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Die Welt ist nicht so schlecht

  1. #1 Zitieren
    Feind von neun Welten  Avatar von Sergej Petrow
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    Wenn man den Nachrichten und Berichten folgt, aber auch der allgemeinen Stimmung, meint man, dass das Leben auf der Erde immer schlechter wird.
    Aber das ist faktisch einfach falsch.

    Hier mal ein Bericht aus der Zeit:
    http://blog.zeit.de/teilchen/2016/12...rmut-grafiken/

    Tiefer wird hier berichtet:
    https://ourworldindata.org/a-history...s-in-5-charts/

    Mal ein paar Beispiele:
    1820 lebten noch 90 Prozent der Weltbevölkerung in extremer Armut.
    2015 sind es nur noch 10 Prozent.

    Um 1800 konnten nur um die 14 Prozent der Weltbevölkerung lesen. Heute sind es fast 85%.

    Sind 1800 noch über 40 Prozent der Kinder vor ihrem 5 Lebensjahr verstorben, sind es heute nur noch weniger als 5 Prozent.
    usw. usf..


    "The result of a media – and education system – that fails to present quantitative information on long-run developments is that the huge majority of people is completely ignorant about global development. Even the decline of global extreme poverty – by any standard one of the most important developments in our lifetime – is only known by a small fraction of the population of the UK (10%) or the US (5%). In both country’s the majority of people think that the share living in extreme poverty has increased. Two thirds in the US even think the share in extreme poverty has ‘almost doubled’. When we are ignorant about global development it is not surprising that few think that the world is getting better."


    In diesem Sinne: Wusstet ihr von den insgesamt doch großen Erfolgen bei den ganzen Entwicklungen oder gibt es da ein Haar in der Suppe, welches ihr sucht?
    Sergej Petrow ist offline

  2. #2 Zitieren
    Ehrengarde Avatar von Conterman
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    Ein sehr guter Thread. Es hat sich etrem viel gebessert.
    Und es ist wichtig dies zu besprechen, da es zeigt wie wertvoll der Fortschritt ist und wie wertvoll Engagement ist.

    Jedoch waren die Menschen in den meisten europäischen Ländern bereits 1939 deutlich besser dran als 1820.

    Wie sagte bereits Gothes Faust frei wiedergegeben: An dem Tag an dem ich tatenlos stehen bleibe, gehöre ich dem Mephisto (Teufel)

    1960 ging des den Menschen besser als 1820, trotzdem fanden viele ein Haar in der Suppe und setzten das Ende des Kolonialismus durch.
    1970 ging es den Menschen noch besser, trotzdem fanden viele ein Haar in der Suppe und setzten die Gleichberechtigung von Männern und Frauen durch
    usw und sofort

    Fortschritt entsteht nicht ohne Grund. Das Ende des Strebens nach mehr Gerechtigkeit ist das Ende des Fortschritts.
    Besonders in den Kurven habt Acht Ihr Geradlinigen (S.Lee)
    Conterman ist offline Geändert von Conterman (28.12.2016 um 01:51 Uhr)

  3. #3 Zitieren
    Feind von neun Welten  Avatar von Sergej Petrow
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    Da ist sicher was wahres dran. Es gibt immer was zu tun.

    Aber liest man ganz allgemein in den Medien, erfährt man in der Regel nur, wie schlecht es uns geht und das alles immer schlechter wird. Solche Artikel wie jetzt in der Zeit sind sehr selten. Was zum Ergebnis führt, dass in der Gesamtbetrachtung die meisten in der Bevölkerung tatsächlich die Gesamtsituation sehr viel schlechter darstellen, als sie ist. Schlimmer noch. Die meisten in der Bevölkerung glauben, dass sich die Gesamtsituation eher dramatisch verschlechtert.

    Das bedeutet doch, dass die Medien zu diesem Thema ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben. Sie berichten viel zu selten davon, dass sich ganz im Gegenteil die Situation weltweit in nahezu allen sozialen Kriterien stark verbessert hat.
    Sergej Petrow ist offline

  4. #4 Zitieren
    Ehrengarde Avatar von Cagigawa
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    Zitat Zitat von Sergej Petrow Beitrag anzeigen
    Das bedeutet doch, dass die Medien zu diesem Thema ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben. Sie berichten viel zu selten davon, dass sich ganz im Gegenteil die Situation weltweit in nahezu allen sozialen Kriterien stark verbessert hat.
    Oder die von dir verlinkten Medien reden es schön.
    Laut Uno Bericht leben ca. 1,2 Milliarden Menschen in Armut und 800 Millionen stehen kurz davor.
    Bei einer Bevölkerung von aktuell rund 7,39 Milliarden Menschen wären das ein bisschen mehr als 16 Prozent welche weder genug zu Essen, ausreichende Bildung noch eine ausreichende medizinische Infrastruktur haben.

