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  1. View Forum Posts #361 Reply With Quote
    Veteran Lukar's Avatar
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    Das Königreich Argaan im Forenrollenspiel
    Lukar is offline
    Sie waren kaum ein wenig weiter vom Tor weggeschritten, da gestattete Lukar sich ein schelmisches Grinsen.
    "Klinge der Akademie und strategischer Berater des Königs. Also wirklich." Er lies sich die Worte selbst einmal auf der Zunge zergehen, schmeckte ihre Note von Ansehen, Macht und Reichtum... und schluckte sie dann wie einen ungenießbaren Kloss würgend hinab. "Nicht das es mir missfallen würde. Aber ich fürchte, besagter König hat da auch noch ein Wörtchen mitzureden."
    Es entbehrte einer gewissen Ironie. Ihre ganze Sache, ihre Organisation, alles hatte darauf aufgebaut, das der könig Joe und seine Söldner mit offenen Armen und Wangenküsschen empfangen hatte- zumindest nach Ethorns Maßstäben. Jeder Krieger war nötig und nützlich gewesen. Und nun war er, Lukar, so niederträchtig behandelt worden. Doch Lukar hatte nicht vor, sich dadurch Gewicht zu verschaffen, sich an Joes Stelle als Kriegsherr vor den Bund zu schnallen. Er konnte mittlerweile gut mit dem Schwert umgehen... aber er lebte nach dem Motto -und Leben war das Stichwort das ihn interessierte- dass nur ein lebensmüder Schwachkopf öfter zum Schwert griff als unbedingt nötig war. Nicht das er jeden feurigen Söldner für einen lebensmüden Draufgänger hielt. Aber die Grenze war in seinen Augen erschreckend dünn.
    Hier innerhalb bekannter Grenzen wurde sein Gang wieder etwas ausgelassener. Wäre seine schwere Ausrüstung und ihr zerzauster zustand nicht gewesen, hätte man die Beiden für gemütliche Spaziergänger halten können.
    "Die Leute kommen und gehen." Lautete Lukars vorerst knappte Antwort, ehe er Nachdenklich die Zunge gegen die Wangenseite drücke und nach einigen Augenblicken entschieden schnalzte.
    "Davon ausgehend das seit dem letzten Brief den ich erhalten habe nichts besonderes passiert ist... Schlangenauge ist wie immer Schlangenauge, mal hier, mal da, aber immer dort wo es was zu holen gibt. Günar pendelt zwischen Wald, Arena und Taverne hin und her, immer auf der Suche nach Herausforderungen und neuen Anwärtern. Ansonsten macht auch der übliche Stab was er am besten kann. Dilinger verwaltet und setzt Fett an, unsere Hehler hehlern... und die prächtige Arena überragt alles."
    Seine Stimme hatte einen nicht wenig ehrfürchtigen Tonfall angenommen. Die Arena. Dort erhob sie sich vor ihren Augen. In jeder großen Stadt hätte sie vielleicht eher schäbig ausgehen. Angesichts der ihnen zur Verfügung stehenden Mittel war sie ein Prachtbau geworden. Lukar schnaufte glücklich durch, grinste Chala an und machte eine einladende Geste, ehe sie sich gen Haupteingang aufmachten. Bereits hier draußen scholl ihnen der Klang von Stahl und Stab entgegen. Die Söldner und Brüder des Bundes vernachlässigten ihr Trainig selten.
    "Willkommen daheim."
    Entfuhr es Lukar lapidar als ihr gemeinsamer Blick in den trockenen und plattgetrampelten Innenhof fiel. Männer und auch einige Frauen fochten in der brütenden Hitze, die durch die aufragenden Mauern der Arena schwer auf der Haut lastete, als ginge es um ihr Leben oder zumindest das nächste Preisgeld.

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    Krieger Chala Vered's Avatar
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    Das Königreich Argaan im Forenrollenspiel
    Chala Vered is offline

    Arena des dunklen Bundes - Besprechungsraum

    Ihr Operationsgebäude vollendet vor sich zu sehen trieb Chala ein wenig Bewunderung für die Künste der Steinmetze und anderen Handwerker ein. Auf der kleinen Erhebung überragte das steinerne Gebäude die eilig zusammengezimmerten Bretterbuden des Dorfes, was den Bau zu glorifizieren schien. Natürlich war er im Schatten der Silberseeburg nur ein kümmerlicher Griff nach etwas Prunk, doch seinen Zweck erfüllte es allemal.
    "Tut gut wieder hier zu sein", murmelte die Dunkelhäutige leise, die sich tatsächlich darüber freute an einem vertrauten Ort zu sein.
    Es gab nicht viele Erinnerung an diesen Ort, doch die wenigen waren zumeist positiv. Am Rand des Kampfrings zu stehen erweckte auch in ihr die Lust wieder ihr Schwert zu schwingen. Das Gefühl der Macht über den Gegner zu spüren und über Leben und Tod entscheiden zu können. Dieses Gefühl war alles, was sie je erstrebt hatte und nun war es so, als stände sie am Anfang ihres Weges, zu schwach ihre Waffe wirkungsvoll zu führen und längst nicht talentiert genug, um sich auch nur mit einem der anwesenden Söldner im Zweikampf zu messen. Das musste sie unbedingt ändern.
    Unbemerkt hatte sie ihre Hände zu Fäusten geballt, so fest, dass das Blut aus ihren Knöcheln floh. Auch ihren Kiefer hatte sie angespannt, sodass er nun schmerzte.

    "Weißt du, es war keine Lüge, dass ich eine Klinge der Akademie bin", fiel Vered auf, dass sie Lukar noch eine Antwort schuldig war, "Joe wurde einst als Meister der Klingen vom Leiter der Akademie anerkannt und ich wurde gleichermaßen als Klinge aufgenommen, auch wenn ich einen Besuch bei Raad schuldig geblieben bin. Es gab einfach wichtigere Dinge, um die ich mich kümmern musste."
    Noch etwas, das sie unbedingt in naher Zukunft würde ändern müssen, denn für das übergeordnete Ziel des Bundes war es unabdingbar einflussreiche Positionen zu besetzen. Insbesondere jetzt, wo Joe sich scheinbar abgewandt hatte, fühlte sie sich in der Pflicht so weit aufzusteigen wie ihr nur möglich war.
    Nachdem die Söldner sie begrüßt hatten, die meisten hatten lediglich von Chala gehört, sie jedoch nie kennengelernt, verließen sie den Kampfschauplatz und wurden von dem Gebäude verschluckt. Es war viel kühler in den steinernen Gängen, die mit Kerzen beleuchtet wurden. Einige wenige Handlager begegneten ihnen, die jedoch respektvoll vor Lukar Platz machten.
    "Autorität steht dir", stichelte die Aranisaani mit einem Grinsen im Gesicht, ehe sie sich wieder wichtigeren Themen zuwandte.

    Da sich Vered kein bisschen im Gebäude auskannte - lediglich den Standort ihres vorübergehenden Zimmers von vor zwei Jahren war ihr bekannt - führte der Untergrundmogul sie. Er führte sie in einen Raum, der wohl am ehesten einem Büro glich. Lukar nannte es einen Besprechungsraum, also genau richtig für diesen Moment.
    "Gut, jetzt wo wir hier sind, muss ich einige Dinge erledigt wissen", begann Chala.
    Sie setzte sich schwungvoll auf einen Stuhl, ließ ihren Reisebeutel neben sich zu Boden fallen und verspürte mit einem Mal das dringende Verlangen, sich einen Sumpfkrautstängel zu drehen, was sie wenige Augenblicke später auch tat.
    "Als erstes überprüfe ich meine Ausrüstung. Zwei Jahre sind eine lange Zeit und ich weiß nicht, ob jemand außer mir Zugang zu meinem Zimmer hatte. Außerdem muss ich unbedingt an meiner körperlichen Verfassung arbeiten."
    Ehe sie zu rauchen begann, musterte sie Lukar intensiv, überlegte kurz und schob ihm schließlich die gedrehte Droge herüber. Schließlich nahm sie sich etwas mehr Kraut aus dem Beutel, den sie Niel abgenommen hatte und formte sich selbst ebenfalls einen Stängel, den sie an einer Kerze entzündete. Einen tiefen Zug nahm sie noch, ehe sie weitersprach.
    "Und so sehr ich es hasse das zugeben zu müssen", knurrte sie genervt, "sind meine Kampffertigkeiten mehr als nur eingerostet. Ich werde einen Lehrer brauchen, der mir den Schwertkampf erneut einbläut. Kannst du mir jemanden empfehlen, der verschwiegen ist?"
    Sie zog erneut an ihrem Glimmstängel.
    "Denn falls jemand außerhalb dieses Raumes davon Wind bekommt, dass meine kämpferischen Fähigkeiten nicht meinem Ruf unter den Leuten gerecht werden, weiß ich an wen ich mich wenden muss."
    Diese Drohung war gewagt, bedachte man doch, dass Lukar ihr bis jetzt wohlgesonnen war und sie zu unterstützen vorhatte. Doch so war die dunkle Kriegerin nun einmal. Sie konnte nicht anders, als Druck auszuüben, um zu bekommen, was sie begehrte.

  3. View Forum Posts #363 Reply With Quote
    Veteran Lukar's Avatar
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    Das Königreich Argaan im Forenrollenspiel
    Lukar is offline
    Mit einem interessierten Nicken nahm Lukar die Neuigkeit zur Kentniss. Eine Klinge der Akademie also. Das war keine fadenscheinige Ausrede oder Anspielung gewesen. Doch sollte es ihn verwundern? Chala war eine Frau der Tat. Wo er vornehmlich gegen Papierberge kämpfte und Leute mit einem Lächeln und einer ordentlichen Stange Geld auf seine Seite zu ziehen versuchte, stach, stach und betrog sie sich durch die Welt. Er mochte sie kaum persönlich kennen, aber ihr Ruf innerhalb der Arena war berüchtigt. Unabhängig davon wieveil dieses Bildes Selbstschutz und Machtdarstellung war: Joe, das hatte Lukar schnell herausgefunden, hatte für ihre Gemeinschaft niemals Nichtsnutze oder Poseure ohne Inhalb an seine Seite gezogen.
    Die dicke, kühle Luft des Arenabaus verschluckte sie. Nur dünne Kerzen spendeten dunkles Licht. Das schattige Flackern lies die Korridore mindestens doppelt so lang und unheimlich Aussehen, wie sie es eigentlich waren. Ja. Joe hatte darauf geachtet das der Schein nicht überhand nahm, weder beim Bau noch bei den Mitarbeitern. Aber er hatte sich der Kraft der Illusion dennoch zu bedienen gewusst.
    „Sie schadet gewisst nicht.“ Lukar nickte den beiden vorbeigehenden Männern knapp zu.
    „Ich habe aber immer versucht, mich nicht auf ihr auszuruhen."
    Sein Blick schweifte nach vorne, ging jedoch zurück in die Vergangenheit.
    "Mein Vater hatte mir immer gesagt, Authorität macht überheblich und arm, wenn man sich ihr zu sehr bewusst wird. Und letztlich verliert man sie genau deshalb.“
    Das war keine ungelernte Binsenweisheit. Er hatte viele Männer gesehen und überlebt, die in diese Falle getappt waren. Ebenso wie sich seine Familie auf ihren Geschäften ausgeruht und von den Konkurrenz hatte auffresseb lassen. Aber das waren alte Geschichten. Und er war ihr letztes Kapitel.
    Lukar führte Chala in seinen Lieblingsraum der Arena. Den eher schlichten, spartanisch anmutenden Besprechungsraum. Wenn er sich in der düsteren Kammer umsah, erblickte er Günar der sich breitbeinig aus seinem Stuhl pfläzte. Slicer und Schlangenauge, die darum wetteiferten, wer am meisten so aussah als ginge ihn die ganze Angelegenheit eigentlich garnichts an. Joe mit diesem wissenden Grinsen der Zielstrebigkeit... leider jedoch war der Raum natürlich leer und würde es für alle Zukunft wohl auch bleiben.
    Indes Chala sich hinpflanzte, flanierte Lukar wie ein unentschlossener Hai durch den Raum. Er hielt erst an, als sich eine Hand mit einem Krautstängel in seine Richtung strecke. Dankend nahm er den Stängel an.
    „Keine Sorge, ich werde deine Schwäche nicht vor unseren Leuten erwähnen, sollange sie unsere Sache nicht gefärdet.“ Das Lächeln das folgte war so echt wie das Gelübte eines Schwarzmagiers, der sich unter dem Druck einer drohenden Hinrichtung mitleidserregend von seinen Dämonen lossagte.
    Mittlerweile kannten sie beide mehr als genug Schwächen voneinander, um genau zu wissen, dass sie sich gegenseitig nicht mehr so leicht ins Aus befördern könnten. Natürlich. Für Solche wie sie gab es viele Wege und noch mehr Umwege um einen unliebsamen Konkurrenten wenn nötig diskret auszustechen. Doch Bestand ihre Sache nicht zuletzt aus eben genau dem Grund, solches zu vermeiden. Sollte es dennoch zu Machtkämpfen kommen -und zwar solchen die über ein gesundes Maß hinausgingen- bedeutete es nichts anderes, als das sie versagt hatten.
    „Es wäre wohl leichter, die Leute aufzuzählen die nicht verschwiegen sind. Aber die trainieren wohl nimanden mehr.“ Er räusperte sich amüsiert. Tatsächlich jedoch hatte sich das Maß von ausgesiebten Verrätern in Grenzen gehalten. Warrick war wohl eine der wenigen Blamagen- nicht zuletzt einer seiner Größten.
    „Zufällig steht einer der Kämpfer des Bundes vor dir. Ok, Kämpfer ist vielleicht zu viel gesagt. Sollange mich irgendein halsstarrer König nicht dazu zwingt anderes zu tun, kämpfe ich mit der Feder. Aber ich hatte eine gute Lehrerin und wenn es nötig ist...“
    Eine wegwerfende Geste sagte das übrige.

