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Strategie und Taktik - Gibt es das in Brettspielen?

  1. #1 Reply With Quote
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    In letzter Zeit hat meine Brettspielfrequenz relativ krass zugenommen, was einerseits daran liegt, dass ich einen regelmäßig zweiwöchigen Brettspielabend in der Gegend entdeckt habe und seit ein paar Wochen eine regelmäßige Mittwochsgruppe am Laufen habe. Seitdem habe ich mich etwas intensiver mit der Frage beschäftigt, was Strategie in Brettspielen überhaupt ist, ob das existiert und wenn ja, wie die Sache aussieht. Und ehrlich gesagt bin ich ein wenig... Ahnungslos. Ich meine, ja klar, man arbeitet langfristig bei quasi jedem Spiel auf etwas hin. Seien es Siegpunkte, wichtige Gebiete oder was auch immer den Spielfluss und vor allem das Ende des Spiels einläutet. Wenn ich an "Kyklades" denke, dann denke ich, dass mein Ziel darin liegt, zwei Metropolen zu bauen, weil... yeah, dann hab ich gewonnen. Aber das kann ja wohl schwerlich meine Strategie sein, weil das eh jeder tut und ganz einfach gesunder Menschenverstand ist. Wenn ich so über den Begriff "Strategie" nachdenke, dann will mir irgendwie kein Brettspiel, mit Ausnahme vielleicht von irgend welchen Multiplayer-Solitaire-Titeln, einfallen, auf den er sich anwenden lässt. Als eine Strategie würde ich eine feste Idee bezeichnen, wie ich mein Ziel erreiche. Ich könnte beispielsweise sagen "Meine Strategie für 'Kyklades' ist, jede Runde Athena zu wählen und mir zwei Philosophen besorgen, um nach vier Runden zwei Metropolen zu haben". Das wäre dumm und würde nie im Leben funktionieren, aber ich meine es jetzt mehr oder weniger beispielhaft. Aber so spiele ich nicht und mir fällt auch kein Mensch ein, der so spielen würde oder damit Erfolg haben könnte. Prinzipiell sind wir doch bei jedem Spiel den Gegebenheiten unterworfen. Wir sind - in einem gewissen Rahmen - "Sklaven" der Möglichkeiten, die uns das Regelsystem bietet, und wir haben keine Chance, einer "Strategie" zu folgen, wenn uns die Möglichkeiten nicht gegeben sind, oder? Wenn eine Aktion essentiell für meine "Strategie" ist, ich diese Aktion aber nicht ausführen kann, was mache ich dann? Verzweifeln? Oder mich der Situation anpassen? Prinzipiell ist es doch quasi immer nötig, flexibel auf die Gegebenheiten zu riskieren, "on the fly" neue Pläne zu fassen und eine "Strategie" aufzugeben, wenn es in jedem gegebenen Augenblick eine bessere Möglichkeit gäbe. Taktieren. Chancen wahrnehmen. Situationen ausnutzen. Clever auf Probleme reagieren, anstatt sich an einer Idee festzubeißen, die vielleicht gar nicht funktioniert. Aber was ist das? Ist das Taktik? Ist das Strategie? Ist das Wortklauberei? Wie würdet ihr diese Begriffe deffinieren? Fallen euch Spiele ein, auf die die eine oder andere Bezeichnung besser zutrifft? Was ist tatsächlich "Strategie" in einem Brettspiel? Fragen über Fragen. Was fällt euch dazu ein?
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  2. #2 Reply With Quote
    Schwertmeister
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    Strategie,Plan oder Vorgehensweise, wie mans auch nennen möchte, hängt für mich immer stark von der Art des Spiels ab. Spiele ich alleine? Gegen jemand anderes? Mit jemand anderem gegen das Spiel? Oder manchmal sogar gegen den Zufall bzw. die Warscheinlichkeit?
    Ich würde wie Du meine Strategie als meine Art und Weise bezeichnen wie ich mein Ziel erreichen will. Wie eng ich den Plan fasse hängt stark vom Spiel ab. Nehmen wir als Beispiel "Die Siedler", das spiele ich zur Zeit. Meine Strategie ist mich am Anfang auf Holz/Lehm zu konzentrieren, damit dann mehr Straßen/Siedlungen zu bauen und die Erz-/Getreidefelder einzunehmen um Städte zu errichten. Das Ganze kann jedoch schon vor Spielstart (Wenn die Zahlen nicht gut liegen) schwierig werden oder auch wenn man einfach Würfelpech hat. Dann muss man alles umstrukturieren und sich mit Ereigniskarten aus der Patsche helfen.
    Meine Strategie muss also flexibel sein, ich muss auf Gegebenheiten reagieren können (keine Rohstoffe -> Ereigniskarten ->Rohstoffe) und evtl. einen Umweg gehen.
    Noch schwieriger wird es wenn man noch stärker gegeneinander spielt, z.B. Risiko. Ich muss mit meiner Strategie nicht nur mein Zeil erreichen sondern gleichzeitig das Ziel des Gegners verhinden. Schwierig schwierig.

