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  1. View Forum Posts #301 Reply With Quote
    Ritter Stylios's Avatar
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    Apr 2007
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    Nordmar
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    Stylios is offline

    Nordmar

    Langsam löste sich das Fell vom Rücken des Pelztieres.
    Stylios hatte seiner ersten Beute seit zwei jämmerlichen Tagen in Gedanken den Titel Pelztier zuerkannt. In jeder der drei Siedlungen des Nordens hätte diese Benennung einiges Augenrunzeln, wenn nicht gar offene Streiterei verursacht, aber in dieser Gegend und zu dieser Zeit war dies nicht von Bedeutung. Das kleine, rattenähnliche Biest war von ausgesuchter Abscheulichkeit und eine Widerwärtigkeit an sich ... und darüber hinaus ein willkommenes Abendessen.
    Als Stylios das dünne Haar des Pelztieres nach einigen letzten, schnellen Schnitten mit dem Messer gelöst hatte, schenkte er der wenig schmeichelhaften Trophäe keine weitere Beachtung mehr und warf es kurzerhand über seine Schulter in den Matsch.
    " Was...was tust du da? Jegliche Art Fell oder Stoff ist in dieser Kälte wertvoller als Gold!" Rief das ansonsten angenehm stille Mädchen von der anderen Seite des kleinen Feuers empört aus.
    " Fell oder Stoff mit Sicherheit. Dieser Abfall nicht." Erwiderte Stylios ohne dabei von seiner Beute aufzuschauen. Er hatte damit begonnen, die wenigen Fetzen Fleisches vom nutzlosen Rest zu trennen. Dies würde ein erster Bissen seit zwei Tagen für ihn und das Mädchen,welches er aufgelesen hatte, werden. Zu wenig, aber besser als nichts.
    Ein unsicherer Laut erklang. Ein Räuspern oder doch ein Schluchzen?
    " Ich hätte es genommen." Sprach Neraida kleinlaut.
    " Dieses blutige Knäuel hätte dich nicht gewärmt. Nass und nicht mehr als ein Gefilz! Wir sind nicht im Flachland und halten uns damit auf, unsere Beute zu gärben. Mit Unrat beladen wir uns auch nicht." Stieß Stylios mürrisch hervor und wunderte sich fast gleichzeit über seine eigene Beredsamkeit. Viel zu schnell brachte ihn die Kleine mit ihrem Unwissen aus der Fassung. Sie war in diesen Landen einfach fehl am Platz.
    Anscheinend nicht zufrieden mit seiner Antwort senkte Neraida den Kopf und zog ihre Kapuze tiefer ins Gesicht. Nur noch wenig Feuerschein erreichte so ihre Haut und offenbarte die schmalen Narben, die sich wie ein Geflecht durch das Antlitz der Jungfer zogen.
    Ein grünes Mädchen, entstellter als der blutdürstigste Krieger des Feuerclans, schoss es Stylios durch den Kopf. Er hatte in den letzten Wochen nicht gefragt, wie ein junges Ding wie sie so zugerichtet werden konnte. Hatte sich nicht für ihr Schicksal interessiert. Hier, in den nördlichsten Gefilden Nordmars gefror sogar das letzte bisschen Neugier, das in einem steckte.

    Vorsichtig lehnte Stylios die dünnen Spieße, die er vorbereitet hatte, über das Feuer.
    " Behalte das Fleich im Auge. Ich bin bald zurück." Mit diesen Worten wandte sich der Nordmann vom Feuer ab, machte ein paar Schritte in die Dunkelheit jenseits ihres Lagerplatzes und verharrte. Ein Blick ins Feuer und die Nachtsicht war dahin. Nur langsam gewöhnten sich seine Augen ans Dunkle. Dichte Wolken verhangen den Himmel. Es war düster.
    Langsam, ohne einen Laut zu machen lockerte Stylios den Stiel seiner Axt in der Schlaufe an seiner Hüfte. Bei dieser Kälte wurde das Leder spröde und hart. Mit dem Daumen strich er über die eiskalte Seite entlang einer der beiden Schneiden seiner kurzen Doppelaxt. Deutlich konnte er die Scharten der Klinge spüren. Würde er in den Clan zurückkehren, würde sich nicht einmal mehr das Auswetzen lohnen. Zu lange schon war er unterwegs.

