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    Post [Story]Kolonie der Verzweifelten

    Spoiler:(zum lesen bitte Text markieren)
    Grüße.
    Immer nach dem Gothic spielen juckts mir in den Fingern, und diesmal wollte ich einfach ernst machen. Dementsprechend versuche ich jetzt mal, was semiregelmäßiges auf die Beine zu stellen. Ich verspreche nichts! Kritik sehe ich auf jeden Fall gerne.


    Aziz schrak aus seinen Gedanken auf, als er das Klopfen an der Tür hörte. Ihm gegenüber saß seine Mutter, fragende Blicke zu seinem Vater werfend. Wer könnte zu so später Stunde noch unterwegs sein und ihr Abendessen stören? Während sein Vater aufstand und zur Tür ging, dachte Aziz über die Situation nach. Sie kam ihm so seltsam vertraut vor. Beinahe als könnte er vorausahnen, was als nächstes geschehen würde.
    Wie er erwartet hatte, rumpelte es an der Tür, ein erstickter Ruf, er sprang auf, beinahe wie eine Marionette. In den Augen seiner Mutter las er nun Furcht, und diese Furcht sprang auf ihn über. Männer betraten ihr Wohnzimmer. Aziz, festgefroren wie die Wüstenmaus vor der Schlange, tat nichts, als der Mann näher kam.
    “Er und seine Frau werden hingerichtet, aber sein Sohn ist erwachsen und kann in die Minen.”
    Er sah den Tritt eher, als dass er ihn fühlte. Seine Mutter begann zu weinen. Sein Oberkörper kippte nach vorne. Das merkwürdige Gefühl des endlosen Fallens machte ihn ganz benommen.
    Seine Augen öffneten sich schlagartig.
    “Wir sind da. Hoch mit dir!”
    Er brauchte etwas Zeit, bis er in seinem verschwommenen Blickfeld den Mann erkannte. Ein königlicher Soldat, seine Rüstung war dieselbe wie an jenem Abend. Etwas verwirrt sah er sich um und die Erkenntnis drängte sich langsam in sein Bewusstsein. Der Soldat hatte ihn getreten. Er war immer noch auf dem Gefangenenschiff.
    “Hey, hör auf zu glotzen und komm in die Gänge.”
    Ein weiterer unsanfter Tritt. Aziz erhob sich langsam und beinahe automatisch. Der Soldat zog weiter zum nächsten Gefangenen und motivierte diesen ebenso grob.
    Nachdem die Gefangenen alle der Reihe nach angekettet worden waren, setzte sich die Kolonne in Bewegung. Vom Hafen, an dem ihr Schiff angelegt hatte, ging es durch eine kleine Hafenstadt direkt zum Tor. Die Bürger beachteten die Gefangenen nicht einmal, und Aziz konnte es ihnen nicht verdenken. Er hatte früher auch die Sklaven, mit denen sein Vater handelte, ignoriert.
    Als sie zum Tor hinaus waren, setzte die Erschöpfung wieder ein. Die Überfahrt hatte unzählige Tage gedauert, und doch konnte er sich kaum an irgendetwas Spezifisches erinnern. Wie zähes Pech floss die Zeit dahin, und Aziz war sich sicher, dass er sich am Ende auch nicht an die Wanderung durch die Wälder von Khorinis erinnern konnte. Den Namen der Stadt und Insel kam aus dem Nebel der letzten Monate.
    Der Wald blieb zurück, und Aziz fiel erst jetzt auf, was man schon aus weiter Ferne hätte sehen können: Eine gigantische, leicht blaue Kuppel. Er war nicht der einzige, der über die Ausmaße staunte. Ihnen allen wurde klar, was für drastische Schritte der König unternommen hatte, um an das Erz zu kommen. Das war also die Barriere, Aziz hatte es immer für ein Märchen gehalten. Wer hier hineingeworfen wurde, war praktisch tot. Niemand von ihnen würde je wieder ein Fuß auf das Festland setzen.
    Schließlich machte der Zug mitten in der Felsenlandschaft halt. Die Soldaten lösten einzeln die Fesseln der Gefangenen, und ein Mann mit einem der Situation vollkommen unangepassten, lächerlichen Hut begann ihre Urteile zu verlesen. Als einer der letzten der Schlange erkannte Aziz, dass die Urteile alle gleich lauteten, lediglich das Verbrechen und der Name des Gefangenen wurden ergänzt. Aber alles hatte seine Ordnung. Ein Lehrstück des myrtanischen Gerichtswesens.
    Während der Richter stoisch seine Urteile verlas, machten sich die Soldaten eine Spaß daraus, Wetten abzuschließen. Anscheinend musste jeder Gefangene hinab in den See springen und passierte dabei die Barriere. Die Soldaten wetteten nun, ob die Gefangenen freiwillig sprangen oder gestoßen werden mussten. Manche heulten vor Angst, wegen dem Wasser oder der Höhe, und es schien den Soldaten am meisten Spaß zu machen, solche Leute hinunterzuschubsen.
    Als Aziz an der Reihe war, konnte er unten schon einige Leute stehen sehen. Neben den Gefangenen, die langsam aus dem See krochen, standen dort Männer in roten Rüstungen, die die Situation beobachteten. Von der Aussicht auf sein neues Leben war er so abgelenkt, dass er nicht mitbekam, wie der Redefluss des Richters aufhörte. Er bekam einen Stoß in den Rücken, begleitet von hämischen Lachen. Dann kam wieder dieses Gefühl des ewigen Fallens und dann nichts.

    Als er wieder zu sich kam, lag er in seinen nassen, abgewetzten Klamotten auf weichem Sand. Zum zweiten Mal an diesem Tag fühlte sich Aziz vollkommen desorientiert, aber in dem harten Gesicht, in das er blickte, lagen mitfühlende Augen. Der Mann, der einer der wichtigen Leute mit den roten Rüstungen war, nickte zufrieden.
    “Hätte mich auch gewundert, wenn die Leute in der Wüste das Schwimmen lernen.”
    Als Aziz erkannte, dass der Mann klitschnass war, hatte dieser sich schon abgewandt.
    “Willkommen in der Kolonie.”
    Immer noch benommen setzte sich Aziz auf und prägte sich das Gesicht des Mannes ein, der ihn gerettet hatte. Er ging hinüber zur Traube der Gefangenen. Hier mussten sie nicht mehr angekettet werden, eine Flucht war ausgeschlossen. Der Zug setzte sich wieder in Bewegung und Aziz folgte ihm aus Gewohnheit.
    Von dem Schock des Wasser etwas wacher als zuvor betrachtete er seine neue unfreiwillige Heimat. Ein unbefestigter Weg schlängelte sich zwischen den Felsen entlang. Obwohl die Hänge an den Seiten durchaus Möglichkeiten zur Flucht boten, schienen die Gardisten nicht mit Flüchtenden zu rechnen. Ganz im Gegenteil, sie liefen lässig vor und hinter den Gefangenen und unterhielten sich, als wäre das hier Normalität.
    Der Weg ging immer weiter bergab, bis in der Ferne zwei große Türme in Sicht kamen. Die von der Abendsonne beschienene Burg, zu der sie gehörten, war von einer großen Palisade umgeben. Vor der Burg galt es noch einen Fluss zu überqueren, ein Naturschauspiel, was Aziz nicht von zu Hause kannte, sondern nur darüber gehört hatte. Fasziniert sah er den Wassermassen zu, aber es war keine Zeit zum Stehenbleiben.
    Die Gruppe passierte eine Brücke und dann ein großes Tor. Schon standen sie im geschäftigen Treiben, das zwar nicht ganz mit Mora Sul vergleichbar war, dennoch eine willkommene Abwechslung zu der Verzweiflung und Niedergeschlagenheit war, die in dem Bauch des Sklavenschiffes geherrscht hatten.
    Ein Mann kam näher, seine Aufmachung ähnelte den Leuten, die sie bis hierher eskortiert hatten. Seine Hose wurde jedoch von einem auffälligen rot-grauen Viereckmuster gekennzeichnet. Ein kurzer Blick verriet Aziz, dass es sich dabei auch um eine Art Rangabzeichen handeln musste, denn mehrere Leute trugen diese Art Rüstung.
    “Das sind die Neuen? Gut.”
    Ein forschender Blick wurde jedem Neuankömmling zuteil. Aziz wusste nicht, wonach der Mann suchte, aber er schien zufrieden zu sein. Die Soldaten zerstreuten sich.
    “Augen auf mich. Ich bin Vasco, und das hier ist das alte Lager, eure neue Heimat. Ihr seid hier, weil ihr Erz schürfen sollt. Was auch immer der Grund ist, warum ihr hier gelandet seid, eins ist klar: Der König gibt einen Scheiß, was mit euch passiert, solange er sein Erz bekommt.”
    Aziz merkte an der Art, wie Vasco sprach, dass die Rede eingeübt und bereits häufiger gehalten worden war. Ein paar der anderen Sträflinge taten aber verhalten ihre Zustimmung kund, und er konnte es ihnen kaum verübeln. Sie alle waren ehemalige Untertanen von Rhobar dem Zweiten, daher war ihr Hass kaum verwunderlich.
    “Im Gegensatz dazu ist der Erzbaron Gomez an eurem Wohlbefinden interessiert. Auch er will das Erz, aber im Gegenzug zum König werdet ihr von ihm etwas abbekommen. Als Vertrauensvorschuss erhaltet ihr heute eine Mahlzeit und eine Hütte. Dafür erwartet Gomez aber fleißige Arbeit, damit er das Erz für die Nahrung eintauschen kann, die dann morgen auf eurem Teller liegt.”
    Der Zweck der Rede war Aziz völlig offensichtlich. Der Redner versuchte ein Wir-gegen-Die-Gefühl zu beschwören, um die Sträflinge auf ihren neuen Anführer Gomez einzuschwören. Trotz dieses Wissens war die Aussicht auf Essen und Ruhe mehr als genug, um ihn bei der Stange zu halten.
    “Wir treffen uns morgen früh nach Sonnenaufgang hier. Wer nicht erscheint, kann nicht arbeiten. Und wer nicht arbeitet, kann sich kein Essen kaufen. Noch Fragen? Nein? Gut. Folgt mir.”
    Im Uhrzeigersinn führte Vasco sie durch das alte Lager. Sie passierten Holzhütte nach Holzhütte, aber wenn man wochenlang nur mit anderen armen Gestalten in einem Schiffsrumpf zusammengepfercht war, kamen einem die Hütten wie grenzenlose Freiheit vor.
    Sie passierten ein Holzgebäude, was wohl die kleinste Arena war, die Aziz je gesehen hatte. Nach ein paar weiteren Schritten waren sie angekommen und Vasco wies jedem Neuankömmling eine Hütte zu. Als Aziz schließlich seine erhielt, bekam er eigentlich nicht mehr als ein paar dünne, neu aufgestellte Holzwände, die sich an die äußere Palisade anlehnten. Die Hütte enthielt nichts außer einem mit Stroh gefüllten Stofftuch, auf dem ein altes Brot, eine Flasche Wasser und Stück Käse lagen. Trotzdem überwältigte es ihn beinahe.

