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    Waldläufer Avatar von Weyland
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    Das Königreich Argaan im Forenrollenspiel
    Weyland ist offline
    »Weyland Sweers?«
    Adanos! Wieso, frage ich dich, ist es egal, wie ich aussehe und was ich trage, warum erkennt mich jeder Mensch auf Erden als der, der ich bin? Hast du irgendwo wo ich es nicht sehen kann, ein riesiges Holzschild mit meinem Namen angebracht? Hier ist der Übeltäter, Urheber eurer Sorgen! Der berühmt-berüchtigte und von allen geliebte Herr Sweers!
    Weyland unterdrückte ein Schlucken und hob den Blick von seinem Eintopf. Vor ihm stand ein schwarz gekleidetes Individuum. Gekleidet wie ein Beamter. Urplötzlich drehte sich alles und für einen Augenblick musste sich der ehemalige Schmuggler an der Tischplatte festhalten, da er sonst vom Stuhl geflogen wäre. Damien?!, schoss es ihm durch den Kopf aber das Gesicht des Fremden hatte keine Ähnlichkeit mit dem des "Bankiers".
    "Ja, Herr ...", begann er und versuchte so dem Mann den Namen zu entlocken.
    "Nennt mich, hm, König. Herr König.", gab er zurück, "Ich bin im Auftrag einer Person vom Festland hier, genauer aus dem schönen Ishtar."
    Weyland versuchte seinen Puls zu beruhigen, schob den Eintopf von sich, faltete die Hände und sah König offen an. "Nun denn, schießt los, Herr König. Netter Name übrigens."
    "Danke, Herr Sweers.", erwiderte König nur, "Mein Auftraggeber heißt ... hm, nennen wir ihn der Einfachheit halber ... Ebenholz."
    Nun musste Wey wirklich erheitert auflachen. "Adanos bewahre, der Einfachheit halber! Hier tritt ein Mann mit dem Decknamen König an mich heran mit der Nachricht eines Mannes namens Ebenholz, der sein Auftraggeber ist. Herr König - oder wie immer Ihr auch heißt - spielen wir mit offenen Karten, denn diese ganze Scheiße ist mir einfach nur noch zuwider. Euch schickt die Krähe. Ihr sollt mich erledigen. Na, gut getippt? Fast jeder Mensch den ich kennen lerne, dient der Krähe." Er spie aus. "Pah, wahrscheinlich diene sogar ich ihr, ohne es zu wissen!«
    König verzog keine Miene bei diesem Ausbruch. Seine dunklen Augen blickten starr, das Gesicht wie in Stein gemeißelt. Als Weyland nichts mehr sagte, hob er nur leicht die rechte Augenbraue. "Fertig?", fragte er trocken. "Darf ich fortfahren?"
    Müde nickte Weyland. "Ja, was auch immer ..."
    Herr König räusperte sich. "Ebenholz möchte Euch treffen, Herr Sweers. Hier in Stewark, diese Woche noch. Er ist ein ... Bewunderer Eurer Arbeit auf dem Festland, quasi aus dem Nichts solch ein erfolgreiches Schmuggelgeschäft aufzubauen, das hat ihn schwer beeindruckt."
    Kopfschütteln vom bewunderten Ex-Schmuggler. "Hurra, die Krähe versucht es auf die Masche. Ganz toll. Wisst Ihr, Herr König, erdolcht mich doch einfach hier. Bin dieses Hin-und-Her einfach nur noch leid. Ernsthaft."
    "Und ich bin Eure Ignoranz leid, Herr Sweers!", knurrte König erbost, "Dieses Individuum namens Krähe hat mit meinem Auftraggeber nichts zu schaffen. Viel mehr sind sie ... Konkurrenten im Geschäft, wobei mein Geldgeber wesentlich subtiler vorgeht. Ebenholz ist ein Freund offener Grenzen, nicht einzelner Staaten oder Großreiche. Daran findet er keinen Gefallen, da es in seinen Augen ... nur Hass und Blutvergießen schürt." Der Bote hatte sich wieder beruhigt, lächelte nun versönlich. Aber nur mit den Lippen. Die Augen wirkten wie die einer Leiche. "Ebenholz bietet an, Euch gegen die Krähe zu unterstützen."
    "Meine Fresse!", zischte Weyland, "Schreib's dir hinter deine verschissenen Ohren, König! Ich bin raus! Ich scheiß auf die Krähe, scheiße auf dich und scheiße auf diesen Herrn Ebenholz. Scheiß auf euch alle, verdammt! Ich will nicht mehr, ich will meine Ruhe finden."
    König schüttelte nur betrübt den Kopf, seufzte. "Herr Sweers, das hätte Euch in den Sinn kommen sollen, als Ihr noch auf dem Festland wart. Als Ihr die Wahl hattet, im Kampf gegen die Orks zu fallen oder ihnen zu dienen. Mit dem Tag, da Ihr das Brandmal trugt - und wir wissen, dass Ihr es am rechten Oberarm tragt! - habt Ihr Euren Weg gewählt. Ihr wurdet einer der besten Schmuggler der Geschichte und habt auf dem ganzen Festland Verstecke, Kontakte und Lager. Niemand weiß wo, außer Ihr. Die dortigen Ressourcen können ... über Wohl und Unwohl der Krähe entscheiden. Dieser Einfluss, den Ihr geschaffen habt, wissentlich oder nicht, kann das Schicksal der Unterwelt entscheiden. Ob Ihr wollt oder nicht, ob Ihr nun Gewissensbisse habt oder nicht: Ihr seid immer noch im Spiel. Und dieses Spiel, das weiß jeder von uns, kann nur mit dem Tod enden."
    König klatschte sich in die Hände. "Nun denn, Ebenholz wird Euch finden. Schönen Abend noch, Herr Sweers. Ich empfehle mich!"
    Aber Weyland hörte ihn gar nicht mehr. Sein Blick war starr auf die Tischplatte gerichtet. Er fühlte sich, als hätte gerade der König sein Todesurteil unterzeichnet und der Henker würde ihm die Schlaufe des Seils um den Hals legen.
    Geändert von Weyland (02.07.2018 um 23:00 Uhr)

  2. Beiträge anzeigen #42 Zitieren
    Schwertmeister Avatar von Kjarl
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    Die Waldbruderschaft im Forenrollenspiel
    Kjarl ist offline
    Kjarl griff langsam nach dem hölzernen Becher und trank ein paar Schlucke, dann stellte er ihn vorsichtig ab. Seine Hand schmerzte noch immer, auch wenn sich über dem Schnitt eine dicke Schicht Wundschorf gebildet hatte. Die Ränder juckten furchtbar und Kjarl musste darauf achten, dass er nicht unbewusst kratzte und dabei den Grind ablöste. Er atmete lang aus und blickte Tobias leicht lächelnd ins Gesicht. Auch dem Blondschopf sah man die Verletzungen noch an, doch auch er befand sich auf dem Weg der Besserung.
    "Ist es nicht unglaublich, wie der Körper sich wieder erholen kann?", sagte Kjarl schließlich und nahm noch einen Schluck aus dem Becher. "Wunden verschließen sich, Brüche wachsen wieder zusammen und die Kraft kehrt in die schwachen Gliedmaßen zurück. Genau wie ein halbverdorrter Busch, der wieder neue Triebe und Blätter wachsen lässt. Merk dir das Tobias. Wir Menschen sind Teil der Natur, genau wie jeder Busch und jeder Strauch und genauso können wir eingehen oder wachsen."

    Tobias nickte stumm. Die Ereignisse im Bluttal hatten den jungen Mann nicht nur körperlich gezeichnet. Auf seinem Blick lag noch immer ein dunkler Schatten und sein freche, vorlaute Art brach nicht mehr so oft hervor wie früher. Speziell Kjarl gegenüber war er ernster geworden, auch wenn der Bärtige nicht glauben wollte, dass dies lange so bleiben würden. "Kjarl.", sagte Tobias schließlich leise, "Ich war mir sicher, wir würden sterben. Ich dachte die Bestie zerreißt uns." Tobias' Blick ging ins Leere, während er diese Worte sprach. Kjarl zog die Stirn in Falten. Sein Gefährte war jung. Der Überfall der Orks hatte ihm die hässliche und brutale Wahrheit über das Leben vor Augen geführt. Kjarl nickte. Seine Stimme klang leise, aber trotzdem warm und fest, als er antwortete: "Du hattest Angst Tobias. Weil du auf einmal gesehen hast, was passieren kann. Glaub mir, das geht uns allen so. Die Menschen in den Städten verkriechen sich hinter Mauern, weil sie Angst vor den Gefahren da draußen haben. Gleichzeitig fürchten sie Könige und machthungrige Adlige, die jede Stadt und jedes Reich ins Chaos stürzen können. Vielleicht fürchten sie die Götter, die diese Welt mit einem Fingerschnippen mit Leid überfluten können. Jeder hat Angst."
    Kjarl verstummte kurz und starrte auf die Tischplatte. In seinen Gedanken tauchten wieder die Orks auf. Er hörte ihr Geschrei, sah ihre Waffen blitzen. "Ich kannte mal einen, der von sich behauptete, dass er vor nichts und niemandem Angst haben. Wenig später war er verschwunden. Irgendein großes Vieh hat ihn gerissen, weil er unvorsichtig in dessen Jagdgebiet eindrang. Das hat mich eines gelehrt: Angst ist keine Schwäche, Angst ist ein Ratgeber, der um deine Sicherheit besorgt ist. Höre ihn, aber lass dich nicht von ihm lähmen."

    Kjarl lehnte sich nach hinten und schwieg. Tobias guckte ausdruckslos nach unten und nickte leise. Eine Weile herrschte Stille. Dann hob Kjarl seinen Becher. "Auf die Gefallenen im Bluttal.", sagte er halblaut, dann trank er. Tobias tat es ihm gleich.

  3. Beiträge anzeigen #43 Zitieren
    Krieger Avatar von Venom
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    Die Stadt war inzwischen einigermaßen zur Ruhe gekommen und Venom streifte gelangweilt durch die Gassen. Die Botschaft für einen Mann namens Falcar hatte ihm zwar den Weg in die Stadt geebnet, jedoch hatte er ihn bis jetzt nicht ausmachen können um ihm die Botschaft zu übergeben.
    Wie beinahe jeden Tag führte sein Weg ihn irgendwann in die Taverne zur Klippenschenke, wo er sich bei gutem Wetter draußen auf eine der Holzbänke setzte. Einer der Schankjungen kam an seinem Tisch vorbei gelaufen und blieb kurz stehen um die Bestellung aufzunehmen. Venom konnte sehen, dass er dem Jungen immer noch unheimlich war obwohl er mittlerweile fast täglich dort war.
    "Bring mir einen Krug Wasser und was immer es gerade in der Küche gibt."
    "In Ordnung.", wisperte der Junge und machte sich möglichst schnell wieder aus dem Staub.
    Während Venom auf sein Essen wartete holte er den Ring wieder aus seiner Tasche. Es war ihm eine liebe Gewohnheit geworden den Ring zu betrachten und durch die Finger gleiten zu lassen. Er hatte sich immer noch nicht dazu entschlossen was er mit ihm tun sollte.
    Wenige Augenblicke später erschien der Junge wieder und brachte ihm eine mit Kohl und Lammfleisch gefüllte Pastete und Venom machte sich hungrig daran sie zu verspeisen.