    Mit bedachten Schritten setzte sich Stylios in Bewegung.
    Er bewegte sich vorsichtig. Jeder der dicht beisammen stehenden Bäume mochte ein Versteck sein und eine Überraschung bereit halten. Zu oft war es ihm seit seines Aufbruches aus dem Hammerclan passiert, selbst zur Beute geworden zu sein. Ein Orkjäger war er. Er hatte viele Schlachten geschlagen und war sogar im Dienste Innos` nach Argaan gereist und doch war er wie ein grüner Bengel an der erbarmungslosen Wirklichkeit gescheitert. Im Angesicht von wahrhaftiger Stärke und abgrundtiefer Bosheit hatte er versagt.

    " Die Gegend klingt ruhig." Erklärte er Neraida, nachdem er aus den Schatten getreten und zurück zum kleinen Lagerplatz zwischen zwei größeren Felsbrocken gestoßen war. Ein emotionsloses Nicken war die Antwort. Mittlerweile schien das Mädchen aus dem Süden gelernt zu haben, wie wenig diese Erkenntnis auf ihrer Reise aussagte.
    " Morgen werden wir uns in Richtung Süden wenden."
    Wieder ein Nicken. Etwas einwenden konnte Neraida ohnehin nicht. Stylios hatte sie vor dem Kältetod und dem Schlund der nächstbesten Kreatur bewahrt. Sie musste dorthin, wohin er sich wandte. Und dies würde nun wieder das nordische Kernland sein. Clangebiet. Weg von den tötlichen Eisfeldern und den schroffen Bergmassiven Grenzlandes, welches Nordmar vom Orkland und den sogar noch menschenfeindlicheren Gefilden trennte.
    Ohne die geringste Spur zu entdecken war Stylios durch die nördliche Wildnis gestreift. Wenn er sich wirklich in diese Gegend begeben hatte, war er nicht mehr hier. Oder war es nie gewesen.

