Portal-Zone Gothic-Zone Gothic II-Zone Gothic 3-Zone Gothic 4-Zone Modifikationen-Zone Download-Zone Foren-Zone RPG-Zone Almanach-Zone Spirit of Gothic

 

Seite 2 von 2 « Erste 12
Ergebnis 21 bis 27 von 27
  1. Beiträge anzeigen #21 Zitieren
    Lehrling Avatar von Shenkt
    Registriert seit
    Apr 2018
    Ort
    Niedersachsen
    Beiträge
    18
     
    Die Waldbruderschaft im Forenrollenspiel
    Shenkt ist offline
    Ferlia die Furie. Den Beinamen hatte Shenkt ihr im Stillen gegeben, keine Horde blutrünstiger Dämonen würde ihn jedoch dazu kriegen, ihn auch nur leise zu flüstern. Die Frau war der menschgewordene Zorn, eine Göttin der Wut in der einfachen Gewandung einer Bäuerin. Es hatte einen Abend gegeben, da Shenkt von der Arbeit völlig erschöpft war, und im Einschlafen etwas gemurmelt hatte, das ähnlich klang wie Hätte dieses Weib einen Schnurrbart, wäre es Hauptmann. Ferlia, die wohl mit den Ohren eines Luchs gesegnet war, hatte ihm nur einen Eimer an den Kopf geworfen, dass er vom Strohsack fiel und leise fluchte.
    "Wenn du noch mosern kannst, Bursche", hatte sie gezischt, "dann bist du offensichtlich nicht müde. In die Scheune, die Kuh tränken und alles ausmisten, verstanden?"
    Shenkt hatte nur ergeben genickt und war gramgebeugten Hauptes aus dem Haus verschwunden und erst zwei Stunden später zurück gekommen, nach Mist riechend wie ein Betrunkener, der in den Misthaufen gefallen ist.
    "Du stinkst.", war Ferlias einzige Bemerkung gewesen. Obwohl es nach Mitternacht gewesen war, hatte die Frau am Tisch gesessen und im Kerzenschein ein Buch gelesen. Sie war also nicht nur die Göttin des Zorns, sondern auch die des Wissens, wie es ihm schien. Und was ihn überrascht hatte: Eine belesene Bäuerin.

    "Wohin starrst du?", fragte Ferlia, "Hat dich der Schlag getroffen? Bitte nicht, ich habe ehrlich gesagt wenig Lust, einen sabbernden Tropf durchzufüttern."
    "Nein, Frau Ferlia", murmelte Shenkt nur, "ich war in Gedanken."
    "Wie so oft. Du sollst das Holz hacken. Wie ich's dir gezeigt habe."
    "Ja, Frau Ferlia."

    Die Bäuerin funkelte den Mann an. "Lass dieses elende Frau Ferlia sein, klar? Ferlia reicht völlig. Und Ja und Amen musst du nur in der Kirche sagen. Ich zwinge dich zu nichts. Wenn du willst, dann geh. Bist ja nicht mein Leibeigener.", knurrte sie, "Du bist hier untergekommen, also tust du was dafür. Klare Abmachung, oder?"
    "Ja ... Ferlia."
    Die alternde Frau seufzte. "Bei Innos, genau wie mein Mann. Ein Riese war er, reichte locker bis zum Deckenbalken im Haus. Hat im Krieg gekämpft, weißt du? Im Ersten. Hat Orks noch und nöcher erschlagen."
    "Erster Krieg?", fragte Shenkt langsam.
    "Kommst du von so weit weg? Nun, wir ... Menschen haben zwei Kriege mit den Orks geführt. Einen, da waren sie noch eine verlauste Bande Höhlenbewohner. Und, ja, den zweiten. Da waren sie besser gerüstet und ausgebildet. Haben Myrtana erobert und jahrelang besetzt. Zu der Zeit lebte ich mit meinem Mann und meinem Sohn schon hier auf Khorinis. Nun, der Krieg kam hier her ... die Wirren eines solchen Konflikts sind unschön. Ich habe ihn verloren, fand ihn kurzzeitig wieder und hab ihn dann ganz verloren. Also kehrte ich irgendwann hier her zurück, als alles ruhiger geworden war." Sie blickte fast verträumt zu dem Haus hin. "Das hier ist mein Heim. Hier durfte ich lange meinen Traum leben, mein eigenes Paradies. Deswegen" - nun war da wieder der Blick der Zorngöttin - "kann Skarlof meinetwegen einen Höhlentroll schicken, um mich zu töten. Er. wird. es. nicht. kriegen."
    Shenkt hatte der Frau interessiert gelauscht. "Ich verstehe dich, Ferlia.", murmelte er kurz, "Und weißt du, ich fühle mich schlecht. Schlecht, weil ich einen Augenblick dachte, dass Skarlofs Anspruch irgendwo gerecht war. Aber ... ach egal, Ferlia. Ich hacke weiter das Holz."
    Mit einem seltsamen Ausdruck in den Augen musterte die Bäuerin Shenkt einige Sekunden, ehe sie seufzte. "Oh bei Innos, gib mir die Axt. Du hackst dir noch das Bein in Stücke. Los, trink etwas Wasser und schau dann nach der Kuh, ja? Bei der Hitze brauch sie ebenfalls viel Wasser."

