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  1. View Forum Posts #41
    Archipoeta Dumak's Avatar
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    nur in der Phantasie
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    Das Königreich Argaan im Forenrollenspiel
    Dumak is offline
    »Hey, Moment mal, ich höre auch zu!«, protestierte der Barde, der sich nicht sicher war, ob er sich jetzt abfällig behandelt fühlen sollte oder doch nicht.

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    nomina nuda tenemus
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    Der Zirkel um Xardas im Forenrollenspiel
    Don-Esteban is offline
    Esteban ging gar nicht auf den Einwand Dumaks ein. Stattdessen sprach er weiter zu Hirni.
    »Oder dich etwa? Du bist selbst Schwarzmagier, nicht du wirst beeindruckt, sondern du hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck bei den Menschen da draußen außerhalb des Kastells, dort in der gewöhnlichen Welt.
    Aber ihr wollt sicher wissen, wo Nienor denn nun im Kastell zu finden ist. Hirni ist es sicher geläufig, dir vielleicht nicht, Dumak«, sprach er weiter. »Das Kastell beinhaltet viele Räume. Darunter nicht nur die allseits bekannten wie das Refektorium, den Thronsaal oder das Dampfbad. Hinter jeder der unzähligen Türen verbirgt sich ein anderer Raum mit bestimmtem Zweck. Einige davon haben wir Schwarzmagier im Laufe der Zeit erforscht. andere hat bis heute noch nie jemand geöffnet. Oder die es getan haben, hatten keine Gelegenheit mehr, von ihren Erfahrungen zu berichten. In einem der sonderbaren Räume befindet sich Nienor. In der Kammer des temporalen Nullpunkts
    Esteban wartete die fragenden Gesichter seiner beiden Begleiter gar nicht ab und begann, anders als für ihn üblich, seine Ausführungen zu erklären.
    »Diese Kammer ist ein Raum, in dem die Zeit nahe ihre Nullpunkts eingefroren wird. Wer sich in der Mitte dieses Raumes befindet, wird sich nahezu ewig dort befinden, denn in ihrem Zentrum ist die Zeit so stark verlangsamt, dass in all den Jahren, als ich sie fand, nur wenige Augenblicke vergangen sind. Ganz außen besteht keine Gefahr, jedoch je näher man dem Inneren kommt, desto zäher verläuft die Zeit. Natürlich merkt derjenige, der in ihren Bann gerät, dies nicht, für ihn scheint alles wie gewohnt abzulaufen. Nur für den Äußeren Beobachter ist alles, was dort passiert, umso stärker verlangsamt, je näher es im Mittelpunkt der Kammer ist. Natürlich betrifft das nicht Objekte an sich, sondern ihre Interaktion, also ihre Veränderung. Es handelt sich also um eine Art Integral der Zeit, durch das diese in ihrem Lauf nahe an eine Grenze gegen Null gebracht wird.
    Hilfreich für das Frischhalten von verderblichen Dingen«, warf er ein. »Vielleicht wurde sie ja auch einmal dafür benutzt. Gerade wenn ich an einige Zutaten für magische Tränke und dergleichen denke. Oder alle Zauber, die in der Zeit, bevor es damals Runen gab, die in andere Formen gebunden werden sollten und zu denen als Ingredenzien Dinge gehörten, die frisch entnommen werden mussten.
    Ein derartiger Raum macht also durchaus Sinn, wenn man es von diesem Standpunkt betrachtet. Wir werden ihn gleich erreicht haben.«
    Was der Hohepriester dort erwartete, behielt er einstweilen lieber für sich. Wozu Aufregung verursachen, wenn es keinen Anlass dafür gab?

  3. View Forum Posts #43
    Held Nicolei's Avatar
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    Nicolei is offline
    Noch immer ging Nicolei van Yunarik durch die kleine Kammer, in den tiefen der Katakomben des Kastells, auf und ab. Er war nicht verrückt, das war jedem bewusst. Selbst der kleinen Maus, die aus der aufgerissenen Schulternaht seiner Robe blickte, war durchaus klar, dass Nicolei vieles war. Aber nicht verrückt. Das hatte sie ihm selbst gesagt. Mehrmals. Schabe Peter war Zeuge und würde, wenn es wirklich darauf ankommen würde unter Eid aussagen. Die Maus, deren Name im übrigen Anna war, würde übersetzen, da nicht jeder die verschrobene Sprache der Schaben verstand. Es brauchte viel Übung die einzelnen Dialekte der Schaben zu differenzieren. Schön das Ihr fragt! Beispiele:

    Es gab das harsche und barsche Geschwätz der Kellerschaben, die stets sehr rau sprachen und haben rein gar nichts mit den Braunbandschaben gemein! Die reden meist so, als hätten sie zu viel von Bier am Kamin getrunken! Also wirklich, sie lallen mehr, als das sie reden und ihre Witze sind nun wirklich nicht sonderlich witzig, es sei denn man war genauso feierwütig wie sie selbst. Ja! Ja, dann! Dann, könnte man wirklich lachen. Wenn man auf solch derben Humor stand. War nicht jedermanns Sache. Die Witze waren oft unter der Schalenlinie. Dann gab es da noch die Baumschaben! Die meist von der Schönheit der Natur sprachen und seltsame Redewendungen hatten. Fast so wie die Waldbewohner selbst. Ob die Schaben wohl magisch veranlagt waren, wie manch ein Druide? Konnten Sie eventuell deshalb nie wirklich sterben? Denn, seien wir einmal ehrlich. Erschlug man eine, tauchte Sie gleich wieder auf! Und wenn man einen alten Ast umdrehte, sah man immer so viele Schaben, dass man nie wirklich wusste welche nun die Echte war! Denn, es weiß jedes Kind das Schaben Einzelgänger sind. Wenn man Steine oder Äste umdrehte so lebte dort stets nur eine Schabe, die restlichen waren reine Illusion, die die Schabe beschwor um sich selbst in Sicherheit zu bringen!

    Das hatte Yunarik schnell begriffen. Es war ein Baum-Dingens-Zauber-Irgendwas, welchen Schaben benutzen um ihre Feinde zu täuschen! Waldbewohner! Diese Halunken! Täuschung und Verstecken! Das können Sie! Kein Wunder dass die Kellerschaben einen solchen Hass auf sie haben! Halten sich für was besseres mit Ihren Bäumen und Blättern und Moos und Erde und Gräsern und Halmen und Ästen und Gebüschen und Blutschilfen und Schnapsbeeren und Goblinbeeren und Sonnenkräutern und Königsdisteln und Feuernesseln und Harnischkräutern und Ogerblättern und Kronstöckel und Drachenwurzeln und Eisenhalmen und Felsnesseln und Krötenwurze und Wolfskräuter und seltsamen Pilzen die an kleinen spitzen Ästen wachsen und die haben dann Dornen und Wurzeln und Rinden und Nadeln und dann haben sie Ihre Wege und Brücken und die Stämme der Bäume und Sümpfe und überall gibt es Zecken! Die Zecken erst! Nun gut, die konnte wohl niemand so wirklich leiden.

    »Waldschaben!« Kreischte Nicolei so laut durch seine Kammer, dass sich sogar Anna wieder vor Schreck unter die Robe verkroch, doch Nicolei wusste sofort sie zu beruhigen. Vorsichtig und ganz lieblich zwitscherte er ihr zu, dass hier nirgendwo die bösen, bösen! Waldschaben zu finden waren. Nur die lieben Kellerschaben und ihr guter Freund Peter! Der war auch da! Wie zum beweis zeigte er sogar auf Peter, der sich scheinbar über den Schimmel des Schimmels, des Schimmels seines Käses hermachte, wobei der Käse selbst, früher einmal, auch mal einen Schimmelrand hatte. Das musste er zugeben. Welch ein Glück doch Peter hatte, in solch einem Schimmelpalast heimisch zu sein. Anna musste sich glatt ein kleines Tränchen verdrücken so rührend war es zu sehen, wie Peter sich über den Schimmel hermachte.

    Doch dann, scheinbar hatten die bösen Waldschaben den Käse vergiftet, denn Peter hörte auf zu essen! Anna schrie vor Kummer und Nicolei stürzte zu dem kleinen Tisch auf welchem die Speisen standen und er sah in den Fühlern jener kleinen Schabe den tapfern Kampf eines Helden. Er sah seinen Freund Peter, sich vor schmerzen krümmen und schreien und er fiel geschlagen in die dürren, knochigen Hände des Magiers. Es war als würde die Zeit stehen bleiben, Nicolei beobachtete seinen treuen Gefährten, in seinen letzten Sekunden. Er sah in die Augen jenes Freundes, welcher stets ein gutes Wort für Ihn über hatte. Er dachte an die Zeit, als er von dem ungenießbaren Wein getrunken hatte und Peter ihm ein Haar hielt als er sich in die Ecke erbrach. Er dachte an die schönen Stunden in der Nacht, in der Peter von der Schönheit manch eines Kellers sprach. Er sprach so schön und gehässig, dass Nicolei bewusst war, er war im schönsten Keller aller Zeiten, denn hier war Peter und Anna. Und einmal erzählte Er sogar davon, wie er fast Gerlinde geküsst hätte, die eine Schwester von Anna war und sie beinahe die Nacht miteinander geteilt hätten und der arme Peter seitdem schweren Liebeskummer litt, da, so verriet er es ihm in einer späteren Nacht. Sein Herz nur für Anna schlug.

