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#1 Dai Shi - Das Spiel beginnt!

  1. #241 Zitieren
    Nicashisha Shenanigans  Avatar von Moku
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    [Bild: trialava.png]Trial musste sich zugestehen, dass der Körper ein wenig ungewöhnlich war. Das Gehen war offensichtlich anders als das auf zwei Beinen, darauf war sie auch eingestellt gewesen. Womit sie allerdings nicht gerechnet hatte war wie schwer ihr Hinterteil war; und wie sehr sie sich zuweilen damit rumplagte gerade wenn es darum ging Gegenstände oder anderen Leuten auszuweichen. Sie wusste jetzt schon, dass der Webkörper ihre Schwachstelle sein würde an der sie unbedingt arbeiten musste.
    Gott sei dank hatte ihre langjährige Belendielerfahrung wenigstens dabei geholfen die Beine und die seltsame Rückenhaltung schnell zu meistern. Gerade die Rückenhaltung bei der sie derweilen den Drang ankämpfen musste sich nach vorn zu beugen um eine gewohnt gerade Körperlinie zu erzeugen. Es wart tatsächliche nur eine Sache von ein paar Schritten gewesen um die perfekte Balance zu finden und den Oberkörper aufrecht zu halten.
    Am Schlimmsten war jedoch das Gefühl der Spinnweben gewesen, die sie aus ihre Drüsen gedrückt hatte. Einfach und vulgär beschrieben: als würde sie einen festen, langen Strahl pinkeln. Etwas was sie nie laut sagen würde – im Gegensatz zu Jarkko, der keinerlei Schamgefühl besaß und ausplauderte was auch immer ihm in den Sinn kam.
    Sie konnte sich schon vorstellen wie er an ihre Stelle etwas wie „Hey, ich habe gerade Spinnweben gepisst!“ stolz verkündet hätte, kombiniert mit Siegerpose und hochgezogenen Augenbrauen.
    Die Spinne seufzte einmal liebevoll, schob dann jedoch sämtliche Gedanken an den Metamorph in die tiefsten Winkel ihres Bewusstseins. Sie hatte jetzt anderes zu tun: ihren ersten Skill erlernen. Danach konnte es weitergehen.
    Zwar war ihr erster Skill ziemlich passiv, bezog er sich lediglich auf eine Illusion, aber er würde sicherlich in diversen Situationen sehr hilfreich sein – vor allem da sie nicht allzu leicht wiederzuerkennen war.
    Fernernoch konnte sie sich mit diesem Skill endlich Quests beschaffen – und nichts lag ihrer mehr auf dem Herzen als so schnell wie möglich so viele wie möglich zu erledigen. Denn sie hatte eine Mission, und die war im Gegensatz zu anderen nicht der letzte stehende Mensch im Dai Shi zu sein.
    Somit wandte sie sich einem der Tore zu.
    Begrüßt wurde sie durch zwei Kämpfe, doch was ihr Augenmerk eher auf sich zog war die Wüste dahinter. Dieser Ausgang war reiner Selbstmord für die meisten, stellte sie nüchtern fest. Keine Versteckmöglichkeiten für jemanden wie sie, genug aber für Sandläufer und andere Rassen.
    Dies schienen sich auch die meisten anderen Spieler zu denken, denn es waren überraschend wenige an diesem Ausgang zufinden.
    Dass es dafür auch noch einen weiteren Grund gab, konnte Trial feststellen als binnen eines Augenblickes einem der Kämpfer auf den Dünen von einem Wesen, das blitzschnell aus dem Sand geschossen kam, der Kopf abgebissen wurde. Sie vermutete erst eine Rasse doch plötzlich kamen drei weitere solcher Wesen aus dem und verbissen sich in die Körper der anderen Kämpfer – und zogen sie dann unter gurgelnden Schreien unter die Sandoberfläche.
    Ja – es war kein Wunder, dass hier nur sehr wenige Personen verweilten. Der Ausgang war eine einzige Todesfalle.
    So weit das Auge reichte nur Sand und Dünen, und dazwischen tödliche Lebewesen die aussahen wie Aale.
    Sie tippte einmal mit ihren spitzen Beinchen auf die Erde.
    Durch die feinen Härchen an den Spitzen konnte sie kleinsten Bodenvibrationen spüren – wenn auch nicht auf großem Entfernung, waren die Härchen schließlich auf Schwingungen eines Spinnennetzes ausgelegt - aber einige Meter in ihrer unmittelbaren Umgebung waren durchaus möglich.
    Viele Menschen wussten nicht einmal wozu Spinnen möglich waren, aber ihr privates Interesse hatte sich in diesem Fall ausgezahlt. Verschrien als hässlich, eklig oder gefährlich, sah Trial selbst nur die Faszination der Tiere im realen Leben und sie hatte jauchzend auf ihrem Stuhl gesessen als sie die inerten Fähigkeiten der Rasse gelesen hatte. Kombiniert mit ihren Skills - die Illusionen und das Kämpfen mit den Fäden einschlossen - hatte sie sich eine Einmannarmee zugelegt – auch wenn sie auf Wendigkeit, Stärke und gewisse andere Vorzüge verzichten musste.
    Aber dieser erste Kill sollte durchaus machbar sein auch ohne Skills.
    Trial wartete einen Moment am Tor bis Ruhe auf dem Feld einkehrte. Wie vermutet machten die meisten anderen Spieler einen weiten Bogen um den Ausgang – war man schließlich wie auf dem goldenen Teller serviert.
    Es interessierte sich nicht einmal jemand für sie als sie ihre ersten Schritte auf dem warmen Sand zurücklegte. Einige Meter vom Tor entfernt blieb sie stehen, versuchte in sich hineinzuhorchen und die Vibrationen unter der Erde zu spüren. Tatsächlich spürte sie Bewegung – nichts Großes, weshalb sie nicht auf einen Spieler tippte. Wobei sie nicht einmal davon ausging, das Sandläufer in diesem tierischen Mienenfeld überleben konnten. Vermutlich eines dieser Aalwesen.
    Auf der Sandoberfläche war jedoch keine Bewegung zu erkennen.
    Sie presste die Augen fest zusammen, hob dann eines ihrer Beinchen – und stach in einen flinken Bewegung zu als sich etwas an die Sandoberfläche bahnte.
    Trial öffnete die Augen als sie ein Zappeln an ihrem Bein spürte, musterte dann das seltsame Wesen das sie direkt am Kopf aufgespießt hatte und nun seine letzen Atemzüge nahm.
    Es war wirklich ein großer Aal, vielleicht Sandwurm?, dessen schwarzes Blut an ihrem Bein auf den roten Sand tropfte. Angewidert schüttelte sie das ekelhafte Vieh ab, nahm dann ihre Beinchen in die Hände und sprintete zurück in die Stadt als die Vibrationen unter dem Sand rasant stärker wurden – und vor allem näher kamen. Sie wollte ihren Kopf ungern schon am ersten Tag verlieren.
    Mit Schritt 1 erledigt, folgte nun Schritt 2.
    Ausloggen.

