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    Held Shepard Commander's Avatar
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    Vor einer ganzen Weile , Epilog 1

    Nachdenklich betrachtete Kathy die umliegenden Häuser. Das Viertel war mies, heruntergekommene Gebäude. Aber es ging. Sie hatte in Teilen Berlins viel schlimmeres gesehen. Oder auf Korlus. Auf einer Station wie der Citadel konnte man es sich nicht einfach leisten wertvolle Bausubstanz verfallen zu lassen. Nicht im Mittelpunkt der zivilisierten Galaxis. Ein paar Kinder spielten auf der Straße, mit irgendeinem Schrott. Erinnerte sie auch an früher. Nicht unbedingt gute Erinnerungen.

    Eine massige Gestalt neben ihr riss sie plötzlich aus den Gedanken. „So, dreimal Currywurst mit Pommes. Einmal sehr scharf, einmal mittel und mild.“, verkündete der bullige Kroganer mit tiefer Stimme und stellte die drei Schalen auf dem Plastiktisch ab. Ragan Graken war über 800 Jahre alt, hatte in vielen Schlachten gekämpft, seine Feinde mit ihren eigenen Gedärmen erwürgt. Jetzt briet er in seiner Imbissbude Würste in Darm oder seine berühmten Pyjak-Spieße. Manche hätten das als Rückschritt gesehen, doch wenn man den Kroganer fragte war dies bisher der am meisten erfüllende Teil seines langen Lebens. Katharina hatte das Gebäude gekauft wo sich sein Laden befand, sah jedoch keinen Grund den Kroganer nicht als Mieter zu behalten. Im Gegenzug hatte er seine Speisekarte um etwas von der heimische Imbissbudenkultur seiner Vermieterin ergänzt. Ungefragt.
    „Läuft tatsächlich ganz gut, muss ich zugeben. Wenn auch nicht so gut wie die Pyjak-Spieße.“, erklärte der Kroganer Kathy, nachdem er die Mahlzeiten abgestellt hatte. Die Halbasiatin lächelte. „Das freut mich doch zu hören. Ansonsten alles gut bei ihnen? Keine Schwierigkeiten?“, erkundigte sie sich höflich. Der Kroganer lachte grimmig. „Wegen der Gangs? Also bei mir hat noch nie jemand versucht Schutzgeld einzufordern, falls sie das meinen.“, erwiderte der Koch und ging mit einem breiten Grinsen wieder in den Laden. Kathy schüttelte lächelnd den Kopf und zog dann ihre Schale zu sich. Eine ihrer Begleiterinnen war da etwas zögerlicher. Yuika schaute skeptisch auf ihre Schale. „Sieht sehr fettig aus. Bekommt man davon Durchfall?“, fragte sie und stocherte vorsichtig in der Currysauce herum. „Manchmal.“, sagte Kathy zwischen dem Kauen und piekte eine Fritte mit der Pommesgabel auf. „Iss einfach, Schwester. Gar nicht so übel.“, warf Airi ein die schon am Essen war.
    Vorsichtig nahm ihre Zwillingschwester die Gabel in die Hand und eine Scheibe Wurst in Sauce auf. Skeptisch zerkaute die Japanerin diese langsam, als sich plötzlich ihre Augen weiteten und sie leicht purpurrot wurde. „Scharf!“, keuchte sie mit verbrannter Zunge, während ihr kalter Schweiß von der Stirn lief. „Hm, ich hatte mich schon gewundert. Das hier ist doch nicht mittlere Schärfe.“, merkte Airi an und schaute enttäuscht auf ihre Pommesschale herab. Yuika warf ihrer Schwester einen Todesverachtenden Blick zu, während sie scheinbar nicht wusste was sie mit ihrer Zunge tun sollte. „Schnell gehen sie rein, fragen sie nach Milch oder ähnlichem.“, riet ihr Katharina und die Söldnerin flitzte nach drinnen. „Sie verträgt nicht diese Art von Schärfe.“, kommentierte Airi lapidar und tauschte die beiden Schalen aus.

    Schließlich machten sich die drei Frauen auf, auch wenn Yuika sich geweigert hatte aufzuessen. Sie hatten ein wenig abseits geparkt, um sich ein paar der erworbenen Immobilien anzuschauen. Anders als bei ihren letztem Besuch trugen die beiden Japanerinnen keine Kampfmontur, sondern Rennjacken von irgendeinem Skycar-Rennstall in Tokio. Kathy trug eine recht schlichte Lederjacke, Neuerwerb. Die alte Jacke hatte sie ja auf ihrer Flucht zurücklassen müssen.

    Momentan war es recht ruhig in den Tips, wenig los auf den Straßen. Immer noch konnte man Spuren der Kämpfe erkennen. Vermutlich würde es noch dauern bis alle Schäden beseitigt wurden. Vor allem da derzeit wohl auf den Meadows der größere Fokus lag. Die Ankündigungen zum Wiederaufbau hatten jedoch wenigstens einen positiven Aspekt. Die Immobilienpreise waren wieder deutlich angestiegen.

    Die drei Frauen erreichten schließlich die Gasse wo das Skycar der Zwillinge parkte. Fast schon ein wenig zu gut für diese Gegend, doch musste man auch ein wenig lebensmüde sein den Beiden das Skycar zu stehlen. Kathy ging hinter den beiden Japanerinnen, als plötzlich Airi langsamer wurde. Katharina bemerkte wie diese ihrer Zwillingschwester einen kurzen Seitenblick zuwarf. Yuika wurde ebenfalls ein wenig langsamer, beide schienen nebensächlich etwas in ihren Jacken zu suchen. Auch Katharina hatte jetzt die Schatten in der Nebengasse bemerkt, unweit des Skycar.
    Etwas nervös wurde der Schwarzhaarigen gewahr das sie immer noch keine neue Waffe hatte. Kein angenehmes Gefühl. Scheinbar nach ihrem Sensor für das Skycar suchend, trat Airi an das Gefährt heran. Plötzlich trat eine Gestalt aus der Nebengasse.
    Doch bevor der Batarianer sein. „Hände hoch!“, vollenden konnte, wirbelte die Japanerin herum. In der Bewegung zog sie ihre Schrotflinte aus der Jacke und zog diese dem Angreifer durch das Gesicht. Während sich die Katana zischend entfaltete, führte sie einen zweiten berstenden Schlag gegen die Augen des Angreifers aus. Die Söldnerin drehte die einsatzbereite Schrotflinte in der Hand und legte ihre freie Hand an den Lauf. Ein lauter Schuss verteilte das Schädelinnere des Batarianers an der Häuserwand.
    Yuika zog zeitgleich mit ihrer Schwester die Waffe und legte auf den anderen Angreifer an, einen Vorcha. Zwei schnelle Drei-Schuss-Salven trafen das zentrale Nervensystem des Alien. Ein dritter Angreifer trat aus dem Schatten, von der Silhouette als Turianer erkennbar. Dieser legte gerade auf Kathy an, als Airi die Leiche des Batarianers gegen ihn schubste. Die Salve des Schützen verzog, nur ein Schuss prasselte am Personenschild der kauernden Halbasiatin ab. Airi feuerte einen Schrotschuss gegen das Bein des Turianers, noch während dieser zu Boden ging hatte ihm Yuika schon die Waffe aus der Hand geschlagen. Langsam legte Airi den Lauf ihrer Schrotflinte an den behelmten Kopf an.

