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  1. View Forum Posts #321 Reply With Quote
    Veteran Calan's Avatar
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    Apr 2009
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    Die Waldbruderschaft im Forenrollenspiel
    Calan is offline
    „Ich kenn nur Feuermagier.“ meinte Calan und zog die Augenbrauen zusammen. „aber du weißt ja…“
    Während sie weiterliefen, versuchte der Varanter unentwegt eine bekannte Landmarke zu finden, einen Wegweiser oder womöglich gar einen freundlichen Reisenden – irgendetwas, das Aufschluss darüber geben konnte, wo genau sie waren. Doch die Gegend schien verlassen, fast ausgestorben. Nur einige Vögel zwitscherten in den Ästen über ihnen, unbekümmert über die Sorgen, die sie dort unten plagten. ‚Fliegen müsste man können‘ dachte Calan ‚wie die Vögel. Dann würden wir sofort sehen, wo wir sind‘.
    Die Alternative war natürlich, auf einen der Bäume zu klettern und zu hoffen, dass er von dort etwas sehen konnte. Er seufzte. Zwar litt er nicht unter Höhenangst, aber trotzdem vertraute er den Bäumen nicht so ganz. Ein morscher Ast, ein glitschiger Flecken Moos würde reichen, um den Halt zu verlieren. Aber es musste wohl sein.
    „Warte mal kurz.“ meinte Calan, als er eine ausufernde Eiche erblickte. Sie war zwar nicht der höchste Baum in diesem Wald, aber einfach zu erklimmen. Er lehnte seinen Speer an den dicken Stamm, suchte sich einen stabilen Ast und begann sich Stück für Stück hochzuhangeln. Glücklickerweise war der Baum wie dafür gemacht, bildete fast eine Wendeltreppe aus verdrehten Ästen, nur ab und zu verirrte sich ein Ast in seinen Weg, nur um ihn die Blätter ins Gesicht zu peitschen.
    Erschöpft, mich schmutzigen Händen erreichte der Varanter schlussendlich eine Höhe, von der aus er einen rudimentären Blick über das Blätterdach erhaschen konnte. Es schien sich noch eine ganze Weile in jede Richtung zu erstrecken, lediglich gen Osten folgte kurz vor dem Horizont eine Lichtung.
    „Ich glaube, direkt nach Osten ist das Bluttalfort.“ rief Calan nach unten und kniff die Augen zusammen, um besser erkennen zu können, was sich in der Ferne abzeichnete. „Seltsam.“ murmelte er. Es musste das Bluttal sein, da war er sich fast sicher. Aber irgendwie schien es dort so leer und verwaist. Doch so sehr er sich auch anstrengte, er konnte nichts genaues erkennen.
    Der Abstieg war, wie so oft, anstrengender als der Weg nach oben. Doch schlussendlich kam er, abgesehen von einigen Kratzern, unbeschadet wieder unten an.
    „Das Bluttal sollte dort lang sein.“ wiederholte er sich und zeigte in die entsprechende Richtung. „Aber irgendwie kam es mir seltsam vor. Halt dich lieber auf Überraschungen bereit, egal welcher Natur.“

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    Pfützenspringerin Murielle's Avatar
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    Murielle is offline
    Ihr Gesichtsausdruck wurde mit jedem Schritt, den sie taten, ernster. Es war nun nichtmehr nur ein Gefühl. Irgendetwas war hier ganz und gar nicht mehr so wie sie es einst gekannt hatte und das konnte man nun nicht mehr nur erspüren, sondern inzwischen auch sehen.

    Der einst durch die häufige Benutzung gut sichtbar ausgetrampelte Pfad war beinahe komplett zugewuchert und von den Pflanzen zurückerobert worden. Sie hätten längst auf patrouillierende Waldläufer treffen müssen oder wenigstens das Gefühl verspürt haben müssen, von jemandem aus dem Unterholz heraus beobachtet zu werden.

    "Oh Scheiße.."
    entfuhr es ihr leise und erschrocken, als sie sich dem Lager näherten. Dem, was davon übrig geblieben war. Nicht viel. Schutt. Asche. Verbrannte Erde.
    Sie wollte nicht näher herangehen. So ziemlich alles in ihr wollte schleunigst umkehren und einfach nur fort von hier.

    Aber das wäre nicht hilfreich gewesen. Darum fragte sie Calan: "Wollt Ihr?" Sie musste sich kurz sammeln und atmete tief ein, bevor sie fortfuhr. "Wollt ihr dort nachsehen, ob es irgendwelche Anhaltspunkte gibt? Oh scheiße."

    Was war aus den Bewohnern geworden? "Scheiße." Hatten sie entkommen können? "Scheiße!" Wie viele Tote hatte es gegeben? "Verfluchte Scheiße!" Sie hatte viel Zerstörung und viele Tote gesehen. Hatte selbst schon einiges an Tod und Zerstörung gebracht. Aber dies hier traf sie vollkommen unvorbereitet.

  3. View Forum Posts #323 Reply With Quote
    Veteran Calan's Avatar
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    Die Waldbruderschaft im Forenrollenspiel
    Calan is offline

    Im Bluttal

    Sein Gefühl, dass etwas nicht mit richtigen Dingen zuging, schien sich bewahrheitet zu haben. Auf die schrecklichste, unangenehmste Art und Weise. Nachdem sie über den überwucherten Pfad getrampelt sind und sich ihren Weg gebahnt hatten, kamen sie im Fort an… oder in dem, was davon übrig war. Er erinnerte sich daran, im Dienste des Königs einmal hier gewesen zu sein. Es war inzwischen einige Jahre her, und die Erinnerung verblasste.
    Doch dies hier spottete selbst der schwachen Erinnerung. Holzpalisaden waren zu Fall gebracht und verbrannt, die Häuser dem Erdboden gleich gemacht, lediglich einige Fundamente waren zu erkennen. Die Natur, begann das Fort zurückzuerobern.
    „Bleib hinter mir.“ raunte Calan und packte seinen Speer mit beiden Händen und bewegte sich langsam, vorsichtig vorwärts. Er lauschte auf jedes Geräusch, doch bis auf das Rauschen der Blätter war es still. Einen Fuß vor den anderen näherte er sich dem Fort, bedacht darauf, möglichst still zu sein.
    Asche, Knochen und die dornigen Ranken von Brombeersträuchern waren alles, was er sehen konnte. Calan lockerte den Griff am Speer etwas und ging beherzter vorwärts, da er sich nun so gut wie sicher war, dass sie allein waren.
    „Bei Innos!“ raunte er und stocherte mit seinem Speer in einem Aschehaufen, der einst ein hölzernes Haus gewesen sein mochte, eine Palisade oder ein Holzstapel für den Winter. Doch er hielt inne, als er darin auf einen verbrannten Knochen traf. Irgendjemand war in diesem Inferno umgekommen, massakriert von… von wem?
    „Orks“ knurrte er, sich selbst zur Antwort, als er das schrecklichste Zeugnis der Grünhäute sah: Ein Haufen von Knochen und Schädeln. Von Wind und Wetter zersetzt, von wilden Tieren weggezerrt und von Ranken und Pflanzensprössen überdeckt lag er da, still und unheimlich.
    Jeder weitere Laut blieb ihm im Halse stecken. Noch bevor sein Gehirn den Anblick verwerten konnte und das gesamte Grauen erfasst hatte, machten seine Beine kehrt, flohen aus diesem Grab, bis er Murielle traf.
    „Weg.“ brachte er mit leiser Stimme nur hervor. „Weg hier. Hier gibt es nichts mehr. Wenn Osmo hier war…“
    Er schaffte es nicht, den Satz zu beenden.