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    Moku ist offline Geändert von Moku (17.02.2016 um 22:47 Uhr)

  2. #242 Zitieren
    Nicashisha Shenanigans  Avatar von Moku
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    [Bild: eosava.png]Ein leidenschaftliches, erfreutes und vorallem langanhaltendes „WuHUUUUUUUU hallte durch die Luft, gefolgt von einem genervten Seufzen. Kronk äußerte sich überhaupt nicht zu dem Geschehen und pflückte die schönsten Blumen, die er finden konnte, um daraus einen Blumenkranz zu basteln.
    „Yiiiha!“ war die ungewollte Antwort auf das Seufzen, das Eos in ihrer kindlichen Freude überhaupt nicht gehört hatte. Sie hatte nie Reiten gelernt, aber es fühlte sich so natürlich an, dass sie sich wunderte, warum andere soviel Geld in Reitstunden investierten.
    „Ey, Avon! Ich dachte du wärst der Tierbändiger! Wo ist dein Reittier?“ rief sie der dunkelhaarigen Frau zu, die sie mit vor der Brust verschränkten Armen aus dunklen Augen musterte, dann langsam und theatralisch eine Hand zur Seite nahm und auf ein totes Tier neben sich deutete.
    „Pfff,“ tat Eos die wortlose Geste ab und wandte sich stattdessen ihrem Reittier zu. Sie hatte keine Ahnung, was das genau für ein Tier war. Kaum hatten de drei sich von der rausstürmenden Horde abgesetzt, waren diese auch schon mit flatternden Flügeln auf sie zugerannt als wären sie der leckerste Happen, den sie in Jahren zu Gesicht bekommen hatten.
    Kronk und Avon waren fließend dazu übergegangen die Tiere zu töten. Eos war dagegen mit Schwung auf den Rücken von einem dieser Hybriden gehopst und zog nun an den langen Ohren um es zu lenken.
    Was tatsächlich schwieriger war als die Flucht durch das Tor.
    Als sie vor dem Ausgang in Gainos angekommen waren, waren sie nicht überrascht gewesen, dass der Vorplatz überlaufen war mit Spielern, die sich gegen die bis dahin noch geschlossenen Tore quetschten. Beim Rausstürmen gingen sie ziemlich in der Menge unter und mussten trotzdem aufpassen, nicht von einer wild um sich geschlagenen Waffe getroffen zu werden. Oder von Pfeilen. Oder Giftzähnen. Oder Krallen. Es war... chaotisch gewesen.
    Kronk hatte sogar in all dem Durcheinander ausversehen seinen ersten Kill gehabt, wobei nach Aussage des Dschalut dieser das erst mitbekommen hatte, als er den zierlichen Pflanzenavatar vor Augen gesehen hatte. Vermutlich hatte er ihn beim Rauslaufen zertreten. Oder getreten. Vielleicht auch Fußball gespielt. Kronk wusste es wirklich nicht, hatte es nicht mal mitbekommen. Avon und Eos hatten auf seiner Schulter gesessen und die große Angriffsfläche, die er geboten hatte, verteidigt und deshalb sowieso nicht gemerkt, was unter ihnen los war – bis Kronk plötzlich laut aufbegehrte und irgendwas grunzte, das sich im Nachhinein wie „ERSTER“ anhörte.
    Avons erster Kill war eines dieser seltsamen Mischwesen gewesen. Katzenkopf mit Schnabel auf einem starken langen Hals, mit einem Runden Vogelkörper in rot-schwarzen Streifenmuster auf zwei haarigen Stelzen die in Pfoten endeten. Das Wesen war so surreal, dass es schon wieder unglaublich niedlich war.
    Weshalb Eos es auch nicht über das Herz brachte es einfach zu töten.
    Sie nannte es Striger.
    „Oh mein Gott, Eos. Mach hinne!“
    „Hinne womit?“ fragte die Tindómerel unschuldig und brachte Striger vor der Tierbändigerin zum Stehen. Sie konnte sich ein selbstgefälliges Grinsen nicht verkneifen. „Beeindruckend, ne? Und das ohne Skills,“ kommentierte sie nicht minder anmaßend.
    „Komm schon. Dein erster Skill ist wichtig,“ drängte Avon ohne auf ihr Gehabe einzugehen.
    „Fein,“ gab Eos nach. „Kronk?“ Der Riese sah von seinem fast fertigen Blumenkranz auf und wandte sich der Sprecherin zu. „Hast du was für mich?“
    Es dauerte einen Moment in dem der Dschalut seinen Kopf hin und her bewegte, und dann mit einem Kopfnicken in die Richtung einer Lichtung deutete. Eos drehte die Reitvogelkatze um einige Grad und schritt dann erhabenen Hauptes an Avon vorbei nur um vor Kronk stehen zu bleiben. „Leih mir mal dein Kusarigama.“
    Kronk grunzte einmal und schnarrte etwas, das sich nach „gleich“ anhörte. Die Halbelfe wartete geduldig. Stiger nicht ganz so und tapste auf der Stelle, schnappte dann mit dem spitzen Schnabel nach den Haaren des Riesen und begann darauf rumzukauen.
    Kronk reagierte nicht einmal darauf, verengte nur seine gelben Augen zu Schlitzen, während er vorsichtig die beiden Enden der Blumenreihe zu einem Kranz verband, und dann stolz hochhielt. Er musste nicht einmal aufstehen, um Stiger den fertigen Kranz auf den Kopf zu setzen, faltete dann die Hände neben seinen Kopf zusammen und seufzte einmal entzückt. Erst dann griff er zu seiner Seite und löste das Kusarigama von seinem Gürtel um es Eos quasi ins Gesicht zu werfen.
    Allerdings fing die Tindómerel die Waffe behänd, bedankte sich und ritt samt Reitvogelkatze und Blumenkranz auf die Lichtung zu.
    In der Mitte der freien Stellen befand sich ein kleiner See an dessen Rand sich entweder ein Spieler oder ein Tier tummelte. Zu ihrer Verteidigung: zuweilen war es wirklich nicht leicht die beiden auseinander zuhalten.
    „Komm, mein Kleiner,“ flüsterte sie dem Tier zu, trat einmal in die Seiten und Striger preschte los. Die Sichel in der Hand, rotierte sie die Kette mit dem Gewicht über ihren Kopf. Leider war ihre Annäherung nicht ganz so leise gewesen wie sie gehofft hatte, denn das Schuppenwesen drehte sich zu ihr um und sprang auf.
    „Hallooo Schwester,“ begrüßte Eos das Ding, wich aber nicht einmal von ihrem Kollisionskurs ab als sie bemerkte, dass das Wesen sich zum Angriff bereit machte und – völlig überraschend, lange Stachel am ganzen Körper und besonders lange aus den Fingerknöcheln herausdrückte. Da war jemand scheinbar Retro-Fan von Wolverine.
    Als Eos nah genug war das Gewicht endlich sausen zu lassen, war sie jedoch auch in der Reichweite des seltsamen Wesens gekommen. Während das Schuppending mit den langen Krallen attackierte, schlug die schwere Eisenkugel des Kusarigamas gegen dessen Schläfen.
    Sie wollte gerade siegessicher die Hand hochreißen, als es jedoch plötzlich nach unten ging und sie sich auf dem Boden wiederfand – ziemlich genau neben Schuppi. Etwas benommen richtete sie sich von dem Sturz auf, ließ dann ihrem Blick unherschweifen, um herauszufinden, was passiert war. Ihre Augen blieben an Striger hängen, der in einer Lache aus Blut zusammen gesackt war.
    Scheinbar hatte das Schuppentier Striger erwischt, bevor das Gewicht es außer gefecht gesetzt hatte.
    „Hey,“ stieß sie empört aus, hob ihren Körper samt Sichel auf als sie sich über Spieler-Schrägstrich-Monster aufbäumte. „Das war mein Haustier.“
    Schuppi öffnete mit einem Knurren die Augen als Eos wütend die Sichel in dessen Kehle rammte. Das Knurren endete schnell in einem Gurgeln und sie wandte sich von der Leiche ab. Scheinbar wirklich ein Monster es sie hatte keine Bilder vor Augen.
    Eos seufzte resigniert, ging dann auf Striger zu und streichelte einmal über das weiche Fell. Die Augen des Tieres wanderten wild hin und her und Eos holte ein Messer aus ihren Taschen hervor.
    „Wir kannten uns zwar nur ein paar Minuten und du wolltest mich auffressen, aber ich werde dich vermissen,“ flüsterte sie traurig und gab Striger dann seine Erlösung.
    Sie gab sich selbst ein paar Sekunden, bevor sie aufstand und sich zum Waldrand umdrehte.
    „Da. Jetzt hast du was du wolltest,“ brüllte sie über die Lichtung zu Avon. Die Amazone schüttelte den Kopf und drehte sich einfach von ihr ab.
    Eos warf die Hände in die Luft und stampfte dann hinter ihren Gefährten her.
    Und sie hatte so gehofft auf das Gehen verzichten zu können.