  4. Beiträge anzeigen #44 Zitieren
    Waldläufer Avatar von Weyland
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    "Herr Sweers, wenn ich mich nicht irre?"
    Der tiefe, tönende Bass gehörte einem hochgewachsenen Südländer, dessen Haut die Farbe von Ebenholz hatte. Weyland war nicht zu lachen zumute, da der Deckname, den Herr König genannt hatte, treffend war. Herr Ebenholz hatte eine nass rasierte Glatze und einen gestutzten, kurzen Bart von schwarzer Farbe. Seine dunklen Augen sahen aufmerksam und höflich aus. Absolut nichts an dem Mann schrie entweder nach einem Verbrecher oder einem Meuchelmörder.
    "Ja, Weyland Sweers. König ... hat von Euch gesprochen?", fragte er und bot dem Hünen einen Platz am Tisch an, der hinter der Taverne stand und aufs Meer hinaus blickte, in dem gerade die Sonne unterzugehen begann. Ebenholz lachte vergnügt auf.
    "Nun, man kann stark davon ausgehen, dass ich Herr Ebenholz bin. Den Namen habe ich selber gewählt. Zumindest für diese Art von Unterredungen, Spionage und all diesem subtilen Kram. Nennt mich meinetwegen Herrn Vilango. Schaut nicht, das ist mein richtiger Familienname.", erklärte er und bedeutete einem der Schankjungen zwei Bier an den Platz zu bringen. Er legte den edlen Umhang ab, schüttelte die Ärmel seines teuren Wamses aus. Ja, an Gold mangelte es dem Mann offensichtlich nicht. Weyland verzog einen Moment das Gesicht, da er solcherlei Zurschaustellung von Reichtum und damit einhergehend Macht absolut nicht mochte. Da war er einfach zu bodenständig, zu bäuerlich. Seinem alten Herrn sei gedankt, der etwaige Wünsche nach Luxus und Komfort frühzeitig mit der Gerte ausgetrieben hatte. "Herr König hat Euch soweit alles erklärt? Quasi die Sachlage veranschaulicht?", fragte er und trank einen Schluck Bier, als es gebracht wurde.
    "Ja. Ihr führt eine Art Interessenkonflikt mit der Krähe.", begann Weyland, "Ihr seid für ... hm, offenen Austausch und die Krähe steht für Geschlossenheit im Sinne eines Reiches. Wo Ihr nicht nur Myrtana sondern auch Khorinis, die Südinsel, Gorthar und das Archipel seht, nun ja, sieht die Krähe nur Myrtana ... oder alle Länder unter blutgetränkter Flagge der Myrtaner. Versteht mich nicht falsch, ich bin klitzekleines Bisschen stolz darauf, Myrtaner zu sein. Stolz auf meine Landsleute, dass sie die Orks zurück in ihr Ödland getrieben und ein Weltreich errichtet haben ..."
    Herr Vilango lächelte gefährlich. "Und genauso stolz wärt Ihr auch, wenn die Orks letztlich alle menschlichen Könige erschlagen und ein Weltreich errichtet hätten mit ihren Stampfern auf Eurem Rücken? Spielt mir nicht den stolzen Myrtaneer, der die Krähe verstehen kann. Ihr habt Eure Fahne oft genug nach dem Wind gerichtet, Sweers."
    "... stolz darauf, Herr Vilango, dass meine Landsleute gekämpft haben für ihren Erfolg. Nur die Art des Weges, den das Land dann genommen hat, die gefällt mir nicht. Die Roten ziehen nun von Land zu Land und wollen es erobern, nur hier auf diesem Scheißhaufen von Insel scheitert es. Eure Kreise und die Kreise, in denen ich die längste Zeit verkehrte, leben aber davon, dass der Handel floriert, das Grenzen geöffnet sind und überall unsereins Geschäfte machen kann. Geschlossene Grenzen, Schmuggel und dergleichen nur in Krähes Gnaden ... das ist falsch. Daher unterstütze ich grundsätzlich Euer Mühen, Herr Vilango."
    Begeistert klatschte der Hüne in die Hände. "Sehr gut, Herr Sweers. Dann ist ja alles geregelt. Ich habe hier eine Karte von Myrtana, zeichnet da bitte Eure Verstecke ein. Die dortigen Sachen könnten unsere Mühen erleichtern und unterstützen."
    Weyland seufzte. "Ich unterstütze es grundsätzlich. Aber nicht unbedingt und ganz und gar. Ich ... will nicht mehr. Ich kann nicht mehr. Schmuggel, Verbrechertum, all den Mist, den ich getan habe. Menschenleben, die ich genommen habe. Schreckliche Dinge. Ich habe in einem Krieg bereits auf beiden Seiten gekämpft ... nun möchte ich nicht in einen weiteren gezogen werden. Keinen der einfachen, ehrlichen Art, sondern der heimlichen, gefährlichen Art. Daher ... kriegt weder Ihr noch die Krähe irgendetwas von mir. Meinetwegen seid beruhigt in dem Wissen, dass der Jagdhund, dass der ach so große Weyland Sweers jegliche Ansprüche auf jegliche Geschäfte und dergleichen Kram auf dem Festland und sonstwo unter dem Himmel aufgeben wird. Das er hier ... seinen Frieden finden will."
    Vilango seufzte nun seinerseits, trank das Bier leer und setzte es ab. Dann schüttelte er langsam den Kopf. "Nun ja, König berichtete mir, dass du kneifen würdest, Sweers. Dass du schwach geworden bist, den Biss verloren hast. Die Absage werde ich mir merken. Und meine Kräfte darauf verwenden, ohne deine Hilfe deine Verstecke zu finden. Sollte das scheitern, Sweers, und die Chance besteht ja durchaus, dann komme ich wieder. Dann schleppe ich dich in irgendein stinkendes Verlies und werde dafür sorgen, dass du mir den Standort jeder Schmugglerhöhle verrätst und deine Eltern verfluchst, verstanden? In diesem Sinne, gehab' dich wohl."
    Und zurück ließ Vilango - wie schon König - einen niedergeschlagenen Mann, der erneut sein Leben verfluchte als auch die Entscheidungen, die er darin getroffen hat.

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    Provinzheld Avatar von Die Bürger
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    Die Felder vor Stewark

    "Der Mond wird den Weg weisen." sagte einer der Bauern im Vorbeigehen. Für Eduard, wie auch für viele anderen der Bauern und Feldarbeiter, war es ein eindeutiges Zeichen. Vor vielen Jahren kamen sie als Siedler vom Festland des Königreiches Myrtana auf die subtropische Insel, um das Land zu bestellen und die Baronie Stewark mit Lebensmittel zu versorgen. Der Orden Innos, der weite Teile der Insel kontrollierte, zeigte sich großzügig und verpachtete die Ländereien äußerst günstig. So erhöhte er nicht nur die Motivation und Arbeitsmoral der Siedler, sondern sicherte sich auch die fortwährende Unterstützung. Deswegen war die Eroberung der Baronie Stewark durch Rebellen um Ethorn auch eine Hiopsbotschaft für die Bauern und Feldarbeiter.

    Als loyale Bürger des Großreiches Myrtana wussten sie, dass sie nicht länger auf den Feldern der Baronie Stewark arbeiten konnten. Nicht nur, dass sie damit einen Rebellen unterstützen würden. Durch ihre direkte Zugehörigkeit zum Großreich Myrtana riskierten sie auch ihr Leben. Denn die ehrlosen Söldner und Krieger um Ethorn, scherrten sich auch nicht um die Rechte, die ein jeder Bürger genoß. Unauffällig, im Schutze der Dunkelheit, trafen sich die Männer und Frauen daher regelmäßig, um ihre Flucht nach Thorniara zu organisieren. Sie kundschafteten die wenigen Patrouillen der Rebellen aus und stellten Proviant für den Fußmarsch bereit. Dass der Mond den Weg weisen wird, war das Stichwort für die loyalen Bürger, die in der kommenden Nacht zur Hafenstadt des Ordens aufbrechen wollten.

    Auch Eduard hatte bereits alle Notwendige gepackt und wartete seit zwei Tagen nur noch auf dieses Stichwort. Dass die Flucht nun starten sollte, verunsicherte ihn etwas. Er war aufgeregt und hoffte, dass der Fußmarsch nach Thorniara weit weniger gefährlich werden würde, als er es sich bisher vorgestellt hatte.

    Maximus
    Geändert von Maximus (17.07.2018 um 15:43 Uhr)

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    Provinzheld Avatar von Die Bürger
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    Die Klippenschenke

    Die Ruhe in den Straßen von Stewark täuschte. Hinter den Türen der Häuser und Anwesen wurde laut diskutiert. Die Baronie wurde lange Zeit durch den Orden Innos kontrolliert. Statthalter im Namen des Königs Rhobar III. erließen Gesetze, die Provinzgarde kämpfte in seinem Namen gegen die Bedrohungen hinter den hohen Stadtmauern und Siedler vom Festland bestellten die Felder. Dennoch konnten oder wollten sich viele Bürgerinnen und Bürger diesem Reich nicht zugehörig, gar verpflichtet fühlen. Die Eroberung der Baronie durch König Ethorn wurde jedoch nicht weniger kritisch beurteilt.

    Während das Großreich Myrtana und der Orden Innos mit einer gewaltigen Bürokratie regierte, zeigte König Ethorn unablässige Härte. Wenn auch die Bürgerschaft viel Kritik an den Orden und seiner Streiter übte, war ihre gnadenlose Verfolgung durch Rebellen und Söldner Ethorns nicht weniger kritikwürdig. Insbesondere die betuchten Bürger waren verunsichert. Während die Bürokratie des Ordens eine gewisse Sicherheit gewährleistete, schien die Zukunft unter der Führung von König Ethorn noch immer ungewiss.

    Thoronir war das alle egal. Er arbeitete seit vielen Jahren für Falcar Avenicci. Die Probleme, die Politik und Wirtschaft bereiteten, sollten andere für ihn lösen. Thoronir hatte andere Fähigkeiten. So wurde ihn aufgetragen, einen Mann ausfindig zu machen, der einmal zu oft nach Falcar fragte. Thoronir hörte sich ein wenig um und erhielt dann endlich die Information, dass der gesuchte Mann in der Taverne zu finden war. Die Kippenschenke war eine Taverne für Jedermann und so traf man dort nicht nur die hoffnungslosen Säufer und verarmte Tagelöhner. Sondern auch die feinen Edelmänner und -frauen.

