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    Schwertmeister Redlef's Avatar
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    Mar 2013
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    Die Gilde Innos' im Forenrollenspiel
    Redlef is offline
    Redlef grüßte die wachhabenden Soldaten am Tor mit einem knappen Nicken, als er mit Olivia an seiner Seite hindurchschritt. Sie erwiderten es kurz.
    Nach wie vor hatte er kein gutes Gefühl bei der ganzen Sache. Sicherlich lag Innos‘ strenger Blick auf ihm, doch konnte er auch mit dem Schutz des Herren rechnen? Den würde er dringen nötig haben. Da war sich Redlef sicher, als sie das Tor der Stadt durchschritten hatten und sich nun auf der schlammigen Straße wiederfanden, die in sanften Bögen abschüssig in das Umland Thorniaras führte. In der Ferne waren einige Höfe zu sehen. Inzwischen stiegen auch wieder feine Rauchfahnen aus ihren Schornsteinen auf. Redef erinnerte sich nur zu gut daran, wie er in einer stürmischen Nacht an der Seite Aarons die Bauern versucht hatte zur Vernunft zu bringen. Die Echsen streunten durch das Land und dennoch hatten sich die Bauern geweigert ihre Höfe zu verlassen. Der Protest eskalierte und ein junger Bursche fiel unter seiner Klinge. Redlefs Blick schweifte zu dem Schwert an seinem Gürtel.
    Es war richtig gewesen, die Bauern zur Ordnung zu rufen und sie von den Höfen zu evakuieren, bis heute war dies Reds Überzeugung, doch dass es dabei zu Toten gekommen war, hätte vermieden werden sollen. Diese Männer hatten lediglich das verteidigt, was ihnen alles bedeutete. Nun da er selbst kurz davor stand all sein Habe zu verlieren, konnte er ihren Zorn nachvollziehen.

