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    Ehrengarde numberten's Avatar
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    Nov 2014
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    [Bild: Larissa_klein.jpg] & [Bild: TxGIDkV4csRmordred_klein.png] & [Bild: zq0QcywsNnimueblaurot_klein.jpg]

    Nimue seufzte erleichtert als das Gasthaus in Sichtweite kam und mit jedem Schritt ihrer müden Füße zu einem fast schon palastähnlichen Gebäude anwuchs. Die Größe mochte übertrieben sein, doch vom Gefühl her erschienen der Magierin dieser Hauch von Zivilisation und die Aussicht auf ein echtes Bett in einer überdachten Stube wie eine Einladung ins Gästequartier des Königsschlosses. Für das von den Zwergen empfangene Geld hatte sie sich dort nichts kaufen können, denn Morgana hatte sich die einzige brauchbare Decke unter den Nagel gerissen. Diese Laune fand auch keinen Abbruch in der Tatsache, dass sie sich das Zimmer mit Mealla teilen musste. Die Kopfgeldjägerin war ihr von allen Fünf die liebste. Sie besaß die Gabe des Schweigens, was sie zu einer unschätzbaren Reisegefährtin machte. Die Taverne wurde dem äußeren Eindruck gerecht. Natürlich konnte man hier keinen so hohen Standard erwarten wie in den Städten des Landes, doch gemessen an dem Umstand, dass es eine der Reisetavernen war, die häufig fahrendes Volk und zuweilen auch dubiose und gefährliche Gestalten beherbergte, war sie überaus gepflegt, ja fast schon reinlich. Nimue nahm den Schlüssel an sich, den der Wirt ihr reichte. Die Bezahlung erfolgte durch das Zusammenlegen einiger Münzen, die mit mehr oder weniger Schwierigkeit aus den Taschen der Gefährten wanderten. Mordred legte einen Taler auf den Tresen, zog dann den Klotz Hacksilber und lieh sich ein kräftiges Messer, um dem Wirt eine Ecke von der Größe eines Kinderfingernagels abzutrennen. Im Gegensatz zu dem meisten der Anderen war er sich bei der Wahl damals in der Räuberhütte über den Wert des Silberbarrens sehr wohl bewusst gewesen, denn gerade hatte er eine Weinkaraffe für sofort mit der Münze und Essen, Trinken und ein Bett sowie das Frühstück mit dem Silberstück bezahlt. Der Wirt beäugte es vorsichtshalber, steckte es dann, als er Mordreds beleidigte Miene sah, rasch in die Tasche und nickte zustimmend.

    Nachdem die Sechs ihr Gepäck auf die drei verschiedenen aber in einem einzigen Flur liegenden Zimmer verteilt und unnötige Ausrüstung abgelegt hatten, jeder behielt mindestens eine Klinge bei sich denn diese Art der Gasthäuser barg manchmal unbekannte Gefahren, kehrten sie wieder in den Wirtsraum zurück. Er war größer, als man es vermutet hätte und mit getünchten Tüchern ausgestattet, die wie Wandteppiche die Kahlheit aus dem Raum verbannten. Nimue, die als Erste in den Raum ging, sicherte sich gleich ein vielversprechendes Schafsfell als Sitzunterlage. Da sie fast allein im Schankraum waren, konnte Nimue frei einen Tisch für die Gruppe wählen. Sie entschied sich für eine längliche Tafel aus rötlichem Holz, legte das Fell auf die lange Bank davor und ließ sich darauf nieder. Dann verschränkte sie die Finger ineinander und wartete auf die übrigen Reisenden. Sie musste nicht lange warten, da trat schon Larissa auf den Plan, gefolgt von einer in Schweigen gehüllten Morgana.
    Larissa hatte das zugewiesene Zimmer mit gemischten Gefühlen betreten. Scham und Schuld, Ärger und Wut über die Situation und überhaupt alles und der unbestimmte Gedanke, dass all diese Gefühle nichtig waren. Es war zu spät, wieso sollte sie sich noch immer damit befassen? Das Herz gehorchte leider niemals der Logik und so betrachtete sie die Betten und den Raum an sich. Zu ihrem Glück waren die Betten separat voneinander, denn obwohl Larissas Zorn nicht wirklich gegen Morgana gerichtet war, würde sie ihre Nähe in der Nacht nicht ertragen können. Das wusste die Hexe anscheinend, denn sie schwieg betreten und entledigte sich der überschüssigen Ausrüstung. Auch Larissa warf nun Rucksack und Schwert, Mantel und Bogen, Köcher und Pfeile auf das Bett, das dadurch vollkommen ausgefüllt wurde. Die Betten waren sauber aber sehr schmal und recht klein. Für die zierliche Dalish wäre es kein Problem, wie es sich bei den größeren Personen, also Morgana und Nimue und allen voran Artur verhielt, konnte sie nur schwer vermuten. Nimue würde vermutlich zur Not wieder zur Katze werden und Morgana war Schlimmeres gewohnt. Ohne zweiten Blick ins Zimmer schaute Larissa ihre Freundin an und sagte: „Wollen wir?“, während sie zur Tür nickte. Die Hexe bejahte und beide verließen das Zimmer, das von Morgana umsichtig abgeschlossen wurde. In der Stube angekommen setzten sie sich zu Nimue, beide mit sichtbaren Widerwillen in den Augen. Morgana hatte Nimue noch nie leiden können und nun, da sie im Dalishcamp ihr wahres Gesicht gezeigt hatte, mochte auch Larissa sie nicht mehr. Die Zauberin nahm daran wie gewohnt keinen Anstoß. Während der Wirt herankam und trockenes Brot und verdünnten Wein und Bier brachte, kamen Artur und Mordred hinzu. Die beiden Männer wirkten so gut wie neu und zehn Jahre jünger, was zumindest bei Mordred ein Kompliment war. Aus frisch rasierten Gesichtern lächelten sie die Damenschar an. Schließlich schloss sich ihnen noch Mealla an. Die Kopfgeldjägerin hatte das lange braune Haar gelöst und ließ es nun wie einen Schleier über ihren Rücken fließen. Ohne Harnisch wirkte sie so unbedrohlich wie bei ihrem ersten Treffen.
    Der Wirt und seine liebreizende Tochter servierten reichlich Eintopf. Er schmeckte vorzüglich und war jeden Bronzetaler wert. Larissa aß langsam, bedacht, umsichtig und so wohlportioniert, dass Mordred schon fast Angst hatte, sie hätten die falsche Dalish aus dem Lager mitgenommen. War das wirklich die Larissa, die sonst immer ungefähr die Menge an Nahrung verdrückte, die die anderen Fünf zusammen aßen ohne dabei auch nur ein Gramm zuzunehmen? Ihren Appetit schien die Elfe bei dem Clan zurückgelassen haben, hatte sich dafür jedoch anscheinend ein paar Manieren mitgenommen, denn als etwas von dem Eintopf ihr Kinn bekleckerte wischte sie es nicht wie es sonst ihre Art war mit dem Ärmel weg oder ließ es gar da verweilen bis sie fertig war – wieso mehrfach wischen? – sondern nahm eines der Tücher, die zum Eintopf gereicht wurden und wischte sich damit ab.
    Nach einer halben Stunde genusswürdigenden Stillschweigens, das nur vom Kauen und hin und wieder dem Schlürfen von Bier oder Wein unterbrochen wurde, waren alle satt. Die sechs Gefährten saßen nun im Dämmerlicht dreier Kerzenständer, die auf der langen Tafel zwischen ihnen aufgestellt wurden und taten sich an den Karaffen gütlich. Gesprochen wurde wenig. Vorerst. „Lady Seren“, begann Mordred schließlich als die Stille ihm zu unerträglich wurde. „Ich reise nun schon eine Weile mit Euch und doch weiß ich kaum mehr über Euch, als über unseren neuesten Neuzugang, die schöne Lady Viridis. Nun wo wir in ruhiger Runde zusammensitzen, als Überlebende einer Schlacht in einer Ruine, die so sonst nur in Märchen existieren kann, als Durchquerer eines Waldes so wild, dass selbst die Vegetation eine Urtümliche zu sein schien und als ehemalige Gäste eines Clans ehrwürdiger Elvenha, da könnt Ihr uns doch eigentlich mehr von Euch erzählen, oder?“ Er lächelte sie über den Tisch hinweg an, denn auf der rechten Seite saßen Mordred, Morgana und Larissa, auf der linken Seite Nimue, Artur und Mealla. „Nun, bei der Schlacht in der Ruine könnt Ihr Euch ja fast ausklammern, Schwertmeister“, versetzte sie ihm einen verbalen Seitenhieb, der wie sie befriedigt feststellte, saß. „Zudem weiß ich nicht, ob meine Person hier überhaupt irgendwen interessiert.“ „Wenn nicht alle, dann zumindest mich“, antwortete Mordred. Zu seiner Überraschung nickte Larissa, wenn auch mit feindseliger Miene. Nimue seufzte, hob wehrlos die Hände und ließ sie wieder sinken. „Irgendetwas Spezielles?“ Mordred fiel da tatsächlich etwas sehr spezielles ein, beschränkte sich aber auf die Frage:„Wie wäre es mit Eurer Funktion im Zirkel? Ihr seid offensichtlich keine Lehrerin im Zirkel.“ „Das stimmt nur zu Hälfte, aber tatsächlich verbringe ich mehr Zeit außerhalb des Zirkels, als die meisten anderen Magier.“ „Als Heilerin?“, fragte Mordred. „Auch. Aber auch als Bannbrecherin, wie an dem Tag, an dem ich auch Euch traf. Der Zirkel vertraut mir und zuweilen werden meine Fähigkeiten im Erkennen und Aufheben von Flüchen auch auf der Jagd nach Maleficare benötigt.“ „Blutmagier“, sagte Mordred angewidert. Er hatte zwar mit Tevinter gegen die Qunari gekämpft, die Blutmagie, die es dort gab jedoch stets verabscheut. Auch Larissa überlief ein Schauer, sodass sie sich schüttelte und leise sagte sie: „Auch in meinem Volk wird die Blutmagie gering geschätzt.“ „Mit Recht“, fuhr Nimue fort. „Blutmagie ist abscheulich und verabscheuungswürdig. Eine schreckliche Macht, entsprungen aus Leid und Bosheit.“ Larissa, die den Kopf während des Gelages auf die verschränkten Arme gebettet hatte, die wiederum auf der Tischplatte lagen, hob den Kopf. „Also… ist die Blutmagie stärker?“ „Nein! Schneller, leichter, verführerischer. Und begibt man sich einmal auf diesen Pfad, ist es schwer ihn wieder zu verlassen. Nicht jeder Abtrünnige greift zur Blutmagie, aber diejenigen, die aus dem Zirkel fliehen bedienen sich ihr oft oder haben zumindest genug Wissen, um es zu tun. Daher ist es auch die unabdingbare Pflicht der Templer und der Magier, sie wieder zum Zirkel zurückzubringen.“ Larissa warf einen schnellen Seitenblick zu Morgana, Nimue und Mordred vermieden es indes sie anzuschauen. Nimue goss sich roten Wein in einen Kelch und setzte ihn an die Lippen. Sie verzog das Gesicht, denn ihrer Meinung nach war der Wein zu wässrig. Andererseits hatte sie sich damit abgefunden, dass sie auf dieser Reise keine großen Ansprüche stellen konnte. „Ihr habt also Abtrünnige gejagt? Erzählt!“ Wieder seufzte Nimue, entschied dann aber, dass man sie ohnehin nicht in Ruhe lassen würde. Wieso hatte sie sich bloß auf dieses Gespräch eingelassen? „Nun gut. Ich erzähle euch von der Jagd, bei der mir klar wurde, wie gefährlich verlorene Seelen sind. Ich habe die fliehenden Magier immer bedauert, weil sie sich nach einem Leben sehnen, dass in ihrer Fantasie so ideal erscheint und in Wirklichkeit so grausam ist. Ich dachte, dass sie sich kurz die Zunge verbrennen würden und dann zum Zirkel zurückkehren. Manche taten es… manche nicht.

    *

    Nimues Haar fiel in schweren Locken bis zu ihrer Hüfte. Honigblond rahmte es das Gesicht ein, das überall mit feinen Sommersprossen gesprenkelt war und dessen anthrazitfarbene Augen so kalt waren, dass sie mit schwarzer Flamme zu brennen schienen und dass ihr die Damen und Herren des Hofes neugierige und doch furchtsame Blicke zuwarfen. Das Haar wippte leicht bei dem Gang durch den Ballsaal. Nimues Gestalt war auffällig unauffällig. Das Gesicht eines jungen Mädchens, die Figur einer Frau, verpackt in ein Kleid aus schwarzer Seide, mit einem Korsett verjüngt. Sie wirkte gebrechlich und bewegt sich wie ein Schatten durch die Gäste. Der Ballsaal war nicht groß, nicht so pompös wie die Bälle in Orlais oder Nevarra. Es war ein kleines Fest, mehr Schein als Sein in dem sich die Adligen Amaranthines mit Komplimenten überhäufen und über wehklagten. Irgendetwas gab es schließlich immer zu jammern. Die Ernte war zu gering ausgefallen, die Bauern waren aufsässig weil die Steuern erhöht wurden, die Überfälle durch Piraten nahmen zu oder, oder, oder. Dieses bornierte Volk von Hochgestellten trank und lauschte den Klängen dreier Barden und einer Bänkelsängerin während sich irgendwo in der Gesellschaft ein Abtrünniger versteckte. Nimue wusste es, die beiden Templer die in lange Mäntel gehüllt an den Ausgängen standen wussten es und die drei eingeweihten Soldaten wussten es. Gesucht wurde ein junger Bursche dessen Namen Nimue noch nie zuvor gehört hatte. Er war ausgebrochen, unvermittelt und gut geplant. Bis dahin war er nie aufgefallen, doch brauchten die Templer nicht einmal sein Phylakterion um zu wissen, wohin er unterwegs war. Sein Stiefvater war einer der örtlichen kleinen Lords und er stand keine zwanzig Schritt von Nimue entfernt, lachte über einen witzlosen Spaß und wusste nicht, dass sein Stiefsohn sich an ihm rächen wollte. Die Leidensgeschichte des Jungen war traurig, aber auch nicht bewegender als bei vielen anderen Schülern. Ohne Vater aufgezogen heiratete seine Mutter bald einen fahrenden Ritter. Eine gute Partie für den Mann und er sagte ihr zu, dass er ihr Kind wie sein eigenes behandeln würde. Das war natürlich eine Lüge gewesen, doch lange Zeit konnte der Ritter und neu erhobene Lord nichts tun. Als dann jedoch die Magiebegabung des Jungen entdeckt wurde, witterte er seine Chance und versuchte die Mutter davon zu überzeugen, den Jungen lieber in den Zirkel zu bringen. Mutter und Sohn weigerten sich und der Lord gab zähneknirschend nach. Ohne sie wäre er ja schließlich wieder ein Niemand. Dann, ob durch Fügung oder etwas anderes, wendete sich das Blatt für ihn, denn die Mutter starb im Schlaf und keine Woche später wurde der junge Adlige in den Zirkel gebracht. Der mittlerweile schon ältere Lord sollte ihn also nie wiedersehen… bis jetzt.
    Um nicht aufzufallen tippelte Nimue an eine Gruppe junger Lords heran und ließ sich von ihnen auf ein Tablett aus Silberit feinste Häppchen auflegen und besten Wein aus Antiva einschenken. Die Anwesenheit der Magierin, von deren Berufung sie natürlich nichts wussten, freute die Anwesenden. Immerhin waren sie Lords und der blonde Lockenkopf wuselte schon den ganzen Abend zwischen den Gästen umher, als sei sie nirgends zuhause. Die Männer grinsten schief, denn einsame Frauen auf diesem Ball bedeuteten eine schnelle Vergnüglichkeit unter dem Vorwand einer lohnenden Partie. Dann lachten sie, als sie erkannten, dass sie alle dasselbe dachten. Nimue hingegen interessierte diese Schwachköpfe in den bunten Livreen ihrer Familien nicht. Die Onyxsteine, die ihre Augen waren, huschten suchend zwischen den Gästen umher. Manchmal schloss sie die Augen und konzentrierte sich, sandte eine Welle arkaner Energie aus, vorsichtig, sinnlich, nur ein schwaches Echo um keinen Verdacht zu erregen und dann spürte sie die unmissverständliche Anwesenheit eines anderen Magiers. Von einer Zeichnung her wusste sie, wie er aussah. Er wusste jedoch nicht, wie sie aussah, denn sollte er Nimue im Zirkel jemals über den Weg gelaufen sein, hätte er sie nur mit ihrer natürlichen braunen Haarfarbe und Länge und auch den naturbraunen Augen gesehen, die Haare zu einem strengen Pferdeschwanz zusammengebunden und den Nacken peitschend. Man hätte sie sicherlich gerne als Spionin eingesetzt, doch Nimue hatte keinerlei Verlangen nach Ränkespielen. Es kümmerte sie nicht, welcher adlige Hintern gerade den Thron dieses oder jenen Arltums wärmte und Cailan, den sie wiederum sehr schätze, war ein friedliebender und diplomatisch geschickter junger Mann, der immer mit offenen Karten zu spielen schien.
    Ein lauter Knall ließ den Saal in seine Grundfesten erzittern als ein magisches Blitzgeschoss durch den Raum zuckte und einen der drei Wachsoldaten zerbersten ließ wie eine organische Vase. Sofort hoch lautes Gekreische an, vermischt mit dem ohrenbetäubenden Scheppern und Klirren fallender Platten und Gläser. Wachen und solche Adlige, die zur Deko Schwerter trugen, rissen ihre Waffen aus den Scheiden; die einen um zu wirken, die anderen um zu scheinen. Nimue erhaschte einen Blick zu der flüchtenden Person, ein Junge mit schwarzen, wirren Haaren der sich durch die fliehende Menge auf seinen Stiefvater zubewegte und damit in den Händen ein Gewirr magischer Blitze heraufbeschwor. Anscheinend hatte eine der Wachen den Mann erkannt und war zu unvorsichtig gewesen, als sie ihn festnehmen wollte. Der junge Kerl hatte die Wache getötet und wollte nun die Gelegenheit nutzen, den verhassten Stiefvater zu erledigen. Mit langen Schritten und wehendem Kleid stöckelte Nimue in die Mitte des Raumes wo der ältere Lord den auf ihn zusteuernden Jungen sah und ihn offenbar erkannte. Schockstarre lähmte das Gesicht des Lords und ließ es zu einer hässlichen furchtsamen Grimasse werden. Abwehrend hob er die Arme. Vergeblich. Der Junge brüllte etwas Unverständliches und schleuderte den Zauber gegen den Stiefvater. Mit einen Knall, der alle noch nicht umgestürzten Gläser zerspringen ließ explodierte das Geschoss nur eine Armlänge vor dem Lord entfernt in der Luft. Nimue stand neben ihm, die Hände erhoben, die verkrampften Finger der rechten Hand ausgestreckt ein Zeichen formend, bei dem kleiner und Zeigefinger gestreckt waren, die restlichen zur Faust geschlossen. Die Wucht der Beschwörung warf den Jungen zurück und einen Moment erschien es Nimue, als wolle er anfangen zu weinen. Vielleicht war dem auch so, doch wenn, dann ließ er es sich nicht anmerken sondern wandte sich zur Flucht als er bemerkte, dass Nimue eine Magierin war und dementsprechend die Templer nicht weit sein konnten. Schon warf einer seinen Kapuzenmantel ab und zog das Schwert, der andere blockierte mit einem Streitkolben und einem Schild der Wache den einzigen Ausweg, der nicht durch die panische Menge der dem Ausgang entgegenstrebenden Gäste führte. „Gebt auf!“, rief Nimue und ihr junges Gesicht verzerrte sich böse. Der Kerl konnte nichts für den Schmerz in ihrem Nacken, der immer dann auftrat, wenn sie mit ihrer Barriere Angriffe abfing. Je heftiger der Angriff, desto stärker der Schmerz und der Junge hatte mit all seiner Macht angegriffen. Mittlerweile hatte der alte Lord seine Körperbeherrschung wiedergefunden und stürzte ohne ein Wort ebenfalls zum Haupttor um sich dem Geschiebe anzuschließen. Der junge sah sie unter dicken Augenbrauen hervor an, voller Hass und Abscheu und Nimue hatte ihn noch nie gesehen. Den arkane Bolzen, den er gegen sie schickte ließ sie mit einem Schnippen verpuffen. Jetzt kamen auch die Templer näher. „Gebt auf“, sagte Nimue, diesmal weniger bedrohlich, sondern eher so als rede sie davon, er solle den Versuch aufgeben eine dicke Eiche zu pflücken. Ihre Finger entkrampften sich. Ein Fehler. Mit einer Macht, die Nimue ihm nicht zugetraut hätte schickte er einen Geistschlag aus, der die beiden Templer straucheln ließ, Nimue jedoch komplett von den Füßen riss. Hart landete sie auf dem Rücken und nur der ausgelegte Teppich verhinderte, dass sie sich nicht den Kopf an dem darunter befindlichen Stein aufschlug. Dennoch tat es höllisch weh und während Nimue versuchte die pulsierenden Wellen süßlich-betäubenden Schmerzes zu ignorieren hörte sie die Templer fluchen. Sie richtete sich auf und einer der Templer half ihr auf die Beine. Sie sah noch den anderen Templer hinter den beiden anderen Wachen in den schmalen Gesindegang hechten, der für das Personal gedacht war. Zusammen mit dem Templer stürzte sie ihnen nach.
    Und da war es. Das Wesen, das einst ein Junge war. Noch nicht ganz verwandelt zuckte der Körper wie wild umher. Blut schoss aus einer Wunde im Bauch, ein Stilett lag am Boden. Der Junge stand mit dem Rücken zu einer verriegelten Holztür, vor ihm die Wachen. Der Gang war jedoch so schmal, dass nur eine Person zurzeit hindurchpasste und der erste Wachmann hatte zu viel Furcht sich dem Wesen zu näheren, unbeachtet der wilden Rufe des Templers: „Erschlagt es! Erschlagt es, ehe es verwandelt ist!“ Doch zu spät! Das Gesicht des Jungen wurde runzlig, die blassrosane Hautfarbe eines Jungen, der die Pubertät gerade hinter sich gelassen hatte wich einem aschgrauen Ton, die Spannkraft der Haut verließ sie und ließ sie sich wellen wie nasses Leder. Die Augen explodierten in einem Schein gelblichen Lichtes und dort wo einst ein Gesicht war, war nun eine geifernde Fratze mit Augen von der Farbe von Eiter. Der Junge, das Wesen war um fast das doppelte Gewachsen und sein buckeliger Rücken schabte an der runden Decke des Gesindeganges. Es lachte. Ein ungesundes, freudloses Lachen das tief aus dem Nichts und Hass entsprang. Nimue schluckte. Furcht erfasste sie und mutierte langsam zu echter Angst. Es war ihre vierte Jagd und noch nie war etwas derart schief gelaufen. Der zweite Wachmann wandte sich um und versuchte zurück zur Haupthalle zu fliehen, stieß dabei seinen Kameraden vorwärts, dicht genug dass das Wesen ihn mit einem Hieb der krallenbewehrten Klaue erwischte. Blut spritze gegen die dunkelgrauen Wände der Mauer als das Wesen den ledernen Helm wie Butter zerteilte und den Kopf des Wachmannes aufriss. Das Wesen lachte, der letzte Wachmann schrie, der Templer fluchte und Nimue spürte, wie ihre Blase Alarm schlug. Ein Abend voller Wein und die einflößende Furcht vor einer Abscheulichkeit mit der man auf wenige Meter eingesperrt war, vertrugen sich nicht gut…

    *

    Nimue stoppte ihre Erzählung, griff nach dem Weinbecher und schwenkte das Gesöff darin. Dann nahm sie einen Schluck. Sie hatte sich an diesem Tag nicht eingenässt, hatte jedoch eine tiefsitzende Furcht kennengelernt und eine Abscheu gegen Blutmagie. „Das Wesen hat die Tür hinter ihm zerschlagen und ist durch die Küche geflohen und hat dabei alles niedergemetzelt, was ihm in den Weg kam. Zwanzig Bedienstete, zwanzig! Frauen und Kinder gleichermaßen. Abscheulichkeiten kennen keine Gnade.“ Mittlerweile war sie gefasst und konnte die Begebenheiten der Nacht als trockenen Bericht wiedergeben, doch damals hatte sie lange gebraucht um es zu verarbeiten und in ihrer ersten Nacht zurück im Zirkel hatte sie so lange in ihr Kissen geweint, bis es zu nass zum Schlafen war. Sie hatte verstanden, dass diese Welt eine Verfehlte war und dass die Kirche log. Sie hatte verstanden, dass es keinen Gott gab, dafür aber Monster in der Gestalt von Menschen die ihr Blut und das von Fremden opfern würden, um den leeren Platz des fehlenden Gottes einzunehmen. „Um der Geschichte ein Ende zu geben: wir haben ihn gestellt, ich konnte ihn solange betäuben, bis die Templer… bis sie…“ Sie räusperte sich. „Bis der Dämon vernichtet werden konnte.“ Sie nahm noch einen Schluck Wein während die anderen noch immer gespannt lauschten, obgleich sich nach der Auflösung die Erleichterung hörbar Luft verschaffte. „Blutmagier sind so verdammt schwache Wesen“, sagte Nimue an niemand besonderen gerichtet und den Blick in den Wein versenkt. Allgemein zustimmendes Nicken. „Nun, ich hoffe ich konnte Eure Neugierde zumindest ein wenig befriedigen, Schwertmeister.“ Mordred schluckte laut, dann nickte er und sagte: „Natürlich. Vielen Dank, dass Ihr es uns erzählt habt.

    Mittlerweile hatten sich in dem Gasthaus mehrere Reisende eingefunden, deren Betrachtung jedoch kaum wert war. Ein oder zwei Meldereiter, eine kleine Gruppe mutmaßlicher Söldner, zwei Kaufmänner die laut über Leitzins debattierten und ein mit Pfeil und Bogen ausgerüsteter Jäger in grün und braun gekleidet, dessen hageres Gesicht im Schatten lag und nur hin und wieder durch das Glimmen in seiner langstieligen Pfeife erleuchtet wurde. Da Nimue eine der größten Tafeln beansprucht hatte, kamen die beiden Kaufmänner hinzu und ließen sich so Abseits wie möglich von ihnen nieder. Erst setzten sie ihr Gespräch mit pekuniärem Charakter fort, dann jedoch schwenkte das Thema zur Unsicherheit der Reise, darunter auch auf Highever. „Entschuldigt, meine Herren“, sagte Mordred und neigte sich vor. Die Kaufleute unterbrachen sich und schauten herüber. Der eine kam ganz klar von sehr weit weg, denn seine Kleidung war bunt wie das Gefieder eines Papageien – diese Vogelart, die man nur in Rivain fand – während der Andere durchaus heimisch sein konnte. Die Beurteilung der scheußlichen grauen Kleidung mit Saum aus Seerobenfell überließ Mordred jedoch lieber einem der Fereldener in seiner Gruppe. „Ich wollte nicht lauschen, kam jedoch nicht umhin mitzubekommen, dass ihr von unsicherer Reise sprecht. Meine Gefährten und ich wollen nach Orzammar, ist der Weg etwa versperrt?“ „Versperrt? Der Weg ist nicht versperrt“, ereiferte sich der dickere der Beiden, der Bunte an dessen Ohrläppchen riesige Goldringe baumelten. „Aber es ist sehr unsicher. Vielleicht nicht für einen verwegenen Haufen wie den Euren, Mesere, aber für unsereins.“ Er zuckte die fetten Achseln. „Marodierende Banden im Teyrnir Highever. Angriffe auf die Männer des Arls und damit des Königs!“ Als die schockierte Reaktion ausblieb setzte der Andere an: „Unser gütiger Herrscher Rendon Howe hat das Teyrnir Highever vor einiger Zeit den verräterischen Couslands abgenommen und die hiesige Bevölkerung der Knechtschaft durch die Despoten befreit.“ Mordred hob die Augenbraue während Nimue verächtlich schnaubte, wie es so ihre Art war. Sie wusste, dass die Couslands vieles waren, aber sicherlich keine Verräter. Dieser Titel stünde eher Howe zu, der sich schon in der Vergangenheit aufgrund zwiespältiger Manöver den Ruf eines Opportunisten erarbeitete hatte. „Nun, wir werden vorsichtig sein!“, sagte Mordred harsch und würgte so den fetten Kaufmann ab, der gerade darüber meckern wollte, dass diese Marodeure ihm das Geschäft verhagelten. Stattdessen wandte er sich an seine eigene Gruppe. Die Kerzen waren schon über die Hälfte niedergebrannt und beleuchteten den Tisch auf geheimnisvolle Weise. „Ärger in Highever. Aufstand der Freisassen gegen ihren neuen Gebieter vielleicht? Was meint ihr? Ändern wir die Reisepläne oder betrachten wir die internen Machtkämpfe als Petitesse?“ Larissa zuckte zur Antwort mit den Schultern und presste die Lippen aufeinander. Ihr war und blieb egal, wohin der Weg führte. Dalishelfen gingen stets dahin, wo die Schicksalswinde sie hintrieben. Nimue hingegen schaute Mordred durchdringend an und einen Moment hätte er schwören können, sie habe noch immer die schwarzen Augen, von denen sie in der Geschichte gesprochen hatte. „Ich war bereits bei den Couslands. Sie sind… sie waren eine mächtige und beliebte Familie. Wenn es dort zu Kämpfen kommt, dann nicht auf Befehl der Couslands. Wenn Howe das Teyrenir unterworfen hat, die Couslands aber noch die eigenen Truppen befehligen… oder es sind nur Widerstandskämpfer… hmmm“, sie brummte nachdenklich und legte dabei die Finger an die Lippen. „Widerstandskämpfer machen vermutlich keinen Unterschied und werden uns als Söldner sehen, die mutmaßlich für die Howes kämpfen… hmmm….“ Nimue trank einen weiteren Schluck Wein und stellte den Becher ausgesucht heftig ab. „Der Weg nach Orzammar führt jedoch durch Highever, es sei denn wir wollen durch das Bannorn ausweichen. Das wird jedoch dieser Tage kaum sicherer sein und mit Rebellen kann man immerhin noch besser verhandeln, als mit der Dunklen Brut.