  2. View Forum Posts #302 Reply With Quote
    Drachentöter Shakuras's Avatar
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    Nov 2001
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    Die Gilde Innos' im Forenrollenspiel
    Shakuras is offline
    Shakuras war hin- und hergerissen, andernfalls hätte er auf so profane Mittel, Sie zu umkreisen und sich von ihrer Anwesenheit zu überzeugen, nicht zurückgegriffen. Für ihn war diese Magieform äußerst schwierig zu erfassen. Nicht, dass er es für Unvorstellbar erklärte - In seinem Leben war er nicht nur einmal fremden Einflüssen, die sich seinem Geist bemächtigt hatten, ausgesetzt gewesen. Und bisher hatte er alle erfolgreich überlebt oder abgewehrt. Aber nun stand er vor einer ganz anderen Herausforderung. Er musste einen anderen Blick auf diese Macht werfen, denn er sollte sie nicht länger nur erfahren, sondern wollte sie selbst auch anwenden. Und dafür brauchte der Alte einen Ansatzpunkt mit dem er arbeiten konnte. Wie wundersam die Magie auch war, Shakuras sträubte sich allein der Phantasie die Verwirklichung zuzuschreiben.
    Der junge Magier in der Erinnerung des Alten blieb Stehen und atmete tief durch.
    Er hatte sie hineingelassen oder aber Sie hatte sich Eintritt verschafft. Ganz gleich und wie schwer oder leichtgängig die Tür zum Öffnen gewesen sein musste, um in seiner Gedankenwelt lesen zu können und präsent sein, Sie war jetzt hier und in seinem Kopf. Als zwei Entitäten von geistiger Substanz, die eine natürliche Gestalt angenommen hatten, standen sie sich in einem traumhaften Abbild einer seiner dämmernden Erinnerungen gegenüber. Über ihnen zuckten Blitze der magischen Kuppel und der nahe Tempel der Feuermagier versprach Sicherheit und Schutz. Shakuras kam zu dem Schluss, dass er lange genug zugewartet und beobachtet hatte wie sich die Dinge entwickeln würden. Francoise hatte aus seinem geistigen Vermächtnis einen vertrauten Schauplatz gefischt und ihnen eine Plattform geboten, von der er jetzt Gebrauch machen würde. Fort der Untätigkeit und des passiven Abwartens bei unklarer Causa. Sie war in seinen Gedanken, und die gehörten schließlich ihm. Also musste er sie bewegen und das Ruder wieder an sich nehmen. Die Spezifika der Magie bei Bewegung und Funktion wahrnehmen und Einsicht gewinnen. Vielleicht schaffte er dadurch auch ihre Bande zu entschlüsseln und sich zu Ihr vorzudringen. Der junge Magier wandte sich noch einmal zum Gotteshaus um und lächelte sanft. „Mein trautes Heim. Das Minental und meine Zuflucht, der lichterne Tempel. Glaubt mir, ich musste durch eine Menge Scheiße bevor ich durch das Gitter da hinten gelassen wurde, um bei Magiern vorsprechen zu dürfen.“ Der junge Schwarzhaarige trat an die Feuermagierin vertrauensvoll heran. „Lasst mich Euch einen kurzen Einblick gewähren.“ Er streckte seine arkanen Fühler aus, ergriff in Vengard die Hände ihrer Eminenz und zog sie Beide Kraft seines Willens augenblicklich in einen tiefen Gedankenstrudel aus Fragmenten von Erinnerungen und Erlebnissen. Die Welt um sie herum brach zusammen wie eine Scherbenwelt, dessen Splitter sie im Getöse des Stroms begleiteten.
    Sie fanden sich wieder in einem düsteren Stollen, in dem Shakuras als Buddler zwischen toten Kumpels blaues Erz schürfte. Der Chitinschädel eines Crawlers kreischte sie bedrohlich an, ehe sie hinweg gerissen wurden und zusammengerollt am Boden, die Hände schützend über den Kopf, Tritte und Schläge mehrerer Häftlinge und Gardisten ertrugen. Sie sah das gleichgültige Auge, in dem ein Feuer lodert, entbrannte Hände und tauchten auf in einer Schlacht der Barriere, in der ihre Bewohner grauenhaft entstellte Kreaturen und ins Land hereinfallende Zombies enthaupteten. Ein anderer Splitter zeigte Shakuras als Schatten und wie er eine Rüstung mit Leder ausbesserte und befellte. Nun waren sie auf der Flucht in einem seltsam anmutenden Wald und gejagt von schemenhaften Wölfen keines natürlichen Ursprungs. Von einem Moment aus gehend klatschte ihnen Blut entgegen und gab Francoise nur das Rot zu sehen und zu lesen. Verfloss es, zeigte er ihnen die Mäuler von Orks im Kampf und fliegenden Drachen, die Shakuras vom Außenbezirk des Alten Lagers aus mit Feuer bekämpfte. Der Alte katapultierte sie unentwegt in die Gespinste seines Reiches und machte keinen Halt. Immerzu ließ er Bilder und Erinnerungen vergangener Zeiten auferstehend, nur um sie dann zu Trümmern zerfallen zu lassen. Sein anderer Sinn erfasste Francoise und ihre magische Substanz und wie sie während ihrer Aufrechterhaltung sich anpasste, um nicht den Punkt der Wirkung und ihre Präsenz in seinem wirrgewordenen Kopf zu verlieren. Die raschen Wechsel im Strom der Gedanken halfen ihm dabei den Nachhall des sich verändernden Geistes und Eindringlings aufzugreifen und nachzuspüren. Einen Abgleich zu schaffen wie und wann Francoises mitreisender Geist an jene neue beschworenen Erinnerungen anknüpfte und sich wo in seiner Feste positionierte. Der Wirbel und die Flut aus Gedanken rissen ab, das Bild der Splitter fiel zu Boden und verschwanden und die Welt ging über in Eine, in der keine Blitze am Himmel zuckten und der Hof des Altes Lagers eher dem des Klosters auf Khorinis ähnelte. Als ob sie durch gespannte Tierhäute gucken würden. Und dort war sie, ein gemachter Abgleich eines Gedankens, in der Francoise sich selbst im Kopfe des Alten sah. Frischer und jünger und noch am Anfang stehend im Kreis des Feuers und im Kloster auf Khorinis. Der junge Magier war fort, nur Shakuras der Alte sah seine Oberste entschlossen an und wartete darauf, dass sie den Gedanken aufnahm und loslöste. Das würde sein Versuch sein, die Brücke zu ihrem Geist zu schlagen. Von einer Welt in die Zweite und in die Dritte überzugehen.
    Er merkte unterdessen nicht, bei all der Willensanstrengung, die um sie förmlich waberte, wie ein Bluttropfen aus seinem rechten Ohr quoll.

