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    General Yared's Avatar
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    Die Gilde Innos' im Forenrollenspiel
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    Reagans Kontor, Vengard, Myrtana, Hauptstadt des Großreiches Rhobars III.

    "Wenn es Euch beruhigt: Mein Lehrmeister ließ mich damals als erstes gegen einen Frischling, wie ich es selbst war, antreten. Meine erste Demütigung war so gesehen noch blamabler, als Eure."
    Vor Yareds innerem Auge erschien das junge Gesicht Samorins. Wo es den wohl mittlerweile hin verschlagen hatte?
    Yared unterließ es weiter oder detaillierter auf die Frage nach seinem Lehrmeister einzugehen. Er wusste nicht, wie viel von dem, was er Isegrim erzählen würde, am Ende bei Ragnar und damit in den innersten Zirkeln der Streiter Innos' landen würde. Yared hatte keinen Lust darauf, irgendjemandem, und schon gar nicht am Ende einer langen Kette einem gewissen Jun Qel-Dromâ, erklären zu müssen, dass er einst seine Kampfkünste bei dem berüchtigten Tavik von Eirrin, für so einige Staatsfeind und Häretiker, verfeinert hatte.
    "Mein Lehrmeister hätte vermutlich zunächst darauf hingewiesen, dass Ihr falsche Erwartungen hegt. Ihr selbst seid schnell und geschickt, ein Schwert ist es in der Regel nicht. So lange ihr nicht einen Degen, ein Rapier oder varantisches Assassinenschwert führt, müsst ihr euch daran gewöhnen, dass das Fechten zeitweilig behäbiger ist. Und egal, wie schwer die Klinge ist, die Ihr führt, selbst ein Malchus, Sax oder Entermesser ist länger als der Dolch, an den Ihr gewöhnt seid. Der Bewegungsradius ist größer. Das macht die Waffe träger, gleichzeitig Reichweite und Abstand zum Gegner größer und gibt eurem Gegenüber mehr Zeit Eure Bewegungen zu antizipieren, zu beobachten und zu kontern."
    Yared zeigte mit Zeigefinger und Mittelfinger seiner freien Linken auf seine Augen.
    "Dann achtet Ihr zu sehr auf Euch selbst. Euer Blick hing mehr als einmal an Eurer eigenen Waffe, statt meine Bewegungen zu beobachten. Ihr müsst die Kontrolle über Eure Waffe eurem Körpergefühl überlassen. Das Schwert ist Euer verlängerter Arm. Behandelt es auch so. Schaut Euren Gegner an, nicht Eure Waffe. Die ist nicht Euer Gegner, auch wenn es Euch gerade noch so vorkommen mag. Dort wo Eure Augen sind, sind auch Eure Gedanken und mit Beobachten, eine Lücke ausmachen und losschlagen ist es nicht getan. Ein Schwert ist kein Pfeil, kein Speer, die man auf luftige Reisen schickt, nachdem sie erst Sehne oder Schleuder verlassen haben. Ihr kontrolliert Eure Waffe, bis sie beim Feind auftrifft oder ins Leere schlägt. Ihr müsst nachjustieren. Ihr dürft das Reagieren nicht allein dem Gegner überlassen. Ihr seid geschickt und sicher nicht unerfahren im Straßenkampf. Dort kommt es meist nur darauf an, wer die bessere Finte auf Lager hat. Betrachtet einfach jeden Schlag, den ihr führt als mögliche Finte. Haltet Euch eine Hintertür offen. Habt immer eine Alternative in der Hinterhand und macht Euch klar, dass Euer Gegner es genauso macht."
    Der Kapitän hob sein Schwert wieder an und ging in Angriffstellung. Den Blick hatte er unverwandt auf seinen Lehrling gerichtet.
    "Und drittens: Denkt an einen sicheren Stand. Ihr stürmt voran, wie eine varantische Wüstennatter. Beinarbeit ist wichtig. Aber wir fechten mit Schwertern, nicht mit Säbel oder Florett. Auch Wucht ist wichtig, aber sie birgt immer die Gefahr einer Schwächung Eurer Defensive.", schloss Yared seine Ausführungen, bevor er Isegrim mit einer einladenden Geste abermals zum Angriff aufforderte.
    Last edited by Yared; 04.12.2018 at 23:03.

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    Kämpfer Isegrim's Avatar
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    Die Gilde Innos' im Forenrollenspiel
    Isegrim is offline
    Nachdenklich wog der Meisterdieb das Holzschwert in der Hand, dessen Gewicht ihm einfach nicht gefallen wollte. Er fluchte lautlos, dachte an die Tage seiner Kindheit in Nordmar zurück, wie die jungen Burschen von zehn Jahren schon ein richtiges Eisenschwert in Händen gehalten und damit geübt hatten. Wenn nicht sogar schon eine Axt, die noch wesentlich mehr wog und gänzlich anders zu führen war als ein Schwert. Nun, die Burschen damals waren aber schon reichlich kräftig gewesen, anders als Isegrim, der zeitlebens eher zu der weniger starken Sorte Mensch gehört hatte. Für ihn bedeutete es also, langsam die nötige Kraft zu gewinnen, die es brauchte um eine Klinge zu führen. Natürlich würde er beizeiten einen Waffenschmied darum bitten, eine an ihn angepasste Waffe zu fertigen, damit er nicht mit einem schweren Stück Metall herumlaufen musste.
    »Letztlich habt Ihr wohl recht, Yared«, murmelte der Dieb und ließ seinen Ausbilder noch etwas auf den Angriff warten, »Sicherlich ist mein Trumpf meine Geschwindigkeit, aber im Gedränge, in der Schlacht oder im beengten Zweikampf ... da mag alle Flinkheit der Welt nicht schützen. Da zählen Ausdauer und Kraft, denn gewinnen wird wohl der, der länger das Schwert führen kann.« Er spuckte aus. »Heißt wohl, dass ich abends mehr essen werde und anfange, Muskeln zu bekommen.«
    Wieder landete Isegrims Blick auf der Waffe, die Art wie er sie hielt. Der Kapitän hatte recht. Hier ging es wohl um Instinkt, Vertrauen und ein kleines Bisschen Glück. Das Schwert als Verlängerung des Armes, eine Redewendung die wahrscheinlich älter war als der Schwertkampf an sich, schien sich in diesem Falle wieder zu bestätigen. Er würde auch hier nachbessern müssen. Wissen, wie und wo die Klinge ist, während seine Augen die des Gegners fixieren würden. Denn darum ging es ja. Der Blick des Gegners verriet sein Vorhaben, zumindest meistens. Die Augen konnten für den geübten Leser wertvolle Informationen enthalten, tiefer und weiter als jede noch so große Bibliothek.
    »Ja, der Straßenkampf ...«, flüsterte Isegrim. Meist waren dieser mit Messern geführt worden, hier und da gelegentlich auch mit einem Knüppel oder einem Holzbrett mit Nägeln darin. Oft aber auch nur eine zerbrochene Flasche, deren scharfen Bruchstellen auch genügten, um einem Kontrahenten wichtige, meist blutführende Körperteile zu zerfetzen. Auch beim Straßenkampf war es meist um Instinkt gegangen, um das Austricksen des Gegners. Finten. Isegrim atmete tief durch.

    Beide Hände lagen am Griff des Holzschwertes. Langsam näherte er sich dem Kapitän, ließ den Blick immer wieder zwischen dessen Waffe und Augen wechseln. Dann griff er an, täuschte einen linksseitigen Angriff an, dessen Schwung er nutzte, um an Yared vorbei zu tänzeln, das Schwert zu schwingen und auf ein knapp geführten Block zu treffen. Der Kapitän nickte kurz, ehe Isegrim wieder auf Position ging. Sie übten ja schließlich den Angriff. Mehrmals attackierte er den Kapitän und probierte verschiedene Finten und Täuschungen. Dabei erkannte er im Stillen, dass ein Dolch in der Zweithand sicherlich von Vorteil sein würde, vorausgesetzt er besäße alsbald die nötige Erfahrung, die Klinge auch sicher mit einer Hand zu führen.
    Bei seinem letzten tänzelnden Manöver erlebte der Soldat aber wieder etwas Neues. Wie um seine Worte den sicheren Stand betreffend zu unterstreichen, nutzte Yared Isegrims Konzentration und zog ihm ganz ungeniert die Beine mit einem raschen Tritt weg. Polternd ging der Nordling zu Boden, leise fluchend.
    »Verflucht. Ja ja, Konzentration ... aber nicht darin versteifen. Sicherer Stand ... aber keine Bewegungslosigkeit.«

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    Reagans Kontor, Vengard, Myrtana, Hauptstadt des Großreiches Rhobars III.

    "Ich sehe, Ihr habt verstanden, worum es geht.", kommentierte Yared die verbale Begleitung von Isegrims unsanftem Abgang, während er dem am Boden zum Sitzen gekommenen die freie Hand reichte, um ihm aufzuhelfen.
    Kaum stand der Nordmarer wieder, konnte Yared hinter sich das Knarzen der in das größere Tor des Kontors eingelassenen Tür vernehmen. Als er sich umdrehte, erblickte der Kapitän Zarah, die soeben von der Straße hereingekommen war und die Tür gerade wieder hinter sich schloss.
    "Guten Morgen."
    "Guten Morgen, Cousin.", antwortete sie abwesend, während sie ihre offenbar vollgepackte schmucklose Umhängetasche auf der Sattelbank abstellte, um ihre Lasten umzuschultern. Ohne aus ihren Gedanken aufzutauchen, verschwand sie dann umgehend in der Küche.
    Yared war sich sicher, da war irgendwas im Busch.
    "Machen wir kurz Pause.", ordnete er daher kurzerhand seinem Lehrling und Kaldrin gegenüber an, "Gehen wir einen Schluck trinken."
    Sie legten die Holzschwerter beiseite und folgten Zarah in die Küche.
    Yareds Cousine hatte offenbar nichts gefrühstückt, bevor sie am Morgen in die Stadt aufgebrochen war, und holte dies nun nach. Der Kapitän holte vier Becher aus dem Geschirrschrank, während Kaldrin in einem Krug angegorenen säuerlichen Traubenmost mit frischem Wasser verdünnte.
    "Und was gibt es Neues aus dem Palast?", fragte Yared gespielt beiläufig.
    Zarah hob den Blick zunächst nicht von den zwei Brotscheiben, die sie mit dicken Käseranken belegte, ging der Frage aber immerhin nicht aus dem Weg.
    "Es gibt Berichte über angeblich verstärkte Aktivitäten an der Grenze zu den Nordlanden."
    "Was? Ein paar Späher, die sich durch Schnee und Unterholz jagen und die milchgesichtigen Jüngelchen verschrecken, die sie neuerdings zum Militärdienst anwerben?", bemerkte Kaldrin spitz und blickte dabei grinsend zu Isegrim, während er die Becher aus dem Krug füllte.
    "Das auch. Aber nein, es soll Massaker auf einigen der Wehrhöfe im Nordwesten gegeben haben. Es ist offenbar nicht das erste Mal, dass sowas geschehen sein soll, auch wenn die letzten ähnlichen Berichte schon einige Winter her sind. Der Stab des Heermeisters hat jedenfalls beschlossen das Ganze untersuchen zu lassen."
    Zarah schnitt eine letzte Ranke vom Käse bevor sie ihn wieder in ein Tuch schlug.
    Yared enthielt sich eines Kommentars, nippte stattdessen an seiner Erfrischung und beobachtete die Miene, welche seine Cousine geschickt im Schatten ihrer eigenen gebeugten Körperhaltung verbarg.
    Kaldrin hingegen verzog das Gesicht in einer Mischung aus Mitleid und Schadenfreude, mit klarem Überhang bei letzterem.
    "Na Gesundheit. Der mannshohe Schnee, stets eine gut verborgene Gletscherspalte in Schrittweite, wilde Tiere, eisige Kälte und jetzt Orks und Leichen gratis, so lange der Vorrat reicht. Wen immer sie da hoch schicken, er wird viel Spaß haben."
    "Ich finde es erfrischend, wie positiv du darüber denkst, mein lieber Kaldrin.", erwiderte Zarah.
    "Sie hat recht. Du solltest nicht über jemanden spotten, nur weil der Kelch an dir selbst gerade noch mal vorübergegangen ist.", stimmte ihr Yared zu.
    "Wer sagt denn, dass der Kelch vorüber ist?", wandte sich Zarah nun gespielt erstaunt ihrem Cousin zu.
    Kaldrins Augen wurden groß. Jetzt war die Katze aus dem Sack. "Sag nicht ..."
    "Sicher, es dürfte recht ungemütlich werden um diese Jahreszeit. Aber ich mache mir da gar keine Sorgen." Sie schenkte den dreien ihr charmantestes Lächeln. "Schließlich habe ich einen äußerst kundigen Führer und eine überausschlagkräftige Eskorte an meiner Seite."
    "So eine verdammte..." Kaldrin verschluckte das Ende seiner Einlassungen, als er bemerkte, dass just in diesem Moment Maeve mit ihren Kindern die Stiege herunter kam. "Wir können sie wohl nicht einfach allein reisen lassen?"
    Yared seufzte. "Nein, das können wir wohl nicht."
    Er nahm einen weiteren Schluck. "Wie bald müssen wir aufbrechen?"
    Last edited by Yared; 05.12.2018 at 23:57.