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    Pfützenspringerin Murielle's Avatar
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    Mar 2006
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    Murielle is offline
    Ihr Blick war von den stummen Tränen verschwommen, die zurückzuhalten Murielle sich nicht die Mühe machte. Sie stolperte den ungefähren Weg zurück, den sie und ihr Gefährte gekommen waren. Kaum konnte sie sehen, wohin sie trat. Sie hörte, dass Calan etwas sagte, aber die Worte drangen nicht zu ihr durch. Was, wenn alle, die sie hier gekannt hatte, tot waren? Was war, wenn niemand hatte entkommen können? All die toten Seelen.

    "Calan." flüsterte sie. Er ging nun neben ihr. Sie tastete nach seiner Hand und hielt sich vorsichtig mit der ihren daran fest. Es war ihr egal, ob ihm das gerade in den Kram passte oder nicht. Sie musste sich gerade an irgend etwas festhalten. An irgend jemandem. Sie hatte nur wenige Leute hier persönlich gekannt und gerade bei Menschen wie Onyx, Osmo, Jilvie, Cery oder auch Freiya hatte sie die Hoffnung, dass diese nicht vor Ort gewesen waren, als das Lager dem Erdboden gleichgemacht worden war. Dennoch. So viel Zerstörung. Wenn das einzig Tote, das man die letzten Monde gesehen hatte, frisch gefangene Fische waren, dann konnte einem das schon ernstlich zu schaffen machen.

    Sie wollte noch etwas zu Calan sagen, brachte aber nicht ein einziges Wort mehr über ihre Lippen. Nicht einmal schluchzen konnte sie. Träne um Träne bahnte sich ihren Weg aus den hellblauen Augen die Wangen hinunter. Sie war froh, dass sie nicht alleine war. Jemand Vertrauteres, wie Cery oder Onyx wäre jetzt wundervoll gewesen. Sie wollte sich einfach nur an jemandem festhalten können, sich im Anbetracht all der Vernichtung für einen kurzen Moment in der trügerischen Sicherheit einer Umarmung wissen. Aber dass sie überhaupt noch am Leben waren, wagte sie fast nicht mehr zu hoffen.

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    Waldläufer Riannon's Avatar
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    Die Gilde Innos' im Forenrollenspiel
    Riannon is offline

    Fuß des Weißaugengebirge

    »Du denkst wirklich, dass das eine so gute Idee ist, Shenkt?«, fragte die Frau und sah den weißhaarigen Mann an, der stoisch und mutig wie der Prinz, wie der er wirkte, voran ging. Er drehte sich um und schenkte ihr ein Lächeln. Langsam, musste sie zugeben, fand sie Gefallen an diesem Kerl. Das Äußere eines Menschen, wie sie nur eine Äonen alte Dynastie hervorbringen kann, aber das Herz am rechten Fleck. Nachdenklich, manchmal zerstreut, aber in den richtigen Momenten mutig und entschlossen. Nur bei dieser Idee fragte eine Stimme in ihrem Innern immer wieder, ob es denn so richtig war.
    »Ria, meine Liebe, natürlich ist das eine gute Idee. Hier am Fuße des Gebirges stehen mehr als genug Hütten irgendwelcher Hirten. Unterstände für die Schafe. Saftige grüne Weiden. Wenn wir hier keine Schafe finden, dann nirgendwo auf diesem Eiland!«
    Und er spazierte munter weiter, den Hang hinauf zu der Hütte, die schon recht mitgenommen wirkte. Im Näher kommen bemerkte die Tochter des Nordens, dass das Gebäude schon länger leer stehen musste. Beschädigte Fenster, eine zerstörte Tür, halb eingestürztes Dach. Der Heuschober in der Nähe wirkte ebenso herunter gekommen.
    »Shenkt, ich glaube, dass ...«
    Aus dem dunklen Loch des Eingangs der Hütte sprang etwas Großes und Schweres. Shenkt, der fünfzehn Meter vor Ria stand, wurde umgeschmissen wie ein Kleinkind von einem Karren. Es ging so schnell, dass Ria gar nicht erkennen konnte, was denn da angegriffen hatte. Erst als sie die große, gezackte Feuersteinklinge sah, die wieder und wieder hinab sauste und scharlachrot gefärbt wurde, war ihr klar, was für ein Wesen das war.
    Ein Echsenmensch.
    Die Kreatur stellte sich wieder auf die Hinterbeine, stand über Shenkts zerschlagenen Leichnam. Die Frau realisierte nicht, was da gerade passiert war. Langsam, zäh wie Sirup, kroch das Grauen durch ihren Geist. Da stapfte das Monster schon heran. Es war groß, konnte einem Ork sicher problemlos auf den Kopf spucken. Schwarze und graue Schuppen. Zähne, eine Schlangenzunge, die dazwischen schlängelte. Und ein Auge. Ein einziges, blutrotes Auge. Kalt wie das eines Fischs. Es stand nur ein Versprechen darin. Tod.
    Ria konnte nicht schnell genug reagieren, als Blutauge zuschlug. Sein Echsenschwert traf ihren Hals und besiegelte ihr Schicksal.

    Als die Frau verstorben war, stand die Echse noch etwas da. Blickte auf die beiden Toten hinab, dann in die Ferne. Blutauge fühlte etwas. Irgendwo in weiter Ferne war seine Nemesis gestorben, der kleine Mensch, der ihm sein Auge genommen hatte. Was für eine langweilige Welt ohne Todfeind! Die Kreatur wandte sich ab und ging in die Berge, zurück zum Nest.

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    Kämpfer Rudra's Avatar
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    Die Orks im Forenrollenspiel
    Rudra is offline