    [Bild: nBNIRitter_940_mini.jpg][Bild: 14jlgz1i9WTcPy6veMorgana_mini.jpg][Bild: Mealla_portrait.jpg]

    Schließlich hatte sich die Gemeinschaft an der gemeinsamen Tafel eingefunden wo sie sich an dem dargebotenen Gemüseintopf gütlich tat. Die Frau des Wirtes hatte sich offensichtlich Mühe gegeben und der Eintopf widersprach dem allgemeinen Ruf dem sich die fereldische Küche oft aussetzen musste. Nach dem Essen trat zuerst eine gewisse Stille ein, Mealla nippte zunächst mit leichtem Widerwillen an dem in Zinnbechern ausgeschenkten Wein. Im Gegensatz zum Essen legte sie beim Wein normalerweise einen gewissen Anspruch an den Tag. Natürlich war es klar das man irgendwo in der Pampa keine Gläser bekam, aber musste der Wein dann noch diese saure Note haben? Vielleicht war sie in dieser Hinsicht auch verwöhnt kam sie doch aus dem sonnigen Norden, mit seinem üppigen Weinstöcken. Hier in Ferelden musste man wohl schon froh sein das überhaupt Wein wuchs, der Boden war schlecht dafür und es gab nicht genügend Sonne. Ohne Tevinter und Orlais hätte vermutlich niemals eine Weinrebe ihren Weg in den Süden gefunden. Mit der Erkenntnis das es wohl nichts besseres geben würde, nahm sie einen größeren Schluck. Ganz offensichtlich hatte der Wirt den Wein mit Wasser verdünnt um den sauren Geschmack zu verwässern. Lustig was man in Tevinter tat um nicht direkt betrunken zu werden, tat man hier um es überhaupt trinken zu können. Während die Elfe leicht abschätzig den roten Saft herunterschluckte, kam zu Tische ein anderer roter Saft und dessen Verwendung zur Sprache. Auf Nachfrage von Mordred erzählte Nimue etwas über ihre Arbeit im Zirkel, ein Thema das auch Mealla interessierte. Wenn sie ehrlich war wusste sie recht wenig über die Zirkel des Südens und brachte manchmal noch das eine oder andere durcheinander. Die Worte der Magier bachten die Elfe innerlich zum Schmunzeln. In Tevinter hätte man sie für diese Rede vermutlich belächelt, oder ihr vordergründig zugestimmt. Hinterrücks hätte man jedoch begonnen ihr jede Aufstiegschance zu verwehren, zumindestens wenn sie an die richtigen Leute geriet. Andere hätten sich vielleicht persönlich angegriffen gefühlt und sie an Ort und Stelle umgebracht, oder die Magierin im Schlaf meucheln lassen. In Tevinter drohten Dolche, hinter jedem Lächeln und netter Geste.
    Morgana hatte zwar wenig Lust auf eine weitere Selbstdarstellung der Zauberin, welche wie gewöhnlich gekoppelt war mit einer netten Predigt über die Bösartigkeit der Blutmagie. Was war schon Blutmagie? Die fünfte Schule der Magie und wie jede andere hatte sie Möglichkeiten zum Bösen eingesetzt zu werden. Morgana konnte ein Dorf mit der urtümlichen Schule zerstören, dafür brauchte man keine Blutmagie, dennoch war es verabscheungswürdig. Es war nicht die Magie welche abscheuliche Taten vollbrachte, sondern die Person welche sie dafür einsetzte. Die Grauen Wächter hatten in den Verderbnissen Blutmagie gegen die Brut eingesetzt, machte das die Siege weniger entscheidend? Von Larissas Aussage war sie nicht sonderlich überrascht, sie hatte sich schon gedacht das die Dalish von so einem Clan kam. Allerdings ließ sich das nicht auf die Dalish und die elfische Kultur allgemein übertragen. Manche Clans wandten Blutmagie ein, denn in der Kultur der Elfen gab es zunächst keine Unterscheidung zwischen Geister und Dämonen, für sie waren es nur Geister. Auch das Reich von Arlathan, mit seinen überdauernden Mauern, seinen Nemutori und den Varterrals war mit Hilfe dieser Geistern und der von ihnen gegebenen Magie entstanden. Solche mächtigen Konstrukte entstanden nunmal nicht aus dem Nichts und Morgana wollte ehrlich gesagt gar nicht wissen wie solche Dinge wie der Varterral entstanden waren.

    Alle fünf lauschten der Erzählung der Magierin, auch Morgana welche zwar Nimue nicht besonders leiden konnte aber immer gerne eine gute Geschichte hörte. Mit dem Abtrünnigen der Geschichte empfand sie keine Symphatie, ein Dummkopf vor allem dann nachdem er dem Dämon seinen Körper überlassen hatte. Verzweiflung oder nicht, auf so etwas würde sich Morgana niemals einlassen. Was brachte es einem, bis auf die kleine Genugtuung das der Dämon mit dem eigenen Körper noch ein wenig Chaos anstellte? Anschließend war man nicht mehr Herr seines Körpers, unter Umständen wurde auch direkt der eigene Geist vernichtet. Ein Schicksal schlimmer als der Tod.
    Was die Blutmagie anging, so war dies auch ein zweischneidiges Schwert. Äußerst mächtig und im Notfall äußerst nützlich, aber andererseits konnte sie diese in Gesellschaft eh nie anwenden und selbst wenn es eine absolute Notsituation erforderlich machen würde, so waren die anschließende Konsequenzen für sie nur schwer abzusehen. Nun bisher war es zum Glück nie erforderlich gewesen und die Hexe hatte auch nicht vor den anderen eine Blutfontäne um die Ohren fliegen zu lassen.

    Mealla brachte diese Erzählung zum Nachdenken. Es war interessant, obwohl sie vermutete das Blutmagie hier unten weniger praktiziert wurde als in Tevinter, gab es im Süden scheinbar viel mehr Fällen von Magiern die außer Kontrolle gerieten und Amok liefen. Natürlich kam dies auch ab und zu in Tevinter vor, machtgierige Experimente die außer Kontrolle liefen, aber das war vereinzelt und fand oft in irgendwelchen Kellern statt. Offiziell war Blutmagie schließlich in Tevinter verboten, aber die wenigsten gaben sich die Blöße darauf zu verzichten. Blut war Macht und auch wenn Nimue zu Anfang etwas anderes gesagt hatte, so konnte man niemals so mächtig werden, wie mit Hilfe der Blutmagie. Manche zahlten einen hohen Preis für diese Macht, andere ließen dafür zahlen. Trotzdem diese Amokgeschichte war auffällig. Vermutlich lag es daran das hier im Süden niemand Blutmagie beibrachte und die meisten Anwender nur über Halbwissen verfügten oder es wie dieser Abtrünnige aus einer Notsituation anwendeten. Blutmagie war sehr mächtig, dass hatte Mealla selbst gesehen und auch schon am eigenen Leib erfahren müssen, dadurch war sie auch so gefährlich. Sich so etwas gefährliches selbst beizubringen barg wohl mehr Risiken als es sich von einem erfahrenen Blutmagier lehren zu lassen. Die Elfe nahm einen weiteren Schluck von dem verwässerten Wein. Über das Für und Wider ließ sich vermutlich hervorragend streiten, aber sie sebst hielt es wie mit jeder anderen Magie. Solange es ihr keinen Schaden zufügte konnten die Magier doch machen was sie wollten. Eine Einstellung die unter den einfachen Leuten in Tevinter weit verbeitet war.

    Abscheulichkeiten waren in Arturs Augen nicht umbedingt das Angenehmste Thema zum Essen, andererseits hatte er auch schon in einem Feldlager beim Essen das vergnügen gehabt dem Gespräch am Nachbartisch zu lauschen, welches das Ausdärmen und Schinden zum Thema hatte. Natürlich bondenständiger als so ein Magiekram, aber dafür nicht umbedingt appetitlich. Nachdem er den Nachbartisch freundlich gebeten hatte "Die Fresse zu halten, weil er sonst sie ausdärmen würde." war aber auch Ruhe gewesen. Zum Glück beugten sich die meisten Söldner solch rationalen Argumenten und höflichen Bitten. Ein neues Thema kam auf, denn am Nachbartisch unterhielten sich zwei Händler lautstark über das Unbill der Reise und die Zustände auf den Straßen. Wie sich nach Mordreds Erkundigungen herausstellte. Scheinbar hatte das Ternyr einen Machtwechsel hinter sich und ein paar Anhänger des alten Herrscherhauses wollten sich nicht damit abfinden. Nun so etwas gab in jedem Land und wie er auf seiner bisherigen Reise festgestellt hatte war es ja zur Zeit normal sich gegenseitig zu zerfleischen. Letztendlich klang es nach einer erneuten Auseinandersetzung zwischen den Truppen der Königin und des Regenten und deren Widersachern. Allerdings klang das eher nach einer Bande Freischärlern und Rebellen und nicht nach einer regulären Einheit. Vermutlich die Überreste der Armee des alten Teyrns. Schweigend hörte er der Magierin zu während diese über die Gefahren der weiteren Route sinnierte. Highever umgehen, sicherlich wo sie doch immer so viel Glück beim umgehen hatten. Artur beschloss sich einzubringen und stellte seinen Krug auf dem Tisch ab.
    "Nun ich hatte auch nicht die Erwartung das unser restlicher Weg nach Orzammar mit Rosn gepflastert sein würde. Das Highever scheinbar auch in Aufruhr ist, ist keine gute Nachricht aber wenn wir ehrlich sind versinkt das ganze Land allmählich in Chaos. Es gibt derzeit keinen sicheren Weg. Wenn wir nach Süden ausweichen, müssen wir wie ihr schon gesagt habt durch das Bannorn. Im ganzen Bannorn herrscht ebenfalls Bürgerkrieg zwischen den Truppen des Regenten und den aufsäßigen Banns. Die Lage dort ist also wohl kaum besser als wenn wir durch Highever reisen. Außerdem gibt es im Bannorn noch zusätzlich große Mengen der Dunklen Brut, welche zumindestens noch in Highever schwächer präsent sein dürfte. Ich würde die internen Machtkämpfe hier zwar nicht als Kleinigkeit abtun, aber ich denke bei der Route durch Highever haben wir neben der Zeitersparnis noch den Vorteil eine weitere Begegnung mit der Brut zu vermeiden. Ich denke wir sollten also unseren Weg wie geplant über Highever fortsetzen.", erklärte Artur. Sie hatten wenig Alternativen hinsichtlich ihrer Reiserouten, aber wenn man schon durch Kriegsgebiet reisen musste schien die kürzere Strecke besser als die lange,vor allem wenn bei dieser noch die Brut auf einen wartete. Ein stummes Nicken machte die Runde, auch wenn wenig Begeisterung zu sehen war. Die Aussicht erneut durch ein Bürgerkriegsgebiet zu reisen gefiel wohl niemanden, allerdings gab es zur Zeit in Ferelden nur wenig Gebiete wo keiner herrschte. Da keiner eine wirklich bessere und sichere Alternativroute hatte, fiel somit in der Gruppe die Entscheidung die Route fortzusetzen. Mealla war ebenfalls dafür auch wenn sie vermutlich am flexibelsten von allen war. Normalerweise, jedoch stand immer noch die Auszahlung ihres Geldes aus und die größte Chance es ausgezahlt zu bekommen war in Amaranthine und Highever. Irgendso ein kleiner Ban im Bannorn würde wohl kaum die Mittel oder Lust haben ihr das Kopfgeld für eine Banditenbande aus den Küstengebieten zu zahlen. Da das Thema des weiteren Weges somit wieder vom Tisch war, kehrte zunächst wieder Ruhe ein. Mealla beschloss die Stille zu unterbrechen und eine Frage zu stellen die sich ihr beim sinnieren über Nimues Geschichte ergeben hatte. "Lady Seren, ich weiß ihr seid vermutlich des Redens überdrüssig, aber gestattet ihr mir eine Frage?", fragte Mealla höflich an, worauf sich das Gesicht der Rothaarigen ihr zuwandte. Da sie keine ablehnende Geste machte fuhr Mealla fort.
    "Nachdem was ihr erzählt habt und aufgrund eurer Meinung gegenüber Blutmagie, was haltet ihr da eigentlich von so einem Land wie Tevinter?", erkundigte sich die Elfe interessiert. Sie wusste trotz den sieben Jahren recht wenig über die Südzirkel und deren Magiern, schließlich lebten diese abgeschirmt, aber gerade deswegen war es für sie interessant was eine Zirkelmagierin über ein Reich hielt das von Magiern regiert wurde und auf Blutmagie errichtet worden war. Außerdem war die Frage so allgemein gehalten, dass man sich nicht wundern musste warum die Elfe das Thema Tevinter anschnitt. Hier im Süden dachte jeder beim Thema Blutmagie fast sofort an Tevinter.
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  2. #62
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    vorheriger Post: Kampf um die Beute ~ Antwort von: Glandis

    [Bild: Aril_Ava.png] »Aril, lasse uns eins, zwei Schritte zurückgehen und die Waffen senken«hörte Aril Glandis sagen. Widerwillig trat sie einen Schritt zurück. Sie hatte eben erst begonnen und sollte einer der Wölfe auch nur Anstalten machen, über die beiden herfallen zu wollen, würde sie ungern abgelenkt sein.
    Ihre Bedenken waren grundlos. Langsam zogen sich einige Wölfe zurück, und nahmen dabei ihr erbeutetes Reh mit.

    Ein junger Wolf machte einen Satz auf das andere Reh zu und bevor Aril blinzeln konnte, hatte die Elfe einen Pfeil direkt vor seine Pfoten geschossen. Erschreckt kläffend machte er kehrt und jadte davon. Die übrigen Wölfe hatten ebenfalls genug und rannten dem Flüchtenden hinterher.

    Beeindruckt sah Aril zur Elfe auf. Die hatte sich ihr ebenfalls zugewandt und sagte: »Wir warten noch ein wenig, bis sie alle im Wald sind und dann hole ich das Reh. Du könntest an den Büschen ein paar Zweige schlagen. Die legen wir über die toten Wölfe. Wir müssen zu unseren Pferden!«

    Unsere? Aril lächelte. Entwickelte da jemand einen Sinn für Freundschaft und Gemeinschaft? Aber sie sagte nichts, sondern lächelte nur still, erfreut über Glandis Aussage.

    Gehorsam ging Aril zu einem der älteren Bäume und hackte einige kleinere Äste voller gelbem, welken Laub ab, die sie über die Wölfe platzierte. Sie musste einige Male gehen und überlegte dabei, was nun geschehen würde. Das Reh musste versorgt werden. Die Frauen wollten aufbrechen. Die Pferde sollten bewacht werden und gleichzeitig musste jemand Proviant sammeln. Die Wasservorräte mussten auch aufgestockt werden - aber dazu brauchte man Behältnisse.

    Aril überlegte hin und her, wie man es am besten machen konnte. Schließlich sagte sie zu Glandis, ungewöhnlich kurz "Wir sollten das Reh zuerst zum Fluss schaffen und nach den Pferden sehen. Dann können wir weiterschauen." Kurz überlegte sie, dann nickte sie, wie zum Abschluss ihrer Gedanken. "Es ist viel zu tun."

    Gemeinsam trugen sie das Reh durch den Wald, auf das Wäldchen zu. Aril wunderte sich gegen ihren Willen, wie ein so elegantes Tier so schwer sein konnte und konnte nicht verhindern, dass ihr der Schweiß ausbrach. Glandis schien sich daran nicht zu stören und so hielt Aril auch hier den Mund geschlossen und kein Laut der Klage kam hervor - auch wenn sie sich ein heißes Bad sehnlichst herbeiwünschte!
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  3. #63
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    Lana

    [Bild: Char_Samira.png]
    Samira dachte schon, dass ihr Ende gekommen war und sie hier sterben würde, doch plötzlich ging einer der Kreaturen zu Boden. Bevor sie jedoch realisieren konnte, was passiert war, stürzte sich eine Figur in einer schweren Rüstung in den Kampf, die wahrscheinlich auch für den Tod dieser ersten Kreatur verantwortlich war. Samira zuckte bei jedem Schlag, bei jedem abgetrennten Körperteil zusammen und wurde immer blasser. Sie hatte schon viel von Kämpfen gehört, doch sie war noch Zeuge eines solchen und während es erschreckend war, war es gleichzeitig auch faszinierend. Schneeflocke war ganz still und sie presste ihren Hund weiter an sich bevor sie langsam einige Schritte zurückging. Sie wollte den Ritter vor der letzten Kreatur warnen, doch diese brach plötzlich zusammen. Ein Dolch steckte in dessen Nacken und Samira blinzelte überrascht. Doch die Kreaturen waren besiegt und Samira atmete erleichtert auf. Erleichtert wandte sie sich an ihre Retter um ihm zu danken. Ihr Dank starb jedoch auf ihren Lippen als ihr Retter oder besser gesagt Retterin den Mund öffnete und sie die Stimme von Lana hörte. Die Elfe hatte sie gerettet? Jetzt wo sie genauer hinsah, konnte sie die ungewöhnliche Rüstung der Elfe auch erkennen.

    Doch sie war nicht allein und die junge Frau erblickte den jungen Comte, der bestimmt derjenige war, der den Dolch geworfen hatte. Vorsichtig lief sie zu ihm, darauf bedacht nicht in das Blut oder auf eines der Körperteile der Dunklen Brut zu treten, und stellte sich neben ihn. Sie würde sich bei ihm bedanken und egal was sie von der Elfe hielt, sie hatte großen Anteil an Samiras Rettung und deswegen sollte sie auch Lana ihren Dank aussprechen. Lana hatte sich inzwischen an den jungen Mann gewandt.

    „Was ist mit dem dummen Wirt? Ist er tot?“

    Samiras Augen weiteten sich und sie unterdrückte einen Schluchzer. Schneeflocke fiel auf den Boden, landete jedoch auf ihren Pfoten, als ihre Arme den Dienst versagten. Ihr Hund drückte sich an sie und knurrte die Elfe an. Doch von all dem bekam die junge Frau nichts mit. Ihr Vater war unbesiegbar. Er würde nicht so einfach sterben… nein, die Elfe hatte keine Ahnung wie stark ihr Vater war und er, und ihre Brüder, haben sicherlich schon kurzen Prozess mit den Kreaturen gemacht und es war nur noch eine Frage von Minuten bis jemand kam um sie zurück zu holen. Der Comte würde sicherlich dasselbe sagen und sie sah ihn erwartungsvoll an.
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  4. #64
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    Haesten

    [Bild: EIf0FIwLfWsJ6PLucretia_Avatar.jpg]

    Der Jarl wirbelte mich auf der Tanzfläche umher, stets darauf bedacht, außerhalb der Sichtweise meines Herrn zu bleiben. Mein Angebot ignorierend erzählte er nun, dass er und der Vater meines Herrn früher gut befreundet gewesen seien und er sich deswegen Sorgen um Haesten machte. „Jeder Pendragon ist ein Freund meiner Familie und ich sorge mich um Haesten wie um meinen eigenen Sohn. Wenn Ihr mir also, ohne, dass er es bemerkt da er sonst wieder denkt ich bemuttere ihn zu sehr, die eine oder andere Information die Euch wichtig erscheint, zuspielen könntet, dann würdet Ihr mein Gewissen sehr beruhigen. Zudem kann ich dann auch besser auf seinen Schutz achten.“ Er lächelte mich an, doch erreichte es nicht seine Augen. Daher war ich mir sicher, dass dies nicht der Wahrheit entsprach.
    Meine Gedanken rasten. Irgendetwas musste ich tun, um heraus zu finden, was hier tatsächlich vor sich ging. Also stimmte ich ihm zu, ihn mit Informationen zu füttern.

    "Herr, natürlich werde ich Euch helfen, damit Ihr Euch nicht mehr zu sorgen braucht. Vielleicht möchtet Ihr aber auch nochmals über mein Angebot nachdenken? Schließlich war es in meiner Heimat auch üblich, dass wir Frauen und Männer zusätzlich zur Bezahlung eine Freiersgabe erhalten haben, was wir für uns behalten durften. Vielleicht könnte ich so das Geld zusammenbekommen, um ein Schiff nach Minrathous bezahlen zu können, so ich irgendwann von dieser Insel komme. Ich vermisse meine Heimat so sehr." Es gelang mir sogar recht überzeugend zu weinen.
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  5. #65
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    Darius

    [Bild: Sarah_klein.png]
    Darius erwachte von allein, doch sie sah sofort, dass etwas nicht stimmte. Sie fluchte leise als sie seine stammelnden Worte hörte, doch bevor sie etwas sagen konnte, wurde er bewusstlos. Vorsichtig entfernte sie den Verband von seinem Bauch und erneut traten ihr leise Flüche über die Lippen. Die Wunde hatte sich tatsächlich entzündet und eine Heilung würde nun schwieriger werden. Sie erhob sich um Wasser zu holen, da sie die Wunde reinigen musste bevor sie etwas gegen die Entzündung tun konnte.

    Sarah trat aus dem Haus und wollte zum Brunnen gehen, als sie ein leichtes Rauschen von Wasser hörte. Sie folgte dem Geräusch und kam bald zu einem kleinen Bach, der hinter dem Haus floss. In der Hektik des vergangenen Tages hatte sie ihn gar nicht bemerkt, doch sie war erleichtert, dass sie nicht bis ins Dorf musste um frisches Wasser zu holen. Als sie genügend Wasser geschöpft hatte begab sie sich in den Keller um nachzusehen, ob es dort Dinge gab, die nützlich waren. Der Keller war niedrig und sie konnte kaum aufrecht stehen. Vorsichtig, mit einer Fackel in der Hand, sah sie sich um. In dem Regal, das bis zur Decke ging, gab eine kleine Kiste mit Tragriemen, die nützlich war um einige Dinge leicht zu transportieren. Außerdem entdeckte sie dort etliche Kräuter und gefüllte Phiolen. In den Fässern und Säcken gab es Nahrungsmittel wie Mehl, Getreide und einiges an Obst und Gemüse. Von der Decke hingen einige Stücke Fleisch und Sarah nickte zufrieden. Sie würden zumindest nicht verhungern. Doch bevor sie etwas zu Essen zubereiten konnte, sollte sie die Wunde von Darius versorgen.

    Vorsichtig öffnete sie einige der Phiolen und schnupperte daran um herauszufinden, was sich darin befand. Einiges erkannte sie als Salben gegen bestimmte Wunden, doch einiges war ihr unbekannt. Wobei man nicht alle Salben und Tränke nur am Geruch erkennen konnte. Doch sie hatte keine Zeit alle Phiolen zu testen und da es eine große Auswahl an Kräutern gab, beschloss sie selbst eine Salbe herzustellen. Es würde zwar eine Weile dauern, doch sie wollte Darius nicht irgendwas auf seine Wunde streichen. Sarah legte die Kräuter, und die Salben die sie kannte, in die kleine Kiste und hängte sie sich um. So schaffte sie es alles auf einmal nach oben zu tragen und machte sich sofort an die Arbeit.

    Während die Salbe in einem kleinen Topf über dem Feuer zog, reinigte sie mit dem Wasser, welches sie einige der Kräuter hinzugefügt hatte, die Wunde. Die Wunde war nicht geschlossen und sonderte Blut und Eiter ab und ihre Ränder waren rot und zerfranst. Die Salbe war fertig und musste nur noch abkühlen bevor sie diese, gemischt mit einer Salbe die sie im Keller gefunden hatte, auf die Wunde auftragen konnte. Sollte die Wunde bis zum Abend nicht aufhören zu nässen, dann musste sie diese wohl weiter öffnen und ausschaben. Sarah hoffte, dass es nicht dazu kommt, doch sie sollte alles schon dafür vorbereiten. Da die Salbe nun abkühlte machte sie sich daran einen Trank zu brauen, der das Fieber senken würde. Ein kalter nasser Lappen, den sie immer wieder wechselte, lag auf der Stirn von Darius, doch er fühlte sich immer noch heiß an und deswegen braute sie den Trank.

    Ihr Magen knurrte, doch sie hatte keine Zeit etwas zuzubereiten und aß nur einen Apfel, den sie im Keller gefunden hatte. Mittags war das Fieber immer noch nicht gesunken und Sarah überlegte wie sie dem Mann das Mittel gegen das Fieber einflößen konnte, da er immer noch bewusstlos war. Sie stöberte in den Schränken bis sie eine Tasse mit einem Schnabel fand. Sie füllte den Trank hinein und kniete sich neben den Verwundeten. Sie redete mit sanfter Stimme zu ihm und hoffte, dass ihre Worte ihn erreichten und er zumindest soweit zu Bewusstsein kam, dass er den Trank trinken konnte.
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  6. #66
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    Sarah

    [Bild: DariusTruhnfal.png]

    Darius stürzte tiefer und tiefer durch graue Düsternis. Verzerrte Bilder aus grellen Farben blitzten vor seinen Augen auf, zu kurz um etwas zu erkennen.
    Mit einem Aufschrei prallte er auf etwas das sich wie Wasser anfühlte. Sofort begann er zu sinken. Verzweifelt hielt er die Luft an und begann mit den Armen zu rudern aber ein Sog zog in weiter in die Tiefe.
    Wie eine Explosion brach die angehaltene Luft aus seinen schmerzenden Lungen und instinktiv atmete er tief ein.
    Als er das was ihn umhüllte einatmete verkrampfte er sich bis er merkte das sich seine Lungen mit etwas gefüllt hatten das kein Wasser war sondern etwas das er das er atmen konnte.
    Weiter und weiter zog ihn der Sog nach unten und grausames Lachen, gepaart mit schrillen Schreien voller Angst und Pein begann seine Ohren zu malträtieren
    Wieder begann er mit den Armen zu rudern und endlich, langsam begann er gegen den Sog aufwärts zu schwimmen.
    Vor ihm erschien plötzlich ein schwaches Licht und eine sanfte Stimme begann mit ihm in unverständlichen Worten zu sprechen.Auch wenn er die Wörter nicht verstehen konnte, sie und dieses Licht zogen ihn magisch an. Darius verdoppelte seine Anstrengung und kämpfte sich dem Licht entgegen.
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  7. #67
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    Samira

    [Bild: LgOdRa55ur9EidBastien_Avatar.jpg]

    Eine voll gerüstete Gestalt auf einem riesigen Schlachtross stürmte mit erhobenem Schwert und einem Schlachtruf auf den Lippen zwischen die Dunkle Brut. Eines der Monster wurde von dem Pferd niedergemäht, das andere wurde vom Schwert des Reiters niedergestreckt. Sie wandten sich dem dritten Monster zu. Nachdem der erste Hieb keine Wirkung zeigte, trampelte das Pferd ihn nieder und sein Reiter schwang sich herab. Er fackelte nicht lange, umfasste das Schwert mit beiden Händen und stieß ihm die Klinge ins Herz. Währenddessen hatte Bastien natürlich schon seinen Dolch geworfen und dem vierten im Bunde die Klinge genau in der kleinen Öffnung zwischen Helm und Rüstung versenkt. Bastien war erleichtert, dass Samira unverletzt geblieben war, von dem ganzen Blut, das ihre Kleidung besudelte, abgesehen. Es schien ihr allerdings noch nicht aufgefallen zu sein.

    „Ihr? Ich hätte gedacht Ihr wäret längst fressen für die Geier… oder die hier.“ Bastien hätte nicht erwartet, die Stimme nochmals zu hören. Grimmig biss er die Zähne zusammen. Die junge Samira eilte an seine Seite und himmelte ihn dankbar an. Gerade, als er sich an sie wenden wollte, stellte Lana eine Frage, die die junge Frau schockierte: „Was ist mit dem dummen Wirt? Ist er tot?“

    Bastien funkelte Lana wuterfüllt an, dann erwiderte er mit schneidender Stimme: "Ihr seid so respektlos und habt Anstand wie ein Nug! Aber nein, Elias ist nicht tot! Allerdings wurde er schwer verletzt." Dann wandte er sich zu Samira: "Keine Sorge, der Bann hat ihn aus der Gefahrenzone gebracht. Diese Frau, die an seiner Seite war, wird sich um Euren Vater kümmern. Er wird bestimmt überleben. Allerdings sollten wir nicht weiter hier verweilen, denn die Brut ist nicht geschlagen. Lasst uns zur Hütte gehen, damit ich meine Sachen packen und mein Pferd holen kann."


    Er griff nach Samiras Hand. Bevor er los ging, wandte er sich zu Lana: "Wenn Ihr wollt, könnt Ihr uns begleiten. Wenn nicht..." Den Satz ließ er unbeendet. Mit Samira im Schlepptau eilte er mit weit ausholenden Schritten zu der Hütte, die dem Erbauer sei Dank nicht weit war. Ob Lana ihnen folgte, interessierte ihn nicht wirklich.

    Bei der Hütte angekommen, schnappte er sich schnell seinen Beutel und stopfte wahllos noch einige Lebensmittel ein. Anschließend begab er sich hinter das Haus, wo das Pferd wartete. Er schwang sich in den Sattel, dann griff er den Arm von Samira und zog sie vor sich aufs Pferd. "Wir sollten nach Denerim aufbrechen. Dort ist die Armee des Teyrn und wir sind in Sicherheit vor der Dunklen Brut."


