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  1. View Forum Posts #41 Reply With Quote
    Abenteurer Hierodius Lex's Avatar
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    Mar 2015
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    Die Gilde Innos' im Forenrollenspiel
    Hierodius Lex is offline

    Die Bastion

    Hastig lief Hierodius Lex durch die Bastion und steuerte das Arbeitszimmer des Hauptmannes an. Dort hatte sich Redlef zurückgezogen, nachdem er einen Auftrag der Feuermagier erfüllt hatte. Möglicherweise musste er noch die erforderlichen Berichte schreiben, auf welche die Zitadelle stets großen Wert legte. Der breitgebaute Soldat klopfte an die Tür und trat dann in das Arbeitszimmer ein.

    "Verzeiht die Störung, Hauptmann. Ich muss Euch aber darüber in Kenntnis setzen, dass ich den Bürger nicht erfolgreich verhören konnte. Einer der Feuermagier unterbrach das Verhör, hob unsere Festnahme auf und verließ zusammen mit dem verdächtigten Bürger die Bastion." sagte Hierodius Lex mit gewohnt sachlicher Stimme. "So viel zum offiziellen Teil..." dachte er sich. Dann atmete er noch einmal tief durch und erhob erneut seine Stimme: "Wenn Ihr erlaubt, Hauptmann, würde ich gerne offen mit Euch sprechen. Es ist nicht das erste Mal, dass die Arbeit der Stadtwache durch die Feuermagier diskreditiert wird. Die Sperrung des Hafenviertels wurde ebenfalls mehrfach ignoriert, wie auch einige Kontaktverbote im Kerker. Ich weiß, dass die Erwählten Innos' über jeden Zweifel erhaben sind. Doch es schadet der Moral unserer Männer, wenn die Befehle der Stadtwache ohne Weiteres aufgehoben werden können. Ich möchte die Soldaten unter meinem Kommando kein Risiko aussetzen, wenn die Handlungen der Stadtwache in Frage gestellt und unsere Bemühungen mit einem Fingerzeig zunichte gemacht werden. Ihr seid ein Krieger dieses Ordens. Möglicherweise habt Ihr einen besseren Zugang zu den Erwählten Innos' und könnt sie davon überzeugen, dass die Arbeit der Stadtwache wichtig und richtig ist."

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    Schwertmeister Redlef's Avatar
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    Die Gilde Innos' im Forenrollenspiel
    Redlef is offline
    Wiederholt zog Redlef an dem Ärmel des Hemdes, welches er sich besorgt hatte. Es war etwas zu groß, doch dafür sauber. Dennoch haftete weiter der Gestank an ihm. Ein ausführliches Bad im Zuber hatte den Dreck jedoch nicht den ganzen Gestank entfernt.
    Seine Gedanken jedoch drehten sich gerade viel mehr um die beiden Morde, die in der Stadt passiert waren. Einerseits hatten Anwohner einen Mann mit durchgeschnittener Kehle gemeldet, der langsam in seinem heruntergekommenen Haus verweste, andererseits hatte der Leibwächter eines ihm nur zu gut bekannten Grafen auf offener Straße einen Mann erschlagen.
    Es war eine Ironie des Schicksals, dass die Feuermagier einen lange überfälligen Sturm auf den Hafen unterbanden, da sie eine friedliche Lösung suchten und stattdessen das Volk sich auf der Straße gegenseitig niederschlachtete.

    Nun war es an der Zeit diesen Wust aufzuklären. Da kam erneut eine ganze Menge Arbeit auf ihn zu. Das sollte ihn wieder davon abhalten endlich ein ausführliches Vieraugengespräch mit Rabenweil zu führen. Am besten sprach er zuerst mit dem Grafen und seinem Leibwächter.

    Seine Gedanken wurden jäh unterbrochen, als er besagte Grafen mitten auf der Straße stehen sah. Er war mit einem Feuermagier ins Gespräch vertieft. Redlef verstand nur fetzen des Gesprächs, doch es klang ganz danach, als ob der Graf nun gehen wollte. Es war unfassbar, schon wieder funkten die Feuermagier in seine Arbeit. Warum passierte das? Wie sollte man die Stadt vor dem Übel beschützen, wenn das Übel die Stadt regierte?

    Mit einem knappen Nicken eilte er an der Gruppe vorbei. Als er die Bastion betrat ließ er sofort nach Lex schicken. Er hatte den Fall des Grafen übernommen. Er hatte einiges mit ihm zu besprechen. Der Weibel kam aber erst zu ihm, als er bereits in seiner Schreibstube saß und sich an die Berichte gemacht hatte.

    »Ich danke für Euer offenes Wort. Dies ist lange überfällig, doch jedes Mal, wenn ich versuchte die Kirche von der Stadtverwaltung und der Arbeit der Stadtwache zu trennen wird es nur noch schlimmer. Aber natürlich, ich werde erneut um eine Audienz bei der Obersten Feuermagierin zu bekommen. Ich kann sicherlich mit ihr reden, sie ist sehr verständnisvoll.« Er kniff sich in die Nasenwurzel.
    »Nun aber zu einem aktuellen Thema. Der Graf und sein Wächter sind weg Warum? Warum verdammt noch mal sind diese Kerle so wichtig, dass dieser Magier sie schützt. Ich weiß, dass der Graf unter irgendeinem diplomatischem Schutz steht, doch auch sein Schläger? Ich will den Mörder im Kerker sehen, nicht auf der Starße! Steht dieser Kerl auch unter dem selben Schutz? Wir müssen den kerl zurück holen. Vielleicht kommen wir nicht an den Grafen ran, doch der, der das Schwert geschwungen hat, muss die Konsequenzen tragen.«
    Last edited by Redlef; 25.01.2018 at 10:00.

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    Kämpfer Vicktar's Avatar
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    Vicktar is offline

    Zitadelle

    In einer Mischung aus Stolz und Dienstbeflissenheit straffte sich der alte Mann und nickte zustimmend. Glaube, davon brachte er genug für ein ganzes Dutzend an Männern auf. Wenn es etwas gab, auf das er bauen konnte, so war es sein unerschütterliches Vertrauen in Innos und der Wille, die Gemeinschaft näher an seinen Gott zu führen. Es war eine Antwort ganz nach dem Geschmack Vicktars - ein Appell an das, was er als seine größte Tugend erachtete, und die freigiebige Zustimmung zu seinen Plänen und Wünschen. Das triumphale Gefühl eines Mannes, der mehr erhielt als er sich erhofft hatte, erfüllte seine Brust.
    "Ich glaube, und ich bin bereit, meinen Glauben einzusetzen."

    Vicktar war erfüllt von Tatendrang. Wenn er sagte, dass er bereit war, dann meinte er, dass er am liebsten sofort loslegen wollte. Ein Zauber, der die Menschen im Glanz seines Herrn erzittern ließ - was konnte er sich Besseres wünschen?

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    Abenteurer Hierodius Lex's Avatar
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    Die Gilde Innos' im Forenrollenspiel
    Hierodius Lex is offline

    Die Bastion

    Der breitgebaute Soldat war erleichtert, dass der Hauptmann der Stadtwache, welcher auch gleichzeitig Mitglied des Ordens war, die Kritik über das Auftreten der Feuermagier nicht nur nachvollziehen konnte, sondern auch teilte. Er verlangte außerdem, dass die Leibwache des Grafen zum Vorfall befragt wird, auch wenn der Feuermagier das Verhör rüde unterbrochen hatte. Hierodius Lex nickte zwar zustimmend aber erwiderte: "Gewiss kann ich meine Männer entsenden, die Leibwache des Bürgers erneut zu verhaften. Damit würden wir aber die Entscheidung des Feuermagiers ignorieren."