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    Moku ist offline

  3. #243 Zitieren
    Burgherrin Avatar von Giarra
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    Der Elf stand noch eine Zeit vor den Toren und lauschte mit gemischten Gefühlen dem Geschrei, dem Gejammer, dem Gebrülle und den anderen bizarren Geräuschen der vielen Avatare. Atoro interessierte das alles im Gegenteil dazu recht wenig, er bevorzugte es sich hübsch zu machen und kämmte mit den riesigen Schneidezähnen sein Fell von oben bis unten durch. Sie standen beide mit anderen, schaulustigen Avataren in der sicheren Zone, um die Situation richtig abschätzen zu können. Er fühlte sich allerdings nicht viel besser als all die lachenden und jubelnden Leute neben ihm, die sich an dem Blutbad draußen in der Steppe ergötzten und zu verdrängen schienen, dass auch sie bald in die weite Welt hinaustreten mussten. Der erste Skill war wichtig, das war selbst Rhaokyka klar.
    Viele hatten sich schon in ihren ersten Kampf gestürzt, sei es mit einem nahen Monster oder schon einem anderen Spieler, und überschätzten sich zum Teil maßlos. Ein großen Krieger rannte mit eindrucksvollem Grummeln und Brummen einem Rammbock ähnlich aus den großen offenen Toren hinaus – und wurde relativ schnell von einem kleinen Zwerg mit eindrucksvollem pinkem Bart seiner Beine entledigt. Dann seiner Arme. Rhao konnte dank der guten Sicht im Dunkeln auch die weiter entfernte Szenerie gut beobachten und wünschte sich in diesem Moment ein blinder Maulwurf zu sein. Der kleine Mann hatte neben absurd buschigen Augenbrauen und golden schimmernden Zähnen noch lächerlich große Schuhe an, deren Schönheit allerdings im Schatten des riesigen Beidhänders verschwanden. Das monströse Schwert hatte einen wunderschönen Knauf, der eine nackte Frau mit interessanten Dingen an noch interessanteren Orten zeigte und im krassen Gegensatz zu dem pinkbärtigen verschrobenem Männchen standen, das mit einer zufriedenen Miene Hackfleisch aus dem immernoch leise wimmernden Krieger machte und sich währenddessen mit einem kleinen Kunstwerk aus Blutspritzern, nein Blutpfützen schmückte. Als zusätzliches Accessoire trug er eine Kochmütze, die mindestens die Hälfte seiner Größe maß. Rhao wusste nicht, dass man ein Gesicht mit Metall eines Helmes drumherum derart zermatschen konnte und trat unwillkürlich einen kleinen Schritt weiter nach innen in den Hafen der Sicherheit als der irre Blick des Mannes selbst über diese Distanz ihn traf, während er als Abschluss mit Begeisterung und großer Sorgfalt seinen Bart auswrung.
    Mit vor Abscheu verzogenem Gesicht sah er noch kurz die Reste des Kriegers – die schimmernde Rüstung zerdellt oder zerborsten, das Gesicht fein zerhackstückelt wie Zwiebeln in einer professionellen Küche, der Brustkorb geöffnet und alles wunderschön drapiert.
    Der hat sie doch nicht mehr alle. Hat der zu viel JamieLee Lolliver gesehen?
    Und bei der Größe des Schwertes, wie klein muss dann sein...

    Seine Kinnlade klappte herunter als sah, dass noch ein kleiner Zweig, der stark an Lorbeeren erinnerte, mit nicht weniger Gewalt in den Kadaver gerammt wurde, der das ganze an ein besonders interessantes Feinschmeckergericht erinnern ließ.
    Der Elf nannte den mittlerweile verschwundenen Avatar einfach 'Den Gourmet' und setzte ihn auf die Liste derer, die er sicherlich nicht zu einer besseren Sicht auf die Dinge bekehren konnte, sondern vor denen man sich fernhalten sollte. Oder Töten. Aber von jemandem anders, er wollte sicherlich nicht als Lasagne mit hübsch drapiertem Gemüse in der Augenhöhle mitten in der Wüste enden.

    Er ertrug den Lärm der Schlacht und Zuschauer für diesen Moment nicht länger – eine wirklich hervorragende Eigenschaft inmitten eines Spieles, dessen Inhalt nur aus Morden, Töten, Meucheln, Messern, Erschießen, Verbrennen, Erdrücken, Zerbersten, Zerreißen, Beißen, Schockfrosten und eventuell sogar Avatarweitwurf bestand - und beschloss sich wieder in die Stadt zurückzuziehen. Vielleicht traf er dort auf einige verängstigte Seelen, die sich ihm anschlossen oder wenigstens seiner Sache Gehör schenken wollten.
    Eine Guerilla-Armee, eine Untergrundorganisation, eine geheime Geheimgesellschaft voller Geheimnisse und noch geheimerem Klopfzeichen - was war eigentlich genau sein Ziel? Eine berechtigte Frage, die er in seinem Hirn auf einen anderen Zeitpunkt vertagte. Er hatte schon einige Avatare um die Ecken huschen sehen und wohl auch hier und dort leises Schluchzen wahrgenommen – ob nun eingebildet oder tatsächlich wusste er allerdings nicht.
    Immer tiefer drang er vor, nur noch das Tippeln seiner Ratte an der Seite vernehmend und immer in die dunklen Ecken starrend, in denen sich jemand versteckt haben könnte. Die NPCs folgten alle ihrem programmierten Biorhythmus und schliefen zu dieser Zeit, sodass die Straßen und Gassen unnatürlich leer aussahen. Der weißhaarige Elf seufzte einmal tief und begann den ersten Stich Verzweiflung zu spüren – und das nur wenige Zeit nach Anfang des Spiels, ein neuer Rekord (da konnte man schonmal klatschen) -, da er absolut nicht mit dieser Menge an tollwütigen Irren gerechnet hatte. Sprach nur Angst aus den Leuten, hatte er hier einfach den Kaffeesatz der Gesellschaft vor Augen oder war die Menschheit tatsächlich langsam aber sicher übergeschnappt?
    I see you shiver with antici....
    Giarra ist offline

