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    Kämpfer Isegrim's Avatar
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    Die Gilde Innos' im Forenrollenspiel
    Isegrim is offline

    Kloster des Feuers zu Nordmar

    »Herrje, Junge, wir haben hier nicht unendlich viele Übungsschwerter«
    Der Quartiermeister der hiesigen Ordensmiliz schüttelte den Kopf und musterte Isegrim von oben bis unten, wie er vor ihm stand und das nun schon dritte zerlegte Übungsschwert vorführte.
    »Was machst du damit? Auf Steine einprügeln? Oder versuchst du damit Quader aus der Mauer zu hebeln?«, fragte der Mann und schüttelte erneut den Kopf.
    »Es wird dir seltsam vorkommen«, antwortete Isegrim langsam, »aber ich übe damit. Das Kämpfen. Verstehst du? Habe mal gelesen - ist aber auch ewig her - das dabei Schwerter, gerade die aus Holz, recht schnell zu Bruch gehen. Angeblich sogar echte Schwerter, beispielsweise in echten Kämpfen. Ist aber so eine neue Sache, wird sich bestimmt nicht durchsetzen, dieser bewaffnete Kampf ...«
    Der Quartiermeister seufzte und spuckte aus. »Bei Innos, ihr Brüder vom Orden seid manchmal ein echt abgehobener Haufen.«
    »Ich bin so sehr Ordensbruder wie du Schuster, Bruder. Meinetwegen erstatte ich dir die Holzschwerter, aber irgendwie muss ich üben. Und meine eigene Klinge will ich dafür nicht schartig schlagen.«
    »Das mag wohl sein. Aber pass trotzdem auf, dass du mir hier nicht den ganzen Bestand an Übungswaffen zerhaust«, lenkte der Mann ein, »sonst muss ich dem Offizier wieder erklären, wo das Problem ist. Und der Typ lässt mit sich ungefähr so gut reden wie mit einem Troll.« Ein kurzes Grinsen huschte über seine Züge. »Viel Spaß, du Krieger.«

    Langsam aber sicher fühlte sich Isegrim schon fast als Teil der hiesigen Soldaten des Ordens, einfach aus dem Grund da ihr Aufenthalt sich schon etwas hinzog. Da Isegrim sich jedoch bemühte, ein gehorsamer und guter Knappe zu sein, hinterfragte er nicht die Beweggründe seines Ritters, hier länger zu bleiben. Das war dann einfach so. Und je später sie gen Norden aufbrechen würden, umso besser. Denn der Soldat brannte nicht unbedingt darauf, dort oben an der Nordgrenze mit allerlei übernatürlichem Zeug in Kontakt zu kommen. Ha, würde Yared ihm nun sagen, dass es Richtung Süden, an die Südspitze des Kontinents gehen würde, wäre Isegrim der Erste, der seine Sachen gepackt hätte. Aber nun, dafür war der Korsar zu pflichtbewusst.

    Isegrim nutzte die Zeit natürlich weiterhin für das Training im Schwertkampf und durfte durchaus behaupten, dass er ein passabler Kämpfer war. Immer wieder übte er mit Kaldrin, wenn er einen 'schweren' Gegner brauchte oder gar mit Zarah, wenn er den schnellen Waffengang exerzieren wollte. Beide Gefährten Yareds stellten sich dafür gerne zur Verfügung und Isegrim nutzte die Möglichkeit mehr als aus. Zwischendurch traf er sich immer wieder mit seinem Bruder Halfgar. Beide nutzten sie diese Treffen, um sich langsam wieder anzunähern und alte Wunden zu schließen. Mal herrschten ernste Themen, dann wieder lachte man bei einem guten Tropfen Nebelgeist über alte Geschichten, die zu jener Zeit, da sie stattgefunden hatten, übel gewesen waren, in Nachbetrachtung jedoch durchaus unterhaltsam.

    Trotzdem erfüllte den Ordensbruder eine gewisse Unruhe. Was hielt Yared so lange an diesem Ort? Was suchte er? Oder zweifelte er an ihrer Mission? Isegrim wusste es nicht, aber er war sich sicher, dass er es früh genug erfahren würde.

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    Korsar der myrt. Krone  Yared's Avatar
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    Die Gilde Innos' im Forenrollenspiel
    Yared is offline

    Große Bibliothek, Kloster des Heiligen Feuers, Nordmar, Provinz des Großreichs Rhobars III.

    Sie werden kommen und dich bitten. Das Schreiben ist schon auf dem Weg. Wäge sorgfältig ab und entscheide weise.

    Es waren diese wenigen Zeilen, die Yared ruhelose Tage bereiteten. Sie stammten von Magister Arvideon und waren kurz nach ihrem Eintreffen im Kloster von einem berittenen Boten vom Hammerclan überbracht worden. Für uneingeweihte mochten die drei Sätze recht verschwörerisch klingen, für den Kapitän war klar, dass es hier um eine lebenswichtige Entscheidung ging. Vielleicht täuschte er sich aber auch und die Entscheidung selbst war gar nicht so weitreichend? Vielleicht war weitreichender, wie er sie anschließend mit Wort und Tat füllen würde?
    Yared war dem Orden ja nicht abgeneigt. Er hatte selbst hin und wieder darüber nachgedacht, die Gelübde eines Ordensritters auf Zeit abzulegen und für ein halbes Dutzend Winter in die Dienste des Ordens zu treten. Hätte er die Santorija und die Verpflichtung gegenüber seinen ehemaligen Sippengeschwistern im Waldvolk nicht, hätte er es vermutlich auch längst getan. Aber das hier war eine lebenslange Bindung. War das mit seinen Verpflichtungen vereinbar? Bestanden da überhaupt noch die Verpflichtungen, ging sie noch so weit oder bildete er sich da nur etwas ein? War das einfach die Art, die er sich als Sippenführer angewöhnt hatte und die ihn jetzt in längst geborstenen Ketten verweilen ließ?
    Vielleicht war es auch einfach nur Feigheit. Er wusste schon jetzt, dass er nicht mit jedem in diesem Verein konnte, und das nicht nur, weil man bei einer so mitgliederstarken Gruppierung wie dem Orden und der Kirche davon ausgehen musste, sondern weil er sich schon Feinde unter ihnen gemacht hatte. Doch unterstand er nicht jetzt schon oft genug militärisch dem Kommando eines politischen Gegners? Als Paladin würde er nicht mehr viele über sich haben. Aber war dieser Gedanke dann nicht purer Eigennutz?
    In jedem Fall machte sich Yared die Entscheidung nicht leicht und da sie unausweichlich auf ihn zu kam, bestimmte sie bald jedes freie Glasen. An diesem Abend hatte er sich mit der Erlaubnis von Meister Altus, dem Vorsteher des Klosters, in eine der zahlreichen Studierzellen der großen Bibliothek zurückgezogen. Er hatte in den heiligen Schriften gelesen, Heiligenlegenden überflogen und so manches Stoßgebet ausgesprochen auf der Suche nach Orientierung in der ihn so stark fesselnden Fragestellung.
    Umso unerwarteter traf ihn der Besuch.
    "Innos zum Gruße, Bruder."
    Yared sah irritiert auf. Schon lange hatte ihn niemand mehr so betitelt. Im Waldvolk war es einst üblicher Umgang gewesen, auch wenn der Brauch sich untereinander Schwester und Bruder zu nennen in letzter Zeit auch im Wald aus der Mode gekommen zu sein schien.
    Er schob den Gedanken rasch beiseite, um nicht unhöflich zu sein. "Auch Euch den Segen des Herrn, Sir ...?"
    Der Paladin war verhältnismäßig jung für einen Mann seiner Stellung im Orden, zumindest verglichen mit Größen der alten Garde, mit Khorinis Veteranen, wie Sir Iwein. Warum ihm ausgerechnet der jetzt in Erinnerung kam?
    Sein Gegenüber jedenfalls war ungefähr in Yareds Alter, vielleicht hatte er sogar ein paar Winter weniger auf dem Buckel. Seine Augen jedoch waren klar und besonnen, obgleich der Kapitän meinte ganz kurz den Schalk weiser Männer aufblitzen gesehen zu haben.
    "Lord Olivier, ich bin der Wächter des Tempels. Und Ihr seid?"
    "Sir Yared Garethson, Reichsritter zu Geldern."
    "Verzeiht die vertrauliche Anrede, Sir Yared, ich ..."
    "Macht Euch keinen Kopf deswegen. Ich selbst habe Euch einen zu niedrigen Rang angedacht. Wir sind mehr als quitt, außerdem passiert mir das ständig."
    Olivier nickte wissend. "Wahrlich, ein beliebter Fehler in diesen Tagen."
    "Und ein allzu verständlicher.", pflichtete ihm Yared bei, "Die Jahre der Orkherrschaft haben die Reichsritter stärker getroffen als die Ritterschaft des Ordens. Die gelichteten Reihen sind immer noch dünn. Reichsritter sind selten geworden. Eine ganze Generation ist in weiten Teilen der myrtanischen Landen ohne sie aufgewachsen. Ich selbst hatte seit Jahrzehnten keinen mehr getroffen, bevor ich selbst den Ritterschlag erhielt."
    Es war eine durchaus interessante Entwicklung, die das Rittertum in Myrtana seit der Orkinvasion genommen hatte. Vor allem wurde daran sichtbar, welchen Einfluss der Orden und die Kirche in den Jahren der Besatzung gewonnen hatten, in denen sie in weiten Reichsteilen die staatlichen Institutionen ersetzt und den Widerstand in ganz Myrtana angeführt hatten. Die ihnen daraus erwachsene Stellung in Militär und Verwaltung des Großreichs hatte sich in den Jahren seitdem fortgesetzt.
    "Ich genieße gerne die Stille der Einsamkeit, um in Zwiesprache mit dem Herrn meine Gedanken zu ordnen."
    Wo er sonst einsame Aussichtspunkte oder das Achterdeck der Santorija aufsuchte, um alleine zu sein, war der einzige Ort an dem ihn hier niemand störte und der nicht scheinbar ständig von eisigen Winden umtost war, eine der Studierzellen der großen Bibliothek, deren Räumlichkeiten in einen Schacht tief in den Fels unter der Klosteranlage eingelassen war.
    "Dann entschuldigt, dass ich Euch unterbrechen muss, aber man hat mir den Auftrag erteilt, Euch persönlich zu unterrichten, dass man sich an höchster Stelle dafür ausgesprochen hat Euch die Hohen Weihen eines Paladins anzutragen - wie ich jetzt weiß, verbunden mit einer Aufnahme in den Orden, Sir Yared."
    Mit diesen Worten legte er ein versiegeltes Pergamentpapier neben die Öllampe auf den Büchertisch. Yared war vorgewarnt worden, dennoch traf ihn das Unbehagen. Seine auch sonst gern starre Miene wurde noch ein wenig unbeweglicher.
    "Habt ihr je über einen Eintritt in den Orden nachgedacht?"
    Yared brauchte das Dokument nicht zu lesen. Ein Blick auf das Äußere des Brief genügte.
    Es waren der Siegel drei, links das Siegel des Statthalters von Argaan, rechts das Siegel des Großmeisters zu Gotha und zentral das des Heiligen Rates zu Vengard in der Fassung, wie es üblich war, wenn die Oberste Priesterin dem Beschluss beigewohnt hatte - der berühmte Dreiklang, links die Empfehlung, rechts die Zustimmung und mittig die hohepriesterliche Approbation.
    "Nachgedacht schon. Einen Entschluss gefasst nicht. Aber angesichts der Ereignisse der letzten Monde habe ich bereits damit gerechnet, dass man mir die Gelübde anträgt."
    Olivier nickte stumm. Der Wächter des Tempels würde ihn nicht bedrängen, ihn nicht sofort fragen, ob er bereit war die Gelübde abzulegen, die Weihen zu empfangen.
    "An diesem Ort fordert Innos seit jeher schwer Entscheidungen. Große Männer des Glaubens haben hier mit ihren Zweifeln gerungen. Ich habe es selbst viele Male gesehen. Ich habe es selbst erfahren dürfen. Lasst Euch aber eins gesagt sein, Sir Yared: Innos stellt Euch nur vor die Entscheidungen, die Ihr auch fällen könnt. Doch egal, wie Ihr Euch entscheidet, es ist der Weg der Ordnung Innos. ER stellt Euch vor die Wahl. Egal, was Ihr wählen werdet, es wird in seinem Sinne sein." Und mit diesen Worten verschwand der Ordenskrieger.
    Last edited by Yared; 08.02.2019 at 00:24.