    Bluttal - Nahe des zerstörten Forts

    Alles verschwamm in einem endlosen Schleier von Farben. Er spürte, wie das Zeug durch seine Blutbahnen schoss und seinen Körper nach und nach in Taubheit hüllte, in wohlige, jede Langeweile dämpfende Taubheit. Rudra hatte vergessen, wie dieses Zeug hieß, das der kleine Morra ihm für das Schwert einer Echse verkauft hatte, doch es tat genau das, was es sollte: es hielt seinen Verstand an.
    "Verdammte Karreks... pah! Brüder, ja, und einer hat sogar wirklich das gleiche Blut. Und trotzdem bin ich allein. ALLEIN! HÖRT IHR? Keiner versteht mich. Und Proya, du hast mir das eingebrockt! Verdammte Weißröcke!"
    Nein, das stimmte nicht, selbst im Rausch war er sich dessen bewusst. Schon vorher war er nie gewesen wie Tat'ank'Ka, wie Gorbag oder Brosh. Er hatte nie vollends die Werte geteilt, die einen echten Ork ausmachten. Ja, auch er kannte Ehre und Stärke, doch er kannte auch Rücksicht und Mitgefühl, er kannte die Neugier gegenüber Morras und den Glauben an Koexistenz ohne gegenseitige Auslöschung. Das Schamanenritual, das Proya an ihm durchgeführt hatte - die magischen Tätowierungen, die nun seinen ganzen Körper bedeckten und seinen Verstand dermaßen beschleunigt und in eine gierig fressende Bestie verwandelt hatten, die nach immer neuer Beschäftigung suchte und lernen und Muster erkennen und Rätsel lösen wollte - dieses Ritual hatte es ihm nur noch mehr verdeutlicht. Er kannte nun keinen Selbstbetrug in dieser Hinsicht mehr, sein Intellekt schlug ihm diesen nur immer wieder knallhart ins Gesicht. Selbsterkenntnis konnte schmerzhaft sein, konnte einsam machen. Und als der Karrek-Stamm genau hier, am Fort im Zentrum des Bluttals, ein völlig unnötiges Massaker begangen hatte, war Schluss für ihn gewesen.

    Nein, er hatte nicht daran teilgenommen. Er hatte dagegen zu argumentieren versucht, doch er hatte schnell gemerkt, dass er auf verlorenem Posten gestanden hatte. Also hatte er den konsequenten, logischen Schluss gezogen und hatte sie alle hinter sich gelassen. Seitdem durchstreifte er die Wälder, kontaktierte ab und an schäbige Morra-Schmuggler, um seinen Geist zu betäuben und war dennoch stets getrieben, alles um sich herum aufs Genaueste zu erforschen und immer Neues dazu zu lernen.
    Grunzend kratzte er sich über die oberflächlich bereits völlig abgewetzten Tätowierungen. Sein ganzer Körper war davon bedeckt und er wurde sie nicht mehr los - dennoch zerfurchte er seine ledrige Haut immer wieder bis aufs Blut in der sinnlosen Hoffnung, sie würden verschwinden, nur um dann wieder vom Verstand eingeholt zu werden, der ihm klar machte, dass das zwecklos war.
    Seine Gedanken hatten ihn wütend gemacht. Er musste den Zorn heraus laufen. Rudra packte seine Klinge und den verstärkten Schild, zurrte seine Lederrüstung enger und rannte einfach drauf los. Die körperliche Belastung ließ ihn immerhin für einen Moment wieder zu Verstand kommen, besänftigte seinen Zorn. Was war nur aus ihm geworden? Er irrte wie ein krankes Tier durch die Wildnis, hatte sich in seiner eigenen Einsamkeit und seinem Wahnsinn verloren. Keuchend verlangsamte er das Tempo, trottete dahin, ging schließlich wieder in den leisen Späher-Schritt über, der sich ihm über die Jahre so in das Bewegungsmuster eingebrannt hatte. Die Wirkung der Droge ließ nach. Nun hatte er nur noch Zeug zum Rauchen und würde wohl bald wieder Kontakt zu einem der Morra-Schmuggler aufnehmen müssen, um Nachschub zu bekommen. Vorher musste er wohl noch eine Echse finden, die er erlegen und ausnehmen konnte. Auch das wurde immer schwieriger, je ferner in die Vergangenheit der Tod des Drachen rückte.

    Er runzelte die Stirn, als er vor sich etwas hörte. Das Geräusch kam ihm nicht unbekannt vor. Waren das trauernde Morras? Ja, die klangen so. Er hatte sie schon das eine oder andere Mal gehört, insbesondere im Gefängnis in Thorniara.
    Rudra holte den Glimmstängel hervor, der seinen Verstand wieder auf ein erträgliches Niveau verlangsamen sollte. Unterforderung konnte so quälend und schmerzhaft sein! Wer hätte gedacht, dass man sie so schlecht ertragen konnte? Für seinen Grad an Betäubung äußerst fingerfertig fischte er seine Feuersteine aus einer Tasche hervor - und erstarrte. Erschreckende Erkenntnis stand in sein Gesicht geschrieben, mit dem Potenzial zu blankem Terror. Er hatte keinen Zunder mehr!
    Sein Verstand erhielt für einen Moment erholsame Arbeit - es gab drei Optionen. Erstens: Brennmaterial im Wald finden, was angesichts der zumeist trockenen Witterung des Sommers recht guten Erfolgsaussichten mit sich brachte, aber deutlich zu lange dauerte. Zweitens: Sich so schnell wie möglich in die Nähe der Gespaltenen Jungfrau begeben, wo er Nachschub an allem bekommen konnte, auf dem Weg irgendetwas Gewinnbringendes stehlen oder erledigen und hoffen, dass die viel zu lang anhaltende Durststrecke ihn nicht vorher wahnsinnig macht. Und drittens: Zu den traurigen Morras hinüber gehen und fragen, ob sie ihm aushelfen konnten. Eigentlich wollte er sich die Leute ohnehin anschauen, allein der Neugier wegen. Vielleicht waren die ja zur Abwechslung mal interessant.

    Also Option 3. Rudra steckte die Feuersteine wieder weg, schob die Varrok in die Scheide zurück und lief in Richtung des Geräuschs. Er schritt geräuscharm (unbeabsichtigt, er hatte es sich einfach angewöhnt, so zu laufen) um die nächste Baumgruppe und sah die beiden Morras vor sich. Ein Mann und eine Frau, beide aneinander gedrückt. Hatte er die falsche Schlussfolgerung gezogen und störte die beiden beim Paarungsakt? Egal, er hatte gerade wichtigere Probleme. Rudra trat nah an die beiden heran, die viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt zu sein schienen, und bemühte sich darum, seinen immer noch vorhandenen harten Akzent zu verstecken, als er sich in der (mittlerweile recht gut beherrschten) Morra-Sprache an sie wandte:
    "Entschuldigt, habt ihr mal Feuer?"
    Und nun aus der Nähe sah er auch, dass sie Tränen vergossen. Ha, er hatte also doch richtig geschlussfolgert. Er hatte es eben immer noch drauf!

  7. View Forum Posts #327 Reply With Quote
    Veteran Calan's Avatar
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    Die Waldbruderschaft im Forenrollenspiel
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    Im Bluttal