    »Was steht Ihr da rum? Könnt Ihr jetzt schon nicht weiter?«
    Olivias krächzende Stimme holte ihn aus den alten Erinnerungen zurück. Was geschehen war, war geschehen. Ein schlechtes Gewissen und ein schwermütiger Geist konnten daran nun auch nichts mehr ändern. Wie so oft schon, wischte er seine Zweifel zur Seite, griff die Zügel fester.
    »Wenn Ihr dieses Kastell erreichen wollt, rate ich Euch, nicht davonzulaufen. Ihr, zerfetzt von wilden Tieren, Echsen, Orks oder was auch immer in diesen Wäldern noch lauern mag, käme mir zwar ganz recht, doch brächte es meine Mission nicht zu einem erfolgreichen Abschluss.« Red zog seinen Hengst an den Zügeln vorwärts. Das Pferd widmete seine Aufmerksamkeit vorrangig der Umgebung, den Vögel, Büschen und Geistern die er darin sah, nicht aber seinem Herren, der zunehmend verärgert darüber war. Da kam ihn dieses dreiste Mädchen gerade Recht, seinen Frust an ihr auszulassen. »Haltet die Schnauze und bleibt hinter mir, da muss ich Euren knochigen Arsch nicht sehen!«
    Seine geblafften Worte erzielten jedoch nicht die gewünschte Wirkung. Das Gör stemmte Ihre Hände in die Hüfte und kam mit energisch-großen Schritten zu ihm herüber. Sie baute sich vor ihm auf und funkelte ihn an. Nach wie vor, war ihr magerer, dreckiger Körper in den abgerissenen Lumpen, in denen er steckte, keineswegs beeindruckend. Das sie dabei nicht viel größer war als ein Schweineeimer, gab dem ganzen Schauspiel eine zusätzlich komische Komponente. Er lächelte herablassend zu ihr herunter. Doch Olivia ließ sich nicht beirren.
    »Hör zu du aufgeblasener Hund! Ich habe nicht darum gebeten, dass du mir hinterher dackelst. Von mir aus verschwinde, kriech zurück in deine beschissene Burg.« Ihr Finger zeigte wüten in Richtung Thoniaras, doch Redlef verzichtete darauf sie zu berichtigen. Weder gab es dort eine Burg, noch war es die seine.
    »Ich habe weder Lust auf dich, noch deine beschissene Laune. Du stinkst nach Suff und ich wage ehrlich zu bezweifeln, dass auch nur die kleinste Zauneidechse sich von dir in deinem Zustand in die Flucht schlagen ließe!«, wetterte das Gör weiter.
    Eigentlich hätten ihre Worte an ihm abprallen sollen, wusste er doch, wozu er nach wie vor im Stande war und dass die Meinung einer verwirrten Beliarsanhängein keinerlei Bedeutung hatte, dennoch konnte er ihr Gezeter nicht unkommentiert stehen lassen.
    Schweigend ließ er die Zügel los und warf das Ende über die Vorderzwiesel des Sattels, dann gab er seinem Pferd einen leichten Schlag vor die Brust, sodass der es stehen blieb und machten ruhig ein paar Schritte auf Olivia zu. Diese erkannte seine Absichten zu spät und gerade als sie zu fliehen versuchte, stürzte er vor, griff fest ihre Schulter, wirbelte sie herum, gab ihr einen Tritt in die Kniekehle und zog gleichzeitig das Gardeschwert. Als sie im Dreck mit ihren Kienen aufschlug legte sich der kalte Stahl an ihren dürren Hals.
    Die Geste reichte aus um sie zum Verstummen zu bringen. Redlef erhöhte den Druck seiner Klinge gegen ihren Hals und beugte sich dann vorsichtig von Hinten über ihre Schulter an ihr Ohr. »Ich werde Euch in dieses verfluchte Kastell bringen, ob es Euch passt oder nicht. Bis dahin habt Ihr die Wahl mir mit Höflichkeit, Anstand und Gehorsam entgegen zu kommen, oder den Rest der Strecke als Paket verschnürt auf dem Sattel zu liegen. Vierstanden?«
    Olivia nickte leicht. Das Schwert auf ihrer Haut hielt sie von einer ausschweifenderen Antwort ab.
    »Und noch etwas«, er drehte die Klinge an ihrem Hals leicht aufwärts und spürte den Widerstand ihrer Haut. Ein ängstliches Aufkeuchen verriet ihm, dass die Geste nicht ihre Wirkung verfehlte. »Ihr werdet weder versuchen Wegzulaufen, noch mir in die Quere zu kommen oder andere Dummheiten anstellen. Denn solltet ihr so etwas versuchen, erlischt mein Auftrag und ich werde Euch jagen. Ohne Eure Magie habt ihr einem berittenen Kämpfer nichts entgegen zu setzten und wenn ich Euch dann finde, werde ich so lange über Euch hinwegreiten, bis nichts mehr übrig ist, als eine schleimige Pfütze, die langsam im Dreck der Straße versichert!«
    Er nahm die Klinge fort und stieß das Mädchen nach vorn. Sie landete auf ihren Händen, an ihrem Hals war ein dünnes Rinnsal Blut zu erkennen. Doch daran zeigte er keinerlei Interesse. Das Schwert wischte er kurz an ihrem Rockzipfel ab, den er sich griff, bevor sie wieder aufstehen konnte und steckte es dann zurück in die Scheide. Ohne sie eines weiteren Blickes zu würdigen, griff er erneut nach den Zügeln seines Pferdes und setzte seinen Weg fort. Nun musste die Zeit zeigen, ob seine Botschaft bei ihr angekommen war. Fürs erste schien er sich verständlich ausgedrückt zu haben, denn neben dem Knirschen des Bodens unter den Pferdehufen, war auch das leichte Geräusch barer Füße hinter ihm zu vernehmen.
    Last edited by Redlef; 03.05.2019 at 00:49.