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    Kämpfer Isegrim's Avatar
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    Die Gilde Innos' im Forenrollenspiel
    Isegrim is offline

    Reagans Kontor, Vengard, Myrtana, Hauptstadt des Großreiches Rhobars III.

    "Sehr bald.", war die Antwort von Zarah, die Isegrim nur am Rande mitbekam. Seine Gedanken rasten. Die Nordgrenze. Abgesehen von den entlegenen Bergen im Westen, diesem unüberwindbaren Gebirge das die bekannte Welt von den Unbekannten Landen trennte, war die Nordgrenze wohl der unwirtlichste, lebensfeindlichste Ort auf dem Festland. Denn nördlich dieser Grenze gab es das Reich der Orks, jene mitternachtsschwarze Hölle, die nur Beliar geschaffen haben konnte.
    "Nun, ich danke für das Kompliment", murmelte Isegrim, "Ja wirklich, kundig nannte mich noch nie jemand. Aber ... ich möchte anmerken, dass ... wir von der Nordgrenze reden. Das ist kein Pappenstiel, kein Wochenendausflug für die Familie. Selbst ohne die Gefahr, die nördlich davon lauert, ist der Ort tödlicher als das Innere eines Vulkans. Beißende Kälte, Eisbären, weiße Schattenläufer. Angeblich sogar weiße Drachen, wie jener der vor einiger Zeit auf Argaan sein Unwesen trieb. Dann kommen noch die unendlich vielen nordmarischen Sagengestalten hinzu. Eisdämonen, Untote in riesigen, uralten Nekropolen. Dämonische Wesen mit Tentakeln im Gesicht, eine Kreuzung aus Mensch und Tintenfisch, die in den tiefsten Tiefen lauern und weder Innos noch Beliar noch Adanos huldigen." Er schüttelte den Kopf, stoppte den Redefluss. "Ich will nur sagen, dass das, was dort oben Massaker anrichtet, nicht von vier Menschen bezwungen werden kann. Wie wäre es also eher mit, ich weiß nicht, einer Hunderschaft Paladine sowie Magier?"
    Yareds Cousine lächelte schmal. "Nun, ein Magier wird uns unterstützen, ehrlich gesagt." Das Lächeln wurde breiter. "Ihr kennt ihn. Halfgar Fyresgrimson, Euer Bruder."
    Isegrim kümmerte sich nicht um die verwirrte Miene der anderen, als er herzlich zu lachen begann. Es dauerte etwas, ehe er wieder Luft bekam und sich die Tränen aus den Augen wischte. "Bei Innos, dann lasst mich lieber hier bleiben. Mein Bruder wird, kaum das er mich sieht, einen Feuersturm heraufbeschwören. Dann bleibt von mir so wenig übrig, das ein Begräbnis nur noch symbolischen Wert hätte." Er wurde wieder ernster. "Hört: Mein Bruder und ich haben, hm, tiefgreifende Differenzen. Er hasst mich und ich hasse ihn. Mag sein, dass er Euch drei unterstützen würde, ist schließlich seine Pflicht als Erwählter und Inquisitor, aber ... bei Innos, wenn ich Teil dieser Mission bin, wird er sich nicht darauf einlassen."
    Erneut lächelte Zarah nur, zog ein weiteres Ass aus dem Ärmel. "Sir Ragnar Fyresgrimson hat dafür gesorgt, das Halfgar unterrichtet wurde und uns tatkräftig unterstützen wird. Es ist schon beängstigend, Isegrim, wie viele es von euch gibt. Jeder zweite Nordmann scheint ein Spross von Fyresgrim zu sein."
    "Mein Vater hatte zeitlebens viel Spaß im Norden", antwortete der Soldat trocken. "Nun, unter diesen Umständen folge ich natürlich der Entscheidung meines Ausbilders und Vorgesetzten. Wenn Sir Yared geht, werde ich ihn begleiten." Sein Blick wanderte zu dem Kapitän. "Hoffen wir nur, dass das da oben ein paar wildernde Orks sind."

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    Red Dragon Françoise's Avatar
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    Die Gilde Innos' im Forenrollenspiel
    Françoise is offline
    Noch immer hielt der Rat Sitzung im großen Rundsaal des Tempels und längst hatte Françoise ihr Zeitgefühl verloren. Ein besonders wichtiger Punkt bei diesen Gesprächen handelte von der Situation auf Argaan. Die oberste Feuermagierin gab im Detail wieder, was im Inselreich von statten ging, und erntete dafür nicht nur Zuspruch. Insbesondere als Françoise von der Vernichtung des Drachens erzählte, entzweite sich der Rat in seinen Meinungen. Es war die Tatsache, dass die Priesterin die Hilfe anderer Magiezweige angenommen hatte, die konservativen Ratsherren wie Pyrokar missfiel. Auch wenn es letztlich nicht dazu gekommen war, fand er schon allein das Anhören der Kastellmagier für fragwürdig. Françoise stand weiterhin zu ihrer Entscheidung und erhielt Zuspruch von Serpentes. Seiner Ansicht nach war es nur recht und billig, sich aller verfügbaren Werkzeuge zu bedienen, um sein Ziel zu erreichen. Letzten Endes war sich der hohe Rat zumindest darin einig, dass mit der Vernichtung des Drachens Beliar ein herber Schlag versetzt worden war.
    Im weiteren Verlauf der Sitzung kam schließlich die politsche Lage auf der Insel zur Sprache. Jeder der Anwesenden hatte in den Jahrzehnten bereits die ein oder andere Erfahrung mit dem Kreis des Wassers gemacht. Sowohl gute als auch schlechte. Vor allem das Zerwürfnis im Kloster war bei einigen der Ratsherren noch lebhaft im Gedächtnis. Françoise wusste davon nur aus Erzählungen. Sie war dem Orden eine Weile nach dem Exodus der Wassermagier beigetreten. Im Großen und Ganzen ließ sich aber behaupten, dass die beiden Magierkreise über die Jahre vernünftig miteinander auskamen.
    Die anhaltende Loyalität gegenüber Ethorn stellte diese Beziehung leider auf eine schwere Probe. Bis zuletzt hatte die oberste Feuermagierin gehofft, dass Tinquilius seinen Einfluss nutzen würde, um die Setarrifer zum Umdenken zu bewegen. Die Eroberung Stewarks ließ jedoch anderes vermuten. Der Rest den hohen Rates teilte die Enttäuschung über diese Entwicklung.
    Als nächstes stand ein viel weltlicher Punkt zur Diskussion. Nämlich was die Priester zu essen gedachten. Fast wie im Gänsemarsch verließen die sieben Ratsmitglieder den Rundsaal und begaben sich ohne Umwege zum Refektorium. Novizen hatten dort einen Tisch für sie gedeckt mit allem was die Speisekammer zu bieten hatte. Guter Wein, abgehangene Wurst, würziger Schafskäse, geräucherter Fisch und dazu frisches Brot und eine kräftige Suppe.
    »Es ist wirklich bedauerlich. Ich hatte ehrlich gesagt gehofft, dass deine Berichte über die Lage auf Argaan, nun ja, etwas übertrieben wären.«, erklärte Ulthar und trank etwas Wein.
    »Glaub mir, ich wünschte es wäre Übertreibung.«, erwiderte die Priesterin. »Leider steht die Insel offenbar nicht unter Innos' Stern.«
    »Pyrokar, reich mir bitte das Brot.«
    »Bitte sehr.«
    »Jedes Mal, wenn wir einen Schritt in die richtige Richtung gemacht haben, warf uns die nächste Katastrophe mehrere Schritte zurück. Es schmerzt mich das zu sagen, aber die einfachen Bürger hatten es unter Varald nicht wesentlich schlechter.«
    »Keinesfalls, Françoise.«, warf Serpentes ein. »Die Entfernung dieses Abtrünnigen hat Moral und Ordnung nach Thorniara zurückgebracht. Allein dafür sollte der Pöbel bereits dankbar sein.«
    »Dem stimme ich zu.«, sagte Pyrokar, während er ein Stück Brot in seine Suppe tunkte. »Außerdem ist es die Aufgabe des gemeinen Volkes für das Wachstum der Stadt zu sorgen. Unsere ist es zu leiten.«
    Françoise runzelte die Stirn. Im Grunde hatten die beiden Priester Recht. Immer wieder hatte der Orden den Bürgern von Thorniara weitreichende Hilfe geleistet. Die Armenspeisung war wohl das prominenteste Beispiel darunter. Doch musste das auch seine Grenzen haben.
    »Unsere helfende Hand ist der wichtigeste Beweis für Innos' Barmherzigkeit in dieser Welt.«, erklärte Ulthar und unterbrach damit den Gedanken der Priesterin. »Es mag nicht unsere Aufgabe sein, die Felder zu pflügen. Sehr wohl aber dem Bauern aufzuhelfen, wenn er stürzte.«
    »Dann stellt sich die Frage, wie viel Hilfe ist genug?!«, fragte Corristo, der neben Ulthar saß. »Noch etwas Wein für mich.«
    »Für mich ebenfalls.«, ergänzte Karrypto.
    »Argaan ist nicht nur einmal gestürzt.«, erwiderte Françoise, »Viel mehr befindet sich die Insel im freien Fall.«
    »Wir können die südlichen Inseln nicht einfach aufgeben.«, mischte sich jetzt auch Talamon ein. »Bedenkt was inzwischen aus Khorinis geworden ist. Dort herrscht jetzt völlige Anarchie.«
    »Das gilt es auf jeden Fall zu verhindern. Dafür investierte das Königreich auf Argaan zu viel.«, erklärte Karrypto und erntete ein Tischweites Nicken. Worauf der frühere oberste Feuermagier anspielte war natürlich das Unglück, welches Rhobar seinerzeit auf der Insel befallen hatte. Zusätzlich ging es um das Prestige des gesamten Reiches. Rückzug wäre gegenüber allen Rivalen ein Zeichen von Schwäche.
    Die Priesterin nahm ein Stück Brot und belegte es mit etwas aufgewärmten Aal. Schon bald würden sie in den Rundsaal zurückkehren und in weitere Debatten verstricken. Mit vollem Magen fiel das aber wesentlich einfacher.

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    Reagans Kontor, Vengard, Myrtana, Hauptstadt des Großreiches Rhobars III.

    "Heute ist die Defensive dran. Ich will die Grundlagen durch haben, bevor wir uns auf den Weg machen.", begrüßte der Kapitän seinen Lehrling und warf ihm das hölzerne Übungsschwert zu.
    "Wann geht es eigentlich wirklich los?"
    "Das hört sich ja so an als könntest du es kaum abwarten, Kalle." Yared schenkte dem Veteran, der sich mit einem Becher dampfenden Grogs auf dem Aufgang niedergelassen hatte, ein verschmitztes Grinsen.
    "Naja, das ist wie beim Zähneziehen. Wenn's früher losgeht, ist es auch schneller vorbei."
    Oben auf der Galerie könnten sie das Knarren einer Tür vernehmen.
    "Wir warten noch bis Reagan und Ron wieder hier sind.", antwortete Yared, während er anfing um Isegrim zu kreisen. Ohne den Nordmarer direkt anzuschauen, den Blick scheinbar auf den Wandelgang über ihnen gerichtet, beobachtete er ihn und seine Körperhaltung aus dem Augenwinkel.
    Dann kam mit trappelnden Schritten Ravan angelaufen, seine Mutter im Schlepptau.
    "Und das wird wann sein?", fragte Kaldrin, während er sich kurz erhob, um sie nach unten durchzulassen.
    "Wohl morgen. Sie haben eine Nachricht geschickt, kurz bevor sie Faring verließen.", mischte sich kurz Maeve im Vorbeigehen ins Gespräch ein, bevor sie ihre Kinder tragend und vor sich her scheuchend in der Küche verschwand.
    "Da hörst du es. Musst du nicht packen gehen?"
    "Alles schon erledigt. Deshalb habe ich jetzt viel Zeit um dir dabei zuzusehen, wie du dem Späher den Allerwertesten versohlst." Und mit diesen Worten ließ sich der Waffenmeister auf seinen Allerwertesten plumpsen und prostete dem in der Hofmitte stehenden Isegrim freudig zu.
    Yared schüttelte seufzend den Kopf.
    "Isegrim, Ihr müsst die Klinge in voller Länge quer vor Euren Körper bringen. Die Parierstange ist zwar auch wichtig, aber eigentlich soll sie nur Eure Hände schützen, während die gesamte Klinge den Körper abschirmt. Grundsätzlich gilt, den Stich weg schlagen, den Hieb an der Klinge zur Seite ablenken - immer weg von der Körpermitte. Wenn Ihr die größere Körperkraft auf Eurer Seite habt, könnt Ihr es auch gerne gegen die Schlagrichtung versuchen. Das bringt manch einen aus dem Konzept und eröffnet Möglichkeiten zum Kontern. Ansonsten geht immer mit dem Schwung des Gegners mit. Stemmt Euch nicht dagegen, sondern lenkt ihn, wohin Ihr ihn haben wollt und nutzt ihn schamlos aus."
    Ohne weitere Anweisungen, näherte sich Yared seinem Lehrling und fing an ihn mit einfachen Schlägen und Stichen einzudecken. Zunächst attackierte er mit mächtigen Hieben von oben, bevor er anfing kleine Angriffe auf die Seiten und von unten zu Becken und Hüfte zu führen. Wenn die Mitte frei war, stach er zu.
    Wenn er Isegrim traf, unter brach er nur für einen kurzen Schritt zurück aus der Hofmitte, um erneut anzusetzen.

