ihre dauerhaften Zankereien lassen einen immer wieder Grinsen. Und man bekommt wirklich den Eindruck, dass sich hier zwei Menschen gut verstehen und zusammenpassen. „Was sich liebt, das neckt sich“-mäßig sind Risa und Ootani immer am Raufen, das ist das Fundament von LovCom. Die Story entwickelt sich dann durch die turbulente Romanze zwischen den beiden. Die behandelt Lovely Complex recht souverän, ohne die modernen Dauerklischees. Niemand braucht einen kurzen Rock, dicke Brüste oder, was noch viel wichtiger ist, dunkle, lockere Haare und ein etwas nerdiges Wesen. Unser Männlein ist süße Sportskanone. Einmal bitte diesen Umstand klar machen. Und wir reden hier von einer RomCom. Noch Fragen?

    Lovely Complex beginnt mit sehr schnellem Tempo. Nach der ersten Folge war ich ziemlich baff. Sie enthält mehr Story als eine komplette Staffel des heutigen Standard-Materials. Die erste Episode LovCom wiegt eine Staffel Nagi no Asukara auf. Das ist sehr erfreulich und auch im weiteren Verlauf weiß die Serie sehr viel mehr Themen einer Beziehungsgeschichte zu entlocken. Ich will nicht zu viel verraten, aber man hat auf jeden Fall das Gefühl einer handfesten Story zu folgen. So im zweiten Viertel zeigt die aber leider Längen. Risa hakt sich zeiweise etwas viel in Weinen und Unentschlossenheit fest. Dieser Umstand wird recht oft an der Serie bemängelt. Bei mir persönlich hinterließ diese Länge aber sogar einen ganz guten Eindruck, sie gibt dem Ganzen etwas Realistisches. Im echten Leben kann eine Beziehung zwischen zwei Menschen schließlich auch mal etwas länger als eine TV-Folge auf der Stelle treten. Einige überraschende Wendungen (in einer RomCom!) hat LovCom auch noch parat, und am Ende kommt man auch zu einem abgerundeten Abschluss.

    In Sachen Charaktere beschränkt sich der Anime hauptsächlich auf die beiden Protagonisten. Von Risa und Ootani bekommt man einiges zu sehen, sie dürfen Fehler machen und sich weiterentwickeln. Ihre Gefühle sind verständlich und authentisch, ihre Entscheidung nachvollziehbar. Risa mag ein bisschen zu viel heulen. Dafür kommt später dann nochmal eine schöne Prise Coming of Age und mehr Eigenständigkeit dazu, womit ihre Heulphasen auch weniger werden. Die Nebencharaktere tragen größtenteils nur zum abgerundeten Bild bei, mehr erwartet man aber auch nicht.
    Ich sollte vielleicht zum Schluss noch einmal betonen, dass Lovely Complex auch wirklich Comedy ist. Slapstick-Einlagen und übertriebene Animation tragen immer wieder zur Auflockerung bei. Das tut der Romanze und dem gebührenden Ernst in Kuschelszenen aber keinen Abbruch. Da kommt man in beiden Genres voll auf seine Kosten.

    Bild und Ton
    Ein super Soundtrack, den ich sofort in meine Musiksammlung aufgenommen habe. Schöne Mischung aus romantischer Klaviermusik und Popsongs. Super witzige Animationen, aber auch sehr over the top. Das kann vielleicht manche stören. In Sachen Bildtechnik fehlen moderne Effekte, wie Lichteffekte und Kamerafahrten, und LovCom ist noch in altem 4:3-Format. Schlecht anzusehen ist das aber nicht.

    Fazit
    Lovely Complex ist so viel authentischer als viele andere Liebesgeschichten. Und dabei auch noch immer für einen Lacher gut. Wer Romanzen und Comedy mag, ist hier richtig. Und wenn man sich nur ein bisschen darauf einlässt, sind auch die übertriebenen Gesichtsausdrücke richtig unterhaltsam. Ihr mögt Toradora? Jo, Lovely Complex kann das schon lange.
    HappyTurtle is offline Last edited by HappyTurtle; 20.09.2015 at 01:02.

  2. #382 Reply With Quote
    General Arkain's Avatar
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    Monster Musume no Iru Nichijou
    [Bild: monster_musume.jpg]

    Format: Serie
    Umfang: 12 Folgen
    Erscheinungsraum: 2015
    Studio: Lerche
    Regisseur: Tatsuya Yoshihara
    Genre: Romance, Comedy, Fantasy, Harem, Ecchi, Slice of Life

    Inhaltsangabe
    Vor drei Jahren wurde bekannt, dass es verschiedenste Monsterspezies wie Zentauren, Harpyien, Orks, Zombies und allerlei Tiermenschen tatsächlich gibt. Bekannt wurde dies, als die Regierung aufhörte ihre Existenz zu verschleiern und stattdessen ein Austauschprogramm zwischen den Spezies ins Leben rief. Fortan versuchten sich allerlei Arten mehr oder weniger gut in der menschlichen Gesellschaft zu integrieren.
    Der junge Kimihito Kurusu wird mehr oder weniger gezwungen in dieses Projekt eingespannt, als er durch einen Fehler der Lamia Miia als „Gastfamilie“ zugeteilt wird. Doch bei einem Monstermädchen soll es nicht bleiben und so treten immer mehr und mehr junge Mädchen mit ganz besonderen Bedürfnissen in sein Leben.

    Kritik
    Monster Musume, die Animeumsetzung auf die Fans des Mangas schon lange gewartet haben – oder? Ich muss sagen, ich bin mir nicht so recht sicher. Als Leser des Mangas bin ich einerseits vorbelastet und hab natürlich gewisse Erwartungen, andererseits war aber schon eine gewisse Vorfreude da, Miia und Co. endlich in Bewegung sehen zu können. Insgesamt muss ich aber leider sagen, dass mich der Anime eher enttäuscht hat, sowohl als eigenes Werk, als auch als Adaption. Warum? Schauen wir mal.

    Handlung
    Vom Aufbau her ist der Anime relativ simpel. Jede Folge handelt in jeweils zehn Minuten eine kleine Geschichte ab, die jeweils ein Kapitel des Mangas darstellt, also landen wir bei insgesamt 24 Geschichten. Soweit so gut, aber was passiert in diesen zwei Miniepisoden denn jeweils? Im Wesentlichen wird eines der Mädchen eingeführt, dann gibt’s eine Geschichte die sich mehr oder weniger mit dem Neuzugang befasst, nächstes Mädchen.
    Und leider merkt man hier schon, dass weniger mehr gewesen wäre. Wie ich sagte, sind die Folgen einerseits in zwei kleinere Episoden unterteilt und andererseits ist nach etwa der Hälfte der Serie der Cast im Wesentlichen voll. Das führt leider dazu, dass alles sehr gehetzt wirkt. Kaum hat man einen Charakter kennengelernt, kommt schon der nächste hinzu und will Aufmerksamkeit. Zwar gibt es Folgen in denen das Muster kurz durchbrochen und andere Geschichten erzählt werden, aber sonderlich viel kommt dabei leider auch nicht herum. Stattdessen wird vornehmlich etwas Ecchi geboten und spätestens dann ist es auch schon wieder Zeit den nächsten Charakter einzuführen. Das ganze wird untermalt mit einer gehörigen Portion Slapstick. Das Pacing ist hier nicht sonderlich gut.
    Und tatsächlich widmet sich ein zu großer Teil des Animes dem Ecchiaspekt. Schon im Opening (und natürlich im Ending) wird man mit Brüsten überflutet. Im Anime findet man zu gerne Nahaufnahmen gigantischer Oberweiten eines Charakters, anstatt zu zeigen wie die Mimik ist, oder wie vielleicht die Gesamtsituation aussieht. Bedauerlich, da die Handlung somit umso mehr in den Hintergrund gerückt wird – for sake of tits. Dabei sollte man gar nicht so tun, als sei Ecchi kein großer Aspekt von Monster Musume, jedoch übertreibt es die Serie reichlich. Gratuitous – ohne guten Grund, unprovoziert, diese Worte kommen mir in den Sinn wenn ich die Kameraführung betrachte. Hätte man etwas weniger davon, könnte man mehr Charakterentwicklung, mehr Handlung zeigen. Aber anscheinend war das den Machern nicht wichtig genug, bedenkt man wie unnötig lang ein paar der Ecchisegmente rüberkommen.
    Umso schlimmer ist es, wenn die Handlung sich nicht nur im Fanservice verliert, sondern sich teilweise sogar aktiv widerspricht. So wird etwa ein kompletter Storyarc der zweiten Hälfte durch einen einzigen Satz an dessen Ende invalidiert. Teils sind es auch kleine Details in denen sich der Anime widerspricht, etwa, dass die Dragonnewt Spezies nicht fliegen könne, ein Memo, dass der Charakter offensichtlich nicht bekommen hat, bedenkt man das wilde Rumgeflatter wenn er auftaucht. Widersprüche, einfach unsinnige Handlungsentwicklungen und unnötig viele Boobshots türmen sich so immer mehr auf zu einem großen Haufen Nope. Irgendwann hat man einfach keine Lust mehr, zu trivial wirkt alles.
    Und trivial, oder auch uninteressant, scheint tatsächlich das richtige Wort, erhält doch so gut wie kein Mädchen außer Miia Aufmerksamkeit. Zwar wird früh gesagt, Kimihito solle sich eine Braut suchen, aber nach den üblichen zehn Minuten ist das auch schnell vom Tisch. Dadurch, dass den meisten Mädchen verwehrt wird eine echte Persönlichkeit zu entwickeln (schon allein, da nach Komplettierung des Casts zu wenige Folgen verbleiben), drängt sich schnell der Gedanke auf, dass Miia halt Waifu ist und die anderen sind auch da, als Slapstickmagneten und Alibirivalen. Hier hätte es wirklich gut getan entweder weniger hastig durch die Kapitel zu rennen und manches auf eine zweite Season zu verlagern, oder zumindest allen etwas mehr Zeit zu geben, statt Titten und Ärsche zu zeigen. Auch die Auflösung des Animes ist wenig befriedigend. Alle haben ihr Festessen, ein wenig Geplauder, Ende. „Hmm, das ist also mein Leben mit den Monstermädchen.“ Der Anime tut hierbei so, als sei die Geschichte vorbei, dabei sind noch viele Handlungsstränge offen, über die einfach nie gesprochen wird. Was ist mit den Hintergründen einiger Charaktere? Was ist mit dem verdammten Romanceplot, um den sich ursprünglich so viel drehte und um den gerade Miia immer ein Riesentheater macht? All das bleibt ungeklärt, stattdessen haben wir den Eindruck eines Slice of Life Animes… der nach mindestens ein, zwei Folgen zu wenig leider reichlich arbiträr endet, nachdem Ansätze einer Handlung aufgetan und nie wieder angeguckt wurden. Nicht mal mit dem Hintern – seltsam.

    Charaktere
    Die hier erbrachte Leistung ist leider nicht sonderlich erquickend. Zwar werden uns viele Charaktere vorgestellt, diese sind aber eher bloße Archetypen mit speziellen Körpern, als interessante Figuren. Chancen den Charakteren Tiefe zu geben werden mitunter verspielt, damit man mehr Ecchi zu sehen bekommt, mehr Fanservice, mehr Titten und Ärsche – zugegeben ein vermeintlich logischer Schritt, wenn man sich die Charakterdesigns ansieht. Dennoch ist es schade, wie hier Chance verspielt werden. Lediglich Miia und Centorea bekommen annähernd Persönlichkeit, was bei ersterer aber auch vornehmlich daran liegt, dass ihr über 2/12 des gesamten Animes gewidmet sind, hat sie doch schon eine komplette Folge für sich und später noch einen großen Teil anderer Folgen. Mero bleibt flach, Papi und Suu bleiben die Gaglolis und auch Rachneras Hintergrund wird nicht hinreichend ausgeleuchtet, nachdem ihre Einführung mehr versprach. Von Lala sprechen wir besser gar nicht, lässt sie sich doch folgendermaßen zusammenfassen: „Hier ist übrigens noch ein Mädchen, lernt sie kenn…– ach verdammt, letzte Folge! Also große Party, Credits. Fuckin’ masterpiece!“
    Und was ist eigentlich mit dem Hauptcharakter? Gute Frage, denn ob der eher kläglichen Darstellung der meisten Mädels hat er vielleicht einiges zu bieten? Nun, kommt drauf an. Er ist gewiss nicht so furchtbar flach wie so mancher Haremprotagonist, auch wenn er wie so viele durch eigenartige Zufälle überhaupt erst einen immer größer werdenden Harem ansammelt. Tatsächlich könnte man fast so weit gehen, dass Monster Musume das Haremgenre nicht nur durch den ungewöhnlichen Harem, sondern auch durch seinen Protagonisten etwas auf die Schippe nimmt, vielleicht sogar dekonstruiert. Denn Darling-kun ist ein richtiger Nice Guy. Er ist bodenständig und kümmert sich mit Hingabe um andere und versucht rücksichtsvoll zu sein und lernt dabei immer wieder neue Dinge, die ihm helfen ein besserer Gastgeber (und potentieller Partner) zu sein. Man kann tatsächlich ansatzweise verstehen, warum die Mädels so auf ihn fliegen, anstatt festzustellen, dass es sich um Hans im Hentaihimmel handelt. Er interessiert sich nämlich wirklich für sie und versucht ihnen gerecht zu werden. Leider mangelt es ihm dabei etwas an Introspektion.
    Was Nebencharaktere angeht, so handelt es sich mit Ausnahme Smiths eigentlich immer um weitere Monstermädchen, die irgendwie in die Sache verwickelt werden. Mal mehr (MON), mal weniger ausgeleuchtet (ungefähr alle anderen) stellen sie eher Mittel zum Zweck dar, um Humor oder minimalen Konflikt zu erzeugen. Im Falle MONs landen wir natürlich bei einer weiteren Rotte Mädchen, die feststellen, dass der werte Darling ein wirklich netter Bursche ist. Immerhin kriegen sie etwas Screentime nach ihrem ersten Auftritt. Smith, als Koordinator ein eigentlich sehr wichtiger Charakter, stellt leider nur ein weiteres Klischee dar, nämlich das der eigentlich kompetenten aber vornehmlich faulen Autoritätsfigur. Als einziger wirklich relevanter Mensch neben Kimihito ist sie aber bei einer Serie über Monstermädchen auch gar nicht der Fokus, daher kann ich ihre fehlende Screentime verzeihen.
    Hinsichtlich Antagonisten gibt es wenig zu sagen, da die meisten Episoden von den etablierten Haupt- und Nebencharakteren angetrieben werden. Ein paar Antagonisten gibt es, diese werden jedoch relativ einseitig als opportunistisch, rassistisch oder einfach pervers dargestellt, gewöhnlich gepaart mit unglaublicher Inkompetenz. Bedeutsam sind sie nicht und für den Konflikt auch selten nötig.

    Animation
    Wenn schon die Handlung nicht so überzeugt, sieht es doch hoffentlich ganz gut aus? Nun, ich würde sagen durchaus, denn wenngleich die Animation nicht unbedingt den Wow-Effekt eines Shinkai-Films oder einer gut gemachten OVA hat, ist sie doch solide. Zumindest was die wichtigen Charaktere angeht, die sich flüssig bewegen und ordentlich Details abgekommen haben. Auf der Schattenseite stehen Statisten und Hintergründe. Während Statisten eben genau das sind, ist es manchmal doch etwas eigenartig ihnen zuzusehen – so stehen sie etwa gefühlte fünf Minuten mit offenem Mund über irgendwelche Pinguine gebeugt, während die echten Charaktere ihren kleinen Dialog führen. Menschenmassen bewegen sich zwar, aber einzelne Statisten kommen mitunter etwas seltsam rüber. Die Hintergründe sind zwar nicht hässlich oder detailarm gezeichnet, kamen mir aber unnötig oft unscharf und verwaschen vor. Wenn sich etwas im Hintergrund bewegt wirkt es manchmal etwas aufgesetzt. Das hätte man besser machen können. Ein richtiger Durchhänger sind indessen ein paar vereinzelte CGI Effekte.

    Sound
    Licht und Schatten.
    Negativ aufgefallen ist mir, dass es eher selten überhaupt Hintergrundmusik gibt. Wenn sie denn mal vorkommt, dann ist es Standardkram, als hätte man gerade gemerkt, dass jetzt Action kommt, also schnell mal ein E-Gitarrenriff einspielen, damit es der Zuschauer auch merkt. Die Musik funktioniert zwar, aber wenn ich ehrlich bin kann ich mich nicht so richtig an irgendwelche Stücke Abseits von Intro und Outro erinnern. Das spricht nicht sonderlich für die Musik.
    Auf der positiven Seite hingegen steht das Voice Acting. Es wurden nicht unbedingt Newcomer engagiert, so haben ein paar Seiyuus z.B. schon bei Animes wie Attack on Titan mitsprechen dürfen. Insgesamt fand ich den Cast gut gewählt und gut gesprochen, wenngleich mir Miia teils etwas missfiel.