    Am liebsten wäre der Weibel mit seinen Soldaten zum Reichenviertel marschiert, um die Eingangstür des vermutlich prunkvollen Grafenanwesens einzutreten und den blaublütigen Widerlang samt Leibwache einzukerkern. Doch Hierodius Lex wusste, dass dies keine tatsächliche Option war. Selbst wenn sich im späteren Verlauf herausstellte, dass der Leibwächter zu Unrecht derart grobe Gewalt angewendet hatte, würde der Händler seine Hände in Unschuld waschen. Menschen wie dieser arrogante Graf machten sich nicht die Hände schmutzig. Wer über genügend Gold und Einfluss verfügte, delegierte solche Aufgaben an seine Dienerschaft und behauptete im Zweifel einfach, dass er von den schändlichen Taten nicht gewusst, geschweige denn geahnt hatte. Die Spielchen solcher Leute waren scheinbar überall gleich. Ob im Fürstentum Ordanai oder im Königreich Myrtana.

    "Wenn Ihr erlaubt, Hauptmann, schlage ich eine Befragung der Zeugen auf dem Marktplatz vor. Wenn wir genügend Indizien gesammelt haben, die den Leibwächter des Grafen als Mörder darstellen, haben wir möglicherweise eine größere Handhabe und der Feuermagier kann uns nicht mehr im Wege stehen." sagte Hierodius Lex und hielt das für eine vernünftige Lösung. Allerdings glaubte er auch, dass im Zweifel immer das Wort des Feuermagiers höher gewichtet würde. Selbst wenn die Tötung auf dem Marktplatz sich nicht als Notwehr, sondern als Mord herausstellte, konnte ein Fingerzeig eines Erwählten Innos' noch immer genügen, um die Handlungsfähigkeit der Stadtwache einzuschränken.

    Der Hauptmann schien die zur Verfügung stehenden Möglichkeiten abzuwägen und wollte sich gerade entscheiden, als sich die Tür zum Arbeitszimmer unerwartet öffnete.

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    Krieger Die Feuermagier's Avatar
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    Die Gilde Innos' im Forenrollenspiel
    Die Feuermagier is offline

    Die Bastion

    Verärgert lief Feuermagier Daron durch das Händler- und Handwerkerviertel und zielsicher in Richtung der Bastion. Eigentlich hatte er angesichts des baldigen Einsatzes der Ordenskrieger im Hafenviertel weit wichtigere Dinge zu erledigen, als sich um das übliche Durcheinander bei der Stadtwache zu kümmern. Doch er konnte es auch nicht zulassen, dass die Stadtwache einen Mann verhörte, der nicht nur unter dem Schutz des Ordens höchst selbst stand, sondern auch noch zu einen der größten Spender des Ordens in Thorniara gehörte.

    "Sagt, mein Sohn, wo finde ich den Hauptmann der Stadtwache?" fragte der Feuermagier mit ruhiger Stimme. Der befragte Soldat deutete auf eine geschlossene Holztür hin. Mit einem Kopfnicken bedankte sich Daron oder signalisierte zumindest, dass er die Deutung des Soldaten verstanden hatte und näherte sich der Tür. Ohne anzuklopfen betrat der Feuermagier das kleine Arbeitszimmer des Hauptmannes und traf dort auch auf jenen Soldaten, der einige Minuten zuvor den Grafen verhört hatte.

    "Wie passend." stellte Feuermagier Daron nüchtern fest. "Ordenskrieger!" entgegnete der Feuermagier nun in bedeutend festerer Stimme dem Hauptmann: "Die Stadtwache hat unverzüglich alle weiteren Ermittlungen zu dem am heutigen Tage ereigneten Vorfall am Marktplatz einzustellen." Die beiden Soldaten konnten die Worte des Feuermagiers offenbar nicht so recht einordnen. Der breitgebaute von ihnen, dessen Uniform auf den Dienstgrad des Weibels hindeutete, erhob zögerlich seine Stimme: "Dürfen wir den Grund dafür erfahren, warum wird den Tod eines Reichsbürgers nicht weiter verfolgen dürfen?"

    Erbost schaute Feuermagier Daron den breitgebauten Soldaten in die Augen und erwiderte harsch: "Das darfst du nicht." Wieder wandte sich Daron dem Hauptmann zu und fuhr fort: "Ich denke, wir haben uns verstanden."

    Maximus

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    Kämpfer Isegrim's Avatar
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    Die Gilde Innos' im Forenrollenspiel
    Isegrim is offline
    "Du hast einiges von mir gelernt, Grim", Damien hob das Weinglas und grinste schief, "Die Grundlagen sind da, wie es scheint, das hast du mir bewiesen. Ich kenne genug Diebe, die bei der Geschichte im Anwesen kalte Füße gekriegt hätten. Zwar auch genug, die für solch einen Einbruch nicht mal ein müdes Lächeln übrig gehabt hätten, aber nun ja, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, mein Freund. Und mit etwas Übung und viel, viel Glück wird aus dir auch ein Meisterdieb."
    Isegrim hob eine Augenbraue und schüttelte langsam den Kopf. "Beliar, Damien!", fluchte er halblaut, "Woher hast du das? Aus dem langweiligen Buch der Schlusssprüche für Ausbildungen?"
    Der Hehler hob die Schultern. "Bei vielen anderen haben diese Worte Großes bewirkt."
    Der Soldat setzte zu einer ziemlich unschönen Erwiderung an, zügelte sich jedoch, hob seinerseits sein Weinglas, prostete dem Lehrmeister zu und trank einen Schluck. Dann hob er gespielt stolz das Kinn und sah ihn respektvoll an. "Ich danke Euch für Euren weisen, ehrwürdigen Rat, Lehrer!", sprach er voll Würde, "Möge die Saat deines Wissens auf den fruchtbaren Grund meines Geistes fallen und Bäume daraus erwachsen lassen, die bis zum Himmelszelt reichen."
    Damien schüttelte nur den Kopf. "Ich hätte dich wirklich versauern lassen sollen", knurrte er, "Mit durchgeschnittener Kehle in irgendeiner verlausten Gasse."
    "Ach komm, Damien, das war ein Scherz. Ich bin dir ernsthaft dankbar. Denn ohne dich wäre ich genau dort gelandet."
    Aber der Mann reagierte nicht. Er sah über Isegrims Schulter. Das Gesicht war erst überrascht, dann einen Moment erschrocken, ehe kalte Wut darin zu sehen war.
    "Hast du deinen Dolch griffbereit?", fragte er zwischen zusammengepressten Zähnen hindurch.
    "Ja", antwortete Isegrim langsam, verwirrt.
    "Gut. Du wirst ihn sicherlich brauchen."
    Schritte im Rücken des Eisenwolfs. Ein grobes, tiefes Lachen.
    "Damien, der Bankier. Hier und nicht im verdammten Myrtana?", fragte eine Stimme, die ihm nur zu bekannt war. Ohne sich umzudrehen wusste er, dass sie dem Schmuggler gehörte, der zusammen mit seinem nordmarischen Lakaien ihn und Salophilus gefoltert hatte. Und der seinen Glaubensbruder ermordet hatte. Hinter ihm stand der Urheber einer ganzen Menge Ärger und Pein der letzten Monde.
    "Weyland, der Schmuggler, der sich mit der Welt anlegen möchte.", knurrte Damien ohne eine Spur von Respekt oder Wohlwollen.