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    Waldläuferin Larah's Avatar
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    Die Waldbruderschaft im Forenrollenspiel
    Larah is offline

    Torhaus, Kloster des Heiligen Feuers, Nordmar, Provinz des Großreichs Rhobars III.

    Es war früher Abend, als sich die beiden Gestalten aus dem dichten Schneetreiben schälten und zwischen den runenverzierten hölzernen Stelen hindurch unter den ausladenden gemauerten Bogen des Torhauses traten.
    Jodas ging zu dem kleinen Durchlass im Tor und ließ den Ring heftig auf den Knopf des ehernen Türbeschlags niedersausen, während Larah sich noch Schnee und einzelne verschwitzte Strähnen ihres goldblonden Haares aus dem Gesicht strich.
    Sie warteten einen Moment. Larahs Blick wanderte nach oben, von wo ihr die eiszapfenbehangenen Fänge eines Fallgatters entgegengrinsten.
    Dann regte sich auf der anderen Seite des schweren Eichentores jemand. Mit einem zackigen Knall wurde die Klappe des Sichtschlitzes neben der eingelassenen Tür beiseite geschoben. Dahinter flackerte Fackelschein und es ertönte ein leicht mürrisches "Wer da?"
    "Werter Herr, wir sind zwei Jäger aus Myrtana und ersuchen für die Nacht um Zugflucht vor dem Schneesturm", antwortete Jodas.
    Ohne Rückmeldung schloss sich die Sichtklappe wieder. Dann hörten sie, wie die Schlösser nacheinander entriegelt wurden. Die Tür schob sich gerade soweit auf, dass sie nacheinander hindurchschlüpfen konnten.
    Drinnen erwarteten sie drei ebenso dick wie sie selbst eingepackte Soldaten in der Livree der Kirche. Der eine hielt eine geladene Armbrust in Händen. Der zweite stand ihnen zur Rechten mit einer Hellebarde gegenüber. Der, der ihnen die Tür geöffnet hatte, ließ seine Rechte griffbereit auf dem Knauf seines Schwertes ruhen, während er mit der Linken die Tür hinter ihnen wieder ins Schloss fallen ließ. Die drei hatten sie nach allen Regeln der Kunst umstellt.
    Gemeinsam mit den Soldaten saßen sie nun erstmal zwischen dem Tor und einem dahinter befindlichen zweiten Fallgatter des Torhauses fest.
    Durch die Streben des Gatters hindurch konnte Larah in den durch die umstehenden hoch aufragenden Felsen und die diese ergänzenden Klostermauern vor dem Wind geschützten Innenhof sehen. In der Mitte stand eine Gerichtskiefer. Dahinter waren Teile von Wirtschaftsgebäuden, ein Sakralbau und ein Aufgang der im Fels verschwand. Unweit trainierten zwei Krieger den Waffengang mit dem Schwert.
    "Was sucht ihr in diesen entlegensten Winkeln Nordmars?", brummte der mit dem Schwert dumpf durch den vor seinen Mund geschlagenen Schal.
    "Wir kommen von der nordwestlichen Hochebene, haben dort Wollbisons gejagt und waren auf dem Weg zum Hammerclan, um unsere Vorräte aufzustocken, als uns der Schneesturm überraschte", erklärte Larah.
    "Ihr seht nicht aus wie Nordmarer", stellte der Armbrustschütze - soweit Larah das bei den tief ins Gesicht gezogenen Kapuzen erkennen konnte, der jüngste der drei - fest.
    "Wie ich schon sagte, kommen wir aus Myrtana, aus Silden, Herr", erwiderte Jodas. Es war am einfachsten, wenn man eine Tarngeschichte so nah, wie möglich an der Wahrheit hielt.
    "Die nordwestliche Hochebene ist vom Hoftag zu Vengard als Jagdrevier den Fürsten des Feuerclans zugesprochen worden. Könnt ihr eine Jagdgenehmigung vorweisen?"
    Larah grinste leicht gezwungen hinter ihrem Schal. Sie liebte die Bürokratie der Myrtaner. Sie war hoch effektiv und faktisch überall, selbst in dieser eisigen Einöde. Und sie war lästig und in ihrer Situation absolut nicht hilfreich.
    Während sie über eine gute Ausrede nachsann beziehungsweise darauf hoffte, dass Jodas noch ein Ass im Ärmel hatte, wanderte ihr Blick zu ihren Füßen. Die Kälte ließ sie ihre Zehen trotz der isolierenden Fellstreifen, die sie um ihre Stiefel gewickelt hatte, schon seit einigen Stunden nicht mehr recht spüren. Sie musste endlich ins Warme, am besten gleich ein warmes Bad.
    Larah sah auf, als sie Schritte durch den Schnee des Innenhofs auf sie zukommen hörte. Die beiden Trainierenden hatten ihren Schlagabtausch unterbrochen und kamen, der größere von beiden voran, auf das Torhaus zu.
    "Ich kenne die beiden. Sir Yared wird für sie bürgen", sagte der Krieger, dessen gewaltiger Scimitar ihr bei Näherem bekannt vorkam.
    "In Ordnung." Der mit dem Schwert, der wohl das Kommando führte, nickte und rief irgendjemandem auf den Laufgängen über ihnen zu: "Öffnet das Gatter!"
    Last edited by Larah; 31.01.2019 at 20:41.

  4. View Forum Posts #84 Reply With Quote
    Kämpfer Isegrim's Avatar
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    Die Gilde Innos' im Forenrollenspiel
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    Kloster des Feuers zu Nordmar

    Jäger aus Silden unterwegs im eisigen, verschneiten Norden. Aufmerksam beobachtete der Soldat die beiden Jäger, eine junge Frau und einen Mann, die dick in Felle gehüllt waren, dass sie auf die Ferne fast wie kleinwüchsige Orks aussahen. Gerade waren er und Kaldrin in einem Übungskampf verwickelt gewesen, als sie bemerkt hatten, dass es ein hitziges Gespräch am Eingang des Klosters gab. Sofort war der Veteran hin geeilt und hatte für die Neuankömmlinge gebürgt. Isegrim hingegen hatte sich schweigend, beobachtend im Hintergrund gehalten. Er war trotz seiner Ordensangehörigkeit immer noch ein Meister der Diebeskunst und konnte durchaus sagen, wann jemand log. Und die Begründung dieser Frau, die der Soldat noch gehört hatte, war entweder schlichtweg erlogen oder ganz einfach die Wahrheit. Keinen verfluchten Midländer aus Silden würde es in den Norden treiben in dieser Jahreszeit. Der nordmarische Winter gehörte den Jägern und Waidmännern vom Wolfsclan, die sich erst in dieser Jahreszeit so richtig wohl fühlten. Und nicht irgendwelchen Sildenern.

    Weiterhin schweigend folgte Isegrim Kaldrin und den neuen Gästen, die zu Yared geführt wurden. Er hoffte inständig, dass es alsbald weiter gehen würde. Vielleicht würden ja gar diese beiden Jäger Bewegung in die derzeitige Starre ihrer Gruppe bringen.

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    Waldläufer Riannon's Avatar
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    Riannon is offline

    Hammerclan

    »Weib, gehört dieser alte Krüppel zu dir?«
    Riannon wandte sich vom Stand einer greisen, nordmarischen Kräuterhändlerin ab, um den Urheber der tiefen, grimmigen Stimme zu sehen. Ein hochgewachsener Krieger in der traditionellen Rüstung der Nordmänner, jedoch mit einem Überwurf des Großreiches von Myrtana. Einige Schritte hinter dem Krieger standen zwei seiner Kameraden und hielten ein menschliches Wrack zwischen sich. Den Alten. Rias Miene wurde betrübt. Sie nickte langsam.
    »Ja, er gehört zu mir ... ich habe ihn nur längere Zeit nicht gesehen.«
    »Das interessiert mich herzlich wenig, Weib!«, fuhr sie der Mann an, »Er ist ein Krüppel und hat offensichtlich Probleme, also bist du für ihn verantwortlich.«
    Bevor Riannon eine scharfe Antwort zurückgeben konnte, warfen die Krieger ihr den Alten vor die Füße, wo er aufstöhnte und sich mitleiderregend wand. Innerlich kochte die sie. Der Alte rollte auf den Rücken und sah sie mit einem Blick an, der nur so im Alkohol schwamm. Sie wirbelte zur Kräuterfrau herum
    »Wasser?«, fragte sie nur mühsam um Ruhe bemüht. Die Frau deutete auf einen Trog in der Nähe, der für Pferde gedacht war. Ria mobilisierte all ihre Kräfte und zerrte den lallend protestierenden Alten dort hin, packte seinen Kopf und drückte ihn für einige Sekunden unter Wasser. Als sie seinen Kopf herauszog, prustete und schimpfte er, holte überrascht Luft, ehe sie ihn ein weiteres Mal untertauchte. Dann stieß sie ihn weg.
    »Du alter, beschissener Narr!«, fuhr sie ihn an, »Du elender Feigling!«
    »W... was ...?«, schnaufte der Alte.
    »Du bist das mit Abstand Armseligste, was ich in meinem Leben gesehen habe! Du hast nur deine beschissene Hand verloren. Deine Hand! Nicht beide Beine, nicht deine Arme, nein, nur eine verfluchte Hand! Bei den Göttern, ja, es ist deine Schwerthand aber das ist kein Weltuntergang! Dann kannst du eben nicht mehr kämpfen, dann sind deine Kriegertage gezählt! Du hast mir so oft erzählt, dass du früher ein belesener, wissbegieriger Mann warst! Du könntest, du ...«
    Riannon brach ab, schüttelte den Kopf. Sie hatte eine Entscheidung getroffen. Sie bemühte sich um einen kalten Blick.
    »Ich bin fertig mit dir. Ertränke dich eben in Selbstmitleid und Alkohol. Ich verschwinde, mach's gut.«
    Ria wirbelte herum und stapfte davon. Ebenso wie sein Sohn, ließ sie den alten Mann gebrochen zurück, doch gab es immerhin in diesem Falle noch Hoffnung, waren die wütenden Worte ein Weckruf gewesen. Ria war es nun gleich, so schwer es auch sein würde.

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    Waldläufer Riannon's Avatar
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    Die Gilde Innos' im Forenrollenspiel
    Riannon is offline

    Hammerclan

    Wieder befand sich die Frau im Norden. Alleine, ohne jegliche Art von Begleiter. Kein Liebhaber, keine Weggefährten, die einer Familie gleich sind. Nur sie alleine. Vielleicht, so schien es, war dies ihr Schicksal. In einer Welt voller Menschen zu leben und doch allein zu sein, auf sich gestellt und für sich selbst kämpfend. Riannon seufzte, während sie in der Taverne des Hammerclans ihre Vorbereitungen zur Abreise traf. Sie dachte an all die Geschehnisse und Erlebnisse der vergangenen Jahre, seit sie vor vier Jahren irgendwo im Weißaugengebirge von Argaan erwacht war. Inmitten einer zerstörten, geschwärzten Ruine. So sehr hatte sie sich für ihr früheres Leben interessiert, für die Erinnerungen, die ihr abhanden gekommen waren. Aber was hatte all dies gebracht? Sie wusste, dass nicht weit vom Hammerclan einige Ruinen standen, die dem Turm im Süden glichen. Inmitten versengter Steine stand dort ein pechschwarzer Altar aus Obsidian, der Kälte ausstrahlte und das Licht scheinbar aufsog. Sie war dort gewesen, hatte ihn studiert, berührt. Und nichts Wirkliches gespürt. Keine wundersame Rückkehr fehlender Teile ihrer Gedankenwelt. Kein plötzliches Erwachen gottgleicher Kräfte in ihr.
    Vielleicht ist es aber auch einfach so, Riannon? Du hast in all der Zeit mit dem einen oder anderen Gelehrten und Heilkundigen gesprochen. Es gibt Geisteskrankheiten, Fehler im Sein, die Halluzinationen, Scheinerinnerungen verursachen. Womöglich hast du dir alles eingebildet. Alles nur eine einzige große Lüge, erzählt von deinem eigenen, verdrehten, gebrochenen Geist.
    Aber ein klitzekleiner, verschwindend geringer Teil von ihr wusste es besser. Wollte es besser wissen. Vermutete einen größeren Sinn hinter Allem, ein gigantisches Rätsel, das gelöst werden wollte. Sah in ihr nicht nur einen einzelnen Menschen sondern mehr, viel mehr.
    Sie packte ihren Rucksack fertig und seufzte. Im Schankraum hatte sie mit dem Führer einer weiteren Karawane gesprochen, die gen Vengard reisen würde. Diese Gruppe würde sie begleiten. Wärmere Gefilde würden ihr wohl ganz gut tun.
    Last edited by Riannon; 07.02.2019 at 19:55.