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    Waldläufer Riannon's Avatar
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    Riannon is offline
    "Nun denn, kleine Ria", Rubin war wieder das lächelnde, hübsche Kerlchen von einem Mann, die linke Hand locker auf dem Schwertknauf abgelegt und die rechte ausgestreckt zum Abschied. Die Frau lachte nur trocken auf, besah ihn sich von oben bis unten und spuckte ganz undamenhaft aus.
    "Kleine Ria? Ich bin wahrscheinlich fünfzehn Jahre älter als du, Rubin. Also spar dir dein gönnerhaftes Getue, deinen Charme eines kleinen Buben und die Haltung eines Berufsmörders", antwortete sie hart, "Damit machst du mir keine Angst und Eindruck schindest du damit vielleicht bei einer toten Ratte im Hafenwasser. Husch husch, kleiner Rubi, zurück aufs Schiff. Ebenholz kann's sicher nicht erwarten, dich wieder zu sehen."
    Die Maske erzitterte, brach aber nicht. Rubin lächelte nur süffisant.
    "Erinnere dich an meine Warnung."
    "Erinnere du dich an mein Versprechen, mein Junge.", sie lächelte nicht, ihr Blick war Eis, "Ich werde das Letzte sein, was du siehst. Und weißt du was: Richte Ebenholz dasselbe aus. Ihm, der Krähe, diesen ganzen aus dem Rinnstein saufenden Ungeziefern vom Festland, die meinen, sie wären mächtig, sie wären Könige und Fürsten. Ich kriege euch."
    Nun lachte Rubin auf, gehässig, wenngleich etwas zu aufgesetzt, zu bemüht. "Wahnsinnige. Das dich der Beliar holt."
    Ria wandte sich nur um, hob den rechten Arm und spreizte den Mittelfinger ab und wedelte lässig damit. Ein Fluch, dann hörte sie nur das Stapfen der Schritte auf der Planke. Nachdem sie einige Meter gemacht hatte, atmete die Frau durch, sog das Aroma des Hafens ein. Brackiges Wasser, Moder, Salz. Aber auch Freiheit, das Gefühl eines Neuanfangs, einer zweiten Chance. Ihr Blick ging über die Dächer der Lagerhäuser, hin zum Tempel Innos'.
    Torrez, ich habe dir ein Versprechen gegeben, ich will dafür sorgen, das dein Name rein gewaschen wird. Du, der du für deinen König und deinen Gott standest, bist das Opfer übler Verschwörer geworden, solcher widerwärtiger Kreaturen wie Ebenholz, die einfache Menschen bewegen wie Schachfiguren. Nein, lieber, alter Torrez, ich werde Meister Fuare aufsuchen und ihm deine Geschichte erzählen.
    Sie lächelte zufrieden, als sie auch an die anderen Gestalten dachte, die sie hier kannte. Gaston mit seinem Anwesen, dieser seltsame Kauz. Ordos, der Bettler, dem sie das gleiche Ende bereiten würde wie Garn, die Weiberbande des Hafenviertels. Oh, die Jahre auf dem Festland hatten ihr doch etwas gezeigt: Rache wird kalt serviert.

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    Waldläufer Riannon's Avatar
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    Riannon is offline
    Die Nacht hatte Riannon in der Marktschenke verbracht, war froh gewesen, endlich wieder ein warmes Bett an Land ihr Eigen nennen zu können, dazu Fleisch vom Spieß und einen vollmundigen Wein. Auf hoher See, aber auch im Anwesen von Ebenholz hatte es eher karge Mahlzeiten gegeben, genug um satt zu werden, aber eben nicht lecker genug, um nach dem Verspeisen auch zufrieden zu sein. Hier sah das anders aus und Ria musste zugeben, dass sich die Schenke in den Jahren gemacht hatte. Die Schankmägde waren flink und pfiffig, der Wirt ein Organisationstalent und der Koch ein Meister seines Faches. Zum Glück hatte Ebenholz ihr zwei Säckel mitgegeben. Eines mit einer stattlichen Summe Gold und eines, kleiner als das andere, in dem sich einige Edelsteine befanden, deren Wert noch geschätzt werden musste. So sehr man den Mann auch hassen konnte, eine anständige Bezahlung verteilte er.

