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Der "Mein zuletzt gelesenes Buch" -Thread #5 [Sig aus]

  1. #381 Reply With Quote
    Bücherwolf  HerrFenrisWolf's Avatar
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    China Miéville - Die Stadt & Die Stadt

    In einem Artikel auf Steam empfahlen die Mitwirkenden an Disco Elysium ein paar Werke, welche Einflüsse auf sie hatten. Neben den Gebrüdern Strugatzki stand da ebenfalls China Miéville. Der Autor war mir eher als Schreiber für Comics geläufig. Dial H For Hero (DC) habe ich von ihm gelesen. Die Stadt & Die Stadt ist ein Kriminalroman von ihm. Was das Setting angeht, so halte ich ihn für absolut außergewöhnlich.

    Stellt euch das geteilte Berlin vor. An der Mauer endet die Welt. Jetzt nehmt diese beiden Städte, die eigentlich eine Stadt sind und faltet sie übereinander, so das Ost und West ineinander verlaufen. Doch die Teilung behaltet ihr bei. So könnt ihr euch Beszel und Ul Quoma vorstellen. Es sind zwei Städte, wo eigentlich nur eine existieren sollte. Die Bürger jeder dieser Städte werden von kindesbeinen an darauf konditioniert, die Bewohner der anderen Stadt, die andere Stadt selbst, nicht zu sehen.

    Keine Magie, keine SciFi-Lösung. Die Bürger dieser Städte sind unter Androhung schwerer Strafe dazu angehalten sich gegneseitig zu ignorieren. Um das zu vereinfachen, sprechen die Städte unterschiedliche Sprachen, verwenden unterschiedliche Alphabete, tragen andere Moden und verwenden unterschiedliche Architektur. Dabei liegen die Städte ineinander. Eine Straßenseite mag Beszel sein, die andere Ul Quoma. Stadtviertel können total einer Stadt gehören, oder durchmischt sein.

    Über die permanente Wahrung der Grenzen wacht die geheimnisumwitterte Behörde "Ahndung", welche in beiden Städten aktiv sein darf. Sie interessiert nur ein Verbrechen, Grenzbruch, denn Grenzbruch mag schlimmer sein als Mord. Mit einem Mord muss sich Inspektor Tyador Borlú auseinandersetzen. Ein Mord bei dem der Verdacht wächst, dass er gar nicht in seiner Stadt begangen wurde.

    Die Stadt und Die Stadt einem Genre zuzuordnen fällt mir schwer. Auf Wikipedia steht, es wäre Science Fiction. Dabei finde ich nichts, was mich an SciFi erinnern würde. Fantasy ist es auch nicht. Bis auf die fiktiven Städte und die außergewöhnliche Gesetzgebung, ist der Roman ganz den Regeln der Realität unterworfen. Für mich ist es ein unheimlich raffinierter Kommentar auf den Wahnsinn von Staatsgewalt, behördlicher Repression, Machterhalt, Nationalismus und imaginären Linien, welche Menschen von einander trennen. China Miéville gelingt mit einem sehr einfachen Gedanken, ein unheimlich spannendes Szenario zu beschwören, welches viel Spannung schon allein aus dem Worldbuilding zieht.
    HerrFenrisWolf is offline

  2. #382 Reply With Quote
    Schwertmeister Viperfdl's Avatar
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    Nördliche Hemispäre auf dem 3. Planeten des Sol-Systems
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    @HerrFenrisWolf
    Klingt interessant. Muß ich mir mal anschauen.
    Viperfdl is offline

  3. #383 Reply With Quote
    Legende der Amazonen Getford's Avatar
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    Im Zuge meines Studiums bin ich über C.S. Lewis gestolpert, den man ja eher wegen den Chroniken von Narnia kennt. Allerdings hat er auch spannende theologische Bücher geschrieben. Dieses Buch sticht ein wenig heraus, den es beschreibt seinen Trauerprozess nach dem Tod seiner Frau. Trauer in Worte zu fassen mag unmöglich sein, aber dieses Büchlein, ohne Vorwort mal gerade 81 Seiten in Din A5, kommt meines Erachtens sehr nah dran.
    Getford is offline