  4. #244 Zitieren
    Provinzheld Avatar von DragonGodSlayer
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    Vor der Demonstration

    [Bild: Adcalur_klein.jpg]

    Die Spieler waren jetzt in großer Panik und noch mehr von ihnen als zuvor versuchten jetzt durch die Tore aus der Stadt zu fliehen. Dieses Treiben der dummen Spieler gefiel ihm außerordentlich gut, denn es war doch glasklar, dass jetzt niemand aus der Stadt raus kommen konnte, solange die Demonstration des Gamemasters nicht vorbei war. Und genau in diesem Moment geschah es, die Demonstration begann. Ein extrem schriller und lauter Ton war zu hören, welcher einem fast das Trommelfell zum platzen brachte. Dieses Gefühl hatte zumindest Adcalur, als er dieses Geräusch war genommen hatte und presste sofort seine Hände gegen seine Ohren und hoffte, dass dadurch der Lärm etwas reduziert werden würde und sein Gehör intakt bleibt. Der Schmerz ließ zwar etwas nach, nachdem er die Hände auf seine Ohren gedrückt hatte, allerdings war er immer noch so groß, dass er sich vor Schmerz nach vorne auf die Knie fallen ließ und sich zusammen kauerte. Da er dadurch auf den Boden sah und seine Sicht durch den Schmerz eh etwas verschwommen war, viel es ihm erst überhaupt nicht auf, es so neblig wurde, dass man nicht mal mehr die Hand vor Augen sehen konnte. Dies bemerkte er erst, als die Schmerzen, welche er durch das Geräusch gehabt hatte nachgelassen hatten. Kurzzeitig war er zwar verwirrt, warum er nichts sah, konnte sich aber denken, dass dies mit dem zusammenhing, was der Gamemaster angekündigt hatte.
    Auch wenn er im Dunkeln sehen konnte, sah er trotzdem nichts, da dies mit keiner Dunkelheit zusammen hing. Auch wenn er wusste oder eher vermutete, dass er zwar jetzt noch nicht sterben könnte wollte er dem Ratschlag folgen und auf höheres Terrain gehen. Zum Glück war hinter ihm ja ein Gebäude, auf welches er klettern konnte, weshalb er sich umdrehte und an der Wand nach einem Fenster oder einer Unebenheit suchte, an der er sich abstützen konnte, um hinauf zu gelangen. Noch während er die Wand abtastete hörte er Donnergrollen, dachte sich dabei aber noch nichts. Adcalur wollte einfach nur auf das Dach dieses Gebäudes, denn egal was kommen würde, er wollte es nicht am eigenen Körper miterleben, denn dies würde ihn nur schwächen, sobald es daran ging die Stadt zu verlassen. Dann fand er eine Stelle, an der er versuchen konnte auf das Dach zu kommen, was er auch sogleich tat. Etwas schaffte er es die Wand hinauf zu kommen und er hätte es auf das Dach geschafft, wäre nicht plötzlich nur ein kleines Stück neben ihm ein Blitz eingeschlagen und er dadurch von der Wand fiel. Adcalur konnte sich nirgends abfangen und schlug mit dem Hinterkopf auf dem Boden auf und dann wurde es schwarz vor seinen Augen.

    Kurze Zeit lag er ohnmächtig am Boden. Sein Bewusstsein erlangte er erst wieder, als das Wasser schon ein paar Zentimeter in den Straßen stand. Er spürte, dass alles um ihm herum nass war und glaubte kurz, dass er in einem See lag, ehe er sich wieder im Klaren wurde, wo er war. Im Dai Shi. Mit einem Ruck saß der Vampir aufrecht auf dem Boden und überall war Wasser. Erst jetzt bemerkte dieser, dass es in Strömen regnete, was noch untertrieben war. In diesem Moment wurde ihm klar, warum dieser X gesagt hatte, sie sollen höheres Terrain aufsuchen, denn sonst würden sie ertrinken. Auch in diesem Moment dachte er allerdings immer noch, dass sie bestimmt niemanden oder zumindest nicht viele durch dieses Ereignis ums Leben kommen lassen würden. Dennoch wollte er wirklich dringend auf das Gebäude kommen und sich dort von diesem Sturz und dann auch der Kletterei erholen wollte, ehe es daran ging die Stadt zu verlassen. Einmal tief durchatmend und danach stand er auf und lief nach vorne, denn dort müsste eigentlich immer noch das Gebäude stehen, sofern er sich nicht gedreht hatte, als er gefallen war. Und tatsächlich nur fünf Schritte vor ihm befand sich die Stelle, an der er zuvor versucht hatte die Wand zu erklimmen. Das Wasser stand ihm nun bis zu den Waden und er versuchte sich wieder an dem Aufstieg. Wobei Aufstieg in diesem Fall wirklich das falsche Wort war, denn sobald er an den Füßen und Händen einen sicheren Halt hatte, drückte er sich so stark nach oben, dass er eigentlich nach oben gesprungen war und konnte sich an einer Stelle weiter oben wieder festhalten. Als er diese Prozedur wiederholt hatte, konnte er sich schon beim nächsten Mal am Dachvorsprung festhalten und ganz nach oben aufs Dach ziehen.

    Oben auf dem Dach angekommen war sofort zu spüren, dass dieses sehr rutschig war, weshalb er vorsichtig, um ja nicht auszurutschen und wieder hinunter zu fallen, das Dach hinauf ging. Denn es könnte ja sein, dass das Wasser so hoch steigen würde, dass es sogar teile des Daches bedecken werden. Ohne einmal auf der Schräge auszurutschen gelang es ihm den höchsten Punkt des Daches zu erreichen, wo er sich hinsetzte und darauf wartete, dass dieses Szenario vorbei gehen würde.

    Auch wenn nicht außer Atem, war Adcalur dennoch erschöpft und sein Hinterkopf bereitete ihm auch schmerzen, weshalb er wirklich recht froh war, dass er sich nun hier ausruhen konnte, das Spiel um Leben und Tot würde erst richtig beginnen, sobald sich die Tore, welche aus der Stadt führten sich öffneten.
    Es gab in jedem Dai Shi drei Personen, an die man sich erinnerte und er wollte mindestens einer von ihnen werden. Natürlich der Sieger, allerdings würde ihm dies zu lange dauern. Die anderen beiden „Legenden“, wenn man sie so nennen wollte, wurden viel früher im Spiel bestimmt und zwar zur selben Zeit. Es war die Person, welche den ersten Kill des Spieles durchführte und der dämliche Idiot, der das erste Opfer wurde. Adcalur wollte einer der beiden werden und ganz gewiss nicht der dämliche Idiot.