    Das mit dem Lesen kommt grob hin.

    Das mit den toten Kindern ist richtig das gibt es heute so nicht mehr liegt hauptsächlich an besseren Medizinkenntnissen als 1800. Die höchsten Werte haben hier afrikanische Länder mit teilweise über 10 Prozent.
    Dafür gibt es neue Probleme und sterbe Risiken die uns befallen welche es im 18 Jahrhundert noch gar nicht gab.

    Das es uns besser geht als im 18 Jahrhundert oder im Jahr 1960 steht außer Frage.
    Aber geht es uns heute besser als 1980 oder 1990?

    In vielen der reichsten Ländern der Welt unter anderem den USA gibt es viele Menschen die in schlechteren Umständen Leben als die damals in der DDR und die hatten es nicht unbedingt schön.

    Die Statistiken sind eigentlich ganz nett aber nicht ganz vollständig, da hier der Sprung von damals bis heute zu lang ist da muss es normalerweise heute besser aussehen. Allerdings wird das von Jahr zu Jahr immer schlechter.
    Alleine in Griechenland ist die Kindersterblichkeit um 43 Prozent in den Jahren 2008-2010 gestiegen und die Totgeburten um 20 Prozent.

    Fazit:
    Heute geht es uns besser als 1960 und 1820 aber seit ca. 15-20 Jahren geht es weltweit wieder bergab.
    Wobei es den Leuten in Afrika zwar besser geht als 1820 aber nicht zwingend besser als 1960.
    Dies verteilt sich einfach auf zu viele unterschiedliche Länder und geht unter.

    Great holy armies shall be gathered and trained to fight all who embrace evil. In the name of their gods ships shall be built to carry our warriors out amongst the stars and we will spread Origin to all the unbelievers.
    Cagigawa ist offline

  5. #5 Zitieren
    Dea Avatar von Aria
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    Gerade heute morgen gab es dazu einen Bericht auf 1live, wegen der sieben Jugendlichen, die einen Obdachlosen angezündet haben. Da wurde auch gesagt, dass Verbrechen generell seit langer Zeit zurückgehen und maximal mal um so 200 Gewaltverbrechen im Jahr in ganz Deutschland ansteigen. Da aber alles mittlerweile viel präsenter ist, wirkt das anders und daran sind nicht nur die Medien schuld, sondern auch Facebook und Co., wo dann sowas zehn mal geteilt wird.
    Aria ist offline

  6. #6 Zitieren
    Feind von neun Welten  Avatar von Sergej Petrow
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    Zitat Zitat von Cagigawa Beitrag anzeigen
    Oder die von dir verlinkten Medien reden es schön.
    Laut Uno Bericht leben ca. 1,2 Milliarden Menschen in Armut und 800 Millionen stehen kurz davor.
    Bei einer Bevölkerung von aktuell rund 7,39 Milliarden Menschen wären das ein bisschen mehr als 16 Prozent welche weder genug zu Essen, ausreichende Bildung noch eine ausreichende medizinische Infrastruktur haben.

    Das mit dem Lesen kommt grob hin.

    Das mit den toten Kindern ist richtig das gibt es heute so nicht mehr liegt hauptsächlich an besseren Medizinkenntnissen als 1800. Die höchsten Werte haben hier afrikanische Länder mit teilweise über 10 Prozent.
    Dafür gibt es neue Probleme und sterbe Risiken die uns befallen welche es im 18 Jahrhundert noch gar nicht gab.

    Das es uns besser geht als im 18 Jahrhundert oder im Jahr 1960 steht außer Frage.
    Aber geht es uns heute besser als 1980 oder 1990?

    In vielen der reichsten Ländern der Welt unter anderem den USA gibt es viele Menschen die in schlechteren Umständen Leben als die damals in der DDR und die hatten es nicht unbedingt schön.

