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    Drachentöter Lord Regonas's Avatar
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    Post [Story]Fellan der Donnergott

    Ein sonniger Morgen war auf der Insel Khorinis angebrochen. Nur wenige Quellwolken waren am Himmel zu sehen und es war hinzukommend auch noch angenehm warm. Wie jeden Morgen trat Pedro als einer der ersten Novizen seinen Dienst an. Neben der alltäglichen Öffnung und Schließung der Klostertore, war er zudem auch für den Wachdienst vor den Toren des Klosters verantwortlich. Sein Posten war dabei im übertragenden Sinne zur Vorbeugung von Gefahren gedacht. Doch auch für Gäste, Pilgerreisende und Klosteranwärter galt er als erste Anlaufstelle. So manch einer mochte sich fragen, wie Pedro es den ganzen Tag am Tor des Klosters zu stehen vermochte; doch in von Magiern unbeobachteten Momenten (davon hatte er ziemlich viel) wusste sich ein Novize durchaus zu helfen. So gab es dutzende Zaubersprüche, die in der unmittelbaren Umgebung sehr hilfreich waren. Licht in der Dunkelheit oder über brückenlose Abgründe zu Schweben, waren die weitestgehend anerkannten und von Magiern tolerierten Zaubersprüche. Der Nutzwert eines magischen Stuhls reihte sich da nahtlos ein, doch bei den hohen Magiern wurde ausgerechnet dieser Zauberspruch verpönt. Pedro hatte sich jedoch bisher noch nicht erwischen lassen und nutzte den Stuhl auch an diesem Tag. Von seiner kurz bevorstehenden Begegnung wusste er zu diesem Zeitpunkt noch nichts.
    „Ich meine mich zu erinnern, dass Pyrokar zu meiner Zeit diesen Zauberspruch bereits unter Strafe gestellt hatte!“ Pedro erschrak bei der plötzlich auftauchenden Stimme und vernachlässigte für einen kurzen Moment seine Konzentration. Der magische Stuhl entschwand und er landete unsanft auf dem Hintern.
    „Ach verdammt!“, fluchte er und richtete sich wieder auf. Erstmals hatte er nun Gelegenheit, sein Gegenüber zu mustern und erschrak erneut.
    „Ihr seid... ein Schwarzmagier!“ Vollkommen überhastet hob Pedro seinen am Boden liegenden Kampfstab auf und streckte ihn zitternd seinem Gegenüber entgegen. „Ihr kommt nicht vorbei!“ Von Erzählungen hatte er von Magiern auf der dunklen Seite der Macht gehört. Allesamt mit Beliar, der bösen Gottheit im Bunde. Ihre schwarzen Kutten, wie sein gegenüber eine trug, waren ihr wohl markantestes Zeichen. Es war das erste Mal, dass er einen Schwarzmagier zu Gesicht bekommen hatte.
    „Nun mach mal Halblang“, antwortete der Magier bestimmend. „Hast du überhaupt eine Ahnung, wer ich bin?“ Pedro behielt krampfhaft seine Stellung bei und sah in die starren Pupillen des Magiers. Er hatte den Kerl noch nie zuvor gesehen.
    „Ihr seid ein Diener des Bösen und ich durchschaue eure Tricks!“, rief Pedro unnachgiebig. „Ich bin der Wächter des Klosters und wenn euch euer Leben lieb ist, dann solltet ihr verschwinden!“ Pedro war von sich selbst überrascht. So viel Standhaftigkeit hatte er sich gar nicht zugetraut. Innos musste ihm genau in diesem Moment beistehen.
    „Ich habe keine Zeit, um mich mit einem pedantischen Novizen zu streiten!“, antwortete der Schwarzmagier nun deutlich gereizter. „Richte Pyrokar aus, dass ich ihn unverzüglich sprechen muss. Mein Name ist Xardas...!“
    Last edited by Lord Regonas; 08.08.2019 at 18:47.

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    Ein dumpfes Pochen war an der massiven Holztür der Kirche zu vernehmen. Pyrokar, Serpentes und Ulthar unterbrachen irritiert die allwöchentliche Ratssitzung und schauten kollektiv zum Eingang der Kirche. Die große Doppeltür wurde einen Spalt geöffnet und Pedro lugte zurückhaltend hindurch.
    „Hier ist Besuch für euch, Meister Pyrokar.“ Obgleich die Feuermagier am anderen Ende des Gewölbes saßen, spürte Pedro ganz deutlich ihre auf ihn gerichteten Blicke. Sie mussten ganz klar empört darüber gewesen sein, dass aufgrund einer solchen Bagatelle, die Ratssitzung gestört wurde. „Es ist ein Schwarzmagier.“, fügte er schließlich hastig hinzu. Getuschel brach plötzlich unter den hohen Magier aus. Pedro verblieb an der Eingangstür. Er bekam von dem Getuschel der Magier nichts mit. Dann standen plötzlich Serpentes und Ulthar auf und begaben sich zum Ausgang des alten Gemäuers. Angespannt wartete Pedro die Situation ab. Er hatte keinen Ahnung, was nun geschehen würde. Umso verdutzter war er, als die beiden Feuermagier wortlos an ihm vorbei gingen und das Gebäude verließen.
    „Er soll vortreten und mir sein Anliegen vortragen!“, rief Pyrokar im hinteren Teil der Kirche verbleibend.