    Wie er so auf dem Dach saß, kamen mit der Zeit noch einige andere Personen auf dieses hoch, welche er aber nicht groß beachtete. Nach einer gefühlten Ewigkeit, welche ihm aber gut getan hatte, lichtete sich der Nebel und es hörte auf zu regnen. Sein Blick wanderte sofort zu den Toren, welche aber noch geschlossen waren. Leider. Von seiner Position aus sah er, dass das Wasser, welches in den Straßen gestanden hatte langsam abfloss.
    Was der Gamemaster, als dessen Stimme wieder zu hören war, über die NPC erzählte, interessierte ihn nicht, er wollte nur dass sich die Stadttore öffneten und er hinausgehen konnte. Erst als er etwas von einer Anfangsquest erzählte fing er an ihm genau zuzuhören, denn wenn jeder eine bekommen würde, konnte dies nicht wirklich etwas Gutes bedeuten. Doch da hatte er sich getäuscht, als gesagt wurde, dass die Anfangsquest hieß etwas außerhalb der Stadt zu töten, musste er kurz auflachen, denn dies hatte er ja ohnehin vor. Da die Rede von etwas war, würde dies bestimmt auch auf einen Spieler bezogen sein. Schnell stand er auf und lief auf die Stelle zu, an der er auf das Dach gekommen war, denn dort würde er jetzt sofort wieder hinunter steigen, denn das Wasser war fast komplett verschwunden und darum würde es nicht mehr lange dauern, bis sie die Tore öffnen würden und diesen Moment durfte er nicht auf dem Dach verbringen, sondern musste schon auf dem Boden stehen.
    Kaum war er am Boden angekommen, wurde seine Vermutung, dass die Quest auch beendet war, wenn man einen Spieler tötete vom Gamemaster bestätigt, was ein freudiges Lächeln in sein schneeweißes Gesicht zauberte.
    DragonGodSlayer ist offline

  5. #245 Zitieren
    Burgherrin Avatar von Glorichen
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    Zuvor ...

    [Bild: AvatarBlume.png]Obwohl es 'Nacht' war und nachts für gewöhnlich die Welt wesentlich stiller und friedvoller war, glich Gainos eher einem großen Platz, auf dem ein Festival stattfand. Laute Stimmen, Gebrüll, Rufe, Grunzen, Wiehern, manchmal sogar auch Lachen, vor allem aber viele Gesprächsfetzen drangen von überall her an Telmas Ohren. Aus der Richtung des großen Platzes und der Stadttore lauter als aus den Gassen und Straßen zwischen den Häusern. Sie hätte sich genauso gut auf dem Réttir in Reykjavik aufhalten können.
    Die Tore waren also geöffnet und so wie es aussah, zog es zumindest einen Teil der Spieler bereits nach draußen - oder zumindest an die Tore. Jedenfalls leerten sich die Straßen etwas, sodass Telma weniger Mühe hatte, sich ihren Weg über die gepflasterten Wege zu bahnen. Immer wieder wandte sie den Blick gen Himmel, auf der Suche nach einem Streifen Dämmerung, der ihr den Tag ankündigte. Doch es war klar, ein paar Stunden würde sie warten müssen. Bei Nacht aus dem Tor und in den Ernst dieses Spieles hinauszutreten war keine gute Idee. Zumindest nicht, wenn sie nicht mit wenigstens ein paar Kills abtreten wollte.
    Telma rechnete nicht damit zu überleben. Aber sie wollte nicht zur Schlachtbank geführt werden wie ein Schaf. Nein. Das würde Olav nicht gerecht werden.

    Der Gedanke an ihren Bruder ließ Telma mitten auf dem Weg stehen bleiben. Sein Gesicht, mit diesem charakteristischen frechen Lachen und dem Grübchen, das sich dabei auf seiner rechten Wange bildete, stieg vor ihren Augen auf und ließ die Dryade für einige Momente erstarren. Den Blick ins Nichts gerichtet stand sie da, während der Junge, den sie so sehr geliebt und verehrt hatte, durch ihren Kopf spukte und ihr völlig die Handlungsfähigkeit versagte.

    WUMMS!
    Etwas schlug mit enormer Kraft gegen Telmas Schulter und wirbelte sie herum, sodass sie den sicheren Stand verlor.
    "Pass doch auf! Vollpfosten!"
    Telma schwankte immer noch, irgendwie noch nicht bereit, um ihr Gleichgewicht zu kämpfen und sackte schließlich auf Hände und Knie. "Pffft", gackerte es über ihr und als die Dryade schließlich den Kopf etwas anhob, sah sie noch die schlanke Gestalt, die sie umgelaufen hatte, mit wippender roter Haarmähne davonhüpfen.
    Einen Moment starrte Telma ihr im Vierfüßlerstand nach und ließ sich dann ganz auf ihre Füße sinken, sodass sie nun mitten auf dem Weg saß und unbestimmt in die Richtung blickte, in die die andere verschwunden war. Dumpf spürte sie einen leichten Schmerz in der rechten Schulter, dort wo die andere in sie hineingelaufen war, doch anstatt sich darum zu sorgen hieß Telma ihn willkommen. Er war eine Verbindung zur Realität, und hatte sie etwas aus ihrer Lethargie hervorgelockt.

    Trotzdem stand sie erst auf, als beinahe ein weiterer Spieler, mit Hufen statt Füßen, über sie gestolpert wäre und ihr ein immerhin wesentlich freundlicheres "Vorsicht!" zurief, bevor auch er verschwand. Auch ihm blickte Telma einen Moment hinterher, bis sie sich wieder auf ihren Hände stützte und sich so wieder in die Aufrechte schob. Der Hain, sie musste zum Hain. Ein leises Kribbeln in ihren Fingerkuppen erinnerte sie an das angenehme Gefühl, das sie zuvor gehabt hatte, als sie den Baum dort berührt hatte.
    Doch sie ließ sich Zeit. Nichts, rein gar nichts drängte sie zur Eile. Die Nacht würde lange genug dauern und überhaupt war sie nicht einer dieser Menschen, die es eilig von einem Ort zum nächsten zog. Im Gegenteil war es ihr immer erschienen, dass der Weg immer die angenehmste Sache an der Bewegung von einem Ort zum nächsten war.
    Also setzte sie einen Fuß vor den anderen, achtete jetzt jedoch weitestgehend darauf, zu anderen Spielern mindestens ein bis zwei Meter Abstand zu halten und erreichte schließlich erneut den kleinen Hain, der mit Gras, Büschen und einigen Bäumen lockte.
    Schon einige Meter zuvor hatte sie der Geruch der Pflanzen angelockt; eine Tatsache, die ihr zuvor nie aufgefallen war. Wie gut Pflanzen doch rochen! Unwillkürlich hatten sich ihre Schritte etwas beschleunigt und jetzt da sie von den Pflastersteinen auf das Gras trat, machte sie einige große Sprünge, bis sie mittendrin stand, umgeben von Blattwerk, Zweigen, Ästen und Rascheln.
    Diesmal ließ sich Telma ganz freiwillig auf alle Viere nieder und strich mit den Händen durch das weiche, wohlduftende Gras. Dann ließ sie sich ganz auf den Bauch nieder, streckte alle Viere von sich und ließ die Halme ihr Gesicht und ihre Nase kitzeln. Hier würde sie bleiben können, bis die Sonne aufging.
    Ein kleiner Funken Frieden für ihre gequälte Seele.
    "Never be cruel, never be cowardly.
    And never ever eat peas!
    Remember, hate is always foolish,
    and love is always wise.
    Laugh hard. Run fast. Be kind."
    - 12th Doctor -