    Die Statistiken sind eigentlich ganz nett aber nicht ganz vollständig, da hier der Sprung von damals bis heute zu lang ist da muss es normalerweise heute besser aussehen. Allerdings wird das von Jahr zu Jahr immer schlechter.
    Alleine in Griechenland ist die Kindersterblichkeit um 43 Prozent in den Jahren 2008-2010 gestiegen und die Totgeburten um 20 Prozent.

    Fazit:
    Heute geht es uns besser als 1960 und 1820 aber seit ca. 15-20 Jahren geht es weltweit wieder bergab.
    Wobei es den Leuten in Afrika zwar besser geht als 1820 aber nicht zwingend besser als 1960.
    Dies verteilt sich einfach auf zu viele unterschiedliche Länder und geht unter.
    Hast Du dir die Links angesehen? Es stimmt nicht, was Du sagst. Auch die letzten 20 Jahre gibt es nur eine Richtung und zwar bergauf. Es gibt vereinzelt natürlich auch Rückgänge zu verzeichnen. So wie Griechenland. Das sind aber gerade mal 10 Millionen Einwohner. Wir haben aber von 1990 bis heute zwei Mrd. mehr Menschen auf der Welt. Davon die meisten in Dritte Welt Staaten. Auch sagt es nicht viel aus, wenn die Kindersterblichkeit in Griechenland um 43 Prozent gestiegen ist. Sie ist immer noch weit unter 10 Prozent. Es kommt immer nur auf den Status Quo an. So hört sich das zwar gewaltig an. Aber in absoluten Zahlen ist es immer noch sehr wenig. Davon mal abgesehen darf man das ganze sogar noch zusätzlich anzweifeln:
    => Die Mär der toten Babys.

    Diese Linien waren niemals geradlinig, sondern immer eher einer Achterbahn gleich. Aber stets mit der Richtung steigend.
    Sergej Petrow ist offline Geändert von Sergej Petrow (28.12.2016 um 10:26 Uhr)

  7. #7 Zitieren
    Freakonomist  Avatar von Saleph
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    Wer etwas mehr über die Langzeitentwicklung von Lebenserwartungen, Kindersterblichkeit, Bildung, Umwelt, Einkommensungleichheit, Krieg, Nahrungsmittelknappheit, etc. erfahren will, findet hier eine große Datensammlung in Graphen (in English):
    https://ourworldindata.org/

    Da hat sich in den letzten 100 Jahren einiges getan
    Saleph ist offline

  8. #8 Zitieren
    Held Avatar von Raider
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    Zitat Zitat von Aria Beitrag anzeigen
    Gerade heute morgen gab es dazu einen Bericht auf 1live, wegen der sieben Jugendlichen, die einen Obdachlosen angezündet haben. Da wurde auch gesagt, dass Verbrechen generell seit langer Zeit zurückgehen und maximal mal um so 200 Gewaltverbrechen im Jahr in ganz Deutschland ansteigen. Da aber alles mittlerweile viel präsenter ist, wirkt das anders und daran sind nicht nur die Medien schuld, sondern auch Facebook und Co., wo dann sowas zehn mal geteilt wird.
    Vielleicht kommt es mir nur so vor aber ich habe den Eindruck, die Zahl der Gewalttaten, die nicht aus verständlichen Gründen heraus sondern schlicht und einfach aus Sadismus und Blutlust geschehen, werden entweder immer mehr oder werden zumindest immer deutlicher sichtbar. Ich meine abseits von Kneipenschlägereien, häuslicher Gewalt und derartigen Verbrechen dass immer mehr Menschen Gewalt von völlig Unbekannten angetan wird. Zwischen der Sache mit dem Obdachlosen, dem Mann, der eine wildfremde Frau an einer U-Bahnhaltestelle die Treppe herunterstieß... ich weiß nicht, dergleichen scheint vollkommen jenseits irgendwelcher verständlicher Gründe zu passieren und das ist es, was mich so ängstigt. Es ist so unverständlich.
    Love with your mouth shut, help without breaking your ass or publicizing it: keep cool, but care.
    Raider ist gerade online

  9. #9 Zitieren
    Drachentöter Avatar von Ulukai
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    Zitat Zitat von Sergej Petrow Beitrag anzeigen
    Das sind aber gerade mal 10 Millionen Einwohner.
    Das ist genau das, was mir an dieser globalisierten Ansicht Sorgen macht. "Gerade mal 10 Millionen". Bitte lies den Satz nochmal und überlege was daran falsch ist.