    Beim Mittag fiel Riannon ein junger Schreiber auf, ein blasses Bürschchen mit Tintenflecken an den Fingern. Er aß eine karge Mahlzeit (so karg wie sein Gehalt) und trank mit Wasser versetzten Wein. Sie setzte sich an seinen Tisch, wartete bis er mit dem Gestammel fertig war und sprach dann frei heraus.
    "Arbeitest du im Tempelviertel?", fragte sie, "Mit den Feuermagiern?"
    "Ja, äh, Fräulein."
    "Fräulein bin ich ganz sicher nicht mehr. Frau Riannon, wenn's recht ist. Kennst du einen Meister Fuare?"
    Der Schreiber überlegte einen Moment, dann nickte er langsam. "Wie der Zufall so will, Fräu ... äh ... Frau Riannon, lässt uns ebenjener Meister Fuare, ein Hoher Magier des Ordens, im Auftrag des Bibliothekars einige Schriften vervielfältigen." Er rieb sich das Kinn, verteilte Tinte. "Sehr seltsame Idee. Er begründete dies damit, dass ja jeder Bürger des Reiches ein Anrecht auf Wissen habe und das die Werke der Bibliothek, zumindest die ungefährlichen, allen Reichsbürgern offen stehen sollten."
    Riannon nickte hastig, vielleicht etwas zu uninteressiert. Der Schreiber schnaubte, da er bemerkte, dass die Frau ihr Interesse verloren hatte, nachdem sie nun einen Namen besaß und auch die Bestätigung, dass eine Person, die ihn trug, auch im Tempelviertel arbeitete.
    "Wirt!", rief sie, als sie sich erhob, "Ein Glas von deinem besten Wein für den jungen Mann hier."
    Sie zwinkerte dem Burschen zu und verschwand. In ihrer Tasche trug sie die beiden Dinge, die sie Meister Fuare vorzeigen würde. Das Tagebuch des alten Feuermagiers namens Torrez und dessen Wappen des Feuers.

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    Krieger Die Feuermagier's Avatar
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    Apr 2004
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    Die Gilde Innos' im Forenrollenspiel
    Die Feuermagier is offline