    Eine Stunde später lag Aziz immer noch schlaflos im Bett. Er fühlte sich erschöpft und müde, aber in seinem Kopf arbeitete es unablässig. Natürlich lag das teilweise an der Umgebung. Die Strohmatratze war ungemütlich und das ganze Lager nicht gerade vertrauenserweckend. Außerdem könnte er schwören, dass jedes Mal ein lautes Grollen die Barriere erschütterte, wenn er gerade kurz vorm Einschlafen war.
    Aber Aziz machte sich nichts vor. Der wahre Grund seiner Schlaflosigkeit war dieses Gefängnis. Er konnte an nichts anderes denken als an Freiheit und Ausbruch. An Rache und Vergeltung. Und dann kamen die Bilder zurück. Er im Sklavenkäfig. Die Hinrichtung seiner Eltern. Jedes Mal, wenn er die Augen schloss, sah er es.
    Frustriert setzte er sich auf. Er wusste genau, dass er dringend Schlaf brauchte. Aber wenn das so weiterging, würde er kein Auge zubekommen. Ein Spaziergang könnte Abhilfe schaffen. Also erhob er sich mühsam und verließ seine Hütte. Draußen blieb er stehen. Gerade bei Nacht sahen nahezu alle Hütten gleich aus. Er müsste seine Hütte irgendwie kenntlich machen. Kurzerhand beschloss er, einen Ast eines nahegelegenen Baumes abzubrechen und über seinem Türrahmen zu platzieren.
    Dann stand er da, alleine in der Nacht, und wusste nicht, wohin er sich wenden sollte. Gegen den Uhrzeigersinn dem Weg zu folgen würde ihn zur Arena bringen. Dort war er bei seiner Ankunft vorbeigeführt worden. Also entschloss er sich kurzerhand, die andere Richtung zu erkunden. Er war sich der Gefahr bewusst, die nachts hier herumzuschleichen für ihn bedeutete. Er wusste nicht, wie die Ordnungshüter in den roten Rüstungen reagieren würden, wenn sie ihn außerhalb seiner Hütter erwischen würden.
    Er brauchte ein paar Sekunden, sich Mut zuzureden, und dann setzte er sich in Bewegung. Es ging an einigen Hütten vorbei, die genauso wie seine aussahen. Mal hörte er leises Geschnarche, manchmal aber auch nichts. Aziz konnte sich gut vorstellen, dass es manchen ebenso erging wie ihm. Kaum war er ein paar Schritte gegangen, fiel ihm auf, dass linkerhand plötzlich ein Loch im Wall des Alten Lagers war. Bei genauerer Betrachtung ging ihm dann auf, dass es sich wahrscheinlich um eine Art Tor handeln sollte.
    Aziz war natürlich nicht mal ansatzweise lebensmüde genug, um das Lager alleine zu verlassen, geschweige denn zu dieser Stunde. Er wollte gerade weitergehen, da hörte er eine Stimme:
    “Hey, Meistertaucher. Hierüber!”
    Er erfasste ihn Panik, aber dann merkte er, dass ihm die Stimme bekannt vorkam. Langsam drehte er sich um und erblickte den blonden Soldaten, der ihn aus dem See gefischt hatte. Er saß an einem kleinen, heruntergebrannten Feuer, das Tor gut im Blick, und winkte ihn heran.
    “Kannste nicht schlafen? Ist normal für die Grünschnäbel. Komm her und setz dich.”
    Aziz tat wie geheißen. Er war sich nicht sicher, ob er dem Soldaten vertrauen konnte, aber immerhin hatte er sein Leben gerettet. Ein gewisses Maß an Dankbarkeit war da schon angebracht.
    “Guten Abend.”, grüßte Aziz, während er sich setzte. Sein Retter wurde von den tiefroten Flammen in ein flackerndes Zwielicht getaucht. Der Mann schien außerdem etwas zu rauchen.
    “Ah, willste auch mal ziehen?”, fragte er, Aziz Blick bemerkend. Dieser schüttelte mit dem Kopf.
    “Ich will dich zu nix zwingen, aber danach wirds dir besser gehen, glaub mir. Das ist Sumpfkraut. Beruhigt die Nerven.”
    Er reichte Aziz den glimmenden Stängel. Er roch stark süßlich. Er zögerte einen Moment, dann nahm er einen kräftigen Zug. Er hustete und reichte den Stängel zurück.
    “So, und jetzt entspann dich. Ich weiß, die Kolonie ist ein fürchterlicher Ort. Viele beklagen sich ja in Midland über den Verlust der Menschlichkeit, aber die meisten Leute, die sie hier reinwerfen, haben erst gar keine. Aber mach dir keinen Kopf. Du bist jung, du wirst es überleben. Zumindest eine Zeit lang, wenn du dich nicht dumm anstellst.”
    Aziz hörte nur mit halbem Ohr zu. Er untersuchte sich selbst auf die Wirkung des Sumpfkrautes. Erst bemerkte er nichts, dann spürte er langsam eine Wirkung. Seine Umgebung wurde träger, dumpfer, weniger bedrohlich. Es war nicht direkt mit anderen Drogen vergleichbar, die er heimlich in Mora Sul ausprobiert hatte. Das Kraut regte nicht an oder ließ ihn stark halluzinieren. Es fühlte sich an, als wäre eine große Last von ihm genommen worden und endlich könnte er richtig frei atmen.
    “Gut, nicht?”
    Aziz nickte und lehnte sich entspannt an eine Hüttenwand an.
    “Ich bin übrigens Konstantin. Wie heißt du?”
    “Aziz.”
    “Du kommst aus Varant, nicht wahr?”
    Er nickte erneut.
    “Das hab ich gleich erkannt. Es gibt nicht viele Varanter hier in der Kolonie, musst du wissen.”
    Aziz wusste nicht, was er darauf antworten sollte.
    “Ich merk schon, du bist noch nicht so gesprächig. Ist okay. Ich wette, in einer Woche reißte bestimmt das Maul auf, wie alle anderen auch.” Konstantin grinste, als hätte er einen Witz gemacht. “Du hast bestimmt ‘ne Menge Fragen. Ich beantworte dir gerne jede einzelne.”
    Und Aziz fragte.

    Nach etlichen Fragen glaubte Aziz schließlich alles Wichtige über das Alte Lager zu wissen. Die Geschichte, die Rangordnung, wichtige Orte, das Erz und die Gefahren. Der Mond war indes auch ein ganzes Stück gewandert.
    “Ob du nun Schutzgeld zahlen willst oder nich, ist deine Entscheidung. Manche aus unserer Truppe sind Arschlöcher, andere ganz okay. Wer wer ist, wirste schon rechtzeitig merken.”, erklärte der Gardist gerade.
    Aziz blinzelte und blickte auf, in Konstantins grinsendes Gesicht.
    “Na, jetzt fallen dir die Augen zu, was? Siehste. Alles halb so wild. Gute Nacht.”
    Aziz nickte und setzte sich langsam in Bewegung. Er klopfte sich innerlich selbst auf die Schulter, seine Hütte markiert zu haben. So fand er diese ohne Probleme, plumpste auf sein Bett, schloss die Augen und war sofort eingeschlafen.
    Last edited by Tandrael; 03.10.2019 at 14:16.

