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    *Piep-piep-piep*

    Drei hochfrequente, schnell aufeinander folgende Pfeiftöne, zerrissen die schläfrigen Nerven. Hanna wachte auf. Helles Licht flutete durch die großen Panoramafenster und schien ihr direkt in die blinzelnden Augen. Sie rieb sich das Gesicht und setzte sich auf. Das Piepen ertönte schon wieder, diesmal klarer aber weniger laut.
    Hanna griff blind auf den Nachttisch. Schnell fand sie die kleine, orangene Pillendose. Sie schnippt den weißen Deckel ploppend auf und schüttet sich einige helle, in der Mitte gekerbte Pillen in die Hand.
    Drei sind zuviel“, dachte sie und ließ eine der Pillen zurück in die Dose gleiten. Die anderen Beiden warf sie sich mit müdem Blick in den trockenen Mund. Hanna suchte etwas zu spühlen, ihre verschlafenen Augen erspähten drei Flaschen aus dunkelgrünem Glas, welche ebenfalls auf ihrem Nachttisch standen. Sie griff nach der Einzigen deren Inhalt noch aus etwas Flüssigem zu bestehen versprach. Das schale Bier darin war noch zu einem Viertel enthalten. Sie setzte den pappigen Flaschenhals an die Lippen und nahm zwei kräftige Schlucke. Emotionslos würgte Hanna die Tabletten runter. Bald würden die Kopfschmerzen, die durch das lästige Piepen des Nachrichtenterminals hervorgerufen worden waren, verklingen. Nochmals fuhr sich Hanna mit der blanken Hand durchs Gesicht, streifte sich ein paar Haare nach hinten und erhob sie aus dem großen, mit weißen Decken und Kissen ausstaffiertem Bett. Sie kratzte sich an ihrer Pobacke und sah sich im Schlafzimmer um. Überall auf dem Boden lagen Klamotten verteilt, hin und wieder auf eine leere Flasche, sowie eine fettige Schachtel mit übrig gebliebenen, angekauten Pizzalappen.

    Hanna griff nach einem am Boden liegenden T-Shirt, zog es an und wiederholte die Prozedur bei dem danebenliegenden String. Dann tat sie ein paar vorsichtige Schritte. Dabei stellte sie fest, dass sie nur eine der schwarzen Socken des Vorabends an ihrem Fuß hatte.

    *Piep-piep-piep*

    Ja, verdammt! Ich bin ja schon wach!“, maulte Hanna und schlufte genervt ins Nebenzimmer. Die nackte Schönheit, deren blauer Körper zwischen den verwuschelten Lacken ihres Bettes schlief, ignorierte sie.

    Langsam verschwanden die Kopfschmerzen. Auf dem Bildschirm blinkte die Anzeige „Incoming call“ in ekelhaft hellen, gleißenden Buchstaben. Hanna berührte den Display, der daraufhin kurz flackerte. Dann erschien das Bild eines jungen, gut aussehenden Mannes in blauer Uniform. Die im Hintergrund sichtbaren Symbole und die hörbare Betriebsamkeit an dem Ort identifizierten den Anrufer zusätzlich als einen Officer von C-Sicherheit.

    Guten Morgen, Schlafmütze!“, sagte der Mann auf der anderen Seite munter.
    Halt die Klappe, Will!“ , entgegnete Hanna schroff. Der Mann, dessen vollständiger Name William Charles Hunter lautete, grinste breit.
    Na wir haben heute aber mal wieder wunderbare Laune! Schau mal raus! Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern...
    Hanna verschwand von dem Bildschirm, tauchte aber wenige Sekunden später wieder vor ihm auf, in der Hand eine Schachtel Zigaretten.
    Was willst du? Ist irgendwas los, oder hattest du nur Sehnsucht?
    Hanna schob sich eine Zigarette zwischen die Lippen und klickte ein paar mal mit dem silbernen Feuerzeug, dass sie in die andere Hand genommen hatte.
    Fuck!“, fluchte sie murmelnd, als sich nicht sofort eine Flamme entzündete. Diese alten Benzinfeuerzeuge waren stilvoll, aber nicht immer zuverlässig. Schließlich sprang doch ein Funke über und entfachte das kleine Feuer. Sie zündete sich die Kippe an, während Will weitersprach: „Hmm, 60 zu 40!“, er zwinkerte schelmisch, fuhr dann aber ernst fort: „Commander Verox hat einen Job für uns. Mach dich fertig, wir sehen uns in einer Stunde im HQ!

    Der Bildschirm-Will winkte kurz, dann zitterte das Bild und verschwand. Hanna seufzte.
    Ein weiterer Tag in der Hölle, grummelte sie missmutig. Dann schlurfte sie, die Zigarette im Mund, zurück zum Schlafzimmer. Die Asari schlief noch immer. Sie lag auf dem Bauch und atmete leise. Die Decke war schräg von ihren Kniekehlen hochgezogen, sodass nur die Waden und der rechte Arm von ihr verdeckt waren. Die gesamte Rückseite lag bar vor Hannas Augen. Diese zog einmal kräftig an ihrer Kippe, blies den Rauch mit Druck durch ihre Nase aus und nährte sich dem Bett.

    Hey! Zuckerschnecke. Aufwachen!“, sagte sie und tippte dem graziösen Wesen zwischen die Schulterblätter. Sie schlief weiter und gab nur ein paar entspannte, murmelnde Laute von sich. Hanna gab ihr daraufhin ein paar sanfte, aber bestimmende Klapse auf den blauen Hintern, was die Asari tatsächlich zum Öffnen ihrer Augen bewegte. Mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck drehte sie sich um und räckelte sich.
    Guten Morgen, hauchte sie und lächelte Hanna an.
    N´ Morgen!, erwiderte diese. Während die Asari genüsslich alle Glieder von sich streckte, was diese mit einem lösenden Knacken quittierten, umrundete Hanna das große Bett, Ausschau haltend nach der zweiten Socke.
    Hast du auch eine für mich?, fragte die Asari und nickte zu der Zigarette in Hannas Mund. Hanna griff sich an die nacken Oberschenkel, wo sonst die Schachtel in der Hosetasche steckte. Als ihr auffiel, dass sie ja noch keine weitere Kleidung trug, zog sie nochmal kräftig an dem Glimmstängel und reichte ihn dann der Blauen.