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    Isegrim is offline

    Richtung Norden

    Reagan und Ron kehrten wirklich am nächsten Morgen zurück. Die Ankunft der einen war der Aufbruch der anderen. Der Marsch würde zu Fuß stattfinden, was den einfachen Grund hatte, dass es tiefster Winter in Nordmar war und Pferde dort wenig erreichen konnten. Vor allem in die nördlichsten Bereiche der Region würden sie nicht vordringen können. Zu groß war die Gefahr, dass ein Pferd auf eine zu dünne Eisdecke trat, die Kälte nicht aushielt oder so banale Dinge wie einen Bruch erlitt, wenn es auf losem Gestein ausrutschte oder in ein Loch trat. Nein, sie würden genug Vorräte für eine Reise zum Kloster mitnehmen und sich dort neu ausstatten. Sie würden zu viert reisen. Zarah, Kaldrin, Yared und Isegrim. Eine bunte Truppe, jedoch nicht unbedingt ungefährlich. Mit Kaldrin war ein Waffenmeister dabei, der alleine schon ein ernst zu nehmender Gegner war. Zarah wirkte ebenfalls, als wäre sie mit allen Wassern gewaschen und Yared, der Kapitän, sowieso. Und selbst Isegrim, der den Einhandkampf lernte, konnte sich im Fall der Fälle mit dem Stahldolch zur Wehr setzen. Vor dem Aufbruch war er auch noch zu dem Rüstungsschmied in der Stadt gegangen, um sich seine bestellte Rüstung abzuholen, ein schönes Stück Wertarbeit das ihm gute Dienste leisten würde.

    Währens die Truppe also die Stadt verließ und nordostwärts zog, dachte Isegrim an den vorangegangenen Tag und die Ausbildung beim Kapitän. Die Defensive, das Parieren und Abwehren. In seinem nicht mehr ganz jugendlichen Leichtsinn hatte der Nordling natürlich gedacht, der Kampf würde zumeist nur aus dem Angriff bestehen. Schnell, gezielt wie eine Kobra zuschlagen und fertig. Dem war aber nicht so. Vielleicht bei einem Säbelkampf in Varant, nicht aber in einem Gemenge oder gar einer Schlacht. Da bestand das Leben - oder eher die Verteidigung dessen - aus ständigem Schlagen und Blocken und Parieren. Und letztendlich war Isegrim kein Einzelkämpfer sondern Soldat und Ritteranwärter. Eine Schlacht würde über kurz oder lang auf ihn warten und ihn fordern.
    Die Erklärungen des Kapitäns nahm der Soldat dankend an. Vorsichtig versuchte er sich an den einzelnen Methoden des Abwehrens. Er schlug Yareds Stiche weg - oder versuchte es ehrgeizig - und blockte die Hiebe, versuchte immer mal wieder sie in seine gewünschte Richtung zu bewegen und so den Kampf in gewisser Weise zu steuern. Dabei erkannte er, dass beizeiten, wenn er den Schwertkampf gemeistert hat, der Dolch als Waffe in der Nebenhand in dieser Art des Waffengangs nützlich war. Das würde aber eine fast meisterhafte Sicherheit im wirklich einhändigen Kampf und dem einhändigen Blocken voraussetzen. Die Möglichkeit jedoch ... Hieb abwehren, den Gegner dadurch binden und mit der Zweithand den Dolch in die Seite des Feindes rammen. Hier würde sich sein Talent mit dem Messer auszahlen.

    "Junge, träumst du? Beweg dich!"
    Kaldrin schaute ihn kopfschüttelnd an. Sie standen an einer Brücke auf dem Weg nach Faring. Zarah und Yared waren schon weiter gegangen, während Kaldrin ungeduldig auf den trödelnden Soldaten gewartet hatte. "Ich dachte euch Soldaten bläut man Disziplin und das Marschieren ein."
    Der Meisterdieb im Soldatenpelz lachte nur wissend. "Kaldrin, ich bin so durch und durch Soldat wie du Messdiener bist. Ich sehe da einen Weinschlauch an deinem Gürtel. Den willst du sicher teilen."
    Der Veteran grinste kurz. "Eigentlich nicht, aber für dich mache ich eine Ausnahme. Erzähl mal ein bisschen über dich, Bursche. Die Reise ist lang und mir ist langweilig, da kann ich traurige Geschichten voller Enttäuschung gut ertragen."

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    Burghof, Ordensfestung zu Faring, Myrtana, Provinz des Großreiches Rhobars III.

    "Wir haben Glück. Morgen startet hier eine Versorgungskarawane, die Getreide und Nachschubgüter zu den Garnisonen an der Nordgrenze bringen soll.", verkündete Yared als er von seiner Stippvisite beim Kastellan zurück kam. Zarah mochte zwar den Auftrag zu dieser Mission erhalten haben, bei der sie sie nur begleiteten, aber Yared war nach wie vor der ranghöchste Offizier und so hatte er das Abklären der Formalitäten und der Bereitstellung eines Nachtquartiers mit dem vom Festungskommandanten von Faring eingesetzten Burgvogt übernommen.
    Sie würden die Reise also zügig und zumal nicht alleine fortsetzen können, nachdem sie bereits die erste Etappe ungewöhnlich schnell bewältigt hatten. Gerade mal zwei Tage hatten sie von Vengard die alte Heerstraße hinauf nach Faring gebraucht. Der beständige Nieselregen hatte zwar an den Nerven gezehrt, aber sie waren auf den Schnee und eisfreien Straßen zügig voran gekommen. Vielleicht lag es auch nur daran, dass Zarah äußerst strenge Vorgaben bezüglich des erlaubten Marschgepäcks ausgegeben hatte. Aber das war nur folgerichtig, denn die Treidler befuhren den Fluss im Winter nicht und Reagans Gespanne waren gerade erst von einer längeren Reise zurückgekehrt und brauchten nun vorerst Zeit zum Ausruhen. Zudem hätten sie Pferde und Wagen sowieso in Faring zurücklassen müssen. Man hatte die Passstraßen zwar in den letzten Jahren ausgebaut, sogar eine der Heerstraßen des alten Imperiums, die von Faring aus in die nördlichen Marken reichte, hatte das Pionierkorps wieder instand gesetzt, um die Truppen dort zu versorgen. Allerdings waren sowohl Pass als auch Höhenstraße an einigen Stellen zu schmal und an vielen zu steil, um sie mit Wagen zu bewältigen. Wenn auch gut befestigt, waren und belieben sie so in weiten Abschnitten grob gepflasterte Saumpfade. Dem angepasst würde die Karawane, mit der sie am morgigen Tag aufbrechen würden, ihre Lasten auf Maultieren durch das Gebirge bringen.

    Kurze Zeit später hatten sie ihre Zimmer im Gästehaus der Festung bezogen. Yareds und auch Zarahs Stellung machten es möglich, dass sie für die letzte Nacht unter einem warmen Dach auch in anständigen Betten schlafen würden.
    Der Kapitän traf sich anschließend mit Isegrim auf dem Exerzierplatz der Ordensfestung. Yared hatte seinen Lehrling in Rüstung antreten lassen. Die Zeit, die sie auf Kaldrin warteten, der mit seinem zweihändig zu führenden Sarrass, einem beeindruckend wuchtigen, varantischen Krumschwert den ersten Sparringspartner im Kampf mit echten und ungleichen Waffen geben würde, nutzte der Reichsritter, um Isegrim auf den kommenden Übungskampf einzustellen.
    "Wenn der Gegner stupide auf Euch einhämmert, weil er merkt, dass er Euch an Körperkraft überlegen ist, und meint, geradewegs eine Bresche durch Euch hindurch schlagen zu können, nehmt ruhig die zweite Hand direkt unterhalb der Spitze an die Klinge. Später einmal werdet ihr im Regelfall - wie jetzt auch - Kettenhandschuhe oder einen Parierdolch tragen, die Eure Hand schützen. Drückt aber nur von hinten gegen die Klinge, umgreift sie nicht, sonst kann man Euch die Finger brechen."
    Der Kapitän zog sein Falchion und führte Isegrim die beschriebene Handhaltung vor.
    "Isegrim, ich will Euch keine falschen Hoffnungen darauf machen, dass Ihr gegen meinen Waffenmeister großartig eure Offensivtalente ausleben könnt. Bei dieser Übung geht es hauptsächlich darum sich gegen einen überlegenen Gegner zu verteidigen. Das erste was ein Soldat lernen muss, ist wie er sich selbst schützt. Ein Soldat der sich selbst nicht schützen kann, überlebt nicht lange genug, um mit ihm mehr als kurzfristige Erfolge durch schiere Masse einzufahren. Und wer nur auf die Überwältigung durch schlecht ausgebildete Massen setzt, ist mit seinem Heer träge und unbeweglich im Feld, stets anfällig für Nahrungsmittelknappheit, Desertion und fehleranfällige Befehlsketten und zieht längerfristig den Kürzeren - eine der vielen schmerzhaften Erkenntnisse, die viele Kommandeure in den Orkkriegen machen durften. Nichtsdestotrotz, scheut Euch nicht anzugreifen, wenn sich die Möglichkeit ergibt. Angriff ist manchmal eine gute Verteidigung und ein kampfunfähiger Gegner ist regelmäßig eine erfolgreich abgewehrte Bedrohung."

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    Die Gilde Innos' im Forenrollenspiel
    Isegrim is offline

    Burghof, Ordensfestung zu Faring, Myrtana, Provinz des Großreiches Rhobars III.

    Faring. Für Isegrim war es schwer zu glauben, dass die schicksalhafte Schlacht um die Burg schon bald zehn Jahre her war. Natürlich hatte er nicht daran teilgenommen, obwohl viele Nordmänner an der Seite der Königstreuen gekämpft hatten. Nun, Isegrim hatte noch nie wirklich zu den Nordmännern gehört. Wo andere mit achtzehn also gekämpft und geblutet hatten, hatte er sich raubend und stehlend und bettelnd durch die kriegs- und krisenfreien Gebiete des Midlands bewegt. Fast mit so etwas wie Wehmut dachte er an die Zeit zurück. Wenige Wachen, viel Beute. Es war ihm immer ein besonderer Spaß gewesen, den Bettler zu mimen, dabei jedoch klar zu wissen, dass es mehr als genug Verstecke gab, in denen er Gold zurück gelegt hatte. Ihm war nur früh bewusst geworden, dass niemand in einem Bettler eine große Gefahr sieht. Bettler werden ignoriert oder bemitleidet, nie jedoch als gleichwertig und als potentieller Feind betrachtet. Diese Verkleidung hatte der Meisterdieb seinerzeit oft benutzt, um wichtige Gespräche mitanzuhören oder unentdeckt irgendwo hin gelangen zu können, um etwas zu stehlen. Sein Blick ging von Yared, der ihm einen Vortrag über stärkere Feinde und den Einsatz von Finesse und Gerissenheit sprach, hin zu Kaldrin. Beide waren sie sicherlich aufrichtige, gute Männer. Aber ihn in seiner "Haut" als Bettler hätten sie ignoriert oder ihm vielleicht zähneknirschend eine Münze zugeworfen.
    Die Menschen sehen nur das, was sie sehen wollen.

    "Bei allem Respekt, Kapitän Yared", begann Isegrim, "und nehmen wir an, unser Herr Innos hört gerade nicht zu: Ich würde nicht einmal auf große Armeen, ob nun versiert oder nicht in der Verteidigung setzen. Seht, ich bin da eher ... auf den Effekt aus, der den Erfolg bringt. Die Rebellen haben es ihrerzeit ganz gut vorgemacht: Keine gebündelten Kontigente sondern kleine, schlagkräftige Trupps. Terror, Guerilla-Taktiken. Angst, Unsicherheit, schiere Furcht. Auch die Waldläufer in Silden, falls Ihr die kennt, waren da nicht anders. Gab mal Gerüchte von einer ganzen Bande, ich glaub die Sildener haben sie in ihrem Waldläufergeschwurbel, hm, Die Schweigenden genannt. Die waren angeblich so ähnlich. Schnell und brutal zuschlagen, den größtmöglichen Effekt erzielen und dann wieder verschwinden. So gewinnt man Kriege. Wären schiere Massen - selbst wenn sie sich erstklassig verteidigen und auch genauso gut angreifen können - der Weg zum Ziel, würden die Orks alsbald ihr fünfzehnjähriges Jubiläum zum Sieg über die Menschen feiern. Tun sie aber nicht."
    Er seufzte und zog die Klinge, schüttelte den Kopf. "Nur leider, Sir Yared, sind unser Orden ebenso wie die Setarrifer und all die anderen Krieger auf der Welt so sehr dem Weg der Ehre angetan, dass sie nicht zu den dreckigen, blutigen und schrecklichen Mitteln greifen wollen." Dann zeigte er sein wölfisches Lächeln. "Aber vielleicht ist das auch der Grund, warum ich nun die Farben des Ordens trage. Vielleicht ist es Zeit, dass Innos zum Erreichen seiner unumstürzlichen Ordnung Mittel und Wege nehmen muss, die in den Schatten liegen."