    Wenn wir anfangen immer globaler zu denken, und für uns Dimensionen von Millionen plötzlich als nichtig erscheinen, läuft irgendwas entschieden falsch


    MfG Ulukai
    "In 20 Jahren wirst Du dich mehr ärgern über die Dinge, die du nicht getan hast, als über die, die du getan hast. Also wirf die Leinen und segle fort aus deinem sicheren Hafen. Fange den Wind in deinen Segeln. Forsche. Träume. Entdecke." (Mark Twain)

    "Eine Direktwahl des Bundespräsidenten würde den Eindruck erwecken, dass es da noch eine letzte Instanz gibt, die autorisiert ist, notfalls das zu korrigieren, was die Regierung möglicherweise falsch gemacht hat." - Joachim Gauck zum Thema "Direktwahl des Bundespräsidenten durch die Bevölkerung."
    Ulukai ist offline

  10. #10 Zitieren
    Waldläufer
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    Nun gut, dann will ich mal versuchen zu schildern, wo für mich die positivste Entwicklung stattfindet und das auch begründen.
    Zunächst einmal bin ich der Ansicht, das unsere Spezies nicht einfach so zufällig vor sich hin existiert, sondern eine Aufgabe hat.
    Ich denke unsere Aufgabe ist es das Universum zu erforschen, zu hegen und zu pflegen.
    Der Beginn eines Weges der so einer Aufgabe gerecht werden könnte, sollte eine geeinte Menschheit sein , welche neue Planeten zwar auch als Eroberer, aber eben nicht mit dem ausschließlichen Willen der Ausbeutung betreten sollte.
    Vermutlich wird damit ziemlich deutlich, das ein geeintes Europa für mich eine Herzensangelegenheit ist und so wie ich die Möglichkeiten jeglicher personalen Entwicklung einschätze, muß es sich föderale Strukturen geben.
    Anders wird es nicht gehen.
    Derartige Volumen an Zusammenschlüssen sind in der Vergangenheit unserer Spezies niemals ohne den Willen zum Krieg möglich gewesen.
    Die Idee, das es auch ohne Krieg gehen könnte deute ich als enorme menschliche Entwicklung. Das ist dazu geeignet mir immer wieder Mut zu machen .

    P.S. Minuszinsen sind für mich ein Indiz dafür, das wir global vor wirklich epochalen Erneuerungen stehen, welche nicht nur die gesamte, westliche Kultur dazu bringen wird, sich neu zu definieren. So positiv das eigentlich auch für mich ist, selbst ein geeintes Europa, welches derartiges leisten könnte muß begreifen, das es nur ein Teil der Welt ist.

    MfG
    Musketeer
    In Memoriam Iris Christa Linke
    Musketeer ist offline Geändert von Musketeer (28.12.2016 um 12:17 Uhr)

  11. #11 Zitieren
    Dea Avatar von Aria
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    Zitat Zitat von Raider Beitrag anzeigen
    Vielleicht kommt es mir nur so vor aber ich habe den Eindruck, die Zahl der Gewalttaten, die nicht aus verständlichen Gründen heraus sondern schlicht und einfach aus Sadismus und Blutlust geschehen, werden entweder immer mehr oder werden zumindest immer deutlicher sichtbar. Ich meine abseits von Kneipenschlägereien, häuslicher Gewalt und derartigen Verbrechen dass immer mehr Menschen Gewalt von völlig Unbekannten angetan wird. Zwischen der Sache mit dem Obdachlosen, dem Mann, der eine wildfremde Frau an einer U-Bahnhaltestelle die Treppe herunterstieß... ich weiß nicht, dergleichen scheint vollkommen jenseits irgendwelcher verständlicher Gründe zu passieren und das ist es, was mich so ängstigt. Es ist so unverständlich.
    Ach, ich erinner mich noch vor Jahren an den Lehrer (?), der irgendwo dazwischen gegangen ist und dann starb. Dann wurde auch vor Jahren schonmal jemand in der Berliner U-Bahn verprügelt, ein ausländisch aussehender junger Mann wurde totgeprügelt an einer Bushaltestelle oder so und doch vor einiger Zeit auch dieses türkische Mädchen auf einem Parkplatz.