    Oh!, stieß diese überrascht aus, streckte das gerade unter der Decke hervorgezogene Bein in die Höhe und präsentierte die fehlende, an ihrem Fuß steckende, schwarze Socke. Dabei zeigte sie Hanna Alles.
    Ah, die hab ich gesucht! Besten Dank auch!, raunte sie monothon und zog den Seidenstrumpf von dem zierlichen Fuß der Asari ab. Ein Geruchstest war nicht notwendig und so steckte Hanna nun ihren Fuß in den weichen Stoffmantel.
    Gibt´s Frühstück?, fragte die Asari in kitschigem, ihrem Alter nicht angemessenen Tonfall.
    Sicherlich. Aber nicht hier..., antwortete Hanna. Entrüstet sah ihr Übernachtungsgast sie an.
    Wie? Willst du mich jetzt einfach rausschmeißen?
    Ich muss. Ich hab zu arbeiten!, erklärte Hanna geduldlos und ruderte aufscheuchend mit ihren Armen. Empört sprang die Asari auf und mit wütendem Ausdruck im Gesicht begann sie, ihre Sachen vom Boden des Appartments aufzusammeln.
    Ich glaub´ da hinten hab ich auch noch was von dir gesehen!, rief Hanna helfend und deutete Richtung Wohnzimmer. Obwohl es der Wahrheit entsprach, schaute die Asari Hanna giftig an, ehe sie ihre Habe von Hannas Sofa pulte.
    Hör zu, wenn du willst mach ich dir ein Kaffee, bot Hanna an, doch die Asari überhörte sie einfach, sammelte den Rest ihrer Sachen auf und stürmte Richtung Ausgang. Kurz bevor sie durch die Tür schritt, drehte sie sich nochmals um und zeigte Hanna den Mittelfinger, ein seitdem die Menschheit in der Galaxie aufgetaucht ist, allseits anerkanntes Zeichen der Missachtung.
    Na gut, kein Kaffee für dich, Herzchen, wisperte Hanna, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, ob sie sich falsch verhalten habe.

    Während der Kaffee durch den Automaten lief, gurgelte Hanna kurz mit etwas Wasser, das mit drei Tropfen einer synthetischen Flüssigkeit versetzt war, welche das lange Zähneputzen vollkommen unnötig machte. Außer man gehörte zur High-Society wo ein fünfminütiges Schrubben mit Zahnbürstern der neuesten Massenfeldgeneration zum Trend geworden war. Hanna spuckte das Wasser in das Waschbecken, klatschte sich danach eine Hand kalten Wassers ins Gesicht und knotete ihre ungebürstete und stuppige Mähne zu einem lockeren Dutt zusammen.

    Den Kaffee exte sie in drei Schlucken, was sie im Nachhinein sehr bereute, war er doch viel zu bitter gewesen und der Geschmack des Zahnputzwassers noch zu frisch. Aber ein Morgen ohne Kaffee war ein verlorener Morgen. Sie öffnete ihren in die Wand eingelassenen Kleiderschrank und griff wahllos nach einer Hose. Der Zufall wählte eine Stoffhose mit Beintaschen in militärischem, schwarz-grauen Tarnmuster aus, in welche Hanna rasch schlüpfte, dann ihren Waffengurt umschnallte und die Holster an den Oberschenkeln festclipste. Die Citadel hatte neben der Erde und einer Handvoll menschlicher Kolonien die strengsten Waffengesetze in der Galaxie. Ihr als Mitglied der polizeilichen Behörde jedoch war es gestattet die Waffen an jedem Ort der riesigen, schwebenden Stadt zu tragen.

    Schnell stopfte sich Hanna die üblichen Gegenstände in die unnormal tiefen Taschen der Hose und verlies das unaufgeräumte Appartment. Die Unordnung würde auch noch da sein, wenn sie wieder zurückkehrte, da brauchte sie sich keine Sorgen oder Illusionen machen.

    Willkommen, Agent Ilias, sagte eine synthetische Stimme mit simuliertem, emotionalem Tonfall, als sie in ihr Skycar stieg.
    Bitte Ziel eingeben, sagte die Stimme, welche die einer Frau nachahmte.
    C-Sicherheit, Hauptquartier, wies Hanna an.
    C-Sicherheit, Hauptquartier. Bestätigt! Ich wünsche einen angenehmen Flug!
    Das Skycar brummte kaum merklich, als die Turbinen zündeten. Dann begann es auch schon zu schweben und gliederte sich mühelos in den nie enden wollenden Strom automatisch gelenkter Flugobjekte ein.
    Shepard Commander is offline Last edited by Shepard Commander; 29.01.2015 at 16:38.

  2. #2 Reply With Quote
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    Hanna war spät dran, als sie die Haupthalle von C-Sicherheit betrat. Sie trat aus dem Lift, der an einen Strohhalm erinnerte, heraus. Dessen vollverglaste Tür schloss sich zischend hinter ihr. Dem Lift direkt gegenüberstehend befand sich ein großer Schreibtisch in der Form eines kreisrunden s. In dessen Mitte saß eine Asari, deren tiefblaue Haut sich kaum von der Farbe ihrer Uniform unterschied. Hanna trat an den Tisch heran.

    Svetlana“, grüßte Hanna.
    Savella!“, korrigierte die Asari kurz angebunden. Anscheinend kannte sie das Spiel bereits, ließ sie sich doch zu keiner missmutigen Miene hinreißen.
    Ich soll sie zu Commander Verox schicken, Agent Ilias, fuhr sie ohne Umschweife fort.
    Ist er in seinem Büro?
    Die Asari nickte. Hanna klopfte kurz mit den Fingerknöcheln auf den Tisch, dessen Oberfläche ein glasähnlicher Verbundstoff war und diamantengleich im gleißenden Licht der Deckenbeleuchtung glitzerte.