    Diese Wälder waren verflucht, Calan war sich nun sicher. Nicht nur, dass das Fort nun ein Schlachtfeld und ein Massengrab war. Nicht nur, dass er in eine dunkle Atmosphäre gehüllt war, die ihn förmlich zu packen schien, um ihn die Luft zum Atmen zu rauben; wie Hände geführt von einer dunklen Macht, die ihn mit jedem Moment ein bisschen mehr Mut und Lebenskraft raubte.
    Nein, als wäre es nicht genug, tauchte zwischen den Bäumen, lautlos wie eine Katze, ein Ork auf. So schnell es ihm seine Reflexe gestatteten, packte der Varanter seinen Speer und begab sich in Kampfstellung. Auch, wenn er sich nicht sicher war, ob er gegen eine Grünhaut bestehen konnte, so konnte er ihnen das Feld nicht kampflos überlassen.
    Ob er einer derjenigen war, die für dieses Massaker verantwortlich waren? Calan war sich sicher. Warum sonst sollte er hier sein? War er eine Nachhut, die aufpassen sollte, dass die Menschen nicht hierher zurückkamen? Ergötzte er sich am Bild der Zerstörung, das sich ihm hier bot?
    Sicherlich, so musste es sein. Ein vergleichsweise kleiner Ork war es, vermutlich eine verschlagene Bestie, die den Kampf scheute und aus den Schatte zuschlug, der mit List die Palisaden überwand und das Feuer legte, dass das Fort verbrannte. Ja, so sah er aus. Und dennoch wird er ein nicht zu unterschätzender Gegner sein, der ihn vielleicht sogar mit ins Grab nehmen würde. Calan konnte nicht sagen, dass er bereit dafür war, dennoch war es seine heilige Pflicht, die grüne Brut auszumerzen.
    Der ehemalige Ordensbruder packte seine Waffe fester, um mit dem Namen Innos‘ auf den Lippen auf den Ork zuzustürmen, als dieser sprach.
    „Entschuldigt, habt ihr mal Feuer?“ waren die wenigen Worte, die aus dem Mund des haarlosen Orks kamen.
    „Wa….was?“ stammelte Calan, der in einen Augenblick absoluter Verwunderung seinen Speer fast fallen ließ, sich jedoch schnell genug wieder fassen konnte.
    „Feuer?“ rief er. „Möge das heilige Feuer dich versengen und ewige Qual bringen. Ihr wart das.“ Er zuckte mit der Spitze des Speeres in Richtung der verbrannten Lichtung, in der sich das Bluttal einst befand. „Dafür wirst du und deine Brut bezahlen!“

  8. View Forum Posts #328 Reply With Quote
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    Hinter Calan

    Beim Anblick des Orks, egal wie mickrig er im direkten Vergleich zu seinen Brüdern auch erscheinen mochte, erschrak Murielle nicht wenig und sprang sofort auf, um sich hinter Calan zu stellen. Weit hinter Calan.

    Sie hatte Orks als brutale und gefährliche Bestien kennen gelernt. Sie erinnerte sich an ihre einzige direkte Begegnung mit einem Ork, damals auf Khorinis als sie sich mit einem Trupp unter der Führung Sir Ulrichs auf einer Expedition in das Minental befunden hatte. Später auf dem Festland hatte Calintz für die Orks gearbeitet, aber sie hatte mit ihnen nie etwas zu schaffen gehabt und stets einen Bogen um die Grünpelze gemacht. Einen verdammt großen Bogen. Und das war es auch, was sie nun zu tun gedachte. Ein Kampf erschien ihr vollkommen sinnbefreit. Noch während sie daran dachte zu fliehen, hörte sie Calan reden. Was tat er denn da? Verflucht.

    "Calan, das ist eine verdammt beschissene Idee", hörte sie sich mit zitternder Stimme sagen und zupfte an seinem Ärmel. Sie war nicht gewillt, seinen offensichtlichen Todeswunsch zu unterstützen, wollte ihn aber auch nicht alleine hier stehen lassen. Noch einmal zupfte sie an seinem Ärmel, während sie mit der anderen Hand nach ihrem Schwert tastete. "Bitte, vielleicht können wir noch laufen, komm schon, bitte", flüsterte sie ängstlich und kein bisschen kampfbereit.
    Last edited by Murielle; 18.08.2019 at 21:46.

  9. View Forum Posts #329 Reply With Quote
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    Die Orks im Forenrollenspiel
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    Bluttal - Nahe des zerstörten Forts

    Seufzend betrachtete er die Reaktion der beiden Morras. Feindseligkeit war er gewohnt, schließlich taten die Orks auch immer wieder viel dafür, sich bei den Menschen unbeliebt zu machen. Aber er musste natürlich ausgerechnet an welche geraten, die um die Gefallenen in dem geschleiften Fort trauerten.
    "Mein Glück wieder..."
    Das Speergefuchtel tangierte ihn nicht sonderlich. Er hatte keine Ambitionen, in die Reichweite dieses Dings zu treten, und hielt ohnehin einen Schild in der Hand, um sich zu schützen.

    "Ihr kanntet die Toten? Das tut mir leid. Sie sollen an der Tafel des Schöpfers auf Ehrenplätzen speisen."
    Die Morras waren verängstigt. Er wollte es ihnen nicht verübeln nach dem, was hier geschehen war, wenngleich er wohl der einzige Ork auf der ganzen Insel war, der über diesen Wesenszug nicht verächtlich schnaubte und kurzerhand noch zwei weitere Namen auf die Liste der Opfer des Bluttals setzte.
    "Nein, ich war das nicht. Toller Satz mit dem heiligen Feuer, aber mir würde etwas... wie nennt ihr das? Brennstoff. Das würde mir schon reichen. Jetzt mach Stopp damit, dieses Ding zu wackeln, sonst zerbreche ich es."

    Ausgerechnet einer, der zu den Feuer-Morras aus Thorniara gehörte... herzlichen Glückwunsch. Er schaffte es auch noch, an einen der Fanatiker zu geraten.
    "Wenn es euch ruhig macht: ich habe meinen Stamm verlassen, weil sie dieses Lager angegriffen haben... unter anderem. Das war unnötig, auch wenn ich den Sinn verstehe. Es schützt die Orks am Karrek, weil es das Land zwischen Stadt und Burg schwach macht. Aber es ist dumm, weil es vom... wie heißt es? Startort? Weil es davon ausgeht, dass kein Frieden herrschen kann mit Morras. Sehe ich anders. Hat einer von euch jetzt endlich etwas zum Brennen, oder wenigstens etwas Interessantes zu erzählen, das meinen Kopf beschäftigt?"
    Last edited by Rudra; 18.08.2019 at 23:34.

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    Die Waldbruderschaft im Forenrollenspiel
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    Bluttal - Nahe des zerstörten Forts

    Die Welt war verrückt geworden, und sie scheinbar mit ihr. Er musste nur noch herausfinden, wer von beiden nun der Wahnsinnige war. Calan - oder der Ork?
    Der Ork redete die gemeine Sprache der Menschen besser, als es so einem ungehobelten Wesen zustand. Die Grünhäute schrien sich in rauen Stimmen in ihrer bösen Sprache zu, eine Sprache, die es verdiente von diesen Bestien gesprochen zu werden. Guttural klang sie in Calans Ohren, dunkel und bedrohlich, jedes Wort wie eine Beleidigung, jeder Satz eine Kriegserklärung.
    Und dieser offensichtlich geistig verwirrte Ork – Calan hatte beschlossen, dass eindeutig die Grünhaut der Verrückte war – sprach nun fast wie ein Mensch. Die Stimme war noch immer tiefer, und rauer als die der meisten Menschen, und man konnte deutlich die Einflüsse der Orksprache in seiner Aussprache erkennen… und doch sprach er, verständlich und mühelos.
    Doch was er redete ergab keinen Sinn. Fast reuevoll redete er vom Überfall auf das Fort, und beschwor keinen Anteil daran gehabt zu haben. Und er wollte scheinbar, dass zwischen Orks und Morras – so nannte er wohl in seiner kruden Muttersprache die Menschen – Frieden herrschen sollte. Eine lachhafte Idee. Wusste doch jeder, dass Orks Verrat und Blutdurst mit der Muttermilch aufsaugten. Und genau dies war auch dieser Ork: Ein Ganove der schlimmsten Sorte, der versuchte, mit sanften Worten und verwirrender Taktik die Deckung der beiden Menschen aufzuweichen.
    „Wieso sollte ich dir trauen?“ schrie Calan, der Murielle nicht beachtete, die ihn wohl davon abhalten wollte, die Konfrontation mit dem Ork zu suchen. Doch sein Blut kochte mit dem Zorn der Gerechten.
    „Deinesgleichen sind Lügner und Mörder und du bist keine Ausnahme. Wozu braucht eine Bestie wie du Feuer? Um unsere Leichen zu verbrennen und mit den anderen hier zu verscharren?“