    Animation 7/10
    Kein Totalausfall. Die wichtigen Charaktere sind gut animiert, aber ein paar unnötig verwaschene Hintergründe und teils eigenartig statische Hintergrundcharaktere trüben das Gesamtbild etwas. Action gibt es nicht sonderlich häufig, also ist es schwer zu mutmaßen, was möglich sein könnte, gäbe es mehr davon.
    Sound 6,5/10
    Gerettet wird der Soundtrack-der-nicht-im-Ohr-bleibt durch das Voice Acting. Das ist insgesamt doch äußerst befriedigend. Und wenn wir denn mal Musik haben, so tut die ihren Zweck, wenngleich sie nicht sonderlich inspirierend sein mag.
    Charaktere 4/10
    Hätte besser sein können. Es gibt Ansätze von Charakterisierung, aber insgesamt kriegen nur Miia und ihr Darling annähernd genug Screentime für wirkliche Entwicklung. Dass Miia dabei trotz der Haremsituation als Waifu mit tödlicher Kochkunst rüberkommt spricht leider dagegen, dass wir hier gute Charakter bzw. Charakterisierung zu sehen bekommen.
    Plot 3/10
    Vertane Chancen, würde ich sagen. Die Handlung hätte wirklich interessant werden können, wird aber zu oft durch Fokus auf Ecchi und Slapstick in ihrer Relevanz reduziert. Auch Worldbuilding hätte man einbringen können, jedoch wird im Bestfall mal darauf eingegangen, dass manche Spezies Probleme haben passende Kleidung zu finden, weil sie zu groß sind oder ähnliches. Wirklich interessante Aspekte kommen leider nicht auf. Schade.
    Anspruch 3/10
    Wie schon beim Plot: vertane Chance. Es hätte Anspruch geben können, eben mit mehr Worldbuilding. Oder, wie angedeutet, indem Ansätze von Parodie oder gar Dekonstruktion des Genres konsequent durchgezogen werden. Das einzige was dagegen konsequent durchgezogen wird, sind offensichtliche Orgasmen unter nerviger Fernsehzensur.

    Gesamteindruck
    Tja, was soll ich sagen? Monster Musume hat mich reichlich enttäuscht. Einiges Potential war da, auch für eine zweite Season. Stattdessen hat man sich zu sehr auf Ecchi und Comedy konzentriert und entweder Chancen verspielt, etwas interessantes zu zeigen oder den Charakteren einen interessanten Moment zu geben. Vielleicht hätte es dem Anime gut getan sich weniger strikt an die Formel „zehn Minuten pro Kapitel“ zu halten und stattdessen alles etwas auszubauen. Ein, zwei Folgen mehr, oder einfach weniger Hast hätten gut getan. So wie es ist, muss ich insgesamt leider eher vom Anime abraten.

    4,5/10

    IMDb Score 6,9/10
    MAL Score 7,6/10
    Arkain is offline Last edited by Arkain; 25.09.2015 at 00:01.

  3. #383 Reply With Quote
    Cult of Chillosophy  one-cool's Avatar
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    Porno Hacieñda ♪♫ Kapingamarangi-Shaman
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    Rokka no Yuusha
    Rokka: Braves of the Six Flowers – The Beginning?
    [Bild: rokka_no_yuusha_ep1.jpg]

    Format: Anime
    Status: ???
    Umfang: 12 Episoden
    Erscheinungsraum: 2015
    Autor: Pony Canyon
    Genre: Action, Adventure, Fantasy, Magic, Mystery

    Inhaltsangabe
    Wenn sich unter euch ein Feind befinden würde und nicht wisst, wer es ist, was würdet ihr tun? Adoretto befindet sich in einer ähnlichen Situation. Als die Majin aus den Tiefen der Dunkelheit erwachten, erwählte die Schicksalsgöttin sechs Helden und beschenkte sie mit der Macht, die Welt zu retten. Diese sechs tragen nun den Namen Rokka no Yuusha oder auch die Helden der sechs Blumen.
    Als sich nun die sechs Helden zum ernannten Treffpunkt begeben, stellen sie schnell fest, dass sich dort sieben anstatt sechs Leute versammelt haben. Die Sieben vermuten, dass sich unter ihnen ein Feind befinden muss und durch Adorettos leicht arrogante Art, wird er zum Anfangsverdächtigen...


    Kritik

    Story mal vorneweg in Spoilern
    Spoiler:(zum lesen bitte Text markieren)

    Sie macht es mir echt schwer mit Bewertung. War interessant, aber das Ende ist irgendwie kompletter Schwachfug gewesen irgendwie. Auch einige Charaktere etc. waren überhaupt nicht verständlich in ihrer Handlungsweise und haben oft mehr kaputt gemacht als nötig. Unterhaltung war gut, aber viele Sachen waren für mich erstmal unlogisch, und auch die forcierte Aufklärung der Aufklärung willen, ohne eine wirkliche Aufklärung (auch die finale Erklärung war irgendwie komplett meh). Und das Ende war kein Ende.
    Auch die ganze Umgebung die aufgebaut wurde (großer Villain, der zu besiegen ist), werden in 12 Episoden gar nicht angekratzt, sondern nur ein kleiner Teilbereich. Wenn das nicht weitergeht, sondern nur ein Appetizer für die VN ist, dann schön, aber für Leute außerhalb Japans wohl eher meh.

    so auf den zweiten Blick - Wenn es nun weitergeht, und ein Folge-Anime kommt, wäre das klasse. Fühlt sich halt wie ein Exposee an. Eigentlich war es bis jetzt gut, es fehlt halt nun die wirkliche Geschichte. Als hätte man nur einen Herr der Ringe veröffentlicht.


    Die Charaktere sind ganz nett. Allerdings für mich nicht immer verständlich, auch oftmals zu übertrieben oder stumpf. Teilweise stark überzeichnet.

    Überraschend fand ich, dass das erst der zweite Anime des Studios ist (ok Rail Wars war Nummer 1, brrr), dafür war Cinematographie ziemlich klasse, ist auch der Teil, der mich am Schauen gehalten hat. Die Welt und die Ästhetische Richtung (Aztheken oder Maya Einschlag an vielen Ecken, dazu die vielen schönen Bergpanoramen) hat mir sehr gefallen, gerade wenn sie in nem stationären Raum waren, war es ziemlich klasse. Auch die Kamerawinkel, -führung und Kampfchoreo war sehr schön anzusehen. Hat die Serie sehr vergnügsam zum Ansehen gemacht.
    Ansonsten hatte die Serie klare Schwächen, die Synchro fand ich nicht so gut, den Sound (abgesehen vom Intro) auch nicht so wirklich memorabel. So lala Krams irgendwie an vielen Ecken

    Zeichnung+Animation 08/10 Oftmals klasse, hier und da etwas schwächer, jedoch hatte der Macher einen Plan und konnte den auch gut umsetzen.
    Sound 5/10 Durchschnittlich. Soviel kann ich gar nicht daraus hervorheben
    Plot 03/10 Wenn noch mehr kommt, dann macht das hier auch mehr Sinn. So noch nicht
    Charaktere 04/10 Nun. Manche hätte ich auf nem Tropenhaufen verbrennen können. Aus vielen Gründen
    Anspruch 04/10 Klar rätselt man mit, wer denn nun der Verräter ist, aber das hätte man irgendwie sinnvoller lösen können

    Gesamteindruck
    Wenn was danach kommt, nettes Exposee einer neuen Welt. Wenn nichts kommt, irgendwie verlorene Zeit, da es nicht wirklich rund abgeschlossen ist.

    5/10
    Ein zugedröhnter, rosa Hase schlägt alle Hunde aus dem Feld respektive Zwinger - Old Ass Bastard
    Wenn der Internetexplorer mutig genug ist, dich zu fragen, ob er dein Standardbrowser sein darf, bist du auch mutig genug, das Mädel nach nem Date zu fragen ~ Abraham Lincoln (1863)
    Vitamins to hear from Naked
    one-cool is offline Last edited by one-cool; 09.11.2015 at 04:51.

  4. #384 Reply With Quote
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    Tamako Love Story
    "What is that disgusting mochi?"

    [Bild: X20JIC18mdgo2TamakoLoveStory.jpg]

    Format:
    Anime, Film, 90 min
    Erschienen: 2014
    Produktion: Kyoto Animation
    Genre: Romanze, Slice of Life

    Story:
    Das Mädchen Tamako und der Junge Mochizou stehen kurz vor dem Schulabschluss. Mochizou will an die Universität nach Tokyo. Bevor er verschwindet gilt es nun endlich mal mit Tamako klar Schiff zu machen.

    Review:
    Tamako Love Story greift alle Charaktere und Setting der Serie erneut auf, lässt sich aber trotzdem bestens ohne die wohl etwas lahme Serie schauen.
    Der Film lässt die anderen Charaktere aber auch größtenteils außer Acht und konzentriert sich nur auf Tamako und Mochizou. Das geht solide, man versteht die beiden Protagonisten, wird in Gefühle und Hemmungen eingeführt. Man fiebert mit den beiden mit, macht sich eigene Gedanken und tappt auch immer ein bisschen im Dunkeln. Irgendwelche Schritte außerhalb der üblichen Masche haben sich die Produzenten aber auch nicht erlaubt. Zuschauer kriegt, was Zuschauer will.
    Aufgelockert wird das Ganze durch den üblichen Romanzen-Humor, tollpatschig hier, Verlegenheit dort. Und die Nebencharaktere dürfen unterstützen. Und der Vogel aus der Serie kommt glücklicherweise nicht vor.
    In Sachen Story ist leider nichts Erwähnenswertes vorhanden, die ist kurzweilig und abgeschlossen. Aber genau deswegen habe ich den Film gerne nochmal extra erwähnt. Er macht nichts wirklich falsch und bringt das Gefühl der Teenager-Liebe auf sehr angenehme und erfüllende Weise rüber. Die Erzählung ist nicht kritisch, in Teilen wiederfinden dürfte sich hier aber trotzdem so mancher. Wer wie ich eine längere und wohl sehr durchschnittliche Serie umgehen will, kann sehr gut auf diesen Film zurückgreifen.

    Ton und Bild:
    Richtig cooler Rock-Song als Leitmusik. Auch die restliche Hintergrundmusik ist zufriedenstellend. In Sachen Animation ebenfalls solide Filmkost. Schöne, aussagekräftige Bilder, was will man mehr.

    Fazit:
    Mag die Serie Tamako Market auch eher viel Kritik einstecken. Der Film ist in allen Belangen ein Herzwärmer. Wer sich im Genre wohl fühlt macht hier nichts falsch.
    HappyTurtle is offline Last edited by HappyTurtle; 14.11.2015 at 19:54.

  5. #385 Reply With Quote
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    Golden Time


    Format: Anime, 24 Folgen
    Genre: Romance, Comedy
    Erscheinungsraum: 2013/14
    Produktion: J.C.Staff
    Autorin: Takemiya Yuyuko (Toradora)

    Story
    Tada Banri ist Erstsemester an einer Universität in Tokio. Völlig hilflos in der großen Stadt trifft er Mitsuo, ein ebenfalls hilfloser Erstsemester. Gerade kennengelernt taucht Mitsuos Kindheitsfreundin auf und wirft sich ihm entgegen. Der ist davon aber überhaupt nicht angetan und bittet Banri um Hilfe.

    Review
    Die Autorin von Toradora hat die Story für einen zweiten Anime geschrieben. Und irgendwie wird das einem viel zu wenig unter die Nase gerieben. Macht er doch einige mutige Ausbrüche aus dem Standardkonzept, und bleibt doch dem Unterhaltungskern treu. Dieser Anime hat sehr viel mehr Aufmerksamkeit verdient.
    Mag auch die Umgebung Universität einem neu erscheinen entpuppt sich Golden Time erstmal als ziemlich ähnlich zum Schulanime. Eine Gruppe von Freunden findet sich. Alle verstehen sich mehr oder weniger gut, haben Spaß und unternehmen das, was junge Leute eben so in der Anime-Welt unternehmen sollten. Die viel zu hübsche Tsundere, das Kawaii-Girl, der Schönling, Four-Eye und Normalo-Protagonist, alles stimmt für das perfekte RomCom-Programm.

    Und doch macht Golden Time so viel mehr daraus. Nach wenigen Episoden ist man in der Romanze der Hauptpersonen weiter als der normale Anime nach 24 Episoden. Es werden tatsächlich mal eigene noch nicht zigmal durchgekaute Story-Ideen eingestreut und schnell tauchen die ersten Story-Twists auf. Und das bleibt so. Über die gesamten 24 Episoden hinweg wird man als Zuschauer mit neuen Wendungen und Problemen im Liebesleben der Charaktere bei der Stange gehalten. Selten ist die Story vorhersagbar. Und sogar einzelne Episoden sind nach erkennbaren Spannungsbögen aufgebaut. Mögen sich alle in der Mitte der Episode noch bestens verstehen scheint am Ende bereits wieder alles auf der Kippe zu stehen. Konsistent ist das Ganze ebenfalls, ich habe nie groß an der Intention oder der Glaubhaftigkeit des Geschehens gezweifelt. Das mag auch zum Großteil einfach an der Frische der eingebrachten Ideen liegen.

    Zum Beispiel hat Golden Time immer wieder kleine Comedy-Einlagen, die auch wirklich für einen Lacher gut sind. Seltsame Eigenheiten einer Person, kleine Ausraster oder ähnliches bekamen viel Liebe und lassen einen fett Grinsen. Diese Szenen tragen auch sehr dazu bei ein rundes Bild der Charaktere zu entwerfen.

    Ich finde es immer anerkennenswert, wenn sich ein Anime an wirkliche Beziehungen traut und nicht beim Geplänkel vor der eigentlichen Beziehung hängen bleibt. Golden Time traut sich das, und macht auch etwas daraus. Sehr schön kommt sich das Paar näher, beide Personen haben Ängste und müssen erst mit dem Konzept Beziehung klar kommen. Schwächen auf beiden Seiten werden nach und nach angegangen. Und man merkt deutlich beiden Veränderungen im Umgang mit der Beziehung und auch ihrem Charakter an. Beide haben eine schreckliche Einstellung zur Beziehung. Und mag auch erst eher Koko den Stempel der Torschlusspanik abbekommen, werden die Abgründe von Banri noch viel tiefer. Das fand ich sehr interessant zu verfolgen. Dadurch wurden Veränderungen wirklich spürbar, und auch Besserungen konnte man sehen. Golden Time ist keine Geschichte der stetig steigenden Kurve von einer heilen Romanze. Aber genau deswegen fand ich es so spannend. Die beiden Hauptpersonen führen nun mal ihre allererste Beziehung, mögen sie auch wirklich schräge Einstellungen haben, gibt es genug Menschen die mit solchen Einstellungen in Beziehungen gehen. Und manch einer merkt wahrscheinlich noch nicht einmal, dass er mit so einer Einstellung gerade eine Beziehung beginnt. Eine gute Geschichte darf und sollte aber auch so erzählen können. Banri ist ein Protagonist ähnlich der üblichen Romanzenschablone. ABER ich darf seine Fehler deutlich sehen, ich darf sehen was für ein schwaches Selbstbewusstsein er hat.
    Spoiler:(zum lesen bitte Text markieren)
    Wie lächerlich er sich auf die Liebe Kokos verlässt.
    In wie vielen Tausend anderen Romanzen wird das Männlein bedingungslos geliebt ohne Charakter zu besitzen. Hier bekomme ich einen Grund, der Charakter der Dame lässt das zu, und Banri steht gleichzeitig im kritischen Licht.

    Diese Mehrdimensionalität gilt zum Großteil auch für die Nebencharaktere. Mit Ausnahme von 2D-kun waren diese ausgearbeitet und bekamen ihre eigenen interessanten Nebenarcs. 2D-kun ist da leider wirkliche eine traurige Ausnahme. Nach und nach schließt man alle ins Herz und man bekommt am Ende schon fast das Gefühl den Charakteren von Golden Time bei ihrem steinigen Weg geholfen zu haben. Was habe ich in der letzten Episode mit Kaga mitgefiebert.

    Ein wenig überzogen mag einem manchmal der Umgang mit Streitereien in Golden Time vorkommen. Wenn es Problemchen gibt, dann wird eben auch eine große Szene gemacht. Ist aber noch alles im Rahmen. Das ist eigentlich weniger ein Problem der Serie, als ein übliches Werkzeug um in solchen Geschichten keine Langeweile aufkommen zu lassen.

    Ich möchte nochmal zusammenfassen:
    Glaubwürdige, sich entwickelnde Charaktere; eine spannende wendungsreiche Story; souveräner und frischer Umgang mit der Liebe; tolle Comedy-Einlagen

    Bild und Ton
    Naja, in Sachen Audiovisualität ist Golden Time nichts Besonderes. OP und ED sind fein gemacht und die Songs schön, aber ein richtiger Hit sind die nun auch wieder nicht. Es fehlten mir in Sachen Musik gut wiedererkennbare Themen, die einem im Gedächtnis bleiben. Das war alles etwas zu einfach.
    Auch die Animation reißt nicht vom Hocker, Pflichtarbeit erledigt.
    In beiden Bereichen sind mir aber auch keine groben Schnitzer aufgefallen. Dafür konnte der Rest immer viel zu gut unterhalten und verhinderte einen allzu kritischen Blick.

    Fazit
    Ich bin schwer begeistert von Golden Time. Der Anime unterhält richtig gut, kleine Fehler stören nicht. Tolle Romanze mit einer Prise Comedy und einer ideenreichen, spannenden Geschichte. Ich will mir mal große Töne sparen und keine Vergleiche ziehen. Aber der Anime ist schon so gut wie Toradora. Kudos an die Autorin
    Gucken!
    HappyTurtle is offline Last edited by HappyTurtle; 15.12.2015 at 01:38.

  6. #386 Reply With Quote
    Ritter HappyTurtle's Avatar
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    Format: Manga, 1 Band
    Status: laufend
    Genre: Romance
    Erscheinung: 2015, Kazé
    Mangaka: Mayu Minase

    *Verrostete Finger knacksen* Ich muss mal wieder etwas Abgeschlossenes schreiben, so um überhaupt irgendwas zu tun.

    Story
    Hiro, Kei, Yusei und Tomoki machen alle ihre ersten Begegnungen mit der Liebe. In vier lose zusammenhängenden Kurzgeschichten sprüht es Liebesfunken in der Schule.