    Er erinnerte sich wie er Peter getröstet hatte und nun lag dieses unschuldige kleine Wesen in seinen Händen und starb einen armen leidenden Tod! Es zerriss ihm das Herz, seinen treuen Begleiter der letzten Jahre so zu sehen. Was hatte er denn getan? Hatte er eine Maus geliebt?! Ja! Hatte er! Er hatte geliebt wie ein Mann und gekämpft wie ein wahrer Held, in seinen Schlachten gegen die Kellerasseln! Er war tapfer, er war ein verdammter Kriegsherr! Er führte die Schaben in einem waghalsigen Angriff den Staubhügel hinauf, welcher direkt am Pass des zerbrochenen Stuhls lag, als der Anführer der Kellerschaben von den Asseln ermordet wurde, es war der Schicksalshang, an dem seine Vorfahren gefallen waren. Er ring mit seinen Feinden und führte seine Fühler wie die Orks ihre Streitäxte führten! Er rief zum Angriff und nach über zehn Generationen, war der Staubhügel wieder in der Hand der Kellerschaben! Er war ein Kriegsheld! Warum musste er nun von uns gehen?! Warum? Warum holte Beliar, einen so treuen Kämpfer in seine ewigen Hallen, warum so jung? Und dann war es soweit, seine Fühler reckten sich noch einmal gen Anna, seiner einzigen Liebe und sie wussten beide, nie hätten sie zusammensein können, als Anna und Peter, als Maus und Schabe.

    Doch für jenen Augenblick, da Anna hinabstieg zu dem Sterbenden, berührten sich, ungeachtet der Gesetzte der Natur, Fühler und Stupsnase der Maus zu einem letzten innigen Moment und Peter erlag dem vergifteten Käse und verblieb tot in der Hand des Magiers und Anna, seine einzig wahre Liebe, blieb zurück und blickte auf den kalten Leichnam der tapferen Schabe.
    Einsame Tränen rannen in jener Nacht über die Wangen des Magiers und lange würden noch die Trauerlieder, vielleicht erneut, die Katakomben des Kastells erfüllen.
    Last edited by Nicolei; 22.01.2018 at 20:42.

  4. View Forum Posts #44
    Priester des ZuX  Hirni's Avatar
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    Der Zirkel um Xardas im Forenrollenspiel
    Hirni is offline
    Hirni war sich nicht sicher, ob er je zuvor von diesem Raum gehört hatte. Eigentlich musste er ihn kennen, schien er doch sehr gefährlich zu sein. Andererseits gab es hier im Kastell so viele Räume, die unbekannt waren, man konnte unmöglich alle kennen. Zumal er ja teilweise seit Jahren nicht mehr hier in den Mauern gelebt hatte. Jedoch. Konnte dies eine Ausrede sein? Schließlich war seine Ankunft hier im Kastell nun schon wieder 2 Jahre her. Da musste er sich langsam wieder eingelebt haben.
    So oder so, er erhob das Wort. Nicht um zu belehren, oder gar zu hinterfragen. Auch nicht, um Dumak weiter nicht zu Worte kommen zu lassen, denn dieses schien den Barden schwer zu belasten. Nein, Hirni wollte einfach nur seinen Gedanken freien Lauf lassen.
    Er kratzte sich am Kinn, wie er es gerne tat, wenn er überlegte. Dann meinte der Schwarzmagier:
    „Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob ich je von diesem Raum gehört habe. Was mich ein wenig irritiert, denn er scheint nicht ungefährlich zu sein.

    Wenn ich es richtig verstehe, kann bei diesem Zeit-Raum Kontinuum ja alles durch einander gewirbelt werden. Der gesamte Organismus. Altert man denn in diesem Raum? Oder etwa nicht. Das würde ja bedeuten, dass Nienor nun diese vergangenen Jahre als zum Beispiel nur 3 Minuten verlebt hat. Jedoch… erlebt der Körper dies auch so? Oder sind ihr in den 3 Minuten etwa die Haare bis zum Boden gewachsen, die Fingernägel erfüllen den gesamten Raum und ihr Körpergeruch ist dem eines Stinktieres ähnlich? Was ist mit ihrer Blase? Hat sie das Gefühl, jede Sekunde auf das stille Örtchen zu müssen?
    Gesetz dem Falle, ihre langen Fingernägel haben ein eigenes Zeitgefühl, und sie erfüllen wirklich den Raum… Heißt das, die Spitzen altern schneller als die Wurzeln?
    Und wie ist es mit ihrem Alter? Ist sie nun so alt, wie sie diesen Raum betreten hat? Oder altert sie normal weiter? Für uns mag sie zwei Jahre älter geworden sein… Für sie jedoch ist sie weiterhin, nehmen wir an, sechs-und-zwanzig?
    Das ist für einen lebenden Organismus doch sehr gefährlich, nehme ich an?
    Andererseits. Man stelle sich vor, man würde darin ein Herz von einem Körper des Menschen in einen anderen verpflanzen. Technisch und Praktisch ist dies so gut wie unmöglich. Schließlich ist der menschliche Körper dann in Sekunden verstorben. Das Herz ist schließlich sein Antrieb. Jedoch… wenn man dies in diesem Raum versucht, würde der Körper ja viel mehr Zeit dazu haben, auf das Herz zu warten. Wie faszinierend wäre dies? Schade, dass ich keine Heilkraft mehr besitze, ich würde das zu gerne mal Austesten.“

    Die Ideen sprudelten nur so aus ihm heraus. Allerdings wusste er nicht, in wie fern er Recht hatte mit seinen Thesen, denn Estebans Erklärung war ihm nicht ganz schlüssig.
    „Und Dumak? Wäre das nicht sogar Stoff für ein Lied? Oder eher für ein Gedicht? „Wo Zeit und Raum nur langsam verrinnt, der Hirni seine Ideen spinnt!“ Oder so etwas in der Art. Das müsste doch Inspiration pur sein für dich!“

    Der Schwarzmagier freute sich gerade wie ein kleines Kind. Dabei wusste er gar nicht, warum eigentlich. Völlige Inspiration überkam ihn.
    Esteban wurde langsamer. Entweder, um Hirni nun zu tadeln für seine verrückten Gedankengänge, oder aber sie waren bald am Ziel angelangt. Als sie stehen blieben, fiel Hirnis Blick auf ein Gemälde an der Wand. Ein Ritter war darauf abgebildet, mit einer Lanze. Irgendein komisches Wesen, mit Flügeln anstatt Vorderbeinen, attackierte ihn. Ein Drache konnte dies nicht sein, diese hatten normale Vorderbeine und die Flügel auf dem Rücken. Auch die Schnauze des Untiers war zu schmal.
    Vielleicht ein Wyvern? Oder gar ein Lindwurm? Oder eine andere, bisher unbekannte Art, geflügeltes Wesen? Bevor Hirni weiter darüber nachdenken konnte, schien der Ritter das Wesen zu attackieren. Mit einem bösen, gehässigen Grinsen. Das Wesen hingegen schien Mitleidsbedürftig, so als wäre es nicht zum Töten erschaffen worden. Bei dem Anblick des Gemäldes überkamen Hirni auf einmal kräftige Kopfschmerzen. An diese Art von Bilder würde er sich wohl auch nie wirklich gewöhnen.
    Der Blondschopf hielt sich die Stirn, wandte den Blick dann ab und schaute dann abwechselnd zu Dumak und Esteban.

  5. View Forum Posts #45
    Ritter Adson Muller's Avatar
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    Adson Muller is offline
    Adson spürte noch immer das, mittlerweile fast bekannte, Kribbeln auf seiner Haut und schaute noch einmal zu dem Portal zurück, durch welches man in die Bibliothek gelangen konnte. Diese blieb für ihn ein Rätsel, so groß und weit, dass sie mindestens ein Stockwerk dieses Bauwerks ausfüllen musste und doch schien es nur diesen einen Zugang zu geben. Merkwürdig. Adson beschloss, dieser Sache auf den Grund zu gehen und schritt den Gang entlang, um bei der nächsten Möglichkeit einem Seitengang zu folgen. Als sein Weg den nächsten Gang kreuzte, wiederholte er dieses Vorgehen. Der Gang endete an einer Tür und Adson klopfte zögerlich an. Keine Antwort. Vorsichtig öffnete er die schwere Tür, die dabei laut knarrte, fast als würde sie protestieren, und schaute in den Raum. Da gab es nicht viel zu sehen. Einige einfache Matten, wahrscheinlich um Besuchern eine simple Schlafstätte zu bieten, ein paar hölzerne Tröge und zwei schwere Schränke füllten den Raum. Adson kratzte sich nachdenklich am Kinn. Er war sich sicher, hier müsste sich eine der Hallen der Bibliothek befinden. So leise wie möglich zog er die Tür wieder zu. Seltsame Magie schien hier zu wirken, zu groß und wunderbar für seinen Verstand. Langsam trottete er zurück, ohne ein echtes Ziel zu haben. Sollte er wieder in die Bibliothek gehen? Er war lang dort gewesen und hatte erstmal genug von den Büchern, zumal er in ihnen bisher nichts neues gefunden hatte. Stattdessen wanderte seine Hand zum Gürtel, an dem das Schwert befestigt war.

    Die Hand des Narbigen fuhr fast zärtlich über den Griff der Waffe und er nickte unwillkürlich. Es wurde Zeit, das Schwert zu schwingen. Er durfte nicht an Schnelligkeit und Kraft verlieren. "Wo kann ich hier trainieren?", murmelte er vor sich hin. Wieder nach draußen wollte er nicht. Konnte er sich denn sicher sein, ob die beiden Knochenmänner ihn ein zweites Mal einlassen würden? 'Folge dem Gang und geh am zweiten Abzweig nach rechts.', die Worte schallten in Adson Ohren, oder eher in seinem Kopf. Er fasst sich mit beiden Händen an die Schläfen und sah sich um. Da war nichts, nur dieser stechende Schmerz und der seltsam unbekannte Klang der Worte. Adson konnte weder sagen, ob die Stimme zu einem Mann oder einer Frau gehörte, noch ob sie überhaupt erklungen war. Doch weckte sie in ihm Erinnerungen an einen dunklen Gang, an Klänge der Stadt Setarrif und an viele verschwommene Fratzen, auch an das Gesicht eines Orks. Ohne länger nachzudenken folgte er den Worten und gelangte, nachdem die Stimme noch zweimal schmerzhaft durch sein Hirn gestochen hatte, an eine Tür. Adson öffnete diese Tür und erblickte einen großen Raum. Er sah hölzerne Aufbauten, die von Scharten und Schnitten überzogen waren und verstand. Er trat ein, schloss die Tür hinter sich und zog sein Schwert hervor. Drei-, viermal ließ er den Kopf kreisen, um den dumpfen Schmerz zu vergessen, der noch immer hinter seiner Stirn nachklang, dann führte er die ersten Schläge und hatte den Kopfschmerz bald verdrängt.