    Die wirklich gute Strategie in einem Spiel zeichnet sich wohl dadurch aus, wenn man aus den gegebenen Möglichkeiten das Beste macht. Du hast Recht, durch die Spielregeln werden Grenzen gelegt, aber was wäre ohne die Grenzen? Dann könnte man auch ein leeres Blatt auf den Tisch legen, dazu 2 Würfel 32 Spielkarten, ein totes Huhn und nen Becher und rufen "Möge der Beste gewinnen!".

    Ich persönlich bin kein passionierter Brettspieler, dafür spiele ich sehr gerne Skat. Bei Skat ist man in seinen Möglichkeiten natürlich sehr eingeschränkt und hat unter Umständen gar keine Möglichkeit zu gewinnen. Das kann sehr frustrierend sein, gleichzeitig macht es aber auch den Reiz aus mit den schlechteren Karten zu gewinnen. "Psychologische Kriegsführung" könnte man es fast schon nennen, man muss den anderen aus dem Konzept bringen, ihn dazu zwingen Fehler zu machen. Und sei es dass man eine 10 aufgibt um das Ass zu retten.

    Man sieht bei dir schon, Strategie wirklich zu definieren und abzugrenzen ist auch mMn bicht einfach. Hat man seine Strategie schon abgelegt wenn man Sie ändert? Oder gehört die Anpassung zur Strategie? Kann man lbei einem Sieg von sich behaupten die beste Strategie zu haben? Oder hat man lediglich eine bessere Strategie als der andere? Würde die vermeintlich bessere Strategie gegen die momentan siegreiche Strategie gewinnen, oder wäre die bessere Strategie gegen diese spezielle andere nicht mehr so gut? Ich schließe auch mal mit ein paar Fragen..
    Dawalker is offline