    Meister Fuare, Bibliothek des Tempelviertels

    "Meister Fuare?"
    Der greise Feuermagier schreckte aus dem Halbschlaf auf, blickte sich um, kniff die Augen zusammen, um etwas oder jemanden erkennen zu können. Ihm gegenüber standen zwei Personen, ein junger Mann in der Tracht der Novizen und eine Frau mittleren Alters, die jedoch respektvoll da stand und ihm ein ehrliches, erfreutes Lächeln schenkte. Der Hohe Feuermagier hustete, räusperte sich und setzte sich auf, strich die Robe mit zitternden Händen glatt und nickte dann dem Novizen zu.
    "Meister Fuare, dies hier ist Frau Riannon, eine Bürgerin die Euch etwas überbringen möchte.", erklärte der Diener des Ordens, wobei er nicht wirklich überzeugt, ja eher noch misstrauisch klang. "Zwei Objekte, die einem Feuermagier gehört haben, den Ihr angeblich in früheren Tagen kanntet ..."
    Der Magier schnaubte belustigt. "Nun gut, Novize. Danke dir. Und Ihr, Frau Riannon, tretet vor und zeigt mir, was Ihr da habt."
    Die Frau nickte, nachdem der Novize verschwunden war, und trat vor. Aus ihrer Tasche kramte sie ein altes, zerfleddertes Buch, welches sie Fuare reichte. Der befühlte es mit seinen blassen, langen und dünnen Fingern. Der Tribut des Alters. Früher war er Schriftgelehrter gewesen, hatte die Feder wie ein Waffenmeister sein Schwert zu führen gewusst, aber nun, das Alter forderte alles ein. Er hielt sich das Buch nahe vor die Augen, die kurzsichtig geworden waren. Arrio Torrez, stand dort geschrieben. Und mit einem Mal war Fuare nicht mehr der alte, fast hundert Lenzen zählende Greis sondern ein junger Erwählter, frisch ernannt von Innos' Gnaden zum Feuermagier. Er erinnerte sich an seinen Bruder. Torrez, sein zwei Jahre älterer Bruder, im Orden wie auch vom Blute her.
    "Was ... was ... bringt Ihr mir da, Riannon?", fragte er heiser. Er blickte auf und sah Tränen in ihren Augen.
    "Meister Torrez gab mir dieses Buch und sein Wappen mit, um es Euch zu überreichen, Meister Fuare."
    "Mein Bruder ... ist bei der Rebellion gestorben. Lord Tronters Berater konnten seinen Verrat nachweisen, er wollte ... er wollte uns den Setarrifern ausliefern, damals ..."
    Die Frau fuhr sich mit dem Ärmel über die Augen, räusperte sich. "Arrio Torrez wurde das Opfer der Machenschaften der Hofschranzen von Lord Tronter. Einige ... Magier zogen setarrifisches Gold dem myrtanischen vor. Ihm wurden die Finger gebrochen und er musste fliehen. Vor ... vor drei Jahren, etwa, traf ich ihn im Bluttal. Er lebt dort."
    Ein plötzliches Schluchzen entrang sich Fuares Kehle. Tränen füllten seine trüben Augen.
    "Dort lebt niemand mehr. Vor einem Jahr, nachdem der Drache bezwungen worden war, hat eine Horde der Orks das ganze Lager niedergebrannt. Dort leben nur noch Geister."
    Riannon schluckte, senkte den Kopf. Ihr fehlten die Worte. Nach einigen Augenblicken zog sie das Wappen hervor, reichte es dem alten Mann, der das Tagebuch aufgeschlagen weglegte. Mit zitternden Händen nahm er das hölzerne Wappen entgegen, befingerte es liebevoll, ehe er es umdrehte. Seine Augen fanden die Einkerbung. A auf der linken Seite, F auf der rechten Seite des Wappens.
    "Arrio, mein lieber Bruder ...", flüsterte er trauernd. Er hob das Wappen, führte es zur Stirn und spürte das harte, splittrige Holz. Bilder fluteten seinen Geist. Zwei Jünglinge, die im Sand von Braga spielten, zu einer Zeit da es noch gar kein Königreich gab. Der Kreis des Feuers, der Anwärter suchte. Die Studien unter dem legendären Barthos von Laran, dessen Vorträge sie in und auswendig lernen mussten. Die Kriege im Namen Innos' und Rhobars des Ersten. Argaan an der Seite von Lord Dominique, dem größten Paladin, der jemals gelebt hatte. Dann der Fall Argaans an den Rebellenkönig und die Nachricht von Arrios Verrat und seinem Tod.
    "Ich ... ich danke dir, liebe Riannon.", sprach er dann, nachdem die Bilderflut schwand, "Vielen Dank, von ganzem Herzen. Ich werde dafür sorgen, dass sein Name reingewaschen wird. Und ... auch dir schulde ich etwas. Was möchtest du?"
    Ria wischte sich die letzten Tränen aus den Augen, hob stolz und ehrgeizig den Kopf.
    "Ich will das Rot anlegen. Ich will eine Magierin werden. Das ist meine Bestimmung, das ist der Weg, der mir von Beginn an aufgezeigt wurde. Und dafür, Meister Fuare, brauche ich einen Fürsprecher, einen Mentor. Euch."
    Der alte Hochmagier sah das Lodern in ihren Augen, dann nickte er. "Wenn du vor Meister Parlan trittst und um die Aufnahme bittest, mit dir ein Schaf und eintausend Münzen führst, soll meine Stimme gehört werden. Das schwöre ich bei Innos."