    Kurz kam ihm der Gedanke an Halward. Seit der Höhle hatte er ihn nicht mehr gesehen. Ob er den Angriff überlebt hatte? Er hoffte es.
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  8. #68
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    Vanitas

    Faizah

    Patrick

    [Bild: logan_klein.jpg]

    Logan sollte an diesem sich dem Ende neigenden Tag doch noch Glück haben. Als die Sonne schon unter dem Rand der Welt versunken war erspähte sie in einiger Entfernung ein einfaches Bauernhaus und trieb Llamrei zur Eile. Hier war weit und breit kein hohe Fels und auch keine dichten Bäume unter denen sie Zuflucht suchen konnte, denn der Himmel hatte, die Nacht ihn verdunkelte, nach Regen ausgesehen. Logan war das Leben einer Soldatin und Freischärlerin gewöhnt. Das Schlafen im Freien, den Kopf auf den harten Sattel gebetet, sich in Flüssen und Seen zu waschen und sich von Beeren, Wurzeln und kargem Reiseproviant zu ernähren. Sie war zäh wie Leder, konnte jedoch nicht behaupten diesen Lebensstil zu lieben. Zwar fehlte er ihr manchmal, wenn sie in ihrem nun okkupierten Stadthaus saß und aus den bleigefassten Fenstern schaute, doch andersherum fehlte ihr das Haus und das warme Bett, wenn sie im Feld diente. Daher war sie umso froher, als sie nun die Lichter eines einladenden Hauses entdeckte. Es war ein einfaches Haus, gebaut aus grob bearbeiteten Holzlatten mit nur einem Fenster und einem Dach aus Stroh und Reisig. Im Winter steckten die Bauern Stroh zwischen die Wandbretter ihrer Hütten und beschmissen sie mit Lehm, der dann härtete und zusätzlich vor Kälte schütze. Es war zwar gerade kein Winter, doch kalt war es trotzdem. Etwa zwanzig Schritt vor dem Haus stieg Logan von ihrem Pferd und ließ die Zügel los. Llamrei war ein so treues Tier, dass sie nicht einfach verschwinden würde. Vorsicht war besser als Nachsicht, als rückte Logan das lange Messer an ihrem Gürtel zurecht, bedeckte es jedoch mit dem Mantel und klopfte an der Tür. Zuerst geschah eine ganze Zeitlang gar nichts, dann fragte die unsichere Stimme eines Mannes: „Wer ist da?“ „Eine Reisende auf der Suche nach Zuflucht und einem trockenen Platz für die Nacht.“ Wieder Schweigen. „Gehört Ihr zu den Leuten von Arl Howe?“ Logan zögerte, entschied sich dann jedoch für die Wahrheit. „Nein, tue ich nicht.“ Dann setzte sie hinzu: „Ich würde Euch bezahlen.“ Noch einmal herrschte Stille, dann entriegelte jemand hörbar die Tür. Knarrend öffnete sie sich und gab den Blick in das feuergewärmte und erhellte Innere der Hütte frei. Zumindest teilweise, denn im Türrahmen stand ein Mann mittleren Alters mit gefurchtem Gesicht, zurückgehendem braunen Haar und einem ungepflegten Bartwuchs. Gekleidet war er in einfache Tracht, weiße und rote Leinen und in der Hand hielt er eine kurze Holzaxt, die er nun, da Logans Blick darauf fiel, eilig zu verstecken versuchte. So im Eingang wirkte er nicht viel größer als Logan selbst. Hinter ihm in einer Ecke drückten sich eine Frau und ein kleiner Junge, höchstens acht Jahre alt. Die Frau schaute sie erschrocken an, der Junge mit kindlicher Neugier. Logan bemühte sich um ein offenes Lächeln, als sie den Mann ansprach. „Vielen Dank. Es wird schnell dunkel und kalt und ich wäre Euch für Eure Gastfreundschaft sehr dankbar.“ Sie wusste nicht ob der Mann aus Furcht oder aber wegen der Aussicht auf ein paar Münzen geöffnet hatte, sicherlich jedoch nicht aus Nächstenliebe. Er nickte und sie trat ein. Der Tisch, der die Mitte des Raumes einnahm, war gedeckt und die zurückgeschobenen Stühle verrieten, dass die Familie gerade gegessen hatte, als Logan klopfte. „Ich habe noch einige Dinge bei meinem Pferd. Ich würde sie gerne hereinholen und mein Pferd irgendwo hinter dem Haus festbinden. Bitte, fahrt mit dem Mahl fort.“ Rasch brachte die Kriegerin ihre Habe in die Hütte, inklusive Sattel und Gepäck und band Llamrei draußen an. Über die Nacht wollte sie das Tier lieber nicht unbefestigt lassen. Die Familie warf ihr argwöhnische Blicke zu, als sie das Gepäck ablegte zu dem auch der Rundschild und der Reiterhelm, ebenso wie das in der Scheide steckende Schwert und die aus einem Bündel Wäsche ragende Axt gehörten. „Ihr reist sehr bewaffnet, Lady“, sagte der Wirt vom Tisch her. Die drei Bewohner hatten sich wieder mit bedrückendem Schweigen ihrem Essen gewidmet wobei ihre einzige Beschäftigung das Anstarren von Logan geworden war. „Rechnet Ihr mit Problemen?“ „Ich rechne immer mit Problemen. So bleibe ich am Leben“, gab Logan zurück. „Und Ihr gehört wirklich nicht zu Howe?“ „Auf Tod und Leben nicht!“, antwortete Logan und verbarg die Verachtung in ihrer Stimme nicht. Jetzt lächelte der Mann. „Gut! Ich werde Euch etwas von der Kartoffelsuppe auffüllen, wenn Ihr mögt.“ Logan dankte mit einem Nicken und fuhr fort ihre Habe um das Feuer herum zu drapieren, da sie vermutlich dort würde schlafen können. Dann stand sie auf, warf den Umhang ab und kam zum Essen. Mit fast schon sehnsüchtigen Blicken bedachte der Mann jetzt das Kettenhemd und den Lederpanzer. „Ihr seid also eine Kriegerin“, stellte er fest. Logan nickte und begann fast sofort die aufgefüllte Suppe auszulöffeln. Sie war nicht gerade deliziös, aber nach einem harten Tag im Sattel aß man so ziemlich alles mit Genuss. „Dieses Howes sind eine Schande“, sagte der Wirt schließlich während Logans Holzlöffel über den Boden der geschnitzten Schale schabte. „Ich bin Holzfäller von Beruf und habe sonst immer Tischer und Zimmerleute und andere ehrbare Leute beliefert, nie das Militär. Das Holz, dass ich Schlage ist nicht für Schilde gedacht. In letzter Zeit jedoch muss ich immer häufiger Bäume für Galgen fällen.“ Logan nickte verbittert. „Ich war im Gefolge der Couslands und bin daher ein erklärter Feind Howes“, sagte sie ungeachtet der Gefahr, die die Wahrheit innehatte. „Ich verstehe den Groll gegen Arl Howe besser als die meisten.“ „Ihr wollt also aus dem Teynir fliehen?“, fragte der Bauer erschüttert. Logan schüttelte so deutlich den Kopf, dass die vielen losen Strähnen umherpeitschten als wären sie in einem heftig wechselnden Wind. „Nein, aber wir brauchen mehr Männer, wenn wir effektiven Widerstand leisten wollen.“ Sie schaute den Holzfäller fest an. „Schließt Ihr Euch uns an?“ Der Gastgeber schaute verlegen beiseite. „Ich hasse Howe ebenso wie Ihr, doch ich habe eine Familie um die ich mich kümmern muss.“ Die Kriegerin schaute die Frau, die ein Paradebeispiel an Schlichtheit war und den Sohn, der sichtlich der Sohn des Mannes war, lange an. Dann nickte sie. „Verständlich. Dann betet jedoch zum Erbauer, dass unsere Sache Erfolg haben wird.“ „Das werde ich!“, versprach der Mann eifrig, froh darüber, dass seine Ausrede akzeptiert wurde. „Und für die Übernachtung und das Essen müsst Ihr natürlich nicht zahlen!“
    „Bist du eine Elfe?“, fragte da plötzlich der Junge. Logan schaute ihn an und lächelte eisig. „Verzeiht, Lady!“, versuchte der Mann noch die vermeintliche Beleidigung abzumildern, doch Logan hob die Hand und gebot ihm Schweigen. „Kein Grund sich zu entschuldigen. Nein, ich bin keine Elfe. Siehst du“, sagte sie und schob die Haare so zurück, dass der Junge die runden Ohren sehen konnte. Der Junge schien ein wenig enttäuscht. „Er hat es nicht böse gemeint“, fuhr der Mann mit Entschuldigungen fort, die Logan mit einem netten Lächeln abschmetterte. „Das passiert mir andauernd.“ Tatsächlich kamen ihre Elfengene in ihrem Gesicht sehr zur Geltung. Die großen Augen, die feine Nase mit den schlanken Nasenflügeln und die schmale Gesichtsstruktur ließen häufig vermuten sie gehöre zum Elfenvolk. Allerdings stand ihre Größe im Kontrast dagegen, denn kaum eine weibliche Elfe erreichte die 1.70 Meter. Es gab natürlich immer Ausnahmen. Mehr jedoch als ihre Größe und Statur, die für eine Elfe zu muskulös war, waren es aber ihre Kleidung und Bewaffnung, die die meisten Menschen von der Frage ihrer Herkunft abhielten. Sogar in dem als recht moderat geltenden Gesindeviertel von Highever waren den Elfen Waffen strikt verboten.
    Ich versuche nach Westen zu reisen, in das Arltum des Wachen Meeres.


    ***




    Maeya´alinh

    Elisa

    [Bild: Mini3.jpg]

    Gisele war schon lange im Kriegsgeschäft und so fiel ihr der Handgriff der Bogenschützin sofort auf, der bemüht unauffällig gen Streitkolben wanderte und dort mit drohendem Unterton verweilte. Die Anspannung zwischen den beiden Frauen war deutlich wie die Präsenz des Geheimnisse atmenden Waldes, ja ein förmliches Knistern lag in der Luft. Giseles Linke rutschte auf das Schwertheft und umfasste es unter dem Knarren von Leder auf Leder. „Bien“, sagte Elisa und ließ die Prüfung Maeya´alinhs vorgehen, wenngleich sie betonte den Mann selbst bei eventueller Besessenheit nicht töten zu wollen. Was für eine ausgemachte Närrin sie doch war! Sie mochte zwar das Herz am rechten Fleck haben, war jedoch mit Dummheit geschlagen. Eine gefährliche Kombination. Die Elfenmagierin gab ihr Bestes um die Lage etwas zu beruhigen und erklärte, dass der Dämon nicht mehr von dem Mann Besitz ergriff, verwies allerdings auch auf die Gefahr, dass das nur kurzzeitig so bleiben könnte. Dämonen blieben launische Wesen und Zeit hatte für sie keine Bedeutung. „Vorerst“ konnte bei ihnen als die Länge eines Menschenlebens oder auch nur einen Atemzug interpretiert werden. Das zumindest war, was Gisele über die Existenz der Anderen wusste, die hinter dem Schleier lebten. Ein Strahl goldenen Lichts schien Gisele auf die schwarzen Haare. Sie spürte die Wärme, vernahm das Rascheln der Blätter und bemerkte den Windhauch, der ihr den Nacken kühlte. Der Moment wäre vermutlich schön gewesen, wenn Gisele allein oder zumindest nur mit Maeya´alinh zusammen gewesen wäre. So aber starrte sie böse in die aufragenden Augen Elisas und diese blinzelten ebenso böse zurück. Kein Dämon im Moment, ein Dämon jederzeit. Gisele wollte gerade zu ihrem Verdikt ansetzten, als die Elfe mit einem Seufzer der Erleichterung das Erscheinen einer weiteren Person ankündigte. Noch bevor Gisele einen Blick über die Schulter warf wusste sie, wer es war, denn Maeya´alinh nannte ihn beim Namen. Ruppert. Der Auftraggeber kam also zum Waldrand um zu sehen, wie seine Monsterjägerin gearbeitet hatte. Mit dem knochenbleichen Kerl hatte sie ohnehin noch ein Hühnchen zu rupfen, da konnte sie es auch gleich hier tun. Am besten wäre es die beiden Brüder an Ort und Stelle zu erschlagen und dem gnädigen Vergessen zu überantworten. Doch selbst Gisele scheute vor solch heimtückischen Mord, wenngleich der Gedanke verlockend blieb. So leicht wollte es Gisele der Bogenschützin wiederum nicht machen. „Es war ein Fe´ler sie mitzune´men“, zischte sie Maeya´alinh zu, ohne jedoch die Augen von Elisa zu nehmen. „Ein dummés Mädschen, dass in der Welt nischt zu überleben weiß!“ Dass Elisa fünf Jahre älter war als Gisele war der Kriegerin natürlich nicht bewusst. „Es war ein Fe´ler!“ Gisele zog ihr Schwert bis fast zur Hälfte aus der Scheide und fachte Elisa an: „Und wenn I´r noch einmal Eure Waffé gegen misch zu er´eben gedenkt, schlage isch Eusch die verbliebene ´and ab!“ Nach ausgesprochener Drohung ließ sie die Klinge wieder verschwinden, ihr Blick blieb jedoch schneidend. Schließlich hatte Ruppert den ungleichen Haufen erreicht. Er atmete flach, denn die langen Schritte seiner dünnen Beine kosteten ihn offensichtlich viel Kraft. Über das ausgemergelte Gesicht rann der Schweiß. „Rüppert!“, begrüßte Gisele den Mann mit gespielter Begeisterung. „Wie schön Eusch zu se´en! ´ier ´aben wir Euer Monstér!“ Ohne auf Elisa zu achten packte Gisele den alten Mann unwirsch und zerrte ihn vor seinen hässlichen Bruder. Die Orlaisianerin durchbohrte ihn mit Blicken und sprach langsam aber mit eisernem Unterton: „Isch denke I´r ´abt etwas zu erklären.
    Die Erklärung Rupperts bestand aus einem sehr großen Teil nicht souveränen Gestammels und irgendwelchen halbseidenen Rechtfertigungen. Wer in dem Wald lebe müsse ein Monster sein, oder so. Dass sein Bruder einen Pakt mit einem Dämon eingegangen war, schien er zudem gar nicht zu wissen. Er hatte lediglich darauf gehofft in Gisele einen dieser billigen Mietmörder zu finden, denen es egal war wen man umbrachte, solange der Taler rollte. Diese Tatsache machte die Kriegerin fast ebenso wütend wie die dreiste, unterwürdig gestellte, Frage nach dem Familienring den „das Monster“ ja angeblich geraubt hatte. Gisele zuckte mit den Achseln. „Verbrannt“, antwortete sie und schilderte in aller Kürze und ohne den Einfluss von Elfenmagie dabei zu nennen die Lösung des Problems. Rupperts langgezogenes „Neeeeiiin!“ war eine gewisse Genugtuung, schwenkte aber schnell in echten Ärger um, als der Kerl es wagte die versprochene Belohnung nicht zahlen zu wollen. Heute war der falsche Tag um Gisele um die ausgemachte Bezahlung prellen zu wollen, doch so hatte sie wenigstens jemanden, gegen den sie den aufgestauten Zorn richten konnte. Mit fürchterlichem Krachen verpasste sie Ruppert eine Backpfeife mit der gepanzerten Rückhand, die ihn sich glatt auf den Hosenboden setzen ließ. „Versucht nischt, misch zu betrügen!“ Sie beugte sich zu ihm hinunter: „Wisst I´r, was wir in Orlais mit Betrügern machen, die Chevalier über´s O´r ´auen wollén?“ Die Antwort bestand aus einer Geste bei der Gisele sich mit dem Daumen über den weißen Hals fuhr. Die Kriegerin hatte genug von diesem Ort, diesem Auftrag und dieser Gesellschaft, also bellte sie über die Schulter: „Komm, Maeya! Wir ge´en und ´olen unsere Sachén! Und I´r Rüppert, sorgt liebér dafür, dass isch meine Beza´lung er´alte!“ Sie wandte sich ab und stapfte über die Wiese davon, die schweren Stiefel in die Erde grabend. „Aber, was wird denn jetzt aus meinem Bruder?“, fragte Ruppert und sah voller Abscheu und Zweifel auf den wirren Alten. Gisele ignorierte den Einwand. Sollte er doch in diesem nach Fisch stinkenden Dorf verrotten; er, Ruppert, Elisa und alle anderen mit ihnen!


    ***


    Rafael

    [Bild: p2OOKiliansmall.jpg]

    Kilian hatte noch immer keinen Entschluss fassen können. Einerseits ergab das, was der vermeintliche Ser Aldar da sagte durchaus Sinn und wenn dem so war, so wäre er der beste Verbündete, den sich Kilian im Kampf gegen S wünschen konnte. Denn Aldar schien nicht nur effektiv und mit ausgeprägtem Überlebenswillen gesegnet zu sein, sondern verfügte zudem über vielleicht ausschlaggebende Informationen zu dem ansonsten völlig unbekannten Feind. Und er hatte Recht, dies war kein Hinterhalt und wenn Aldar zum Feind gehören würde, so hätte er sich ihnen nicht so offen gezeigt. Der Feuereifer mit dem er an der Kette riss und das Schwert der Gnade präsentierte unterstütze Kilians These, dass er in dem hochgewachsenen Mann einen Ordensbruder gefunden hatte. Er würde kooperieren und hoffte, dass auch Rafael dies tun würde; getreu dem Grundsatz: der Feind meines Feindes… Die traditionelle Feindschaft versuchten nämlich weder Aldar noch Rafael zu verbergen. Auch Kilian gefiel die Art und Weise des Eifers nicht, die der jüngere Templer an den Tag legte. „Vernichten“, war einfach kein Wort, das der Hauptmann auf denkende und fühlende Wesen diesseits des Schleiers anwenden mochte. Er scheute noch immer dem Schwarzgewandten sein Vertrauen zu schenken, doch senkte er zumindest das Schwert, nickte knapp und steckte die Klinge wieder in die Scheide. „Also gut Leutnant. Ihr könnt mit uns reisen und uns im Kampf unterstützen. Ich bin mir sicher, Eure Hilfe wird von großem Nutzen sein. Danach kommt Ihr mit in den Turm des Zirkels und legt dort einen Bericht vor.“ Dies war ein formulierter Befehl, kein Vorschlag. Kilian schaute in das grimmige Gesicht Aldar, dessen Augen den Eindruck ausgeschnittener Löchern in einem Bogen weißen Papiers erweckten. Der Leutnant ließ sich zu keinerlei Emotion herab. „Wartet hier während wir die Pferde und einen weiteren Bruder holen, Ser Finan.“ „Gut, das erhöht unsere Chancen die Sache zu überlegen“, kommentierte Ser Aldar nicht ohne einen Anflug von Gehässigkeit. Die Entscheidung des Hauptmanns, oder besser gesagt von Zirkel und Orden, Rafael selbst auf die Suche nach dem Phylakterion zu schicken konterkarierte ganz offensichtlich die Einstellung des Templers. „Wunderbar, jetzt habe ich zwei Dickköpfe an meiner Seite“, dachte Kilian, während er Rafael ein Zeichen gab ihm zu folgen. Den Mandelschild ließ er an Ort und Stelle zurück und schritt gleichmäßig zurück zu den Pferden. „Warum können die nicht alle wie Ser Robert sein?“ Der riesenhafte Templer war immer da wenn man ihn brauchte und verborgen wenn nicht. Er kannte seinen Platz und nahm die Befehle genau. Und er schwieg, wenn er nicht gefragt wurde und überließ die Entscheidungen der Befehlskette. Dem Gerücht, dass Ser Robert wegen des Lyriumkonsums schon über grundlegende Fähigkeiten des Denkens und Fühlens verloren habe, schenkte Kilian keine Beachtung. Für ihn war der Riese einfach ein sehr guter Mitstreiter und Ordensbruder. Jetzt hatte er einen totenkopfähnlichen Leutnant mit offener Abneigung gegen Magier und einen glückstrunkenen jungen Templer, der scheinbar froh war im Auftrag des Glaubens in die Schlacht zu ziehen. Und natürlich Rafael, aber der war ja kein Templer. Kilian seufzte, während er das hervorspringende Felseck passierte und auf die schemenhaften Gestalten der Pferde und ihres Wächters zusteuerte. Einmal im Leben hatte er Schwäche gezeigt und nun büßte er. Wäre Saskia nicht gewesen würde er vermutlich noch immer in Starkhaven mit Männern seines Kalibers dienen und wäre vielleicht sogar schon in der Position wirklich etwas zu bewegen. Stattdessen schleppte er sich hier mehr schlecht als recht durch das kalte Ferelden, das ihn mit jedem Atemzug abzulehnen schien.
    Sobald sie außer Hörweite von Ser Aldar und noch nicht in der von Ser Finan waren sagte Kilian leise an Rafael gewandt: „Ich weiß, Euch schmeckt der Leutnant vermutlich nicht, aber ich will, dass Ihr Euch zusammenreißt! Aldar macht weder den Eindruck als würde er vergessen, noch vergeben. Also macht Euch und mir das Leben nicht unnötig schwer indem ihr mit ihm in Grundsatzdiskussionen zu Templern und Magiern verfallt.“ Mit einem raschen Schwenk wandte er sich um und bohrte seinen Zeigefinger in Rafaels Brust. „Und egal was er tut, Ihr lasst Euch nicht von ihm provozieren! Ich möchte davon ausgehen können, dass Ihr ihm nicht nur an Alter sondern auch an Weisheit überlegen seid und darum ignoriert, sollte er anfangen Euch zu trietzen!


    ***

    Artur & Morgana & Mealla

    [Bild: Larissa_klein.jpg] & [Bild: TxGIDkV4csRmordred_klein.png] & [Bild: CGUEHJDH01JWkp5A77Ppnimue_klein.jpg]


    Nachdem der Gedanke einer Routenveränderung abgeschmettert wurde, was allerdings von niemandem bedauert wurde da ohnehin keiner eine bessere Idee hatte, versuchte die Kopfgeldjägerin Nimues lebhafte, wenn auch recht einseitige Konversation aufrechtzuerhalten und fragte nach der Meinung der Magierin über das Land Tevinter, welches bekannt für die eben diskutierte verabscheuungswürdige Blutmagie war. Nimue lächelte zaghaft und füllte sich etwas Wein nach. Entgegen ihrer Neigungen beschloss sie ihre Erzählung fortzusetzen, obgleich kaum jemand anderer als Mealla wirklich an ihrer Meinung interessiert zu sein schien. Nimue befeuchtete die Lippen mit der Zunge, sog Luft ein und setzte an: „Das ist ein Paradoxon, denn tatsächlich bewundere ich Tevinter. Diese Haltung wird zumeist von Magiern mit aufrührerischen Gedanken geteilt, meine Ansichten entspringen jedoch gänzlich anderer Quellen. Es ist nicht die Blutmagie, die mich an Tevinter fasziniert. Im Gegensatz zum üblichen Tevinterbild ist bei mir nicht alles in Blut getaucht, was von dort kommt und ich halte Tevinter für ein hochkultiviertes Land. Wären seine Magister der Blutmagie nicht so sehr verfallen, dann hielte ich es gar für das zivilisierteste Land, abgesehen von der Sklaverei. Zwar sind Sklaven und Blutmagie die Säulen, auf denen Tevinters Ruf aufbaut, mich lockte jedoch mehr das faszinierende Wissen der Magier dort über die verschiedenen Zweige des Arkanen. Tevinter Magier erforschen die alte Elfenmagie bereits seit Äonen, sie kennen magische Schulen die hier im Süden fast gänzlich unbekannt sind und ihre Schriften erstreckten sich über Jahrhunderte der Forschung!“ Nimue Stimme begann leicht zu zittern: „Stellt Euch das vor, das Wissen von so vielen Jahren der Weisheit gesammelt in den riesigen Bibliotheken. Es wartet nur darauf gefunden und gelernt zu werden!“ Sie seufzte bei dem Gedanken an das, was es in Tevinter zu lesen gab und was wiederum in den südlichen Zirkeln mit unbrechbaren Siegeln verschlossen wurde. „Und die Sklaverei tut Ihr dann einfach ab?“, fragte Larissa plötzlich. Sie schaute Nimue finster an. Seit dem Aufbruch aus dem Dalishlager hatte sie stets diesen finsteren Gesichtsausdruck, der ihre Augenbrauen zornig wellte und ihrem schönen Gesicht einen Ausdruck tief sitzender Verbitterung verlieh. Nimue wischte den Angriff unwirsch beiseite. „Die Sklaven Tevinters sind kaum schlechter dran als die Elfen im Gesindeviertel.“ „Stimmt!“, fauchte Larissa. „Die Elfen! Immer die Elfen! Wir sind die, die Euren Größenwahnsinn tragen müssen, Magierin! Ihr Menschen, ihr Magier habt mein Volk in die Sklaverei verdammt und dazu, dass sie Bettler sind, der Bodensatz der Gesellschaft!“ Die junge Dalish war mit solch rechtschaffenem Zorn erfüllt, dass sie förmlich zu brennen schien. Mit der zierlichen Faust hieb sie so stark auf den Tisch, dass die Becher zitterten und die Leute an den Nachbartischen erschrocken zusammenzuckten. „Ein verfluchtes Land ist Tevinter! Ein Moloch aus Unrecht und Perversion! Ein Geviert des Abscheus!“ Larissa spürte eine Hand auf ihrem zitternden Unterarm. Sie gehörte Mordred, der sie mit einer Mischung aus Überraschung und Mitleid anschaute. Das Mitleid überwog und sie sanfte Strenge, mit der er ihren Arm festhielt, als sie versuchte sie loszureißen ließ sie sich schließlich beruhigen. „Ganz ruhig, Larissa“, sagte er friedfertig. Die Dalish holte tief Luft und atmete lange aus. Mordred nahm die Hand von Larissas Arm und schaute Nimue an. „Wart Ihr schon einmal in Tevinter?“ „Nein.“ „Dann erlaubt Euch bitte kein so rasches Urteil über die Sklaverei dort. Ich bin dort gewesen und habe gesehen, wie man mit den Sklaven dort umgeht. Es ist barbarisch!“ Nimue trank einen Schluck Wein und schaute ihn über den Rand des Bechers hinweg an. „Ich stimme Euch zu, dass Tevinter eine blühende Kultur hat, oder zumindest hatte. Doch die Sklaverei nimmt dem Land den Glanz.“ „Wie viele Sklaven habt Ihr gesehen?“, wollte Larissa wissen. „Hunderte? Tausende? Ich weiß es nicht.“ „Und wie viele davon waren Elfen?“ Das betretene Schweigen reichte als Antwort. „Sie missbrauchen Sie für allerlei Dienste, doch noch schlimmer ist es, wenn sie sie zur Stärkung der eigenen Macht opfern. Einmal war ich gezwungen etwas derartiges anzusehen und keine Woche später verließ ich Tevinter, obgleich ich dort ein höheres Ansehen genoss als an vielen Höfen weiter südlich.“ „Woran das wohl liegen mag?“, dachte Nimue, behielt den Gedanken jedoch für sich. „Was habt Ihr gesehen?“, fragte Larissa vorsichtig. Mordred schüttelte den Kopf. „Sagt es mir.“ Der Antivaner seufzte durchdringend und griff nach seinem eigenen Becher Wein, stürzte ihn in einem Zug hinunter und goss sich erneut ein. „Der immerwährende Kampf gegen die Qunari erfordert auch immer neue Kämpfer. Wer sich im Imperium einen Namen machen möchte geht nach Seheron und kämpft in der Frontlinie. So auch der Sohn eines Magisters, ein blutjunger Kerl, etwas jünger als Ser Artur. Sein Vater hatte ihn allerlei Zerstörungsmagie gelehrt und um seine Macht am Vorabend der Abreise zu stärken, keine Ahnung wie lange dies hält, wurde ein Opferritual abgehalten. Fünf Sklaven, vier Männer, eine Frau, wurden auf den Platz geführt. Männer sind wertvoller als Frauen, weil sie größer sind und mehr Blut haben“, erklärte er bedrückt. Eine unheimliche und angespannte Stille breitete sich über dem Tisch aus. „Sie wurden zu so einer Art Galgenkonstruktion geführt und dort an den Füßen aufgehängt. Lebendig natürlich. Ich kann noch immer ihr Flehen hören…“ Der zweite Becher Wein wurde ohne abzusetzen ausgetrunken, in dem Versuch das Erlebte zu verdrängen. „Man sagte uns, das heißt meinen fremdländischen Kampfgefährten und mir, es sei eine Ehre diesem Ritual beizuwohnen. Meiner Meinung nach war es eine Strafe. Der junge Magier stellte sich unter den Galgen, dann packte er den hängenden Haarschopf des ersten Sklaven und ein Mann auf dem Gerüst enthauptete ihn. Das Blut schoss nur so in Strömen auf den Jungen herab und er genoss es, als sei es das Quellwasser eines reinen Bergsees. Und so ging es mit den anderen Vier ebenfalls. Am Ende konnte man ihn gar nicht mehr erkennen, unter all dem dickflüssigen Rot. Nur an sein strahlendes Lächeln kann ich mich noch erinnern.“ Mordred trank einen dritten Becher, diesmal jedoch gesitteter. „Dem Erbauer sei Dank hat es ihn keine zwei Wochen nach dem Eintreffen in Seheron erwischt. Einen Wurfspeer direkt durchs Herz. Der Bastard ist zu schnell gestorben, denn anscheinend war er schon immer fasziniert von dem Leid und Blut der Bediensteten. Als er vierzehn war hat er einen achtjährigen Sklavenjungen umgebracht, so hieß es und eine Sklavin hat er… er hat sie nie in sein Bett geholt, hat sie immer nur gerne geschlagen. Dafür hasste ich ihn, denn die Elfe, der er das antat hat mich sehr an jemand anderen erinnert. Wenigstens eine gute Tat konnte ich tun, denn dem Magister fiel auf, dass ich Gefallen an ihr gefunden hatte. Er schickte sie mir ins Schlafgemach und…“ „Das habt Ihr nicht getan!“, wisperte Larissa leise. „Sagt mir, dass Ihr das nicht getan habt!“ „Ich habe es getan. Ich war schon seit vielen Monaten in Tevinter und sie war einfach zu schön. Sie war so lieb und so…“ Larissa erhob sich pfeilschnell, wobei sie die lange Sitzbank um einige Zoll zurückschob. Sie warf Mordred einen finsteren Blick zu und stiefelte dann mit langen Schritten fort. „Larissa!“, rief ihr der Antivaner nach, doch sie drehte sich nicht um. Mordred seufzte. „Eure gute Tat war also Euch von dieser Sklavin reiten zu lassen?“, fragte Nimue mit der Gehässigkeit ausgefahrener Katzenkrallen. „Nein. Ich habe sie dem Magister abgekauft, weil ich sagte ihre Liebeskünste hätten mir so sehr zugesagt.“ „Haben sie das denn?“ Mordred würdigte dies nicht einer Antwort. „Ich gab ihm zwanzig Souvereign und nahm sie mit nach Antiva. Dort gab ich ihr dasselbe nochmal und entließ sie in die Freiheit. Sie war natürlich von dem Moment frei, als wir die Grenze zu Antiva passierten, doch dort ließ ich sie ziehen. Sie weinte, weil sie nicht wusste, was sie mit der Freiheit anfangen sollte und bat mich sie doch zu behalten. Aber ich konnte nicht. Ihr Anblick schmerzte zu sehr.“ Ein schwaches Lächeln umspielte Mordreds Mundwinkel, während er mit gesenktem Blick auf den Wein schaute. „Ich weiß jedoch davon, dass sie nun als gut bezahlter Mundschenk bei einem Händlerprinzen arbeitet. Ich habe ihn sogar einmal besucht und sie gesehen, ohne mich selbst zu erkennen zu geben. Sie schien glücklich zu sein…“ Mordred schaute in die Runde. „Tut mir Leid! Das hat wohl kaum noch etwas mit Tevinter zu tun.



    ***


    Lucretia

    [Bild: LB5MW5YqRMIqVoHaesten.jpg]

    „Meine Güte Kindchen“, sagte der Jarl von Lucs tränenreichem Gefühlsausbruch überrascht. Ihm war sichtlich unbehaglich. Unbeholfen tätschelte er die Schulter der Schwarzhaarigen und sagte dann leise: „Also ich werde langsam zu alt für solche Späße, aber mein Sohn vielleicht. Ich glaube auch, dass du ihn mehr leiden mögen würdest, als einen alten, narbigen Seefahrer.“ Der Jarl lächelte aufmunternd und seine Zweifel über Lucs Loyalität verwehten im Wind, denn offenbar war sie letztlich doch nur eine einfache Ausländerin mit schönem Körper und keinerlei Interesse an politischen Ränkespielen. Um den momentanen Erfolg nicht zu gefährden entließ Jarl Leyf die Tevinteranerin nach dem Tanz wieder und verließ die Halle. Draußen rieb er sich die Hände und starrte auf das fackelbeleuchtete Städtchen. Mit etwas Glück dieser naiven Freudendame würde er schon schneller als erhofft eine Schwachstelle im Panzer der Pendragons finden. Sollte Haesten dumm genug sein hier ein Bordell zu eröffnen, dann würde Luc sicherlich viele Klienten haben und Männer reden viel, wenn sie glücklich sind. Diese Informationen wiederum würde dann er zugespielt bekommen und den unerwünschten Anwärter auf die Position des Anführers der Sturminseln zerschmettern können. Plötzlich tauchte eine hochgeschossene Gestalt neben ihm auf. Im Schein der Kohlekörbe hinter ihm wirkte das Haar des Mannes wie das Feuer selbst. „Ragnar, schön Euch zu sehen!“, log Jarl Leyf. Ragnar sah ihn durchdringend an und wie immer, wenn er das tat, bekam Leyf ein flaues Gefühl in der Magengegend. Haesten war ein gefürchteter Krieger, aber es war Ragnar der von den Brüdern wahrlich furchteinflößend war. „Schönes Mädchen, mit dem Ihr da getanzt habt, Jarl Leyf“, sagte Ragnar ohne den Gruß zu beachten. Leyf nickte eifrig. „Jaa, einen guten Fang hat Euer Bruder da getan. Man könnte glatt neidisch werden.“ Ragnar sagte nichts dazu. Dann schließlich öffnete er wieder den Mund, doch es war mehr ein Grollen als eine Stimme: „Wenn Ihr versucht meinen Bruder zu betrügen werdet Ihr baumeln.“ Leyf schluckte hörbar und Ragnar wandte sich ab. Er ging zurück zum Fest, wo er Haesten mit gespieltem Frohsinn zulächelte; der Jarl war mittlerweile so betrunken, dass Skade ihn festhalten musste, damit er beim Tanzen nicht die Bretter küsste, und ließ sich auf seinem Platz nieder. Von dort aus beobachtete er Lucretia argwöhnisch. Die Frau könnte zu einem Problem werden…

    „Wer war das? Irgend so ein hoher Herr, oder? Bei Andraste du kannst es wohl gar nicht erwarten dir einen neuen Gönner zu suchen, nur weil der alte rothaarige Elfinnen bevorzugt!“, fauchte Kari als Luc zu ihren Dienertätigkeiten zurückgekehrt war. Luc ignorierte sie, griff sich einen Krug und wollte gerade die Runde machen, um die Durstigen trunkener werden zu lassen, doch Kari wich nicht von ihrer Seite. „Planst du ihn zu verraten? Ich wette das tust du! Vielleicht sollte ich dafür sorgen, dass man sich aufhängt wie man es mit Huren prinzipiell machen sollte!“


    ***

    Bastien

    Samira


    [Bild: Lana_Klein.jpg]

    Feindseligkeit wohin das Elfenauge blickte! Samira hielt es nicht für Nötig ihrer unfreiwilligen Retterin zu danken, sondern schien sich sogar vor ihr zu gruseln, denn kaum war Bastien aufgetreten sprang sie an dessen Seite und suchte seinen Schutz. Bastien war auch nicht besser, denn kaum hatte er erkannt, wer sich unter dem schwarzen Helm verbarg, fing er an sie mit verbalem Schlamm zu bewerfen. Und zu allem Überfluss richtete sich auch noch diese widerliche Kreatur gegen sie, dieser Köter den Samira mit sich herumschleppte und der fast ihr Tod gewesen wäre. Mit kaum mehr Mut als Samira knurrte sie Lana hinter den beiden Menschen versteckt an. Die Elfe sah sich das Biest schon mit einem ordentlichen Tritt ihrer schweren Panzerstiefel in die Vegetation befördern wo es entweder verreckte oder selbst im Falle des Überlebens zu viel Angst hätte zurückzukehren und noch einmal zu knurren. Eine derartige Aktion hätte jedoch sicherlich Samiras Geschrei und damit noch mehr Brut auf den Plan gerufen, also ließ Lana es bleiben. Bastien verkündete nun, dass er sich schnellstmöglich ausrüsten und das Dorf zusammen mit Samira verlassen wolle. Das dralle Mädchen hingegen verkündete nichts. Der Schock über die Brut, über Lanas Auftauchen und über die Nachricht ihres verwundeten Vaters hatte ihr die Fähigkeit zu Sprechen geraubt. Und selbst wenn, das junge Ding schien ohnehin kaum eine Meinung zu besitzen. „Wenn Ihr wollt, könnt Ihr uns begleiten. Wenn nicht...“ Welch ein großzügiges Angebot! Lana lächelte hinter der stählernen Maske auf sardonische Art und Weise. Wäre der junge Chevalier klug, so hätte er Lana darum angefleht mitzukommen, denn dann hatte er vielleicht die Chance das Ganze zu überleben. Vorausgesetzt, die Elfenmagierin wollte es so. Da Lana sowohl Bastien als auch Samira jedoch bereits in die Kategorie völlig unbedeutender Personen einsortiert hatte, überließ sie den beiden ihrem Schicksal. Wenn sie Glück hatten würden sie schnell sterben. Vielleicht schafften sie es ja auch dem Gemetzel zu entkommen? Lana verschwendete keinen weiteren Gedanken mehr an das Duo, sondern steckte das Schwert weg und schwang sich in den Sattel. Unter dem leichten Druck der Sporen setzte sich Garm in Gang und ritt in die den beiden anderen entgegengesetzte Richtung.