    Glorichen ist offline

  6. #246 Zitieren
    .. loves to smile for you  Avatar von BlackShial
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    Was bisher geschah: von Wetteinsätzen und Würfelhusten

    [Bild: AvatarKazue.png]Ruhig wanderten die Augen der Ärztin zu der mobilen Neuraleinheit herab, die sie zuvor auf dem Tisch vor sich platziert hatte. Unweit dem Blumentopf, der auch weiterhin im Glauben, sie würde es nicht bemerken, als Aschenbecher genutzt wurde.
    Wenn Sato überrascht war, dann hatte sie es sich nicht auch nur eine Sekunde ansehen lassen.
    Vollkommen unbeeindruckt von dem Geschehen auf der Projektion vor sich oder gar dem Leuchten ihrer MNE, blickte die Frau an ihrem Kollegen vorbei zur Tür. Sie schätzte ab, wie hartnäckig der unbekannte Störenfried wohl sein mochte. Insgeheim hatte sie jedoch einen Verdacht, um wem es sich dabei handeln könnte, womit die Frage der Hartnäckigkeit dieses Anrufes ohnehin irrelevant war.
    „Entschuldigen sie mich kurz, Mukuge.“
    Ohne auch nur auf eine Antwort ihres Kollegen zu warten, erhob sich die Rothaarige von ihrem Tisch und strich sich den noch während des Verlassens der Räumlichkeiten ihren Kittel wieder glatt. Man wollte immerhin nicht den Anschein erregen, unprofessionell zu sein – ganz zu schweigen von der Befriedigung des Dranges, der ihre Hände ohnehin an ihr herabwandern ließen, sobald sie auch nur eine Falte in ihrer Kleidung vermutete.
    Der ausgewählte Austragungsort folgender verbaler Auseinandersetzung war das kleine Labor, welches sich direkt neben dem Büro der Ärztin befand, dessen Tür sie mit einem blasierten Lächeln auf den Lippen hinter sich schloss. Ruhig und vor allem akkurat legte Sato die noch immer leuchtende MNE vor sich auf den Labortisch, blickte noch einmal prüfend zur Tür und nahm dann die Gesprächsanfrage des hartnäckigen Anrufers an.
    Noch bevor sich das holografische Bild überhaupt hatte aufbauen können, erklang die aufgebrachte Stimme einer noch jungen Frau, die es erstaunlicherweise wirklich gut beherrschte in jedem von ihr geformten Wort den Groll fast schon sichtbar zu präsentieren.
    „Wollen sie mich eigentlich verscheißern?!“
    Wild gestikulierend erschien die Gestalt des forsch-formulierenden Früchtchens über der mobilen Neuraleinheit, die den Anrufer über sich projizierte. Man hätte nicht einmal einen Ton benötigt, um der Mine des Mädchens abzulesen, was genau sie empfand.
    Die Augen vor Ärger zwischen dem wirren Haar hervorfunkelnd – augenscheinlich hatte es an diesem Tag noch nicht für die Haarpflege gereicht. Die Lippen heftig bebend, dabei wie bei einem Straßenköter die Zähne gebleckt und durch die Bewegung des Unterkiefers knirschend.
    „Yasui Hazel.“
    Vollkommen teilnahmslos formulierte die Rothaarige die Feststellung, wer sich hinter der unnötig geschmacklosen Aussage verbarg – nicht, dass sie es nicht ohnehin bereits erahnt hatte, noch bevor die Worte überhaupt erklungen waren.
    „Ich weiß wie ich heiße, danke!“
    Fast - aber auch wirklich nur fast - hätte sich Sato erschrocken, dass diese Göre doch tatsächlich ein Wort wie 'Danke' kannte und sogar zu benutzen wusste, abgesehen von dem noch immer unhöflich lautem Tonfall.
    „Das freut mich für sie. Wie kann ich ihnen behilflich sein?“
    Nicht, dass der Frau nicht noch unzählige andere Sätze auf der Zunge lagen – allem voran unzählige Theorien über den Geisteszustand der Oberschülerin – dennoch entschied sie sich dafür das Gespräch sofort in die Richtung zu lenken, wegen der das Mädchen überhaupt erst gestört hatte.
    „In dem sie mir erklären, was diese ganze Scheiße zu bedeuten hat!
    Noch immer nicht gewillt ihre Stimme zu senken, prustete die Dunkelhäutige den Wortschwall heraus. Gefolgt von einer schaumigen Masse – wenn auch nur in der Vorstellung der Ärztin.
    „Was, das Dai Shi?“
    Die Nachfrage war eigentlich vollkommen überflüssig, hatte Sato ohnehin nicht vor auf eine Antwort zu warten. Zu gern hätte sie das Rotzgör noch etwas zappeln lassen, wenngleich sie es kaum erwarten konnte, wie sich das Gespräch wohl noch entwickeln mochte.
    „Dachten sie etwa 'großer Tod' stände für ein Communitytreffen der Belendiel-Krabbelgruppe? Auch wenn es in vielen Fällen der Teilnehmer gewiss nicht abwegig klingen mag.“

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    Was bisher geschah: scharfzüngige Schabracke