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    Die Orks im Forenrollenspiel
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    Bluttal - Nahe des zerstörten Forts

    Ein tiefes Seufzen entfuhr der Kehle des Orks. Langsam verlor er die Geduld, auch wenn man dem Morra lassen musste, dass er trotz seiner Furcht Mut bewies. Leider aber auch fanatische Verblendung.
    "Du sollst mir nicht vertrauen, du Lugdusch, ich will nur rauchen."
    Er schwenkte den Glimmstängel gelangweilt herum
    "Wenn ihr kein Rauch-Zeug oder anderes verkauft, bin ich dann auch weg. Jeder Morra sagt, ich bin ein Mörder, nur weil ich ein Orak bin. Das ist langweilig."

    Der Morra-Mann sah nicht aus, als ob er sich vernünftig überzeugen ließ. Und die Morra-Frau wollte am liebsten wegrennen. Langsam bekam Rudra das Gefühl, dass er so nicht weiter kam. Widerwillig grunzte er.
    "Gut, dann anders."
    Er zog einen weiteren Stängel aus einer seiner Taschen, zusammen mit den Feuersteinen, und legte beides vorsichtig auf einem Stein ab.
    "Ich geh da rüber. Du zündest selbst einen an, dann rauchen wir. Traumruf. Gutes Zeug."
    Missgelaunt warf er seinen Schild auf den Boden und wandte sich mit verschränkten Armen ab. Er opferte ungern seine Vorräte, aber man musste seinen Prinzipien ja treu bleiben. Wenn der Morra ihn jetzt immer noch aufspießen wollte, konnte er immer noch schnell auf Abstand gehen und seine Schleuder sprechen lassen. Aber er vertraute darauf, dass der Morra einen Funken Verstand besaß - und einen guten Traumruf zu schätzen wusste.

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    Die Waldbruderschaft im Forenrollenspiel
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    Bluttal - Nahe des zerstörten Forts

    Verärgert zog Calan die Augenbrauen zusammen und blickte auf den Krautstängel, den der Ork hingelegt hatte. Er war irritiert, wütend… wie konnte diese Grünhaut es wagen? Einen guten, gottesfürchtigen Mann mit diesem Beliarszeug zu bestechen?
    Und doch – er konnte nicht umhin, die Ironie zu erkennen. Nicht nur, dass es ehemals seine Aufgabe war, Drogenschmuggler zu fassen, ebenso seine heilige Pflicht Orks vom Antlitz der Erde zu tilgen, er nun hingegen ein machtloser Mann war, beiden diesen Punkten gegenüber. Hätte er noch seinen geweihten Speer, seine Rüstung, die ihn als Ordenskrieger zustand – wie hätte er über diesen Kampf jubiliert, wie wäre er mit einem Gebet auf den Lippen nach vorne geprescht, um das zu tun, was jeder gute Mann tun sollte – das Böse zu bekämpfen, notfalls unter dem Einsatz seines Lebens.
    Nein, als wäre dies nicht genug, bot ihm der Ork ein potentes Rauschmittel an. Auch, wenn er sich schwer tat, es zugegeben: Dieser Glimmstängel war unter Umständen genau das, was er suchte. Ein Kraut, das sogar Orks berauschte, wie stark würde es wohl bei einem Menschen sein? In welche Höhen würde es Calan erheben? Würde er sanft schweben, oder würde er sich in die Himmel begeben, um zu tun, wonach es ihm gelüstete? Innos, seinen Gott selbst zur Rede zu stellen.
    Noch immer mehr als misstrauisch trat Calan hervor, seinen Speer nunmehr auf eine Hand umgelagert, und näherte sich dem Krautstängel.
    Der Ork schien keine Versuche zu machen, ihn anzugreifen. Im Gegenteil, er schien fast schon gelassen, sogar etwas desinteressiert. „Bleib wo du bist!“ warnte der Varanter die Bestie, bevor er die dargebotene Gabe aufpickte und sich wieder zurückzog.
    „Murielle, du kennst dich besser damit aus. Ist das gutes Kraut? Hat er irgendwas damit gemacht?“

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    Fassungslos ruhte ihr Blick auf Calan, wanderte dann über den Krautstängel hin zu dem seltsamen Ork, der tatsächlich nicht auf Krawall gebürstet zu sein schien, und anschließend zurück zu Calan. Immer noch irritiert ob seiner blinden Wut, wusste sie gar nicht, wie sie sich nun verhalten sollte. Seit er wie aus dem Nichts aufgetaucht war und den kleinen Jungen des Fischers gerettet hatte, hatten sie jeden Tag miteinander zugebracht und waren wahrlich keine Fremden mehr. Dennoch erkannte sie ihn in diesem Augenblick nicht wieder. So hasserfüllt und unversöhnlich, dass sie sich vor ihm und seinem flammenden Zorn, der vermutlich nicht zwischen Freund und Feind unterschied, fürchtete.

    "Ich bin keine Magierin", antwortete sie ihm schließlich, "und ich kann nicht orakeln, was er damit gemacht oder nicht gemacht hat."
    Woran sollte sie erkennen, um welche Art von Kraut es sich handelte, wenn das Zeug getrocknet, zerkrümelt und bereits eingedreht war? Calan überschätzte sie und ihre Fähigkeiten enorm. Und überhaupt - was kümmerte es ihn? Er wollte das Zeug doch sicher ohnehin nicht rauchen.

    "Hört Ihr mir jetzt zu?", fragte sie ihn, während sie ihm fest in die Augen sah. "Ich möchte, dass Ihr Euch beruhigt. Er will uns nichts Böses, bitte lasst uns einfach tun was er möchte und dann gehen."