    „Warten sie!“, befahl Kathy und richtete sich wieder auf. Langsam schritt sie zu den anderen, blaues Blut floss aus dem zerfetzten Bein des Turianers. Im Vorbeigehen warf sie einen Blick auf den toten Batarianer, neben ihm lag eine M5-Phalanx auf dem Boden.
    „Moment.“, dachte Kathy und hob die Pistole auf. Tatsächlich, angepasstes Griffstück, modifizierter Lauf. „Dich kenne ich doch.“, murmelte sie erfreut, die Waffe in der Hand wiegend. Zufrieden lächelnd trat sie an den Turianer heran. Immer noch lag der Lauf der Schrotflinte an seinem Hals.
    „Nehmen sie ihm den Helm ab!“, wies Kathy Yuika an. Klackernd fiel der turianische Helm zu Boden. Katharinas Lächeln wurde sofort breiter. „Gator. Lange nicht mehr gesehen. Ich kann nicht sagen das ich sie vermisst habe.“, erklärte sie gespielt freundlich.
    „Orlowski! Haben sie jemanden gefunden der auf ihren wertlosen Arsch aufpasst?“, erwiderte dieser grimmig und spuckte verächtlich aus. Kathy trat dicht an ihn heran. „Also bitte. Die Tatsache das jemand auf ihn aufpasst, legt doch nahe das er nicht so wertlos ist.“, erwiderte sie höflich und zog dann dem Turianer den Pistolenkolben quer durch das Gesicht. „Argh. Miststück!“, spie dieser nachdem er sich wieder gefasst hatte. „Ich hätte viel treffendere Bezeichnungen für sie. Aber lassen wir das. Bevor sie verbluten, wie lange suchen sie mich schon?“, fragte Kathy schneidend.

    „Seit sie und die Asari verschwunden sind. Tekklar hat mir aufgetragen sie zu finden. Kell hielt das alles für Zeitverschwendung, aber sie bestand darauf. Ich wusste noch wie ihr Name war, so fand ich ihre Adresse heraus.“, erklärte Gator nach kurzem Zögern.
    „Aber in ihrer Wohnung sind sie ja nie aufgetaucht. Dann kam diese ganze Terrorgeschichte und wir mussten den Kopf unten halten.“, fuhr Gator fort. Die Schwarzhaarige lachte innerlich. Die ganze Arbeit in Marans Büro und das daraus resultierende Schlafen in Hotels hatte sich in mehrfacher Hinsicht gelohnt.
    „Und nach den Anschlägen?“ „Wir fanden heraus das sie öfter in den Tips unterwegs waren, dass schien uns am geeignetsten. Wenig C-Sec.“, keuchte der Turianer und zog das verletzte Bein an. „Also nur sie haben mich gesucht? Nicht Tekklar?“, hakte Kathy nach und setzte ihren Fuß nahe dem verletzten Bein ab. „Nein, sie sind ihre Zeit nicht wert. Wollte die Asari suchen. Kommt vielleicht nach ihnen falls sie damit fertig ist.“, erklärte Gator freimütig, die unterschwellige Drohung wohl verstehend. „Wie freundlich von ihr. Wo sucht sie gerade?“, fragte Katharina.
    Gator schüttelte den Kopf. „Keine Ahnung, ich sollte ihr schreiben, wenn ich sie habe. Und sie mir, wenn sie fertig ist. Bisher hatten wir keinen Schriftverkehr.“, spottete der Turianer und atmete schwer. „Aber sie ist eine hartnäckige Schlampe, die nicht aufgibt. Egal was Kell meint.“, fügte Gator an und lächelte grimmig.
    Da haben sie wohl Recht, Gator.", stimmte sie zu und machte eine kurze Pause. "Nun. Aufgrund unserer gemeinsamen Beziehung, mit all ihren Tiefs. Und Tiefs. Sollte ich ihnen wohl mehr Zeit widmen. Aber ich habe viel zu tun, deswegen sehen sie es mir nach. Wenn sie in der turianischen Hölle sind, decken sie schonmal den Tisch für Tekklar.“, verabschiedete sich die Halbasiatin kühl und hob die Phalanx.

    „Was nun Orlowski-san?“, erkundigte sich Yuika, während die drei von Gators Leichnam zum Skycar gingen. In ihrer Hand war Gators Omnitool.
    „Ja, wer ist diese Asari? Eine Freundin von ihnen?“, fragte Airi neugierig. Dies kam so unerwartet, dass Kathy kurz sehr heftig lachen musste. Irritiert schaute die Japanerin sie an. „Verzeihen sie.“, entschuldigte sich die Deutsche, sich wieder beruhigend. „Nein, das wäre wohl die falsche Bezeichnung. Es ist..kompliziert.“, erklärte die Schwarzhaarige nachdenklich. „Eine Geschäftspartnerin, wenn man so will. Charis Vale. Ich habe auch noch Schulden bei ihr.“, fügte sie an. „Ah und jetzt wollen sie warten bis sich durch diese Tekklar ihre Schulden auflösen?“, fragte Airi unschuldig.
    Katharina sah sie stumm an, kurz schienen die Gedanken in ihr zu kreisen. Dann schüttelte sie den Kopf. „Nein, natürlich nicht. Ich bezahle immer meine Schulden. Und ich habe auch keine Ambitionen sie tot zu sehen.“, entgegnete Kathy und klopfte nachdenklich auf das Autodach. „Im Gegensatz zu Tekklar, die sollte besser nicht länger auf dieser Station herumlaufen.“, fügte sie bestimmt an.
    „Also?“, griff Yuika ihre Frage wieder auf. „Sie gehen in ihre Netzwerke und schauen ob wir kurzfristig etwas Unterstützung finden. Professionelle Unterstützung!“, wies Kathy die Japanerin an. „Sie fahren zu meiner Wohnung und schauen sich diese mal an. Und entfernen eventuelle ungeladene Gäste.“, sprach sie an Airi gewandt. Die beiden Japanerinnen nickten zustimmend. Katharina klatschte zufrieden in die Hände. Langsam ließ sie sich hinten auf die Sitzbank gleiten. „Und ich werde wohl mal jemanden kontaktieren müssen.“, murmelte sie nachdenklich während sich die Tür schloss.