  4. View Forum Posts #364 Reply With Quote
    Krieger Chala Vered's Avatar
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    Chala Vered is offline
    Beinahe wäre Chala vom Stuhl gefallen.
    "Du kannst gut mit einem Schwert umgehen?", fragte sie ungläubig, was sie im nächsten Moment jedoch bereute, "Verzeih mir, es sollte nicht geringschätzig rüberkommen", beeilte sie sich zu sagen.
    Tatsächlich war sie einfach nur überrascht, dass ein betagter Mann wie Lukar, der so schien, als focht er besser mit Worten, als mit Stahl, gut genug mit einem Schwert umzugehen wusste, dass er ihr etwas beibringen konnte. Vered durfte nicht in die Falle treten, ihren Gegenüber nur aufgrund seines Äußeres einzuschätzen. Außerdem war es ihrer Meinung nach für einen Lehrer nicht zwingend nötig ein kampfwütiger Krieger sein. Viel mehr zählte doch das Wissen und Beherrschen der Technik, die es weiterzugeben galt.
    Während sie wohl noch immer unhöflich auf Lukar blickte, erlosch ihr Sumpfkrautstängel, sodass sie ihn erneut entzünden musste. Das Spiel, was sie hier spielten war ein gefährliches, insbesondere wenn sie viele Schwächen untereinander kannten. Doch es war zu einem gewissen Grad auch notwendig, wenn sie den Einfluss des Bundes gemeinsam vergrößern wollten. Wenn man seinen Partner nicht kannte, wie sollte man dann genug Vertrauen in dessen Fähigkeiten setzen?

    "Also dann", versuchte sie noch immer ihren Ausbruch wiedergutzumachen, "sollten wir, wenn es dir nichts ausmacht, so bald wie möglich damit anfangen, meinem Ruf die bröckelnde Basis zu retten", schmälerte sie ihre eigenen Fähigkeiten.
    Während sie auf eine Antwort wartete, ließ sie zum ersten Mal die Atmosphäre ihres Heims auf sich wirken. Er fühlte sich einfach gut an, wieder hier zu sein, an einem Ort, den sie seit langer Zeit als ersten wieder Heim nennen konnte. Schade nur, dass sich dies sehr bald ändern würde. Die Zentren der Macht auf Argaan verschoben sich und es hatte keinen Sinn für eine Organisation wie die ihre abseits dieser Zentren zu agieren. Die Arena würden sie zwar, so lange sie es sich erlauben konnten, weiter unterhalten, doch irgendwann würde der Zeitpunkt kommen, indem sie sich davon trennen mussten wie man es von einem faulen Stück Fleisch tat.

  5. View Forum Posts #365 Reply With Quote
    Veteran Lukar's Avatar
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    Das Königreich Argaan im Forenrollenspiel
    Lukar is offline
    Innerlich lachte sich Lukar vermutlich grade ins Fäustchen, nach außen hin jedoch gab er sich gelassen, routiniert, eine Hand locker an der Lehne einer der zahlreichen Stühle. Die Leute begingen immer den selben Fehler. Sie hielten ihn entweder für einen alten Waschlappen der kaum mit dem Krückstock um sich schlagen konnte, oder für einen geheimen Meisterassassinen der sein Talent hinter einem klapprigen Körper verbarg. Was das anging, empfand er Extreme als überaus nützlich. Egal ob er nun über- oder unterschätzr wurde, beides gereichte ihm zum Vorteil.
    "Vielleicht sollte ich es anders formulieren." Umrundete er das Thema mit einer fahrigen Geste noch einmal grob. "Ja, ich kann mit der Klinge umgehen. Aber ich bin kein Soldat, kein Ausbilder. Von mir wirst du nicht lernen, in einer Schlachtreihe zu stehen, oder in einem Gewalthaufen zu überleben. Was ich dir bieten kann, ist das Gefecht Mann gegen Mann... oder Mann gegen Frau... nicht mehr. Und dies auch nicht unbedingt mit Hinblick auf ritterliche Ehren."
    Das Lächeln das sie in diesem Moment beide verband, war selbsterklärend. Wer von ihnen kämpfte schon wie ein aufrechter Paladin? Nicht das die Paladine das selbst so oft taten wie sie es propagierten. Aber im Bund zählten Ergebnisse. Ob der Feind nun in einem heldenhaften Zweikampf starb, durch listiges Hinhalten oder einen Attentäter, war im Grunde gleich.
    Lukars Finger trommelten leise über die Stuhllehnte, indes er nachdachte. Sein Blick ging gegen die Wand.
    "Ich müsste natürlich vorher einmal wissen, ob und wenn ja, was du schon zu dieser Thematik gelernt hast. Hat Joe dir den einen oder anderen Trick gezeigt? Jemand Anders? Und welche Einstellung hast du zu einer Waffe in der Hand?"
    So nach und nach zählte er die gröbsten Dinge auf, die ihn in den Sinn kamen, die ihm wichtig erschienen. Als er aus seiner Aufzählung herausdämmerte und ihr seine schmalen Augen zuwarf, schien Chala zu überlegen. Die Lippen geschürzt, unsicher oder nachdenklich nagend.
    "Was ich damit meinte ist folgendes..." Fügte Lukar mit einem beinahe entschuldigenden Lächeln hinzu, wobei er mit seiner rechten ein imaginäres Schwert aus dem Halfter zog.
    "...das ist für mich ein Werkzeug." Er hob die Hand, die den nichtexistenten Griff umklammerte, auf die Höhe seines Gesichtes als würde er die Klinge begutachten. "So wie eine Feder für mich zum Schreiben da ist, sehe ich ein Schwert als ein Mittel, meine Haut zu verteidigen. Das ist nichts Selbstverständlich wie ich hier im Bund lernte. Slicer zum Beispiel..." Der Griff seiner Finger wurde schmal, sein Lächeln glich dem seines blutrünstigen Freundes, wenn dieser mit einem Dolch hantierte. "...würde eine Klinge vielleicht als ein Spielzeug ansehen, ein Vergnügen, das das Nützliche mit dem praktischen verbindet. Er liebt den Kampf und den Schmerz... den anderer versteht sich."
    Sein Griff wurde wieder etwas breiter, fester. Er posierte ein wenig und versuchte soetwas wie glühende Kampfeslust darzustellen, was vielleicht ein wenig komisch aussah, und ihm selbst auch beinahe ein Lachen anrang. Nur mit mühe blieb er ernst. "Günar und Joe jedoch gingen völlig in ihren Waffen auf. Ein wenig wie Glücksspieler die auf Alles oder Nichts setzen. Der Rausch des Kampfes nahm sie mit, die Chance zu verlieren war jederzeit präsent; Ihr Einsatz ebenso hoch wie der mögliche Gewinn."
    Seine Hand entspannte sich, sein Körper wurde locker.
    "Jeder von uns hat seine eigene Einstellung zum Schwert. Was ist deine?"

  6. View Forum Posts #366 Reply With Quote
    Krieger Chala Vered's Avatar
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    Chala Vered is offline
    Was war ihre Einstellung zum Schwert?
    Diese Frage erschien ihr zum einen wie die leichteste auf der ganzen Welt, doch gleichwohl schien sie auch die schwierigste zu sein. Lukar würde keine philosophische Antwort darüber hören wollen, wie sie einen blutigen Pfad der Zerstörung hinter sich lassen würde, um dem Weg zu folgen, den ihr der Berührte in Setariff prophezeit hatte. Außerdem wusste sie nicht einmal mehr, ob diese Vorhersage weiterhin Bestand hatte, wenn Joe nicht an ihrer Seite war. Zunächst jedoch widmete sie sich ohnehin erst den anderen Fragen ihres potentiellen Lehrmeisters.
    "Ich hatte nie die Gelegenheit mir von Joe etwas über Kampfkunst beibringen zu lassen", antwortete Chala mit Bedauern in der Stimme, war sie sich der Fähigkeiten ihres ehemaligen Begleiters am Schwert doch mehr als bewusst, "Was ich kann, habe ich von einem Gauner vom Schwarzwasser, Dennik. Auch er war kein Freund von einem ehrlichen Kampf, wenn ehrlich bedeutete, dass man verlor."
    Bei dem Gedanken an Dennik begannen die Säfte in ihr zu brodeln. Dass er sie damals einfach den Paladinen überlassen hatte, würde sie ihm niemals verzeihen! Müheselig schluckte sie die Galle der Wut herunter, ehe sie Lukar ein besseres Bild davon malte, was sie bereits konnte.

    "Ich bin bei weitem nicht so gut wie Joe, auch an Dennik bin ich nicht herangekommen. Mit einem Straßenschläger werde ich allerdings allemal fertig", gab sie selbstreflektierend ihre Fertigkeiten wider.
    Sie kaute auf ihrer Unterlippe, während sie überlegte, was sie von Waffen an sich hielt. Im Prinzip war es in ihren Augen offensichtlich, doch wusste sie nicht, ob Lukar mit seinen Fragen noch etwas anderes bezweckte, als sich vertraut mit ihren derzeitigen Talenten zu machen.
    "Eine Waffe in der Hand zu halten gibt mir das Gefühl Herr der Lage zu sein", antwortete sie schließlich wahrheitsgemäß, "Es lässt mich wachsen und hilft mir bei der Überzeugungsarbeit, wenn meine üblichen...", sie hielt inne, als suchte sie nach dem richtigen Wort, "Methoden fehlschlagen oder von vornherein wirkungslos sind."
    Für sie war einer ihrer Wurfmesser oder aber ein Schwert ein Weg, den sie beschreiten konnte, wenn ihr Charisma oder ihre Einschüchterungen nicht den gewünschten Effekt brachten. Außerdem liebte sie das Gefühl der Macht, das sie erfüllte, wenn sie eine Klinge in der Hand hielt. Doch damit wollte sie ihren dunklen Bruder nicht konfrontieren.