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    Provinzheld Slicer's Avatar
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    Slicer is offline

    Das Armenviertel

    Es gab eine dünne, aber dennoch scharfe Linie zwischen quälender Armut und menschlicher Verwahrlosung.
    Dieses Viertel hatte die Linie eindeutig überschritten. Das Bild, welches Slicer hier unverblümt vor Augen lag, lies selbst den hartgesottenen Banditen in ihm erschaudern. Als er noch hier gelebt hatte, war das Armenviertel ein Ort, an dem man ums Überleben kämpfen musste. Jedes Goldstück war ein Schatz, die Fischer mit ihren kleinen Ruderbooten waren Könige unter Ihresgleichen und dazwischen schlichen die Kriminellen, bereit für ein Brot ihre Mutter zu verkaufen.
    Diese Zeiten waren offenbar vorbei.
    Die Menschen schienen völlig aufgegeben zu haben. Notdürftig zu reparierende Hütten waren zusammengefallen, weil sich niemand mehr um sie kümmerte. Die Straßen waren bis auf einige ziellos und scheinbar verwirrt hin und her irrende Kerle wie leergefegt. Der Gestank zeugte von noch mehr Müll, noch mehr Dreck... und noch mehr tot. Fast wundere Slicer sich, dass er nicht über irgendwelche Leichen stolperte. Dennoch, die Ruhe war trügerisch. Seinen Dolch hatte er am Tor abgeben müssen und somit war er einer nicht zu unterschätzenden Gefahr ausgesetzt.
    Zielstrebig und so schnell wie möglich eilte Slicer zwischen den Baracken her. Er wusste genau, wohin er musste, doch nagte der Zweifel an ihm, dass er dort noch finden würde was er suchte.
    Nach einigen Minuten Fußmarsch erreichte Slicer die flache Küste des Armenviertels. Aufgrund des herrschenden Platzmangels waren nicht wenige Häuser bis ins Meer hinein erbaut worden, nur von der Brandung geschützt durch die starken Holzpfeiler auf denen sie ruhten. Kalter Wind schlug einem von hier ins Gesicht. Slicer zog die Kapuze etwas tiefer ins Gesicht, hielt sie mit einer Hand am Zipfel fest und marschierte dann eine wackelige Treppe empor zu einem der auf Stelzen erbauten Häuser. Der Wind pfiff schauerhaft durch die losen Holzplanken und irgendwo schlug ein Fensterladen wieder und wieder gegen die Hüttenwand.
    Die Tür ins innere der Hütte zeigte zum Meer hinaus. Sie war nur angelehnt, weshalb sie quietschend hin und her schwänkte. Slicer ahnte das schlimmste. Er griff nach der Tür stieß sie beiseite, trat in die Hütte hinein - und bekam einen deftigen Schlag auf den Kopf.
    Slicer fluchte lautlos, warf sich nieder und blickte sich nach einem Gegenstand um den er notfalls gegen seinen Angriffer verwenden konnte. Stattdessen fand er nur den Angreifer selbst. Unter seinem leicht schwumrigen, sich langsam klärenden Blick erkannte er einen alten, knöcherigen Mann, der mutig einen Schürhacken schwang. Die Waffe, eben noch kräftig geschwunden, hielt plötzlich inne und wurde gesenkt.
    "Du?!" Entfuhr es dem Fossil von Mann, der ungläubig die Augen aufriss und zurücktaumelte.
    Slicer grinste unter Schmerzen. "Hallo, Vater."

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    Silberbaron von Khorinis  Maximus's Avatar
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    Das Reichenviertel, Anwesen des Grafen

    In Begleitung seines Leibwächters hatte der Graf sein Anwesen im Reichenviertel erreicht. Dort bereits vom Kammerdiener Adalbert erwartet, wurde ihm die schwere Eingangstür geöffnet. Als Maximus die Türschwelle übertreten hatte, drehte er sich zu Bragan um und erhob seine Stimme: "Du wirst hier draußen bleiben und dafür sorgen, dass mich diese einfältige Stadtwache nicht noch einmal behelligen kann." Mit diesen Worten schloss Adalbert die Tür und nahm dem Grafen seinen schweren Mantel ab. "Ist etwas geschehen?" fragte er neugierig.

    Maximus zuckte beiläufig mit den Schultern und erwiderte: "Nichts, das von Belangen wäre." Ohne weitere Worte zu verlieren, lief er die Treppenstufen zu seinen Privatgemächern empor. "Ich will nicht gestört werden!" sagte er harsch, als er die Tür hinter sich verschloss. In seinem Arbeitszimmer angekommen, breitete der Graf einige leere Pergamente aus, nahm Gänsekiel und Tintenfass zur Fass und begann zu schreiben. Ob leichtsinnig oder zufällig. Die Stadtwache hatte sich wider Erwarten nicht von der Immunitätserklärung beeindrucken lassen. Dass sich der Orden und seine Instrumente nicht immer an die eigenen Gesetze hielten, hatten die Mitglieder der Händlergilde bereits einige Male erfahren. Dass also auch die Stadtwache solch gewichtige Erklärungen eines Paladins geflissentlich ignorierten, schien da nur konsequent. Möglicherweise hatte aber auch die Zitadelle ein intensiveres Vorgehen der Stadtwache angeordnet und wollte auf diesem Wege erfahren, wie die Reaktion der erstarkten Händlergilde ausfallen würde.

    Gewiss glaubte man, dass sich die Händlergilde in ihrer Reaktion überschätzen und so genügend Angriffsfläche bieten würde. Doch die Mitglieder hatten klare Instruktionen erhalten. Nach Möglichkeit sollte jeder Konflikt mit Angehörigen des Ordens vermieden werden. Natürlich lag es nicht in der Natur des Grafen, sich von einfältigen Milizsoldaten verdächtigen zu lassen. Eine angemessene Antwort auf diesen Frevel würde dieses Mal aber ausbleiben. Die Händlergilde ging im Hafenviertel eigene Pläne nach, die unter keinen Umständen gefährdet werden dürfen. Wenn der Orden Innos' die Sicherheit und Ordnung im Hafen der Stadt wieder hergestellt hatte, würde der Graf noch genügend Gelegenheiten haben, dem Orden die eigene Inkompetenz vor Augen zu führen.

    Bis dahin musste sich Maximus damit begnügen, weitere Männer zu seinem Schutz anzuheuern. Die Händlergilde sollte ihm auf schriftliche Anforderungen geeignete Söldner zur Verfügung stellen.

  9. View Forum Posts #49 Reply With Quote
    Veteran Die Stadtwache's Avatar
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    Die Stadtwache is offline

    Der Kerker

    Im Kerker unterhalb der Bastion herrschte ein ständiger Lärmpegel. Die Gefangenen unterhielten sich lautstark miteinander, beschimpften sich, fluchten über den Orden oder machten sich über die Kerkerwächter lustig. Angestrengt rieb sich Harald die Augen. Er mochte die Arbeit im Kerker. Doch alle Zellen waren belegt und unter den Gefangenen waren auch solche, die unter dem Einfluss des roten Sumpfkrautes standen. Die Auswirkungen schienen unterschiedlich zu sein. Ein Großteil der Abhängigen wurde aggressiv. Einige wenige verfielen aber auch in eine gewisse Trance. Dabei hatten sie nicht nur kein Zeitgefühl. Die vergaßen auch zu essen und zu trinken.

    Damit wenigstens nicht die Gefangenen an ihrer eigenen Torheit verstarben, sorgten die Kerkerwächter für eine regelmäßige Einnahme von Speisen. Speisen war angesichts von trockenem Brot und einer viel zu dünnen Gemüsebrühe vielleicht etwas zu viel gesagt. Mit ruhiger Hand verteilte Harald das Essen, welches er zuvor in Holzschüsseln abgefüllt hatte. Es gab eigentlich keinen Gefangenen, für den der Kerkerwächter Mitleid empfand. Denn sie alle waren nicht ohne Grund hier. Einige wenige von ihnen wurden dem Soldaten aber auf ihre eigene Art sympathisch. Zumindest waren sie freundlich und bedankten sich für das Essen. Selbstredend, dass es Harald bei diesen Gefangenen auch mit der Menge nicht so ernst nahm. Er war natürlich angewiesen worden, das Essen gerecht zu verteilen. Keiner der Insassen sollte bevorzugt werden. Aber wenn es keiner mitbekam, konnte sich Harald schon mal beim Brot verzählen.

