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Die Kritik der Unwilligen

  1. #1 Zitieren
    Drachentöter Avatar von HerrFenrisWolf
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    Die letzten Jahre bin ich immer wieder in Diskussionen über folgendes Phänomen gestolpert. Jemand mag einen Film nicht und äußert seine Kritik, im Sinne von "Warum verhält sich Figur XY nur so dumm?" oder dergleichen. In vielen Fällen lese ich das und denke mir: "Hast du den selben Film gesehen, den ich gesehen habe? Alle Erklärungen warum X/Y passiert waren doch im Film selbst gegeben."

    Und es ärgert mich, weil ich den Eindruck gewinne, dass der Kritiker scheinbar dem Film nicht die Aufmerksamkeit geschenkt hat, die er verdient hätte und seine Meinung deswegen so ausfällt. Speziell wenn dann Adjektive wie "blöd" oder "dumm" fallen, die Autoren als untalentiert und dergleichen abgestempelt werden, erscheint es mir umso mehr als eine sehr subjektive persönliche Animosität, die hinter der Fassade von "Das ist nicht gut geschrieben" versteckt bzw. legitimiert werden soll.

    Den Höhepunkt dieser Argumentationskette bildet für mich die Aussage:" Es ist nicht gut, weil ich es mir nicht vorstellen kann..." bzw. "Das ist nicht so wie ich mich verhalten hätte.". Weil hier jemand seine eigene Unfähigkeit sich etwas vorzustellen, bzw. seine eigenes Ego zu einem vermeintlich objektiven Maßstab erhebt.

    Im Lichte dessen, das natürlich uns allen andere Sachen gefallen und nicht gefallen, als unseren Mitmenschen, ist jeder frei darin seine eigene Meinung über ein Werk zu haben. Aber bei so einer Haltung endet für mich auch schon der Mehrwert dieser Meinung. Weil ich nicht finde das sie besonders viel Wert enthält.

    Was denkt ihr darüber? Seh ich das zu eng oder geht es euch ähnlich?
    HerrFenrisWolf ist offline

  2. #2 Zitieren
    Veteran Avatar von Haftamo
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    Du siehst das zu eng. Den Leuten fehlt einfach die eloquente Ausdrucksweise, um das nicht gefallen in schmeichelnden Worten zu verpacken.

    Solange ich einigermaßen nachvollziehen kann, warum jemanden etwas nicht gefällt, ist es mir egal wie derjenige sich ausdrückt, da bin ich tolerant.
    Haftamo ist offline

  3. #3 Zitieren
    Schwertmeister Avatar von Progrinator
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    Zitat Zitat von Haftamo Beitrag anzeigen
    Du siehst das zu eng. Den Leuten fehlt einfach die eloquente Ausdrucksweise, um das nicht gefallen in schmeichelnden Worten zu verpacken.

    Solange ich einigermaßen nachvollziehen kann, warum jemanden etwas nicht gefällt, ist es mir egal wie derjenige sich ausdrückt, da bin ich tolerant.
    wieso sollte man schmeichelnde Worte finden. Das nützt am ende niemanden was.
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    Progrinator ist offline

  4. #4 Zitieren
    Veteran Avatar von Haftamo
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    Mir fehlen die passenden Worte um es genauer auszudrücken. Ich meine damit das man eine negative Aussage positiv klingen lässt und wo dann nur ein Teil weiß was gemeint ist und der Kritiker für seine passende Aussage gelobt wird.
    Haftamo ist offline

  5. #5 Zitieren
    Apprentice Avatar von KarlDerLustige
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    Zitat Zitat von HerrFenrisWolf Beitrag anzeigen
    Die letzten Jahre bin ich immer wieder in Diskussionen über folgendes Phänomen gestolpert. Jemand mag einen Film nicht und äußert seine Kritik, im Sinne von "Warum verhält sich Figur XY nur so dumm?" oder dergleichen. In vielen Fällen lese ich das und denke mir: "Hast du den selben Film gesehen, den ich gesehen habe? Alle Erklärungen warum X/Y passiert waren doch im Film selbst gegeben."