    Die weitaus wichtigere Frage, was ihre Einstellung zum Schwert war, schwebte jedoch noch immer über ihnen. Auch, wenn sie bereits teilweise darauf geantwortet hatte, wusste sie, dass es mehr bedurfte. Etwas unruhig suchte sie eine bequemere Position auf ihrem Stuhl. Die Wirkung des Sumpfkrauts entspannte sie nicht tief genug, als dass ihre Nervosität ganz unterdrückt werden konnte.
    "Ein Schwert ist das, was mir im Leben das bringen wird, wonach ich mich sehne", war ihre Antwort.
    Es sagte alles aus, was sie mit einer Waffe je verbunden hatte und war doch auf tausende Arten zu deuten. Nun konnte die Aranisaani nur hoffen, dass Lukar diese Antwort genügte.

  7. View Forum Posts #367 Reply With Quote
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    Lukar is offline
    Die linke Augenbraue Lukars zuckte in die Höhe als der Name Dennik fiel.
    Dennik von Schwarzwasser. Meisterdieb. Anführer einer Bande gewitzter Totschläger, und nicht zuletzt Lukars ehemaliger Verbündete. Luakr stellte soetwas wie bedauern in sich fest, die Qualitäten dieses Gauners eingebüßt zu haben. Gut möglich dass er bei der Zerstörung des Forts gefallen war. Trotz seiner beachtlichen Kampfkünste, deren Zeuge Lukar gewesen war.
    "Ja, das war Dennik in der Tat nicht." Lukar war ehrlich amüsiert, auch wenn er einen leichten Groll in ihrem Gesicht bemerkte. Wie der leichtfüßige Charmeur sie wohl verärgert hatte? In ihrem Metier kamen solche Streitereien leider all zu oft vor.
    Langsam nickend umfasste seine Hand die Stuhllehnte neben sich und die Handfläche locker über dem Holz haltend umkreiste er den Möbel und setzte sich langsam und so bequem wie möglich darauf.
    "Dennik und Joe waren ja auch Meister ihres Fachs und verdienten nicht einen unerheblichen Anteil ihres Brotes mit ihrer Kampfkunst. Gebrauch ist der beste Lehrer."
    Eine hohle Phrase. Doch in seinen Augen war wenig so Wahr wie diese einfache Binsenweisheit.
    "Das Gefühl kann ich nachvollziehen. Herr über Leben und Tod sein... die Klinge in der Hand und jederzeit bereit das Urteil fällen zukönnen wie Beliar selbst. Ich würde dem sogar Zustimmen. Mit dem Schwert in der Hand sind wir mächtig... aber Macht blendet uns. Manchmal so sehr, dass wir eine uns überlegene Macht nicht erkennen. Beim Schwert ist es bedauerlich leicht, in diese Falle zu tappen."
    Ein schiefes Grinsen suchte sich den Weg in sein Gesicht.
    "Ich selbst muss oft dagegen ankämpfen... zu vergessen, dass mich mein Schwert auch machtlos machen kann. Gegenüber meiner Wut, meinem Zorn... den Plänen des Gegners. Vorschnell zur Waffe zu greifen kann einem Moment der Schwäche gleichkommen, wenn ich mich auf einen Kampf einlasse den der Gegner mir diktiert. Manchmal... wenn nicht sogar oft... ist es daher besser, dem Kampf aus dem Weg zu gehen. Oder, wenn er sich nicht vermeiden lässt, lange im Vorraus die Umstände vorzubereiten. Die Umgebung ebenso zu kennen wie den Gegner und seine Schwächen."
    Er hob abwehrend die Hände.
    „Letztlich ist es deine Wahl. Aber egal welche Technik du beherrschst, wie gut du bist... im Kampf bist du immer verwundbar. Wenn du jemanden gegenüber stehst der genau so gut ist wie du... oder einem der insgeheim deine Schwäche kennt... oder einem raffinierten Bogenschützen der dich aus hunderten Metern vom Deich schießt... wo ist deine Macht dann?“
    Die rhetorische Frage so erst mal im Raum stehen lassend drückte er den Krautstängel vorne mit zwei Fingern aus, schabte die heiße Asche vom Stumpf und schob sich den halben Stängel in die Westentasche. Später war auch nocht Zeit für sowas.
    Lukar wusste wohl, dass er Chala ihre Gefühle nicht wegnehmen konnte. Er hatte sie in den letzten Stunden als sehr emotionale, aufbrausende Frau kennengelernt. Was auch ihre Stärke sein Mochte. Aber er hoffte dennoch, dass sie die Notwendigkeit erkannte, sich im Eifer des Gefechts nicht auf ihr brennendes Gefühl von Macht zu verlassen, welches sie gradewegs in eine Falle stürmen lassen konnte. Vielleicht lies sich sogar ein Übungskampf in... ungewöhnlichen Terrain mit ungewöhnlichen Gegnern arrangieren, die ihr Gespür für das schärften, was er meinte.
    „Was alles nicht heißen soll, dass du nicht auch noch an deiner Technik arbeiten kannst.“ Fügte er in das Schweigen mit einem Blinzeln hinzu.

  8. View Forum Posts #368 Reply With Quote
    Krieger Chala Vered's Avatar
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    Chala Vered is offline
    Auch wenn Chala hatte vermeiden wollen, dass Lukar ihre Gier nach Macht aus den Antworten heraus hörte, schien er sie erraten zu haben. Eventuell war es ihr auch zu sehr anzumerken, sodass sie unbedingt etwas dagegen unternehmen musste. Denn das bedeutete, dass sie weniger Kontrolle über ihre Ausstrahlung hatte, als sie wollte.
    Dennoch war das, was Lukar über die Gefahren des Gefühls der Macht sagte, durchaus wert sich darüber Gedanken zu machen. Es war nicht unwahrscheinlich, dass die aufbrausende Aranisaani vorschnell in Aktion trat und sich damit in eine Situation brachte, der sie nur schwer wieder entgehen konnte. Besonnenheit war etwas, das ein Kämpfer verinnerlichen musste, wenn er nicht einer von vielen sein wollte, die zu früh das Zeitliche segnete. Dass selbst der ältere Untergrundfürst damit zu kämpfen hatte, bewies wie schwierig es sein konnte, die Kontrolle über sich und seine Gefühle zu behalten. Bisher waren es jedoch eben jene Gefühle, die Chala zu Dingen angetrieben hatte, auf die sie nachher stolz gewesen war.

    Was der Dunkelhäutigen besonders zu denken gab, war der Hinweis darauf, dass man sich seiner Umgebung gut bewusst sein sollte. Wie wahr dieser Rat doch war, wenn man den Schauplatz gut kannte, der Gegner jedoch nicht. Man konnte den Überraschungsmoment nutzen und in brenzligen Situationen leichter entkommen. Überhaupt war es wichtig eine Fluchtroute zu haben, wenn es denn unausweichlich wurde sich zurückzuziehen.
    Bedenklich fand Vered jedoch die Erwähnung von Bogenschützen. Sofort erschien das Bild von Shakes vor ihrem inneren Auge und sie dachte an die Fähigkeiten der Waldläufer auf sehr weite Entfernungen sehr präzise ihre Ziele zu treffen und ihr schauderte es bei dem Gedanken daran, sich mit ihnen anlegen zu müssen. Hoffentlich würde es nie dazu kommen. Insbesondere, weil sie sich nicht gegen Ryu wenden wollte.
    Gleichwohl stellte sich hier die Frage, ob sie selbst einmal versuchen sollte mit einem Bogen zu schießen. Doch ob das wirklich zu ihr passte, würde sich erst noch zeigen müssen. Zunächst standen wichtigere Dinge an, um die es sich zu kümmern galt.

    Als Lukar seinen Krautstängel löschte, drang Chala sofort der Geruch von kalter Asche in die Nase und sie verzog das Gesicht. Sie würde einen Stängel immer bis zum Ende rauchen, nur um diesem Gestank zu entgehen.
    "Was meinst du sollte ich jetzt tun, um wieder fit für einen Kampf zu werden? Ich habe nämlich das Gefühl, dass wir bald jedes Schwert gebrauchen können im Hinblick auf diesen Reinhard, die Althoffs und etwaigen Problemen, die Stewark und seine Einwohner uns bereiten werden."

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    "Du wirst es vielleicht ungerne hören... aber am Trainieren wirst du nicht herumkommen. Will heisen, dass auch Leute aus dem Bund miteinbezogen werden sollten. Ich rate jetzt einfach mal ins blaue hinein, dass die wenigsten unserer Leute regelmässig für zwei Jahre ihr Kampftrainig abbrechen und körperlich verwahrlosen. Wir haben es mit Profis zu tun. Such dir die aus, die dir vertrauenswürdig erscheinen, und trainiere mit ihnen."
    Lukar schloss einen Moment die Augen. Vor geistigen Augen sah er nach und nach die Gesichter der Söldner und Mitverschwörer ablaufen. Chala hatte recht. Bei vielen wäre es riskant, ihre Schwäche all zu offen zu zeigen. Aber es würde einige gegen, die man im unklaren lassen konnte. Die sich vom Schein blenden liesen. Oder einfach aus Vertraulichkeit schwiegen.
    "Ich weis, dein Ruf ist dir wichtig. Er ist eine mächtige Waffe. Wenn es dir dienlich ist, kann ich mich mal diskret umhören wen wir einbeziehen könnten, damit auf dich keine blösse fällt. Bis dahin... stelle ich mich gerne zur Verfügung."
    Er zuckte mit den Schultern als wäre es das leichteste und gewöhnlichste der Welt.
    "Ich will auch nicht einrosten, und die Gefahr besteht mit jedem Jahr leider immer mehr. Auch wenn es grade so aussieht, als ob Beliar mir nicht mehr lange gibt... das Risiko gehe ich nicht ein. Mit dir zu trainieren könnte mir ebenso nützlich sein. Du hast lange nicht gekämpft, aber bist Jung. Dein Körper wird sich an den Tanz mit der Klinge erinnern. Das wird auch mir neue Erfahrungen geben."
    Das war vielleicht untertrieben. Die letzten Jahre hatten Chalas scharfen Geist, für den sie berühmt war, nicht dauerhaft geschadet. Sie mochte körperlich schwächer sein, aber würde sich gewiss an das Gefühl Erinnern, wenn eine Klinge in ihrer Hand lag. Und wenn wirklich Dennik ihr Lehrer gewesen war... Beliar, selbst ohne Meisterschaft wäre sie tödlich!
    "Sollen wir noch hier in der Arena beginnen, oder möchtest du lediglich deine Sachen zusammenpacken und mal einen Blick über Stewark werfen?" Fragte er forsch, mit einem durchaus geschäftigen Funkeln in den Augen, als er an die schwer befestige Stadt an der Küste dachte. Ein Umzug des Bundes würde ein gewaltiger logistischer Aufwand sein. Für den Anfang würde es ausreichen, einige Späher mitzunehmen. Die Lage auszutasten. Erst wenn ihre Weben sich um die Gebäude und Machtstrukturen der Stadt wanden, würde ihre Schar folgen. Zumindest in seinen idellen Vorstellungen. Die pikäre Lage auf Argaan mochte es schwieriger machen...