  3. #3 Reply With Quote
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    Ja sicher, oft hängt's auch von dem Spiel oder der Art des Spiels ab Wenn man "Zombie Würfel" auf den Tisch legt, wird der Gewinner hinterher nicht behaupten, dass er aufgrund seiner überlegenen Strategie gewonnen hat. Wenn er's doch tut, dann ist er ein Lügner. Genau so vice versa, was du zu den Siedlern beschreibst ist ja prinzipiell schön und gut, aber kann man das wirklich "Strategie" nennen? Ich meine, das ist doch quasi das einzige, was man im Rahmen des Regelwerks tun kann. Jeder, der zumindest halbwegs Interesse am Gewinnen hat, wird nach der zwölften Runde, in der er immer noch kein Holz und keinen Lehm bekommen hat, auf irgend etwas anderes ausweichen und nicht drauf beharren "Ich spiel auf Straßen und ich geh hier nicht weg, bevor ich nicht eine Straße habe". Überspitzt gesprochen. Genau so wird niemand sagen "Ach, ich spiele nicht auf Straßen, ich habe vor, ohne Straßen zu gewinnen", weil das wenn ich mich recht entsinne physikalisch unmöglich ist Ja sicher, ist die Frage, heißt "von der eigenen Strategie abweichen" direkt, diese umzuwerfen? Ich weiß es nicht. Das hängt sicher auch davon ab, wie wir den Punkt definieren, an dem man die eigene Strategie formuliert. Nehmen wir beispielsweise "Eclipse". Was wenn man von Anfang an besonders stark auf Militär setzen möchte, aber einfach nicht die richtigen Technologien auftauchen? Man braucht sicherlich die anfänglichen Spielvoraussetzungen, um sich überhaupt ein Bild zu machen. Man kann ja auch bei "Battlestar Galactica" nicht von vorneherein die Strategie "Menschliche Spieler bei jeder Gelegenheit möglichst krass annerven" wählen, wenn man noch nicht weiß, dass man Zylon sein wird. Wobei mir gerade auffällt, dass gerade Spiele mit möglichst niedriger direkter Interaktion oder essentiellen versteckten Informationen höchstwahrscheinlich leichter "strategisch" gespielt werden können, als andere. Ich kann bei "Stone Age" total auf Gebäude oder Karten gehen und das jeweils andere quasi völlig ignorieren. Ist auf jeden Fall möglich. Und gerade Spiele, die Bluffs ermöglichen, wie "Bang", "Battlestar Galactica", "Jäger der Nacht" oder was weiß ich bieten interessante Möglichkeiten. Beispielsweise hab ich bei "Bang! The Dice Game" mal so krass geblufft, dass der Sheriff voll auf meiner Seite war. Obwohl ich Bandit war. Ach, schwierig, das alles...

    Interessant finde ich übrigens diese Liste von "gelösten Spielen". Leider nur abstrakte Titel, wäre mal gespannt, ob es irgendwo thematische Spiele oder Strategiespiele gibt, die als "gelöst" gelten (wurde 'ne Weile ja über "Stone Age" behauptet, aber ich hab's noch nicht so ganz gesehen...)
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  4. #4 Reply With Quote
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    Meine bisherige Erfahrung ist, dass es wohl kaum Strategien gibt, weil, wie du schon sagst, das Gesamtziel immer das gleiche ist und der Weg dort hin auch. Nehmen wir Siedler von Catan. Siegpunkte durch Dörfer/Städte oder Entwicklungskarten. Ich kann weder Städte zerstören und damit Siegpunkte bekommen und andere daran hindern, noch kann ich gewinnen in dem einen großen Warenvorrat anhäufe oder andere Spieler komplett auslöschen, so dass nur noch ich übrig bleibe oder oder oder. Das einzige was ich machen kann, sind Taktiken in kleineren Grenzen. Setze ich meine Rohstoffe eher für exzessiven Straßenbau ein um so wenigstens 2 Siegpunkte zu bekommen, setze ich meine Rohstoffe ein um Entwicklungskarten zu kaufen um somit VIELLEICHT Siegpunkte oder die größte Rittermacht zu bekommen? An welchen Hafen gehe ich und welche Rohstoffe kommen mir damit am besten zu Gute?