  3. View Forum Posts #303 Reply With Quote
    Sleeping Dragon Françoise's Avatar
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    Die Gilde Innos' im Forenrollenspiel
    Françoise is offline
    »Shakuras, Shakuras... Du vergisst, wer Meister und wer Schüler ist.«, sagte die oberste Feuermagierin leicht vorwurfsvoll. Neugierig betrachtete sie ihr jüngeres Ich. Diese Françoise unterschied sich augenscheinlich nur in ihrem feuerroten Haar und einem unbesorgten Blick von ihrem älteren Pendant. Der Rest schien seltsam unverändert, obwohl es sich eindeutig um die Erinnerung des alten Mannes handelte.
    Im nächsten Augenblick war die Priesterin von Shakuras' Seite spurlos verschwunden und offenbar auch aus seinem Geist. Dann drehte sich die jüngere Françoise um und blickte unmissverständlich in die Richtung des hohen Magiers.
    »Das perfekte Versteck!«, kicherte sie und winkte Shakuras zu. Im Gegensatz zu ihrem Treffen im Tempel des Minentals, wo sich die Priesterin eindeutig zu erkennen gegeben hatte, machte sie jetzt keinerlei Anstalten dasselbe zu tun. Statt dessen fügte sie sich nahtlos in die Erinnerung des alten Mannes ein und verschmolz damit. Dass ihr eigenes Abbild darin vorhanden war, machte die Angelegenheit sogar einfacher. Versteckt in freier Sicht.
    »Komm jetzt, ich zeige dir den Übergang.«, sagte Françoise schließlich. Fort waren die Gedanken und Erinnerungen von Shakuras und von einem Augenblick auf den anderen standen die beiden Magier sich an einem ganz anderen Ort wieder gegenüber. Es handelte sich um einen großen Saal, gesäumt von massiven, schwarzen Marmorsäulen. Luftige Seidenvorhänge hingen zwischen den Säulen herab und an allen vier Seiten ragten Fenster vom Boden weit hinauf in die Höhe. Warmes Sonnenlicht drang herein. Nicht nur von einer Seite, sondern von allen zugleich, als ob die Sonne gleichzeitig in jeder Himmelsrichtung stünde.
    Die Wände des Raums waren alle schräg, was den Eindruck vermittelte, dass sie sich in der Spitze einer gewaltigen Pyramide befanden. Von weit über ihren Köpfen, dort wo die Säulen die Wände hielten, drang ein beständiges Rascheln her. Abertausende Blätter Papier flogen da offenbar ziellos umher. Sie tanzten um die Säulen, stiegen auf, fielen herab, fingen sich und stiegen erneut. Dann und wann ging eines in Flammen auf und verschwand ohne eine Spur, nur um durch ein anderes Blatt ersetzt zu werden, das sich aus dem Nichts manifestierte.
    »Willkommen in meinem Geist.«, sagte Françoise und verschränkte die Arme hinter dem Rücken. »Es ist mir nicht verborgen geblieben, was du versucht hast. Ein passabler Versuch. Ich hätte es dir aber auch gezeigt, denn dies ist Unterricht und der Übergang ist keine einfache Lektion. Besonders für jemanden, der damit nicht vertraut ist. Präge dir das Gefühl deshalb gut ein. Wie es ist, in den Geist eines anderen zu wechseln.«

  4. View Forum Posts #304 Reply With Quote
    Schwertmeister Das Waldvolk's Avatar
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    Die Waldbruderschaft im Forenrollenspiel
    Das Waldvolk is offline