    Und es ärgert mich, weil ich den Eindruck gewinne, dass der Kritiker scheinbar dem Film nicht die Aufmerksamkeit geschenkt hat, die er verdient hätte und seine Meinung deswegen so ausfällt. Speziell wenn dann Adjektive wie "blöd" oder "dumm" fallen, die Autoren als untalentiert und dergleichen abgestempelt werden, erscheint es mir umso mehr als eine sehr subjektive persönliche Animosität, die hinter der Fassade von "Das ist nicht gut geschrieben" versteckt bzw. legitimiert werden soll.

    Den Höhepunkt dieser Argumentationskette bildet für mich die Aussage:" Es ist nicht gut, weil ich es mir nicht vorstellen kann..." bzw. "Das ist nicht so wie ich mich verhalten hätte.". Weil hier jemand seine eigene Unfähigkeit sich etwas vorzustellen, bzw. seine eigenes Ego zu einem vermeintlich objektiven Maßstab erhebt.

    Im Lichte dessen, das natürlich uns allen andere Sachen gefallen und nicht gefallen, als unseren Mitmenschen, ist jeder frei darin seine eigene Meinung über ein Werk zu haben. Aber bei so einer Haltung endet für mich auch schon der Mehrwert dieser Meinung. Weil ich nicht finde das sie besonders viel Wert enthält.

    Was denkt ihr darüber? Seh ich das zu eng oder geht es euch ähnlich?
    Geb ich dir Recht. Ich kann dir auch die Lösung geben: Unterscheiden zwischen schlechtem Film, und Film den ich mir anders gewünscht hätte. Verstehste was ich meine?

    Es gibt viele Filme, die ich mir irgendwo anders gewünscht hätte. Das ist eine gute Ansicht. Zuschauer müssen kreativ denken. Heisst nur nicht dass der Film schlecht ist. Muss jeder unterscheiden können
    shall we blow the surprise?---
    KarlDerLustige ist offline

  6. #6 Zitieren
    Drachentöter Avatar von HerrFenrisWolf
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    Zitat Zitat von KarlDerLustige Beitrag anzeigen
    Geb ich dir Recht. Ich kann dir auch die Lösung geben: Unterscheiden zwischen schlechtem Film, und Film den ich mir anders gewünscht hätte. Verstehste was ich meine?

    Es gibt viele Filme, die ich mir irgendwo anders gewünscht hätte. Das ist eine gute Ansicht. Zuschauer müssen kreativ denken. Heisst nur nicht dass der Film schlecht ist. Muss jeder unterscheiden können
    Ich weiß was du meinst und ich denke hier liegt das Grundproblem, das zwischen diesen beiden Arten nicht unterschieden wird

    @Haftamo

    Du meinst also, man sollte das Gemecker hinnehmen, egal für wie unbegründet man es hält, weil dem Kritiker in Wirklichkeit die Worte fehlen sich auszudrücken?
    HerrFenrisWolf ist offline

  7. #7 Zitieren
    Legend Avatar von Heinz-Fiction
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    Zitat Zitat von HerrFenrisWolf Beitrag anzeigen
    Die letzten Jahre bin ich immer wieder in Diskussionen über folgendes Phänomen gestolpert. Jemand mag einen Film nicht und äußert seine Kritik, im Sinne von "Warum verhält sich Figur XY nur so dumm?" oder dergleichen. In vielen Fällen lese ich das und denke mir: "Hast du den selben Film gesehen, den ich gesehen habe? Alle Erklärungen warum X/Y passiert waren doch im Film selbst gegeben."

    Und es ärgert mich, weil ich den Eindruck gewinne, dass der Kritiker scheinbar dem Film nicht die Aufmerksamkeit geschenkt hat, die er verdient hätte und seine Meinung deswegen so ausfällt. Speziell wenn dann Adjektive wie "blöd" oder "dumm" fallen, die Autoren als untalentiert und dergleichen abgestempelt werden, erscheint es mir umso mehr als eine sehr subjektive persönliche Animosität, die hinter der Fassade von "Das ist nicht gut geschrieben" versteckt bzw. legitimiert werden soll.