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    Tag 2

    Aziz erwachte aus einem tiefen, traumlosen Schlummer. Ob er das nun dem Sumpfkraut oder dem Gefühl, ein Mindestmaß an Kontrolle gewonnen zu haben, zuschreiben sollte, war ihm nicht ganz klar. Dann fiel ihm auf, dass bereits die Sonne aufgegangen war. Mühsam stemmte er sich hoch. Auch der gute Schlaf konnte die Erschöpfung nicht aus seinen Knochen vertreiben. Es half aber alles nichts, Vasco hatte überzeugend deutlich gemacht, dass er ohne Arbeit hungern müsste und dann würde er noch weniger arbeiten können. Auch Konstantin hatte ihn vor diesem Teufelskreis gewarnt und geraten, mindestens ein paar Tage in der Mine zu schuften.
    Als er beim Treffpunkt am Nordtor angekommen war, warteten dort schon einige bekannte Gesichter. Manche redeten leise, aber Aziz hielt sich etwas abseits. Er beobachtete lieber, Konstantins Erklärungen im Hinterkopf, die Schatten und den Eingang zur Burg. Wer in der Hackordnung aufsteigen wollte, musste die Bewohner des Lagers überzeugen, dass seine Talente bei den Schatten besser aufgehoben waren als bei den Buddlern.
    Aziz wurde aus seinen Gedanken gerissen, als Vasco eintraf. Kurz ließ er seinen Blick über die Menge an Buddlern schweifen. Von den Gefangenen, die auf dem Schiff gewesen waren, fehlten nur wenige, aber es gesellten sich auch ein paar Buddler dazu, die bereits ihre Spitzhacken trugen. Diese waren schon mehr als eine Woche hier.
    “Jeder von den Neuen kommt sich bei mir eine Spitzhacke abholen. Dafür gebt ihr euren Namen an. Verliert die Spitzhacke nicht oder macht sie kaputt, denn eine neue bekommt ihr nicht geschenkt. Hopp, hopp, wir haben wenig Zeit.”
    Nachdem die Formalitäten geklärt waren und Aziz im Austausch gegen seinen Vornamen eine nicht allzu vertrauenserweckende Spitzhacke erhalten hatte, setzte sich die Traube an Buddlern in Bewegung.
    “Bleibt schön dicht bei mir. Der Weg zur alten Mine ist nicht ungefährlich.”
    Anschließend legte der Schatten einen schnellen Schritt vor. Aziz bemühte sich, schnell zu Vasco aufzuschließen. Sie überschritten die Brücke und bogen dann aber nach links ab, in den Wald. Die Baumkronen waren so massiv, dass hier eine Art Zwielicht herrschte, das jedes Geraschel und jede Bewegung der Büsche bedrohlich erscheinen ließ. Die Buddler rückten instinktiv näher zusammen, und Vasco hielt wachsam Ausschau, während er sie durch eine Art Tunnel führte. Nachdem sie den Wald hinter sich gelassen hatten, standen sie schon vor dem befestigten Eingang zur alten Mine.
    Es waren nicht viele Leute außerhalb der Mine unterwegs, nur ein paar Gardisten, die Wache standen, und ein paar Buddler. Marktstände zeugten davon, dass hier zu Schichtende wahrscheinlich deutlich mehr los war. Sie folgten Vasco in die Mine. Bisher hatte Aziz sich kaum vorstellen können, wie so ein Bergwerk funktioniert, aber was er hier sah, übertraf alles: Die Mine war ein großer Kessel, der in den Berg gehauen worden war. Überall gab es Leitern und Rampen zwischen den verschiedenen Ebenen. Kräne schafften Baumaterialien hinab und Erz nach oben. Obwohl es früh war, arbeiteten bereits ein paar Buddler.
    Die bereits eingewiesenen Buddler zerstreuten sich, aber die Neulinge wurden von Vasco zusammen mit der Namensliste an den Aufseher übergeben. Der Schatten, der sich als Ian vorstellte, führte sie resolut durch die Gänge. Er erklärte ihnen die Arbeitsabläufe in einem leiernden, genervten Tonfall und ließ mehrfach durchblicken, dass diese Mine ihm gehörte. Zum Schluss jedoch veränderte sich sein Tonfall, was Aziz vermuten ließ, dass dieser Teil der Rede neu war.
    “Wir haben in letzter Zeit enorme Probleme mit den Minecrawlern. Das sind riesige, weiße Spinnen mit Panzerplatten. Seit wir die unterste Ebene der Mine freigelegt haben und dabei auf einige ihrer Höhlen gestoßen sind, greifen sie immer wieder die Buddler an. Ihr tut also gut daran, wachsam zu bleiben und im Notfall wegzurennen. Mit den Viechern ist nicht zu spaßen, die teilen mit ihren Zangen dünne Buddler wie euch in zwei saubere Hälften.”
    Zum Schluss wurden sie in einen Nebenstollen geführt, wo sie schließlich ihre Arbeit begannen. Da es hier unten kein Tageslicht gab, fiel es Aziz schwer, die Tageszeit einzuschätzen, aber nach zwanzig Schlägen taten ihm schon die Arme weh. In seinem ganzen Leben hatte er noch nie schwere körperliche Arbeit verrichtet, und das stumpfe Hacken auf unnachgiebigen Fels war ein absoluter Knochenjob.
    Nachdem er eine ganze Weile damit zubrachte, sich vorzustellen, dass gleich Schichtende wäre, sank seine Motivation enorm. Sein Zeitgefühl und die anstrengende Arbeit mussten ihm einen Streich spielen. Aber er konnte nicht einfach so Pause machen. Die Aufseher oder anderen Buddler würden es mitbekommen und am Ende des Tages hätte er sich für einen mickrigen Lohn verausgabt. Also wurden seine Schläge langsamer und kraftloser.
    Ganz in dem monotonen Kraftakt versunken, hörte er das nahe Schaben und Klackern kaum, wurde aber aufgeschreckt, als der erfahrene Buddler neben ihm plötzlich “Minecrawler!” brüllte und losrannte. Aziz hielt einen Augenblick verwirrt inne, dann folgte er dem Mann, so schnell er konnte. Er hatte keine Lust, diesen merkwürdigen Spinnenwesen zu begegnen. Die ganze Buddlergruppe in dem Stollen setzte sich panisch in Bewegung. Direkt vor sich sah Aziz einen Buddler über loses Gestein stürzen, aber niemand hielt an, um ihm aufzuhelfen.
    Aziz verließ den Stollen als einer der Ersten, direkt hinter dem erfahrenen Buddler, der sie alle gewarnt hatte. Jämmerliche Schreie verhallten kurz, aber dann hörte man nur dieses nervenaufreibende Schaben und in dem Gang wogten die Schatten voller krabbelnder Leiber. Die Rufe hatten jedoch schon drei Gardisten angelockt, die sich an dem Ausgang des Stollens postierten und dort mit ihren Armbrüsten auf alles schossen, was sich bewegte. Mit wütendem Fauchen zogen sich die Minecrawler etwas zurück.
    Es gab jedoch vorerst keine Pause, schwere Holzbalken mussten herangeschafft werden, um den Stollen zu verschließen. Für Aziz verlief die Arbeit aber beinahe wie von selbst, Adrenalin pumpte immer noch durch seine Adern. Er war lebensgefährliche Situationen nicht gewöhnt und dementsprechend zitterte er immer noch am ganzen Körper. Ohne den erfahrenen Buddler hätte er vermutlich mindestens die Hälfte der Arbeiter in diesem Stollen erwischt. Ian hatte nicht übertrieben, als er so nebenbei erwähnt hatte, dass sie Probleme mit den Minecrawlern hätten.