    „Ich hätte nicht damit gerechnet dich nach dem Fall der Barriere noch einmal zu sehen!“
    „Ich bin keineswegs der alten Zeiten wegen hier.“, erwiderte Xardas mit sichtlichem Unbehagen. „Ich brauche deine Hilfe!“
    „Nach all der Zeit tauchst du hier auf und erbittest meine Hilfe.“, erwiderte Pyrokar sichtlich pikiert. „Deine Unterstürzung durch das Kloster des Feuers ist mit deiner Abkehr zur dunklen Seite der Macht schon vor langer Zeit erloschen.“ Xardas hielt einen Moment inne. Es war offensichtlich, dass er dem Feuermagier am Liebsten gehörig die Meinung geblasen hätte.
    „Ich habe den Tesserakt gefunden...“, antwortete er schließlich und verfolgte angespannt die Reaktionen seines Gegenübers.
    „Den Tesserakt?“, wiederholte Pyrokar mit gerunzelter Stirn. „Das spielt keine Rolle. Das Auge Innos liegt wohl behütet in der Stadt Khorinis. Es wird von einer ganzen Garnison der königlichen Paladine bewacht. Die Klaue Beliars ist wiederum seit annähernd einem Jahrtausend verschollen.“
    „Die Klaue Beliars wurde gefunden.“, antwortete Xardas prompt, so als hätte er mit einer solchen Entwicklung des Gespräches gerechnet. „Sie befand sich im Norden der Insel in einem versiegelten Tempel. Ein ehemaliger Erzbaron der Minenkolonie hat den Tempel in einem abgelegenem Tal gefunden. Er brach das Siegel und nahm die Klaue an sich. Zugleich befreite er damit ein uraltes Wesen, dass vor einigen Wochen den entsetzlichen Sturm über die Insel gebracht hat.“ Pyrokar hörte Xardas aufmerksam zu und verzog dabei keine Mine. Obgleich er über Xardas Nachrichten schockiert, verängstigt oder einfach nur erbost war, so zeigte er es nicht. Aufgrund dieser nach außen hin wirkenden Gleichgültigkeit setzte Xardas noch einmal nach.
    „Er braucht nur noch das Auge Innos um beide Steine der Macht im Tesserakt zu vereinen. Sollte das passieren, kann ihn keiner von uns mehr aufhalten. Selbst die Erwählten wären ihm dann unterlegen.“
    „Ich würde dich an Liebsten davonjagen lassen...“, antwortete Pyrokar endlich mit ruhiger Stimme „Dich und deine ewigen Schauergeschichten.“
    „Diese Situation ist so real, wie sie nur sein kann!“, erwiderte Xardas empört. Er wusste um Pyrokars Sturheit. Dennoch hatte er gehofft, dass sie inzwischen im hohen Alter der Weisheit gewichen war. „Wenn du auch dieses Mal wieder die Augen vor dem offensichtlichen verschließt, dann...“
    „Genug!“, unterbrach Pyrokar den Schwarzmagier plötzlich mit donnernder Stimme. „Nach all den Jahren hast du dich kein bisschen verändert! Noch immer fällst du zur Tür hinein und predigst vom Untergang der Welt!“
    „Du hast dich auch nicht verändert!“, erwiderte Xardas zähneknirschend. Er kochte innerlich und konnte seine Wut nur schwer unterdrücken. Eben jene Sturheit war vor Jahren der ausschlaggebende Punkt, weswegen er das den Zirkel des Feuers verlassen hatte und ins Exil gegangen war. „Ich bin hier fertig!“ Er wandte sich vom obersten Feuermagier ab und hastete eiligen Schrittes zum Ausgang der Kirche. Noch bevor Xardas jedoch den Ausgang erreicht hatte, öffnete sich plötzlich die massive Doppeltür und ein Paladin mittleren Alters betrat das alte Gemäuer. Xardas hielt überrascht inne. Die Rüstung des Paladins war aus magischen Erz gefertigt. Dieser Umstand allein war bereits eine Seltenheit. Doch viel mehr verblüffte Xardas, dass der Paladin den heiligen Hammer von Innos auf den Rücken trug. Ein Hammer, der sich nur von jenen Menschen führen lies, welche sich als würdig erwiesen hatten. Der letzte Mensch, auf dem dies zugetroffen hatte, war König Rhobar, der Ältere.
    „Ist das die Hilfe, um die du ersuchen wolltest?“ Die widerhallenden Worte des obersten Feuermagiers überraschten Xardas erneut. Erstmals vernahm er ein gewisses Wohlwollen in Pyrokars Stimme.
    „Du hast doch eben noch...“ Xardas suchte nach den passenden Worten, um diese höchst unerwartete Wendung nicht umgehend wieder im Keim zu ersticken.
    „Ich bin deiner Meinung, dass wir etwas unternehmen müssen!“, antwortete Pyrokar aushelfend und trat Xardas nun direkt gegenüber. „Aber das geht nur, wenn wir dieses Mal zusammen arbeiten. Was hast du also vor?“, fragte Pyrokar zufrieden.
    „Ich habe schon seit längeren diesen Gedanken... Die Idee war, eine Gruppe von außergewöhnlichen Leuten zusammenzubringen - zu sehen, ob sie zu etwas Größerem werden können, ob sie zusammenarbeiten können, wenn wir sie brauchen... Um die Kämpfe zu führen, die wir nicht gewinnen können.", antwortete Xardas.