    Den Höhepunkt dieser Argumentationskette bildet für mich die Aussage:" Es ist nicht gut, weil ich es mir nicht vorstellen kann..." bzw. "Das ist nicht so wie ich mich verhalten hätte.". Weil hier jemand seine eigene Unfähigkeit sich etwas vorzustellen, bzw. seine eigenes Ego zu einem vermeintlich objektiven Maßstab erhebt.

    Im Lichte dessen, das natürlich uns allen andere Sachen gefallen und nicht gefallen, als unseren Mitmenschen, ist jeder frei darin seine eigene Meinung über ein Werk zu haben. Aber bei so einer Haltung endet für mich auch schon der Mehrwert dieser Meinung. Weil ich nicht finde das sie besonders viel Wert enthält.

    Was denkt ihr darüber? Seh ich das zu eng oder geht es euch ähnlich?
    Keine Ahnung, welche Art von Kritiker du meinst. Privatleute oder solche, die das beruflich machen? In ersterem Fall kommt es so gut wie nie vor, dass jemand eine Kritik von mir korrigiert, sondern einem Negativpunkt lediglich nicht so viel Priorität beimisst wie ich es selber tue. Also andere Menschen stört dann dieser und jener Punkt einfach nicht so sehr, wie mich. Oder eben umgekehrt, kommt auch oft vor.
    Heinz-Fiction ist offline

  8. #8 Zitieren
    Schwertmeister
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    Ich glaube es hängt auch damit zusammen, dass das Urteil aus dem Bauch heraus gefällt wird und dann im Nachgang versucht wird, zu artikulieren, warum das Urteil eben so ausgefallen ist. Und da nimmt man dann auch Kritikpunkte auf, die bei einem subjektiv guten Film eben nicht gestört hätten, weil man dort nicht danach sucht, was den Film schlecht macht, sondern was ihn gut macht.

    Wenn man sich reinsteigert, findet man irgendwann alles an dem Film schlecht. Hatte ich zuletzt bei The Last Jedi. Ich bin mir sicher, dass ich Teile des Films in einem besseren Film sehr gut gefunden hätte, aber dafür ist es zu spät.
    TheLongestDay ist offline

  9. #9 Zitieren
    Drachentöter Avatar von HerrFenrisWolf
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    Zitat Zitat von Heinz-Fiction Beitrag anzeigen
    Keine Ahnung, welche Art von Kritiker du meinst. Privatleute oder solche, die das beruflich machen? In ersterem Fall kommt es so gut wie nie vor, dass jemand eine Kritik von mir korrigiert, sondern einem Negativpunkt lediglich nicht so viel Priorität beimisst wie ich es selber tue. Also andere Menschen stört dann dieser und jener Punkt einfach nicht so sehr, wie mich. Oder eben umgekehrt, kommt auch oft vor.
    Hobbyfilmkritker im Internet, wobei ich letztens über die Kritik eines "Professionellen" (ich mag wie da ein wenig "für Sex bezahlen" bei dem Wort mitschwingt) die Haare gerauft, weil er Neil Gaimans "American Gods" nicht gut fand, aber nicht etwa an dem geurteilt hat, was das Buch behandelt hat, sondern an dem was es nicht behandelt hat.

    Da ist unter dem Strich also irgendwie nur:"Du wolltest halt ein anderes Buch lesen, aber hast jetzt noch immer nicht das Buch beurteilt, das du gelesen hast, auch wenn du mir das so verkaufst."