    *

    Das brennende Dorf war nur noch eine schwach zu erahnende Rauchsäule, die sich kaum merklich unter nur unter Zuhilfenahme der züngelnden Flammen gegen den dunklen Himmel abzeichnete. Die Schreie und der Kampfeslärm waren schon vor einer Weile verstummt und dem Seufzen der sich im Wind biegenden Blätter gewichen. Lanas Pfad war dunkel und kaum zu erkennen, dennoch meisterte Garm ihn mit Gelassenheit. Das Pferd suchte sich seinen Weg durch die unwegsamen Büsche, die die verwilderte Landstraße, die durch den Wald zum Dorf führen sollte, überwucherten. Lanas Laune war wiederhergestellt, denn langsam aber sicher ritt sie gen Osten, von wo sie auf die Straße Richtung Norden und damit Richtung Heimat gelangte. Den Kopf des Hurlocks hatte sie nun doch nicht mitgenommen, hatte stattdessen aber beschlossen im nächsten Gasthof einen ausführlichen Bericht über die Brut zu schreiben. Ihr König würde ihr Glauben schenken, auch ohne so ein widerwärtiges Souvenir. Lana, die von Natur aus misstrauisch war, behielt den Helm auf dem Kopf. Schließlich war das Dorf Klingenbach ein von Räubern geplagter Ort gewesen und wer weiß, wie viele Strauchdiebe es hier geben mochte. Die Stille, die nicht einmal vom Gezwitscher früher Vögel unterbrochen wurde, beunruhigte sie jedoch kaum. Stattdessen saß sie leicht im Sattel, lauschte ihren eigenen Atemzügen und dem gelegentlichen Schnauben ihres Pferdes.
    Lana passierte einen verdorrten Ginsterbusch und überlegte gerade, welcher Weg sie am schnellsten zur Hauptstraße führen mochte, als sie einen Knall vernahm. Ein Knall, gefolgt von einem Surren oder einem Zischen. Heftig riss sie den behelmten Kopf herum, dann spürte sie wie Garm urplötzlich zusammenzuckte und ein erschrockenes Wiehern von sich gab. Schon knallte es erneut und wieder surrte es, irgendetwas krachte irgendwo. Lana sah einen Baum, der leicht erzitterte, dann sah sie Blut. Blut, dass aus Garms Hals schoss wo ein dreckiger, kurzer Bolzen eingedrungen war. „Was zum Henker…“, brachte sie gerade noch hervor, dann sausten schon die nächsten Bolzen heran, schwarzgefiederte kurze Pflöcke mit garstigen Spitzen. Ein weiterer bohrte sich in Garms Flanke; das Pferd schrie vor Schmerz und Furcht auf. Dann gab es keinen Laut mehr, denn ein weiteres Geschoss zerschmetterte seinen Schädel und verteilte Blut und Knochen auf Lanas Rüstung und im selben Moment spürte die Elfe einen durchdringenden, feurigen Schmerz im Oberschenkel. Das Surren schwoll zu einem Sturm an, während Lana ihr Schwert auf der Scheide riss, doch der sterbende Garm tänzelte nur noch von einer Seite auf die nächste, die langen Beine einknickend. Lana sah zu ihrem linken Bein hinab, ein Bolzen hatte sie förmlich an das Pferd geheftet. Noch einmal versuchte das Pferd reflexartig das Gleichgewicht zu halten, dann stürzte es zur Seite. Lanas rechtes Bein wurde unter dem Pferd begraben und nur der Panzerung war es zu verdanken, dass es nicht zermalmt wurde. Die Elfe schrie vor Wut und Schmerz, denn das feurige Brennen blühte vom Oberschenkel her auf und flutete ihren Körper. Dann sah sie die verdorbenen Kreaturen aus dem Wald treten, bewehrt mit Armbrüsten und allerlei Kriegsgerät. Ein Hurlock, dessen fratzenhaftes Gesicht zu einer Art Lächeln verzogen war, schritt auf die Elfe zu, in den Händen eine Doppelaxt wiegend. Er wollte es zu Ende bringen und dann gäbe es Elfenfleisch, zart und roh. Lana schrie auf, streckte ihm die Hand entgegen. Der Hurlock kannte diese Geste von Leuten, die Gnade erhofften. Es würde keine Gnade geben! Er freute sich auf den Moment, in dem sich die Axt in das Fleisch fraß, freute sich auf den Geruch des Todes, der sich über sein Opfer legte wie ein Leichentuch. Es sollte nicht dazu kommen, denn ohne zu wissen wieso, wurde er plötzlich von den Füßen gerissen. Einen Moment erkannte er sein Verfehlen, dann wurde sein Körper gegen einen Baum geschleudert, dass es nur so krachte. Ein stinkender Kadaver fiel auf den Waldboden.
    Lana riss wie von Sinnen und betäubt von Schmerzen an dem Bolzen. Schmatzend befreite er sich auf Garms totem Fleisch. Warmes Blut, ob ihr eigenes oder das des Pferdes, sickerte ihr in die Stiefel. Mühsam kroch sie unter dem Pferd hervor, als schon ein weiterer Hurlock herbeisprang. Mit einem kurzen Streitkolben, der mehr einem Stock mit daran befestigtem Morgensternstachel ähnelte, drosch er auf die Elfe ein. Lana fing die Hiebe ab und rammte dem Biest in einem günstigen den Daumen in den Hals. Ihre Panzerhandschuhe waren so spitz und scharf, dass der Finger bis zu dem Knöchel in dem Hals versank und den Kehlkopf zerquetschte. Das Biest sackte röchelnd zusammen und gab den Blick auf die Elfe frei. Hinter sich spürte Lana die Präsenz eines weiteren Angreifers, vor sich die von mehreren. Dann spürte sie die Wucht des Aufpralls, als ein Pfeil sie zurückwarf und ihre Eingeweide in Brand setzte. Das Geschoss hatte ihre Panzerung durchschlagen und sich einige Zentimeter tief in ihren Unterbauch gebohrt. Der Schütze ließ ein kehliges Lachen hören, als er einen Kriegsbogen spannte, der viel zu elegant war, um aus der Fertigung der Brut zu kommen, deren Waffen für gewöhnlich an Primitivität nicht zu überbieten waren. „Bastard“, knurrte Lana, sich auf das Schwert stützend. Dass sie die Klinge überhaupt noch in der Hand hielt überraschte sie. Der Hurlock legte einen weiteren Pfeil aus, ein Genlock sprang neben ihn und jagte einen Bolzen in Lanas Rüstung, der sie zwar zurückwarf, den Panzer jedoch nicht durchdringen konnte. Die Elfe stolperte zurück, schlug hart gegen einen Baum und revanchierte sich ihrerseits mit einem arkanen Bolzen, dessen Beschwörung einfach aber effektiv war. Das silbrige Geschoss zischte durch die Luft und drang in den unbehelmten Schädel des Genlock ein. Nur ein kleines Brandmahl zeigte den Fleck, wo der Zauber getroffen hatte, doch röstete er das Gehirn des Armbrustschützen sofort. Die Brut erkannte nun, dass es sich bei Lana um eine Magierin handelte und wich einen Schritt zurück. Lana zählte durch. Hinter ihr stand mindestens ein Wesen, vor ihr etwa sechs. Viele der Armbrustschützen hatten die Waffen geschultert und zu ihren Klingen gegriffen. Lange, geflammte Messer, kurze gefährliche Streitkolben, ein Beil, dass mehr nach Fleischverarbeitung als nach Krieg aussah. Eines der Biester, mit einem hörnerbewehrten Helm auf dem Kopf, fuchtelte mit einem schweren Kampfspeer herum und bellte Befehle. „Kommt her ihr Hurensöhne!“ Der Speerkämpfer stürzte auf Lana zu und versuchte sie aufzuspießen. Die Elfe, trotz angeschlagenen Zustandes, parierte den Stoß und griff selbst an. Ihr Gegner wirbelte geschickt mit dem langen Speerschaft, fing die heransausende Klinge ab und verpasste Lana einen Schlag gegen den Helm und einen auf den aus ihrem Bauch ragenden Pfeilschaft. Das Holz brach während Lana laut aufschrie. Die Schmerzen… Lana hatte noch nie solche Schmerzen empfunden. Zorn kochte in ihr, den sie in einem Hagel von senkrecht geführten Schlägen Ausdruck verlieh. Der Hurlock schütze sich mit dem Speer, verlor jedoch einen Finger. Schon sah es so aus, als würde Lana die Oberhand gewinnen, als ein Pfeifen den nächsten Pfeil ankündigte. Knirschend durchbohrte er das Kettenhemd und fraß sich in die Elfenschulter. Lana taumelte zurück, apathisch auf das Holz des Geschosses blickend und der Hurlock sprang vor, stieß zu, und Lana parierte diesmal zu langsam. Der Speer schob sich zwischen die Panzerplatten, sprengte die Ringe des Kettenhemdes und riss eine Wunde in Lanas Seite. Tränen schossen ihr in die Augen, liefen ihr über die Wangen und ließen die Sicht verschwimmen. „Nein“, jammerte sie entschlossen. „Nein, nicht so!“ Mit festem Griff umschloss sie den Speerschaft, zog ihn aus der Rüstung und holte weit aus. Der Hurlock zog kräftig an seiner Waffe, konnte sie jedoch nicht aus Lanas Griff entwenden und so kam die Elfe dicht genug heran, ließ das Schwert in einem Bogen sausen und trennte den behelmten Kopf vom Rumpf. Lautlos fiel der Speer zu Boden und noch im selben Moment sprang der Genlock, der die ganze Zeit in ihrem Rücken gestanden hatte, vor und versetzte ihr einen Stoß. Er war dumm, denn er hätte sie mit dem Kurzschwert, das er führte, meucheln sollen. Nun jedoch drehte Lana das Schwert in der Hand und stieß es am eigenen Körper vorbei in das Gesicht des Genlocks. Sie riss das Schwert heraus wirbelte herum und versetzte einem fast unbeteiligt wirkenden Armbrustschützen einen Streich, der ihm den Schädel spaltete. Die weiße Klinge drang so tief in den Kopf des Biests, dass Lana sie loslassen musste. Ein weiterer Genlock sprang vor und ließ sein Hackebeil auf sie niederfahren. Sie fing den Schlag mit dem gepanzerten Unterarm ab, zuckte bei dem schmerzhaften Aufprall aber zurück. Ein telekinetischer Schlag ließ den Genlock zurücktrudeln und gab der Elfe genug Zeit ihr zweites Schwert zu ziehen; sie sprang vor und versenkte es mit einem beidhändigen Stoß im Brustkorb des Genlocks. Noch während sie die Klinge hervorzog spürte sie etwas an ihrem Helm kratzen und sie hatte Glück, denn es war ein weiterer Pfeil und diese hätte ihren Tod bedeuten sollten. Der Pfeil schabte durch das Visier. Blut lief ihr das Kinn hinab, verdünnt von den salzigen Tränen, derer ihr die Kontrolle verwehrt waren und Lana war einen Moment von betäubender Dunkelheit umfangen. Als die Elfe wieder zu sich kam riss sie sich den Helm vom Kopf und schleuderte ihn wütend gegen den Bogenschützen. Sie traf ihn mitten im Gesicht. Der Bogenschütze taumelte benommen. Lana spürte wie sie die Kraft verließ. Ihr ganzer Körper war nur noch eine Masse an Schmerzen verschiedenster Ausprägungen. Sie schleppte sich vor, zum katzengleichen Sprung fehlte ihr die Kraft. Ein Genlock mit einem Dolch und einem kleinen Rundschild sprang herbei um den Bogenschützen zu decken. Lana rempelte ihn an, drückte den erhobenen Schild nach Unten und trieb ihm das Schwert in den Hals, wo es stecken blieb. Der Bogenschütze und ein weiterer Hurlock waren die Überbleibsel des Überfallkommandos. Der Hurlock lud eine Armbrust nach, bediente die Kurbel die mit jedem neuen Klicken Lanas Untergang prophezeite. Der Bogenschütze erkannte seine Lage, als Lana so dicht bei ihm war, dass er keinen Fluchtversuch mehr unternehmen konnte. Mit dem Langbogen fuchtelte er wie mit einem Speer, doch selbst die Hornspitze konnte ihrer Rüstung nichts anhaben. Angefüllt mit Hass und Verzweiflung sprang Lana auf den Hurlock zu, drückte ihm mit der Linken den Daumen ins Auge und zückte mit der Rechten ihren Dolch. Der Hurlock jaulte, packte sie bei den langen Haaren und riss so heftig daran, dass sie unweigerlich den Kopf in den Nacken legte und beim Kreischen ihre langen Eckzähne entblößte. Das eine Auge das Bogenschützen war nur noch blutiger Matsch und in das Andere stieß Lana nun ihren Dolch. Der Hurlock verstummte und beide fielen zu Boden. Ohne Waffen, ohne Helm, verwundet und mit zerschundener Rüstung erhob sich Lana und betrachtete den letzten Feind, der die Armbrust nun anlegte und auf ihren Kopf zielte. Aus der klaffenden Wunde neben ihrem Gesicht tropfte glitzerndes Blut. Alles sah so anders aus, so vernebelt. Das Adrenalin, die Tränen, die Schmerzen… Der Armbrustschütze feuerte seinen Bolzen ab, auf Lanas Brust nicht ihr Gesicht. Unfähig sich zu bewegen schleuderte er sie gegen einen Baum. Langsam verging der Schmerz und sie spürte nur noch Ohnmacht und sie langsam umfangende Dunkelheit. Der Hurlock warf die Armbrust fort und zog einen Scrimatar. Bedächtig, souverän schritt er auf Lana zu, die gelben Augen auf die Elfe gerichtet. Er wollte ihren Kopf, ein hübsches Andenken. Die Elfenmagierin lehnte gegen den Baumstamm, atmete flach und lustlos. Der Hurlock nahm einen Wetzstein aus einer Tasche und zog ihn auf beschwörende Weise über die Klinge. Dann steckte er ihn zurück und tat die letzten Schritt zu der Elfe, umfasste die Klinge mit beiden Händen und holte weit aus als Lana plötzlich ihre Hände hob. Der Hurlock zögerte einen Moment und betrachtete das merkwürdige rötliche Funkeln, dass da auftauchte und dieses Zögern sollte sein Ende sein, denn einen Augenblick später fand er sich inmitten eines Flammenstrahls wieder, der gebündelt aus Lanas Handflächen strömte und knisternd die Luft versengte. Die Flammen waren so heiß und so durchdringend, dass das Biest unmenschlich zu kreischen begann und es kreischte noch immer, als Stahl, Haut und Fleisch schmolzen, als es zusammenschrumpfte wie eine merkwürdige Parodie einer verbrennenden Pflanze, als es vor Lana auf die Knie sackte und zu einem stinkenden Stück Fleisch verkam. Dann war es still, totenstill. Nichts war mehr lebendig, abgesehen von dem bisschen Leben, dass Lana noch in sich trug. Ihr Körper war nun völlig ausgelaugt. Dieser letzte Zauber hatte sie all ihre Reserven gekostet. Schon lockte eine wabernde Dunkelheit, die ihr versprach die Schmerzen zu nehmen und sie an einen besseren Ort zu führen. Diese merkwürdige Dunkelheit, die Tod hieß. Lana wollte jedoch nicht sterben, nicht unbedingt. Mit Mühe zog sie die Panzerhandschuhe aus und legte die Hände auf die Wunde am Bauch, wo der Speer sie erwischt hatte. Sie konzentrierte sich und brachte tatsächlich ein wenig heilende Energie auf, allerdings keuchte sie dabei als wäre sie in voller Rüstung einen Berg hinaufgesprintet. „Vielleicht“, so dachte sie: „muss ich hier doch sterben.“ Sie brauchte Ruhe oder Lyrium. Das eine war verlockend, das andere in ihrem Gepäck. Vorsichtig betastete sie ihr Gesicht, fand jedoch keine Wunde, bis sie zu ihrem linken Ohr kam. Bei der Berührung zuckte sie zurück, denn die Pfeilspitze hatte ein feines Dreieck in die Kante des Elfenohres gerissen. Lana biss die Zähne zusammen und drückte die kleine Wunde fest zusammen, um den Blutfluss zu stoppen. Eine Weile saß sie so dort, erfüllt von Schmerz und Erschöpfung, unfähig klar zu denken und nächste Schritte zu unternehmen. Stattdessen schloss sie die Augen und ließ sich auf die Dunkelheit ein, deren Ruf immer lauter wurde und schließlich von ihren Sinnen Besitz ergriff. Sie fiel in eine samtene Schwärze, in eine Wärme wie die Umarmung einer Person. Die Schmerzen wichen dem Unbewussten und der Ohnmacht.
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    Ayden Le Brun • Ein kleines Dorf bei Lothering • Zusammentreffen

    [Bild: Ayden_VR.png] Ayden Le Brun saß auf einer bankähnlichen Sitzgelegenheit in der Nähe einer kleinen Kirche. Er hatte seinen Helm abgenommen und ließ sich die Sonne gut tun. Ein Wind war spürbar und er dachte gerade nach über seinen letzten Auftrag. Diesen hatte er gut erfüllt und ein solides Handgeld erhalten. Es war für ihn schon erstaunlich, dass es ihn dabei in so einen kleinen Flecken geführt hatte. So würde bei ihm so ein Örtchen genannt werden. Aber er war in der Kirche seiner selbst auferlegten Pflicht nachgekommen. Gut, er war nicht gläubig. Aber immer dann, wenn er an so einem Gebäude vorbei kam, ging er hinein. Sicher, Baustile konnten interessant sein. Auch Gespräche mit den dort darin Anwesenden ergaben oft wertvolle Informationen. Doch das war nicht der Grund, warum er so ein Gebäude betrat. Es war sehr einfach. Er kaufte von der Belohnung meist Kerzen und zündete diese an und verbrachte eine Weile in Ruhe und Andacht vor den flackernden Lichtern. Er dachte dann an seine Mutter, seinen Bruder und seinen Vater, der Ritter beim Arl von West Hill war. So konnte er für sich sein Innerstes beruhigen, denn die Sehnsucht war schon groß in manchen Tagen.

    Was er jetzt tun würde, wusste er noch nicht. Er hatte beim Gang in die Kirche eine Anschlagstafel gesehen. Eine Mutter Carol suchte für ein bescheidenes Handgeld zwei Kinder. Er war bei seinem Schauen auf die Kerzen von der Frage überrascht worden, wer denn zwei Kinder zum Kräutersuchen zu diesen Zeiten schicken kann? So schaute er interessiert zu, als zwei sich der Anschlagtafel näherten. Ein Mann und eine Frau. Ein kleinerer Mann mit einer sehr großen Frau. Wobei die Frau sich etwas merkwürdig verhielt. Sie, die von Bekleidung und Bewaffnung ausnahmslos einer Kriegerkaste zugeordnet werden konnte, stütze sich auf die Schulter des eher zierlich gebauten Mannes. Jeder Schritt strahlte Unsicherheit aus. Aber er wollte nicht über die Straße starren und schaute weg. Doch dann las der Mann die Aufgabe an der Tafel vor. Er fragte sich, kann sie nicht lesen? Denn die Worte klangen bis zu ihm. »Seit drei Tagen … zwei Kinder … Suche nach Kräutern … nicht mehr heimgekehrt …«

    Dann geschah etwas, was Ayden zuerst seinen Blick wieder in diese Richtung brachte und anschließend von seiner Bank holte. Er hörte ein Stolpern und sah, wie gute zwei Meter an Leben in den Staub der Straße krachten. Er wollte helfen, denn man lässt niemanden so im Dreck der Straße liegen. Beim Hingegen hörte er: »Ich bin nutzlos, Arwan, warum lasst Ihr mich nicht einfach hier zurück und geht Eures Weges. Ich bin doch nur ein Hindernis für Euch. Lasst mich hier … vielleicht wäre es besser, wenn ich nicht mehr leben würde.«

    Ayden reichte der Frau seine Hand und erkannte erst jetzt, dass er eine Qunari vor sich hatte. Doch das störte ihn nicht. Er hielt seine Hand weiter bereit und sagte: »Madam, greift zu, ich helfe euch auf, ich bin Ayden ... niemand sollte von sich sagen, er sei nutzlos.« fügte er noch nach einer kleinen Pause in seiner Art hinzu.

    nächster Post: Hilfe, ist sie es wert?
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    Artur & Morgana & Mealla

    [Bild: Larissa_klein.jpg] & [Bild: TxGIDkV4csRmordred_klein.png] & [Bild: CGUEHJDH01JWkp5A77Ppnimue_klein.jpg]


    Nachdem der Gedanke einer Routenveränderung abgeschmettert wurde, was allerdings von niemandem bedauert wurde da ohnehin keiner eine bessere Idee hatte, versuchte die Kopfgeldjägerin Nimues lebhafte, wenn auch recht einseitige Konversation aufrechtzuerhalten und fragte nach der Meinung der Magierin über das Land Tevinter, welches bekannt für die eben diskutierte verabscheuungswürdige Blutmagie war. Nimue lächelte zaghaft und füllte sich etwas Wein nach. Entgegen ihrer Neigungen beschloss sie ihre Erzählung fortzusetzen, obgleich kaum jemand anderer als Mealla wirklich an ihrer Meinung interessiert zu sein schien. Nimue befeuchtete die Lippen mit der Zunge, sog Luft ein und setzte an: „Das ist ein Paradoxon, denn tatsächlich bewundere ich Tevinter. Diese Haltung wird zumeist von Magiern mit aufrührerischen Gedanken geteilt, meine Ansichten entspringen jedoch gänzlich anderer Quellen. Es ist nicht die Blutmagie, die mich an Tevinter fasziniert. Im Gegensatz zum üblichen Tevinterbild ist bei mir nicht alles in Blut getaucht, was von dort kommt und ich halte Tevinter für ein hochkultiviertes Land. Wären seine Magister der Blutmagie nicht so sehr verfallen, dann hielte ich es gar für das zivilisierteste Land, abgesehen von der Sklaverei. Zwar sind Sklaven und Blutmagie die Säulen, auf denen Tevinters Ruf aufbaut, mich lockte jedoch mehr das faszinierende Wissen der Magier dort über die verschiedenen Zweige des Arkanen. Tevinter Magier erforschen die alte Elfenmagie bereits seit Äonen, sie kennen magische Schulen die hier im Süden fast gänzlich unbekannt sind und ihre Schriften erstreckten sich über Jahrhunderte der Forschung!“ Nimue Stimme begann leicht zu zittern: „Stellt Euch das vor, das Wissen von so vielen Jahren der Weisheit gesammelt in den riesigen Bibliotheken. Es wartet nur darauf gefunden und gelernt zu werden!“ Sie seufzte bei dem Gedanken an das, was es in Tevinter zu lesen gab und was wiederum in den südlichen Zirkeln mit unbrechbaren Siegeln verschlossen wurde. „Und die Sklaverei tut Ihr dann einfach ab?“, fragte Larissa plötzlich. Sie schaute Nimue finster an. Seit dem Aufbruch aus dem Dalishlager hatte sie stets diesen finsteren Gesichtsausdruck, der ihre Augenbrauen zornig wellte und ihrem schönen Gesicht einen Ausdruck tief sitzender Verbitterung verlieh. Nimue wischte den Angriff unwirsch beiseite. „Die Sklaven Tevinters sind kaum schlechter dran als die Elfen im Gesindeviertel.“ „Stimmt!“, fauchte Larissa. „Die Elfen! Immer die Elfen! Wir sind die, die Euren Größenwahnsinn tragen müssen, Magierin! Ihr Menschen, ihr Magier habt mein Volk in die Sklaverei verdammt und dazu, dass sie Bettler sind, der Bodensatz der Gesellschaft!“ Die junge Dalish war mit solch rechtschaffenem Zorn erfüllt, dass sie förmlich zu brennen schien. Mit der zierlichen Faust hieb sie so stark auf den Tisch, dass die Becher zitterten und die Leute an den Nachbartischen erschrocken zusammenzuckten. „Ein verfluchtes Land ist Tevinter! Ein Moloch aus Unrecht und Perversion! Ein Geviert des Abscheus!“ Larissa spürte eine Hand auf ihrem zitternden Unterarm. Sie gehörte Mordred, der sie mit einer Mischung aus Überraschung und Mitleid anschaute. Das Mitleid überwog und sie sanfte Strenge, mit der er ihren Arm festhielt, als sie versuchte sie loszureißen ließ sie sich schließlich beruhigen. „Ganz ruhig, Larissa“, sagte er friedfertig. Die Dalish holte tief Luft und atmete lange aus. Mordred nahm die Hand von Larissas Arm und schaute Nimue an. „Wart Ihr schon einmal in Tevinter?“ „Nein.“ „Dann erlaubt Euch bitte kein so rasches Urteil über die Sklaverei dort. Ich bin dort gewesen und habe gesehen, wie man mit den Sklaven dort umgeht. Es ist barbarisch!“ Nimue trank einen Schluck Wein und schaute ihn über den Rand des Bechers hinweg an. „Ich stimme Euch zu, dass Tevinter eine blühende Kultur hat, oder zumindest hatte. Doch die Sklaverei nimmt dem Land den Glanz.“ „Wie viele Sklaven habt Ihr gesehen?“, wollte Larissa wissen. „Hunderte? Tausende? Ich weiß es nicht.“ „Und wie viele davon waren Elfen?“ Das betretene Schweigen reichte als Antwort. „Sie missbrauchen Sie für allerlei Dienste, doch noch schlimmer ist es, wenn sie sie zur Stärkung der eigenen Macht opfern. Einmal war ich gezwungen etwas derartiges anzusehen und keine Woche später verließ ich Tevinter, obgleich ich dort ein höheres Ansehen genoss als an vielen Höfen weiter südlich.“ „Woran das wohl liegen mag?“, dachte Nimue, behielt den Gedanken jedoch für sich. „Was habt Ihr gesehen?“, fragte Larissa vorsichtig. Mordred schüttelte den Kopf. „Sagt es mir.“ Der Antivaner seufzte durchdringend und griff nach seinem eigenen Becher Wein, stürzte ihn in einem Zug hinunter und goss sich erneut ein. „Der immerwährende Kampf gegen die Qunari erfordert auch immer neue Kämpfer. Wer sich im Imperium einen Namen machen möchte geht nach Seheron und kämpft in der Frontlinie. So auch der Sohn eines Magisters, ein blutjunger Kerl, etwas jünger als Ser Artur. Sein Vater hatte ihn allerlei Zerstörungsmagie gelehrt und um seine Macht am Vorabend der Abreise zu stärken, keine Ahnung wie lange dies hält, wurde ein Opferritual abgehalten. Fünf Sklaven, vier Männer, eine Frau, wurden auf den Platz geführt. Männer sind wertvoller als Frauen, weil sie größer sind und mehr Blut haben“, erklärte er bedrückt. Eine unheimliche und angespannte Stille breitete sich über dem Tisch aus. „Sie wurden zu so einer Art Galgenkonstruktion geführt und dort an den Füßen aufgehängt. Lebendig natürlich. Ich kann noch immer ihr Flehen hören…“ Der zweite Becher Wein wurde ohne abzusetzen ausgetrunken, in dem Versuch das Erlebte zu verdrängen. „Man sagte uns, das heißt meinen fremdländischen Kampfgefährten und mir, es sei eine Ehre diesem Ritual beizuwohnen. Meiner Meinung nach war es eine Strafe. Der junge Magier stellte sich unter den Galgen, dann packte er den hängenden Haarschopf des ersten Sklaven und ein Mann auf dem Gerüst enthauptete ihn. Das Blut schoss nur so in Strömen auf den Jungen herab und er genoss es, als sei es das Quellwasser eines reinen Bergsees. Und so ging es mit den anderen Vier ebenfalls. Am Ende konnte man ihn gar nicht mehr erkennen, unter all dem dickflüssigen Rot. Nur an sein strahlendes Lächeln kann ich mich noch erinnern.“ Mordred trank einen dritten Becher, diesmal jedoch gesitteter. „Dem Erbauer sei Dank hat es ihn keine zwei Wochen nach dem Eintreffen in Seheron erwischt. Einen Wurfspeer direkt durchs Herz. Der Bastard ist zu schnell gestorben, denn anscheinend war er schon immer fasziniert von dem Leid und Blut der Bediensteten. Als er vierzehn war hat er einen achtjährigen Sklavenjungen umgebracht, so hieß es und eine Sklavin hat er… er hat sie nie in sein Bett geholt, hat sie immer nur gerne geschlagen. Dafür hasste ich ihn, denn die Elfe, der er das antat hat mich sehr an jemand anderen erinnert. Wenigstens eine gute Tat konnte ich tun, denn dem Magister fiel auf, dass ich Gefallen an ihr gefunden hatte. Er schickte sie mir ins Schlafgemach und…“ „Das habt Ihr nicht getan!“, wisperte Larissa leise. „Sagt mir, dass Ihr das nicht getan habt!“ „Ich habe es getan. Ich war schon seit vielen Monaten in Tevinter und sie war einfach zu schön. Sie war so lieb und so…“ Larissa erhob sich pfeilschnell, wobei sie die lange Sitzbank um einige Zoll zurückschob. Sie warf Mordred einen finsteren Blick zu und stiefelte dann mit langen Schritten fort. „Larissa!“, rief ihr der Antivaner nach, doch sie drehte sich nicht um. Mordred seufzte. „Eure gute Tat war also Euch von dieser Sklavin reiten zu lassen?“, fragte Nimue mit der Gehässigkeit ausgefahrener Katzenkrallen. „Nein. Ich habe sie dem Magister abgekauft, weil ich sagte ihre Liebeskünste hätten mir so sehr zugesagt.“ „Haben sie das denn?“ Mordred würdigte dies nicht einer Antwort. „Ich gab ihm zwanzig Souvereign und nahm sie mit nach Antiva. Dort gab ich ihr dasselbe nochmal und entließ sie in die Freiheit. Sie war natürlich von dem Moment frei, als wir die Grenze zu Antiva passierten, doch dort ließ ich sie ziehen. Sie weinte, weil sie nicht wusste, was sie mit der Freiheit anfangen sollte und bat mich sie doch zu behalten. Aber ich konnte nicht. Ihr Anblick schmerzte zu sehr.“ Ein schwaches Lächeln umspielte Mordreds Mundwinkel, während er mit gesenktem Blick auf den Wein schaute. „Ich weiß jedoch davon, dass sie nun als gut bezahlter Mundschenk bei einem Händlerprinzen arbeitet. Ich habe ihn sogar einmal besucht und sie gesehen, ohne mich selbst zu erkennen zu geben. Sie schien glücklich zu sein…“ Mordred schaute in die Runde. „Tut mir Leid! Das hat wohl kaum noch etwas mit Tevinter zu tun.


