CrystalFeather Productions presents...
A CrystalFeather Studios Story...

Die Scheiße im Salat

Nach einer wahren Begebenheit...
Ähnlichkeiten zu real existierenden oder verstorbenen Personen sind nicht zufällig und stets absichtlich gesetzt.


Es war ein typischer Morgen auf der weit entfernten Insel Khorinis. Die Sonne schien, Scavenger krähten und die Handwerker gähnten, während sie sich noch leicht verschlafen (und trotzdem bei bester Laune - Sie kennen das ja, lieber Leser) auf dem Weg zu ihrer Arbeitsstelle machten.
Es war auch ein typischer Morgen für Kara, eine nicht mehr ganz so junge Gemahlin einer ebenso namen- wie bedeutungslosen Stadtwache, in dessen Haus sie lebte, nachdem die Schmiede ihres Vaters geschlossen wurde, damit dieser sich auf seine alten Tage mit Wett- und Trinkspielen in den Ruin treiben konnte.
Ihr Gatte war bereits auf Patrouille mit seinem Partner, dem unwiderstehlichen, doch leider asiatisch-stämmigen Chau (Kara mochte viel lieber den arischen Typ - ach, das ist Blödsinn. Kara war einfach viel zu verliebt in ihren Gatten, als dass sie es auch nur in Erwägung zog, ein Auge auf einen anderen Mann zu werfen).

Kara hatte bereits ihren Kaffee - an diesem Morgen sogar ohne Haar - getrunken und saß nun an ihrem Schreibtisch, um diverse Verträge zu kündigen, die sie vor Jahren abgeschlossen hatte und die ihr noch immer monatlich das Gold aus der Tasche zogen. Nachdem sie stolze sechs Mal ihre Unterschrift gesetzt hatte, packte sie alle Papiere in sechs versiegelte Briefumschläge und brachte sie hinaus zur Postkutsche.
Erfreut über die Ersparnisse, die sie in den kommenden Monaten machen würde, entschied sie sich, gut gelaunt den örtlichen Markt aufzusuchen. In Khorinis gab es zwei Marktplätze. Einen im Oberen Viertel, der zwar etwas näher lag, für den Kara aber steinige und steile Treppen hinauflaufen musste. Der andere lag in der Nähe des Tempels, galt gemeinhin als günstiger und war sehr bequem zu Fuß zu erreichen.
Kara entschied sich für den Marktplatz im Unteren Viertel, zumal der Weg sie auch an der Kaserne vorbei führte, wo sie möglicherweise einen Blick auf ihren Gemahlen erhaschen konnte. Denn Kara wusste, dass am heutigen Tage die neuen Rüstungen an die Soldaten verteilt wurden und sie hoffte, dass sie an den Fenstern der Anprobe entlanglaufen würde.

Als Kara an der Kaserne und schließlich am Marktplatz vorbeikam, hatte sie ihren Gatten noch nicht entdeckt. Dennoch beschloss sie, eine gute Hausfrau zu sein, und ihn am heutigen Abend reichlich zu bekochen. Sie entschied sich für seine Leibspeise: Kleine Kartoffelknödel, eingekocht in einer cremigen Soße und garniert mit feinen Streifen Moleratspeck.
Kartoffeln waren ein Nahrungsmittel, mit dem noch nicht lange auf Khorinis gehandelt wurde. Sie wurden erstmals auf den Südlichen Inseln entdeckt und seither in das ganze Königreich importiert. In der ganzen Stadt gab es nur einen einzigen Händler, nämlich den liebenswürdigen Abuyin ibn Djadir ibn Omar Kalid ben Hadji al Sharidi, der sein einst so lukratives Tabakgeschäft aufgeben musste, nachdem König Rhobar IV. den Konsum von Wasserpfeifen und Sumpfkrautstengeln auf öffentlichen Straßen untersagt hatte.