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    Chala Vered is offline
    Offenbar war es so, dass sie es unmöglich vollständig vermeiden konnte von Mitgliedern des Bundes beim Training beobachtet zu werden. Als erfahrene Kämpfer würde ihnen ohne Weiteres auffallen, dass ihre Fertigkeiten mit dem Schwert nicht ihrem Ruf gerecht wurden, doch war Chala niemand, der nicht auch auf andere Weise ihr Ansehen beibehalten konnte. Lediglich Zeit war was sie brauchte, um wieder zu der Peron zu werden, für die sie zurzeit gehalten wurde.
    „Ich würde gern vorbereitet sein, bevor wir in Stewark ankommen. Zumindest will ich nicht in eine Situation geraten, in der mir etwas Kampfgeschick helfen kann, mir aber noch nicht wieder gegeben ist“, erläuterte sie ihr Vorhaben Lukar, der gespannt auf eine Antwort gewartet hatte.
    Kurz überlegte die Aranisaani, ob sie alle Vorsicht über Bord werfen und ihren Kameraden darum bitten sollte, jemanden zu finden, der ihr als Sparringpartner dienen konnte und doch nicht allzu viel nach außen dringen lassen würde. Doch sie entschied sich dagegen, zumindest bis sie sich selbst sicher war, ihre Schwäche kaschieren zu können.
    Außerdem wäre es mir lieber, wenn zunächst nur wir beiden miteinander üben könnten. Außer dir gibt es nur zwei weitere Personen im Bund, denen ich genügend vertraue. Leider sind beide derzeit nicht vor Ort.“
    Natürlich dachte sie dabei an Pete und Günnar, wobei ersterer weniger auf den offenen Kampf setzte, als letzterer. Pete war ihr ergeben, so wie er auch Black ergeben war und der hünenhafte Günnar respektierte sie seit dem Tag, an dem sie ihm beinahe eines seiner Eier abgeschnitten hatte. Man mochte meinen, dass dies ihm einen Grund gäbe sich an ihr rächen zu wollen, doch der Söldner hatte es nach einem kurzen Schreck humorvoll aufgenommen.

    Langsam wurde die Luft in dem ohnehin beengenden Raum schlecht und die Dunkelhäutige drängte es nach draußen. Sie wollte ihre Sachen einsammeln, insbesondere ihr Schwert, und so bald wie möglich mit der Auffrischung ihrer Kampfkunst beginnen. Dabei dachte sie an ihre erstmaligen Anfänge und dass sie ihre Waffe kam hatte heben können. Vermutlich würde es ganz ähnlich sein, sobald sie Wildkatze am Schwanz packte und anheben wollte. Einige anstrengende Einheiten Krafttraining standen ihr bevor, die sich am besten mit einer kräftigen Mahlzeit angehen ließen.
    „Ich könnte etwas zu essen vertragen“, meinte sie deshalb und erhob sich mit dem Zeichen, dass sie für jetzt genug geredet hatten – es galt Taten folgen zu lassen, „Willst du dich mir anschließen?“, lud sie Lukar ein, der noch immer in sich hinein lächelte.
    Sie streckte sich genüsslich einer Raubkatze gleich, machte sogar die Andeutung eines Buckels, um ihren Gliedern neues Leben einzuhauchen. Es würde ihr gut tun ihren Körper wieder mehr in Form zu bringen. Weniger schnell zu ermüden war nicht nur beim Kampf ein vorteilhafter Nebeneffekt, den das Training brachte. Außerdem war es äußerst wichtig, dass sie ihren Reiz nicht verlor. Es wäre doch eine Schande, eine scharfe Waffe stumpf werden zu lassen. Immerhin setzte sie ihren Körper weitaus häufiger ein, als ihr Schwert oder die Wurfmesser.
    „Also, was ist?“, forderte sie ihren Bundsbruder zu einer Antwort auf.Offenbar war es so, dass sie es unmöglich vollständig vermeiden konnte von Mitgliedern des Bundes beim Training beobachtet zu werden. Als erfahrene Kämpfer würde ihnen ohne Weiteres auffallen, dass ihre Fertigkeiten mit dem Schwert nicht ihrem Ruf gerecht wurden, doch war Chala niemand, der nicht auch auf andere Weise ihr Ansehen beibehalten konnte. Lediglich Zeit war was sie brauchte, um wieder zu der Peron zu werden, für die sie zurzeit gehalten wurde.
    „Ich würde gern vorbereitet sein, bevor wir in Stewark ankommen. Zumindest will ich nicht in eine Situation geraten, in der mir etwas Kampfgeschick helfen kann, mir aber noch nicht wieder gegeben ist“, erläuterte sie ihr Vorhaben Lukar, der gespannt auf eine Antwort gewartet hatte.
    Kurz überlegte die Aranisaani, ob sie alle Vorsicht über Bord werfen und ihren Kameraden darum bitten sollte, jemanden zu finden, der ihr als Sparringpartner dienen konnte und doch nicht allzu viel nach außen dringen lassen würde. Doch sie entschied sich dagegen, zumindest bis sie sich selbst sicher war, ihre Schwäche kaschieren zu können.
    Außerdem wäre es mir lieber, wenn zunächst nur wir beiden miteinander üben könnten. Außer dir gibt es nur zwei weitere Personen im Bund, denen ich genügend vertraue. Leider sind beide derzeit nicht vor Ort.“
    Natürlich dachte sie dabei an Pete und Günnar, wobei ersterer weniger auf den offenen Kampf setzte, als letzterer. Pete war ihr ergeben, so wie er auch Black ergeben war und der hünenhafte Günnar respektierte sie seit dem Tag, an dem sie ihm beinahe eines seiner Eier abgeschnitten hatte. Man mochte meinen, dass dies ihm einen Grund gäbe sich an ihr rächen zu wollen, doch der Söldner hatte es nach einem kurzen Schreck humorvoll aufgenommen.

    Langsam wurde die Luft in dem ohnehin beengenden Raum schlecht und die Dunkelhäutige drängte es nach draußen. Sie wollte ihre Sachen einsammeln, insbesondere ihr Schwert, und so bald wie möglich mit der Auffrischung ihrer Kampfkunst beginnen. Dabei dachte sie an ihre erstmaligen Anfänge und dass sie ihre Waffe kam hatte heben können. Vermutlich würde es ganz ähnlich sein, sobald sie Wildkatze am Schwanz packte und anheben wollte. Einige anstrengende Einheiten Krafttraining standen ihr bevor, die sich am besten mit einer kräftigen Mahlzeit angehen ließen.
    „Ich könnte etwas zu essen vertragen“, meinte sie deshalb und erhob sich mit dem Zeichen, dass sie für jetzt genug geredet hatten – es galt Taten folgen zu lassen, „Willst du dich mir anschließen?“, lud sie Lukar ein, der noch immer in sich hinein lächelte.
    Sie streckte sich genüsslich einer Raubkatze gleich, machte sogar die Andeutung eines Buckels, um ihren Gliedern neues Leben einzuhauchen. Es würde ihr gut tun ihren Körper wieder mehr in Form zu bringen. Weniger schnell zu ermüden war nicht nur beim Kampf ein vorteilhafter Nebeneffekt, den das Training brachte. Außerdem war es äußerst wichtig, dass sie ihren Reiz nicht verlor. Es wäre doch eine Schande, eine scharfe Waffe stumpf werden zu lassen. Immerhin setzte sie ihren Körper weitaus häufiger ein, als ihr Schwert oder die Wurfmesser.
    „Also, was ist?“, forderte sie ihren Bundsbruder zu einer Antwort auf.

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    Seine finstere Geschäftspartnerin erhob und strecke sich wie eine Katze, die bis grade genüsslich in der Sonne gelegen hatte. Auch Lukar reckte seine Glieder, hie und da knackte und knirschte es, und auch sonst kam sein eher zweckmässiges Kreisen der Schultern und Gelenke nicht der Elleganz von Chala gleich. Die Götter hatten ihn da doch eben eher mit stumpfer Funktionalität statt geschmeidiger Grazie ausgestattet. Sein wissendes oder amüsiertes Lächeln verschwand indes nur langsam aus seinem Gesicht. Hunger hatte er tatsächlich auch. So ganz war er sich nicht sicher, ob Chala wirklich nur an einem kleinen Mahl gelegen war, oder ob sie ihn in einen ‚HInterhalt‘ zum Üben locken wollte. Die berufsgeschulte Paranoia in ihm wog auch diese Möglichkeit sehr genau ab, letztlich entschied er sich aber wider seiner Natur dagegen, sich überraschen zu lassen. Oder, falls die Überraschung ausblieb, selbst ein wenig kreativ zu werden...
    „Sarpendons Kneipe dürfte um diese Stunde gut gesucht sein, selbst wenn die Hälfe der Leute sich schon auf den Weg gen Stewark gemacht hat.“
    Verkündete er seine Antwort und entschwand Seite an Seite mit der Katze an seiner Seite aus dem schnöden Besprechungsraum. In der tristen Düsternis der Hauptquartieres sah man es kaum, aber die Sonne war längst untergegangen. Nur langsam hielt die kühle Abendluft in dem Gemäuer Einzug. Lukar schwieg, Chala lies noch ein wenig ihre Gelenke kreisen, so das außer den Geräuschen ihrer Schritte nichts zu hören war. Solcherart Dunkel waren die Gänge noch bedrohlicher als Sonst. Die Wirkung auf etwaige Gäste oder neue Mitglieder wäre gewaltig gewesen.... wenn die Zeit von Silbersee nicht gekommen gewesen wäre. Nur die Götter wussten, was sie in Stewark aufbauen können würden.
    „Ich werde dieses Gemäuer sicher vermissen.“ Seufzte Lukar mit einem gespielten Hauch bedauern. Er selbst hatte ja den Großteil selten gesehen, sich auf sein Büro und seine Lagerräume im Keller beschränkt.
    „Hoffentlich hat Joe die Liste mit den Namen der Arbeiter und Baumeister irgendwo festgehalten. Das waren gute Leute. Aber zur Not finden wir auch Neue...“
    Fuhr er darin fort, die Stille mit seichtem Sermon zu füllen. Schnell hatten sie die äußere Geheimtür entdeckt und schlüpften hinaus in die erfrischende Kühle des Abends. Zuerst hielt die Stille an die sie eben noch wie ein Schatten begleitet hatte, dann erklangten plötzlich Stimmen. Heiser, gröhlend, in freudiger Erregung. Lichter tauchten auf und dann zog vor ihren Augen aus einer breiten Seitenstraße der fackelschwingende Kopf einer jauchenden Menschenschlange, die mit Jubelschreien und euphorischer Kriegslust um sich schnappte.
    „LANG SOLL ER LEBEN, UNSER KÖNIG, UNSER ANFÜHRER!“
    „ETHORN, ETHORN...!“
    „ALS NÄCHSTES HOLEN WIR UNS THORNIARA!“
    Soldaten, die aus Stewark zurückgekehrt waren um ihre Habe, ihr Gut und ihre Familie wiederzusehen begleiteten den Zug. Schwerter wurden in die Luft gereckt; Wer keines hatte, schwang einen Speer oder tödliches Werkzeug. Man hätte den Aufmarsch für eine Räuberbande halten können, wären die Siegesschreie nicht gewesen. Mehr Menschen schlossen sich dem Tross an, der nur ein Ziel haben konnte. Die Kneipe von Sarpedon. Lukar hatte die vage Ahnung, dass der Wirt heute massiv Gewinn machen würde... oder Verluste, falls irgendwelche Leute des Königs zur Feier einige Fäßer Freibier gestifftet hatten.
    Lukar schüttelte traurig und belustig zugleich den Kopf.
    „Diese kriegslüsternden Narren.“ Befand er mit einem müden Lächeln. Chala erwiderte sein Lächeln mit einem ernsten Blick.
    „Den Verlust von Setariff kann nichts wieder wettmachen. Ich hoffe sehr, diese Jungspunde stürmen nicht tatsächlich bald nach Thorniara und in ihr Verderben.“ Flüsterte er. Dann machte er eine einladende Geste und folgte dem Tross in einigem Abstand.