    Review
    Schüler winden sich durch die Wirren der ersten Liebe. Die Geschichten in Love Stories sind in sich recht abgeschlossen und werden nur durch bekannte Charaktere verbunden. Man könnte sie wohl eher kurze Romanzen nennen, und keine offenen Kurzgeschichten. Jede Story folgt dem üblichen Spannungsbogen: Einführung der Charaktere, Aufbau der Romanzen-Problematik, Höhepunkt, Auflösung. Tiefgründigere Andeutungen in Text oder Bild fehlen vollkommen. Dem Standard-Schema folgend, bleiben die Storys bei vorhersehbaren Aussagen auf trivialem Niveau.

    Auch in Sachen Charakteren ist der Manga sehr offen und einfach, für die Mädchen gibt es sogar Steckbriefe die ihre Eigenschaften auflisten. Alle haben nach dem Schema „Mag nicht…“, „Mag gerne…“ ein paar Eigenheiten. Ansonsten sind alle Charaktere in der kurzen Zeit der Geschichten nur auf ihren Love-Interest ausgerichtet.

    In Sachen Zeichnung hat Frau Minase Bishoujos wirklich drauf. Alle Mädchen sehen super süß aus, und selbst in der turbulentesten Szene verlieren sie diese Schönheit nicht. Die Jungen können da ebenfalls mithalten. Die Autorin schreibt auch im Kommentar zum Schluss, dass genau das ihre größte Leidenschaft ist: süße Mädchen malen. Das merkt man ihrem Manga an.
    Aber wirklich Charakter verleihen die Zeichnungen nicht. Da ist kein Unterschied zwischen normal und superschön, und alle Mädchen bleiben makellos. Sei es Hinfall-, Heul- oder Duschszene. Dagegen haben sich eher vereinzelte unbeabsichtigte Zeichenfehler eingeschlichen. Mal sieht ein Fuß eher wie zu einem Troll gehörig aus, oder es verschmilzt ein Arm mit einem Buch. So wirken Frau Minases Zeichnungen letztendlich wie schöne Fabrikfertigung. Hin und wieder ein Mängelexemplar und ohne eigene Note, aber sonst immer tolle Arbeit.

    Fazit
    Love Stories ist wirklich sehr süß, wer es mag hat Spaß. Aber abgesehen davon ist alles eindimensional und bedient ganz plump Jugendträume. Etwas Anderes dürfte man auch für die folgenden Bände nicht erwarten.
    HappyTurtle is offline Last edited by HappyTurtle; 10.01.2016 at 02:12.

  7. #387 Reply With Quote
    Cult of Chillosophy  one-cool's Avatar
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    Format: Anime
    Status: First Season
    Umfang: 13 Episoden
    Erscheinungsraum: 2015
    Autor: BONES
    Genre: action, science fiction, supernatural


    Inhaltsangabe
    Übermenschliche Wesen kannte man in Japan vorher nur durch Bücher und Geschichten. Dies änderte sich als es 20 Jahre nach dem Krieg, im imaginären Zeitalter der Götter, diese Wesen kennen lernte: Titanen aus dem Weltraum, Lebensformen von einer mystischen Welt, Phantome und Goblins aus alten Zeitaltern, von Wissenschaftlern erfundene Cyborgs, Reliquien, die von älteren Ruinen auferstanden sind und das ist noch längst nicht alles.

    Das Überbevölkerungsforschungslabor, auch bekannt unter dem Namen das Superhuman Bureau, wird von der japanischen Regierung eingesetzt, um die Übermenschlichen zu erkennen und diese dann zu beaufsichtigen und zu beschützen. Das stellt sich als gar nicht mal so leicht heraus, denn manche halten ihre Existenz geheim und führen auch Kämpfe unter strenger Geheimhaltung aus. Andere jedoch machen kein Geheimnis um ihre Existenz und haben auch eine gewisse Beliebtheit in der Gesellschaft gewonnen. Mittendrin im Geschehen ist Hitoyoshi Jirou. Ein Mann, der in diesem Superhuman Bureau arbeitet



    Kritik
    Das kreative Team von FMA hat sich bei BONES wieder zusammengefunden, um eine neue Serie zu machen, na macht das neugierig auf mehr?
    Weiß gar nicht so recht, wo ich anfangen soll. Vielleicht erstmal, dass die erste Folge die Show anfänglich verwirrend beginnt, danach die Show sich aber verändert usw.

    Die Serie ist episodenhaft, und dennoch mit einer guten Übergeordneten Thematik und Handlung über alle Folgen. Dabei schwankt die Qualität der Serie zwischen Medium (unnötig evtl. und man nimmt emotional weniger mit) und überraschend gut (Zeitreisen Episode). Jedoch sollte die Serie nicht danach beurteilt werden, denn das große Ganze der Serie ist der Kern, denn es gibt so viele Aussagen und Themen, die dabei angesprochen, ohne irgendeinen Teil davon aus den Augen zu verlieren, gerade die unzähligen Metaphern sind zentral.
    Und da ist auch eine weitere Stärke der Serie, ich kenn kaum eine Show, die so reich an Metaphern etc. ist und es trptzdem schafft die eigene Story so charmant weiterzuentwickeln ohne sich zu verfangen. Es ist nichtmal störend oder man überinterpretiert nicht, der Flow passt fast immer und bietet eine große Menge an besonderen Momenten für die Welt, Charaktere oder Themen, die sie präsentiert.

    Die Show schafft es, ein wenig konfus zu sein an vielen Ecken und Enden, weil die Zeitsprünge nicht besonders einfach zu verfolgen sind. Schon in der ersten Episode muss aufgepasst werden, dass man die Zeitsprünge versteht und grob realisiert (sehr hilfreich, dass man ein neuerfundes Zeitsystem verwendet... not!), jedoch schaffen diese Zeitsprünge es, der Serie noch mehr Leben einzuhauchen, wenn man damit vertraut wird. Gerade für den Hauptprotagonist Jiro und Kiiko. Und auch hier war ich beeindruckt, wie sehr das alles passt. Chapeau an die Serie.

    Im Grunde genommen ist die Serie eine bunte Mischung an Superhelden, von Super Sentai über Kamen Raider, Ultraman, geniale Kinder mit Robots und Metal Hero. Auch amerik. und jap. Helden sind überall zu erblicken. (und ein Ami macht das japanische Harakiri irgendwo). Es gibt Experimente, Cyborgdetektive usw usf. Jeder dieser Charaktere hat eigene Motive, eigene Ziele etc. und jeder Chara wird tatsächlich gut dargestellt. Selbst die Personen, die nicht im Rampenlicht der Serie stehen, sondern nur in manchen Folgen kurz oder länger auftauchen werden ausreichend beleuchtet, sodass man nie einen generischen Chara-Random Überraschungsmoment hat. Die übergeordnete Thematik jeder Person ist allerdings Gerechtigkeit, Freiheit oder Frieden. Und das ist ein schön wiederkehrendes Thema mit dem jeder Charakter beleuchtet wird. Wenn ich sagte, das Große Ganze der Serie ist der Kern, muss hier auch die Interaktionen der Charaktere genannt werden. Die Motive des Büros, der Regierung, und all den anderen verändert sich über die gesamte Geschichte und ebenso die Gesellschaft und Menschen.

    Die Welt ist irgendwo in einem Nachkriegs Japan... mit modernen Superhelden, die in die Gesellschaft anonym eingebaut wurden. Dabei sind die politischen Zusammenhänge auch zu beachten. Zwischen Amerika, Japan und auch Innerpolitisch. Ziemlich beeindruckend, das noch irgendwo unterzubringen ohne dass die Show überladen wird. Auch die Darstellung der politischen Dinge in der Serie, von Superhelden, die für die Regierung missbraucht werden, über Experimente bis hin zu Proteste. Es werden einige interessante reale Dinge aufgegriffen und bewertet und dargestellt, teilweise brutal ehrliche harte Realitäten. Teilweise werden auch Personen sich selbst gegenüber gestellt, während eine Person Hardliner und der andere moralisch ermüdet schon weitaus mehr Kompromisse im Leben eingegangen ist.

    Zu den ganzen Thematiken, Interpretationen etc. hab ich lange Zeit mich umgeschaut und finde diesen Artikel sehr gut. Der fasst alles viel besser zusammen, als ich es in meiner stümperhaften Art hinbekommen würde. Er gibt auch einen guten Einblick in die Show und die Welt und Ideale. Lest es euch mal durch, wenn ihr in der Show oder schon durch seid, es lohnt sich.

    Die Zeichnungen sind ein großartiges Match zur Kreativität der Geschichte. Hintergründe, die dem ganzen einen Comic-Look verpassen. Lebendige Shots, sowie ein passendes Design, viele Referenzen (visuelle) an klassische Charaktere, die meistens gar nicht nötig sind, da die Show nen eigenen Style hat, der in den Styles der Charas und Umgebung sich kontrastreich definiert. Au contraire dazu kommt die Animation, sie ist grober Durchschnitt mit dem Hang zum Negativen. Es gibt ein paar Highlights, das war es aber auch leider, kann übersehen werden, da sie an vielen Stellen nicht so wichtig ist, jedoch fällt sie hier und da auf. Manche Kämpfe (am Ende) sind gut animiert, bei manchen hatte ich eher ein Manga Gefühl. Teilweise hatte ich bei Mangos, die ich las ein animierteres Gefühl, als bei manchen Fights hier.

    Musik ist Gitarrenlastig und sonst passend der Serie quer gewählt Genretechnisch (70'er Jahre Protest Lieder und so Kirmes, Sailor Moon'esque Musik bei Kikko, Earth Chans Glitch Stuff). Intro gefiel mir gut, da es die Serie gut eingefangen hat. Ending wurde auch nie überskipped. Sind einige musikalische Themen die auch konstant in der Serie immer wiederkehren, die auch passend der Serie ausgewählt wurden. Voice Acting ist immens. Selbst, wenn man sie nicht versteht.



    Zeichnung+Animation 08/10 Abzüge wegen Animation, Großes Plus für den risikofreudigen Stil.
    Sound 10/10 Protal. Gerade die Stimmen. Und sehr facettenreiche Musik
    Plot 09/10 Es passiert viel, jedoch wird es nie überladen, manchmal ist die Emotionalität einer Folge an mir vorbeigewandert. Aber sehr interessante Einführung in eine neue Welt.
    Charaktere 09/10 Viele. Nachvollziehbar. Was will man mehr? Clever designed noch dazu
    Anspruch 10/10 Viele Themen. Politisch, Persönlich, Individuell. Ohne dass diese gehetzt wirken in einem wunderschönen Themen Potpourri. Weiter oben ist ein schöner Artikel dazua uch verlinkt. Lohnt.

    Gesamteindruck
    Manchmal stolpert sie in der Ausführung, aber dafür überrascht sie umso mehr an allen anderen Ecken und Enden. Wer soviel Risiko eingeht und dabei auch noch so gut ist, soll dafür auch belohnt werden. Gute verständliche Charas, politische Themen, tolle Superhelden... Alles passt. Wenn Season 2 das Ganze rund abschließt, wird die Serie für mich ganz weit oben in den persönlichen Charts landen.

    09/10
    Ein zugedröhnter, rosa Hase schlägt alle Hunde aus dem Feld respektive Zwinger - Old Ass Bastard
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  8. #388 Reply With Quote
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    The Breaker: New Waves
    [Bild: j01.png]

    Format: Manhwa
    Status: Abgeschlossen
    Umfang: 200 Kapitel in 20 Bänden
    Erscheinungsraum: 2010-2015
    Autor: Jeon Geuk-jin
    Zeichner: Park Jin-hwan
    Genres: Shonen, Martial Arts, Action, Supernatural


    Die Handlung knüpft unmittelbar an den Vorgänger „The Breaker“ an. Spoiler lassen sich also nicht vermeiden.

    Inhaltsangabe
    Nach dem großen Showdown in The Breaker steht Shioon vor einem Scherbenhaufen. Mit seinem zertrümmerten Ki-Zentrum kann er nicht länger kämpfen, sein Meister hat ihn verstoßen und ist untergetaucht und so macht sich Shioon schweren Herzens auf, wieder zu seinem normalen Leben zurückzukehren.

    ...Wäre da nicht das Phönix-Medaillon, das ihm Sosul vor ihrer Abreise übergab. Denn als Träger dieses Artefakts ist Shioon nun der rechtmäßige Anführer des Sunwoo-Clans – einem der mächtigsten, gefährlichsten Clans des Murim. Während die Clan-Ältesten ihn zunächst als Marionettenanführer einspannen wollten, entdeckt Shioon durch die neue Erfahrung im Herzen der Murim erneut seinen Willen, für Gerechtigkeit einzutreten und einen Weg zu finden, wieder kämpfen zu können.

    Unterdessen wird Seoul von der geheimnisvollen SUC terrorisiert – einer Gruppe, die vorgibt im Namen Goomoonryongs zu handeln.

    Kritik
    Blicken wir hier im Thread ziemlich genau 4 Jahre zurück. Damals fing ich gerade an, hier zu reviewen und einer der ersten (genauer: der zweite) Mangas, die ich mir vorknöpfte war „The Breaker“. Ganz so ausschweifend waren meine Texte damals noch nicht und so konnte ich damals in relativer Bündigkeit sagen: The Breaker ist toll. Hübsch gezeichnet, coole Actionszenen, unterhaltsamer Plot, wenn auch bisweilen etwas klischeehaft. Und zum Ende der Review merkte ich freudig an, dass die direkte Fortsetzung „The Breaker: New Waves“ bereits laufe.

    Nun ist New Waves (NW) seit Mitte letzten Jahres ebenfalls zu Ende und es ist an der Zeit, dass ich da weitermache, wo ich vor vier Jahren aufgehört habe. Die Fragen liegen auf der Hand: Ist NW ein ebenbürtiger Nachfolger geworden? Was hat sich seitdem getan?

    Ganz oberflächlich lässt sich eines schon feststellen: Der Zeichenstil ist noch stilsicherer und besser geworden. The Breaker war gen Ende bereits ein überdurchschnittlich gut gezeichneter Manhwa, der unter wöchentlich veröffentlichen Werken seinerzeit ziemlich konkurrenzlos war. Man mag es kaum glauben, aber NW sieht tatsächlich noch besser aus. Wahnsinnig detailliert sind die Outfits der Personen, die Umgebungen, ja sogar die Treffereffekte&Auren in den Actionszenen wirken mit mehr Hingabe gezeichnet. Dabei verliert NW aber auch nicht die Tugenden des Vorgängers aus den Augen: Der Stil ist weiterhin geprägt durch seine elegante, schmale Linienführung, sparsamen aber effektiven Einsatz von Rasterfolien und ein verdammt gutes Gespür für Blickführung in den Panels. Besonders die Actionszenen profitieren hiervon, denn man ist immer im Bilde, was gerade geschieht und hat obendrein sogar das Gefühl, dass jede Panel-Perspektive auf maximalen visuellen Effekt ausgelegt wurde.
    Ein kleines Detail, das gerade beim aufmerksamen Lesen auffällt, sind die charakteristischen Bewegungsabläufe vieler Figuren. In einer Serie, in der so viel gekämpft wird, ist es schön zu sehen, dass trotzdem nicht der Blick fürs Detail verloren wird. Auch wenn sie nicht ständig die fancy Namen ihrer Techniken brüllen, erkennt man so bei den Sunwoo-Mitgliedern immer wieder ähnliche Bewegungen. Ebenso führt Shioon einem ständig vor Augen, dass er Techniken verschiedenster Clans gelernt hat, wobei die Basis bei der Schule seines Meisters liegt.
    In diesem Sinne knüpft die Serie übrigens auch direkt an die Bewegungen aus The Breaker an. Das nenne ich mal Kohärenz.
    In Sachen Zeichnungen ist New Waves genau das, was man sich wünscht von einem Sequel: Eine konsequente Weiterentwicklung, die die Stärken des Originals weiter ausbaut, während sie dazu neue einbaut.

    Nach so viel Lob, muss ich nun aber auch mal mit etwas Negativem weitermachen. Bei den Charakteren bin ich nämlich ziemlich zwiegespalten. NW ist mehr als doppelt so lang wie der Vorgänger und konzentriert sich dementsprechend über noch mehr Seiten hinweg auf unseren Protagonisten Shioon. Der war blöderweise schon in The Breaker ein ziemlich klischeehafter, dröger Shounen-Stereotyp. So die Marke Sonnenschein und Gerechtigkeitsfanatiker, der ab und zu mal durchdreht und in den Berserker-Modus schlüpft. Kennt man zur Genüge. In The Breaker hatte Shioon zumindest aber noch Ambivalenzen um sich herum, die ein wenig Spannung erzeugten. Lebt er nun als normaler Junge oder als Murim-in? Ist er kriminell wie sein Meister? Wie ist sein Status in der Geheimgesellschaft? Wie verläuft seine Beziehung zu seiner Mum?
    In NW werden diese Nebenschauplätze deutlich zurückgedrängt. Shioon ist ein Murim-in und identifiziert sich relativ rasch als Mitglied bzw. Anführer des Sunwoo-Clans. Sein Leben außerhalb dieser Rolle schrumpft relativ schnell, bis auf einen nennenswerten Arc.
    Die einzige Entwicklung, die er NW durchmacht, ist die, wie er in seine Rolle als Anführer hineinwächst. Das ist prinzipiell spannend, weil es kein geradliniger Prozess ist, sondern einer, der von Rückschlägen geprägt ist, die ihn Schritt für Schritt fester in den Sattel rücken. Andererseits verschenkt der Manhwa hier Potential, weil die Abfolge der Ereignisse sehr repetitiv ist. Shioon ist sich unsicher → Erfährt einen Verlust → Läuft Amok → Weint → Schwört, ein besserer Anführer zu werden. Mir will eigentlich keine einzige Charaktentwicklung Shioons einfallen, die nicht in so einer Abfolge von statten geht.
    Generell zeigt sich mit der Dauer, dass die meisten Charaktere immer wieder das selbe machen. Der Polizist versucht etwas auszuhecken, scheitert und wird zur Schnecke gemacht, die SUC Soldaten treten auf, unterschätzen Shioon und werden vermopst, der Sunwoo-Älteste, Goomoonryong und noch so ein Großmeister verteilen „Badass“-Drohungen wie Schokolinsen und hauen dann auf die Kacke. Wenn man diese Szenen zum ersten Mal sieht, sind die noch irgendwie cool – vielleicht sogar ein bisschen originell. Aber beim 3. oder 4. mal ahnt man einfach schon zu genau voraus, was auf der nächsten Seite passieren wird.
    Mit solcher Eindimensionalität hatte der Vorgänger noch nicht so arg zu kämpfen.