  6. Visit Homepage View Forum Posts #46

    nomina nuda tenemus
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    Der Zirkel um Xardas im Forenrollenspiel
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    »Ungefährlich? Natürlich nicht!«, entgegnete Esteban auf die Bemerkung Hirnis.
    »Es gibt furchtbar viele Räume in diesem Gemäuer. Ich selbst kenne sie doch auch nicht alle. Ich dachte immer, dass andere Schwarzmagier losziehen und sie entdecken, um diesen Bau zu kartieren, aber da hab ich viel zu viel erwartet. Das Leben hier spielt sich zwischen Bibliothek und Refektorium ab.«
    Er winkte resigniert ab.
    »Nie hörte ich jemanden vom Antimagischen Raum oder seinem Pendant, dem Promagischen Raum sprechen. Auch die Kugel des Hauches war keinem eine Erwähnung wert. Ebenso erging es dem Großen Trenner. Womöglich gibt es auch einen Großen Vereiniger. Aber den hab selbst ich bisher noch nicht gefunden. Die Runenkammer ist heute verschollen. Die magiegedämmten Übungsräume nutzt heute niemand mehr. Den unauffindbaren Aufgang zum Kastellturm hat schon seit zehn Jahren niemand mehr vergeblich gesucht. Die große Orgel mit ihrem ohrenbetäubenden Lärm, der womöglich schon Trommelfelle hat zerplatzen lassen, hat - vielleicht ja zum Glück - seit mehr als einer Dekade niemand mehr bespielt. Sie ist das lauteste Instrument auf Erden und drückt nach den Erzählungen in der Bibliothek den Schmerz Beliars bei der Vereinnahmung der Menschen durch Innos aus. Der Brunnen im Innenhof ist verwaist und die rauschende Esche in der Mitte erzählt ihre Geheimnisse nur noch dem Wind. In den Stallungen modert das Stroh schon seit Jahren und könnte als Nährboden für besondere Schimmelkulturen dienen. Dieses Haus hier ist leer und hohl. Es ist geschaffen für Heerscharen von wachen Geistern, die sich fragen, weshalb die Dinge so sind, wie sie sind und wie man sie ändern kann, auf dass sie in Zukunft besser werden. Dafür ist das Kastell vorgesehen von seinem Schöpfer. Dafür stehen die Dämonen als seine Wächter bereit. Dafür sind seine Mauern aufgerichtet und sein Innerstes vorbereitet. Allein es fehlt an Menschen, die diesem Pfad folgen. Diese Welt ist dem Untergang geweiht. Sie stirbt langsam, aber stetig. Alles, was ist, wird einst gewesen sein und nur durch Leere ersetzt. Und es hat schon längst angefangen. Die Welt ist im Taumel.«

  7. View Forum Posts #47
    Archipoeta Dumak's Avatar
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    Das Königreich Argaan im Forenrollenspiel
    Dumak is offline
    »Ja, das wäre ein Lied wert«, hauchte Dumak.
    »Aber es wäre ein trauriges. Von Verfall und Untergang«, seufzte er dann.

    »Titanen einst hier wandelten,
    So viel war ihnen untertan;
    Kühn und weis’ sie handelten,
    Nun Vergängnis’ Schatten nah’n.«

    So reimte er aus dem Stegreif.
    »Niemand will sowas hören«, befand er dann mit der Erfahrung eines Sängers, der auf vielen Jahrmärkten aufgetreten und den Erfolg seiner Lieder an der Anzahl der Münzen, die er dafür bekommen hatte, abschätzen konnte.

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    nomina nuda tenemus
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    »Du sagst es«, bekräftigte Esteban.
    »Dies ist die einfache, bedrückende Wahrheit.«
    Er blieb ebenfalls stehen. Offenbar hatte Hirni instinktiv die richtige Tür erahnt.
    »Hier sind wir«, sprach der Hohepriester.
    Und wies auf eine schmucklose Tür, die aussah, wie all die anderen.
    »Es ist nicht so einfach, wie du dir es vorstellst, Hirni. Und doch viel einfacher.«
    Die Worte waren verwirrend.
    »So ist Magie. Aber das weißt du sicher selbst.« Als ob das irgendetwas erklärte.
    »Was in das Zentrum dieses Raumes eindringt, ist von außen betrachtet, auf ewig verlangsamt.
    Was sich im Zentrum befindet, spürt nichts, sondern geht seinen Tätigkeiten unverändert nach. Nur dauern diese von außen betrachtet eine Ewigkeit.
    Das ist ja das besondere. Man kann von außen gesehen, eine andere Zeitebene beobachten.
    Für die, die innerhalb des Raumzentrums sind, wird sich nichts ändern. Sie sehen vielleicht nicht einmal die Lichtblitze unserer Fackeln oder unseres magischen Lichtes, da sie für sie zu schnell vorüberziehen. Sie werden die Netzhaut derjenigen, die im Zentrum sind, nicht so lange berühren, um einen Impuls auszulösen.
    Es ist also nicht möglich, in das Zentrum vorzudringen, ohne selbst so verlangsamt zu werden und in den Rahmen einer unendlich stehenden Zeit zu gelangen.
    Und nein, weder Fingernägel noch Haarspitzen haben einen eigenen Zeitrahmen«, beschied er seinem Mitmagier.
    »Deswegen ist deine Idee einer Herzverpflanzung auch nicht durchführbar. Ein schlagendes Herz würde ebenso wie derjenige, der sich im Zentrum befindet, in der Zeit verlangsamt werden, sobald es sich dem Zentrum des Raumes nähern würde.
    Unsere Aufgabe wird es sein, sich Gedanken darüber zu machen, wie wir diese Wirkung dieses Raumes für einen Augenblick außer Kraft setzen können. Nämlich um Nienor aus dem Zentrum der zeitlichen Singularität entfernen zu können. Natürlich wird dieser Ork dann auch daraus befreit werden. Dies ist unvermeidlich, fürchte ich.«
    Er öffnete die Tür und sie sahen in den Raum.
    Tatsächlich waren im schwachen Licht, das die Fackeln des Ganges auch in den Raum warfen, zwei Gestalten zu erkennen. Esteban beschwor sogleich ein magisches Licht, dessen kalte, weiße Farbe die Szenerie gespenstisch erhellte. Eingefroren in der Bewegung sah man einen eher grazilen Ork mit erhobener Waffe, mitten im Sprung auf irgendeinen einst unsichtbaren Gegner zu. Und davor Nienor, die mit einem gezückten Messer auf ihn zu stürmte und damit das Fehlen eines Opfers für den Ork kaschierte. Nur ein Messer, denn ein Schwert stand ihr nicht zur Verfügung, schließlich waren im Kastell alle Waffen abzugeben, um den Frieden zu wahren.
    »Dies ist die Kammer des temporalen Nullpunkts«, sprach der Hohepriester.
    »Ein Rätsel in einem Rätsel oder ein Geheimnis in einem Geheimnis.«

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    Archipoeta Dumak's Avatar
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    Das Königreich Argaan im Forenrollenspiel
    Dumak is offline
    Dumak hatte nicht alles verstanden, was der Magier gesagt hatte. Einiges war ihm einfach zu abstrakt.
    Aber das eine oder andere war schon hängen geblieben.
    Es ging darum, einen Schalter zu finden.
    »Wenn es einen einfachen Schalter gäbe«, sprudelten seine Gedanken aus ihm heraus, »dann hättest du ihn sicher schon umgelegt und alles wäre erledigt.«
    Das schloss er also aus.
    »Ich habe absolut keine Ahnung, was das sein soll, das ist mir einfach zu hoch, wie all der Hokuspokus hier. Ich stehe lieber mit beiden Beinen auf der Erde und den Himmel über mir. Magie ist so ein Ding, dass sich nicht fassen lässt. Man weiß nie, wo oben und wo unten ist, wenn ihr versteht«, wandte er sich an Esteban und Hirni. »Alles ist durcheinander und auf eine weise geordnet, die kein normaler Mensch versteht. Die Zusammenhänge erschließen sich nicht und die Gesetze dahinter sind verborgen.«
    »Nichts für ungut«, war er entschuldigend ein.
    »Du hast uns jedoch vom Großen Trenner und vom Großen Vereiniger erzählt«, fuhr er dann fort.
    »Ich habe nicht die leiseste Ahnung, was das sein soll. Klingt für mich nach irgendwas ziemlich Blutigem, was ich nicht sehen will. Aber eben auch nach etwas, was sich ergänzt. Oder besser gegenseitig aufhebt: Was der eine trennt, vereinigt der andere wieder. Und umgekehrt. Wenn es also so etwas gibt, wieso nicht sowas Ähnliches auch für andere Magie?
    Wenn es also diese Kammer hier gibt, in der die Zeit stehen bleibt, dann gibt es vielleicht auch einen Raum, in dem alles total beschleunigt stattfindet, sozusagen gleichzeitig ... oder besser stattgefunden hat? ... Mhm ... Es wäre ja sofort vorbei gewesen, sobald es begonnen hätte.«
    Der Barde kratzte sich verwirrt an der Nase.
    »Das verstehe ich zwar nicht, aber vielleicht ergibt es für euch Magier Sinn.
    Also was ich sagen will: Wenn man diese Kammer des völligen Stillstandes irgendwie mit ihrem Gegenstück verbinden würde, würde sich dann nicht alles ausgleichen?
    Wir müssten also nur das Gegenstück finden und dann noch irgendwie herausbekommen, wie die beiden dann miteinander in Verbindung zu bringen sind und schon klappt es. Was meint ihr?«
    Dumak fand seine Gedanken gar nicht mal so dumm. Ganz offenbar färbte dieser vor lauter Weisheit getränkte Ort auf ihn ab. Vielleicht sollte man sich einmal im Jahr eine kleine Kur im Kastell gönnen, um den Kopf aufzufüllen mit klugen Dingen?