    Hanna durchquerte die von rotblättrigen Bäumen gesäumte Eingangshalle und steuerte auf eine automatische Tür zu, an deren Seite zwei bewaffnete Salarianer in derselben Uniform wie die Empfangsdame standen.
    Gentlemen!“, sagte sie im Vorbeigehen. Die Salarianer schwiegen und schauten sie mit ihren großen, ausdruckslosen Augen an. Dann war sie schon an ihnen vorbei und durch die aufgleitende Tür verschwunden. Sie folgte dem röhrenähnlichen Gang bis zum Ende. Der Raum, in den der Gang führte, war von länglichem Grundriss aber unnatürlich rundlich, mit vielen kleineren Einbuchtungen für Büros. Früher hatte es Hanna verwirrt, doch mittlerweile nahm sie die architektonischen Besonderheiten der Citadel als gegeben hin. Zur ihrer Rechten befanden sich vier geöffnete Türen, welche zu unterschiedlich großen Büros führen. Direkt Links von ihr war eine einzelne Tür hinter der sich ein Verhörzimmer befand. Der Rest der linken Seite wurde von einem blasenförmigen, hellen Raum eingenommen, indem sich graugepolsterte Sitzgelegenheiten sammelten und wo Bürger warteten, um ihre Anliegen den in den Büros arbeitenden C-Sicherheit Officers vorzutragen. Hanna ging mit langen Schritten an dem „Wartezimmer“ vorbei, indem sich bereits mehrere Personen tummelten. Vor dem Eingang zum letzten Büro stand Will Hunter. Die Erleichterung, die in sein Gesicht trat als er Hanna sich näherte, war unübersehbar.

    William Charles Hunter war einer der wenigen anderen Menschen, die im Präsidiumsbezirk arbeiteten. Obwohl die Rettung des Citadel-Rates durch die Allianzflotte der Menschheit einen Sitz in eben jenem Rat und mehrere Einstellungen in der Polizeibehörde erkauft hatte, bestand der Großteil der C-Sicherheits-Kräfte weiterhin aus Turianern, gefolgt von den Salarianern. Die Asari bildeten mittlerweile allerdings den zahlenmäßig geringsten Teil der Behörde. Menschen wie William Hunter jedoch waren ein Paradebeispiel für die Ideale der Menschheit und ihren würdigen Platz in der galaktischen Gemeinschaft. Er trug die Uniform von C-Sicherheit mit demselben Stolz, wie ein überzeugter Soldat die seiner Streitkräfte und er hielt sich stets an die Dienstverordnung. Zu jeder Zeit ging von William eine unumstößliche Aura der Autorität und des Vertrauens aus, was er zweifellos seiner kräftigen, geraden Statur und seinen ehrlichen Augen zu verdanken hatte.

    William verlor nie die Fassung, wenngleich man ihm bei näherem Betrachten schon ansehen konnte, ob er nervös oder verunsichert war. So wie jetzt gerade zum Beispiel. Hanna schritt auf Will zu, der merklich durchatmete und seine Gedanken ordnete. Williams rabenschwarze Haare waren adrette geschnitten und gekämmt, sein markantes Kinn glatt rasiert und die Kotletten scheinbar nach dem Lineal gestutzt. Seine blaue Uniform saß wie angegossen und zeigte keine Spuren von Verunreinigung. Im Dienst trug Will einen Informationsvisor, der sein rechtes Auge bei Bedarf mit Details über die Umgebung, Objekte und Substanzen und sogar verdächtige Personen versorgte. An seiner Seite hing eine komprimierte Pistole der Marke Kessler, eine Standartausfertigung für C-Sicherheit. Obwohl Will bei jeder Schießübung die besten Ergebnisse vorweisen konnte, bestand er darauf nur die einfachste und unscheinbarste Art der Bewaffnung zu tragen.
    Wir als Officers sollten stets im Interesse der friedlichsten Lösung handeln und deeskalierend wirken. Unsere beste Waffe ist unsere Überzeugungskraft!“, hatte er einmal zu Hanna gesagt. Für diesen Satz hatte sie ihn ausgelacht und es ihm noch zwei Wochen später unter die Nase gerieben. Hanna vertraute da eher auf ihre beiden modifizierten M-5 Phalanx Pistolen, welche sie, in Tiefziehholstern sowohl am rechten, als auch am linken Bein trug und demonstrativ zur Schau stellte.

    Will streckte die Brust raus und hielt die Hände aus dem Rücken, als Hanna ihn erreichte. Er bemühte sich, so autoritär wie möglich auszusehen, vielleicht in der Hoffnung sie würde sich für die Verspätung entschuldigen. Hanna trat an ihn heran. William, der fast an die 1.90 reichte, schaute erwartungsvoll zu ihr herab. Seine Augen schraubten sich in die ihren und er versuchte nicht zu blinzeln. Hanna hielt dem Blick stand, begann dann belustigt zu schnauben und boxte ihrem Partner sachte in den Bauch.
    Was ist los, Will? Hast du Verstopfung?“, scherzte sie ohne einen Funken Ernsthaftigkeit.
    Ja, mir liegt tatsächlich etwas schwer im Magen, Hanna!“, antworte Will gereizt.
    Äh, ja. Das war eigentlich als Scherz gemeint…“, sagte Hanna und verzog das Gesicht.
    Nein! Nein, das meine ich gar nicht! DU! Du liegst mir schwer im Magen! Ich hatte dich gebeten sofort aufzubrechen, weil Verox uns sehen will! Und was machst du? Du kommst 20 Minuten zu spät! Egal! Komm, wir sollten den Commander nicht warten lassen…“.

    Und ohne ein weiteres Wort zu verlieren schob er Hanna leicht Richtung Tür. Hanna zog mit und schritt zu dem Büro, das etwa 15 Meter hinter der Tür lag und durch eine zweite, ebenfalls geöffnete Tür, betreten werden konnte.
    Special Agent Hunter, Agent Ilias, herein mit ihnen!“, befahl der Commander gereizt. Die beiden Officers traten vor. Will nahm eine militärische Haltung ein und salutierte.
    Lassen Sie das sein, Junge!“, fuhr ihn Verox an. „Nach der Verspätung hilft ihnen auch kein pseudo-militärisches Getue!“ Dann wandte er sich an Hanna und musterte sie abschätzend.
    Verdammt Agent Ilias! Wie oft habe ich ihnen schon gesagt, sie haben die offizielle Uniform zu tragen, wenn sie im Dienst sind! Wie soll man sie denn als Officer erkennen, wenn sie so rumlaufen?