    [Bild: nBNIRitter_940_mini.jpg][Bild: 14jlgz1i9WTcPy6veMorgana_mini.jpg][Bild: Mealla_portrait.jpg]

    Mealla hörte interessiert den Ausführungen der Zauberin zu die man wohl nach dem Vortrag vorhin wahrhaft ein wenig paradox nennen konnte. Natürlich wenn man die Blutmagie und die Sklaverei ausblendete wie es die derzeit Rothaarige tat, war Tevinter ein Hort des Wissens über die arkanen Künste. Allerdings wäre es zumindestens ohne die Sklaverei vermutlich schon zusammengebrochen. In Meallas Augen kein Punkt den man einfach unter den Tisch fallen lassen konnte. Die Zauberin schien aber vor allem das gesammelte Wissen zu interessieren, welches in den Bibliotheken des Reiches verborgen war. Mealla wunderte das nicht, fast jeden Magier gelüstete es nach Wissen, denn Wissen war Macht. Mochte Nimue auch nicht an der Blutmagie interessiert sein, so schien auch sie nicht gegen die Verlockungen der arkanen Macht gefeit und schien ganz verzückt bei dem Gedanken von berstenden Bücherregalen voller Wissen. Ihre alte Herrin war in dieser Hinsicht ähnlich gewesen und hatte sich häufig in den Bibliotheken aufgehalten. Neben ihrer umfangreichen Privatsammlung, war sie deswegen häufig in den zahlreichen Bibliotheken von Vinrathous gewesen. Vinrathous war zwar nicht so bedeutend wie Minrathous, aber als Ort der Gelehrsamkeit und der Studien im Reich bekannt. Die größte Bibliothek stand allerdings in der Hauptstadt, was neben Sitzungen im Magisterium der Hauptgrund für Besuche in Minrathous gewesen war. Die Elfe war nachdem sie zu einer Art Leibsklavin geworden war, ebenfalls dort gewesen, zum Schutz der Magistra aber auch für allerlei Laufdienste. Während Servillia sich in ihre Studien vertiefte hatte sich Mealla normalerweise irgendwo in der Nähe niedergelassen und auch gelesen. Natürlich andere Bücher, denn sie hatten keinen Nutzen an fortgeschrittenen Wissen über Magie oder die tieferen Mysterien des Nichts. Die ganz alten Bücher konnte sie auch nicht lesen, denn diese waren in Alt-Tevene geschrieben, einer Sprache die nur noch in den obersten Kreisen von Tevinter bekannt war. Die alten Familien hüteten dieses Wissen und brachten es nur ihren Nachkommen bei, was ihnen einen Vorteil gegenüber den "Emporkömmlingen" den Laetans bot. Mealla wollte auch gar nicht wissen was in solchen Büchern stand, sie beherrschte das moderne Tevene und das war für die neueren Bücher mehr als ausreichend. Sie las gerne Bücher über alle möglichen Sagen und Legenden, fremde Orte und Länder. Sie hatte sich dabei gerne vorgestellt, wie es wohl wäre diese Länder zu sehen und sie zu bereisen wie es ihr passte. Manchmal erschien es ihr immer noch wie ein Traum das es ihr jetzt tatsächlich möglich war.

    Die Dalish schien die Ausklammerung der Sklaverei auch nicht zu gefallen und so hakte sie nach, woraufhin Nimue begann die Sklaverei mit den Gesindevierteln zu relativieren. Mealla schaute die Magierin nur skeptisch an, während sich die Finger ihrer linken Hand leicht in das Holz der Tischplatte krallten. Wie sie dieses Argument hasste, als ob ein Unrecht ein anderes besser machen würde, vor allem da es nicht unbedingt stimmt. Sie hatte die Gesindeviertel gesehen, die meisten waren schäbig und überfüllt, aber vielen Sklaven in Tevinter ging es nicht besser. Natürlich Haussklaven oder Militärsklaven waren besser untergebracht, aber Feldsklaven oder die im Bergbau lebten waren oft in engen Barracken untergebracht. Wer in die Steinbrüche kam dessen Schicksal war oft besiegelt, dort arbeitete man bis man tot umfiel. Den Stadtelfen ging es nicht gut, aber immerhin waren sie keine Gegenstände und waren rein rechtlich unter der Protektion ihres Lehnsherren. Kein schönes Leben, aber in Meallas Augen immer noch besser als keinerlei Rechte zu besitzen. Ihr Blick ging über zu der zornigen Dalish, welche jetzt begann von ihrem Volk zu schwadronieren. Jetzt waren es wieder die Elfen, aber sobald sie sich wieder unter Dalish befand waren es vermutlich wieder die edlen Dalish und die "Flachohren". Nicht das sie komplett Unrecht hatte, jedoch gefiel Mealla die Wortwahl nicht. Sie selbst konnte im Moment allerdings nicht allzuviel sagen, schließlich wäre eine profunde Kenntnis von Tevinter aus ihrem Mund mehr als auffällig gewesen.

    Morgana wusste nur aus Geschichten und Erzählungen über Tevinter Bescheid, aber das Meiste was sie gehört hatte gefiel ihr überhaupt nicht. Sicher die Aussicht ohne Templer oder Einschränkungen forschen zu können war verlockend, aber Morgana hielt überhaupt nichts von Sklaverei, außerdem hatte Tevinter Arlathan vernichtet. Morgana hatte die Überreste des Elfenreiches gesehen, die Zerstörungen und wollte gar nicht wissen wieviel Wissen dadurch verloren gegangen war. Allerdings verwunderte es sie nicht das Nimue die Sklaverei schon fast als Banalität abtat, irgendwie passte das zu einer treuen Dienerin des Zirkels. Vermutlich würde sie sich auch mit dem Status einer Sklavin in Tevinter abfinden solange man sie in deren Bibliotheken rumstöbern ließ. Was Morgana jedoch sauer aufstieß ließ Larissa zornig aufstehen. Morgana verstand den Zorn ihrer Freundin und wollte gerade versuchen sie zu beruhigen als Mordred dies übernahm und sie wieder zur Räson brachte. Mit ruhiger Stimme fuhr der Antivaner anschließend fort zu sprechen und Nimue ein wenig über die wahren Verhältnisse in Tevinter aufzuklären. Mealla hatte zwar schon mitbekommen das der Antivaner schon dort gewesen war, kannte jedoch weder Grund noch Länge des Aufenthalts, immerhin war der Antivaner ja kein Händler wie die meisten seiner Landsleute dort. Mealla hörte deswegen aufmerksam zu, den Kopf auf ihre beiden Hände gestützt. Bei den Einwürfen der Dalish verdrehte sie kurz die Augen. Wenn man länger in Tevinter war hörte man auf Sklaven zu zählen, sie waren ein Teil des Stadtbildes und überall zu finden. "Mehr als Zwerge, vermutlich.", dachte sie spöttisch bei der Frage nach dem Anteil der Elfen an den Sklaven. Ob die Dalish wohl anfangen würde Zwerge zu verachten, wenn sie erfuhr das diese nicht versklavt werden durften und Orzammar seit zweitausend Jahren ein Bündnis mit dem Reich hatte? Als ob es für die versklavten Elfen besser würde, wenn es mehr Menschen und Qunari als Sklaven gäbe. Die Elfe lehnte sich zurück und nahm einen Schluck Wein. Die meisten Geschichten aus Tevinter ließen sich besser mit Alkohol ertragen. Diese gehörte auch dazu, auch wenn Mealla nicht sonderlich schockiert waren, im Gegensatz zu Artur und Morgana die der Geschichte mit Abscheu verfolgten. Die Elfe schüttelte hingegen nur wütend den Kopf und leerte ihren Becher. Es war interessant zu hören das der Antivaner scheinbar auf Seheron gegen die Qunari gekämpft hatte, aber es wunderte sie auch das man ihn bei so einem Ritual hatte zusehen lassen. Scheinbar war der Vater dieses Arschlochs auch nicht mehr ganz taufrisch gewesen, denn solche Dinge wurden inzwischen heimlich verrichtet und vor allem ohne Anwesenheit von Ausländern. Nach außen hin propagierte Tevinter schließlich sein Verbot von Blutmagie um nicht mehr im Ausland als eine Bande von bekloppten Blutmagiern wahrgenommen zu werden. Solche Aktionen wie diese konnten zum Ausschluss aus dem Magisterium führen und anderen "härteren" Sanktionen. Mit Befriedigung nahm sie zur Kenntnis das es diesen Jungen auf Seheron das Leben gekostet hatte, sie kannte solche kleinen Sadisten leider zu Genüge. Bei der Geschichte mit dem Sklavenmädchen funkelte kurz Zorn aus ihrem Blick dem Antivaner entgegen, den sie jedoch anders als die Dalish mit einem Schluck Wein herunterspülte. Sie hieß es nicht gut, aber andererseits war wohl jede Prostituierte in Tevinter eine Sklavin und der Antivaner immerhin ein Mann. Warum sollte er besser sein als der Rest.

    Morgana fand die ganze Geschichte mehr als abstoßend von der Nutzung des Blutes von vier Unschuldigen bis zu Mordreds bespringen eines geschundenen Sklavenmädchens. Besorgt sah sie hinter Larissa hinterher welche vom Tisch wegstiefelte und verschwand. Morgana überlegte kurz ob sie ihr nachlaufen sollte, entschied aber das die Dalish wohl gerade für sich sein wollte. Außerdem wollte sie erfahren was diese Aktion denn als gute Tat auszeichnen sollte. Das Mordred die Sklavin freigekauft hatte, stimmte sie dann auch ein wenig milder und sie entspannte sich wieder etwas. Mealla fand die Geste recht großzügig, auch wenn sie es ein wenig leichtsinnig fand eine gerade befreite Sklavin ohne Ahnung von der Freiheit mit 20 Souvereigns wegzuschicken. Scheinbar war die Sache gut ausgegangen, aber es hätte auch ganz schnell mit einer toten Elfe in irgendeiner Gasse enden können.
    Tut mir Leid! Das hat wohl kaum noch etwas mit Tevinter zu tun.“, beendete der Antivaner seine kleine Abschweifung.

    "Vielleicht nicht, aber es gibt der Geschichte ein besseres Ende. Die meisten Geschichten die man aus Tevinter hört haben so etwas nicht zu bieten.",antwortete Artur versöhnlich und lächelte aufmunternd. "Wenn man an die Nordgrenze von Nevarra reitet und nordwärts nach Tevinter geht, sieht man die Geschichten von glückloseren Sklaven. Sie sind entlang der Straße an Kreuze genagelt, der Blick ins Landesinnere gerichtet, als Mahnung an Sklaven die versuchen wollen über die Grenze zu fliehen. Widerwärtig."
    Mealla schüttelte abfällig den Kopf, sie hatte auf ihrer Flucht nach Nevarra genügend dieser armen Seelen gesehen, allerdings hatten sie darin nur bestärkt das es keinen Weg zurück gab. Einer der Gekreuzigten hatte sogar noch gelebt, oder eher gelitten. Mealla hatte ihn von ihren Leiden erlöst, denn zum Herunterholen war es schon zu spät gewesen. Ansonsten hatte sie nicht allzuviele gesehen, denn die Straßen waren für die Flucht zu riskant gewesen.
    "Nein, Tevinter ist in Nevarra nicht gerade beliebt, vor allem da sie häufiger kleine Trupps herüberschicken die Bewohner der Grenzlande verschleppen und in die Sklaverei verkaufen. Die Mortalitasi versuchen zwar manchmal zwischen dem Königshaus und dem Senat zu vermitteln, aber für gewöhnlich sind die Beziehungen mindestens angespannt.", erklärte Artur und nahm einen Schluck aus seinem Krug.
    "Sklaverei herrscht zwar nur noch in Tevinter, aber es ist ein Geschäft das sich über ganz Thedas erstreckt. Llomerryn, eine kleine Insel vor Rivain ist bekannt als Hafen für allerlei Abschaum wie Piraten die ihre Gefangenen nach Tevinter in die Sklaverei verkaufen. Und die Krähen aus Antiva sind wiederum dafür bekannt Sklavenkinder aus Tevinter zu erwerben und Assassinen aus ihnen zu machen. Natürlich würde es dieses Geschäft ohne Tevinter nicht geben, aber es ist beschämend zu sehen wie der Abschaum aus den anderen Ländern davon profitiert.",erwähnte Mealla mit leichtem Abscheu in der Stimme. Selbst im Ausland musste man vorsichtig sein, in den großen Städten trieben sich oft Sklavenhändler herum und manchnmal erwachte man nach einer durchzechten Nacht in der Taverne im Bauch eines Sklavenschiffs. Oder auf dem Deck eines Marineschiffes, aber das war eine andere Thematik.
    "Allerdings habt ihr nicht unrecht, das Reich hat auch viele Errungenschaften hervorgebracht, wenn man soviel reist wie ich lernt man die alten imperialen Hochwege zu schätzen die sich noch über Thedas erstrecken.", sprach sie etwas versöhnlicher in Richtung Nimue. Natürlich waren diese auch von Slaven gebaut worden, aber wen interessierte das heutzutage noch.

    Morgana hörte zwar interessiert, aber nur mit halbem Ohr zu. Larissa war noch immer nicht zurückgekommen und Morgana beschloss nach der Dalish zu sehen. Mit einer kurzen Entschuldigung erhob sie sich und schlug die Richtung ein in der die Elfe verschwunden war. Sie war wohl kaum auf ihr Zimmer gegangen, denn Morgana hatte es ja abgeschlossen. Vermutlich hatte sie sich nur eine ruhige Ecke gesucht um sich zu beruhigen, sie war ziemlich aufgebracht gewesen. Die Hexe war sich auch nicht sicher ob ihre Anwesenheit erwünscht war, die letzten Tage hatten gegenteiliges gezeigt. Dennoch erschien es ihr richtig nach ihrer Freundin zu sehen, wenn alles in Ordnung war und sie alleine sein wollte, würde sie halt wieder gehen.

    Nachdem die Hexe verschwunden war und vermutlich die Dalish suchte, richtete Mealla ihr Wort an Mordred. "Verzeiht mir wenn ich das Thema wieder anschneide Lord Aromaki, aber ich hätte noch eine Frage. Wie ich eurer Erzählung entnehme habt ihr an der Seite Tevinters gegen die Qunari gekämpft. Die meisten Leute außerhalb Tevinters interessiert der Kampf um eine verlorene Insel recht wenig, ihnen reicht es das die Qunari vom festland vertrieben worden sind. Wie kamt ihr dazu die Sache Tevinters auf der Insel zu unterstützen?"
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  11. #71
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    Ayden

    [Bild: 4SwLKzqqxG82wAKV9h1RsE2GZMHnqPDarion_portrait.png]

    Arwan hatte gerade den Anschlag zu Ende vorgelesen, als Yonice auch schon losstürmte. Verdutzt blickte er ihr nach. Doch weit kam Yonice nicht, sie stolperte und fiel hin - ein großer Stein war der Grund. Oh nein, das war gar nicht gut! Die Tränen, die nun über Yonices Gesicht flossen und mit solch großer Wut, wie sie auf den Boden schlug, als wolle sie ein Loch in die Erde machen, gaben die Worte den Rest: „Ich bin nutzlos, Arwan, warum lasst Ihr mich nicht einfach hier zurück und geht Eures Weges. Ich bin doch nur ein Hindernis für Euch. Lasst mich hier… vielleicht wäre es besser, wenn ich nicht mehr leben würde.“

    Gerade als Arwan einen Schritt auf sie zu machte, sah er wie ein fremder Mann mit rötlichen Haaren und einem Bart an die Seite der Qunari trat und ihr die Hand reichte. »Madam, greift zu, ich helfe euch auf, ich bin Ayden ... niemand sollte von sich sagen, er sei nutzlos.« Misstrauisch beäugte Arwan den Fremden und murmelte vor sich hin: "Ein Ritter oder Soldat muss er sein. Kein Templer." Das konnte er an dem fehlenden Templersymbol erkennen. Zumindest hoffte er, dass er nicht einfach nur sein Abzeichen versteckte. Wie würde der Fremde allerdings reagieren, wenn er erfuhr, dass Arwan ein flüchtiger Magier war? Der Qunari schien es ja nichts auszumachen.

    Nun gesellte er sich zu den Beiden, fasste seinen ganzen Mut und sprach den Fremden an. Allerdings ließ sich ein leichtes Zittern in seiner Stimme nicht verbergen. "Ich bin Arwan und das ist Yonice. Meine..." Er stockte. Ja, was waren sie eigentlich? Gleich darauf fuhr er jedoch fort: "Wir sind... hmm... angegriffen worden. Ja, genau. Etwa fünf Tagesreisen von hier, bei den Höhlen. Ein... ähm... Zauber... hat Yonice wohl das Augenlicht geraubt." Nun, das war so dicht an der Wahrheit dran, wie er sich traute, zu gestehen. Das er den Zauber gewirkt hatte, verschwieg er wohlweislich. "Wir wollten gerade den Auftrag am Aushang annehmen, als dieses... Missgeschick... passierte. Wir brauchen das Geld um den Heiler zu bezahlen, damit er Yonice hilft." Arwan verstummte. Er redete eindeutig zu viel.
    Emerahl is offline
  12. #72
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    [Bild: Vanitas_4.jpg]

    Die Krähe stimmte einer gemeinsamen Reise ebenfalls zu, etwas was dem Mann der sich als Patrick vorstellte ein Lächeln entlockte. Sein neuer Reisegefährte schien es sehr eilig zu haben, sehr verdächtig in Vanitas Augen. Zusammen mit dem was er gespürt hatte und die Stimmen gewispert hatten, konnte er sich denken warum der Mann die Stadt zügig verlassen wollte. Vanitas war es egal, er hatte eh nicht vorgehabt lange hierzubleiben und dieser Mann würde ihn auf die Spur der Dunklen Brut führen. Dann würde die Ernte beginnen. Um der Form genüge zu tun stellte er sich knapp vor, woraufhin sich die kleine Frau ebenfalls dem neuen Reisegefährten vorstellte. Ein netter Kontrast den die beiden boten, Faizah ging diesem Patrick nur bis zur Brust, denn er war noch größer als Vanitas, auch wenn das aufgrund seiner Helmzier momentan nicht so auffiel. Nun es würde sich zeigen ob die beiden mehr Ärger als Nutzen mit sich bringen würden..

    Zu dritt verließ die frisch gebildete Reisegesellschaft die Stadt aus Highever, verabschiedet von den Köpfen die auf die Zinnen des Südtores aufgespießt worden waren. Eine würdige Verabschiedung wie der Ritter empfand, man konnte fast meinen die Toten würden ihnen sehnsüchtig hinterherschauen. Natürlich nur rein metaphorisch, denn die Augen waren schon längst von ein paar eifrigen Vögeln herausgepickt worden. Der Tod bot so manchem Lebewesen die Grundlage zum Leben vom majestätischen Geier bis hin zu den eifrigen Bewohnern des Erdreiches. Viele Vorräte hatte Vanitas nicht einkaufen müssen, er war gut vorbereitet aus Sanctum abgereist, mit allerlei Ausrüstung und Karten in den Satteltaschen. Er war der einzige mit Pferd die anderen beiden waren zu Fuß unterwegs, eine Behinderung aber Vanitas hatte es nicht übermäßig eilig. Er selbst hatte sich in den Sattel geschwungen, wofür hatte man schließlich ein Pferd. "Soll der Pöbel ruhig laufen.", kam es aus den Untiefen seines Gedächtnisses hervor. Es war nicht seine Aussage und er wusste nicht mehr wo er sie gehört hatte. Vermutlich aus dem Leben des Mannes der vor Vanitas war, denn auf Sanctum machte man sich nicht sehr viel aus sozialen Ständen, denn vorm Tod war jeder gleich, er machte keinen Unterschied zwischen Bettler und König. Es war ein trüber bewölkter Tag, die Sonne war kaum zu sehen, Vanitas empfand es angenehm kühl, nach dem was man so über Ferelden hörte musste man froh sein wenn es nicht regnete. Seine Gedanken schweiften umher, über seinen Auftrag, die Dunkle Brut und seine neuen "Gefährten". Eine Assassinin und ein Mann der in Vanitas Augen vor Blut zu triefen schien. Der Todesritter ging selten Pakte Vereinbarungen oder Allianzen ein, aber wenn er es tat waren es eher Soldaten oder Söldner und nicht solch sonderbare Gestalten.
    "Neue Länder, neue Erfahrungen.", vielleicht bekam er ja so neue Erkenntnisse die dem Orden nützen konnten.

    Schließlich zweigte die Straße ab, neben der großen gepflasterten Straße gab es eine kleine etwas rustikalere Route. Wie Vanitas bei einem Gespräch auf dem Markt erfahren hatte war diese zwar in schlechterem Zustand, aber dafür schneller während die große Straße einen großen Bogen machte bevor sie wieder nach Osten führte. Später ging sie dann wieder in die Hauptstraße über. Die Hauptstraße war in letzter Zeit voller Soldaten des neuen Teyrns oder mit Händlerkarren verstopft. Da Vanitas weder einen Karren noch Kutsche hatte, beschloß er den Nebenpfad zu nehmen. Schneller klang besser und er hatte keine Lust auf irgendwelche Händler die ihm Tinnef anbieten wollten.

    Am späten Nachmittag, kurz bevor die Dämmerung anzubrechen drohte begegneten sie trotzdem jemand anderen auf der Straße. Tatsächlich waren es keine Wanderer sondern eine ausgewachsene Straßensperre. Auf der Straße waren mehrere Freimarschen Reiter aufgestellt, hölzerne Barrieren aus x-förmig angespitzten Stangen, ein Hindernis für jede Kavallerie und im Unabhägigkeitskrieg der Freien Marschen bekannt geworden. Neben diesen Hindernissen, flatterte zwei Fahnen, die eine zeigte zwei Mabarihunde, die andere einen Bären. Hinter der Barriere standen mehrere Soldaten, bis dann auf der anderen Seite wieder mehrere Hindernisse die Straße auf der anderen Seite sperrten. Ganz offensichtlich ein Kontrollpunkt der Truppen des Teyrns. Vanitas stieg von seinem Pferd ab und führte es am Zügel auf die Sperren zu. Die Soldaten hatten sie schon gesehen, ein Umkehren wäre nur verdächtig gewesen und zumindestens er hatte ja nichts zu verbergen. Beim näherkommen betrachtete er die Soldaten, er zählte mindestens sieben Mann, zwei standen aufrecht mit der Pike in der rechten Hand, während ein Kerl mit einer Reiterarmbrust gelangweilt auf seinem Pferd saß. Zwischen den Sperren waren mannsgroße Lücken, in einer davon stand ein Soldat mit polierte Brustplatte und einer Sturmhaube auf dem Kopf, scheinbar der Einheitsführer. Mit gehobener Hand hielt er Vanitas zum anhalten an, woraufhin dieser die Zügel losließ und noch zwei Schritte tat, bevor er vor ihm stehenblieb. "Halt Reisende. Wer seid ihr und was ist der Grund warum ihr diese Straße bereist?", fragte er streng. "Nennt mich Vanitas. Ich und meine Gefährten nutzen diese Straße weil wir hörten sie sei kürzer und weniger befahren."
    "Und weniger bewacht, nicht wahr? Ihr seid eine sonderbare Gesellschaft und seht nicht wie normale Reisende aus. Die wenigsten meiden zur Zeit die große Straße, denn die ist von uns bewacht. Wer geht schon gerne ein Risiko ein, vor allem zur Zeit. In Highever und Umland wurden mehrer Morde begangen, der Täter ist immer noch auf freiem Fuß. Und diese Verräter an der Krone bewegen sich auch abseits der Straße, weil sie hoffen so der gerechten Strafe zu umgehen. Wollt ihr auch der Strafe entgehen?", fragte er schneidend. "Nun es dauert mich von euren Problemen zu hören, aber ich bin erst heute in diesem Land angekommen und hatte deswegen keine Zeit jemanden zu emorden oder eure Krone zu verraten. Könntet ihr also ein wenig Platz machen damit ich meinen Weg fortsetzen kann.", erklärte er mit gelassener Stimme. Vielleicht war es einfacher die Straße selbst freizumachen. Der Kommandant schien nachzudenken, dann sprach er wieder zu Vanitas. "Nun ihr seht tatsächlich nicht aus wie Einheimische. Ihr könnt weiter, sobald ihr den Zoll für die Benutzung bezahlt habt.", erklärte er mit schmutzigen Grinsen. "Ach der Zoll, womit ihr diese Straße instandhaltet.",antwortete Vanitas spöttisch und sah auf dem Pfad aus Dreck und verinzelten Pflastern den man Straße nannte.
    "Wofür geht euch nichts an, zahlt ihn oder dreht um und nehmt das lange Elend und dieses sonderbare Weibsbild hinter euch direkt mit! Oder vielleicht nehme ich euch auch fest und lasse feststellen ob ihr nicht doch Dreck am Stecken habt",drohte er lautstark. Vanitas schaute ihn kurz schweigend aus dem Helm heraus an. "Ihr habt Recht ein Zoll muss gezahlt werden.", erklärte er einsichtig und drehte sich zu seinem Pferd um. "Schön das ihr ein wenig Verstand unter diesem Helm zu besitz..", begann der Soldat zu sprechen, bevor sich Vanitas plötzlich umdrehte und dabei sein Schwert aus der Scheide zog und in der Drehung mit einem Schlag dessen Satz beendete. Ohne Mühe durchsschnitt die Klinge aus Drachenknochen den Hals des Mannes, wobei der Kopf im hohen Bogen nach hinten in die Sperre flog. "Eins." Noch während der Körper zu Boden sank, trat Vanitas schon über ihn, auf dem Reiter mit der Armbrust zu der diese hektisch anlegte. Mit zwei schnellenn Schritten war der Chevalier bei ihm und trennte mit seiner Klinge die Hand mit der Armbrust von dem Arm des Reiters ab. Ein gellender Schrei ertönte aus seiner Kehle, bevor Vanitas die Klinge in seinen Unterleib rammte und seitwärts aus dem Körper führte. "Zwei." Ohne Zeit damit zu verschwenden zu beobachten wie Ober und Unterleib getrennt vom Pferd fielen, wandte sich Vanitas jetzt den anderen Soldaten zu, entschlossend den Zoll in Form von Blut zu entrichten.
    numberten is offline Last edited by numberten; 12.05.2016 at 14:15.
  13. #73
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    vorheriger Post: Pari Pari ~ Antwort von: Aril

    Glandis | Am Flussbaum • Eine Schlepperei

    [Bild: VR_Gladis_1.png] Glandis hatte instinktiv gehandelt, als sie sagte:»Aril, lasse uns eins, zwei Schritte zurückgehen und die Waffen senken« Danach war alles gut verlaufen. Die Wölfe waren mit dem einen Reh geflüchtet. Es war ja gerissen worden. Sie war sich bei solchen Dingen nie sicher, ob man so eine Beute unversehens nehmen sollte. Denn man musste, auch eingedenk des nahen Feldes voller Toten nicht, was diese so zwischen den Zähnen gehabt hatten. Bei diesem Gedanken schüttelte es sie ein wenig.

    Aril holte sie mit dem Sinn für das Praktische zurück aus ihren Gedanken: „Wir sollten das Reh zuerst zum Fluss schaffen und nach den Pferden sehen. Dann können wir weiterschauen … Es ist viel zu tun.“ Glandis nickte und packte mit zu. Sie versuchte noch einige ihrer Pfeile zu bergen. Den, den sie dem Jungwolf zwischen die Pfoten geschossen hatte, den bekam sie am leichtesten. Den, den sie auf das Reh abgeschossen hatte, brach sie einfach ab. Denn die eine Pfeilspitze ragte heraus. Die andere steckte tief im Fleisch. Aber an diese würde sie ja kommen. Doch die anderen waren verloren. Sie war ein wenig gram mit sich, dass sie die toten Wölfe nur so mit ein wenig Laub bedeckt liegen lassen mussten. Einen Gedanken, dass sie hier auf einer Waldlichtung ein Feld der Toten angelegt hatten, wischte sie wieder weg. Denn es galt bei dem Reh anzufassen. Schnell war ein Ast zurechtgehauen. Aril konnte das mit ihrem Schwert wunderbar. Dann banden sie die Hufe des Tieres zusammen, steckten den Ast hindurch und bei einem »Zugleich« „Zugleich“ wuchteten sie den Ast auf ihre Schultern. Nach dem es sich ausgependelt hatte, liefen sie zum Lager. Sie schaute immer nach links und rechts, doch die Wölfe folgten ihnen nicht.

    Aril lief vorn und machte auf dem Weg zum Lager am Flussbaum keine Umwege. Die Dalish sah, wie sie ab und zu den Ast hin und her ruckte. Er schien zu drücken. Bei ihr war es auch so. Das Tier hatte sein Gewicht. Der Gedanke, leise beim Gehen ausgesprochen »… wir hätten etwas Stoff um die Enden wickeln können …« kam zu spät. Leider kamen sie an den Fallen nicht vorbei. Doch es war besser so. Sie abzubauen wäre jetzt sehr zeitaufwendig gewesen.

    Sie erreichten das Lager. Alles schien friedlich so wie immer. Die beiden Pferde grasten und hoben kurz ihre Köpfe, wie zu einer Begrüßung. Jedenfalls waren ihre Ohren in die Richtung der beiden gedreht. Doch Aril und Glandis wollte keine Zeit verlieren und hatten etwas anderes vor. Die Dalish sagte zu Aril: »Kletterst du auf den Baum?« Das tat diese auch. Nun galt es das Reh so hochzuheben, dass ihre Partnerin es greifen konnte. Es gelang, auch wenn beide etwas brauchten. Beim Ziehen von Aril drückte Glandis so gut es ging mit der Schulter nach. Dazu stieg sie auf dem am Baum befestigten Kletterleiter mit nach oben. Dann war es geschafft. Sie freute sich und sagte zu Aril: »Haben wir doch toll hinbekommen. Wollen wir nach den Pferden sehen und uns etwas säubern und dann los?«

    nächster Post: Dies und das
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  14. #74
    Held Shepard Commander's Avatar
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    Spoiler:(zum lesen bitte Text markieren)
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    [Bild: nBNIRitter_940_mini.jpg][Bild: 14jlgz1i9WTcPy6veMorgana_mini.jpg][Bild: Mealla_portrait.jpg]

    Mealla hörte interessiert den Ausführungen der Zauberin zu die man wohl nach dem Vortrag vorhin wahrhaft ein wenig paradox nennen konnte. Natürlich wenn man die Blutmagie und die Sklaverei ausblendete wie es die derzeit Rothaarige tat, war Tevinter ein Hort des Wissens über die arkanen Künste. Allerdings wäre es zumindestens ohne die Sklaverei vermutlich schon zusammengebrochen. In Meallas Augen kein Punkt den man einfach unter den Tisch fallen lassen konnte. Die Zauberin schien aber vor allem das gesammelte Wissen zu interessieren, welches in den Bibliotheken des Reiches verborgen war. Mealla wunderte das nicht, fast jeden Magier gelüstete es nach Wissen, denn Wissen war Macht. Mochte Nimue auch nicht an der Blutmagie interessiert sein, so schien auch sie nicht gegen die Verlockungen der arkanen Macht gefeit und schien ganz verzückt bei dem Gedanken von berstenden Bücherregalen voller Wissen. Ihre alte Herrin war in dieser Hinsicht ähnlich gewesen und hatte sich häufig in den Bibliotheken aufgehalten. Neben ihrer umfangreichen Privatsammlung, war sie deswegen häufig in den zahlreichen Bibliotheken von Vinrathous gewesen. Vinrathous war zwar nicht so bedeutend wie Minrathous, aber als Ort der Gelehrsamkeit und der Studien im Reich bekannt. Die größte Bibliothek stand allerdings in der Hauptstadt, was neben Sitzungen im Magisterium der Hauptgrund für Besuche in Minrathous gewesen war. Die Elfe war nachdem sie zu einer Art Leibsklavin geworden war, ebenfalls dort gewesen, zum Schutz der Magistra aber auch für allerlei Laufdienste. Während Servillia sich in ihre Studien vertiefte hatte sich Mealla normalerweise irgendwo in der Nähe niedergelassen und auch gelesen. Natürlich andere Bücher, denn sie hatten keinen Nutzen an fortgeschrittenen Wissen über Magie oder die tieferen Mysterien des Nichts. Die ganz alten Bücher konnte sie auch nicht lesen, denn diese waren in Alt-Tevene geschrieben, einer Sprache die nur noch in den obersten Kreisen von Tevinter bekannt war. Die alten Familien hüteten dieses Wissen und brachten es nur ihren Nachkommen bei, was ihnen einen Vorteil gegenüber den "Emporkömmlingen" den Laetans bot. Mealla wollte auch gar nicht wissen was in solchen Büchern stand, sie beherrschte das moderne Tevene und das war für die neueren Bücher mehr als ausreichend. Sie las gerne Bücher über alle möglichen Sagen und Legenden, fremde Orte und Länder. Sie hatte sich dabei gerne vorgestellt, wie es wohl wäre diese Länder zu sehen und sie zu bereisen wie es ihr passte. Manchmal erschien es ihr immer noch wie ein Traum das es ihr jetzt tatsächlich möglich war.