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    Burgarchiv vom Silbersee

    Der Verwalter des Archives hatte die beiden Diener des Wassers nach kurzem Zögern ihre Arbeit aufnehmen lassen. Es hatte keinen wirklichen Grund dafür gegeben, sie warten zu lassen, letztlich war es dem älteren Herrn nur darum gegangen, dass er entsprechend beweihräuchert und komplimentiert wurde. Vor ein, zwei Jahren hätte Weyland nicht lange gefackelt und ihm die Faust ins Gesicht gedrückt und wäre danach pfeifend an ihm vorbei ins Archiv spaziert. Aber das war Teil seines alten Lebens, Teil eines schlechteren Menschen. Adanos lehrte seinen Dienern, das Schlechte in einem zu akzeptieren und es auszugleichen mit den guten Zügen. Ja, in der Tiefe von Weylands Wesen schlummerte Zorn wie ein Magmasee unter einer dünnen Gesteinsschicht, die jedoch beständig wuchs. Sie würde nie den Zorn verschwinden lassen können, aber ihn begraben.
    »Folgt mir, Burschen.«, der Archivar winkte sie weiter. Burschen, dachte Wey, wären wir hier im Gebiet des Ordens, würde dieser Kerl eine meilenlange Schleimspur hinter sich herziehen. Nun, Adanos' Diener sind wohl nicht bekannt dafür, stets höflich behandelt zu werden. Das kommt wohl davon, wenn man Frieden und Einklang predigt statt Licht oder Dunkelheit. »Nicht trödeln!«
    Denver warf dem Novizen einen Seitenblick zu und grinste leicht. »Sehr umgänglicher Kerl«, flüsterte er lachend.
    Weyland nickte nur und sie folgten dem Archivar hinab ins Burgarchiv. Dort angekommen, fanden sie mehr als genug Personal vor, das dort arbeitete. Gelehrte, den einen oder anderen Wassermagier und eine ganze Bande junger Novizen, die mit Schriftrollen und Büchern beladen herumwuselten wie fleißige Drohnen. Einen kurzen Moment überlegte der ehemalige Schmuggler ernsthaft, lautstark "Buh!" zu rufen und auf die Wirkung zu warten, die wohl darin bestehen würde, dass allesamt an einem Herzschlag sterben würden, so abgelenkt und vertieft in ihre Arbeit sie waren.
    »Herr Archivar«, begann Weyland bemüht höflich, »findet sich hier eine Abhandlung über die runengebundene Magie? Müsste schon einige Jahre alt sein, vielleicht sogar aus dem Bestand Lord Tronters stammen ...«
    »Des Verräters?«, fuhr ihm der Mann zischend dazwischen, »Vielleicht. Sucht selbst danach. Aber erwähnt diesen Namen hier nicht, da wird mir schlecht.«
    Und mit diesen Worten verschwand der Archivar im Gewirr.
    »Adanos, was für ein Arsch.«, urteilte Denver und schüttelte den Kopf. »Nicht belastbar, absolut nicht.«
    »Ohne Zweifel. Also machen wir uns auf die Suche. Ich, äh, nehme mir ... nun ja, die eine Hälfte vor und du dir die andere, in Ordnung?«
    Der Wassermagier nickte. »Wir könnten auch einfach fragen, aber ... mh, wenn alle hier so leicht reizbar sind wie der Archivar, machen wir uns lieber vorsichtig selber an die Arbeit.«, schloss er, grinste dann und reichte dann Weyland die Hand wie zum Abschied.
    »Wir sehen uns hoffentlich auf der anderen Seite, Bruder«, verabschiedete er sich theatralisch und überspitzt.
    »Mögest du in einem Stück zurückkehren.«, war Weylands ebenso grimmig und heldenhaft vorgetragene Antwort.
    Lachend machten sie sich also auf die Suche.

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    Burgarchiv vom Silbersee

    Weyland verabscheute Höhen eigentlich. Er wusste nicht warum, kannte den Ursprung dieser instinktiven Furcht einfach nicht. Es war sogar relativ seltsam. Würde er sich im höchsten Bauwerk der Welt befinden, bekäme er keine Angst, da es um ihn herum geschlossen wäre. Trüge dieses Bauwerk jedoch kein Dach und würde ihm den offenen Himmel zeigen, nun, der ehemalige Schmuggler würde wahrscheinlich wie ein Kleinkind wimmern und heulen. In diesem jetzigen Fall jedoch war es kein Turm oder Berg auf dem er stand, sondern eine wackelige Leiter im Archiv der Burg Silbersee, nach wie vor der Aufgabe folgend, bestimmte Bücher und Schriften für Meister Calamus zu sammeln, den etwas kauzigen Priester des Wassers in Stewark.
    »Bei Adanos, der Mann der diese Leiter gebaut hat«, fluchte der Novize zwischen zusammengebissenen Zähnen hindurch, »gehört hingerichtet! Oder zumindest ausgepeitscht ...«
    Immer wieder wackelte die Konstruktion, diese Vergewaltigung solider Handwerkskunst. Aber dieses instabile Ding wurde zweitrangig, als er recht weit oben - aber noch in Reichweite - etwas entdeckte. Er versuchte nicht mehr zu wackeln, versuchte mühselig den Buchrücken zu entziffern.
    »Über die Verzauberung und Erschaffung von Runensteinen - geschrieben von Barthos von Laran«, las er langsam.
    Weylands Hirn arbeitete langsam aber entschlossen. »Barthos! Der Hofmagier des alten Königs!«, rief er aus und griff überschwänglich nach dem Buch, bekam den alten Buchrücken aus Leder zu fassen und zog ihn an sich.
    Dabei jedoch entging ihm, dass gewisse tragende und überaus wichtige Teile der Leiterkonstruktion sich den Gesetzen der Physik unterordneten, denen sie bisher auf fast schon magische Art und Weise widerstanden hatten. Als hätte das Fräulein Schicksal ihnen auf die Schulter getippt und in einigen kurzen, barschen Worten klar gemacht, wie die Sache zu laufen habe.
    Für einen kurzen, erhabenen Augenblick stand Weyland in der Luft und hatte das gesuchte Buch in der Hand, Freude im Gesicht die langsam der Tatsache ins Auge blickte, dass es gleich zwei Meter abwärts gehen würde. Tragischerweise in Richtung einer Tischkante.
    Nun, zumindest kehrt Denver nicht mit leeren Händen zurück, dachte Weyland noch innerlich lachend, ehe sein Genick auf unschöne Art und Weise in Kontakt mit der steinharten, hölzernen Kante machte. Ein Kontakt, den der so zerbrechliche menschliche Körper - selbst ein so gehärteter Korpus wie der Weylands - schlicht nicht überstehen konnte.
    Für einen ehemaligen Schmuggler, Söldner, Kopfgeldjäger, Verräter und kurzzeitigen Jünger eines Gottes, der Vergebung suchte, war dieses Ende zwar nicht würdig, aber wenigstens kurz und schmerzlos. Und Weyland war in den letzten Sekundenbruchteilen seines Lebens so, als würde eine weit entfernte Stimme, vielleicht die seines Gottes, lakonisch kommentieren: »Pech gehabt, Junge.«

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    Am Ufer des Silbersees

    Die Büßerschlucht hinter sich lassend erblickte die durchnässte Frau das Gebäude des Bundes. Leicht erhoben auf einem niedrigen Hügel überragte es die übrigen Unterkünfte in unmittelbarer Nähe. Dennoch war die Platzierung außerhalb der Burgmauern schmerzhaft offensichtlich. Ein Gefühl, welches sie nicht richtig einordnen konnte, stieg in Chala auf, eine Mischung aus Furcht, Sehnsucht, Überforderung und Magensäure. Ihr Körper sträubte sich dagegen wieder in die beengten Gänge des Hauptquartiers zu gehen. Selbständig brachten sie ihre Füße zum Ufer des nicht so silbernen Silbersees, wo sie sich auf einen feuchten Stein setzte und ihren Blick über die unruhige Oberfläche des Wassers schweifen ließ. Der stetige Regen wühlte den grauen Spiegel auf, verzerrte das Bild, welches er von der Welt um sich hatte.
    Wie treffend, dachte die Aranisaani.

    In einiger Entfernung etwa in der Mitte des Sees ruderte ein kleines Fischerboot mit zwei Anglern. Das Wetter schreckte sie offenbar nicht ab und soweit Vered wusste, gab es Geschichten darüber, dass manche Fische bei Regen besser anbissen. Ebenso wie ihnen schien die Nässe von oben auch der jungen Frau wenig auszumachen. Viel mehr spürte sie schon gar nicht mehr, dass ihre zerschlissene Kleidung bis auf die Haut durchweicht war.
    Wind war kaum zu spüren und doch konnte man die Wolkenmassen dabei beobachten, wie sie durch den Himmel walzten.
    Ob es auf Aranisa gerade auch regnet?, flog plötzlich ein Gedanke durch Chalas Kopf.

    Dass sie zuletzt an ihre Heimat gedacht hatte, lag lange zurück. Für gewöhnlich verband sie nur Unglück mit der Insel und ihrem Volk, doch seine Wurzeln konnte man nur schwierig verleugnen. Allerdings brachte die Erinnerung an ihre Vergangenheit nur das Offensichtliche erneut hervor. Irgendetwas war nicht in Ordnung mit ihr, denn auch ihr früheres Leben glich einem Flickenteppich aus Erinnerungen, die sich kaum miteinander in Verbindung bringen ließen. Mal fand sie sich in einem Streit mit ihrer Mutter wieder, mal machten ihr die Männer des Stammes schöne Augen, wohlwissend, dass ihre Hand gleichzusetzen war mit dem Posten des Häuptlings. Oft war sie darüber so in Rage geraten, dass sie die sogenannten Krieger herausgefordert und nicht selten vor allen Anwesenden erniedrigt hatte. Lediglich eines hatten ihre Erinnerungen gemeinsam, wie ihr beim nachdenken auffiel; sie alle waren auf die ein oder andere Weise durchzogen von Herausforderungen. Sie konnte sich nicht an unschuldige Freude erinnern, nicht daran traurig gewesen zu sein. Lediglich ihre Entschlossenheit zu bekommen, was ihr aus ihrer Sicht zustand, war der Kanon ihrer Erinnerungen.