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    Nicolei is offline
    Nach einer angebrachten Trauerphase von zehn Tagen, kehrte wieder Alltag ein, in das wenige Leben in den tiefen des Kastells. Wobei der Begriff Leben wohl vielleicht auch etwas übertrieben sein könnte. Wieder lief er auf und ab, er hatte vor zwei Tagen eine Pfütze gefunden, in welcher er halbwegs frisches Wasser vorfand, zumindest hoffte er, dass es halbwegs frisches Wasser war. Oder überhaupt Wasser. Aber seien wir mal ehrlich zu einander. Er hoffte es nicht. Hoffnung war etwas für Narren und Leichtgläubige, die irgendwie noch, aus Mangel an Interesse an der Realität, oder aus Mangel an Wissen, Erfahrung, Alter, Weisheit und Klugheit, sich eine solche Theorie leisten konnten. Naive kleine Kinder, für die die Welt noch grün war und jedes Wasser blau und klar und dabei vergaßen sie, wenn sie einen Bach betrachteten, war der Bach entweder klar, oder eher schmuddelig grün. Nicht Blau und Klar. Er konnte entweder kristallen klar sein, oder eben dreckig. Er konnte nicht gleichzeitig Klar und Blau sein und welcher Bach war denn blau? Wie wir sehen, ist Hoffnung, und die Idee dass alles gut und schön ist, nur ein Mangel an genauen Informationen.

    Er hatte auf dem ächzenden Stuhl platz genommen und tippelte mit seinen Füßen auf und ab, seine Robe hing an ihm wie ein nasser Sack. Dank seines abgemagerten Körpers. Der krause, grausige lange Bart, in dem ab und an Olga die Spinne wohnte, zeigte schon viele graue Haare, das zottelige lange, seit Ewigkeiten nicht gepflegte Haupthaar, die tiefen Augenhöhlen, die schier pechschwarzen Augenringe, eingefallene Wangen und Finger, mit langen, dreckigen Fingernägeln, die mehr Spinnenbeinen ähnelten, als menschlichen Gliedmaßen. Sie bestanden nur noch aus Haut und Knochen. Die Brandnarben seiner rechten Hand, lagen fast nur noch auf den Sehnen und Knochen seiner Hand, die mehr als deutlich zu sehen waren.

    Er hob seinen Kopf und blickte auf jenes eisenbeschlagenes Tor, welches seit er sich entsinnen konnte den einzigen Ausgang versperrte den er kannte. Er hörte Schritte vor seiner Kammer. Er hörte es klopfen und schrie wie immer dem Gast entgegen, der könnte sein Gehänge, in Pech und Schwefel tauchen und sich zur Freude Beliars selbst in Brand stecken! Und der ominöse Fremde sollte sich gewahr werden, wenn er jene Türe auch nur öffnete, dass Nicolei, besagte Handlung ohne Zweifel an ihm durchführen würde. Mit großer Freude. Er würde sogar eine Rede dabei halten und im Nachhinein davon berichten wieviel Spaß ihm besagte Tätigkeit bereitet hatte, auf einer Skala von 10 Staubwolken, für den größten Spaß seit Jahren und 1 Staubwolke, für das was wohl nach besagter Handlung übrig bleiben könnte von besagtem Gehänge.

    Meist reichten jene tiefgreifenden, durchaus lieb gemeinten Reden, manch einen Besucher davon abzubringen, ihren Frühlingsurlaub in seiner Kammer abzuhalten. Diese Touristen. Denken sie könnten einmarschieren in seine Kammer und dann Gemälde und Skizzen von Anna machen! Und das Monument, welches er für Peter errichtet hatte. Und in der nächsten Ausgabe des Flugblattes des Kastells wurde dann von einem ›urigen‹ Geheimtipp in den Katakomben gesprochen, den man sich als Tourist der Schwarzen Magie auf keinen Fall entgehen lassen sollte!
    Soll sie doch alle Beilar holen, wenn sie schonmal hier sind! Vielleicht können sie von ihm mal eine aktuelle Skizze anfertigen und mit einem Übernachttodesreiter wieder in die Welt der Lebenden bringen.

    »Übernachttodesreiter. Das klingt fast wie eine neue Geschäftsidee, mein Guter«, rief eine, durchaus charismatische Stimme aus dem Eingang dem verwirrten alten Kauz zu. Es war eine tiefe Stimme, kratzig und rauchig. Und doch auf eine Art wohlklingend, man konnte sich fast in den leicht gesprochenen Worten verlieren. Sie machte bestimmt manch ein Mieder - Moment, es ist jemand in der Kammer?! Nicolei blickte auf und zu jener Pforte, welche noch immer verschlossen war. Nur nebst der Tür lehnte ein Mann in einer nachtschwarzen Robe, die Kapuze verbarg sein Gesicht geschickt. Drei silberne Sterne zierten den Saum der Ärmel, er trug einen schweren Ledergürtel mit allerlei Zeug daran, sowie eine Schwertscheide an seiner linken Seite. Direkt darüber, etwa auf Brusthöhe trug der Mann eine Brosche.

    »Wer… wer ist da?! Das ist meine Kammer! Meine! Das ist mein Reich, du bist nicht willkommen!« kreischte Nicolei den Fremden an und fletschte vielleicht auch etwas seine gelben Zähne und vielleicht, man war sich nicht ganz sicher, fauchte er auch wie ein wildgewordenes Tier, das eventuell auch mit seinen Fingernägeln als Krallen auszuholen versuchte. »Zeig deine Visage! Unter der Kapuze! Da sieht man ja nichts! Was… nein! Oh nein! Ab damit. Ab mit dem Kopf!«

    »Ab mit dem Kopf, oder der Kapuze?«

    Der alte Kauz hielt einen Moment inne und schien über die durchaus berechtige Frage des Fremden nachzudenken. Es hätte natürlich seine Vorteile erst den Kopf abzuschlagen um dann zu sehen wer darunter ist. Aber was wenn darunter möglicherweise Meister Esteban war. Oder Black. Oder es war so grässlich dass man sich wünschte man hätte nie die Kapuze abgenommen und man sollte am besten den Kopf von dem Rumpf erlösen, da eine solche Scheusslichkeit nicht existieren durfte. Das Problem bestand dann jedoch, er hatte schon keinen Rumpf mehr. Anderseits hatte er schon länger nicht mehr geköpft. Ach, hatte das früher Spaß gemacht. Ein Schafott am Morgen lässt den Tag einfach viel schöner werden. Doch er hatte sich entschieden. Er fletschte die Zähne als er seine Antwort kundtat.

    »Nimm dieses Ding ab! Dieses Stoffdingens da! Über deinem Kopf! An deinem Kopf! Und danach vielleicht den Kopf! Je nach dem was darunter ist. Das ist noch nicht geklärt Fremder, hier in meiner Kammer, noch nicht! Ich behalte mir deinen Kopf für einen Samstag vor! Sofern heute Samstag ist, dann für einen Wochentag auf den ich mich nicht festlegen möchte« begann Yunarik seine Antwort und fügte vielleicht etwas schreiend und etwas in Rage, »und jetzt ab mit diesem Ding da!« Der Fremde führte seine Hände zur Kapuze und für einen kurzen Moment war in dem Zwielicht der Kammer etliche Brandnarben an seiner rechten Hand zu sehen. Die fallende Kapuze entblößte dunkles halblanges Haar, vielleicht war auch er schon etwas grau geworden, die Haare ordentlich nach hinten gekämmt, ein kurzer Bart zierte sein markantes Gesicht, als hätte er drei Tage kein Messer mehr gesehen und er lächelte, als hätte er so eben einen alten Freund gefunden.

    »Grässlicher als erwartet?« sprach der Fremde und blickte Nicolei freundlich an. »Ich habe mich noch nicht entschieden.« Entgegnete dieser dagegen in einer viel zu lockeren und entspannten Art, als wäre das alles nicht von belang und fügte dann noch geschwätzig hinzu, »vielleicht zum Wohle der meisten Frauen sollte ich doch den Kopf vom Rumpf trennen. Vielleicht auch nur um die kleinen grauen Haare in Eurem Barte zu zählen. Sie auszupfen und nach ihrer Grauheit neu sortierten. Dieses Chaos ist ja schrecklich! Wie alt seit Ihr? Hm? Achtzig? Mindestens!«

    »Ich denke ich werde bald fünfzig. Ich bin mit all den Jahren und Zahlen etwas in Verzug. Aber in etwa.« Charmant war dieses Ding da in seiner Kammer ja schon. Geschwätzig! Viel zu Geschwätzig für einen Mann um die fünfzig! »Schwatz! Schwaatz! Schwaaatz! Schwaaaaatz! Schwatz. Schwatz? SCHWATZ! So. Können wir uns nun alle beruhigen? Danke. Also.Ihr seid noch am Leben. Mit Kopf! Nun, was zum Henker wollt Ihr hier? Und.. habt Ihr Tabak? Oh! Einen schönen Traumruf könnte ich durchaus vertragen, Ihr etwa nicht?«

