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  1. #61 Reply With Quote
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    Ja, schon“, sagte Charis. „Aber ich meine eher: Wenn ihr beide so ein Paar gewesen seid und ja auch heute noch Kontakt habt, wenn ihr euch geliebt habt all die Jahre und Abenteuer hindurch… wieso seid ihr dann nicht zusammen einen Weg gegangen? Wieso nicht beide zum Militär? Wieso nicht beide runter von der Erde? Ich meine…“ Ihre Augen sprangen zwischen den beiden Menschen hin und her. „War das denn Liebe? Oder nur ein bisschen Nähe in einer harten Zeit?
    Plötzlich fiel ihr auf, dass das vielleicht etwas zu direkt, zu offensiv war. Unbeholfen trank sie einen viel zu großen Schluck, worauf etwas Bier ihr Kinn hinablief. „Ich meine, entschuldigt, wenn das jetzt zu privat ist, aber… ich frage mich halt, wie das wäre. Jemanden zu haben, zu lieben, mit dem man gefühlt alles erreichen könnte. Und wieso sich die Wege dann doch trennen.“ Neunundneunzig Jahre reichten nicht, um die Tiefen einer Beziehung auszuloten.


    Kathys Gesichtsausdruck versteinerte kurz, eine leichte Röte stieg ihr ins Gesicht. Scham erfüllte sie bei Charis Frage, was sie selbst überraschte. Scham war ein Gefühl der Unsicherheit. Unsicherheit schlug bei ihr oft in Wut um. Jetzt jedoch nicht, denn Charis war inzwischen jemand bei dem sie Unsicherheit zuließ. Weswegen sie jetzt nicht wütend war. Sondern sprachlos.
    "Es ist halt nicht immer einfach Charis. Das Leben zwingt einen manchmal zu schweren Entscheidungen. Da erzähle ich jemanden mit deinem Alter vermutlich nichts Neues.", ergriff Werner das Wort, Kathys Gesichtsausdruck richtig deutend.
    "Ich meine, selbst wenn wir zusammen gegangen wären. Zusammen erfolgreich geflohen. Nicht jeder ist für das Militär geeignet und selbst wenn..Das wäre keine Garantie dafür gewesen das wir nicht getrennt werden. Die Allianz ist nicht bekannt für gemeinsame Versetzungen.", erklärte der Marine es mit einem schiefen Grinsen. Es war niemals "einfach".
    "Das hat er nett formuliert. Ich weiß Charis, jetzt erscheint es sinnig. Aber damals..hatte ich Angst? War ich vielleicht wild darauf an die Spitze zu kommen? Ich kann es dir jetzt nicht mehr richtig sagen. Aber etwas in mir schreckte zurück den Absprung zu machen. Ich ließ ihn nicht gehen obwohl ich ihn liebte, sondern weil ich ihn liebte. Klingt dämlich, aber manchmal sind zwei Menschen nicht bereit den nächsten Schritt gemeinsam zu gehen. Wir waren beide noch jung.", meldete sich Kathy jetzt zu Wort.
    "Es tat weh, aber damals erschien es mir richtig. Der Schmerz geht vorbei dachte ich mir. Er findet sein Glück, ich finde meines. Wer wusste schon ob man sich je wiedersehen würde. Ich meine ich war beschäftigt. Ich fand Becky. Ich meine, nicht das ich Werner vergessen hatte. Aber es war etwas Neues. Für ihn und für mich.", sagte sie und lächelte leicht verkniffen.
    "Und jetzt sitzen wir hier. Irgendwie doch wieder zusammen, trotz getrennter Wege. Hätten wir es also damals zusammen versuchen sollen? Keine Ahnung, aber niemand von uns kann die Zeit zurück drehen.", verkündete sie und zuckte mit den Schultern. Sie lächelte nicht, sah aber auch nicht traurig aus. Mehr ein wenig ratlos.
    "Alles gut Kathy?", erkundigte sich Werner fürsorglich. Auch ihn hatten Kathys Worte und Charis Frage ein wenig nachdenklich gestimmt. Liebe. Ein einfaches Wort für so ein starkes Gefühl. Kathy nickte stumm. Leerte dann ihr Glas.
    "Alles fein, keine Sorge. Vielleicht sollten wir aber weiterziehen..also wenn ihr leer habt.", schlug sie vor, schmal lächelnd.
    "Schnorrst du mir mal eine Kippe, Charis? Ich glaube ich gehe mal kurz vor die Tür."
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    Kathys Gesichtsausdruck versteinerte kurz, eine leichte Röte stieg ihr ins Gesicht. Scham erfüllte sie bei Charis Frage, was sie selbst überraschte. Scham war ein Gefühl der Unsicherheit. Unsicherheit schlug bei ihr oft in Wut um. Jetzt jedoch nicht, denn Charis war inzwischen jemand bei dem sie Unsicherheit zuließ. Weswegen sie jetzt nicht wütend war. Sondern sprachlos.
    "Es ist halt nicht immer einfach Charis. Das Leben zwingt einen manchmal zu schweren Entscheidungen. Da erzähle ich jemanden mit deinem Alter vermutlich nichts Neues.", ergriff Werner das Wort, Kathys Gesichtsausdruck richtig deutend.
    "Ich meine, selbst wenn wir zusammen gegangen wären. Zusammen erfolgreich geflohen. Nicht jeder ist für das Militär geeignet und selbst wenn..Das wäre keine Garantie dafür gewesen das wir nicht getrennt werden. Die Allianz ist nicht bekannt für gemeinsame Versetzungen.", erklärte der Marine es mit einem schiefen Grinsen. Es war niemals "einfach".
    "Das hat er nett formuliert. Ich weiß Charis, jetzt erscheint es sinnig. Aber damals..hatte ich Angst? War ich vielleicht wild darauf an die Spitze zu kommen? Ich kann es dir jetzt nicht mehr richtig sagen. Aber etwas in mir schreckte zurück den Absprung zu machen. Ich ließ ihn nicht gehen obwohl ich ihn liebte, sondern weil ich ihn liebte. Klingt dämlich, aber manchmal sind zwei Menschen nicht bereit den nächsten Schritt gemeinsam zu gehen. Wir waren beide noch jung.", meldete sich Kathy jetzt zu Wort.
    "Es tat weh, aber damals erschien es mir richtig. Der Schmerz geht vorbei dachte ich mir. Er findet sein Glück, ich finde meines. Wer wusste schon ob man sich je wiedersehen würde. Ich meine ich war beschäftigt. Ich fand Becky. Ich meine, nicht das ich Werner vergessen hatte. Aber es war etwas Neues. Für ihn und für mich.", sagte sie und lächelte leicht verkniffen.
    "Und jetzt sitzen wir hier. Irgendwie doch wieder zusammen, trotz getrennter Wege. Hätten wir es also damals zusammen versuchen sollen? Keine Ahnung, aber niemand von uns kann die Zeit zurück drehen.", verkündete sie und zuckte mit den Schultern. Sie lächelte nicht, sah aber auch nicht traurig aus. Mehr ein wenig ratlos.
    "Alles gut Kathy?", erkundigte sich Werner fürsorglich. Auch ihn hatten Kathys Worte und Charis Frage ein wenig nachdenklich gestimmt. Liebe. Ein einfaches Wort für so ein starkes Gefühl. Kathy nickte stumm. Leerte dann ihr Glas.
    "Alles fein, keine Sorge. Vielleicht sollten wir aber weiterziehen..also wenn ihr leer habt.", schlug sie vor, schmal lächelnd.
    "Schnorrst du mir mal eine Kippe, Charis? Ich glaube ich gehe mal kurz vor die Tür."


    
Vermutlich war die Asari nun doch einen Schritt zu weit gegangen. Zwar hatte die Menschenfrau die Frage beantwortet, ebenso wie Werner, doch war Kathy danach – Charis suchte nach einem passenden Wort – angeschlagen.
    Sie wissen aber schon, dass das Zeug Gift für Sie ist, oder Ma’am?“, versuchte Charis die Stimmung etwas aufzulockern. „Ich komm mit raus.“ Vermutlich würde Werner in seiner Ausbildung als Gentleman die Rechnung übernehmen. Charis kippte den Rest Bier runter und ging mit ihrer Freundin nach draußen, allerdings nicht ohne dem Soldaten ein kurzes Nicken, das nur „Kurzes Mädels-Gespräch“ bedeuten konnte, angedeihen zu lassen.
    Vor dem Restaurant stand nur ein Aschenbecher, neben den die beiden Frauen sich stellte. Charis zückte die Zigarettenpackung, klopfte zweimal und reichte ihrer Freundin eines der Lungentorpedos. Die selbst nahm das zweite, zündete die Zigarette an und gab Kathy Feuer. Einen Moment lang sogen die beiden Frauen den heißen Rauch ein und entließen ihn mit gepresstem Atem. In Charis breitete sich eine Welle wohligen Dunstes aus, der ihren Körper erdete und ihren Geist entspannte. Sie hoffte, dass der Tabak selbige Wirkung bei der Schwarzhaarigen entfaltete.
    Ist bei dir wirklich alles okay?
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  3. #63 Reply With Quote
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Vermutlich war die Asari nun doch einen Schritt zu weit gegangen. Zwar hatte die Menschenfrau die Frage beantwortet, ebenso wie Werner, doch war Kathy danach – Charis suchte nach einem passenden Wort – angeschlagen.
    Sie wissen aber schon, dass das Zeug Gift für Sie ist, oder Ma’am?“, versuchte Charis die Stimmung etwas aufzulockern. „Ich komm mit raus.“ Vermutlich würde Werner in seiner Ausbildung als Gentleman die Rechnung übernehmen. Charis kippte den Rest Bier runter und ging mit ihrer Freundin nach draußen, allerdings nicht ohne dem Soldaten ein kurzes Nicken, das nur „Kurzes Mädels-Gespräch“ bedeuten konnte, angedeihen zu lassen.
    Vor dem Restaurant stand nur ein Aschenbecher, neben den die beiden Frauen sich stellte. Charis zückte die Zigarettenpackung, klopfte zweimal und reichte ihrer Freundin eines der Lungentorpedos. Die selbst nahm das zweite, zündete die Zigarette an und gab Kathy Feuer. Einen Moment lang sogen die beiden Frauen den heißen Rauch ein und entließen ihn mit gepresstem Atem. In Charis breitete sich eine Welle wohligen Dunstes aus, der ihren Körper erdete und ihren Geist entspannte. Sie hoffte, dass der Tabak selbige Wirkung bei der Schwarzhaarigen entfaltete.
    Ist bei dir wirklich alles okay?


    Kathy sog den Rauch gierig durch den Mund ein, fühlte wie er durch die Lungen strömte. Die Schwarzhaarige blies einen Schwall aus ihrer Nase und atmete dann mit verschränkten Armen tief durch. Sie war keine passionierte Raucherin wie Charis, aber manchmal..manchmal tat es ganz gut.
    Sie sog gerade einen zweiten Schwall ein, als die Asari sich nach ihrem Wohlbefinden formulierte. Die Halbasiatin blies etwas Rauch in das grelle Licht des Strips. Sie nickte stumm, dann lächelte sie knapp.
    "Ach..ja. Ich denke schon irgendwie. Es ist nur halt nicht so leicht, wenn man dazu gebracht wird über vergangene Entscheidungen nachzudenken. Zu hinterfragen ob es die richtige Entscheidung war und was hätte sein können. Ich meine, nicht das man noch was daran ändern könnte. Ist wie eine alte Wunde aufreißen.", erklärte sie und nahm einen kleinen Zug. Sie lächelte schmal und stupste Charis mit der Hüfte an.
    "Hey, ich mache dir keine Vorwürfe oder so. Ich weiß doch warum du gefragt hast. Aber Beziehungen sind leider nicht immer einfach und das Leben stellt einen manchmal vor schweren Entscheidungen. Man weiß nie genug ob es die richtige Entscheidung war, aber letztendlich muss man damit leben. Müssen wir doch alle.", fügte sie äußerlich gefasst an.
    "Hilft dann nicht unbedingt wenn die Person über die es geht im selben Raum ist.", sprach sie und zuckte mit den Schultern.
    "Letztendlich..dreht sich das Universum doch weiter. Läuft doch gut für mich und für ihn offensichtlich auch. Bringt ja nichts der Vergangenheit nachzutrauern. Aber wem erzähle ich das, oder? Ich meine, in hundert Jahren führen wir beide wohl keine Gespräche mehr und du brauchst eine neue kurzlebige Freundin.", stellte sie ernüchtert fest.
    "Das stelle ich mir auch nicht leicht vor, aber vermutlich blendet man das aus oder? So wie ich vermeintliche 'Was wäre Wenn'- Szenarien.", meinte sie nachdenklich. Das würde vermutlich auch nicht unbedingt einfach sein falls Charis tatsächlich mal einen kurzlebigeren Partner finden sollte. Ein längeres Leben erschien nicht in allen Belangen verlockend.
    Kathy fand den Gedanken recht deprimierend, darum lächelte sie Charis aufmunternd zu und legte einen Arm auf die blaue Schulter. Die Vergangenheit konnte man nicht ändern, die Zukunft nicht voraussagen. Aber wenigstens den Moment genießen.
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  4. #64 Reply With Quote
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    Kathy sog den Rauch gierig durch den Mund ein, fühlte wie er durch die Lungen strömte. Die Schwarzhaarige blies einen Schwall aus ihrer Nase und atmete dann mit verschränkten Armen tief durch. Sie war keine passionierte Raucherin wie Charis, aber manchmal..manchmal tat es ganz gut.
    Sie sog gerade einen zweiten Schwall ein, als die Asari sich nach ihrem Wohlbefinden formulierte. Die Halbasiatin blies etwas Rauch in das grelle Licht des Strips. Sie nickte stumm, dann lächelte sie knapp.
    "Ach..ja. Ich denke schon irgendwie. Es ist nur halt nicht so leicht, wenn man dazu gebracht wird über vergangene Entscheidungen nachzudenken. Zu hinterfragen ob es die richtige Entscheidung war und was hätte sein können. Ich meine, nicht das man noch was daran ändern könnte. Ist wie eine alte Wunde aufreißen.", erklärte sie und nahm einen kleinen Zug. Sie lächelte schmal und stupste Charis mit der Hüfte an.
    "Hey, ich mache dir keine Vorwürfe oder so. Ich weiß doch warum du gefragt hast. Aber Beziehungen sind leider nicht immer einfach und das Leben stellt einen manchmal vor schweren Entscheidungen. Man weiß nie genug ob es die richtige Entscheidung war, aber letztendlich muss man damit leben. Müssen wir doch alle.", fügte sie äußerlich gefasst an.
    "Hilft dann nicht unbedingt wenn die Person über die es geht im selben Raum ist.", sprach sie und zuckte mit den Schultern.
    "Letztendlich..dreht sich das Universum doch weiter. Läuft doch gut für mich und für ihn offensichtlich auch. Bringt ja nichts der Vergangenheit nachzutrauern. Aber wem erzähle ich das, oder? Ich meine, in hundert Jahren führen wir beide wohl keine Gespräche mehr und du brauchst eine neue kurzlebige Freundin.", stellte sie ernüchtert fest.
    "Das stelle ich mir auch nicht leicht vor, aber vermutlich blendet man das aus oder? So wie ich vermeintliche 'Was wäre Wenn'- Szenarien.", meinte sie nachdenklich. Das würde vermutlich auch nicht unbedingt einfach sein falls Charis tatsächlich mal einen kurzlebigeren Partner finden sollte. Ein längeres Leben erschien nicht in allen Belangen verlockend.
    Kathy fand den Gedanken recht deprimierend, darum lächelte sie Charis aufmunternd zu und legte einen Arm auf die blaue Schulter. Die Vergangenheit konnte man nicht ändern, die Zukunft nicht voraussagen. Aber wenigstens den Moment genießen.