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    Veteran Calan's Avatar
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    Die Waldbruderschaft im Forenrollenspiel
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    Bluttal - Nahe des zerstörten Forts

    „Nun gut“ brummte Calan. Er konnte nicht glauben, dass er das wirklich tat. Er konnte beinahe spüren, wie ihn seine früheren Ordensbrüder mit Abscheu betrachteten. Und nicht nur die, auch sein früheres Selbst regte sich, dem Gewissen gleich, um ihn von diesen Taten abzuhalten. Eindringlich, tausend Stimmen gleich mahnten sie ihn, dieser Farce ein Ende zu setzen. Seinen Speer in den Bauch dieser Bestie zu jagen und diesen schrecklichen Ort für immer zu verlassen. Und doch waren diese Stimmen nicht real, während die Murielles direkt an sein Ohr drang und ihn mahnte, den Bitten des Orks nachzukommen.
    „Nun gut, du sollst dein Feuer haben. Aber nicht hier. Dieser Ort hat genug Feuer und Zerstörung gesehen.“

    Mit seinem Speer deutete er auf den Pfad, der aus dem ehemaligen Fort nach Süden wegführte. Er wollte sich nur einige Meter aus diesem Massengrab entfernen, eher er den Wünschen des Orks nachkam.
    „Das reicht.“ befahl Calan, nachdem sie ein etwas idyllischeres Flecken erreicht hatten. „Setz dich hin und behalte deine Hände bei dir.“
    Nicht, dass seine Drohung in irgendeiner Weise bedeutungsvoll war. Um Feuer zu machen, musste er den Speer ablegen und lieferte sich so der Grünhaut vollends aus. Wollte sie ihm oder Murielle etwas tun, wäre dies der Moment. Noch bevor er zum Speer greifen würde, hätte ihm der Ork wohl das Rückgrat gebrochen. Er wollte garnicht darüber nachdenken, was die Grünhaut mit Murielle machen würde. Und doch...

    Ein Funke stob vom Feuerstein und landete in dem trockenen Zunder. Er setzte sich fest, wie ein blutsaugendes Insekt. Sog vom trockenen Schwamm und nährte sich, breitete sich aus und begann, nachdem er sachte darauf blies, kleine Flammen zu schlagen, mit denen er ein paar Holzspäne entfachte.
    Zögernd, unsicher, ob er das richtige tat, nahm er einen der Späne und hielt sie unsicher dem Ork hin, der in all der Zeit auffallend ruhig war.

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    Die Orks im Forenrollenspiel
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    Bluttal - Idyllisches Fleckchen

    Äußerlich gab sich der Ork ruhig und gelassen, aber innerlich brannte die Ungeduld, endlich etwas rauchen zu können. Der Traumruf war genau das Richtige, um jetzt ein wenig herunter zu kommen und den Geist davon driften zu lassen. Und eines musste er dem Morra lassen: er hatte ein nettes Fleckchen dafür ausgesucht, sich gehörig zu entspannen.
    "Gut so. Ihr raucht mit", raunte er, als er dem Morra das Feuer aus der Hand nahm und sich daran ziehend den Stängel anfachte. Grünliche Wölkchen zogen durch die kühle, spätsommerliche Waldluft, und schon der erste Zug entschleunigte sein quälend rotierendes Denken.
    "Alle rauchen zusammen, Zeichen für Frieden und Verbundenheit. Los."
    Seine Körpersprache wies unmissverständlich darauf hin, dass sie seiner Anweisung folgen sollten, als der den Krautstängel in Richtung der Morrafrau hielt. Sie war hübsch, auch wenn die Verängstigung ihr nicht gut zu Gesicht stand. Außerdem hatte sie mehr Verstand als der sture Dummkopf mit seinem Speer. Rudra mochte sie.
    "Ich bin Rudra. Wer seid ihr?"

    Was Rudra selbst nicht wusste, war die Tatsache, dass der Morra-Händler ihm nicht irgendwelchen Traumruf verkaufte, sondern ein ehemaliges Mitglied einer Gruppierung aus dem Sumpf des Minentals auf Khorinis war und eine hochpotente Pflanze mit auf die südlichen Inseln gebracht hatte, deren Rauch nicht nur einfach Halluzinationen mit sich brachte, sondern die Fähigkeit besaß, allen, die ihn inhalierten, eine gemeinsame Vision zu schenken, die vom Geist aller Mitrauchenden gleichermaßen geformt wurde. Schließlich hatte er sonst stets allein geraucht, und Bäume und Moose beteiligten sich selten aktiv an der Formung von Visionen. Doch mit den beiden Morras würde das nun anders aussehen.

  16. View Forum Posts #336 Reply With Quote
    Veteran Calan's Avatar
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    Die Waldbruderschaft im Forenrollenspiel
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    Bluttal - Idyllisches Fleckchen

    „Unsere Namen gehen dich nichts an, Kreatur“ funkte Calan dazwischen. Zwar war er sich sicher, dass sowohl der Namen Calan, als auch der Name Murielle bereits gefallen waren, doch eine förmliche Vorstellung mit diesem Tier? Der Varanter konnte dankend darauf verzichten. Ebenso hätte er gerne darauf verzichtet, mit dem Ork zu rauchen. Im Grunde hätte er gerne komplett auf die Bekanntschaft dieses Verrückten verzichtet. Rudra nannte er sich. Sie gaben sich Namen, in der Hoffnung, dadurch zivilisiert zu sein. Es war eine Farce. War eine Katze in Roben ein Feuermagier? Wohl kaum, ebensowenig wie der Ork darauf hoffen konnte, ihresgleichen zu sein. Ein Tier, ein Schädling war er.
    Doch er war ein Schädling, der ihnen an Kraft und Schnelligkeit weit voraus war. Und so musste er mitspielen, wie mit einem kleinen Kind, das ihnen Sandkuchen backen wollte. Ein kleines Kind, das ihnen das Genick brechen konnte, wenn sie nicht vom Kuchen kosteten.
    „Ich zuerst“ sagte Calan und nahm den Sumpfkrautstängel, der eigentlich für Murielle bestimmt war. Er hatte sie in diese Situation gebracht, hatte es nicht geschafft, sie vor der Grünhaut zu schützen, so musste er sie wenigstens vor der Versuchung dieses Orks bewahren. Sumpfkraut war an und für sich schon ein sicherer Weg in den Abgrund, doch Sumpfkraut von einem Ork? Wer wusste schon, mit welcher dunklen Magie, mit welchen bösen Kräutern er das Kraut versetzt hatte. Welche Wirkung es auf den Geist eines Menschen hatte. Im Verstand eines Orks konnte man nunmal nicht sehr viel zerstören, doch der Geist eines Menschen… nein, das Risiko musste Calan aufnehmen, nicht Murielle.
    Zögernd hielt er den Krautstängel an die kleine Flamme des Kienspans, bis die Spitze glühte und glimmte. Vorsichtig hielt er sich die von grobschlächtigen Händen Selbstgedrehte an den Mund und nahm einen ersten, unsicheren Zug. Noch nie hatte der ehemalige Ordensritter geraucht, doch wusste er von der Wirkung des Sumpfkrauts. Berauschend sollte es sein, fast schon euphorisch machen und beruhigen. Doch nichts davon schien zu passieren. Vermutlich hatte dieser Dummkopf von einer Grünhaut einfach vertrocknetes Laub im Wald aufgesammelt und zusammengerollt. Wie ein Affe, imitierend, ohne zu verstehen.
    Zuversichtlich nickte er Murielle zu. „Ist ok.“ meinte er „scheint ungefährlich zu sein.“

  17. View Forum Posts #337 Reply With Quote
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    Bluttal - Unweit von Tod und Zerstörung

    Auf solch einen Unfug hatte sie wahrlich keine Lust. Dennoch wäre es vermutlich unklug, sich dagegen zu sträuben und wenn sogar Calan es schaffte, sich halbwegs am Riemen zu reißen, dann würde sie das wohl auch hinbekommen müssen. Irgendwie. Es war verdammt lange her, dass sie etwas geraucht hatte. Wie lange? Das muss noch auf Khorinis gewesen sein, überlegte sie und nahm einen Zug. Und hustete. Und konnte nicht aufhören zu husten. Dass man das Rauchen verlernen konnte, war ihr nicht bewusst gewesen. Man lernte eben nie aus.