    Die Dinge liegen teilweise auch schon so weit zurück, da ging ich noch zur Schule.
    Aria ist offline

  12. #12 Zitieren
    Starfleet's Finest  Avatar von Jean-Luc Picard
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    Zitat Zitat von Raider
    Vielleicht kommt es mir nur so vor aber ich habe den Eindruck, die Zahl der Gewalttaten, die nicht aus verständlichen Gründen heraus sondern schlicht und einfach aus Sadismus und Blutlust geschehen, werden entweder immer mehr oder werden zumindest immer deutlicher sichtbar. Ich meine abseits von Kneipenschlägereien, häuslicher Gewalt und derartigen Verbrechen dass immer mehr Menschen Gewalt von völlig Unbekannten angetan wird. Zwischen der Sache mit dem Obdachlosen, dem Mann, der eine wildfremde Frau an einer U-Bahnhaltestelle die Treppe herunterstieß... ich weiß nicht, dergleichen scheint vollkommen jenseits irgendwelcher verständlicher Gründe zu passieren und das ist es, was mich so ängstigt. Es ist so unverständlich.
    Ich denke dass der Eindruck täuscht. Gerade diese willkürlichen Gewalttaten hat es schon immer gegeben. Es war bis vor einigen Jahren bloß eher selten eine Schlagzeile wert. Vor ca. 7 Jahren sind zwei Freunde von mir in der S-Bahn von zwei Typen mit einem Ziegenfuß krankenhausreif geprügelt worden; es war eine vollkommen willkürliche Tat. Es gab dazu nie etwas in irgendeiner Zeitung. Der Vater einer Kollegin von mir ist vor einem Jahr nachts von zwei Männern und einer Frau derart brutal zusammengeschlagen worden, dass er 4 Wochen im Krankenhaus lag und jetzt unter schweren Angstdepressionen leidet. Ich selber war schon häufiger Zeuge, dass kaputte Menschen völlig aus dem Nichts heraus auf andere einprügeln, eintreten, bespucken, anpöbeln oder was auch immer. Eine Bekannte von mir ist vor zwei Jahren völlig zusammenhangslos in der U-Bahn angespuckt worden und eine Frau hat gegen ihren Kinderwagen getreten, dem Kind ist zum Glück nichts passiert. Alle diese Dinge tauchen in aller Regel in den Zeitungen nicht auf. Das die Nachricht über den Typen, der die arme Frau die Treppen runter getreten hat so eine große Sache war, lag in erster Linie an den Videoaufnahmen. Und es liegt an dem veränderten Fokus der Medien. Aber gerade in Großstädten ist das tatsächlich nichts Neues. Es ist nur wesentlich präsenter und wird innerhalb kürzester Zeit berichtet, tausendfach kommentiert, in größere Zusammenhänge eingeordnet und politisch instrumentalisiert, von allen Seiten.

    Was die Statistiken angeht würde mich mal interessieren, auf welcher Basis man da jetzt gemessen hat? Extreme Armut heißt Hungertod oder kein sauberes Wasser oder was genau? Ich kann mir ehrlich gesagt nicht so ganz vorstellen, dass 1820 90% der Weltbevölkerung am Verhungern gewesen ist. Ich mag mich täuschen, aber mir scheint, dass hier irgendwie die Maßstäbe so gewählt worden sind, dass man besonders krasse Unterschiede heraus bekommt.
    [Bild: enterprise_d.gif]
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    ENERGIE !
    Jean-Luc Picard ist offline

  13. #13 Zitieren
    Legende Avatar von Orkjäger XD
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    Zitat Zitat von Raider Beitrag anzeigen
    ]werden zumindest immer deutlicher sichtbar.
    Ich glaube, dass dies der springende Punkt ist. Dazu kommt die Art der Berichterstattung. Ich bin auch der Ansicht, dass es insgesamt irgendwie bergauf geht, natürlich gibt es jedoch immer noch mehr als genug Baustellen und in einigen Punkten geht die Menschheit auch große Schritte zurück.
    So lange hier keine Sirenen erklingen,
    keine Soldaten durch unsere Fenster springen,
    keine Nachbarn nachts über Grenzen fliehen
    und unsere Kinder nicht mit Splittern von Grananten spielen,
    ist das meilenweit weg, geht uns das gar nichts an.