    Die Schwarzhaarige irrte. Charis sog an dem Glimmstängel und wandte sich etwas ab. Der Gedanke, dass sie irgendwann nicht mehr da sein würde, trieb ihr beinahe die Tränen in die Augen. Nein, tat es tatsächlich. Sie wusste, dass es der Lauf der Dinge sein würde – zumindest, wenn keiner von ihnen beiden abgeknallt wurde – und dennoch schockierte sie die Aussicht. Sie hatte sich kaum jemandem geöffnet, der Verlust von Smiley schmerzte sie noch immer, obwohl es Jahrzehnte her war. Ein halbes Leben, viel eher ein ganzes Menschenleben und mehrere der Salarianer.

    Nein“, sagte sie und unterdrückte das Schluchzende in ihrer Stimme. „Man verdrängt es nicht. Ich verdränge es nicht. Aber ich versuche es. Diese Thematik ist bei meinem Volk natürlich ein großes. Manche Asari lehnen den Kontakt mit Kurzlebigen ab beziehungsweise halten ihn nur für das nötige. Und manche Asari bleiben wirklich unter sich, im Territorium der Asari, weil sie keine Beziehungen zu jenen aufbauen wollen.“ Sie nahm einen letzten tiefen Zug und drückte die Zigarette dann aus. „Du bist übrigens einzigartig, Kathy. Ich könnte dich nie einfach durch eine andere Frau ersetzen. Und auch für mich vergeht die Zeit nicht sonderlich anders, als für dich. Nur geht es eben länger.“ Sie schaute zum Eingang.
    Wollen wir nach Hause? Oder woanders hin?“ Sie nickte zum Strip. „Spielhölle, oder so.
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  5. #65 Reply With Quote
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    Die Schwarzhaarige irrte. Charis sog an dem Glimmstängel und wandte sich etwas ab. Der Gedanke, dass sie irgendwann nicht mehr da sein würde, trieb ihr beinahe die Tränen in die Augen. Nein, tat es tatsächlich. Sie wusste, dass es der Lauf der Dinge sein würde – zumindest, wenn keiner von ihnen beiden abgeknallt wurde – und dennoch schockierte sie die Aussicht. Sie hatte sich kaum jemandem geöffnet, der Verlust von Smiley schmerzte sie noch immer, obwohl es Jahrzehnte her war. Ein halbes Leben, viel eher ein ganzes Menschenleben und mehrere der Salarianer.

    Nein“, sagte sie und unterdrückte das Schluchzende in ihrer Stimme. „Man verdrängt es nicht. Ich verdränge es nicht. Aber ich versuche es. Diese Thematik ist bei meinem Volk natürlich ein großes. Manche Asari lehnen den Kontakt mit Kurzlebigen ab beziehungsweise halten ihn nur für das nötige. Und manche Asari bleiben wirklich unter sich, im Territorium der Asari, weil sie keine Beziehungen zu jenen aufbauen wollen.“ Sie nahm einen letzten tiefen Zug und drückte die Zigarette dann aus. „Du bist übrigens einzigartig, Kathy. Ich könnte dich nie einfach durch eine andere Frau ersetzen. Und auch für mich vergeht die Zeit nicht sonderlich anders, als für dich. Nur geht es eben länger.“ Sie schaute zum Eingang.
    Wollen wir nach Hause? Oder woanders hin?“ Sie nickte zum Strip. „Spielhölle, oder so.


    Kathy merkte das sie jetzt selbst in ein schwieriges Thema für Charis getreten war. Für sie war es einfach wenn sie final ins Graß beißen würde, aber Charis würde realistisch betrachtet damit zu tun haben. Den Schmerz trugen immer die Hinterbliebenen.
    "Hey, das bedeutet wir haben beide noch gleichviel Zeit miteinander. Im Idealfall noch ein paar wilde Jahrzehnte wenn uns das Glück nicht verlässt.", meinte sie dann lächelnd. Sie legte ihren Arm um Charis Hals und gab ihr einen Schmatzer auf die Wange.
    "Spielhölle klingt verführerisch, aber wie ich uns beide kennen bringen wir dann den Zinnsoldaten in Schwierigkeiten.", überlegte sie mit einem breiten Grinsen auf den Lippen. Gerade bei Charis Glück war das ein riskantes Unterfangen.
    "Ich habe drinnen bezahlt, wir können also weiter.", sagte Werner aus der Bar tretend, die beiden erblickend.
    "Oder störe ich gerade euer Gespräch?", erkundigte er sich zuvorkommend. Kathy schüttelte den Kopf und winkte ihn heran.
    Die Schwarzhaarige legte ihren freien Arm um seinen Hals, was etwas schwieriger war und drückte ihm auch einen Schmatzer auf die Wange. Zeit gemeinsam nutzen, darum ging es doch letztendlich.
    "Schön mit euch. Wie sieht es aus? Zu mir, zu dir, oder doch zu dir?", fragte sie, von links nach rechts guckend. Alle drei grinsten.
    "Ach, ich glaube das macht keinen Unterschied. Ist doch überall schön.", meinte Werner zwinkernd.
    "Gut beobachtet. Außer du willst noch unbedingt ein wenig deinen Sold verspielen?", bot sie noch freundlich an.
    "Alles gut, machen wir ein andernmal.", entschied Werner sich nach kurzer Überlegung. Kathy ließ es sich zwar nicht anmerken, aber sie schien ihm trotzdem ein wenig erschöpft. Wenn auch vermutlich mehr emotional.
    "Dann rufe ich uns ein Taxi. Wir machen ein andernmal den Strip unsicher.", versprach sie und aktivierte ihr Omnitool.
    numberten is offline Last edited by numberten; 19.05.2024 at 20:03.

  6. #66 Reply With Quote
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    Mit einer unerträglichen und für Luceija sicherlich schrecklichen Art empfand der Italiener, der deutlich zu gefasst neben Hanna stand, noch immer eine Form der Nebensächlich- und Gleichgültigkeit. Wirkte falsch, aber eben nicht elend, wie er eigentlich hätte sein und reagieren sollen. Winseln, kriechen und um Vergebung bettelnd. Er war ein Lügner und bemühte sich nicht einmal, seine Lügen zu kaschieren. Die Bombe war explodiert, aber er hatte die Detonation noch gar nicht miterlebt.


    Das Wirre war, dass die Sizilianerin so ruhig blieb und wenigstens Leif war klar, dass es die Ruhe vor dem Sturm war, den sie selbst nicht in der Lage war zu erfassen. Es war als habe sie die Kontrolle über sich, ihre Gedanken und ihr Handeln einer anderen Person gegeben - einfach so den Steuermann ihres Seins ausgetauscht, der nun übernahm. Der nicht einmal auf Leifs ehrliche, wenngleich stark verzögerte Antwort reagierte. Wenigstens nicht so deutlich, wie sie sich wünschte, dass sie es getan hätte. Das "Ja.", brannte sich in ihren Brustkorb und schien zu zertrümmern, was dahinter war. Wie konnte er lächeln? Lachen? Mit ihr sprechen, sie lieben, mit ihr Leben und ihr diesen Ring vermachen, während er das wusste? Während er diese Sache mit sich herumtrug? Als verschachtelte man ihre beider Leben immer mehr, bis sich unendlich dicke Wände um jede Aussage gebildet hatten, die man nicht durchdringen konnte. Der Gedanke daran, schon wieder alles auf einem Konstrukt voller Lügen erbaut zu haben, ließ sie nicht los. Aber noch weniger ließ sie die rasende, brennende, verzehrende, furchtbare Wut in ihrem Inneren los.
    "Deswegen die Auseinandersetzungen mit deinem Bruder."


    Yonaka - Ordinary (Musik im Spoiler)
    Spoiler:(zum lesen bitte Text markieren)


    Tell me, is it worth it?
    I'm far from, I'm far from perfect


    Ein Zahnrädchen klickte ins andere. Ein Bauteil ins nächste und die Maschine, die ihr Hirn war, erhielt einen neuen Schub. Eine neue Erkenntnis, während der lodernde Feuerball in ihrem Inneren, der den Schlund unter ihren Füßen aufriss wie eine alles vernichtende Naturkatastrophe, erhielt neue Nahrung.
    Sie war in der Lage, eine Sache ganz besonders einzuordnen und die übersprang selbst die Wut über Leifs Lüge für den Moment. Schob sie beiseite, als wäre sie nun zweitrangig, die Wut nicht wert, die sich in meterhohen Flammen um sie herum aufbaute. Denn ihr wurde klar, unangenehm klar, dass das Gefühl des Betrugs, das Gefühl des Verrats, das Gefühl der Verachtung nur einer einzigen Person zuzuordnen war.

    But I picked myself up and got out the circus
    I picked myself up and got out the circus


    Mit derselben physischen Reaktion drehte sie sich von Leif ab. Erst der Kopf, der durch sich taktisch senkende Augenlider ihre Zielführung und Wut zum Ausdruck brachte und sich über ihre Schulter positionierte. Suchte. Bis der Rest ihres Körpers nachkam. Der Weg war frei, als biete der Saal selbst eine Bühne für jemanden die sich fühlte, als müsse sie in den Ring steigen. Keine Zweifel mehr hatte, dass etwas in der Wut verbrannt war, dass etwas zerstört war - denn sie kannte dieses Gefühl nur zu gut.

    “Bevor..”. Sie hörte es nicht mal. Wie auch. Luci war noch weit entfernt. Und Vigilio schien keinerlei Interesse daran zu haben, dieses Gefecht - dass er für ebenso unnötig befand wie Luci es unnötig fand, sich nun mit der Wut auf Leif zu befassen - hier auf einer Tanzfläche auszutragen. Noch weniger in einem Club generell. Er beeilte sich nicht, warum sollte er auch? Es war passender, sicherer, angenehmer, einfach zu dieser Sitzecke zu gehen, sich sogar noch einmal viel zu charmant bei einer deutlich zu nahen Hanna zu entschuldigen bevor er es tat. Genau in die Ecke, die sie sich mit ihren Jacken reserviert hatten, um sich ganz locker das Jackett über zu werfen und im Anschluss wie ein unbescholtener Mann rauchen zu gehen.

    Für Luci sah es aus, als wolle er fliehen. Fliehen, weil er die Wahrheit kannte. Weil er wusste, dass das hier kommen musste, richtig?

    Ein Gefühl, dass ihm fremd war, überkam ihn. Wie ein Kitzeln in seinen Knochen. Wie eine böse Vorahnung. Wie…Schuld.

    Does it make you nervous? (Does it make you nervous?)
    These feelings, these feelings have surfaced


    “Dove stai andando? Wo willst du hin?!
    Beide Hände an seinem Revers. Ein leichter Zug daran und der Stoff erschien so glatt wie immer. Keine Falten. Nichts, was auffiel. Nichts, was unangenehm auffiel. Außer sie. Immer…sie.

    “Fumare. Rauchen.”, antwortete er. Eine Hand mit der Schachtel Zigaretten hob sich bedächtig an. Er blieb ruhig und es trieb Luci in noch fürchterlichere Wut. Sie sah nur seinen Rücken und trotzdem wirkte er so gänzlich entspannt in dem was er tat. Gelassen. Als fiele ihm all das so unendlich leicht.

    “Oh, no. No. Certamente no. Oh, nein. Nein. Sicher nicht., spuckte sie hervor. Sie zeigte ein spöttisches Lachen, dass nicht zu ihrer Gemütslage passte. Sie wollte schreien.

    “Ora vado a fumare, Luci. Abbiamo bevuto un buon drink, è tardi. Non ho il coraggio di sopportare uno dei tuoi sfoghi in questo momento. Quindi esci con me o resta qui, non mi interessa. Ich geh’ jetzt rauchen, Luci. Wir haben ordentlich getrunken, es ist spät. Ich hab’ jetzt keine Nerven für einen deiner Ausbrüche. Also komm mit raus oder bleib hier, es ist mir egal. Ein Seufzen in seiner Stimme, dass fast schon Bedauern ausdrücken wollte. Bedauern darüber, dass sie war, wie sie war. Dass sie nicht war, wie er war. Denn darum ging es doch, oder..?

    Tell me, who wants to be broken on purpose?

    Was genau sie wütender machte, konnte selbst Luci nicht einordnen: Die Art wie er sie abwehrte und für verrückt erklärte und sie selbst in seiner Stimme heraushören konnte, dass sie nicht einfach ausgeblendet hatte, was die ganze Zeit um sie herum passierte - sondern er sie bewusst ausgeschlossen hatte.
    Oder die Tatsache, dass sie sich einmal mehr in einer Situation wiederfand, die sie glaubte, schon einmal erlebt zu haben. Die, in der sie nichts anderes wollte, als dass Leif ihr zuhörte. Dass sie über etwas sprachen, worüber sie nicht sprechen konnten und er nichts anderes wollte als gehen. Es war dasselbe. Man streifte sie ab, sobald es unangenehm wurde und ihr Bruder, ihr eigener, verdammter Bruder, sah ihr nicht einmal in die Augen, während er sie verarschte wie alle anderen es taten.

    Luci blieb nichts anderes mehr übrig: Der Autopilot hatte übernommen und ihre Rationalität hatte es sich im Hintergrund gemütlich gemacht. Ihre Augen trafen sich kurz, als Vigilio den Kopf zur ihr drehte und bekam einen kurzen Einblick der Leere, die er in ihren hinterlassen hatte. Sie hatte ihm vertraut. Sie hatte. Ihm. Vertraut.

    Bevor er sich wieder umdrehen konnte, war da ein schneller, aber deutlicher Schlag ihrer flachen Hand gegen seinen Wangenknochen. Es reichte, dass sich sein Gesicht mit der Wucht nach vorne zurückdrehte und ihn völlig überrumpelt ließ. Schutzlos. So, wie sie sich fühlte, die ihn nicht mehr vom Haken lassen würde. Nicht, wie er es mit Beyo gemacht hatte.

    “NON AVETE IL DIRITTO DI ANDARVENE ORA, CAZZO! DU HAST KEIN VERDAMMTES RECHT DAZU JETZT ABZUHAUEN!”, schrie sie ihn an und erregte Aufmerksamkeit, die ihr egal war. Der ganze Club fühlte sich ohnehin einengend an. So eng, dass es ihr die Luft zum Atmen nehmen wollte. Der heftige, ziehende Schmerz der durch Gils linke Gesichtshälfte kroch und ihn stöhnen ließ, war nichts im Vergleich zu dem, der folgte, als er sich empört und selbst mit aufbauender Wut zu ihr umdrehte - ENDLICH zu ihr umdrehte, und den direkt danach den Tritt zwischen seine Beine spürte. Wie bei einem verdammten Not-Aus-Knopf setzten seine Systeme aus und machten ihn kurzzeitig blind, während sich der blitzartige Schmerz bis ins Hirn und wieder herunter ins Rückgrat bohrte. Er fluchte und Luci fand, dass er dazu kein Recht hatte. Wieder taumelte er zurück, gegen den Stuhl, den er mit sich zur Seite riss und neben dem Tisch auf den Boden taumelte. Eine Hand hielt sich noch an der Tischplatte, quietschte aber, als er immer mehr den Halt verlor.
    Luftarm hielt er eine Hand vor sich, als er es tat. “Luci, fermati! FERMATI! Luci, halt! HÖR AUF!. Man hätte Mitleid haben können, aber wozu? Er hatte keines mit ihr. Hatte er nie, war es nicht so? Die Sizilianerin hatte das Gefühl einen Fremden vor sich zu haben, auf den sie losging. Buchstäblich los ging. Voller Wut, die die Härchen an ihren Armen aufstellte und sie in eine definitionslose Aura hüllte, die man knistern hören wollte.
    “MI HAI TRADITO! DU HAST MICH VERRATEN!, schrie sie ihn an. “MI HAI MENTITO OGNI MALEDETTO GIORNO, NON C'È MOTIVO PER CUI DOVREI SMETTERE!!! DU HAST MICH ANGELOGEN, JEDEN VERDAMMTEN TAG, ES GIBT KEINEN GRUND WARUM ICH AUFHÖREN SOLLTE!!!.