    Den Stängel reichte sie sofort danach an den Ork weiter. In der Hoffnung, er würde sie in Ruhe lassen. Er hatte ja nun schließlich sein Feuer. Sie wollte einfach nur noch nach denen suchen, die hoffentlich entkommen waren. Onyx. Osmo. Jilvie. Freiya. Zeit ihres Lebens war Murielle eine überzeugte Einzelgängerin gewesen. Liebte die Ruhe. Ihren Frieden. Ihre Unabhängigkeit und das Gefühl nur für sich selbst sorgen zu müssen. Niemandem etwas schuldig zu sein. Und doch war diese waghalsige Truppe für sie so etwas wie Freunde geworden. Familie. Sie sorgte sich um diese Menschen und das war etwas vollkommen Neues für sie.

  18. View Forum Posts #338 Reply With Quote
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    Bluttal - Der Anfang vom Ende

    Viel Zeit war verstrichen, seit sie das letzte Mal etwas Sumpfkraut geraucht hatte. Sie konnte die Wirkung, die es auf sie hatte, nicht ausstehen. Es machte sie noch nachdenklicher als sie ohnehin schon war und führte dazu, dass sie tiefer in ihr Inneres blickte, als ihr lieb war. Es machte, dass sie sich hilflos fühlte und verloren in dem düstersten Teil ihrer verworrenen Gedankenwelt. Dort gab es unzählige verschlungene Pfade, von denen manche in derart finstere Regionen abzweigten, dass es unmöglich abzusehen war, wohin genau sie Murielle führen würden.

    Bei nüchternem, klaren Geist kehrte sie stets früh genug um. Als gäbe es in ihrem Kopf eine unsichtbare unüberwindbare Mauer, die sie davon abhielt, zu weit zu gehen. Unter dem Einfluss des Sumpfkrautes jedoch fiel es ihr schwer, die Kontrolle über ihre Gedanken zu behalten. Es war, als wäre die schützende Barriere fort, die sie am Weitergehen hinderte. Sie wollte das nicht. Konnte das damit verbundene Gefühl der Hilflosigkeit nicht ertragen. Wollte sich dem, was sie dort erwartete, nicht stellen.

    Calintz. Es war so lange her, dass sie sich kaum noch an sein Gesicht zu erinnern vermochte, egal wie sehr sie sich bemühte. Sie hatte die Erinnerungen an ihn erfolgreich verdrängt. Den nahezu unerträglichen Schmerz darüber, dass er fort war.

    Dort stand er. An einer Weggabelung, ihr den Rücken zugewandt. Sein wundervoll zerzaustes weißes Haar wehte lose im Wind und dann verschwand er im Nebel.
    Ohne sich umzudrehen.
    Sie war allein.

    Egal wie sehr sie versucht hatte, sich irgendwo zugehörig zu fühlen. Niemand außer ihm hatte sie jemals gesehen. Niemand außer ihm hatte je in ihre Seele gesehen, nicht so wie er, nicht einmal annähernd.
    Er war ihr Anker gewesen.
    In einer Welt, in die sie nie gehört hatte. Die sie nie gewollt und um die sie nie gebeten hatte. Sie fühlte sich unvorstellbar verloren ohne ihn. Und allein. Er hatte sie geliebt, obwohl sie so war, wie sie war. Hatte immer die richtigen Worte gefunden und mit ihnen ihr Herz berührt. Hatte sie mit einem einzigen tiefen Blick in die Augen beruhigen können.

    Sie hasste es, sich nicht gegen diese kummervollen Gedanken wehren zu können. Dummes Sumpfkraut. Dummer Ork. Dummer Calan. Dumme Welt.
    Das Einzige, was sie noch wollte, war zurück an das Ufer des Meeres zu gehen. Im Sand zu sitzen. Sich im gleichmäßig fortdauernden Kommen und Gehen der Wellen zu verlieren.
    Das hatte ihr stets Frieden geschenkt. Keinen Echten, aber immerhin. Dort musste sie nicht nachdenken. Nicht vermissen. Und nicht um das weinen, was sie verloren hatte. Auch nicht um all die Dinge, die hätten sein können und nie waren. Nie werden würden.

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    Die Orks im Forenrollenspiel
    Rudra is offline

    Bluttal - Idyllisches Fleckchen

    "Verdammt, was ist das denn..."
    Das lief nicht wie erwartet. Es lief nicht wie gewohnt. Was für ein merkwürdiges Zeug hatte ihm dieser Morra da nur angedreht?
    Nicht der übliche, wohlige Rausch ergriff von ihm Besitz und bremste seinen unermüdlich ratternden Verstand, der so aus seiner schmerzvollen Rotation um sich selbst ausbrechen konnte. Nein, es war eine merkwürdige Melancholie, die ihn niederschmetternde wie eine grausige, klebrige Welle, die jegliches Licht hinfort riss. Er versank in einem Gefühl von Einsamkeit, und all die schmerzlichen Erinnerungen an seine Kindheit und Jugend trieben aus den Tiefen seiner Erinnerung wieder herauf. Er war stets ein Außenseiter gewesen, verachtet von seinem Vater und den Brüdern, gering geschätzt von einem Jeden in der Gesellschaft. Vor den Karrek-Orks, vor den Urkmas, war er ein Niemand gewesen - nein, schlimmer als das: eine Schande für jeden Ork. Er hatte nirgendwo hinein gepasst, nie eine Chance gehabt, sich so zu entfalten, wie er es gewollt hatte.

    Doch es stieß Licht durch das Dunkel der Betrübnis. Er hatte sich seinen Weg selbst geschaffen, war seinem Selbst treu geblieben und hatte ungeachtet dessen, was alle anderen von ihm hielten, mit dem Handwerk des Bildhauers einen Weg eingeschlagen, auf dem er sich selbst verwirklichen konnte - und schlussendlich solche gefunden, die ihn akzeptieren konnten, wie er war. Nun hatte er sie verlassen, weil er nicht akzeptieren konnte, wie sie handelten. Doch zu was war er geworden? Wie nutzte er diese unheilvolle Gabe, die ihm überantwortet worden war? Er streifte durch die Wälder und dröhnte sich nutzlos voll, um sich nicht länger zu quälen. Er vergeudete das Geschenk.

    Es musste ein Sinn hinter dem stecken, was ihm widerfahren war. Rudra erkannte es jetzt: der Schöpfer war ein Bildhauer wie er, er begutachtete das Material, das die von ihm geschaffene Welt ihm bot, und bildete daraus neue Formen, neue Wesen, so wie der Wuchs des Stoffes, mit dem er arbeitete, es zuließ. Er fügte, er trennte, er veränderte. Die rohen Körper mussten zuweilen geschlagen werden und Strapazen erdulden, da sie nur so in die gewünschte Form gebracht werden konnten. Wenn er in der Bedeutungslosigkeit schwebte, dann nur, weil er noch nicht fertig geformt war. Es steckte ein Zweck hinter alledem - nichts geschah völlig umsonst!