    Der Fremde war dem Angebot nicht abgeneigt und teilte seinen Tabak mit dem Magier. Yunarik begann leise zu kichern und wandte sich zu Anna um, welche auf dem Tisch gespannt das Geschehen beobachtete. Besuch war hier nun wirklich mehr als ungewöhnlich! Sie stand auf ihren Hinterpfoten und schnupperte in die stickige Luft der Kammer. Nicolei ging ganz nah zu Anna und flüstere Ihr kichernd zu, »guck mal, er hat sogar die selbe Pfeife wie ich! Aber meine ist aus Eichenholz und seine wohl eher Buche! Guck! Guck! Anna! Buche!« Er gackerte noch etwas mit Anna, doch dann wandte er sich wieder dem Fremden zu, schlug ein Bein über das andere und eloquent, wie Nicolei es schon immer war, lehnte er sich weit nach vorne und sprach jene Worte die er womöglich bereuen würde. »Nun, woher kommt Ihr? Hm?« Er zog einmal kräftig an der Pfeife, »Hm? Von weit weg?«

    »Eigentlich hatte ich gar keinen so weiten Weg, mein Guter. Es war etwas kompliziert, anfangs, aber seien wir einmal ehrlich. Manch ein Weg mag kurz sein, aber dafür von enormer Wichtigkeit. Und ein Weg kann kurz sein, aber durchaus beschwerlich.« Er sprach in Rätseln. Yunarik versuchte es noch einmal, »Varant? Nein. Zu Bleich. Nordmar! Oh! Khorinis?! OH! Nein.. ich hab's gleich! Ich hab's gleich! Gorthar! Jaha! Ihr kommt aus Gorthar! Nein? NEIN? WOHER KOMMT IHR?!« Nicolei verlor schier die Fassung und vielleicht auch seinen Anstand. Mal wieder. Der Fremde dagegen legte ein Lächeln auf seine Lippen, wie es nur ein Teufel tun würde und tippte Nicolei an den Kopf. Jener zog eine Augenbraue hoch und danach skeptisch an seiner Pfeife.
    »Ah! Ja! - Nein. Versteh ich nicht.«
    Last edited by Nicolei; 01.02.2018 at 21:44.

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    Hirni kratzte sich an seinem kinn, was zeitgleich bedeutet er kratzte auch seinen bart. Nachdenkliches brummen folgte darauf. Er vernahm die worte estebans und dumaks.
    Trenner? Vereiniger? Das hatte was von bruchrechnen mit dem Nenner und der anderen ziffer oberhalb des striches. Oder war es die zahl oberhalb? "Keine ahnung. Ich bin kein mathematiker!" Und gleichzeitig war er sich bewusst, wie dumm er sich mal wieder vor kam.
    Er verstand nichts von all dem hier. Das ganze prinzip hier war zu konfus. Warum konnte es nicht etwas einfaches sein? Wie zum beispiel einen drachen erschlagen oder eine jungfrau befriedigen?
    Stattdessen irgendwelche räume mit verschiedenen zeitkontiuen und laut dumaks idee paralellräumen mit entgegen gesetzten zeitkontinuen.

    "Du meinst also," setzte er an "das wir hier irgendwo einen raum haben, der genau gleich ist, nur mit beschleunigter zeit?" Schaute hirni dumak fragend an.
    "Aber wie verbindet man sie? Mit schalter umlegen wohl kaum. Klingt für mich zu simpel für das kastell. Vielleicht mit einem zauber, ja.
    Aber wie soll dieser aussehen? Und funktionieren?
    Ene mene moppel, die räume bekommen eine koppel? Klingt nicht sehr einleuchtend. Ist es vielleicht ein zauber des dritten kreises, esteban? Dann kenn ich diesen noch nicht. Muss dazu ein magier in einem raum sein, und der andere im anderen? Vielleicht ist er ja im raum direkt gegenüber?"

    Hirni drehte sich um und riss die tür auf der anderen seite des flures um. Darin zu sehen war... ein bodenloses loch?
    "Was bei beliar? Das ist ja gemein gefährlich. Den raum sollte man verschließen! Nicht das noch wer hinein fällt."
    Hirni schaute sich um. Am ende des flures befanden sich sowohl links, als auch rechts, weitere räume.

    Derweil lachte ihn der ritter auf dem bild von vorhin scheinbar aus. Das gesicht der malerfigur wirkte höhnisch arrogant. "Eingebildeter hammel!" Meinte der schwarzmagier beleidigt und streckte die zunge heraus.

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    Forschend untersuchte Hirni die anderen Räume. Der linke Raum hatte nicht viel zu bieten. Lediglich eine Art Abstellkammer, mit Leiter, Besen, Putzeimer, ein langes Seil, ein Regal mit vielen verschiedenen Utensilien aller Art.
    "Hm... nein. Das wird nicht weiter helfen..." war sich Hirni sicher. "Wieviele Putzkammern gibt es eigentlich hier im Kastell?" Fiel ihm dann auf. "Ständig finde ich eine, wenn ich keine Suche. Aber wenn ich eine Suche, finde ich keine... Dabei scheinen sie an jeder Ecke zu sein... Komisch." er kratzte sich am Kopf, dann wandte er sich ab.

    Der Schwarzmagier eilte zum anderen Raum, ganz am anderen Ende des Flures. Doch dieser ließ sich nicht öffnen. Er rüttelte wie verrückt an dem Knauf, zog kräftig, aber nichts geschah.
    Selbst ein Tritt gegen die Tür half nicht, außer seinen Fuß mit Schmerzen zu erfüllen. Er kehrte also zurück zu Esteban, Dumak... und Nienor, die von all dem scheinbar gar nichts mitbekam. Esteban wirkte nachdenklich, Dumak hingegen eher verloren. Hirni schaute sich derweil eifrig nach Lösungen um.
    Da kam ihm eine Idee. Mochte sie noch so abwegig sein, so war sie doch Irgendwo auch genau solch eine simple Lösung, wie Esteban sie im Refektorium anwandte: Dieser hatte die Dämonen nach dem Aufenthalt Nienors einfach gefragt. Hirni würde nun halt versuchen, das Gefüge hier im Raum mit einem einfachen Trick auszuspielen.

    Er rannte zurück zur Putzkammer. Dort griff er sich das lange Seil, knüpfte es so zusammen, das am Ende eine lange Schlaufe entstand. Der Schwarzmagier war komplett verzückt ob seiner genialen Idee, rannte zurück zu seinen Kollegen und strahlte sie dann an. Fragend schaute Esteban auf die Schlaufe. Auch Dumak schien verwirrt.
    "Wenn ich es schaffe, sie mit diesem Ende zu umwickeln, und sie dann einfach rausziehe... Müsste doch funktionieren, oder? So simpel wie genial. Wie eure Frage nach ihrem Aufenthalt." freute er sich, ob seiner simplen aber genial wirkenden Idee.
    Esteban erhob gerade die Hand und wollte etwas sagen, da warf Hirni bereits seine scheinbar geniale Seilerfindung Richtung Nienor...

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    »Was?! Nein!« fauchte Yunarik den Fremden an, der, wie er so eben berichtete wohl gar nicht so fremd war, wie es schien. »Doch.« entgegnete dieser in ruhigem freundlichen Ton. »Oh, das erklärt einiges«, sprach der alte Kauz und kratze sich mit der Pfeife in seinem zerzausten Haar.
    »Darf ich mich setzen, alter Freund?«
    »Nur zu.« winkte Nicolei die Frage ab und fügte gedankenverloren hinzu, »mit gesetzten Menschen rede ich am liebsten.« Er zog einmal kräftig an der Pfeife und wandte sich wieder dem Fremden zu.
    »Also Ihr seid ich? Und ich bin..«
    »Ja.«
    »Nein!«
    »Doch.«
    »Ohhh!«
    Er kam nicht damit zurecht und das Kraut tat seine übrige Wirkung zu dem wohl mehr als schlechten Zustand des Magiers. Nicht so, als wäre sein Zustand irgendwann einmal in einem guten Zustand gewesen, aber unter uns gesprochen, er war nun, selbst für seine eigene Art, die manch einen Ork schon entzückte, in einem recht desolaten Zustand.
    »Und was macht Ihr hier dann? Könnt Ihr nicht wieder gehen? Ich mach gleich Tee für Anna und mich! Ich hab wirklich viel zu tun!«
    Der Fremde blickte sich um und sah Anna an, welche noch immer auf den Hinterpfoten durch den Raum blickte, mit ihren kleinen neugierigen schwarzen Kulleraugen und schnupperte. Er ging weiter zu den kalten, nassen Wänden, an welchem einmal ein Regal stand, welches nun nur noch lose, schiefe, und leere Bretter beherbergte. Einem kleinen Steinhaufen in der Ecke um den sich seltsamer Weise viele Schaben sammelten und noch einem alten kaputten Holzschemel, der an der anderen Wand lehnte. Dem verfaulten Essen auf dem Tisch, der von schimmelbefallene Wein.
    »Ich bin sicher, der Herr hat viele Verpflichtungen hier.«
    »So ist es! Viele! Ausgesprochen wichtige Verpflichtungen und Aufgaben! Und auch Unausgesprochene! Jegliche Art von Verpflichtung die es diesseits der Sphäre eben gibt!«
    »Absolut. Dessen bin ich mir bewusst.«
    »Ja?«
    »Nein.«
    »Doch!«
    »Oh, wir kommen hier nicht weiter.« Seufzte der Fremde schwer und erhob sich gemächlich, klopfte sich den staub von der Robe und wandte sich zu gehen. »Eines noch, mein Guter.« sprach der Fremde und drehte sich noch einmal zu dem alten Kauz um. »Ihr wisst, Ihr wart nie in einem Kerker, das ist Euch bewusst, oder?«
    »Wie meinen der Herr?« Fragte der Magier und legte den Kopf schief, sodass die hervorstehenden Knochen und Knorpel an seinem Hals schon knacksten.
    »Das Tor war nie wirklich verschlossen. Ihr seid freiwillig hier. All die Jahre.«
    »Nein.«
    »Doch.«
    »Oh.« Er zog erneut an der Pfeife, »das erklärt einiges.«
    »Die Welt wartet auf Euch Yunarik. Geht durch das Tor.«
    »Aber es ist verschlossen!« gackerte der Magier vor sich hin. »Zu! Zu! Zu! Zu! Nicht offen! Nicht wie die Mieder manch eine Frau wenn sie Euch erblickt! Schaut Euch doch mal an!«
    Der Fremde tippte mit seiner Hand an einen Schlüssel der neben dem Tor hing und laut war das abschätzige und gelangweilte Schmatzen Nicoleis zu hören über diese Enttäuschung.
    Nicolei drehte sich zu Anna um, »ich glaube, Liebes, wir müssen unseren Tee leider verschieben. Nein. Bitte, Anna, schau nicht so. Du weißt wenn Du mich so anblickst, dass ich dann schwach werde! Bitte, Anna, hab dich nicht so. Anna… nein! Der Fremde…« wie zum Beweis wollte er auf ihn deuten, doch der Fremde war verschwunden und mit langsamen Worten führte er den Satz zu Ende, »… drängt mich zu gehen. Aber!« Voller Elan drehte sich Yunarik wieder zu Anna, »was hälst du von einem Ausflug?« Er öffnete seine Hand und Anna krabbelte, scheinbar voller Freude über seine Handfläche den Ärmel seiner Robe hinauf und war verschwunden, vielleicht schaute sie noch einmal kurz durch die aufgerissene Stelle an der Schulter hinaus.