    Kaldrin hob die Schultern, wenngleich seine Miene beim Thema Waldläufer einen harten Zug bekommen hatte. "Dann los, großer Maulheld. Schauen wir, was du alles kannst."
    Ohne weitere Worte schoss er voran, den langen Krummsäbel schwingend, als würde er gar kein Gewicht besitzen. Ohne Unterlass deckte der Veteran seinen Kontrahenten mit Schlägen ein. Seltene Stiche, da ein Säbel nicht unbedingt dafür gemacht war, viele Hiebe und Schwünge, oftmals mit solch einer Wucht, dass das Blocken nahezu unmöglich war. Nur ein einziges Mal hielt der Soldat einen Schlag auf, der jedoch so kräftig geführt war, dass seine Arme einen Moment taub wurden und seine Zähne so stark zusammenstießen, dass er Blut zu schmecken meinte. Danach besann sich Isegrim auf seine Fertigkeiten. Er lenkte hier und dort Hiebe ab, tänzelte dem Säbel aus dem Weg, was für Kaldrin jedoch kein Problem war, da er ununterbrochen nachsetzte. Dem letzten Versuch, dem Veteran aus dem Weg zu springen, unterbrach dieser mit einem harten, brutalen Tritt in den Schritt des Soldaten. Sein Schwert ließ er los, während er im Dreck des Exerzierplatzes lag und sich wand.
    Dreckiger Hurenbock, du unfaires Stück Mist! - Isegrims Gedankenwelt war in dem Moment ein Sammelsurium aus bunten Beleidigungen.
    "So kämpft man hart, dreckig und brutal, Kleiner. Bevor du hier großmäulig die Theorie von dir gibst, solltest du die Praxis kennen und beherrschen."

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    General Yared's Avatar
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    Burghof, Ordensfestung zu Faring, Myrtana, Provinz des Großreiches Rhobars III.

    "Wie Ihr selbst richtig sagt Isegrim, seid Ihr nicht der erste in Innos' Diensten, der sich die Finger schmutzig gemacht hat, und Ihr wärt auch nicht der erste, der aus den Schatten für seine Ordnung eintritt. Einst waren viele von uns Rebellen. Heute gibt es den Geheimdienst, die Inquisition und - nicht zu vergessen - die Roten Adler. Aber vielleicht habt Ihr recht und Innos braucht dieser Tage noch mehr Klingen in den Schatten. Nichtsdestotrotz sollte man als gute Krieger beides können, den Kampf in den dunklen Gassen, wie den auf dem offenen Schlachtfeld."
    Yared musst schmunzeln. Wenn Isegrim wüsste, was der Kapitän in den Kriegsjahren alles angestellt hatte, dass er selbst einmal Waldläufer gewesen war. Viele, die sich einst den Schweigsamen angeschlossen hatten, hatte er persönlich gekannt. Wäre er nicht auf Benjen getroffen und hätte sich nicht I'nadhor angeschlossen, hätte er gut selbst zu ihnen gehören können.
    Doch der gute Isegrim verkannte die Lage nicht nur, was seinen Lehrmeister anging.
    "Bei all dem lasst Euch jedoch eines gesagt sein: Jeder der meint, es gäbe auch nur ein winziges Körnchen Ehre in irgendeiner Form der Kriegsführung irrt, Isegrim. Töten ist immer ein schmutziges Geschäft, egal, ob es am helllichten Tage oder in dunkler Verborgenheit geschieht. Es gibt Ehre darin, wie wir unseren Tod tragen. Doch Überleben ist keine Frage der Ehre. Überleben ist nie unehrenhaft. Es gibt Ehre und Unehre in der Wahl der Mittel, es gibt ehrenhafte Ziele und weniger ehrenhafte. Und ja, stets befleckt ein unehrenhaftes Mittel das hehrste Ziel. Vor allem aber gibt es keinen ehrenhaften Krieg und selbst so etwas wie den ehrenhaften Kampf gibt es nur im Ringen mit sich selbst, den eigenen Dämonen und im Eintreten für die Schwachen, diejenigen, deren Schutz uns Innos aufträgt."
    Jeder Tod diente einzig allein Beliar, denn Innos war nicht der Gott der Toten. Auch war Innos nicht nur der Gott der Ordnung, sondern auch der Gott des Lichtes und der Erkenntnis. Wer aber unter der Klinge starb, konnte schwerlich noch eine Lektion fürs Leben lernen.
    "Übt noch etwas mit Kaldrin oder ruht Euch aus. Wir treffen uns morgen bei Tagesanbruch mit der Karawane im Haupthof."
    Mit diesen Worten verabschiedete sich Yared und verließ den Exerzierplatz.
    Als er um die Ecke des Torbogen bog, löste sich eine breit grinsende Zarah aus den Schatten der Arkaden. Yared zog fragend eine Braue in die Höhe. Da war doch was im Busch.
    "Wie lange hast du schon da gestanden?"
    "Etwas länger.", antwortete sie jovial.
    "Habe ich Unsinn verzapft?", fragte Yared in echtem Interesse.
    Zarah schüttelte erst den Kopf, dann nickte sie. "Nein, ich stimme dir vollkommen zu."
    "Und was findest du dann so belustigend?", ging der Kapitän nun mit beiden Augenbrauen erhoben in die Offensive.
    "Mich belustigt, wie vehement du dich angesichts dieser Einsicht gegen den Gedanken erwehrst, ein Paladin zu werden. Du hast gesprochen wie ein Paladin und das aus Überzeugung. Du wärst besser geeignet als so mancher, der sein Schwert in diesen und vergangenen Tagen in den Dienst Innos' gestellt hat."
    "Ich habe mich nach dem Vorfall mit I'nadhor entschieden nicht mehr nach Macht zu streben."
    "Ich sage nicht, strebe eine mächtige Stelle an, oder werde Paladin, um der Machtfülle willen, die einem als solchem geschenkt ist. Aber verschließe dich nicht davor. Wenn man dir das Angebot macht, lehne es nicht einfach ab, nur weil du die Verantwortung scheust. Ich glaube daran, dass du den Kampf in deiner Seele gewinnen wirst - vielleicht nicht jeden Tag, aber oft genug."
    Yared zog schob nachdenklich mit der Unterlippe die Mundmitte nach oben, dann nickte er bedächtig. Ja, Zarah, hatte nicht unrecht. Man durfte sich bei aller gebotenen Achtung der eigenen Unzulänglichkeiten und überschießenden Courage nicht dazu verleiten lassen, sich völlig zurückzuziehen. Vorsicht brachte nichts, wenn sie zu Stillstand führte.
    "Danke."

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    Vengard -Tempelviertel - Kapelle

    Die Hände gefaltet und die Schultern locker, sog sich Atem gleichmäßig und tief in seine Lungen. Und stieß wieder hinaus. Wie ein mechanisches Pumpwerk aus der alchemistischen Medizin arbeitete der Körper des Alten nunmehr seit Stunden. Sein nebeliger Blick ruhte starr und wach auf die lodernde Feuerschale vor ihm. Ein und Aus. Ein und Aus. Licht und Schatten warfen sich im Kampf an die kargen Wände und ließen den steinernden Friedensfürst hinter der Quelle mal lichtern und mal düster zeichnen. Umgeben vom inneren Einklang und Segen, drang es nur leise zu ihm herüber. Die im Hintergrund ansteigende Geräuschkulisse und das Treiben vor dem hiesigen Tempeltor. Es war ihm nicht entgangen, ihre Aufregung. Aber noch zu weit entfernt. Und sie sollten ihn und seine Gedanken auch nicht erreichen. Noch nicht. Ein und Aus. Ein und Aus. Ein und...

    Es wurde abrupt lauter. Jemand kam und setzte sich.
    Jemand, der nicht die Andacht an Innos oder zu sich selbst in der Kapelle suchte.
    Jemand, den Shakuras unfreiwillig nur zu gut kannte und der ihn störte, als er ihn ansprach.
    "Welch' glücklicher Zufall Euch Hier und Jetzt und an diesem besonderen Tag der Zusammenkunft wiederzusehen, mein lieber Bruder Shakuras.", kam es hinterrücks.
    Shakuras atmete ein letztes Mal tief durch, die Augen geschlossen. Ein und Aus. Er sammelte die Kraft, die er bis zu dieser Zäsur über Stunden hatte für sich schaffen können.
    "Habt Ihr mich vermisst? Es ist schon etwas länger her... Ich kann mich gar nicht mehr richtig erinnern wann.", belustigte die schrille Stimme des Handlangers.
    "Deiner plumben Späße noch immer nicht überdrüssig wie? Gemeinhin kriechst Du mir nur hinterher und lauerst mit großen Ohren an den Wänden. Also, was willst Du Nod?"
    "Abschied nehmen, mein Bester.", flüsterten geschürzte Lippen dicht an sein Ohr. Sie waren allein in der Kapelle. Das Feuer in der Schale brannte.
    "Denn heute schließt sich der Kreis. Für mich, für dich, für uns alle. Und meine Arbeit ist getan. Endlich. Ich will nicht sagen, dass alles schlecht war, Shakuras, aber zum großen Teil schon. Sicherlich, es gab auch erheiternde Momente für mich in all den Jahren, als ich auf dich aufpassen musste. Angefangen bei deinen Bestrebungen hier in Vengard wie der große Priester seine Schritte durch die dunkelste Scheiße wälzte, um altes Brot zu verteilen. Und wie du unverbesserlich ein ums andere Mal versucht hast, den Glauben an die Kirche in Anderen zu wecken. Du hättest deine Enttäuschungen mit ansehen müssen... Einmal glaubte ich sogar, du stirbst als es dich ins Krankenbett verschlagen hat und dein Alter rafft dich dahin. Aber ich irrte leider. Deine Schüler, die Kinder, der Fischer, die Rabenweils, der Hafen und immer wieder dieser verdammte Hafen. Was ist an einem Hafen so besonders, dass Du da jeden dritten Tag umher wunderst?! Das verstehe ich nicht. In etwa so wenig wie der Rat es verstehen wird, dass Du bei unseren verlorenen Brüdern warst. Nicht gut!" Nod klopfte Shakuras gespielt auf die Schulter und ließ dort liegen. "Und wie ich selbst hörte war das noch nicht alles hm?, mein Bruder.", flüsterte er erneut.

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    Kämpfer Isegrim's Avatar
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    Isegrim is offline

    Kloster des Feuers zu Nordmar

    »Und wieso müssen wir unsere Ärsche hier hoch bewegen, wenn der Kerl seinen auch runter zum Clan hätte bequemen können?«Kaldrin war in keiner guten Stimmung. Der Ansicht des Veteranen nach, hatte der Feuermagier schon einen riesigen Haufen Minuspunkte gesammelt durch die typische Verbohrtheit der Magier, getreu dem Motto, dass der Berg nicht zum Propheten kommt. Yared und seine Cousine hatten den neuen Umstand nur stirnrunzelnd und achselzuckend hingenommen. Isegrim hatte geschwiegen, keinen schnippischen Kommentar von sich gegeben. Warum auch? Ein Teil seines Wesens, jener der die kindliche Neugierde bewahrte, freute sich auf den Besuch im Kloster. All die Jahre hatte er die Mauern vom Fuße des Berges gesehen, hatte manch Nächte am Fenster gekauert, der Kälte getrotzt und sich vorgestellt, wie es da oben hinter den Mauern der Abtei wohl wäre. Zwischen alten Büchern und antiken Schriften, dem Ort so nahe, an dem ein Gott zu den Menschen gesprochen hatte. Doch mit jedem Meter, den die Gruppe sich dem Kloster entgegen schleppte, war die Freude geschwunden. Als sie die Mauern erblickt hatten, die so alt und prachtvoll wirkten, kamen sie dem Soldaten kalt und tot und trostlos vor. Yared trat andächtig schweigend durch das Tor, selbst Zarah und Kaldrin wirkten beeindruckt von der Ehrwürdigkeit des Klosters. Nur Isegrim nicht. Isegrim, der von seinem Bruder - einem Paladin - zum Mitglied des Orden Innos' gemacht worden war. Isegrim, der alsbald vielleicht ein gesalbter Ritter sein würde, gebunden an König und Gott. Dieser Gottesstreiter in Spe ... empfand nichts. Der Ort, an dem sich Innos den Menschen offenbart hatte ... Mythos, Sagen, Legenden und märchenhafter Firlefanz. Nein, echte Zweifel durchspülten ihn wie Abwasser die Kanalisation Vengards. An diesem ach so göttlichen Ort, diesem Hort aller Pracht Innos', konnte solch ein verkommenes, falsches und böses Wesen wie sein Bruder Halfgar zum Magier werden und seine selbstsüchtigen Ränke schmieden?
    Nein, als der Soldat durch das Tor trat, zerfraßen ihn Zweifel wie Holzwürmer ein Schiff.