    Verox Stimme war scharf und direkt, aber auch mit dem Unterton eines erfahrenen Veteranen besetzt. Sie hallte seltsam nach und klang irgendwie metallisch.
    Soll man doch gar nicht, Sir“, konterte Hanna. Verox schnaubte verächtlich.
    Kein Wunder, dass die Menschen so schnell gegen uns verloren hatten. Keine Disziplin!
    Als Antwort darauf hob Hanna nur abschätzig eine Augenbraue.

    Sie kannte die uralten Tiraden des Commanders über den längst beendeten Erstkontakt Krieg und die Unfähigkeit des menschlichen Militärs bereits zur Genüge. Verox war damals ein junger Soldat gewesen und hatte viele Gefechte gegen die Menschen miterlebt. Seine Einstellung ihnen gegenüber hatte sich seither nicht groß geändert.

    Bevor die Situation sich noch weiter zuspitzte sprang William ein und fragte eilends:
    Sie sprachen von einem Auftrag, Commander?
    Verox ließ von Hanna ab und schaute William an.
    Sehr richtig, Special Agent!“, er betonte Williams Rang mit Nachdruck. Hanna verzog die Mundwinkel genervt.
    Williams Vater war auf der Erde ein hohes, politisches Tier und hatte seinem Sohn ein erstklassiges Studium finanziert. Ebenfalls hatte er seine Beziehungen spielen lassen, um William eine der ungefährlicheren Stellen bei C-Sicherheit zuzuspielen, welche aber gute Aufstiegschancen bot. William war erst halb solange dabei wie Hanna, stand im Rang jedoch bereits über ihr. William selbst machte sich daraus nichts, Verox aber liebte es Hanna damit aufzuziehen.

    Sie beide begeben sich hinunter zum Zakera Bezirk, dem von diesem Bailey Menschen! Keine Ahnung wer den als Captain wollte…
    Welche Ermittlungen führen und dorthin? Der Zakera Bezirk liegt doch eigentlich nicht in unserem Bereich“, fragte Will pflichtgemäß. Verox funkelte zornig.
    Denken Sie das wüsste ich nicht? Wollen Sie mir jetzt meinen Job erklären, Hunter?“, fuhr er ihn garstig an. Will sagte gar nichts, sondern blickte Verox einfach an.

    Noch vor knapp einem Jahr hätte er versucht sich dem Commander gegenüber zu rechtfertigen und wäre noch kleiner gemacht worden. Irgendwann hatte Hanna ihn mal beiseite genommen und erklärt, dass es bei solchen Personen nur eine einzige Chance gab, den aufkommenden Wind nicht zu einem Sturm werden zu lassen: einfach stumm geradeaus gucken und den Mund halten.

    Wenn Sie denn keine weiteren Einwände haben, würde ich gerne fortfahren!“, sagte Verox gereizt. Er tippte auf ein paar Tasten auf seinem Terminal herum und kurz darauf gaben die Omnitools der beiden Officers ein leises *Ping* von sich.
    Das sind die Eckdaten! Es handelt sich um einen Mordfall an einem Diplomaten der Menschen. Was er da unten gesucht hat, wissen wir noch nicht. Ich will, dass sie Beide sich dessen annehmen und herausfinden, wieso er dort unten ermordet wurde, klar?
    Hanna und Will nickten.
    Sie werden zu einer der Lagerbuchten des Bezirkes fahren, dort haben Baileys Leute den Tatort abgesperrt und die Leiche versiegelt! Irgendwelche Fragen? Nein? Gut, dann wegtreten!

    Hanna machte auf der Stelle kehrt und ging Richtung Ausgang, während Will nochmals ins „Achtung“ ging und salutierte. Verox kannte Hannas bockige Art, störte sich mittlerweile aber nicht mehr an ihr.

    Nehmen wir dein Skycar, oder meins?“, fragte Will enthusiastisch, während sie auf dem Weg zu den internen Parkplätzen waren.
    Natürlich deins, Special Agent!“, betonte Hanna. Will grinste erfreut darüber, dass zwischen ihm und Hanna alles wieder in Ordnung war. „Na dann los!
    Heiz schon mal die Triebwerke vor. Ich geh noch kurz kacken!“, entgegnete Hanna trocken. Dann lachte sie laut, über Wills resignierendes Kopfschütteln.
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    Das leise Brummen der Triebwerke erstarb gemächlich, als das blau-weiß lackierte Skycar seine Landeposition eingenommen hatte. Die Portaltüren des Shuttles öffneten sich mit einem hydraulischen Pfeifen und die beiden Officers stiegen aus.
    Sie waren, wie vom Commander angewiesen, in einem Lagerbezirk von zyklopischem Ausmaß. Bunte Kisten und Container stapelten sich hoch wie Mauern und ließen nur wenige, verwinkelte Gänge frei, die durch Leitlinien am Boden gekennzeichnet waren. Ihr Shuttle wurde offenbar schon erwartet, denn eine mechanische Einheit kam in stelzender Bewegung auf die Beiden zu. Sie hatte dieselbe Farbe wie das Skycar, gehörte also zu C-Sicherheit. Anstelle eines Gesichts hatte der Roboter ein blankes Interface, das aufblitzte und einen Link zu den Omnitools von Will und Hanna aufbaute. Um den Vorgang zu visualisieren blinkten helle Linien auf dem Display des Roboterkopfes.

    Guten Tag, Special Agent Hunter und Agent Ilias“, sagte eine Stimme, die so erbärmlich nach Computer klang, dass Hanna amüsiert auflachte. Die mechanische Stimme brabbelte weiter: „Ich wurde angewiesen sie zu dem Tatort zu geleiten. Bitte folgen sie mir!
    Dann drehte der Roboter sich um und begann los zu stöckeln. Die Bewegungen erinnerten Hanna unweigerlich an Marionetten, wie sie die Menschen vor über 200 Jahren bei Puppentheatern verwendet hatten. Da die beiden Officers sich gegenseitig fragend ansahen und der Einheit nicht sofort folgten, drehte diese sich nach etwa zehn Metern um und wiederholte bleiern:
    Bitte folgen sie mir!