    Tatsächlich hatte sich seitdem wenig für sie verändert, wenn man unter die Oberfläche schaute. Natürlich war sie reifer geworden, hatte Dinge gesehen, deren bloße Existenz sie zuvor abgelehnt hätte. Gefühle, die ihr zuvor nicht bekannt gewesen waren, hatten sie dorthin gebracht, wo sie nun war, durchnässt auf einem kalten Stein am Ufer eines grauen Sees, dessen Tiefe unmöglich zu erahnen war.
    Eine passende Metapher für ihre Probleme, deren Boden sie nicht mehr zu erblicken vermochte. Und doch war es eben dieser Grund, den sie erreichen musste. Der See aus Problemen, der sie zu ertränken drohte, konnte nicht unendlich tief sein, weshalb der einzige Weg zu einem Leben, welches sie selbst bestimmen konnte, der Ergründung dieser Tiefen war.
    Chala spürte, wie sich zaghaft Entschlossenheit in ihr ausbreitete, jene Entschlossenheit, welche ihre Erinnerungen, seien sie noch so lückenhaft, miteinander verband. Das war es, was ihr all die Zeit gefehlt hatte; der Wille nach vorn zu gehen. Es brauchte kein konkretes Ziel, lediglich den Entschluss voranzuschreiten, neue Wege zu erschließen, die aus ihrer jetzigen Lage nicht ersichtlich waren. Den Schatten der Säule, in der sie Joe Black sah, zu verlassen, hinter sich zu lassen und im Licht der Ungewissheit zu wandeln, sichtbar für alle, Entschlossenheit verströmend. Dies war er, der Ansatz, den sie brauchte, um ihre Probleme zu lösen, die Dinge endlich wieder selbst in die Hand zu nehmen, wie sie es getan hatte, bevor sie auf Joe getroffen war.

    Ohne es zu merken, hatte sie sich erhoben, stand mit den Stiefeln im seichten Uferwasser des Silbersees, den Blick gen Himmel gerichtet, gefüllt mit neuem Stolz, den sie vergessen zu haben schien. In einer Geschichte wäre wohl die Wolkendecke aufgebrochen und hätte den See in das silbrige Licht getaucht, das ihm seinen Namen gegeben hatte, doch dies war keine Geschichte, sondern ein neues Kapitel im Leben von Chala Vered.

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    Arena des dunklen Bundes

    Mit einem befriedigenden Stöhnen reckte sich Chala dem kalten Morgenlicht entgegen. Die Sonne war der sicheren Geborgenheit des Horizonts entkommen und bahnte sich ihren Weg an den überraschend wolkenfreien Himmel. Seinem Namen wieder gerecht werdend, glitzerte der Silbersee im ersten Licht des Tages, während vereinzelt Fische die Oberfläche durchstießen. Über den Bäumen des Waldes konnte sie die Vögel sehen, welche immer wieder aus dem Blätterdach emporstießen, nur um wenig später an anderer Stelle wieder in den herbstlichen Farben zu verschwinden.
    Für gewöhnlich begann die Aranisaani einen solchen Tag damit sich mit Proviant einzudecken, ehe sie im Wald erneut mit ihren Messern übte, um dann nach der Mittagszeit zurückzukehren und die Aufgaben zu erledigen, welche in der Abwesenheit Lukars ihr zufielen. Zugegebenermaßen konnte sie nahezu keine davon zufriedenstellend erledigen, fehlten ihr neben dem nötigen Wissen auch Kontaktpersonen und Kenntnisse über etwaige Absprachen. Diese Beschränkungen bedeuteten, dass sie sich darum bemühte, den Sumpfkrauthandel in Thorniara wieder unter die Kontrolle des Bundes zu bekommen.

    Seit ihrer Flucht aus der Stadt des Ordens und dem Aufeinandertreffen mit Borans Leuten, hatte sich einiges getan, insbesondere im Bezug auf die Einfuhr von Rauschmitteln vom Festland. Zwar gab es keine Garantie, dass die eine oder andere Schmuggelware nicht doch an den Kontrollen vorbeikam, doch hatte sich die Menge an Rosendunst im Umlauf drastisch reduziert. Nicht zuletzt wegen der rigorosen Vorgehensweise der Stadtwache die Droge zu verbannen.
    Eins war sicher jedenfalls sicher. Wenn sie weiterhin am Orden festhalten wollte, würde sie früher oder später mit Boran in Kontakt treten müssen. Er war es, der den Schwarzmarkt auf Argaan zu großen Teilen kontrollierte und für den Nachschub an Sumpfkraut sorgte. Dafür würde sie nach Tooshoo reisen müssen.
    Zuletzt war ich dort, als der Drache die Insel heimsuchte, erinnerte sich Vered düster.

    In diesem Zuge kam ihr auch Ryu in den Sinn. Ihr Blick wurde weicher und die Erinnerung an den Geruch von Ruß, Schweiß und Metall kroch ihr in die Nase. Ihr wurde heiß, fast als wäre sie noch in der von der Esse brütend heißen Werkstatt. Das Echo der schwieligen, rauen Hände des Schmiedes auf ihrem Körper ließen sie wohlig erschauern.
    Unbewusst suchte ihre Hand das Schwert an ihrer Hüfte. Das raue Leder, welches den Griff umschmiegte brachte ihre Finger zum Kribbeln. Sie würde sicherstellen, dass sie Ryu einen Besuch abstattete, sollte sie geschäftlich nach Tooshoo gelangen, schließlich wusste auch er mit (s)einem Schwert umzugehen und konnte ihr die ein oder andere Stellung zeigen.
    Zuvor jedoch würde sie sich um ihre miserable Verfassung kümmern, deren Zustand sie lange genug auf sich beruhen gelassen hatte. Nur, weil sie fürchtete ihrem Ansehen im Bund zu schaden, war sie ihrer Pflicht nach Macht zu streben, nicht nachgekommen. Es wäre unverzeihlich, wenn sie in einem Kampf verletzt oder gar sterben würde, nur weil sie zu stolz war, sich eine Schwäche einzugestehen. Stolz zu haben war für sie zwar von größter Wichtigkeit, doch die Einsicht, zu der sie gestern gelangt war, verdeutlichte nur, dass es ab und an nötig wurde seinen Stolz zu vergessen, nur um im Nachhinein stolz auf sich selbst sein zu können.

    Wenige Momente später trat sie in die spärlich besuchte Arena. Tatsächlich war spärlich eine Übertreibung, befand sich doch nur eine einzige Kämpferin beim Training. Natürlich war der dunklen Kriegerin bewusst, dass zu dieser Tageszeit die meisten Kämpfer ihren Rausch ausschliefen oder bereits auf dem Weg zu einem Auftrag waren. Immerhin waren sie trotz ihrer Zugehörigkeit zum Bund nicht verpflichtet tagein tagaus im Hauptquartier zu harren, sondern konnten auf eigene Faust Aufträge für Söldner annehmen. Ein Umstand, den Chala zu unterstützen gelernt hatte, insbesondere da ein geringer Teil in die Kasse des Bundes floss im Austausch gegen Unterkunft, Verpflegung und Schutz.
    Mittlerweile hatte die Kämpferin die Anwesenheit der Dunkelhäutigen bemerkt und in ihrem Training innegehalten. Sie neigte leicht den Kopf als Zeichen der Ehrerbietung und des Grußes.
    „Kannst du schweigen?“, überfiel Vered sie.
    „Natürlich“, kam die prompte Antwort, wobei sie auch nur so dahin gesagt sein konnte.
    „Ich muss sicher sein, dass keiner erfährt, worum ich dich bitten will“, konkretisierte die Aranisaani mit durchdringendem Blick.
    „Ich schulde dem Bund mein Leben, Liva“, bekundete die Frau mit ernster Miene, „Joe Black zog mich unter einem Trümmerhaufen in Setarrif hervor und verhinderte so, dass die Echsenmenschen mich töteten.“
    Das muss reichen, dachte Chala.
    „Gut, dann bitte ich dich, mir jeden Morgen nach Sonnenaufgang deine Kampfkunst zu zeigen“, fiel sie schließlich mit der Tür ins Haus.
    „Die rechte Hand des Anführers will meine Hilfe für den Kampf? Ich verstehe nicht, Liva.“
    „Belassen wir es dabei, dass ich durch den langwierigen Auftrag in Thorniara und die Aufgaben, die seither meine Zeit beansprucht haben, einiges von dem eingebüßt habe, für das ich bekannt bin“, umkreiste sie die Wahrheit.
    „Darum brauchst du meine Verschwiegenheit“, stellte die Kämpferin fest, woraufhin die Dunkelhäutige nickte.
    Eine Pause entstand, in der sich die beiden Bundsschwestern nur ansahen, jede darum bemüht die andere einzuschätzen.
    „Kein Test?“ , fragte Chalas Gegenüber schließlich.
    „Nein“, kam die Antwort ohne Zögern.
    „Dann wäre es mir eine Ehre, dir zu zeigen, was man mich gelehrt hat, Liva.“
    Die Kämpferin streckte ihre Hand aus und Vered griff ihr Handgelenk.
    „Danke, Sahar“, sagte sie und meinte es auch.

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    Arena des dunklen Bundes

    „In Bewegung bleiben!“, rief die von ihr selbst auserkorene Lehrmeisterin Chala zu, „Ein bewegliches Ziel ist schwieriger zu treffen.“
    Sie waren dabei grundlegende Hiebe und Stiche zu üben, wobei Sahar lediglich die Haltung der Hand korrigieren musste. Auch die Grundstellung war der Schülerin noch immer im Blut und so hatten sie viele Lektionen überspringen können, die ein frischer Lehrling sicher durchlaufen hätte müssen. Immerhin war auch Vered schon einmal in den Grundlagen des Schwertkampfes unterwiesen worden, auch wenn ihre Erinnerungen daran nicht die glücklichsten waren.
    „Gut, machen wir eine kurze Pause, Liva!“, ordnete die Kämpferin an und warf ihr einen Trinkschlauch zu.
    „Danke“, erwiderte die Schülerin kurzatmig, ehe sie einen tiefen Schluck nahm und sich erschöpft auf den Boden setzte, „Weshalb nennst du mich eigentlich Liva?“, fragte die Aranisaani neugierig, während sie ihre Lehrerin musterte.

    Sahar war etwas kleiner, als sie selbst, ihr Haar war jedoch nicht kraus, sondern glatt wie Seide und von einem tiefen Braunton. Grüne, kluge Augen wurden von einem länglichen Gesicht mit hohen Wangenknochen umrahmt. Eine kleine spitze Nase und schmale Lippen hätten sie unscheinbar wirken lassen, würde sie nicht eine bestechende Anmut ausstrahlen, die nicht zuletzt von ihrer reinen, olivfarbenen Haut herrührte. Ihr Körper war gehüllt in die dicken Schichten einer nietenbesetzten Lederrüstung, wobei ihre weiblichen Kurven hauptsächlich verdeckt wurden. Lediglich die ausladenden Hüften konnte sie nicht verleugnen.
    Als Waffe bediente sie hauptsächlich ein Kurzschwert, welches sie mit Präzision und überraschender Kraft zu führen verstand.
    „Liva bedeutet so viel wie Anführer oder General in meiner Sprache. Ich komme aus einem kleinen Dorf in Varant, welches allerdings während des letzten großen Krieges völlig zerstört worden war“, erklärte die Kämpferin, wobei Chala zum ersten Mal der leichte Akzent auffiel, den sie besaß.
    „Verstehe“, war alles, was die Aranisaani antwortete, wollte sie zum einen nicht in schmerzlichen Erinnerungen wühlen, zum anderen keine Freundschaft aufbauen, die sich in Zukunft negativ auf ihre Befehlsgewalt auswirken könnte.