    Freies Beria, Myrtana

    Porgan wiegte nachdenklich den Kopf. Er ließ sich Zeit, bevor er antwortete, wog die Worte ab, die er vernommen hatte und zog an der Pfeife, um den süßlichen Rauch in die kühle Luft der Kaverne zu blasen.
    Er war froh, dass Azaved frei gesprochen hatte. Es war ihm nicht wichtig gewesen, ob seine Erzählung stimmte, ganz gleich ob in Details oder im Ganzen. Wohl keiner, der der Mutter oder einem der Naturgeister folgte, verbarg kein Geheimnis in seinem Herzen. Das machte niemanden weniger respektabel oder vertrauenswürdig. Im Gegenteil, wer seine eigenen Geheimnisse für sich behalten konnte, der würde auch die Geheimnisse anderer wahren können.
    Porgan wusste zumal längst, das man dem Mann vertrauen konnte, denn so zugeknöpft sich Azaved auch geben mochte, sein Begleiter sprach für ihn, gab Zeugnis seines Charakters. Was der Wolf ihm nicht erzählte, dass hörte Porgan im Rauschen der Blätter, in denen sich die Wahrheit verfing, die der stetig leise säuselnde Wind aus der Anderswelt herüber trug. Doch, es war gut, dass Azaved sich nicht länger selbst in Ketten legte und frei sprach. Nur wer frei war zu sprechen, war frei sich zu wehren, war frei sich zu entschieden, war frei zu bleiben. Gefangene und Getriebene hingegen mussten stets die Ferne suchen, kamen nicht zur Ruhe. Ein freier Geist hingegen konnte ruhen, bleiben aber auch gehen, denn er hatte eigenen Willen, traf eigene Entscheidungen.
    „Danke, dass du wahr gesprochen hast, Azaved. Deine Worte beweisen es, du bist ein freier Geist, auch wenn du das noch nicht fühlen magst. Du verdienst mein, du verdienst unser aller Vertrauen.“ Erst jetzt wandte er Azaved nicht nur seine Aufmerksamkeit sondern auch seinen Blick zu, den er bis eben noch über die Maserung der Höhlenwände hatte streifen lassen.
    „Wenn du dorthin zurück willst, in die Einsamkeit, wird dich hier niemand aufhalten. Doch bedenke, Wölfe leben nicht ohne Grund im Rudel. Sobald ihr beide vollständig genesen seid, wirst du entscheiden.“ Er zog noch einmal den Rauch des Apfeltabaks ein und ließ ihn in kleinen Ringen der Höhlendecke entgegen steigen. „Bis dahin kannst du gerne Unterkunft in einer der leerstehenden Kavernen der großen Westhöhle nehmen. Vielleicht findest du dort sogar noch eine zurückgelassene Bettstatt, bei der du nur das Stroh erneuern musst.“
    Ein Teil der Kavernen war verlassen, seitdem die Rattensippe bis auf ein Jagdkommando unter der Führung des Sippenführers Tayon Beria verlassen hatten. Die Handvoll gebliebener Sippenkrieger hatte sich in die direkt am Doppelwasserfall gelegenen Kavernen am unteren Ende der großen Westhöhle zurückgezogen. Dadurch standen nun zwischen den oberen Wohnhöhlen und der kleinen Bucht, in die die Wasserfälle hinabstürzten, einige Kavernen leer. Dort konnte man einen Rückzugsort finden, wenn einem das Lagerleben zu turbulent wurde. Kaum einer betrat diesen Teil der Höhlen und die weiter unten lebende Rattensippe blieb meist unter sich, wenn sie nicht hoch in die am Talkessel gelegenen Wohnbereiche kamen.
    „Wie du ja bereits erfahren hast, bekommt hier jeder, der der Gemeinschaft gibt, was er geben kann, von ihr das, was er braucht. Unterstützung und Gemeinschaft zu suchen, anderen Vertrauen zu schenken ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eines von Stärke. Scheue dich also nicht deine Talente fruchtbar werden zu lassen.“

    Larah
    Last edited by Das Waldvolk; 23.05.2020 at 01:07.

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    Abenteurer Azaved's Avatar
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    Auf der Flucht
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    Azaved is offline

    Beria

    Vertrauen. Dieses Wort löste eine seltsame Regung in seinem Inneren aus. Wie lang war es schon her, dass er wirkliches Vertrauen gefasst hatte? Geschweige denn inspiriert? War das hier wirklich sein Vorherbestimmung? Seine zweite Chance?
    Konnte er im Kreis dieser Leute so etwas wie Freunde, vielleicht sogar eine Familie finden?
    "Danke für eure Worte." murmelte er andächtig.
    "Ich denke, ich werde noch etwas bleiben, vielen Dank für euer Angebot....."
    Ob für länger wusste er noch nicht. Aber das würde sich mit der Zeit entscheiden.
    "Wo ihr es erwähnt....ich würde tatsächlich gerne lernen. Lernen mich besser zu verteidigen. Vor allem jetzt...." Etwas mühsam drehte er sein nach wie vor etwas schmerzendes Gelenk. Er musste einiges wieder neu lernen.
    "Vielleicht können wir hiermit anfangen...." Er nahm die Goblin-Keule von seinem Gürtel. "....gibt es jemanden der Zeit und Muße hat dafür? Ich werde ihm oder ihr natürlich bei allem was ansteht zur Gegenleistung unter die Arme greifen....."