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    Wenige Wochen zuvor am Kloster von Khorinis...
    „Wer ist da?“, rief Pedro krächzend in die Nacht hinein. Ein dunkler Schatten näherte sich der Festung der Magier über die imposante Klosterbrücke. „Antwortet!“, rief er erneut mit zittriger Stimme und zog hastig seinen Kampfstab.
    „Mein Name ist Fellan“, antwortete der Schatten und betrat nun erstmals den hellen Schein der Fackeln. „Der Sturm hat mein Haus in der Hafenstadt niedergerissen und nun erbitte ich um vorübergehende Bleibe im Kloster.“ Skeptisch betrachtete Pedro den zerlumpten Mann. Bedrohlich wirkte er zumindest nicht.
    „Deine Klamotten sind ja vollkommen durchnässt“, sagte er schließlich und steckte seinen Kampfstab wieder weg. „Hier draußen wirst du dir noch den Tod holen.“ Hastig zog der Novize einen Schlüssel aus seiner Tasche und schloss die Klostertüren auf.
    „Folge mir, ich bringe dich zu Parlan.“ Fellan zögerte nicht, der Aufforderung nachzukommen. Er zitterte am ganzen Körper vor Kälte und war froh, eine Bleibe für die Nacht gefunden zu haben. Im inneren des Klosters herrschte eine unglaubliche Stille. Lediglich das Knistern der dutzenden Fackeln und der entfernt wehende Wind waren zu hören. Für Fellan, der den Trubel des Hafenviertels gewohnt war, eine völlig ungewohnte Umgebung.
    „Das Kloster des Feuers heißt dich willkommen, Reisender.“ Erst jetzt bemerkte Fellan den vor der monumentalen Kirche stehenden Feuermagier. „Vielen Dank, Pedro.“, verabschiedete er den Novizen und wandte sich wieder an Fellan.
    „Mein Name ist Parlan und ich kümmere mich um die Neuankömmlinge.“
    „Ich heiße Fellan. Der Sturm hat mein Haus in der Hafenstadt niedergerissen und nun habe ich keine Bleibe mehr.“
    „Nun...“, antwortete Parlan und überlegte einen Moment. „Zunächst einmal sollten wir dich neu einkleiden. Im Anschluss zeige ich dir dann die Kammer, in der du nächtigen kannst. Morgen früh um sechs wird man dich dann zum Frühstück wecken. Danach werden wir uns unterhalten und alles weitere klären.“


    Spoiler:(zum lesen bitte Text markieren)


    Als Fellan am nächsten Morgen um sechs Uhr in der Früh geweckt wurde, fühlte er sich, als wäre er unter Rädern gekommen. Er konnte sich nicht erinnern, jemals so früh aufgestanden zu sein. Sicherlich hatte er die ein oder andere Nachtschicht zur Reparatur seines Hauses geschoben, doch den fehlenden Schlaf hatte er grundsätzlich nachgeholt. Aus Gründen, die er zu dieser Uhrzeit noch nicht imstande war zu ergründen, war dies jedoch nicht möglich. Gähnend verließ er seine Kammer und musste schon kurz darauf erneut mit einer sehr unangenehmen Sache zurecht kommen. Die Sonne war bereits aufgegangen. Ein Umstand, mit dem seine völlig übermüdeten Augen nicht zurechtkamen. Zähneknirschend streckte er seine Hand aus, um den gleißenden Schein der Sonne von seinem Gesicht abzuschirmen. Dies gelang ihm zu seinem Leidwesen jedoch nun geringfügig.
    „Das frühe Aufstehen ist Bestandteil unserer Gebräuche und Sitten...“ Fellan hatte die beinahe schon behäbige Stimme des Feuermagiers vom Vorabend noch gut in Erinnerung und senkte seine Hand wieder. Er erkannte ehrliche Mitgefühl im Gesicht des Feuermagiers, was seine Laune immerhin etwas verbesserte.
    „Ich werde dich nun in die Kirche geleiten.“, fuhr Parlan schließlich fort. Dort kannst du dich dann nach all den Strapazen erst einmal stärken. Danach werden wir uns über deinen weiteren Aufenthalt im Kloster des Feuers unterhalten.“

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