    Isegrim

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    Waldläufer Riannon's Avatar
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    Riannon is offline

    Hafenviertel

    "Nun sieh mal einer an, was die Gezeiten da vor meine Tür gespült haben. Wenn das nicht die Kleine ist."
    Die alternde Frau hatte wenig Ansprechendes an sich. Sie war muskulös, flach und mit Narben übersät. Ihre Augen waren hart, der Blick einer Kämpferin. Hinter ihr hörte Riannon das Lachen von Kindern und die Stimme einer beleibten Frau, die Ruhe einforderte.
    "Klein, Schlitzer, bin ich längst nicht mehr", erklärte Ria und lächelte schmal, "Darf ich reinkommen?"
    "Ich weiß nicht, darfst du?"
    "Spar dir das Geplänkel, du altes Streitross.", knurrte sie und trat an Schlitzer vorbei in das Haus im Hafenviertel, das die Bande beherbergte, einen losen Verbund älterer und jüngerer Kinder und Jugendlicher wie junger Erwachsener, alles Frauen und Mädchen, angeführt von Schlitzer - einer einstigen Assassinen im Dienste des Statthalters von Mora Sul - und Dogge, einer recht einfachen, aber emotionalen Räuberin. Die beiden waren für die Gossenkinder wie ein Paar Ersatzeltern aus einem wirren Traum.
    "Was willst du hier, Kleine?"
    "Schlitzer, ich heiße Riannon. Nicht Kleine, nicht Mädchen, nichts dergleichen. Darüber hinaus ... uns trennen vielleicht zehn, maximal fünfzehn Jahre, also behandle mich nicht als wäre ich gerade volljährig geworden, ja?"
    Die ehemalige Assassine schnaubte belustigt. "Los, gehen wir zu den anderen. Dogge hat gekocht."

    Einige der älteren Kinder erinnerten sich an Riannon. Sie begrüßten sie, umarmten sie, wollten Geschichten hören. Dogge reichte ihr nur freundschaftlich die Hand und drückte ihr in die andere eine hölzerne Schüssel mit Eintopf. Während des Essens gab sich Ria geschlagen und erzählte irgendeine Geschichte vom Festland, berichtete den Mädchen von dem Dorf namens Silden. Wo ein Barbar und sein Freund, ein Seefahrer, gelebt und Abenteuer erlebt hatten. Als der Topf leer war, die Mädchen satt und müde verschwunden waren, saßen die drei Frauen bei einem Becher Wein zusammen, der nicht ansatzweise so gut war wie jener, den Ria in der Marktschenke getrunken hatte.
    "Also, zu aller erst, Mädels", begann sie und deutete mit dem Holzbecher auf einen blanken, weißen Totenkopf, der ein Regal zierte. "Wem gehört der?"
    "Einem Bekannten von dir."
    "Oh, Schlitzer, ich bin gespannt wie ein Flitzebogen. Wer ist's?"
    "Ordos."
    Das spöttische Lächeln auf Rias Zügen verschwand. Ihr Gesicht wurde ernst. Sie nickte.
    "Danke, Schlitzer."
    "Keine Ursache. Nachdem ich hörte, was er und Garn getan hatten ... nun, das war das mindeste. Ich habe ihn leiden lassen."
    "Erneut gebührt dir mein Dank. Damit komme ich zu dem Grund meines Besuches."
    Dogge schnaubte wie der Hund dessen Namen sie trug. "Willst wieder mitmischen? Uns anführen, he? Die tolle Frau die die Welt gesehen hat ..."
    Ria wandte der kräftigen Frau das Gesicht zu. Keine Spur von Freundschaft und Kameraderie, nur der Blick eines Menschen, der sein Gegenüber nicht mal einer scharfen Erwiderung für würdig erachtete. Dann sah sie zurück zu Schlitzer.
    "Ich werde hier in Thorniara bleiben. Mein Ziel ist der Orden Innos'."
    "Hört, hört ..."
    "Ruhe. Lass mich fortfahren. Ich werde Magierin. Und dann, liebe Schlitzer, liebe Dogge, werde ich meine Macht und meinen Einfluss nutzen um Rache zu nehmen. Ordos habt ihr mir abgenommen, den hätte ich wahrscheinlich in den nächsten Tagen erwischt. Aber es gibt auf dem Festland mehr als einen Mann, der den Tod verdient hat." Sie lächelte wölfisch. "Wie ihr wisst, komme ich nicht von hier. Ich weiß gar nicht woher ich komme. Nur, dass Magie meine Geschichte umschwirrt wie Motten eine Laterne. Vieles in diesen Landen, egal ob Argaan oder Myrtana, kannte ich nicht. Aber ich habe es kennen gelernt. Und habe das Böse in Menschen gesehen, in Menschen die andere ausbeuten, sie ausnutzen. Die mit Seelen wie mit Spielsteinen würfeln." Ihr Gesicht wurde eiskalt wie der tote Wind des Nordens. "Ich werde diese bösen Menschen ausmerzen. Egal wo, egal wie. Und hier komme ich zu euch: Schwört mir, dass ihr nur noch beim Diebeshandwerk bleiben werdet. Keine Meuchelmorde, nichts was eure Seelen befleckt. Tut ihr es doch, liebe Freundinnen, werde ich diese Bande in Flammen aufgehen lassen. Verstanden?"
    Sie erhob sich, wartete nicht auf die Antwort der beiden Frauen. Ria wusste ganz klar, dass sie derart gewagt würfelte, das es schon teuflisch war, aber auf Schlitzer und Dogge würde alles fußen. Ihr Ruf, den sie sich erarbeiten würde.
    Ria trank den Becher leer, stellte ihn umgedreht zurück auf den Beitisch und ging einfach.