    Die Luft hier ist ja zum Schneiden.“ Charis‘ Stimme klang kehlig-hohl. Eine Atemmaske, die Mund und Nase bedeckte, ließ sie klingen als spreche sie in eine leere Chipsdose. „Den Mechs ist’s egal und die Volus mögen die Wärme“, sagte Victoria hinter Charis. Die Stimme der anderen Asari drang gedämpft unter ihrem Helm hervor. „Es wundert mich, dass die Vieraugen überhaupt unbemerkt auf der Citadel…“, begann Charis, wurde dann aber durch ein herrisches „Ruhe jetzt“ unterbrochen. Sonny, die ihre kleine Gruppe anführte, leuchtete in die verwinkelten, lichtlosen Gänge. In den Tips war vor kurzem die Hölle losgewesen, sämtliche kleine Banden in diesem Revier hatte es im Laufe eines blutigen Nachmittags, den man den theatralischen Namen „Devil’s Riots“ gegeben hatte, zersprengt, zerschlagen und zerfallen. Das entstandene Machtvakuum hatten sich die geschäftigsten Schmuggler der Citadel sofort zunutze gemacht und die ehemaligen Lagerplätze und Clubhäuser der Gangs für ihre eigenen Zwecke requiriert. Rötlicher Dunst waberte bis auf Kniehöhe zwischen den Asari und Charis vermutete bei jedem Schritt, dass sie gleich auf irgendetwas abartiges treten würde. Sonny hob ihre Lampe und deutete einen rabenschwarzen Korridor herunter. „Dort entlang.“

    Wie Victoria trug Sonny die schwarz-gelbe Kampfpanzerung der Eclipse-Schwestern, hatte aber ihre Atemmaske nicht auf. Sie baumelte ebenso nutzlos an ihrer Seite, wie die Tempest-Maschinenpistole an der von Charis. Die Schmugglerin, die in diesem Moment Teil eines Überfallkommandos war, schaute mit der ansteigenden Panik eines zur Schlachtbank geführten Schafes auf die Hintertentakeln ihrer Anführerin. Eine weiße Narbe glitzerte wie ein durch Staub fallender Lichtstrahl auf einer der Tentakel. Der Anblick wirkte seltsam beruhigend auf Charis. Sonny hatte einen Plan. Sie war eine Kämpferin, eine Asari und eine Eclipse-Schwester. „Es wird schon gut gehen“, dachte sich die Schmugglerin und hoffte, dass sie Recht behielt.

    Sonny blieb unvermittelt stehen. „Dort“, sagte sie und deutete durch Dunst und Dunkelheit auf ein fernes, kaltes Licht. In einem an ein Baucontainer erinnerndes Häuschen brannte Licht. Ein unbewegter Strahler warf seinen weißen Lichtkegel, der die fast stoffliche Dunkelheit nur zurückweichen lassen und nicht völlig verdrängen konnte. Charis erkannte über Sonnys Schulter hinweg die hageren Gestalten von zwei LOKI-Mechs. Sonnys Funk knackte vernehmlich. „Sonny, ich bin in Position. Hab zwei Mechs vor dem Gebäude und mindestens einen im Innern gesehen“, meldete sich ein weiteres Teammitglied. „Alles klar, Vezra“, sagte Sonny leise. „Nicht schießen, bis wir nicht bei der Tür sind.“ „Alles klar“, gab Vezra zurück. Charis und ihre Begleiterinnen drückten sich an die metallische Wand hinter ihnen. Charis spürte die abstrahlende Kälte des Stahls, ihr nackter Arm berührte eine der herausragenden Ausbeulungen und ließ sie erschauern. Leise aber bedächtig näherten sich die drei Asari den Robotern und dem flachen Bau, den sie bewachten. Charis konnte im fahlen Schein des Strahlers das Tag einer erloschenen Gang erkennen – die rassistischen White Flowers. Kein großer Verlust für diese Welt, dachte sich die Asari.

    Der Container, welcher der Gang wohl mal als Stützpunkt oder „Clubhaus“ gedient hatte, besaß nur zwei Eingänge. Einer lag am längeren Ende des an einen Schuhkarton erinnernden Containers, der andere an der Seite links daneben. Es gab mehrere Fenster, durch die man gegen ausbrechendes Licht die schemenhaften Umrisse von Gestalten erkennen konnte. „Los, los“, trieb Sonny sie zur Eile an. Sie huschten in den Schatten zwischen ihrer Wand und dem Container. „Bereit?“, fragte Sonny per Funk. „Bin ich“, meldete Vezra. Sonny tippte auf ihrem Omnitool, dann trat sie aus dem Schatten und richtete das Gerät auf einen der beiden Mechs.

    Ein heller, zuckender Impuls schoss aus dem Tool, erfasste den Mech und ließ ihn, wie von einem Blitz getroffen, erzittern. Im Bruchteil einer Sekunde schmorten die Schaltkreise der Einheit durch. Auch der zweite Mech wurde vom Zucken befallen, die Überlastung erfasste ihn aber nicht völlig. Einsatz Vezra: Ein entfernter Schuss, so laut wie das heftige Zuschlagen einer Tür, zerriss die Stille der Halle. Der Kopf des Mechs explodierte. „Bereitmachen!“, rief Sonny und riss ihre Maske vom Gürtel. Während der kopflose Mech stürzte, Sonny ihr Gesicht hinter einem luftdichten Atemfiltersystem verbarg und im Innern des Gebäudes Hektik ausbrach, rannten Charis und Victoria auf ihre besprochenen Positionen. Charis riss die Tempest hoch, legte an und zielte auf den Eingang der langgezogenen Seite; die behelmte Victoria legte mit ihrer Schrotflinte namens „Fleischwolf“ auf das Pendant der kurzen Seite an. Sonny pflückte sich den Granatwerfer vom Rücken. Es knallte, Glas barst und mit einem dumpfen Geräusch platze die Granate im Hausinneren. Lautes Geschrei ertönte, irgendjemand feuerte unkontrolliert eine Waffe ab. Sonny wiederholte die Prozedur, feuerte Granate um Granate in den Container, wo sich nun rasch dichter Nebel ausbreitete und heftiges Husten begann. Dann flogen die Türen auf.

    Das erste was Charis sah, war ein Zwerg. Die Schmugglerin dachte zuerst, es sei ein Volus. Dann richtete sich die Person auf und entpuppte sich als Mensch, der schwer keuchte, hustete, stolperte. Er hielt sich am Türrahmen fest. Seine tränenverhangenen Augen erkannten die Asari, die sich mittlerweile hingekniet hatte und mit schweißnassen Händen den SMG-Schaft umklammert hielt. „Fuck!“, las Charis auf den Lippen des Mannes, dann drückte sie ab. Der erste Feuerstoß riss den Kerl gleich von den Beinen, hustete eine garstige Wolke roten Blutes in das Zwielicht des Scheinwerfers und schleuderte ihn zurück. Ein weiterer Kerl, ein Batarianer oder ein Mensch, Charis konnte es nicht erkennen, stolperte zur Tür, sah seinen getöteten Kameraden und wich unentschlossen zurück. Charis feuerte und war sich sicher, etwas getroffen zu haben. „Scheiße, Scheiße, Scheiße“, atmete die Asari, während sie auf die verdächtigen Schemen im Rauch der Reizgasgranate feuerte. Neben ihr hörte sie das dröhnende Fauchen von Victorias Schrotflinte. Charis nahm aus den Augenwinkeln war, wie Sonny in einigem Abstand, direkt an der zulaufenden Ecke des Gebäudes stand, in der linken Hand eine Predator, rechts eine Carnifex. Der Granatwerfer lag achtlos am Boden, er hatte seinen Zweck vortrefflich erfüllt. Charis war sich sicher, dass Sonny lächelte, während ihre beiden Gefährtinnen ihren tödlichen Auftrag ausführten.