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    Korsar der myrt. Krone  Yared's Avatar
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    Die Gilde Innos' im Forenrollenspiel
    Yared is offline

    Heiligtum des Innos, Kloster des Heiligen Feuers, Nordmar, Provinz des Großreichs Rhobars III.

    Trotz seiner guten Konstitution war Yared etwas außer Atem, nachdem er den steilen Aufstieg über die Treppen und durch die Felsspalte, die gerade so breit war, dass zwei Männer nebeneinander gehen konnten, bewältigt hatte. Er hatte sich beeilt, um der staubtrockenen Eiseskälte dort draußen zu entkommen.
    Auch, wenn er davon bereits gehört hatte, erstaunte ihn nun die wohlige Wärme, die ihn an jener Stelle erwartete, an welcher sich der Felsspalt zu einem breiten Rund weitete. In den Fels gehauen ragte am Kopfende die größte Innosstatue, die Yared je gesehen hatte, dem freien Himmel zu. Zu ihren Füßen erhob sich die Feuerschale, in welcher die Heilige Flamme brannte. Von hier wirkte sie wie ein schmaler wabernder Spalt, ein Riss in der Welt, jedoch kaum groß genug für ein Glühwürmchen.
    Wie hatte Magister Altus gesagt, als Yared den Klostervorsteher um die Möglichkeit ersucht hatte, das Heiligtum zu besuchen? "Dieses Feuer braucht keine Nahrung. Deshalb sagt man, jedes Brandopfer ist nur hier ein wahres Opfer, denn nur hier wird es rein Innos dargebracht und nährt nicht auch die Flammen." Als er näher trat, wurde er gewahr, dass die Flamme tatsächlich hell und übernatürlich klar brannte ohne sich von Holz, Öl, magischem Erz oder einem anderen brennbaren Material zu nähren. Die Schale war bis auf das kleine darin hin und her züngelnde Flämmchen leer.
    Der Kapitän ging durch die Bankreihen nach vorne, entlang an dem Spalier von Podesten aus anthrazitfarbenem Stein, auf denen die Feuerkelche, zwölf an ihrer Zahl, aufragten.
    Sie standen für die Wächter Zivilisation. Waren die Priester Innos' die Lehrer, Propheten und Führer, leiteten sie die Menschen erfahrenen Lotsen in unbekannten Gewässern gleich mit Wissen, Weisheit und Gerechtigkeit durch gefährliche Untiefen und dichten Nebel hin zum ewigen Lichte, so waren die Paladine die Hüter, die Wächter, die die Dunkelheit in Schach hielten, diejenigen, die die Flanken des ewigen Pilgerzugs beschützten und mit dem lodernden Feuer Innos' in ihren Herzen die von allen Seiten auf sie eindrängende Finsternis bekämpften.
    Waren sie seine Bestimmung?
    Yared ließ seinen Blick schweifen. Wo war der Ort an dem er mit seiner Suche beginnen sollte? Wo würde Innos ihm zeigen, ob dies wirklich sein Weg war?
    Dort drüben an dem Pult? Die Augen des Kapitäns blieben an einem hölzernen Lectorium hängen, das zwischen den steinernen Statuen, Podesten und dem Altar mit der Flammenschale, selbst im Vergleich zu den Bänken schmucklos und provisorisch aussah. Als er an es herantrat, erkannte er darauf ein aufgeschlagenes Buch. Yared hob die Seiten unmittelbar vor dem Buchdeckel leicht an um darunter den Titel zu erspähen, ohne die Aufgeschlagene Passage zu wechseln. Der Titel lautete 'Die Lehren der Ahnen - eine Rekonstruktion des treliser Palimpsests'. Als Autoren waren mehrere Namen genannt. Nur einen kannte Yared vom Hören, Magister Milten.
    Er ließ die Seiten zurück an ihren vom letzten Leser zurückgelassenen Platz fallen und begann zu lesen:
    'Die Verheißung des ewigen Glücks durch unbeschränkte Freiheit war Beliars verlockendster Köder. Lang sprach er zu den lebenden Wesen in ihren Träumen, versprach ihnen Reichtum und Macht, doch noch mehr brachte er sie gegen Innos auf, als er ihnen sagte, sein Bruder habe ihnen mit seiner Ordnung das wichtigste genommen, die Freiheit.
    Doch unbeschränkte Freiheit ist Illusion. Gab es keine Regeln, gab es keine Ordnung setzte sich stets die Natur durch, der ewige Reigen von Tod und Leben, von Fressen und Gefressen werden und an seiner Spitze regierte das Recht des Stärkeren. Und der Stärkste war scheinbar frei, aber alle anderen waren unfrei und der Stärkste auch nur so lange, bis ein anderer kam der Stärker war. Und so lebte selbst der Stärkste im Käfig der Angst. Beliars unbeschränkte Freiheit war eine gnadenlose Freiheit, war wie Wind, Sonne und Regen, die den höchsten Berg unbarmherzig schliffen und in die Knie zwangen, wenn man sie gewähren ließ. Denn die Barmherzigkeit ist keine Tugend der Freiheit, noch der Natur. Die Barmherzigkeit ist die Wärme, die die Ordnung durchdringt und davor bewahrt wie Stein und Eis zu erstarren.'

    Seltsam, dass die Erstarrung ausgerechnet in den Elementen lag, die Adanos untertan waren. War Erstarrung nur die andere Seite der Medaille des ewigen Kreislaufs? Ein anderes Wort für das Gefangensein in der ewigen Wiederholung?
    Yared ließ von dem Buch ab und ging wieder Richtung Mitte des Raumes, näher an den Altar mit der Feuerschale heran. Er war kaum vier Schritte entfernt, als das Feuer schlagartig aufflammte. Aus einer unsichtbaren Glut schlug eine breite Stichflamme gen Firmament, doch anstatt gleich darauf wieder in das kleine Lodern zusammenzufallen stand dem Reichsritter und ehemaligen Waldläufer nun eine ellenlange Flammenwand in der Schale entgegen, flächig und schimmernd wie das Blatt einer Monstera im Morgentau.

    "Die Mutter und die Drei halten ihre Hände schützend über dir, Yared." Vida?
    Nur schemenhaft zeichneten sich die Bilder ab. Doch umso klarer hörte Yared die Stimmen, die Stimmen und Gedanken.
    "Der Mensch ist Mensch, doch du gehörst zu den Edleren dieser Art, Yared." Porgan, der erwürdige Druide von Beria. "Die große Bürde, würde große Macht mitbringen, doch du denkst an die Deinen und nicht an die Macht. Hier findest du doch eine der Tugenden, die einen der Waldläufer ausmachen. So viel davon entfernt bist du also doch nie gewesen."
    Dann ein anderes Bild. War das das Denkmal des heiligen Dominiques auf dem Friedhof von Thorniara?
    'Innos handelte durch seine Diener. Er gab ihnen mehr Verantwortung, brachte ihnen mehr Achtung entgegen, als der Naturgeist, dem Yared einst die Treue geschworen hatte', hallte es vertraut durch seine Gedanken, 'Innos ließ seine Streiter selbst wählen, wie sie ihm dienen wollten. Er achtete den freien Willen der seinen. Er gab Richtlinien, Prinzipien vor, doch lag es meist an jedem einzelnen allein, diese mit Leben zu füllen.'
    Das Standbild verschwand, dafür erkannte er nun Masten und Takelage.
    "Das Waldvolk ist mir immer noch ein Stück weit Familie und Heimat, wie es sonst nur die wenigen Blutsverwandten sind, die ich noch habe.", hörte er sich selbst sagen.
    "So wie wir sie brauchen, diese Welt sie braucht - brauchen die Geister der Natur auch uns. Wenige für wahr...aber ohne die Menschen würde die Welt stillstehen." War das Ornlus Stimme?
    Noch bevor er versuchen konnte, die Gestalt des Jadewolfs irgendwo zu identifizieren, waren da ein Küchentisch und ganz klar die gedrungenen Umrisse eines gütig lächelnden Arvideons.
    "Wäge sorgfältig ab und entscheide weise."
    'Doch egal, was auch immer er war und in Zukunft sein würde, er würde es selbst in die Hand nehmen, Buße für seine Verfehlungen im Angesicht Innos' zu leisten.', versuchte ihm sein Gewissen etwas mitzuteilen oder war es Innos selbst der durch seine sich scheinbar im Glanz des Feuers spiegelnden Vergangenheit zu ihm sprach.
    Die Bilder wechselten, jetzt sah er einen Kerker.
    Dann hörte er sich selbst sagen: "Du als Krieger solltest wissen, dass der eigene Stolz unser größter Feind sein kann."
    "Weißt du, alter Hund," es war Tavik, der da zu ihm sprach, "Manchmal wäre es mir eine Freude, dir eins aufs Maul zu geben, einfach dafür, dass die Dinge, die da heraus kommen, ein solch unübersichtliches Körnchen Wahrheit enthalten, dass man sich daran schon den Fuß stößt."
    Dann war da ein Ritter, ein Paladin. Doch es war nicht Yared. Aufrecht stand er da, bereit eine ganze Traube an Gestalten, die sich Hilfe suchend hinter ihm sammelten, zu verteidigen. "Schwert und Leben für Innos!", rief er.
    "Du wärst besser geeignet als so mancher, der sein Schwert in diesen und vergangenen Tagen in den Dienst Innos' gestellt hat." Das war Zarah gewesen in Faring.
    Irgendwo war ein Klopfen ein Hämmern zu hören. "Scheinbar hat Innos eine Verwendung für mich gefunden", vernahm er abermals seine eigene Stimme. Wann war das gewesen?
    Gerade noch von den aufgewühlten Erinnerungen hin und her gehetzt schrumpfte die Flamme so plötzlich, wie sie aufgelodert war wieder in sich zusammen. Yared stolperte immer noch überwältigt von dem gleißenden Licht und von dem was er gesehen, oder an was er sich erinnert hatte zwei halbe Schritte zurück. Keuchend stützte er sich auf die hohen Armlehnen einer der drei Sedilien, dem reich geschmückten Gestühl für die Zelebranten.
    So aufgewühlt sein Atem war, so klar war sein Blick.
    Innos hatte ihm mindestens soweit verziehen, dass er ihn dabei haben wollte.
    Yared hatte seinen Entschluss gefasst.