  2. Beiträge anzeigen #22 Zitieren
    Lehrling Avatar von Shenkt
    Registriert seit
    Apr 2018
    Ort
    Niedersachsen
    Beiträge
    18
     
    Die Waldbruderschaft im Forenrollenspiel
    Shenkt ist offline
    Shenkt schluckte schwer, versuchte irgendwie den Kloß im Hals loszuwerden und den Schrecken zu vertreiben, der sich in seinen Eingeweiden breit machte und heiß und unangenehm war. Entweder war dies neben dem kalten Schweiß auf der Stirn ein Anzeichen für eine ordentliche Magenvergiftung ... oder der instinktive Wunsch, die Beine in die Hand zu nehmen und die Flucht zu ergreifen. Warum er es nicht tat, konnte sich der Mann nicht erklären. Aber wahrscheinlich hatte es mit dieser Zorngöttin an seiner Seite zu tun, Ferlia der Vettel. Die stand nur da, locker ein Breitschwert geschultert und die fünf Mann abschätzig musternd.
    "Äh, Ferlia ... ich respektiere deinen Mut und deine Stärke, aber nun, äh, das sind ... echt viele.", murmelte Shenkt langsam.
    "Fünf Kerle", die Vettel sah ihn scheel an, "Da wäre mein Mann mit dem Bierkrug in der einen und dem Schwert in der anderen Hand durchgefahren, ohne auch nur einen Tropfen zu verschütten." Sie lächelte wölfisch. "Also ist es machbar."
    Shenkt nickte langsam, so wie wenn man nickt, wenn ein Wahnsinniger einem eine Armbrust auf die Brust setzt, wahnsinniges Zeug erklärt und mit fiebrig glänzenden Augen fragt, ob man nicht seiner Meinung sei. Denn das war Ferlia: wahnsinnig. Irgendwie überlegte Shenkt einen Augenblick, wie er gefahrlos die Seiten wechseln konnte, gleichwohl ihn Skarlof und seine Art ankotzten. Aber der Tod würde ihn nocht vielmehr ankotzen, das war sicher.
    "Ja gut, Ferlia, nun ..."
    "Bleib zurück."

    Der Tanz, der auf den Befehl folgte, war zwar nicht perfekt aber er war wirkungsvoll. Natürlich musste man zugeben, dass die fünf Männer, die Skarlof geschickt hatte, keine Waffenmeister oder Veteranen unzähliger Schlachten waren. Eher waren sie eine Bande verlauster Penner, die der Verbrecher aus dem Rinnstein geklaubt und ihnen ein paar Nagelkeulen in die Hände gedrückt hatte. Einem echten Schwert, wahrscheinlich sogar bester Herkunft, konnten die nichts entgegen setzen. Ferlia war flink und wendig, führte zwar keine knochenbrechenden Schläge, jedoch schnelle und präzise Hiebe. Sie stach und schnitt und ließ ihr Land Blut kosten. Zwei Männer starben, einer verlor seine Hand und zwei türmten mit ihrem verletzten Kumpan. Es waren vielleicht fünf Minuten vergangen.
    Schwer atmend kam Ferlia wieder zu Shenkt. "Schnapp dir die beiden und schaff sie in die Jauchegrube zu ihrem Freund, diesem zungenlosen Mistkerl. Ich muss mich ausruhen."
    Mit diesen Worten marschierte sie an ihm vorbei. Der Chronist blickte noch einige Augenblicke auf die zugerichteten Leichname, ehe er die Hände auf die Knie stützte, sich vorbeugte und herzhaft übergab.