    Charis war in ihrem Leben schon oft dazu genötigt worden zu töten. Sie hatte es nie gerne getan und auch nie, wenn sie nicht der Meinung war, dass es sein musste. Als Schmugglerin und Kriminelle, die ihren Geschäften auch auf Omega nachging war ihr klar, dass sie hin und wieder ein Leben nehmen musste, wenn sie das ihre behalten wollte. Die jetzige Aktion aber empfand sie als schrecklich und widerwärtig. Und dennoch schickte sie Salve um Salve in diese Todeszone aus Stahl und Rauch. „Scheiße!“ Blut spritze gegen eine nicht völlig zersplitterte Scheibe, als Vezra einen Mann aus der Entfernung erschoss. Eine Frau kroch auf allen Vieren aus der Tür, quälte sich über die Leichen der Erschossenen. „Verdammte Scheiße!“, fluchte Charis. Ihr Magazin war leer. Mit zittrigen Fingern, so nass und klebrig, als hätte die Schmugglerin ein Messer und nicht eine Maschinenpistole benutzt, riss sie das leere Magazin aus der Waffe und fingerte ein neues hervor. Die Frau hatte die Türschwelle überwunden, rieb sich die Augen, schrie und richtete sich auf. Charis steckte das Magazin an und lud durch. Sie legte an – und hielt inne. Die Frau war nackt, zumindest fast. „Eine Nutte“, schoss es ihr durch den Kopf. Die Frau, eine Menschenfrau, sah Charis an, sah den Tod in ihren Augen und Händen, schrie in heller Panik und rannte dorthin, wo der feine Rand des Lichtkegels endete und die Dunkelheit begann. Charis legte an und stockte erneut. Ihre Waffe verfolgte die fliehende Gestalt, dann knallte es laut. Ein Fächer aus Blut spritze auf, als der dunkelhaarige Kopf der Frau perforiert wurde. „Keine Gefangenen, Charis“, rief Sonny. Die Schmugglerin brauchte sich nicht umdrehen, sie konnte den dampfenden Lauf der Predator-Pistole vor ihrem geistigen Auge sehen.

    Sonnys Handschlag war gelungen. Das Reizgas verzog sich langsam, die Schreie waren bis auf ein Minimum abgeebbt. Vezra hatte den verbleibenden Mech – die einzige echte Bedrohung – durch das Fenster hindurch abgeknallt. Sonny, Victoria und Charis stiegen in den halb verqualmten Container. Das heftige, durch Filter gedämpfte Atmen der drei Frauen erfüllte die Luft, in der das Hintergrundrauschen von aktivierten Systemen und hier und da wimmernden Getroffenen zu hören war. Charis zuckte zusammen, als Sonny einem mit Kugeln förmlich durchsiebten Mann aus keinem Meter Entfernung in den Kopf schoss. Charis erkannte, dass er dasselbe Tag auf der Jacke trug, das sie schon an der Containerwand gesehen hatte. Sonny fand, nach wem sie gesucht hatte. Auch Victoria tötete auf dem Boden liegende Menschen – es waren vornehmlich Gangmitglieder hier. „Chhht, neeeein!“, schrie der Volus, als die Asari den kugeligen Alien unter einem Tisch hervorzerrte. „Halt die Schnauze, Aldu!“, fauchte Sonny und versetzte dem Wesen einen Schlag mit dem Carnifex-Knauf. „Vic, durchsuch die Räume.“ Die Asari folgte dem Kommando. Nur wenige Sekunden danach meldete Victoria den ersten Erfolg in Form eines siegverheißenden „Yeah!“ Sonny lächelte hinter ihrer Maske. „Hättest du unsere Schwestern auf Illium nicht so verarscht und deinen Anteil abgetreten, dann würdest du diese Nacht überleben, du kleiner Haufen Scheiße.“ „Chhht, ich habe…“, versuchte Aldu und verstummte. Victoria kam zurück. „Alles da, Sonny.“ Die Anführerin nickte. Die Drogen, die der Volus auf die Citadel geschmuggelt hatte, würden den Eclipse-Schwestern einen großen Batzen Geld einbringen. Der Volus hätte den größten Teil davon einstreichen können, schließlich wollte die Schwesternschaft nur eine geringe Gebühr für den sicheren Transport der Ware ins System haben – die Eskorte, um die Piraten abzuschrecken, die in Volus-Frachtschiffen leichte aber lohnenswerte Beute sahen. Charis war sich sicher, dass Sonny mit ihrem Angriff gerade Aldus geplante Vertriebswege ausgelöscht hatte. Nun, die Drogen an die maroden Gangs zu vertreiben wäre ohnehin nicht die Idee der älteren Asari gewesen. Sonny visierte die Clubs an, auch wenn sie vom Drogenverkauf genau so wenig Ahnung hatte wie von Elcorpoesie.

    „Was zum Henker ist das denn?“, fragte plötzlich Victoria. Sonny, die gerade darüber nachdachte, welches Augenglas sie dem Volus zuerst einschlagen würde, hielt inne. Auch Charis trat heran, aktivierte ihren Scanner. „Was bei Athames kurvigem Arsch ist das denn?“, raunte auch Sonny, als die Datenprüfung auf dem Omnitool der Schmugglerin verrücktspielten. „Das…“, begann Charis zögerlich. „Das ist Geth-Technik, glaube ich.“ „Geth? Sicher?“ „Hmm“, machte Charis und erinnerte sich nur ungern an ihre Begegnung mit der Roboterrasse zurück. „Vielleicht ein Teil des riesigen Geth-Schlachtschiffs, das damals die Station angegriffen hat“, meinte Victoria. „Auf jeden Fall ist es wertvoll“, schloss Sonny, denn das Teil, das einer Speicherkarte aus blutroter Platine ähnelte, lag sorgsam geschützt und einzeln auf einem Tisch. Und es war durch ein aufwendiges, elektronisches Kraftfeld geschützt. Sonnys Augen leuchteten beinahe in dem Rot der Platine. „Das nehme ich“, beschied sie. „Charis, töte den Volus.“ „Neeeeeiiiiiin!“, schrie der kleine Alien laut. Charis zögerte und betrachtete ihre Anführerin. Fast so, als würde sie ein Baby aus einer Wiege heben, nahm Sonny das Stück Technik auf ihren Arm, schaute es verzückt an und wandte sich zum Gehen. „Ich habe Geld, Credits, Kontakte“, pfiff der Volus-Schmuggler. Charis zog ihre Pistole. „Tut mir leid“, sagte sie traurig, richtete die Waffe aus und krümmte den Finger.