  4. #384 Reply With Quote
    Schwertmeister El Desperado's Avatar
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    Ich wollte dieses Jahr mal wieder Grisham lesen. Nachdem mir "BESTECHUNG" leider gar nicht gefiel, bin ich umso überraschter von "DAS ORIGINAL".
    Hat mir sehr gut gefallen. Irgendwie frisch und leicht. Mir gefällt der Inselflair und die Welt der Buchhandlungen, Autoren und ihrer Bücher.
    El Desperado is offline

  5. #385 Reply With Quote
    Bücherwolf  HerrFenrisWolf's Avatar
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    Arkadi und Boris Strugazki - Die Schnecke am Hang

    Das Hotel zum verunglückten Bergsteiger hatte mich bereits neugierig gemacht. Neben dem Hotel, hatte ich damals auch Die Schnecke am Hang erworben. Den Titel fand ich unheimlich stark. Aber worum geht es eigentlich?

    Es geht um keine Schnecke. Genau genommen, kommt eine Schnecke im Buch gar nicht vor. Der Titel ist eine Anspielung auf ein japanisches Haiku: „Die kleine Schnecke / ganz langsam steigt sie hinauf / auf den Berg Fuji.“ Die Handlung zerfällt in zwei unterschiedliche Stränge. Wir haben die Geschichte des externen Verwaltungsangestellten Pfeffer. Dieser arbeitet in der Behörde, welche den geheimnisvollen Wald beaufsichtigt und erforscht. Eigentlich möchte er den Wald gern besuchen, erhält dafür aber keine Genehmigung. Im Gegenteil sein Visum droht abzulaufen. Für ihn ist der Wald das zum greifen Nahe, aber eben doch so ferne Mysterium.

    Der andere Strang der Geschichte, folgt einem Mann namens Kandid. Kandid war ein Angestellter der Verwaltung, der mit einem Hubschrauber im Wald abstürzte. Nun lebt unter den Eingeborenen des Waldes und versucht den Wald wieder zu verlassen. Besagter Wald ist ein wundersamer Ort, in dem es angeblichen springende Bäume und Nixen geben soll und durch den manchmal ein lila Nebel weht.

    Schnecke am Hang ist ganz wunderbar geschrieben. Es ist wunderbar absurd. Sowohl die Verwaltung als auch die Eingeborenendörfer im Wald sind erfüllt von nicht nachvollziehbaren Betätigungen, die trotzdem nah am Leben sind. Da sind die Menschen, die fortwährend in Zirkelschlüssen argumentieren, ihr Wertesystem aus völlig überflüssigen Anekdoten ableiten und ganz allgemein recht verschroben wirken. Das passt nicht nur wunderbar in die Geschichte, ich kann es nachfühlen. Nun habe ich umso größere Lust, auch noch einen dritten Roman der Gebrüder Strugatzki zu lesen. Es ist ein kluges Buch, mit einer sehr starken Metapher.
    HerrFenrisWolf is offline

  6. #386 Reply With Quote
    Ritter Kalkihe's Avatar
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    Das Buch habe ich in einem öffentlichen Bücherregal gefunden und war sofort interessiert daran, da ich Kriminalromane, die nicht allzu sehr mit der Polizei zusammen hängen, sehr mag.

    Eine Frau, die ein trauriges Leben führt, wird zu der Hochzeit einer Freundin auf Gibraltar eingeladen, verschwindet auf der Hinreise in London jedoch spurlos. Jahre später soll besagte Freundin, eine ehemalige Journalistin, sich erneut mit dem Fall befassen und kommt dafür nach London. Dabei verstrickt sie sich immer tiefer und bringt dunkle Geheimnisse ans Licht.