  3. Beiträge anzeigen #23 Zitieren
    Lehrling Avatar von Shenkt
    Registriert seit
    Apr 2018
    Ort
    Niedersachsen
    Beiträge
    18
     
    Die Waldbruderschaft im Forenrollenspiel
    Shenkt ist offline
    Irgendwo am Rande des Hofes saß Shenkt auf einem Baumstamm und blickte in die Ferne. In seinem Magen rumorte es bei dem Gedanken an das kurze Schlachten wieder, Galle stieg ihm auf, schien seinen Mund auszufüllen und fast wieder ausbrechen zu wollen. Er wollte Ferlias Nähe nicht, sich im Moment nicht im gleichen Haus mit ihr aufhalten. Die Leichtigkeit, mit der sie die Männer getötet und verwundet hatte, schockierte ihn zutiefst. Sicherlich, sie hatte ihre Gründe, hat im Leben Erfahrungen gemacht, die sie kalt und gnadenlos werden ließen. Aber trotzdem ... schon beim Zungenlosen war sie entschieden vorgegangen.
    "Ich habe meine Heimat verlassen, weil ich die Teilnahmslosigkeit meines Volkes verabscheue", murmelte er vor sich hin, "Die ewige Dekadenz, die keine Tage oder Jahre sondern Generationen zählt, Dynastien vorüber ziehen sah und sich niemals änderte. Vom Gründer des Reiches bis hin zu meinen nächsten Verwandten ... sie sind kalt, arrogant und geistesabwesend."
    Shenkt hatte die Methoden seines Volkes schon immer verachtet. Sklaven und Leibeigene, die zur Freude hingerichtet wurden, die mehr Objekt als Lebewesen waren. Bis zu seiner Ankunft in Khorinis hatte er wirklich gedacht, die niedersten Menschen können nur die Adeligen und Herrschenden seiner Heimat sein, ehe er merkte, dass dies Triebe sind, die in allen Menschen lauern, egal welcher Herkunft, welche Macht sie besaßen oder welche Farben sie trugen. In jedem Menschen lauerte das Böse, Skarlof war ein Paradebeispiel ... ebenso wie Ferlia.
    "Und du, Shenkt?", sein Blick ging gen Himmel, "Bist du besser? Dein Körper merkt langsam, dass du gewisse Medizin nicht mehr genommen hast, gewisse Drogen, die seit deiner Geburt in dich gepumpt wurden ... fehlen. In der Heimat tapfer, gerecht, ehrlich. Hier? Verlässt dich der Mut, wirst du kriecherisch und feige. Du musst dich an diese Welt anpassen ... oder sie verschlingt dich mit Haut und Haaren."
    Der Mann erhob sich. Anpassen, Akzeptieren das es schlechte und böse und widerwärtige Menschen gibt, mit ihnen auskommen ... Er würde zu Ferlia gehen. Sie sollte ruhig merken, dass er ihre Tat nicht gut hieß, ja das er sie verabscheute, aber das er trotzdem an ihrer Seite stehen würde.

