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Zitat Zitat von Khardim Beitrag anzeigen
[Bild: Maeyaalinh_avatar.jpg] ,,Ich werde trotzdem einen weiteren Schutzzauber auslegen.“, erklärte Maeya’alinh als sie sich gemeinsam wieder der Hütte zuwandten. Die Tür war größtenteils zerstört und würde keinen Eindringling mehr aufhalten, da konnte es nicht schaden, wenigstens früh genug vor dessen Ankommen gewarnt zu werden. Der Wald war offensichtlich bereits der Verderbnis anheim gefallen, also war gut möglich, das noch weitere Kreaturen in der näheren Umgebung ihr Unwesen trieben. ,,Wir sollten so gut es geht versuchen zu schlafen. Die kommenden Nächte könnten genau so aufreibend werden wie diese.“ Der Ton der Elfe klang ungewohnt düster. Sie selbst war sich bewusst, dass sie mit jedem Tag dem Herzen der Verderbnis näher kommen würden, aber ob Fafnir sich dessen wirklich im Klaren war, konnte sie nicht wissen. Wie würde der Zwerg reagieren, wenn sie von nun an jeden Tag Ungeheuer wie dieses antreffen würden? Würden der zwergische Starrsinn und die kämpferische Zuversicht Bestand haben? Maeya’alinh hoffte es. Ihre letzte Gefährten waren alle wohlbehalten ihres Weges gezogen, es wäre eine unangenehme Abwechslung, einen weiteren auf tragischere Art einzubüßen.
Sie bereiteten ihr Lager und ergänzen den elfischen Schutzzauber unfreiwillig um eine weitere Barriere: Ohrenbetäubendes Schnarchen aus zwei Kehlen vertrieb zuverlässig alle Tiere im Umkreis. Ein zufällig vorbeikommender Passant hätte das Geräusch für das Klagen zahlloser gefolterter Seelen oder Dämonenbrüllen halten können, doch kam niemand vorbei, denn der Wald war verderbt und der Landstrich verlassen. Außer Maeya’linh und Fafnir gab es keine vernunftsbegabte Kreatur im Umkreis einer Meile.

Die Elfe erwachte mit dem Strahl der ersten Sonne, der durch den ramponierten Türrahmen fiel. Wie eine Feder sprang sie auf und suchte leise ihre Sachen zusammen, um Fafnir nicht zu wecken. Der Kadaver vor der Tür hatte angefangen zu stinken und vertrieb ihr fürs Erste den Appetit auf Frühstück. Sie ging einige Schritte ums Haus und sah sich das Holzfällerlager im Licht des beginnendes Tages an. Jeder Ort erzählte eine Geschichte und auch wenn dieser vor allem von der übereilten Flucht berichtete, die seine Bewohner angetreten hatten gab es auch einige andere Spuren. Hinweise auf persönliche Geschichten, ein paar vergilbte Spielkarten als Überbleibsel geselliger Abende, verschiedene Utensilien, deren Verwendung die Elfe nur erahnen konnte. Melancholisch dachte Maeya’alinh an das zurück, was gewesen war. Von ihrer Vergangenheit war kaum mehr zu finden gewesen und die Zukunft war noch nicht soweit, um gefunden zu werden. Unwillkürlich griff sie in ihre Tasche und fing an, den Kirschkern zwischen den Fingern kreisen zu lassen. Sie atmete tief ein, sog den Geruch des Waldes hinter der Verderbnis auf und ging dann in die Hütte, um Fafnir zu wecken.


[Bild: Fafnir.klein.jpg]

Das ihn die Elfe wecken musste war für Fafnir ungewöhnlich, normalerweise trieb es ihn mit zunehmenden Alter recht früh aus dem Bett. Ein Kampf mit einem Monsterbären schien da wohl ein probates Gegenmittel zu sein. Dennoch würde er darauf verzichten das jeden Abend zu machen. "Guten Morgen meine Liebe.", sprach er zu der Elfe und begann sich für den Tag zu rüsten. "Zeit für ein gutes Frühstück und dann weiter südwärts?", erkundigte er sich während der die Brustplatte anlegte. Ein Geruch stieg ihm schwach von draussen in die Nase, bekannt aber dennoch unangenehm. "Oh, die vertraute Mischung aus Verderbnis und Verwesung. Da fühle ich mich doch direkt 30 Jahre jünger. Ich denke wir können auch aufbrechen und unterwegs essen.", erklärte er und setzte sich seinen Rucksack auf.

Die beiden gingen weiter südwärts in die Richtung aus der der Bereskarn gekommen war und die Verderbnis lauerte. Fafnir hatte sich eine Räucherwurst aus dem Rucksack geangelt und aß diese jetzt während sie gemütlich voranschritten. "Wisst ihr das erinnert mich an früher. An die Patrouillen in den tiefen Wegen.", sprach er in den Zeiträumen in denen sein Mund nicht mit Wurst gefüllt war. "Also natürlich nicht von der Umgebung, aber die Situation. Man geht weiter und weiter, mit dem Wissen das man zwangsläufig auf Brut oder andere Auswüchse der Verderbnis treffen wird. Das sie irgendwo im Dunkeln oder hinter der nächsten Ecke lauern. Deswegen haben wir auch immer an jeder Kreuzung die Position des ersten Mannes gewechselt. Eine Art makabres Glücksspiel.", erklärte er und biss ein weiteres Stück Wurst ab. "Hier kann man wenigstens weiter sehen.", fügte er optimistisch an. Er schluckte den letzten Rest Wurst herunter und spülte ihn mit etwas Wasser herunter.
"Man darf sich davon aber nicht verrückt machen lassen, wir hatten da verschiedene Mittel für. In den befriedeten Teilen der Wege war es Gesang." Auf einmal begann Fafnir zu singen. Er hatte vielleicht nicht die schönste Singstimme, aber er traf immerhin den Ton und konnte laut singen. Aus Rücksicht auf seine Gefährtin war seine Lautstärke jedoch moderat.

"Oh!
Als das Schlachtschiff kam, rannten wir alle umher!
Nuggins, Nuggins! Er hörte uns schrein.
Ließ neun Qunari stolpern und wurde zum Ser!
Nuggins, Nuggins! So tapfer wie klein!

Oh!
Ein Ufer voll Piraten, da half auch kein Flehn.
Nuggins, Nuggins! Sein Herz stark und hehr.
Ließ' nen Admiral stolpern und wurd' Kapitän!
Nuggins, Nuggins! Du bist so viel mehr!"


Nach der zweiten Strophe von dem Lied das er in Kirkwall gehört hatte, stoppte er. "Sagt bitte Bescheid falls euch das stört, falls nicht dürft ihr natürlich gerne mitsingen. Oder ein eigenes Lied anstimmen. Aber es darf nicht melancholisch sein, sondern muss heiter sein. Gerne auch zotig.", sprach er freundlich an die Elfe gewandt und lachte kurz. Die meisten Elfenlieder waren immer so bedrückend.