    An sich ein Buch mit einem guten Start. Es verennt sich jedoch in der zweiten Hälfte irgendwie in Klischees und ist im letzten Viertel einfach nur noch langweilig, da die größten Handlungsbögen abgebaut sind. Es versucht am Ende nochmal mit einem großen Knall zu enden, doch der Effekt wollte mir bei nicht richtig zünden. Schade. Ich dachte, ich hätte eine neue Autorin gefunden die meinen Geschmack trifft, aber da bin ich mit Charlotte Link wohl an der falschen Stelle.
    Kalkihe is offline

  7. #387 Reply With Quote
    Bücherwolf  HerrFenrisWolf's Avatar
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    Fjodor Dostojewski - Der Spieler

    Einer weiteren Autoren-Empfehlung aus meinem Bekanntenkreis folgend, las ich meinen ersten Dostojweski. Ich gebe zu, dass ich Der Spieler wählte, weil es das dünnste seiner Bücher in der Buchhandlung war. Gemäß dem Fall, es würde mir nicht gefallen, wäre es trotzdem kein Problem ihn durchzulesen. Meine Ausgabe hat etwa 160 eng bedruckte Seiten.

    Wir folgen den Aufzeichnungen von Aleksej Iwanowitsch in der Ich-Form. Aleksej ist als Hauslehrer bei der Familie des Generals angestellt. Der General ist hoch verschuldet beim Franzosen de Grieux. Der engste Kreis um den General wartet nervös auf ein Telegramm aus Moskau, über den Tod der vermögenden Großtante, welche man zu beerben hofft. Aleksej wiederum ist unglücklich in die Stieftochter des Generals Paulina verliebt. Standort der Familie ist ein Hotel im fiktiven Roulettenburg, wo sich Kurgäste ungestüm dem Roulette hingeben. Im Laufe der Geschichte werden enorme Summen gewonnen, verloren, wieder erspielt und durchgebracht. Das Glücksspiel ist nicht Dreh- und Angelpunkt der Handlung, sondern eher die Verwicklungen um die Familie, aber es ist der Motor. Gewissermaßen sind alle Figuren der Geschichte Spieler, denn sie alle wetten auf das eine oder andere Ereignis in der greifbaren Zukunft.

    Was mich überraschte, wie lustig ich dieses Buch fand. Die Situation ist bei aller Tragik wunderbar komisch. Warum kann ich gerade gar nicht so genau wiedergeben. Aleksej Iwanowitsch's Gefühlsleben ist für mich die meiste Zeit über nachvollziehbar und in Momenten diebischer Freude gegenüber dem General oder dem Rest der Bagage, freute ich mich mit ihm. Der Spieler ist ein empfehlenswertes Buch und sorgt für einige Kurzweil. Gern lese ich einen weiteren Dostojewski.
    HerrFenrisWolf is offline

  8. #388 Reply With Quote
    Schwertmeister Viperfdl's Avatar
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    Nördliche Hemispäre auf dem 3. Planeten des Sol-Systems
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    EINE REISE ZU DEN STERNEN - ERFÜLLUNG EINES MENSCHHEITSTRAUMS ODER ALBTRAUM DER MENSCHHEIT?

    Ed Walkers letzte Mission endete beinahe in einer Katastrophe. Zwar konnten er und seine Crew sich retten, doch nun fürchtet er, als der Astronaut in die Geschichte einzugehen, unter dessen Kommando die Internationale Raumstation ISS zerstört wurde. Daher kann er sein Glück kaum fassen, als er die erste bemannte Weltraummission an den Rand des Sonnensystems anführen soll.


    Mit an Bord ist auch der junge Wissenschaftler David Holmes, der das mysteriöse Verschwinden dreier Raumsonden untersucht. Doch als das Raumschiff den interstellaren Raum erreicht, lautet die wichtigste Frage der Menschheit nicht mehr: Sind wir allein im Universum? Sondern: Sind wir bereit für die Wahrheit?
    Der Titel bezieht sich aufs sogenannte Fermi-Paradoxon. War ganz nett zu lesen, wenn ich mich mal darauf konzentrieren konnte.
    Viperfdl is offline Last edited by Viperfdl; 09.03.2020 at 11:52.