    Will setzte sich daraufhin in Bewegung, wenngleich er ebenso ungläubig wie Hanna über dieses altmodische Gerät war. Sogar die mittlerweile aussterbenden LOKI-Mechs von Hahne-Kedar bewegten sich flüssiger und verfügten über eine angenehmere Stimmenausgabe. Hanna schüttelte schweigend den Kopf und griff in ihre Tasche.

    Komm schon!“, rief Will ihr zu, der nun an der Seite der sich wieder bewegenden Blechpuppe ging. Hanna folgte dem ungleichen Paar, während sie ihre Zigarettenschachtel aus der Hosentasche beförderte, eine Kippe per Klopfen aufspringen ließ, die Schachtel an den Mund führte und die Zigarette mit den Lippen umschloss. Sie steckte die Schachtel ein und zog an deren Stelle ihr Feuerzeug hervor.
    Komm schon, trödle nicht so herum!“, rief Will. Hanna steckte sich die Kippe an und schloss im Eilmarsch auf.
    Der Roboter führte sie, mit auf dem metallischen Lagerboden klackenden Schritten, durch die manchmal nur schulterbreiten Gassen des Lagers.

    Ein guter Ort um Kroganer abzuhängen…, dachte Hanna, als William seinen Körper etwas schräg neigen musste, um durch die beklemmende Enge der Kisten schlüpfen zu können. Endlich gelangen sie an den mit virtuellen Absperrbändern gesicherten Tatort. Der Roboter blieb wortlos stehen, sein Interface knackte und seine Funktionen schalteten sich auf Stand-By.

    Der Tatort war eine große, rechteckige Freifläche. Zu allen Seiten grenze er an die altbekannten Mauern aus Containern. In der Fläche selbst standen nur etwa ein halbes Dutzend hüfthoher Kästen, ansonsten war dort nichts. Abgesehen von der Leiche natürlich. Von dem Plateau aus ersteckten sich ein paar einzelne Gänge wie jener, aus dem sie gerade gekommen waren. Hanna und Will passierten die Videoschranken, die ein hohes Piepen von sich gaben. Bei der Leiche kniete ein Salarianer, der mit einem Omnitool Daten aufnahm. Neben ihm stand ein Turianer mit roter Hautfarbe. Beide trugen die typischen C-Sicherheitsuniformen. Als es piepte wandten sich beide um.

    Der Turianer trat vor. Sein Gesicht war mit farbigen Linien, sogenannten Clanfarben, markiert.
    Seid ihr die Verstärkung?“, fragte er mit kratziger Stimme. Will nickte und reichte ihm die Hand. „Sozusagen!
    Ich bin Officer Tartaros, das ist Officer Korr“, stellte der Turianer sich und seinen Partner vor. Dann schaute er Hanna an, deren Zigarette zwischen ihren Lippen ragte.
    Das ist ein Tatort!“, sagte er streng. Vermutlich hätte er erbost die Stirn gerunzelt, wenn dies möglich gewesen wäre. Hanna sah ihn mit einem Blick der allgemeines Desinteresse an seiner Meinung ausdrückte an, öffnete dann aber doch den Mund und ließ die Zigarette achtlos zu Boden fallen. Sie zog einen Halbkreis am Boden, ehe Hanna auf sie trat.
    Will funkelte Hanna an, rügend für ihr Verhalten. Diese rollte nur mit den Augen und überließ ihm die Vorstellung.

    Ich bin Special Agent Hunter, das ist Agent Ilias“, sagte er und deute kurz in Hannas Richtung.
    Was haben wir bisher?
    Der Turianer schaute Will an und begann zu erzählen: „Der Tote wurde heute Morgen von Mechs der Frachtarbeitern gefunden. Sein Omnitool ist nicht gelöscht worden, seine Ausweisdokumente noch bei ihm. Allerdings fehlt ihm jeder einzelne Credit. Wir gingen eigentlich von einem Raubmord aus. Als wir seine Identität überprüften und feststellten, dass es ein Diplomat beziehungsweise Abgeordneter ist, hat Bailey den Befehl gegeben ihn nur zu versiegeln und hier auf Sie zu warten, Sir“.
    Gut, alles klar. Gibt es Kameraüberwachung in diesem Bereich?
    Schon angefordert. Allerdings wird darauf kaum etwas zu erkennen sein, da diese eher der Koordination der Frachtcontainer dienen“.
    Danke Officer. Wir sehen uns mal um“.

    Will und Hanna näherten sich der Leiche. Es war eindeutig ein Mann, wenngleich sein Kopf nur noch zur Hälfte sichtbar war. Vom Unterkiefer aufwärts verwandelte sich sein Gesicht in eine klebrige, blutige Masse aus zersprengten Schädelknochen, matschigen Hirnresten und langen Striemen von Blut. Die Leiche war versiegelt, was bedeutete, dass sie mit einem Stasemodus versehen wurde, sodass keine Umwelteinflüsse sie verunreinigen konnten. Will ging zu dem Salarianer und ließ sich die Daten auf sein Omnitool übertragen. Hanna kniete sich indes neben den vernichteten Kopf des Opfers. Sie zückte ihre kleine Taschenlampe und leuchtete in den auslaufenden, zerschmetterten Schädel.