    Die neu eingeführten Charaktere finde ich aber an sich durchaus gelungen. Shioons „Harem“ besteht zwar aus etwas langweiligen Liebchen, die sich schnell unter Tsundere & Co. abhaken lassen, daneben tauchen aber auch interessantere Figuren auf, die Hintergründe zur Welt liefern, eigene Agendas verfolgen und grundsätzlich mehr Eindruck hinterlassen, als der blasse Shioon.
    Blöd, dass Shioon die meiste Screentime hat.

    Zur Handlung von NW könnte ich nun entweder ganz wenig oder ganz viel sagen. Kurz gesagt: Sie ist solide. Über den großen Rahmenplot um die Black Forest Defence und Kaiser erfährt man nicht allzuviel. Stattdessen wird von Beginn an der Konflikt zwischen der SUC und den Murim-Clans langsam aufgebaut. Über die Dauer von 200 Kapiteln erfährt man im Grunde nur mehr über deren finalen Plan, während man Zeuge wird, wie die Auseinandersetzung immer wieder eskaliert. Dabei werden häufig die Schauplätze gewechselt oder kleine Nebenhandlungen aufgesponnen, die die recht lineare Haupthandlung etwas auflockern. Wirklich meisterhaft durchdacht ist der Masterplan der SUC allerdings nicht. Hier ist NW eben ein recht geradliniger Shounen mit Bösewichten...die nunmal böse sind, weil weissichnicht. Als Genre-Liebhaber gibt es daran wohl nicht viel auszusetzen. Nichts ist grob unlogisch – im Gegenteil: Motivationen sind klar und schlüssig. Aber ein Gut vs. Böse Konflikt ist auch nicht hohe Kunst. Das World-Building mag überdurchschnittlich gut sein, die Haupthandlung hingegen ist die Definition guten Durchschnitts.

    Also...TL;DR? Dann hier nochmal in Kurzform

    Zeichenstil 09/10 Legt im Vergleich zum bereits sehr chicen Vorgänger nochmal einen drauf. Alles ist nochmal schärfer, eleganter, cooler, detaillierter usw. Für ein wöchentliches Format eigentlich surreal gut und neben Tokyo Ghoul wohl konkurrenzlos
    Plot 07/10 Hier hat sich nicht viel getan.
    Charaktere 06/10 Die meisten neuen Figuren sind nette Ergänzungen zum vorhandenen Cast. Über 200 Kapitel bietet Shioon als Hauptfigur allerdings zu wenig Facetten, um einen bei der Stange zu halten.
    Action 09/10 Alle Tugenden beibehalten. Es kracht und fetzt, dass es eine Wonne ist, die Panels zu bestaunen. Tolle, schnittige, gut eingefangene Action.
    Anspruch 05/10 Mehr Shioon heißt mehr moralische Shounen-Plattitüden. Keine großen Erkenntnisse hier.

    Gesamteindruck So, kommen wir doch endlich zur Eingangfrage: Ist New Waves ein würdiger Nachfolger geworden? Ja, ist er. Über weite Strecken. Die Action ist so prall wie eh und je, die Zeichnungen sind sogar noch besser. Auf Seite der Charaktere und Handlung stellt sich allerdings leise Ernüchterung ein. Shioon ist aktuell definitiv eine zu flache, uninteressante Gestalt, um einen so langen Manhwa zu tragen. Die Handlung ist zwar solider Durchschnitt, aber auch keinen Deut mehr.
    Für die geplante dritte Season sieht die Aufgabe also folgendermaßen aus: Plot mehr durchdenken und Haken schlagen lassen und Shioon Dinge vorwerfen, an denen er einen facettenreicheren Charakter entwickeln kann. Ansonsten so weitermachen, denn bereits jetzt ist die Breaker-Reihe einer der besten Action-Shounen der 2000er


    Gesamtwertung: 8/10

    MAL-Score 8,56/10
    Zetubal is offline Last edited by Zetubal; 11.02.2018 at 13:53.

  9. #389 Reply With Quote
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    Format: Film, 92 min
    Jahr: 2016
    Genre: Zombies, Horror, Action
    Regisseur & Autor: Sang-ho Yeon
    Animation: Studio Dadashow

    Das Fantasy Filmfest hatte dieses Jahr auch einen Animationsfilm in petto. Auch noch aus Korea waren wir ziemlich gespannt was der Streifen so drauf hat. Da kann man doch mal einen schlafenden Thread wiederbeleben.

    Story
    Hyun-suen und ihr Freund müssen irgendwie ihre nächste Miete zusammenbekommen, sonst enden die beiden wieder auf der Straße. Während sie sich in einem kleinen Park streiten, verschwindet ein toter Obdachloser mit einer Bisswunde. Und das Chaos in den Straßen von Seoul beginnt.

    Review
    Kleine Leute die sich in einer Zombieapokalypse duchschlagen, sehr originell ist die Idee nicht. Aber eine gute Portion Action, Spannung und Ironie kann daraus trotzdem ein Unterhaltungsfest machen. Seoul Station funktioniert nur leider an ganz vielen Stellen nicht. Viele gute Ideen zünden nicht und wirken teilweise sogar lächerlich. Wenn das ganze Kino beim emotionalen Zusammenbruch der Protagonistin lacht, ist doch irgendwie etwas schief gelaufen. Oder ich habe den Film einfach nicht verstanden und er wollte wie Shaun of the Dead eine Parodie auf sich selbst sein. Das wurde aber nicht so wirklich deutlich.

    Seoul Station will mit seiner Geschichte die koreanische Gesellschaft kritisieren und aufzeigen wie sehr die unterste Schicht ignoriert wird. Das tut der Film sehr deutlich. Alle Obdachlosen werden wie Dreck behandelt und sterben nach und nach in Verzweiflung. Darüber hinaus kann der Film aber nichts transportieren. Kein „Kleine Gesten zählen“ oder andere Ideen wo Veränderungen helfen würden. Da lässt die Geschichte einen ratlos zurück. Ein vollkommen hirnrissiger Plottwist, seltsame Entscheidungen der Charaktere und fehlende emotionale Bindung zu den Protagonisten lassen die Story dann letztendlich ziemlich alt aussehen.
    Kleines Beispiel: Freund und Vater wollen zur Freundin. Sie haben ein Auto und Telefonkontakt zur Freundin. Freundin gibt ihren Aufenthaltsort durch und schreit dann verzweifelt. Statt nun ins Auto zu springen, loszurasen, und dabei das Handy weiterhin ans Ohr zu halten, bleiben nun Vater und Freund auf der Brücke stehen. Sie schreien ein bisschen rum, warten auf einen zweiten Anruf der Freundin, ob sie noch irgendetwas sagt. Als dann das Handynetz zusammenbricht kommen sie endlich auf die Idee man könnte mal ins Auto steigen und zum Aufenthaltsort der Freundin fahren. Vielleicht ist sie in der Zwischenzeit doch noch nicht zerfetzt worden.

    Die Story funktioniert also einfach nicht. Ok, Zombiefilm, Story ist doch auch nicht so wichtig. Wichtig ist die Action. Was braucht man für gute Action? Timing und Rhythmus fällt mir da ein, und auch hier versagt Seoul Station wieder. Mir sind viele Schnitte aufgefallen die die Continuity unterbrechen und einen als Zuschauer stutzen lassen. Personen stehen plötzlich an anderer Stelle, Entfernungen lassen sich nicht einschätzen und verändern sich mit jedem Schnitt. Hände greifen an falsche Stellen, gar durch Gegenstände hindurch.
    Das liegt leider zum Großteil an der Animation, ich will diese nicht gleich als schlecht abstempeln, auf jeden Fall fehlte es aber an Budget. Da ist viel zu wenig Arbeit in den Feinschliff von Schnitten, Bewegungen und Hintergründen geflossen. Zombiemobs laufen in perfekter Formation, Computer sei dank, Hintergründe sehen schrecklich fad und generiert aus. In eigentlich emotionalen Szenen wird ein Gesicht in die Framemitte gepackt, vor einen scharfen aber praktisch nicht vorhandenen Hintergrund. So ein sterbenslangweiliges Bild lädt nicht gerade zum mitfühlen ein. Dazu kommt, dass Sang-ho Yeon die Kamera auch gar nicht an Animationsfilm angepasst hat oder anpassen wollte. Immer wieder sieht man Kamerafahrten durch Straßen und Gänge und ähnliche Einstellungen die eigentlich nur im Realfilm einfach zu realisieren sind. Alles in allem hat die hakelige Animation dem Film nicht gut getan und es nur noch schwerer gemacht in den Film einzutauchen.
    Die Mischung aus Handzeichnung und Computer unterstützter Generierung hat sehr viel kaputt gemacht und ist für ein offensichtlich schmales Budget längst nicht ausgereift genug. Sehr schade, ich kann mir vorstellen als trashiger Realfilm hätte Seoul Station besser geklappt. Dann hätte man vielleicht in der Produktion bemerkt wie viele Schnitte und Einstellungen einfach überhaupt nicht ihre geplante Wirkung erzielen. Und hätte diese mit Materialüberschuss korrigieren können. So aber wundert man sich eigentlich nur 90 Minuten über merkwürdige Bewegungen. Und lacht hin und wieder über die manchmal absichtlich und manchmal unabsichtlich kuriosen Charaktere.

    In Sachen Musik ist mir außer ein paar bedrohlichen Bassklängen kaum etwas in Erinnerung geblieben, die meiste Zeit kam der Film ohne aus. Die Synchronisation fand ich ganz gut, wirkte nicht deplatziert. Aufregung und Spannung kamen damit gut rüber, den emotionalen Szenen konnte sie aber auch nicht aus der Patsche helfen.

    Fazit
    Animationsfilm erfordert überlegte Anpassungen und kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht einfach an die Stelle einer Realfilmproduktion treten. Seoul Station ist bestes Beispiel was für Probleme aufkommen, wenn man das nicht beachtet. Kaum eine Szene im Film funktioniert so richtig. Schade, mit einem Realfilm hätte man hier vielleicht etwas mehr Spaß gehabt.
    HappyTurtle is offline Last edited by HappyTurtle; 10.09.2016 at 15:03.

  10. #390 Reply With Quote
    Irregular  Zetubal's Avatar
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    Format: Manga
    Status: Abgeschlossen
    Umfang: 99 Kapitel in 9 Bänden
    Erscheinungsraum: 2013-2016
    Mangaka: Sakamoto Shinichi
    Genres: Drama, Historisch, Seinen

    Inhaltsangabe
    Charles-Henri Sanson wird einmal in die Geschichtsbücher eingehen. Er wird als „Monsieur de Paris“, als oberster Scharfrichter der Weltmetropole, mehr als 3000 dokumentierte Exekutionen durchführen. Zu den prominenten Köpfen, die auf seinem Schafott rollen werden, zählen Ludwig XVI, Marie Antoinette, aber auch die Revolutionäre Danton, Desmoulins, Robespierre und unzählige andere. Für eine Amtszeit von mehreren Jahrzehnten wird Charles Henri in Paris der gefürchtete Sensenmann sein – synonym mit dem wandelnden Tod.

    Doch im Jahr 1753, im zarten Alter von 14 Jahren ist er bloß ein verängstigter Junge, der an seinem vorbestimmten Leben als Scharfrichter zu zerbrechen droht. Ein Junge, den die schönen Künste und die Liebe interessieren und dem beim Gedanken an das Handwerk seiner Familie bang wird.

    Besser geeignet scheint in seiner Familie wohl die morbid am Tod faszinierte Marie-Joseph...seine Schwester. Doch für eine Frau ist das Handwerk des Scharfrichters undenkbar.

    Beiden steht im Sog der sich anbahnenden Revolution eine von Schicksalsschlägen geprägte Entwicklung bevor

    Kritik
    In über 4 Jahren des Reviewens hier habe ich mir bisher über 50 Werke vorgenommen. Dabei kam ich bisher nur ein einziges mal darauf, die Höchstwertung zu vergeben. Und zu diesem einen mal stehe ich auch heute noch ohne den leisesten Zweifel. Denn das Objekt meiner Wertschätzung, Sakamoto Shinichis „Kokou no Hito“ zählt zu den eindrucksvollsten Manga, die ich je gelesen habe.
    Gleichzeitig hatte ich nach dem Lesen dieses Ausnahmewerks riesige Erwartungen an das, was der Mangaka als nächstes in Angriff nehmen wollte...und wie dieses etwas geworden ist, mag ich hier, mit meiner Review zu „Innocent“ ausbreiten.

    Da ich wohl so einiges zu sagen haben werde, mache ich es mir zunächst mal einfach und sage – auch mit Blick auf mein Lob zu „Kokou no Hito“ - dass Sakamoto Shinichi das Zeichnen seit damals sicherlich nicht verlernt hat.
    Kokou no Hito hielt ich damals für den ziemlich konkurrenzlos schönsten Manga, der je gezeichnet wurde. Und ja, ich habe Homunculus, Vagabond, Nijigahara Holograph, I am a Hero, Otoyomegatari, Blood and Steel usw. alle gelesen. In puncto Detailgrad, Vielfalt der Zeichentechniken, Perspektive, Realismus, aber auch Metaphorik/Symbolismus macht niemand Sakamoto Shinichi etwas vor.
    ...Und dann kam Innocent. So falsch das nach meinem überschwänglichen Lob für Kokou no Hito klingen mag: „Innocent“ ist sogar noch besser gezeichnet. Auf dem oben angestellten Bild erahnt man das vielleicht schon, aber ich muss offen sagen, dass das nicht einmal besonders sorgfältig ausgewählt war. Ich kann ohne Übertreibung behaupten, dass es in beinahe jedem Kapitel des Mangas mehrere Zeichnungen auf diesem Niveau gibt. Die Linienführung ist unglaublich präzise und scharf. Schattierungen gibt es teilweise in derart vielen Nuancierungen, dass ich überlegen musste, ob das einer Manga ist, die auf Fotografien überzeichnen (wie im Abschluss von Basilisk) – ist nicht so – einfach Zeichenskill^3. Die Bildkomposition ist so klar, dass niemals Bewegungslinien nötig sind, um komplexe Abläufe zu verdeutlichen. Detailgrad auf Objekten ist in einer Weise raffiniert und vorangeschritten, wie ich sie selten nur gesehen habe. Ob eine Oberfläche Holz, Metall oder Stoff ist, erkennt man sofort. Sogar grober Stoff und feiner Stoff sind durch die Reflexion, die Seide und Brokat mitbringen auf Anhieb erkennbar. Der Realismus der Zeichnungen ist unübertroffen. In puncto Bildsprache bin ich mir allerdings etwas unschlüssig. Manches ist wieder recht klug anekdotisch gelungen und man muss manchmal echt nachgrübeln, bevor man eine schöne Metapher als solche erkennt. Andere Sachen, wie das personifizierte Sensenmann-Image, das den Sansons anhaftet, finde ich recht banal gelöst, indem man die Scharfrichter als „Skelettmänner“ darstellt. So gibt es hier subtilere und weniger subtile Metaphern. Gezeichnet sind die – wie auch alles andere – auf einem erhabenen Niveau, das jeder Kritik entbehrt.

    Als ich die Prämisse der Geschichte las – verbunden mit dem Autor – dachte ich ebenfalls ziemlich direkt: Wow, das ist mal ein unverbrauchtes, total spannendes Thema für einen Manga. Und obendrein eines, das sich für Sakamoto Shinichi als Charakterschreiber für Außenseiter und schwierige Personen perfekt eignet.

    Ich Nachhinein bin ich mir allerdings bei gleich mehreren Dingen noch immer nicht ganz sicher, ob ich sie gut oder schlecht finde.
    Innocent ist im Gegensatz zu Kokou no Hito kein strenges Charakterportrait einer Einzelperson, sondern nimmt sich die Lebensgeschichte der Sansons (bis ins Jahr 1773) als roten Faden, um eine Geschichte der Zeit zu erzählen, die sich stark an wiederkehrenden Leitmotiven orientiert. Vor allem an Motiven der Französischen Revolution – Fragen danach, was Gerechtigkeit ist, wer sie aussprechen und wer sie vollstrecken darf. Was ist ein Menschenleben wert? Wer entscheidet über Schuld und Unschuld? Sind wir Herr oder Sklave unseres Schicksals? Also Egalité, Liberté und (wortwörtlich) Fraternité zwischen Charles und seiner Schwester Marie.