    Als der letzte Balken die Öffnung zum Stollen komplett verschlossen hatte, wurde den Buddlern eine Pause gewährt. Aziz ließ sich, wo er stand, auf den nackten Fels nieder und schwor sich, keine Woche mehr in dieser Mine zuzubringen. Aber was für Alternativen gab es schon?
    “Hast schnell die Beine inne Hand genommen. Gut gemacht.”
    Neben Aziz hatte sich der erfahrene Buddler Platz genommen. Aziz nickte schwach.
    “Ohne deine Warnung hätten mich diese Dinger bestimmt erwischt”, erwiderte er.
    “Musst auf das Scharren hören.”
    Aziz hatte zum ersten Mal die Möglichkeit, den Mann näher zu betrachten. Er sah alt aus, zumindest für Kolonieverhältnisse. Hier gab es keine alten Männer, und jene, die alt aussahen, waren lediglich von der Kolonie abgeschliffen worden.
    “Aber mal was Anderes: Dir scheint die Arbeit nich gerade zu liegen.”
    Es hatte keinen Sinn, das zu bestreiten. Dennoch wählte Aziz eine vorsichtige Formulierung.
    “Ich bin diese Art Arbeit nicht gewöhnt.”
    “Nur wenige kommen als Buddler hier rein, musste wissen. Aber die Bauernlümmel und Handwerker kommen recht schnell damit klar. Hast wohl niemals schwer gearbeitet, hm?”
    “Stimmt.”
    “Dann haste dir bestimmt schon überlegt, dass du bessere Arbeit brauchst. Interessiert?”
    Aziz wurde sofort hellhörig, aber auch wachsam. Wenn es bessere Arbeit gäbe, dann würde hier keiner buddeln. Ja, der Mann selber buddelte ja auch, also könnte sie so viel besser nicht sein. Dennoch ging Aziz auf das Angebot ein, einfach nur um seine Alternativen zu kennen.
    “Sprich weiter.”
    “Ich kann dir auf zwei Arten helfen. Erstens kenne ich ein paar Leute hier. Ich könnte dir ein Platz bei den Kränen besorgen. Da musste nicht hacken, sondern nur laufen. Ist’n Kinderspiel und wird genauso bezahlt.”
    “Und was willst du dafür?”
    “Von jedem Lohn bekomme ich zwei Brocken ab. Kein Feilschen, ich weiß, wie ihr Wüstenschaben seid.”
    Aziz übersah die Beleidigung mühsam und brauchte mehr Zeit zum Nachdenken.
    “Du sagtest, es gäbe zwei Möglichkeiten?”
    “Ich könnte dir jemanden vorstellen. Einen Schatten, der diverse Aufträge vergibt. Sagen wir einfach, du schuldest mir danach einen Gefallen. Musst du wissen, ob du lieber deinen Hals hier drin riskierst oder draußen.”
    “Ich muss darüber nachdenken.”
    “Bis heute zum Schichtende haste Zeit. Danach hat sich die Sache erledigt.”
    Schließlich wurden sie in einem anderen Stollen untergebracht. Die Arbeit wurde nicht leichter, ganz im Gegenteil. Aziz blieb aufmerksam, ständig meinte er ein Schaben zu hören, aber er täuschte sich jedes Mal. Das Verlangen, auf das Angebot des Buddlers einzugehen, wurde einfach übermächtig. Als schließlich die Glocke zum Ende der Schicht geläutet wurde, suchte Aziz sofort den Buddler auf.
    “Ich bin dabei.”
    Der Mann grinste, aber das Lächeln erreichte seine Augen nicht.
    “Wusste doch, dass ich auf dich zählen kann. Kannst gleich mitkommen.”
    Aziz folgte dem Mann zu den großen Tretradkränen, die die oberste Ebene der Mine säumten. Die Männer waren gerade damit beschäftigt, die letzten Fuhren Erz zur großen Erzschmelze auf der untersten Ebene zu befördern. Dazu mussten die Arbeiter nur durch Vor- und Zurücklaufen die großen hölzernen Räder in Bewegung setzen, die ihrerseits über Winden die Seile kontrollierten. Die Arbeit sah tatsächlich enorm leicht aus, zumindest im Vergleich zu der Arbeit in den Stollen.
    Der erfahrene Buddler, dessen Namen Aziz immer noch nicht kannte, redete kurz mit einem Schatten, der wohl die Aufsicht über die Kräne führte. Der Schatten nickte und damit war die Sache schon erledigt. Ab morgen durfte Aziz sich bei den Kränen einfinden, um dort zu arbeiten. Auf dem Weg nach draußen wurde den Buddlern ihr Lohn ausgezahlt. Aziz nahm seine sauer verdienten zehn Erzbrocken entgegen und drückte sogleich zwei an seinen neuen Freund ab.
    “Der Mann, mit dem du unbedingt mal sprechen solltest, heißt Derek. Hängt in den Abendstunden bei der kaputten Hütte beim See herum. Der Kerl sieht aus wie ein richtiger Grobian mit seiner Axt und seinen Muskeln, aber lass dich nich täuschen: Der is’n gerissener Bastard. Sag ihm einfach, dass Irwin dich schickt.”
    Irwin schluf ihm noch einmal auf die Schulter, dann ging er zu einem anderen Buddler. Seine freudige Begrüßung konnte nicht über seinen kalten Blick und seine aufgehaltene Hand, in die besser sofort Erzbrocken fallen sollten, hinwegtäuschen. Aziz war sich nicht sicher, ob er die richtige Entscheidung getroffen hatte, aber er hätte keinen weiteren Tag in den Stollen ausgehalten. Nicht wenn er wusste, was auf ihn zukam.

    Die Sonne begann bereits unterzugehen, als sie mit Vasco zurück beim Lager eintrafen. Trotz seiner neuen Beschäftigung durfte Aziz seine Spitzhacke behalten. Anscheinend gehörte diese zur Grundausstattung eines jeden Buddlers. Aziz vermutete jedoch, dass die Schatten einfach keine Lust hatten, sich um die Verwaltung der Spitzhacken zu kümmern. Er überlegte, sie zuerst bei seiner Hütte abzuladen, aber er wollte unbedingt noch mit Derek sprechen. Außerdem bestand die Gefahr, dass die Spitzhacke gestohlen wurde, wenn er sie dort unbewacht zurückließ. Sie hatte zwar für ihn keinen Wert mehr, aber vielleicht würde er sie für ein paar Erzbrocken verkaufen können.
    Also ging Aziz die paar Schritte vom Nordtor zum See hinunter. Er sah in der zerstörten Hütte nach, aber niemand war da. Aziz beschloss, einen kurzen Abstecher zum See zu machen, sich ein bisschen zu waschen und abzuwarten. Es verging einige Zeit, dann sah Aziz, dass sich ein Schatten vor der Hütte eingefunden hatte und rauchte. Er sah ziemlich fies aus, sogar im Vergleich mit den anderen Lagerbewohnern, und er hatte eine gefährlich aussehende Axt um Gürtel umgeschnallt.
    “Bist du Derek? Irwin schickt mich.”, fragte Aziz, als er nähergekommen war. Derek musterte ihn von oben bis unten.
    “Du kommst mir gerade recht. Ich habe Erfahrung mit euch Neulingen. Daher sage ich es ganz deutlich: Ich will keine Fragen hören. Denk dir einfach deinen Teil. Ich gebe dir Aufgaben. Du erledigst sie. Bist du gut, gibt es eine Belohnung. Für Verräter und Taugenichtse ist die Axt. Haben wir uns verstanden?”
    Derek redete mit einer eindringlichen, leisen Stimme, die Aziz zum Schlucken brachte. Irwin war schon hinterhältig, aber dieser Mann war brutal. Bei den meisten Sträflingen stand nicht gerade auf der Stirn geschrieben, was sie verbrochen hatten. Dieser Mann jedoch stank nach Gewalt.
    “Verstanden.”
    “Gut. Bei der Arena gibt es eine Hütte, die den Gardisten als Lagerhaus dient. Auf deren Dach befindet sich die Loge der Erzbarone. Sobald du von deiner morgigen Schicht aus der Mine zurückkommst, wirst du diese Hütte unauffällig beobachten. Präge dir jeden ein, der in die Hütte hineingeht. Ich will eine genaue Beschreibung von jedem. Deine Schicht endet, wenn ich dich ablöse. Dann will ich den Bericht hören. Ist er zufriedenstellend, bezahle ich zehn Erzbrocken. Außerdem werde ich dich für weitere Aufträge in Betracht ziehen.”
    Aziz schwirrten viele Fragen im Kopf herum, aber er verkniff sich alle. Derek schien ihm erstmal einen unwichtigen Auftrag zu geben. Vielleicht handelte es sich sogar um einen Test. Letztendlich hatte er aber viel schlimmere Aufträge erwartet. Eine Observierung einer Hütte schien ihm recht unverfänglich. Derek beäugte Aziz kritisch.
    “Schaffst du das?”
    “Ja.”, lautete die kurze, etwas zu kleinlaute Antwort von Aziz.
    “Bis morgen Mitternacht.”
    Mehr gab es nicht zu sagen. Aziz sah zu, dass er Land gewann, während Derek in Gedanken versunken an seinem Sumpfkraut zog. Das brachte Aziz gleich zu seinem nächsten Anliegen.

    Aziz suchte das Feuer auf, an dem er Konstantin in der letzten Nacht getroffen hatte. Noch war es hell, und er vermutete, dass Konstantin Nachtwachen ableistete. Das hieß wahrscheinlich, dass Konstantin in der Hackordnung der Garde ganz unten stand, aber gleichwohl, dass er über allen Schatten und deutlich über allen Buddlern stand. Deshalb war er eine wichtige Bekanntschaft.
    Er mochte es kaum zugeben, aber Aziz war hier, um mehr Sumpfkraut zu erschnorren. Viele Leute rauchten es, aber er hatte bisher niemanden gesehen, der es verkaufte. Selbst auf dem Markt, wo es alles mögliche zu kaufen gab, bot niemand die Sumpfkrautstängel an. Natürlich könnte er auch einfach auf das Sumpfkraut verzichten, nur fürchtete er, wegen den Alpträumen und seinen Ängsten kein Auge zuzubekommen.
    Kurz Zeit saß Aziz alleine mit seinen Sorgen am Feuer nach dem Südtor. Als es dunkel geworden war, kam Konstantin dazu.
    “Ach, wer ist denn da. Aziz! Wie gehts? Alles klar?”
    Aziz erklärte ihm in knappen Worten, wie sein erster Tag gelaufen war. Von den Minecrawlern und Irwin erzählte er, aber Dereks Auftrag ließ er besser aus.
    “Da haste wohl noch mal Schwein gehabt. Hier drin ergreift man besser jede Chance, die sich bietet, oder es wird einem irgendwann leidtun. Ich war mit meinem Leben als Schatten zufrieden, aber wenn Gomez sagt, dass du ab jetzt ein Gardist bist, dann meldeste dich besser morgen zum Dienst.”
    Etwas schwang in Konstantins Stimme mit, das Aziz nicht recht verorten konnte. Bisher hatte Aziz angenommen, dass Konstantin darauf hingearbeitet hatte, mit festem Sold in einem guten Quartier in der Burg schlafen zu dürfen. Seine Worte und sein Ton sagten jedoch etwas Anderes.
    “Dass hier Jeder darauf wartet, den Anderen für’n paar Erzbrocken ans Messer zu liefern, brauch ich dir wahrscheinlich nich nochmal erklären.”
    Aziz nickte. “Wo kann man dieses Sumpfkraut kaufen?”, fragte er dann. Er unterhielt sich gerne mit Konstantin, aber er wollte einfach nur noch eine rauchen und dann ins Bett.
    “Das fragt sich gerade das halbe Lager. Gomez hat die Sektenspinner rausschmeißen lassen, als deren Oberguru mal eben die Hälfte der Buddler abgeworben hatte. Vereinzelt findet noch Kraut den Weg ins Lager, aber dann isses meist teuer und schnell weg. Offiziell haben wir den Befehl, sämtlichen Schmuggel und Handel zu unterbinden. Aber gegen die Raucher gehn wir natürlich nich vor. Selbst die Erzbarone lieben das Zeug, hört man.”
    Der Gardist grinste vor sich hin. “Meins is leider alle. Tut mir Leid.”
    Aziz nickte tapfer und machte noch 5 Minuten Konversation, wobei er Konstantin über die Minecrawler ausfragte, und gegen welche Kreaturen er schon in der Kolonie gekämpft hatte. Aber er war nicht ganz bei der Sache. Das Fehlen des Sumpfkrauts nagte an ihm. Schließlich verabschiedete er sich und schleppte sich zu seiner Hütte. Die Blätter an dem Ast über seiner Tür fingen langsam an zu verwelken. Das würde heute eine lange Nacht werden.
    Last edited by Tandrael; 08.10.2019 at 09:15.