    Der gesuchte Mann saß am Tresen der Taverne und nippte scheinbar gelangweilt an einen Krug voll Wasser. Thoronir setzte sich neben ihn und bestellte ein kühles Bier. Viel bezahlte ihn Falcar Avenicci nicht aber für ein Bier hatte es bisher immer gereicht. Es verging einige Zeit, ehe Thoronir den Mann ansprach, dabei aber weiterhin den vielbeschäftigten Wirt beobachtete. "Es war reichlich ungeschickt von dir, hierher zu kommen, Venom." sagte er mit leiser Stimme. "Mein Auftraggeber mag es nicht, wenn zu viele Fragen gestellt werden und du stellst eindeutig zu viele. Also nenne mir einen guten Grund, warum du nach Falcar Avenicci suchst und man findet dich möglicherweise nicht erstochen in einer Gosse."

    Maximus
    Geändert von Maximus (18.07.2018 um 20:54 Uhr)

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    Krieger Avatar von Venom
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    Venom ist offline
    Als der Fremde sich neben Venom am Tresen niederließ, spürte er ein leichtes Kribbeln im Nacken. Der Mann war zu zielstrebig an den Platz neben ihm getreten als dass es nicht verdächtig sein könnte, zu mal noch einige andere Plätze frei gewesen wären.
    So war er nicht überrascht als dieser das Wort an ihn richtete. Nur hatte er nicht damit gerechnet, dass es die Botschaft betreffen würde die er nun schon eine Zeit lang mit sich rumgeschleppt hatte und schon beinahe die Hoffnung aufgegeben hatte den Eigentümer noch zu finden.
    Von der unverhohlenen Drohung blieb Venom jedoch unbeeindruckt, davon hatte er mittlerweile einfach zu viele gehört. Allerdings hieß dies nicht, dass er es auf die leichte Schulter nahm. Er hatte gelernt besser immer auf das Schlimmste vorbereitet zu sein und nicht einfach etwas zu leicht nehmen, weil sein Ego es verlangte.
    So schärfte er seine Sinne auf die Umgebung ohne sich groß zu bewegen und drehte seinen Kopf leicht in die Richtung des anderen und erwiderte: "Avenicci sagst du? Interessant.", auf dem angehängten Zettel der Botschaft hatte nur Falcar gestanden, allerdings waren Venom inzwischen zu dem Schluss gekommen, dass die zweite Hälfte mit dem Nachnamen abgerissen sein musste. Er überlegte kurz warum ihm diesen bis jetzt niemand genannt hatte. Nach dem Auftreten des Finstermanns neben ihm war es gut möglich, dass die Leute angst hatten etwas über diesen Falcar zu berichten. Dadurch wird die Geschichte ein ganzes Stück interessanter, dachte Venom.
    Er blickte dem Fremden in die Augen und glaubte zu sehen, dass dieser nicht damit gerechnet hatte dass er so eben den vollen Namen seines Auftraggebers offenbart hatte.
    "Was den Grund angeht, ich bin durch gewisse Umstände zum Überbringer einer Botschaft an deinen Herrn gelangt. Ich kann mir denken, dass er mit dem vollen Namen doch leichter aufzuspüren sein könnte. Aber du könntest deinem Herrn und mir die Zeit sparen in dem du mich zu ihm bringst."

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    Provinzheld Avatar von Die Bürger
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    Die Klippenschenke

    Thoronir nahm einen weiteren Schluck aus dem Bierkrug, schüttelte dann ernüchternd mit dem Kopf und erwiderte: "Siehst du den Mann dort hinten in der Ecke? Ein Fingerzeig von mir genügt und er wird dir mit Freuden die Kehle durchschneiden. Ich bin nicht hier, um dich durch die Stadt zu führen. Ich bin hier, um die Botschaft an mich zu nehmen. Du wirst sie mir geben und ich entscheide, ob sie den Empfänger erreichen wird. Wenn du Glück hast, wirst du in den nächsten Tagen für deine Dienste belohnt werden. Wenn du Pech hast... tja, dann wird sich mein Freund um dich kümmern."

    Der noch unbekannte Mann schien die Situation abzuwägen, griff dann zögerlich in seine Tasche und legte eine versiegelte Botschaft auf den Tisch. Zufrieden nickte Thoronir, als er sich das Pergament anschaute. "Du bist ja doch nicht so dumm, wie du aussiehst. Morgen zur selben Zeit wirst du erhalten, was du verdienst." Mit diesen Worten stand er auf und verließ in Begleitung mit der anderen zwielichtigen Gestalt die Taverne. "Soll ich ihn töten?" fragte sie, doch Thoronir schüttelte energisch mit dem Kopf: "Noch nicht! Wir wissen nicht, wessen Bote das ist. Wir warten auf eindeutige Befehle."

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    Al-Asad Ad-Dachmu  Avatar von Maris
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    Haus der Magier - Ein neues Leben

    Mit leerem Blick wanderte er im Zimmer auf und ab. Seine Schulter fühlte sich an, als würde sie jeden Moment verglühen, doch ihm blieb keine Wahl. Er hatte es schon mehrfach versucht, die Tortur zumindest kurzweilig zu unterbrechen, indem er sie auf das Bett legte oder sich zumindest mit ihr hinsetzte, doch sobald sie auch nur annähernd still lag oder saß, begann das Geschrei.
    Der Bezwinger von Bestien, Diener der Natur, Krieger der Wüste wurde dominiert von einer jungen Dame, die sich zufrieden umsah von ihrem Aussichtsposten auf dem Arm ihres Vaters aus. Und so müde und erschöpft er sich auch fühlte: wenn Maris zu ihr hinab blickte, wie sie zufrieden die Umgebung musterte und die Hand ansabberte, die sie in Position hielt, wusste er, dass er das Richtige tat. Dass es das wert war. Dass er liebte, was er in den Armen hielt.
    Doch die Stimmung der jungen Dame war volatil, ein Lachen konnte fließend in einen Schmollmund oder lautstarkes Gemecker übergehen. Und so erscholl auch nun der Ruf des Kindes.
    "Mmmmmäh!"
    Mäh hieß Hunger, und da war er der falsche Ansprechpartner. So sehr er sich in manchen Situationen wünschte, auch diese praktischen Brüste zu haben, mit denen man das Kind zu jeder Zeit ruhigstellen konnte (nun gut, in den meisten Fällen traf es wohl eher) - in diesem Moment verspürte er vor allem Erleichterung, denn der nahende Hunger bedeutete, dass er eine dringend benötigte Pause bekam. Und wie aufs Wort (oder aufs Mähen) trat Aniron in das Zimmer und streckte die Arme aus.
    "Na komm, ich nehme sie."
    Der kleine schwitzende Ofen - ja kleine Kinder zeigten eine erstaunliche Hitzeentwicklung! - entschwand seinen Armen, und erlöst sank Maris mit stummem Dank auf der Bettkante nieder. Die nahende Mahlzeit ließen das Schreien noch lauter werden, je näher sich das begierige Mäulchen dem stillenden Busen näherte, doch schnell kehrte Ruhe ein, als die Milch sich in den hungrigen Schlund ergoss.
    Mit einem kaftlosen Lächeln blickte Maris zu seiner Frau und der nun zwei Monate alten Tochter hinüber.
    "Das haben wir mal wieder gut hingekriegt."
    Aniron lachte und strich der Kleinen über den Hinterkopf.
    "Wenn wir etwas können, dann ist es schöne Kinder zu machen, meinst du nicht?"
    "Oh ja, auf jeden Fall", entgegnete er.
    "Sie wirkte gerade schon ziemlich müde, wird dann bestimmt erstmal eine Weile schlafen. Ich gehe mir mal ein wenig die Beine vertreten, ja?"
    Aniron nickte lächelnd, und der Wüstensohn erhob sich etwas unbeholfen.
    "Kannst du auf dem Weg nach draußen schauen, was Runa und Sinan so machen?"
    "Klar doch."
    Maris ging zur Tür und blickte zu Aniron.
    "Bis nachher."
    Und zu seiner Tochter, die absolut keine Zeit für ihn hatte: "Schlaf dann fein, Fianna."

    Maris verließ die Kammer seiner Frau im Haus der Magier und bahnte sich seinen Weg nach unten. Es war alles noch neu und ungewohnt, doch das Gebäude war recht simpel strukturiert. Es war ein hoch aufragender, relativ schmal geratener Bau im inneren Ring von Stewark, unweit der Zitadelle, der einen ebenerdigen Eingang zu den Werkstätten und der Heilkammer besaß, während eine hölzerne Außentreppe in die zweite Etage zur Bibliothek und den darüber gelegenen Kammern der Magier führte. Der Nomade bahnte sich seinen Weg im Inneren des Hauses hinab zur Studierstube der Wassermagier, die gewiss in den nächsten Monaten und Jahren noch an Umfang zunehmen würde, um sich bei einem kurzen Stadtspaziergang zu erholen. Die von Aniron erteilte Aufgabe erledigte sich dabei quasi von selbst, als der ihm entgegen schlagende Lärm mit jedem Schritt in Richtung der Bibliothek recht bibliotheksuntypisch lauter wurde.
    "Ich bin ein Piratenkapitän, und du meine Steuerfrau! Auf auf, Lady Riya, wir stechen in See!"
    "Jaaa! Wir fahren raus aufs -"
    "Was bei allen Wüstendämonen ist denn hier los!? Ich glaube ich sehe nicht richtig?"
    Die Stimme Aaliyahs schnitt sich scharf durch die Bücherregale, sodass Maris wenig Lust verspürte, sich die Szenerie selbst anzuschauen. andererseits war er schon neugierig, was Runa zusammen mit der Tochter der Wassermagierin angestellt hatte. Vorsichtig lugte er um die Ecke und sah Aaliyah, die - die Arme in die Hüften gestemmt - mit herrischem Blick auf die beiden Mädchen hinab blickte, die ein Bücherregal komplett ausgeräumt und sich aus den Büchern ihr Piratenschiff gebaut hatten.
    "Seid ihr eigentlich von allen guten Geistern verlassen? Ihr könnt doch nicht die Bücher aus den Regalen nehmen und alles durcheinander bringen! Und euch dann auch noch darauf stellen! Eine Bibliothek ist doch kein Spielplatz! Und dann der Lärm - ihr stört die Erwachsenen bei ihrer Arbeit!"
    Nicht, dass irgendjemand sich gezeigt hätte, auf den Letzteres zutraf, doch im Grundsatz hatte sie schon recht. Die Bibliothek war kein Ort zum Spielen.
    Maris zog sich unbemerkt zurück, die Gute würde das schon allein bewältigen und den Mädchen die Strafe ihres Lebens aufzwängen. Er selbst brauchte seine Pause gerade dringender denn je.