    Die Dalish schien die Ausklammerung der Sklaverei auch nicht zu gefallen und so hakte sie nach, woraufhin Nimue begann die Sklaverei mit den Gesindevierteln zu relativieren. Mealla schaute die Magierin nur skeptisch an, während sich die Finger ihrer linken Hand leicht in das Holz der Tischplatte krallten. Wie sie dieses Argument hasste, als ob ein Unrecht ein anderes besser machen würde, vor allem da es nicht unbedingt stimmt. Sie hatte die Gesindeviertel gesehen, die meisten waren schäbig und überfüllt, aber vielen Sklaven in Tevinter ging es nicht besser. Natürlich Haussklaven oder Militärsklaven waren besser untergebracht, aber Feldsklaven oder die im Bergbau lebten waren oft in engen Barracken untergebracht. Wer in die Steinbrüche kam dessen Schicksal war oft besiegelt, dort arbeitete man bis man tot umfiel. Den Stadtelfen ging es nicht gut, aber immerhin waren sie keine Gegenstände und waren rein rechtlich unter der Protektion ihres Lehnsherren. Kein schönes Leben, aber in Meallas Augen immer noch besser als keinerlei Rechte zu besitzen. Ihr Blick ging über zu der zornigen Dalish, welche jetzt begann von ihrem Volk zu schwadronieren. Jetzt waren es wieder die Elfen, aber sobald sie sich wieder unter Dalish befand waren es vermutlich wieder die edlen Dalish und die "Flachohren". Nicht das sie komplett Unrecht hatte, jedoch gefiel Mealla die Wortwahl nicht. Sie selbst konnte im Moment allerdings nicht allzuviel sagen, schließlich wäre eine profunde Kenntnis von Tevinter aus ihrem Mund mehr als auffällig gewesen.

    Morgana wusste nur aus Geschichten und Erzählungen über Tevinter Bescheid, aber das Meiste was sie gehört hatte gefiel ihr überhaupt nicht. Sicher die Aussicht ohne Templer oder Einschränkungen forschen zu können war verlockend, aber Morgana hielt überhaupt nichts von Sklaverei, außerdem hatte Tevinter Arlathan vernichtet. Morgana hatte die Überreste des Elfenreiches gesehen, die Zerstörungen und wollte gar nicht wissen wieviel Wissen dadurch verloren gegangen war. Allerdings verwunderte es sie nicht das Nimue die Sklaverei schon fast als Banalität abtat, irgendwie passte das zu einer treuen Dienerin des Zirkels. Vermutlich würde sie sich auch mit dem Status einer Sklavin in Tevinter abfinden solange man sie in deren Bibliotheken rumstöbern ließ. Was Morgana jedoch sauer aufstieß ließ Larissa zornig aufstehen. Morgana verstand den Zorn ihrer Freundin und wollte gerade versuchen sie zu beruhigen als Mordred dies übernahm und sie wieder zur Räson brachte. Mit ruhiger Stimme fuhr der Antivaner anschließend fort zu sprechen und Nimue ein wenig über die wahren Verhältnisse in Tevinter aufzuklären. Mealla hatte zwar schon mitbekommen das der Antivaner schon dort gewesen war, kannte jedoch weder Grund noch Länge des Aufenthalts, immerhin war der Antivaner ja kein Händler wie die meisten seiner Landsleute dort. Mealla hörte deswegen aufmerksam zu, den Kopf auf ihre beiden Hände gestützt. Bei den Einwürfen der Dalish verdrehte sie kurz die Augen. Wenn man länger in Tevinter war hörte man auf Sklaven zu zählen, sie waren ein Teil des Stadtbildes und überall zu finden. "Mehr als Zwerge, vermutlich.", dachte sie spöttisch bei der Frage nach dem Anteil der Elfen an den Sklaven. Ob die Dalish wohl anfangen würde Zwerge zu verachten, wenn sie erfuhr das diese nicht versklavt werden durften und Orzammar seit zweitausend Jahren ein Bündnis mit dem Reich hatte? Als ob es für die versklavten Elfen besser würde, wenn es mehr Menschen und Qunari als Sklaven gäbe. Die Elfe lehnte sich zurück und nahm einen Schluck Wein. Die meisten Geschichten aus Tevinter ließen sich besser mit Alkohol ertragen. Diese gehörte auch dazu, auch wenn Mealla nicht sonderlich schockiert waren, im Gegensatz zu Artur und Morgana die der Geschichte mit Abscheu verfolgten. Die Elfe schüttelte hingegen nur wütend den Kopf und leerte ihren Becher. Es war interessant zu hören das der Antivaner scheinbar auf Seheron gegen die Qunari gekämpft hatte, aber es wunderte sie auch das man ihn bei so einem Ritual hatte zusehen lassen. Scheinbar war der Vater dieses Arschlochs auch nicht mehr ganz taufrisch gewesen, denn solche Dinge wurden inzwischen heimlich verrichtet und vor allem ohne Anwesenheit von Ausländern. Nach außen hin propagierte Tevinter schließlich sein Verbot von Blutmagie um nicht mehr im Ausland als eine Bande von bekloppten Blutmagiern wahrgenommen zu werden. Solche Aktionen wie diese konnten zum Ausschluss aus dem Magisterium führen und anderen "härteren" Sanktionen. Mit Befriedigung nahm sie zur Kenntnis das es diesen Jungen auf Seheron das Leben gekostet hatte, sie kannte solche kleinen Sadisten leider zu Genüge. Bei der Geschichte mit dem Sklavenmädchen funkelte kurz Zorn aus ihrem Blick dem Antivaner entgegen, den sie jedoch anders als die Dalish mit einem Schluck Wein herunterspülte. Sie hieß es nicht gut, aber andererseits war wohl jede Prostituierte in Tevinter eine Sklavin und der Antivaner immerhin ein Mann. Warum sollte er besser sein als der Rest.

    Morgana fand die ganze Geschichte mehr als abstoßend von der Nutzung des Blutes von vier Unschuldigen bis zu Mordreds bespringen eines geschundenen Sklavenmädchens. Besorgt sah sie hinter Larissa hinterher welche vom Tisch wegstiefelte und verschwand. Morgana überlegte kurz ob sie ihr nachlaufen sollte, entschied aber das die Dalish wohl gerade für sich sein wollte. Außerdem wollte sie erfahren was diese Aktion denn als gute Tat auszeichnen sollte. Das Mordred die Sklavin freigekauft hatte, stimmte sie dann auch ein wenig milder und sie entspannte sich wieder etwas. Mealla fand die Geste recht großzügig, auch wenn sie es ein wenig leichtsinnig fand eine gerade befreite Sklavin ohne Ahnung von der Freiheit mit 20 Souvereigns wegzuschicken. Scheinbar war die Sache gut ausgegangen, aber es hätte auch ganz schnell mit einer toten Elfe in irgendeiner Gasse enden können.
    Tut mir Leid! Das hat wohl kaum noch etwas mit Tevinter zu tun.“, beendete der Antivaner seine kleine Abschweifung.

    "Vielleicht nicht, aber es gibt der Geschichte ein besseres Ende. Die meisten Geschichten die man aus Tevinter hört haben so etwas nicht zu bieten.",antwortete Artur versöhnlich und lächelte aufmunternd."Wenn man an die Nordgrenze von Nevarra reitet und nordwärts nach Tevinter geht, sieht man die Geschichten von glückloseren Sklaven. Sie sind entlang der Straße an Kreuze genagelt, der Blick ins Landesinnere gerichtet, als Mahnung an Sklaven die versuchen wollen über die Grenze zu fliehen. Widerwärtig."
    Mealla schüttelte abfällig den Kopf, sie hatte auf ihrer Flucht nach Nevarra genügend dieser armen Seelen gesehen, allerdings hatten sie darin nur bestärkt das es keinen Weg zurück gab. Einer der Gekreuzigten hatte sogar noch gelebt, oder eher gelitten. Mealla hatte ihn von ihren Leiden erlöst, denn zum Herunterholen war es schon zu spät gewesen. Ansonsten hatte sie nicht allzuviele gesehen, denn die Straßen waren für die Flucht zu riskant gewesen.
    "Nein, Tevinter ist in Nevarra nicht gerade beliebt, vor allem da sie häufiger kleine Trupps herüberschicken die Bewohner der Grenzlande verschleppen und in die Sklaverei verkaufen. Die Mortalitasi versuchen zwar manchmal zwischen dem Königshaus und dem Senat zu vermitteln, aber für gewöhnlich sind die Beziehungen mindestens angespannt.", erklärte Artur und nahm einen Schluck aus seinem Krug.
    "Sklaverei herrscht zwar nur noch in Tevinter, aber es ist ein Geschäft das sich über ganz Thedas erstreckt. Llomerryn, eine kleine Insel vor Rivain ist bekannt als Hafen für allerlei Abschaum wie Piraten die ihre Gefangenen nach Tevinter in die Sklaverei verkaufen. Und die Krähen aus Antiva sind wiederum dafür bekannt Sklavenkinder aus Tevinter zu erwerben und Assassinen aus ihnen zu machen. Natürlich würde es dieses Geschäft ohne Tevinter nicht geben, aber es ist beschämend zu sehen wie der Abschaum aus den anderen Ländern davon profitiert.",erwähnte Mealla mit leichtem Abscheu in der Stimme. Selbst im Ausland musste man vorsichtig sein, in den großen Städten trieben sich oft Sklavenhändler herum und manchnmal erwachte man nach einer durchzechten Nacht in der Taverne im Bauch eines Sklavenschiffs. Oder auf dem Deck eines Marineschiffes, aber das war eine andere Thematik.
    "Allerdings habt ihr nicht unrecht, das Reich hat auch viele Errungenschaften hervorgebracht, wenn man soviel reist wie ich lernt man die alten imperialen Hochwege zu schätzen die sich noch über Thedas erstrecken.", sprach sie etwas versöhnlicher in Richtung Nimue. Natürlich waren diese auch von Slaven gebaut worden, aber wen interessierte das heutzutage noch.

    Morgana hörte zwar interessiert, aber nur mit halbem Ohr zu. Larissa war noch immer nicht zurückgekommen und Morgana beschloss nach der Dalish zu sehen. Mit einer kurzen Entschuldigung erhob sie sich und schlug die Richtung ein in der die Elfe verschwunden war. Sie war wohl kaum auf ihr Zimmer gegangen, denn Morgana hatte es ja abgeschlossen. Vermutlich hatte sie sich nur eine ruhige Ecke gesucht um sich zu beruhigen, sie war ziemlich aufgebracht gewesen. Die Hexe war sich auch nicht sicher ob ihre Anwesenheit erwünscht war, die letzten Tage hatten gegenteiliges gezeigt. Dennoch erschien es ihr richtig nach ihrer Freundin zu sehen, wenn alles in Ordnung war und sie alleine sein wollte, würde sie halt wieder gehen.

    Nachdem die Hexe verschwunden war und vermutlich die Dalish suchte, richtete Mealla ihr Wort an Mordred. "Verzeiht mir wenn ich das Thema wieder anschneide Lord Aromaki, aber ich hätte noch eine Frage. Wie ich eurer Erzählung entnehme habt ihr an der Seite Tevinters gegen die Qunari gekämpft. Die meisten Leute außerhalb Tevinters interessiert der Kampf um eine verlorene Insel recht wenig, ihnen reicht es das die Qunari vom festland vertrieben worden sind. Wie kamt ihr dazu die Sache Tevinters auf der Insel zu unterstützen?"


    [Bild: Larissa_klein.jpg] & [Bild: TxGIDkV4csRmordred_klein.png] & [Bild: zq0QcywsNnimueblaurot_klein.jpg]

    Die meisten Leute außerhalb Tevinters interessiert es nicht, aber Euch?“, fragte Mordred und lächelte wissentlich. Er schaffte es sogar Mealla ein wenig Röte in die Wangen zu treiben. „Das schmeichelt meiner Person aber sehr, wenn Ihr sogar nach meinen Beweggründen für solcherlei kaum vernommene Aktionen fragt. Aber gut, Ihr sollt Eure Antwort bekommen und sie ist denkbar einfach, wenn auch mehrteilig: Abenteuerlust, jugendlicher Leichtsinn und ein Liebespein.“ Mordred fand ein stumpfes Brotmesser und begann damit in den Rollen des Tisches herum zu puhlen. „Wie alle jungen Männer, die nichts Besseres zu tun haben, sehnte ich mich nach Abenteuern. Wie alle guten Männer - oder solche die zumindest denken es zu sein - sehnte ich mich nach dem Kampf für die gerechte Sache. Und wie alle Männer tat ich eben das, was Männer so tun, wenn ihnen das Herz gebrochen wird: ich zog in den Krieg. Nun gibt es dem Erbauer sei Dank dieser Tage keine zwischenstaatlichen Konflikte. Die Tage in denen Orlais Krieg gegen Ferelden, Nevarra oder die Marschen führte, Nevarra sich ausschweifend mit Tevinter stritt oder versuchte sich die freien Städte Kirkwall und Starkhaven anzueignen sind vorbei und der einzige ewig schwelende Konflikt, von mehr als lokaler Bedeutung einer Fehde unter zwei Adelshäusern, ist nur der Kampf Tevinters gegen die Qunari. Bei vielen Adligen und damit vielen meiner Freunde, die mich nach meiner so tragischen Liebelei dazu überredeten mit ihnen in die Schlacht zu ziehen, ist es eine Art sich Ansehen zu verdienen, wenn man gegen entweder »die Ketzer«, oder »die Invasoren«, oder »die Teufel« kämpft. Meiner Erfahrung nach kämpfen Qunari wirklich wie Teufel, haben ansonsten jedoch abgesehen von den Hörnern nicht viel mit ihnen gemein. Ich lebte einige Jahre in Rivain, wo eine friedliche Koexistenz zwischen den Qunari und den Rivani besteht und erlebte dort eine ganz andere Seite dieses uns so fremden Volkes. Auf Seheron jedoch…“ Mordred erschauerte und umfasste den Messergriff wie den eines Schwertes. „Auf Seheron kämpften sie mit dem Mut eines Löwen, der Verschlagenheit eines Fuchses und der Stärke eines Bären. Unzählige Tote an den Frontlinien auf beiden Seiten. Was die Magier Tevinters mit ihren entfesselten Künsten zu übertrumpfen hofften wurde durch den Erfindungsreichtum der Qunari wieder wettgemacht. Der Krieg auf Seheron ist eine sinnlose und verlorene Sache. Wenn Tevinter und auch die Qunari schlau wären, würden sie dort nicht die Leben der Krieger wegwerfen, sondern Seheron zur neutralen Zone erklären.“ Mordred zuckte die Achseln um zu bedeuten, dass er weder die eine noch die andere Partei für sonderlich intelligent hielt. „Befriedigt das Eure Neugier, meine Liebe? Oder möchtet Ihr nun wirkliche Kriegsgeschichten hören, wie ich mit dem brennenden Schwert in der Hand die Mauer erklomm, hinter mit ein ganzer Teppich toter Qunari, vor mir eine speer- und schwertstarrende Armee?
    Ich denke Ihr langweilt die Lady Viridis mittlerweile. Und Männern, die sich mit ihren Kriegstaten profilieren, lohnt es sich in der Regel nicht seine Beachtung zu schenken“, warf Nimue kühl von der Seite her ein. „Ich hatte nicht vor zu prahlen, Mylady.“ „Das klang aber gerade eben ganz anders, Schwertmeister.“ „Das war eine rhetorische Übertreibung, meine liebe Frau Magierin! Vermutlich seid Ihr in Eurer Trockenheit aber gar nicht in der Lage, Euch über Witz und Ironie zu freuen.“ Nimue schnappte wütend nach Luft und Mordred merkte, dass es dumm gewesen war, seine Gedanken laut auszusprechen. „Das hat mit Witz gar nichts zu tun“, presste Nimue verärgert zwischen den Zähnen hervor. Laut atmete sie durch und erklärte dann: „Nur ist Gewalt verabscheuungswürdig und keine Einladung zu einer guten Geschichte am Abend!“ Nimue hatte ihre Contenance zurückgewonnen und sprach nun mit der gewohnten Souveränität einer autoritären Zirkelmagierin. Mordred rollte mit den Augen. „Seid Ihr als Elfe denn auch schon durch Tevinter geritten, Bogenschützin? Ihr sagt Ihr seid eine Botin zu Pferd und die Kopfgeldjagd ist nur ein Zubrot. Wart Ihr bereits dort, oder ist es als einsame Elfe zu unsicher Tevinter zu bereisen, wenn man nicht vom Gaul gezerrt und versklavt werden möchte?

    Verfluchte Menschen! Larissa brauchte frische Luft und arbeitete nun draußen vor der Taverne einen schmalen Trampelpfad in die Erde, während sie ihrer Wut immer wieder zischend und schnaubend Luft machte. Da dachte man, man kennt seine Gefährten und dann so etwas. Artur fiel ihr im Dalishlager in den Rücken, ebenso wie Morgana und Mordred, den sie als letzten Verbündeten gesehen hatte – denn Mealla und Nimue zählten nicht – stellte sich als der Lüstling heraus, den Morgana seit Beginn der gemeinsamen Reise in ihm gesehen hatte. Sie hatte Mordred immer für den edelsten der Sechs gehalten und hätte nie gedacht, dass er sich die Zwangslage einer Elfe zunutze machen würde um seine niederen Triebe zu befriedigen. Anscheinend waren alle Shems hinter ihren lächelnden Gesichtern und runden Ohren falsch!
    Eine Tür knarrte leise und ein rasch wachsender schmaler Lichtstrahl flammte auf dem staubigen Boden vor der Taverne auf. Noch ein wenig verbreiterte er sich, dann wurde er von einem Schatten unterbrochen und die Tür fiel leise ins Schloss. Das Licht war weg, eine Person dort. Larissa warf einen Blick zu dem Neuankömmling und sah Morgana. Eine Woge warmer Herzlichkeit schwappte von ihrem Herzen aus durch den gesamten Elfenkörper. Die Hexe hatte zweifellos die schlechte Aufnahme von Mordreds Erzählung verfolgt und sich um die Dalish gesorgt und das ließ Larissa eine freundliche Dankbarkeit mit der Schwarzhaarigen und in Schwarz gewandten und somit wie ein zum Leben erwachter Schatten wirkenden Morgana empfinden. „Ist das zu fassen?“, fragte die Elfe ohne ihre Bemühungen die ohnehin kranken Gräser einzuebnen zu unterbrechen. Sie stiefelte in Richtung der weitläufigen Felder, machte dann auf dem Absatz kehrt und kam zurück, wobei sie wieder anfing zu reden. „Nimmt sich diese arme Sklavin mit in sein Gemach. Dreckskerl! Hättest du so etwas von ihm erwartet? Ich nicht. Ich dachte immer er sei fair und…“ sie unterbrach sich und lief ein paar Schritte zurück gen Feld. Larissa scheiterte in der Bemühung ein geeignetes Wort zu finden, dass ihre Gefühle und ihre Hoffnungen und Gedanken gegenüber dem Antivaner zur Genüge zum Ausdruck brachten. Allerdings wollte sie den Satz nicht unbeendet lassen und nach noch einer kurzen Marschpartie sagte sie schließlich: „Ich dachte immer er sei ein Elfenfreund. Das findet man unter dem Menschen ja nur sehr selten.“ Weder Morganas noch Larissas Augen hatten diesen Glanz, der sie inmitten der Dunkelheit wie Diamanten blitzen ließen, doch erkannte man Morganas sorgenvollen Blick dennoch. „Was schaust du mich so an?“, fuhr Larissa ihre Freundin schärfer an, als sie es beabsichtigt hatte. Die Gesamtsituation und jetzt noch diese Sache hatten ihr Gemüt überreizt, den Bogen sozusagen überspannt. Für eine Entschuldigung war es zu spät, also tat Larissa lieber so, als wäre ihr nicht aufgefallen, dass sie sich im Ton vergriffen hatte und sagte milder: „Keine Angst, ich werde schon nicht meine Sachen packen und mitten in der Nacht weglaufen…“ „Wenn, dann würde ich meine Gründe frei vortragen“, dachte sie im Stillen, machte Kehrt und folgte der sich bereits abzeichnenden Spur.
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    [Bild: Larissa_klein.jpg] & [Bild: TxGIDkV4csRmordred_klein.png] & [Bild: zq0QcywsNnimueblaurot_klein.jpg]

    Die meisten Leute außerhalb Tevinters interessiert es nicht, aber Euch?“, fragte Mordred und lächelte wissentlich. Er schaffte es sogar Mealla ein wenig Röte in die Wangen zu treiben. „Das schmeichelt meiner Person aber sehr, wenn Ihr sogar nach meinen Beweggründen für solcherlei kaum vernommene Aktionen fragt. Aber gut, Ihr sollt Eure Antwort bekommen und sie ist denkbar einfach, wenn auch mehrteilig: Abenteuerlust, jugendlicher Leichtsinn und ein Liebespein.“ Mordred fand ein stumpfes Brotmesser und begann damit in den Rollen des Tisches herum zu puhlen. „Wie alle jungen Männer, die nichts Besseres zu tun haben, sehnte ich mich nach Abenteuern. Wie alle guten Männer - oder solche die zumindest denken es zu sein - sehnte ich mich nach dem Kampf für die gerechte Sache. Und wie alle Männer tat ich eben das, was Männer so tun, wenn ihnen das Herz gebrochen wird: ich zog in den Krieg. Nun gibt es dem Erbauer sei Dank dieser Tage keine zwischenstaatlichen Konflikte. Die Tage in denen Orlais Krieg gegen Ferelden, Nevarra oder die Marschen führte, Nevarra sich ausschweifend mit Tevinter stritt oder versuchte sich die freien Städte Kirkwall und Starkhaven anzueignen sind vorbei und der einzige ewig schwelende Konflikt, von mehr als lokaler Bedeutung einer Fehde unter zwei Adelshäusern, ist nur der Kampf Tevinters gegen die Qunari. Bei vielen Adligen und damit vielen meiner Freunde, die mich nach meiner so tragischen Liebelei dazu überredeten mit ihnen in die Schlacht zu ziehen, ist es eine Art sich Ansehen zu verdienen, wenn man gegen entweder »die Ketzer«, oder »die Invasoren«, oder »die Teufel« kämpft. Meiner Erfahrung nach kämpfen Qunari wirklich wie Teufel, haben ansonsten jedoch abgesehen von den Hörnern nicht viel mit ihnen gemein. Ich lebte einige Jahre in Rivain, wo eine friedliche Koexistenz zwischen den Qunari und den Rivani besteht und erlebte dort eine ganz andere Seite dieses uns so fremden Volkes. Auf Seheron jedoch…“ Mordred erschauerte und umfasste den Messergriff wie den eines Schwertes. „Auf Seheron kämpften sie mit dem Mut eines Löwen, der Verschlagenheit eines Fuchses und der Stärke eines Bären. Unzählige Tote an den Frontlinien auf beiden Seiten. Was die Magier Tevinters mit ihren entfesselten Künsten zu übertrumpfen hofften wurde durch den Erfindungsreichtum der Qunari wieder wettgemacht. Der Krieg auf Seheron ist eine sinnlose und verlorene Sache. Wenn Tevinter und auch die Qunari schlau wären, würden sie dort nicht die Leben der Krieger wegwerfen, sondern Seheron zur neutralen Zone erklären.“ Mordred zuckte die Achseln um zu bedeuten, dass er weder die eine noch die andere Partei für sonderlich intelligent hielt. „Befriedigt das Eure Neugier, meine Liebe? Oder möchtet Ihr nun wirkliche Kriegsgeschichten hören, wie ich mit dem brennenden Schwert in der Hand die Mauer erklomm, hinter mit ein ganzer Teppich toter Qunari, vor mir eine speer- und schwertstarrende Armee?
    Ich denke Ihr langweilt die Lady Viridis mittlerweile. Und Männern, die sich mit ihren Kriegstaten profilieren, lohnt es sich in der Regel nicht seine Beachtung zu schenken“, warf Nimue kühl von der Seite her ein. „Ich hatte nicht vor zu prahlen, Mylady.“ „Das klang aber gerade eben ganz anders, Schwertmeister.“ „Das war eine rhetorische Übertreibung, meine liebe Frau Magierin! Vermutlich seid Ihr in Eurer Trockenheit aber gar nicht in der Lage, Euch über Witz und Ironie zu freuen.“ Nimue schnappte wütend nach Luft und Mordred merkte, dass es dumm gewesen war, seine Gedanken laut auszusprechen. „Das hat mit Witz gar nichts zu tun“, presste Nimue verärgert zwischen den Zähnen hervor. Laut atmete sie durch und erklärte dann: „Nur ist Gewalt verabscheuungswürdig und keine Einladung zu einer guten Geschichte am Abend!“ Nimue hatte ihre Contenance zurückgewonnen und sprach nun mit der gewohnten Souveränität einer autoritären Zirkelmagierin. Mordred rollte mit den Augen. „Seid Ihr als Elfe denn auch schon durch Tevinter geritten, Bogenschützin? Ihr sagt Ihr seid eine Botin zu Pferd und die Kopfgeldjagd ist nur ein Zubrot. Wart Ihr bereits dort, oder ist es als einsame Elfe zu unsicher Tevinter zu bereisen, wenn man nicht vom Gaul gezerrt und versklavt werden möchte?

    Verfluchte Menschen! Larissa brauchte frische Luft und arbeitete nun draußen vor der Taverne einen schmalen Trampelpfad in die Erde, während sie ihrer Wut immer wieder zischend und schnaubend Luft machte. Da dachte man, man kennt seine Gefährten und dann so etwas. Artur fiel ihr im Dalishlager in den Rücken, ebenso wie Morgana und Mordred, den sie als letzten Verbündeten gesehen hatte – denn Mealla und Nimue zählten nicht – stellte sich als der Lüstling heraus, den Morgana seit Beginn der gemeinsamen Reise in ihm gesehen hatte. Sie hatte Mordred immer für den edelsten der Sechs gehalten und hätte nie gedacht, dass er sich die Zwangslage einer Elfe zunutze machen würde um seine niederen Triebe zu befriedigen. Anscheinend waren alle Shems hinter ihren lächelnden Gesichtern und runden Ohren falsch!
    Eine Tür knarrte leise und ein rasch wachsender schmaler Lichtstrahl flammte auf dem staubigen Boden vor der Taverne auf. Noch ein wenig verbreiterte er sich, dann wurde er von einem Schatten unterbrochen und die Tür fiel leise ins Schloss. Das Licht war weg, eine Person dort. Larissa warf einen Blick zu dem Neuankömmling und sah Morgana. Eine Woge warmer Herzlichkeit schwappte von ihrem Herzen aus durch den gesamten Elfenkörper. Die Hexe hatte zweifellos die schlechte Aufnahme von Mordreds Erzählung verfolgt und sich um die Dalish gesorgt und das ließ Larissa eine freundliche Dankbarkeit mit der Schwarzhaarigen und in Schwarz gewandten und somit wie ein zum Leben erwachter Schatten wirkenden Morgana empfinden. „Ist das zu fassen?“, fragte die Elfe ohne ihre Bemühungen die ohnehin kranken Gräser einzuebnen zu unterbrechen. Sie stiefelte in Richtung der weitläufigen Felder, machte dann auf dem Absatz kehrt und kam zurück, wobei sie wieder anfing zu reden. „Nimmt sich diese arme Sklavin mit in sein Gemach. Dreckskerl! Hättest du so etwas von ihm erwartet? Ich nicht. Ich dachte immer er sei fair und…“ sie unterbrach sich und lief ein paar Schritte zurück gen Feld. Larissa scheiterte in der Bemühung ein geeignetes Wort zu finden, dass ihre Gefühle und ihre Hoffnungen und Gedanken gegenüber dem Antivaner zur Genüge zum Ausdruck brachten. Allerdings wollte sie den Satz nicht unbeendet lassen und nach noch einer kurzen Marschpartie sagte sie schließlich: „Ich dachte immer er sei ein Elfenfreund. Das findet man unter dem Menschen ja nur sehr selten.“ Weder Morganas noch Larissas Augen hatten diesen Glanz, der sie inmitten der Dunkelheit wie Diamanten blitzen ließen, doch erkannte man Morganas sorgenvollen Blick dennoch. „Was schaust du mich so an?“, fuhr Larissa ihre Freundin schärfer an, als sie es beabsichtigt hatte. Die Gesamtsituation und jetzt noch diese Sache hatten ihr Gemüt überreizt, den Bogen sozusagen überspannt. Für eine Entschuldigung war es zu spät, also tat Larissa lieber so, als wäre ihr nicht aufgefallen, dass sie sich im Ton vergriffen hatte und sagte milder: „Keine Angst, ich werde schon nicht meine Sachen packen und mitten in der Nacht weglaufen…“ „Wenn, dann würde ich meine Gründe frei vortragen“, dachte sie im Stillen, machte Kehrt und folgte der sich bereits abzeichnenden Spur.


    [Bild: nBNIRitter_940_mini.jpg][Bild: 14jlgz1i9WTcPy6veMorgana_mini.jpg][Bild: Mealla_portrait.jpg]

    Die meisten Leute außerhalb Tevinters interessiert es nicht, aber Euch?“ Die indirekte Anspielung ließ Mealla innerlich fluchen und leicht peinlich erröten was wohl vor allem auf den genoßenen Alkohol zurückzuführen war. Vermutlich genauso wie die leicht unbedachte Aussage, denn Alkohol hatte lockerte oft auf ihre Zunge und ließ sie dann manchmal unbedacht losplappern. Zum Glück schien es der Zauberin nicht aufgefallen zu sein, die sowieso häufig den Eindruck machte jedes zweite Wort des Antivaners für unwichtigen Nonsens zu halten. Während Mordred seine Ausführungen begann und dabei mit dem Brotmesser rumhantierte, leerte Mealla den letzten Rest in ihrem Becher und stellte ihn erstmal beiseite. Fürs Erste hatte sie genug Wein getrunken. Stattdessen hörte sie den Gründen zu die der Antivaner vorbrachte, welche sich wiederum nicht durch ihre Komplexität auszeichneten. Abenteuerlust und Liebeskummer, eine Kombination die wohl schon so manchen Mann in ein kühles Grab gebracht hatte. Artur hatte schon dümmere Gründe gehört warum man in den Krieg zog, auch wenn er den Kampf auf Seheron nicht als gerechte Sache bezeichnen würde. In Nevarra war man froh das die Qunari vom Festland vertrieben worden waren, es störte aber nur wenig wem Seheron gehörte. Letztendlich war es auch von Vorteil das sich Tevinter mit den Qunari stritt, denn dadurch wurde der Großteil seiner Armee gebunden. Das Reich hatte nie seinen Ambitionen aufgegeben und dachte gerne an seine alte Größe zurück, es war leicht zu erraten in welche Richtung es seine Ambitionen bei einem Frieden im Norden richten würde. Dennoch auch in Nevarra wandelten manche Männer auf den Pfaden des letzten Erhabenen Marsch und sahen im Kampf gegen die grauen Riesen eine Möglichkeit für den Erbauer zu streiten und Ruhm zu gewinnen.

