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Journalismus im Konflikt zwischen schneller Berichterstattung und Seriosität

  1. #1 Reply With Quote
    Ritter
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    Quote Originally Posted by Harbinger View Post
    https://www.grin.com/document/107933

    Spricht die taz zwar nicht von jeglicher Schuld frei, zeigt aber schon recht deutlich, dass du vielleicht mal deine Fakten checken solltest, ehe du von "frei erfundenen propagandistischen Geschichtchen" erzählst.
    Das spricht die taz (und allen anderen) von keiner Schuld frei.

    "Jeder Journalist, dem die Geschichte eigenartig vorkommt und der Zweifel anmeldet, läuft nun Gefahr als ein Ausländerfeind bezeichnet, bzw. beschuldigt zu werden „auf dem rechten Auge blind“ zu sein. So geraten die übrigen Tageszeitungen, die vorher von dem Vorfall nichts gewusst haben, unter enormen Druck.
    So geraten die übrigen Tageszeitungen, die vorher von dem Vorfall nichts gewusst haben, unter enormen Druck. Die Journalisten befinden sich plötzlich in einem Dilemma: ihre Skepsis gegenüber dem Fall steht im Konflikt zu den objektiven Indizien wie z. B. der Festnahme der drei Jugendlichen und den Zeugenaussagen. Zusätzlich wird auf die Journalisten Druck von den Redaktionschefs ausgeübt. Es besteht der Anspruch an die Zeitung, auch über den Vorfall Bescheid zu wissen und darüber zu berichten um damit ihre vorherige Unwissenheit zu überdecken[3]"


    Das kann doch wohl kein Maßstab sein. Wenn das der Maßstab sein soll, wäre bei jedem Thema, bei dem man Gefahr laufen könnte, einer bestimmten Ideologie oder ähnlichem zugeordnet werden zu können, lieber erst mal halbseicht ermittelt und schnell was schreibt, weil man als Medium ja Bescheid wissen muss und nicht mal ansatzweise darüber nachdenkt oder überhaupt nachdenken will, was für Konsequenzen solche Meldungen haben könnten. Auflage ist wichtiger, als das Leben einzelner, denen man u.U. mit einer Falschmeldung das Leben zur Hölle macht. Keine Entschuldigung, keine Berichtigung. Nichts.
    Aber auch hier zeigt sich: Anderen Fehler vorzuwerfen ist einfach. Zu eigenen Fehlern zu stehen aber sehr schwer. Heftig diskutiert, aber keine Konsequenz. Lieber nicht davon berichten, dass wir alle heftig gelogen haben und nicht mal ansatzweise über den Fall bescheid wussten, wer weiß wie glaubwürdig uns sonst die Leser noch halten werden. Man kann es festhalten, wie es ist. Sie haben es ausgesessen, allesamt. Also nicht nur die von der TAZ. Journalisten machen keine Fehler. Und wenn, werden sie nur zugegeben, wenn man es muss, wenn man gerichtlich dazu gezwungen wird. Und auch wenn bei anderen schnell Rücktritte gefordert werden oder gar Berufsverbot, für sich selbst würde das keiner fordern. Menschlich. Aber eben auch Messen mit zweierlei Maß. Moralvorstellungen verlieren oft ihren Wert, wenn es um sich selbst geht. Geht ja auch um was. Gibt man es erstmal zu, kann geklagt werden. Kann einer Zeitung den Kopf kosten. Und es ist sicher keine Entschuldigung, wenn man schreibt, aber die anderen haben ja auch.
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  2. #2 Reply With Quote
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    Quote Originally Posted by Stiller Leser View Post
    Das spricht die taz (und allen anderen) von keiner Schuld frei.