    "Kann man jetzt endlich wieder da hinten hin?"
    Sinan saß zwischen zwei Bücherregalen und schmökerte in einem kleinen Einband aus altem, rissigem Leder. Seine gelangweilte Frage schien eher rhetorischer Natur.
    "Hallo Papa. Du brauchst deine Ruhe, hmm? Kann ich verstehen."
    Maris legte den Finger auf die Lippen.
    "Nicht so laut", flüsterte er, "Sonst hört Tante Aaliyah uns noch und wir werden da mit hineingezogen!"
    Sinan klappte das Buch zusammen und stellte es ordentlich in das Regal zurück, aus dem er es genommen hatte.
    "Wollen wir ein wenig spazieren gehen? Ich würde dich gern etwas fragen."
    Der Nomade hob eine Augenbraue.
    "Etwas fragen? Klar, warum nicht? Worum geht's?"
    "Ach, dies und das. Ich glaube, ich habe meinen Lieblingsort in der Stadt gefunden. Soll ich dir den mal zeigen?"
    Maris lächelte. Runas Lebhaftigkeit war gerade zu viel für ihn, doch ein ruhiges Gespräch mit seinem Sohn war vielleicht genau das Richtige.
    "Gerne! Lass uns gehen!"
    Sinan ging voraus durch die Eingangstür und trippelte die Holztreppe hinab. Lächelnd folgte sein Vater. Es war seltsam, wie sehr ihn die Ereignisse aus der Zeit gerissen hatten. Völlig überraschend hatte Ethorn das liebliche Stewark eingenommen, das schon immer seine Lieblingsstadt auf Argaan gewesen war. Seine Familie hatte er ebenfalls hier wieder gefunden und sogar die Geburt seiner Jüngsten hatte er nicht verpasst - wenngleich er nicht viele Tage später hätte zurückkehren dürfen. Nun lag Suzuran seit zwei Monaten schlafend in der Heilkammer unter Beobachtung, ohne dass sich ihr Zustand verändert hätte, doch noch hatte es sich nicht ergeben, dass er Aniron und die Zwillinge mit Fianna hätte allein lassen können. Was seine vom schattenverseuchten Pantherfürsten verletzte Schulter betraf, hielt sich Maris mit den Schmerzmitteln der Heiler über Wasser, sodass er auch dieses Problem für den Moment mehr oder weniger aussitzen konnte.
    So schien das Leben ruhiger und normaler zu werden. Und auch wenn er wusste, dass das nicht von Dauer war, genoss Maris den Augenblick in diesem neuen Leben.
    "Papa, kommst du?"
    "Ja ja, ich bin unterwegs!"
    Maris setzte sich in Bewegung.
    Geändert von Maris (26.07.2018 um 23:18 Uhr)

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    Al-Asad Ad-Dachmu  Avatar von Maris
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    Auf den Straßen - Zu schlau für dein Alter

    "...und da ich Fiannas Geburt nicht verpassen wollte, habe ich Tante Suzu und mich von Djamal direkt übersetzen lassen. Mit Aaliyah und ihrer Familie als Begleitung, natürlich."
    Gemütlich schlenderten Vater und Sohn an der Zitadelle vorbei, während Maris von seinen Erlebnissen auf dem Festland berichtete. Details ließ er hier und da aus, wo es ihm angemessen schien, und Sinan sagte nichts, obwohl sich der Nomade sicher war, dass der Kleine es genau wusste, wenn Maris ihm nicht die volle Wahrheit berichtete. Einen Moment lang verharrten sie am oberen Treppenabsatz und ließen den Blick über das entspannte Treiben im mittleren und äußeren Ring bis vor zum Stadttor schweifen. Die abendliche Sonne tauchte den Platz vor der Zitadelle in goldenes Licht, und vor der Klippenschenke hatte der Wirt dem Wetter entsprechend zusätzliche Bänke und Tische aufgestellt, damit die Leute nach getaner Arbeit in der Sommerhitze bei einem kühlen Getränk entspannen konnten.
    "Denkst du, Tante Suzu wird wieder gesund?", fragte Sinan und wandte sich von dem Ausblick ab zum Gesicht seines Vaters hin. Maris zögerte.
    "Ich... ich weiß nicht, Sohnemann. Sowohl Aaliyah, als auch die Magier hier in der Heilkammer haben nichts an ihr feststellen können. Es ist, als ob sie einfach schläft. Als ob ihr Geist weggetrieben ist."
    "Ob Onkel Ornlu vielleicht Rat weiß? Du sagtest ja, dass dieses Diadem schuld ist."
    "Das hoffe ich. Oder dass er vielleicht einen Weg kennt, mehr über ihren Zustand herauszufinden. Ich will euch und Fianna aber nicht hier allein lassen, so lange sie noch so klein ist, deshalb muss das warten."

    Sie schritten die Treppen hinab bis in den äußeren Ring und schlenderten über den Platz an der Klippenschenke vorbei.
    "Jetzt erzähl aber mal: wie war es denn für euch, als ihr aus der Burg hierher gezogen seid? Wie findest du es hier?", wollte Maris wissen.
    "Hier ist es schön", entgegnete Sinan, "auch wenn mir der Silbersee ein wenig fehlt. Aber die Burg und die Hütten davor waren kein schöner Ort, vor allem mit so vielen Leuten. Der Ort war einfach nicht dafür gemacht, dass so viele dort leben. Hier gibt es dafür eine Menge zu entdecken."
    "Wie deinen Lieblingsort?"
    Der Junge lächelte.
    "Genau! Naja, und die Reise hierher war in Ordnung, denke ich. König Ethorn hatte die Stadt ja ganz plötzlich angegriffen, und dann hieß es schon, dass der Kreis des Wassers nachkommen soll, um Verwundete zu pflegen und die Menschen zu beruhigen. Mama war kugelrund und watschelte durch die Gegend wie eine Ente! Aber sie durfte sich auf einen Wagen setzen, auf dem ein paar Leute aus der Heilkammer transportiert wurden, also musste sie nicht so weit laufen."
    Vor dem Stadttor bogen sie nach links ab und durchschritten einen Torbogen in Richtung Norden. Maris ahnte, wohin Sinan ihn führte - schließlich hatte er die Stadt in der Vergangenheit schon einige Male erkundet. Seine Gedanken jedoch galten in diesem Moment eher der Tatsache, dass der Kreis des Wassers gewaltiges Glück gehabt hatte. Es hieß, die Orks hätten aus heiterem Himmel ein Massaker im Fort des Bluttals angerichtet, und der Durchzug der Magier konnte sich nur wenige Tage zuvor ereignet haben. Maris hätte es sich nicht verzeihen können, wenn seiner Familie in seiner Abwesenheit etwas zugestoßen wäre, und er hatte großes Verlangen, nach Süden zu gehen und einer Orkpatrouille aufzulauern, um herauszufinden, was bei Adanos diese Mistkerle sich dabei gedacht hatten. Neuerdings schien es in Mode zu sein, völlig unerwartete Angriffe auf andere Siedlungen durchzuführen und dabei jede Menge unschuldiges Blut zu vergießen.
    "Tja, und die Magier haben sich dann das große Haus ausgesucht, um es zum Haus der Magier zu machen. Hatte vorher wohl nur die Bibliothek im zweiten Stock drin und der Rest stand leer. Ist zwar etwas merkwürdig, jedesmal durch die Bibliothek zu gehen, wenn man rein will, aber mir gefällt es", plapperte der Junge frei von der Leber weg. Sinan war selten so gesprächig.

    "Und da sind wir", verkündete er schließlich, als sie vor einer Reihe verwitterter Torbögen standen, die zu uralten Ruinen gehören mussten. Solche Stellen gab es überall in der Stadt und an den Hängen der kleinen Felseninsel, aber das waren die größten antiken Arkaden, die er selbst bisher hatte hier erblicken können. Die von Wind und Wetter abgenutzten Strukturen waren völlig zugewuchert von Büschen und sprießendem Gras, links und rechts der alten Überreste waren sogar zwei Bäume gepflanzt worden. Obwohl der Weg, an dem die Arkaden standen, ganz nah des Stadttores war, kam hier kaum jemand her, denn der Pfad schien nur zu einem großen Haus zu führen. So hatte man einen ungestörten Ausblick auf das nördliche Stewarker Umland mit seiner Steilküste und den in der Ferne stufenweise aufragenden Obstplantagen.
    "Wie findest du es?", fragte Sinan neugierig. Maris lächelte.
    "Es ist wirklich wunderschön hier. Wir sollten Mama und die Mädels einmal hierher führen."
    "Ach, ich weiß nicht", murmelte der Junge kleinlaut, "Runa wird nur auf die Ruinen klettern und sie dabei kaputt machen."
    Die Zwillinge waren zumeist ein Herz und eine Seele, doch ihre Charaktere unterschieden sich doch gewaltig.
    "Was wirst du wegen deiner Schulter machen?", fragte er plötzlich aus dem Nichts und erwischte Maris ein wenig auf dem falschen Fuß.
    "Das... nun, ähh..."
    "Wenn es eine normale Bisswunde wäre, könnten sich die Magier in der Heilkammer darum kümmern. Auch wenn Onkel Tinquilius und die Heiler immer noch so viele andere von dem Kampf heilen müssen, könnte doch selbst Mama das versorgen. Also steckt da noch mehr dahinter, von dem du mir nicht erzählt hast", schlussfolgerte er messerscharf. Der Nomade staunte immer wieder aufs Neue, wie gut der Verstand seines achtjährigen Sohnes funktionierte.
    "Und wenn die Wassermagier sich damit nicht auskennen, ist es bestimmt eine Art von Magie, über die nicht so viel bekannt ist. Und da fallen mir nur zwei ein."
    Maris blickte sich um, ob jemand anderes in der Nähe war, bevor er antwortete.
    "Psshht, ja, du hast ja Recht, Sohnemann. Ich würde das nur gern... vertraulich behandeln."
    "Also verschweigen?"
    "Genau, verschweigen."
    "Davon wird es aber nicht gesünder", hakte Sinan nach.
    "Nein, aber mich löchert auch niemand mit Fragen darüber, wieso bei allen Göttern ich eine von Beliar-Sabber entzündete Bisswunde habe. Vor allem Mama nicht."
    "Du kannst ihr aber nicht ewig erzählen, dass Tante Aaliyah und die Heiler das behandeln, und dir dann Schmerzmittel geben lassen. Mama fragt sich sowieso schon, wieso das noch nicht verheilt ist."