  6. View Forum Posts #266 Reply With Quote
    Schwertmeister Edon Mesotes's Avatar
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    Im Mäander des illustren Irrsinns
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    Edon Mesotes is offline

    Am Stadttor

    Edon untersuchte das Anschlagsbrett nach neuen Steckbriefen. Viele davon waren alte Klassiker, an die sich längst kein Kopfgeldjäger mehr herantraute, andere waren die gleichen langweiligen Aufträge, die jeder Halbtalentierte mit einem schartigen Säbel und zehn Schritt Hanfseil erledigen konnte; nichts, womit man sich einen Namen machte. Er blätterte zwischen einigen Steckbriefen hin und her und überlegte, ob ihm die Myrtaner vielleicht eine Rothaarige mit zwei teuer aussehenden Scimitaren als Redsonja abkaufen würden. Wahrscheinlich nicht ...
    Er ging die Liste von Zetteln noch einmal durch und stieß auf einen, der verheißend klang.
    Lardo von Setarrif
    Gesucht wegen Hochverrat, Raubmord, Brandstiftung, Eidbruch und Ketzerei
    Letzter bekannter Aufenthalt Stewark
    Kopfgeld 800 Goldstücke, tot oder lebendig

    Der Glücksritter kratzte sich noch nachdenklich am Kinn, dann riss er den Zettel ab und steckte ihn in eine Tasche. Das war etwas, das ihn ganz nach vorne bringen könnte. Einen Flüchtigen finden, ergreifen, ihn aus Stewark herausschmuggeln und nach Thorniara vors Scharfgericht schleifen. Das erforderte sorgfältige Planung, Fingerspitzengefühl und ein paar Gefallen von seinen Kontakten bei den Argaanern. Ein Kunststück, das ihm so schnell keiner nachmachen würde.
    Edon lächelte leicht schief und schlenderte zurück zur Hafenkneipe. Da kam ein ganzer Brocken Arbeit auf ihn zu. Nicht zuletzt musste er seinen Freunden irgendwie beibringen, dass sie einen Bürger Argaans aus Stewark herausschaffen mussten, damit ihn die Myrtaner hinrichten konnten.
    Hoffentlich zahlte sich diese Aktion am Ende auch aus ...