    "Jeder Journalist, dem die Geschichte eigenartig vorkommt und der Zweifel anmeldet, läuft nun Gefahr als ein Ausländerfeind bezeichnet, bzw. beschuldigt zu werden „auf dem rechten Auge blind“ zu sein. So geraten die übrigen Tageszeitungen, die vorher von dem Vorfall nichts gewusst haben, unter enormen Druck.
    So geraten die übrigen Tageszeitungen, die vorher von dem Vorfall nichts gewusst haben, unter enormen Druck. Die Journalisten befinden sich plötzlich in einem Dilemma: ihre Skepsis gegenüber dem Fall steht im Konflikt zu den objektiven Indizien wie z. B. der Festnahme der drei Jugendlichen und den Zeugenaussagen. Zusätzlich wird auf die Journalisten Druck von den Redaktionschefs ausgeübt. Es besteht der Anspruch an die Zeitung, auch über den Vorfall Bescheid zu wissen und darüber zu berichten um damit ihre vorherige Unwissenheit zu überdecken[3]"


    Das kann doch wohl kein Maßstab sein. Wenn das der Maßstab sein soll, wäre bei jedem Thema, bei dem man Gefahr laufen könnte, einer bestimmten Ideologie oder ähnlichem zugeordnet werden zu können, lieber erst mal halbseicht ermittelt und schnell was schreibt, weil man als Medium ja Bescheid wissen muss und nicht mal ansatzweise darüber nachdenkt oder überhaupt nachdenken will, was für Konsequenzen solche Meldungen haben könnten. Auflage ist wichtiger, als das Leben einzelner, denen man u.U. mit einer Falschmeldung das Leben zur Hölle macht. Keine Entschuldigung, keine Berichtigung. Nichts.
    Ich finde, hier gehst du in deiner Interpretation zu weit. Dein Zitat beschreibt das Dilemma, in dem sich Journalisten seit jeher befinden, da hat sich auch mit dem Aufkommen der sozialen Medien prinzipiell nichts geändert. Gut, das Tempo hat sich erhöht, Entscheidungen, ob man den Artikel veröffentlicht oder nicht, müssen in immer kürzeren Zeiten getroffen werden, da schleichen sich gewiss auch mehr Fehler ein.
    Keine Frage, es war ein fehler nicht selbst zu recherchieren und danach keine Richtigstellung zu veröffentlichen. Aber dein Zitat rechtfertig dieses Vorgehen keinesfalls.
    smiloDon is offline

  3. #3 Reply With Quote
    Ritter
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    Nur ein Hinweis von mir: Der von oben genannte Beitrag war als Antwort auf einem Beitrag in einem anderen Thread gedacht. Daraus ist jetzt ein eigener Thread geworden.

    Quote Originally Posted by smiloDon View Post
    Ich finde, hier gehst du in deiner Interpretation zu weit. Dein Zitat beschreibt das Dilemma, in dem sich Journalisten seit jeher befinden, da hat sich auch mit dem Aufkommen der sozialen Medien prinzipiell nichts geändert. Gut, das Tempo hat sich erhöht, Entscheidungen, ob man den Artikel veröffentlicht oder nicht, müssen in immer kürzeren Zeiten getroffen werden, da schleichen sich gewiss auch mehr Fehler ein.
    Keine Frage, es war ein fehler nicht selbst zu recherchieren und danach keine Richtigstellung zu veröffentlichen. Aber dein Zitat rechtfertig dieses Vorgehen keinesfalls.
    Nein, rechtfertigen nicht. Aber es relativiert. Überspitzt gesagt soll man Mitleid mit Journalisten haben, weil sie es so schwer haben.
    Das, was da steht, könnte aber genauso auch vieles anderes sinngemäß beschreiben. Politiker, Firmen, Behörden und sie können sich alle auf das berufen. Sie haben allerdings einen Nachteil. Andere werden aus diesen Fehlern einen Strick drehen. Aufgabe von Journalisten ist es u.a. Fehler aufzudecken. Sie werden besonders dabei sein. Sei es aus ideologischen Gründen, aus moralischen oder finanziellen Gründen (Auflage, Fehler von anderen machen sich immer gut).