    [Bild: AvatarHazel1.png]Die Fahlbraunhaarige schnaubte verächtlich. Sie hatte weder die Geduld, noch das Interesse daran sich auf solch ein Spiel einzulassen. Weder auf das der Ärztin, noch auf das Dai Shi.
    „Lecken sie mich doch!“
    Schnarrend verengte Hazel die Augen, wandte sich dann von der Holoübertragung ab und machte einen Schritt von ihrem Schreibtisch weg und in den Raum hinein. Die Verbindung blieb bestehen und wurde auch weiterhin von dem auf dem Tisch liegenden Holophone projiziert, zusammen mit dem kleinen Otter, der immer mal wieder hinter dem Bild der Rothaarigen hervorlugte – jedoch kaum von der Oberschülerin bemerkt wurde.
    „Wie kann man diesen kranken Bockmist bitte mit seinem Gewissen vereinbaren?!“
    Wieso fragte sie überhaupt? Es war ja kaum so, als hätte dieser rotborstige Drahtbesen so etwas wie ein Gewissen, da war sie sich mehr als nur sicher. Es hätte sie nicht verwundert, wenn diese sie ständig blendenden Schmucksteine aus Tränen unzähliger Kinder gepresst waren, denen Nonomoto Enterprises die Eltern geraubt hatte.
    „Weshalb sollte dieses Spiel das Gewissen von einem der Nonomoto-Mitarbeiter belasten? Jeder Teilnehmer hat sich freiwillig dafür entschieden, sein Leben für ein paar Minuten Ruhm wegzuwerfen.“
    Ihre Stimme klang – wie zu erwarten und wie auch schon die ganze Zeit über – erschreckend kalt. Okay, Hazel interessierte sich ebenfalls einen Scheißdreck für die anderen Spieler, hatten die es sich ja wie die Furie sagte selbst herausgesucht. In ihrem Fall sah die Sache da aber schon gänzlich anders aus.
    „Es gibt Personen, die sehen es sogar als Dienst an der Menschheit an, was wir tut. Die einen nennen es einen Zeitvertreib für jene, die sonst nur auf dumme Gedanken kommen würden. Kurz: Globale Besänftigung. Andere halten es für eine Auslese der Starken oder einfach nur die Beseitigung derer, die ohnehin niemals etwas zu einer besseren Gesellschaft beitragen könnten. Außer ihrem Ableben natürlich.“
    Abgesehen von der Tatsache, dass diese Sato tatsächlich irgendwo recht hatte; ihr Hazel wie gewohnt nur mit einem Ohr zuhörte – dieses Mal jedoch dem Rauschen verschuldet – musste die Oberschülerin schlucken.
    Sie war kein Samariter, noch sah sie einen Sinn darin sich für all die bemitleidenswerten Seelen einsetzen, die ihr langweiliges Leben einfach so wegwarfen, aber dennoch trafen sie diese Worte. Irgendwo. Sie wollte keiner dieser Zirkusaffen sein, die alles aufgaben, nur um möglichst stilvoll abgemurkst zu werden, damit es der sabbernden Masse auch wirklich gefiel.
    „Yasui Hazel?“
    Ihr Name, abermals in diesem ekelerregenden Tonfall ausgesprochen, ließ sie aufhorchen. Mit hochgezogener Augenbraue drehte sie sich auf der Stelle herum und fixierte wieder die Projektion der Älteren im Kittel.
    „Hä?!“
    Kaum das sie diese erneut im Blickfeld hatte, zog sie ihre Mundwinkel demonstrativ noch weiter herab und versuchte so genervt wie irgend möglich zu wirken. Was sich für jemanden wie sie nicht als sonderlich schwer herausstellte. Tatsächlich war sie durch das Gespräch aber abgelenkt genug, dass sie ihre Widerwilligkeit zum Teil sogar spielen musste.
    „Ich komme nicht umher mich zu fragen, ob sie in all den Jahren tatsächlich niemals verstanden haben, um was es sich bei dem Dai Shi handelt ...“
    „Nicht jeder interessiert sich für so ein abartiges Gedöns!“
    Oder für überhaupt etwas, was mit der Außenwelt zu tun hat. Aber sie musste ja nicht zugeben, dass sie rein aus Prinzip alles mied, was der Masse gefiel.
    Es machte sie rasend, dass sie sich abermals eingestehen musste, dass all diese Scheiße ihre eigene Schuld war und sie es einfach nicht schaffte, es auf irgendjemanden abzuwälzen. Nicht, dass ihr dieses Abwälzen etwas gebracht hätte, außer vielleicht einem Moment der Genugtuung, dass nicht sie es war, die sich in diese Lage gebracht hatte. Dabei wollte sie doch vor allen Dingen nur hören, dass sie einfach weitermachen konnte wie bisher. Kein nahender Tod, einfach nur das Meiden jeglicher sozialer Kontakte.
    „Ich beneide ihre kindliche Naivität, die sie sich in den 17 Jahren haben bewahren können.“
    „18 Jahre. Es sind 18 Jahre.“
    Schnaufen verbesserte die Einzelgängerin ihre Gesprächspartnerin, deren Lippen wiederum ein unheimliches Lächeln umspielte.
    Wie an einen Strohhalm klammerte sich Hazel an das Einzige, was ihr noch blieb: Die Korrektur unwichtiger Fakten.
    „Ja, natürlich. Ganze 18 Jahre der arglosen Einfältigkeit, wie habe ich das nur vergessen können.“

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    Was bisher geschah: Globale Besänftigung