    „Ich denke, wir sollten weitermachen“, beendete die Schülerin ihre eigene Pause und richtete sich auf.
    Ihre Muskeln ächzten bereits jetzt, was wohl aus ihrem Gesicht sprach.
    „Hauptsächlich scheint es deine körperliche Verfassung zu sein, die deiner früheren Fertigkeit nachsteht, denn an den technischen Aspekten gibt es nur wenig auszusetzen. Dein Handgelenk ist zwar zu steif und du bleibst zu lange auf einem Fleck stehen, doch ansonsten sehen deine Bewegungen geübt und bedacht aus“, analysierte Sahar den momentanen Kenntnisstand ihres Lehrlings, „Ich schlage vor, dass wir zunächst an deinen Muskeln arbeiten.“
    „Wie du meinst“, willigte Chala ein und wollte ihr Schwert an die Wand lehnen.
    „Leg die Klinge noch nicht weg“, hielt die Varanterin sie an, „Es nutzt mehr, wenn du dich wieder an das Gewicht der Waffe gewöhnst, sodass sie zur Verlängerung deines Arms wird.“
    „Ich schätze du hast diesen Satz schonmal gehört, wenn ich dein Augenrollen richtig deute“, fügte sie nach kurzer Pause lächelnd hinzu, „Abgedroschen, ich weiß, aber dennoch eine wichtige Wahrheit.“
    Sich ihrem Schicksal ergebend trat Vered erneut auf den Übungsplatz, der ihnen nach wie vor allein zur Verfügung stand. Es waren bereits einige Stunden nach Sonnenaufgang, doch gewöhnlich fanden sich die übrigen Krieger erst nach der Mittagsstunde ein.

    „Gut, wir werden einige Runden um den Platz im Dauerlauf drehen. Dabei werden wir immer, wenn wir am südlichen Zugang vorbeikommen, die Hand an der Waffe wechseln, um einen gleichmäßigen Effekt zu erzielen. Verstanden? Dann los!“
    Mit dieser Anweisung startete Sahar mit dem Lauf. Offensichtlich war sie nicht daran interessiert untätig daneben zu stehen, während sich ihre Schülerin die Füße wund trat. Ein Umstand, der ihr Respekt in Chalas Augen einbrachte.
    Nach einem halben Dutzend Runden fiel die Aranisaani jedoch langsam zurück, bar der Konstitution, die sie vor Jahren besessen hatte. Ihre Lunge schmerzte und das Atmen erzeugte ein ungesundes rasselndes Geräusch.
    Sahar ließ sich davon jedoch nicht beirren und setzte ihr eigenes Training ohne Unterbrechung fort, ein leichtes, selbstgefälliges Grinsen im Gesicht.

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    Arena des dunklen Bundes

    „Bereit für eine weitere Runde Training?“, begrüßte sie Sahar kurz nach Sonnenaufgang in der Arena.
    „Packen wir’s an“, entgegnete Chala mit Selbstvertrauen, obwohl jeder Muskel ihres Körpers protestierend aufschrie.
    „Sehr schön, dann setzen wir an, wo [i]du[/] gestern aufgehört hast“, instruierte die Varanterin, während sie sich zum äußeren Rand des Kampfrings begab.
    Dass sie besondere Betonung auf das „du“ legte stieß der Aranisaani zwar sauer auf, doch schluckte sie den Ärger herunter. Schließlich würde sie zunächst ihren Körper zwingen müssen sich neuerlichen Strapazen auszusetzen. Anstrengungen, die sie vor einigen Jahren noch mühelos hätte bewältigen können.
    Angestachelt von diesem Gedanken, dem Wunsch ihre alte Form zurückzuerlangen, nahm sie ihre Position neben ihrer Trainingspartnerin ein. Lehrmeisterin traf es bei der Art von Übungen, die sie durchführten, nicht wirklich und immerhin hatte Sahar ihr bestätigt, dass es hauptsächlich an körperlicher Ertüchtigung mangelte und nicht an technischer Finesse.

    Als sie losliefen hätte Vered am liebsten sofort wieder angehalten. Ihre Schienbeine brannten, die Oberschenkel drohten damit den Dienst zu versagen und auch ihr Schwertarm wehrte sich gegen das Gewicht der Klinge. Sogleich fiel sie hinter der Varanterin zurück, doch wollte sie diese Schmach nicht erdulden müssen. Mit aller Willenskraft, die sie aufzubringen vermochte, trieb sie ihren Körper an, zwang die Muskeln und Sehnen zur Bewegung, bis die kalten Temperaturen des Morgens aus ihnen wichen. Mit der einkehrenden Wärme schwand auch der Schmerz und nach nur einer Runde konnte Chala zu Sahar aufschließen, die ihr wissend zunickte.
    Beide schwiegen, während sie nebeneinander Runde um Runde drehten. Die Klinge konzentrierte sich nur auf die Bewegungen ihres Körpers und versuchte den sich intensivierenden Schmerz zu ignorieren, den die Strapazen mit sich brachten. Daher konnte sie nicht sagen, wie viele Runden sie gelaufen waren, als die Varanterin schließlich eine Pause ausrief.

    So anmutig wie möglich brach die Aranisaani an Ort und Stelle zusammen, sank auf die Knie und atmete heftig die Morgenluft ein, welche ein Feuer in ihrer Lunge entfachte.
    „Ich gebe zu, dass ich nach gestern nicht damit gerechnet habe, so schnell Fortschritte zu sehen, Liva“, merkte die Kämpferin des Bundes nach einigen Augenblicken der Ruhe anerkennend an.
    Vered erwiderte jedoch nichts, sondern fokussierte sich nach wie vor voll und ganz darauf, ihren Körper zu beruhigen.
    „Das waren bereits fünf Runden mehr, als gestern“, führte Sahar fort, als sie keine Antwort erhielt, „Und das, obwohl deine Muskeln mit Sicherheit noch schmerzen.“
    „Ich habe keine Zeit zu verlieren“, brachte Chala schließlich hervor, ehe sie gierig aus ihrem Wasserschlauch trank.
    „Das mag dir so vorkommen, Liva. Aber glaub mir, wenn ich sage, dass es dir nicht hilft, wenn du deinen Körper überforderst. Mein Volk hat eine Redensart: In der Eile liegt Bedauern, aber in Geduld und Vorsicht liegt Frieden und Sicherheit. Vielleicht ist es in unserem Fall nicht völlig zutreffend, aber etwas Wahres ist doch dran.“

    Sie mag nicht ganz Unrecht haben, aber ich habe meine Wahl getroffen, dachte die dunkle Kriegerin. Ihre Entscheidung war gefallen und sie würde alles geben, um die verlorene Zeit aufzuholen. Ob es außerhalb ihrer Möglichkeiten lag, stand für sie nicht zur Debatte und wenn sie sich zugrunde schuften musste, um zu bekommen, was sie wollte, dann wäre es so.
    „Die Pause war lang genug“, entschied die Aranisaani und erhob sich schwankend, „Vom herumsitzen bekomme ich nur Krämpfe.“
    „Wie du meinst“, schätzte Sahar mit Sorge ab, brannte diese jedoch sogleich mit Arbeitseifer weg, „Allerdings wird es wenig Wirkung zeigen, wenn wir weiter Runden drehen. Es ist eine gute Übung deine Kondition zu trainieren, trägt aber nur wenig zur eigentlichen Schlagkraft bei. Darum werden wir Hiebe aus allen Himmelsrichtungen üben, ein Dutzend an der Zahl, ehe wir die Richtung ändern“, erklärte die Kämpferin das weiter Vorgehen.
    Chala nickte, um zu signalisieren, dass sie verstanden hatte. Sie war dankbar, dass sie keine weiteren Runden laufen musste, doch schon bald würde sie dieses neue Training verfluchen.

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    Erschöpft vom vormittäglichen Training mit Sahar hatte sich Chala zunächst zurückgezogen. Nach einer kurzen Erholungsdauer, einer Katzenwäsche und einem knappen Mahl fand sie sich vor etlichen Stapeln Unterlagen wieder, die mit Notizen von Lukar zu allen möglichen Belangen gefüllt waren. Seine Handschrift war einigermaßen gut zu entziffern, doch die Themen, die sie behandelte, reichten für die Kriegerin von sterbenslangweilig bis überaus kompliziert, weshalb sie nach nur kurzer Zeit das Interesse verlor.
    Sich wie eine Katze streckend erhob sie sich grazil von dem hölzernen, samtbezogenen Sitzmöbel, ehe sie das Arbeitszimmer verließ. Papier war vielleicht geduldig, die Aranisaani jedoch nicht. Außerdem wusste sie besser mit Menschen umzugehen, als mit irgendwelchen Bestandslisten und Verbrauchsübersichten. Es war mal wieder an der Zeit ein Wort mit Pete zu wechseln. Sie hatte ihn vor einigen Tagen hier herumlungern sehen und wusste, dass er selten lange blieb, weshalb ein schnelles Treffen sinnvoll war.

    „Pete“, grüßte Chala den drahtigen Gauner, der ihr für den Bruchteil einer Sekunde einen verwunderten Blick zuwarf, ehe er seine Mimik wieder unter Kontrolle brachte und sie stattdessen breit angrinste.
    „Wüstenblume“, erwiderte er den Gruß mit einer leicht spöttischen Verbeugung.
    Die junge Frau hob skeptisch eine Augenbraue ob des seltsamen Auftritts des wichtigsten Spitzel des Bundes.
    „Nicht in Stimmung wie ich sehe“, kommentierte Pete, noch immer ein selbstgefälliges Lächeln aufgesetzt.
    Vered war versucht ihm eines ihrer Messer an die Kehle zu halten, doch sie beherrschte sich.
    Pete lässt sich nicht so einfach einschüchtern wie Gunnar, dachte sie, während die Erinnerung in ihr hochstieg, als sie dem Hünen Gunnar eines ihrer Messer an die Eier gehalten hatte, damit er seine frivolen Bemerkungen einstellte. Gleichwohl hatte es ihr den Respekt des riesenhaften Kriegers eingebracht, was sich bis heute auszahlte.
    „Wenn Blicke töten könnten“, witzelte er weiter, ließ das spöttische Gebaren allerdings fallen
    „Ich muss mit Boran sprechen“, kam die Dunkelhäutige auf den Punkt, ehe der Tagedieb weiter auf ihrer Nase herumtanzen konnte.
    Papier ist geduldig…, wiederholte sie den ihrer Meinung nach sinnlosen Ausdruck wie ein Mantra, um nicht die Fassung zu verlieren. Seltsamerweise funktionierte es.