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    Vengard

    »Verschwindet, ich habe keine Geduld für Kunden«
    »Ihr habt ein Schild über der Tür hängen. Bücher Für Den Kleinen Geldbeutel steht da. Das deutet auf Bücher zu einem guten Preis hin. Das suggeriert, dass Ihr Kunden wollt.«
    »Für Kunden, die das Offensichtlich aussprechen, mag ich noch weniger Geduld aufwenden.«
    »Ich habe jedoch gehört, dass Ihr das eine oder andere besondere Buch im Besitz habt.«
    »Oho, wer hat Euch das erzählt? Eure Mutter, als sie Euch weitere Lügen wie Ich liebe dich, Töchterchen und Du bist das schlauste Mädchen, das ich kenne aufgetischt hat?«
    »Kommt doch einfach erst einmal hinter dem verfluchten Regal hervor, Mann.«
    Riannons Geduld hatte sich dem Ende zugeneigt. Hinter dem wuchtigen Bücherregal trat ein Mann hervor, dünn, fast asketisch mit schütteren grauen Haaren und einer abenteuerlich gefertigten Brille, die wackelig auf der Nase thronte. Er musterte Ria von oben bis unten und schnaubte dann nur abfällig.
    »Was wollt Ihr, Mädchen?«, knurrte er.
    Die Tochter des Nordens kommentiert die Bezeichnung nicht, obgleich die beiden wahrscheinlich nur fünfzehn Jahre und eine gesündere Lebensart trennten. Der Mann war wohl knapp fünfzig Jahre alt, aber Ewigkeiten zwischen staubigen Büchern und im Lichte schmal flackernder Kerzen war er wohl noch einige Jahrzehnte gealtert. Ria zählte innerlich bis zehn, ehe sie dem Mann antwortete.
    »Ich wurde von einem Mann namens Ebenholz an Euch verwiesen.«
    »Ebenholz? Was für ein dämlicher Name ist das denn?«
    »In den Schatten wachen nur die Ratten über Euch
    Der Mann versteifte sich, Schweiß trat auf seine Stirn. Hastig wischte er sich die grauen Strähnen aus dem Gesicht und räusperte sich umständlich. Ria unterdrückte ein Lachen.
    »Ebenholz, natürlich, da klingelt etwas. Der gute Herr Ebenholz. Wie geht es ihm?«
    Ria hob die Schultern. »Weiß der Teufel«, antwortete sie lapidar, »Ich habe ihn seit Monden nicht mehr gesehen. Sollte für ihn einen alten Krüppel bespaßen - nun, überwachen - aber der wird sich im Hammerclan in ein baldiges Grab saufen.«
    Der Ladenbesitzer hob eine Braue. »Seltsame Wahl.«
    »Mir ist es gleich, auf wen er mich ansetzt. Er meint, er kann mir Hinweise zu meiner Herkunft geben. Kann mir den Schlüssel in die Hand geben, der die Tür meiner Erinnerungen öffnet. Und dann werde ich sehen, ob ich einfach wahnsinnig bin ... oder doch mehr hinter alldem steckt ...«
    Verwirrt musterte sie der Mann. Sie winkte unwirsch ab. »Er möchte jedenfalls ein Buch. Die Lehren der Zeit, so heißt es.«
    »Lehren der Zeit, mh«, er rieb sich das stoppelige Kinn, »Ewigkeiten her, das ich dieses Buch mal in der Hand hatte. Vor über zehn Jahren war mal ein Novize hier, ein Berg von einem Mann und hatte sich dafür interessiert, hatte etwas von einer Spiegelwelt gefaselt. Hat aber auch arg nach Schnaps gestunken, der Gute.«
    »Du sollst mir nicht alte Anekdoten erzählen, Mann, sondern das verfluchte Buch geben. Solche Geschichten kannst du deiner Mutter erzählen und ihr dafür danken, dass sie dich nicht direkt aus dem Schoß ins Hafenbecken befördert hat!«
    Der Mann machte ein vergrätztes Gesicht. »Habe vergessen, dass Ebenholz immer nur so wunderbar charmante Damen einstellt.«
    Aber Ria war schon zu sehr damit vertieft, demonstrativ gelangweilt in irgendwelchen Büchern zu blättern. Murrend machte sich der Besitzer des Bücherladens auf die Suche nach dem literarischen Werk eines sumpfkrautabhängigen Gelehrten.
    Last edited by Riannon; 11.02.2019 at 15:55.

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    Während sie wahllos in irgendwelchen Büchern blätterte und der Ladenbesitzer in irgendeinem Hinterzimmer herumfuhrwerkelte, nutzte Riannon die kurzweilige Ruhe um ihren Gedanken nachzugehen.

    »Guten Abend, meine Dame. Was führ jemanden wie Euch an diesen Ort?«
    »Die Klippenschenke ist eine Schenke wie jede andere auch. Das sie sich in einer frisch eroberten Stadt befindet, ändert daran nichts.«
    »Gut gesagt. Darf ich Euch etwas zu trinken ausgeben?«
    »Meinetwegen. Gegen etwas zu essen habe ich auch nicht. Schaut nicht so überrascht, seid ein Edelmann und ladet die Dame zum Essen ein.«
    »Ha, eine Zunge scharf wie ein Schwert. Darf ich mich vorstellen? Ich heiße Ebenholz.«
    »Ebenholz? Wie das Holz? Reichlich seltsamer Name ...«
    »Es ist ja auch ein Deckname, ein Alias.«
    »Gibt es da nicht wesentlich bessere Namen? Nachtfalke, Schattenbringer oder andere hochtrabende Sachen?«
    »Ebenholz passt zu meiner Hautfarbe. Mein richtiger Name ist den Leuten meist einfach zu umständlich, obwohl ich ihn schon abgekürzt habe, seit ich vor Jahren einen Fuß auf den hiesigen Kontinent gesetzt habe.«
    »Nun, Namen hin oder her: Was möchtet Ihr, Herr Ebenholz?«
    »Sehr direkt, schön schön. Wie heißt Ihr, meine Dame?«
    »Schneetochter. Mein eigentlicher Name ist nicht kompliziert aber ich möchte ihn einfach nicht nennen.«
    »Gut. Ich habe Euch beobachtet, seit Ihr in die Schenke gekommen seid ...«
    »Eine Dame observieren? Sehr edelmännisch!«
    »Nicht auf diese Art und Weise. Mh, als ich Euch sah, meine Dame, habe ich einen Moment an dichtes Schneetreiben in den Bergen und eine gesprengte Ruine denken müssen.«
    Schweigen.
    »Wie?«
    »Was meint Ihr, meine Dame?«
    »Wie und woher wisst Ihr ...«
    »Ich habe eine gute Menschenkenntnis. Ich ... habe seinerzeit bei einem varantinischen Gelehrten studiert, der mir alte Methoden zeigte, Menschen zu lesen. In meinem Metier als, mh, Geschäftsmann ist das eine gute Fertigkeit.«
    »Erzählt mir keinen vom Pferd, Ebenholz. Zu sehen, das jemand lügt, ist was anderes als ... als Erinnerungen zu erkennen. Etwas völlig anderes. Also frei heraus: Seid Ihr ein Magier? Feuermagier? Die können doch angeblich solche Tricksereien mit den Gedanken.«
    »Nun gut, vielleicht habe ich einen Funken Magie in mir. Ich trage jedoch keine Robe, bin kein Magier oder Hexer. Jedenfalls, Schneetochter, habe ich des eben genannte Bild gesehen. Und Verzweiflung und Chaos und Not gespürt. Diese Ruine, der Schnee, diese ganze Szenerie ist Anfang und Ende, oder? Ihr könnt Euch an nichts erinnern, das davor geschehen ist. Ist es nicht so?«
    Erneutes Schweigen. Dieses Mal wesentlich länger.
    »Ja, so ist es. Ihr macht mir irgendwie etwas Angst.«
    »Was wenn ich Euch helfen kann? Nun, nicht direkt ... aber was, wenn ich Mittel, Wege und gegebenenfalls Menschen kenne, die Euch helfen können? Die Licht ins Dunkel Eurer Erinnerungen bringen. Ihr müsstet nur für mich arbeiten. Bitte, fragt nicht nach der Art der Arbeit. Es wird Euch mitunter seltsam vorkommen, sehr seltsam sogar.«
    »Ich bin dabei, Herr Ebenholz. Wenn Ihr mir helfen könnt, diene ich Euch.«
    »Sehr gut, Schneetochter. Einige Meilen von hier befindet sich ein Steinbruch im Besitz von König Ethorn. Dort ist ein Mann, der mit dem Tode ringt nach dem Verlust seiner Hand. Bitte kümmere dich um ihn. Bringe ihn zu einem Quacksalber nach Thorniara. Sein Name ist Distel. Lach nicht, der heißt wirklich so. Pflegt den Mann und ... dann verbringe Zeit mit ihm. Lerne ihn kennen, erfahre seine Geschichte. Ich will alles wissen. Vom Tag seiner Geburt bis hin zu den Tagen, da ihn der Glaube verließ und er mehr als einmal starb, ohne wirklich zu sterben. Sein Name ist Tavik, Schneetochter. Tavik von Eirrin. Und er kennt etwas, das mich brennend interessiert. Ja, das ich geradezu erfahren MUSS. Mach dich an die Arbeit, aber bitte erst nach dem gemeinsamen Essen.«


    Das Buch fiel der Tochter des Nordens aus der Hand, als sie aufschreckte. Der Mann war zurückgekehrt, ein staubiges, abgegriffenes Buch in den Händen. Die Lehren der Zeit. Das Buch, nach dem Ebenholz verlangt hatte.
    »Hier, Mädchen. Was kriege ich dafür?«
    »Ebenholzes ewigen Dank. Danke für die Suche, mach's gut.«

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    Drachentöter Shakuras's Avatar
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    Vengard - Tempel - Heiliger Rat der Sieben

    Ein Freund unter Feinden und ein Feind unter Freunden.
    Es war so viel mehr als nur eine Geschichte, die erzählt werden konnte, dass die einfachen Worte der Obersten für alle Alt-Eingeweihten nur verblassten.
    Die Geschichte begann schon im Kloster auf Khorinis, als zum ersten Mal Eifer und Missgunst ihre Herzen erreicht hatten und setzte sich fort zu den Tagen der Großen Barriere, als Shakuras mit Siegel und Fluch ausgezogen war und sie ihn gefangen hielt. Nach ihrem Fall Jahre später dann und seiner Rückkehr, wechselte die Wiedersehensfreude allerdings schnell in Neid und politischen Unmut. Zwei von den Dreien sahen den Heimgekehrten als Gefahr, der ihre Stellung bedrohte. Es brauchte nicht ihr verstecktes Geschick, den alten Freund los zu werden. Shakuras selbst war es gewesen, der sich gegen die Heilige Allianz ausgesprochen hatte und fortgegangen war, um der Selbstaufgabe als Hüter des Tempels im Minental gerecht zu werden. Anlass genug, den Dolch anzusetzen und den Bruder in Eile zu verurteilen, Innos abgeschworen zu haben und der Ketzerei anheim gefallen zu sein. Sie enthebten ihn seines Ranges und Amtes und verbannten ihn aus dem Orden. Ein Status, der selbst dann nicht aufgehoben werden wollte, als ein Jahr später die Allianz im blutigen Zwist zerbrach und Shakuras das Überleben der Gemeinde und des Rates der Feuermagier gesichert hatte.
    Es verbarg sich so viel mehr hinter den Geschehnissen, die erzählt werden sollten, dass Unruhe und Furcht an alle Wissenden anhaftete wie stinkender Schweiß.
    Shakuras schlug die Kapuze zurück und kniete vor dem Kreis der Sieben. Er zitterte. Corristo. Sein Meister. Er war hier. Er lebte. Wann?, schoss es ihm durch den Kopf. Ihm war schwindelig. Ihm war übel. Er hatte kurz das Gefühl sich übergeben zu müssen. Kurz das Gefühl, das Bewusstsein zu verlieren. Der kalte, harte Stein aber unter seinen Händen und Füßen und das sanft flackernde Feuer, das sich auf der marmornen Fläche und in seinen nach Unten gerichteten Augen spiegelte, gaben ihm wieder etwas Stärke. Sie waren hier. Und sie hatten sich lange nicht mehr gesehen... Jetzt also sollte es an der Zeit sein über ihn endgültig zu richten.