  6. View Forum Posts #306 Reply With Quote
    Schwertmeister Das Waldvolk's Avatar
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    Die Waldbruderschaft im Forenrollenspiel
    Das Waldvolk is offline

    Freies Beria, Myrtana

    Azaved wollte Lernen. Ein erstes Zeichen, dass das Vertrauen auf Gegenseitigkeit beruhte. Doch es war noch nicht der richtige Zeitpunkt gekommen.
    "Es ist gut, dass du lernen willst, Azaved. Doch dein Körper ist noch nicht so weit, wie dein Geist. Du musst es langsam angehen. Lass erst deine Verletzung völlig abheilen. Dann werde ich einen Lehrmeister zu dir schicken, der die beibringen wird, das Talent zu schärfen, das du begehrst."
    Abermals schmeckte Porgan den aromatischen Rauch und lies ihn wieder aus seinem Mund entweichen.
    "Nun richte dich ein, wenn du willst, und ruhe dich aus, damit du bereit und bei Kräften bist, wenn deine Unterweisung beginnt."

    Larah

  7. View Forum Posts #307 Reply With Quote
    Waldläuferin Larah's Avatar
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    Höhle der Rattensippe, westliche Wälder Sildens, Myrtana

    Larah ließ sich unweit des Treppenabsatzes auf dem hölzernen Aufgang nieder, der die Werfthalle mit dem darüber befindlichen Schnürboden und den Gängen tiefer in den Berg verband. Neugierig betrachtete sie ein kreuzartiges etwa mannshohes Ungetüm aus massivem Holz und ausgestopftem Leder, welches Francis mit seinen schwieligen Händen aus der stabilen Seitenlage in die horizontale wuchtete, als sei sein Kern kein halber Baumstamm.
    „Das sieht interessant aus. Was wird das werden, wenn ich fragen darf?“
    „Klar darfst du.“ Er drehte sich zu ihr um und lächelte sie an, während er sich das vom Boden stammende Sägemehl von den Knien klopfte. „Das ist schließlich für dich.“
    Larah schürzte die Lippen. „Für mich?“
    Der Zimmermann drehte sich um und entdeckte einen unförmigen Sack, der auf dem Boden unweit des ehemaligen Ruheplatzes des Gestänges liegen geblieben war. Amüsiert zuckte er mit den Achseln, trat die beiden notwendigen Schritte darauf zu und klaubte ihn von den bemehlten abgelaufenen Steinquadern. Er drehte ihn, sodass Larah das aufgemalte Gesicht auf dem groben Stoff bewundern konnte und hielt ihn seiner künftigen Bestimmung gemäß an das obere Ende des zentralen vertikalen Balkens. „Erkennst du jetzt, was es sein soll?“
    „Eine Art Übungspuppe?“ Larah erhob sich auf um einen besseren Blick auf Francis Arbeit zu werfen. Es war beeindruckend wie akkurat und gleichzeitig stabil der Schiffszimmermann den Korpus aus Leder geformt hatte.
    „Richtig.“ Er lies den Sack auf dem Stammende zurück und griff hinter sich auf die temporär großzügig in den Raum platzierte Werkbank nach Hammer und Nägeln. „Jodas hat gemeint, du brauchst sie, um die notwendigen Bewegungsabläufe zu trainieren, sobald ihr mit der Ausbildung loslegt.“
    Larahs Augen wurden groß, als sie skeptisch den Kopf neigte. „Das hört sich jetzt fast so an, als hätten wir nicht bereits losgelegt.“
    „Habt ihr, das denn?“ Francis verzog spöttelnd den Mund. „Ich habe davon noch nichts mitbekommen.“ Er nagelte mit wenigen Schlägen den Kopfsack auf den hölzernen Hals.
    „Und was war das dann gestern?“ Larah streckte ihm empört die Handflächen entgegen.
    „Das Herumgefuchtel?“ Ein breites Grinsen stahl sich in die natürlichen Lücken seines Bartes, als er den Hammer weglegte. „Er wollte deine Ausdauer testen, ein Gefühl für deine Intuition und deine Geschicklichkeit bekommen.“
    Larah schnaubte. Jodas hatte also nur ihre bereits vorhandenen Fähigkeiten auf die Probe gestellt. Das hätte sie sich auch denken können. Wäre auch zu schön gewesen, wenn sich ihr Talent als angeboren gebrauchsfertig und unverbesserlich herausgestellt hätte.
    Francis klopfte ihr kurz aufmunternd mit der Linken auf die Schulter.
    „Das macht er immer so. War schon damals der Fall, als er die Wächter für den Schutz Sildens ausgebildet hat. Erst hat er die jungen Hitzköpfe sich ein paar Runden auf dem Dorfplatz unter der alten Eiche nach eigenem Gutdünken prügeln lassen und ihnen dann erzählt, was sie falsch und wie man es richtig macht.“
    Wenigstens erhielt sie offenbar keine Sonderbehandlung. Das lies hoffen. Ein kleines Lächeln blitze in ihrem Gesicht auf.
    „Na dann, hole ich mal meinen Übungsspeer und wärme mich schon mal an diesem Holzkameraden auf, bis Jodas aus dem Dorf zurück ist.“ Larah wandte sich um gen Aufgang, wo die präparierten Holzstangen lehnten, die Jodas und sie für die Übungen nutzten.
    „Nur zu. Von meiner Seite aus ist er jetzt zum Verprügeln und Abstechen frei gegebene.“, meinte Francis nur zufrieden mit seinem Werk und lies den Hammer wenige Fingerbreit auf die Werkbank plumpsen.