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    Tag 3

    Wie konnte man gleichzeitig so zufrieden mit sich sein und doch gleichzeitig verärgert über die eigenen Entscheidungen? Es war ein merkwürdiges Gefühlsgemisch, was Aziz im Bauch hatte, als die Glocke für sein Schichtende klingelte. Der bisherige Tag war absolut ereignislos gewesen. Auf eine schlechte Nacht folgte der Weg zur Mine. Dort angekommen begann seine Arbeit. Diese bestand darin, auf Befehl in einem Holzrad nach vorne oder rückwärts zu laufen. Dafür gab es häufige Pausen und sie waren nicht allzu weit vom Ausgang der Mine entfernt. Einerseits hatte es den psychologischen Effekt, dass man sich näher am Sonnenlicht glaubte, und andererseits war die Gefahr durch Minecrawler sehr gering.
    Hätte er den direkten Vergleich zu gestern nicht gehabt, würde sich Aziz definitiv beschweren. So jedoch war er sehr zufrieden mit seiner neuen Position. Vermutlich würde er morgen Muskelkater in den Beinen haben, das war aber nur ein geringer Preis. Der einzige Nachteil war, dass man noch ein bisschen nach Schichtende weiterarbeiten musste, um die letzten Fuhren nach unten zu bringen. Danach war jedoch Schluss und Aziz verließ gleichzeitig mit den Buddlern aus der tiefsten Ebene die Mine.
    Nun kam der Teil, der ihm überhaupt nicht gefiel: Irwin wartete natürlich schon auf seine zwei Erzbrocken. Es fühlte sich falsch an, seinen Lohn zu teilen, aber Aziz blieb keine Wahl. Von acht Erzbrocken konnte man auch leben. Doch Irwin hatte noch andere Pläne für ihn.
    “Kannste dich erinnern, dass du mir noch ‘nen Gefallen schuldest?”
    “Ja.”
    “Gut. Jetzt ist nämlich die Zeit, deine Schuld zu begleichen, mein Freund.”
    “Was soll ich tun?”
    Irwin ging ein paar Schritte, zu einem anderen Buddler, dessen Gesicht Aziz heute mehrfach bei den Kränen gesehen hatte. Er schloss daraus, dass dieser Dritte auch ein “Freund” von Irwin war.
    “Das System, das es euch beiden ermöglicht, mit leichter Arbeit Erz zu verdienen, hängt von uns allen ab. Ich regel das, ihr bezahlt. So einfach ist das. Und ihr seid zufrieden, stimmts?”
    Aziz und der andere Buddler sahen sich an.
    “Stimmts?”
    Die beiden Angesprochenen nickten widerstrebend.
    “Genau. Nur gibt es immer wieder Leute, die glauben, sie könnten das System für sich ausnutzen.”
    Aziz begriff, worauf das hinaus lief. Aber er musste dringend zum alten Lager zurück. Derek würde ihm den Kopf abreißen, wenn er mitbekommen würde, dass er zu spät zur Observation aufgekreuzt war.
    “Deshalb müssen wir Brad, diesem Verräter, eine Lektion erteilen. Wir warten hier, bis er herauskommt, und schlagen ihn dann zusammen.”
    Alles in Aziz revoltierte gegen diese Ansprache. Klar, er hatte sich schon mal mit ein paar Jungs geprügelt. Nun jedoch wurde von ihm gefordert, die Erpressung zu unterstützen, die auch ihn selbst betraf. Und das Schlimmste an allem: Er war gewillt, mitzumachen. Erstens, um seine angenehme Arbeit zu behalten, und zweitens, um keine Bekanntschaft mit Dereks Axt zu machen.
    “Ah, da ist er schon.”
    Irwin ging voran. Ihr armes Opfer sah sie von weitem kommen. Kreideweiß nahm er sein Lohn entgegen, aber es gab kein Entkommen. Brad ging langsam zu Irwin hinüber und drückte ihm die ganzen zehn Erzbrocken auf die dargebotene Hand. Irwin lächelte, aber es war ein kaltes, grausames Lächeln.
    “Brad, bin froh, dass du deine Schulden bezahlt hast. Jetzt können wir wieder Freunde sein.”
    Hoffnung keimte in Aziz auf, und er konnte in Brads Gesicht ablesen, dass es ihm ähnlich erging. Vielleicht zeigte sich Irwin doch gnädig. Dieser schwafelte irgendwas von Freundschaft und dem Vertrauen ins System, während der andere Buddler und Aziz ihm und Brad folgten. Kaum hatten sie das Gelände der alten Mine verlassen, landete Irwins Faust ganz plötzlich in Brads Magen. Aziz hatte solche Gewalt schon häufiger gesehen, vor allem gegen die Sklaven in Mora Sul, aber dieser Fausthieb war eine direkte Drohung gegen ihn. Irwin sah ihn an, als Brad zu Boden sackte und dort nach Luft schnappend liegen blieb. Dann begann Irwin zu treten.
    “Los, ihr seid dran! Brad muss wissen, was er falsch gemacht hat. Niemand hintergeht mich. Niemand!”, sagte er keuchend.
    Der andere Buddler ging herüber und begann ebenfalls, Brad zu bearbeiten. Aziz traf eine Entscheidung, und sie fiel nicht zugunsten von Brad aus. Während sie drei also den wehrlosen Brad zusammentraten, hasste Aziz sich. Immer wieder kollidierte sein Fuß mit Brads Schulter, und irgendwann spürte er in Brads Körper etwas nachgeben, was nicht nachgeben sollte. Aziz hatte sich noch nie so hundeelend gefühlt. Tränen sammelten sich in seinen Augen, bis Irwin wieder die Stimme erhob.
    “Gut, das reicht. Ich hoffe, du hast deine Lektion gelernt, Brad. Ihr könnt gehen.”
    Aziz wollte nur noch weg. Er musste eigentlich schon bei der Observation sein, und Vasco und die Buddler waren schon weg. Zuerst ging Aziz nur schnell, aber dann rannte er durch den Wald zum alten Lager.