    Was du ansprichst halte ich ja für völlig legitim, weil man sich darüber versändigen kann. Was ich oben beschreibe, halte ich dagegen für zutiefst unehrlich.
    HerrFenrisWolf ist offline

  10. #10 Zitieren
    Größter Sumpfgolem Avatar von Alexander-JJ
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    Zitat Zitat von HerrFenrisWolf Beitrag anzeigen
    ... Was denkt ihr darüber? Seh ich das zu eng oder geht es euch ähnlich?
    Du nimmst das viel zu ernst und auch viel zu persönlich. Kritik muss schon hart und direkt sein. Gerade wenn es um Dinge geht die einen berühren, einem wichtig sind oder am Herzen liegen. Weichgespülte Verwöhn-Kritik kann man ja auch oft genug lesen oder sehen. Aber wer in die Küche geht sollte schon mit der Hitze klar kommen. Und auch nicht denken das es wegen ihm heiß ist.

    "Alle die Heiligen, die hochgeachtet
    philosophierten, sind des Todes Raub.
    Auch ihre Stimme wird nicht mehr gehört,
    ihr Mund ist vollgestopft mit Sand und Staub."

    - Omar Khayyam
    Alexander-JJ ist offline

  11. #11 Zitieren
    Drachentöter Avatar von HerrFenrisWolf
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    Zitat Zitat von Alexander-JJ Beitrag anzeigen
    Du nimmst das viel zu ernst und auch viel zu persönlich. Kritik muss schon hart und direkt sein. Gerade wenn es um Dinge geht die einen berühren, einem wichtig sind oder am Herzen liegen. Weichgespülte Verwöhn-Kritik kann man ja auch oft genug lesen oder sehen. Aber wer in die Küche geht sollte schon mit der Hitze klar kommen. Und auch nicht denken das es wegen ihm heiß ist.

    Ich finde halt die Leute verwechseln Kritik, die meinetwegen sein kann wie du sie bezeichnest, mit Rumkrakelen. "Ist scheiße!" bringt keinen weiter. Ok, das ist ne Wertung und qualifiziert in dem Sinne schon als Kritik, davon wird allerdings nichts besser, im Gegenteil es wirft eigentlich nur Fragen auf.

    Was möchtest du mit der Küchenmetapher ausdrücken?
    HerrFenrisWolf ist offline Geändert von HerrFenrisWolf (20.07.2018 um 16:10 Uhr)

  12. #12 Zitieren
    Größter Sumpfgolem Avatar von Alexander-JJ
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    Zitat Zitat von HerrFenrisWolf Beitrag anzeigen
    Ich finde halt die Leute verwechseln Kritik, die meinetwegen sein kann wie du sie bezeichnest, mit Rumkrakelen. "Ist scheiße!" bringt keinen weiter. Ok, das ist ne Wertung und qualifiziert in dem Sinne schon als Kritik, davon wird allerdings nichts besser, im Gegenteil es wirft eigentlich nur Fragen auf.

    Was möchtest du mit der Küchenmetapher ausdrücken?
    Natürlich möchte kein Künstler oder Fan hören, das sein Werk bzw. das geliebte Werk "Scheiße" ist. Im Grunde will das ja niemand hören. Kritik soll bitteschön nicht wehtun. Oder sie soll genauso viele positive wie negative Merkmale aufzählen. Am Ende soll irgendetwas positives dabei herauskommen. Konstruktive Kritik, irgendetwas, was den Künstler oder Fan mit der Kritik versöhnt.

    Warum eigentlich? Kritik soll kurz und knapp sein. Warum soll man auch groß drumherum reden? Macht es das besser? Ist es ehrlicher? Wenn dir jemand ins Gesicht sagt das dein Werk "Scheiße" ist, dann ist das eine sicherlich derbe Ausdrucksweise, aber auch kurz und knapp und in den meisten Fällen ehrlich gemeint.

    Und in der Küche (aka Große Bühne) ist es eben warm (=Kritik). Wer auf die Große Bühne will, darf keine Angst vor Buh-Rufen haben.
    "Alle die Heiligen, die hochgeachtet
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    ihr Mund ist vollgestopft mit Sand und Staub."

    - Omar Khayyam
    Alexander-JJ ist offline

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