    Besonders anstrengend waren aber die Gefangenen, die stets von ihrer angeblichen Unschuld sprachen. Wann immer ein Kerkerwächter an ihrer Zelle vorbeiging, erzählten sie lautstark ihre Geschichte. Dass sie unschuldig seien oder einer Intrige zum Opfer gefallen sind. Einer von ihnen war ein Händler, der erst vor einigen Tagen im Kerker eingeliefert wurde. Harald konnte sich nicht mehr daran erinnern, welches Verbrechen er begangen hatte. Aber er verlangte stets einen Feuermagier zu sprechen, um das Unrecht aufzuklären.

    Doch dieses Mal blieb der Gefangene stumm. "Hey! Es gibt was zu essen. Gemüsebrühe!" sagte Harald. Doch der Händler regte sich nicht. "Hey! Keinen Hunger?" Wieder nichts. "Ach so! Bevor ich es vergesse: Morgen kommt dich ein Feuermagier besuchen." behauptete Harald, um den Händler aus der Reserve zu locken. Tatsächlich hatten sich die Erwählten Innos' aber schon seit einiger Zeit nicht mehr blicken lassen. Das letzte Mal testeten sie ein Mittel gegen das rote Sumpfkraut. Doch auch dieses Mal blieb der Händler stumm. Harald wurde skeptisch. Er wäre nicht das erste Mal gewesen, dass ein Gefangener während seiner Schicht verstarb.

    "Thomas! Thomas, komm mal her!" Rief Harald. Thomas, der Sohn eines einfachen Zimmermannes, arbeitete schon einige Zeit im Kerker der Bastion. Doch Harald glaubte nicht, dass das die Erfüllung für den jungen Mann war. Eines Tages würde er den Kerker verlassen und das Gesindel im Hafen jagen. "Öffne die Zelle!" befahl Harald, als der junge Thomas zu ihm geeilt war. Vorsichtig betraten die beiden Soldaten die kleine Zelle. "Tod." stellte Harald fest. "Herrje. Das wird wieder ein Papierkram..." schob der dickliche Kerkerwächter selbstmitleidig nach.

    Maximus

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    Provinzheld Slicer's Avatar
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    Slicer is offline

    Das Armenviertel

    Langsam begann sich der Schürhaken wieder zu heben. Der Blick in den eingesunkenen Augen des alten Herren wurde entschlossen, seine Züge hart. Slicer trat auf ihn zu, ein gespielt bedauerndes Gesicht ziehend. Seine Augen lagen jedoch besorgt auf den sich spannenden Muskeln des Arms.
    "Müssen wir wirklich so Reden?"
    "Du undankbarer, kleiner...." Roderik trat vor und stieß den Haken auf seinen Sohn hinab, der verbissen die Lippen schürtze. Slicer wich dem kräftigen aber vergleichsweise langsamen Schlag aus, packte seinen Vater beim Arm und entriss ihm den Schürhaken nach einem kurzen Kräftemessen, das Roderik aufgrund Slicers jugendlicher Ausdauer verlor. Scheppernd landete der Schürhaken in einer weit entfernten Ecke. Der Alte blickte Slicer aus dem hilflosen Griff mit unendliche Verachtung an, ehe er jegliche Verspannung löste und sich von Slicer zu einem nahen Hocker dirigieren lies. Ächzend, als sei nichts gewesen, setzte er sich und blickte Slicer auffordernd an, bis dieser sich ihm gegenüber setzte.

    Als Slicer den Mund öffnete, schlug sein Vater mit der flachen Hand auf den Tisch.
    "Bitte, erspar‘ mir jegliches sentimentale Gefasel. Ich weis, jedes Wort das aus deinem Mund kommt ist eine verdammte Lüge. Sag einfach, was du von mir willst. Und dann verschwinde wieder. Ich will in meinen letzten Tagen nicht ausgerechnet an dein Gesicht erinnert werden." Knurrte der alte Roderik, seinen Sohn immer noch mit blossen Augen durchbohrend.
    "Oder bist du etwa gekommen, es Zuende zu bringen? Da kommst du wohl grade noch rechtzeitig, bevor Innos das selbst erledigt."
    Slicer schüttelte ruhig den Kopf. Als er sprach, fehlte jegliche Emotion in seiner Stimme. "Ich bin nicht hier, um dein Leid zu verkürzen, alter Mann. Ich bin hier, weil ich Informationen brauche. Und du wirst sie mir geben."
    "Werde ich das? Warum sollte ich? Willst du mich foltern, wie den armen Billi damals? Ja, ich weis das du es warst, mach garnicht erst den Mund auf, du Lügner! Hah! Mein Sohn, ein wahrhaftig mutiger Mann. Foltert arme Schweine und bringt alte Leute um. Ihr Götter, was bist du doch für ein Prachtkerl. Der Stolz eines jeden Vaters."

    Roderik spuckte aus, jedoch besaß er irgendwie genug Anstand, es nicht vor Slicers Füßen zu tun. Der lies sich von dem scheinbaren Schmerzausbruch seines Vaters nicht beeindrucken. Roderik hätte ihn ebenso empfangen, wenn er ein strahlender Paladin des Königs gewesen wäre. Der faulte Sack hatte es ihm Leben zu nichts gebracht und lies selbst jetzt, nach all den Jahren, keine Gelegenheit verstreichen es seinem Sohn aufs Auge zu drücken. Einst hatte es Slicer ernsthaft getroffen. Irgendwann, Jahre später, hatte er seinen Vater dafür verachtet. Mittlerweile war dieses Häufchen Elend nicht einmal mehr aufrichtige Abscheu wert.
    "Ich nehme an, die Schutzgeldgeschäfte laufen immer noch." Sagte er stattdessen, ohne auch nur daran zu denken auf das Gefassel seines Vaters einzugehen. "Wer ist der Kerl, der den armen Schluckern die letzten Münzen aus der Tasche zieht? Ist es immer noch Luktor?"
    "Es geht dir wie immer nur ums dreckige Geschäft, was? Innos, was habe ich nur falsch gemacht, dass du..."
    "Oder Sanford Seytz, der unfähige Kerl den Gath vor einigen Jahren hier eingesetzt hat? Spuck‘s schon aus! Wer ist es?"
    Der Blick seines Vaters, eben noch in der Vergangenheit, kam in die Gegenwart zurück und fixierte Slicer mit ehrlichem Unglauben.
    "Wieso interessiert dich das überhaupt? Hast du auf dem Weg hier her überhaupt die Augen aufgemacht? Hier liegt der Beliar Begraben. Nichts mehr zu holen. Das Geschäft ist tot. Wegen diesem verfluchten Sumpfkraut das DU und DEINE LEUTE hier reingeschmuggelt haben!"
    "Du willst mir also erzählen, dass niemand mehr hier umgeht und Schutzgeld einsackt?" Slicer lachte kalt auf. "Ich habe gesehen, wie scheiße es um das Viertel steht. Aber das hat in all den Jahren noch nie jemanden davon abgehalten, die Armen noch Ärmer zu machen. Sag schon. Wer kontrolliert zur Zeit das Geschäft hier?"
    Roderik seufzte. Überlegte. Und setzt endlich zu einer nützlichen Antwort an.
    "Luktor ist vor einigen Wochen krepiert. In seiner eigenen Hütte verhungert, das arme Schwein." Eine Spur echten Bedauerns schwang in seiner Stimme mit, wechselte jedoch sogleich in amüsierte Verachtung. "Ein Kerl aus den besseren Vierteln hat versucht seinen Platz einzunehmen. Aber der hat schnell festgestellt, wie hungrig die Leute hier wirklich sind." Roderik zuckte unschuldig mit den Schultern. "Seitdem haben sie niemanden mehr hier runter geschickt, der Schutzgeld einsammeln will. Jetzt sind wir wieder unsere eigenen Herren." Ein schadenfrohes Grinsen. "Scheint so, als hättest du schlechte Karten, wenn du wieder einsteigen willst, mein Junge."