    Dabei sind Fehler von Journalisten genauso weitreichend und zerstörerisch und man kann sich kaum dagegen wehren. Können und haben sicherlich durch fehlerhafte oder falsche Meldungen schon etliche Existenzen zerstört. Aber wie es nun mal so ist mit moralischen Instanzen. Das rankommen an Moralischen Instanzen gestaltet sich mitunter schwierig. Da herrscht innerhalb einer moralischen Instanz sogar fast ein Nichtangriffspakt.
    Stiller Leser is offline

  4. #4 Reply With Quote
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    Es kann immer vorkommen das ein Journalist etwas schreibt das entweder komplett frei erfunden ist, wie zB im Fall Relotius, oder nur die halbe oder verfälschte Wahrheit darstellt, wie in unzähligen anderen Fällen. Wenn so etwas unbeabsichtigt passiert, dann ist es Sache des Journalisten den Sachverhalt klarzustellen, ist es absichtlich passiert (wie bei Relotius), dann ist es Sache der zuständigen Redaktion für eine Richtigstellung zu sorgen.
    Im Falle Relotius zB hat sich der Spiegel sehr um Richtigstellung bemüht, ähnliches hat der Stern damals im Falle der gefälschten Hitlertagebücher getan.

    Ein anderer Fall sind eher ideologisch geprägte Nachrichtenportale, wie zB die berüchtigte taz oder Tichys Einblick, ich denke da muss jeder für sich selbst entscheiden was man von den dortigen News als seriös erachtet und was nicht.
    Undweil Hass sich niemals verbraucht, nie aufhört oder von alleinverschwindet, macht er immer so weiter, genau wie ein Tier, das zwarkeinen Hass kennt, aber seinen Reflexen ausgeliefert ist. Menschenalso, in denen ein tiefer Hass brennt, dessen eigentliche Ursache sieaber nicht verstehen wollen, sind am Ende dieser Kette eheranimalisch als human. Das ist auch so, wenn sich dieser Hasspolitisch ausdrückt.“
    Peregrine is offline

  5. #5 Reply With Quote
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    Quote Originally Posted by Stiller Leser View Post
    Nein, rechtfertigen nicht. Aber es relativiert.
    Was relativiert er, die Schuld der Journalisten? Aber die ist ja auch unterschiedlich, da gibt es kein Schwarz oder Weiß. Denn das Verhalten der Bild-Redakteure ist sicherlich nochmal anders zu bewerten als das der taz-Redakteure. Ich kann also nicht erkennen, was daran schlecht sein soll.
    Quote Originally Posted by Stiller Leser View Post
    Überspitzt gesagt soll man Mitleid mit Journalisten haben, weil sie es so schwer haben.
    Das, was da steht, könnte aber genauso auch vieles anderes sinngemäß beschreiben. Politiker, Firmen, Behörden und sie können sich alle auf das berufen. Sie haben allerdings einen Nachteil. Andere werden aus diesen Fehlern einen Strick drehen. Aufgabe von Journalisten ist es u.a. Fehler aufzudecken. Sie werden besonders dabei sein. Sei es aus ideologischen Gründen, aus moralischen oder finanziellen Gründen (Auflage, Fehler von anderen machen sich immer gut).
    Auch da gehst du imo zu weit. Ich finde, das Zitat schildert recht neutral das Dilemma der Journalisten, in dem sie sich häufig befinden. Und ja, solche Dilemmas gibt es wahrscheinlich in jedem Beruf mit Verantwortung. Aber dem hat man sich zu stellen.
    Allerdings denke ich nicht, dass solche Fehler ohne Konsequenzen bleiben. Zumal die Redaktion der taz einräumt, dass ihr in ihrer Berichterstattung teilweise schwerwiegende Fehler unterlaufen sind. Dass sie dennoch auf einen Richtigstellung verzichtet, ist aber in der Tat enttäuschend.
    smiloDon is offline