    Das Kloster schmiegte sich an den Berg. Eine größere Kapelle, eine lange Treppe, die in den Fels hinein führte und deren Ende von einem Ritter in voller Rüstung bewacht wurde. Dort, so wusste Isegrim, war der heiligste Ort aller Menschen, denn dort hatte man Innos' Worte vernommen. An der Klippe fanden sich die Hauptgebäude des Klosters mitsamt all der Zimmer und Stuben und Labore. Weiter hinten, im Hauptgestein des Berges, führte ein großes Portal in die Dunkelheit. Die Bibliothek. Das wahre Heiligtum. Die Gruppe kämpfte sich die letzte Treppe zum Hauptplatz des Klosters empor, als ihnen ein junger, blasser und stinkend arroganter Novize in den Weg trat.
    »Kapitän Yared?«, fragte er abfällig und sah die drei Männer an. Zarah ignorierte der Novize geflissentlich. »Na, wer von euch ist es?«
    Bevor Kaldrin oder Yared etwas sagen konnten, trat er vor und musterte den Schüler der Magier. »Erst einmal, Novize, sprichst du Sir Yared seinem Titel gemäß an. Er ist Reichsritter und nach königlichem Erlass Korsar unseres Reiches.«, erklärte der Soldat barschen Tones, ganz wie der Zugführer gegenüber dem Rekruten. »Habe ich mich klar ausgedrückt?«
    Der Novize knirschte mit den Zähnen und sah Isegrim an. »Ich habe nicht nach der Meinung eines einfachen Soldaten gefragt ...«
    »Ich spreche nicht als einfacher Soldat sondern als Angehöriger des Ordens im Range eines Bruders wie auch als Knappe von Sir Yared Garethson.«, gab er ungerührt zurück. »Verstanden?«
    Kaldrin musste sich ein Lachen verkneifen, Zarah tat als würde ein nicht existenter Fleck auf ihrer Rüstung sie mehr interessieren und Yared lächelte schmal, sah seinen Knappen jedoch eine Spur tadelnd an. Isegrim machte sich den Spaß dennoch gerne. Irgendwann räusperte sich der Novize, verbeugte sich. Ihm war wohl bewusst geworden, wer in der Runde Yared war. Vor dem Kapitän verbeugte er sich pflichtbewusst, jedoch nicht wirklich höflich.
    »Sir Yared, willkommen im Kloster. Für Euch und Eure Begleiter wurde eine Unterkunft vorbereitet. Ihr könnt sie direkt beziehen, sie befindet sich im Erdgeschoss des Hauptgebäudes. Ich wünsche Euch im Namen meines Meisters - Halfgar Fyresgrimson - einen angenehmen Aufenthalt.«
    Der Kapitän nahm es nickend hin und war im Begriff loszumarschieren, ehe er bemerkte, dass sein Knappe vom Novizen aufgehalten wurde.
    »Du hingegen, Soldat Isegrim, begleitest mich zu Meister Halfgar.«, befahl er. Der Soldat rührte sich nicht.
    »Novize, wenn mein Bruder mit mir reden möchte, soll er mich aufsuchen. In der Kapelle oder hier auf dem Platz, irgendeinem neutralen Ort. Nicht auf seinem Gebiet. Richte ihm das aus.«
    Nun wurde der junge Mann rot vor Wut. »Was bildest du dir ein?! Meister Halfgar kommt nicht wie ein Bittsteller zu dir! Ich befehle dir ...!"
    Er konnte den Satz nicht beenden, da Isegrim vorgeschossen war, sodass ihre Gesichter nicht mehr viel trennte. »Meine Befehle nehme ich von Sir Yared entgegen. Wenn Meister Halfgar mit mir reden möchte, soll er mich aufsuchen. Ich habe jedoch vorerst die Pflichten eines Knappen zu übernehmen.«, sprach er laut, ehe er sich etwas weiter vorbeugte und flüsterte, sodass seine Begleiter ihn nicht mehr hören konnten: »Noch ein Widerwort, Bursche, und ich bereite dir die Hölle auf Erden. Abmarsch.«
    Last edited by Isegrim; 15.01.2019 at 22:22.

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    Red Dragon Françoise's Avatar
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    Die Gilde Innos' im Forenrollenspiel
    Françoise is offline
    In Gedanken versunken blickte Françoise aus dem Fenster ihres Arbeitszimmers und nippte dabei an ihrem Tee. Die wohl längste Ratssitzung in der Geschichte des Ordens lag endlich hinter ihr. Und Françoise war dankbar dafür. Wenngleich die Priesterin sehr daran interessiert gewesen war, sich mit den anderen Ratsherren auszutauschen, hatte auch das seine Grenzen.
    Vielleicht war es an der Zeit auf dem Festland zu verbleiben, statt auf einer obskuren Insel irgendwo im südlichen Meer zu leben. Die Entscheidung machte sich Françoise nicht leicht, denn sie wusste nur allzu sehr um die Probleme der kleinen Provinzstadt und ihrer Bürger. Gleichzeitig durfte sie nicht vergessen, dass sämtliche anderen Provinzen ebenso ihre Aufmerksamkeit verdienten. Was für eine Dilemma.
    Françoise drehte sich zu ihrem Schreibtisch um und warf einen Blick auf die Standuhr in der Ecke. Es war an der Zeit für ihren Besuch am Hofe. Den König ließ man nicht warten und so machte sich die Priesterin auf den Weg. Sobald sie den Tempel verlassen hatte, hieß das naßkalte Wetter sie willkommen. Von einem Winter konnte hier nicht die Rede sein. Bei jedem Schritt spürte die Priesterin, wie ihrem Gesicht mehr und mehr Feuchtigkeit aus der Luft anhaftete. So unangenehm, dass Françoise am liebsten auf der Stelle kehrt gemacht hätte. Selbst die klirrende Kälte Nordmars hätte sie in diesem Augenblick vorgezogen. Da wusste man zumindest, woran man war.
    Sie beschleunigte ihren Schritt und erreicht nach einer kurzen Weile endlich das Tor zum Palast. Die Ritter am Tor salutierten und öffneten der obersten Feuermagierin. Ein Schwall warmer Luft kam Françoise entgegen und der Geruch von Kaminfeuer. Mit einer flüchtigen Geste entledigte sich die Priesterin der Näße, die ihrer Robe und Haaren anhaftete.
    »Innos zum Gruße, eure Eminenz.«, erwartete ein Hofdiener die oberste Feuermagierin.
    »Innos zum Gruß! Ich bin gekommen, um den König zu sprechen.«
    »Seine Majestät der König erwartet euch. Folgt mir bitte.«
    Einige Türen und Gänge weiter, erreichten sie schließlich den Thronsaal. Ein roter Teppich mit dem königlichen Wappen reichte vom Eingang bis hinauf zum Thron auf der gegenüberliegenden Seite. Von Rhobar war indes noch nichts zu sehen. Der Hofdiener schloss die Tür hinter der obersten Feuermagierin und Françoise nahm sich die Zeit sich umzuschauen. Trotz ihrer Stellung im Reich hatte sie nur selten den Thronsaal betreten.
    Ein großer Kamin sorgte dafür, dass dem Monarchen das grausige Wetter fern blieb. Über dem Sims hing ein Porträt des Königs in voller Rüstung. Treu an seiner Seite das Wappentier, ein prächtiger Adler. Weniger präsent an der Seite hingen Bildnisse seiner beiden Vorgänger. Françoise hatte nur Rhobar dem Zweiten mit Rat zur Seite stehen können. Den legendären ersten Rhobar kannte auch sie nur aus Büchern und Erzählungen.
    Schließlich öffnete sich eine Tür an der Seite des Thronsaals. Gekleidet in eine elegante Robe betrat Rhobar den Raum. Er sah wesentlich gesünder aus, als bei ihrem letzten Aufeinandertreffen. In seiner Hand hielt er das Zepter von Varant. Zur Überraschung der Priesterin trug er jedoch keine Krone. Warum auch nicht. Es machte ihn nicht weniger königlich.
    »Ich grüße dich, Françoise.«, sagte der Monarch und setzte sich auf den Thron. »Bitte, nimm Platz.«
    »Vielen Dank, Majestät.«
    Die Priesterin setzte sich auf einen reich verzierten Stuhl, welcher wenige Schritte vor den Stufen zum Thron stand. In ihrer Hand spürte Françoise wie ihr Lotusstab erzitterte. Die Nähe zum Zepter führte zu diesem merkwürdigen Verhalten. Lange spekulierte die oberste Feuermagierin, dass es mit der Herkunft des Stabs zu tun hatte. Auf den Grund konnte sie dieser Vermutung bisher nicht gehen. Den König für einige Experimente um das Zepter zu bitten, war etwas zu viel verlangt. Selbst für die oberste Feuermagierin.
    »Es ist gut, dich wieder in Vengard zu wissen. Ich hatte schon befürchtet, dass du gar nicht mehr von der Insel zurückkommen würdest.«
    »Argaan hält mich gewiss auf Trab. Trotzdem bin ich froh wieder hier zu sein.«
    »Meine Agenten trugen mir so einigen zu, was sich dort ereignete. Den Drachen hast du offensichtlich gut überstanden.«
    »Innos sei dank, ja. In diesem Zuge möchte ich mich für das Schiff bedanken. Es kam genau zum richtigen Zeitpunkt.«
    »Wo wir vom Drachen reden; du hast dabei auf die Hilfe von Wassermagiern und Konsorten zurückgegriffen?«
    Rhobar verlor nicht viel Zeit, um zum Thema zu kommen. So wie sie dieses Gespräch mit dem hohen Rat geführt hatte, musste Françoise es jetzt noch einmal mit dem König besprechen.
    »Das tat ich. In erster Linie, um uns des Drachens zu entledigen. Thorniara auf sich allein gestellt hätte ihn nur unter massiven Verlusten töten können. Ein unnötig hoher Preis in meinen Augen.«
    »Verstehe. Doch die Wassermagier sind im Bund mit Ethorn. Das heiße ich nicht gut und ich bin alles andere als glücklich darüber, dass du mit ihnen eine Allianz eingegen bist.«
    »Es war Kalkül. Mit dem Verlust von Setarrif büßte Ethorn sehr viel Macht ein. Der perfekte Zeitpunkt den weniger radikalen Elementen an seinem Hof einen Olivenzweig zu reichen.«
    »Aber sie haben sich trotzdem nicht von diesem Bastard abgewandt?! Andernfalls wäre Ethorn nicht mehr!«
    »Ich habe den Einfluss der Wassermagier offenbar überschätzt.«
    »Offensichtlich!«
    »Dennoch stehe ich zu meiner Entscheidung. Bereust du die deine, Thorniara dem Orden überlassen zu haben?«
    Rhobar lehnte sich zurück und taxierte die oberste Feuermagierin eingehend.
    »Das ist die Frage, die ich mir stelle.«
    »Du kennst die Antwort bereits, Majestät.«
    Der König blieb still.
    »Ich plane Thorniara aufzubauen.«, ergriff Françoise schließlich das Wort. »Die letzten Jahre fraßen an der Substanz der Stadt. Das gab Ethorn überhaupt erst die Möglichkeit zum Widerstand. Wenn die Stadt wächst und der Handel floriert, wird seine Unterstützung im Volk versiegen. Prinzipien sind schnell vergessen, wenn ein besseres Leben lockt.«
    »Magier... Weshalb einfach, wenn es auch kompliziert geht.«
    »Innos belohnt Klugheit und Fleiß. Von beidem werden wir in Thorniara reichlich Gebrauch machen.«
    »Wenn es endlich zum Ziel führt, soll mir das genügen. Andererseits sprichst du von Aufbau. Ich gehe richtig in der Annahme, dass die Ressourcen dafür vom Festland stammen!?«
    »Für den Anfang. Ein Kaufmann würde es als Invesition betrachten. Doch sei unbesorgt. Diese Invesition wird der Orden selbst tragen.«
    »Offenbar hast du diesen Plan lange durchdacht. Keine Bürde für das Reich?«
    »Nicht ganz. Zwei Handelsschiffe samt Crew benötige ich für den monatlichen Transport. Außerdem eine Anzahl von Rittern, um die Garnison zu stärken.«
    »Kein kleiner Gefallen, den du von mir erwartest. Schiffe und Truppen kann ich andernorts genauso gut gebrauchen.«
    »Wenn es gelingt Thorniara wieder aufzubauen, wird das Reich zweifellos mehr davon profitieren.«
    Einen Moment lang hielt Rhobar inne, bis er schließlich seine Entscheidung traf.
    »Du wirst ein Schiff erhalten, nicht zwei. Außerdem zwei Dutzend Ritter. Das sollte mehr als genug für eine einzelne Stadt sein.«
    »Innos' Segen ist dir gewiss, Majestät.«