  4. Beiträge anzeigen #24 Zitieren
    Lehrling Avatar von Shenkt
    Registriert seit
    Apr 2018
    Ort
    Niedersachsen
    Beiträge
    18
     
    Die Waldbruderschaft im Forenrollenspiel
    Shenkt ist offline
    "Ah, sieh an ... keine vorwurfsvollen Blicke mehr? Keine unterschwellige Abneigung in den Augen, als hätte ich dein Lieblingsspielzeug zwar nicht zerstört, aber zumindest auf ein Regal getan, an das du nicht mehr heran kommst?" Ferlia schnaubte. "Kenne ich zu gut, diese Blicke. Meist von meinem Sohn, manchmal von meinem Mann."
    Shenkt schluckte kurz, ehe er knapp antwortete: "Bitte vergleiche mich weder mit dem einen noch mit dem anderen. Ich bin weder dein Sohn noch dein Mann. Was uns zusammen geführt hat, Ferlia, sind Schicksal ... und meine eigenen Verfehlungen."
    Die Frau lachte einen Moment hart, ehe sie kopfschüttelnd zur Tür wies. "Bitte, das Schicksal wird nichts dagegen haben, wenn du gehst. Ich übrigens genauso wenig. Du frisst nur, deine Arbeit ... kann ich selber auch machen. Und im Kampf? Ach, da reden wir nicht drüber. Am Ende kotzt du alles voll, das habe ich gesehen."
    Einen mutigen Moment lang dachte Shenkt wirklich darüber nach. Aufstehen, den Hof verlassen, irgendwo nach Süden gehen zu dem Ort namens Drakia, eine Überfahrt mieten und sich irgendwie in Gorthar durchschlagen, ein Leben aufbauen. Das wäre der einfachere Weg. An Ferlias Seite zu bleiben, Skarlof zu bezwingen ... das wäre der schwere, gefährliche und letztendlich vielleicht sogar tödliche Weg.
    "Nein. Ich bleibe, Ferlia. Weiß der Beliar warum, vielleicht erinnerst du mich an meine Mutter, Großmutter oder irgendeine Tante. Der Gedanke, dass Skarlof hier alsbald mit einer Privatarmee einfällt und dich massakriert ... nein, das will ich verhindern. Irgendwie."
    Wieder sah die Frau ihn lange an, ehe sie langsam nickte. Dann ließ sie ihren Blick doppelt so lang durch den Wohnraum schweifen, einen Moment verharrte er an einem Balken, an dem drei Letter geritzt waren "T + C + N". Tränen schienen in Ferlias Augen zu glitzern, ehe sie wieder zu Shenkt sah.
    "Weißt du. Eigentlich ... eigentlich ist es egal. Der Hof, seine Geschichte ... die Vergangenheit, alles. Wir packen, Shenkt. Wir packen und verschwinden. Mein Mann würde mir gehörig die Leviten lesen, würde er mich hier sehen. In zwei Stunden brechen wir auf, verstanden?"
    Shenkt lächelte leicht. "Verstanden, Ferlia."
    Ehe sich die Frau abwandte, räusperte sie sich noch einmal. "Erinnere ich dich wirklich an deine Mutter?", fragte sie langsam.
    "Bei den Göttern, nein. Meine Mutter ist ein arrogantes, dekadentes Miststück. Wie der Rest meiner Familie. Ich würde dich zum Sterben zurücklassen, wärst du wie sie. Ich habe das nur gesagt, weil ... na ja, du halt so mütterlich wirkst."
    Erneut ein langer Blick, ehe sie sich schüttelte. "Innos, bei dem Gedanken, dass du mein Sohn wärst ... schüttelt es mich. Und die Lust, mich ins Schwert zu stürzen, wächst."
    "Danke, Ferlia. Du bist ein wahrer Schatz, wirklich."

  5. Beiträge anzeigen #25 Zitieren
    Lehrling Avatar von Shenkt
    Registriert seit
    Apr 2018
    Ort
    Niedersachsen
    Beiträge
    18
     