    Will bedankte sich bei dem Salarianer, der anerkennend nickte und dann mit dem Turianer den Tatort verließ. Den Roboter hatten sie glücklicherweise dort gelassen, sodass Hanna und Will zumindest den Weg zurück zum Skycar finden würden.
    Und? Was meinst du?“, wollte Will wissen.
    Na, ´n Hut brauch der sich nicht mehr anzuschaffen!, feixte Hanna. Will blickte ernst drein.
    "Das war zumindest keine Standard-Mordwaffe. Sein Schädel ist ja förmlich explodiert. Nur Waffen mit hohem Kaliber oder modifizierter Munition können derartige Verletzungen hervorrufen“, erklärte Hanna.
    Ich schätze der Killer war ein professioneller Scharfschütze. Zudem hat er wohl Shreddermunition verwendet“.
    Wieso denkst du es war ein Scharfschütze?
    Wegen des Winkels und der Kopfverletzung. Das Projektil hat ihn etwa auf Nasenhöhe erwischt. Die Austrittswunde hat ihm allerdings den Nacken zerfetzt“.
    Aber wieso ist dann sein Kopf so zugerichtet?“, fragte Will angewidert von dem klebrigen Matsch, der einst ein Gehirn gewesen war.
    Gute Frage. Ich bin mir nicht sicher, ob er Shredder- oder Poloniummunition verwendet hat. Zweitere würde diese seltsamen, grünlichen Rückstände erklären, die am Rand der Blutlache zu sehen sind… Wie dem auch sei, der Kerl wurde auf jeden Fall aus Versehen getötet. Also, wie sollen wir vorgehen?
    Will überlegte.
    Erstmal scanne ich gleich die Blutlache von der du sprachst“, sagte er und tippte sich auf seinen Visor.
    Dann tüten wir die Leiche ein und lassen sie abholen. Finden wir erstmal heraus, wer der Typ überhaupt war“.
    Hat der Officer denn nichts gesagt?“, fragte Hanna.
    Nur, dass der Tote ein gewisser Frederick MacDougal ist, ein abgeordneter Diplomat und Vertreter der Alraxis- Koloniegruppe ist“, sagte Will und zuckte mit den Schultern.
    Alraxis…“, dachte Hanna laut nach und tippte sich an die Nasenspitze.
    War das nicht dieser Zusammenschluss aus vier Kolonien nahe der Terminus Systeme?
    Ja, vor einigen Wochen machten sie Schlagzeilen, weil Eine der Vier von Sklavenhändlern vollständig ausradiert wurde“, ergänzte Will. Hanna nickte sich erinnernd.
    Okay, scann du deine Leiche, ich werde mir nochmal die nähere Umgebung ansehen!“, schlug Hanna vor. Will nickte und begann auf seinem Omnitool Einstellungen zur Datensammlung vorzunehmen.

    Hanna betrachtete den entstellten Schädel des Politikers. Sie schaute in etwa den Winkel an, von dem aus der Schütze gefeuert haben musste. Tatsächlich, zwischen zwei schwarzbemalten Containern bot sich eine kleine Lücke in die sich mühelos ein Mensch, Salarianer, Batarianer oder eine Asari zwängen könnte.
    Wenn ich der Killer wäre, hätte ich von dort geschossen“, überlegte sie.
    Will!“, rief sie. „Schick nachher nochmal ein paar Officers dort hoch! Ich glaube der Killer hat von dort geschossen“. Dabei deutete sie auf den erspähten Spalt. Vielleicht würde man dort DNA finden, die auf den Täter schließen ließ.
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  4. #4 Reply With Quote
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    Die Untersuchung von MacDougals Büro förderte wie erwartet herzlich wenig neues zutage. Das Büro, dessen Grundriss ein gleichschenkliges Dreieck war, von denen zwei Seiten aus vollverglasten Wänden bestanden und Richtung Präsidium blickten,war steril wie jedes andere Zimmer im Diplomatenkomplex. Die Keeper beachteten diesen Bezirk zwar nicht mehr oder weniger als auch die anderen, doch reinigten automatisierten Einheiten jedes Zimmer drei Mal am Tag. Keine benutzen Gläser, Aschenbecher oder Verpackungen im Müll, nichts was überhaupt darauf hinwies, dass sich in diesem Raumüberhaupt einmal jemand aufgehalten hatte. Der Schreibtisch, der aus kunstvoll verschweißten Metallen bestand, was ebenso sauber wie der Rest. Will ließ das Terminal des Botschafters öffnen und die Dateien nach Unregelmäßigkeiten durchsuchen. Hanna betrachtete unterdessen zwei entartete Kunstwerke, die an der einzigen, nicht aus Panzerglas bestehenden Wand hingen. Sie zeigten in verschmierter,impressionistischer Art und Weise Landschaften. Die Farbe rot war auffällig oft vertreten. Sie schüttelte den Kopf, was dieser mit einem schmerzenden Stechen quittierte.


    Fuck“, murmelte sie, während sie vorsichtig ein paar Schritte von den Gemälden wegtrat.
    Was ist los?“, wollte Will wissen.
    Nichts... nur Kopfschmerzen...“, antwortete Hanna. Sie rieb sich die Augen. Als Sie sie wieder öffnete, sah sie alles nur verschwommen. Die Bilderschienen sich auf sie zuzubewegen, die starren Linien verformten sich in bizarrer Weise und schienen vor ihrem Auge neue Gestalt anzunehmen.
    Was zum...
    Das Bild welches sie vorhin eindringlich gemustert hatte, zeigte vormals eine hügelige Landschaft, mit merkwürdigen, krank aussehenden Bäumen, welche die Füße der Erhebungen säumten. Ihr Blick wurde klarer und nun erkannte sie, dass das einzige auf dem Bild erkennbare, graue Gebäude gar kein Gebäude mehr war. Es war ein seltsam kantiger Totenschädel,dessen Augen klaffende, schwarze Löcher waren und dessen rechteckiger Mund sich in grotesker Weise auseinanderzureißen begann. Hanna hielt sich den nun hämmernden Kopf. Sie hörte, wie sich ihr Herzschlag beschleunigte angesichts dieser verteufelten Szene. Das Blut pochte ihr in den Ohren, während sich die Fratze des Schädels kaum merklich auseinanderzog und der rote Hintergrund der Berglinien sich in ein rauschendes Meer aus Blut verwandelten. Hanna taumelte zurück und wandte sich um.
    Will stand noch immer am Schreibtisch.


    Hanna trat vorsichtig zu ihm, bemüht keinen schwachen Eindruck zu erwecken, während sich unter das Pochen ihres Herzschlages leise aber vernehmlich ein durchdringendes Kreischen mischte, dass jedoch so unmenschlich wie irgends möglich klang, eher als würde eine rostige Tür in ihren Angeln kreischen.Hanna wurde übel und ein beißender Geschmack schoss ihr aus dem Magen in den Mund.