    Luci nahm es selbst nicht einmal mehr wahr, wie sie ihn angriff. Wie diese verdammte, schwächliche Biotik nicht den Anstand besaß, ihr jetzt die Stärke zu geben, die sie brauchte, während sie auf ihren eigenen Bruder einschlug und er nichts tat, als Schläge abzuwehren, aber so naiv war und nicht einmal zurück schlug. “ALMENO REAGIRE! WEHR DICH WENIGSTENS!, forderte sie ihn heraus. “ALMENO REAGISCI A QUALCOSA, FOTTUTO TRADITORE!!! WEHR DICH WENIGSTENS GEGEN IRGENDWAS DU VERDAMMTER VERRÄTER!!! Ihr Körper schwebte über seinem, nutzte die Schwäche aus, die ihn aus den Schuhen geknockt hatte, schlug zu wie ein Tier, dass angreifen musste, damit es nicht selbst starb. Wie in einem Todeskampf. Vielleicht war es das? In ihr lief all das wieder ab: All der Schmerz, als die Verluste, all die Versprechen und die Verzweiflung. Die Gefühle von Betrug und Verachtung, die fehlende Wertschätzung für alles, was sie getan hatte. Sie war eine tickende Zeitbombe, die endlich detoniert war und genau er war das Opfer. Es gab keine Verluste mehr. Alles was blieb war das. Wut.

    Gil schlug nicht zurück, aber hielt ihre Arme fest, wehrte sich dagegen, wie sie sich wehrte. “SEI COMPLETAMENTE PAZZO! DU SPINNST DOCH VÖLLIG!”, retournierte er und auch das war ein Fehler. “CERTO CHE NON CAPISCI, NON HAI LA MINIMA IDEA DI COME FUNZIONA LA POLITICA!!! NATÜRLICH VERSTEHST DU DAS NICHT, DU HAST AUCH KEINE VERDAMMTE AHNUNG WIE POLITIK FUNKTIONIERT!!
    “NON SONO UN POLITICO DEL CAZZO! ICH - BIN KEINE - SCHEISS - POLITIK!"

    Tell me, who wants to be broken on purpose?!

    Erinnerte Leif das hier an etwas? An diese völlig unkontrollierte, reine, zügellose Wut, die sie auch ihm gegenüber schon geäußert hatte? Sie war wie eine Maschine, die alles daran setzen würde zu töten, wenn der Wunsch oder der Befehl eben dieser war.
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    Die Szene entfaltete sich wie das Video einer Blume, das im Zeitraffer abgespielt wurde. Luceija und Vigilio, die ein Gespräch auf Italienisch führten während Leif in einiger Entfernung stand, vermutlich um Luceijas Hand nicht abzubekommen, wenn sie nach ihrem Bruder ausholte. Hanna war klar, dass für die Italienerin die Welt zusammenbrechen musste. Beyo Vhan hatte ihr Schreckliches angetan und nun erfuhr sie,… er noch lebte? Sie musste ihn also für tot gehalten haben und konnte sich nicht darüber freuen, dass er nun verurteilt worden war. Der Ausschnitt hatte auch gerade einmal gereicht, um Luceija die Existenz des Turianers zu beweisen, nicht das Ausmaß des – zugegeben weichen – Urteilsspruches zu hören.

    Die Stimme der Italienerin, die vor so kurzer Zeit noch liebliche Töne gesungen hatte, schwoll zur Tirade an. Schon schauten einige Gäste in ihre Nähe, zwei Turianer, die an der Bar lehnten, begradigten sich und machten zwei Schritte auf die abseits stehende Gesellschaft zu. Hanna schaute sie an und tippte sich mit dem Zeigefinger auf ihren Gürtel, an dem Dienstwaffe und Ausrüstung hingen. Sie sah den Blick der Aliens dem Zeichen folgen, dann nicken und sich wieder abwenden.

    Soll ich ein paar Kollegen rufen?“, zischte die Blondine ihrem Cousin mit ehrlicher Besorgnis in der Stimme zu. Alkohol, Drogen und nun diese Enthüllung, dazu Biotik. Gefährliche Kombination, selbst bei einem Bürger, der nicht unter Beobachtung stand.


    Leif schüttelte hastig den Kopf. Er war Luceija gefolgt und schließlich der Szenerie. Niemand wollte glauben, welch enorme Kraft der dürre Körper der Sizilianerin abrufen konnte, aber hier waren sie. Ein Kampf, der unlängst nicht mehr nur von ihm und Hanna bezeugt wurde, sondern auch noch von anderen. Schaulustige, die, Drinks in einer Hand, mit der anderen Hand ihre Omnitools bedienten und das Drama filmten. Die meisten lachten. Hielten es wohl kaum für inszeniert, aber wahnsinnig lustig, denn immerhin: Wo schlugen schreiende Italiener auf der Citadel schon aufeinander ein? Und dann auch noch dieses beinahe surreale Bild der Frau, die ihren männlichen Gegner wenigstens halbwegs im Griff zu haben schien.
    Soll ich ein paar Kollegen rufen?“, hörte der Schwede Hanna fragen. Sie klang so besorgt, wie er es ebenfalls war.
    "Bloß nicht.", erwiderte Leif und sah zu seiner Cousine. "Das sorgt auch noch für Probleme für dich.", war er sich sicher. "Wir brauchen weniger Zuschauer, bevor ich gleich beiden den Kopf waschen kann und dafür brauch ich deine Hilfe. Schlepp den Vollidioten aus ihrer Schusslinie. Irgendwo in die nächste Seitengasse, ja?", bat Leif die Blondine und rang sich dabei ein fast verzweifeltes Lächeln in ihre Richtung ab. Das wars. Als nächstes mischte er sich, nicht ohne eine gewisse Angst vor den Konsequenzen, in die liebreizende Unterhaltung der beiden Geschwister ein. Über Beyo konnte er kaum wirklich nachdenken. Auch nicht über Luceijas Gefühlswelt. Was sie hier abzog war so nachvollziehbar wie dumm, bedachte man ihre Lage. Also packte Leif die Sizilianerin, bekam postwendend einen ihrer Ellbogen in den Brustkorb und eine regelrechte Hasspredigt, bestehend aus Schreien und Vorwürfen. Er stand hinter ihr, hob sie einhändig hoch und packte mit der anderen Hand ihre beiden Hände. Sie ließ es nicht kampflos über sich ergehen, aber er dominierte. Noch. Das was ihm noch blühen würden, wollte er sich gar nicht ausmalen.
    "-...reiß dich verdammt nochmal zusammen, bis wir den Laden verlassen haben oder wir wandern gleich wieder in den Knast!", blaffte er sie an und versuchte Hanna irgendwo auszumachen, kam aber nicht dazu. Luceija wehrte sich derart heftig gegen ihn, dass er nur noch durch die filmende Menge brechen und den Ausgang suchen konnte. Hoffend, dass er seine Cousine irgendwo dort wiedersah. Wenn sie nicht selbst die Flucht ergreifen würde.
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    Leif schüttelte hastig den Kopf. Er war Luceija gefolgt und schließlich der Szenerie. Niemand wollte glauben, welch enorme Kraft der dürre Körper der Sizilianerin abrufen konnte, aber hier waren sie. Ein Kampf, der unlängst nicht mehr nur von ihm und Hanna bezeugt wurde, sondern auch noch von anderen. Schaulustige, die, Drinks in einer Hand, mit der anderen Hand ihre Omnitools bedienten und das Drama filmten. Die meisten lachten. Hielten es wohl kaum für inszeniert, aber wahnsinnig lustig, denn immerhin: Wo schlugen schreiende Italiener auf der Citadel schon aufeinander ein? Und dann auch noch dieses beinahe surreale Bild der Frau, die ihren männlichen Gegner wenigstens halbwegs im Griff zu haben schien.
    Soll ich ein paar Kollegen rufen?“, hörte der Schwede Hanna fragen. Sie klang so besorgt, wie er es ebenfalls war.
    "Bloß nicht.", erwiderte Leif und sah zu seiner Cousine. "Das sorgt auch noch für Probleme für dich.", war er sich sicher. "Wir brauchen weniger Zuschauer, bevor ich gleich beiden den Kopf waschen kann und dafür brauch ich deine Hilfe. Schlepp den Vollidioten aus ihrer Schusslinie. Irgendwo in die nächste Seitengasse, ja?", bat Leif die Blondine und rang sich dabei ein fast verzweifeltes Lächeln in ihre Richtung ab. Das wars. Als nächstes mischte er sich, nicht ohne eine gewisse Angst vor den Konsequenzen, in die liebreizende Unterhaltung der beiden Geschwister ein. Über Beyo konnte er kaum wirklich nachdenken. Auch nicht über Luceijas Gefühlswelt. Was sie hier abzog war so nachvollziehbar wie dumm, bedachte man ihre Lage. Also packte Leif die Sizilianerin, bekam postwendend einen ihrer Ellbogen in den Brustkorb und eine regelrechte Hasspredigt, bestehend aus Schreien und Vorwürfen. Er stand hinter ihr, hob sie einhändig hoch und packte mit der anderen Hand ihre beiden Hände. Sie ließ es nicht kampflos über sich ergehen, aber er dominierte. Noch. Das was ihm noch blühen würden, wollte er sich gar nicht ausmalen.
    "-...reiß dich verdammt nochmal zusammen, bis wir den Laden verlassen haben oder wir wandern gleich wieder in den Knast!", blaffte er sie an und versuchte Hanna irgendwo auszumachen, kam aber nicht dazu. Luceija wehrte sich derart heftig gegen ihn, dass er nur noch durch die filmende Menge brechen und den Ausgang suchen konnte. Hoffend, dass er seine Cousine irgendwo dort wiedersah. Wenn sie nicht selbst die Flucht ergreifen würde.


    Als käme der Befehl aus der Kommandozentrale und nicht von ihrem Cousin nickte Hanna und machte ein paar Schritt zur Menge.
    Kamera-Tool wegpacken!“, wie sie an. „Sonst kassier ich die ein. Kümmert euch um euren eigenen Scheiß.
    Zumindest ein paar der Schaulustigen leisteten dem Folge. Während Leif Luceija „abschleppte“, packte Hanna den Italiener am Arm und sagte knapp: „Mitkommen.“ Sie passierten die Sitzecke, wo die Polizistin schnell die Sachen auflas, die sie dort gelassen hatten und Vigilio durch den Vordereingang brachte. Das Dark Star hatte keine dieser Gassen, die Leif sich so sehnlich wünschte. Das hier war nicht das Flux. Stattdessen zerrte sie ihn rechts davon in eine Ecke. Sie bezweifelte, dass irgendwelche Schaulustigen ihnen folgen würden. „Mir nach.“ Den Italiener nicht mehr am Anzug gepackt, machte sie sich auf den Weg zum Panoramafenster, vor dem in rascher Abfolge Flitzer wie verchromte Libellen hin und her huschten.
    Leif kommt gleich mit Luceija“, erklärte sie. „Und dann müssen wir die Sache schnell aus der Welt schaffen. Oder euch alle in ein Hotel. So, wie ich sie einschätze, ist sie keine ‚Aus den Augen, aus dem Sinn‘-Freundin…“ Luceija in ein Hotelzimmer zu sperren hätte sicherlich keine großartigen Auswirkungen. Dieses müsste schon mit Absperrfeldern gesichert sein. „Wenn ich irgendetwas tun kann, um die Situation etwas zu beruhigen, sagen Sie es mir.
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    Leif
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    Leif schüttelte hastig den Kopf. Er war Luceija gefolgt und schließlich der Szenerie. Niemand wollte glauben, welch enorme Kraft der dürre Körper der Sizilianerin abrufen konnte, aber hier waren sie. Ein Kampf, der unlängst nicht mehr nur von ihm und Hanna bezeugt wurde, sondern auch noch von anderen. Schaulustige, die, Drinks in einer Hand, mit der anderen Hand ihre Omnitools bedienten und das Drama filmten. Die meisten lachten. Hielten es wohl kaum für inszeniert, aber wahnsinnig lustig, denn immerhin: Wo schlugen schreiende Italiener auf der Citadel schon aufeinander ein? Und dann auch noch dieses beinahe surreale Bild der Frau, die ihren männlichen Gegner wenigstens halbwegs im Griff zu haben schien.
    Soll ich ein paar Kollegen rufen?“, hörte der Schwede Hanna fragen. Sie klang so besorgt, wie er es ebenfalls war.
    "Bloß nicht.", erwiderte Leif und sah zu seiner Cousine. "Das sorgt auch noch für Probleme für dich.", war er sich sicher. "Wir brauchen weniger Zuschauer, bevor ich gleich beiden den Kopf waschen kann und dafür brauch ich deine Hilfe. Schlepp den Vollidioten aus ihrer Schusslinie. Irgendwo in die nächste Seitengasse, ja?", bat Leif die Blondine und rang sich dabei ein fast verzweifeltes Lächeln in ihre Richtung ab. Das wars. Als nächstes mischte er sich, nicht ohne eine gewisse Angst vor den Konsequenzen, in die liebreizende Unterhaltung der beiden Geschwister ein. Über Beyo konnte er kaum wirklich nachdenken. Auch nicht über Luceijas Gefühlswelt. Was sie hier abzog war so nachvollziehbar wie dumm, bedachte man ihre Lage. Also packte Leif die Sizilianerin, bekam postwendend einen ihrer Ellbogen in den Brustkorb und eine regelrechte Hasspredigt, bestehend aus Schreien und Vorwürfen. Er stand hinter ihr, hob sie einhändig hoch und packte mit der anderen Hand ihre beiden Hände. Sie ließ es nicht kampflos über sich ergehen, aber er dominierte. Noch. Das was ihm noch blühen würden, wollte er sich gar nicht ausmalen.
    "-...reiß dich verdammt nochmal zusammen, bis wir den Laden verlassen haben oder wir wandern gleich wieder in den Knast!", blaffte er sie an und versuchte Hanna irgendwo auszumachen, kam aber nicht dazu. Luceija wehrte sich derart heftig gegen ihn, dass er nur noch durch die filmende Menge brechen und den Ausgang suchen konnte. Hoffend, dass er seine Cousine irgendwo dort wiedersah. Wenn sie nicht selbst die Flucht ergreifen würde.