    Maris blickte seinen Sohn kritisch an.
    "Schmerzmittel? Spionierst du mir etwa nach?"
    Etwas verlegen blickte Sinan zu Boden.
    "Ich unterhalte mich eben ab und zu mit den Leuten in der Heilkammer."
    "Na, wenn ich das Mama erzähle!"
    "Du meinst, dass ich mitbekommen habe, dass du ihr verheimlichst, wie schwer deine Verletzung ist?"
    Ein Moment der Stille. Der Nomade blickte den Burschen abwägend an, winkte dann ab.
    "Ach, erwischt. Aber sag es bitte nicht weiter, hörst du? Ich weiß schon, wo ich jemanden finden kann, der davon Ahnung haben sollte. Nur muss ich dafür auf Reisen gehen."
    "Ich dachte, du kannst dich teleportieren?", entgegnete Sinan. Erneut war Maris überrascht.
    "Woher weißt du das denn schon wieder?"
    "Papa... ich bin kein Kleinkind mehr. Ich habe Augen und Ohren und kann mir Dinge denken, wenn ich Anzeichen sehe."
    Erneut blickten sie still durch die alten Arkaden auf die Szenerie abseits der Stadt. Eine idyllische Ruhe.
    "Ich... weiß nicht, ob ich mich traue. Ich habe gesehen, was dieses Zeug mit einer mächtigen Gestalt im Kampf angerichtet hat. Was, wenn sie mir sagen, dass mir genau das gleiche Schicksal droht?"
    Die Hand des Jungen legte sich tröstend die die Hand seines Vaters und drückte sie ermutigend.
    "Was auch immer du hast, Papa: du bist bestimmt stark genug, es loszuwerden. Du bist der stärkste Mensch, den ich kenne. Und außerdem wird es nicht gefährlicher, nur weil dir jemand sagt, dass es gefährlich ist. Wenn es schlimm sein sollte, ist es das auch jetzt schon. Es kann nur besser werden. Aber nicht, wenn du mit niemandem darüber redest."
    Wieder ließen sie den Blick durch die Landschaft schweifen.
    "Du bist viel zu schlau für dein Alter, weißt du das?"
    Sinan lächelte.
    "Ach, das höre ich öfter..."

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    Mamka  Avatar von Aniron
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    "Unser Sohn ist viel zu schlau für sein Alter!"
    Die gebrummten Worte von Maris klangen Aniron noch in den Ohren.
    "Das hat er nicht von dir", hatte sie grinsend erwidert und einen entrüsteten Knuff in den Arm geerntet. Aber ihr Gatte hatte Recht, sie würde Sinan gezielter unterrichten müssen, sonst würde der Junge sich selbst unterrichten und das konnte sie nicht gutheißen. Runa würde auch regelmäßig Unterricht bekommen müssen, wenn auch anders als ihr Bruder. Unterricht - nun, da sie endlich wieder in einer Stadt lebten, wagte Aniron wieder davon zu träumen, dass ihre Kinder sicher aufwachsen würden. Wie schwer die Zeit seit dem Fall Setarrifs für sie gewesen war, hatte sie erst bemerkt, als sie nach Stewark gekommen war. Keinen Augenblick zu spät wie es schien, war das Bluttal schließlich einem vernichtenden Angriff der Orks zum Opfer gefallen und hatte Aniron in Stewark ihre kleine Tochter zur Welt gebracht.

    Müde sah sie auf das kleine perfekte Wesen, das auf ihr lag und selig schlummerte. Maris lag neben ihr und in der anderen Ecke der Kammer schnarchten die Zwillinge um die Wette. Die Wassermagierin war erschöpft und fragte sich ernsthaft, wie sie es vor acht Jahren geschafft hatte, gleich zwei Säuglinge großzubekommen. In der Wüste.
    Sie war heilfroh, dass Fianna nach all den Strapazen gesund zur Welt gekommen war. Die Zwillinge liebten ihre kleine Schwester, auch wenn hin und wieder die Eifersucht bei ihnen durchblitzte. Aber wenn man sich die Zeit nahm, um ihnen zu erklären, warum Fianna ganz besonders viel Mama brauchte, verstanden sie es.

    So langsam fielen ihr die Augen zu. Endlich waren sie wieder in einer richtigen Stadt, auch wenn diese klein war, das war Al Shedim auch gewesen. In den nächsten Tagen wollte Aniron sich um einen Platz für einen Kräutergarten kümmern, wenn Fianna sie denn ließ ...

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    Al-Asad Ad-Dachmu  Avatar von Maris
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    Alte Arkaden - Post für den Wolf

    Die Sonne brannte erbarmungslos hinab, dass es dem Nomaden bei allem Ungemach, den es mit sich brachte, sich bei diesem Wetter draußen aufzuhalten, eine Freude war, sich braten zu lassen. Es war wahrlich nicht das Gleiche, dafür war die allumfassende Kraft der Mutter Wüste hier viel zu schwach, doch zumindest ansatzweise erinnerte ihn das Wetter an Al Shedim. Wie passend, dass Maris beschlossen hatte, die alten Arkaden aufzusuchen, die sein Sohn ihm unlängst als seinen Lieblingsort vorgestellt hatte - so hatte er das nahe Meer, die brennende Sonne und Ruinen beisammen, was ihn durchaus in eine gute Stimmung versetzte, trotz aller Begleitsumstände, die seine letzte Reise mit sich gebracht hatten.
    Die Tinte schien weniger angetan von der Hitze zu sein, trocknete sie doch stets bereits nach wenigen Zügen auf der Spitze des Federkiels ein. Doch der Löwenkrieger nahm es gelassen, schließlich hatte er es sich mit dem Schreibzeug hier oben durchaus gemütlich eingerichtet und nahm sich durchaus Zeit für seinen Brief. Ja, bei aller Magie vertraute er doch immer noch auf das gute alte Schriftwerk, um Botschaften zu übermitteln. Die Schönheit des geschriebenen Wortes hatte er spätestens durch Fu Jin Lee zu schätzen gelernt, und ohnehin schien ihm eine solche Nachricht unmissverständlicher zu sein als andere Wege, die ihm offenstehen mochten. In dieser Hinsicht blieb er altmodisch.
    "So... noch die Unterschrift... fertig!", murmelte er zufrieden und überflog die Nachricht noch einmal, nachdem er das Tintenfässchen verschlossen hatte.

    Hallo Wölfchen,

    entschuldige, dass ich während unseres letzten Treffens so unvermittelt abgereist bin, doch mir schien, dein Typ würde anderweitig verlangt. Ist bei euch alles in Ordnung? Ich bin zurück von meiner Reise und lebe erstaunlicherweise noch. Du hast das Chaos hier im Westen der Insel sicherlich mitbekommen (schließlich hast du deine Augen überall), aber nachdem Ethorn Stewark eingenommen hat, halten Aniron, die Kinder und ich uns hier in der Stadt im Kreis des Wassers auf.
    Unsere Jüngste ist geboren, deshalb bin ich bislang noch nicht zu dir gekommen, doch es gibt da ein paar Dinge, die wir besprechen müssen. Bei der Gelegenheit kannst du mir auch zeigen, was du mir zeigen wolltest, bevor die Anderen deine Fähigkeiten brauchten. Vielleicht verlangt es dich aber danach, hierher zu kommen, wenn du das für dich Wichtigste hörst: ich habe Suzuran mitgebracht! Sie liegt in der Heilkammer der Wassermagier, doch ich denke, dass nur du ihr helfen kannst von allen Menschen auf dieser Insel.

    Wenn dich diese Nachricht erreicht, ist es mir gelungen, die neuen Kräfte in mir zu nutzen, um ein weiteres kleines Geheimnis der Magie für mich nutzbar zu machen. Ich hoffe, dass wir bei unserem nächsten Aufeinandertreffen daran anknüpfen können und du mir mehr zeigst, zu dem ich derzeit noch nicht fähig bin.

    In Freundschaft,
    Maris

    "Passt schon", entschied der Nomade kurzerhand und rollte das recht klein geratene Stück Pergament zusammen. Mit einem schmalen Band hielt er das entstandene kleine Röllchen zusammen und blickte in die Krone eines der Bäume, die die Arkaden säumten. Sie waren nicht zu erblicken, doch Maris wusste, dass einige Vögel sich darin vor der Hitze der Sonnenstrahlen verbargen. Mühelos nahm er Kontakt zu einem der größeren Exemplare auf - früher hatte ihn dieser Akt definitiv mehr Anstrengung gekostet.
    Ornlu hatte ihm gegenüber einst angedeutet, wie dieser Zauber in etwa funktionierte und dass er eine Erweiterung dessen war, was er bereits beherrschte: der gewöhnlichen Kommunikation mit Tieren mittels der Magie. Und es war beileibe nicht so, als hätte er sich noch nie darin versucht, den Zauber zu üben. Die Übergänge zwischen bloßer Kommunikation und dem Übermitteln eines Wunsches waren manchmal fließend, und war er in der Vergangenheit oft vom guten Willen seines Gegenübers abhängig, so erforderte die Perfektion der Tierkontrolle, sein Gegenüber mit etwas mehr Überzeugungskraft dazu zu bewegen, das Gewünschte auszuüben. In den letzten Tagen hatte er sich hin und wieder daran versucht - nun aber fühlte er sich bereit, den Test zu wagen und zu beweisen, dass er nach der Tarnung im Stile eines Chamäleons endlich einen neuen Zauber in sein Repertoire aufzunehmen.
    Bereitwillig ging der Flattermann auf die Annäherungsversuche des Nomaden ein - immerhin hatte Maris sich bereits seit einer ganzen Weile an diesem Fleck aufgehalten und vollkommen friedlich gezeigt. So übermittelte er dem Tier, dass er kein Feind war, sondern - im Gegenteil! - ein Freund. Langsam streckte er die Hand aus, verstärkte das magische Band zwischen sich und dem Vogel. Es war ein Rabe, der sich da verbarg, und seine natürliche Neugier half enorm bei dieser Aufgabe. Maris bat das Tier, zu ihm zu kommen - nur zögerlich ging der Rabe darauf ein, schließlich bedeutete das, in den Sonnenschein zu treten, doch Maris blieb beharrlich und sollte belohnt werden.
    Mit schief gelegtem Kopf stand der schwarze Vogel vor ihm und blickte ihn an. Maris gab ihm zu verstehen, dass er ihm die Nachricht ans Bein binden wollte und er nichts zu befürchten hatte, dass er nach Süden zum großen Baum fliegen sollte. Das Tier zierte sich, doch Maris hatte noch eine Idee in der Hinterhand: die Bilder, die er übermittelte, enthielten nicht einfach nur die Plattform in der Baumkrone von Tooshoo, sondern auch die Mitglieder des inneren Kreises, die sich dort aufhielten - unter anderem Corax, mit dem Maris nie wirklich zu tun gehabt hatte, dessen Verbindung zu Raben aber nur allzu offensichtlich war. Der Rabe schien darauf anzusprechen, die Aura des Tieres wurde deutlich entspannter und wohlgesonnener. Und schließlich, nach einer weiteren Verstärkung der magischen Verbindung, hüpfte der Vogel noch ein Stückchen näher und streckte sein Bein aus.