    „Und wieso kommst du damit zu mir?“, verlangte der Schurke zu wissen.
    Sie schaute ihn regungslos an. Wieso legte er es darauf an sie zu verärgern? In vergangenen Zeiten war er zwar auch ab und an schnippisch, doch nie regelrecht aufmüpfig.
    „Nun, als derzeit einzige Person in meiner unmittelbaren Nähe mit direkten Kontakten zum Vater des Schwarzhandels auf Argaan kamst du mir als erstes in den Sinn“, erklärte Chala ihre Beweggründe in einem Ton, der für ein kleines Kind angebracht gewesen wäre, „Also wenn du ihm bei deinem nächsten Besuch in Schwarzwasser von diesem Vorhaben berichten könntest?“
    Pete legte die Stirn in Falten, als müsste er angestrengt über eine Antwort nachdenken. Natürlich wollte er die Aranisaani nur weiter provozieren, doch blieb sie ruhig bis ein neuerlich breites Grinsen das Gesicht des Halunken spaltete.
    „Natürlich werde ich ihn wissen lassen, dass du kommen wirst, um mit ihm zu palavern“, nahm er schließlich den geringen Auftrag an, „allerdings nur“, schränkte er nach kurzer Kunstpause jedoch ein, „Wenn du mir erklärst, wie es weitergehen wird.“
    Die soeben noch zwanglose, provokante Art des Spitzels war verschwunden und eine ernste Miene kleidete sein Gesicht. Chala reagierte nicht sofort, was Petes Ausdruck nur weiter verfinsterte.
    „Die Wahrheit?“, fragte sie und fuhr nach einem knappen Nicken ihres Gegenübers fort, „Ich weiß nicht, wie wir weiter vorgehen sollen. Ohne Joes Anleitung und Lukars Übersicht über die Geschäfte des Bundes sehe ich keinen klaren Pfad vor uns. Meine Aufgaben waren, wie du weißt, eher ausführender Natur.“
    „Chala Vered, die Unnachgiebige gibt tatsächlich zu, dass ihr Blick für die Zukunft verschleiert ist?“, hakte Pete mit sanfter Überraschung nach, „Irgendwie beruhigt mich das“, fügte er murmelnd hinzu.
    „Wieso das?“, verlangte die Kriegerin zu wissen.
    „Weil es bedeutet, dass unsere Sache nicht in den Händen einer engstirnigen, verbissenen Hetzerin liegt, sondern dass du fähig bist zu erkennen, wenn die Lage eingefahren ist“, erläuterte der erfahrene Gauner.
    Da ist es wieder…“unsere Sache“…Aber was ist unsere Sache abgesehen von der Kontrolle über den inoffiziellen Handel auf Argaan, überlegte Vered.
    „Kannst du mir sagen, wo ich als nächstes ansetzen soll?“, fragte sie hoffnungsvoll.
    „Ich bin nur ein einfacher Mann, der seinen Lebensunterhalt mit dem Austausch von Informationen verdient. Ich würde mir niemals anmaßen die Geschäfte unserer dunklen Anführerin zu verstehen oder gar Anleitung zu geben.“
    „Du willst also nicht helfen“, stellte die Dunkelhäutige trocken fest.
    „Ich sage nur, dass es nicht meine Aufgabe ist“, korrigierte Pete sie, ehe er verschlagen zwinkerte, „Aber vermutlich wäre es keine schlechte Idee nicht alles auf einmal zu wollen. Die Lage auf Argaan ist verzwickt. Der Orden passt auf wie Beliars Höllenhund, dass so eine Sache wie mit dem roten Kraut nicht noch einmal passiert. Will heißen Thorniara ist derzeit ein heißes Pflaster für unser Metier. Die Rebellen in Stewark sind zwar nach wie vor empfänglich, doch wie ich höre, kriselt es im Königshaus. Und die Waldläufer fallen als potenzielle Kunden für Sumpfkraut offenkundig aus. Demnach würde ich erst einmal die Finger von diesem Handelsgebiet lassen und mich auf andere Bereiche wie unseren Einfluss kümmern. Wir brauchen Verbündete, Chala.“

    Diese Einschätzung ihrer Lage war deutlich ernüchternder, als Chala erwartet hatte und musste zunächst schwer schlucken. Allerdings half es, dass sie jemanden hatte, der die Übersicht behalten konnte. Pete hatte recht damit, dass es ihnen an Einfluss mangelte. Ohne Joes zahlreiche Bekannte und sein Charisma, mit denen er schnell neue Verbündete fand, und ohne Lukars lukrative Kontake zur Unterwelt waren sie dünn besetzt. Soweit sie sagen konnte, gab es niemanden in Thorniara, der dem Bund gewogen war, gleiches galt für Stewark und Boran sah in ihnen ohnehin nur eine Goldquelle.
    „Ich werde sehen, was ich tun kann“, ließ sie schließlich verlauten, was den alten Pete wieder hervorbrachte.
    „Das wollte ich hören“, grinste er sie an, ehe er sich zum Gehen wandte, „Ich werde Boran von deinem Wunsch mit ihm zu sprechen berichten. Versprich dir allerdings nicht zu viel davon. Er ist ein garstiger Geschäftsmann.“
    Damit verschwand Pete und ließ Chala mit einigen neuen Problemen, aber auch einer ungefähren Richtung, in die sie gehen musste, zurück.

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    „Wir widmen uns heute am besten mehr der Technik, als deiner körperlichen Verfassung“, initiierte Sahar den dritten Tag ihres Trainings, „Zwar habe ich gesagt, dass deine Technik auf einem annehmbaren Niveau ist und es eher darum geht, deine Muskeln aufzubauen, aber die Wahrheit ist, dass dein Körper an seiner derzeitigen Grenze ist, weshalb wir uns heute auf andere Sachen konzentrieren.“
    Die Erklärung schien plausibel und wenn Chala ehrlich war, hätte sie beinahe nicht ihr Bett verlassen, nachdem sie mit schmerzenden Gliedern aufgewacht war. Ihre Muskeln waren so verkrampft gewesen, dass sie horrende Mühe aufbringen musste, um überhaupt einen Arm zu heben. Mittlerweile waren die Schmerzen auf ein ertragbares Maß abgeklungen und die Aussicht auf einige Hilfestellungen zu ihrer Technik ließen sie aufatmen.
    „Zunächst üben wir Ausweichschritte, sodass du vorerst keine Waffe brauchst. Ich werde mit langsamen Angriffen beginnen und schließlich schneller werden“, erklärte die Varanterin.
    Vered nickte zum Zeichen, dass sie verstanden hatte und begab sich in Position.

    Wie angekündigt startete Sahar mit gütigen Angriffen aus offensichtlichen Positionen. Ähnlich zu Tanzschritten tippelte die Aranisaani aus dem Weg, wenn der Stahl sich ihr näherte. Nach jedem erfolgreich ausgewichenen Hieb erhöhte die Kämpferin das Tempo minimal. Währenddessen reagierte Chalas Körper nicht so schnell, wie sie es von ihm verlangte, doch machten ihr die langsamen Angriffe bisher keine Probleme. Dazu kam die geringe Reichweite des Kurzschwerts, welches Sahar bevorzugte.
    Nach und nach begann sie die Angriffe zu verbinden, um einen konstanteren Bewegungsablauf zu schaffen. Noch immer waren die Hiebe leicht vorhersehbar und Vered fühlte sich bisher nicht sonderlich gefordert.
    Dennoch unterbrach Sahar die Übung wenige Augenblicke später.

    „Du verwendest zu viele Bewegungen, um meinen Angriffen zu entgehen“, stellte die Varanterin fest, was Chala mit einem Schürzen ihrer Lippen aufnahm, „Je weniger du dich bewegst, um auszuweichen, desto schneller kannst du kontern“, erläuterte sie mit einem leichten Lächeln.
    „Verstehe. Ich versuche mich weniger zu bewegen“, gab die Aranisaani schließlich zurück.
    Mit einem Nicken führten sie ihr Training fort und Vered achtete verstärkt darauf nur knapp jedem Angriff zu entgehen, statt weit zur Seite zu springen.
    „Besser“, lobte Sahar zwischen zwei Angriffen, ehe sie das Tempo wieder erhöhte.
    Durch den geringeren Platz, den sie zwischen sich und die Klinge brachte, wurden die Manöver waghalsiger, die Chala unternehmen musste, um erfolgreich auszuweichen. Allmählich erreichten die kommenden Hiebe die Geschwindigkeit eines echten Kampfes und nur die Finesse fehlte, um es realistischer zu gestalten. Mittlerweile wünschte sich die Aranisaani ihr Schwert in der Hand, denn es wurde immer schwieriger, jedem Angriff zu entgehen.

    Auch Sahar fiel dieser Umstand auf und sie beendete die Übung, ehe sie ihre Anführerin ungewollt verletzte.
    „Das war wirklich gut und wird mit mehr Training nur besser“, gab sie eine positive Einschätzung der Trainingseinheit ab.
    Vered rang währenddessen nach Luft und bediente sich eines Wasserschlauches, um ihres trockene Kehle zu bekämpfen.
    Sie entschieden, dass es für den Tag genügte und trennten sich wie üblich kurz nach der Mittagszeit, um ihren jeweiligen Aufgaben nachzugehen.

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    Genüsslich streckte sich Chala am Ufer des Silbersees, der die überraschend warmen Sonnenstrahlen glitzernd reflektierte. Sanfte Wellen rauschten an den Kiesstrand, angetrieben von einer angenehmen Brise.
    Ihr heutiges Training war wieder anstrengend gewesen, insbesondere ihre Oberschenkel schmerzten von den Anstrengungen, die ihr Sahar abverlangt hatten. Kniebeugen waren heute ihre Qual der Wahl gewesen, weshalb sich die Aranisaani den Nachmittag bei schönem Wetter freigenommen hatte. Ohnehin war sie derzeit eingeschränkt, was ihre Handlungsmöglichkeiten anging, weshalb ein wenig Entspannung für ihre strapazierten Muskeln eine Wohltat waren. Sie hatte sich ihrer groben Kleidung entledigt, lag auf eben diesen, um die vermutlich letzten warmen Stunden für viele Monde zu absorbieren. Ihre Haut fühlte sich wohlig warm an, während sie sanft ihre schmerzenden Schenkel massierte. Währenddessen ließ sie ihre Gedanken wandern, versuchte einen Plan aufzustellen wie sie vorgehen sollte.

    Wie gewohnt befanden sich einige Fischer auf dem Wasser, grüßten sie freundlich, wenn sie sie wahrnahmen oder nah genug an ihr vorbeiruderten. Sie genoss die Blicke, die sie auf sich zog, gerade weil sie wusste, dass sie auf dem Weg war ihre alte Form und Statur wiederzuerlangen.
    Dennoch ließ sie sich nicht davon ablenken zu grübeln. Wenn sie sich an Petes Rat halten wollte, wäre ein baldiges Gespräch mit Borran vielleicht nicht so dringlich, wie sie zunächst angenommen hatte. Ja, er hatte die Zügel im Untergrund in der Hand, doch fehlte ihr einfach die Expertise in diesem Gebiet, um nicht Gefahr zu laufen über den Tisch gezogen zu werden. Daher brauchte sie jemanden, der eben diese hatte und für den Bund die Geschäfte unternahm. Eben dies war es auch, was Schlangenauge vorgeschlagen hatte: Die Suche nach Verbündeten in machvollen Positionen oder mit nützlichen Fähigkeiten und Kontakten. Um an solche zu kommen sah sie derzeit zwei Optionen. Zum einen könnte sie ihren ursprünglichen Plan weiterverfolgen und ein Bordell eröffnen, welches im Bestfall besagte, mächtige Personen anlockte, die ihr wissentlich oder eben nicht Informationen lieferte, die sie einsetzen konnte, um bestimmte Gefallen einzufordern. Sei es durch Erpressung oder Dankbarkeit der Freier.

    Die zweite Herangehensweise wäre eine etwas offensivere, indem sie selbst versuchte Kontakte zu knüpfen. Es würde vermutlich schneller Ergebnisse liefern, jedoch auf lange Sicht weniger effizient sein. Dafür könnten die Verbindungen beständiger sein. Eventuell wäre es in diesem Zuge auch sinnvoll, wenn sie versuchte in den Rängen des Königreichs aufzusteigen. Wenn sie selbst eine machtvolle Position einnehmen konnte, würden sich viele Probleme von selbst erledigen, doch wäre auch hier eine hohe Investition von Zeit und Engagement nötig.
    Vielleicht wäre auch eine Kombination aus beidem der beste Ansatz, doch würde Chala damit eine Menge dem Zufall überlassen, da sie darauf setzen musste, potentielle Mitarbeiterinnen quasi zufällig zu finden, die zudem die nötige Arbeit in einem Freudenhaus willentlich leisten wollten. Denn eins stand für Vered fest, Frauen, die diesem Gewerbe nicht nachkommen wollten, wären auch nicht gut darin.

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