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    Kloster des Feuers zu Nordmar

    »Du hast Nerven, Isegrim, einen Inquisitor hinter dir herlaufen zu lassen wie einen zweitklassigen Botenjungen.«
    Im Schatten eines blattlosen Baumes, auf dessen Ästen Schnee lag, fand Halfgar seinen kleinen Bruder, der am Stamm lehnte und Wein aus einer Flasche trank, die er höchstwahrscheinlich irgendwo stibitzt hatte.
    »Ich habe eben nie etwas auf Rang und Namen gegeben, Halfgar.«, der Soldat grinste trocken, »Frag' Ragnar, der wird das bestätigen.«
    Der Inquisitor sah ihn einen Augenblick an, ehe er am Baum vorbei trat, einige Schritte zu einer steinernen Balustrade machte, die direkt an der Klippe lag und von der aus man bei Tag Nordmar hätte überblicken können. Langes Schweigend stand zwischen den Brüdern.
    »Nun?«, brach Isegrim das Schweigen, »Was nun, Halfgar? Duellieren wir uns hier nun bis zum Tod? Oder lässt du mich in Flammen aufgehen?«
    Halfgar blickte weiter in die Nacht hinein. Er seufzte, sprach leise: »Du lässt eine gewisse Ernsthaftigkeit vermissen, Isegrim. Das war schon immer dein Problem. Dir mangelte es stets an dem Pflicht- und Ehrgefühl unserer Sippe. Während du Scherze spieltest und Unfug triebst, wurden wir von Vater mit harter Hand erzogen und zu Männern gemacht.« Er wandte sich um. »Du warst immer das schwarze Schaf, der faule Zahn im kräftigen Gebiss unserer Ahnenreihe. Du hättest sterben sollen, Bruder. Nicht Vater.«
    Isegrim trank einen Schluck und wischte sich über den Mund. »Vielleicht hast du recht, Halfgar, vielleicht hätte ich sterben sollen. Aber ... du, die anderen und selbst der große, strahlende Ragnar haben nie erkannt, dass Vater nicht seine Söhne liebte, sondern den Ruhm, den sie einbringen können. Wie Pferde bei einer Schau, wie sie die Midländer veranstalten auf ihren Reiterhöfen. Sein Name sollte durch uns bis in die Ewigkeit nachhallen. Vater liebte nur sich selbst und sonst niemanden.«
    Der Inquisitor schüttelte den Kopf, begann in dem farblosen, schneebedeckten Park auf und ab zu laufen. »Du lügst. Aus dir spricht der Neid, da du nie erreichen konntest, was wir oder Vater erreicht haben.«, antwortete er ungerührt, »Du hast ihn ermordet, weil du wusstest, dass du nichts erreichen würdest. Weißt du, Isegrim, anfangs hätte ich dich gerne in Flammen aufgehen lassen wie eine Fackel, aber ... ich hatte Zeit mich zu beruhigen, Zeit zu akzeptieren, dass du nun einmal aufgrund Ragnars idiotischer Pläne vorerst geschützt bist. Natürlich werde ich versuchen, meinen Einfluss spielen zu lassen und hoffe, dass der Weg für dich dann in der verfluchten Dorfgarnison von Drakia endet, fernab von allem was du kennst und liebst.«
    Er seufzte. »Aber ja, vorerst ... wirst du wohl weiter in Ragnars Namen handeln.«
    Isegrim ließ die Flasche in den Schnee fallen. Sie lief aus, tränkte den bedeckten Boden rot wie Blut.
    »Nach Ragnars Willen? Dein Einfluss? Ihr beiden überschätzt euch wie eh und je. Ich stehe im Dienste eines Mannes, der außerhalb eures Einflusses agiert, der sich um unsere Sippe kein Bisschen schert. Ebenso wie ich. Ich pfeife auf Ragnars Führung, deinen inquisitorischen Einfluss oder die sonstigen unglaublichen Begabungen unserer Brüder. Lies es mir von den Lippen ab, Halfgar: Ich spucke auf unsere Sippe. Vater ist tot. Meine Seele wird diesen Makel für immer mit sich tragen und dereinst wird Innos entscheiden, ob ich in Beliars Reich eingehe mit seinem Segen, seine Laterne tragend um meinen Weg zur letzten Ruhe zu finden ... oder ohne seinen Segen, verlassen und vergessen in der ewigen Finsternis des Todes!«
    Immer tiefer sank der Soldat in seinen Zorn, wurde lauter. »Bei Innos, Halfgar, du blinder Narr!«, brüllte er aus, »Versuch doch zu erkennen, was für ein Monster unser Vater war! Denk an Huni, den guten, treuen und rechtschaffenen Huni. Der Fünfte! Weißt du noch - wir waren Kleinkinder - wie Vater ihn forderte, wie er ihn ein ums andere Mal blutend auf dem Kampfplatz zurück ließ? Wie oft er in der Kälte ausharren musste, weil Vater keine Schwächlinge in seiner Halle wissen wollte? Wie ... wie er ihn aus sandte, um den götterverfluchten Weißen Schattenläufer zu erlegen. Vaters Lösung für einen Sohn, der nicht seinen Segen hatte. Er schickte ihn in den Tod. Sein eigenes Kind, sein eigener Spross, sein eigenes Blut.« Tränen traten ihm in die Augen. »So einen Bastard wie Vater glorifizierst du. Du hast dich von seinem Wohlwollen täuschen lassen, seinem geschickten Taktieren. Und dabei hast du nicht gesehen, das in seinem Herzen die Bosheit lauerte. Bei Innos, deinem und meinem Herrn, Halfgar, du hast Huni vergessen, unseren guten Huni!«
    Der kleine Park verfiel wieder in trostloses, nächtliches Schweigen. Es begann langsam, gemächlich aber unaufhörlich zu schneien. Halfgars Züge hatten einen Wechsel von Wut über Bestürzung bis zur Trauer durchgemacht. Auch er erinnerte sich an Huni.
    »Huni Hammerhand ...«, flüsterte er, »Der dir und mir die ersten Holzschwerter gefertigt hatte. Der uns Geschichten vorgelesen hatte ... und aus einem Buch Innos' aus diesem Kloster. Wegen ... wegen dieser Tage wollte ich Magier werden ...«
    »Und ich Orte wie Vengard, Geldern oder das Kloster sehen. Die Welt bereisen wie ein Vogel, frei von jeglichen Fesseln.«
    Halfgars Blick war nicht zu lesen. Der Inquisitor sah seinen kleinen Bruder lange Zeit an. »Er ... Vater war nicht perfekt. Er war kein Heiliger. Ihm war sein Ruhm und der Name der Sippe wichtiger als jene, die darin waren. Er erschlug hunderte Wesen Beliars und trug doch eine ähnliche Dunkelheit in sich, da seine Flamme schwach loderte.«, sprach der Inquisitor weiter. »Du hast recht, Isegrim. Die Schuld an seinem Tod wird dir bis zum Sterbebett nachfolgen, aber letztendlich ist es an Innos ein Urteil zu sprechen. Er ist der Entscheider. Nicht ich. Nicht Ragnar.«
    Er räusperte sich, sah von Isegrim zu der Weinflasche und dann zum blattlosen Baum. Dann verschwand er, wurde ein scharlachrot gefärbter Schatten in der Nacht und ließ einen Bruder zurück, den der Wunsch überkam, noch weitere drei Flaschen Wein zu trinken, um den Schmerz zu betäuben.

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    Kloster des Feuers zu Nordmar

    »Isegrim, Yared schickt mich. Wir sollen trainieren.«
    Kaldrin fand Isegrim im Refektorium des Klosters, wo der Soldat eine dünne, jedoch scharfe und warme Suppe löffelte, die die Lebensgeister weckte und die Kälte aus den Knochen vertrieb. Der Veteran setzte sich ihm gegenüber, las sein Gesicht und lachte kurz.
    »Anderthalb Flaschen Klosterwein?«, fragte er nur. Der Soldat nickte und befürchtete bei der Bewegung, sein spärliches Frühstück auszuspucken. Kaldrin kümmerte sich nicht darum. Er hatte von seinem Waffenbruder einen Auftrag bekommen und würde diesen ausführen. Isegrim wusste das ebenfalls, weswegen er das Essen Essen sein ließ, sich erhob und dem Veteran in einen abgelegeneren Teil des Klosters führte, ironischerweise jenem Ort an dem Isegrim kurz zuvor noch mit Worten gekämpft hatte. Der Veteran hatte sich ein Gardeschwert besorgt, um mit seinem Mistreiter einen ähnlichen Waffenkampf üben zu können, als wenn er sein zweihändiges Krummschwert genutzt hätte. Isegrim fuhr sich mit der Hand durchs Gesicht und zog seine Klinge, stellte sich dem Veteran gegenüber auf und wartete auf den Beginn des Kampfes. Aber Kaldrin ging nicht in die Offensive, zwang Isegrim dadurch selber zum Handeln und sorgte so dafür, dass er den Vorteil hatte, geplant reagieren zu können, anders als sein Mitkämpfer, der nun in die Bredouille kam, aus dem Nichts einen effektiven Angriff aufbauen zu müssen, wohl wissend, dass die Verteidigung sicher und stark wäre.
    So griff er an, brachte Kaldrin in Bewegung indem er selbst sich parallel zu dem Verteidiger bewegte und nutzte den kurzen Moment des Schrittes und der damit verbundenen Bewegung der Beine um anzugreifen. Er sprang vor und führte einen von oben geführten Schlag, der auf einen schnellen Block stieß, der jedoch nicht zur Parade ausgearbeitet werden konnte, da den Veteran doch eine minimale Überraschung anzusehen war, da er nicht mit einer Attacke während der eigenen Bewegung gerechnet hatte. Isegrim nutzte den Block, stieß sich mit der Klinge vom Veteran ab und diesen zurück und nutzte den Schwung direkt, um herumzufahren und aus der Drehung einen horizontalen Schlag zu führen, der auf die Hüfte zielte und so tief abgewehrt werden musste. Und das gelang Kaldrin nicht in der Form, wie es sich der Waffenmeister gewünscht hatte.
    Als er dann auch noch Isegrims siegesgewisses Grinsen sah, änderte sich jedoch die Kampfweise des Veterans. Plötzlich ging er in die brachiale Offensive und trieb den Soldaten durch den kleinen Park, deckte ihn mit Schlägen und Hieben ein, die ihn zu allen möglichen Arten der Abwehr zwangen. Als er den letzten Schlag des Veteranen blockte, nutzte dieser die Konzentration des jüngeren Mannes aus und trieb ihm die freie Hand mit Schmackes in den Bauch.
    Dieser ließ die Klinge fallen, krümmte sich und erbrach das magere Essen.
    »Zeig deinem Feind nie, dass du siegessicher bist. Ein Kampf ist auch ein Kräftemessen der Moral. Wenn du zu früh den Kampf für entschieden betrachtest, ist deine Aufmerksamkeit geringer oder nicht mehr ganz so allumfassend. Dir unterlaufen Fehler, du wirst nachlässig. Ein Feind wie ich nutzt das.«, erklärte Kaldrin laut über das Würgen und Plätschern hinweg, »Oh, gab es heute morgen Schafswurst? Lecker.«

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    Vengard - Tempelviertel - Kapelle