    Taktisch ist schon einiges möglich, aber groß angelegte Strategien sind nicht drin. So ein Spiel ist mir bisher auch noch nicht untergekommen.
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  5. #5 Reply With Quote
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    Ich denke schon, dass es sowas wie Strategie noch in manchen (nicht in allen) Brettspielen gibt. In "Die Zwerge" muss man zum Beispiel abwägen können, welche Ausrüstungsgegenstände für welchen Charakter am Geeignetsten erscheint, welche Side-Quests man erfüllt oder ob man direkt den Hauptquest erledigt. Man muss untereinander kommunizieren, abwägen und den besten Lösungsweg quasi ermitteln um zu verhindern, dass das Spiel gewinnt. Das kann mitunter sehr nervenaufreibend sein. Wahrscheinlich ist nicht in allen Brettspielen Strategie von Nöten, in manch anderen dafür aber umso mehr.
    "Kelpie, du bist echt NSFL!"
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  6. #6 Reply With Quote
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    Habe mir das mal angesehen, das sieht ja richtig gut aus! Und das was du schreibst, klingt auch gut. Wenn ich jetzt nur noch eine Gruppe hätte :/
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  7. #7 Reply With Quote
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    Quote Originally Posted by Leo Norice View Post
    Habe mir das mal angesehen, das sieht ja richtig gut aus! Und das was du schreibst, klingt auch gut. Wenn ich jetzt nur noch eine Gruppe hätte :/
    Man kann es durchaus auch zu zweit spielen, aber je nachdem dauerts halt eine gute Weile. Ich glaub bei meiner letzten 2er-Partie saßen wir 3 Stunden und haben gegen das Spiel verloren xD aber ich finds auch wirklich gut und würde es immer wieder empfehlen, grade auch denen, die die Bücher gelesen haben :-) (explizit das erste Buch, da sich das Spiel darauf aufbaut)
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  8. #8 Reply With Quote
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    Ich denke, daß längere Spiele mehr Strategie erfordern znd das auch müssen, da sie ansonsten bei nur kurzzeitigem Taktieren zu schnell langweilig werden. Kandidaten für Spiele mit größerem strategischem Anteil sind daher natürlich Wargames (z.B. irgendein Axis & Allies — oder meinetwegen auch nur Risiko) und Eisenbahnspiele (z.B. irgendein 18XX).

    „Strategie“ würde ich hier als eine Art generellen Langzeitplan ansehen, den man eben nicht so einfach schnell umsetzen kann, weil er mitunter aus mehreren Schritten besteht.
    Es entsteht immer wieder Anlass zu vorsichtiger Lebensfreude, wenn man sich vor Augen hält, was es alles nicht gibt und was es daher vielleicht auch niemals geben wird.

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  9. #9 Reply With Quote
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    Ich denke, daß längere Spiele mehr Strategie erfordern znd das auch müssen, da sie ansonsten bei nur kurzzeitigem Taktieren zu schnell langweilig werden. Kandidaten für Spiele mit größerem strategischem Anteil sind daher natürlich Wargames (z.B. irgendein Axis & Allies — oder meinetwegen auch nur Risiko) und Eisenbahnspiele (z.B. irgendein 18XX).
    Horus Heresy wäre auch noch ein Kandidat für längere Strategiespiele, jedoch wird das wohl eher nur Leute ansprechen, die auch mit dem 40k-Universum was anfangen können.
    Risiko ist für mich eigentlich so der Klassiker unter den Strategiespielen (früher haben wir mit meinem Vater immer alle Aufträge außen vorgelassen und es gab den globalen Auftrag "Erobern Sie die Welt"). Das Problem heutzutage ist aber meistens, dass die Leute sich keine Zeit mehr lassen wollen für ein längeres und anspruchsvolleres Spiel.