    Vorsichtig nährte sich der Magier der Eisenbeschlagenen Tür und nahm den schweren geschmiedeten Schlüssel in die Hand. Er betrachtete skeptisch den Schlüssel und das Tor. Dann wieder den Schlüssel und wieder das Tor, diesmal allerdings das Schlüsselloch. Und dann wieder den Schlüssel. »Nein, der passt ganz und gar nicht! Das kann nicht stimmen.« Er schüttelte den Kopf und wollte sich eben abwenden, als er spürte wie Anna aus dem zerrissenen Bodensaum seiner Robe schlüpfte und unter dem Tor verschwand. Schreiend voller Sorge um Anna schrie er gegen das Tor and und hämmerte mit blanken Fäusten darauf ein, bis er schließlich es wagte das Tor zu öffnen. Der Schlüssel passte und er begriff nicht was er vor dem Tor sah. Dort lagen die Sachen des Fremden! Eine Tasche, der Gürtel mit jederlei komischen Geräten und Fläschchen, dem Schwert. Alles da! Er packte schnell die Sachen zusammen und stürmte mit wehender Robe, sofern man jenen Stofffetzen noch als Robe bezeichnen konnte, Anna hinter. Er hetzte um Ecken und Winkel und an allerlei Kammern vorbei und schließlich polternd und krachend eine Treppe hinauf, wo er schließlich sich in einem Gang wiederfand, der so gar nicht seiner Kammer ähnelte. Alles war so dunkel und elegant! Vielleicht würde er ja hier den Fremden wieder finden? Dieser Sache würde er später nachgehen. Er stürmte den nächsten Gang entlang und rief so laut er konnte immer wieder den Namen jener kleinen Maus und ebenso kam manch ein teuflischer Fluch über seine Lippen, ehe er eine große Halle erreichte, in der zwei Damen warteten. Brausend blieb er stehen und blickte skeptisch in den Raum.

    Er legte seine Utensilien beiseite und den Kopf etwas schief und schlich und schlurfte um die Statue und die Fremden herum. Er rümpfte manchmal die Nase und lehnte seinen Oberkörper weit nach vorne und Schnupperte an ihnen, so wie es Anna stets getan hatte. Anna! Es durchzuckte ihn als wäre er vom Blitz getroffen worden, so sehr, dass sich Olga die Spinne kurzzeitig aus seinem Bart wagte um zu sehen ob alles in Ordnung war! »Anna!« zischte er, ehe er sich wieder den Damen widmete. »Verzeiht, wenn ich Euer ruhiges stehen hier unterbreche, habt Ihr zufällig Anna gesehen?«
    Last edited by Nicolei; 09.02.2018 at 19:41.

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    Während Madlen immer noch überlegte, ob sie nun etwas in die Schale legen sollte oder nicht, kam auf einmal ein wild aussehender Mann auf sie zugestürmt. Die dürre Gestalt beschnüffelte sie…wie ein Tier, schoss es der jungen Frau durch den Kopf. Er zog seine Runden, zischte etwas und schlurfte weiter. Dann sprach er sie an, was der Bardin Gewissheit gab, es vermutlich mit einem Menschen zu tun zu haben. Nun, sie mussten hier mit einigen verrückten Dingen rechnen, doch bereits in der Eingangshalle so begrüßt zu werden, verwirrte sie doch ein wenig. Vorsichtig neigte die Fürstin aus reiner Gewohnheit den Kopf zum Gruß und sprach: „Seid gegrüßt, Fremder. Mein Name ist Madlen Aynur und ich befinde mich in Begleitung von Sonja. Wir sind weit gereist und erbitten nun die Gunst einer Hilfe, welche nur das Kastell geben kann. Aber verzeiht – wer ist Anna? Niemand ist uns hier allerdings über den Weg gelaufen. Wir sind hier alleine und überlegen die ganze Zeit, ob man eine Gabe entrichten muss, um weiteren Zugang zum den Räumen dieser Hallen zu erhalten. Könnt Ihr uns vielleicht weiterhelfen?“

    Beinahe wollte die Bardin schon an ihre Hüfte langen, allerdings hatte sie alle Waffen vor dem Tor bei ihrem Pferd gelassen. Sie wusste, so lange sie sich hier ruhig verhalten würde, passierte auch ihrem Tier nichts. Oder besser, zumindest hoffte sie dies. Selbst ihre am Handgelenk versteckten Klingen waren in den Satteltaschen verstaut worden. Nun blieb ihr nichts anderes übrig, als zu glauben, dass ihr hier nichts geschehen würde.
    Nervös fuhr sie durch ihr helles Haar und richte ihren Zopf zurecht.

    „Darf ich fragen, mit wem wir es zu tun haben?“

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    »Fremder?! Ihr habt den Fremden gesehen? Ihr habt Ihn gesehen?« rief der Magier entzückt, er war nicht verrückt! Es gab ihn tatsächlich. Es hatte etwas erleichterndes sich zu vergewissern, dass man wirklich noch bei Trost war und es keinen Grund gab, sich Sorgen um seinen Geisteszustand zu machen. Aber das war jetzt alles nicht so wichtig. Es ging um Anna. »Anna? Anna. Anna! Ja! Anna. Eine wundervolle Dame, Sie hatte eine Liebschaft mit einem großen Krieger, der hinterrücks ermordet wurde von widerlichen Schaben! Er kämpfe an Hängen und Schlachten von dem manch einer nur träumen konnte, ich muss auf sie acht geben, sie trauert noch sehr um ihren Verlust, den sie erleiden musste, ich schweife ab!« Während seiner eloquenten Erzählung lies er das Umschlurfen der Statue und der Gäste nicht sein, er blieb höchstens ein, zwei mal stehen um dem gesagten mehr Nachdruck zu verleihen. Wieder blieb er stehen und betrachtete die beiden Damen, die eine sah ja wirklich nett aus, er war durchaus entzückt! Aber das wäre eher was für den Fremden! Kein Wunder dass sie gleich nach ihm fragte! Sie würden perfekt zueinander passen, oder übereinander. Er vollführte seltsame Gesten, wie sie wohl eher zusammenpassen könnten, ehe er inne hielt und wieder die Damen anblickte und weiter schlurfte.
    »Das Kastell. Hervorragende Wahl! Bis auf die beiden Narren dort am Tor.« Mehr zu sich selbst als zu den Gästen murmelte er noch etwas von Schädel vertauschen und kicherte fröhlich in sich hinein. Da gab es ja noch eine offene Rechnung.

    »Gabe? Eine Gabe! Nein. Keine Gabe. Es ist viel mehr der Preis dessen was Ihr sucht und finden möchtet. Dem entsprechend und eures..« Erneut blieb er stehen und betrachtete diese gewisse Aynur in ihrer Lederrüstung und zog skeptisch erst die linke, dann die rechte braue hoch. »..Gesuches.« Seine Kreise ziehend, fuhr er fort, »legt etwas auf die Schale, welches den Wert dessen für Euch entspricht was Ihr sucht. Es ist ein Handel der geschlossen wird. Äußerst Fair wie ich finde. Waren kluge Köpfe diese Dämonen hier.« Wie zum Beweis blickte er sich selbst in der Halle um, um dann seine Erläuterung zu Ende zu bringen, schloss er mit den Worten, »auf das Blutopfer können wir, denke ich, verzichten.« Er blieb ein letztes Mal hinter der Statue stehen und blickte aus seinen tiefen Augenhöhen auf die beiden Damen. Sie sahen wirklich seltsam aus in diesem Aufzug. Schrecklich! Wobei die weißen Haare wirklich interessant waren. Faszinierend und schrecklich zugleich. Wie lange man wohl für einen solchen Zopf an Zeit aufwenden muss? Er verwarf den Gedanken an das Flechten Ihres Zopfes wieder und stellte sich dagegen vor, »Nicolei van Yunarik mein Name«, sprach er äußerst Charmant, entgegen seines Äußeren und nickte leicht mit dem Kopf während er ihn allerdings gleichzeitig wieder schief legte und Olga kurz aus einem Bart blickte, warum denn hier so viel geredet wurde und über die Robe krabbelte nur um in dem Loch an seiner Schulter wieder zu verschwinden. Diese Aufregung in diesen Tagen! Brachte den Rhythmus aller Beteiligten völlig durcheinander!