    Slicer lehnte sich zurück, knirschte mit den Zähnen. Das war wirklich eine beschissene Situation. Luktor war also Opfer des Roten Wahns geworden, und dessen Nachfolger von den hungernden Menschen... Beliar, was war das bloss für ein Teufelszeug? Wirklich das Sumpfkraut, dass er und Lukar mit Borans Hilfe geschmuggelt hatten? Wohlmöglich ein Schachzug des Waldvolkes, die Stadt zu schwächen? Gar ein Schachzug Lukars? Nein, dann hätte er ihn gewiss darüber Informiert. Zumal Lukar mehr am Geschäft interessiert war, als an den beherrschenden Parteien.
    "Weist du, wer Luktors Nachfolger hier runter geschickt hat?" Stellte Slicer die entscheidende Frage, auf die sein Vater ein wissendes Lächeln zeigte.
    "Ich verstehe." Slicer erwiderte das Lächeln. Zum ersten Mal war es fast echt. Diese Schlange hatte nur auf die Frage gewartet. Unter all dem verkalkten Schmodder der Jahrzehnte zeigte sich der Mann, der früher immer noch irgendwo ein Goldstück beschaffen konnte, um seine kleinen Freuden des Lebens zu begleichen.
    "Wieviel willst du für den Namen?"
    "Von Gold kann ich mir nicht viel kaufen. Eher jeden Tag weniger. Mögen die Händlergilde und ihre Lakeien bei den Fischen Enden. Was ich will, mein Junge, ist aus diesem verdammten Viertel raus zu kommen. Wie gesagt, hier ist nichts mehr zu holen." Der schleimige Kerl begann breit zu grinsen. "Als Leibwächter von Luktor hatte ich ein gutes Leben, aber beschütze einen Mann mal vor sich selbst."

    Slicer stand langsam von seinem Hocker auf und sah ungläubig auf seinen Vater nieder. Er musterte ihn von unten bis oben, als wäre dieser grade wie aus dem Nichts aufgetaucht.
    "Ich soll dir Kontakte zu meinen Leuten besorgen?!" Diesmal war die Verachtung in Slicers Stimme echt. "Hast du den Verstand verloren, altes Fossil?"
    "Kontakt gegen Kontakt. Ist doch ein faired Deal, eh?"

    "Du bist nun nicht mehr unbedingt in der Blüte deiner Jahre."
    "Und du bist ein verzogener, Scheißkerl. Na und? Das hindert die Leute nicht daran, mit DIR zusammenzuarbeiten." Auch der alte Roderik erhob sich. Sein knochiger Finger drohte sich Slicer an die Brust zu bohren. Der Bärtige Gauner fing den Finger mit der Hand ab und drückte die Hand seines Vaters angewidert zur Seite.
    "Besorgt mir eine anständige Arbeit, und du kriegst den Namen."
    Slicers Gedanken rasten. Dieses ewige Ärgernis in seinem Leben drohte, sich wie ein Parasit an ihn zu heften. Erneut. War der Name diese Mühe wirklich wert? Slicers Blick ging durch die Hütte, blieb an einem alten Fischmesser hängen das bei anderen, rostigen Kochutensilien lag.
    "Wenn du das Messer auch nur anfasst, kriegst du garnichts." Knurrte Roderik, den Gedankengang seines Sohnes richtig deutend. "Du kannst mich ruhig foltern, falls das alles ist wozu dein Grips reicht. Aber dann trete ich mit einem Lächeln ab, weil du dich selbst auf die Suche nach deinem Kontakt machen darfst. Schlimmer als der Schmerz, den du mir am Tag deiner Geburt bereitet hast, kann es nicht sein."
    Eine Träne funkelte im rechten Auge des Vaters, und einen Sekundenbruchteil lag der Schmerz einer verlorenen Liebe in dem zerfurchten Gesicht. Roderik blinzelte und machte somit die verlorene Träne zunichte. Slicer hatte sie trotzdem bemerkt. Nachdenklich blickte er zwischen seinem Vater und dem Messer hin und her. Dabei hatte er sich doch schon längst entschieden....
    Last edited by Slicer; 28.01.2018 at 00:29.

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    Waldläufer Weyland's Avatar
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    Das Königreich Argaan im Forenrollenspiel
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    Manchmal spielte das Schicksal einem in die Hände. Weyland Lächeln, als er Damien in der Schänke erblickt hatte, wurde breit, besaß einen unerträglich triumphierenden Ausdruck. Die Hand lag am Griff des Dolches und es kostete den Schmuggler titanische Anstrengung, die Klinge nicht direkt in den blassen Schädel des Bankiers zu rammen, der ihn so verachtend ansah. Aber auch überrascht, ja fast etwas entsetzt. Der Blick Damiens blieb einen Moment auf der Person liegen, die mit dem Rücken zu Weyland saß. Irgendein Kumpan und Helferlein, so wie sie der Bankier wohl um sich sammelte.
    "Ich will deinen Kopf", knurrte Wey, "Du verfluchter Verräter."
    "Verräter?", fragte Damien, "Ich?"
    "Du sprachst mehrmals mit Rag. Wer verriet mich kurz darauf? Rag. Ich zähle eins und eins zusammen."
    Die bekannte Ruhe und Arroganz kehrte auf des Bankiers Gesicht zurück. Er lächelte nun sogar, machte jedoch eine nebensächlich wirkende Geste in Richtung seines Begleiters, der steif da saß, vielleicht überlegte, sich auf Wey zu stürzen. Kam ihm die Gestalt bekannt vor? Er wusste es nicht. Der Bankier lachte leise.
    "Eins und eins zusammenzuzählen", erklärte er, "macht dich nicht zum Gelehrten. Rag sprach lange vor unserem Treffen mit Mittlern der Krähe. Er verriet dich früh. Mh, wohl schon vor der Geschichte auf Feshyr. Ah, die Ironie. Dein engster Verbündeter, ein alter Freund, ist dein längster Feind. Und Feinde kannst du dir wirklich grandios machen, Weyland." Sein Blick ruhte auf dem Mann. "Nimm dir meinen Partner hier zum Beispiel. Isegrim."
    Isegrim. Da klingelte etwas. Weyland verzog das Gesicht. Der Novize. Eher die. Rag und er hatten sie in der Hoffnung auf Geheimnisse verhört. Nicht zimperlich, eher ziemlich grausam. Verflucht, er hatte gehofft, der Kerl wäre in der Wildnis Futter für die Ratten geworden. Er schluckte.
    "Oh, er hasst dich. Du siehst sein Gesicht nicht. Kalkweiß und mit Augen, die vor Wut sprühen. Ein Wunder das die Welt noch nicht Feuer gefangen hat. Götter, wenn es einen göttlichen, übernatürlichen und unendlichen Zorn gibt, Schmuggler, hast du ihn in diesem Mann geweckt."
    Weyland räusperte sich. Damien hatte ihm den Wind aus dem Segel genommen. Vor allem dadurch, dass hier jemand saß, der Weylands Jagdtrieb überstanden hatte. Normalerweise blieben Opfer des Jagdhunds tot. Sie erschienen nicht einfach wieder auf dem Plan.
    "Hör mal", begann er. Irgendwo regte sich sein Gewissen, "Damals das ... war blöd. Von allen Beteiligten. Vergessen wir das."
    Entschuldigungen waren nicht seine Stärke. Vergebung wohl auch nicht die von Isegrim, sonst hätte er ihm nicht völlig unbemerkt und wieselflink den Dolch in die Seite getrieben. Die Überraschung traf ihn wie einen Schlag. Er hauchte nur etwas, begann zu kippen. Damien und Isegrim, dessen Gesicht wirklich eine Maske des Hasses war, fingen ihn ab. Der Dolch wurde aus dem Fleisch gezogen, verschwand unter dem Umhang. Sie nahmen ihn zwischen sich wie einen Trinkkumpanen, der es übertrieben hatte. Ohnmacht wollte ihn umfangen, er kämpfte an. Verlor.
    Sollte Weyland doch alle Anstrengungen unternommen haben zu überleben, nur um hier in der Gosse zu sterben?