  8. View Forum Posts #308 Reply With Quote
    Schwertmeister Das Waldvolk's Avatar
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    Die Waldbruderschaft im Forenrollenspiel
    Das Waldvolk is offline
    Wortlos, die Arme verschränkt, betrachtete Jodas wie sich Larah an der Übungspuppe abmühte. Francis hatte mit der Übungspuppe ganze Arbeit geleistet. Leder, Holz und Bänder hatte er zu einer Gestalt gefügt, die man im Dunklen fast schon für einen lebendigen Menschen halten konnte. Um die Bewegungsabläufe und die Handhabung des Speeres zu üben hätte zwar auch ein alter Baum gereicht, doch hatte die Übungspuppe ihre eigenen Vorteile: Sie würde später nützlich werden, wenn sie üben würden, wie man gegen menschliche Gegner vorging, würde ihre Zielsicherheit trainieren, und schlussendlich: Sie würde sich daran gewöhnen, gegen einen humanoiden Gegner anzutreten. Die Jagd mit dem Speer war eine Sache, der Kampf eine andere. Jodas machte sich keine Illusionen: Eine Übungspuppe in Menschenform eine ‚tödliche‘ Wunde zuzufügen ist nur schwer damit vergleichbar, einen Menschen tödlich zu verletzen, doch psychologisch würde es Larah weitaus besser darauf vorbereiten als ein alter, toter Baum.
    „Okay“ gab Jodas nach einer Weile des stummen Zuschauens den ruppigen Befehl innezuhalten. „Du musst deinen Speer fester packen. Er ist alles was zwischen dir und einer Wilden Sau ist, also halt ihn vernünftig, so dass er so wenig wie möglich rutschen kann. Ungefähr so. Hier. Und hier“
    Er zeigte Larah wo die Hände am besten den Speer packten.
    „Nicht zu weit vorne. Du brauchst genug Spielraum, um nach vorne zustoßen zu können. So, jetzt nochmal. Probier möglichst den Torso zu treffen, ja?“

    Calan

  9. View Forum Posts #309 Reply With Quote
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    Höhle der Rattensippe, westliche Wälder Sildens, Myrtana