    Shakuras setzte sich. Geronnenes Blut klebte ihm an einer verbrannten Stelle am Hals.
    Ihre Exzellenzen Pyrokar, Serpentes, Ulthar, Karrypto, Corristo und Talamon, sowie Ihre Eminenz Françoise.
    In ihrer Mitte der alte Novize. Er war nicht müde. Und er war auch nicht allein. Sollen sie richten und sich leiten lassen. Aber Du bist Mein, oh Herr!
    "Es war zu der Zeit als die Große Barriere fiel und ich aus dieser heimkehrte zurück ins Kloster zu Khorinis. Neben mir fanden auch weitere Magier ihren Weg in das Kloster. Gelehrte, von denen ihr sicher gehört habt oder die ihr kennt. Adonis, Diego oder von Hassenstein." Sein Blick fiel auf Meister Corristo, dann zu Ulthar und Pyrokar. "Aber es kamen nicht nur Angehörige aus unserem Orden. Es suchten auch die Magi aus dem Kreis des Wassers Zuflucht in unserem Kloster. Und sie hatten sie auch in unseren wärmenden Hallen gefunden. Wir nahmen sie auf bis sie stark genug wären, dass sie weiterziehen konnten. Aber es zeigte sich, dass sie gar nicht weiterziehen wollten - stattdessen wollten sie im Hause unseres Gottes ihren Glauben verfestigen und den Menschen und Geschwistern Adanos lehren. Es wurde darauf die Heilige Allianz mit den Wassermagiern auf unserem Grund und Boden gegründet. Eine Ordnung, die nicht die meine war und ist. Das Kloster Innos zu Khorinis ward nicht länger mehr ein solches. Man hat auf Geheiß mit alten Traditionen gebrochen und durch das Umtun Sakrales beschmutzt." Pyrokar schnaufte laut aus, die hölzerne Armlehne unter seinem Griff knarzte. "Und das ließ ich euch wissen, Pyrokar, Ulthar, Serpentis. Meine Befürchtung, der Herr und seine Lehre, aber auch wir Gläubigen und das Kloster und wofür es steht, verlöre an Identität und Reinheit, wenn der Glaube und die Predigt an zweier Götter Einzug hält und den Segen des Ersten verwäscht."
    Pyrokar brannten Widerworte auf seiner Zunge, obwohl auch er sich eingestehen musste, dass mit der Ebnung zur Allianz es zu einem Bruch im Jahrhunderte alten Zeitgeschehen der Kirchengeschichte und des Klosters gekommen war. Pyrokars Herz schlug konservativ und gleichbleibend, immernoch, aber zu jener Zeit hatte auch er sich blenden lassen.
    "Ich bin dann fort aus dem Kloster und habe meine Aufgabe als Diener Innos' und Hüter des Tempels des Lichts wahrgenommen.
    Wenige Wochen später erreichte mich die in die Welt getragene Kunde des Heiligen Rates durch den Boten und damaligen Reliquienwächter Talamon, dass ich auf Ewig verbannt sei und fortan das Sündenmal trage." Fragende Blicke wurden unter den Ratsherren ausgetauscht. Talamon erinnerte sich und nickte. Andere schielten auf Serpentes und Ulthar und Pyrokar, versuchten ihnen etwas zu entlocken.
    "Wie kommt es, dass Du den Rang eines Novizen trägst, wo doch die Verbannung über Dich ausgesprochen worden ist?", hinterfragte Francoise nach einer Weile der Stille.
    "Ich habe das Mal und den Richtspruch des Rates lange getragen... Sehr lange. Und erduldet im Wissen, dass und obwohl Innos noch bei mir ist. Eines Tages dann aber... Nun.. ich fand nicht den Weg zurück zu Innos, da ich diesen schon kannte und liebte - sondern den zurück zur Kirche, zu meinen Brüdern und Schwestern in Vengard. Ich wollte wieder ein Teil des Körpers unseres Herren sein. Ein starkes Glied der Kette, das bereit ist weiter zu trotzen und Zusammenzuhalten was zusammen gehört. Ich bin dankbar für den Magister, den der Herr mir schickte, als er mich beten hörte und mich aufnahm in die Reihen der Gemeinschaft." Es hätte noch so vieles gesagt werden können,... Dinge, verborgene Dinge, die mehr Schatten als Licht auf ihre Häupter geworfen hätten. Aber der Verlorene Priester mochte jetzt seinen Frieden finden. Er war nicht müde. Und er war auch nicht allein, das würde er niemals sein.

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    Krieger Die Feuermagier's Avatar
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    Vengard - Tempel - Der Rat der Sieben

    Silberner Mondschein drang durch die hohen Fenster des Heiligtums und warf sich matt darnieder auf die Menschen, die nun Rat hielten.
    Der Rat in ihrem Rücken das hiesige Abbild des Ersten Gottes Innos wissend, der über jeden thronend gerecht auf seine Schöpfung blickte.
    Das Eingangsportal war mit schwerer Schmiede und Flügeltüren fest verschlossen. Keiner kam rein und keiner raus.
    Einem jeden war die Anspannung und Bedeutsamkeit dieses Gerichts hinter leidlich gefasster Mime anzumerken.

    Es ging nicht nur um Wahrheit und Gerechtigkeit. Es ging darum einen währenden und verletzten Richtspruch aufzuheben, die Exkommunikation eines Bruders zu beenden, der als Ewig ausgesprochen ward. Es ging auch um Stolz und Ehre. Um das sinnbildliche Weiße Leinen, das befleckt werden konnte. Es ging ferner um menschliche Schwäche.
    "Bruder Shakuras.", begann Ulthar heiser mit einem zaghaften Lächeln.
    "Die Zeiten nach dem Fall der Barriere waren andere als die, denen wir uns heute gegenüber Stehen sehen. Unter den Heimgekehrten fanden sich auch die Magier des Wassers bei uns ein. Das ist richtig. Sie bedurften unseres Schutzes und wir gaben ihnen Schutz. Die gepeinigten Seelen, die die Gefangenenkolonie miterlebt haben, brauchten unsere Zuwendung, einen Ort des Friedens und ein offenes Ohr. Du selbst als Barrierebewohner wirst noch am Besten wissen unter welchen widrigen Um- und Zuständen ihr euer Leben damals führen musstet." Längst vergangene Bilder drängten sich dem Novizen auf. Nachdenklichkeit bewegte seinen einstigen Meister Corristo, der dem Gesagten stumm folgte.

    "Der Kreis des Wassers war heimatlos..."
    "War es aber auch je gewesen, seit der Magierspaltung.", ergänzte aus den Augenwinkeln Corristo seinen Ratsbruder Ulthar.
    "Jedenfalls... Der Wunsch kam auf, einen gemeinsamen Ort des Glaubens zu bilden. Eine Heimat für die, die keine hatten und ein Leben für alle, voneinander zu lernen."
    "Wir gründeten gemeinsam die Heilige Allianz im Kloster! Das war nur gut und recht.", übernahm Pyrokar das Weitere und bedankte sich mit einer Geste bei seinem Bruder Ulthar.
    "Nur Du wolltest die neue Gemeinschaft nicht mit tragen, Shakuras. Wir, der Rat der Drei, haben dich damals gebraucht - als Priester und Stütze im Wandel. Stattdessen sprachst du von Entweihung und hegtest Zweifel an unserer Entscheidung. Du bist gegangen als Du es nicht durftest und hast dich von Uns und Innos abgewandt!" schallte es lauter. Ein schmales Lächeln und Interesse zeichneten sich leise auf Serpentes Züge.
    "Ich bin gegangen, nachdem der Wandel vollzogen war, Pyrokar. Mit meinem Dafürhalten bildete ich neue Lehrlinge in der Arkanai Innos' aus und half mit meinem Wissen, Rat und Tat und Zutun weiter soweit es mir möglich war. Ihr wusstet um mein Innerstes und habt es hingenommen. Kein Gegenwort war gesprochen als ich ging, um als Diener an der Front im Minental gegen die hereinfallenden Orks mein Werk zu tun und über die letzte Bastion und den Tempel zu wachen.", fixierte Shakuras seine Exzellenz.
    Das Feuer in der Waagschale flackerte heftig und brannte heißer. Ein Gespür, dass Magieströme sich vermehrt im Raum sammelten.
    "Du bist aber fort. Und das ohne ausdrücklichen Dekret, Shakuras. Es brauchte also keinen damaligen Rückhaltegrund unsererseits, wo keiner gegeben war.", assistierte Serpentes seinen Ratsherren mit schiefer Stimme. "Für deine Abwendung gab es also nur die eine Richtung, die uns auferlegt war. Deine Verbannung."

    Stille. Das Feuer schmiss groteske Fratzen an die Mauern. Die Zeit schien endlos und langsamer. Jedes Wort hallte dreifach nach.
    "Ich habe meine gestellte Aufgabe im Kloster erfüllt und bin meiner Verpflichtung nachgekommen. Mein weiteres Tun oblag dem Willen unseres Herrn Innos' Auszuziehen und sein Hort und seine Schöpfung zu schützen. Wie es die alterwürdigen Traditionen gebieten, Serpentes." Sein Augenmerk lag jetzt auf den Glatzköpfigen. Auch er war älter geworden, nicht aber seine listige Schneide, die er auf der Zunge trug. "Das Urteil ward von euch schon verhangen, ehe ihr euch schriftlich um den Grund meines Glaubenswerkes im Minental erkundigte. Eure Nachricht erhielt ich einen Tag vor Ankunft des geehrten Talamon, der euren Richtspruch austrug."
    "Ein ungewöhnlich rasches Urteil und ihre breite Umsetzung.", wandte sich der Greis wieder allen zu.
    Leises Gemurmel und Brummen schälte sich aus mancher Kehle. Nachdenkliche Augenblicke wurden im Schein des Feuers untereinander ausgetauscht. Die Erwählten kannten einander und sie kannten auch Shakuras durch all die Jahre der gemeinsamen Zeit nur zu gut. Eine Zeitgeschichte wurde erzählt, aus mehreren Blickpunkten. Eine, die es neu zu beurteilen galt. Wem nur waren die Erlebnisse vertrauter und wer barg mehr der Einsicht in dieser Sache.

    Karrypto räusperte sich, vergewisserte sich scheinbar kurz bei Meister Pyrokar und Serpentes. Dann raschelte die Robe seiner Bewegung, als er sich vornüber beugte.
    "Mir ist zu Ohren gekommen, Ihr haltet Euch gern in den Fluchten der Dämonenbeschwörer auf. Als Verbannter und Verlorener unserer Mitte, wieso sehnt Ihr euch so sehr nach ihrer Gesellschaft, Shakuras.", trug er geschmeidig den alten Mann an. Argwohn spiegelte sich in den Seelenfenstern der Erwählten wider.
    Der Einstige blieb ungerührt. Er hatte mit der Frage, die seine Glaubwürdigkeit und Gesinnung hinterfragen sollte, gerechnet. Er fürchtete sie und sich nicht.
    "Erst kürzlich habe ich Blut auf die Antwort dieser Frage lassen müssen.", vorsichtig strich er sich über seine leichte Brandverletzung.
    "Ich werde Euch die gleiche Antwort geben wie Bruder Nod zuvor schon. Ich halte meine Freunde nahe bei mir, meine Feinde nur noch näher.
    Es ist nicht ihre Magie oder ihre Gesellschaft, die ich aufsuche. Es sind die Gründe danach wieso sich Übles ereignet und das es sich ereignet. Unsere verlorenen Brüder kannten beispielsweise nicht die Quelle der Macht und Natur des Drachen auf Argaan. Ich war da. Beliar, als der Herr der Kreaturen und des Todes, liegt als eine solche Quelle wie es uns die Vergangenheit bereits lehrte natürlich nahe, aber schlussendlich war selbst den Hohepriestern der dunklen Magie dessen Essenz unklar. Die Sphären bergen auch dieser Tage unbekannte Mächte und Gefahren, mit denen wir uns auseinandersetzen sollten. Nicht erst dann, wenn wir es müssen und wir bereits Leid zu ertragen haben. Ich bin mir gewiss, dass dieser Pfad gefährlich ist, Eure Exzellenz Karrypto. Aber ich würde es nicht auf mich nehmen, traute ich es mir nicht zu und bliebe rein.", schloss Shakuras überzeugt ab, wo jedes Wort für sich und ihn stand.