  7. View Forum Posts #267 Reply With Quote
    Waldläufer Riannon's Avatar
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    Riannon is offline
    Das Anwesen im Reichenviertel lag nach wie vor verlassen da, so wie Riannon es zuletzt gesehen hatte, was jedoch auch schon wieder einige Jahre her war. Es gab nicht allzu viele Villen, die leer standen, doch die meisten Bürger der Stadt schienen Gastons Behausung zu meiden wie Katzen das Wasser. Zu gut erinnerte sich die Frau daran, wie es gewesen war, dort zu erwachen und schlicht niemanden vorzufinden. Ihr war gewesen, als hätte ihr irgendein Wesen in dem Haus Gesellschaft geleistet, gleichwohl von Gaston und seinem Diener Darian nichts mehr zu sehen gewesen war. Ein vorbei patrouillierender Soldat wurde auf ihre Blicke zu dem Gebäude aufmerksam. Er trat näher, räusperte sich. Die Tochter des Nordens wandte sich ihm zu und lächelte kurz.
    "Meine Dame, was überlegt Ihr?", fragte der Mann. Sein Blick ging nun ebenfalls zu Gastons Anwesen, "Das ist ein Geisterhaus, eine leerstehende Villa. Mehr nicht. Der Größenwahn eines Mannes, der sein Werk nicht überlebt hat. Ganz im Gegenteil."
    Die Frau hob fragend eine Braue. "Ich ... ich kenne die Geschichte nicht. Kennt Ihr sie?"
    Ein Nicken war die Antwort. "Ist wohl fast zehn Jahre her, als diese Blutnattern hier mehr oder weniger das Sagen hatten, ehe unser König Thorniara endlich wieder in sein Königreich holte. Einer der ihren war ein Psychopath, der immer wieder gehört hatte, wie der Hausbesitzer hier abfällig über diese Söldnerbande erzählt hatte. Irgendwann ... drehte die Blutnatter ab, brach eines Abends in das Haus ein und tötete den Mann in seinem Bett. Ebenso die Dienerschaft." Er lächelte betrübt. "Ging damals wahrscheinlich im allgemeinen Chaos auf der Insel unter, schätze ich."
    Ria schluckte schwer. "Wie ... wie ... hieß der Mann?", krächzte sie.
    "Die Blutnatter hieß danach nur noch der Scharlachrote, da er angeblich über und über mit Blut besudelt zu seinen Jungs zurückkehrte. Sie flohen danach und setzten sich nach Korshaan ab und wurden dort Banditen oder sowas. Ist aber vielleicht auch nur eine Gruselgeschichte."
    Ria schüttelte den Kopf. "Nicht der Mörder, sondern der Besitzer dieses Anwesens."
    "Mh, Gaston ... Daston ... irgendwas in diese Richtung. Als Kind war ich ab und an in diesen Straßen unterwegs und habe ihn gesehen. Er war auch oft am Hafen zu sehen." Der Soldat rieb sich das Kinn. "Aber man sagt, er habe wohl auch krumme Dinger gedreht und das deswegen - und wegen des angeblichen Rufmordes - der Scharlachrote ihn getötet hat." Er winkte ab. "Aber letztendlich ist das wohl nur eine städtische Legende, wie die Gruselmärchen auf dem Lande", erklärte er lachend, "Ihr wisst schon, Krokodile in der Kanalisation oder Kobolde aus Silden, die alten Mütterchen in den frisch gebackenen Apfelkuchen machen."
    Riannon nickte nur. "Danke", sagte sie nur und schritt davon. Sie wusste nicht, was sie davon halten sollte. Gaston und Darian hatten ganz offensichtlich gelebt. Sie hatten sie ja - ganz offensichtlich - gerettet und gesund gepflegt, nachdem sie im Weißaugengebirge erwacht und gefunden worden war.
    Wie dem auch sei, dachte sie grimmig, zwei Namen weniger auf der Liste. Ich sollte nun wirklich mal aufs Land hinaus und nach einem Schaf suchen. Die tausend Münzen müssten sich ja mit Ebenholz' Juwelen aufwiegen lassen.

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