    Es hatte etwas Befreiendes, durch den Wald zu rennen. Anstrengung und Erschöpfung umfingen ihn und dämpften die Emotionen etwas, die in seinem Inneren tobten. Es dämmerte schon, aber im Vergleich zu der konkreten Gefahr, die von Derek ausging, verlor die drohende Atmosphäre des Waldes etwas von seinem Schrecken.
    Trotzdem kaum Aziz nicht umhin, zu bemerken, dass ihm ein stetes Rascheln im Unterholz folgte. Er konzentrierte sich aufs Rennen, um nicht etwa zu stolpern, doch das Geräusch verschwand nicht. Im Gegenteil, es wurde immer lauter. Aziz nahm das Risiko auf sich und blickte kurz über die Schulter. In den diffusen Licht glaubte er zwei spitze Ohren und zwei hungrige Augen im Gebüsch zu erkennen.
    Nackte Panik erfasste ihn. Er beschleunigte, doch er konnte seinen Verfolger nicht abschütteln. Er hört ein leises Knurren. Seine gesamten Reserven mobilisierend, sprintete Aziz, bis die Brücke in Sicht kam. Die Gardisten machten sich über ihn lustig, und als Aziz hinter sich blickte und angestrengt lauschte, war da nichts. Hatte er sich alles nur eingebildet? Er erlaubte sich ein paar Atemzüge.
    Einen positiven Aspekt hatte die Verfolgungsjagd: Er war so schnell wie möglich zu seinem Ziel gelangt. Um die gesparte Zeit nicht wieder zu verlieren, zwang er sich, wieder loszulaufen. Die Blicke der wachhabenden Gardisten am Tor streiften ihn nur. Sofort bog er links ab und machte sich auf den Weg zur Arena. Sie war das hellste Gebäude im Außenring. Fackeln wurden entzündet. Anscheinend sollte heute Abend ein Kampf stattfinden.
    Das kam Aziz nur recht, da er als Zuschauer verstohlen den Lagerschuppen im Blick behalten konnte. Er hatte nur nicht mitbekommen, wer sich bereits in der Hütte aufhielt. Ein paar Gardisten standen weithin sichtbar auf der Loge der Erzbarone. Sie trauten sich offensichtlich nicht, in den Stühlen Platz zu nehmen, aber sie hatten einen guten Blick auf das Geschehen in der Arena. Schwer atmend stellte Aziz sich gegen eine Hüttenwand. Von hier aus hatte er einen guten Blick auf die Tür, konnte den Kampf verfolgen und Atem holen. Er konzentrierte sich auf die vor ihm liegende Aufgabe. So musste er wenigstens nicht an Brad denken.
    Die anderen Zuschauer nahmen kaum Notiz von ihm, sondern platzierten lieber ihre Wetten. Aus den Gesprächen schloss Aziz, dass ein Schatten gegen einen Gardisten kämpfte. Er machte sich nicht mal die Mühe, die Namen der Kämpfenden auszumachen. Obwohl ein Großteil der Anwesenden, viele Schatten und Buddler, dem Schatten den Sieg wünschten, setzten sie alle auf den Gardisten.
    Aziz beobachtete derweil das Kommen und Gehen bei der Hütte. Nur kurz ließ er sich ablenken, um bei einem Händler Brot zu kaufen, und behielt sonst die Tür im Blick.
    Schließlich begann der Kampf von dem Aziz jedoch nicht allzu viel mitbekam. Der Schatten versuchte am Anfang, seine Beweglichkeit auszuspielen, täuschte Schläge an und versuchte den Gardisten in Bedrängnis zu bringen. Dieser wehrte alle Angriffe lässig ab. Als er dann genug gespielt hatte, brauchte er nur ein paar Augenblicke, um den Kampf zu Ende zu bringen. Aziz verpasste das Ende, denn ein Schatten betrat die Hütte, und Aziz musste sich dessen Gesicht einprägen.
    Aziz bemerkte dann das plötzliche Ende des Kampfes vor allem daran, wie sich die Stimmung in der Arena veränderte. Als es noch so aussah, als könnte der Schatten siegen, ertönten frohe Rufe und Ermutigungen. Danach war es beinahe still. Nur die Gardisten auf der Tribüne grölten vor sich hin. Während sich der Gardist in der Arena in Siegespose warf und dem Schatten den Fuß auf die Brust stellte, strichen die meisten Leute ihre Wetteinsätze ein und gingen heim. Der Schatten, der vorhin die Hütte betreten hatte, verließ diese wieder.
    Konstantin hatte nicht gelogen. Die Beziehungen zwischen den Burgbewohnern und den Menschen des Außenrings war angespannt. Es ging hier um mehr als nur um einen Kampf, befand Aziz. Die Gardisten hatten mal wieder gezeigt, wie überlegen sie waren. Letztendlich interessierte dieser Konflikt Aziz aber wenig. Er wollte nicht alleine bei der Arena zurückbleiben, also ging er zu einem Feuer hinüber, wo sich einige Leute nach dem Kampf eingefunden hatten.
    Auch von hier hatte er einen guten Blick auf den Schuppen, den die Gardisten von der Tribüne verließen. Sie zogen hinunter zum Ausgang der Arena, kurz wurde ihr Grölen lauter, als sie auf ihren siegreichen Kameraden stießen, dann verloren sich die Rufe der Gardisten in der Nacht.
    An dem Feuer wurde unterdessen lautstark diskutiert.
    “Es müsste einer den Gardisten mal eine richtige blutige Nase verpassen.”
    “Aber wer sollte das machen? Die Sektenspinner hat Gomez rauswerfen lassen, und bis auf Angar haben die eh keine guten Kämpfer.”
    “Von den Söldnern traut sich auch keiner mehr her.”
    “Kannste dich noch erinnern, was mit diesem einen Söldner passiert ist, der hier gewonnen hat? Der stumme Kleine?”
    “Ja, wäre der nicht schnell abgehauen, wäre der hier kaum lebend rausgekommen, das kannst du mir glauben.”
    “Was is’n mit Derek? Ich glaube, der könnte dem Gardisten das Maul stopfen.”
    “Weißt du nicht, dass die Axt nur den Eindruck schinden soll? Der hat nix drauf.”
    “Außerdem würde er sich eh nicht mit den Gardisten anlegen. Du weißt doch, dass sie ihn auf dem Kieker haben.”
    “Genau. Der soll mal nicht in der Arena herummalochen, sondern mehr Kraut schmuggeln.”
    “Siehste, das ist noch so eine Sache. Gomez lässt die Sektenspinner rauswerfen, aber alle rauchen weiter, die Gardisten ganz besonders. Und wo kaufen die ein? Natürlich auch bei Derek, wie alle anderen.”
    Als ein Gardist vorbeikam und zur Hütte hinüber ging, verstummten die Gespräche. Sobald die Tür der Hütte zufiel, ging das Gespräch weiter. Aziz hielt sich selbstverständlich heraus. Seine Erfahrung war bisher genau umgedreht, immerhin war Konstantin das, was einem Freund wohl am nächsten kam, aber er wollte keinen Ärger. Außerdem war er sich sicher, dass in allen Schichten des Lagers Arschlöcher vertreten waren. Die Gardisten konnten es nur etwas deutlicher ausleben.
    Die Nacht verstrich langsam. Der Gardist verließ das Gebäude recht schnell wieder. Im Verlauf des Abends ließ der Gardist sich häufiger blicken. Es musste sich um die Nachtwache des Arenaviertels handeln. Der Mann drehte seinen Runden wie ein Uhrwerk.
    Irgendwann in der Nacht, das Feuer hatte sich inzwischen deutlich geleert, kam einer der Gardisten aus der Gruppe von der Loge zurück, holte eine Kiste aus der Hütte und verschwand wieder. Beim Vorbeigehen am Feuer hörte Aziz verdächtiges Klirren in der Kiste, wie von vollen Glasflaschen. Sonst passierte herzlich wenig. Aziz hatte gehofft, dass bei seiner Observation dann wenigstens illegale Sachen durchgezogen werden würden. Es handelte sich wohl tatsächlich um einen Test von Derek.

    Als der Mond schon hoch am Nachthimmel stand, kämpfe Aziz zunehmend mit seiner Müdigkeit. Wenn Derek ihn hier mit geschlossenen Augen vorfand, war seine ganze Aufmerksamkeit umsonst. Also hielt er sich wach, indem er regelmäßig seine Fingernägel in seine Handfläche bohrte, bis er Tränen in den Augen hatte. Dann erinnerte er sich wieder an Brad, Wut und Zorn und Enttäuschung wirbelten wieder in ihm, aber es hielt ihn wach. Als Derek ihm auf die Schulter tippte, wäre Aziz beinahe vor Schreck aufgesprungen.
    “Hast du geschlafen?”, kam es sofort ohne Begrüßung.
    “Nein.”
    “Gut. Dann erzähle mal. Ich will alles wissen.”
    Aziz gab so genau wie möglich wieder, was er gesehen hatte. Die Gardisten von der Loge interessierten Derek kaum, was für Aziz eine Erleichterung war. So würde Derek nicht herausfinden, dass er zu spät gekommen war. Er fragte Aziz dafür über den Schatten aus, und wie viel Zeit zwischen den Runden des Gardisten vergingen. Er wollte genau wissen, wie lange der Gardist in der Hütte war, bevor er mit der Kiste wieder herauskam, und wann das ungefähr gewesen war. Außerdem musste er natürlich alle Leute so genau wie möglich beschreiben.
    Aziz beantwortete alle Fragen und kam sich dabei vor wie bei einem Verhör. Es wirkte beinahe so, als wartete Derek nur darauf, dass er sich in Widersprüchen verstrickte oder etwas Falsches sagte. Aber als er mit seinem Bericht fertig war, sah er etwas, das beinahe noch schlimmer war als Wut, in Dereks Gesicht: Ein grausames Lächeln umspielte die Lippen des Schatten.
    “Hier ist deine Belohnung. Falls es mal wieder etwas zu tun gibt, hörst du vielleicht von mir.”
    Nach diesen Worten und dem Überreichen von zehn Erzbrocken scheuchte der Mann mit der Axt Aziz weg. Dieser machte sich so schnell er gehen konnte davon. Heute war definitiv ein emotional anstrengender Tag gewesen. Seit seinem Schichtende waren seine Nerven durchgehen gespannt gewesen. Er könnte jetzt wirklich einen Sumpfkrautstängel gebrauchen, aber die Situation hatte sich seit gestern wohl kaum verbessert.
    So ging Aziz direkt zu seiner Hütte zurück. Der Ast über seiner Tür hatte sämtliche Blätter verloren. Als er sich so in seiner leeren Hütte umsah, kam ihm ein Gedanke: Was sollte er mit den 16 Erzbrocken machen, die ihm noch verblieben waren? Er sollte sie nicht bei sich tragen. In seiner Hütte gab es keine Möglichkeiten für ein Versteck. Aziz sah sich um. Bei seinem Bett würde jeder Dieb zuerst nachschauen. Der Boden bot auch kein Versteck, er bestand nur aus festgestampfter Erde. Die einzige Möglichkeit, die ihm ohne ein teures Möbelstück wie eine Truhe blieb, war die Wand zum Wall.
    Eine dünne Bretterschicht trennte seine Hütte von dem Wall. Aziz holte seine Spitzhacke unter seiner Strohmatratze hervor. Er hatte sie dort versteckt, um sie nicht mit zur Schicht schleppen zu müssen. Mit der Spitze hebelte er vorsichtig ein Brett aus der Wand. Direkt dahinter war ein schwerer Holzpfosten, der die Mauer stützte, aber daneben war ein weitere Brett. Als er das auch entfernt hatte, stieß er auf Erde.
    Erst zweifelte er stark an dem, was er in der Dunkelheit vor sich sah, aber dann wurde es ihm klar: Der äußere Wall des alten Lagers war ein mit Holz verstärkter Erdwall. Er grub eine kleine Kuhle in die feste Erde und legte seine Erzbrocken hinein, nachdem er sich sorgsam umgesehen hatte. Dann setzte er beide Bretter vor das Versteck. Kurz sah er sich vor seiner Hütte um, und als er niemanden entdecken konnte, warf er die Erde aus dem Wall auf den Boden. Das musste das sicherste Versteck sein, das er sich derzeit leisten konnte.
    Der Schlaf ließ lange auf sich warten. Zu den Bildern seiner enthaupteten Eltern gesellten sich der am Boden liegende Brad mit einer merkwürdig verrenkten Schulter und Dereks fieses Lächeln.
    Last edited by Tandrael; 10.10.2019 at 15:27.