    Hanna
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    Als käme der Befehl aus der Kommandozentrale und nicht von ihrem Cousin nickte Hanna und machte ein paar Schritt zur Menge.
    Kamera-Tool wegpacken!“, wie sie an. „Sonst kassier ich die ein. Kümmert euch um euren eigenen Scheiß.
    Zumindest ein paar der Schaulustigen leisteten dem Folge. Während Leif Luceija „abschleppte“, packte Hanna den Italiener am Arm und sagte knapp: „Mitkommen.“ Sie passierten die Sitzecke, wo die Polizistin schnell die Sachen auflas, die sie dort gelassen hatten und Vigilio durch den Vordereingang brachte. Das Dark Star hatte keine dieser Gassen, die Leif sich so sehnlich wünschte. Das hier war nicht das Flux. Stattdessen zerrte sie ihn rechts davon in eine Ecke. Sie bezweifelte, dass irgendwelche Schaulustigen ihnen folgen würden. „Mir nach.“ Den Italiener nicht mehr am Anzug gepackt, machte sie sich auf den Weg zum Panoramafenster, vor dem in rascher Abfolge Flitzer wie verchromte Libellen hin und her huschten.
    Leif kommt gleich mit Luceija“, erklärte sie. „Und dann müssen wir die Sache schnell aus der Welt schaffen. Oder euch alle in ein Hotel. So, wie ich sie einschätze, ist sie keine ‚Aus den Augen, aus dem Sinn‘-Freundin…“ Luceija in ein Hotelzimmer zu sperren hätte sicherlich keine großartigen Auswirkungen. Dieses müsste schon mit Absperrfeldern gesichert sein. „Wenn ich irgendetwas tun kann, um die Situation etwas zu beruhigen, sagen Sie es mir.


    i'm not done
    (still not done)
    [Video]

    ---

    Luci fiel mit einer gewissen Genugtuung auf, dass der Verlobungsring an ihrer dünnen Hand einen guten Schlagring abgab. Irgendwo mitten im Gerangel hatte sie ihren Bruder damit getroffen und eine kleine, blutende Wunde hinterlassen, die aber genauso gut von einem Treffer irgendwo sonst gegen sein Gesicht hätte sein können. Es färbte den roséfarbenen Stein in einen sanften Schleier aus Rot. Die Farbe, die sie sah. Durchgehend. Unmissverständlich nicht mehr dazu in der Lage war, diese überschäumende Rage zu zügeln, die sie regelrecht auf Vigilio springen und ihn zu Boden ringen ließen. Alles, was da war, war Geschrei, dass sie nicht einmal mehr selbst als Worte ausmachen konnte. Bissige, feuerbesetzte Worte, die alles in ihrer Umgebung niederfackelten und mit ihrem Gift dafür sorgen ließ, dass es sich nie wieder regenerierte. Mit Sicherheit war einem in Selbstbewusstsein badenden Mann wie Gil gegenüber niemals vorher eine Frau derart gewalttätig aufgetreten, aber er hätte es wissen sollen. Richtig? Kannte er nicht Luceija so viel besser als alle? Behauptete er das nicht ständig?

    Er wurde eines besseren überzeugt. Er schlug nicht mal zurück, sondern ertrug die Schläge, realisierte irgendwann vermutlich sogar, dass sie auf eine gewisse Weise gerechtfertigt waren, denn das, was er in ihren Augen sah die seien so ähnelten, war Hass. Blanker, tiefgreifend dunkler Hass. Und hatte nichts unschuldiges mehr an sich. Sich wehren? War trotzdem nicht drin. Er schrie zurück, fügte seine eigene Stimme in dieses laute, bedrängende Gewirr mit ein, mit hinein in die Unverständlichkeit italienischer Worte voller Temperament, an denen es gerade mit Sicherheit nicht fehlte. Er fasste immer wieder ihre sich aus dem Griff gewundenen Hände und Arme, blockierte sie, aber schlug nicht zurück. Auch wenn sie traf. Oft traf. Schmerzlich traf, unerwarteterweise.

    Luceija schrie. Schrie, als Hände sie aus dieser völlig blinden Rage zogen, aus dem Ziel, dem einzigen Ziel vor ihren Augen, dass sie nicht nur sprichwörtlich in seine Einzelteile zerfetzen wollte. Sie wollte ihm weh tun. Sie wollte ihm schaden. Sie hatte keine Feuerwaffen bei sich und es war gut so, denn sie hätte ihn erschossen ohne mit der Wimper zu zucken. Ihn. Dann Beyo. Fuck. Beyo. Dieser dreckige, rote, verfluchte Scheißalien.
    Wer auch immer wagte, sie ihrem Ziel zu entziehen, schaffte es. Zerrte sie von Gils Körper, während sie zappelte, sich wandte und schrie, nachtrat und ihrem 'Entführer' austeilte, bis sie glaubte, er würde loslassen. Sie sah nicht, wer es war, obwohl es eindeutig hätte sein müssen. Sie sah nichts mehr. Blind vor Wut. Wie eine völlig irre und außer Kontrolle geratene Maschine, die nur noch diesen einzigen Zweck fand: Ihrem eigenen Bruder den Hals umzudrehen.

    Ihm. Und dann ihm.



    Vigilio starrte dieser wildgewordenen Bestie einer Schwester entsetzt, genervt und verwirrt nach. Schnell spielte er sich wenigstens auf seinen Unterarm. Und bemerkte erst viel zu spät, dass sein Körper auf den Schmerz reagierte, jetzt, wo ihm eine Minute Zeit gegeben wurde, ihn zu spüren.

    Während er Leif dabei zusah, wie selbst er nur mit Mühe Luci von ihm wegriss, als wolle sie sich gleich in seinem Hals verbeißen, war ihm mehr als nur deutlich, dass er sie nicht wiedererkannte. Dass DAS-...war es das, was er sich vorgestellt hatte? Die Offenbarung darüber, dass ihre Psyche völlig abseits der Normalität rotierte sollte ihn kaum schockieren, denn es war exakt, zu was er sie noch Minuten zuvor gemacht hatte. Doch es zu sehen...SO zu sehen...? Er war nicht mehr unverwundbar. Er war nicht der Punkt, an dem sie anhielt. Er war kein Hindernis mehr.

    Gil schaffte sich zurück auf die Beine - auch dank Hanna, die plötzlich da war und ihm mit aufhalf. Er sah nicht, wie sich Blut unter seinem Anzug auf dem Boden verschmiert hatte, sondern folgte ihr sofort mit einem knappen "Danke.". Sie verließen die Sitzecke und er verbrachte keine überflüssige Sekunde damit, die Zeugen dessen zu mustern. Das hier-..war nicht gut. Überhaupt nicht gut.
    Luft bekam er erst, als sie draußen waren und wenigstens Hanna absichern konnte, dass sie keine Neugierigen mit sich zogen. Das Adrenalin des Italieners war auf Anschlag. "Fuck, das kann nicht Ihr ernst sein! Aus der Welt schaffen? Das verdammte Biest hat völlig den Verstand verloren, die sieht nicht mal mehr klar, wenn Sie ihr Vhans abgetrennten Schädel in die Hände drücken!", pfiff er aus und hustete unwillkürlich etwas Blut auf einen völlig sauberen, blankgeputzten Citadelboden. Er widerte sich selbst mit dem Anblick an, griff instinktiv in sein Gesicht, eben dorthin wo es warm war und entdeckte wenigstens eine Quelle des Blutes. Er verzog das Gesicht als er sah, dass sein Hemd verschmiert war. Dabei half kaum, dass sein Hirn noch mit dem Alkohol zurechtkommen musste.
    "Wie eine-...verdammte Furie!", beklagte er sich, als wäre das Verhalten gänzlich aus dem Nichts gekommen.
    "Ich wusste, dass sie nicht ganz normal ist, aber ich hatte wenigstens geglaubt, dass sie den Unterschied zwischen Freund und Feind noch erkennt!"
    Luceija is offline

  9. #69 Reply With Quote
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    "Nun ob und wie diese je zusammen gestellt wird, steht wohl noch eh in den Sternen. Oder auf Arcturus, wenn wir ehrlich sind.", sprach Akina die unangenehme Wahrheit aus. Moralische Fragen interessierten Butke vermutlich weniger als die Wasserstandsanzeige am Deich.
    "Cybersicherheit ist also eine Schlüsselkomponente dieses Unterfangen. Vermutlich müssen wir das gegenüber der Admiralität hinreichend kommunizieren, damit sie auch die entsprechenden Ressourcen zur Verfügung stellt.", sprach Akina in Richtung von Ravi. Am falschen Ende sparen war ein beliebter Zeitvertreib, vor allem bei so teuren Projekten wie Proteus.
    "Geheimhaltung ist natürlich auch von massiver Bedeutung. Die Tatsache das die neuen Naniten sich nicht vom Geth Signal beeinflussen lassen, kann natürlich einfach daran liegen das diese nicht Wissen das jemand es verschleppt. Sobald sie es mitkriegen, werden sicher Maßnahmen ergriffen. Oder von anderen Organisationen, organischer Natur. Ich bin sicher Cerberus fände es interessant Kontrolle über Allianzeinheiten zu übernehmen.", erklärte sie nachdenklich. Vermutlich der Kontrollmechanismus an sich wäre schon ganz interessant für so eine Organisation. Loyalität war manchmal eine fragile Sache.
    "Ansonsten würde ich turnusmäßige Kontrollen der Mitarbeiter im Komplex hinsichtlich Naniten vorschlagen. Wie Doktor Ward zustimmte, handelt es sich hier um Neuland und eine schleichende Kontamination ist wohl das letzt was wir wollen. Über den Turnus kann man sicherlich diskutieren was sinnvoll ist.", fügte sie zum Abschluß an. Genauso war ein Screening vor Ankunft und Abreise der Anlage wohl ratsam, aber das waren alles Detailfragen die sicher in den nächsten Tagen ausgearbeitet wurden.
    "Ich habe zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine weiteren Fragen.", verkündete sie und nickte in die Runde.


    Der Doktor fügte den Anmerkungen nichts weiter hinzu. Es beunruhigte ihn - zumindest ließ er es so aussehen - ebenso, dass das Signal, mit dem die Geth die Naniten steuerten, ihm in seiner Natur genauso rätselhaft blieb wie allen anderen Anwesenden im Raum. Da schien ihm auch seine jahrelange Forschung bei vorangegangenen Cerberusprojekten wenig zu helfen. Oder verschwieg er den Anwesenden erneut etwas?
    Ravi blickte noch einmal in die Runde und wartete einige Sekunden ab, ob sich weitere Fragen ergaben. Als das nicht der Fall war, erhob er sich mit einem kurzen Nicken von seinem Stuhl woraufhin sämtliches militärisches Personal im Raum Haltung annahm.
    "Dann schließe ich hiermit die laufende Sitzung. Alle weiteren Veränderungen teilt Ihnen ein interner Newsletter der Stationssicherheit mit. Bei weiteren Anfragen wenden Sie sich bitte nicht an Doktor Ward, so hoch seine Stellung im Projekt auch sein mag, sondern direkt an mich. Wir wollen doch trotz aller Änderungen die Befehlskette einhalten, nicht wahr Doktor?"
    Julian schien eine Sekunde nicht zugehört zu haben, hob dann aber seinen Blick und nickte mit einem kurzen Lächeln, wobei unklar blieb, ob er wusste, wozu er gerade seine Zustimmung gab. Dann entfernte sich Ravi aus dem Raum und nach einem kurzen Salut folgte ihm das Wachpersonal. Julian warf Leena noch einmal einen bedeutungsschwangeren Blick zu, welche ihm kurz zunickte. Sie schien zumindest zufrieden zu sein, was ihre Absprache bezüglich Iiyama anging. Wirkliche Freude kam aber bei beiden nicht auf. Akinas Blick streifte Julian nur beiläufig, als er seinen Laborkittel am Rever zurechtzog, die Ärmel ausschüttelte und den Raum verließ.

    Sechs Tage später, später Nachmittag (Galaxie-Standardzeit)