    Das sind thematische Schwergewichte, würde ich behaupten, an denen man sich leicht verheben kann. Nicht so Sakamoto Shinichi, der über weite Strecken ein beeindruckendes Gespür dafür hat, wichtige historische Ereignisse akkurat wiederzugeben, während er an ihnen die Grundkonflikte der Zeit durchexerziert. Und inmitten von alledem stehen Mal um Mal die Sansons als Werkzeuge einer Gerechtigkeit, die nicht absolut ist, sondern Gegenstand von Ränkespielen, Machtkalkül und anderen Motiven. Ich fand es faszinierend, wie Charles Henri in seine Rolle hineinwächst und dabei ein ganz spezielles Verhältnis zu Gerechtigkeit, Unschuld sowie dem Wert eines Menschenlebens entwickelt. Charles-Henri ist vielleicht nicht ganz so faszinierend wie Buntarou aus Kokou no Hito, aber die Ereignisse, die ihn mitreißen, machen das wett. Und das macht für mich eine exzellente plot driven narrative aus – wenn Handlungen stattfinden, Charaktere sinnvoll mitreissen und selbige Charaktere dann an/in diesen Vorgängen wachsen oder sich sonstwie entwickeln. Genau das passiert hier.

    …Naja, meistens. Denn scheinbar war der Mangaka hier der Ansicht, das Ganze Drumherum sei noch nicht ausreichend dramatisch. Infolgedessen wurde wohl Marie Joseph in die Geschichte hineingeschrieben. An sich gefiel mir die Idee, ein Pendant zu Charles zu haben. Marie ist in vielerlei Hinsicht ein typischer Foil Character – also ein Kontrast zu Charles. Sie ist selbstbewusst, recht unsozial, eigensinnig, eine geborene Revoluzzerin, von Natur aus mit Talent & perverser Freude am Henkersberuf gesegnet...und so weiter. Die Konsequenz mit der sie in praktisch jedem Sinne anders als Charles Henri ist, finde ich etwas zu plump, um ehrlich zu sein. Ich hatte zu deutlich das Gefühl, dass Marie Joseph weniger Charakter als „Werkzeug“ der Geschichte ist.
    Dass sowohl sie als auch Charles obendrein homosexuell sind und Affären zu Marie Antoinette und Ludwig XVI unterhalten ist ebenfalls so eine Sache, die die Geschichte unnötigerweise doppelt verkompliziert.
    Homosexualität als Subthema lässt sich sicher mit einer humanistischen Forderung nach Egalité in die Geschichte reinschreiben – hier ist sie aber weder an und für sich besonders thematisiert, noch sinnvoll in die historischen Begebenheiten eingepflegt. Stattdessen bleibt der fade Beigeschmack, dass diese Neigungen eher existieren, um den Sansons etwas seinerzeit Skandalöses zuzusprechen sowie den Schauplatz öfters nach Versailles zu verlegen.

    Braucht es diese Zusätze? Ich sage nein. Selbst – bzw. gerade – wenn man die Geschichte auf die Grundkonflikte der Französischen Revolution reduziert – mit den Sansons bzw. Charles Henri im Herz des Geschehens, hat man eine konzise, spannende, dramatische Geschichte, die vor schwierigen Themen nicht zurückschreckt, sondern sie souverän behandelt.
    Das ganze Tamtam mit den Liebeleien und der Homosexualität wirkt angetackert, ohne sich so recht ins stimmige Narrativ einfügen zu wollen.

    Das Ende von Innocent versöhnt allerdings insofern, als im Jahre 1773 beide Sansons etablierte Charaktere geworden sind, die mit ihren speziellen Gerechtigkeitsideen eigentlich recht kluge Kontraste bilden. Beide kommen auf glaubwürdige Weise durch persönliche Erlebnisse zu komplett unterschiedlichen Schlüssen, wobei diese erneut die schizophrene Natur der Revolution widerspiegeln, die unmittelbar bevorsteht.

    Innocent ist an dieser Stelle zwar als Serie abgeschlossen, wir aber bereits in Form eines direkten Sequels „Innocent Rouge“ weitergeführt. Innocent kann insofern als das „Die Gefährten“ der Geschichte verstanden werden, als es hier merklich darum ging, Charaktere + Motivationen im Kontext zu etablieren.

    Also...TL;DR? Dann hier nochmal in Kurzform

    Zeichenstil 10/10 Der schönste Manga, den ich je gelesen habe. Keine Kritikpunkte.
    Plot 09/10 Die Französische Revolution aus Sicht einer Scharfrichterfamilie zu erzählen ist eine von vornherein faszinierende Idee. Innocent schöpft die Prämisse in vollen Zügen aus, verzettelt sich aber mit unnötigen Andichtungen, an eine bereits ausreichend komplexe, spannende Geschichte.
    Charaktere 08/10 Die Sansons sind als Familie ein faszinierend dysfunktionaler Haufen, die auf glaubhafte Weise in einem feindlichen Umfeld reifen. Vor allem Charles Henri ist ein Charakter mit beachtlicher moralischer Tiefe, der immense Faszination auszuüben weiss. Auch wenn seine Schwester ähnlich mühevoll geschrieben ist, trübt ihre überdeutliche Funktion als Foil Character den Gesamteindruck. Abseits der Sansons gibt es es vor allem aus adligen Kreisen ein paar interessante Charaktere, die aber hinter den Sansons in puncto Komplexität abstinken...Vielleicht mit Ausnahme von Marie Antoinette.
    Spannung 09/10 Hier kommen zwei Facetten von Spannung zum Tragen. Einerseits gibt es die blutigen Exekutionen, in denen man gespannt ist, wie die Charaktere aus dem grausigen Spektakel gekennzeichnet hervorgehen. Das sind wohl am ehesten klassische Pageturner-Momente. Zugleich gibt es aber auch die philosophischen Argument, die oft als innere Monologe ausgetragen werden. Die sind ebenfalls sehr spannend, weil der Manga nicht vor komplexen Gedanken zurückschreckt. So sind die überraschenden Schlussfolgerungen nicht immer die naheliegendsten, sondern offenbar oft die Eigenheiten der Charaktere, die zu jenen Schlussfolgerungen gelangen
    Anspruch 09/10 Komplexe ideologische Konflikte, komplexe Antworten, poetische, oft nur symbolische Delivery. Das Gros aller Themen ist in vorbildlich eleganter Weise behandelt und gelöst. Ein paar plumpe, wenig subtile Metaphoriken kann man da wohl entschuldigen

    Gesamteindruck Und nun muss ichs wohl zähneknirschend sagen: Innocent ist nicht so ein Meilenstein wie Kokou no Hito. Ich hätte es mir wohl mehr als jeder andere gewünscht. Die Anlagen sind allerdings da und der Manga ist auch nicht arm an atemberaubenden Szenen, die Kokou no Hito Niveau erreichen. Manche übertreffen Kokou no Hito vielleicht sogar. Aber während letzterer ein einziger von vorne bis hinten durchinszenierter faszinierender Handlungsfaden war, der sich auf eine einzelne, umso fantastischere Charaktergeschichte fokussiert, lädt sich Innocent an diversen Stellen unnötigen Ballast auf, der eine von vornherein ebenso großartige Erzählung unnützerweise beschwert.
    So bleibt mir schlussendlich zu sagen, dass Innocent vielleicht nicht so stark ist, wie der Vorgänger des Autors, aber trotzdem einer der lesenswertesten Mangas, die ich je in den Händen hielt.

    Hier kommt alles zusammen, was man sich von einer erwachsenen Geschichte wünschen kann.


    Gesamtwertung: 9/10

    MAL-Score 8,24/10
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  11. #391 Reply With Quote
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    Format: Animeserie
    Umfang: 13 Folgen
    Erscheinungsraum: 2016
    Regisseur: Hiroyuki Seshita
    Studio: Polygon Pictures
    Genres: Seinen, Action, Supernatural, Horror

    Inhaltsangabe
    In einem afrikanischen Kriegsgebiet taucht wie aus dem Nichts ein Soldat unbekannter Herkunft auf. Die örtlichen Milizen sind chancenlos gegen diese Ein-Mann-Armee, denn der „Soldat Gottes“, wie sie ihn rasch zu nennen beginnen, kann nicht sterben. Selbst nach „tödlichen“ Treffern steht er innerhalb von Sekunden unversehrt wieder auf.

    Dieser Mann ist der Vorbote einer neuen Rasse „Über-Menschen“, sogenannten Ajin. Wenige Jahre später sind davon weltweit Dutzende weitere aufgetaucht und überwiegend in Gewahrsam nationaler Verbände genommen.

    Kei Nagai interessiert dieses ganze Tamtam allerdings wenig, denn er hat Wichtigeres zu tun: Zum Beispiel für die Uni-Aufnahmeprüfung lernen. In seinen Lernkram und Privates vertieft schlendert er also eines Abends unachtsam über eine Tokioter Straße...und wird von einem fahrenden LKW erfasst. Ein tödlicher Zusammenprall...und doch kriecht Kei Momente später putzmunter unter dem Wagen hervor.
    Denn auch Kei ist, wie er selbst verwundert feststellen muss, ein Ajin.

    Bevor er sich allerdings dieser Erkenntnis stellen kann, heißt es „Fliehen!“. Denn die Regierung kennt keine Gnade mit Ajin und setzt alles daran, seiner habhaft zu werden.

    Kritik
    Mit Ajin widme ich mich seit längerem mal wieder einer Animeserie und die ist obendrein spannend, weil sie klassische Anime-Motive mit sehr neumodischen verbindet und so auf dem Übergang zwischen zwei Generationen zu stehen scheint.

    Als ausgesprochen klassisch würde ich zunächst einmal die Geschichte des Animes bezeichnen. Ajin beruht auf einem aktuell noch laufenden Manga von Miura Tsuina und Sakurai Gamon. Die Story, die ersterer ersonnen hat, haut niemanden vom Hocker, der schon länger Manga liest oder Animes schaut. Wer sich umschaut, findet hier munter Versatzstücke aus anderen Werken wie Zankyou no Terror, Gokukoku no Brynhildr, Elfen Lied, Deadman Wonderland, usw.
    Anders als die Zuvorgenannten trägt Ajin seine Story allerdings sehr nüchtern vor. Selbst in den erwachseneren Shows des „Genres“, wie Zankyou no Terror, gibt es eigentlich immer wieder skurrile Elemente, wie Drohungen, die in kryptische Rätsel verpackt sind, maskierte Bösewichte, Kinder, die Supergenies sind, Ecchi-Slapstick und dergleichen. Ajin verzichtet auf all das. Tatsächlich bleibt Keis Plot sehr geradlinig darauf beschränkt, dass der Junge gerne in Ruhe gelassen werden möchte und alle ihm zur Verfügung stehenden Ressourcen dafür investiert. Der größere Konflikt in der Welt von Ajin, also der Kampf zwischen der Regierung Japans und einer Gruppe terroristischer Ajin um den enigmatischen Anführer Sato ist ebenfalls verhältnismäßig nüchtern dargebracht. Sato hat Pläne, die überwiegend auch aufgehen, aber sie sind keinesfalls surreal komplexe Geniestreiche. Im Gegenteil: An manchen Stellen glücken seine Pläne nur knapp, denn auch auf Seite der Regierung gibt es kluge Köpfe, wie den Ajin-Spezialisten Tosaki.
    Dass in Ajin als Anime, und trotz der übernatürlichen Prämisse, so wenig überzeichnet wird, macht ihn in meinen Augen besonders. Wenn man beobachtet, wie gegeneinander taktiert wird, wie die Figuren miteinander umgehen...dann fühlt man sich oftmals eher, wie in einem an erwachsene Zuschauer gerichteten Realfilm. Für jemanden, der eine lupenrein-typische Anime-Inszenierung sucht, ist Ajin sicherlich ein Fehlgriff. Ich muss offen gestehen, dass ich es erfrischend finde.
    Aus dramaturgischer Sicht missfällt mir aber einiges an der Staffel. Denn die 13 Folgen sind überdeutlich dahingehend konzipiert, das Hauptgeschehen der kommenden Staffeln vorzubereiten. Es gibt etliche Figuren wie Kaito oder Eriko, die für die Geschichte zentral erscheinen, wenn sie in den ersten Folgen auftauchen, die dann aber ohne befriedigenden Abschluss ihres Arcs einfach nach dem ersten Drittel der Show vergessen werden. Stattdessen gibt es alle Nase lang bedeutungsschwangere Rückblenden zusammen mit Andeutungen bis der Arzt kommt. Da Ajin in der ersten Staffel allerdings nichts davon so recht auflöst, blieb nach dem Gucken doch eine große Unzufriedenheit zurück.
    Die Show lebt inszenatorisch vielmehr von ein paar einzelnen guten Szenen, scheitert aber daran, einen runden dramaturgischen Bogen zu spannen, der die Staffel durchzieht.

    Zumindest teilweise lässt sich diese Kritik auch auf die Charaktere übertragen. Gerade Nebenfiguren werden oft in einer Weise eingeführt, dass man unmissverständlich annehmen muss, sie wären elementar für den weiteren Geschichtsverlauf. Eriko ist Keis leibliche Schwester, Kaito begibt sich selber in Lebensgefahr für Kei, Izumi...hat selber ein gewichtiges Geheimnis etc. … Bei solchen Figuren bzw. solchen Ausgangslagen ärgert es mich doch sehr, wenn die Staffel einerseits sich die Mühe macht, ihnen Screentime zu schenken, nur um sie dann andererseits nach zwei, drei Folgen im Wesentlichen zu vergessen. Gerade bei Figuren wie Izumi ist das problematisch, weil ich auf grundlegende Weise ihre Motivation nicht durchblicke.
    Bei Sato findet sich zwar das selbe Problem, aber da rückt die Show wenigstens genug Motivation und Binnenhandlung heraus, um nachvollziehen zu können, warum er das tut, was er über die 13 Folgen tut.
    Richtig gelungen fand ich leider nur Keis Charakterzeichnung. Prinzipiell schade, wenn ich an allen andere etwas auszusetzen habe, aber hey, wenn es bei der Hauptfigur stimmig aussieht, dann deckt das schonmal eine Menge Laufzeit positiv ab.
    Was ich an Kei mag ist, dass er entgegen der meisten Serien-Stereotype gezeichnet ist. Denn das Wohl anderer kümmert ihn allenfalls am Rande...und zwar dann, wenn es irgendwie sein eigenes Wohlergehen beeinflussen könnte. Da kann es dann schonmal vorkommen, dass er aufgefordert wird „die Welt zu retten“ und stattdessen denjenigen, der ihn auffordert, einsperrt, damit er Ruhe hat. Kei wird in der Serie selbst und auch von Kritikern oft als Soziopath beschrieben und ich denke, das trifft es ganz gut. Dadurch, dass er die Hauptfigur ist, bekommt man dann auch (s)einen sehr unvoreingenommenen Blick, auf seine Mitmenschen. Kei ist keineswegs böse, aber eben auch kein absurd selbstloser Heiliger. Das macht seine Interaktionen besonders reizvoll, weil sie im Kern alle zweckorientiert sind, wobei Aspekte wie Mitgefühl eher zweitrangig sind.
    Mit Keis Charakter und Aktionen hatte ich daher viel Vergnügen in der Staffel.

    Für die Animation von Ajin zeichnet sich Studio Polygon Pictures verantwortlich. Die kennt man vielleicht bereits für ihre Arbeit an Knights of Sidonia. Damals wie auch hier liefern sie einen komplett CG-animierten (bzw. gezeichneten) Anime ab. Und wie auch bei Knights of Sidonia hat das so seine Vor- und Nachteile.
    Während einzelne Standbilder deutlich zeigen, dass Ajin sich nahtlos an die gewohnte handgezeichnete Anime-Ästhetik anlehnt, fällt beim Schauen der Serie unmittelbar auf, dass hier einiges anders läuft. Die auf 30 frames aufgenommene CG Animation wirkt merklich zu langsam, sodass Bewegungen (vor allem langsame) sehr ungelenk und gestelzt wirken. Die Schritt-für-Schritt nachvollzogenen Bewegungsabläufe der Figuren sind sehr realistisch eingefangen, was sich allerdings mit den Sehgewohnheiten eines Anime-guckers merklich beißt. Denn Anime ist bekanntlich larger than life. Wer die ausholenden, übertriebenen Bewegungen aus klassischen Animes gewohnt ist, dem kommen Ajins Figuren in ihrer Körpersprache seltsam gehemmt vor.
    Was mir auf der anderen Seite wiederum sehr gut gefällt, sind die dreidimensionalen Gesichter, in denen sich viel mehr nuancierte Mimik abspielen kann, als in zweidimensionalen Zeichnungen.
    Actionszenen bietet die Serie eigentlich nur zwei längere und die sind beide ebenfalls grandios gelungen. Durch den schnelleren Schnitt gepaart mit rascheren Bewegungen fallen die 30 frames kaum weiter ins Gewicht. Außerdem verleiht die Kamera im dreidimensionalen Raum dem Geschehen eine Dynamik, die Actionszenen in klassischen Anime(serien) selten haben.
    Figurendesigns finde ich okay, wenn auch nicht gerade memorabel. Etwas vor dem Kopf gestoßen bin ich bei einigen der verschwommenen Backdrops, die eins-zu-eins einem 90er-Anime entnommen sein könnten.
    Alles in Allem habe ich also gemischte Gefühl, was die Animation angeht.