  6. #6 Reply With Quote
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    Quote Originally Posted by smiloDon View Post
    Was relativiert er, die Schuld der Journalisten? Aber die ist ja auch unterschiedlich, da gibt es kein Schwarz oder Weiß. Denn das Verhalten der Bild-Redakteure ist sicherlich nochmal anders zu bewerten als das der taz-Redakteure. Ich kann also nicht erkennen, was daran schlecht sein soll.
    Es geht um Ereignisse. Ob man vom Ereignis von einer anderen Zeitung erfahren hat oder nicht, spielt doch keine Rolle. Wozu sollte das wichtig sein? Es hätte eine Rolle gespielt, wenn man das ganze als das, was es war, aufgedeckt hätte. Aber so hat man sich einfach drangehangen. Hätten sie alle ihre Arbeit gemacht, hätten sie der Bild vors Knie schießen können. So waren es Mitläufer ohne Gewissen. Da gab es nichts mehr zu verurteilen. Wie wollte die taz oder die anderen der Bild auch nur irgendwas vorwerfen?

    Quote Originally Posted by smiloDon View Post
    Auch da gehst du imo zu weit. Ich finde, das Zitat schildert recht neutral das Dilemma der Journalisten, in dem sie sich häufig befinden. Und ja, solche Dilemmas gibt es wahrscheinlich in jedem Beruf mit Verantwortung. Aber dem hat man sich zu stellen.
    Allerdings denke ich nicht, dass solche Fehler ohne Konsequenzen bleiben. Zumal die Redaktion der taz einräumt, dass ihr in ihrer Berichterstattung teilweise schwerwiegende Fehler unterlaufen sind. Dass sie dennoch auf einen Richtigstellung verzichtet, ist aber in der Tat enttäuschend.
    Dieses Dilemma haben, wie Du sagst, alle. Das ist nichts besonderes, nichts hinter dem man sich verstecken darf. Dennoch müssen sie ihre Arbeit machen. Bei entsprechenden Berufen kann man sogar besondere Sorgfalt erwarten. Dieses kann man auch von Journalisten sagen, da es dabei um Existenzen geht.
    Das man sich dem stellen muss, liegt auf der Hand. Nur wie es die Redaktion der taz gesagt hat: Du sagst eingeräumt, ich sage es interessiert sie nicht die Bohne, haben ja nichts zu befürchten. Pech gehabt, versuchen das nächste mal genauer hinzuschauen. Selbst fordern sie gerne Konsequenzen, die nicht hart genug sein können, aber bei Medien bekommt man sie kaum mit. Eine Institution versucht bei Fehlern in aller Regel sich selbst zu schützen.

    Die katholische Kirche räumt auch ein, dass es Missbrauchsfälle gibt. Journalisten arbeiten IMMER mit scharfer Munition. Da geht es um öffentliche Hinrichtungen. Man sollte schon genau bescheid wissen, bevor eine öffentliche Hinrichtung erteilt wird. Nichtmal für eine winzige Gegendarstellung hat es gereicht, die man sowieso hätte suchen müssen und die meisten bekommen nicht mal mit, dass gelogen wurde, dass sie die Balken bogen.

    Ich gehe davon aus, dass die meisten Journalisten genauso einfach ihren Job machen wollen und hoffentlich eine gute Arbeit leisten wollen. Aber ich würde mir schon erhoffen, dass ab und an die Tonlage weniger aggressiv sein könnte, zumal sie selbst wissen, welche Böcke sie geschossen haben und wie sie selbst mit eigenen Fehlern umgehen und welche Konsequenzen die Fehler bei anderen hatten. Man bittet selbst um Gnade, weil Fehler passieren können, aber bei anderen kann nicht hart genug drauf geschlagen werden, wenn Fehler vermutet werden. Je reißerischer der Titel, umso besser.
    Stiller Leser is offline

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