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    Selten, so unglaublich selten hatte der Eisenwolf solch ein überragendes Wonnegefühl verspürt wie in dem Moment, wo er dem Schmuggler namens Weyland den Dolch in die Seite gerammt hatte. Damien hatte ihm immer wieder mit Gestik und Mimik zu beruhigen versucht, war daran aber grandios gescheitert. Der Wolf lässt seine Wut nicht zügeln, sondern nutzt sie um zu töten. Und für die Gerechtigkeit. Sal war sein Freund gewesen, einer von wenigen und dieser Schmuggler hatte ihn auf dem Gewissen. Das war alles, worum es dem Soldat ging. Gerechtigkeit für einen Verstorbenen. Bevor Weyland überrascht zu Boden ging, fingen Isegrim und Damien ihn auf, nahmen ihn zwischen sich wie einen Besinnungslosen. Der Verwundete murmelte, stotterte etwas.
    "Verflucht, Grim, bist du wahnsinnig?", zischte der Hehler, "Stichst mitten in der Schänke einen ab!"
    "Schnauze, Damien", knurrte er zurück, "Du bist ruhig. Was soll der Scheiß? Bankier, Krähe, Verrat? Arbeitest du mit diesem Stück Dreck zusammen?"
    Einen Moment wünschte sich der Soldat, auch dem Hehler mit dem Dolch zu traktieren, riss sich jedoch zusammen. Blinder Zorn führte selten zu etwas. Besonnenheit, Ruhe waren gefragt. "Sprich!", zischte er fordernd.
    Der Hehler seufzte. "Ich bin nicht wirklich Hehler. Ebenso wenig wie ich Bankier bin. Ich ... bin Auftragsmörder vom Festland.", antwortete er leise, "Nutze nur gewisse Verkleidungen für meine Aufgabe."
    "Und die wäre?"
    Er grinste schief. "Das verrate ich dir nicht. Dafür kenne ich dich nicht gut genug ... und du mich nicht."
    "Verstanden.", murrte Isegrim, "Weiter!"
    "Die Krähe ist ein einflussreicher Meisterdieb aus Myrtana. Ein Genie, steht über allem, weiß alles, hat überall die Finger im Spiel. Weyland hier hat den Fehler gemacht, durch seine Schmugglergeschäfte die patriotische Krähe zu verärgern. Der Kerl ist ein Dieb, liebt aber das Großreich. Schmuggler schaden dem Reich, also war es klar, das Weyland über kurz oder lang zur Zielscheibe wird." Sie traten aus der Taverne, grüßten Passanten, murmelten verlegene Entschuldigungen über den besinnungslosen Zustand ihres vermeintlichen Genossen und verschwanden in einer Gosse. "Ich wollte Weyland erst unterstützen, scheiterte aber an seinem Leibwächter und seiner eigenen Dummheit. Ersterer diente längst der Krähe, Zweitere war so unglaublich groß und stur, dass kein Weg daran vorbei führte. Also setzte ich mich ab, nachdem Rags Plan Früchte trug, den Schmuggler nach Myrtana zu bringen."
    Isegrim schüttelte den Kopf. "Du hast ihm geholfen. Hat er dir erzählt, was er tat? Welch Blut an seinen Händen klebt?"
    "Es ... kümmerte mich nicht."
    Der Soldat duckte sich unter Weylands Arm weg, sodass das Gewicht des Schmugglers auf Damien lastete.
    "Wir sind fertig.", sprach Isegrim ruhig, "Du hast diesem Stück Dreck geholfen. Er ist mein Feind. Scheint ... scheint als würdest du nun auch dazu gehören. Mach's gut, Damien, danke für die lehrreiche Zeit."

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    »Daran zweifele ich nicht im Geringsten, Vicktar.«, entgegnete Françoise mit einem sanften Lächeln. Trotz der Tatsache, dass der alte Mann sich erst so spät in seinem Leben dem Orden anschloss, besaß er die Überzeugung eines altgedienten Priesters.
    »Mir geht es darum, deinen Glauben weiterzugeben. Wenn du davon sprichst, den Glauben mit der Macht der Stimme zu verbreiten, musst du verstehen, dass diese Macht nur etwas vorhandenes verstärkt. Sie kann keinen Glauben erzwingen. Jedenfalls nicht dauerhaft. Das trifft auch auf den Zauber zu, den du meinst.«
    Kurz hielt die Priesterin inne und nippte an ihrem Tee.
    »Passenderweise heißt er tatsächlich Ehrfurchtszauber. Wirkst du ihn auf jemanden, manifestierst du für denjenigen deinen Glauben. Er sieht und spürt ihn. Fast so, als wäre er greifbar. Für die meisten Menschen ist das absolut überwältigend, denn so direkt wird kaum jemand mit Innos' Macht konfrontiert.
    Doch das ist nur dieser eine Moment. Und leider ist der menschliche Geist vor allem eines: flüchtig. Selbst eine Saat höchster Güte wird vergehen, wenn sie nicht gepflegt wird.«

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    Kämpfer Vicktar's Avatar
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    Zitadelle

    Einen Moment lang wurde der Enthusiasmus des Alten gedämpft, als die oberste Feuermagierin seine Erwartungen an den Zauber schmälerte, den er zu lernen wünschte. Doch nach kurzem Überlegen tat er die Bedenken beiseite.
    "Ist nicht in jedem von uns ein göttlicher Funke, und möge er auch noch so verglommen sein? Schließlich sind wir alles Innos' Schöpfung", entgegnete er.
    "Und meine schärfste Klinge soll trotzdem noch die flammende Rede bleiben - doch ein Moment der Überwältigung kann sicherlich für die überzeugender sein, die nicht zuhören wollen. Ich weiß nur zu gut, dass ein einziger Moment die eigene Einstellung zu Gott und Glaube ändern kann."
    Nur dass in Vicktars Falle kein Magier die Hände im Spiel gehabt hatte. Innos selbst hatte zu ihm gesprochen durch die Flamme - da war er sich immer noch sicher. Er schöpfte seine Kraft aus dieser Gewissheit.
    "Wenn ich mit dieser Ehrfurcht noch ein weiteres Werkzeug neben der Macht der Stimme an der Hand habe, kann das sicher nicht schaden."

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    Krieger Die Feuermagier's Avatar
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    Das Tempelviertel

    Es war soweit. Die Feuermagier des Ordens hatten sich versammelt, um die weitere Vorgehensweise zu besprechen. Das Mittel gegen den roten Wahnsinn war in ausreichender Menge vorhanden, um es den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt zu verabreichen. Es musste nur noch die Frage geklärt werden, wie man das Gegenmittel verabreichte. Die oberste Feuermagierin hatte einst im Gespräch mit Kalthar erwähnt, dass man dieses über die Stadt zerstäuben oder den hiesigen Brunnen zuführen könnte.

    Für diese beiden Szenarien hatte der hochgewachsene und ergraute Feuermagier Kalthar weitere Ingredienzien sammeln lassen, um die Konzentration des Gegenmittels zu erhöhen. Doch je länger der Alchimist darüber nachdachte, desto unwahrscheinlicher erschienen ihm die Szenarien. Das Zerstäuben war nicht nur mit enormen Aufwand verbunden. Auch der in der Hafenstadt herrschende Küstenwind machte das Unterfangen äußerst anspruchsvoll. Die Zuführung im Brunnenwasser bürgte unterdessen das Risiko, dass das Gegenmittel nicht gleichzeitig bei den Bürgerinnen und Bürgern wirkte. Denn nicht jeder bezog sein Wasser auch täglich von den hiesigen Brunnen.