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    Tag 5

    Aziz schlug die Augen auf. Er blickte an die Decke über ihm, an der vier Kerben in das Holz geritzt waren. Er fuhr sich mit der Hand übers Gesicht und erhob sich. Genauso wie in den vergangenen Tagen zog er die Spitzhacke unter dem Bett hervor und ritzte damit eine weitere Kerbe in die Decke. Fünfter Tag.
    Wie jeden Morgen machte er sich nun auf den Weg zum Treffpunkt der Buddler beim Nordtor. Auf dem Weg passierte er wie immer die Arena. Es waren ungewöhnlich viele Menschen auf den Beinen, und sie alle blickten in den Kampfring hinab. Es wurde vereinzelt getuschelt, sonst war es merkwürdig still. Aziz kam näher und konnte der Versuchung nicht widerstehen, hinabzublicken. Eisige Kälte breitete sich in seinem Bauch aus.
    Ein Schatten lag tot in der Arena, aber nicht irgendein Schatten, sondern der, den Aziz beim Betreten des Lagerhauses an Derek gemeldet hatte. Und er war nicht nur einfach tot, sondern jemand hatte ihm eine Spitzhacke in den Mund gerammt und dann in die Arena hinabgestoßen. Wie eine Mahnung lag der Schatten dort im Sand, als wäre jemand darauf bedacht gewesen, absichtlich jede Zweifel an einem Mord zu zerstreuen.
    Während die Buddler flüsternd Theorien austauschten, wollte Aziz nicht einmal im Entferntesten darüber spekulieren. Denn das hieße eventuell, eine gewisse Mitschuld zu tragen. So beschloss er sich, die ganze Sache zu vergessen. Es musste einfach mit Derek zu tun haben. Der Mann wäre auf jeden Fall dazu fähig und vielleicht hatte er ihm das Motiv geliefert. Aziz wurde schlecht.
    Noch schlechter wurde ihm, als er kurz vorm Treffpunkt Derek auf sich zukommen sah.
    “Wir haben etwas zu besprechen.”
    In seinem Kopf begannen wilde Theorien herumzuwirbeln. Diese Besprechung verhieß nichts Gutes. Sollte er weglaufen?
    Derek lotste ihn in eine Hütte.
    “Du musst was für mich erledigen. Geh Pilze sammeln.”
    Er hielt ihm einen leeren Sack aus grobem Stoff entgegen. Aziz lagen viele Fragen auf der Zunge, aber diese in Worte zu verwandeln würde sehr wahrscheinlich Dereks Zorn erregen. Also wartete er ab.
    “Heute wirst du nicht buddeln gehen. Stattdessen wirst du meinen Kontakt besuchen. Das Pilzesammeln ist zur Tarnung. Der Sektenspinner wartet in der Höhle direkt gegenüber vom Südtor. Frage ihn, wie ihm die Blutfliegensuppe geschmeckt hat. Danach gibst du ihm diese Nachricht hier.”
    Derek überreichte ihm einen Schnipsel Pergament. Aziz steckte es sich in die Hose.
    “Als Belohnung bekommst du zehn Erzbrocken. Wenn du mir ein paar gute Giftpilze mitbringst, vielleicht noch ein paar Brocken mehr.”
    Aziz wurde kalt und heiß. Er wollte diesen Auftrag unter keinen Umständen annehmen. Außerhalb des Lagers Pilze zu sammeln erschien ihm unnötig riskant. Noch weiter in Dereks Geschäfte hineingezogen zu werden war ebenso unklug. Das Problem war nur, dass er den toten Schatten nicht ignorieren konnte. Derek hatte da mindestens seine Finger im Spiel, glaubte Aziz zu wissen, und er wollte nicht der nächste sein, der einen Unfall mit einer Spitzhacke erlitt.
    “Ich möchte verhandeln”, hörte sich Aziz sagen. Wenn er schon seine Haut riskieren sollte, könnte bei dem Auftrag auch wenigstens etwas herausspringen, das er wirklich haben wollte. Derek handelte offensichtlich mit Sumpfkraut und war daher der perfekte Ansprechpartner dafür.
    “Achso?”
    Der Ton von Derek war unüberhörbar feindselig.
    “Ich möchte einen Teil meiner Belohnung in Sumpfkraut.”
    Derek schien einen Moment zu überlegen. Er schien dem Angebot nicht abgeneigt.
    “Gut. Fünf Erzbrocken, zwei Stängel. War das alles?”
    Aziz nickte atemlos.
    “Gut. Mach dich an die Arbeit. Wir treffen uns abends bei der verfallenen Hütte am See.”
    Aziz begab sich aus der Hütte und sog zischend Luft ein. Es war immer noch ein riskanter Auftrag, aber so konnte er tatsächlich etwas gewinnen, das sein Leben bessern würde. Eine komplett durchgeschlafene Nacht lag in seiner Reichweite.