    Viel positiver bin ich gegenüber dem Klangbild der Show eingestellt. In praktisch jeder Art und Weise. Gerade die prägnant hervorgehobenen Geräusche von Explosionen, Schüssen oder Ajin-Stimmen sind kraftvoll und basslastig, sodass der Sound gut die Wucht des Geschehens vermittelt. Auch die Musik ist den Szenen passend eingesetzt, wird nur selten überdominant und spielt stattdessen eine dezente Hintergrundrolle, um die drückende Atmosphäre der Serie zu unterstützen. Grundsätzlich ist der Score der Show modern, schwungvoll und rockig. Das Opening der Serie ist seit längerem mal wieder eines, das ich nicht geskippt, sondern gerne durchgehört habe. Das Outro hingegen habe ich nur ein oder zweimal durchgehört. Liegt allerdings weniger daran, dass es mir nicht gefallen hatte, sondern an Netflix-Autoplay-Einstellung, die mir nach wenigen Sekunden automatisch die nächste Folge aufklappt.
    Sogar noch besser als Musik und Ambient-sounds ist die japanische Synchro von Ajin geraten. Vor allem zwei der Stimmen finde ich super besetzt: Houchuu Outsuka liefert als Terrorist Satou ein facettenreiches Schauspiel ab, bei dem er harmonisch zwischen Freundlichkeit und Manipulation variiert. Seine mMn beste Performance seit Ergo Proxy. Einzig und allein Mamoru Miyano kann ihn mit seiner Darbietung als Kei noch toppen. Miyano ist eigentlich immer spitze und auch wenn es nicht ganz so denkwürdig abliefert wie als Okabe aus Steins;Gate oder Kiba aus Wolf's Rain zählt auch hier seine Performance als kluger, etwas soziopathischer junger Ajin zu dem besten, was man an japanischsprachiger Animesynchro so findet.



    TL;DR ? Dann hier die Kurzfassung


    Animation 07/10 Kotzhässliche Backdrops und die ungelenken 30 frames Bewegungen stören. Die dynamischen, aber seltenen Actioneinschübe sind klasse und auch in der Gesichtsanimation der Figuren zeigt sich, dass CG-animierte Animes Stärken haben.
    Charaktere 06/10 Kei ist ein faszinierender, untypischer Charakter, der frischen Wind in die Animelandschaft der Gegenwart bringt. Satos Ambivalenz ist vergnüglich anzuschauen. Bei den anderen Figuren fehlen mir zu oft die Hintergründe, die nötig wären, um sie einordnen zu können.
    Plot 06/10 Den Plot habe ich in einem Dutzend Animanga zuvor schon gelesen oder gesehen. Einzig die Ernsthaftigkeit der Erzählung hebt Ajin halbswegs aus der Masse ab.
    Action 8/10 Es gibt nicht viele Actionszenen, aber wenn die Ajin kämpfen, geht es zur Sache. Zum einen sehr schwungvoll und unterhaltsam anzusehen, zum anderen aber auch innovativ, wie die Ajin ihre eigene Fähigkeit, wiederaufzuerstehen, taktisch einsetzen.
    Sound 8/10 Richtig guter Soundtrack, mit Musik, die eigene Stimmungen genauso gut schafft, wie sie bei Bedarf die Emotion einer Szene tonal unterstützt. Mit Miyano und Outsuka sind zwei tolle Synchronsprecher in zentralen Rollen vertreten und auch die Ambient-Sounds wirken echt und 'gritty'.
    Anspruch 05/10 Man stößt sich beim Überlegen doch gelegentlich an Ungereimtheiten der Welt von Ajin. Dass die Weltöffentlichkeit es so hinnähme, wenn die nächste Stufe menschlicher Evolution von Regierungen in Hinterzimmer verschleppt würde, finde ich zum Beispiel recht unglaubwürdig. An und für sich ist das einzige „Anspruchsvolle“ an der Serie, die Verstrickungen aus Eigeninteressen der Figuren und wie sie sich gegenseitig zur Verwirklichung ihrer Ziele ausnutzen. Aber ein großer Wurf ist Ajin damit noch lange nicht.

    Gesamteindruck über weite Strecken hat Ajin mich unterhalten. Ich hatte zwar nie das Gefühl, das nächste große Ding der Animewelt zu sehen, aber das erwartet ja auch keiner. In der Show vereinen sich so viele kleine Kritikpunkte mit einer handvoll echter Stärken, dass ich am Ende irgendwie bei Null herauskomme. Ajin ist gut genug, dass ich mich auf die zweite Staffel freue, aber auch nicht so toll, dass ich es kaum erwarten kann.
    Also eine von den Shows, die man ruhigen Gewissens anschauen kann, weil es weissgott schlechtere Unterhaltung gibt. Wer sucht, findet aber auch besseres.


    06/10

    imdb-Score 8,0/10
    Zetubal is offline Last edited by Zetubal; 07.01.2017 at 14:28.

  12. #392 Reply With Quote
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    History's Strongest Disciple Kenichi
    [Bild: 169883.jpg]

    Format: Manga
    Status: Abgeschlossen
    Umfang: 583 Kapitel in 61 Bänden
    Erscheinungsraum: 2002-2014
    Mangaka: Syun Matsuena
    Genres: Shounen, Action, Martial Arts, Comedy, Ecchi

    Inhaltsangabe
    Kenichi Shirahama hat einen wirklich ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, der es ihm praktisch unmöglich macht, Unrecht einfach tatenlos geschehen zu lassen. Folgerichtig steht er gern für andere ein, auch wenn er dabei pfundsschwer die Hosen voll hat.
    Dumm nur, dass Kenichi zugleich ein Hänfling sondergleichen ist, der nach einer Liegestütze einklappt und neben dem selbst der Informatik-Nerd seiner Klasse wie Charles Bronson wirkt.
    Bei einem besonders dramatischen Fail beim Versuch den Helden zu spielen, lernt er seine neue Mitschülerin Miu, die ihrerseits ziemlich awesome in Kampfkunst ist, kennen. Und weil Kenichi endgültig die Schnauze voll davon hat, der Boxsack seiner Umgebung zu sein, fasst er sich ein Herz und bittet darum, Schüler im Dojo von Mius Opa zu werden.

    Was er zu dem Zeitpunkt noch nicht ahnt ist dass dieses Dojo von den besten (und exzentrischsten) Martial Arts Meistern diesseits von Mr. Miyagi geleitet wird und ihn der Pfad zur Stärke in jede Menge Trubel und Shenanigans bringen wird.

    Kritik
    Jeder von euch hat indirekt schonmal von diesem Manga gehört. Auch wenn ihr es nicht wisst. Egal was für eine Review zu einem beliebigen (Martial Arts) Shounen XY ihr lest, irgendwann ist bestimmt mal die Rede davon, wie Manga XY über- unter- oder einfach nur “durchschnittlich” ist bzw. wie er sich zum Durchschnitt/Standard verhält.
    HSDK ist genau der Standard, der in solchen Referenzen gemeint ist. Das meine ich im guten, wie auch im schlechten Sinne und genau darum soll es in dieser Review gehen.

    Wenn ich von Standard und HSDK spreche meine ich im Wesentlichen, dass dieser Manga praktisch all das verkörpert, was man typischerweise mit einem Martial Arts Shounen verbindet.
    Die Ästhetik ist das, was meine Mum, die in ihrem Leben keinen Manga gelesen hat, für Manga-Ästhetik hält. Absurd großbusige Frauen mit gigantischen Kulleraugen, Kerle mit Muskeln aus Stahl und jede Menge chaotische Haue, über die visuell ein Haufen Soundeffekte gelegt sind.
    Das ist irgendwie die Quintessenz des Genres und in gewisser Weise ist jeder Martial Arts Shounen eine Spielart dessen, was HSDK so sammelt.
    Die Zeichnungen sind – wie alles andere auch – der pure Durchschnitt. Matsuena ist durchaus in der Lage einen konsistenten, optisch ansprechenden Stil zu produzieren, der ganz klar eine jugendliche, etwas naive Shounen-Ästhetik verkörpert. Immer wieder scheint auch ein akzeptables Händchen für visual Comedy durch, aber wegen der repetitiven Natur, nach der Gags herbeigeführt werden, wird der Trick angesichts der Länge des Mangas schnell alt.
    Das Panel-Layout, und das muss ich lobend erwähnen, ist mustergültig klar und fokussiert auf Charaktere und Action. Gerade mit Blick auf überladenen, chaotischen Shit wie Tokyo Ghoul kann ich nicht genug betonen, wie wertvoll dieser Aspekt ist.

    Über den Inhalt lässt sich das gleiche sagen. Der Plot bewegt sich gemächlich von Arc zu Arc, wo dann jeweils in sehr formelhafter Weise ein neuer Cast an Bad Guys vorgestellt wird, von denen jeder eine andere Kampfkunst praktiziert und jeder von denen wird (idR) von Kenichi und seinen Kumpanen im Lauf des Arcs zünftig verkloppt. Ab und zu wird ein neuer Charakter in den Haupt- und Nebencast der folgenden Arcs übernommen, wobei auffällt, dass dadurch die Protagonistenriege zum Ende hin sehr aufgebläht wird.
    Das ist dann auch der Hauptkritikpunkt an der Handlung: Autor Syun Matsuena versteht die typische Struktur eines Action Shounen zwar gut genug, um sie reproduzieren zu können, hat aber offensichtlich keinen Schimmer davon, wie er von ihr abweichen kann oder wie man mit ihr spielt.
    Deswegen plätschert HSDK über hunderte Kapitel so vor sich hin und baut immer mehr “Altlasten” auf, weil der Mangaka es nicht versteht, die Erzählstruktur auf das größere Ganze der Erzählung zu münzen und an den nötigen Stellen zu entschlacken.
    Da hätte er zB von George Morikawa lernen können.

    Ein letztes Wort zum Ecchi: Vorab, ja, ich weiss es und ihr wisst es – ich hasse Ecchi. Aber nehmen wir mal an das wäre nicht so und ich würde ganz unvoreingenommen einen Blick darauf werfen, wie der Manga mir als interessiertem Leser auf humorvolle Weise Nacktheit und softe Erotik präsentiert. ...Es wäre immer noch eine elend-schlechte Ausführung des Ganzen.
    Während ich, wie oben erwähnt, dem Mangaka ein recht solides Verständnis der Shounen-Arc-Struktur attestieren würde, muss ich andererseits anmerken, dass er keinen Schimmer davon hat, wie man Nacktheit witzig, erotisch oder im Mischmasch von beidem präsentiert.
    Klar gibt es ein paar Ecchi-Steckenpferde hier und da, die der geneigte Fan mag und die mich in gewohnten Würgereiz versetzen, wie die immerselben accidental Gropings. Aber im Wesentlichen besteht Matsuenas Idee von Ecchi darin, Frauen nackt zu zeigen oder sie im Laufe eines Kampfs zusehends zu entkleiden. Besser kann ich es nicht sagen. Wenig bis gar nichts an der Präsentation von Nackheit wirkt irgendwie von einer Absicht gesteuert. Oder anders gesagt macht der Autor folgenden Trugschluss: “Seht hier: Großbusige, nackte Frauen!! … Denen es peinlich ist, nackt gesehen zu werden!! … Also automatisch Ecchi ... right?” Wrong.

    Sonst noch etwas zu erwähnen? Achja, der Manga wurde nach langer Laufzeit von Seiten der Weekly Shounen Sunday gecancelt und musste deswegen, wie so oft der Fall ist, recht abrupt zu einem Ende geführt werden.
    Im Grunde genommen macht das den finalen Arc ganz spannend, weil es sehr simpel veranschaulicht, wie überfordert Matsuena damit ist, einen Arc anders als alle anderen zu strukturieren.

    Also...TL;DR? Dann hier nochmal in Kurzform

    Zeichenstil 05/10 Standard-Optik.
    Plot 05/10 Standard-Karate Kid-Story.
    Charaktere 05/10 Standard-Charaktere und Standard-Rollen mit Standard-Beziehungen zueinander.
    Spannung 05/10 Standard-Plotstruktur ist spannend für Neulinge im Action Shounen Genre. Alle anderen wissen immer,was passieren wird.
    Anspruch 05/10 Standard-Moralgelaber des Genres

    Gesamteindruck Habe ich das Wort Standard eigentlich schon benutzt, um den Manga zu beschreiben?
    HSDK ist die Art von Manga-Fastfood, die konsumiert werden kann, wenn man unbedingt gerade Shounen Actions mit Boobies haben will.
    Für mangaphile Geeks wie mich ist HSDK am Rande interessant, weil er so viel Einblicke in das jenige gibt, was einen typischen Manga dieser Art charakterisiert.

    Für alle anderen ist das dröge...Standard-Kost.


    Gesamtwertung: 5/10

    MAL-Score 8,24/10
    Zetubal is offline Last edited by Zetubal; 05.12.2017 at 22:46.

  13. #393 Reply With Quote
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    Ichi the Killer (Koroshiya Ichi)
    [Bild: 73143l.jpg]

    Format: Manga
    Status: Abgeschlossen
    Umfang: 101 Kapitel in 10 Bänden
    Erscheinungsraum: 1998-2001
    Mangaka: Hideo Yamamoto
    Genres: Drama, Psychological, Crime, Horror

    Inhaltsangabe
    Ohne jedes Vorzeichen verschwindet eines Nachts der brutale Yakuza-Boss Anjou aus seinem Apartment, zusammen mit 300 Millionen Yen – den gesamten Ersparnissen seiner Gang, der Anjougumi.
    Infolgedessen ziehen die verbliebenen Mitglieder der Gang, geführt von dem masochistisch veranlagten Soziopathen Kakihara, in der fieberhaften Suche nach ihrem Boss eine blutige Spur durch die Unterwelt Shinjukus.

    Was jedoch niemand ahnt ist, dass Anjou tot ist. Bestialisch umgebracht von Ichi, einem psychologisch schwer traumatisierten Killer, der vom mysteriösen Jijii manipuliert wird, um Shinjuku auf brutalste Weise von Yakuza zu befreien.

    Kritik
    Viele von euch werden mit dem Begriff „guilty pleasure“ etwas anfangen können. Gemeint sind Werke, die bei nüchterner Betrachtung nicht unbedingt das Gelbe vom Ei sind, mit denen man aber (insgeheim) doch seinen Spaß hat. Der eine guckt gerne Sly Stallones Judge Dredd, die andere liest gerne Fairy Tail. So weit, so gut.
    Aber habt ihr schonmal von „guilty displeasure“ gehört? Für mich sind das Werke, von denen weithin behauptet wird, sie seien großartig, kultig, ja sogar erhabene Kunst...aber mit denen man partout nicht warm wird.
    In diese Kategorie fällt für mich Ichi the Killer, ein Manga, der spätestens seit seiner auf der halben Welt indexierten Filmadaption als Genreperle des ultrabrutalen Yakuzafilms gilt. Warum Kritiker deren Meinung ich sonst schätze Gutes über Ichi zu berichten haben, ist mir jedoch ein Rätsel.
    Und darum soll es hier gehen; ich möchte euch erzählen, warum ich Ichi seinen Kultstatus missgönne und dieses abscheuliches Machwerk für die mangagewordene Sprühwurst halte.

    Vorab aber Lob da, wo es hingehört: Die Bebilderung der Geschichte durch Hideo Yamamoto ist sehr passend. Der Mangaka entwirft gekonnt ein kafkaeskes Noir-Shinjuku voll bizarrer Figuren. Besonders die einprägsamen Designs der Hauptcharaktere stechen hervor. Hier zeigt Yamamoto, dass es nicht immer Detailverliebtheit ist, die einen guten Mangaka auszeichnet, sondern dass gerade Mut zur Hässlichkeit in einem beklemmenden Psycho-Streifen wie diesem fabelhaft funktionieren kann.
    Dabei möchte ich die Zeichnungen handwerklich gar nicht in den Schatten stellen. Obwohl sie sicherlich weit entfernt sind von den künstlerischen und handwerklichen Glanzleistungen, die Yamamoto wenige Jahre später in Homunculus abliefern sollte, sind auch die Bilder in Ichi geprägt von Routine, grundsolidem Können und Klarheit.
    Mich erinnert die Optik des Mangas stark an Battle Royale – sowohl was die Figuren angeht als auch hinsichtlich der Bildstimmung.

    Gleichzeitig gehört aber auch gesagt, dass die Gewaltdarstellung in dem Manga unfassbar explizit ist. Obwohl ich bekanntlich kein großer Fan von Metzelorgien bin, habe ich bereits einiges an brutalen Manga gelesen (Wolfsmund, Wolf Guy, Berserk, Junji Itos Werke, Battle Royale usw.)... und Ichi ist, in meinen Augen, schlimmer als der Rest. Praktisch alles, was man sich an physischer und seelischer Gewalt vorstellen kann, findet hier Ausdruck. Genitalverstümmelungen, Massenvergewaltigungen, Verätzungen – ich mag es gar nicht weiter ausführen. Wer auch nur in irgendeiner Weise triggerbar ist durch Gewalt, sollte einen weiten Bogen um Ichi machen.

    An der Stelle komme ich dann auch zu meiner Negativ-Kritik, die erst einmal wenig überraschend ausfällt: Ich stoße mich an der Gewalt in Ichi. Verteidiger des Mangas entgegnen nun, dass es in Ichi gerade darum gehen soll, Gewalt abstoßend darzustellen. Was insofern auch richtig ist, als Trauma und das Wechselspiel zwischen Schmerz und Lust treibende Kräfte der Erzählung sind. Das Problem an der Sache ist der extrem dünne erzählerische Unterbau der Geschichte. Strenggenommen hat der Manga drei Hauptfiguren, deren gesammelte Motivationen über 101 Kapitel sich auf einem Bierdeckel zusammenfassen lassen (Jijii manipuliert aus Langeweile, Kakihara steht auf SM und Ichi versucht mit seinen Kindheitstraumata und der PTSD klarzukommen). Die Geschichte entwickelt ihre Charaktere in keiner Weise, sondern variiert nur sehr ähnliche Szenarien, die dem Leser die immer gleichen Dinge über die drei Figuren verraten.
    Das macht die Gewalt sehr schnell selbstzweckhaft, besonders da sie im Verlauf der Geschichte immer weiter ausufert, während die Figuren durch die bzw. an denen sie verübt wird erzählerisch auf der Stelle treten.
    Das ist in doppelter Weise problematisch, weil der einzige Grund, die eskalierende Gewalt zu beobachten, wenn sie uns schon nichts Neues über die Figuren verrät, bloßer Voyeurismus ist. Und, holla, den Vorwurf muss sich Ichi spätestens angesichts der vielen unnötigen Sex- und Masturbationsszenen gefallen lassen (Ichis Dauerständer und seiner zwischenzeitlichen Unfähigkeit zu ejakulieren wird zB ein eigener Subplot eingeräumt).