    "Ich danke dir vielmals, kleiner Bursche", murmelte der Nomade und band die Nachricht fest. Kaum zog er die Hände zurück, erhob sich der Rabe in die Lüfte und flatterte laut krächzend davon. Im Schneidersitz, mit in die Hüften gestemmten Händen, blickte Maris dem tierischen Boten hinterher, bis das gleißende Licht ihn in der Ferne verschluckte. Zufrieden nickte er.
    "Das hat doch mal ganz gut funktioniert, würd ich behaupten."
    Blieb nur noch abzuwarten, ob Ornlu reagierte...

  13. Beiträge anzeigen #53 Zitieren
    Krieger Avatar von Venom
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    Venom ist offline
    Der Mond tauchte die von der Hitze gepeinigte Stadt in fahles Licht. Seit Wochen hatte es nicht mehr geregnet und die heiße Luft hatte sich wie ein Teppich auf alles und jeden gesenkt. Wer keine dringenden Geschäfte zu erledigen hatte blieb daheim oder bewegte sich so wenig wie möglich. Nicht einmal das Zirpen einer Grille oder der Ruf einer Nachtigall war zu hören.
    So war Venom beinahe allein auf den Straßen unterwegs, abgesehen von den zwei finsteren Gestalten denen er unbemerkt und mit einigem Abstand folgte. Auch sie schienen mit der Hitze zu kämpfen, vielleicht etwas unaufmerksam dadurch. Jedoch nicht Venom, die Temperaturen erinnert ihn an seine Zeit in Varant und seit dem hatte er mit solchem Umständen keine großen Probleme mehr. Seit langem hatte er nicht mehr an diese Phase seines Lebens gedacht und fühlte eine bisher nicht dagewesene Verbindung zu diesem Volk.
    Die zwei Gestalten steuerten über einen Platz, der tagsüber mit Marktständen gefüllt war, auf eine schmale Gasse zu und Venom suchte nach einer guten Gelegenheit ihnen weiterhin ungesehen folgen zu können. Den Platz direkt zu überqueren und unmittelbar nach ihnen in die Straße einzubiegen war riskant.
    An seine Streifzüge durch die Stadt denkend erinnerte Venom sich, dass die Gasse über zwei Treppen, durch ein kleines Plateau mit einer Statue darauf unterbrochen, bergab führte. Eine perfekte Deckung.
    Der Platz verdunkelt sich leicht als sich ein kleiner Wolkenfetzen vor den Mond schob. Keine Sekunde zögerte Venom und lief leichten Schrittes über den Platz, schlug einen Haken um den in der Mitte liegenden nun staubigen Springbrunnens und spähte in die Gasse. Da sie ein ganzes Stück geradeaus verlief machte er die beiden Männer ungefähr auf halbem Weg aus zwischen einer Hornschnitzerei und einer Backstube.
    Am Ende der Gasse sah er ein unscheinbares und doch ein auf merkwürdige Art vornehm wirkendes Haus. Sie schienen darauf zuzusteuern.
    Venom war mit wenigen Schritten bei der Statue, die irgendeinen Adligen aus vergangenen Zeiten darstellte. Mit langem Mantel und emporgerecktem Schwert in einer der fantasielosen Posen. Üblicherweise machte Venom sich nichts aus solchen Dingen, doch heute Nacht bot sie ihm den Schatten den er brauchte um darin zu verschwinden.
    Er beobachtete die beiden wie sie vor dem Gebäude am Kopfende des Weges zum Stehen kamen und nach dem leisen Klopfen, das durch die Stille drang, darauf warteten eingelassen zu werden.
    Das war demnach wahrscheinlich das Haus von diesem Falcar schloss Venom. Darauf hatte er gewettet, er würde sich nicht einfach von einem Mittelsmann übergehen lassen und suchte nach einem Weg in das Haus einzudringen. An der Ostseite konnte er einige Fenster erkennen, die jedoch durch Läden fest verschlossen schienen.
    Da die Tür mittlerweile wieder verschlossen war und alle im Innern verschwunden waren trat Venom aus dem Schatten und näherte sich vorsichtig dem vor ihm aufragenden Gebäude. Die ihm zugewandten Fenster waren wie die anderen auch durch Läden verschlossen also war die Wahrscheinlichkeit, dass er entdeckt werden würde gering. Er ging schließlich direkt zur Tür um zumindest einmal zu lauschen was drinnen vorging.
    Absolute Stille. Nach einem kurzen Zögern drückte Venom sacht gegen die Tür. Sie bewegte sich leicht. Er konnte es kaum fassen und jeder Muskel in seinem Körper spannte sich an in Erwartung einer Falle.
    Als zwei Herzschläge später noch nichts geschehen war drückte Venom die Tür weiter auf. Geräuschlos schwang sie auf und Venom konnte im Dunkeln nur eine geräumige Diele erkennen, leicht beleuchtet durch einen Feuerschein der durch eine andere Tür am Ende des Ganges drang.
    Die Tür wieder hinter sich verschließend horchte Venom aufmerksam und er konnte Stimmen vernehmen, es waren zwei, die wechselnd sprachen. Die eine gehörte dem Mann mit dem er in der Taverne geredet hatte, die andere war ihm unbekannt, sie klang kalt und scharf.
    Neugierig geworden näherte Venom sich der Tür und konnte durch den Spalt drei Gestalten erkennen, zwei wandten ihm den Rücken zu und die dritte stand ihnen schräg gegenüber. Venom konnte sie nicht genau erkennen, da sie durch den Schattenwurf im Dunkeln lag. Der Raum war langgestreckt und spärlich möbliert, es gab nur ein paar Bücherregale an den Wänden und den Tisch am anderen Ende des Raumes um welchen die Männer standen und ein paar Stühle.
    Jetzt konnte Venom sogar den genauen Wortlaut der Männer verstehen. Offenbar unterhielten sie sich über irgendwelche Handelspartner oder etwas in der Art, Venom hörte nicht zu genau hin sondern versuchte mehr Details zu erkennen. Doch plötzlich kam seine Botschaft zur Sprache und er wurde wieder aufmerksam.
    "Ich habe den Mann ausfindig gemacht, der seit einiger Zeit nach euch herumfragt."
    "Wieso hat das so lange gedauert?", fuhr der andere schneidend dazwischen.
    "Wir . . . Er ist ein niemand. Er war nicht leicht zu finden. Genaueres wissen wir immer noch nicht. Aber er hatte diese Botschaft für euch."
    Venom machte aus wie die Botschaft übergeben wurde und einen Moment später sprach wieder der Mann mit der scheidenden Stimme, der wie Venom mittlerweile erschlossen hatte, Falcar sein musste.
    "Wie kam dieser Mann in den Besitz dieser Nachricht, Thoronir?!"
    In der darauf folgende Stille hätte man eine Nadel fallen hören können, leider gaben jedoch die alten Holzdielen auf denen Venom stand ein leichtes Seufzen von sich als er sein Gewicht leicht verlagerte um besser zuhören zu können.
    Instinktiv übernahm Venom die Initiative und öffnete die Tür mit einem leichten Stoß und trat in den Raum.
    "Es wäre doch deutlich einfacher gewesen ich hätte diese Botschaft überbracht."
    Geändert von Venom (05.08.2018 um 21:59 Uhr)

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    Waschweiber-Verführer Avatar von Ornlu
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    Ornlu ist offline
    Irgendwie waren sie hier auffällig. Vielleicht war es der Geruch oder mehr wohl ihre Kleidung. Sie war weder bürgerlich, noch bäuerlich, sondern wie die von den Menschen aus den Wäldern. Dazu das restliche Äußere - so lief doch kein anständiger Mensch herum. Allein Ornlus Haare, die Tätowierungen und dann diese wolfsähnlichen Augen. Corax war nicht besser und fast hätten sie ein Spiel daraus gemacht, bei wem die Eltern die Kinder panischer wieder wegziehen und davon bringen. Man wusste ja, dass die aus den Wäldern auch Kinder raubten.
    Das weitere Problem war, dass sie zwar noch vor Sonnenaufgang hinein kamen und sich als Gesandte des Walvolkes zu erkennen gaben, aber mehr war irgendwie nicht. Keine Delegation und kein Spalier aus freudestrahlenden Wassermagierinnen die ihnen zu Füssen lagen und ihr Bett für die Nacht anboten. Ornlu wäre enttäuscht gewesen, wären seine Gedanken nicht die ganze Zeit bei Suzuran. Die Druiden berieten sich gerade, ob sie einfach in diesen bewachten Bereich mit ihren Mitteln spazieren würden, um diese Heilkammer zu finden. Corax schlug zwar vor Maris zu suchen, aber Ornlu schien den direkten Weg vorzuziehen.

    "Onkel Ornlu!", rief eine Mädchenstimme und im nächsten Moment packte die kleine Hand die Hand von Ornlu und lachte fröhlich daher. Es war natürlich Runa. Auch Sinan kam erst zögernd und dann ebenso freudig zum Druiden, während Corax das interessiert beobachtete. Runa nahm schon den Druidenstab Ornlus ins Visier und bestaunte wie schon so oft den feuerigen Kristall darin, den der Druide gerne in allen Farben der Welt aufleuchten ließ um ihr eine Freude zu machen, während Sinan sich Corax besah und feststellte, dass er wohl auch einer wie Ornlu wäre und erklärte es sogar fast treffend. Im Grunde ging es hierbei, um die Austrahlung, die Augen und wie er gut erkannte, die Schärpe aus einen besonderen Stoff der bei beiden gleich war. Kein Waldläufer hatte sowas.
    Corax lachte auf vor solch Scharfsinn und stellte sich höflichst mit einer Verneigung vor. Corax wusste, dass die Kinder dmait nicht hausieren würden.
    "Ihr müsst mir erzählen, wie es hier ist. Aber könnt ihr mich und Meister Corax zuerst zu euren Eltern bringen. Sie werden mir helfen zu einer Freundin zu kommen, die euer Vater hergebracht hat. Sie ist für mich wie eure Mutter für euren Vater.", erklärte er den beiden. Runa nickte und gab den Weg vor. Sie gingen los.
    Geändert von Ornlu (15.08.2018 um 23:50 Uhr)

  15. Beiträge anzeigen #55 Zitieren
    Neuling Avatar von Falcar
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    Falcar ist offline

    Das Avenicci-Anwesen

    "Wie kam dieser Mann in den Besitz dieser Nachricht, Thoronir?!" fragte Falcar Avenicci sichtlich überrascht. Es handelte sich um die Warnung eines Geschäftspartners der Silberseeburg. Sie sollte über den bevorstehenden Angriff informieren und Ausweichrouten aufzeigen, falls die umliegenden Wege durch Rebellen kontrolliert werden würden.