    "Ist es wahr, dass als die Heilige Allianz und ihr Rat, darunter die Brüder Pyrokar, Ulthar und Serpentes, in größter Not waren, Du als Priester und Gerichteter ihnen zu Hilfe geeilt bist?", stellte Meister Corristo auf seine kräftige Art und Weise nach und nickte seinem alten Schüler zu, weiter das Wort zu sprechen.
    "Das bin ich, ja.", antwortete der Schüler dem Meister.
    "Die Heilige Allianz war schließlich zersetzt durch Misstrauen und Glaubenskämpfe untereinander. Untreue ihrem Schwur und den Traditionen griff um sich. Verrat grasierte bis aufs Blut und die Führung wurde mit einem verbotenem Fluch belegt. Mit dem Tod der Verräter und Scharlatanen hebten wir den Fluch auf. Aber die Unstimmigkeiten und die Unruhen zwischen dem Kreis des Feuers und dem des Wassers waren zu gewaltig. Die Allianz zerbrach. Und die Wassermagier setzten ihren Weg endlich fort, nach Jarkhendar."

    "Genug! Ich habe genug erfahren, Shakuras. Ich danke Euch.", beendete Talamon die Anhörung, auch in Hinblick auf den Zustand aller Angesprochenen.

    Shakuras
    Last edited by Die Feuermagier; 18.02.2019 at 17:45.

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    Myrtanische Küstengewässer nahe Kap Dun

    Riannon saß in der Kabine des Schiffes auf dem sie eine Fahrt die Küste entlang nach Trelis gebucht hatte. Dort würde Ebenholz auf sie warten, dort hatte er wohl die Basis seiner weit verzweigten Organisation. Dort liefen die unzähligen faulen Äste dieses im Kern ganz und gar verdorbenen Baumes zusammen und trieben ihre Wurzeln in das Großreich der Myrtaner, in dieses hoch gepriesene Wunder menschlichen Ehrgeizes. Bei ihrem letzten Gespräch in Trelis, nachdem Ria dort mit Tavik angekommen war, hatten sie sich für eine Stunde getroffen und gesprochen. Ria hatte ihm erzählt, was sie bisher wusste, da zu jener Zeit das Vertrauen zwischen ihr und dem alten Krüppel zwar schon groß aber eben noch nicht innig war. Innerlich hatte die Frau sich verachtet, war nicht in der Lage gewesen, abends in den Spiegel zu blicken und ihre blauen Augen zu mustern, die ohne Probleme von kalt zu warm wechseln konnten wie ein Chamäleon seine Farbe. Der große, dunkelhäutige Ebenholz hatte ihr bei dem Treffen ein wenig von der Situation in der Unterwelt von Myrtana und dem Festland im Allgemeinen erzählt.

    »Es gibt hier drei Größen, meine Liebe.«
    »Klein, mittel und groß?«

    Ein trockenes Lachen. »Nein. Die Krähe, diesen patriotischen Vogel, der angeblich unter dem Mitwissen des Myrtanischen Geheimdienstes agiert. Hat weitreichende Kontakte, der Kerl oder ... das Mädel, niemand weiß nämlich wer hinter diesem Alias steht. Könnte auch eine Gruppe von Leuten sein, ein Diebesrat oder ähnliches. Mir ist es letzten Endes egal, wer dahinter steht, nur bin ich der Überzeugung, dass Geschäftsmänner, die im nicht ganz so legalen und rechtschaffenen Bereich tätig sind, eine gewisse Unabhängigkeit wahren müssen. Das ist für mich unabdingbar. Nun, die andere Größe siehst du gerade vor dir.«
    »Sehr bescheiden, Herr Ebenholz. Und was unterscheidet Euch von dieser Krähe?«
    »Ich? Ich diene mir ... und den Menschen. Im Allgemeinen. Nicht im engen Bezug irgendwelcher staatlicher oder Reichsgrenzen. Ich würde es gerne sehen, dass unsere Rasse alsbald den Schritt in eine Richtung wagt, die viel verspricht. Für die Zukunft. Weg von den Göttern, weg von Königen und Imperien. Warum soll das Blut entscheiden, wer herrscht? Oder die Gnade irgendeines Gottes, dem diese Sphäre nicht gehört?«

    Riannon lacht. »Demokratie? Herrschaft des Volkes? Ihr wisst sicherlich, dass Rhobar der Dritte mehr oder minder vom myrtanischen Volk gewählt wurde und nur respektshalber den Namen Rhobar annahm?«
    »Eine neue Dynastie, ein neues Blut. Ihm werden seine Söhne nachfolgen und danach deren Söhne. Wir Menschen müssen uns von solch lächerlichen Banden befreien.«
    »Was immer Ihr sagt, Ebenholz. Und wer ist die dritte Größe?«

    »Der Dritte im Bunde ist, mh, derzeit verhindert. Ihn plagen Zweifel, er meint zu einem Gott finden zu müssen. Der Jagdhund, Weyland Sweers. In den glorreichen Tagen der Besetzung durch die Orks aus dem Norden, war der Jagdhund für seine Gnadenlosigkeit und seinen Spürsinn gefürchtet. Ja ja, kein Name den man mit den großen Orksöldnern aus Faring verbindet oder mit jenen berühmten Orkkriegern und - schamanen, aber Sweers hat hinter den Kulissen eine großartige Arbeit geleistet und dafür gesorgt, dass nur wenige Treliser Sklaven fliehen konnten. Und gegen Ende des Krieges hat er die Farben gewechselt wie ein Baum im Herbst und jene ans Messer der Rebellen geliefert, denen er zuvor gedient hatte. Ein Mann frei von Loyalität, frei von Mitleid und irgendwelchen hinderlichen Skrupeln.« - Ebenholz seufzt - »Man mag sich gar nicht vorstellen, was er noch so alles hätte erreichen können. Die Krähe vernichten, mich vernichten. Dem Jagdhund hätte ich es sogar zugetraut, sich irgendwie in den Dunstkreis des Königs zu befördern. Sei es durch Taktieren oder Drohungen. Ein Meister unter uns Verbrechern. Aber nun ... leider mit Frömmigkeit geplagt.«
    »Der Hundemann ...«
    »Was?«
    »Nichts. Also steht Ihr gegen die Krähe. Wo ist denn ihr Nest?«

    Ebenholz lächelt, zeigt strahlend weiße Zähne. »Das weiß nur der Beliar. Überall und nirgendwo. Verfluchte Wanderkrähe. Letztlich ist es egal, denn das, was Ihr aus Tavik herauspressen sollt, könnte all die Pläne, all das geschickte Wirken der Krähe zunichte machen. Ganz nur gar obsolet. Nun geht, Schneetöchter, bespaßt den Alten weiter.«

    Sie starrte auf das Buch auf ihrem Schoß. Sie hatte darin lustlos herumgeblättert und sich nur über die kruden Thesen des Autors gewundert, der von Dingen schrieb, die gänzlich dem entgegen liefen, was die Lehre der Götter war. Aber Ebenholz würde schon wissen, was er damit anzufangen hatte. Riannon war nur wichtig, ihre eigene Geschichte zu ergründen.

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    Gästehaus, Kloster des Heiligen Feuers, Nordmar, Provinz des Großreichs Rhobars III.

    "Bewahret, Larah, Jodas.", begrüßte sie Yared, als er in den Remter des Gästehauses trat, und bedeutete ihnen, sich zu setzen. Bei ihrem Eintreffen war er gerade beim Meditieren oder so etwas gewesen und Zarah hatte ihn erst holen müssen. Sie hatten unterdessen mit den beiden Kriegern vom Hof in dem kleinen Aufenthalts- und Speiseraum gewartet. Nachdem sich alle einiger nasser und in der warmen Stube überflüssiger Kleidungsbestandteile entledigt hatten, hatte Larah auch das Gesicht des größeren wiedererkannt. Sie hatte ihn schon einmal, damals bei ihrer Überfahrt im Kreis der Deckoffiziere der Santorija gesehen.
    "Ich hatte nicht damit gerechnet euch hier zu treffen. Ich hoffe es geht allen gut?"
    Jodas antwortete auf diese sehr ungenaue Frage mit einem Nicken sowie einem zustimmenden Brummen. Yared schien das zu reichen, offenbar wussten beide, worüber sie sprachen, oder eben nicht sprachen, ohne Näheres auszuführen.
    "Was sucht ihr soweit im Norden?"
    "Wir haben auf der nordwestlichen Hochebene Wollbisons ...", fing Larah an, als Jodas sie unterbrach. "Wir sind einem Gerücht nachgegangen.", antwortete er knapp.
    Larah verstand zunächst nicht ganz, wieso Jodas die ausgemachte Geschichte unterbrach und offenbar mit der Wahrheit herausrücken wollte.
    "Orks an der Grenze?", fragte Yared den wortkargen Jagdführer.
    Dieser nickte nur.
    "Und?"
    "Sie sind wahr."
    Yared nickte. "Das hatten wir befürchtet. Auch uns hat man deswegen in den hohen Norden entsandt. Wollt ihr euer Wissen mit uns teilen?"
    Larah sah erstaunt den Kapitän an. Von einem myrtanischen Offizier hätte sie keine Bitte, sondern eine Forderung erwartet.
    Jodas nickte nur, sagte aber nichts. Nach einem kurzen Moment des Schweigens fasste sich daher Larah ein Herz. Offenbar wollte Jodas weiterhin nur das Nötigste sagen, also übernahm sie das Erzählen.
    "Wir haben sehr weit nordwestlich von hier drei kleinere vorgeschobene Lager entdeckt. Hauptsächlich Späher. Nur eines war befestigt. Eine sehr provisorische Palisade und ein hölzerner Wachturm, an einem der Pässe zu den Nordlanden am Ende eines schmalen Tals ganz im Westen der Hochebene."
    Yared schien die Gegend zu kennen, zumindest meinte Larah in seiner leicht abwesenden Blick und dem leichten Nicken erkennen zu können, wie er gedanklich nachvollzog, von welchem Ort sie sprach. Sie kannte sich leider selbst nicht genug in der Gegend aus, um ihn besser zu beschreiben. Hätte der Kapitän genaueres wissen wollen, hätte er es aus Jodas aus der Nase ziehen müssen.
    Yared wandte sich an die Varanterin, die sich verkehrt herum auf einen Stuhl gesetzt hatte und lässig die Arme auf der Rückenlehne vor sich abstützte. "Zarah?"
    "Das ist eines der Szenarien, die durchgespielt wurden.", meinte diese und wandte sich dann direkt an Larah, "Gab es Anzeichen für ... Nekromantie?"
    Larah schreckte hoch. Totenbeschwörung? Konnte es wirklich wahr sein?
    "Also ... wir haben keine Untoten gesehen, aber ... die Orks. Sie waren an einem Morgen irgendwie sehr verstört und brachen in Hektik aus. Wir hatten das befestigte Lager am Pass da gerade den dritten Tag unter Beobachtung. Wir konnten sie nicht belauschen, kamen nicht nah genug an sie heran, aber was immer sie beunruhigt hatte, hatte mit einem Gräberfeld zu tun, dass sie in unmittelbarer Nähe des Forts angelegt hatten, vermutlich um die eigenen Gefallenen zu beerdigen, weil sie sie im Winter nicht über den Pass in ihre Heimat schaffen konnten. Auf jeden Fall schien es, als habe irgendetwas - es muss mindestens die Größe eines ausgewachsenen Bisons gehabt haben - die Gräber aufgebrochen. Jodas hat sich die Stelle außerhalb des Lagers in der darauf folgenden Nacht näher angesehen. Er erzählte von Fußspuren, die in den Wald führten, und dass die aufgebrochenen Gräber leer waren und wir haben nichts gesehen, was darauf hindeutet, dass die Orks ihre gefallenen selbst umgebettet hätten."
    "Jodas?", fragte Yared den Waldläufer nach Bestätigung oder weiteren Details zu Larahs Bericht.
    Jodas ließ sich Zeit, antwortete dann jedoch: "Es hatte nicht geschneit. Die Abdrücke waren regelmäßig aber leicht verschliffen, als wäre jemand in langsamem Tempo geschlurft. Was das Tier betrifft. Ich tippe auf einen Schattenläufer."
    Schweigen breitete sich im Raum aus.
    Last edited by Larah; 13.02.2019 at 00:38.