    Die Waldbruderschaft im Forenrollenspiel
    Shenkt ist offline
    "Gut, Ferlia. Wir sind aufgebrochen. Ich ... kann mir vorstellen, dass es einiges an Überwindung erfordert, das eigene Heim zu verlassen und ins Unbekannte zu ziehen. Mutig, heldenhaft sogar. Aber ... wo hin? Weil, ich weiß nicht, ich das Gefühl habe, dass du uns direkt in die Hafenstadt führst. Khorinis. Drakia, glaub ich, ist doch südlich von hier. Durch dieses Minental.", plapperte Shenkt und lief neben der Frau her. Ein seltsames Paar. Eine kleine Frau mit angegrautem Haar, streng zum Zopf gebunden. Sie trug ein Schwert auf dem Rücken und einen Lederbeutel über der Schulter. Nebenher lief ein Mann, der auf den ersten Blick wie ein Prinz aus dem Märchenbuch aussah. Groß, adrett, ebenmäßige, fast perfekte Gesichtszüge. Das Haar von fast königlichem Weißblond. Aber mit dem Ausdruck eines Angsthasen im Gesicht, eines feigen Trottels, der schüchtern und sinnlos plapperte und plauderte und nuschelte. Ferlia machte nur eine abhackende Handbewegung.
    "Mach den Mund zu, Shenkt, wenn da nichts Nützliches herauskommt", knurrte sie entschieden, "Warst du schon im Minental?"
    Der geflohene Prinz schüttelte langsam den Kopf.
    "Das merkt man. Dort leben Kreaturen und Monster und Orks. Trolle, Echsenmenschen, Drachen ... einfacher ist es da, ein Seil an einem schweren Stein festzumachen, dann an deine Füße zu binden und sich damit ins Meer zu stürzen. Das Tal ist eine Todesfalle, Beliars verfluchte Spielwiese auf Erden!", zischte sie und schritt danach wortlos weiter. Shenkt seufzte nur und folgte ihr. Es dauerte wahrlich nicht lange, ehe er weiter plauderte.
    "Aber Khorinis ... Skarlof wird uns dort auflauern. Dort ist er im Vorteil, das ist sein bekanntes Terrain!"
    Die Frau seufzte genervt. "DU wirst dort auf ein Schiff gehen und verschwinden. Ich hingegen folge dem Weg meines Mannes, der Kämpfe selten gescheut hat. Ich werde bei Skarlof anklopfen und ihn zu einem Duell auffordern. Du musst wissen, Shenkt, dass die Gauner in Khorinis von einem gewissen Ehrgefühl geleitet werden. Es gibt genügend Männer, die es diesem Aas übel nehmen, dass es mich ermorden lassen will. Entweder, sagen sie, führt der Arsch selbst den Dolch oder er lässt es gut sein. Und vor seinen Leuten will Skarlof ja auch nicht das Gesicht verlieren. Heißt: Es wird mit dem Schwert entschieden. Und Skarlof ist bekanntermaßen zwar ein kluger Taktiker, aber ein miserabler Schwertkämpfer. Danach werde auch ich meiner Wege gehen, ganz einfach."
    Lange sah Shenkt zu Ferlia hin, ehe er langsam nickte. Er teilte ihr nicht seine Meinung, seine Gedanken mit. Das sie den einfachen, ehrbaren Weg sah. Jedoch nicht den komplexen, mitunter dreckigen Arbeitsprozess, in dem die Hafenstadt funktionierte. In dieser Hinsicht - obwohl Shenkt ihren Mann nie gekannt hatte - eiferte sie ihrem verstorbenen Gatten zu sehr nach. Und, das wusste Shenkt, das würde sie später noch bereuen.

  6. Beiträge anzeigen #26 Zitieren
    Lehrling Avatar von Shenkt
    Registriert seit
    Apr 2018
    Ort
    Niedersachsen
    Beiträge
    18
     
    Die Waldbruderschaft im Forenrollenspiel
    Shenkt ist offline
    Die Wachen am Tor versuchten lange Minuten, den beiden Reisenden einiges an Gold abzuknüpfen. Erst als Ferlia zu einer Schimpftirade ansetzte, die den Wachhabenden auf den Plan rief - einen Mann, der in dieser Stadt einer der wenigen Menschen war, die noch einen Funken Ehre besaßen - ließ die Miliz sie passieren. Shenkt hatte eigentlich erwartet, dass man sie fortjagte und einen Augenblick lang hatte er sogar darauf gehofft, das dies geschehen würde. Sein Blick ging zu Ferlia, die stoisch und entschieden über den Marktplatz schritt. Das man sie in die Stadt gelassen hatte, war ein weiterer Nagel in ihrem Sargdeckel. Der selbsternannte Chronist schluckte schwer und folgte der Frau weiter durch den Ort.