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    „Aber…“, zu mehr kam Madlen nicht mehr. Sie wollte dem Fremden eigentlich mitteilen, dass er der Einzige gewesen war, den sie bisher gesehen hatten. Nun, bis auf die zwei – hier stimmte die junge Frau dem Mann überein – Narren am Tor. Sehr ärgerliche Zeitgenossen, die sich einen Spaß an den Leiden anderer Menschen machten. Nun, vermutlich waren sie einst auch lebende Wesen gewesen und waren nun gezwungen ihre Zeit mit Streichen zu verbringen. Und dann noch dieses wirre Gerede von einem Fremden. Dieser Nicolei – wie er sich nannte – redete wie ein Wasserfall weiter, nicht nur so schnell, sondern auch in einer gewissen Lautstärke. Er schien sich beinahe in einer eigenen Welt zu verlieren. Anna, nun sie war eine wundervolle Dame. Verstrickt in eine Liebschaft und versunken in tiefe Trauer, aufgrund eines immensen Verlustes.

    Langsam verlor die Bardin die Übersicht, auch wenn es für einen Musiker eine interessante Geschichte war. Und doch, dieses ständige Reden und dann noch das andauernde Umkreisen von dem Fremden machte sie ganz wirr im Kopf. Geistig schlug sie sich mit der flachen Hand gegen den Kopf und versuchte Ordnung in die plötzlich entstandene Unruhe zu bringen. Sie wusste tatsächlich nicht mehr, was sie gerade dachte. Und dann drangen die Worte der Gabe durch. Endlich kam der Fremde zum Punkt. Sie musste etwas geben, was ihr so wertvoll erschien, wie ihr Anliegen war. Nun, sie trug nicht viel bei sich, was diesem auch nur nahekam. Unwillkürlich griff sie an ihren Waffengürtel, welche an sich nun leer war. Bis auf ein kleines Stück Schafsfell – die letzte bildliche Erinnerung an ihre Tochter und dennoch ein schmerzendes Überbleibsel ihrer Vergangenheit. Einige lange Augenblicke sah sie es an. Es war arg mitgenommen von der langen Reise, rötlicher Sand klebte daran. Eigentlich war es kaum noch wiederzuerkennen, so zerfetzt war es von den Kämpfen in Setarrif, während die Echsen dort hausten. Und doch hing so viel daran. Freude und Leid, Tod und Leben. Aber…es war vergangen. Vinona würde nicht wieder zu ihr zurückkehren. Sie würde ihre Tochter nie wiedersehen. Aber vielleicht gab es hier die Möglichkeit Ata erneut zu begegnen.

    Mit einer Träne, welche bereits in Richtung Boden fiel, legte sie das alte Stück Schafsfell vorsichtig in die Schale und sah Nicolei in die tief in die Augen: „Und nun, zeigt mir, wie man mit den Toten spricht und warum ausgerechnet ich eine Brücke ins Jenseits bin!“ Das dem Fremden irgendetwas im Bart rumkrabbelte, ignorierte sie vorerst. Sie war ihrem Ziel so nah, es gab nun kein zurück mehr…

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    »Mit den Toten sprechen? Das ist es was Ihr begehrt?« Nachdenklich kramte er seine mittlerweile erkaltete Pfeife heraus, nur um sich damit nachdenklich am Kopf zu kratzen und sie anschließend zwischen seinen Zähnen zu platzieren. Es vergingen ein paar Minuten wo er wie auf der Stelle angewachsen sich keinen Zentimeter bewegte. Hin und wieder war nur das erfolglose ziehen an seiner Pfeife zu hören. Er beachtete das Stück welches Aynur Vabun gegeben hatte, ehe er auf dem Absatz kehrtmachte und mit einem »Auf! Auf!« zielstrebig in dem Gang zur linken verschwand. Die Gabe wurde angenommen und er dachte einfach, dass sie ihm folgen würden. Falls nicht rief er noch einmal ein »Auf! Auf!« und machte mit seiner Pfeife seltsame Gesten, die keiner wirklich verstand, aber die womöglich bedeuten mussten, dass sie ihm folgen sollten. Er murmelte immer wieder vor sich hin, »Mit den Toten reden.« Wie gefangen in einer Litanei.

    Nun dies war durchaus möglich. Sicherlich. Erst vorhin hatte er mit Peter gesprochen. Es war früh am Morgen gewesen, an seinem Schrein. Natürlich konnte man mit Toten reden, doch es war wesentlich schwieriger eine Antwort zu bekommen. Und dem Ausdruck des Weißschopfes nach, als sie die Gabe übergab zu urteilen, suchte sie mehr als einen Monolog. Er schlurfte erstaunlich schnellen Schrittes durch den Gang, seine zerfledderte Robe wehte im gehen, vorbei an den grausamen Bildern, für die er gerade keine Begeisterung hatte. Ihm viel auch nicht auf, dass eine Maus ihm die ganze Zeit folgte.

    Er folgte weiter dem Gang der rechts abbog und zog erneut an der kalten Pfeife, vorbei an einigen Türen. Er war in Gedanken. Tote reden für gewöhnlich nicht. Sie klappern höchstens. Gackern. Doch er kannte einen Ort wo des Rätsels Lösung zu finden sein würde. Doch die beiden Gäste brauchten Ruhe und er musste nachdenken. In Ruhe. Er blieb Schließlich stehen und öffnete nach einem kurzen Zick Zack den der Gang schlug, scheinbar eine beliebige Türe. Es waren die Unterkünfte für Gäste. Nicht sehr Ansehnlich, ohne viel Privatsphäre, aber Zweckdienlich. Die kleine Maus war dagegen wieder unter dem ausgefransten Rest des Bodensaumes verschwunden. »Später bei einem Glas Wein mehr, ruht etwas. Ich erwarte Euch weiter vorne im Refektorium. Solltet Ihr fragen haben, fragt die Dämonen.«

    Mit wehender Robe war er wieder verschwunden und lies den Weißschopf, Sonja und Anna zurück. Noch einmal blieb er an der Ecke des Ganges stehen und rief noch einmal, ohne sich umzudrehen, »Anna! Auf! Auf!« Und die kleine Anna huschte auf ihren kleinen Beinchen hinter dem Magier her und beide waren hinter der Ecke verschwunden.

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    Er war schon seltsam gewesen, dieser Nicolei. Aber scheinbar konnte er ihnen helfen. Zumindest hoffte Madlen dies. In diesen Mauern konnte man sich letztlich nie sicher sein, wie einem geschah. Der Fremde führte sie durch viele, viele Gänge und es wirkte beinahe so, als wäre da Gebäude innen größer als es von außen aussah. Nun, wie dem auch sei, schlussendlich gelangten sie in einen Raum, der für Gäste gemacht zu sein schien. Es gab ein paar einfache Betten und ansonsten sehr spärliche Einrichtung. Das Zimmer selbst war von Kerzen nur mangelhaft erhellt. Nachdem er sie auf später in das Refektorium eingeladen und auf die Dämonen verwiesen hatte, welche ihnen den Weg weisen könnten, verschwand Nicolei. Trotz der geschlossenen Türe konnte man ihn noch etwas Rufen hören. Wieder diese Anna, wer auch immer das sein mochte.

    Und dann hatten sie gewartet und seit einiger Zeit tatsächlich wieder geruht. Sonja sprach nicht viel und Madlen war die Stille recht. Sie legte sich auf ein Bett und schloss kurz die Augen. Nur für einen Moment, ein wenig Erholung. Keine Angst haben zu müssen, dass etwas passieren könnte. Die Gedanken trieben in weite Ferne, während die Augen die Bilder der Vergangenheit erblickten. Es wirkte so real, wie dieser ganze Ort selbst. Sie ritt über weite Ebene, hohe vom winterlichen Schnee bedeckte Berge und durch lichte Wälder. Massive Steinmauern erhoben sich vor ihr und mächtige Holztüren schwangen auf, während sie an der Seite ihr unbekannter Krieger feierlich in die Stadt ritt. Überall standen Menschen, jubelten ihr zu und doch war etwas seltsam. Vorsichtig blickte sich die Fürstin um, wollte an ihr Schwert greifen. Doch es war nicht da, sie trug auch nicht ihre übliche Kleidung. Vielmehr ein solches, wie damals in Thorniara, während ihrer Arbeit für Redlef. Als sie in die Menge blickte, meinte sie kurzzeitig sein Gesicht ausmachen zu können. Und war dort nicht auch Sonja? Plötzlich ein Gerangel, ein kurzes Aufblitzen von gleißendem Licht und…

    Madlen riss die Augen auf. Sie lag immer noch auf einem der Betten im Gästeraum und hatte sich scheinbar nicht bewegt. Sie konnte nicht sagen, ob es Nacht oder Tag war und es schien auch egal zu sein. Sonja schlief weiterhin und so versuchte die junge Frau so leise wie möglich den Raum zu verlassen und machte sich auf die Suche nach dem Refektorium. Aber egal, wie viele Gänge sie durchstreifte, sie konnte Nicolei nicht finden. Verärgert blieb sie stehen und trat mit dem Schuh gegen eine nahe Tür. Mit einem Mal erschien eine schemenhafte Gestalt mitten in der Luft vor ihr, sodass Madlen vor Schreck erst einen Satz rückwärts machte und instinktiv eine Verteidigungshaltung einnahm. Doch das Wesen rührte sich nicht. Vorsichtig lockerte die Bardin einige Augenblicke später ihre Position und blickte in Richtung von dem Schatten. Aber selbst bei genauer Betrachtung war nicht auszumachen, was da vor ihr war. Es sprach auch nicht, sondern schwebte einfach weiter auf der Stelle. „Was bist du?“ Keine Antwort. „Kannst du mir helfen?“ Immer noch nichts. Also versuchte es die Prinzessin weiter, bis sie sich an die Worte von dem Fremden erinnerte. „Wo ist das Refektorium?“
    Das Wesen hob daraufhin vermutlich einen Arm – oder was auch immer – und zeigte in eine Richtung. Madlen zuckte innerlich mit den Schultern und meinte: „Was soll schon passieren?“. Anschließend ging sie los. An jeder noch Abzweigung war erneut der Schatten da und wies sie weiter an. Es dauerte lange, sehr lange, aber schlussendlich fand sie ihr Ziel. Allerdings wurde sie das Gefühl nicht los, dass das Wesen sich einen Spaß erlaubt und die junge Frau im Kreis herumgeführt hatte.