    Weil ja ein Einzelner nichts verändern kann.
    Da muss man dringend was tun, zumindest irgendwann.
    Es lebe das Leben unterm Tellerrand.
    Adam Angst - Splitter von Granaten
    Orkjäger XD ist gerade online

  14. #14 Zitieren
    Auserwählter Avatar von Pursuivant
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    Zitat Zitat von Jean-Luc Picard Beitrag anzeigen
    Was die Statistiken angeht würde mich mal interessieren, auf welcher Basis man da jetzt gemessen hat? Extreme Armut heißt Hungertod oder kein sauberes Wasser oder was genau? Ich kann mir ehrlich gesagt nicht so ganz vorstellen, dass 1820 90% der Weltbevölkerung am Verhungern gewesen ist. Ich mag mich täuschen, aber mir scheint, dass hier irgendwie die Maßstäbe so gewählt worden sind, dass man besonders krasse Unterschiede heraus bekommt.
    Nö, die meisten Menschen - selbst in Europa - lebten in Armut, weil der Verdienst, den z.B. ein deutscher Geselle bekam, nicht dafür ausreichte eine Familie zu unterhalten. In den Städten Norddeutschlands brauchte man einen wöchentlichen Verdienst von 3 1/2 Talern um eine Familie von 5 Personen zu unterhalten, Miete, Essen etc.! Ein Maurergeselle verdiente aber nur um die 3 Taler, also sparte man am Essen. Ein Weber verdiente nicht mal 2 Taler in der Woche.
    Pursuivant ist offline

  15. #15 Zitieren

    Community Hüterin
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    ich kann mich an einen kongress erinnern, der vor einigen jahren in berlin stattfand, bei dem es um armutsbekämpfung ging. denen hat man dann die wohngebiete in hellersdorf gezeigt, in denen unsere armen wohnen. stellt euch mal vor, wie beeindruckt die leute aus afrika von unserer armut waren.

    viele dinge werden wirklich schlecht dargestellt. die armutsdefinition sollte auch für deutschland geändert werden. aus meiner sicht ist arm, wer hungern muss oder kein obdach hat. so was gibts auch bei uns genug. sobald jemand in die "sozialen hilfen" kommt, ist er aus meiner sicht zwar ein armes schwein, aber nicht wirklich arm. arm sind die, die in syrien nicht nur ihr einkommen sondern auch ihr zuhause verloren haben. irgendwie stimmt alles nicht mehr zusammen.
    meditate ist offline

  16. #16 Zitieren
    Drachentöter Avatar von Ulukai
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    Zitat Zitat von meditate Beitrag anzeigen
    viele dinge werden wirklich schlecht dargestellt. die armutsdefinition sollte auch für deutschland geändert werden. aus meiner sicht ist arm, wer hungern muss oder kein obdach hat. so was gibts auch bei uns genug. sobald jemand in die "sozialen hilfen" kommt, ist er aus meiner sicht zwar ein armes schwein, aber nicht wirklich arm. arm sind die, die in syrien nicht nur ihr einkommen sondern auch ihr zuhause verloren haben. irgendwie stimmt alles nicht mehr zusammen.
    Fände ich eine blöde Definition, weil das meiner Meinung nach, das Problem verkennt.

    Es mag sein, dass die "Armut" eines HartIV-Empfängers, in Relation zu einem armen Kind in Afrika, absolut "lachhaft" ist, aber was hilft das der Armut und der individuell empfundenen Leiden des HartzIV-Empfängers? Es ist nicht so einfach, als könne man Armut mit irgendwelchen Relativierungen oder Beschwichtigungen lösen.

    Klar ist ein HartzIV-Empfänger prinzipiell abgesichert und ist nicht arm im schlimmst möglichen Sinne des Wortes. Er ist aber sozial ausgegrenzt, hat sehr wenig Zugang zu Bildung, Kultur und dem allgemeinen Konsum. Jetzt könnte man natürlich sagen: Konsum ist ja Luxus, es ist nicht schlimm, davon ausgeschlossen zu sein. Ich denke aber, dass Armut nicht als global standardisierter Zustand empfunden wird, an dem man sich selbst misst, sondern immer vom nähen Umfeld bestimmt wird. Heißt: In einer Gesellschaft von Superreichen, würde sich auch ein "Gutverdiener" wie eine arme Sau fühlen, einfach weil er aufgrund seines sozialen Status gesellschaftlich ausgeschlossen ist.