    Die Hoffnung kehrte in sein Herz zurück, das Licht des Aufbruchs und der Wille, sich selbst zu verändern, um das zu verändern, woran seine Seele litt. Das klebrige Dunkel löste sich und der Zweifel schwand. Rudras Vertrauen in die Göttlichkeit allen Schicksals und aller Schöpfung war zu groß, um die Hoffnung wieder zu zerstören, die er sich durch alles erarbeitet hatte, was hinter ihm lag und was geschaffen worden war. Er hatte nur daran erinnert werden müssen.
    Und nun erkannte er, dass die Dunkelheit nicht von ihm gekommen war. Sie hatte sich fremd angefühlt, parasitär. War sie von einem der Morras gekommen, mit denen er als Friedensangebot das Kraut geteilt hatte? Teilten sie etwa diese Empfindungen? Innerlich machte der Ork sich einen Vermerk, dass er dem Schmuggler einen Besuch abstatten musste, der ihm dieses Zeug gegeben hatte.

  20. View Forum Posts #340 Reply With Quote
    Krieger Chala Vered's Avatar
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    Wald nördlich vom Silbersee

    Sanfter Regen besprenkelte die verfärbten Blätter des Waldes, der sich von der Silberseeburg gen Norden und Westen erstreckte. Die Zeit der Ernte war bereits vorüber und die Natur begann hinter der Fassade schöner Farben ihre Klauen für die kalte Jahreszeit zu wetzen. Schon jetzt spürte man die ersten scharfen Spitzen im Wind und die Menschen der Insel wehrten sich mit Wolle, Stoff und Leder. Auch die Fauna passte sich der Witterung an, emsig auf der Suche nach Vorräten für den Winter, allzeit darauf bedacht den lauernden Raubtieren zu entgehen.
    So unberechenbar das Wetter kürzlich gewesen war, zeigte es sich an diesem Tag von beharrlicher Konstanz, hüllte es den ganzen Himmel doch in eine graue Wolkendecke.
    Inmitten des genannten Waldstücks unterbrach ein fast rhythmisches, dumpfes Geräusch die übliche Kulisse der natürlichen Töne, begleitet von unregelmäßigem Stöhnen wütender Anstrengung. Ein halbes Dutzend Mal konnte der Einschlag von etwas scharfem in einen Baum vernommen werden, ehe eine kurze Pause einkehrte, nur um wieder von demselben Geräusch unterbrochen zu werden.

    Mit feurigen Schritten näherte sich Chala dem Ziel ihrer projizierten Wut, wirbelte dabei Erde und Laub auf, welches den feuchten Waldboden bedeckte. Ihre gefütterten Stiefel hatten längst die besten Jahre hinter sich gelassen und auch ihre restliche Kleidung, die sie nur spärlich gegen die herbstliche Kälte zu schützen vermag, hätte eingehender Pflege bedurft.
    Mit routiniertem Handwerk zog sie die Wurfmesser aus der malträtierten Rinde des Baumes heraus, an dem sie ihre Laune herausließ, ehe sie wieder kehrtmachte und ihre Position zwanzig Fuß entfernt einnahm.
    Neben dem positiven Effekt ihre Wurfkünste zu verfeinern, half ihr diese Art der Entladung dabei, einen klaren Kopf zu bekommen. Probleme, mit denen sie zu kämpfen hatte, konnte sie auf diese Weise besser überdenken und sinnvolle Lösungen finden. Und Probleme hatte sie weiß Beliar genug.

    Etliche Monde waren vergangen, seit ihrem letzten Aufeinandertreffen mit ihrem dunklen Bruder Lukar. Ob ihn schlussendlich das Alter oder aber seine Krankheit, von der er berichtete, eingeholt hatte, konnte die Aranisaani nur vermuten. Doch sicher war, dass sie nicht genüg Einblick in die Geschäfte des Bundes seit ihrer ungewollten…Abwesenheit besaß. Zwar wurde ihr nach wie vor der Respekt der Mitglieder zuteil, doch ihre Kampffertigkeit war nach wie vor in ihren Augen ungenügend. Ihre Bundsbrüder und -schwestern zu fragen oder mit ihnen zu trainieren blieb vorerst außer Frage, da es ihre gezeigte Stärke war, die ihr den Respekt einbrachte. Würden die Krieger sehen, dass ihre Kunst mit der Klinge nicht ihrem Ruf gleichkam, würde sie alles verlieren. Es war von unaufschiebbarer Dringlichkeit, dass sie jemanden fand, der sich ihrer annahm. Bestenfalls würde dieser potentielle Lehrmeister keine Kenntnisse über ihre Tätigkeiten im Schatten haben und ein gesundes Maß an Verschwiegenheit an den Tag legen. Denniks Gesicht blitzte unweigerlich vor ihrem inneren Auge auf und das Feuer des Zorns in ihrem Bauch loderte erneut lichterloh. Wutentbrannt warf sie eines ihrer Messer und versenkte es mit einem saftigen thumb grifftief in den bemitleidenswerten Stamm.

    Wäre ihre eingerostete Kampffähigkeit und die damit verbundene Einschränkung ihrer erfüllbaren Aufgaben nicht schon Ärgernis genug, wurde sie immer noch von Gedanken an Joe geplagt. Es war, als hätte er ihr vor all der Zeit einen Parasiten eingepflanzt, der es ihr nicht erlaubte zu vergessen. Einhergehend mit dem Verrat an ihr, dem Verlust einer Säule, an die sie sich zu stützen gelernt hatte, und der Aussicht auf die immense Verantwortung den Bund allein zu führen, sollte Lukar nicht wieder auftauchen, lasteten so schwer auf ihren Schultern, dass sie bereit war all dem den Rücken zu kehren. Was verband sie noch mit dem Dunklen Bund, das nicht den Idealen von Joe Black entsprungen war? Ideale, die sich auch für die ihren gehalten hatte.
    Die Prophezeiung eines alten Mannes in Setarrif? Der Glaube an einen Gott, von dessen Existenz sie nach wie vor nicht überzeugt war?

    Ein weiteres Messer grub sich gierig durch die Rinde des Laubbaums, angetrieben mit finsteren Gedanken und dem Wunsch nach Entlastung. Logisch gesehen sollte Chala dem Bund den Rücken kehren. Ohnehin trat die Organisation auf der Stelle. Die Kontakte, welche Lukar geknüpft hatte, waren der dunklen Schwester nicht bekannt, wodurch es ihr nahezu unmöglich war, Fuß in Stewark zu fassen. Was hatte ihr der kahlköpfige Mogul alles über diesen Kontakt berichtet?
    Die Erinnerungen waren flüchtig, ließen sie im Stich.
    thump
    Noch eine Klinge verschwand im lebendigen Holz, während feine Regentropfen nasse Bahnen über den Griff zogen.

    Womit fange ich bloß an?

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