    Zeichenstil 08/10 Das was sich in den Bildern abspielt ist teilweise wirklich so abstoßend, dass ich kaum hinsehen konnte. Ich komme trotzdem nicht umhin, Yamamoto eine gekonnte, stilsichere Bebilderung zu attestieren, die maßgeblich die beklemmende Horror- und Psychoatmosphäre des Mangas kreiert.
    Plot 04/10 Interessante Themen wie Trauma, PTSD und SM werden zwar angeschnitten, aber nie über den Status bloßer Konzepte/Ideen hinaus verwertet. Die eigentliche Handlung, die stattdessen stattfindet ist hauchdünn und wendungsarm.
    Charaktere 02/10 Ein Haufen abartiger, amoralischer Widerlinge ohne redeeming qualities, die keine Identifikationsfläche bieten – geschweige denn irgendwelche Gründe Empathie mit ihnen oder Sympathie für sie zu empfinden.
    Spannung 03/10 Ohne Sympathie zu den Charakteren oder eine ansprechende Geschichte gibt es hier keine greifbaren „dramatic stakes“, anhand derer sich Spannung entwickeln kann. Widerliche Dinge widerfahrend aus nichtigen Gründen Charakteren mit denen ich null mitfühle.
    Anspruch 01/10 Nein.

    Gesamteindruck Eine Frage ist nun beinahe untergegangen: Warum gibt es überhaupt Fans oder Fürsprecher für den Manga? Die einfache, herabschauende Antwort wäre wohl, dass es eine Menge Perverser da draußen gibt, die so etwas wie Befriedigung in dem Geschehen von Ichi finden. Aber das ist glaube ich nicht die richtige Antwort, die einen regelrechten Fankult erklären kann.
    Ich denke, was Ichi so anziehend macht für Fans ist das komplette Fehlen von Moralität und Hemmungen. In seiner Art, eine Welt zu skizzieren, in der Gewalt die einzige Kommunikationsform ist und Moralität indes unter die Räder geraten muss, ist Ichi sehr konsequent und vielleicht sogar ein wenig einzigartig.
    Ich glaube, dieser Mut etwas Eigenes, Anderes zu sein, bringt Ichi Fans ein. Und selbst ich verspüre ein Fünkchen Achtung dafür.

    Zugleich ist Ichi aber nicht im Gewand eines philosophisches Experiments geschrieben, sondern als Manga, also in einem Erzählmedium. Und unter diesem Gesichtspunkt ist Ichi ein Reinfall, denn erzählerische Qualitäten gehen ihm gänzlich ab.
    Wenn euch das Konzept interessiert, dann lest lieber Texte über Ichi the Killer oder beschäftigt euch direkt mit entsprechender Philosophie. Als eigenständige Geschichte ist der Manga nämlich Driss.


    Gesamtwertung: 3/10

    MAL-Score 7,88/10
    Zetubal is offline Last edited by Zetubal; 05.12.2017 at 23:25.

  14. #394 Reply With Quote
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    Inu Yashiki
    [Bild: 156353.jpg]

    Format: Manga
    Status: Abgeschlossen
    Umfang: 85 Kapitel in 9 Bänden
    Erscheinungsraum: 2014-2017
    Mangaka: Hiroya Oku
    Genres: Seinen, Sci-fi, Action, Drama

    Inhaltsangabe
    Ichiro Inuyashikis Leben ist ein einziges Trauerspiel. In den Augen seiner Frau und Kinder ist der schüchterne Familienvater ein Versager, für seinen ruppigen Chef ein sprichwörtlicher Fußabtreter. Umso achtenswerter erscheint es, dass Ichiro trotz der ständigen Schikane tapfer, couragiert und mitfühlend bleibt – besonders wenn er andere in Not sieht.
    Vergolten wird ihm das allerdings nicht und als er eines Tages auch noch eine Krebsdiagnose erhält, scheint das der finale Nagel in seinem Sarg zu sein.
    Doch unverhofft kommt oft: Während Ichiro nachts darauf im Park über sein tristes Leben sinniert, fällt ein Himmelskörper auf ihn herab. Was ihn so tödlich verletzt, entpuppt sich als Raumschiff Außerirdischer und als die ihr Malheur bemerken, entschließen Sie sich kurzerhand Ichiros ruinierten Körper zu „restaurieren“. So erwacht Ichiro kurz darauf und stellt verwundert fest, dass er nicht nur am Leben ist, sondern putzmunter – geradezu unnatürlich munter sogar. Denn nun steckt hinter der Fassade des gebrechlichen alten Mannes ein mit Alientechnologie ausgestatteter, vor Waffen und anderen Gadgets strotzender, unverwundbarer Cyborg.
    Während Ichiro sich nach und nach aufmacht, seine „Gabe“ dafür einzusetzen, Gutes zu tun, häufen sich am anderen Ende der Stadt grausame Verbrechen. Denn Ichiro ist nicht der einzige „restaurierte Mensch“ - und sein Gegenpart führt nichts gutes im Schilde.

    Kritik
    Auf den ersten Blick liegt es nahe, in Inu Yashiki „Japans ab18 Inspektor Gadget“ zu sehen. Während man so einen Vergleich teilweise sogar verteidigen könnte, kratzt er jedoch nur sehr oberflächlich an dem, was der Manga eigentlich zu bieten hat, denn die Konflikte, die hier behandelt werden, sind sehr viel komplexer als die Prämisse „gebuffter Loser kämpft gegen Schurken“ vermuten lässt...So will es uns zumindest der Autor glauben lassen. Aber stimmt das?

    Der Reihe nach: Inu Yashiki entspringt der Feder von Hiroya Oku, der vor allem für seinen Manga Gantz bekannt ist und dessen anderen Manga Me~Teru no Kimochi ich hier vor einiger Zeit detailliert verrissen habe. Da drängt sich natürlich die Frage auf, ob sich zwischen Inu Yashiki und Me~Teru Parallelen ziehen lassen – sprich: ob dieser Manga hier die selben Problemchen mit herumträgt.
    Die Antwort fällt ein wenig überraschend aus: Jein, einige zentrale Kritikpunkte, die ich bei Me~Teru angekreidet hatte, fallen hier auf, andere sind hingegen komplett ausgemerzt.
    Da wäre zB das fragwürdige Frauenbild, das man Oku manchmal nachsagt: Zugegebenermaßen gibt es auch in Inu Yashiki eine ziemlich aufgesetzte Romanze und sehr dröge, kitschige, Damsel-in-Distress-Momente. Aber von der beleidigenden Degradierung von Frauen zu Sexobjekten, wie in Me~Teru, ist das was in Inu Yashiki passiert schon deutlich zu unterscheiden.

    Auch optisch ist Inu Yashiki meilenweit entfernt von der zeichnerischen Tristesse eines Me~Teru. Oku besinnt sich hier ganz auf die Stärken, die er schon in Gantz zeigte und liefert in detailverliebten Panels abwechslungsreiche Stadtpanoramen, ausdrucksstarke, realistische Gesichter und Figurenzeichnungen, gepaart mit einem guten Auge für die Inszenierung großer, wuchtiger Actionszenen. Besonders hervorzuheben ist in meinen Augen der fließende Übergang zwischen digitalen Zeichnungen (vor allem Hintergründe) und Handgezeichnetem.
    Manchmal hatte ich zwar den Eindruck, dass die Detailverliebtheit (gerade wenn es um das Innenleben der Cyborgs geht) die Panels etwas überlädt, aber das ist Meckern auf hohem Niveau.
    Insgesamt ist das Zeichnerische genau in den Aspekten sehr gut gelungen, die thematisch im Vordergrund stehen: detaillierte, wuchtige SciFi-Action und ausdrucksstarke Figuren für charaktergetriebenes Drama.

    Dass Inu Yashiki diese zwei Schwächen von Me~Teru größtenteils hinter sich lässt, macht den Manga allerdings nicht automatisch besser oder gar fehlerfrei. Im Gegenteil: Inu Yashiki trägt einen Rattenschwanz eigener Probleme mit sich herum. Und die sind teilweise leider ziemlich gravierend.

    Und damit wären wir auch schon bei dem Punkt, den ich hier primär zur Sprache bringen will. Okus größtes Problem ist, dass sich durch sein gesamtes Œuvre ein frappierendes Unvermögen zieht, Charaktere zu Protagonisten zu machen. Dieses Problem hatte ich bereits im Rahmen der Me~Teru Kritik und der daran anhängenden Diskussion im Thread (Link) zur Sprache gebracht. Die Kurzversion: Oku bringt es nicht fertig, Charaktere so zu schreiben, dass man mit ihnen mitfühlen kann.
    Was in praktisch jeder erdenklichen Geschichte ein Problem wäre, wird nur noch schlimmer, wenn man bedenkt, wie bizarr Okus Geschichten und ihre Charaktere sind. Während ich mir in einem mundanen Romcom-Shounen vieles Unerklärtes anhand von Tropes und Alltagswissen zusammenreimen kann, bereitet mir die Eingentümlichkeit von Okus Figuren echte Schwierigkeiten.
    Konkretes Beispiel: Die beiden Hauptfiguren dieser Geschichte sind Ichiro und Shishigami. Beide in entgegengesetzte Richtungen extrem überzeichnet. Ichiro erduldet am laufenden Band Schikane von allen Seiten und behält sich trotzdem in geradezu Jesu-hafter Manier den Glauben an das (unspezifische) Gute, Shishigami ist ein kompletter Soziopath und Mörder. Warum beide so gestrickt sind – da können wir nun gemeinsam raten. Ich habe nach dem Lesen von 85 Kapiteln ungefähr so viel Antworten wie ihr, wenn ihr bloß meinen Text bis hierhin gelesen habt.
    Und hieran krankt die gesamte Erzählung. Wenn mir die Hauptfiguren komplett fremd und schnuppe sind, berührt mich nichts was ihnen passiert. Diese Figuren, die die sonst Schlüssel sind, durch die sich mir die Geschichte emotional eröffnen soll, sind mir hier so fremd, dass ich Inu Yashiki nicht erlebe, sondern eher apathisch beobachte.
    Stattdessen sehe ich an allen Stellen nur die erzählerische Absicht des Autors. Ichiro und Shishigami sind nicht so, weil es einen Grund gibt in ihrer Welt, sondern weil der Autor sie als Symbole für einen Gut/Böse Konflikt braucht. Die Bullies aus Ichiros Umfeld haben keinen Grund, ihn niederzumachen, sondern das Skript braucht Impulse, über die sich Ichiro zum Märtyrer mausern kann.

    Eine gute Story fesselt mich emotional, bindet mich an die Charaktere und lässt mich dadurch und durch natürliches Verweben von Erzählerabsicht und Handlungslogik die ganzen Erzählkniffe im Hintergrund vergessen. Inu Yashiki ist das genaue Gegenteil.

    Das alleine macht den Manga vielleicht zu einem interessanten Studienobjekt für Leute, die sich für die Kunst des Erzählens interessieren, aber als Geschichte an und für sich scheitert Inu Yashiki auf ganzer Linie.

    Der veritable Berg an weiteren Störfaktoren in der Story fällt da kaum noch ins Gewicht, daher hier mal eine kleine Liste im Spoiler, für die, die es juckt
    Spoiler:(zum lesen bitte Text markieren)

    - Der gesamte Alienplot ist komplett hanebüchen
    - Da wir nie erfahren, was die Limits der Cyborg-Körper sind, gibt es keine definierten Regeln und daher keine Spannung in Konfrontationen
    - Der Manga hat den mit Abstand schlimmsten Cringe-Moment in Manga, den ich seit Ewigkeiten erlebt habe: Eine Szene in der eine Figur im Manga Okus anderen Manga „Gantz“ gegenüber einem Kritiker verteidigt. Oku schreibt wortwörtlich einen Fanboy seines eigenen Werks in seine Story und lässt ihn Gantz loben. Mir rollen sich die Nägel auf
    - Das Ende ist eine gigantischer Deus Ex Machina, wie man ihn sonst nur in amerikanischen Superheldencomics findet, wo Autoren durch Zeitreisen oder so ihre Geschichte irgendwie resetten müssen, weil sie sich selbe in die Ecke geschrieben haben.
    - Epilog ist kitschig
    - Romanze wirkt aufgesetzt
    - Übertriebene Gewalt wirkt angesichts des fehlenden Investments in die Figuren selbstzweckhaft
    usw.



    Also...TL;DR? Dann hier nochmal in Kurzform

    Zeichenstil 08/10 Bis dato Okus beste Zeichenleistung. Tolle Panoramen, markante Designs, lebhaft gezeichnete pseudo-realistische Charaktere. Gutes Verweben von Digital Art mit Handzeichnungen. Dafür bisweilen etwas überladene Panels
    Plot 03/10 Eine Story wie eine News-Reportage. Sie wird mir wohl vorgeführt, aber da sie niemanden involviert, der mich juckt, ist sie mir vollends egal.
    Charaktere 03/10 Es gibt wohl Figuren, aber die Scheitern erbärmlich daran, ihre zugewiesenen Rollen als Protagonist, Antagonist usw zu erfüllen.
    Spannung 0/10 Nope, nicht vorhanden
    Anspruch -/10 Kann ich nicht beurteilen.

    Gesamteindruck Inu Yashiki lässt mich mit gemischten Gefühlen zurück. Ich bin nicht ganz so sehr von Abscheu erfüllt, wie nach dem Lesen von Me~Teru, aber muss andererseits auch gestehen, dass Oku sich praktisch nur in oberflächlichen Aspekten, vor allem dem Zeichnen, demgegenüber verbessert hat.
    Der Aspekt, der schon damals im Zentrum meiner Kritik stand, ist immer noch genau so präsent. So lange Oku es verpasst, Figuren emotional greifbar zu machen, komme ich nicht umhin, seine Charaktere und Geschichten als Schund zu kategorisieren.

    Schlechter Manga.


    Gesamtwertung: 4/10

    MAL-Score 7,66/10
    Zetubal is offline Last edited by Zetubal; 08.07.2018 at 18:09.

  15. #395 Reply With Quote
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    Format: Animeserie
    Umfang: 12 Folgen
    Erscheinungsraum: 2017
    Regisseur: Yuichiro Hayashi
    Studio: Mappa
    Genres: Shounen, Mindgames, Psychological

    Inhaltsangabe
    Wenn du Alles hast, bleibt dir nur eins, um dich lebendig zu fühlen: Es zu riskieren. Für die Schüler und Schülerinnen der elitären Hyakkaou-Privatschule könnte es wahrer nicht sein. Denn in einer Schule, wo Status alles ist, regiert das ungezähmte Glücksspiel. Zwischen unglaublichem Reichtum und Sklaverei liegt manchmal nur ein Würfelwurf – und gezockt wird immer.

    Die neue Schülerin Yumeko Jabami, mit ihrer naiven, höflichen Attitüde wirkt da natürlich wie gefundenes Fressen für die abgebrühten Zockerinnen und kaum hat sie den Fuß in den Klassenraum gesetzt, will die erstbeste Mitschülerin sie schon in einem Spiel um Kopf und Kragen bringen.
    Die Rechnung geht allerdings nicht auf. Denn wie ihre Mitschüler schnell feststellen müssen, ist Yumeko weit mehr, als der Anschein vermuten lässt. Yumeko ist ein Genie...und dabei komplett spielsüchtig.

    Kritik
    Kakegurui ist ein klassischer Shonen der Marke „Mind-Action“. Gemeint sind damit Shows, deren Fokus auf Action liegt, diese aber nicht wie gewohnt mit Muskelkraft und Kampfgeschick stattfindet, sondern indem Figuren einander intellektuell ausspielen – oftmals im Rahmen von Spielen, Rätseln oder anderen kniffligen Situationen.
    Animanga dieser Art zu produzieren, ist in meinen Augen ein ziemlicher Geniestreich gewesen. Denn das woran viele Action-Serien kranken – Probleme mit der „Progression of Power“ und die repetitive Natur des Kämpfens – kann eine Mind-Action Serie problemlos umgehen. Schließlich gibt es unendlich viele Arten, Mindgames anzuwenden und um sie zu visualisieren, kann man praktisch jede noch so abgedrehte Metapher bemühen. Gerade in einem Zeichenmedium, wo der Fantasie praktisch keine Grenzen gesetzt sind, lässt sich so eine Menge rausholen.
    Allerdings ist das auch ein Genre mit immens starker Konkurrenz wie Kaiji, HxH, LGT, Akagi, Liar Game, Kurosagi usw., die allesamt den Standard für spannende Mind-Action gesetzt haben. Wie schneidet nun also Kakegurui, der zeitweise populärste Anime des vergangenen Sommers, ab? Die Antwort: Nicht so prall. And here's why...