    Als sie den Raum betrat war sofort klar, wo sie sich befand. Es war ein typischer Speisesaal, nur eben auf die Art des Kastells. Dennoch hatte er die obligatorischen Tische und Bänke. Nicolei war nicht zu sehen und aus diesem Grund nahm Madlen mitten im Raum Platz. „Ein Schluck Wasser wäre jetzt nicht schlecht!“, murmelte sie vor sich hin. Sie sah sich um und nichts passierte. Nun, vermutlich musste man warten, bis jemand kam. Also tat sie genau das…

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    Bei einem Bad konnte man am besten nachdenken. So sagte es zumindest der Volksmund. Wobei man auch gerne auf den Willen des Volkes verzichten konnte, solange es dem Zweck diente. Nahm man diese beiden Tatsachen zusammen, so war es rein pragmatisch, dass der Magier sich ein Bad gönnte, während die Gäste ruhten. Doch er selbst ruhte nicht. Zu sehr beschäftigte ihn diese These die das Weißhaar aufgestellt hatte. Mit den Toten reden. Er kannte natürlich den Ort, wo die Antwort auf diese Frage, womöglich jede Frage, die es auf der Welt gab, zu finden sein würde. Ebenso jede Frage, die jemals erdacht werden könnte. Es war einfach. Simpel. Warum lies er dann die Gäste warten? Als er wieder durch die Hallen des Kastells auf der Suche nach Anna (welche nebenbei bemerkt, es sich nach all der Aufregung auf seinem Bett bequem gemacht hatte), wusste er wieder was die Worte des Fremden zu ihm zu sagen versuchten. Die Welt wartete auf ihn. Nur welche Welt? Er wusste nicht einmal welchen Wochentag, Monat, oder Jahr wir mittlerweile schrieben. Floskeln. Nichts weiter als Floskeln.

    Aber Floskeln liegt eine Wahrheit zu Grunde. Ebenso eine Wahrheit die Scheinbar die Gäste des Kastells zu suchen wünschten. Der Wille des Gottes war eindeutig. Die Gabe wurde angenommen. Es oblag nun ihm selbst, dies zu tun. So wollte es wohl der Gott auf dem Knochenthron. Es lag eine Ironie darin, wenn er so darüber nachdachte. Und er dachte viel über seine Wege nach, wer er war, was er war. Vielmehr ein Tier, als ein Mensch. Ein undressiertes. Wild und ungestüm. Vielleicht als Welpe zu oft fallen gelassen worden. Er beachtete sich selbst, nach langer, langer Zeit wieder einmal in einem Spiegel. Nein. Er glaubte noch immer nicht, dass er der Magistrat war. Ein passender Name, dem er dem Fremden gegeben hatte. Er konnte nicht immer der Fremde sein. Er brauchte einen Namen. Da er den Namen nicht kannte und Albert leider schon zu oft vergeben war, war es nun eben der Magistrat. Aber jener hatte ihn schließlich auch zu den Gästen geführt. Die Gäste!

    Die hatte er bei all dem Nachdenken völlig vergessen! Es blieb keine Zeit mehr, den Bart zu stutzen, die Haare, das Gesicht zu Kämmen und die Nase zu flechten. Er warf sich seine abgetragene, alte, zum Teil schon steife Robe über und aus einem alten Reflex heraus, warf er sich die Kapuze über, die mehr als nur in Mittleidenschaft geraten war. Er hatte bei einem Brettspiel aus Kieselsteinen, einen Teil der Naht und des Stoffes an Peter verloren. Witzige Gesichte, die einem Lied würdig wäre. Aber er stürmte aus dem Gemach hinaus und blieb, als seine Türe ins Schloss fiel kurz stehen.
    Wo wollten sie sich noch einmal treffen? Es war ein toller Ort den er sich ausgesucht hatte, da war er sich sicher. Er suchte nur tolle Orte aus. Meist Gefängnisse. Oder Kerker. Oder dort wo man trinken kann. Das Refektorium!

    Er eilte in aller Ruhe die Flure und Gänge des Kastells auf und ab und eine Treppe hinab und den Gang rechts, bis ihm einfiel, dass er links musste und dann wieder links und einmal rechts, einmal im Kreis drehen und er würde da sein. Er fragte sich, wie es Leute schafften sich in diesem logisch angelegten Labyrinth zu verlaufen? Schlurfend betrat er, etwas frischer als er vorher war, doch noch genauso zerstreut und verwildert das Refektorium. Und sah den Weißschopf an einem der Tische sitzen.

    »Welche Freude Euch zu sehen Weißhaar!« rief er übertrieben und warf seine Arme in die Luft und vergaß vielleicht sie wieder aufzufangen. Aber man sollte Redewendungen auch nicht stets ernst nehmen. »Gut geruht?« warf er sogleich noch, aller Freundlichkeit hinterher. Er freute sich vielleicht etwas zu übertrieben, aber durchaus ernst gemeint. Geschmeidig und mit einer anmutenden Leichtigkeit nahm er gegenüber dem Weißschopf platz. »Keinen Hunger?« Fragte er irritiert. »Dabei war heute doch… lassen wir das lieber. Wie wäre es mit einem Wein und vielleicht etwas Brot? Und Käse für Anna nicht zu vergessen!« Und ohne auf eine Antwort zu warten erschien mit nur einem Wimpernschlag eine Karaffe Wein auf dem Tisch und etwas Brot. Yunarik übernahm die freundliche Geste einzuschenken und leerte nach einem kleinen Toast auf Anna, Peter, das Leben, den Tod, die Gebeine, das Leiden und Foltern, das Glas in einem Zug. Herrlich einmal wieder frischen Wein zu trinken. Wie hatte er es all die Jahre ohne überstanden? Das kleine Stück Käse dass er bestellt hatte schob er etwas an die Seite des Tisches und lies Anna aus seinem Ärmel schlüpfen, die sich sogleich über den Käse hermachte. Yunarik schenkte sich selbst nach und begann sogleich das Gespräch, in dem er die Hände wie beim Gebet ineinander verschränkte und aus seinen tiefen Augenhöhlen starr auf Madlen blickte. »Warum?«
    Last edited by Nicolei; 10.02.2018 at 23:28.

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    Der Zirkel um Xardas im Forenrollenspiel
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    Esteban hob die Hand, bedeckte sein Gesicht damit und schüttelte den Kopf. Die Idee mit dem Seil konnte nicht funktionieren.
    Und so war es auch. Hirni warf das Seil hoffnungsfroh, doch sobald er es geworfen hatte, blieb es mit seinem vordersten Teil in der Luft hängen, es erstarb sozusagen in seiner Bewegung, denn es war in den Gesetzen der Zeitdilatation gefangen. Alles, was nicht an der Spitze des Seils war, staute sich auf und fiel zu Boden, während die vorderen drei oder vier Fuß in der Luft verharrten, gefangen in einem anderen Zeitkontinuum, das, gespalten in viele schalenförmig aufgebaute unterschiedliche Zeitverzerrungen, das Seil langsam auseinander reißen würden, Je nach Geschwindigkeit der Zeit würde der Teil des darin befindlichen Seils schneller oder eben langsamer bewegt werden. Jedenfalls für den äußeren Betrachter. Für den im Zentrum befindlichen würde sich das Seil in ganz normaler Geschwindigkeit auf ihn zu bewegen. Nur eben für Hirni, Dumak und Esteban, die außerhalb der Verzerrung standen, mit äußerst langsamer Geschwindigkeit. Vermutlich würden sie Jahrhunderte darauf warten müssen, bis das Seil im Inneren der Dilatation angekommen sein würde. Oder angekommen werden würde? Worden sein? Werden worden sein? Worden sein gewesen wurde? Zeitformen für erst in Zukunft abgeschlossene Dinge, deren Geschehen man andererseits aber schon als erledigt betrachtete, waren schwierig zu artikulieren. Das Futur II bot da nur wenig Hilfe. Aber es war ja auch nicht für magische Probleme gemacht, sondern für den Alltag normaler Menschen.
    »Dumak, deine Idee von den magischen Räumen und ihren Gegenpolen war vielleicht gar nicht schlecht«, meinte der Schwarzmagier dann, als das Seil, das von Hirni geworfen worden war, effektvoll auf dem Boden aufschlug. (Abzüglich der Teile, die in der Mitte des Raumes in der Luft hängen blieben und sich über kurz oder lang vom Rest trennen würden.)
    »Anscheinend bist du ein hellerer Kopf, als ich bisher dachte«, lobte er ihn. »Wenn wir also einen Raum finden, in dem die Zeit ungeheuer beschleunigt ist, dann könnten wir vielleicht alles miteinander ausgleichen!«
    Das war eine revolutionäre Erkenntnis. Zumindest für einen Schwarzmagier.
    »Ich werde einen Dämon befragen«
    Dieses Vorgehen erhob sich langsam zum Standardverfahren.
    »Dämon!«, rief Esteban und kurz darauf erschien eine dieser rätselhaften Kreaturen wie aus dem Nichts.
    »Sage mir, gibt es ein Gegenteil zur Kammer des temporalen Nullpunkts? Einen Raum, in dem die Zeit so schnell abläuft, dass es für den menschlichen Geist nicht zu fassen ist, dass jeder Mensch dort drin sofort zu Staub zerfällt?«
    Fast schon triumphierend wartete er auf die Antwort.

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