    The Ink Spots - I'm Beginning To See The Light

    Beiger Schaum stieg in Julians gläsener Tasse auf, als er das dehydrierte Instant-Kaffeepulver mit kochendem Wasser aufgoss. Obwohl der Geruch und Geschmack jeden Kaffeekenner zum Weinen brachten, sog er den duftenden Dampf genüsslich auf und trug die Tasse hinüber zu einer Patientenliege, die momentan noch in Sitzposition geklappt war. Darin fand sich eine junge Frau wieder, vielleicht nicht einmal zwanzig Jahre alt, etwas hager mit dunklem Haar und einem schmalen, blassen Gesicht, aus dem die dunklen, übergroßen Augen ängstlich aufleuchteten, als sich Julian ihr näherte.
    "So... Phaedra Burton", las er von seiner vor sich aufgeblendeten Krankenakte ab und nickte ihr danach lächelnd zu. Das Licht über ihrer Liege blendete sie, sodass sie Julian schlecht sehen konnte. Sie wusste nicht ganz, ob sie etwas dazu sagen sollte, dass der Doktor ihren Namen vorgelesen hatte und rang sich deshalb nur ein kleines Lächeln als Antwort ab.
    "Könnten Sie vielleicht das Licht etwas dunkler machen?", waren stattdessen ihre Worte, doch Julian ignorierte sie.
    "Wunderbar, dann schauen wir doch mal auf Ihre Vorgeschichte. Also, wenn ich das beim Überfliegen richtig verstanden habe, leiden Sie unter einer Autoimmunerkrankung, die Ihre Organe angreift. Leber und beide Nieren wurden jeweils zwei Mal durch Zuchtorgane ersetzt, stehen aber erneut vor dem Kollaps. Muskeln sind nicht betroffen, allerdings degeneriert ihr Herzmuskel rapide und die eigentlich längst überfällige Transplantation der nächsten Organe wird durch ihr schwaches Kreislaufsystem für zu riskant befunden. Ist das so richtig?", lächelte er sie nun wieder an mit einer Fröhlichkeit, die dem Thema mehr als unangebracht war und die Phaedra daher nur mit einem verwirrten Blick und einem zur Seite gelegten Kopf quittierte, bevor sie selbigen kurz schüttelte, dann aber nickte.
    "Ja richtig. Die Ärzte sagen, entweder bleibe ich bei der OP auf dem Tisch oder ich falle irgendwann in den nächsten Wochen einfach so bewusstlos vom Stuhl. Keine... rosigen Aussichten"
    "Nein, absolut nicht!", reagierte Julian mit einer nun fast schon übertrieben wirkenden Fürsorge in Mimik und Tonfall, während er tröstend eine Hand auf Phaedras Schulter legte. Diese blickte nur etwas verwirrt mit einem Stirnrunzeln auf die Hand, dann in Julians Augen.
    "Also... Ich trau mich ja kaum zu fragen, nachdem mich ein halbes Dutzend Ärzte für hoffnungslos erklärt haben. Aber können Sie da denn was machen?"
    Julian lachte spöttisch und winkte ab.
    "Ich bitte Sie, Phaedra. Es wäre wohl nicht sehr respektvoll gegenüber Ihrer Zeit, Sie ans Ende der Galaxie verfachten, Sie seitenlange Verzichtserklärungen unterschreiben und Sie zahlreichen Untersuchungen unterziehen zu lassen, wenn ich nicht überzeugt wäre, dass man Ihre Krankheit aufhalten kann"
    Phaedras großen Augen leuchteten erneut auf, auch wenn die dutzendfache Entäuschung mitschwang, die man ihr bereits bei anderen Heilsbotschaften später dann doch erteilen musste.
    "Alles hochexperimentell und auch streng geheim, versteht sich. Daher die NDAs. Die Allianz versteht da übrigens keinen Spaß, also müssen wir Sie strengstens unter dem erwähnten Kontaktverbot halten, bis die Forschungen abgeschlossen sind. Aber wenn Sie sich an die Spielregeln halten, dann verspreche ich Ihnen, dass diese Autoimmunerkrankung nicht Ihr Ende bedeuten wird. Sie können geheilt werden!"
    Die Patientin rang sich zu einem vollen Lächeln durch.
    "Und das einfach so? Kostenlos, meine ich? Ich bin nicht versichert, wissen Sie? Ich komme nicht aus den besten Verhältnissen und..."
    "Lassen Sie das mal unsere Sorge sein, Phaedra", unterbrach er sie und drückte sie mit einem Finger auf dem Brustbein wieder zurück in den Stuhl.
    "Sie müssen für die Behandlung nichts bezahlen. Im Gegenteil, für Ihre Teilnahme an diesem Forschungsprojekt überweist man Ihnen sogar eine wöchentliche Aufwandsentschädigung auf ein Treuhandkonto, auf das Sie bei Ihrer Abreise zugreifen können. Gewissermaßen arbeiten Sie also für uns. Ihre Heilung ist nur ein angenehmer Nebeneffekt. Dafür müssen Sie aber unabhängig von Ihrer Genesung auch weiterhin auf der Station verbleiben, bis alle Experimente abgeschlossen sind."
    Phaedra schien etwas zu befürchten - den Haken an der Sache zu erkennen, sodass ihr Lächeln wieder verschwand.
    "Und... Wie lange soll das dauern?"
    "Oh, keine Sorge. Meinem aktuellen Forschungsplan nach vergehen von Beginn bis Ende der Experimentenreihe in der Regel nur wenige Wochen", beruhigte er sie mit einem sanften Ausdruck, während er auf einer Projektion ihre Vitalzeichen ablas, sich dann von der Liege abstieß und mit seinem Rollhocker bis zu den Schubladenschränken an der Wand hinüberrollte, um dort ein paar Latexhandschuhe herauszuziehen und sich überzustülpen.
    Die Patientin schien beruhigt, ließ sogar einige Gefühle der Hoffnung zu.
    "Sie haben sich also die Verhaltensregeln auf der Station gut eingeprägt und allen Dokumenten ausnahmslos zugestimmt?", rief er ihr hinüber, während er einen kleinen Alukoffer aus einer zweiten Schublade zog, ihn auf der Arbeitsplatte öffnete und ein rätselhaftes, kolbenähnliches Gerät daraus hervorholte und zusammensetzte.
    "Ja, ich habe alles unterschrieben. Eine große Wahl hatte ich ja auch nicht, außer direkt am Eingang wieder in den Frachter zu steigen. Und ganz ehrlich gesagt, so lang sie mir wirklich helfen können, sind mir die Formalitäten egal. Jeder Tag, den ich ohne Behandlung weiterlebe, ist riskanter als jede ungeprüfte Tablette oder Spritze. Welche Organe sollen die schon noch zerstören?", resümierte sie stoisch mit einem halbseitigen, bitteren Lächeln. "Tun Sie, was nötig ist. Ich habe schon alle Schmerzen und Nebenwirkungen durchgemacht."
    "Das ist die richtige Einstellung!", lachte Julian unpassenderweise auf, legte sich das montierte Gerät auf den Schoß und rollte wieder zur Liege zurück, die er nun per Handgeste zurückfahren ließ.
    "Die Hände bitte einmal neben den Körper auf die Armlehnen, Phaedra", forderte er sie mit einem warmen Ausdruck und sonorer Stimme auf, während er seinen Hocker hochpumpte und sich über sie beugte.
    "Ich dokumentiere nur den aktuellen Zustand ihrer Organe. Darf ich einmal sehen?", fragte er, während er am Saum ihres Patiententops zupfte. Sie nickte seicht lächelnd. Er rollte ihr Oberteil bis knapp unter die Brust nach oben und entblößte so ihren blassen, etwas abgemagert wirkenden Unterleib, wo sich die charakteristischen Schlüssellochnarben auf ihrer Bauchdecke hellrot abzeichneten. Julian klopfte ihre Bauchhöhle routiniert ab und horchte auf den Klang, sah sich unterdessen eine über beiden projizierte Darstellung eines parallel ablaufenden Eingeweidescans an. Phaedra selbst kannte den Anblick dieses Scans bereits auswendig. Die Warnmeldung, die neben ihren Organen rot aufleuchteten, überraschten sie längst nicht mehr.
    "Hm. Ich hab schon Haggis gesehen, das besser aussah", schmunzelte er. Phaedra gefiel sein direkter, schwarzer Humor überraschenderweise, obwohl sie selbst das Opfer davon war, und kicherte verhalten. Vorsichtig zog er das Top wieder herunter und beugte sich dann über ihr Gesicht, hielt sie am Kinn fest und drehte ihren Kopf zu beiden Seiten, während er ihren Kieferknochen zu begutachten schien.
    "Da ist eigentlich alles in Ordnung", murmelte sie verwirrt, fügte sich aber. Julian reagierte nicht, sondern schob ihre dunklen, langen Haare zur Seite, sodass er ihre Schädelform sehen konnte, fuhr dann mit seinem Finger von der Schädelbasis hinter ihrem Ohr an ihrem Hals hinab, wo die Schlagader verlief. Er nickte nur, notierte sich etwas und ließ die Liege noch weiter nach hinten neigen, bevor er Phaedra wieder am Kinn griff.
    "Einmal den Mund öffnen bitte?"
    Sie schien verwirrt, dachte sich dabei aber nichts sondern versuchte, die etwas kühle Situation durch Gespräche aufzulockern.
    "Wann soll denn die eigentliche Behandlung beginnen?"
    Er antwortete nicht sofort, wartete, bis die den Mund geöffnet hatte, schob die Lippen kurz mit dem behandschuhten Finger zur Seite, um ihr Gebiss zu betrachten.
    "Einmal weiter aufmachen, bitte", forderte er sie auf und kaum, dass sie Folge geleistet hatte, schob er eine Art Klammer in ihre Mundhöhle, die den Mund geöffnet hielt. Phaedra war etwas verblüfft, hielt jedoch still. Natürlich war es ihr nun unmöglich, etwas zu sagen, also blickte sie Julian nur fragend und stirnrunzelnd in die Augen. Das Licht der Lampe über ihr blendete sie noch immer und so bemerkte sie erst jetzt, dass rechts und links neben ihr zwei Allianz-Wachleute überraschend nah an ihre Liege herangetreten waren. Plötzlich spürte sie, wie sich um ihre Handgelenke etwas festzog und sie auf beiden Seiten an den Armlehnen fixierte. Zum ersten Mal leistete sie nun etwas Widerstand, wollte protestieren, konnte jedoch nur einen unartikulierten Laut aus dem geöffneten Mund stöhnen, ehe jemand hinter ihrer Liege ihren Kopf an der Stirn festhielt und gegen die Kopfstütze presste.
    "Um Ihre Frage zu beantworten: Die Behandlung hat bereits begonnen", brummte Julian konzentriert nachdenklich, aber freundlich, doch das Lächeln aus seinem Gesicht war gewichen. Er stand von seinem Hocker auf und schloss von einem Tank neben sich einen durchsichtigen Schlauch an dem Kolben in seiner Hand an. Dann setzte er das Mundstück auf Phaedras geöffneten Mund auf. Der Allianzsoldat, der ihren Kopf hielt, wusste offenbar bereits, was nun folgte und hielt Phaedras Kopf vorsorglich etwas fester. Ein Motorsurren war zu hören, bevor ein Schlauch aus dem Inneren des Kolbens in Phaedras Rachen schnellte und innerhalb weniger Sekunden einen Schlauch durch ihre Speiseröhre in ihren Magen verlegte. Sie verspürte keine Schmerzen, doch der Schock war enorm, sodass sie aus allen Kräften in ihrer Liege zappelte und die Augen weit aufriss.
    "Beginne Phase 1 bei Subjekt 8", begann Julian zu diktieren, offenbar für ein Mikrofon, das alles aufzeichnete und bereits aufgezeichnet hatte, was sich im Raum abspielte.
    "Puls erhöht, aber Vitalzeichen noch nominal. Das Nährlösungs-Naniten-Gemisch wird über eine orale Magensonde verabreicht. Wir erhoffen uns bessere Startbedingungen der Replikationsphase unter den Bedingungen im Gastrointestinaltrakt durch die Möglichkeit größerer Nährlösungsvolumen. Subjekt verbleibt bei diesem Versuch bei Bewusstsein. Ein Sedativum oder Narkotikum wird vorerst vermieden, um die Umsetzbarkeit in Feldbedingungen zu simulieren. Flüssigkeit wird nun eingeleitet."
    Julian betätigte einen Hebel an dem Tank, der direkt neben Phaedras Kopf stand. Langsam erhob sich durch den klaren Plastikschlauch sichtbar eine schwarze Flüssigkeit, die der Röhre unaufhaltsam bis zu ihrem Mundstück folgte und sie röcheln ließ. Sie fürchtete, sich zu verschlucken, doch die Flüssigkeit floss einfach in sie hinein, ohne ein Schlucken oder überhaupt irgendein Gefühl in ihr, außer der Kälte der Substanz in ihrem Hals und Magen. Sie hatte zu zappeln aufgehört, war auf der Liege wie steifgefroren und fürchtete, sich selbst zu verletzen, wenn sie sich nun zu viel bewegte. Ihre Augen tränten. Ob von Furcht oder Muskelspannung konnte sie nicht sagen. Julian wischte die Tränenflüssigkeit mit einem Tupfer ab, strich ihr die Haare abermals nach hinten. Doch es war keine tröstende Geste. Auf sein Zeichen hin legte der Wachmann Phaedras Kopf zur Seite und entblößte somit ihre rechte Halsseite. Ohne großes Zögern aber auch ohne besondere Eile setzte Julian ein zweites Gerät an ihrem Hals an.
    "Setze venösen Zugang", diktierte er wieder seiner Aufnahme. Der Patientin konnte kaum bewusst werden, was er wohl meinen könnte, bevor das Gerät mit einem lauten metallischen Schnappen ihr eine Öffnung in die Halsader stanzte. Sie zuckte, doch die beiden Wachmänner hielt sie weiterhin in die Polster gedrückt. Schon wenige Sekunden später versiegte der Strom der schwarzen Flüssigkeit aus dem Schlauch in ihrem Mund. Noch einen Tastendruck später schnellte der Schlauch wieder aus ihrem Inneren zurück in das Mundstück, das Julian dann abnahm und zur Seite legte.
    "Ich würde jetzt gerne die Kieferklammer wieder herausnehmen, Phaedra. Leider habe ich damit schlechte Erfahrungen gemacht. Der werte Herr vor Ihnen hätte mir dabei beinahe den Finger abgebissen. Den würde ich aber gerne behalten. Sie können also entweder ganz brav bleiben, oder ich bin gezwungen, das Ding für ein paar Tage da drin zu lassen. Nicken Sie bitte, wenn Sie mir zustimmen, dass Essen kauen und Speichel schlucken zu können tolle Dinge sind, die Sie weiterhin genießen möchten."
    Phaedra nickte verzögert und verängstigt, ihre Augen noch immer weit aufgerissen, wobei sie einen zustimmenden Laut wie "Eh-Heh" von sich gab. Daraufhin entnahm ein etwas skeptischer Julian ihr die Klammer. Beim Schließen ihres Mundes bemerkte sie, wie ihre Mundwinkel leicht eingerissen waren und brannten.
    "Holy Fuck", gab die Amerikanerin stimmlos von sich, aber wagte nicht, sich weiter zu beklagen.
    "Holy Fuck, Sie sagen es", stimmte Julian ihr lächelnd zu. "45 Sekunden. Das ist vier mal schneller als die Injektion. Mit solchen Zahlen kann man arbeiten."
    Die beiden Wachmänner ließen Phaedra los, einer von beiden entfernte ihr die Lederriemen an den Handgelenken und beide begaben sich wieder an den Rand des Raumes. Die Patientin tastete sofort ihren Hals ab, wo nun ein münzstückgroßer, schwarzer, metallischer Zugang sich leicht über ihre Haut erhob. Sie sah Julian verängstigt und verwirrt an, doch wagte sie sich immernoch nicht, etwas zu fragen.
    "Kein Grund zu schmollen. Über den Sinn der Flüssigkeit und des Ports erklärt Ihnen ein Pfleger später alles. Wenn Ihnen schlecht wird: Nicht übergeben, bitte, sonst müssen wir das Ganze wiederholen und das ist nicht gerade billig. Die Wachen zeigen Ihnen dann erstmal Ihr Zimmer. Essen gibt's um sieben: Suppe mit Maultaschen oder Knödeln. Ich empfehle die Maultaschen. Willkommen auf Proteus", lächelte Julian wieder und schüttelte Phaedra die Hand. Dann zog Julian die Handschuhe aus, desinfizierte seine Hände, nahm seine Kaffeetasse und verließ das Behandlungszimmer.

    Der Instant-Kaffee schmeckte nicht, und doch genoss er ihn. Sämtliche Annehmlichkeiten einer Rehabilitationsstation hatte man unmittelbar weggekürzt - und dazu zählte auch der frische Kaffee. Jetzt herrschten Standards von Militärbasen. Nicht nur was Nahrungs- und Genussmittel betraf. Die Soldaten der Anlage, die sich zuvor bemüht hatten, dezent aufzutreten, um die Patienten nicht zu verunsichern, traten nun mit gewohnter militärischer Schärfe überall auf den Plan. Der Umgang war direkter und kurzsilbiger - und überhaupt, viel geordneter. Julian liebte es.
    Seine tägliche Routine war durchgetaktet. Jeden Tag hatte er einen oder zwei Neuankömmlinge "begrüßt" und sogleich mit der Rohversion der Naniten infiziert und dabei verschiedene Methoden angewendet. Die Subjekte waren dabei vier Männer und vier Frauen, von denen allesamt Zivilisten waren, deren Fälle man als hoffnungslos bezeichnen konnte, doch waren sie alle jünger als 40, relativ mittellos und von der Erde. Die nächste Charge, die morgen eintreffen sollte, würde aus fünf Gefängnisinsassen bestehen, die allesamt lebenslang einzusitzen hatten, denen man aber für die Teilnahme am Experiment Begnadigung versprach - sofern sie überlebten. Und Butkes Schreiben ließ die Interpretation zu, dass er an letzterem gar nicht zu sehr interessiert war, wenn man sich deren Vergehen genau betrachtete. Für diese neuen Insassen würde sich Julian die weniger erfolgversprechenden, aber dennoch erkenntnisbringenden Experimente aufsparen.