    Die Hand auf seiner Schulter war nur eine weitere Herausforderung an ihn, die Ruhe zu verlieren. Dennoch hatte sich nichts wesentliches an der fokusierten Haltung des betagten Novizen geändert, seitdem der Gesandte die Andachtsstelle betreten und ihn, Shakuras, mit seinen widerlichen Worten und Gesten bespuckt hatte. Noch immer lag unverrückt sein Schein auf dem des züngelnden Feuers vor ihm.
    "Pfeift dich Serpentes also zurück..." "... Das sind wirklich gute Neuigkeiten, Junge. Es hat hierfür viel zu lange gedauert, aber er muss eingesehen haben, dass Du der Aufgabe nicht gewachsen bist. Nie warst, schon von Beginn an." Etwas änderte sich. Shakuras schenkte dem Handlanger mehr seiner Aufmerksamkeit, drehte seinen Kopf zur Seite und machte aus den Augenwinkeln die hinter ihm sitzende und gedrungene Gestalt mit den tiefliegenden Augenhöhlen aus. "Wie sonst habe ich von dir überhaupt erfahren können, dass es dich überhaupt gibt?" In den Augenhöhlen seines Gegenübers funkelte es scharf. "Du hast in all den vergebenen Jahren nichts geliefert als das, was der Rat ohnehin vermutet hat. Schon lange vor deiner Zeit. Soll mich das jetzt beunruhigen? Nein, tut es nicht. Deine Arbeit ist ungenügend. Du bist ungenügend!" Shakuras ließ den eisig toten Blick von seinem Bruder ab und konzentrierte sich wieder auf die Feuerschale vor ihm. "Nod, ich denke, wir alle werden zufrieden sein, wenn wir Dich wieder los sind. Und Du, nach einer Gnadenzeit voll der lobenden Worte Serpentes', wieder auf seinen Befehl hin den Besen in die Hand nimmst und einfach nur fegst. Und zwar da, wo nichts zu Bruch gehen kann und du wirklich nicht auffällst."
    Die Hand auf seiner Schulter erstarrte, dann nach einem Augenblick des Verstehens griff sie zu wie eine Kralle und die Finger bohrten sich bis auf die spitzen Knochen des Grauen. Nod riss den Alten fester an die Rückbank, näher an sich heran und sein aufgewühltes und hässliches Gesicht kam gänzlich zum Vorschein. Er wollte gesehen werden.
    "Ihr werdet bestraft werden, Shakuras! Gegeißelt Euer Leben lang! Verdammt sollt Ihr sein!", spie er aus zornig aus und zitterte unter seinem eigenen Griff. Es surrte metallisch kurz und eine schmale Klinge fand sich an Shakuras' Hals wieder. "Bei den Göttern, wenn sie es nicht tun, dann tue ich es!" Der Druck der Klinge nahm zu, schnitt unter dem Zittern ins Fleisch. Shakuras spürte den Schmerz, aber er versuchte ruhig zu bleiben. Gab sich dem Täter, dass zugleich Opfer war ohne Gegenwehr hin. Nod wollte gesehen werden, als sah er ihn an. "Noch hat keiner was von uns entschieden.", raunte er zähneknirschend und sah dem Jungen tief und entschlossen in die Augen.
    Helle Schritte durchbrachen die Szenerie und ein Zögern, wo eigentlich kein Zögern war. Mary stand am Eingang zur Kapelle und schaute verwirrt zu ihren Brüdern herüber, die ein ungeklärtes Bild abgaben. Wie die Atmosphäre in dem Gebetsraum, die irgendwie bedrohlich wirkte. "Verzeihung.", hinterfragte ihre leichte Stimme. Nod holte sich endlich ein, verstört aber noch immer vor Kränkung und Zorn bebend, und ließ sich blindlinks auf die Sitzbank fallen. Die Schneide verschwand stumm in der Kluft. "Alles in Ordnung?", vorsichtige Schritte näherten sich der Tiefe des Raumes und den Beiden. "Ich suche Bruder Shakuras." Selbiger fasste sich erstaunlich schnell, die Augen wieder auf die Feuerschale vor ihm gerichtet, ihm war kaum was anzumerken. Er spürte Nässe links an seinem Hals, da wo eben noch die Klinge ihren Platz hatte. Blut. Mary sollte das nicht wissen. "Kennt ihr ihn?" Er legte verborgen einen Finger auf die Schnittwunde, biss die Zähne zusammen und die Magie walten. Leise zischend schmorrte im Nu das Fleisch unter seiner Tat und stoppte die anfängliche Blutung. Ein feiner verbrannter Geruch verblasste. "Wisst ihr wo er ist? Er ist ..." Der Alte richtete sich auf, in der Hand seinen Hirtenstab. Noch einmal zog er seine Robe enger, die Kapuze enger um seinen Hals und versteckte so das eben passierte. "Ihr habt ihn gefunden, Schwester Mary.", wandte er sich ihr lächelnd zu. Sie schien überrascht und irgendwie auch nicht. "Der ... Der Heilige Rat ruft nach Euch, Shakuras. Bitte, folgt mir." "Gern." Sie wandte sich nach wenigen Innehalten ab und ging dann los. Der entrückte Nod stiehlte gehässig dem Alten hinterher. "Es wird passieren, Shakuras. Das wird es!"

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    Kloster des Feuers zu Nordmar

    »Bruder, wir müssen reden.«
    Isegrim sah auf, er saß wieder in dem kleinen Gärtchen abseits des Treibens des Klosters, an dem Ort, wo Wein verschüttet, Tränen vergossen und letztlich auch herzhaft gekotzt worden war. Insgeheim hasste er diesen Ort schon, aber es war nun mal ruhig hier, perfekt für Gespräche unter vier Augen. Der Soldat wollte gar nicht wissen, wie viele Ränke hier schon geschmiedet worden waren.
    »Ja, Halfgar, was gibt es?«, fragte er bemüht neutralen Tones. Der Inquisitor stand da, setzte die Kapuze ab und gab sein farbloses, dunkles Haar dem leichten Schneefall preis. Seine blassen, blauen Augen, den sonst immer ein fiebriger Schein innegewohnt hatte, waren nun klar und durchdringend. »Es geht um eure Reise nach Norden.«
    Isegrim lachte humorlos. »Reise umschreibt es nicht wirklich.«, antwortete er langsam, »Nennen wir es eher Himmelfahrtskommando. Aber ja, worum geht's?«
    Der Inquisitor ging einige Schritte, blieb bei einer gegenüberliegenden steinernen Bank stehen und setzte sich, sah seinen Bruder aufmerksam an, musterte ihn von oben bis unten, als würde er ihn das erste Mal wirklich sehen. »Ich habe mit Zarah gesprochen, dieser jungen Frau vom myrtanischen Geheimdienst ...«
    »Sir Yareds Cousine, ja«, nickte Isegrim, »Hattet ihr euch viel zu erzählen? Ein Inquisitor und eine Agentin, da hat doch bestimmt ein reger Informationsaustausch statt gefunden.«
    Halfgar sah ihn einige Augenblicke an, als würde er ernsthaft überlegen, ihn zu rügen. Zu Isegrims stiller Freude sagte er jedoch nichts, lächelte sogar schief und nickte.
    »Ihr mangelt es an nordmarischer Direktheit und Tatendrang«, antwortete er, »Wie diese Varantiner eben so sind. Viel Gerede aber wenig Klares. Ich soll eure Gruppe zwar begleiten, aber ein reger Austausch an Informationen hat nicht stattgefunden.« - Halfgar zuckte die Schultern - »Aber so ist eben der myrtanische Geheimdienst. Die bleiben unter sich und trauen sich selber gerade mal so über den Weg. Alle außerhalb ihrer Organisation sind für die Leute nicht vertrauensselig.«
    Isegrim grinste. Das Misstrauen unter Spionen und Agenten glich dem, das Diebe, Verbrecher und Meuchelmörder untereinander hegten und pflegten. Informationen sind ein teures Gut, das mitunter über Leben und Tod, Aufstieg und Fall entscheiden kann.
    »Jedenfalls«, fuhr Halfgar fort, »will ich gerne wissen, was du weißt, Bruder. Oder ob du ... nun, in deiner Zeit nach ... na ja, du weißt schon ...«
    »Dem Mord«, half Isegrim gnadenlos aus.
    »Ja, ob du irgendwas im Norden gesehen hast, mehr als nur Gerüchte kennst oder gar Informationen besitzt, die die Situation da oben klarer machen.«
    Er schüttelte den Kopf. »Nichts, Halfgar. Nicht mehr als Sir Yared weiß. Nun, natürlich weiß ich, dass es im Norden immer mal wieder Scharmützel mit Spähtrupps der Orks gibt, aber warum und in welcher Intensität? Das weiß ich nicht. Sind es unwichtige Kriegsherren, die auf Raubzug gehen wollen? Oder regt sich der besiegt geglaubte Feind im Norden wieder, die Geißel der Menschheit?« Er schluckte. »Fakt ist jedoch, dass diese Massaker, die stattgefunden haben, einige Unklarheiten beinhalten. Zarah erzählte, dass Späher die Umgebung absuchten, um Hinweise auf Lager oder Marschwege der Orks zu finden, aber nichts dergleichen. Die Besetzung des Midlandes hatte ja gezeigt, dass sie sich oftmals auf ihre Lager fernab der Straßen und Städte verließen. Im Norden hingegen ... nichts. Fast als wären sie wie vom Erdboden verschwunden ...«
    Halfgar nickte zustimmend. »In dieser Hinsicht war Zarah offener: Der Geheimdienst unter der mysteriösen Meisterin Zyra bat wohl darum, dass ein Inquisitor und Feuermagier euch begleitet, da es Hinweise auf das Wirken Beliars gegeben habe. Ein Späher der Nordgarnison hat berichtet, dass Knochen einer Kreatur gefunden wurden - eines Schattenläufers, die fernab jeglicher Siedlungen und Festungen in den Bergen leben.«
    Isegrim hob eine Braue und sah zweifelnd aus. »Vielleicht die Knochen eines Tieres, das bei der Jagd nahe einer Siedlung starb ...«
    »Die Knochen waren, nun ja, frisch. Zeigten keine Spuren von Alter oder Wind und Wetter. Blank und weiß. Und was noch seltsamer ist, ist die Tatsache, dass in einem kleinen Waldstück, gar nicht weit von den Knochen entfernt, nun ja ... die Hülle des Schattenläufers gefunden wurde. Der Späher beschrieb es so, als hätten sich die Knochen der Kreatur der Haut und des Fells entledigt. Verstehst du? Das riecht stark nach Nekromantie, der Zauberei Beliars.«
    Der Soldat fuhr sich mit der Hand durch das Gesicht. »Jedem anderen außer dir, Halfgar, würde ich sagen, dass er weniger Absinth trinken soll. Aber die schwarze Magie und Beliars verderblicher Einfluss auf die Menschen sind ja nun einmal dein Metier. Bei Innos, also könnte dort oben etwas lauern, was schlimmer ist als die Orks?«
    Halfgar nickte nur, schwieg einige Zeit und sprach dann: »Die Götter wissen, was in den Orklanden passiert ist. Wer oder was dort herrscht, was den Orks widerfahren ist. Was wenn Beliar all seine Macht genutzt hat ... an manchen Orten eine Niederlage vortäuschte oder ausnutzte um von dem Wirken abzulenken, das im Norden geschieht. Es gibt vieles, was passiert sein kann.« Er erhob sich, klopfte Schnee von seiner Robe. »Wie dem auch sei, wisse nur, dass wir auf alles vorbereitet sein müssen. Auch wenn selber nicht fasse, was ich dir nun sage: Wir müssen dort oben aufeinander Acht geben. Ich weiß auch nicht, wie sehr du zu Innos stehst ... aber wir werden seinen Beistand brauchen. Mehr als alles andere.«

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    Silden

    Riannon schaute dem Alten einige Minuten dabei zu, wie er versuchte sich das fleckige Leinenhemd mit einer Hand über den Kopf zu ziehen. Er hatte nur diese eine Hand, die andere - die Waffenhand - war amputiert worden. Der rechte Arm des Mannes reichte bis zum Ellenbogen, danach endete er in einem Stumpf. Ein Makel, das der Alte lange Zeit düster schweigend ertragen hatte, vertieft in Wut und Alkohol und Selbstmitleid. Bis Riannon eine Möglichkeit gefunden hatte, die Laune des Alten zu heben, was auch gleichzeitig für sie ein angenehmer und in dieser Art neuer Zeitvertreib war.
    »Ria, würdest du ...«, kam dem Alten heiser über die Lippen. Sie kicherte kurz, sprang von der Bettstatt auf, schritt zu ihm hin und half ihm beim Ankleiden. Sie sah ihm dabei ins Gesicht, sog dabei wieder jede Nuance seiner Züge auf. Wettergegerbt waren sie, hier und da von kleinen Narben gezeichnet. Die Augen waren dunkel und bargen solch einen Schmerz in sich, dass es Riannon stets das Herz brach, in sie zu schauen. Etwas über fünfzig Jahre des Krieges und des Leidens, ein halbes Jahrhundert des Kampfes. Mehr als einmal war der Alte dem Tod von der Schippe gesprungen, wenngleich sie wusste, dass er ihn nur zu gerne akzeptiert hätte. Ein ums andere Mal. Mit einer Krankheit darniederliegend, von Feinden bezwungen und blutend zurückgelassen oder verbrannt vom Feuer seiner eigenen Schande. Erzählte sein Körper die Geschichten zweier Dutzend Kämpfe, die er gewonnen hatte, so berichteten seine schmerzerfüllten Augen von tausenden Niederlagen. Rias Gewissen meldete sich. Warum teilte sie das Bett mit ihm? Warum begleitete sie ihn nun schon fast ein halbes Jahr, hatte geholfen ihn gesund zu pflegen und ihm einen Grund und den Mut zu geben, weiter zu leben? Kostete sie seinen Schmerz so gerne? Brachte es ihr ein Hochgefühl, das Herz eines Zerschlagenen in Händen zu halten? Sie wusste es nicht.
    »Was wollen wir machen, Ria?«, fragte der Alte heiser und blickte sie fragend an. Ihr war als würde sie aus einer Trance erwachen. Sie lächelte ihn entschuldigend an.
    »Du wolltest mir Silden zeigen«, antwortete sie, »Nachdem du so viel davon erzählt hast.«
    Silden. Während der Zeit, da sie darum gekämpft hatte zusammen mit einem zweitklassigen Quacksalber, den Wundbrand zu bekämpfen, den Arm zu amputieren und den Körper von jeglicher Krankheit zu befreien, hatte der Alte im Fieber oft von der Stadt im Westen des Midlandes erzählt. Von den Waldläufern und den sagenumwobenen Druiden. Er hatte Namen gerufen oder geflüstert, gezischt und gebrüllt. Namen, die weder der Heiler noch Riannon gekannt hatten.
    »Das waren Fieberträume«, murrte er ausweichend, »Ich wusste nicht, was ich sage ...«
    Sie nahm seine Hand, drückte sie. »Oft hast du aber gelächelt, wenn du von Silden geredet hast. Also scheinst du schöne Erinnerungen damit zu verbinden.«
    Er ließ ihre Hand nach einigen Augenblicken los, die Augen verschleiert. Er wandte sich ab, ging zur Tür des Zimmers und öffnete sie. Er blieb auf der Schwelle stehen, seufzte und sah zur ihr hin. »Na komm«, flüsterte er kraftlos. Sie folgte ihm.