    Die Frage ist eben, ob wir Armut nur nach den absoluten Basis-Parametern bewerten: Essen, Trinken, Kleidung, Wohnung oder ob wir Armut auch als einen Mangelzustand begreifen, der Menschen in einer sozialen Gesellschaft von den dort vorherrschenden sozialen und gesellschaftlichen Geflogenheiten ausschließt oder es ihm unmöglich macht, von den Errungenschaften zu profitieren und darum auch psycholigische Demütigung erfährt.

    Wie gesagt, was bringt es einem HartIV-Empfänger, dass er nach globalem Maßstab als "eher wohlhabend" gilt, wenn der Ort an dem er lebt, ihm tagtäglich faktisch ausschließt?


    MfG Ulukai
    "In 20 Jahren wirst Du dich mehr ärgern über die Dinge, die du nicht getan hast, als über die, die du getan hast. Also wirf die Leinen und segle fort aus deinem sicheren Hafen. Fange den Wind in deinen Segeln. Forsche. Träume. Entdecke." (Mark Twain)

    "Eine Direktwahl des Bundespräsidenten würde den Eindruck erwecken, dass es da noch eine letzte Instanz gibt, die autorisiert ist, notfalls das zu korrigieren, was die Regierung möglicherweise falsch gemacht hat." - Joachim Gauck zum Thema "Direktwahl des Bundespräsidenten durch die Bevölkerung."
    Ulukai ist offline

  17. #17 Zitieren
    Waldläufer
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    Zitat Zitat von Ulukai Beitrag anzeigen
    Fände ich eine blöde Definition, weil das meiner Meinung nach, das Problem verkennt.

    Es mag sein, dass die "Armut" eines HartIV-Empfängers, in Relation zu einem armen Kind in Afrika, absolut "lachhaft" ist, aber was hilft das der Armut und der individuell empfundenen Leiden des HartzIV-Empfängers? Es ist nicht so einfach, als könne man Armut mit irgendwelchen Relativierungen oder Beschwichtigungen lösen.

    Klar ist ein HartzIV-Empfänger prinzipiell abgesichert und ist nicht arm im schlimmst möglichen Sinne des Wortes. Er ist aber sozial ausgegrenzt, hat sehr wenig Zugang zu Bildung, Kultur und dem allgemeinen Konsum. Jetzt könnte man natürlich sagen: Konsum ist ja Luxus, es ist nicht schlimm, davon ausgeschlossen zu sein. Ich denke aber, dass Armut nicht als global standardisierter Zustand empfunden wird, an dem man sich selbst misst, sondern immer vom nähen Umfeld bestimmt wird. Heißt: In einer Gesellschaft von Superreichen, würde sich auch ein "Gutverdiener" wie eine arme Sau fühlen, einfach weil er aufgrund seines sozialen Status gesellschaftlich ausgeschlossen ist.

    Die Frage ist eben, ob wir Armut nur nach den absoluten Basis-Parametern bewerten: Essen, Trinken, Kleidung, Wohnung oder ob wir Armut auch als einen Mangelzustand begreifen, der Menschen in einer sozialen Gesellschaft von den dort vorherrschenden sozialen und gesellschaftlichen Geflogenheiten ausschließt oder es ihm unmöglich macht, von den Errungenschaften zu profitieren und darum auch psycholigische Demütigung erfährt.

    Wie gesagt, was bringt es einem HartIV-Empfänger, dass er nach globalem Maßstab als "eher wohlhabend" gilt, wenn der Ort an dem er lebt, ihm tagtäglich faktisch ausschließt?