  9. #389 Reply With Quote
    Drachentöter ANTI's Avatar
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    nach Ritus und Sanctum eine gelungene neue Geschichte, in der allerdings auch Charaktere aus den anderen zwei Büchern auftauchten. Sehr interessant und spannend
    ANTI is offline

  10. #390 Reply With Quote
    Bücherwolf  HerrFenrisWolf's Avatar
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    Arkadi und Boris Strugazki - Picknick am Wegesrand

    Nach der Schnecke am Hang konnte ich nicht widerstehen und wollte Picknick am Wegesrand lesen. Es ist ein sehr kurzes Buch. Die Geschichte hat knapp 184 Seiten und dann folgt ein Aufsatz von Stanislaw Lem zum Thema Science-Fiction, der auch die Geschichte der Strugatzkis aufgreift. Ich habe den Aufsatz nicht ganz gelesen, fand seine Gedanken aber bisher zustimmbar.

    Die Welt von Picknick am Wegesrand ist unsere, mit dem Unterschied, dass der Besuch stattfand. Der Besuch war das kurzzeitige, direkte Einwirken einer außerirdischen Zivilisation, an mehreren Punkten auf dem Planeten Erde. Dabei fanden viele Menschen den Tod und es blieben mehrere, entvölkerte Zonen zurück, in denen sich noch Relikte des Besuchs finden. Diese Relikte sind gefährlich. Oft handelt es sich um physikalische Ausnahmeerscheinungen, wie sprunghafte Temperaturwechsel, aus dem nichts kommende Blitze, konzentrierte Gravitation etc. Ebenfalls finden sich unter diesen Reliketen außerirdische Artefakte, deren Natur den Stand menschlicher Technik um vieles übersteigt.

    Diese Artefakte sind für Institute von Interesse, die unter dem Schutz der UNO, die Zonen erforschen. Es gibt aber auch einen Schwarzmarkt für sie. Besonders die Schatzsucher (Schmuggler) prägten mit der Bennenung der außergewöhnlichen Artefakte und Phänomene, eine gewisse Folklore um die Zone. Es ist oft die Rede von Hexensülze, donnernden Servietten, Fliegenklatschen und schwarzen Spritern.

    So begleitet der Großteil des Buches Roderic Schuchart, genannt Red bzw. Rotfuchs. Red ist ein Schatzsucher, was im Original Stalker/Сталкер heißt und auch so viel wie Wegführer bedeuten kann. Er arbeitet für das Institut und führt Forscher auf sicheren Pfaden durch die Zone. Seine Vergangenheit als Schatzsucher bescherte ihm bereits eine Haftstrafe wegen Schmuggels. Das Buch begleitet sein Schicksal vom 23sten Lebensjahr an, bis in seine 30er. Natürlich springt es dabei häufiger. Wir verfolgen dadurch auch gesellschaftliche Veränderungen in der Kleinstadt nahe der Zone und den Umgang mit den Artefakten.

    Als ich einem Freund von der Southern Reach Trilogie erzählte, meinte er frech: "Klingt wie ne Kopie von Picknick am Wegesrand." Dabei hatte er weder das eine, noch das andere gelesen. Sicher, die Grundprämissen sind sich ähnlich. Beide Werke spielen sie allerdings anders aus und so erwachsen zwei sehr unterschiedliche Geschichten aus ihnen. Keine von beiden möchte ich missen. Ähnliches könnte man in einem Vergleich mit Die Schnecke am Hang sagen.

    Picknick am Wegesrand ist die literarische Vorlage zum Film Stalker. Ein Film der drei Mal gedreht werden musste und angeblich dem Regiesseur und anderen Mitwirkenden schließlich ihr Leben kostete. Der Film bezieht sich hauptsächlich auf das Ende des Buches und holt auf dessen Basis andere Ideen und philosophische Gedankenspielereien in den Vordergrund, um die es im Buch nur bedingt geht. Sowohl Buch, als auch Film, dienten mit dem GAU in Tschernobyl als Inspirationsquellen für das Videospielfranchise Stalker.

    Picknick am Wegesrand ist ein starkes Stück SciFi-Literatur, welches ich als Klassiker jedem empfehlen kann.
    HerrFenrisWolf is offline

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