»Ah, guten Morgen, meine liebreizende Dame.« Abuyin verneigte sich vor Kara, als diese an seinem Stand zum stehen kam. »Wie kann ich Euch heute beglücken?«
»Ich nehme sechshundert Gramm Kartoffeln«, antwortete Kara mit einem Lächeln.
Manch einer mochte beim Anblick des dunkelhäutigen Händlers denken, dass er vor dem Krieg aus der Wüste Varant geflohen sei und sich noch nicht allzu gut mit der hiesigen Sprache auskannte. Kara aber wusste, dass Abuyin - trotz seiner Wurzeln, die bis in die Südlichen Inseln hineinreichten - in Khorinis aufgewachsen war und zweideutige Begriffe, wie etwa »beglücken« durchaus mit Bedacht wählte.
Abuyin griff nach einem kleinen Leinensack, packte einige Handvoll Kartoffeln hinein, schnürte die Öffnung zu und überreichte den Sack seiner Kundin. Kara setzte ihn neben ihren Füßen ab, hob ihn einige Male hoch und sagte schließlich hocherfreut:
»Das fühlt sich ziemlich genau nach sechshundertdreiundzwanzig Gramm an. Vielen Dank!«
»Nichts zu danken. Ich stehe immer wieder gerne in Euren Diensten. Oh, und übrigens.« Abuyins Stimme wurde leiser, während er Karas Geld annahm und sich dabei sanft zu ihr beugte. »Wenn es Euch wieder nach Tabak gelüstet, habe ich eine neue Lieferung für Euch. Findet Euch heute Abend einfach bei Coragon in der Fröhlichen Mastsau ein.«
»Ich werde es mir merken«, versprach Kara, denn sie war nicht nur eine gute Hausfrau, sondern auch eine gute Kundin. Insgeheim wusste sie jedoch, dass sie das Angebot nicht annehmen würde, denn schließlich hatte sie dem Rauchen schon vor einigen Jahren entsagt, lange bevor Tabak teurer und seltener wurde, weil durch eine Auflage von König Rhobar IV. die Transportsäcke zur Abschreckung mit hässlichen Bildern bestickt werden mussten.

Mit jeder weiteren Minute, die Kara am Marktplatz verbrachte, verflog ihre gute Laune. Zwar wusste sie die sündhaft teuren Kartoffeln nun in ihrem Besitz, dafür hatte kein Händler die anderen benötigten Zutaten vorrätig. Für einen kurzen Moment erwägte Kara es, doch noch zum Markt im Oberen Viertel zu laufen, denn sie war eine gute Hausfrau. Allerdings war der Sack Kartoffeln schwer und sie hatte noch nicht gefrühstückt, was bei der Hitze der sommerlichen Vormittagssonne gewiss schnell zur Erschöpfung oder gar zum Schwindel führen konnte. Und eine gute Hausfrau wusste stets, ihrem Gatten keine Probleme zu bereiten.

Seufzend besah Kara sich den Angeboten der Marktstände und entschied sich spontan, am heutigen Tage doch etwas anderes zuzubereiten. Die Kartoffelknödel konnte sie immer noch für den nächsten Abend planen. Ihr Auge fiel auf das Sortiment eines Händlers, der nur in den Sommermonaten die Stadt Khorinis besuchte. Was er im restlichen Jahr machte, das wusste Kara nicht, aber sie vermutete, dass er auf Onars Hof zugegen war, verkaufte er doch Waren, die für gewöhnlich von Getreidebauern, Viehzüchtern, Bäckern und Metzgern hergestellt wurden.
Kara entschied sich dazu, eine Portion des in runde Scheiben gepressten Schafshacks, sowie ein halbes Dutzend extra-leichte und mit Blutbuchensamen bestreute Brötchen zu erwerben. Anschließend suchte sie noch einen dritten Händler auf, der ihr ebenso eine Portion gut gewürzter und in runde Scheiben gepresster Getreideflocken verkaufte, denn Kara mochte kein Schafsfleisch essen. Dazu kaufte Kara einen wunderschönen, leuchtend grünen Salatkopf ein.