    Der Anime kommt aus der Schmiede von Mappa. Obwohl das Studio erst seit 2011 existiert, haben die bisher ein ziemlich beeindruckendes Portfolio gesammelt mit einer Menge von Fanlieblingen. Dabei steht das Studio für überdurchschnittlich gute Zeichenqualität, insbesondere mit einem Händchen für sparsam eingesetzte, wirkungsvolle CGI. Und hier muss ich zum ersten Mal Abstriche machen, denn Kakegurui ist von allen Mappa-Shows, die ich gesehen habe, die rein handwerklich deutlich am schlechtesten gemachte Serie.
    Dabei hapert es weder an den Designs noch an der Qualität einzelner Zeichnungen. Die Figuren, um die sich die Geschichte dreht, haben ansprechende Designs, sind ästhetisch und zeitgemäß eingefangen. Der Handlungsort ist...verbraucht (Schule halt), aber keineswegs hässlich. Die CGI, die vor allem für die Animation von Karten und Spielsteinen verwendet wird, ist zweckmäßig, auch wenn sie sich schmerzlich vom Handgezeichneten abhebt. Der Vorwurf, den sich die Show gefallen lassen muss, ist vielmehr die allgegenwärtige kreative Armut der Serie.
    Für eine Show, mit einer so abgedrehten Prämisse, wirkt die Animation leider viel zu gehemmt. Jeder einzelnen Spielerin ihren eigenen Yandere-Gesichtsausdruck zu verpassen und ihre Augen „gruselig“ leuchten zu lassen, ist halt nicht unbedingt das, was ich mir unter kreativer Umsetzung vorstelle. Kakegurui fehlt einerseits das schnelle, actionreiche Pacing bzw. der Schnitt, der ähnliche Serien wie Kaiji oder HxH so nervenaufreibend macht. Stattdessen verliert die Show sich in reihenweise Close-Ups von Gesichtern der Figuren, die, wie erwähnt, auf die immer selbe klischeehafte Weise manisch, panisch oder -dere wirken. Erschwerend kommt hinzu, dass die Serie zu wenig bewegt ist. In vielen Einstellungen, gerade während der Zockerduelle, bewegt sich kaum etwas außer der „Kamera“ (also dem Screenscroll).
    Über Metaphern und „crazy visuals“ kann man im Übrigen denken was man möchte, aber sie wären hier willkommen gewesen, um die Monotonie etwas aufzubrechen.
    Hier verschenkt die Show massig Potential.

    Ein hervorstechendes Merkmal der Show ist die hohe Präsenz von weiblichen Charakteren, die außerhalb von Moe, Romance und Slice of Life immer noch nicht selbstverständlich ist – und gerade in Action-Shounen sogar eine echte Seltenheit darstellt (ja, 2017 hat erfreulicherweise eine Menge Gegenbeispiele geliefert). Noch mutiger finde ich sogar den Ansatz, einen weiblichen spielsüchtigen Hauptcharakter zu nehmen in einer Show, die sich vornehmlich an junge Kerle richtet (der Original-Manga erscheint in „Gangan Joker“, einem Shounen-Magazin). Könnte die Show also mal frischen Wind ins Genre bringen und Shounen-Lesern eine interessante junge Frau als Identifikationsfigur vorsetzen? ...Nee, das wäre zu schön gewesen, um wahr zu sein.
    Kakeguruis Cast ist dummerweise nur eine Staffage an „Babes“, von denen die meisten keine wirklichen Charaktere darstellen, sondern Tropes, Quirks und Klischees repräsentieren. Am schlimmsten ist das in Hinblick auf die Hauptfigur. Yumekos Handeln dreht sich ohne jegliche Veränderungen die ganze Season über darum, dass sie gerne des Thrills wegen zockt und obendrein ziemlich gut darin ist. Da man allerdings nie Einblick in ihr Innenleben kriegt, wirkt alles was sie tut eindimensional, weil es sich auf diesen einzelnen Wesenszug zurückführen lässt. Auch die Zockerduelle werden davon negativ beeinflusst, denn meistens finden die Duelle aus Sicht (bzw. mit innerem Monolog) der Gegenspieler oder Kumpels von Yumeko statt, nicht aber aus ihrer Perspektive. Da in Kakegurui jeder Gegner schummelt was das Zeug hält, sind die jeweiligen Matches geprägt von lahmen Dialogen in denen Freunde von Yumeko ängstlich nach Luft schnappen, während die Gegner sich in ihren eigenen Muhahahas suhlen. … Nur um dann am Ende doch abgezockt zu werden, weil Yumeko enthüllt, sie habe die Masche lange durchschaut und stattdessen ein doppeltes Spiel (see what I did there?) mit den Gegnern gespielt, indem sie sie im Glauben ließ, das Spiel zu kontrollieren.
    Das ist ein Faux-Pas in der Schreibe, denn so wird jede Enthüllung zu einem Deus Ex Machina, den ich als Zuschauer der Serie nicht so recht schätzen kann – vor allem weil ich nie die Chance hatte, simultan nachzuvollziehen wie und wann im Match Yumeko das Spiel durchschaute. Das zentrale Spannungselement, wenn Protagonisten ein Hindernis überwinden, fehlt somit.

    Ich könnte jetzt nach konventioneller Manier ewig weitermachen, indem ich erzähle wie die Struktur der Show nur auf Villain of the Week beruht, Charaktere schamlos übersexualisiert werden, der männliche Protagonist praktisch komplett verschenkt ist, die Einsätze in den Spielen nie bedeutsam sind usw. usf. Das spare ich mir allerdings, weil all das nur weiter ein Muster bestätigt, das ich hier bereits zu Genüge nachgezeichnet habe: Kakegurui ist eine Glücksspiel-Show, der auf fundamentale Weise sämtliche Tugenden fehlen, die eine solche spannend machen.

    TL;DR ? Dann hier die Kurzfassung


    Animation 06/10 Und Mappa sprach: Lasset es dröge werden. Und dröge ward es.
    Charaktere 03-04/10 Wer braucht schon Charaktere, wenn er Rollen, Typen, Tropes und Klischees hat...
    Plot 06/10 Kakeguruis Prinzessin ist immer in einem anderen Schloss und dementsprechend geht es hier nur von „Boss Battle zu Boss Battle“.
    Action 5/10 5 ist die feige Nicht-Wahl, ich geb es zu. Die Konzepte hinter einigen der Glücksspiele sind wohl recht faszinierend und wenigstens ein Match fand ich auch ganz interessant. Aber all das wird durch die amateurhafte, unspannende Inszenierung zunichte gemacht.
    Sound 8/10 Überraschenderweise richtig, richtig gut. Jazz und Synthie-Sounds finden zwar nicht so recht zueinander, sind für sich aber richtig passend und untermalen ihre jeweiligen Szenen super. Zudem wirklich tolles japanisches Voice Acting an einigen Stellen.
    Anspruch 04/10 Hier schneidet sich die Show ins eigene Fleisch. Komplexe Spielregeln sind ja schön und gut, aber wenn immer geschummelt wird und Lösungen scheinbar aus dem Hut gezaubert werden, motiviert mich das nicht gerade, mich in die Regeln einzufuchsen und selber mitzufieben. Eine Show, in der es ums Taktieren geht, die mich aber nicht fürs mitdenken belohnt, ist irgendwie ein Fail.

    Gesamteindruck Es hätte wirklich toll werden können. Die Prämisse ist spannend und bietet endloses Potential. Der Frauencast hätte etwas frischen Wind in die Shounen-Sparte bringen können. Der Visualisierung sind keine kreativen Grenzen gesetzt.
    Unter den Vorzeichen ist es fast schon bitter, wie dröge und bieder Kakegurui geworden ist. Alles Potential, was ich in der Show sehe, wird hier liegengelassen und für denkbar standardigsten Standard der Animebranche ausgetauscht.
    Fazit: Fad.


    05/10

    imdb-Score 7,2/10
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  16. #396 Reply With Quote
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    Format: Manga
    Umfang: 1 Band mit 9 Kapiteln
    Erscheinungsraum: 2010
    Mangaka: Kakizaki Masasumi
    Genres: Horror, Psychological

    Inhaltsangabe
    Eigentlich wollte Seiichi mit einem Urlaub seine zerrüttete Ehe retten. Doch als seine Frau Miki zum xten Mal nicht umhin kommt, ihn zu demütigen, ist Schluss mit lustig. Seiichi greift zum Schraubenschlüssel und versucht Miki zu erschlagen. Die kann zwar im Dunkel einer verregneten Nacht in die Natur fliehen, doch Seiichi ist ihr dicht auf den Fersen.

    Als Miki in Panik auf eine Höhle im Wald stößt, ist der Entschluss schnell gefasst, in ihr Unterschlupf zu suchen. Und Seiichi folgt ihr auch dorthin. Ein fataler Fehler, denn etwas bewohnt eben diese Höhle und wer sie einmal betritt, den lässt es nie wieder gehen...

    Kritik
    Es gibt einen Mangaka, dessen Werke stehen beinahe ausnahmslos alle auf meiner To-Read-Liste. Und doch habe ich es jahrelang nicht auf die Kette gekriegt, einen Anfang zu finden. Dieser Mangaka ist Kakizaki Masasumi, der vor allem für seine Zeichenarbeit in „Rainbow“ bekannt sein dürfte. Seinen-Fans kennen Kakizaki als großen Liebhaber von Horror, der immer wieder in seinen Geschichten Genre-Experimente wagt und gelegentlich mit unüblichen Settings wie dem wilden Westen oder dem antiken Rom aufwartet.
    Außerdem genießt er den Ruf, ein hervorragender Zeichner zu sein, was mich als Freund toller Zeichnungen auf den Plan rief.
    Nach jahrelangem Zögern habe ich nun zwei von Kakizakis Mangas gelesen und mag hier über den ersten davon sprechen.

    Hideout, der in Deutschland unter dem Titel „Dark Hideout“ verkauft wird, ist eine relativ kurze Horror-Geschichte, die ihren Sog durch eine Mischung aus cleveren Schockmomenten, gruseligen Zeichnungen und dem Blick in die seelischen Abgründe der Hauptfigur entwickelt.
    Dabei erweist sich der Umstand, dass sich die Geschichte, außerhalb von Flashbacks, komplett in einer Höhle abspielt, als streitbarer Kritikpunkt. Einerseits leiht die Location der Erzählung auf natürliche Weise etwas beklemmendes, gruseliges. Das Höhlensystem ist, wie könnte es anders sein, eher dunkel, nimmt den Figuren die Orientierung und bietet jede Menge Ecken, hinter denen sich Gruseliges verbergen könnte. Das Szenario mit Figuren, die aus einem gruseligen Ort nicht ausbrechen können, während sie vom dort heimischen Untier gejagt werden, ist so alt wie Horror selbst. Aus gutem Grund, denn die Rechnung geht hier auf.
    Gleichzeitig ist die Höhle aber auch derart düster, dass Zeichnungen teilweise zu stark dominiert sind von dunklem gar nichts. Dass Hauptcharakter Seiichi obendrein dunkel gekleidet ist, macht es stellenweise wirklich schwer, dem Bildgeschehen zu folgen. Da können die Zeichnungen noch so hervorragend sein – wenn ich nicht wirklich erkenne, was da genau in den Panels passiert, hemmt es das Lesevergnügen doch erheblich.
    Wo wir gerade bei den Zeichnungen sind: Dass teilweise das Bildgeschehen im dominanten Dunkel untergeht ist hier doppelt schade, denn Kakizaki wird seinem Ruf, ein begnadeter Zeichner sein, in jeder Hinsicht gerecht. Dass viele seiner Zeichnungen – gerade wenn es um die Figuren geht, immens detailverliebt eingefangen sind, ist dabei nur der Anfang. Vielmehr beeindruckt mich sein Gespür für zeichnerischen Horror. Hideouts „Monster“ stehen ideal auf der Schwelle zwischen nachvollziehbaren, semi-realistischen Figuren und grotesken Horror-Gestalten, wie man sie von Junji Ito kennt. Eine andere zeichnerische bzw. organisatorische Qualität, in der Kakizaki nahe an Ito herankommt ist sein Panel- und Seitenlayout. „Hideout“ ist extrem stilsicher, wenn es darum geht, Schockmomente am Ende einer Seite abrupt in kleinen Reaction-Shots/Panels anzukündigen, um dann auf der Folgeseite in großen Zeichnungen den eigentlich Horrormoment zu zelebrieren.
    Dabei gefällt es mir übrigens auch gut, dass Kakizaki keineswegs auf plumpe Splatter- oder Goremomente setzt, um seine Leserschaft zu schocken. Stattdessen sind es oft subtile Dinge, wie ein großes, gruseliges Augenpaar, das aus dem Dunkel heraus den Protagonisten beobachtet.

    Was die eigentliche Geschichte angeht, bin ich hin- und hergerissen. Im Kern ist Hideout eine ziemlich geradlinige „Entkomme dem Monster“-Geschichte, die wie bereits erwähnt handwerklich sehr kompetent umgesetzt wird. Bedenkt man, dass es sich lediglich um einen einzigen normallangen Band handelt mit 9 Kapiteln, ist es sogar beachtlich, wie die Geschichte mehrfach Haken schlägt und mich als Leser mehr oder minder überrascht. Und da wäre ich auch schon beim Problem mit der Geschichte. Es ist so: Ein konstantes Thema der 9 Kapitel ist Seiichis Psyche verbunden mit der Frage, ob er selber ein ebenso großes Monster sein könnte, wie sein Peiniger in der Höhle oder ob er bloß Opfer seiner Umstände ist. Das Thema wird durch eine Mischung aus innerem Monolog sowie der Gegenüberstellung von Momenten aus Seiichis Vergangenheit und der Gegenwart in der Höhle Stück für Stück aufgebaut und mündet in einer Enthüllung, die wohl so etwas wie der emotionale Höhepunkt (oder Tiefpunkt) von Hideout sein soll. Und die Rechnung geht nicht auf.

    Das Problem liegt dabei in Seiichis Charakter und wie Kakizaki daran scheitert, ihn mir als Leser näherzubringen. Nachdem ich früh schon erlebe, wie Seiichi überschnappt und seine Frau ermorden will, fällt es denkbar schwer, ihn im Lauf der Geschichte soweit zu läutern oder zumindest zu vermenschlichen, dass ich einen emotionalen Draht zu ihm entwickle. Auch das Leid, das ihm im Lauf der Geschichte widerfährt, erfüllt diesen Zweck leider nicht wirklich, da Seiichis Handeln und innere Stimme ständig andeuten, dass er immer noch ein zynischer berechnender Kerl zu sein scheint.
    Da sowohl er als auch seine Frau Miki, die übrigens komplett eindimensional und stereotyp dargestellt wird, keine emotionalen Anker sind, bleibt der beabsichtigte emotionale Gut-Punch der finalen Wendungen aus.

    Zum Schluss noch ein Wort zu Kakizakis Beziehung zu Horror: Im Schlusswort des Mangas outet sich der Mangaka selbst als großer Fan von Stephen King und gibt zu, dass er aus dessen Romanen Inspiration bezogen hat (welche genau führt er nicht aus). Grundsätzlich merkt man, dass Kakizaki sich bestens mit zeitgenössischem Horror auskennt und immer mal wieder in kleinen Gesten Hommage liefert. Gleichzeitig emanzipiert und „japanisiert“ er seine Geschichte aber auch. Auch wenn es nie angesprochen wird, liefern das Szenario und ein paar Randnotizen viele Indizien auf die Herkunft bzw. den Hintergrund des „Monsters“ und die naheliegende Antwort ist eine, die nur im kulturellen Kontext Japans zu verstehen ist. Das ist nach meinem Empfinden die ideale Gratwanderung zwischen Hommage und Originalität.

    TL;DR ? Dann hier die Kurzfassung


    Zeichnungen 08/10 Wenn man immer im Bilde darüber wäre, was sich auf den Panels gerade ereignet, wäre auch eine 9 denkbar gewesen. Kakizaki ist ein fantastischer Zeichner mit beeindruckendem Gespür dafür, Horror effektiv zu inszenieren.
    Charaktere 04/10 Hier liegt der Hund begraben. Seiichi sollte der emotionale Dreh- und Angelpunkt der Geschichte sein, wird diesem Anspruch aber leider nicht gerecht. Alle anderen Figuren sind dröge Stereotype.
    Plot 08/10 Dafür, dass die Geschichte im Kern ein Aufguss des ältesten Horror-Archetyps überhaupt ist, vermag Hideout relativ häufig zu überraschen. Zudem ist sie handwerklich sehr sauber und routiniert durchgezogen.
    Spannung 8/10 Hideout hält zu jeder Zeit die Aufmerksamkeit des Lesers und treibt mit seinem gewieften Panel- und Seitenarrangement fortwährend zum Umblättern an. Das, im Zusammenspiel mit der interessanten Geschichte, macht den Manga im ureigensten Sinn des Wortes spannend.
    Anspruch 08/10 Hideout ist eine der Geschichten, die sich auf die Fahne schreiben kann „erwachsene“ Themen und Motive aufzugreifen. Letztlich geht es um Schuldfragen, um psychische Abgründe, unterschwellig auch um japanische Kultur. Lasst euch insofern nicht täuschen – trotz des oberflächlich simplen Plots hat Hideout eine Menge Subtext, der auch verstanden und gedeutet werden will, weil sich daraus erst das Herz der Geschichte erschließt.

    Gesamteindruck Mit Hideout gelingt Kakizaki ein spannender Manga, der für Horror-Fans auf jeden Fall zu empfehlen ist. Dank kleinerer und größerer Wendungen ist die Geschichte stets spannend, allerdings fehlt aufgrund der Bündigkeit und unterdurchschnittlichen Charakterisierung teilweise der intendierte "oha"-Effekt nach einer solchen Wendung. Das tut der Unterhaltung im Endeffekt aber keinen Abbruch. Dass Hideout obendrein fabelhaft gezeichnet ist, macht das Lesen nur noch vergnüglicher.
    Kakizaki deutet hier, wenn auch mit kleineren Abstrichen, Stärken an, die dezente Erinnerungen an Ito wecken. Und ein viel größeres Lob kann ich wohl nicht aussprechen.


    08/10

    myanimelist-Score 7,24/10
    Zetubal is offline Last edited by Zetubal; 15.06.2018 at 14:58.

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