    Fuck“, wisperte sie ein zweites Mal und ließ sich auf den weißen Schalensessel mit schwarzer Polsterung des ermordeten Abgeordneten fallen. Sie griff in ihre Tasche und fummelte die Pillendose, ihren steten Begleiter heraus.Mit zitternden Händen und schmerzendem Kopf öffnete sie diese,wobei ihr jede schmerzverzerrte Sekunde wie eine Ewigkeit erschien.Dann schüttete sie eine unkontrollierte Anzahl an weißen Tabletten in ihre Hand, warf sie diese achtlos an den Mund und schluckte ein paar mal trocken. Will sah Hanna besorgt an.
    Alles in Ordnung?
    Ja, alles gut. Wird gleich wieder gehen“,antwortete Hanna knapp. „Was haben wir?
    Will lachte unzufrieden auf. „Gar nichts! Sein Terminal ist vollkommen sauber,sein Terminkalender knirsch organisiert und seine Kontakte alle lupenrein!
    Nichtmal nen paar Asari-Erwachsenenfilme? Ist ja enttäuschend!“, gab Hanna zurück und meine es auch so. Das konfiszierte Material übertraf den Schrott aus dem Extranet um Einiges.


    Was ist mit dem Schreibtisch?“,sagte Hanna nach einer kurzen Pause und deutete auf zwei in dem Metall verborgene Fächer, welche sich nur durch ein schwaches Leuchten ihrer Druckknöpfe von der Oberfläche der Tischwandunterscheiden ließen. Will zuckte mit den Schultern und drückte auf einen der Knöpfe. Das vormals fluoreszierende, blaue Leuchten verwandelte sich in ein durchdringendes neonrot.
    Du hast wohl nicht Bitte gesagt“, scherzte Hanna mit schwacher Stimme,denn die Tabletten entfalteten ihre Wirkung. Das Pochen in ihren Ohren wurde schwächer, bis es schließlich ganz verstummte. Ihr Blick wurde wieder vollkommen klar und Hanna wandte sich zu der diabolischen Szene des Bildes um, welches nun die altbekannte rote Landschaft zeigte. Allerdings bezahlte Hanna ihre Genesung mit einer unvermittelt auftretenden Schwäche. Ihre Gliedmaßen wurden schwer wie Blei und ihr Nacken versteifte sich unheilvoll. Hanna kannte diese Nebenwirkung. Sie trat immer auf, wenn sie zu viele Tabletten geschluckt hatte. In etwa einer Stunde wäre alles wieder vorbei.


    Will forderte unterdessen ein Upgrade seines Omnitools für Entschlüsselung und Knacken der versiegelten Schubladen an.
    William Charles Hunter, Special Agent.Dienstnummer DC14.0080.1138... ja ich warte“.
    Zwei Minuten später öffnete Will die Schubladen. Lautlos glitten die auf Metallschienen gelegte Bronzeboxen aus dem Inneren des Tisches hervor. Eine der Schubladen war mit Ausnahme zweier verbrauchter Termobehälter vollkommen leer.In der anderen, einer flachen und unordentlichen Schublade, befand sich jedoch neben ein paar Ausweisen, Datenpads und Creditkarten ein in Leder gebundenes Notizbuch mit vergoldetem Buchrücken. Will griff es sich heraus und wippte es verdächtigend in der Hand.
    Ein Notizbuch? Wirklich? Wer verwendet denn heutzutage noch Papier?“,fragte er spöttisch. Hanna räusperte sich geräuschvoll und zog aus ihrer inneren Jackentasche ebenfalls ein schwarzes Notizbuch,wenngleich ihres viel kleiner und nicht in Leder eingeschlagen war.
    Oh...“, gab Will beschämt von sich.
    Ist dir wirklich noch nie aufgefallen, dass ich mir hin und wieder Dinge notiere?“,fragte Hanna ungläubig.
    Ich ähm... ich dachte das sei dein Tagebuch...
    Hanna schüttelte ungläubig den Kopf, was sie jedoch bereute, stach aus den fernen Tiefen des Vergessens ein Schmerz in ihre Gehirnwindungen.


    Will blätterte in dem Heft bis zu der Seite mit dem heutigen Datum. Dort befanden sich ein paar Einträge.Gespräch mit Udina / Brunch mit Aluvin/ Programm derTrockenlandpartei/ Essen mit Terezza...
    Auch auf der Seite davor fanden sich nur derlei banale und für einen Politiker normale Informationen. Viele der Namen in dem Büchlein waren prominente Personen aus Politik und Wirtschaft, hin und wieder auch ein Eintrag wie Benny zum Geburtstag anrufen,aber nichts, was verdächtig wirkte. Will blätterte die Seiten schnell nacheinander ab. Dabei fiel plötzlich ein Zettel heraus. Blitzschell fing Will in aus der Luft und hob ihn vor´s Gesicht. Er nickte zufrieden und reichte ihn Hanna.


    Triff mich dort, wo wir den Deal gemacht haben! Und lass diesen Zettel verschwinden!


    Auch Hanna lächelte jetzt. „Liebes Tagebuch: Jackpot!“, sagte sie.
    Ein Deal,kein Absender, eine geheime Art der Kommunikation. Ich würde sagen,wir sind da in kriminelle Machenschaften geraten!“, sagte Will mit einem Anflug von Begeisterung.
    Und es zeigt deutlich, dass der Abgeordnete keine weiße Weste hatte“.
    Zeigt es das? Ich meine, dieser ominöse Deal könnte auch dem Wohle des Volkes dienen...
    Hanna sah ihren Kollegen mit hochgezogener Augenbraue an. Dieser grinste schelmisch.
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    Ilias! Hören Sie gefälligst auf damit!“, fuhr Verox Hanna an, als diese laut schmatzend einen rosafarbenen Kaugummi bearbeitet.
    Sie haben mir verboten hier zu Rauchen, Sir!“, konterte die Blondine. Der Turianer seufzte bedeutungsschwer.
    Nachdem sie das Büro durchsucht, die wenigen Daten gesichert und einige Gegenstände konfisziert hatte, waren Hanna und Will zurück zum Hauptquartier geflogen. Der Großteil der abgeholten Gegenstände verschwand sofort hinter der hermetisch versiegelten Tür der Asservatenkammer, abgesehen von dem ledernen Notizbuch das Will in seiner Tasche trug. Dann waren sie zum Berichten zu Commander Verox ins Büro gerufen worden. Dieser betrachtete die beiden unterschiedlichen Officers über seinen Schreibtisch hinweg, die klauenartigen Hände gefaltet.