    "Ward!", giftete ihn plötzlich eine weibliche Stimme von der Seite an. Preston hatte wohl nur auf ihn gewartet.
    "Eine Stunde? Ernsthaft? Sie lassen die Subjekte nur eine Stunde pro Tag an die Luft?"
    "Unwetterwarnung. War nur zu deren Sicherheit."
    "Das ist ein Wasserplanet, Sie Dickschädel. Hier regnet und stürmt es öfter als Sie 'innit' sagen!"
    "Ein Jammer, dass diese Entscheidung von mir alleine gefällt werden darf... innit?", überbetonte er das typisch britische Unterschichtwort für 'nicht wahr?' zum Spott.
    "Vier Stunden Minimum oder ich lasse den Kontaminations-Überprüfungsturnus auf zwei mal täglich erhöhen"
    Julian stöhnte.
    "ZWEI mal? Sind Sie noch ganz dicht? Das dauert immer Ewigkeiten. Dabei kommt man zu gar nichts!... Na gut, zwei Stunden Ausgang"
    "Drei. Und Musik auf den Zimmern."
    "Und wer macht die Playlist? Sie etwa, Johann Sebastian?... Okay, Deal, drei Stunden und Ihre dämlichen Musical-Einlagen."
    "Deal", resümierte Leena und hielt Julian sogleich ein Datapad hin, wo er die Änderung zu unterschreiben hatte. "Vielleicht wollen Sie ja später Mal meinen Vortrag zum Forschungsfortschritt anhören", bot er an, während er das Dokument mit dem Finger unterschrieb und ihr zurückgab.
    "Und danach könnten wir ja-"
    "Kein Interesse, Mengele", schnitt sie ihn ab und bog am nächsten Korridor ab und verschwand. Julian seufzte kurz, schaute dann auf seinen Terminplan und ging weiter. Zu seinem Ärgernis hatte sich für die nächste Visite bei Subjekt 4 Akina angemeldet, beizuwohnen. Wieder seufzte er leise. Wie sollte man da zu irgendwas kommen? Widerwillig machte er sich auf zum Patiententrakt, wo die Subjekte nun üblicherweise auf ihren Zimmern blieben und stets überwacht wurden. Vor der Zimmertür von Subjekt 4, Dimitri Solowjew, wartete Akina bereits auf ihn.
    "Konbanwa, Lieutenant", begrüßte er sie trotz der Unliebsamkeit ihres Besuchs mit einem Lächeln.
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    Leif


    Hanna


    i'm not done
    (still not done)
    [Video]

    ---

    Luci fiel mit einer gewissen Genugtuung auf, dass der Verlobungsring an ihrer dünnen Hand einen guten Schlagring abgab. Irgendwo mitten im Gerangel hatte sie ihren Bruder damit getroffen und eine kleine, blutende Wunde hinterlassen, die aber genauso gut von einem Treffer irgendwo sonst gegen sein Gesicht hätte sein können. Es färbte den roséfarbenen Stein in einen sanften Schleier aus Rot. Die Farbe, die sie sah. Durchgehend. Unmissverständlich nicht mehr dazu in der Lage war, diese überschäumende Rage zu zügeln, die sie regelrecht auf Vigilio springen und ihn zu Boden ringen ließen. Alles, was da war, war Geschrei, dass sie nicht einmal mehr selbst als Worte ausmachen konnte. Bissige, feuerbesetzte Worte, die alles in ihrer Umgebung niederfackelten und mit ihrem Gift dafür sorgen ließ, dass es sich nie wieder regenerierte. Mit Sicherheit war einem in Selbstbewusstsein badenden Mann wie Gil gegenüber niemals vorher eine Frau derart gewalttätig aufgetreten, aber er hätte es wissen sollen. Richtig? Kannte er nicht Luceija so viel besser als alle? Behauptete er das nicht ständig?

    Er wurde eines besseren überzeugt. Er schlug nicht mal zurück, sondern ertrug die Schläge, realisierte irgendwann vermutlich sogar, dass sie auf eine gewisse Weise gerechtfertigt waren, denn das, was er in ihren Augen sah die seien so ähnelten, war Hass. Blanker, tiefgreifend dunkler Hass. Und hatte nichts unschuldiges mehr an sich. Sich wehren? War trotzdem nicht drin. Er schrie zurück, fügte seine eigene Stimme in dieses laute, bedrängende Gewirr mit ein, mit hinein in die Unverständlichkeit italienischer Worte voller Temperament, an denen es gerade mit Sicherheit nicht fehlte. Er fasste immer wieder ihre sich aus dem Griff gewundenen Hände und Arme, blockierte sie, aber schlug nicht zurück. Auch wenn sie traf. Oft traf. Schmerzlich traf, unerwarteterweise.

    Luceija schrie. Schrie, als Hände sie aus dieser völlig blinden Rage zogen, aus dem Ziel, dem einzigen Ziel vor ihren Augen, dass sie nicht nur sprichwörtlich in seine Einzelteile zerfetzen wollte. Sie wollte ihm weh tun. Sie wollte ihm schaden. Sie hatte keine Feuerwaffen bei sich und es war gut so, denn sie hätte ihn erschossen ohne mit der Wimper zu zucken. Ihn. Dann Beyo. Fuck. Beyo. Dieser dreckige, rote, verfluchte Scheißalien.
    Wer auch immer wagte, sie ihrem Ziel zu entziehen, schaffte es. Zerrte sie von Gils Körper, während sie zappelte, sich wandte und schrie, nachtrat und ihrem 'Entführer' austeilte, bis sie glaubte, er würde loslassen. Sie sah nicht, wer es war, obwohl es eindeutig hätte sein müssen. Sie sah nichts mehr. Blind vor Wut. Wie eine völlig irre und außer Kontrolle geratene Maschine, die nur noch diesen einzigen Zweck fand: Ihrem eigenen Bruder den Hals umzudrehen.

    Ihm. Und dann ihm.



    Vigilio starrte dieser wildgewordenen Bestie einer Schwester entsetzt, genervt und verwirrt nach. Schnell spielte er sich wenigstens auf seinen Unterarm. Und bemerkte erst viel zu spät, dass sein Körper auf den Schmerz reagierte, jetzt, wo ihm eine Minute Zeit gegeben wurde, ihn zu spüren.

    Während er Leif dabei zusah, wie selbst er nur mit Mühe Luci von ihm wegriss, als wolle sie sich gleich in seinem Hals verbeißen, war ihm mehr als nur deutlich, dass er sie nicht wiedererkannte. Dass DAS-...war es das, was er sich vorgestellt hatte? Die Offenbarung darüber, dass ihre Psyche völlig abseits der Normalität rotierte sollte ihn kaum schockieren, denn es war exakt, zu was er sie noch Minuten zuvor gemacht hatte. Doch es zu sehen...SO zu sehen...? Er war nicht mehr unverwundbar. Er war nicht der Punkt, an dem sie anhielt. Er war kein Hindernis mehr.

    Gil schaffte sich zurück auf die Beine - auch dank Hanna, die plötzlich da war und ihm mit aufhalf. Er sah nicht, wie sich Blut unter seinem Anzug auf dem Boden verschmiert hatte, sondern folgte ihr sofort mit einem knappen "Danke.". Sie verließen die Sitzecke und er verbrachte keine überflüssige Sekunde damit, die Zeugen dessen zu mustern. Das hier-..war nicht gut. Überhaupt nicht gut.
    Luft bekam er erst, als sie draußen waren und wenigstens Hanna absichern konnte, dass sie keine Neugierigen mit sich zogen. Das Adrenalin des Italieners war auf Anschlag. "Fuck, das kann nicht Ihr ernst sein! Aus der Welt schaffen? Das verdammte Biest hat völlig den Verstand verloren, die sieht nicht mal mehr klar, wenn Sie ihr Vhans abgetrennten Schädel in die Hände drücken!", pfiff er aus und hustete unwillkürlich etwas Blut auf einen völlig sauberen, blankgeputzten Citadelboden. Er widerte sich selbst mit dem Anblick an, griff instinktiv in sein Gesicht, eben dorthin wo es warm war und entdeckte wenigstens eine Quelle des Blutes. Er verzog das Gesicht als er sah, dass sein Hemd verschmiert war. Dabei half kaum, dass sein Hirn noch mit dem Alkohol zurechtkommen musste.
    "Wie eine-...verdammte Furie!", beklagte er sich, als wäre das Verhalten gänzlich aus dem Nichts gekommen.
    "Ich wusste, dass sie nicht ganz normal ist, aber ich hatte wenigstens geglaubt, dass sie den Unterschied zwischen Freund und Feind noch erkennt!"


    Mit leicht schief gelegtem Kopf betrachtete Hanna den Italiener. Er war Luceijas Bruder. Er kannte sie vermutlich schon ihr ganzes Leben und ihm war nie in den Sinn gekommen, dass eine vollgekokste und schon so kaum zurechnungsfähige Biotikerin nicht sonderlich gut auf das Überleben – von dem sie überrascht war – ihres Peinigers reagierte? Hanna kannte Luceija, wenn es überhaupt ein kennen war, gerade einmal von einem Kurzurlaub und diesem Treffen hier. Und selbst jetzt hielt sie die schwarzhaarige Schönheit trotz ihrer scheinbaren körperlichen Fragilität für psychisch wesentlich zerbrechlicher. Vermutlich war es die verblendende Liebe eines großen Bruders zu seiner kleinen Schwester, die seine Sicht der Dinge in einen leichten Schleier gelegt hatte – und dieser war nun weggeblasen.

    Gut, halten wir einmal fest, dass hier überhaupt keine abgetrennten Schädel übergeben werden. Wir sind ja nicht die Mafia“, sagte Hanna trocken. „Jetzt ist das sprichwörtliche Fass übergelaufen und wir müssen schauen, wie wir den Teufel wieder in die Kiste kriegen“, jonglierte sie mit Phrasen, die ihrer eigentlich fremd waren. „So, wie ich das sehe, ist Luceija momentan umringt von Feinden. Deshalb sollten wir sie isolieren, bevor sie etwas Dummes tut. Sobald Leif hier ist, sagen Sie ihr, dass Sie alles erklären werden, sobald wir im Hotel sind.“ Sie seufzte. Immerhin hatte sie sich so sehr auf einen entspannten Abend mit ihrem Cousin gefreut und das hier ähnelte eher der Arbeit. „Ich komme selbstverständlich mit und passe auf, dass Sie die Station lebend wieder verlassen…“ Das war nicht einmal ein Witz. Bei den Dolchen in Luceijas Augen wäre das Ableben eines gutausgehenden italienischen Gentlemans durchaus eine für sie befriedigende Aktion.
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    Kathy merkte das sie jetzt selbst in ein schwieriges Thema für Charis getreten war. Für sie war es einfach wenn sie final ins Graß beißen würde, aber Charis würde realistisch betrachtet damit zu tun haben. Den Schmerz trugen immer die Hinterbliebenen.
    "Hey, das bedeutet wir haben beide noch gleichviel Zeit miteinander. Im Idealfall noch ein paar wilde Jahrzehnte wenn uns das Glück nicht verlässt.", meinte sie dann lächelnd. Sie legte ihren Arm um Charis Hals und gab ihr einen Schmatzer auf die Wange.
    "Spielhölle klingt verführerisch, aber wie ich uns beide kennen bringen wir dann den Zinnsoldaten in Schwierigkeiten.", überlegte sie mit einem breiten Grinsen auf den Lippen. Gerade bei Charis Glück war das ein riskantes Unterfangen.
    "Ich habe drinnen bezahlt, wir können also weiter.", sagte Werner aus der Bar tretend, die beiden erblickend.
    "Oder störe ich gerade euer Gespräch?", erkundigte er sich zuvorkommend. Kathy schüttelte den Kopf und winkte ihn heran.
    Die Schwarzhaarige legte ihren freien Arm um seinen Hals, was etwas schwieriger war und drückte ihm auch einen Schmatzer auf die Wange. Zeit gemeinsam nutzen, darum ging es doch letztendlich.
    "Schön mit euch. Wie sieht es aus? Zu mir, zu dir, oder doch zu dir?", fragte sie, von links nach rechts guckend. Alle drei grinsten.
    "Ach, ich glaube das macht keinen Unterschied. Ist doch überall schön.", meinte Werner zwinkernd.
    "Gut beobachtet. Außer du willst noch unbedingt ein wenig deinen Sold verspielen?", bot sie noch freundlich an.
    "Alles gut, machen wir ein andernmal.", entschied Werner sich nach kurzer Überlegung. Kathy ließ es sich zwar nicht anmerken, aber sie schien ihm trotzdem ein wenig erschöpft. Wenn auch vermutlich mehr emotional.
    "Dann rufe ich uns ein Taxi. Wir machen ein andernmal den Strip unsicher.", versprach sie und aktivierte ihr Omnitool.


    Wie erwartet – oder vorausgesetzt – hatte Werner die Rechnungen beglichen.
    Vielen Dank fürs Bezahlen“, sagte sie Asari und warf dem Soldaten ihren liebsten Kulleraugen-Blick zu, garniert mit einem zauberhaft-verspielten Lächeln und dem fast schon scheuen Blick nach unten. Als Asari auf Omega lernte man, wie man sich brav für Drinks bedankte, wenn man nicht weitergehen wollte. Auf Illium wiederum wurde nur Geld akzeptiert, was bedeutete, dass die Erwartung an die nächste Einladung bestand. Oder quid pro quo. Meistens das. Ihr gab man Drinks in der Regel aus, weil man von ihren Fähigkeiten als Schmugglerin wusste und entweder Beratung oder eben eine geschäftliche Übereinkunft erzielen wollte.

    Jetzt ging es in die Villa Orlowski/Charis. Zumindest war das der Plan gewesen, ehe die drei auf dem Strip Richtung Taxi-Hub schritten und plötzlich zwei im Blau der Allianz uniformierte Männer bemerkten, die in einiger Entfernung vor ihnen gingen, einen Dritten bei sich.

    Das sind doch Allianzler“, zischte Charis ihrer Freundin zu. Die beiden Kerle waren so groß wie Neumann, mit einem Kinn, dass Spartacus Konkurrenz machte. Sie eskortierten einen dritten Mann, dessen Muskeln sich unter dem karmesinroten T-Shirt spannten und der alles andere als begeistert aussah. Einer der Männer schaute zu dem Trio und schien etwas zu sehen, was ihn dazu veranlasste, sein Omnitool zu öffnen. In Charis zuckte sofort etwas, was als Fluchtreflex beschrieben werden konnte. Männer in Uniformen bedeuteten für kriminelle Elemente wie sie in der Regel nichts Gutes.

    Oh nein, die kommen ja her“, wisperte sie und verbarg sich leicht hinter dem breiten Kreuz des Deutschen. Allerdings schienen die beiden Uniformierten keinerlei Interesse an ihr zu haben, sondern eben jenen Lieutenant ins Visier zu nehmen, hinter dem sich die Asari verbarg.
    Sind Sie Lieutenant Neumann?“, sagte einer der Typen, als sie bis auf ein paar Meter nährgekommen waren. Charis warf Kathy einen Blick zu, die ihrerseits aber ebenfalls irgendwie zwischen verwirrt und skeptisch zu schwingen schien.
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    Mit leicht schief gelegtem Kopf betrachtete Hanna den Italiener. Er war Luceijas Bruder. Er kannte sie vermutlich schon ihr ganzes Leben und ihm war nie in den Sinn gekommen, dass eine vollgekokste und schon so kaum zurechnungsfähige Biotikerin nicht sonderlich gut auf das Überleben – von dem sie überrascht war – ihres Peinigers reagierte? Hanna kannte Luceija, wenn es überhaupt ein kennen war, gerade einmal von einem Kurzurlaub und diesem Treffen hier. Und selbst jetzt hielt sie die schwarzhaarige Schönheit trotz ihrer scheinbaren körperlichen Fragilität für psychisch wesentlich zerbrechlicher. Vermutlich war es die verblendende Liebe eines großen Bruders zu seiner kleinen Schwester, die seine Sicht der Dinge in einen leichten Schleier gelegt hatte – und dieser war nun weggeblasen.