    Die Botschaft war versiegelt, wenngleich sie auch beschädigt war. Offenbar wurde der Bote durch das Eintreffen der Rebellen überrascht und getötet. Denn der noch unbekannte Mann, der einige Tage nach Falcar Avenicci gesucht hatte, war kein Bote seines Geschäftspartners gewesen. Entweder hatte er das versiegelte Pergament gefunden oder er war für den Tod des Boten verantwortlich, um eine mögliche Belohnung bei der Übergabe zu erhalten.

    Gerade als Falcar überlegte, wie er in der Sache weiter verfahren wollte, öffnete sich die Tür zu seinem Anwesen. "Es wäre doch deutlich einfacher gewesen ich hätte diese Botschaft überbracht." Seufzend legte Falcar Avenicci das Pergament beiseite, musterte den unerwarteten Besuch und schaute danach zu Thoronir, der sichtlich überrascht aber auch verunsichert seine Waffe gezogen hatte. "Nun haben wir ein Problem." stellte Falcar mit geradezu emotionsloser Stimme fest. "Einfach in das Haus eines einflussreichen Mannes zu treten, wird dieser Tage mit dem Tode bestraft. Es wird allerdings auch mit dem Tode bestraft, wenn die eigene Unfähigkeit es zulässt, ungehindert verfolgt zu werden."

    Angestrengt rieb sich Falcar Avenicci die Augen. "Du hast nun zwei Möglichkeiten. Entweder du stirbst oder du tötest diesen Nichtsnutz von einem Handlanger."

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    Al-Asad Ad-Dachmu  Avatar von Maris
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    Haus der Magier - Besuch aus den Wäldern

    "Diese verdammte Wärme", beschwerte sich Aniron, und Maris wurde das Gefühl nicht los, dass sie sich bei ihm darüber beschwerte, als ob es seine Schuld wäre.
    "Schau dir mal an, wie rot Fianna schon wieder unten herum ist!"
    Zugegeben, in dieser Hinsicht war die anhaltende Sommerhitze auf den südlichen Inseln in diesem Jahr recht störend - ein schwitzendes Kleinkind neigte dazu, schnell gereizte Haut zu bekommen. Davon abgesehen gefiel es Maris allerdings, dass alle ächzten und er einer der wenigen Menschen in dieser Stadt war, die sich nicht so viel aus der Sommerglut machten. Es sorgte dafür, dass Stewark tagsüber sehr ruhig und gemütlich war. Fast, als wäre es sein persönliches Reich - mit etwas zu wenig Sand, zu viel Luftfeuchte und zu wenigen Löwen, vielleicht. Dass Maris diesem Wetter so viel Positives abgewinnen konnte, stieß bei seiner Frau allerdings auf weniger gute Resonanz.
    "Kannst du die Ringelblumensalbe auftragen, die ich angesetzt habe?", sagte sie und fügte murmelnd hinzu: "Wir müssen hier unbedingt beginnen, einen Kräutergarten aufzubauen, sonst gehen mir die Inhaltstoffe irgendwann aus..."
    Während Maris vorsichtig die Salbe auf die wunden Stellen auftrug und seine Tochter nebenbei mit Luftküsschen unterhielt, entgegnete er:
    "Da könnte sich vermutlich bald eine Gelegenheit ergeben. Wenn er so reagiert, wie ich es erwarte, dürfte nämlich eigentlich bald..."
    "Mama! Papa! Onkel Ornlu ist da!"
    Gedämpft, aber immer lauter anschwellend drang der Schrei seiner Ältesten an das Ohr des Nomaden. Augenblicke später stand Runa keuchend in der Tür.
    "Papa Papa Papa, unten ist..."
    "Jetzt mal ganz ruhig mit den jungen Pferden!", preschte Aniron dazwischen und versuchte, den Wirbelwind zu bändigen.
    "Du sollst hier doch nicht so herumschreien! Mal davon abgesehen, dass du andere Erwachsene störst, hätte deine Schwester gerade schlafen können!"
    Kleinlaut blickte Runa zu Boden und schielte dann mit ihren großen runden dunklen Augen und einer kleinen Schnute zu ihren Eltern hinauf.
    "Entschuldige, Mama."
    Wer konnte da schon böse sein? Maris packte Fianna fertig ein und wusch sich in einer Waschschüssel die Finger.
    "Halb so schlimm, Fianna ist sowieso wach und gut gelaunt. Also mein Schatz, was wolltest du erzählen?"
    "Unten vor dem Haus stehen Onkel Ornlu und ein anderer Mann, der wie er angezogen ist! Sie wollen zu Tante Suzu! Und wusstest du, dass Tante Suzu und Onkel Ornlu auch verheiratet sind und sie die Mutter seiner Kinder ist? Hat er mir selbst gesagt! Sie ist das, was Mama für dich ist, Papa."
    Moment: Kinder? Verheiratet? Runa schien da etwas falsch verstanden zu haben. Doch die Tatsache, dass Ornlu seine Nachricht erhalten und sich sofort auf den Weg gemacht hatte, stimmte Maris doppelt zufrieden.
    "In Ordnung Schatz, wir kommen gleich runter. Geh schonmal zurück - und wartet doch bitte vor dem Eingang zur Heilkammer, ja?"
    "Gut, bis gleeeich", quakte sie schon wieder völlig überdreht und schoss davon und die Treppe hinab.
    "Was ich sagen wollte", meinte Maris mit einem Lächeln zu Aniron, "ist, dass Ornlu hier aufschlagen dürfte und dir sicherlich auch helfen kann."

    Kurz darauf traten Maris und Aniron mit Fianna auf dem Arm aus der Tür im ersten Stock des Hauses der Magier und schritten die hölzerne Außentreppe hinab. Die Zwillinge warteten vor dem separaten Eingang in die Werkstätten und Heilkammern im Erdgeschoss und unterhielten sich mit den beiden Männern, denen man ihre Herkunft aus der Wildnis der Natur ansehen, sie riechen und bei entsprechendem Gespür auch magisch erfühlen konnte. Während Runa und Ornlu miteinander Späße trieben, unterhielt sich Sinan mit dem zweiten Mann, den Maris als Corax identifizierte. Dann hatte seine Strategie, den Herrn der Raben mit in die Übermittlung der Nachricht einzubeziehen, sogar funktioniert.
    "Salām, ihr beiden! Vielen Dank, dass ihr gekommen seid", grüßte Maris die Druiden mit einer leichten, respektvollen Verbeugung.
    "Ich hoffe, im Süden stehen die Dinge gut. Als ich den Baum das letzte Mal verließ, schien es Ärger unter den Sippen zu geben."
    An Aniron gewandt deutete Maris auf den Rabenherrn.
    "Das ist Meister Corax. Und das Wölfchen kennst du ja", flötete er grinsend. Und umgekehrt:
    "Das sind meine Frau Aniron und meine Jüngste, Fianna. Die Zwillinge haben sich sicher schon vorgestellt, nehme ich an."
    Schließlich trat er einen Schritt auf den Eingang zu.
    "Aber ich vermute, ihr wollt gern so schnell wie möglich zur Sache kommen. Folgt mir bitte, dann bringe ich euch zu Suzuran."
    Sie traten in die Kühle des steinernen Unterbaus des Hauses der Magier, und augenblicklich umfing sie eine beruhigende Atmosphäre. Das Haus der Magier war kein weiträumiger Bau, und so war der Eingangsbereich keine riesige Halle, doch gleich zu ihrer linken fand sich ein flaches Wasserbecken, über dem eine stilisierte Steinfigur Adanos' in die Wand eingelassen war, aus deren zu einem Kelch geformten Händen über einen versteckten Zulauf ein stetes Rinnsal erfrischenden, klaren Wassers hinab floss. Sie traten an dem im sanften, bläulichen Licht milde drein blickenden, stilisierten Gesicht des Gottes vorbei - nicht ohne dass Maris einen kurzen Moment inne gehalten hätte, um seine Finger im Rinnsal zu befeuchten, sich damit über Stirn und Augen zu fahren und ein kurzes Gebet zum Gruß zu sprechen - und erreichten auf halbem Wege zur rückwärtigen Treppe, die zu den Handwerkskammern im Keller führte, breite Durchgänge zu ihrer Linken und Rechten, die jeweils in verschiedene, größere Kammern führten. Zu ihrer Linken waren die Stimmen und Geräusche von Heilern und Patienten aus dem Behandlungsraum zu hören, doch sie wandten sich nach rechts, wo sich diejenigen befanden, die über längere Zeit der Obhut und Fürsorge der Heiler bedurften.
    Als der Adept am Eingang der Kammer ihn und Aniron erkannte, ließ er die Gruppe gewähren, und still durchquerte man den Raum, in dem durch blaue Stoffbahnen voneinander abgegrenzt einfache Bettstätten standen, in denen vereinzelt Kranke oder auch Verwundete des Eroberungsgefechts der Stadt lagen. Sie jedoch schritten zielsicher zu einem bestimmten Lager, fast am Ende des Raumes, in dem die Frau lag, derentwegen die Druiden gekommen waren.
    "Hier liegt sie", murmelte Maris und zog die Stoffbahn ein wenig zur Seite, die den Blick auf Suzuran freigab, welche den Eindruck erweckte, als schliefe sie einfach nur tief und fest. Nur, dass dieser Schlaf nun schon mehrere Monde währte...
    Geändert von Maris (21.08.2018 um 10:26 Uhr)

  17. Beiträge anzeigen #57 Zitieren
    Waschweiber-Verführer Avatar von Ornlu
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    Die Waldbruderschaft im Forenrollenspiel
    Ornlu ist offline
    All die Eindrücke auf dem Weg zur und durch die Heilkammer von davor, die Gedanken über den Moment da er sie wieder sehen würde und die Anspannung waren verflogen als er sie sah. Wie sie da schlief als wäre nichts.