    Und dann piepte ihr Omnitool. Charis war so verwirrt, dass sie gar nichts mehr tat. Ein Anruf? Um diese Uhrzeit? Perplex starrte sie auf das orangene Leuchten. Der Volus nutzte die Chance nicht, sondern begann erneut zu betteln. Sonny, die das Gebäude bereits verlassen und an der Schwelle des Lichtkegels stand, zog ihre Carnifex. Charis sagte nichts, als sie ahnte, was passierte. Sie schloss die Augen, konzentrierte sich auf den Anruf, der ihr Handgelenk vibrieren ließ und überhörte so fast den Schuss, der das Volusleben beendete. Sie spürte etwas Warmes ihre nackten Unterarme benetzen und erschauerte, wie sie zuvor bei der eiskalten Wand erschauert war. Dann öffnete sie die Augen und sah Sonny, die auffordernde Geste tat. „Geh ran, aber mach’s kurz“, sagte sie und zog sich in die Dunkelheit und die Rolle einer Nemesis zurück.

    Und Charis nahm den Anruf an, unwissend, was folgen würde.
    Shepard Commander is offline Last edited by Shepard Commander; 06.12.2019 at 23:20.

  2. #322 Reply With Quote
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    Die Luft hier ist ja zum Schneiden.“ Charis‘ Stimme klang kehlig-hohl. Eine Atemmaske, die Mund und Nase bedeckte, ließ sie klingen als spreche sie in eine leere Chipsdose. „Den Mechs ist’s egal und die Volus mögen die Wärme“, sagte Victoria hinter Charis. Die Stimme der anderen Asari drang gedämpft unter ihrem Helm hervor. „Es wundert mich, dass die Vieraugen überhaupt unbemerkt auf der Citadel…“, begann Charis, wurde dann aber durch ein herrisches „Ruhe jetzt“ unterbrochen. Sonny, die ihre kleine Gruppe anführte, leuchtete in die verwinkelten, lichtlosen Gänge. In den Tips war vor kurzem die Hölle losgewesen, sämtliche kleine Banden in diesem Revier hatte es im Laufe eines blutigen Nachmittags, den man den theatralischen Namen „Devil’s Riots“ gegeben hatte, zersprengt, zerschlagen und zerfallen. Das entstandene Machtvakuum hatten sich die geschäftigsten Schmuggler der Citadel sofort zunutze gemacht und die ehemaligen Lagerplätze und Clubhäuser der Gangs für ihre eigenen Zwecke requiriert. Rötlicher Dunst waberte bis auf Kniehöhe zwischen den Asari und Charis vermutete bei jedem Schritt, dass sie gleich auf irgendetwas abartiges treten würde. Sonny hob ihre Lampe und deutete einen rabenschwarzen Korridor herunter. „Dort entlang.“

    Wie Victoria trug Sonny die schwarz-gelbe Kampfpanzerung der Eclipse-Schwestern, hatte aber ihre Atemmaske nicht auf. Sie baumelte ebenso nutzlos an ihrer Seite, wie die Tempest-Maschinenpistole an der von Charis. Die Schmugglerin, die in diesem Moment Teil eines Überfallkommandos war, schaute mit der ansteigenden Panik eines zur Schlachtbank geführten Schafes auf die Hintertentakeln ihrer Anführerin. Eine weiße Narbe glitzerte wie ein durch Staub fallender Lichtstrahl auf einer der Tentakel. Der Anblick wirkte seltsam beruhigend auf Charis. Sonny hatte einen Plan. Sie war eine Kämpferin, eine Asari und eine Eclipse-Schwester. „Es wird schon gut gehen“, dachte sich die Schmugglerin und hoffte, dass sie Recht behielt.

    Sonny blieb unvermittelt stehen. „Dort“, sagte sie und deutete durch Dunst und Dunkelheit auf ein fernes, kaltes Licht. In einem an ein Baucontainer erinnerndes Häuschen brannte Licht. Ein unbewegter Strahler warf seinen weißen Lichtkegel, der die fast stoffliche Dunkelheit nur zurückweichen lassen und nicht völlig verdrängen konnte. Charis erkannte über Sonnys Schulter hinweg die hageren Gestalten von zwei LOKI-Mechs. Sonnys Funk knackte vernehmlich. „Sonny, ich bin in Position. Hab zwei Mechs vor dem Gebäude und mindestens einen im Innern gesehen“, meldete sich ein weiteres Teammitglied. „Alles klar, Vezra“, sagte Sonny leise. „Nicht schießen, bis wir nicht bei der Tür sind.“ „Alles klar“, gab Vezra zurück. Charis und ihre Begleiterinnen drückten sich an die metallische Wand hinter ihnen. Charis spürte die abstrahlende Kälte des Stahls, ihr nackter Arm berührte eine der herausragenden Ausbeulungen und ließ sie erschauern. Leise aber bedächtig näherten sich die drei Asari den Robotern und dem flachen Bau, den sie bewachten. Charis konnte im fahlen Schein des Strahlers das Tag einer erloschenen Gang erkennen – die rassistischen White Flowers. Kein großer Verlust für diese Welt, dachte sich die Asari.

    Der Container, welcher der Gang wohl mal als Stützpunkt oder „Clubhaus“ gedient hatte, besaß nur zwei Eingänge. Einer lag am längeren Ende des an einen Schuhkarton erinnernden Containers, der andere an der Seite links daneben. Es gab mehrere Fenster, durch die man gegen ausbrechendes Licht die schemenhaften Umrisse von Gestalten erkennen konnte. „Los, los“, trieb Sonny sie zur Eile an. Sie huschten in den Schatten zwischen ihrer Wand und dem Container. „Bereit?“, fragte Sonny per Funk. „Bin ich“, meldete Vezra. Sonny tippte auf ihrem Omnitool, dann trat sie aus dem Schatten und richtete das Gerät auf einen der beiden Mechs.

    Ein heller, zuckender Impuls schoss aus dem Tool, erfasste den Mech und ließ ihn, wie von einem Blitz getroffen, erzittern. Im Bruchteil einer Sekunde schmorten die Schaltkreise der Einheit durch. Auch der zweite Mech wurde vom Zucken befallen, die Überlastung erfasste ihn aber nicht völlig. Einsatz Vezra: Ein entfernter Schuss, so laut wie das heftige Zuschlagen einer Tür, zerriss die Stille der Halle. Der Kopf des Mechs explodierte. „Bereitmachen!“, rief Sonny und riss ihre Maske vom Gürtel. Während der kopflose Mech stürzte, Sonny ihr Gesicht hinter einem luftdichten Atemfiltersystem verbarg und im Innern des Gebäudes Hektik ausbrach, rannten Charis und Victoria auf ihre besprochenen Positionen. Charis riss die Tempest hoch, legte an und zielte auf den Eingang der langgezogenen Seite; die behelmte Victoria legte mit ihrer Schrotflinte namens „Fleischwolf“ auf das Pendant der kurzen Seite an. Sonny pflückte sich den Granatwerfer vom Rücken. Es knallte, Glas barst und mit einem dumpfen Geräusch platze die Granate im Hausinneren. Lautes Geschrei ertönte, irgendjemand feuerte unkontrolliert eine Waffe ab. Sonny wiederholte die Prozedur, feuerte Granate um Granate in den Container, wo sich nun rasch dichter Nebel ausbreitete und heftiges Husten begann. Dann flogen die Türen auf.