    Die Stangenwaffe, als Waffe ein ewiges Zeichen des Dualismus. Man konnte sie mit einer und mit zwei Händen führen. Sie war die Waffe der Wahl für den berittenen Kampf und für den Kampf gegen Reiter. Sie konnte auf die Distanz und im Nahkampf verwendet werden. Sie war gleichermaßen ein Instrument zur Jagd wie zur Selbstverteidigung. Jodas hatte ihr erklärt, dass sie erst den Kampf gegen menschliche Gegner üben würden. Sie sollte sich erst sicher mit der Waffe fühlen, sich verteidigen können, ehe sie an das Jagen und Fischen oder den Speerwurf gehen würden. Vieles von dem, was für den Kampf gegen menschliche Gegner galt, galt zumindest im Notfall auch gegen tierische. Das klang logisch für die gortharische Waldvölklerin. Trotzdem sie spürte das da mehr war. Es gab etwa, dass Jodas in seinem mürrischen Ton ihr nicht sagte, das er ihr trotzdem in seinem Schweigen zwischen den Anweisungen mit seiner unbeweglichen Miene mitteilen wollte. Irgendwie beunruhigte sie das.
    Larah schüttelte den Gedanken ab, schob den Anweisungen ihres Lehrmeisters folgend die Hände an der Stange weiter auseinander, nur um kurz darauf abermals korrigiert zu werden. Klar, dass sie die Stange zum Stoß einseitiger halten musste, als zur Abwehr, und versuchte, den Griff um die Übungswaffe zu festigen, ohne sie krampfhaft zu umklammern. Dann richtete sie ihre Blick auf den lederumschlungenen Torso ihres Ziels und stieß zu.
    Mehrfach stach sie auf das ein wenig zurückfedernde Leder der Übungspuppe ein. Das Treffen des nachgebildeten Korpus war nicht das Problem, das Problem, so erkannte sie schon nach den ersten erfolgreichen Stößen, war die Waffe nach einem starken Stoß unter Kontrolle also in den Händen zu behalten. Jeder erzielte Treffer zehrte an ihrer Griffkraft. Nicht lange und Schweißperlen zeigten sich auf Stirn und Nacken. Zugleich merkte sie, wie auch die Stange in ihren Händen glitschiger wurde. Trotzdem stieß sie unermüdlich zu, mit all ihrer Kraft, als wolle sie die Rippen eines Rippers zum Splittern bringen. Mit dumpfen Schlägen, die ihr selbst recht gewaltig vorkamen, traf das Ende auf die Übungspuppe. Dann entglitt ihr die Übungswaffe. Der Widerstand des Torsos drückte ihr die schweißnasse Stange einfach aus den Fingern. Sie konnte nicht schnell genug nachfassen. Nachhallend schlug das Holz auf dem steinernen Boden der Werfthöhle auf, prallte davon ab und machte einen zwei weitere kleine Sätze, bevor der vibrierende Stab sich scheinbar windend wie eine Natter schließlich zum Liegen kam. Schnaufend und nach Luft schnappend kam Larah aus ihrer gebeugten Haltung nach oben, das schmale Band, dass ihr Haar zusammengehalten hatte, hatte sich gelöst. Sie strich sich erst die Haare aus dem Gesicht, die wild an ihren verschwitzten Wangen kleben bleiben wollten, klaubte das Band aus ihren Haaren, hielt es kurz mit den Zähnen fest, ehe sie alle Strähnen eingefangen und erneut am Hinterkopf zu einem Zopf versammelt hatte, und bändigte sie wieder. Dann bückte sie sich und hob den Stab auf.
    Ihr Blick traf den ihres Lehrmeisters, der nicht ein einziges mal gezuckt hatte.
    „Wie verhindere ich das?“, fragte sie ihn einfach.

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    Die Waldbruderschaft im Forenrollenspiel
    Das Waldvolk is offline
    Das Klappern des zu Boden fallenden Übungsspeeres echote noch kurz die Höhle wie die Rassel eines Ogerbabys, ehe Larah ihn aufhob. Jodas zog leicht amüsiert einen Mundwinkel nach oben. Es war schon eine Leistung sich so abzurackern, dass einem der Speer aus den glitschigen Händen rutschte.

    „Halt ihn fest“ riet der Waldläufer lakonisch, sah jedoch ein, dass diese Antwort wohl nicht zufriedenstellen würde.
    „Du hast zwei Hände, also zwei Möglichkeiten deinen Griff anzupassen, wenn du merkst, dass da was rutscht. Ja, ich hab dir zwar gezeigt, wo du am besten packen musst, aber das ist nicht in Stein gemeißelt. Selbst die Armee des Königs hat kein Gesetz, dass du deinen Speer nur so halten darfst. Soweit ich weiß. Wenn du also kurz umlagern musst – nur zu. Es gibt keine Regeln. Was für dich am besten funktioniert, ist für dich das Beste. Außerdem musst du nicht immer zustoßen wie eine wildgewordene Wespe. Ein echter Speer hat eine Spitze, lass die für dich die Arbeit machen.
    Hm... Aber falls das alles nicht hilft, gibt es sicherlich noch andere Möglichkeiten. Du kannst Handschuhe nutzen, oder Lederbänder. Ansonsten wäre zerstoßene Kreide auch eine Möglichkeit.“
    Er kratzte sich am Kinn. „Sofern ich da nichts verwechsle.“
    „Außerdem darfst du nicht vergessen, dass du im echten Leben nicht nur diese eine Bewegung machen wirst, also ohnehin viel bessere Kontrolle über deinen Griff haben wirst.“

    Jodas bückte sich und griff nach seinem Wasserschlauch, den er entkorkte und Larah reichte. „Trink, wenn du musst. Ansonsten machen wir weiter. Wir müssen deine Griffstärke trainieren.“ Er grinste wölfisch.

    Calan

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