    So schlug Feuermagier Kalthar die Säuberung des Hafenviertels vor. Soldaten des Ordens sollten den Widerstand der dortigen Bewohner brechen und offensichtlich unter dem Einfluss stehende Menschen von den restlichen isolieren. So ließe sich die Anzahl derer bestimmen, die tatsächlich unter dem Einfluss der roten Droge standen. Etwaige aber sehr unwahrscheinliche Nebenwirkungen oder Komplikationen des Heilungsprozesses dokumentiert und entgegengewirkt werden.

    Wie zu erwarten war, hielten die anderen Feuermagier das gewaltsame Eingreifen der Ordenskrieger für weniger hilfreich. Es war zwar zweifelsohne die effektivste Methode. Doch gerade im Hafenviertel hatte sich erheblicher Widerstand gegen den Orden gebildet, der nicht nur alleine auf das rote Sumpfkraut zurückzuführen war. Durch den Einsatz der Soldaten hätte man den Bewohnern des Hafens und möglicherweise auch allen anderen Bewohnern der Stadt neue Angriffsfläche geboten.

    "Ich finde den Vorschlag der obersten Feuermagierin gut, das Gegenmittel über das Trinkwasser zu verteilen. Der Heilungsprozess dauert zwar einige Tage länger aber er bedarf keiner Gewalt unserer Ordenskrieger." sagte Isgaroth. Einige der Feuermagier nickten zustimmend, doch Kalthar verschränkte die Arme und schüttelte mit dem Kopf: "Wie immer, Isgaroth, denkt Ihr zu kurzweilig. Wir alle wissen, dass der Widerstand gegen den Orden nicht das Resultat des roten Sumpfkrautes ist. Er hat ihn allenfalls verstärkt. Indem wir den Einfluss der Droge brechen, haben wir den Aufstand noch lange nicht gebrochen. Der Einsatz unserer Soldaten ist unausweichlich."

    Bei dem Gedanken, die Ordenskrieger gegen die eigene Bevölkerung einzusetzen, lief einigen Magiern der Schauer über den Rücken. Ventros zuckte besonders zusammen, erinnerte er sich doch an die bestialische Tötung eines einfachen Mannes durch die Hand eines Paladins. "Was ist, wenn die Bewohner des Hafens bewaffnet sind und sich den Soldaten entgegenstellen? Sollen wir die Gläubigen unserer Kirche einfach töten lassen?" fragte Ventros verunsichert. Feuermagier Kalthar zuckte hingegen mit den Schultern und erwiderte: "Diejenigen, die sich gegen Feuermagier stellen, glauben nicht an Innos."

    Die Aussage des hochgewachsenen Magiers war provokant. "Sind Menschen, die nicht an Innos glauben, weniger wert als solche, die es tun?" fragte Isgaroth. Feuermagier Kalthar lachte auf und antwortete: "Erinnert Ihr Euch an Stewark? Erinnert Ihr Euch daran, dass der Orden im Namen seines Herrn dutzende Männer und Frauen töten ließ?" Isgaroth tobte: "Es waren Beliaranhänger!" Wieder lachte Feuermagier Kalthar auf: "Seht Ihr... Ihr habt Eure Antwort."

    Maximus
    Last edited by Maximus; 03.02.2018 at 18:58.

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    Das Tempelviertel, Schlafkammern der Adlaten

    Der schmalgebaute Adlat ruhte sich aus. Die Suche nach den seltenen Ingredienzien und insbesondere nach dem wertvollen Kronstöckel war anstrengend gewesen. Der Novizenmeister hatte auf Geheiß der Feuermagier dafür gesorgt, dass diejenigen Adlaten und Novizen, die bei der Suche beteiligt waren, zwei Tage von jedweden anderen Verpflichtungen befreit waren. Es war einer der seltenen Gelegenheiten für die Glaubensbrüder und -schwestern, sich anderen Beschäftigungen zu widmen, als der täglichen Arbeit für die Gemeinschaft.

    Doch es war selbstredend, dass man keinen der Adlaten und Novizen in den hiesigen Gasthäusern fand. Denn auch in ihrer wenigen Freizeit standen sie unter strenger Beobachtung. So wurden die freien Stunden also doch wieder dafür genutzt, um den Kräutergarten des Tempelviertels zu pflegen, ein Buch aus der großen Bibliothek zu lesen oder die Kampftechniken mit dem Stab zu trainieren.

    So wollte auch Thelyron nicht länger im Bett liegen, sondern sich stattdessen in der Bibliothek ein Buch über Heilkräuter suchen, welches ihm der Novizenmeister empfohlen hatte. Gerade als der schmalgebaute Adlat die Schlafkammer verlassen hatte, ertönte eine nur allzu vertraute Stimme: "Hey, Thelyron! Endlich aufgestanden!?" Es war Lucan, der gerade die Wege im Tempelviertel fegte. "Ja ja... und du hast wieder eine Strafarbeit bekommen?" fragte Thelyron. Lucan hingegen lachte verlegen und erwiderte: "Tja ja also... na ja... sagen wir mal so: Ich fege gerne die Straße."

    Thelyron seufzte ob der Unbelehrbarkeit seines Glaubensbruders. Er wünschte ihm noch viel Erfolg und machte sich auf den Weg zur Bibliothek.

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    Am Eingang zum Hafenviertel

    Verärgert stand Hierodius Lex am Eingang zum Hafenviertel. Die Aufforderung des Feuermagiers war unmissverständlich. Die Ermittlungen gegen den arroganten Grafen und seiner gewaltbereiten Leibwache waren zu unterlassen. Der Tod eines Mannes sollte also ignoriert werden. Es waren solche undurchsichtigen Entscheidungen der Feuermagier, die nicht nur dem breitgebauten Soldaten missfielen. Er schaute auf das Hafenviertel der Stadt. Der Keimzelle des Widerstandes. Dort, wo Männer und Frauen gegen den Orden aufbegehrten. Sich den Kriegern entschlossen entgegenstellten und sogar die Erwählten Innos' angriffen. Hierodius Lex missbilligte dieses Verhalten. Aber er konnte inzwischen nachvollziehen, wie sich der Widerstand entwickeln konnte.

    Der breitgebaute Soldat kannte die Geschichte des Reiches nicht. Er wusste nicht, aus welchem Zweck der Orden erschaffen wurde und welche Ziele er verfolgte. Hierodius Lex glaubte aber daran, dass der Orden einst dafür gegründet wurde, um die Worte Innos' in die Welt hinaus zu tragen. Um den Menschen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Um sie vor Gefahren zu schützen und um sie an den Erfahrungen der Feuermagier teilhaben zu lassen.

    Doch Hierodius Lex kannte nur den Teil des Orden, der auf der kleinen subtropischen Insel herrschte. Eine kleine Gruppe von Feuermagiern, die scheinbar auch ihren eigenen Interessen nachgingen. Die die einfachen Bürger der Stadt vergaßen, indem sie opulente Feste zu ihren eigenen Ehren feierten. Feuermagier, die sich über jedwedes Gesetz stellten und die Arbeit der Stadtwache ignorierten, gar behinderten. Es war der Teil des Ordens, der einen gewaltigen und kostenintensiven Verwaltungsapparat erschuf, der in der großen Zitadelle über die gesamte Stadt wachte. Der immer höhere Steuerzahlungen veranlasste aber die Versorgung der Stadt nur noch unter großen Anstrengungen sicherstellen konnte.

    Hierodius Lex war ein Mann des Gesetzes. Er war gehorsam und führte einen jeden Befehl aus, statt ihn in Frage zu stellen. Und doch begann auch er, immer wieder an den Worten der Feuermagier zu zweifeln. Das Hafenviertel versank allmählich im Chaos und doch blieben die Erwählten Innos' scheinbar untätig. Stattdessen suchte einer von ihnen die Bastion auf, um einen Grafen zu schützen, der wenige Stunden zuvor einen Mann auf offener Straße töten ließ.