    Das erste was Charis sah, war ein Zwerg. Die Schmugglerin dachte zuerst, es sei ein Volus. Dann richtete sich die Person auf und entpuppte sich als Mensch, der schwer keuchte, hustete, stolperte. Er hielt sich am Türrahmen fest. Seine tränenverhangenen Augen erkannten die Asari, die sich mittlerweile hingekniet hatte und mit schweißnassen Händen den SMG-Schaft umklammert hielt. „Fuck!“, las Charis auf den Lippen des Mannes, dann drückte sie ab. Der erste Feuerstoß riss den Kerl gleich von den Beinen, hustete eine garstige Wolke roten Blutes in das Zwielicht des Scheinwerfers und schleuderte ihn zurück. Ein weiterer Kerl, ein Batarianer oder ein Mensch, Charis konnte es nicht erkennen, stolperte zur Tür, sah seinen getöteten Kameraden und wich unentschlossen zurück. Charis feuerte und war sich sicher, etwas getroffen zu haben. „Scheiße, Scheiße, Scheiße“, atmete die Asari, während sie auf die verdächtigen Schemen im Rauch der Reizgasgranate feuerte. Neben ihr hörte sie das dröhnende Fauchen von Victorias Schrotflinte. Charis nahm aus den Augenwinkeln war, wie Sonny in einigem Abstand, direkt an der zulaufenden Ecke des Gebäudes stand, in der linken Hand eine Predator, rechts eine Carnifex. Der Granatwerfer lag achtlos am Boden, er hatte seinen Zweck vortrefflich erfüllt. Charis war sich sicher, dass Sonny lächelte, während ihre beiden Gefährtinnen ihren tödlichen Auftrag ausführten.

    Charis war in ihrem Leben schon oft dazu genötigt worden zu töten. Sie hatte es nie gerne getan und auch nie, wenn sie nicht der Meinung war, dass es sein musste. Als Schmugglerin und Kriminelle, die ihren Geschäften auch auf Omega nachging war ihr klar, dass sie hin und wieder ein Leben nehmen musste, wenn sie das ihre behalten wollte. Die jetzige Aktion aber empfand sie als schrecklich und widerwärtig. Und dennoch schickte sie Salve um Salve in diese Todeszone aus Stahl und Rauch. „Scheiße!“ Blut spritze gegen eine nicht völlig zersplitterte Scheibe, als Vezra einen Mann aus der Entfernung erschoss. Eine Frau kroch auf allen Vieren aus der Tür, quälte sich über die Leichen der Erschossenen. „Verdammte Scheiße!“, fluchte Charis. Ihr Magazin war leer. Mit zittrigen Fingern, so nass und klebrig, als hätte die Schmugglerin ein Messer und nicht eine Maschinenpistole benutzt, riss sie das leere Magazin aus der Waffe und fingerte ein neues hervor. Die Frau hatte die Türschwelle überwunden, rieb sich die Augen, schrie und richtete sich auf. Charis steckte das Magazin an und lud durch. Sie legte an – und hielt inne. Die Frau war nackt, zumindest fast. „Eine Nutte“, schoss es ihr durch den Kopf. Die Frau, eine Menschenfrau, sah Charis an, sah den Tod in ihren Augen und Händen, schrie in heller Panik und rannte dorthin, wo der feine Rand des Lichtkegels endete und die Dunkelheit begann. Charis legte an und stockte erneut. Ihre Waffe verfolgte die fliehende Gestalt, dann knallte es laut. Ein Fächer aus Blut spritze auf, als der dunkelhaarige Kopf der Frau perforiert wurde. „Keine Gefangenen, Charis“, rief Sonny. Die Schmugglerin brauchte sich nicht umdrehen, sie konnte den dampfenden Lauf der Predator-Pistole vor ihrem geistigen Auge sehen.

    Sonnys Handschlag war gelungen. Das Reizgas verzog sich langsam, die Schreie waren bis auf ein Minimum abgeebbt. Vezra hatte den verbleibenden Mech – die einzige echte Bedrohung – durch das Fenster hindurch abgeknallt. Sonny, Victoria und Charis stiegen in den halb verqualmten Container. Das heftige, durch Filter gedämpfte Atmen der drei Frauen erfüllte die Luft, in der das Hintergrundrauschen von aktivierten Systemen und hier und da wimmernden Getroffenen zu hören war. Charis zuckte zusammen, als Sonny einem mit Kugeln förmlich durchsiebten Mann aus keinem Meter Entfernung in den Kopf schoss. Charis erkannte, dass er dasselbe Tag auf der Jacke trug, das sie schon an der Containerwand gesehen hatte. Sonny fand, nach wem sie gesucht hatte. Auch Victoria tötete auf dem Boden liegende Menschen – es waren vornehmlich Gangmitglieder hier. „Chhht, neeeein!“, schrie der Volus, als die Asari den kugeligen Alien unter einem Tisch hervorzerrte. „Halt die Schnauze, Aldu!“, fauchte Sonny und versetzte dem Wesen einen Schlag mit dem Carnifex-Knauf. „Vic, durchsuch die Räume.“ Die Asari folgte dem Kommando. Nur wenige Sekunden danach meldete Victoria den ersten Erfolg in Form eines siegverheißenden „Yeah!“ Sonny lächelte hinter ihrer Maske. „Hättest du unsere Schwestern auf Illium nicht so verarscht und deinen Anteil abgetreten, dann würdest du diese Nacht überleben, du kleiner Haufen Scheiße.“ „Chhht, ich habe…“, versuchte Aldu und verstummte. Victoria kam zurück. „Alles da, Sonny.“ Die Anführerin nickte. Die Drogen, die der Volus auf die Citadel geschmuggelt hatte, würden den Eclipse-Schwestern einen großen Batzen Geld einbringen. Der Volus hätte den größten Teil davon einstreichen können, schließlich wollte die Schwesternschaft nur eine geringe Gebühr für den sicheren Transport der Ware ins System haben – die Eskorte, um die Piraten abzuschrecken, die in Volus-Frachtschiffen leichte aber lohnenswerte Beute sahen. Charis war sich sicher, dass Sonny mit ihrem Angriff gerade Aldus geplante Vertriebswege ausgelöscht hatte. Nun, die Drogen an die maroden Gangs zu vertreiben wäre ohnehin nicht die Idee der älteren Asari gewesen. Sonny visierte die Clubs an, auch wenn sie vom Drogenverkauf genau so wenig Ahnung hatte wie von Elcorpoesie.