    Gut, halten wir einmal fest, dass hier überhaupt keine abgetrennten Schädel übergeben werden. Wir sind ja nicht die Mafia“, sagte Hanna trocken. „Jetzt ist das sprichwörtliche Fass übergelaufen und wir müssen schauen, wie wir den Teufel wieder in die Kiste kriegen“, jonglierte sie mit Phrasen, die ihrer eigentlich fremd waren. „So, wie ich das sehe, ist Luceija momentan umringt von Feinden. Deshalb sollten wir sie isolieren, bevor sie etwas Dummes tut. Sobald Leif hier ist, sagen Sie ihr, dass Sie alles erklären werden, sobald wir im Hotel sind.“ Sie seufzte. Immerhin hatte sie sich so sehr auf einen entspannten Abend mit ihrem Cousin gefreut und das hier ähnelte eher der Arbeit. „Ich komme selbstverständlich mit und passe auf, dass Sie die Station lebend wieder verlassen…“ Das war nicht einmal ein Witz. Bei den Dolchen in Luceijas Augen wäre das Ableben eines gutaussehenden italienischen Gentlemans durchaus eine für sie befriedigende Aktion.


    Seine Gedanken begannen allmählich ähnlich zu rasen wie die seiner Schwester. Aber im Vergleich zu ihr war er noch 'da', sein Verstand hatte nicht ausgesetzt und ihn als leblose Hülle zurückgelassen. Wenigstens jedoch etliche Gefühle mischten sich neu durch - ja, vielleicht war es korrekt, vielleicht war der Schleier gelüftet der ihn eine verklärte Sicht auf die Jüngere hatten haben lassen. Vielleicht aber auch nur zur Seite gelegt. Was wusste er schon.
    Die Beziehung zu seiner Schwester war schon immer seltsam gewesen. Einzigartig? Dass eine gewisse Liebe existierte war offensichtlich, eine gewisse Abhängigkeit hingegen ging eher seinerseits aus als von ihr, was schlicht alleine an der Tatsache lag, dass sie für ihn 'ständig da' war, auch wenn nicht immer physisch - er für sie jedoch erst vor kurzer Zeit wieder in ihr Leben getreten war. Die Änderung der Tatsache, dass sie wieder physisch in seinem Leben war, war für ihn...perfekt? Und bedeutete ihm mehr als er nach außen hin zeigte. Sogar ihr. Vielleicht brauchte er das als Selbstschutz. Man sah ja, wohin es führen konnte.

    Jetzt dachte er mit einer weitestgehend für ihn Fremden darüber nach, wie er Luceija 'beruhigen' konnte und tat damit das, was ihr am Meisten gegen den Strich ging: Über ihren Kopf hinweg zu entscheiden, weil man sie für nicht zurechnungsfähig hielt. Trotzdem schien es für ihn die richtige Vorgehensweise zu sein. Er hatte sie doch gesehen. Ihre Augen. Dieses schwachblaue Flickern von sich ankündigender Biotik. Der Wille, ihm ernsthaft etwas antun zu wollen. "Das hab ich damit auch nicht sagen wollen.", kommentierte Vigilio Hannas Mafia-Anekdote mit einem hörbaren Augenrollen. Dass die Sizilianerin nicht verstehen würde, wenn er ihr erklären würde, dass selbst IHM die Hände in der Beyo-Sache gebunden waren, war ein Fakt der ihn störte. Ihn am Liebsten die Erkenntnis ins Hirn seiner Schwester einhämmern würde, doch wie? Isolation? Vielleicht. Egal was er entschied, es hatte nur bedingte Kraft, solange Leif ebenfalls mitentschied. Meist dachten sie zwar im selben Sinne, aber jetzt, wo Luci so gegen ihn schoss, war ihm nicht klar, ob das noch gegeben war.

    Er dachte länger als nötig darüber nach und sah so offensichtlich dabei nach Luceijas Bruder aus wie man es nur offensichtlich machen konnte. Er dachte unbewusst auf dieselbe Weise darüber nach und spiegelte ein Bild, dass er nicht vor Augen hatte. Was Hanna jedoch sagte, ließ ihn auf- und sie direkt anblicken. Nicht lebend von der Station zu kommen, war das...eine realistische Gefahr? Er wog sie sekündlich mit dem Bild ab, dass er von der wutgeladenen Furie vor sich gehabt hatte, die ihm wie das personifizierte Dunkel entgegen gesprungen war. Ja. Möglich. Oder?
    Vigilio lachte freudlos. Aber nickte. "Bleiben jedenfalls nicht viele Alternativen. Nagut.", sagte er. Den Blazer nahm er von seinen Schultern und nutzte den sauteuren Stoff um sich etwas Blut aus dem Gesicht zu wischen, dass ihn sichtlich störte. Einen neuen Anzug konnte er sich so oder so besorgen. Der hier war durch.
    "Dann bestell ich ein Skycar und wir hauen hier ab. Zwei...zwei Skycars. Zwei.", wiederholte er, als mache er sich selbst klar, dass diese Wahl besser war und war sofort dran, zwei davon zu bestellen, die in Kürze in ihre Nähe an einen Rapid Transit Punkt andocken würden um sie einsteigen zu lassen. Sie mussten nur ein bisschen Geduld haben. "Entschuldigen Sie Hanna, der Abend hätte so wirklich nicht ausgehen sollen.", entschuldigte er sich auf eine Weise, als habe seine Tochter jemandem den Wagen zerkratzt.
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    Wie erwartet – oder vorausgesetzt – hatte Werner die Rechnungen beglichen.
    Vielen Dank fürs Bezahlen“, sagte sie Asari und warf dem Soldaten ihren liebsten Kulleraugen-Blick zu, garniert mit einem zauberhaft-verspielten Lächeln und dem fast schon scheuen Blick nach unten. Als Asari auf Omega lernte man, wie man sich brav für Drinks bedankte, wenn man nicht weitergehen wollte. Auf Illium wiederum wurde nur Geld akzeptiert, was bedeutete, dass die Erwartung an die nächste Einladung bestand. Oder quid pro quo. Meistens das. Ihr gab man Drinks in der Regel aus, weil man von ihren Fähigkeiten als Schmugglerin wusste und entweder Beratung oder eben eine geschäftliche Übereinkunft erzielen wollte.

    Jetzt ging es in die Villa Orlowski/Charis. Zumindest war das der Plan gewesen, ehe die drei auf dem Strip Richtung Taxi-Hub schritten und plötzlich zwei im Blau der Allianz uniformierte Männer bemerkten, die in einiger Entfernung vor ihnen gingen, einen Dritten bei sich.

    Das sind doch Allianzler“, zischte Charis ihrer Freundin zu. Die beiden Kerle waren so groß wie Neumann, mit einem Kinn, dass Spartacus Konkurrenz machte. Sie eskortierten einen dritten Mann, dessen Muskeln sich unter dem karmesinroten T-Shirt spannten und der alles andere als begeistert aussah. Einer der Männer schaute zu dem Trio und schien etwas zu sehen, was ihn dazu veranlasste, sein Omnitool zu öffnen. In Charis zuckte sofort etwas, was als Fluchtreflex beschrieben werden konnte. Männer in Uniformen bedeuteten für kriminelle Elemente wie sie in der Regel nichts Gutes.

    Oh nein, die kommen ja her“, wisperte sie und verbarg sich leicht hinter dem breiten Kreuz des Deutschen. Allerdings schienen die beiden Uniformierten keinerlei Interesse an ihr zu haben, sondern eben jenen Lieutenant ins Visier zu nehmen, hinter dem sich die Asari verbarg.
    Sind Sie Lieutenant Neumann?“, sagte einer der Typen, als sie bis auf ein paar Meter nährgekommen waren. Charis warf Kathy einen Blick zu, die ihrerseits aber ebenfalls irgendwie zwischen verwirrt und skeptisch zu schwingen schien.


    Werner erkannte die Uniformen der Militärpolizei schon recht schnell, dachte sich aber zunächst nichts dabei. Viel mehr kam ihm jedoch der behaarte Nacken des Typen in der Mitte irgendwie bekannt vor. In dem Moment als er realisierte das es sich um Fraser handelte, drehte sich eine der zertifizierten Spaßbremsen auch schon zu ihm um.
    Kathy bemerkte ebenfalls wie Charis das die Uniformierten auf sie zu gingen. Instinktiv ergriff ihre Hand Werners Arm und schlängelte ihren tätowierten Arm um seinen. Misstrauisch musterte sie die beiden Gorillas, fragend zu Werner schauend.
    "Klingt nicht nach einer Frage. Aber ja, ich bin Lieutenant Neumann. Außer Dienst wie sie vielleicht bemerken.", antwortet er höflich. er sah Fraser fragend an, welcher nicht unbedingt so aussah als hätte er Ärger gemacht. Stattdessen rollte er kurz genervt mit den Augen, bevor sich sein Blick scheinbar interessiert Werners Begleitung widmete.
    "Offensichtlich Sir. Aber wir haben leider direkte Order alle Besatzungsmitglieder wieder an Bord der Columbia zu bringen."
    "Umgehend.", pflichtete ihn der zweite Bluthund zu. Werner sah die beiden skeptisch an.
    "Eine Nachricht hätte ja gereicht. Erscheint mir allzu umständlich.", erwiderte er kopfschüttelnd. Keine Reaktion.
    "Also gut. Ich müsste nur kurz meine Sachen holen, dann komme ich sofort.", verkündete er widerwillig, aber einsichtig.
    "Entschuldigen sie, Sir. Aber sie müssen leider sofort mitkommen. Das Gepäck kann man ihnen nachsenden.", sprach Bluthund 1.
    "Ja sicher, zusammen mit einer Schachtel Pralinen. Sagen sie, hat ihnen schonmal eine Frau mit Vollspann in die Eier getreten?", sagte Kathy, sich zornig nach vorne schiebend. Der Militärpolizist musterte sie unbeeindruckt von oben.
    "Danke für das Angebot Ma'am, aber ich bin leider im Dienst." Kathy wollte etwas sagen, aber ihr fiel tatsächlich nichts ein.
    "Werden die speziell rhetorisch geschult?", wisperte sie den anderen beiden zu. Sie wusste nicht genau was sie tun sollte, aber sie war wütend. Ihr Blick hätte vermutlich ein Schlachtschiff durchbohren können. Sie spürte Werners Hand auf ihrem Handgelenk.
    "Schon gut.", meinte er und sah Kathy eindringlich an. Diese presste die Lippen zusammen, nickte dann aber.
    "Habe ich einen kurzen Moment Gentleman?", fragte er höflich. Die beiden MP's blickten sich gegenseitig an, dann nickten sie.
    "Aber schnell." Werner nickte stumm. Er und die beiden Damen gingen ein paar Schritte beiseite.
    "Du kannst doch nicht sofort wieder verschwinden, du bist doch gerade erst angekommen.", meinte Kathy empört.
    "Denkst du mir das gefällt das? Irgendwas ist da los, keine Ahnung was. Ich finde es schnell raus und melde mich so schnell wie es geht.", versprach er und legte seine Hände auf Kathys Schultern. Diese sah unzufrieden auf nach unten, dann nickte sie verkniffen.
    "Und wann sehen wir uns wieder? In fünf Jahren?", entgegnete sie vorwurfsvoll, aber mehr niedergeschlagen.
    "So schnell ich kann, ich gebe dir mein Wort.", sagte er, ihren Kopf nach oben ziehend um sie ordentlich anzuschauen.

    Kathy nickte erneut knapp, worauf Werner zu Charis ging. Diese sah recht verwirrt aus, was er nachvollziehen konnte.
    "Nun Charis, es war leider ein sehr kurzes Vergnügen ich hoffe wir können das schnell wiederholen.", sagte er und umarmte die Asari herzlich.
    "Hat mich sehr gefreut. Sei so gut und pass bitte weiter auf sie auf.", sagte er leise während der Umarmung, mit Seitenblick auf Kathy.
    "Oh, und ich schicke dir meine Kontaktdaten. Dann musst du nicht wieder irgendwelche Kanäle bemühen falls was ist.", fügte er augenzwinkernd an.

    Nachdem er sich von Charis verabschiedet hatte trat er wieder vor Kathy welche mit verschränkten Armen da stand und die Militärpolizisten böse anschaute. Kurz schien sie Werner ignorieren zu wollen, dann drehte sie sich aber zu ihm um.
    "Da heißt es wohl Abschied nehmen. Ihr von der Allianz wisst wie man einen den Tag ruiniert.", meinte sie niedergeschlagen.
    "Scheinbar. Glaub mir, ich verpasse nicht gerne den Whirlpool.", erwiderte er. Kathy schmunzelte leicht.
    "Ja, das und noch vieles mehr. Die schulden dir einen Wahnsinnslandgang, weißt du?", sagte sie provokant.
    Dann legte sie plötzlich ihre Arme um seinen Hals, zog ihn zu sich herunter, ihre Lippen auf seine pressend.
    Werner erwiderte den Kuss, kurz fuhren seine Hände über ihren Rücken hinab bis zum Hintern der sich unter dem dünnen Stoff abzeichnete. Dann trennten sich ihre Lippen wieder, eine Reminiszenz an die Vergangenheit.
    "Komm bald wieder. Und pass auf dich auf!", verkündete sie ohne Widerspruch zuzulassen.
    "Mache ich. Ihr beide aber auch.", erwiderte er. Er winkte den beiden Damen noch zum Abschied, dann trat er zur Eskorte.
    "Captain.", sprach er an Fraser gewandt, "Ich nehme nicht an das wir erfahren worum es eigentlich geht?"

    Kathy sah noch kurz zu wie die Allianzsoldaten verschwanden, die blaue Hand von Charis ergreifend und kurz fest drückend.
    "Komm. Ich will nach Hause.", verkündete sie schließlich und seufzte deprimiert.
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  14. #74 Reply With Quote
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    Quote Originally Posted by Shepard Commander View Post
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    Mit leicht schief gelegtem Kopf betrachtete Hanna den Italiener. Er war Luceijas Bruder. Er kannte sie vermutlich schon ihr ganzes Leben und ihm war nie in den Sinn gekommen, dass eine vollgekokste und schon so kaum zurechnungsfähige Biotikerin nicht sonderlich gut auf das Überleben – von dem sie überrascht war – ihres Peinigers reagierte? Hanna kannte Luceija, wenn es überhaupt ein kennen war, gerade einmal von einem Kurzurlaub und diesem Treffen hier. Und selbst jetzt hielt sie die schwarzhaarige Schönheit trotz ihrer scheinbaren körperlichen Fragilität für psychisch wesentlich zerbrechlicher. Vermutlich war es die verblendende Liebe eines großen Bruders zu seiner kleinen Schwester, die seine Sicht der Dinge in einen leichten Schleier gelegt hatte – und dieser war nun weggeblasen.