    Früher einmal - so hatte man Shenkt es erklärt - war die Stadt auch vom Äußeren in drei Bereiche unterteilt gewesen. Das Obere Viertel war grün gewesen, mit frisch getünchten Fassaden und netten Fachwerkbauten. Das Pflaster war sauber gewesen, Müll fast gar nicht zu sehen. Das Handwerkerviertel, in dem viele mittelständische Bürger gelebt hatten, war ebenfalls schön anzusehen gewesen. Das Hafenviertel, nun, das war früher schon kein angenehmer Ort gewesen, dreckig und mit wachsenden Müllbergen in den Nebengassen. Jetzt ... nun, sah alles gleich dreckig aus. Der Bewohner des Oberen Viertels konnte ein genauso verlauster Kerl sein wie der Bursche vom Hafen.
    Ein solcher hielt dann auch Shenkt und Ferlia auf. "Hey, bleibt stehen.", forderte er, "Du bist Shenkt, oder? Klar, hier rennt nur einer mit solcher Frisur rum. Ich führe dich und deine ... Freundin zu Skarlof."
    Ferlia nahm dies lächelnd auf, stieß ihren Begleiter mit dem Ellenbogen an. "Ja, äh ... klar, wir folgen dir.", murmelte dieser nur.

    "Skarlof, hier sind deine Gäste. Der Schreiberling und eine Frau."
    Der kleingewachsene Verbrecher sprang vom Stuhl auf, breitete die Arme aus und lachte entzückt. "Ah ja, mein lieber, teurer Shenkt! Oh, und da die schöne, jung gebliebene Ferlia." Er machte eine spöttische Verbeugung. "Soll ich dein Ziehtöchterchen holen? Der alten Zeiten wegen?"
    Die Bäuerin hob die Schultern. "Du kannst auch einfach Scheiße fressen, Skarlof.", antwortete sie trocken. "Ich will dich herausfordern."
    Shenkt schluckte schwer und trat einen Schritt zur Seite, bereute es zwar ein Stück weit, aber empfand dies als sicheren Plan.
    "Herausfordern? Mich? Du? Eine Frau? In einem Backwettbewerb?", fragte er grinsend.
    "Nein. Mit dem Schwert. Ein ehrliches Duell."
    Erneut lachte der Verbrecher. "Das Duell wäre nicht ehrlich. Wir sind grundverschieden. Wie sieht das denn aus? Dann heißt es überall: Skarlof kämpft nur gegen Weiber, der Feigling."
    Ferlia blickte ihn unverwandt an. "Scheiß auf die Meinung der anderen. Du bist ein Feigling, da du den Kampf scheust. Du hast Angst zu verlieren. Gegen eine Frau." Sie blickte zu einigen anderen Schurken in der Taverne. "Das ist also euer Boss? Der Angst hat, eine Frau zu duellieren, die ihn dazu drängt gegen sie zu kämpfen? Ein Feigling wäre er ja nicht, würde er annehmen, da ich es ja selbst will. Er würde mir nur eine Lektion erteilen." Nach den Worten schwieg sie, hob die Schultern und sah sich erneut um.
    Ein narbenübersäter Riese knurrte leise, ehe er sprach: "Skarlof. Die Vettel will es, also gib es ihr. Du hast 'ne Klinge, sie hat 'ne Klinge. Aber mach die Olle nicht kaputt. Danach will ich ihr noch zeigen, was ich alles kann ..." Lachen in der Taverne. Ferlias Augen glitzerten, da sie wusste, das ihr Plan funktionierte.
    Shenkt stand dort wie ein Matrose, der tatenlos zusieht, wie das eigene Schiff in einem Mahlstrom zerfetzt wird. Er hatte ein ganz miserables Gefühl.