    Silden hatte sich in all den Jahren verändert. Dem Ort sah man nach wie vor an, dass hier einst eine naturverbundene Gesellschaft existiert hatte. Anders als in anderen Städten des Midlandes, war hier alles reiner, frischer und natürlicher. Wo Orte wie Montera und Trelis wirkten, als wären sie der Welt aufgezwungen worden, schien Silden ein Teil von ihr zu sein. Dem Dorf haftete etwas Ursprüngliches und Unverfälschtes an und das mochte Riannon.
    Das Paar spazierte langsam durch das Dorf, bewegte sich zum See hin, an dem ein Großteil der Häuser und Hütten lag. Eine Wassermühle fand sich dort, in der selbst zu dieser Jahreszeit emsiges Treiben stattfand. Überall waren Jäger und Fischer und Holzfäller unterwegs, hier und da fanden sich die Werkstätten von Schiffsbauern, die wunderschön verzierte Boote fertigten, um den großen See zu befahren. In der Mitte dessen ragte aus dem gemächlichen Wellengang eine Ruine hervor, gezeichnet von Wasser, Wind und Alter. »Die Mühle«, flüsterte der Alte und sah Riannon versonnen lächelnd an. »Hier habe ich viel Zeit verbracht. Früher wie heute wird hier viel gelagert. Der Lagermeister war früher ein guter Freund von mir. Ein Kerl, auf den man sich in jeder Situation verlassen konnte. Ein großer Mann.«
    Ria wartete auf weitere Worte, aber sie kamen nicht. Der Alte verfiel wieder in Schweigen und setzte seinen Weg fort. Sie folgte ihm erneut. Ihre Schritte führten sie zu einer Hütte, in der ein Apotheker lebte. Dieser stand gerade auf der Veranda der Hütte und trank einen Becher heißen Würzweines und sah sie an. Er nickte ihnen zu, sie nickten zurück. Kein Erkennen. Der Mann war erst vor kurzer Zeit hier eingezogen.
    »Da ... da drin habe ich mal mit dem Tod gerungen.«, erklärte der Alte und musterte die frisch getünchte Fassade. »Früher lebte hier eine junge, talentierte Heilerin. Sie hat ...« - seine Finger fuhren über die Narbe, die quer über seinen Hals lief - »dafür gesorgt, dass ich auch heute noch mit dir reden kann. Ich wurde danach aber wesentlich, mh, schweigsamer.«
    Sie gingen weiter, folgten der Hauptstraße ins Dorf hinein. Dabei kamen sie an einer Hütte vorbei, die einen Vorgarten besaß. Er wirkte vernachlässigt, ja geradezu verwildert. Im Vorbeigehen bemerkte sie, wie der Alte den Kopf schüttelte und etwas flüsterte, das wie »Arme Vida« klang. Vielleicht hatte Ria sich aber auch nur verhört und er hatte etwas anderes geraunt.
    »Willst du ... hierbleiben?«, fragte Riannon den Alten im Gehen.
    »Nein.«, antwortete er heiser. »Hier hält mich nichts. Es war schön diesen Ort nochmal zu sehen, aber ... die Vergangenheit soll man ruhen lassen. Und diese Vergangenheit hier war zwar schön aber auch kräftezehrend. Was ... was hier aufgebaut worden war, hätte die Welt ändern können, musste aber letztendlich vor dem König und seinem Reich knien.« Der Alte seufzte. »Es erfüllt mich mit tiefer Trauer.«
    Erneut griff sie seine Hand, drückte sie. »Wohin dann?«
    »Nordmar. Zum Hammerclan.«, kam die heisere Antwort. Der Blick der dunklen Augen ging in die entsprechende Himmelsrichtung.
    »Wir zwei? Alleine?«
    »Wir werden mit einer Gruppe von Händlern reisen. Beritten und mit Wagen. Eine schnelle Reise, liebe Ria.«
    »Und was suchst du ... suchen wir dort?«
    Er sah sie an und in seinen Augen brannte Klarheit wie ein Leuchtfeuer. »Meinen Sohn.«

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    Red Dragon Françoise's Avatar
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    Françoise is offline
    Zusammen mit den restlichen Priestern des hohen Rates begab sich Françoise auf den Weg zum Rundsaal des Tempels. Nicht viel Zeit war ins Land gezogen, seit sie zuletzt getagt hatten. Zumindest ließ sich dieses Mal absehen, dass sie nicht Ewigkeiten mit Debattieren verbrachten. Das Thema war trotzdem nicht von minderer Bedeutung. Es betraf das weitere Schicksal eines Angehörigen des Ordens.
    Novizen öffneten dem Rat die großen Flügeltüren zum Rundsaal. Die vielen Sitzbänke standen leer. Alle bis auf eine in der vordersten Reihe. Eine einzelne Person saß dort. Von hinten ließ sich nicht ausmachen, um wen es sich dabei handelte. Derjenige hatte die Kapuze seiner Robe übergezogen. Allerdings erkannte Françoise bereits von weitem den Stab an seiner Seite.
    Die Entourage um die oberste Feuermagierin ging wortlos an der Gestalt vorbei und nahm auf ihren angestammten Sitzen Platz. Françoise indes setzte sich in den Thornstuhl direkt zu Füßen der massiven Innosstatue.
    »Innos mit dir, Novize.«, eröffnete die Priesterin die Runde. »Bitte, nimm Platz.« Sie deutete auf einen Stuhl in der Mitte des durch die Ratsmitglieder gebildeten Halbkreises. Ein wenig erinnerte die Szenerie an ein Verhör. Vielleicht lag das der Wahrheit auch gar nicht so fern.
    »Wir zitierten dich vor den Rat, um deinen weiteren Verbleib in unserem Gemeinwesen zu beurteilen. Die Ereignisse, die zu deinem derzeitigen Stand führten, liegen lange zurück. Viel hat sich seit dem geändert. Nicht zuletzt die Zusammensetzung dieses Rates.
    Wie so eloquent gesagt wird, ist Erkenntnis ein dreischneidiges Schwert; deine Seite, unsere Seite und die Wahrheit. Aus diesem Grunde bitte ich dich, die Geschehnisse und deine Motivation von damals zuerste mit deinen Worten zu beschreiben. Anschließend werden die Ratsmitglieder, die seinerzeit die Entscheidung trafen, ihre Sichtweise beitragen, und wir werden erörtern, wie mit dir verfahren werden soll. Du hast das Wort, Novize.«

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    Waldläufer Riannon's Avatar
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    Hammerclan

    »Es ist Jahre her, dass ich hier war ...«
    Der Alte stand auf dem Hauptplatz des Clans, nahe dem Eingang der berühmten Mine, in der das begehrte magische Erz gefördert wurde, dass Material für die heiligen Schwerter der Paladine war. Riannon wusste, dass es keine besseren Waffen gab als jene, die aus den hiesigen Schmieden stammten. Und in der Hinsicht waren die Nordmarer vom Hammerclan pingelig und empfindlich wie alte Jungfern, die nicht wollen, dass ihre Geheimnisse ans Tageslicht kommen. Die Frau sah sich an der Seite des Alten um, erblickte viel mehr Volk als bei ihrem letzten Besuch hier. Immer mehr Menschen aus dem Süden versuchten dem Wetter und dem Land zu trotzen, bauten hier und ließen sich nieder.
    »Ja, viel hat sich verändert«, ergänzte sie und schaute ihn von der Seite an. »Wo finden wir deinen Sohn?«
    Einige Augenblicke schwieg der Alte, ehe er langsam antwortete: »Wenn er ... mehr von mir in sich hat als von seiner Mutter und sein ... Erzieher ihn nicht verweichlicht hat, weiß ich wo wir ihn finden könnten.«
    Mit diesen Worten stapfte der Alte los, immer wieder von mitleidigen Blicken bedacht, die nordmarische Krieger ihm zuwarfen. Über die Minuten stieg ihm mehr und mehr die Zornesröte ins Gesicht, aber er schwieg und setzte seinen Weg fort, selbst als eine Gruppe Jünglinge, die noch grün hinter den Ohren waren, ihm hämische Bemerkungen zuriefen. Nach kurzer Zeit kamen die beiden an einem Trainingsplatz an, an dem Nordmarer mit den für sie typischen Waffen übten, Breitschwert und Rundschild. Hier und da sah man auch Speere und Äxte und Bögen, doch Schwert und Schild dominierten das Waffenbild. Umschlossen wurde der Platz von einem halbmannshohen Zaun, an den man sich vorzüglich lehnen konnte, was bei diesem Wetter der eine oder andere Mann mit zu viel Freizeit tat. Ein übendes Duo stach jedoch heraus. Es waren ein hochgewachsener, wirklich riesiger Mann mit kurzen roten Stoppeln auf dem Kopf und einem dichten, bis auf die Brust reichenden Vollbart gleicher feuriger Farbe sowie ein Jüngling von siebzehn Jahren, der für sein Alter auch schon eine beachtliche Körpergröße besaß und für einen Nordmann untypische dunkle, jedoch sehr kurz gehaltene Haare. Riannon brauchte nicht lange, um zu erkennen, wer der Junge war. Ein Blick in sein Gesicht und in das des Alten reichte vollends. Höflich schweigend blieb sich an seiner Seite, als der Alte erst entschlossen zu den Kriegern hin marschierte, ehe er kurz vorher stehen blieb und zu zweifeln schien. Da kam sie ins Spiel. Sachte stieß sie ihn an, traf die Entscheidung für ihn, zum Guten oder zum Schlechten.
    »Ne ...«, begann der Alte, brauchte mit dem halben Wort oder Namen die beiden Nordmarer dazu, sich umzudrehen. Der Junge brauchte einige Augenblicke, ehe Erkennen in seinen Augen flatterte. Der Riese hingegen wirkte etwas ungehalten ob der Störung.
    »Pass auf, verkrüppelter Alter«, knurrte er und hob das Breitschwert, deutete auf den Alten. »Ich hasse es wie die Pest, wenn ich beim Training mit meinem Schüler gestört werde. Ich hoffe du hast einen verdammt guten Grund.«
    »Den hat er«, beschwichtigte der Junge, »Das ist mein Vater.«
    Seine Stimme war frei von jeglichen Emotionen, ein Umstand von dem Ria merkte, dass er den Alten traf. Dieser wirkte plötzlich allein und verlassen.
    »Mein ... mein Junge. Wie groß du geworden bist, ein richtiger Krieger«, stammelte er ungeschickt, »Der Stolz deiner Mutter ... mein ...«
    »Mutter«, unterbrach er den Alten eisig, »ist vor vier Jahren an einer Lungenentzündung gestorben. Vater kurz danach, er ertrug es nicht, alleine zu sein. Sein gebrochenes Herz schaffte es nicht.«
    »Vater, ja ... er hat dich ... gut erzogen.«
    Der Junge trat vor. »Was willst du? Du hast uns verlassen, hast mich verlassen. Willst du dich entschuldigen? Willst du plötzlich der Vater sein, der du all die Jahre nicht warst? Ich verzichte. Ich stehe für mich selber ein, ich werde Orkjäger. So wie Meister Gjalvil hier! Der Sohn des berühmten Fyresgrim vom Feuerclan! Wir werden bald nach Norden reisen, Orks jagen!«
    Der Blick, mit dem der Junge den Krieger bedachte, sprühte vor Stolz. Da steht die Vaterfigur, dachte Ria betrübt, er ist ihm wohl mehr Vater als du, Alter. Oh, armer Mann, du hast auf Versöhnung gesetzt und Enttäuschung und Verachtung gewonnen.
    »Ihr ... das ist ... schön. Ich bin stolz auf dich ...«
    Die wegwerfende Handbewegung des Jungen sagte alles. »Ich pfeif auf dich und deinen Stolz. Verschwinde, zieh weg. Nach Mutters Tod bin ich fertig mit dir. Meister Gjalvil, wollen wir weiter üben?«
    Der Krieger namens Gjalvil, der bemerkte, dass die Situation für seinen Schüler aufwühlend war, blickte den Alten und Ria lange und eindringlich an.
    »Ja, Junge. Komm, wir gehen zur Hütte, Sachen für die Reise packen.«
    Und mit diesen Worten und ohne einen Blick zurück zu werfen, verschwanden die beiden und ließen den Alten und seine Begleiterin schweigend zurück. Ria traute sich nicht, dem Alten ins Gesicht zu sehen, wusste nicht ob sie den Schmerz darin ertragen konnte. Irgendwann wandte er sich ab, sie wollte ihm folgen, doch er hinderte sie mit einer Handbewegung.
    »Später, Ria. Brauche Zeit.«

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