    [Bild: AvatarKazue.png]„Haben sie ihre Wissbegierigkeit nun befriedigen können, oder kann ich ihnen noch mit weiteren Erklärungen über ihre ausweglose Situation aushelfen?“
    Unbewusst schnalzte die Frau mit der Zunge, lies dabei den Blick von der Jüngeren abschweifen und war für einen Moment dazu geneigt, die Augen zu verdrehen, hielt dann jedoch halb in der abwertenden Aktion inne.
    „Passt schon, ihr könnt euch eure verdammte NE abholen. Ich werde da nicht mitmachen.“
    Wie erwartet, keinerlei Gespür für die wirkliche Welt.
    „In diesem Fall werden unsere Mitarbeiter gerne Punkt 09:00 Uhr bei ihnen sein, um die Neuraleinheit wieder an sich zu nehmen und ihre Leiche zu entsorgen.“
    Die Oberschülerin blinzelte, als wäre dies die einzige Möglichkeit, die ihr noch blieb, um halbwegs bei Sinnen zu bleiben. Untermalt von einem leichten Zucken ihres linken Augenlides.
    „Was?“
    Die Reaktion auf die Tatsache ihres unvermeidlichen Todes war ebenso kümmerlich wie ihre soziale Kompetenz. Dieses Mädchen konnte einem ja fast ein wenig leid tun. Wenn man so etwas wie Mitleid für die untere Schicht zu empfinden vermochte.
    „Ich lege ihnen dringend nahe, sich das Regelwerk einmal anzusehen. Auch wenn die Fülle an schwierigen Worten sie gewiss überfordern mag.“
    Die ganze Zeit über hatte die Kittelträgerin bewegungslos vor der mobilen Neuraleinheit verharrt, bis auf das gelegentliche – wenn auch nur leichte – Entgleisen ihrer Gesichtszüge bei dem ein oder anderen infantilen Geständnis der Jüngeren. Nun aber wurde ihre Aufmerksamkeit für einen Augenblick auf die untere-rechte Hälfte der Projektion gelenkt, auf der sich leicht durchsichtig die aktuelle Nachrichtenübertragung geöffnet hatte.
    Es war einfach zu perfekt um wahr zu sein.
    „Natürlich nur in der Hoffnung, dass sie daraufhin nicht den Drang verspüren sich mit einem ihrer Leidensgenossen die Sendezeit auf Tokyo News zu teilen.“
    Die Schülerin schien – welch Wunder – ihre Andeutung verstanden zu haben, zögerte aber einen kurzen Moment, nachdem sie sich herumgedreht hatte. Ungerührt folgten die eisblauen Augen der Ärztin dem Mädchen, welches sich leicht aus dem Bild bewegt hatte, um ihren Holo-TV einzuschalten.
    Es folgte eine Minute der Stille, die nur durch die gelegentlichen überdramatisierten Einwürfe der Reporterin unterbrochen wurde. Mutmaßungen über das vermutlich schwierige Leben des Spielers, der lieber den freien Fall gewählt hatte, als sich einem schmerzlichen Tod im Spiel zu stellen.
    Es hatte einen Moment gedauert, bis Sato dem eingeblendeten Namen eine Nummer zuordnen konnte und somit auch dessen Hintergrund. Einer von den Spielern, die ganz offensichtlich an enormer Selbstüberschätzung litten und dachten, in ihrem bemitleidenswerten Leben auch nur ein einziges Mal so etwas wie Ruhm zu erlangen. Nun, Nummer 1906 hatte es geschafft, das stand wohl außer Frage. Einen jämmerlichen Moment des mitleidigen Ruhmes, für einen jämmerlichen Feigling.
    „Ich entnehme ihrer Reaktion, dass sie die Fakten so weit zusammenzählen konnten, um zu verstehen, dass eine Weigerung der Teilnahme am Dai Shi ausgeschlossen ist?“
    Sie hoffte auf das Beste und somit auf das Einsparen der Zeit, die sie für eine Erläuterung benötigt hatte. Dieser Zufall war einfach zu passend gewesen. Selbst hätte sie es kaum besser planen können.
    Das störrige Gör stand noch immer wie angewurzelt vor dem Fernseher, den Mund dabei geöffnet und die Augenbrauen nach oben gezogen. Ja, es war offensichtlich, dass sie tatsächlich verstanden hatte. Gutes Mädchen.
    „Wieso tut man so etwas?“
    An der Reaktion der Schülerin lies sich ablesen, dass sie nicht den Todeswunsch des Selbstmörders in Frage stellte, sondern das ganze System, hatte sie sich immerhin mit zusammengekniffenen Augen wieder zu Sato gewandt.
    Die Ärztin hätte seufzen wollen, wenn sie nicht zu sehr darauf bedacht gewesen wäre, eine gewisse Professionalität zu bewahren.
    „An dem Event teilnehmen? Die Frage können sie sicher am besten beantworten. Sich absichern, dass man seine Marionetten nach dem Start nicht wegen verlorener Kampfesmoral verliert? Ganz offensichtlich wegen so etwas.“
    Teilnahmslos deutete die Rothaarige in die Richtung, in die ihre Gesprächspartnerin noch einen Moment zuvor gestarrt hatte.
    „Wenn wir diese Anflüge von Angst nicht vorsorglich mit einem stichfesten Vertrag und gewissen Hilfsmitteln unterbinden würden, hätten wir nun geschätzt 90 % der Spieler, die aufgrund der Einsicht, dass sie keinerlei Chance auf ihr Überleben haben, die sich wimmernd weigern würden weitererhin teilzunehmen.“
    Spätestens jetzt – und nicht zu vergessen mit der beiläufigen Bewegung ihrer Hand und dem Fingerdeut auf ihren Hals – hatte die Ältere deutlich gemacht, dass es kein Entkommen gab. Selbst für eine ebenso begriffsstutzige wie auch impertinente Person wie dieses knurrende Kind, sollte es inzwischen glasklar sein.
    „Aber ...“
    Die noch einen Moment zuvor von Wut gehärteten Gesichtszuge der Jüngeren lockerten sich und wichen einer Mine der traurigen Erkenntnis.
    „Aber ich werde sterben ...“
    „Natürlich werden sie das. Oder haben sie etwa mit ihrem nicht vorhandenen Talent etwas anderes erwartet?“
    Es gab immerhin einen Grund dafür, weshalb dieses bockbeinige Balg eine so hohe Teilnehmerzahl erhalten hatte. Keinerlei Begabung im Umgang mit einem Charakter in Belendiel und das fehlende Interesse der Zuschauer an einer so bedeutungslosen Person waren nun ausschlaggebend dafür.
    „Und das wird ihnen ...“ Ein gespielt unsicheres Schweigen folgte, einfach um die Aussage noch etwas zu unterstreichen und sich der Aufmerksamkeit der Schülerin zu vergewissern. „... erst jetzt bewusst? Wo sie sich mitten in dieser misslichen Lage befinden?“
    Ein erneutes Zucken des Augenlides war alles, was Sato im ersten Moment als Reaktion bekam. Reizlos. Mindestens ebenso wie das Gör selbst, wie sie sich wirklich gut vorstellen konnte.
    „Fahren sie doch zur Hölle ...“
    Sie hatte endlich ihre für sie gewöhnlich ordinäre Art wiedergefunden und formte mit den Lippen wieder die Drohgebärden eines ungepflegten Straßenköters.
    „Yasui Hazel. Wir alle befinden uns bereits in der Hölle, ich hatte erwartet ihnen diese kleine Tatsache mit diesem Gespräch verdeutlicht zu haben.“
    Dieses ganze Telefonat hatte sich augenscheinlich in eine gänzlich andere Richtung entwickelt, als es sich die Schülerin vorgestellt hatte. Schnaubend krallte sie ihre Hände in den Stoff ihres Oberteils, knapp über dem Gürtel und knüllte das weinrote Material zusammen.
    Eigentlich hatte Sato damit gerechnet, sich für ihre kleine Unwahrheit rechtfertigen zu müssen, als es um die Einstellung der Schnmerzempfindungen bei der Neuraleinheit ging. Doch nichts dergleichen wurde erwähnt – gut, so musste sie sich nicht mit solchen Kleinigkeiten befassen – war die Jüngere anscheinend viel zu aufgewühlt, um an solche offensichtlichen Lügen zu denken.
    Eine andere Annahme war, dass sie sich mit der Bitte der Errettung auseinandersetzen musste. Anscheinend hatte da aber jemand genug Stolz, sich nicht auf solch ein Gebettel einzulassen. Lobenswert.
    „Ich scheiße auf ihren verdammt Verein von überbezahlten Empahtieinvaliden! Irgendwann wird diese verfluchte Firma brennen und ich hoffe, dass sie es dann sind, die wimmernd in der Ecke sitzt und um Vergebung bittet!“
    Mit der Mimik eines hunrigen Shimpansens richtete sich die Spielerin zu voller Größe auf und lies es so wirken, als würde sie auf die Ärztin herabsehen. Goldig, wirklich.
    Nonomoto Enterprises würde brennen, darin bestand kein Zweifel. Keine Firma dieser Rangordnung konnte sich lange genug an der Spitze halten, ohne sich genug Feinde zu machen, die jahrelang deren Niederfall planten. Doch würde Sato ganz gewiss nicht die Person sein, die um Vergebung bat ... Nein, für sie gab es nur einen Weg, den sie beschreiben würde.
    Gerade als die Jüngere Anstalten machte, das Gespräch zu beenden, erhob die Rothaarige erneut die monotone Stimme.
    „Darf ich ihnen einen Rat geben, bevor sie sich wieder ihrem unausweichlichen Tod widmen?“
    Ein altbekanntes Schnauben erklang im Lautsprecher der mobilen Neuraleinheit.
    „Häh?!“
    Sie zeigte Einsicht, oder schien zumindest gewillt die Sache nicht in den nächsten Minuten durch eine Flucht in den Selbstmord enden zu lassen.
    „Befassen sie sich in den nächsten Stunden wieder mit ihrem kleinen Todesspiel, andernfalls wird das ganze sogar ohne ihre talentlosen Kampfversuche ein schnelles Ende finden.“
    Ohne auf eine Antwort zu warten, lies Sato die schmale Hand zu der MNE wandern und bestätigte, dass sie die Unterhaltung als beendet ansah. Ein letztes Lächeln umspielte ihre Lippen, als das Bild vor ihr verschwand und das Licht auf dem Gerät erlosch. Vielleicht war es, weil sie gern das letzte Wort haben wollte. Vielleicht war es aber auch einfach der Wunsch, den jämmerlichen Gesichtsausdruck der Schülerin nicht länger ertragen zu müssen, der eher dem eines getretenen Welpens glich, als einer bissigen Bulldogge, wie sie sich eigentlich gab.

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