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    Schweigen beherrschte den Raum wie ein unterdrückender, tyrannischer Despot. Selbst Isegrim, der gerne Situationen unangebracht und ungefragt kommentierte, war still geworden, nachdem diese Frau, diese Jägerin namens Larah, vom Norden berichtet hatte. Ein Teil des Soldaten, jener der Taktik, Strategie und Logik verwahrte, ging im Kopf durch, wie die Orks dort oben im Norden aufgestellt waren, wenn man den Worten der Frau Glauben schenken konnte. Drei kleine Lager südlich des Massivs, das Nordmar und die Nordlande trennte. Eines davon im Westen an einem Tal, befestigt mit Wachturm und Palisade.
    Das lässt darauf schließen, überlegte der Eisenwolf, um sich von dem grimmigen Schweigen im Raum abzulenken, dass die Orks zumindest organisiert genug sind, um drei Lager zu versorgen und zu errichten. Ein Lager braucht einen Kommandanten, ein Kommandant einen Oberbefehlshaber und ein Oberbefehlshaber irgendeine Art von Großhäuptling oder Schamanen, der ihm den Takt vorgibt. Also kann man von einer funktionierenden Kommandostruktur ausgehen. Was ist das dann? Die Sicherung der Südgrenze gegen einen Feind, der den Spieß von vor zehn, zwanzig Jahren umdrehen kann? Haben die Orks womöglich Angst vor einer Invasion der Menschen? Innos' Kreuzzug gegen Beliars Getier? Oder hat das Mädel, Larah, recht und es sind Späher. Späher kundschaften. In den fast zehn Jahren seit Kriegsende hat sich hier in Nordmar viel getan. Befestigungen wurden errichtet, Garnisonen - groß und klein - aufgestellt. Eine Armee aus dem Norden wird es ungleich schwerer haben als noch zu Zeiten eines uneinigen Nordens.
    Der Soldat rieb sich das Kinn und verzog das Gesicht, während er nachdachte.
    Darüber hinaus scheint es wohl auch - wenngleich witterungsabhängige - Versorgungsrouten in die Nordlande zu geben, wenn die Orks ihre Toten dorthin schaffen. Und die Existenz dieser Gräberfelder deutet darauf hin, dass diese Bestien dort auch nicht erst seit gestern stationiert sind, sondern womöglich einige Monate oder im schlimmsten Falle sogar ein oder zwei Jahre. Was mir absolut nicht schmeckt, dachte Isegrim, ist die Geschichte mit der Nekromantie, dieser verdammten Schwarzmagie. Die beiden Jäger meinen, dass die Spuren auf einen Schattenläufer hindeuten. Und wovon hat mir Halfgar erzählt? Vom Fund der vertrockneten Hülle eines Schattenläufers! Innos, mein Glaube an dich ist bisher nicht allzu fest gewesen, aber was immer dein unergründlichen Wege sind, die du für mich bereit hältst, so hoffe ich doch, dass deine schützende Hand über mir liegt. Und über dem Rest natürlich.
    Der Ordensbruder räusperte sich höflich. Die Blicke richteten sich auf ihn.
    »Mit Eurer Erlaubnis, Sir Yared?«, fragte Isegrim. Die Jäger waren zwar Bekannte des Kapitäns, er jedoch kannte sie nicht. Also war es wichtig, das Bild eines disziplinierten Knappen und Soldaten zu schaffen.
    Yared nickte nur, wedelte fast ungeduldig mit der Hand.
    »Mein Bruder - Inquisitor Halfgar, der uns zur Seite gestellt wurde für die Reise zur Grenze - hat von ähnlichen Berichten königlicher Späher berichtet. Zwar konnten sie keine Hinweise auf Ork-Lager finden, jedoch fanden sie die Überreste eines Schattenläufers. An zwei verschiedenen Orten. Im Wald das vertrocknete Fell, abgelegt wie ein Mantel - und anderenorts die Knochen. Fein, blank, weiß. Ohne Spuren von Wind und Wetter und dem Zahn der Zeit. Man kann also davon ausgehen, dass die Gebeine entweder frisch entnommen worden waren ... oder, nun ja.«, er räusperte sich abermals, »Die Hinweise verdichten sich jedenfalls. Und mir persönlich schmeckt es absolut nicht, ganz im Gegenteil, ich verspüre eine gewisse Furcht vor der Reise an die Nordgrenze. Die Nordlande sind ein verfluchter weißer Fleck auf jeder Landkarte. Terra Incognita, wie die Gelehrten in Vengard gerne hochtrabend sagen. Lauert hinterm Pass eine zweite riesige Orkarmee? Haben die Schamanen dieser widerwärtigen Kreaturen einen Pakt mit Beliar abgeschlossen und alles Leben ausgelöscht und dem Untod einverleibt? Oder ist das alles nur eine wahnsinnig zufällige Aneinanderreihung von, nun ja, Zufällen?«
    Der Soldat schüttelte den Kopf. »Ich denke, wir sollten bald aufbrechen, so wenig ich die Vorstellung mag, dort oben untoten, stinkenden Orks zu begegnen. Aber wir haben eine Pflicht. Und die sollten wir erfüllen.«
    Er umfasste den Knauf des Schwertes, spürte das bekannte Gefühl des Leders, das Gewicht der Waffe am Gurt. Das gab ihm zumindest ein wenig Sicherheit.

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    Yared wiegte nachdenklich den Kopf. Halfgars Informationen, die Isegrim ihnen gerade präsentiert hatte, waren in Kombination mit Jodas' Expertise höchst beunruhigend.
    "Kalle?", fragte er den letzten in der Runde.
    "Klingt als wollten sie testen, wie lange wir für eine Reaktion brauchen oder um sie aufzuspüren. Allerdings klingt es auch, als ob die Orks und die Untoten vielleicht zwei paar Schuhe sind. Aber egal, ich finde das beide Paare gewaltig stinken.", antwortete der Veteran trocken.
    Der Kapitän sah kurz zu den anderen, ob noch jemand etwas anmerken würde. Dem war nicht so.
    "Isegrim, ich denke, Ihr habt recht. Wir müssen so bald, wie möglich, aufbrechen. Zarah, bitte bereite unsere Abreise vor. Isegrim, Ihr unterrichtet Euren Bruder hiervon und setzt ihn in Kenntnis, dass er sich auf die Abreise vorbereiten möge. Anschließend möchte ich, dass Ihr Euch im Hof einfindet - du ebenfalls Kaldrin."
    Der Kapitän wollte wissen, wie weit Isegrims Fähigkeiten mit dem Schwert gediehen waren, bevor sie aufbrachen. Solange er die Grundlagen nicht beherrschte, war es nicht zu verantworten, ihn auf eine Mission gegen Orks oder gar Untote mitzunehmen. Ansonsten war nicht nur sein eigenes Leben gefährdet, sondern auch das derjenigen, die an seiner Seite kämpfen würden.
    Nachdem Yared seine Mitstreiter angewiesen hatte, wandte er sich an ihre Gäste: "Ich danke euch für die Informationen. Ich werde mit dem Klostervorsteher sprechen und dafür sorgen, dass man euch, auch wenn wir bereits abgereist sein werden, solange beherbergt, bis das Wetter besser ist und ihr aufbrechen könnt. Außerdem werde ich veranlassen, dass man euren Proviant aufstockt."
    Jodas nickte nur knapp. Larah hingegen verbeugte sich mit gefalteten Händen, eine Dankesgeste die er sonst nur vom Östlichen Archipel und aus südlichen Gefilden Gorthars kannte.
    Yared verließ als erster den Raum. Er musste Lord Olivier und Magister Altus sprechen.
    Er kam jedoch nicht weit, bis ihn Zarah einholte.
    "Du solltest es tun."
    "Was?"
    "Über deinen Schatten springen und das Angebot des Ordens annehmen."
    Yared zog die linke Augenbraue in die Höhe.
    "Du wusstest also davon?"
    "Innos ist nicht I'nadhor. Er wird dich nicht manipulieren."
    "Du meinst nicht mehr, als sonst auch, ohne Kräfte?"
    Zarah seufzte.
    Yared grinste schmallippig. Wenn sie wüsste, dass er sich längst dazu durchgerungen hatte ...
    Dann zog er geradezu theatralisch die Stirn in Krauß und sog die Luft ein, als würde ihn eine schmerzhafte Erkenntnis treffen. "Mir wird langsam klar, warum du die ganze Zeit darauf insistiert hast, einen Paladin an deiner Seite zu brauchen. Vielleicht sollte ich mir nochmal überlegen, ob ich dich zu meiner Weihe einlade."
    Breit grinsend ließ er sie stehen.
    Zarah verdrehte die Augen. Familie war doch etwas schönes.

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    »Halfgar, entschuldige die Störung ...«
    »Isegrim, was gibt es? Bei Innos, du siehst aus als hättest du Beliar gesehen.«
    Der Soldat hob die Schultern. »So ähnlich. Hör zu: Vor Kurzem kamen zwei Jäger an, Bekannte von Sir Yared Garethsson. Die beiden waren ebenfalls im Norden und gingen Gerüchten nach. Du kannst dir denken, welche das sind, Bruder. Sie konnten drei Ork-Lager aufklären, eines davon sogar recht gut befestigt. Neben diesem fanden sie ... ein Gräberfeld, da sie über den Winter wohl nicht die Möglichkeit hatten, den Pass zu überqueren. Die ... die Gräber wurden aufgebrochen. Von einer großen Kreatur. Einer der Jäger hatte sich die Spuren genauer angesehen und ist der festen Überzeugung, dass es sich um einen Schattenläufer handelt.« Er schluckte. »Du weißt, was das bedeutet?«
    Grimmig nickte der Inquisitor. »Natürlich weiß ich das, Bruder. Das heißt, das ich mich für Innos' Segen revanchieren kann. Das heißt, das ich endlich gegen Beliar tätig werden kann. Weißt du, der letzte große Einsatz der Inquisition hat in Thorniara stattgefunden, als es wohl darum ging, irgendeinen herumhexenden Edelmann aufzuhalten. Ansonsten sind nur die einen oder anderen unserer Brüder in Varant unterwegs und gehen irgendwelchen fadenscheinigen Gerüchten nach, das sich jemand mit dem dunklen Gott einlässt.« Der Magier schnaubte. »Aber das an der Nordgrenze? Innos, endlich etwas zu tun! Wann brechen wir auf?«
    Isegrim grinste leicht. »So bald wie möglich. Pack deine Sachen, nimm genug Proviant mit, auch für eine längere Reise. Innos weiß, ob wir da nicht eingeschneit werden und auf den Frühling warten müssen.« Er reichte seinem Bruder die Hand. »Für Innos, Halfgar.«
    Der Inquisitor sah einen Moment etwas überrascht auf die dargereichte Hand, blickte in die Augen Isegrims. Dann ergriff er die Hand im Kriegergriff.
    »Für Innos, kleiner Bruder.«

    Danach machte sich Isegrim auf zum Hof, wo ihn Kaldrin ebenso wie Sir Yared erwarteten.
    »Sir Yared, ich habe meinen Bruder auf den neuesten Stand gebracht. Er bereitet sich zur Abreise vor.«, erklärte er, »Bereit für den Kampf, Sir!«
    Er legte die Hand an den Schwertgriff. »Bereit zur Überprüfung.«