    „Was zum Henker ist das denn?“, fragte plötzlich Victoria. Sonny, die gerade darüber nachdachte, welches Augenglas sie dem Volus zuerst einschlagen würde, hielt inne. Auch Charis trat heran, aktivierte ihren Scanner. „Was bei Athames kurvigem Arsch ist das denn?“, raunte auch Sonny, als die Datenprüfung auf dem Omnitool der Schmugglerin verrücktspielten. „Das…“, begann Charis zögerlich. „Das ist Geth-Technik, glaube ich.“ „Geth? Sicher?“ „Hmm“, machte Charis und erinnerte sich nur ungern an ihre Begegnung mit der Roboterrasse zurück. „Vielleicht ein Teil des riesigen Geth-Schlachtschiffs, das damals die Station angegriffen hat“, meinte Victoria. „Auf jeden Fall ist es wertvoll“, schloss Sonny, denn das Teil, das einer Speicherkarte aus blutroter Platine ähnelte, lag sorgsam geschützt und einzeln auf einem Tisch. Und es war durch ein aufwendiges, elektronisches Kraftfeld geschützt. Sonnys Augen leuchteten beinahe in dem Rot der Platine. „Das nehme ich“, beschied sie. „Charis, töte den Volus.“ „Neeeeeiiiiiin!“, schrie der kleine Alien laut. Charis zögerte und betrachtete ihre Anführerin. Fast so, als würde sie ein Baby aus einer Wiege heben, nahm Sonny das Stück Technik auf ihren Arm, schaute es verzückt an und wandte sich zum Gehen. „Ich habe Geld, Credits, Kontakte“, pfiff der Volus-Schmuggler. Charis zog ihre Pistole. „Tut mir leid“, sagte sie traurig, richtete die Waffe aus und krümmte den Finger.

    Und dann piepte ihr Omnitool. Charis war so verwirrt, dass sie gar nichts mehr tat. Ein Anruf? Um diese Uhrzeit? Perplex starrte sie auf das orangene Leuchten. Der Volus nutzte die Chance nicht, sondern begann erneut zu betteln. Sonny, die das Gebäude bereits verlassen und an der Schwelle des Lichtkegels stand, zog ihre Carnifex. Charis sagte nichts, als sie ahnte, was passierte. Sie schloss die Augen, konzentrierte sich auf den Anruf, der ihr Handgelenk vibrieren ließ und überhörte so fast den Schuss, der das Volusleben beendete. Sie spürte etwas Warmes ihre nackten Unterarme benetzen und erschauerte, wie sie zuvor bei der eiskalten Wand erschauert war. Dann öffnete sie die Augen und sah Sonny, die auffordernde Geste tat. „Geh ran, aber mach’s kurz“, sagte sie und zog sich in die Dunkelheit und die Rolle einer Nemesis zurück.

    Und Charis nahm den Anruf an, unwissend, was folgen würde.


    Endlich, jemand nahm den Anruf an. Kathy hatte schon befürchtet das sie die falsche Nummer gewählt hatte. Immerhin war Charis Nummer auf ihrem alten Kommunikator gespeichert gewesen, der sich wie ihre restlichen technischen Geräte irgendwo auf einem Dschungelplaneten befand. Aber nach kurzem Herumgespiele mit ihrem Omnitool hatte Yuika die alten Daten aus einer Cloud gezogen und auf dem neuen Gerät gespeichert. Katharina hatte sich bei diesem ganzen Vorgang nur dezent wie ein Trottel gefühlt.
    Jetzt wurde aber der Anruf angenommen und die einsilbige Rückmeldung am anderen Ende war eindeutig ihre Stimme. Am Leben war sie also auch noch, die andere Befürchtung löste sich damit auch in Luft auf.
    "Miss Vale, welche Freude ihre Stimme zu hören. Orlowski hier. Ich hatte schon Sorge das sie die Ereignisse der letzten Tage nicht heil überstanden haben.", meldete sich Kathy zu Wort. Es hätte sie allerdings sehr überrascht, Charis fiel auch unter die Kategorie "Unkraut vergeht nicht". Eine Kategorie in die sich die Halbasiatin ebenfalls einordnete.
    "Da sie wohl kaum ein Fan von Smalltalk sind, fasse ich mich kurz. Sie haben nicht zufällig unsere gemeinsame Freundin Tekklar in letzter Zeit zu Gesicht bekommen? Sie erinnern sich, Turianerin, Piratin, hat mich ordentlich vermöbelt. Trotzdem sind sie über den letzten Punkt seltsamerweise keine Freundinnen geworden.", fuhr Kathy ohne Umschweife fort. Sie war froh das die blauen Flecke von damals inzwischen verschwunden waren. Vergessen hatte sie diese jedoch nicht.
    "Wie ich heute erfahren durfte, ist sie nämlich seit unserer Flucht immer noch auf der Station unterwegs. Und sehr hartnäckig auf der Suche. Nach Ihnen, um ganz genau zu sein.", beendete die Schwarzhaarige ihre Erklärung.


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  3. #323 Reply With Quote
    Lehrling Natsch's Avatar
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    Quote Originally Posted by Shepard Commander View Post
    Im Café herrschte das ständige Hintergrundrauschen an Gesprächen, die einem Ort wie diesem inne lagen. Ethan und Duncan flüsterten nicht. Flüstern war verräterisch und obwohl die Dateien auf Duncans Pad sensible Informationen enthielten taten die Männer so, als würden sie sich über das letzte Biotikball-Match unterhalten. „Nathaniel Hudson: ehemals bei den Marines, hat in der Friedensflotte Poralwache geschoben“, entnahm der Major seinem Informationsnet. „Patrouillendienst, Feuergefechte mit Piraten, Hilfestellung für lokale, planetare Milizen in den Bezirken nahe der Terminus-Systeme. Ganz gewöhnliche Soldatenarbeit.“ Duncan scrollte Hudsons Akte durch. „Keine Besonderheiten, guter Soldat, ehrenhaft entlassen.“ Er zuckte die Achseln. „Passt, dass er bei der Polizei ist. Der einzige Vermerk: Hat sich wohl mal mit einem anderen Soldaten angelegt und sich ordentlich geprügelt, hat aber keinen Tadel bekommen. Hat wohl einen guten Grund gehabt.“ Er lächelte. „Solche Leute habe ich gerne in meiner Truppe gehabt. Gewissenhaft, moralisch korrekt, gutes Durchhaltevermögen.“ Er sah von dem Tablet auf. „Ich schicke dir die Daten – nur für deine Recherche!“ „Klar“, sagte Ethan. „Und Ilias?