    Mealla konnte verstehen das Mordred den Krieg auf Seheron für sinnlos hielt, war jedoch auch der Meinung das keine der Seiten ihren Anspurch aufgeben würde. Warum sollten die Qunari etwas aufgeben was schon längst ihnen gehörte und ein hervorragendes Sprungbrett für die nächste Invasion bieten würde? Denn das es eine erneute Invasion geben würde, darüber war man sich in Tevinter einig, sprachen die Qunari doch selbst davon das sich das Qun über die ganze Welt ausbreiten musste. Tevinter hingegen würde niemals die Qunari so nahe am Reich dulden, die Erinnerung wie die Qunari fast ganz Tevinter erobert hatten saß tief, auch wenn es den gehörnten Riesen nie gelungen war Minrathous einzunehmen. Mealla hätte den Antivaner vielleicht noch gefragt was seine Rolle auf Seheron gewesen war, denn in offener Schlacht irgendwelche Mauern erklimmend konnte sie sich den Antivaner nicht vorstellen. Er war vielleicht ein guter Schwertkämpfer, aber kein Frontkämpfer. Die nicht ganz ernst gemeinte Offerte wurde jedoch brüsk von Nimue unterbrochen bevor Mealla etwas erwidern konnte. Mealla mischte sich in das darauffolgende kurze Wortgefecht nicht ein und auch Artur saß nur schweigend daneben und rollte leicht genervt mit den Augen. Wenn er jedesmal wenn Nimue herumzickte einen Souvereign bekommen würde, so hätte er am Ende der Reise vermutlich genügend Geld um sich ein Anwesen in Cumberland leisten zu können. Nachdem Nimue, bar jeder Ironie das ihre Geschichte ziemlich gewalttätig geendet hatte, anfügte das Gewalt nicht als Thema für Geschichten geeignet war, wandte sie sich Mealla zu um diese zur Abwechslung des Abends zu befragen. Mealla gefiel das weniger gut, auch wenn sie es sich nicht anmerken ließ, vor allem der Part ob sie schon durch Tevinter geritten sei. Die meisten Leute würden einer Elfe wohl kaum so eine Frage stellen, aber die Zauberin sah so etwas wohl aufgrund Meallas Botentätigkeit durchaus im Bereich des Möglichen. Sie war wohl wirklich noch nie in Tevinter gewesen, auch wenn man natürlich nicht als einsamer Reisender direkt dort versklavt wurde. Auch Tevinter legte schließlich Wert auf gute Handelsbeziehungen mit anderen Ländern.
    "Ob mich einsame Elfe meine Botengänge schonmal nach Tevinter geführt haben?",fragte sie mit einem leichten Lächeln und schüttelte dann mit dem Kopf. "Nein in meiner Zeit in der ich Briefe zwischen den Städten transportiere, hat mich kein Auftrag über die Grenze nach Tevinter geführt. Wohl auch weil die meisten Auftraggeber den gleichen Gedankengang bei einer Elfe auf Tevinters Straßen habe, aber auch weil es mir selbst zu riskant ist die Grenze nach Tevinter zu überschreiten. Die Straßen hier im Süden sind schon ausreichend gefährlich für jemanden wie mich.",antwortete sie wahrheitsgemäß. Tatsächlich hatte sie seit sie im Süden als Botin war die Grenze nach Tevinter nicht mehr überquert, immerhin war sie eine entflohene Sklavin. Sie hatte die Zauberin also nicht angelogen, denn das war ihr ihre Herkunft nicht wert, jedoch hatte sie keine Lust nach der tendenziell negativen Diskussion über Tevinter keine Lust selbst noch zum Gesprächsthema zu werden. Sowieso hatte sie das Gefühl das sie wohl besser bald ins Bett gehen sollte, denn weder die Qualität des Weins noch das von ihr begonnene Gesprächsthema gaben es her das sie sich betrank.

    Morgana trat hinaus ins Freie und nachdem sich die Tür hinter ihr geschlossen hatte und sich die Augen schnell an die Dunkelheit gewöhnten, entdeckte sie Larissa welche schneinbar gerade dabei war mit ihrem Fuß den Rasen umzupflügen. Scheinbar war sie immer noch aufgebracht, schien aber nicht unfroh jemanden zu haben mit dem sie über den Grund ihres Gemütszustand reden konnte. Wütend machte sie sich ihrem Ärger über Mordred Luft wobei sie hin und her lief und weiter die Gräser malträtierte. Morgana blieb in einem gewissen Abstand stehen und betrachtete sie dabei nachdenklich, es brachte wenig wenn sie beide hin und her liefen. Die Geschichte hatte Larissa ganz offensichtlich schwer getroffen, was Morgana nicht verwunderte hatte sie den Antivaner doch von Anfang an oft so angesehen als ob er so eine Art Übermensch frei von Fehl wäre. Die Hexe sah dies mit Sorge, es reichte ihr schon das Larissa seit verlassen des Dalishcamps ihre Anwesenheit scheinbar als störend empfand, diese Sache jetzt würde ihren Gemütszustand sicherlich nicht zum Guten wenden. „Was schaust du mich so an?“ Morgana zuckte leicht zusammen und kurz funkelten nun ihre Augen zornig. Sie konnte Larissas Gefühle verstehen, aber sie war sicherlich nicht ihr Prügelknabe. Da Larissas Ton jedoch anschließend wieder milder wurde, beruhigte sie sich schnell wieder und sah kurz nachdenklich in Richtung der Dalish welche sich gerade wieder auf dem selbst geschaffenen Trampelpfad zurückbewegte. "Nun ich bin sehr froh das zu hören. Einmal reicht mir voll und ganz.",antwortete sie ohne Vorwurf, aber mit ernstem Tonfall. "Ich weiß du bist gerade zornig und auch wenn ich für dich seit wir aus dem Wald sind wohl eine unerwünschte Person bin, so möchte ich trotzdem das du weißt, dass ich dich Liebe und für dich da bin.",erklärte Morgana und sah der Elfe entschlossen ins Gesicht. Das war alles was sie anbieten konnte, ob Larissa ihre Zuwendung annehmen oder ihr lieber ewig wegen der Entscheidung im Camp grollen wollte war Sache der Dalish. "Ich würde jetzt vorschlagen das wir wieder reingehen und uns dann in unsere Betten legen. Ich persönlich habe irgendwie keine Lust mehr an diesem Abend weiter über Tevinter zu reden.", schlug Morgana im versöhnlichen Tonfall vor. Neben der Tatsache das Larissa wohl kaum Lust hatte zurück zum Tisch zu kommen, war es auch schon mitten in der Nacht und für Morganas Geschmack ein wenig zu kühl um draussen zu diskutieren. Ein kühler Wind wehte durch die von der Brut geschlagenen Löcher ihres Kleides und erinnerte sie daran das sie noch die Nadel zu schwingen hatte.

    Nach und nach begaben sich die sechs Gefährten zu Bett. Nachdem Morgana und Larissa am Tisch vorbei zu den Zimmern gegangen waren, erhob sich etwas später auch Mealla welche der Meinung war für den Abend genug über Tevinter geredet zu haben, gefolgt von Nimue welche den Schlüssel hatte und vermutlich der Meinung insgesamt genug für einen Abend geredet zu haben. Artur und Mordred blieben noch eine Weile sitzen, aber nach den Erzählungen und Ereignissen des Abends waren beide nicht in Stimmung für seichte Gespräche und gingen schließlich auch ins Bett.

    *

    Die Hände hielten verkrampft die Zügel fest, während die Beine leicht zitternd bemüht waren den Körper im Sattel zu halten. Das wollerne Hemd lag nur locker auf ihrem Körper, doch jedes Mal wenn der Stoff den offenen und blutenden Rücken berührte durchfuhr ein höllischer Schmerz das sowieso schon brennende Inferno welches auf den Nerven ihres Rücken tanzte. Hinter ihr rasselte der am Sattel befestigte Schuppenpanzer, kaum von ihr wahrgenommen, war doch ihr Blick ebenfalls von Schmerzen getrübt und klarte nur auf wenn das Hemd ihr einen erneuten Schmerzimpuls bescherte. Nachdem ein Eimer mit Wasser sie aus der erlösenden Ohmacht geweckt hatte, war Mealla vom Pfahl losgebunden worden und unsanft aufgerichtet worden. Die Barracke war nur noch eine rauchende Ruine gewesen, alle Insassen elendig in ihr verbrannt. Der Sklavenmeister hatte dann den Befehl zum Aufbruch erteilt und Mealla war seitdem beschäftigt nicht wieder ohnmächtig zu werden und vom Pferd zu fallen. Für diesen freundlichen Fall hatte sie von Pullio in Aussicht gestellt bekommen dann von ihrem Pferd zurückgeschleift zu werden. So hielt sich die Elfe mit all ihrer Willenskraft im Sattel, bemüht nicht komplett den Anschluss zu verlieren. Den einzigen den sie aus den Augenwinkeln wahr nehmen konnte war Gaven, welcher neben ihr ritt und scheinbar darauf achtete das sie nicht vom Sattel rutschte. Der Rest der Secuoren ritt vor ihr und schien recht teilnahmslos.
    Irgendwann erreichten sie schließlich das Anwesen und Mealla stieg vorsichtig ab wobei Gaven ihr dabei half nicht dabei den Boden zu küssen. Benommen ans Pferd gelehnt, stand sie schließlich aufrecht im Hof des Landsitzes. "Komm stütz dich auf mich, ich bringe dich zum Medicus.",sprach sie Gaven hilfsbereit an, worauf sie voller Schmerzen den Arm um ihn legte. Die Räume des Medicus befanden sich im westlichen Teil des Anwesens und Mealla kam es vor als würde sie 20 Meilen laufen, bevor sie eine kleine Stube erreichte die für die Behandlung von Sklaven vorgesehen war. Die meisten Sklaven bekamen den Medicus nie zu sehen, aber die Secutoren waren als wichtig genug angesehen um sie wieder zusammenzuflicken. Vorsichtig half ihr der Elf das Hemd abzustreifen. Es war nichts neues das sich die Jäger gegenseitig nackt sahen es gab keine Geschlechtertrennung in ihren Barracken nur sehr viele Vorschriften. Auch Gaven hatte Mealla schon öfters nackt gesehen auch wenn sie bemerkt hatte das sein Blick dabei länger verweilte als es im allgemeinen üblich war.
    Im Moment war die Elfe jedoch nicht in der Lage auf soetwas zu achten sondern nur froh den Stoff endlich loszuwerden. Sachte legte sie sich mit dem Bauch auf das Bett, den blutigen Rücken nach oben gerichtet. "Ich wollte noch sagen das es mir Leid tut das ich die Peitsche gegen dich geführt habe, aber es ist nur so..",begann der Elf im entschudigenden Tonfall, wurde aber von Mealla mit schwacher aber schneidender Stimme unterbrochen. "Gaven! Ich weiß warum du es getan hast und schätze deswegen dein Mitgefühl, aber beim Erbauer wenn du mir den Medicus holst erfreut das mein Herz tausendmal mehr als irgendeine Entschuldigung!" Kurz sah der Elf irritiert aus, dann nickte er jedoch und erhob sich. "Natürlich, du hast Recht ich hole ihn.", antwortete er und verschwand in der Nebentür. Mealla ließ ihr Gesicht ins Kissen fallen. Die Tatsache das es Gaven überhaupt in den Sinn kam sich zu entschuldigen hob ihn aus der Masse hervor, letztendlich hatte er ja nur das gemacht was Mealla verweigert hatte. Einen Befehl ausgeführt. Plötzlich knarzte die Tür und Mealla schaute leicht auf und nach links. Zwei Personen kamen herein, allerdings nicht aus der Zwischentür und es waren nicht Gaven und der Medicus. Es waren zwei Secutoren, einmal der Mensch der ihr vorhin das Hemd vom Leib gerissen hatte, Livius wie sie sich meinte zu erinnern und einer der wenigen Qunari der den schmeichelhaften Namen Bos von dem Sklavenmeister bekommen hatte. "Wen haben wir denn da, Lady Viridis die Patronin der widerspenstigen Sklaven. Wie fühlt man sich so als Verteidigerin des Abschaums?", fragte der Qunari höhnisch und lächelte von oben auf sie herab. Mealla wandte ihren Kopf ab und schwieg.
    "Auf einmal so ruhig? Vorhin konntest du nicht aufhören zu reden und unsere Truppe zu entehren. Fühlst du dich nicht gut?", fragte er mit gespielter Sorge und ließ sich von Livius etwas geben. "Ich und ein paar andere haben zu deiner Genesung gesammelt, während du hinterher getrabt bist. Hier, lass es wirken.", sagte er abfällig und holte aus einem ledernden Beutel etwas Salz heraus das er auf den offenen Rücken streute. Ein flammender Schmerz durchfuhr Meallas Körper und obwohl sie ihm nicht die Genugtuung geben wolle entfuhr ihr ein schmerzerfüllter schriller Schrei und Tränen schossen ihr in die Augen. Ihre Hände krallten sich in die Laken des Bettes.
    Während die beiden Secutoren lachten, öffnete sich die Tür und Gaven kehrte zurück im Schlepptau der Medicus, ein Heilzauberer aus den Rängen der Laetans der für die Catius Familie arbeitete. "Was macht ihr hier? Verschwindet und lasst sie in Ruhe.",fuhr Gaven die beiden an. "Willst du diesen Schandfleck verteidigen Gaven? Bist du genauso dumm wie sie?",fragte Bos erbost. "Sie hat ihre Strafe empfangen und damit den Makel entfernt. Oder hast du dem Meister nicht zugehört?" "Es reicht meine Herren. Ich befehle euch meine Räume zu verlassen, damit ich mich um meine Patientin kümmern kann. Ansonsten wird der Sklavenmeister von der Widerspenstigkeit seiner Sklaven hören.", ging der Medicus dazwischen, welcher selbst ein freier Mann war. Mürrisch verließen die beiden das Zimmer, gefolgt von Gaven welcher ebenfalls gehen musste. Umsichtig holte der Medicus einen Stuhl heran und begann sich Meallas Rücken anzusehen, dann wirkte er einen Zauber der die Elfe betäubte.

    *
    Mealla erwachte ausgeruht, aber mit einem leicht getrübten Blick und einem sanften Pochen in den Schläfen. Billiger Wein hatte bei ihr immer leichte Nachwirkungen. Leise erhob sie sich und setzte sich in ihrem Bett auf. Nach dem Traum strich sie sich nun über den Rücken, die Peitschennarben waren kaum spürbar und nur schwach erkennbar. Der Medicus hatte damals gute Arbeit geleistet und hätten diese Idioten nicht Salz hineingestreut, wären nach Aussage des Medicus möglicherweise gar keine Narben zurückgeblieben. Leise erhob sie sich und ging in Unterwäsche gekleidet durch das Zimmer. Von draussen hatte sie ein Geräusch gehört und tatsächlich stand ein Eimer mit halbwegs warmen Wasser vor der Tür, vermutlich über morgendlichen Herdfeuer erwärmt. Die Elfe schloss die Tür leise und ging mit dem Eimer zum Tisch wo eine kleine Waschschale stand. Im anderem Bett, rührte sich jetzt auch ein Rotschopf. Sie war sich nicht sicher ob sich die Zauberin während des Schlafes in ein Tier verwandelt hatte, aber jetzt war sie wieder eine attraktive Rothaarige was der Elfe irgednwie als Zimmerpartner lieber war als irgendein Flohzirkus. "Guten Morgen.", wünschte sie der Zauberin freundlich und begann dann immer noch leicht von Schlaf und Wein benebelt Wasser in die Schale einzuschütten und sich zu reinigen. Dabei beachtete sie auch überhaupt nicht das sie wie sonst nicht alleine in einem Zimmer war und ihr nach vorne gefallenes Haar den Blick auf ihre Schultern freigab.

    Morgana hatte aufgrund der Größe ihres Bettes recht unbequem geschlafen und wachte deswegen auf, als bevor der erste Sonnenstrahl das kleine Fenster in der Mitte erreicht hatte und so die Bewohner wecken konnte. Im Gegensatz zu ihr schien Larissa bequem zu liegen und lag friedlich schlafend in ihrem kleinen Bett. Die Hexe hoffte das sich die Dalish in der Nacht ein wenig beruhigt hatte und beschloss für sich selbst ihre Erkenntnisse aus dem gestrigen Abend zu verarbeiten. Leise zog sie den Stuhl an den Tisch heran und begann dann mit Nadel und Faden die Löcher in ihrem Kleid zu bekämpfen. Jetzt war sie schließlich wach und hier wurde sie immerhin nicht begafft während sie halbnackt ihr Kleid flickte.
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    Quote Originally Posted by Khardim View Post
    Die beiden ungleichen Gefährten nickten einander zu und machten sich auf den Weg in ihr Zimmer. Darius wusste nicht, ob der Kossith sein Wort halten würde, wenn der Wolf die Nacht nicht überstünde, aber er war inzwischen zu ruhig, zu sehr wieder im gegenwärtigen Moment als dass er sich über die Zukunft sorgte. Die Gegenwart war sicher, alles danach nur eine Idee. Ohne weitere Worte begaben sie sich zu Bett, denn es war alles gesagt worden. Talorrs Versprechen ehrte ihn und bevor er einschlief wurde Darius klar, dass in dem Söldner noch mehr von einem Qunari steckte, als er selbst ahnte. Die Bewährungsprobe für diesen Teil von ihm würde kommen, wenn sie das Schiff erreichten und er vor der Wahl stand, zu seinem Volk zurück zu kehren. Der Ben-Hassrath drehte sich um und der Gedanke verschwand. Auch dies war Zukunft, auch dies war nur eine Idee.

    Eine schnell aufgehende Sonne brachte den nächsten Morgen und obwohl sein Körper sich noch nach Jahren der Rast sehnte, um sich von dem zu erholen, was die letzten beiden Tage von ihm gefordert hatten war Darius‘ Geist sogleich hellwach und bereit für den Tag, den Tag der ihn nach Gwaren und von dort aus in die Heimat führen würde. Er stand auf und machte sich bereit. Ohne auch nur zu Talorr herüberblicken zu müssen wusste er, dass dieser keinen Schritt in Richtung Küste tun würde, ohne vorher erfahren zu haben, wie es seinem pelzigen Gefährten ging. Darius nahm es hin. Er hatte am Vorabend eine Entscheidung getroffen und würde diese auch zu Ende bringen. Erst der Köter, dann der Aufbruch.

    [Bild: rsz_1scarred.jpg]
    Es war schon Vormittags als Talorr endlich aufwachte. Er wusste nicht wie lange es her war dass er das letzte Mal in einem richtigen Bett geschlafen hatte. Trotz der unsicheren Situation seines Freundes hatte er wunderbar geschlafen. Jemand klopfte an der Tür. "Gemach, gemach." Er richtete das sowohl an Darius als Zeichen dass er nicht aufstehen sollte, als auch an den Klopfenden der wirklich nicht leise war. Ein kleiner Menschenjunge stand davor, offensichtlich eingeschüchtert aufgrund des Anblickes der sich ihm da bot. "D-der Heiler schickt mich. Eurem W-wolf geht es soweit gut. Ihr möchtet doch bitte bald bei ihm vorbeischauen." Daraufhin lächelte Talorr nur (etwas dass er selten genug tat), schickte den Jungen freundlich weg und ließ sich dann nochmal auf das Bett fallen. "Man soll nie sagen dass alles nur schlechter wird." Vielleicht nahm ihre Reise ja nun endlich eine erfreulichere Wendung.
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  17. #77
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    Arwan

    [Bild: Char_Yonice.png]
    Es war nicht Arwan, der ihr antwortete, sondern ein Fremder. War einer der Dorfbewohner gekommen um sich an ihrem Elend zu ergötzen? Doch schon im nächsten Moment schämte sie sich über ihre Gedanken. Der Mann war höflich, zumindest klang er so, und wollte ihr sogar aufhelfen. Doch seine nächsten Worte ließen die Bitterkeit wieder in ihr aufsteigen.

    » ... niemand sollte von sich sagen, er sei nutzlos.«

    Was wusste er schon von dem was sie durchmachte? Was wusste er schon wie es ist sein Augenlicht zu verlieren? Was wusste er schon, dass sie nicht mehr kämpfen konnte… das Einzige, was sie konnte und das ihrem Leben noch einen Sinn gab. Yonice ignorierte den Mann und rappelte sich etwas mühsam auf. Bevor sie ihm jedoch etwas sagen konnte, hörte sie Arwan sprechen. Er fasste kurz zusammen, was geschehen war auch wenn seine Worte stockend waren. Die junge Frau presste ihre Lippen zusammen als alles, was geschehen war, wieder in den Vordergrund rückte. Nicht das sie vergessen hatte, was passiert war, sie wollte nur so wenig wie möglich darüber nachdenken. „Ich danke Euch für Eure Worte, Ayden", sie konnte ihre Verbitterung nicht aus ihrer Stimme lassen, „doch Ihr kennt mich nicht noch die Umstände in denen ich mich gerade befinde. Ich bin eine Kämpferin, das ist alles was ich kann und ohne mein Augenlicht bin ich nutzlos und hilflos wie ein Baby. Ich wäre schon längst tot, hätte sich Arwan nicht um mich gekümmert… doch wie lange wird er an meiner Seite sein bevor es für ihn zu viel wird?“

    Yonice ballte ihre Fäuste fest zusammen, dankbar für den leichten Schmerz, der verhinderte, dass sie in Tränen ausbrach. „Wenn es sonst nichts gibt, dann machen wir uns auf den Weg in die Kirche um mehr über den Auftrag zu erfahren, auch wenn es sinnlos ist. Wie sollen wir die Kinder finden, wenn ich nicht sehen kann? Was ist, wenn es wilde Tiere oder Banditen oder diese Dunkle Brut in der Nähe gibt? Wie soll ich Arwan beschützen, wenn ich nicht kämpfen kann?“ Sie wandte sich ab um einige Tränen wegzublinzeln, die sich in ihren Augenwinkeln gesammelt hatten. Yonice würde am liebsten weglaufen, weg von dem Fremden, doch in welche Richtung musste sie gehen um zur Kirche zu gelangen? Sie war nicht nutzlos? Wie viel Nutzen hatte sie, wenn sie nicht mal einen Weg ohne Hilfe gehen konnte?

    Es kostete sie alle Mühe nicht auf den Boden zu sinken und auf den Tod zu warten.
    Annalena is offline
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    [Bild: nBNIRitter_940_mini.jpg][Bild: 14jlgz1i9WTcPy6veMorgana_mini.jpg][Bild: Mealla_portrait.jpg]

    Die meisten Leute außerhalb Tevinters interessiert es nicht, aber Euch?“ Die indirekte Anspielung ließ Mealla innerlich fluchen und leicht peinlich erröten was wohl vor allem auf den genoßenen Alkohol zurückzuführen war. Vermutlich genauso wie die leicht unbedachte Aussage, denn Alkohol hatte lockerte oft auf ihre Zunge und ließ sie dann manchmal unbedacht losplappern. Zum Glück schien es der Zauberin nicht aufgefallen zu sein, die sowieso häufig den Eindruck machte jedes zweite Wort des Antivaners für unwichtigen Nonsens zu halten. Während Mordred seine Ausführungen begann und dabei mit dem Brotmesser rumhantierte, leerte Mealla den letzten Rest in ihrem Becher und stellte ihn erstmal beiseite. Fürs Erste hatte sie genug Wein getrunken. Stattdessen hörte sie den Gründen zu die der Antivaner vorbrachte, welche sich wiederum nicht durch ihre Komplexität auszeichneten. Abenteuerlust und Liebeskummer, eine Kombination die wohl schon so manchen Mann in ein kühles Grab gebracht hatte. Artur hatte schon dümmere Gründe gehört warum man in den Krieg zog, auch wenn er den Kampf auf Seheron nicht als gerechte Sache bezeichnen würde. In Nevarra war man froh das die Qunari vom Festland vertrieben worden waren, es störte aber nur wenig wem Seheron gehörte. Letztendlich war es auch von Vorteil das sich Tevinter mit den Qunari stritt, denn dadurch wurde der Großteil seiner Armee gebunden. Das Reich hatte nie seinen Ambitionen aufgegeben und dachte gerne an seine alte Größe zurück, es war leicht zu erraten in welche Richtung es seine Ambitionen bei einem Frieden im Norden richten würde. Dennoch auch in Nevarra wandelten manche Männer auf den Pfaden des letzten Erhabenen Marsch und sahen im Kampf gegen die grauen Riesen eine Möglichkeit für den Erbauer zu streiten und Ruhm zu gewinnen.

    Mealla konnte verstehen das Mordred den Krieg auf Seheron für sinnlos hielt, war jedoch auch der Meinung das keine der Seiten ihren Anspurch aufgeben würde. Warum sollten die Qunari etwas aufgeben was schon längst ihnen gehörte und ein hervorragendes Sprungbrett für die nächste Invasion bieten würde? Denn das es eine erneute Invasion geben würde, darüber war man sich in Tevinter einig, sprachen die Qunari doch selbst davon das sich das Qun über die ganze Welt ausbreiten musste. Tevinter hingegen würde niemals die Qunari so nahe am Reich dulden, die Erinnerung wie die Qunari fast ganz Tevinter erobert hatten saß tief, auch wenn es den gehörnten Riesen nie gelungen war Minrathous einzunehmen. Mealla hätte den Antivaner vielleicht noch gefragt was seine Rolle auf Seheron gewesen war, denn in offener Schlacht irgendwelche Mauern erklimmend konnte sie sich den Antivaner nicht vorstellen. Er war vielleicht ein guter Schwertkämpfer, aber kein Frontkämpfer. Die nicht ganz ernst gemeinte Offerte wurde jedoch brüsk von Nimue unterbrochen bevor Mealla etwas erwidern konnte. Mealla mischte sich in das darauffolgende kurze Wortgefecht nicht ein und auch Artur saß nur schweigend daneben und rollte leicht genervt mit den Augen. Wenn er jedesmal wenn Nimue herumzickte einen Souvereign bekommen würde, so hätte er am Ende der Reise vermutlich genügend Geld um sich ein Anwesen in Cumberland leisten zu können. Nachdem Nimue, bar jeder Ironie das ihre Geschichte ziemlich gewalttätig geendet hatte, anfügte das Gewalt nicht als Thema für Geschichten geeignet war, wandte sie sich Mealla zu um diese zur Abwechslung des Abends zu befragen. Mealla gefiel das weniger gut, auch wenn sie es sich nicht anmerken ließ, vor allem der Part ob sie schon durch Tevinter geritten sei. Die meisten Leute würden einer Elfe wohl kaum so eine Frage stellen, aber die Zauberin sah so etwas wohl aufgrund Meallas Botentätigkeit durchaus im Bereich des Möglichen. Sie war wohl wirklich noch nie in Tevinter gewesen, auch wenn man natürlich nicht als einsamer Reisender direkt dort versklavt wurde. Auch Tevinter legte schließlich Wert auf gute Handelsbeziehungen mit anderen Ländern.
    "Ob mich einsame Elfe meine Botengänge schonmal nach Tevinter geführt haben?",fragte sie mit einem leichten Lächeln und schüttelte dann mit dem Kopf. "Nein in meiner Zeit in der ich Briefe zwischen den Städten transportiere, hat mich kein Auftrag über die Grenze nach Tevinter geführt. Wohl auch weil die meisten Auftraggeber den gleichen Gedankengang bei einer Elfe auf Tevinters Straßen habe, aber auch weil es mir selbst zu riskant ist die Grenze nach Tevinter zu überschreiten. Die Straßen hier im Süden sind schon ausreichend gefährlich für jemanden wie mich.",antwortete sie wahrheitsgemäß. Tatsächlich hatte sie seit sie im Süden als Botin war die Grenze nach Tevinter nicht mehr überquert, immerhin war sie eine entflohene Sklavin. Sie hatte die Zauberin also nicht angelogen, denn das war ihr ihre Herkunft nicht wert, jedoch hatte sie keine Lust nach der tendenziell negativen Diskussion über Tevinter keine Lust selbst noch zum Gesprächsthema zu werden. Sowieso hatte sie das Gefühl das sie wohl besser bald ins Bett gehen sollte, denn weder die Qualität des Weins noch das von ihr begonnene Gesprächsthema gaben es her das sie sich betrank.

    Morgana trat hinaus ins Freie und nachdem sich die Tür hinter ihr geschlossen hatte und sich die Augen schnell an die Dunkelheit gewöhnten, entdeckte sie Larissa welche schneinbar gerade dabei war mit ihrem Fuß den Rasen umzupflügen. Scheinbar war sie immer noch aufgebracht, schien aber nicht unfroh jemanden zu haben mit dem sie über den Grund ihres Gemütszustand reden konnte. Wütend machte sie sich ihrem Ärger über Mordred Luft wobei sie hin und her lief und weiter die Gräser malträtierte. Morgana blieb in einem gewissen Abstand stehen und betrachtete sie dabei nachdenklich, es brachte wenig wenn sie beide hin und her liefen. Die Geschichte hatte Larissa ganz offensichtlich schwer getroffen, was Morgana nicht verwunderte hatte sie den Antivaner doch von Anfang an oft so angesehen als ob er so eine Art Übermensch frei von Fehl wäre. Die Hexe sah dies mit Sorge, es reichte ihr schon das Larissa seit verlassen des Dalishcamps ihre Anwesenheit scheinbar als störend empfand, diese Sache jetzt würde ihren Gemütszustand sicherlich nicht zum Guten wenden. „Was schaust du mich so an?“ Morgana zuckte leicht zusammen und kurz funkelten nun ihre Augen zornig. Sie konnte Larissas Gefühle verstehen, aber sie war sicherlich nicht ihr Prügelknabe. Da Larissas Ton jedoch anschließend wieder milder wurde, beruhigte sie sich schnell wieder und sah kurz nachdenklich in Richtung der Dalish welche sich gerade wieder auf dem selbst geschaffenen Trampelpfad zurückbewegte. "Nun ich bin sehr froh das zu hören. Einmal reicht mir voll und ganz.",antwortete sie ohne Vorwurf, aber mit ernstem Tonfall. "Ich weiß du bist gerade zornig und auch wenn ich für dich seit wir aus dem Wald sind wohl eine unerwünschte Person bin, so möchte ich trotzdem das du weißt, dass ich dich Liebe und für dich da bin.",erklärte Morgana und sah der Elfe entschlossen ins Gesicht. Das war alles was sie anbieten konnte, ob Larissa ihre Zuwendung annehmen oder ihr lieber ewig wegen der Entscheidung im Camp grollen wollte war Sache der Dalish. "Ich würde jetzt vorschlagen das wir wieder reingehen und uns dann in unsere Betten legen. Ich persönlich habe irgendwie keine Lust mehr an diesem Abend weiter über Tevinter zu reden.", schlug Morgana im versöhnlichen Tonfall vor. Neben der Tatsache das Larissa wohl kaum Lust hatte zurück zum Tisch zu kommen, war es auch schon mitten in der Nacht und für Morganas Geschmack ein wenig zu kühl um draussen zu diskutieren. Ein kühler Wind wehte durch die von der Brut geschlagenen Löcher ihres Kleides und erinnerte sie daran das sie noch die Nadel zu schwingen hatte.