  7. Beiträge anzeigen #27 Zitieren
    Lehrling Avatar von Shenkt
    Registriert seit
    Apr 2018
    Ort
    Niedersachsen
    Beiträge
    18
     
    Die Waldbruderschaft im Forenrollenspiel
    Shenkt ist offline
    Man traf sich an einem relativ großen Platz zwischen den ganzen baufälligen, einfachen Holzhütten, die dem Hafenviertel seinen unschönen, armseligen Charme verliehen. Innerlich spürte Shenkt sich ausbreitende Kälte, während sein Blick über die versammelten Menschen fuhr. Wie ein kleines Fest, ein Spektakel für die Familie. Väter mit ihren verlausten Söhnen, Mütter mit ihren Töchtern. Auf den Dächern, aus den Fenstern der Hütten. Gut und gerne mochten hier an die fünfzig Menschen zusammen gekommen sein, um das Duell zu sehen. Jenes Duell von dem Skarlof sich wenig versprach außer dem Erhalt seiner Macht, Ferlia hingegen setzte auf das Ende des Verbrechers und ihren Frieden. Die Buchhalter erfassten die allgemeine Meinung und machten sie zu Gold. Und Shenkt, nun, Shenkt stand nach wie vor da. Als wäre er in Treibsand getreten, weit und tief genug, dass ein Entkommen nicht möglich war und jede Bewegung ihn nur noch näher an den Tod bringen würde. Er schluckte schwer, versuchte den Kloß im Hals los zu werden.

    Der Schreiber stand auf einer Seite des Rings neben Ferlia, die ihre Klinge schon gezogen hatte und sie anscheinend fachmännisch prüfte. Sie führte einige Hiebe durch die Luft aus, ehe sie zufrieden nickte. Sie wandte sich halb zu Shenkt um ... und lächelte. Sie lächelte wirklich. Etwas, das er seht selten in ihren wenigen gemeinsamen Tagen gesehen hatte. Ein zufriedenes, glückliches Lächeln. Als wüsste sie, dass der Sieg ihrer war. Und in diesem Lächeln steckte auch Aufmunterung. Als würde sie ihm damit sagen wollen: Kopf hoch, Shenkt, bald sind wir hier durch und können tun, was wir wollen. Und dieses Lächeln war es, das einen eisigen, eisernen Pfahl in seine Brust jagte. Als hätte das Schicksal ihm und nur ihm alleine einen kurzen Blick hinter den Vorhang der Zukunft gewährt. Und Ferlias Tod auf diesem Platz gezeigt. Sein Herz raste, Übelkeit machte sich breit. Irgendwo erklang eine Glocke. Ferlia trat vor.

    So wie Skarlof. Der kleine Mann trug ein Rapier. Relativ edel, gute Fertigung, soweit Shenkt das mit seinem ungeschulten Auge beobachten konnte. Dagegen wirkte Ferlias Schwert grobschlächtig und primitiv, wie ein Artefakt aus der Vergangenheit. Während Ferlia ihr Schwert locker gen Boden richtete, wohl um in einem schnellen Aufwärtshieb zuzuschlagen, stellte sich Skarlof in eine klassisch anmutende Fechtposition. Und verharrte. Ferlia hob die Augenbraue.
    "Worauf wartest du, Skarlof? Ich lass dir den ersten Schlag?", spottete sie. Doch der Verbrecher schaute sie nur an, die Lippen zu einer dünnen Linie zusammen gepresst. Schweiß lief ihm bereits über die Stirn. "Nun, wenn du nicht willst, dann komme ich."
    Ihren eigentlichen Hieb führte sie nicht, sondern hob ebenfalls ihre Klinge, nutzte des Gewichts wegen jedoch beide Hände, erhielt so aber auch einen besseren Halt am Griff. Sie stieß vor, schlug zu, als wollte sie die dünne Klinge des Rapiers zur Seite schlagen. Und Skarlof? Wich aus wie ein Blitz, wie ein Gott der Gewandtheit. Obwohl er einige Pfunde zu viel besaß, bewegte sich der Verbrecher mit einer spielerischen Geschwindigkeit und Sicherheit. Da kam Shenkt wieder in den Sinn, was Skarlof dereinst gewesen war, ehe es ihn nach Khorinis verschlagen hatte. Er war Pirat gewesen. Das Kämpfen auf nassem, rutschigen und unsicheren Untergrund gewohnt. Ferlia bemerkte ihren Fehler erst, als die spitze Klinge des Rapiers ihr das rechte Hosenbein aufschlitzte, ebenso wie die Haut und das Fleisch darunter. Blut lief aus der Wunde, tropfte auf den Boden. Unglauben beherrschte ihre harten Züge, ehe sie herumwirbelte, dem Fechter folgte und schreiend zum frontalen Angriff überging. Bei den fünf Lumpen war dies möglich gewesen, da die absolut keinen Schimmer vom Schwertkampf gehabt hatten. Skarlof hingegen - das begriff Shenkt langsam - war ein Fechtmeister. Er tänzelte weg, während Ferlia nach ihm schlug, wich ihren Schlägen, Hieben und Stichen aus. Verpasste ihr immer wieder kleinere oder größere Streiche, bis ihre Kleidung dunkel war vor Blut. Die Kontrahenten lösten sich voneinander, bewegten sich in ihre Ecken.