    "Suzuran...", sagte er so laut und doch nur in Gedanken. Es war wie damals in Silden als er sie auf dem Markt antraf. Es war wie damals in den Wäldern wo er sie suchte und dann bei einem kleinen Geschäft im Gebüsch fand. Es war wie damals in der Höhle in Nordmar als er ganz nah bei ihr war und es in ihr Ohr flüsterte. Es war wie die vielen Male, wo sie sich liebten und er eng mit ihr umschlungen zusammen einschlief. Es war wie der Morgen danach wenn er in ihr Ohr flüsterte und ihr das Frühstück aus Wald- und Erdbeeren servierte. Es war wie all die Stunden und Tage wo er ihr Meister und sie die Schülerin war. Es war wie all die schöne Zeit mit ihr... die Freuden... die Gefahren... die Blicke mit dem Versprechen auf so viel mehr. Es war wie die letzte Umarmung unter Liebenden als sie gen Festland aufbrach. Es war wie die vielen Momente in denen er an sie dachte. Es war wie jetzt, wo er nun vor ihr kniete, sie sanft an der Wange berührte und ihren Namen nun wirklich sagte.
    Die anderen erlebten einen anderen Ornlu. Einen Mann.....so einfach Mann der vor der Frau kniete, die für ihn so viel mehr bedeutet. Da war nicht mehr der Druide, der Weiberheld, der der die Welt rettete und so viel schon gesehen hatte. Hier und jetzt war er nicht mehr als jemand der sich um jemanden für ihn so wichtigen sorgte. Suzuran erwachte aber nicht. Nicht in dem Moment da er sie berührte und ihren Namen sagte.

    "Muighen echuio...", sprach er in der Druidensprache und nannte ihren wahren Namen. Doch nichts geschah. Sie schlief, als würde sie noch 100 Jahre schlafen und in einen gläsernen Sarg aufgebahrt werden müssen. Wie im Märchen. Ornlu erhob sich wieder. Er spürte, dass es nicht so einfach werden würde.
    "Ich hätte ihre Töpfe mitnehmen sollen. Sie aneinanderschlagen würde sie wohl wecken...", sprach er scherzhaft und doch etwas ratlos für den Moment.
    "Was ist ihr passiert? Wie lang ist das da schon so? Sag alles was du sagen kannst oder darfst.", bat er Maris.
    Geändert von Ornlu (20.08.2018 um 23:36 Uhr)

  18. Beiträge anzeigen #58 Zitieren
    Al-Asad Ad-Dachmu  Avatar von Maris
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    Die Waldbruderschaft im Forenrollenspiel
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    Heilkammer - Besuch aus den Wäldern

    Es war erstaunlich berührend, den sonst so undurchschaubaren und souveränen Ornlu auf seine Menschlichkeit reduziert zu sehen. Maris hatte gewusst, dass die beiden etwas verband, doch dass es ein so tiefgreifendes Gefühl war, ließ ihn staunen - als hätte er nicht für möglich gehalten, dass der Druide Ornlu auch einen liebenden Menschen Ornlu in sich barg. War es tatsächlich das, was unter den Dienern der Natur als die Schwäche angesehen wurde, die man sich erlaubte, wenn man sein Herz verschenkte? Nein, das war keine Schwäche. Man wurde angreifbar, wenn man sein Herz öffnete und für andere zu sorgen hatte, doch wenn Liebe etwas war, dann eine Quelle großer Stärke. Eine Stärke, die Suzuran benötigte, wenn sie aus ihrem Schlaf erwachen sollte.
    "Es war vor knapp vier Jahren, als sich unsere Wege auf dem Festland kreuzten", begann Maris leise murmelnd.
    "Es gab ein Problem mit den Löwen Varants, und mit Hilfe eines Artefakts, das sie bei sich trug, fand sie heraus, dass Einer ihrer Art die Quelle der Unruhe war. Damals lebte der Drache noch, die Echsen strömten aus dem Weißaugengebirge und bedrohten die Tiere des Dschungels um Setarrif. So schlossen wir den Handel, dass sie sich um die Probleme in Varant kümmert, wenn ich auf die Ihren auf Argaan Acht gebe."

    Während die Druiden aufmerksam zuhörten, hielt sich Aniron dezent mit Fianna auf dem Arm im Hintergrund. Runa rückte ein Stück näher, um zu lauschen, und zog die Nase kraus, weil sie Mühe hatte, seine Worte zu verstehen. Sinan stand unbemerkt direkt neben seinem Vater und beobachtete nicht nur ihn, sondern auch die anderen Anwesenden neugierig.
    "Über die Jahre hörte ich nichts mehr von ihr. Doch als mich meine Geschäfte nun wieder nach Varant führten, ging ich mit Hilfe von Freunden auf die Suche und stieß auf eine Spur zur Quelle des damaligen Problems. Und dort, nahe am Ziel, fand ich sie schlafend."
    Maris öffnete eine lederne Umhängetasche, die er aus Anirons Kammer mitgenommen hatte, zog ein fein gearbeitetes, hölzernes Diadem hervor und reichte es Ornlu.
    "Sie trug es auf ihrem Kopf, als ich sie fand. Ich weiß nicht, wie lange sie dort lag, doch als sie es damals, bevor wir uns trennten, einsetzte, hatte sie gehörigen Respekt davor. Vielleicht weißt du mehr darüber."
    Gerne hätte Maris ausführlicher berichtet, über den Pantherfürsten und seine von Beliar korrumpierte Erscheinung, über die Dunkelheit, die sich auf einen der Löwenfürsten übertragen hatte, über seine eigene Wunde und die Frage, wie er nun weiter agieren sollte. Doch das war nicht der Platz für dieses Gespräch. Im Moment ging es nur um Suzuran - und was das betraf, hatte er alles berichtet, was er wusste.

  19. Beiträge anzeigen #59 Zitieren
    Krieger Avatar von Venom
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    Das Königreich Argaan im Forenrollenspiel
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    Das Avenicci-Anwesen

    Einen kurzen Augenblick nachdem Falcars Worte verklungen waren herrschte Stille in dem Raum. Doch dann kam plötzlich Bewegung in die Männer verursacht durch das ausgesprochene Ultimatum. Thoronir wandte sich Venom zu und wollte sich mit gezogener Klinge auf ihn stürzen, während der zweite Finstermann zögerlich hinter ihm stehen blieb und seine Augen zwischen den Anwesenden hin und her zuckten.
    Im selben Moment wie Thoronir setzte auch Venom sich in Bewegung. Ohne nachzudenken machte er einen Ausfallschritt nach hinten, legte einen Pfeil an und schoss gerade als sein Gegner nur noch zwei Schritte von ihm entfernt war. Wäre Venom nur etwas langsamer oder Thoronir ein klein wenig schneller gewesen hätte es ganz anders ausgehen können. Doch so durchbohrte der Pfeil geradewegs Thoronirs Herz und schleuderte ihn durch den Aufprall aus so kurzer Entfernung zurück bis an den Tisch hinter dem Falcar stand. Mit einem kaum vernehmbaren dumpfen Schlag stieß Thoronirs Kopf gegen eines der Tischbeine und kam zum liegen. Die Augen immer noch leicht überrascht aufgerissen und nun doch ins Leere starrend.
    Falcar blickt mit undurchschaubarer Mimik von Thoronir zu Venom und zog leicht eine Augenbraue hoch. Venom erwiderte seinen Blick und legte einen zweiten Pfeil an auf den zweiten Finstermann zielend, der immer noch wie gelähmt schien, offenbar unfähig eigene Entscheidungen zu treffen. Der Mann wich einen Schritt zurück und Venom warf Falcar fragend einen zweiten Blick zu.

  20. Beiträge anzeigen #60 Zitieren
    Mamka  Avatar von Aniron
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    Das Königreich Argaan im Forenrollenspiel
    Aniron ist offline
    Aniron hatte sich mit Fianna im Hintergrund gehalten, während Maris Corax und Ornlu von Suzuran berichtete. Die hohe Wassermagierin hatte sich wirklich gefreut über den Besuch der beiden und hoffte, sie in einem anderen Anliegen sprechen zu können, doch der Grund ihres Besuches war von eher trauriger Natur. Nichts, was die Heiler versucht hatten, hatte gefruchtet. Suzurans tiefer Schlaf war mit nichts zu unterbrechen. Sie lebte und war doch zugleich tot. Wie Hyperius, dessen seelenloser Körper hinter einer Trennwand ebenfalls in diesem Raum war. Der Zustand der beiden war gleich und doch so unterschiedlich. Machtlos waren sie dennoch.

    Ornlus Blick weilte auf Suzuran und keiner der anwesenden Druiden sprach. Es war ein imposanter Anblick, die drei Männer hier in diesem Raum zu sehen, wären die Umstände nur besser gewesen. Gänsehaut hatte sie überkommen, als Ornlu Suzuran erblickt hatte. Verzweiflung und Unsicherheit standen ihm für einige Augenblicke ins Gesicht geschrieben, auch wenn man genau hinsehen musste. Unbewusst hatte Aniron den Säugling in ihren Armen näher an sich herangedrückt. Sie wurde sich mit einem Schlag bewusst, dass vielleicht Maris an dieser Stelle liegen könnte. Oder in irgendeiner Höhle auf Varant. Wie glücklich konnte sie sich schätzen, dass er zurück gekehrt war, wenngleich er seine Verletzung vor ihr herunterspielte.

    Vorsichtig trat Aniron an Ornlu heran:
    "Tinquilius und ich haben Suzuran untersucht", sprach sie. "Wir glauben, dass es besser für sie ist, wenn sie mit euch geht. An einen Ort, den sie kennt. Vertraute Gerüche, Geräusche, Berührungen, die ihr vielleicht helfen können, wieder in diese Sphäre zu kommen."
    Sie blickte auf die bewusstlose Frau. "Ihr Zustand ist stabil, schließlich hat sie die Reise bis hierher überlebt."
    Ihr Blick wanderte wieder zu Ornlu: "Sie braucht ihre Familie - Nähe und Wärme. Dann musst du sehen, was du für sie tun kannst. Wir können leider nichts für sie tun."
    Es war hart, das zuzugeben, aber wenn es eine Chance gab, dass sie überlebte, dann bei den Druiden, nicht hier in dieser Stadt, in dieser Kammer. Suzuran musste bei den Ihren sein. So, wie Hyperius schließlich hier bei den Seinen war.
    Aniron wandte sich zu Runa und Sinan:
    "Kinder, wir gehen hinter das Haus. Wenn Ornlu und Corax bereit sind, werden sie uns folgen. Nun lasst sie aber mit eurem Vater allein."
    "Och, muss das sein?", maulte Runa.
    "Ja, nicht alles, was die Erwachsenen besprechen, geht dich etwas an. Na kommt, los. Eure Schwester wird auch gleich wach und hat Hunger."

    Mit einem Schmunzeln verließ Aniron mit ihren Kindern die Kammer.
    "Werden die beiden sich noch um die Pflanzen kümmern?", fragte Sinan.
    Aniron lächelte ihren Sohn an: "Da bin ich mir sicher. Hast du ihre magische Aura gespürt?"
    "Jaaaa, anders als bei dir, eher wie bei Vater."
    "Sehr gut. Na los, raus mit euch!"

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