    Der unfreiwillige Pilzsammler verließ das Lager durch das Nordtor. Sicherer wäre es gewesen, das Südtor zu nehmen, aber Aziz hoffte, auf dem Weg die Pilzsuche erledigen zu können. Außerdem war es hoffentlich unauffälliger. Er wandte sich also hinter dem Tor nach links und folgte dem Weg ums Lager. Es gab hier einige Bäume, aber diese waren zu spärlich, um einen wirklich guten Sammelplatz für Pilze abzugeben. Der Vorteil der Umgebung war jedoch, dass die Lage übersichtlich blieb. Im Wald konnte sich jederzeit ein Tier durch das Gebüsch anschleichen, hier sah er Gefahren schon auf weite Entfernung. Da sich die Kreaturen von den großen Menschenansiedlungen eher fern hielten, war es also halbwegs sicher.
    Als er die ersten Pilze in den Beutel getan hatte, wägte er kurz ab, ob er den Zettel von Derek lesen sollte oder nicht. Aziz fürchtete, in ein moralisches Dilemma zu geraten, wenn er sich noch weiter in Dereks Machenschaften verstrickte. Andererseits konnte es seinem Schutz dienen. Er wollte endlich wissen, was gespielt wurde. Also entfaltete er den Zettel vorsichtig. Die Botschaft war kurz:
    “In drei Tagen am üblichen Treffpunkt. 100 gegen 5.”
    Aziz zuckte mit den Schultern und machte sich wieder an die Arbeit. Er konnte die verschiedenen Pilze nicht voneinander unterscheiden, weil er Wälder überhaupt nicht gewöhnt war. In der Wüste gab es keine Pilze. Also schnitt er wahllos ab, was nach Pilz aussah, und warf es in den Beutel.
    Trotzdem war die Pilzausbeute mager, als Aziz die Höhle ausmachen konnte. Wenn er sich nicht allzu auffällig verhielt, würde er hinein und hinaus gelangen können, ohne dass die Gardisten am Tor ihn sahen. Vorsichtig spähte er ein die Höhle. Es handelte sich nur um eine kleine Öffnung im massiven Fels, auf die ein kleiner Hohlraum folgte. Die Decke war niedrig, aber man konnte stehen. Es gab sogar einige Pilze in der Höhle, aber das war für Aziz nebensächlich. Seine Aufmerksamkeit galt dem merkwürdigen in einen Rock gekleideten Mann, der bewegungslos auf dem Boden saß.
    Während sich Aziz darüber wunderte, warum der Mann mit geschlossenen Augen in der Höhle saß, bemerkte er zu spät, dass beim Eingang der Höhle Kies und Sand verstreut war. Sein nächster Schritt knirschte hörbar, woraufhin der Mann die Augen aufschlug. Anstatt zu der an seinem Gürtel hängenden Keule zu greifen, blieb der Glatzkopf entspannt sitzen. Er hielt Aziz wohl nicht für gefährlich, sondern beobachtete ihn nur.
    Einen Moment geschah nichts, dann erinnerte sich Aziz an Dereks Worte.
    “Äh, wie hat dir die Blutfliegensuppe geschmeckt?”, brachte er hervor.
    Das Gesicht des Fremden hellte sich auf.
    “Wie mir scheint, haben wir einen gemeinsamen Bekannten. Setz dich doch ‘n bisschen zu mir. Du hast es doch bestimmt nicht eilig, oder?”
    Aziz hätte das Angebot ausgeschlagen, aber der Mann aus dem Sumpflager bot ihm einen Sumpfkraustängel an, und dieses Angebot konnte Aziz wohl schlecht ablehnen. Alleine schon, um seine Nerven zu beruhigen, musste er annehmen. Das sagte er zumindest sich selbst. Also setzte Aziz sich auf den blanken Fels und legte den Beutel mit den Pilzen neben sich ab.
    “Ich bin Meno. Wie du dir vielleicht denken kannst, komme ich aus dem Sumpflager. Ich bin für den Handel mit dem alten Lager zuständig. In letzter Zeit kamen kaum Leute bei mir vorbei”, erklärte Meno, während er geschickt mit Flint und Stahl zwei Krautstängel entzündete.
    Als sie beide einen tiefen Zug vom Kraut genommen hatte, fuhr er fort: “Ich sehe, du kennst unser Kraut schon. Ist gut, nicht wahr?”
    “Ja, aber es ist Mangelware bei uns.”
    “Kann ich mir vorstellen. Bei uns gibt es so viel Kraut, dass wir gar nicht wissen, wohin mit dem Zeug. Meine Brüder und Schwestern geben sich zwar große Mühe, auch den eigentlich fürs alte Lager bestimmten Anteil wegzurauchen, aber der Sumpf ist gnädig zu uns und gewährt uns mehr Sumpfkraut, als wir verbrauchen können.”
    “Und weil ihr nicht mehr ins Lager könnt, müsst ihr es schmuggeln.”
    Meno nickte betrübt. “Ja, das Handelsverbot hat uns schwer getroffen. Es wäre für alle Beteiligten besser, wenn die Erzbarone sich dazu entscheiden würden, uns wieder Zutritt zu gewähren.”
    “Erzähl mir mehr über euch und euren Sumpf.”
    “Da gibt es zu viel zu erzählen. Man muss es schon mit eigenen Augen sehen. Neulinge nehmen wir aber gerne auf, egal wen. Jeder kann zu unserer Bruderschaft beitragen. Wenn wir genug Seelen versammelt haben, wird der Schläfer stark genug sein, um uns zu befreien.”
    “Der Schläfer ist euer Gott, nicht wahr?”
    “Das stimmt. Wir schwören den alten Göttern ab, und im Gegenzug schenkt er manchen von uns Visionen und Magie. Er inspiriert uns außerdem, zusammenzuhalten und der Kolonie gemeinsam zu trotzen. Bei alldem hilft uns das Sumpfkraut.”
    Die Frage des Glaubens ließ Aziz innehalten. Vor seiner Gefangenschaft war er ein überzeugter Anhänger von Beliar gewesen, so wie viele Leute in der Wüste. Seitdem hatte er seinen Glauben aber weitestgehend verloren. Der Gott der Wüste hatte nicht nur zugelassen, dass er hier gelandet war, sondern auch seinen Eltern nicht geholfen. Seine Zweifel bedeuteten aber nicht, dass er sich gleich dem nächsten Gott um den Hals werfen wollte. Bevor er das tat, wollte er sich selbst ein Bild machen.
    “Wie kann man sich das vorstellen, als ihr das alte Lager verlassen habt?”, fragte Aziz dann.
    “Das ist inzwischen knapp ein Jahr her. Y’Berion, unser spiritueller Führer und Auserwählter des Schläfers, war bis dahin ein normaler Buddler. Der Schläfer zeigte ihm Visionen, was sein könnte, und wie es kommen sollte. Zuerst glaubte ihm niemand, aber er war hartnäckig. Er ist außerdem ein guter Redner, denn man spürt, dass er an das glaubt, was er vom Schläfer erzählt. Seine Anhängerschaft wuchs, zuerst langsam, dann immer schneller. Als die Erzbarone etwas unternehmen wollten, war es schon zu spät. Die Hälfte der Buddler schlossen sich ihm an, sie marschierten einfach zum Tor hinaus. Als die Gardisten eingreifen wollten, zeigte Y’Berion ihnen einen Bruchteil der Macht des Schläfers: Die Gardisten schliefen ein, am helligten Tag. Es war der erste Zauber des Schläfers.”
    Das war natürlich ein kaum zu übersehendes Zeichen. Ein Gott, der Magie an seine Anhänger weitergab, war zweifellos real. Um die Barriere zu überwinden, wäre ein bisher unbekannter Gott genau der richtige Verbündete. Aziz Gedanken kehrten jedoch in die Wirklichkeit zurück, als sich sein Krautstängel dem Ende zuneigte.
    “Es war nett, mit dir zu plaudern, Meno. Ich habe hier eine Nachricht für dich.”
    Der Novize nahm den Zettel entgegen, las ihn und zündete ihn dann mit dem letzten Rest seines Krautstängels an.
    “Danke. Richte Derek aus, dass ich mal wieder ein richtiges Sumpfhaisteak vertragen könnte. Und denk über meine Worte nach. Du bist bei uns immer willkommen.”
    Aziz nickte Meno zu und verließ die Höhle. Das Kraut machte ihn optimistisch, dass doch alles irgendwie gut ausgehen würde. Zum Südtor war es nicht mehr weit. Aziz nahm einen kleinen Umweg, sodass es nicht so offensichtlich war, dass er aus der Höhle kam.

    Als er sich dem Tor näherte, sahen ihm die Gardisten aufmerksam entgegen. Offensichtlich hielten sie Ausschau nach Schmugglern.
    “Zeig mal deinen Beutel, Bürschchen”, meinte der eine.
    Aziz zeigte ihnen den Beutel voller zusammengewürfelter Pilze.
    “Na dann greif mal rein und schau, dass da auch ja nichts anderes drin ist”, sagte der andere feixend zu seinem Kollegen.
    “Nee, lass mal. Der Kerl hier hat da auch Schleimpilze drin”, erwiderte der eine angeekelt.
    “Kontrolliert alles sorgfältig, was ins Lager kommt. Ich werde euch euren Sold kürzen, wenn wieder Kraut im Lager auftaucht”, imitierte der andere offensichtlich ihren Vorgesetzten.
    Der erste Gardist griff also wenig amüsiert in den Beutel, und nachdem er darin ein bisschen herumgewühlt hatte, zog er die Hand wieder heraus. Vorsichtig schnüffelte er an seiner Hand.
    “Jetzt stinkt die nach Pilz.”
    Der zweite Gardist lachte und winkte Aziz durch. Im Lager war wenig los, da die meisten Buddler in der Mine waren. Es war beinahe friedlich. Aziz entschied sich, die Pilze in seiner Hütte zu lassen und sich ein bisschen umzuschauen. Bis zum Abend war es noch etwas hin, daher nahm sich Aziz vor, das Lager zu erkunden. Eine vollständige Runde durchs Lager wollte er schon seit seiner Ankunft ablaufen, und das war die Gelegenheit.
    Am Markt kaufte Aziz sich Brot und ein Stück Fleisch und die gute Stimmung, die diese gute Mahlzeit auslöste, hielt genau solange, bis er unweit des Marktes ein bekanntes Gesicht sah: Brad, mit amateurhaft geschientem Arm. Aziz wollte sich schon davonstehlen, aber Brad hatte ihn gesehen. Das erste Mal seit der Prügelstrafe.
    Aziz schleppte sich zu Brad hinüber. Dieser war nicht zu Arbeiten in der Mine fähig und Aziz wusste, dass er ohne Hilfe verhungern würde. Und er selbst war Schuld daran. Er musste etwas tun. Er setzte sich zu Brad und reichte ihm die Hälfte seines Brotes und das Fleisch. Brad blickte ihn voller Hass an, und Aziz konnte es ihm nicht verdenken. Aber sie beide wussten, dass er nur durch diese Almosen überleben würde. Also schluckte Brad seinen Stolz mit dem Essen hinunter.
    Sie beide sagten nichts. Stumm erhob sich Brad nach der Mahlzeit und ging. Aziz fühlte sich hundeelend.

    Ein paar Stunden später stand Aziz vor Derek. Er reichte ihm den Beutel mit Pilzen und richtete Menos Worte aus.
    “Von den Pilzen kann ich wenig gebrauchen. Ich gebe dir zwei Brocken zusätzlich.”
    Aziz versuchte sich gar nicht erst vorzustellen, was Derek mit Giftpilzen vorhatte. Er hielt die Hand auf, in die Derek sieben Erzbrocken und zwei Krautstängel fallen ließ. Trotz der angespannten Situation fühlte Aziz sich gut. Er hatte sich endlich sein eigenes Kraut beschafft.
    Mehr gab es nicht zu bereden.
    Aziz zog es zum Feuer beim Südtor. Als er einen Krautstängel hervor holte, war Konstantin angemessen beeindruckt. Zusammen rauchten sie, und da war es wieder, das Gefühl, dass alles gut werden könnte. Es war wieder eine viel zu kleine Wiedergutmachung, aber diese hinterließ ein gutes Gefühl.
    Aziz konnte natürlich nichts über Dereks Aufträge erzählen und der Minenalltag war glücklicherweise langweilig. Stattdessen fragte er den Gardisten aus, ob es schon Erkenntnisse über den toten Schatten in der Arena gab. Aziz hatte bei seiner Runde gesehen, dass sie den Leichnam inzwischen weggeschafft hatten. Konstantin, der normalerweise frei von der Leber weg plauderte, hielt sich ungewöhnlich bedeckt.
    “Bisher wissen wir wenig. Ich fürchte, ‘s war ein Zeichen. Wir können uns ungefähr vorstellen, wer’s war, aber wir können natürlich nich einfach jemanden dafür aufhängen.”
    Eine Weile schwieg er.
    “Solltest dich von dieser ganzen Sache am besten fernhalten.”
    Dafür war es wohl leider zu spät.

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