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    Mit großer Faszination beobachtete Françoise das Hin und Her zwischen den Priestern und dem Novizen. Es förderte Zwistigkeiten zu Tage, die seit vielen Jahren begraben gelegen hatten. Und es stand außer Frage, dass einige der Anwesenden noch immer nicht über sie hinweggekommen waren. Was die Ratsherren dabei ungewollt von sich Preis gaben, das war, dass sie trotz ihres Rangs und Einflusses einfache Menschen blieben. Der Gedanke amüsierte Françoise.
    Die Anhörung eilte ihrem Ende entgegen und was noch blieb war das finale Votum.
    »Auch ich hörte genug.«, sagte die oberste Feuermagierin schließlich. »Der heilige Rat trat hier zusammen, dein Schicksal in unseren Reihen zu bestimmen, Novize. Ich gebe den Ratsherren eine kurze Bedenkzeit, bevor wir die endgültige Entscheidung treffen. Dich bitte ich hier zu verweilen.«
    Die Priester erhoben sich von ihren reich verzierten Sitzen und verließen den Rundsaal. Nur die oberste Feuermagierin blieb gemeinsam mit Shakuras zurück. Sie brauchte keine Bedenkzeit, denn ihre Entscheidung hatte sie bereits vor geraumer Zeit getroffen. Statt dessen schmiedete sie Pläne für die Zukunft und ließ ihre Gedanken schweifen.
    Es dauerte nicht lange bis die Priester zurückkehrten und auf ihren angestammten Sitzen Platz nahmen.
    »Erhebe dich, Novize.«, sprach Françoise und deutete Shakuras an aufzustehen. »Jeder von uns, der der Überzeugung ist, dass die Verbannung und das Sündenmal auch weiterhin fortbestehen sollen, hebe bitte die Hand.«
    Pyrokar hob seine Hand und man sah ihm an, dass er von der Richtigkeit seiner Entscheidung vollkommen überzeugt war. Auch Karrypto hob die Hand. Er hatte dem damaligen Richtspruch nicht beigewohnt. Zu jener Zeit war der Orkkrieg noch im vollen Gange gewesen und Karrypto hatte sich auf dem Festland an der Seite Rhobars des Zweiten befunden, als oberster Feuermagier des Reiches. Françoise wusste, wie sehr der Krieg an ihrem Vorgänger gezehrt hatte. Im Gegensatz zu Pyrokar, der sich durch Shakuras' Trotzhaltung persönlich angegriffen gefühlt hatte, vermutete die Priesterin, dass Karrypto ganz andere Beweggründe für seine Entscheidung besaß. Er wusste aus erster Hand, was es für Menschen bedeutete sich auf der Flucht zu befinden. Dass sich Shakuras seiner Zeit dagegen ausgesprochen hatte, den Wassermagiern Obdach zu gewähren, traf bei dem Ratsherren einen wunden Punkt.
    »Jeder von uns, der die Verbannung und das Sündenmal aufheben will, hebe jetzt bitte die Hand.«
    Corristo hob mit der gleichen Entschlossenheit wie zuvor Pyrokar die Hand. Das Band zwischen ihm und Shakuras musste wirklich stark sein. Als nächstes schlossen sich Ulthar und Talamon an. Dann hob sich eine feingliedrige Hand am äußeren Rand des Halbkreises.
    »Was?! Serpen...«, polterte Pyrokar, der erst jetzt realisierte, dass Serpentes nicht für das Bestehen der Verbannung gestimmt hatte.
    »Still!«, unterbrach ihn die oberste Feuermagierin. Angespannt rückte Pyrokar auf seinem Stuhl hin und her und blickte stirnrunzelnd zu Serpentes herüber. Auch Karrypto sah ungläubig in seine Richtung. Doch der schmalgesichtige Priester ließ sich davon nicht beirren. Françoise war indes weniger überrascht. Serpentes' arrogantes Auftreten mochte viele dazu verleiten, ihn vorschnell zu beurteilen. Tatsächlich waren seine Beweggründe oftmals viel undurchschaubarer als die eines Pyrokars.
    Zuletzt hob Françoise ihre Hand, womit die Entscheidung besiegelt war.
    »Fünf Stimmen für die Aufhebung der Verbannung. Zwei Stimmen dagegen.«, erklärte die oberste Feuermagierin. »Damit ist deine Verbannung aus dem Kreis des Feuers aufgehoben, Shakuras. Ich heiße dich erneut willkommen in unseren Reihen. Fortan sollst du wieder Innos dienen und unserer Gemeinschaft mit allen Rechten und Pflichten eines hohen Feuermagiers. Dein Schwur des Feuers ist erneuert!
    Hiermit beende ich diese Sitzung des heiligen Rates.«
    Kaum hatte Françoise ihren Satz beendet, stampfte Pyrokar aus dem Rundsaal. Die anderen Ratsherren folgten ihm nach und nach. Zuletzt trat die Priesterin vom Podest herab an die Seite von Shakuras.
    »Sobald du dich wieder an deine Robe gewöhnt hast, habe ich eine Aufgabe für dich. Doch nimm dir Zeit und genieße deine neugewonnene Freiheit.«, sagte Françoise mit einem sanften Lächeln. »Ich bitte, dass du deine Wunde versorgst. Der Würde eines Feuermagiers entsprechend.« Sie blickte dem alten Mann tief in die Augen und wandte sich schließlich ab, um den restlichen Priestern zu folgen.

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    Yared is offline

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    Yared bestätigte Isegrims Meldung nur durch ein knappes Nicken.
    Der Kapitän zog das einfache Gardeschwert, das er sich aus dem kleinen Arsenal der Wachstube des Torhauses besorgt hatte, und warf Kaldrin die leere Scheide zu. Es war nur mäßig ausbalanciert, das merkte seine geschulte Hand sofort, aber er wollte Isegrim mit einer ebenbürtigen Waffe testen.
    Langsam begannen sich der Ritter und der Ordenskrieger zu belauern. Irgendwie widerstrebte Yared die Bezeichnung Knappe für einen gestandenen, erwachsenen Mann, wie Isegrim, auch wenn er rechtlich diese Stellung einnahm. Aber das war in diesem Moment unwichtig. Die Frage, die es hier zu klären galt, war, wer zuerst angreifen würde.
    Yared dachte darüber nach, während er seinen Kontrahenten im Auge behielt. Isegrim hatte gelernt, das konnte man allein an der Körperhaltung deutlich sehen, wusste man zum Vergleich, wie er sich noch in Vengard angestellt hatte.
    Der Kapitän wollte ihn nicht gleich mit dem vollen Repertoire nieder drücken. Dann würde er auch gar nicht erkennen können, ob Isegrim tatsächlich weit genug war.
    Er beschloss als erstes in die Defensive zu gehen und Isegrim die Offensive zu überlassen. Sobald der Nordmarer müde wurde, würde es ohnehin viel interessanter sein, zu sehen, wie er sich gegen Yared verteidigen würde.
    Yared beendete das Hinundhertänzeln im Schnee, hob das Schwert, preschte vor und schlug zu. Isegrim parierte problemlos, doch darauf hatte Yared nur gewartet. Der Anfang war gemacht. Der Kapitän nahm sich zurück und überließ seinem Lehrling die Initiative. Vorerst.

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    Leise fluchte Isegrim, als sein Lehrmeister ihn in die Offensive zwang. Eigentlich hatte er den Platz auf dem Innenhof ausnutzen wollen, um Yared umrunden zu können und ihn so ungeduldig werden zu lassen, sodass der Kapitän genervt zum Angriff übergegangen wäre. Nun sah es danach aus, dass er selber jener arme Tölpel war, der auf eine standfeste Verteidigung traf. Die Frage war aber, welche Karten Yared hier spielen würde. Würde er alles geben, sein Potenzial ausschöpfen? Wenn ja, würde Isegrim nach allzu kurzer Zeit ins Schwitzen geraten und ganz klar unterliegen. Wenn der Kapitän jedoch testen wollte, wie gut Isegrims Angriff und Verteidigung waren, nun, dann bestand wenigstens die Chance, Yared zumindest im Rahmen eines Übungskampfes zu 'besiegen', auch wenn diese Bezeichnung in der Beziehung einen schalen Beigeschmack hatte.

    Er lauerte noch mehrere Schritte und schoss mitten in der Seitwärtsbewegung vor, das Schwert vorgereckt zum Stich. Ein überraschter Gegner hätte nun sicherlich Schwierigkeiten, einem solchen Angriff entgegen zu treten und so bliebe ihm nur das Ausweichen. Dies würde das Heft des Handelns, die zeitweise Kontrolle über den Kampf in die Hand des Angreifers legen. Yared wusste das natürlich ... spielte jedoch mit. Er wich aus, sodass Isegrim ihm direkt nachsetzen konnte. Er brachte mehrere Schläge und Hiebe an, meist diagonal aus dem unteren Bereich her geführt, sodass der Kapitän abwärts blocken und parieren musste. Mehrmals schlug Isegrim mit dem Gardeschwert von oben zu, um durch die Schwerkraft und das Gewicht der Klinge mehr Kraft aufzubauen. Und mehr Kraft würde es auch Yared kosten, diese Schläge abzuwehren. Ein demotivierter, ungeschulter Kämpfer mochte auf diese Art und Weise an den Rand einer Niederlage gebracht werden. Aber Yared, nun, war höchst motiviert und geschult genug, um einem Dieb das Kämpfen beizubringen.

    Er parierte den letzten Hieb des Soldaten, der schon angestrengter atmete als noch zuvor und trieb ihn in die Verteidigung, deckte ihn mit Schlägen und Hieben und Stichen ein, die er zwar abwehren konnte, jedoch ohne die Möglichkeit einer Parade und eines nachfolgenden Gegenangriffes. Immer weiter trieb der Kapitän seinen Schüler vor sich her, bis dieser mit dem Rücken zur Wand eines Klostergebäudes stand. Das nutzte Isegrim aus. Als Yared das Offensichtliche machen wollte - einen Stich ansetzen - schoss der Soldat zur Seite, wirbelte herum und schlug zu. Vor dem Nacken des Schwertmeisters stoppte er.
    »Gewonnen«, keuchte er grinsend. Der Kapitän hob eine Braue und blickte vielsagend auf die Höhe von Isegrims Seite. In einem echten Kampf hätte Isegrim entweder zum Preis seines eigenen Lebens gewonnen. Oder wäre im schlimmeren Fall mit dem Wirbeln in die Klinge des Feindes gesprungen und hätte sich aufgespießt. Er lachte trocken, nahm die Klinge herunter und steckte sie in die Scheide.
    »Ein schöner Kampf, Sir Yared«, sprach er und rieb sich mit dem Handrücken über den Mund, wischte sich durch den Bart um den Schweiß loszuwerden. »Natürlich wäre ich in einem echten Gefecht völlig unterlegen. Aber ... ich denke, ich weiß wo ich noch arbeiten muss. Nutze wohl noch zu gerne die offensichtlichen Chancen, selbst wenn sie mich das Leben kosten würden.«
    Was würde der Lehrmeister wohl sagen? Wie war seine Einschätzung?

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    Yared unterdrückte einen Seufzer.
    Der Kapitän war sich uneins, ob er Isegrim für die robuste, gut ausgeführte Kampftechnik loben oder für seinen Leichtsinn und sein überstürztes Handeln tadeln sollte. Immerhin hatte er die Initiative übernommen, als sie ihm angeboten wurde und hatte sich in der Defensive erstaunlich lange gut gehalten, bevor er sich hatte zu der Verzweiflungstat hinreißen lassen, auf die er jetzt vordergründig so Stolz war. Yared hoffte, dass das nur ein Abwehrmechanismus war, der der langfristigen Einsicht, dass das eigene Leben meist wichtiger war, als einen kleinen Kampf für sich zu entscheiden, nicht im Wege stehen würde.
    Der Reichsritter beschloss ihn nicht abzukanzeln. Nüchtern stellte er fest: „Ja, bis auf das Ende war es ein guter Kampf. Ihr beherrscht die Grundlagen routiniert und seid erkennbar bereits dabei Euren eigenen Stil zu entwickeln. Ihr habt Euch gut geschlagen. Aber denkt daran: Um den Schwertkampf zu meistern müsst Ihr nicht nur Eure Waffe beherrschen.“
    Yared unterließ es darauf hinzuweisen, dass es ebenso nötig war, auch das eigene Temperament zu zügeln zu wissen. Immerhin spiegelten Isegrims eigene Worte etwas Selbstreflektion bezüglich seines Verhaltens. Er würde nur ein wenig brauchen, um deren Sinnhaftigkeit einzusehen. Vielleicht war es aber einfach auch nur die Prüfungssituation, die ihn hatte übermütig werden lassen.
    Auch dann noch waren seine Fähigkeiten gut genug gediehen, dass man die Welt auf ihn loslassen konnte.
    „Ihr habt die erste Hürde genommen.“

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