    Ferlia atmete schwer, spuckte aus. Skarlof schwitzte zwar und atmete etwas schneller, wirkte aber ansonsten völlig ruhig. Seine Züge waren immer noch verbissen, als er sprach.
    "Ferlia. Nutze die Chance. Gib auf. Meinetwegen darfst du in der Laterne arbeiten oder hier irgendwo putzen, mir ist es einerlei. Hauptsache ich bekomme dein Land. Klar?", zischte er und sah sie durchdringend an. "Sonst verspreche ich dir ..."
    Ächzend lachte die Vettel. "Was sonst? Ich werde dich erwischen. Wenn du des Tanzens müde bist, wenn deine Beine aufgeben. Dann werde ich dir mit dieser Klinge den Schädel spalten.", fuhr sie ihn an. Dann drang sie wieder auf den Kampfplatz und ihren Gegner zu. Skarlof schien ernsthaft bedauernd zu seufzen, ehe er einige Schritte vor machte, sich um keine Verteidigung scherte, seine Geschwindigkeit nutzte und der Frau die Spitze des Rapiers direkt in den Kehlkopf rammte. Mit einem Geschick, dass er auch eine Münze hätte aufspießen können. Die Überraschung in Ferlias Augen war riesig. Sie versuchte etwas zu sagen, jedoch drang nur Blut aus ihrem Mund und um die Rapierspitze herum aus der Wunde. Das Schwert entglitt ihren Händen, während Skarlof den Rapier zurück zog, sich mit der blutigen Spitze über die Hose fuhr und sie so säuberte, ehe er die Waffe wieder in ihre Halterung steckte. Ferlia griff sich an die Kehle, Blut floss zwischen ihren Händen, während sie auf ihre Knie fiel, zur Seite umkippte und verblutete. Die Menge jubelte nicht, die Menge feierte nicht. Warum auch? Skarlof hatte irgendeiner Bäuerin nur eine Lektion erteilt. Da sollte man keine Feste feiern.

    Als Ferlia sich nicht mehr rührte, trat Skarlof an Shenkt heran. "Danke, Schreiberling. Nun gehört mir ihr Hof.", grunzte er, "Eigentlich müsste ich dich an die Fische verfüttern, da mir dieser Sieg hier" - er deutete mit dem Kopf auf Ferlias Leichnam - "keine Ehre und keine Sympathie einbringen wird. Aber ... letztendlich hast du getan, worum ich dich gebeten habe. Ferlia zu überzeugen, mir den Hof zu überlassen. Ihr Land. Wohl durch die Ermunterung, dieser Sache ein Ende zu machen. Ah, lieber Shenkt, du bist schon ziemlich perfide, weißt du das? Na, wie dem auch sei. Es geht ein Schiff nach Argaan. Stewark, wohlgemerkt. Du kriegst ein Säckel Gold, etwas Proviant und kannst dich dorthin verpissen." Er klopfte dem Schreiber auf die Schulter, griff dann danach und zog ihn näher heran. Flüsterte ihm ins Ohr: "Und sehe ich dich hier jemals wieder, du Ratte, steche ich dich persönlich ab. Und jetzt verschwinde."

Seite 2 von 2 « Erste 12

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
Impressum | Link Us | intern
World of Gothic © by World of Gothic Team
Gothic, Gothic 2 & Gothic 3 are © by Piranha Bytes & Egmont Interactive & JoWooD Productions AG, all rights reserved worldwide