    MfG Ulukai
    Hallo ,

    was du da, aus meinem Blickwinkel als Anspruch, definierst, ist etwas was Politik gar nicht leisten kann und auch gar nicht leisten können sollte.
    Politik muß sicherlich Rahmenbedingungen schaffen, welche es jedem Bürger möglich machen an allen gesellschaftlichen Prozessen teilnehmen zu können. Jeden einzelnen an die Hand nehmen kann Politik aber nicht.
    Sie sollte es auch nicht versuchen, denn das führt von Eigenverantwortung\Selbstbestimmung weg und unter dem Strich müssen wir alle unseren eigenen Verstand gebrauchen und sind für uns selber verantwortlich.
    Nicht die Politik. Nicht die Gesellschaft.
    Eine sehr wesentliche Voraussetzung zur Teilhabe ist sicher eine gemeinsame Sprache. Ich erweitere das mal um den allgemeinen Begriff "Bildung".
    Wie viele Bildungswege es momentan in Deutschland so gibt weiß ich nicht, doch die mir bekannten Möglichkeiten bieten auch für Spätzünder\Seiteneinsteiger eigentlich genug Möglichkeiten die eigenen Fähigkeiten zu bilden.
    Welchen Weg die einzelne Person wählt, liegt eben an der Person selber. Ich versuche mal ein für mich nicht unrealististisches Beispiel aufzubauen.
    Wenn ich als Deutscher in ein deutsches Dorf ziehe, dann habe ich vermutlich keine Sprachprobleme. Doch die aufnehmende Gemeinschaft wird wissen wollen, was dieser neue Typ für einer ist.
    In der Regel findet man auf jedem Dorf eine freiwillige Feuerwehr, einen Schützenverein, Skatrunde in der Dorfkneipe, der örtliche Friseur\Taxidienst und ähnliche Dinge.
    Ich kann diese Angebote annehmen um zu zeigen, das ich dazugehören möchte, oder eben auch nicht. Mache ich das nicht, dann werde ich auch als Deutscher immer ein Fremder bleiben. Jemand, der nicht dazugehört, weil er das gar nicht will oder zu blöd dafür ist. Völlig unabhängig von meiner Bonität oder Bildung.

    MfG
    Musketeer
    In Memoriam Iris Christa Linke
    Musketeer ist offline

  18. #18 Zitieren
    O dulce nomen libertatis! Avatar von Alo
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    Die Weltgeschichte bewegt sich alles in allem immer in Richtung Fortschritt, allerdings im Schneckentempo.

    Allerdings sind wir von Zielen wie einer nachhaltigen Lebensweise, eine global-gerechteten Gesellschaft und "Weltfrieden" noch sehr weit entfernt.
    Mal davon abgesehen, dass es immer noch Sklaverei, Hexenverbrennungen usw. gibt. Probleme von denen man eher ausgeht, dass sie bereit "gelöst" sind.
    Alo ist offline Geändert von Alo (07.01.2017 um 10:29 Uhr)

  19. #19 Zitieren
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    Zitat Zitat von Sergej Petrow Beitrag anzeigen
    Wenn man den Nachrichten und Berichten folgt, aber auch der allgemeinen Stimmung, meint man, dass das Leben auf der Erde immer schlechter wird.
    Aber das ist faktisch einfach falsch.
    Es ist ein Unterschied, ob ich sage: 'Die Welt ist nicht schlecht' oder 'Die Welt wird nicht schlechter'!


    Nehme ich mal Ersteres -was ich leider nicht bejaen kann
    Es fragt sich bei deiner Aussage: Aus welchem Blickwinkel du urteilst... wie weit dein ersichtlicher Horizont geht??!
    Wir haben auf der Welt nach wie vor ungelöste Probleme, Misstände, Ungerechtigkeiten, Kriege, unbeantwortete Fragen....
    ..Es heißt doch: wir leben in einem Rechtsstaat - definiere mal den Begriff:
    Recht = .............................................


    (kannst du das nicht, so hast du einen Bildungsmangel!)
    Miranda M ist offline

  20. #20 Zitieren
    Feind von neun Welten  Avatar von Sergej Petrow
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    Keiner hat gesagt, dass es keine Probleme mehr gibt.

    Hier geht es um was anderes, was eigentlich auch aus dem Einleitungsbeitrag in Verbindung mit den Links hervorgeht. Um das Unwissen vieler, in wie vielen Punkten sich die Lage weltweit stetig verbessert hat. Schlimmer noch, aus dem Unwissen wird bei sehr vielen ein vermeindliches Wissen, dass sich die Situation in den genannten Punkten sogar noch dramatisch verschlechtert hat, obwohl das Ergebnis ein eindeutig anderes ist.

    Insofern passt da dein Beitrag Themenmäßig überhaupt nicht rein. Wenn Du über andere Themengebiete sprechen willst, kannst Du ja gerne ein Thread über deine ungelösten Probleme aufmachen.

    Da kannst Du dann auch über den Rechtsstaat und seine Definition diskutieren.
    Sergej Petrow ist offline

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