    Ein Deal also? Hmm, beunruhigend. Deal klingt illegal, vor allem wenn die Botschaft auf solch einem inoffiziellen Kanal überbracht wird“, sagte Verox, während er das Papierstück, das auf der Oberfläche seines Schreibtisches lag, musterte.
    Das dachten wir auch, Sir“, stimmte Will, der die Brust rausgestreckt dastand und möglichst autoritär zu wirken versuchte, was der Turianer vermutlich lediglich belächelte. Hanna hingegen stand etwas seitlich versetzt von Will und lehnte sich gegen die Lehne eines unbequem wirkenden Stuhls nahe Verox´ Tisch. Sie hatte die Arme verschränkt und sah beinahe gelangweilt drein, während sich ihr Kiefer rhythmisch bewegte. Tatsächlich aber beobachtete sie sie den Commander mit Interesse. Natürlich würde Verox kein gutes Haar an einem menschlichen Politiker lassen.

    Also, wie planen sie vorzugehen?“, schnurrte der Turianer und fixierte Will. Dieser errötete leicht angesichts der überrumpelnden Frage.
    Ich… ähm, Sir…“, begann er stammelnd. Während er um eine angemessene Antwort rang, hob Verox seine „Augenbrauen“.
    Also?“, wiederholte er beharrlich. Will begann zu schwitzen.
    Komm schon, Will! Antworte dem Arsch!, dachte Hanna, während die Perlen auf Wills Stirn glitzerten. Der Turianer schüttelte leicht seinen gehörnten Kopf.
    Hoffnungslos…“, murmelte er laut genug, als das beide es hören konnten. Will presste beschämt die Lippen aufeinander.

    Es ist doch klar, Sir, dass wir natürlich zuerst den Attentäter suchen!“, intervenierte Hanna schließlich. Verox schaute sie an.
    Was?
    Es ist doch klar, Sir!“, wiederholte sie sehr langsam und deutlich: „Dass wir den Attentäter brauchen! Was sollen wir sonst machen? Wir könnten sein Appartment untersuchen, seine Konten durchforsten oder seine Familie befragen. Das könnten aber genauso gut normale Officers hier tun! Will, ich meine Mr. Hunter und ich sollten uns jedoch in der Unterwelt der Citadel umhören, ob man irgendwo einen guten Scharfschützen anheuern kann. Wenn der Abgeordnete gestern getötet wurde, dann könnte es doch gut sein, dass der Mörder noch immer hier ist?
    Und wie wollen Sie das bewerkstelligen?“, fragte Verox argwöhnisch.
    Undercover Einsatz!
    Verox lachte. „Sie tragen ihre Uniform doch sowieso nie, Ilias!
    Hanna hob eine Augenbraue und lächelte tatsächlich einmal gemeinsam mit dem Commander.

    Gut okay. Ist das auch ihre Idee, Hunter?
    Ja…ja sicher!“, nickte Will schnell.
    Gut! Ihnen ist aber schon klar, dass es auf der Citadel nicht leicht ist, einen Attentäter zu finden. Wir sind hier nicht auf Omega. Und die Guten, und der Mörder eines Politikers wird ein Guter sein, sind noch schwerer zu finden. Ich stelle ihnen einen Profiler zur Verfügung!
    Hanna horchte auf.

    Einen Profiler? Soll das ein Scherz sein? So einen Sesselfurzer, der uns andauernd hinterhertrottet und die Ohren volljammert?
    Sie tun, was ich befehle!“, donnerte Verox, worauf Will Hanna mit beschwichtigender Handbewegung verstummen ließ. Hanna lehnte sich erneut gegen den Stuhl und drückte ihre Zunge zwischen die Zähne und das Kaugummi nach Außen. Hanna atmete aus und eine rosane Blase bildete sich an ihren Lippen.

    Was ist das für ein Mann?“, informierte sich Will.
    Ein junger Kerl von ihrer Sorte. Weich und rückgratlos. Er muss hier irgendwo rumlaufen…
    Wir werden ihn schon finden, Sir. Danke, Sir!“, sagte Will und salutierte.
    Ja, ja! Machen sie einfach ihre Arbeit! Herrje, Ilias! Hören sie schon auf mit der Schweinerei!

    Hanna schaute ihn über den Rand der sich vergrößernden Blase an und riss, den Commander veralbernd, ihre Augen weit auf. Dann ließ Hanna sie platzen und zog das Gummi zungenakrobatisch zurück in den Mund.
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    "Okay", sagte Will: "Ich würde vorschlagen DU kümmerst dich dann um diesen Gillespie-Heini, während ich die restlichen Beweise zur Aservatenkammer bringe und die nächsten Schritte überdenke. Ich stell´ dir eine ID zur Verfügung und lass dir eine plausible Hintergrundgeschichte schreiben".
    Hanna winkte ab.
    "Son Blödsinn! Ich geh einfach los und such nen Killer...". Plözlich nahm ihr Gesicht einen quängeligen Ausdruck an.
    "Ich will diesen Typen nicht treffen!"

    Will klopfte seiner Partnerin auf die Schulter.
    "Mach dir nichts drauß. Hey, vielleicht ist er ja der Mann deines Lebens!", sagte er und schaute aufmunternd drein.
    "Und ich hab schon befürchtet, ich müsste dich als Mann meines Lebens ansehen", konterte sie.
    "Hey! Du verletzt meine Gefühle!"
    "Schon klar!", beendete Hanna das Gespräch, zwinkerte Will noch einmal zu und ging dann Richtung Eingangshalle.
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