    Duncan prüfte sein Pad. Der Soldat hob eine Augenbraue. „Da werden Sicherheitscodes abgefragt.“ Er tippte seine ID ein, dann lachte er. „Oh. Spezialeinheit, harte Kerle“, sagte er anerkennend. „Ich hab‘ mich mal bei denen beworben, als ich in der Blüte meiner militärischen Jahre war. Hab‘ es nicht geschafft.“ Auch hier scrollten die Finger während Ethan sich Kaffee nachschenkte und den Tisch erneut in kräftiges Aroma hüllte. „Der Großteil ist noch immer mit dem Siegel [Kenntnis nur nach Bedarf] versehen. Hier ist etwas!“ Duncan stieß einen Pfiff aus. „Ilias ist Trägerin des Sternenordens von Terra. Hast du eine Ahnung, was das ist?“ „Etwas Gutes?“ „So kann man es auch sagen. Die gehört zu dem Team, dass die Mörderin gejagt hat?“ Ethan nickte. „Soweit ich weiß, ja.“ „Ilias ist ein rücksichtsloser Profikiller. Weiß nicht, ob du die interviewen willst. Typen wie die sagen selten irgendetwas.“ Der Journalist zuckte die Achseln. Er würde es trotzdem versuchen, schoss sich gedanklich aber auf Hudson ein. „Vielleicht sollten wir jetzt doch noch etwas essen“, sagte er und hob die Hand gen Kellnerin.


    "Vielen Dank für ihren Besuch.", Peyton senkte wieder den Arm nachdem sie gesehen hatte, das der Kunde ihr die Credits auf ihr Universalwerkzeug übertragen hatte. "Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag.", verabschiedete sie sich mit einem Lächeln und wandte sich zum gehen. Kurz überflog ihr Blick das Café, die erhobene Hand eines Kundes ausmachend. Doch bevor sie sich ihm zuwenden konnte, wurde sie am Ellbogen festgehalten und rumgedreht. Erschrocken und mit einem überraschten "Huch?", auf den Lippen, blickte sie in das Gesicht von Jon. "Sorry für die Verspätung, Peyton.", erklärte der Ältere verklärt. "Öhm... Du bist...", sie schaute auf ihr Universalwerkzeug. "So ziemlich genau 1,5 Stunden zu früh.", die junge Brünette betrachtete Jon einen Moment, ehe sie ihn in Richtung Küche schob. "Geh dir erstmal einen Kaffee oder so bei Bryna abholen.", flüsterte sie ihm zu und schaute ihm einen Moment mit stillen Amüsement und einem leichten Kopfschütteln hinterher.

    "Und Sie möchten sich bestimmt jetzt doch noch ein paar Kalorien gönnen, oder?", ein verschmitzter Ausdruck legte sich auf Peytons Gesicht als sie bei den beiden Herren ankam. Sie hatte verdrängt, dass sie die beiden belauscht hatte und sich tunlichst während der vergangenen Minuten auf andere Dinge konzentriert als die Wortfetzen der beiden. Hatte soweit auch ganz gut geklappt. "Wir haben eine sehr leckere Käse-Sahne-Schnitte mit Mandarinen im Moment da, sehr leicht, oder aber eine Weincremetorte, die ist etwas 'herber', falls es eher etwas 'deftiges' sein soll, haben wir verschiedene Quiche...", fuhr sie fort, ehe ein schepperndes Geräusch aus der Küche ertönte. Kurz schielte sie zur Theke, ehe ihr Blick wieder zu den beiden Herren glitt.
    SO ONE - TWO - THREE
    TAKE MY HAND AND COME WITH ME
    BECAUSE YOU LOOK SO FINE
    THAT I REALLY WANNA MAKE YOU MINE

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  4. #324 Reply With Quote
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    Noch immer tat sich Jade etwas schwer in ihr Leben zurück zu finden. Immer wieder plagten sie furchtbare Alpträume von ihrem damaligen qualvollen Beinahe-Tod und den beschwerlichen Schritten zurück ins Leben, in der Klinik. Der immer wärende Kampf nicht auf zu geben und die kleinen Erfolge schätzen zu lernen. Manchmal gab es Tage, da schufftete sie fast bis zum umfallen, ohne sich eine Pause zu gönnen, nur um ihre Alpträume zu verdrängen.
    Selbst die vielseitigen Möglichkeiten, die die Citadel zu bieten hatte, reizten sie nicht, obwohl sie früher gerne alles gemacht hatte und überall zu finden war, wo etwas los war.
    Und dann gab es Tage, wie heute - da wollte sie erst garnicht aus dem Bett. Keine Arbeit für die sie eigentlich lebte, keine Partys oder Treffen mit Freundinnen, denen sie früher nie abgeneigt war,.... einfach nur da liegen und imaginäre Löcher in die Zimmerdecke starren. Violet fiel es zusehends schwieriger Jade zu irgendwas zu motivieren, obwohl es noch soviel auf der Citadel zu sehen und zu erleben gab.
    Die Citadel war ein schöner Ort zum leben, wenn nicht gerade irgendwelche Psychokiller durch die Gegend liefen und irgendwelche Bezirke in die Luft jagten, mit unzähligen Toten und Verletzten, wie kürzlich die Green Meadows.

    Genieße jeden Tag, als wäre es dein letzter... erinnerte sich die schwarzhaarige an die Worte ihres Arztes und versuchte sich so zu motivieren, doch aus dem Bett bewegte sie sich dennoch nicht.
    Kurz darauf betrat Violet das Gästezimmer, welches sie extra für Jade neu eingerichtet hatte, damit sie sich ein wenig heimisch fühlte.
    "Komm, lass uns Kaffee trinken gehen. Ein Kollege hat mit ein tolles Cafe empfohlen. Apollo's Café." sagte die junge Blonde und zog Jade die Decke weg.
    "Musst das sein?" gab die schwarzhaarige widerwillig von sich.
    "Ja, du musst mal wieder unter Leute." antwortete die junge Blonde und blieb solange neben Jade´s Bett stehen, bis diese sich maulend erhob und Richtung Bad ging.
    Kurz darauf hörte Violet, wie die Dusche an ging. Zufrieden ging die blonde Hackerin in ihr Büro, schickte noch schnell die ganzen Informationen, die sie über ExoGeni und die Firmenchefin Svetlana Iwanowa gesammelt hatte zur Söldnertruppe nach Omega und rief noch schnell ein Taxi.
    Stephen und Liz dürften inzwischen auch in Omega angekommen sein.. überlegte die Blonde und schmunzelte.
    Jade stand Ausgehfertig in der Tür. "Denkst du, Stephen, Liz und Marco können es mit dem Konzern aufnehmen?" erkundigte sich die schwarzhaarige und blickte besorgt auf die flimmernden Monitore.
    "Die drei alleine sicher nicht, aber zusammen mit Crusher´s Truppe haben sie sehr gute Chancen." antwortete Violet aufmunternd.
    Es klingelte an der Tür, dass Taxi war da.
    Gemeinsam gingen sie runter, stiegen ein und Violet gab dem Fahrer die Adresse des Café´s.

    Fünfzehn Minuten später betraten Jade und Violet das Café.
    Viel war nicht los. Zwei Herren saßen an einem Tisch, bei denen gerade ein junge Brünette stand und wahrscheinlich eine Bestellung aufnahm, nur kurz abgelenkt durch ein schepperndes Geräusch aus der Küche.
    Die beiden Frauen setzten sich an einen der freien Tische und warteten....
    eis engel is offline

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