    Gut, halten wir einmal fest, dass hier überhaupt keine abgetrennten Schädel übergeben werden. Wir sind ja nicht die Mafia“, sagte Hanna trocken. „Jetzt ist das sprichwörtliche Fass übergelaufen und wir müssen schauen, wie wir den Teufel wieder in die Kiste kriegen“, jonglierte sie mit Phrasen, die ihrer eigentlich fremd waren. „So, wie ich das sehe, ist Luceija momentan umringt von Feinden. Deshalb sollten wir sie isolieren, bevor sie etwas Dummes tut. Sobald Leif hier ist, sagen Sie ihr, dass Sie alles erklären werden, sobald wir im Hotel sind.“ Sie seufzte. Immerhin hatte sie sich so sehr auf einen entspannten Abend mit ihrem Cousin gefreut und das hier ähnelte eher der Arbeit. „Ich komme selbstverständlich mit und passe auf, dass Sie die Station lebend wieder verlassen…“ Das war nicht einmal ein Witz. Bei den Dolchen in Luceijas Augen wäre das Ableben eines gutausgehenden italienischen Gentlemans durchaus eine für sie befriedigende Aktion.
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    Leif


    Hanna


    i'm not done
    (still not done)
    [Video]

    ---

    Luci fiel mit einer gewissen Genugtuung auf, dass der Verlobungsring an ihrer dünnen Hand einen guten Schlagring abgab. Irgendwo mitten im Gerangel hatte sie ihren Bruder damit getroffen und eine kleine, blutende Wunde hinterlassen, die aber genauso gut von einem Treffer irgendwo sonst gegen sein Gesicht hätte sein können. Es färbte den roséfarbenen Stein in einen sanften Schleier aus Rot. Die Farbe, die sie sah. Durchgehend. Unmissverständlich nicht mehr dazu in der Lage war, diese überschäumende Rage zu zügeln, die sie regelrecht auf Vigilio springen und ihn zu Boden ringen ließen. Alles, was da war, war Geschrei, dass sie nicht einmal mehr selbst als Worte ausmachen konnte. Bissige, feuerbesetzte Worte, die alles in ihrer Umgebung niederfackelten und mit ihrem Gift dafür sorgen ließ, dass es sich nie wieder regenerierte. Mit Sicherheit war einem in Selbstbewusstsein badenden Mann wie Gil gegenüber niemals vorher eine Frau derart gewalttätig aufgetreten, aber er hätte es wissen sollen. Richtig? Kannte er nicht Luceija so viel besser als alle? Behauptete er das nicht ständig?

    Er wurde eines besseren überzeugt. Er schlug nicht mal zurück, sondern ertrug die Schläge, realisierte irgendwann vermutlich sogar, dass sie auf eine gewisse Weise gerechtfertigt waren, denn das, was er in ihren Augen sah die seien so ähnelten, war Hass. Blanker, tiefgreifend dunkler Hass. Und hatte nichts unschuldiges mehr an sich. Sich wehren? War trotzdem nicht drin. Er schrie zurück, fügte seine eigene Stimme in dieses laute, bedrängende Gewirr mit ein, mit hinein in die Unverständlichkeit italienischer Worte voller Temperament, an denen es gerade mit Sicherheit nicht fehlte. Er fasste immer wieder ihre sich aus dem Griff gewundenen Hände und Arme, blockierte sie, aber schlug nicht zurück. Auch wenn sie traf. Oft traf. Schmerzlich traf, unerwarteterweise.

    Luceija schrie. Schrie, als Hände sie aus dieser völlig blinden Rage zogen, aus dem Ziel, dem einzigen Ziel vor ihren Augen, dass sie nicht nur sprichwörtlich in seine Einzelteile zerfetzen wollte. Sie wollte ihm weh tun. Sie wollte ihm schaden. Sie hatte keine Feuerwaffen bei sich und es war gut so, denn sie hätte ihn erschossen ohne mit der Wimper zu zucken. Ihn. Dann Beyo. Fuck. Beyo. Dieser dreckige, rote, verfluchte Scheißalien.
    Wer auch immer wagte, sie ihrem Ziel zu entziehen, schaffte es. Zerrte sie von Gils Körper, während sie zappelte, sich wandte und schrie, nachtrat und ihrem 'Entführer' austeilte, bis sie glaubte, er würde loslassen. Sie sah nicht, wer es war, obwohl es eindeutig hätte sein müssen. Sie sah nichts mehr. Blind vor Wut. Wie eine völlig irre und außer Kontrolle geratene Maschine, die nur noch diesen einzigen Zweck fand: Ihrem eigenen Bruder den Hals umzudrehen.

    Ihm. Und dann ihm.



    Vigilio starrte dieser wildgewordenen Bestie einer Schwester entsetzt, genervt und verwirrt nach. Schnell spielte er sich wenigstens auf seinen Unterarm. Und bemerkte erst viel zu spät, dass sein Körper auf den Schmerz reagierte, jetzt, wo ihm eine Minute Zeit gegeben wurde, ihn zu spüren.

    Während er Leif dabei zusah, wie selbst er nur mit Mühe Luci von ihm wegriss, als wolle sie sich gleich in seinem Hals verbeißen, war ihm mehr als nur deutlich, dass er sie nicht wiedererkannte. Dass DAS-...war es das, was er sich vorgestellt hatte? Die Offenbarung darüber, dass ihre Psyche völlig abseits der Normalität rotierte sollte ihn kaum schockieren, denn es war exakt, zu was er sie noch Minuten zuvor gemacht hatte. Doch es zu sehen...SO zu sehen...? Er war nicht mehr unverwundbar. Er war nicht der Punkt, an dem sie anhielt. Er war kein Hindernis mehr.

    Gil schaffte sich zurück auf die Beine - auch dank Hanna, die plötzlich da war und ihm mit aufhalf. Er sah nicht, wie sich Blut unter seinem Anzug auf dem Boden verschmiert hatte, sondern folgte ihr sofort mit einem knappen "Danke.". Sie verließen die Sitzecke und er verbrachte keine überflüssige Sekunde damit, die Zeugen dessen zu mustern. Das hier-..war nicht gut. Überhaupt nicht gut.
    Luft bekam er erst, als sie draußen waren und wenigstens Hanna absichern konnte, dass sie keine Neugierigen mit sich zogen. Das Adrenalin des Italieners war auf Anschlag. "Fuck, das kann nicht Ihr ernst sein! Aus der Welt schaffen? Das verdammte Biest hat völlig den Verstand verloren, die sieht nicht mal mehr klar, wenn Sie ihr Vhans abgetrennten Schädel in die Hände drücken!", pfiff er aus und hustete unwillkürlich etwas Blut auf einen völlig sauberen, blankgeputzten Citadelboden. Er widerte sich selbst mit dem Anblick an, griff instinktiv in sein Gesicht, eben dorthin wo es warm war und entdeckte wenigstens eine Quelle des Blutes. Er verzog das Gesicht als er sah, dass sein Hemd verschmiert war. Dabei half kaum, dass sein Hirn noch mit dem Alkohol zurechtkommen musste.
    "Wie eine-...verdammte Furie!", beklagte er sich, als wäre das Verhalten gänzlich aus dem Nichts gekommen.
    "Ich wusste, dass sie nicht ganz normal ist, aber ich hatte wenigstens geglaubt, dass sie den Unterschied zwischen Freund und Feind noch erkennt!"
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    Seine Gedanken begannen allmählich ähnlich zu rasen wie die seiner Schwester. Aber im Vergleich zu ihr war er noch 'da', sein Verstand hatte nicht ausgesetzt und ihn als leblose Hülle zurückgelassen. Wenigstens jedoch etliche Gefühle mischten sich neu durch - ja, vielleicht war es korrekt, vielleicht war der Schleier gelüftet der ihn eine verklärte Sicht auf die Jüngere hatten haben lassen. Vielleicht aber auch nur zur Seite gelegt. Was wusste er schon.
    Die Beziehung zu seiner Schwester war schon immer seltsam gewesen. Einzigartig? Dass eine gewisse Liebe existierte war offensichtlich, eine gewisse Abhängigkeit hingegen ging eher seinerseits aus als von ihr, was schlicht alleine an der Tatsache lag, dass sie für ihn 'ständig da' war, auch wenn nicht immer physisch - er für sie jedoch erst vor kurzer Zeit wieder in ihr Leben getreten war. Die Änderung der Tatsache, dass sie wieder physisch in seinem Leben war, war für ihn...perfekt? Und bedeutete ihm mehr als er nach außen hin zeigte. Sogar ihr. Vielleicht brauchte er das als Selbstschutz. Man sah ja, wohin es führen konnte.

    Jetzt dachte er mit einer weitestgehend für ihn Fremden darüber nach, wie er Luceija 'beruhigen' konnte und tat damit das, was ihr am Meisten gegen den Strich ging: Über ihren Kopf hinweg zu entscheiden, weil man sie für nicht zurechnungsfähig hielt. Trotzdem schien es für ihn die richtige Vorgehensweise zu sein. Er hatte sie doch gesehen. Ihre Augen. Dieses schwachblaue Flickern von sich ankündigender Biotik. Der Wille, ihm ernsthaft etwas antun zu wollen. "Das hab ich damit auch nicht sagen wollen.", kommentierte Vigilio Hannas Mafia-Anekdote mit einem hörbaren Augenrollen. Dass die Sizilianerin nicht verstehen würde, wenn er ihr erklären würde, dass selbst IHM die Hände in der Beyo-Sache gebunden waren, war ein Fakt der ihn störte. Ihn am Liebsten die Erkenntnis ins Hirn seiner Schwester einhämmern würde, doch wie? Isolation? Vielleicht. Egal was er entschied, es hatte nur bedingte Kraft, solange Leif ebenfalls mitentschied. Meist dachten sie zwar im selben Sinne, aber jetzt, wo Luci so gegen ihn schoss, war ihm nicht klar, ob das noch gegeben war.

    Er dachte länger als nötig darüber nach und sah so offensichtlich dabei nach Luceijas Bruder aus wie man es nur offensichtlich machen konnte. Er dachte unbewusst auf dieselbe Weise darüber nach und spiegelte ein Bild, dass er nicht vor Augen hatte. Was Hanna jedoch sagte, ließ ihn auf- und sie direkt anblicken. Nicht lebend von der Station zu kommen, war das...eine realistische Gefahr? Er wog sie sekündlich mit dem Bild ab, dass er von der wutgeladenen Furie vor sich gehabt hatte, die ihm wie das personifizierte Dunkel entgegen gesprungen war. Ja. Möglich. Oder?
    Vigilio lachte freudlos. Aber nickte. "Bleiben jedenfalls nicht viele Alternativen. Nagut.", sagte er. Den Blazer nahm er von seinen Schultern und nutzte den sauteuren Stoff um sich etwas Blut aus dem Gesicht zu wischen, dass ihn sichtlich störte. Einen neuen Anzug konnte er sich so oder so besorgen. Der hier war durch.
    "Dann bestell ich ein Skycar und wir hauen hier ab. Zwei...zwei Skycars. Zwei.", wiederholte er, als mache er sich selbst klar, dass diese Wahl besser war und war sofort dran, zwei davon zu bestellen, die in Kürze in ihre Nähe an einen Rapid Transit Punkt andocken würden um sie einsteigen zu lassen. Sie mussten nur ein bisschen Geduld haben. "Entschuldigen Sie Hanna, der Abend hätte so wirklich nicht ausgehen sollen.", entschuldigte er sich auf eine Weise, als habe seine Tochter jemandem den Wagen zerkratzt.


    Es kostete Leif unerwartet viel Kraft, Luceija aus der sich nur ungern spaltenden Menschenmenge zu tragen. Zur gleichen Zeit war er negativ beeindruckt davon, wie wenig die Leute gegen einen riesigen Kerl taten, der eine Frau wegschleppte, als sei er mit ihr auf dem direkten Weg in seine Höhle. Sicher, jene Personen, die mit angesehen hatten was passiert war kannten seinen Grund, aber der Rest? Er dachte nicht weiter darüber nach, suchte den Ausgang und konnte sich unter seinem Adrenalinschub kaum recht orientieren, als er Hanna mit Gil aus eben jenem dringend gesuchten Ausgang rauschen sah. Doch bevor er Luceija einen Blick auf dieses Bild gewährte, geschweige denn seiner Cousine und Vigilio folgen wollte, stellte der Schwede seine Verlobte auf die Füße, zerrte sie ungewöhnlich grob herum und band sie mit einem festen Griff an ihren Schultern an sich.
    "Luceija, ich weiß WIE beschissen wütend du bist, aber wir sind hier in aller Öffentlichkeit, die nicht darüber hinwegsehen wird, wenn du deinen Bruder umbringst, also reiß dich wenigstens für eine, nur EINE VERDAMMTE SEKUNDE ZUSAMMEN, OKAY?!", zischte er und schrie ein wenig, denn anders kam er nicht über die lauten Gespräche hinweg. Er schüttelte sie regelrecht. "Du weißt, dass ich auf deiner Seite bin, Himmel, aber-...nicht hier! Wir sind am Arsch, wenn du das jetzt bringst. Wirklich und restlos am Arsch!"
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    Quote Originally Posted by AeiaCarol View Post
    Es kostete Leif unerwartet viel Kraft, Luceija aus der sich nur ungern spaltenden Menschenmenge zu tragen. Zur gleichen Zeit war er negativ beeindruckt davon, wie wenig die Leute gegen einen riesigen Kerl taten, der eine Frau wegschleppte, als sei er mit ihr auf dem direkten Weg in seine Höhle. Sicher, jene Personen, die mit angesehen hatten was passiert war kannten seinen Grund, aber der Rest? Er dachte nicht weiter darüber nach, suchte den Ausgang und konnte sich unter seinem Adrenalinschub kaum recht orientieren, als er Hanna mit Gil aus eben jenem dringend gesuchten Ausgang rauschen sah. Doch bevor er Luceija einen Blick auf dieses Bild gewährte, geschweige denn seiner Cousine und Vigilio folgen wollte, stellte der Schwede seine Verlobte auf die Füße, zerrte sie ungewöhnlich grob herum und band sie mit einem festen Griff an ihren Schultern an sich.
    "Luceija, ich weiß WIE beschissen wütend du bist, aber wir sind hier in aller Öffentlichkeit, die nicht darüber hinwegsehen wird, wenn du deinen Bruder umbringst, also reiß dich wenigstens für eine, nur EINE VERDAMMTE SEKUNDE ZUSAMMEN, OKAY?!", zischte er und schrie ein wenig, denn anders kam er nicht über die lauten Gespräche hinweg. Er schüttelte sie regelrecht. "Du weißt, dass ich auf deiner Seite bin, Himmel, aber-...nicht hier! Wir sind am Arsch, wenn du das jetzt bringst. Wirklich und restlos am Arsch!"


    Ihr Wehren hatte erst dann ein jähes Ende, als er nachgab und sie zurück auf die Füße stellte. Ja, es musste aussehen, als schleppe ein Wikinger eine Besessene aus der Menge und wohin auch immer in ein Versteck, dass niemand mehr ausmachen konnte. Doch zugegeben hätten viele anderer ihrer gemeinsamen "Momente" ebenfalls falsch interpretiert werden können, das schien schon beinahe zur Natur der Sache zu gehören. Zuschauer oder Leute, die sich eingemischt hätten, wäre sie wohl ebenso angegangen wie jetzt Leif, der sie wiederum erneut an den Schultern hielt und dabei lächerlich groß im Verhältnis wirkte. Nur schien es der Schwarzhaarigen nichts zu machen. Es sie nicht mal zu jucken was er da wirklich sagte, denn kaum, dass er sie mehr oder weniger angeschrien hatte, lachte sie schäbig, noch bevor er gänzlich damit fertig war. Witzigerweise sehr ähnlich falsch zu ihrem Bruder auf der anderen Seite des Eingangs, drüben bei den Panoramafenstern. "Wissen?! Du weißt GARNICHTS!", schnauzte sie ihn an wie eine, definitiv, völlig Irre. Es sprach noch mehr aus ihren Augen als aus ihrem Mund.
    "Hör auf - ihn zu decken!", schrie sie zurück - da war so viel Wut, dass ihr das Sprechen schwerfiel. "SAG MIR WO DAS ARSCHLOCH HIN IST!", machte sie ihm klar, was erste Priorität war und flackerte immer noch auf diese nahezu unsichtbare, extrem blassblaue Weise, die mehr einem magnetischen Feld ähnelte und weder etwas halbes noch ganzes war.
    Luceija is offline

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