Wieder zuhause begab sich Kara sogleich in die Küche. Sie war eine gute Hausfrau und gute Hausfrauen kannten keine Pause. Mit eleganten und gekonnten Bewegungen schob sie die Fleisch- und Getreidescheiben in den Ofen und zauberte aus zahlreichen Kräutern, Tomaten und Gewürzen eine schmackhafte Soße. Zu guter Letzt musste noch der Salat in einzelne Blätter gezupft werden.
Während ihrer Küchenarbeit wusch sich Kara mehrmals die Hände, denn eine gute Hausfrau achtete stets auf Sauberkeit. Mittlerweile war sie auch wieder gut gelaunt, denn zum einen freute sie sich, dass die Patrouille ihres Mannes in wenigen Stunden endete und sie endlich wieder Zeit mit ihm verbringen konnte und zum anderen war sie glücklich darüber, dass ihr doch noch eine gute Idee für ein schmackhaftes Mahl gekommen war.

Nachdem sie die oberen beiden Blätter vom Salatkopf getrennt hatte, bemerkte Kara ein paar kleine, bräunlich-schwarze Punkte auf den darunterliegenden Lagen. Im ersten Moment wurde Kara stutzig, doch mit einem geschulten Blick stellte sie fest, dass es sich wohl nur um Verschmutzungen handelte, die sie mit ihren Fingerkuppen wegwischen konnte.
Erst nach dem vierten Blatt offenbarten sich dann dickere Flecken, die direkt neben kleinen, angenagt wirkenden Löchern, platziert waren. Erneut beugte sich Kara vor, um den Salat ganz genau zu mustern. Und da -
»Oh Schreck!«
Kara sprang auf und ließ den Salat zu Boden Fallen. Sofort entfernten sich schwarze Punkte vom leuchtend grünen Kopf und wuselten auf dem Boden herum. In ihrer Panik sprang Kara über den Salatkopf hinaus in den Eingangsbereich ihres Heimes. Dort streifte sie sich robuste Schuhe über die nackten Füße, um anschließend einen heißen Tanz über den schwarzen Tierchen zu vollführen.
Da Kara zu ihrem Leidwesen während ihrer Liaison mit dem Milizsoldaten einiges an Gewicht zugelegt hatte, war es für sie ein Leichtes, Käfer und Salat gleichermaßen zu zertrampeln. Als ihr Werk vollbracht war, ließ sie sich auf einen Stuhl fallen - und brach in Tränen aus. Sie weinte bitterlich ob der vielen Leben, die sie in ihrer Panik genommen hatte und schallte sich eine Närrin, denn schließlich hätte sie den Salat direkt am Marktplatz überprüfen können.

Erst nach einer guten Stunde - die Fleisch- und Getreidescheiben im Ofen waren schon längst völlig verkohlt - beruhigte Kara sich ein wenig. An Stelle der Trauer und der Tränen traten Hunger und Magenkrämpfe. Sie beschloss, an diesem Tag doch keine gute Hausfrau zu sein und griff nach einem Blutbuchensamenbrötchen, um dieses mit Getreide und Soße zu belegen.
Genussvoll biss sie in ihr Essen, wenngleich sie bemerkte, dass das Gericht ohne frischen, knackigen Salat nur halb so gut schmeckte. Sie war dennoch erleichtert, dass sie die Insekten bemerkt und nicht versehentlich gegessen hatte. Ihr ganzer Körper zog sich zitternd zusammen, während sie daran dachte, dass die braunen Punkte vielleicht doch kein abwaschbarer Dreck waren. Vermutlich waren sie...

»Scheiße!« rief Kara. Sie hätte sich vor dem Essen die Hände waschen sollen...