    Der Weibel schüttelte mit dem Kopf. Er musste seine Gedanken von Zweifeln befreien. Der Feuermagier hatte einen eindeutigen Befehl erteilt. Es galt den Befehl - so undurchsichtig er auch gewesen sein mag - ohne zu zögern auszuführen. Hierodius Lex würde den Tod des Bürgers auf dem Marktplatz der Stadt ignorieren und stattdessen den Eingang zum Hafenviertel bewachen.
    Last edited by Hierodius Lex; 03.02.2018 at 17:56.

  18. View Forum Posts #58 Reply With Quote
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    »Oh, ganz gewiss. Auch wenn manch einer diese Tatsache gerne ignoriert, wohnt natürlich jedem Menschen Innos' göttlicher Funke inne. Das erst schuf wahrhaftiges Leben. Insofern hast du Recht, Vicktar. Mit dem Zauber kannst du das innere Feuer eines Menschen schüren. Es versteht sich von selbst, dass darauf jeder anders reagiert. Ein verderbter Geist wie beispielsweise der eines Schwarzmagiers wird versuchen sich dagegen zu wehren. Die Furcht vor dem Zorn Beliars wirkt in ihm dem Zauber entgegen. Völlig anders wiederum ist es bei einem Paladin. Sie erfahren nicht zwangsläufig Ehrfurcht, sondern erkennen darin vielmehr die göttliche Wahrheit. Wie ein leitendes Licht in vollkommener Dunkelheit. Doch ganz gleich auf wen der Zauber letztlich abzielt: er ist eine Manifestation deines eigenen Glaubens. Das ist etwas völlig anders, als wenn sich Innos demjenigen höchst selbst offenbart. Erwarte deshalb nicht, mit diesem Zauberspruch zu bekehren. Sonst müssten wir wohl kaum Predigten und Messen halten. Doch keine Sorge. Der Ehrfurchtszauber ist ein sehr mächtiges Werkzeug in den Händen eines überzeugten Gläubigen. Ich würde sogar soweit gehen, zu sagen, dass er eine weise Wahl ist. Soviel Zerstörung unsere Magie auch zu bringen in der Lage ist, dürfen wir niemals vergessen, dass Tod und Vernichtung Werkzeuge des Feindes sind. Wahrheit und Überzeugung sind unsere.«
    Last edited by Françoise; 05.02.2018 at 15:56.

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    "Was ist mit dem Kerl? Ist er krank?", der Torwächter sprang fast zurück, als er die ungesunde Blässe des Verwundeten sah, "Pest, verflucht?"
    Die anderen Wachen wurden ebenso unruhig, einer blickte unschlüssig zur Wachstube hin und schien wohl zu überlegen, ob er den Wachhabenden rufen sollte. Zum Glück eines bestimmten Hehlers und Bankiers tat er es nicht. Damien räusperte sich und blickte auf den Mann in dem Karren hinab.
    "Ja, krank. Wurde von irgendeinem dreckigen Gossenschläger angestochen und hat kräftig geblutet", erklärte er und setzte eine finstere Miene auf, "so'n Abschaum aus'm Hafenviertel war das. Habe 'nen Feldscher drüberschauen lassen, aber der hat mich ausgenommen wie einen Idioten und wenig zur Genesung beigetragen. Da der gute Mick hier" - er deutete mit dem Daumen auf den bewusstlosen Weyland - "aus Stewark kommt und da ein, zwei gute Heiler leben, bringe ich ihn dort hin. So Innos will, packt er es."
    Die Wachen nickten finster. Weyland sah zwar nicht wie der freundliche Nachbar von Nebenan aus, wirkte aber wie ein einfacher, bodenständiger Kerl, ein Mann des Volkes wie die Soldaten am Tor. Damien machte auf sie ebenso einen ordentlichen Eindruck, weswegen der Torwächter, der sich vor der Pest fürchtete, langsam nickte.
    "Dann sei Innos' Glück mit euch", sprach er und klopfte an die Seitenwand des Karren, "Passt auf euch auf."
    Damit fuhr der Karren los, das Pferd, welches Damien einem Händler abgeschwatzt hatte, trottete voran. Auf der Ladefläche regte sich Weyland, der schwach war, aber nicht wie gespielt bewusstlos.
    "Du Arsch", versuchte er zu knurren, "Wo bringst du mich hin? Stewark? Aufs nächste Schiff zur Krähe ..."
    "Halt den Rand, Idiot.", zischte Damien, "Ich rette dir gerade den wertlosen Pelz."
    "Ich würde ja niederknien ..."
    "Fresse!"

    Der Wagen rumpelte über die Straße, durchs Dorf vor Thorniara und Richtung Bluttal. Südwestlich erhob sich das Gebirge wie dräuende Finsternis.
    "Damien ..."
    "Ja?", fragte der Bankier, "Was?"
    "Warum hast du mich gerettet?" Hättest mich verbluten lassen können. Dieser Hurensohn ..."
    "Vorsichtig, Weyland. Nenne Hurensohn wen du willst, aber nicht Isegrim. Der ist in Ordnung. Und, ganz ehrlich, er hat seine Gründe gehabt. Ebenso wie ich, dich zu retten. Klar, im direkten Vergleich hätte ich wohl eher zu Grim gehalten, aber da er die ... Partnerschaft beendet hat, habe ich die zweite Option gewählt." Er grinste über die Schulter. "Denn nun habe ich bei dir einen Stein im Brett." Lachen. "Bist mir 'nen Gefallen schuldig."
    Weyland sparte sich Belehrungen über Recht und Anstand, war er doch keinen Deut besser als Damien. Er seufzte nur, dankte im Stillen dem Wissen des Mannes über einfache Wundbehandlung und die Beiläufigkeit, die fehlende Genauigkeit Isegrims beim Stich.
    "Was ist dein Plan?"
    "Nach wie vor ... die Krähe."
    "Deine Bankiersfreunde unterstützen?"
    Erneutes Lachen. "Die gibt es nicht", antwortete der Schurke, "Ich arbeite alleine, bin mir selber ... und zeitweiligen Partnern Rechenschaft schuldig. Das zwischen mir und der Krähe, mein guter Weyland, ist was sehr Persönliches."
    Nun lachte der Schmuggler schwach. "Hat er dir deinen Honigkuchen geklaut?", scherzte er.
    "Nein, er ließ mich von zwei Schwachköpfen vergiften. Ich hatte Glück ... gerettet zu werden. Danach hielt ich mich bedeckt, arbeitete nun aber darauf hin, dieser Ratte, die Krähenflügel hat, alles heimzuzahlen. Und mir zu holen, was mir zusteht."
    Aber Wey hörte gar nicht mehr zu, war er doch wieder bewusstlos geworden.

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    Vicktar is offline

    Zitadelle

    Als Françoise über Möglichkeiten und Grenzen des Zaubers sprach, erkannte Vicktar eine ganz andere mögliche Anwendung, die ihm äußerst gut gefiel: wenn die Magie der Ehrfurcht den Glauben einer Person offenlegte, war sie ein ausgezeichnetes Mittel, um die schwarzen Schafe in einer Herde aufzudecken. Die, deren Glaube verkommen war und sich der Dunkelheit zuwandte - die, deren Seelen nicht mehr zu retten waren - würden ihre wahre Natur im Angesicht dieses Zaubers offenbaren und würden ihrer gerechten Strafe zugeführt werden können. Der Feuermagier sah viel Potenzial darin, die Gemeinschaft dieser Stadt zukünftig auf diese Weise zu reinigen.
    "Diese Art von Magie ist auch weitaus interessanter, wie ich finde. Unsere hauptsächliche Arbeit findet schließlich innerhalb der Gemeinschaft statt. Wie viel hilft da schon ein Feuerball oder Kugelblitz?"
    Unter Umständen eine ganze Menge - wenn man sich sicher war, dass man damit auf einen Diener Beliars zielte. Doch Vicktar beließ es dabei, sich diese Anmerkung nur zu denken.

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