    Nach und nach begaben sich die sechs Gefährten zu Bett. Nachdem Morgana und Larissa am Tisch vorbei zu den Zimmern gegangen waren, erhob sich etwas später auch Mealla welche der Meinung war für den Abend genug über Tevinter geredet zu haben, gefolgt von Nimue welche den Schlüssel hatte und vermutlich der Meinung insgesamt genug für einen Abend geredet zu haben. Artur und Mordred blieben noch eine Weile sitzen, aber nach den Erzählungen und Ereignissen des Abends waren beide nicht in Stimmung für seichte Gespräche und gingen schließlich auch ins Bett.

    *

    Die Hände hielten verkrampft die Zügel fest, während die Beine leicht zitternd bemüht waren den Körper im Sattel zu halten. Das wollerne Hemd lag nur locker auf ihrem Körper, doch jedes Mal wenn der Stoff den offenen und blutenden Rücken berührte durchfuhr ein höllischer Schmerz das sowieso schon brennende Inferno welches auf den Nerven ihres Rücken tanzte. Hinter ihr rasselte der am Sattel befestigte Schuppenpanzer, kaum von ihr wahrgenommen, war doch ihr Blick ebenfalls von Schmerzen getrübt und klarte nur auf wenn das Hemd ihr einen erneuten Schmerzimpuls bescherte. Nachdem ein Eimer mit Wasser sie aus der erlösenden Ohmacht geweckt hatte, war Mealla vom Pfahl losgebunden worden und unsanft aufgerichtet worden. Die Barracke war nur noch eine rauchende Ruine gewesen, alle Insassen elendig in ihr verbrannt. Der Sklavenmeister hatte dann den Befehl zum Aufbruch erteilt und Mealla war seitdem beschäftigt nicht wieder ohnmächtig zu werden und vom Pferd zu fallen. Für diesen freundlichen Fall hatte sie von Pullio in Aussicht gestellt bekommen dann von ihrem Pferd zurückgeschleift zu werden. So hielt sich die Elfe mit all ihrer Willenskraft im Sattel, bemüht nicht komplett den Anschluss zu verlieren. Den einzigen den sie aus den Augenwinkeln wahr nehmen konnte war Gaven, welcher neben ihr ritt und scheinbar darauf achtete das sie nicht vom Sattel rutschte. Der Rest der Secuoren ritt vor ihr und schien recht teilnahmslos.
    Irgendwann erreichten sie schließlich das Anwesen und Mealla stieg vorsichtig ab wobei Gaven ihr dabei half nicht dabei den Boden zu küssen. Benommen ans Pferd gelehnt, stand sie schließlich aufrecht im Hof des Landsitzes. "Komm stütz dich auf mich, ich bringe dich zum Medicus.",sprach sie Gaven hilfsbereit an, worauf sie voller Schmerzen den Arm um ihn legte. Die Räume des Medicus befanden sich im westlichen Teil des Anwesens und Mealla kam es vor als würde sie 20 Meilen laufen, bevor sie eine kleine Stube erreichte die für die Behandlung von Sklaven vorgesehen war. Die meisten Sklaven bekamen den Medicus nie zu sehen, aber die Secutoren waren als wichtig genug angesehen um sie wieder zusammenzuflicken. Vorsichtig half ihr der Elf das Hemd abzustreifen. Es war nichts neues das sich die Jäger gegenseitig nackt sahen es gab keine Geschlechtertrennung in ihren Barracken nur sehr viele Vorschriften. Auch Gaven hatte Mealla schon öfters nackt gesehen auch wenn sie bemerkt hatte das sein Blick dabei länger verweilte als es im allgemeinen üblich war.
    Im Moment war die Elfe jedoch nicht in der Lage auf soetwas zu achten sondern nur froh den Stoff endlich loszuwerden. Sachte legte sie sich mit dem Bauch auf das Bett, den blutigen Rücken nach oben gerichtet. "Ich wollte noch sagen das es mir Leid tut das ich die Peitsche gegen dich geführt habe, aber es ist nur so..",begann der Elf im entschudigenden Tonfall, wurde aber von Mealla mit schwacher aber schneidender Stimme unterbrochen. "Gaven! Ich weiß warum du es getan hast und schätze deswegen dein Mitgefühl, aber beim Erbauer wenn du mir den Medicus holst erfreut das mein Herz tausendmal mehr als irgendeine Entschuldigung!" Kurz sah der Elf irritiert aus, dann nickte er jedoch und erhob sich. "Natürlich, du hast Recht ich hole ihn.", antwortete er und verschwand in der Nebentür. Mealla ließ ihr Gesicht ins Kissen fallen. Die Tatsache das es Gaven überhaupt in den Sinn kam sich zu entschuldigen hob ihn aus der Masse hervor, letztendlich hatte er ja nur das gemacht was Mealla verweigert hatte. Einen Befehl ausgeführt. Plötzlich knarzte die Tür und Mealla schaute leicht auf und nach links. Zwei Personen kamen herein, allerdings nicht aus der Zwischentür und es waren nicht Gaven und der Medicus. Es waren zwei Secutoren, einmal der Mensch der ihr vorhin das Hemd vom Leib gerissen hatte, Livius wie sie sich meinte zu erinnern und einer der wenigen Qunari der den schmeichelhaften Namen Bos von dem Sklavenmeister bekommen hatte. "Wen haben wir denn da, Lady Viridis die Patronin der widerspenstigen Sklaven. Wie fühlt man sich so als Verteidigerin des Abschaums?", fragte der Qunari höhnisch und lächelte von oben auf sie herab. Mealla wandte ihren Kopf ab und schwieg.
    "Auf einmal so ruhig? Vorhin konntest du nicht aufhören zu reden und unsere Truppe zu entehren. Fühlst du dich nicht gut?", fragte er mit gespielter Sorge und ließ sich von Livius etwas geben. "Ich und ein paar andere haben zu deiner Genesung gesammelt, während du hinterher getrabt bist. Hier, lass es wirken.", sagte er abfällig und holte aus einem ledernden Beutel etwas Salz heraus das er auf den offenen Rücken streute. Ein flammender Schmerz durchfuhr Meallas Körper und obwohl sie ihm nicht die Genugtuung geben wolle entfuhr ihr ein schmerzerfüllter schriller Schrei und Tränen schossen ihr in die Augen. Ihre Hände krallten sich in die Laken des Bettes.
    Während die beiden Secutoren lachten, öffnete sich die Tür und Gaven kehrte zurück im Schlepptau der Medicus, ein Heilzauberer aus den Rängen der Laetans der für die Catius Familie arbeitete. "Was macht ihr hier? Verschwindet und lasst sie in Ruhe.",fuhr Gaven die beiden an. "Willst du diesen Schandfleck verteidigen Gaven? Bist du genauso dumm wie sie?",fragte Bos erbost. "Sie hat ihre Strafe empfangen und damit den Makel entfernt. Oder hast du dem Meister nicht zugehört?" "Es reicht meine Herren. Ich befehle euch meine Räume zu verlassen, damit ich mich um meine Patientin kümmern kann. Ansonsten wird der Sklavenmeister von der Widerspenstigkeit seiner Sklaven hören.", ging der Medicus dazwischen, welcher selbst ein freier Mann war. Mürrisch verließen die beiden das Zimmer, gefolgt von Gaven welcher ebenfalls gehen musste. Umsichtig holte der Medicus einen Stuhl heran und begann sich Meallas Rücken anzusehen, dann wirkte er einen Zauber der die Elfe betäubte.

    *
    Mealla erwachte ausgeruht, aber mit einem leicht getrübten Blick und einem sanften Pochen in den Schläfen. Billiger Wein hatte bei ihr immer leichte Nachwirkungen. Leise erhob sie sich und setzte sich in ihrem Bett auf. Nach dem Traum strich sie sich nun über den Rücken, die Peitschennarben waren kaum spürbar und nur schwach erkennbar. Der Medicus hatte damals gute Arbeit geleistet und hätten diese Idioten nicht Salz hineingestreut, wären nach Aussage des Medicus möglicherweise gar keine Narben zurückgeblieben. Leise erhob sie sich und ging in Unterwäsche gekleidet durch das Zimmer. Von draussen hatte sie ein Geräusch gehört und tatsächlich stand ein Eimer mit halbwegs warmen Wasser vor der Tür, vermutlich über morgendlichen Herdfeuer erwärmt. Die Elfe schloss die Tür leise und ging mit dem Eimer zum Tisch wo eine kleine Waschschale stand. Im anderem Bett, rührte sich jetzt auch ein Rotschopf. Sie war sich nicht sicher ob sich die Zauberin während des Schlafes in ein Tier verwandelt hatte, aber jetzt war sie wieder eine attraktive Rothaarige was der Elfe irgednwie als Zimmerpartner lieber war als irgendein Flohzirkus. "Guten Morgen.", wünschte sie der Zauberin freundlich und begann dann immer noch leicht von Schlaf und Wein benebelt Wasser in die Schale einzuschütten und sich zu reinigen. Dabei beachtete sie auch überhaupt nicht das sie wie sonst nicht alleine in einem Zimmer war und ihr nach vorne gefallenes Haar den Blick auf ihre Schultern freigab.

    Morgana hatte aufgrund der Größe ihres Bettes recht unbequem geschlafen und wachte deswegen auf, als bevor der erste Sonnenstrahl das kleine Fenster in der Mitte erreicht hatte und so die Bewohner wecken konnte. Im Gegensatz zu ihr schien Larissa bequem zu liegen und lag friedlich schlafend in ihrem kleinen Bett. Die Hexe hoffte das sich die Dalish in der Nacht ein wenig beruhigt hatte und beschloss für sich selbst ihre Erkenntnisse aus dem gestrigen Abend zu verarbeiten. Leise zog sie den Stuhl an den Tisch heran und begann dann mit Nadel und Faden die Löcher in ihrem Kleid zu bekämpfen. Jetzt war sie schließlich wach und hier wurde sie immerhin nicht begafft während sie halbnackt ihr Kleid flickte.


    [Bild: Larissa_klein.jpg] & [Bild: TxGIDkV4csRmordred_klein.png] & [Bild: zq0QcywsNnimueblaurot_klein.jpg]

    Die Nacht war verhältnismäßig kurz geworden, vor allem für Mordred und Artur. Die beiden Männer waren die Letzten, die den Tisch verließen und zu diesem Zeitpunkt stand der Mond schon in voller Blüte am Himmel. Und kaum drang der erste Hahnenschrei durch das mit schwerem Tuch abgedunkelte Fenster, da begann ein geschäftiges Treiben das ganze Wirtshaus zu erfüllen. Fußgetrappel weckte Mordred, irgendwer sehr schweres passierte ihre Tür und ließ die Dielen besorgniserregend knarren. Mordred setzte sich auf und fuhr sich mit der Hand durch das Haar. Artur im Nebenbett regte sich müde, drehte sich und drückte dabei verschlafen den Kopf ins Kissen. Mordred gähnte, dann stand er auf und tapste noch immer leicht groggy gen Ausgang. Ins Zimmer zu pissen wäre sicherlich keine gute Idee und aus dem Fenster hinaus war zu ordinär, selbst für Ferelden. Er entriegelte die Tür und trat hinaus.

    Ein plötzlicher Schrei und lautes Poltern sowie das Geräusch von spritzendem Wasser ließ Larissa aus dem Schlaf hochschrecken. Mit einem Mal saß die senkrecht im Bett und starrte mit weit aufgerissenen Augen zur Tür. Morgana war schon wach, sie stand im Zimmer und wusch sich, schaute nun aber ebenfalls aufgeschreckt umher. Larissa sprang auf, bekleidet nur mit ihrer weißen knitterigen Bluse und Unterwäsche, zog ihren Dolch aus dem Bündel und hechtete zur Tür. Von Draußen kam lautes Geklapper wie Holz auf Holz und eine nicht enden wollende Flut an Beschimpfungen und Flüchen. Sie riss die Tür auf, schaut hinaus und konnte sich ein schiefes Grinsen nicht verkneifen, als sie Mordred auf dem pitschnassen Boden vorfand, halb sitzend halb liegend mit triefnassem Ärmel. Offenbar hatten auch Artur und er einen großen Eimer Wasser zum Waschen vor die Tür gestellt bekommen und den hatte der Antivaner übersehen. Jetzt trat er den nur noch zu einem Viertel vollen Bottich verfluchtend beiseite und versuchte sich aufzurappeln, hatte sich aber anscheinend bei dem Versuch den Sturz abzufangen die linke Hand verletzt und mit der rechten massierte er sein rechtes Schienbein. „Guten Morgen!“, flötete Larissa, weil sie einfach nicht anders konnte und strahle Mordred an. Ihr Vertrauen in die ausgleichende Gerechtigkeit war zum Teil wiederhergestellt worden. Der Literat sah sie scheel an. Schon tauchten noch mehr Leute auf, darunter Nimue und Mealla, der Wirt mitsamt Tochter und zwei Kerle aus dem Nebenzimmer, deren gezückte Waffen sie als Söldner oder Abenteurer auswiesen ebenso wie die müden und verquollenen Augen von einer harten Nacht des Alkohols sprachen. Die vielen Köpfe verschwanden wieder in ihren Zimmern, nur der Wirt begann sich zu entschuldigen während die Tochter den fast leeren Bottich mit der Versicherung eines Neuen wegtrug.

    Wieso habt Ihr mich angelogen?
    Nimue stellte diese Frage ohne beißenden Unterton, sondern mit ehrlichem Interesse. Mealla schaute sie zuerst unsicher an, daher lächelte Nimue schmal und erklärte: „Eure Tätowierung zeigt ein Symbol aus Tevinter und der Name Catius ist sogar in den Rängen des Magisteriums ein bekannter. Begeht nicht den Fehler mich für dumm zu halten, nur weil ich Ferelden fast nie verlasse.“ Nimue legte den Kopf schief, das rote Haar ergoss sich wie einer Flut über ihre Schulter. Die Nacht hatte sie in ihrer natürlichen Form verbracht, denn die Betten waren angenehm sanft und die Daunendecke umschmeichelte die nackten Beine auf angenehmste Art. Nun, nachdem Mealla sich gewaschen und wegen der überführten Lüge peinlich berührt auf ihr Bett setzte begann Nimue sich mit frischem Wasser zu waschen. Aus ihrem Gepäck zupfte sie einen kleinen Schwamm, den ihr die Eitelkeit aufgetragen hatte mitzunehmen. Da nur Mealla im Zimmer war und die verriegelte Tür das plötzliche Eindringen Mordreds oder Arturs oder diese beiden Damen, die das eigene Geschlecht bevorzugten, verhindern sollte entblätterte sich die Magierin bis auf das Unterhöschen. Ungeniert fuhr sie damit fort sich zu waschen während sie Mealla die Chance gab sich ihre Erklärung gut zurecht zu legen.
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    vorheriger Post: Zusammentreffen Antwort von Arwan und Yonice

    Ayden Le Brun • Ein kleines Dorf bei Lothering • Hilfe, ist sie es wert?

    [Bild: Ayden_VR.png] Ayden kannte die Situation zu gut. Man schaute nicht weg, sondern mischte sich ein. Eine Person lag im Staub der Straße, eine andere stand dabei. Hier fehlte nur aufgrund der dörflichen Bescheidenheit das Publikum, die Gaffer. Es war niemand da, der Beifall klatschen konnte einem Qunari die Hand anzubieten. Es war niemand da, falls der Begleiter, voller Entsetzten über die Einmischung in »innere« Beziehungen grollen konnte. Es war auch niemand da, der sich an dem Bild erbauen konnte. Denn einen fast zwei Meter langen mit Waffen versehrten Kämpfer, weiblich, im Dreck der Straße liegend, sah man nicht so alle Tage. Es waren auch wegen der geringen Beteiligung keine Wetten abgeschlossen oder nach dem Eingreifen von Ayden korrigiert worden. Es war eine Situation inmitten eines Marktfleckens, nicht mehr und nicht minder.

    Ayden hörte die Worte von dem kleineren der beiden, der auf seinen Füßen stand: „Ich bin Arwan und das ist Yonice …“ Er versuchte die Situation zu erklären. Doch außer, dass die beiden Geld benötigen, verstand der Hilfsbereite nicht zu viel. Es fehlten einfach die Zusammenhänge. Was ihn ebenso hinderte, war die Reaktion der Person, die mit Yonice bezeichnet wurde. Anstatt die Hand zu nehmen, folgte der Versuch eines eigenen Aufstehens. Sicher, es gelang. Doch die Hand war nicht genommen. Aber auch das gehörte dazu zu dieser Situation. Der Ritter hatte manches Mal es so erlebt, dass eine angebotene Hilfe nicht genommen wurde. Doch er verurteilte das nicht. Die Zeiten waren nicht danach. Es war nicht mehr üblich einfach so zu helfen. Oft wurde ein Preis verlangt, andere hatten dann schwer an der Bürde zu tragen. Sie wurden die Schuld nicht los. Was war wichtiger, als der Stolz?

    Ein „Ich danke Euch für Eure Worte, Ayden …“ zeigten ihm, dass es Recht war, nicht schnell voreilig zu handeln. Die Taten zählen und nicht die Worte. Die Qunari musste etwas Fürchterliches erlebt haben. Denn ihre Worte waren so voller Schmerz und Sorge. Sie konnte sich nicht eingestehen, dass ihre Ziele, was auch immer ihr an den Kindern lag, in weite Ferne gerückt waren. Sie musste sich um sich kümmern, aufrecht bleiben, im Willen wieder erstarken. Doch wie sollte man es ihr sagen? Das war eine gute Frage, die da in seinem Kopf Raum ergriff.

    So tat er das, was am Praktischsten war. Er schlug vor: »Wenn ihr in die Kirche wollt, dann nicht wegen dem Auftrag. Sondern fragt nach einer Hilfe für eure Augen. Zumindest wäre schon eine saubere Mullbinde mit etwas Salbe ein guter Anfang …« Ayden schwieg für einen Moment, ob er alles bedacht hatte und fügte dann an: »Vielleicht fragt man auch nach Mutter Carol, denn die wird ja eine Kräuterkundige sein.« Dann schaute er zu Arwan, der sich doch relativ zurückhielt. Hatte er nicht von einem »Zauber« gesprochen? Egal, was es auch war, die Tatsache zählte. Sie mussten von der Straße. Ayden war bereit zu handeln und deshalb fragte er: »Arwan, soll ich Yonice führen oder möchtest du es selbst übernehmen, vorausgesetzt Yonice möchte es.«

    Dann schwieg er und wartete auf die Antwort. Aber bei solchen Situationen gab es nicht viele. Er war bereit zu gehen, falls seine Hilfe nicht gewünscht war. Doch das sagte er nicht. Noch war es ja nicht soweit.

    VRanger is offline Last edited by VRanger; 25.06.2017 at 07:00. Reason: verlinkt
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    [Bild: Larissa_klein.jpg] & [Bild: TxGIDkV4csRmordred_klein.png] & [Bild: zq0QcywsNnimueblaurot_klein.jpg]

    Die Nacht war verhältnismäßig kurz geworden, vor allem für Mordred und Artur. Die beiden Männer waren die Letzten, die den Tisch verließen und zu diesem Zeitpunkt stand der Mond schon in voller Blüte am Himmel. Und kaum drang der erste Hahnenschrei durch das mit schwerem Tuch abgedunkelte Fenster, da begann ein geschäftiges Treiben das ganze Wirtshaus zu erfüllen. Fußgetrappel weckte Mordred, irgendwer sehr schweres passierte ihre Tür und ließ die Dielen besorgniserregend knarren. Mordred setzte sich auf und fuhr sich mit der Hand durch das Haar. Artur im Nebenbett regte sich müde, drehte sich und drückte dabei verschlafen den Kopf ins Kissen. Mordred gähnte, dann stand er auf und tapste noch immer leicht groggy gen Ausgang. Ins Zimmer zu pissen wäre sicherlich keine gute Idee und aus dem Fenster hinaus war zu ordinär, selbst für Ferelden. Er entriegelte die Tür und trat hinaus.

    Ein plötzlicher Schrei und lautes Poltern sowie das Geräusch von spritzendem Wasser ließ Larissa aus dem Schlaf hochschrecken. Mit einem Mal saß die senkrecht im Bett und starrte mit weit aufgerissenen Augen zur Tür. Morgana war schon wach, sie stand im Zimmer und wusch sich, schaute nun aber ebenfalls aufgeschreckt umher. Larissa sprang auf, bekleidet nur mit ihrer weißen knitterigen Bluse und Unterwäsche, zog ihren Dolch aus dem Bündel und hechtete zur Tür. Von Draußen kam lautes Geklapper wie Holz auf Holz und eine nicht enden wollende Flut an Beschimpfungen und Flüchen. Sie riss die Tür auf, schaut hinaus und konnte sich ein schiefes Grinsen nicht verkneifen, als sie Mordred auf dem pitschnassen Boden vorfand, halb sitzend halb liegend mit triefnassem Ärmel. Offenbar hatten auch Artur und er einen großen Eimer Wasser zum Waschen vor die Tür gestellt bekommen und den hatte der Antivaner übersehen. Jetzt trat er den nur noch zu einem Viertel vollen Bottich verfluchtend beiseite und versuchte sich aufzurappeln, hatte sich aber anscheinend bei dem Versuch den Sturz abzufangen die linke Hand verletzt und mit der rechten massierte er sein rechtes Schienbein. „Guten Morgen!“, flötete Larissa, weil sie einfach nicht anders konnte und strahle Mordred an. Ihr Vertrauen in die ausgleichende Gerechtigkeit war zum Teil wiederhergestellt worden. Der Literat sah sie scheel an. Schon tauchten noch mehr Leute auf, darunter Nimue und Mealla, der Wirt mitsamt Tochter und zwei Kerle aus dem Nebenzimmer, deren gezückte Waffen sie als Söldner oder Abenteurer auswiesen ebenso wie die müden und verquollenen Augen von einer harten Nacht des Alkohols sprachen. Die vielen Köpfe verschwanden wieder in ihren Zimmern, nur der Wirt begann sich zu entschuldigen während die Tochter den fast leeren Bottich mit der Versicherung eines Neuen wegtrug.

    Wieso habt Ihr mich angelogen?
    Nimue stellte diese Frage ohne beißenden Unterton, sondern mit ehrlichem Interesse. Mealla schaute sie zuerst unsicher an, daher lächelte Nimue schmal und erklärte: „Eure Tätowierung zeigt ein Symbol aus Tevinter und der Name Catius ist sogar in den Rängen des Magisteriums ein bekannter. Begeht nicht den Fehler mich für dumm zu halten, nur weil ich Ferelden fast nie verlasse.“ Nimue legte den Kopf schief, das rote Haar ergoss sich wie einer Flut über ihre Schulter. Die Nacht hatte sie in ihrer natürlichen Form verbracht, denn die Betten waren angenehm sanft und die Daunendecke umschmeichelte die nackten Beine auf angenehmste Art. Nun, nachdem Mealla sich gewaschen und wegen der überführten Lüge peinlich berührt auf ihr Bett setzte begann Nimue sich mit frischem Wasser zu waschen. Aus ihrem Gepäck zupfte sie einen kleinen Schwamm, den ihr die Eitelkeit aufgetragen hatte mitzunehmen. Da nur Mealla im Zimmer war und die verriegelte Tür das plötzliche Eindringen Mordreds oder Arturs oder diese beiden Damen, die das eigene Geschlecht bevorzugten, verhindern sollte entblätterte sich die Magierin bis auf das Unterhöschen. Ungeniert fuhr sie damit fort sich zu waschen während sie Mealla die Chance gab sich ihre Erklärung gut zurecht zu legen.


    [Bild: nBNIRitter_940_mini.jpg][Bild: 14jlgz1i9WTcPy6veMorgana_mini.jpg][Bild: Mealla_portrait.jpg]

    Wasser reinigte und Wasser erfrischte und vor allem half es Mealla endlich aus ihrem leichtem Dämmerzustand zu erwachen und wieder volkommen Herrin ihrer Sinne zu werden. Hätte es jedoch nicht das Wasser getan, so wäre sie es kurze Zeit wohl der Lärm gewesen, denn ein lautes Poltern und Schreien, gefolgt von einem lauten Fluchen ertönte aus dem Flur. Die Stimme kam Mealla bekannt vor und da es nicht leiser wurde, öffnete sie zusammen mit Nimue die Tür und schaute nach draussen. Der Ursprung des Geschreis war Mordred, welcher recht nass und mit einigen Blessuren fluchend auf dem Boden saß. Scheinbar hatte er den Eimer vor der Tür nicht bemerkt, oder war einfach noch recht benommen gewesen. Der Anblick brachte Mealla leicht zum schmunzeln, vor allem weil der Antivaner immer noch fluchte wie ein Rohrspatz. Da er jedoch nicht schlimm verletzt schien gingen die beiden Damen wieder zurück auf ihr Zimmer, wo Nimue hinter ihnen die Tür verriegelte. Mealla beschloss ihre Waschung zu beenden, wozu auch ihren Oberkörper komplett frei machte. Ein besonders ausgeprägtes Schamgefühl hatte sie in ihrer Zeit als Sklavin eh nie entwickeln können und die Zauberin hatte sie schließlich sowieso schon oben ohne gesehen und fand ihre Person nach eigener Aussage komplett uninteressant. Die Elfe hatte gerade wieder ihren BH angezogen, als plötzlich von hinten eine Frage ertönte, mehr neugierig als anklagend. Lüge? Mealla wusste ehrlich gesagt nicht was die Magierin meinte und sah diese irritiert an, worauf diese auf die "Tätowierung" der Elfe verwies und auch auf das Haus von Meallas alten Besitzern. Die Elfe verfluchte ihren benebelten Verstand der nicht daran gedacht hatte ihre Schulter zu bedecken, jedoch war es schon zu spät. Beschämt über ihre eigene Dummheit räumte sie den Stuhl und setzte sich auf ihr Bett, während sich die Magierin jetzt daran machte sich zu waschen. Nachdenklich sinnierte sie über eine Antwort ab, während Nimue begann sich mit einem kleinem nassem Schwamm über die nackten Brüste zu fahren. Irgendwie war dieser Anblick nicht hilfreich um sich zu konzentrieren. Die Elfe beschloss nicht lange um den heissen Brei herumzutanzen, jetzt wo die Magierin das Zeichen gesehen hatte konnte sie genauso gut mit der kompletten Wahrheit herausrücken, dass war ihr soweiso lieber als Halbwahrheiten zu streuen. Die Elfe erhob sich und lehnte sich neben dem Fenster leicht neben die Wand. "Nun wo fange ich an, zuerst was ich auf meiner Schulter trage ist keine Tätowierung sondern ein Brandzeichen. Das könnte man jetzt als Haarspalterei bezeichnen, aber da ich ganz und gar nicht für dumm halte, wisst ihr vermutlich was das bedeutet.",erklärte sie mit ruhiger Stimme und sah dabei in die derzeit blauen Augen der Magierin welche sich zwar weiterwusch, aber dabei zur Elfe sah. "Ansonsten liegt ihr richtig, dass Zeichen ist nicht nur ein Symbol aus Tevinter, sondern das Symbol von Tevinter und die Familie Catius ist eine einflussreiche Familie dort. Und außerdem meine ehemaligen Besitzer.",fügte sie an wobei sie den letzten Satz mit leichtem Widerwillen aussprach. Irgendwie wusste sich nicht ganz ob es ihr sonderlich gefallen sollte das sich die Magierin in den Rängen des Magisteriums auskannte. Kurz wanderte ihr Blick nachdenklich aus dem Fenster bevor er wieder zu Nimue wanderte. "Was mich wiederum zu eurer anderen Frage bringt, warum ich euch angelogen habe. Nun eigentlich war es keine Lüge was ich euch erzählt habe, denn ich habe meine Arbeit als Botin erst nach meiner Flucht aus Tevinter begangen und bin somit tatsächlich nie während eines Botengangs nach Tevinter geritten. Eine Halbwahrheit sicherlich, aber sie erschien mir angebrachter als euch dreist ins Gesicht zu lügen. So etwas mag ich nicht besonders, auch wenn das Lügen in Tevinter eine Kunst ist die sehr gepflegt wird. Vor allem in den höheren Kreisen, immerhin will man seinen Konkurrenten um Macht und Einfluss immer stets voraus sein. Ich selbst halte nicht soviel von Lügen, ich gehe nur nicht mit meiner Herkunft hausieren, die meisten Leute reagieren feindselig wenn sie erfahren das man aus Tevinter stammt und nach dem gestrigen Gesprächsverlauf hielt ich es für wenig angebracht es noch zu erzählen. Es ist nicht immer angenehm davon zu erzählen. Wenn mich jemand direkt fragt ob ich aus Tevinter komme gebe ich es hingegen normalerweise zu, denn es bringt fast nur Ärger wenn man jemanden anlügt und die Person es später herausfindet.", erzählte die Elfe und lächelte leicht peinlich berührt. "Es lag mir jedoch fern euch zu beleidigen und ich entschuldige mich aufrichtig dafür gestern nicht mit der ganzen Wahrheit herausgerückt zu sein.", entschuldigte sich die Elfe mit einem ehrlichen Lächeln.
    Mealla hoffte das die Magierin ihre ehrlich gemeinte Entschuldigung annahm, sie hegte keine Abneigung gegen die Frau und außerdem hatte diese sie schon zweimal unentgeltlich geheilt was die Kopfgeldjägerin ihr hoch anrechnete.
    "Nun falls noch Fragen offen sind, dürft ihr sie gerne stellen, immerhin sind wir gerade ungestört.", bot die Elfe als Geste des guten Willens an, bevor sie sich entschloss ihre Haarbürste zu suchen.

    Morgana hatte Kleid beendet und die Löcher so gut und elegant geflickt wie es ihr möglich war. Sie war recht zufrieden mit dem Ergebnis, denn die schwärze ihres Kleides verbarg solch Reparaturen recht gut und in belebteren Ortschaften trug sie für gewöhnlich eh ihr anderes Kleid. Larissa schlief noch immer und Morgana beschloss sich schonmal zu waschen. Gerade in dem Moment wo sie sich obenrum frei gemacht hatte und sich zu reinigen begann, ertönte ein gewaltiger Lärm von draussen. Ihr Blick fiel zur Tür, während Larissa derweil aus ihrem Bett aufsprang und sofort mit dem Dolch in der Hand, aber dafür ohne Hose zur Tür stürmte und hinausschaute. Morgana widerstand dem Drang ebenfalls rauszuschauen, barbusig erschien ihr das als eine dumme Idee. Vermutlich war nur irgendein betrunkener Idiot über etwas gestolpert. Kurze Zeit später zog Larissa ihren Kopf wieder zurück und schloss die Tür hinter sich, ein breites Grinsen zierte ihr hübsches Gesicht. Eine willkommene Abwechslung zu den letzten Tagen wie Morgana fand.
    "Was ist passiert?", fragte sie neugierig, woraufhin ihr die Elfe schadenfroh von Mordreds kleinen Unfall erzählte, was der Hexe wiederum ein Lächeln und ein kurzes Kichern entlockte. Wenn man den Idioten kannte der gestolpert war, versüßte das die Geschichte noch ein wenig.

    Artur bekam nur am Rande mit wie Mordred schlaftrunken aus der Tür trat. Als plötzlich ein lautes Krachen ertönte, wurde er wach auch wenn er nicht gerade sehr hektisch wurde. Stattdessen erhob er sich langsam aus dem Bett und trat zu der offenen Tür aus der lautstark Mordreds Flüche ertönten. "Auch eine Art den Tag zu beginnen.", fuhr es ihm beim Anblick des nassem und gebeutelten Antivaner durch den Kopf. Auf dem Flur erschienen kurz darauf weitere Menschen, angelockt vom Geschrei seines Zimmergenossen, auch ihre Gefährtinnen von denen sich Larissa einen recht hämischen Morgengruß nicht nehmen ließ. Nachdem die Schaulustigen wieder verschwunden waren und der Wirt sich entschuldigt hatte, trat der Antivaner nass und mit schmerzenden Schienenbein wieder ins Zimmer. "Alles in Ordnung bei euch?", erkundigte er sich stoisch worauf Mordred zur Antwort kurz trotzig nickte. "Das ist gut. Wenn die Tochter gleich einen neuen Eimer vorbeibringt, hätte ich aber dann gerne die Gelegenheit mich auch zu waschen."
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