    Was ich auch noch als strategisches Spiel ansehen würde ist Ascension, ein Deck-Building-Game. Sehr interessant und auch sehr gut meiner Meinung nach aufgebaut.
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  10. #10 Reply With Quote
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    Quote Originally Posted by Vertaler View Post
    Ich denke, daß längere Spiele mehr Strategie erfordern znd das auch müssen, da sie ansonsten bei nur kurzzeitigem Taktieren zu schnell langweilig werden. Kandidaten für Spiele mit größerem strategischem Anteil sind daher natürlich Wargames (z.B. irgendein Axis & Allies — oder meinetwegen auch nur Risiko) und Eisenbahnspiele (z.B. irgendein 18XX).
    Gerade bei den Wargames hab ich's halt nach wie vor nicht wirklich gesehen. Ja, okay, klar, "Risiko" diktiert dir mit den Aufträgen schon vor, was du zu tun hast, aber kann man das Abarbeiten derselben dann wirklich "Strategie" nennen? Strategie ist doch weniger was du tust, sondern auf welchem Weg du das erreichst. Eine "Strategie" bei Risiko wäre beispielsweise meiner Meinung nach "Ich behalte jetzt diese Verstärkungskarten auf der Hand, lasse meinen Gegner, der von Südamerika kommt, an der Grenze zu Nordamerika in die Falle laufen und greife dann überraschend von Afrika aus an". Aber was, wenn das nicht funktioniert? Kein Mensch wird weiter dasitzen und Zug um Zug drauf warten, dass das doch noch klappt, während das Ding an drei anderen Orten brennt, die er alternativ mit den Ressourcen retten könnte. Oder? Wir haben gerade kürzlich wieder "Dust" und zwei Runden "Kemet" gespielt und da sieht's ähnlich aus. Jede "Langzeitstrategie" ist eigentlich nur gesunder Menschenverstand. "Ich mache das, was Siegpunkte bringt". Aber einen konkreten Plan zu formulieren, wie das anzustellen ist, lässt sich doch nur aus der jeweiligen konkreten Spielsituation ableiten. Da muss die Taktik doch on the fly angepasst werden, weil die Idee, die man hatte, möglicherweise gar nicht mehr relevant ist. Klar kann ich mir bei "Dust" fest vornehmen, Asien zu zerbomben. Aber was, wenn derjenige, der gerade führt, in Amerika sitzt? Dann kann ich sicher weiter auf den Spieler in Asien eintreten, der eh schon am Boden liegt, aber gewinnen werde ich dadurch nicht. Andererseits habe ich nie, nie, NIE eine Runde "Dust" gewonnen, also sollte man auf meine Ansichten vielleicht nicht so viel geben
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  11. #11 Reply With Quote
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    Ich finde es wirklich schwierig innerhalb eines Spieles von Strategie zu sprechen - weil ich Strategie wirklich als etwas Umfassendes betrachte, was von Anfang an des betreffenden Vorhabens existent ist. Das bedeutet bei Brettspielen jedoch dementsprechend, dass es keine Gründe geben kann, welche es sinnvoll erscheinen lassen kurzfristig alles über den Haufen zu werfen. Also, nur um mal ein paar Beispiele zu nennen, was in meinen Augen nicht Strategie ist. "Die Sieder", weil vor Spielbeginn nicht klar ist, welche Ausgangslage überhaupt vorhanden ist & und auch nach dem Setzen der ersten zwei Siedlungen nahezu ründlich neue Pläne erdacht und alte verworfen werden. Auch bei "Risiko" verhält es sich so. Vor dem Start weiß man nicht, ob es überhaupt die Möglichkeit gibt, in bestimmten Gebieten anzufangen, und aufgrund des schnellen Aufstellens von Armeen (durch Karten), ist man nahezu ründlich gezwungen auf neue Bedrohungen zu reagieren. Auch "Ascension" sehe ich nicht als Strategiespiel. Durch die recht geringe Auswahl an Karten pro Zug wird man am Anfang auf einen Weg gezwungen und nimmt dann logischer Weise, wenn möglich, die dazu passenden Karten,...


    Trotzdem gibt es natürlich Strategie in Spielen. Bei einigen Coop-Brettspielen, die komplexerer Natur sind, kann es durchaus vorkommen. Man sucht sich bei "Arkham Horror" einen bestimmten Gegner heraus und nimmt dann Spielcharaktere, welche gegen ihn in einer bestimmten Weise gut harmonieren. Auch bei wirklich komplexen Spielen, die sich über etliche Stunden erstrecken und einfach langsam sind, würde ich Strategie für möglich halten. Ich habe "Civilisation" als Brettspiel (nicht das aktuellere recht bekannte), welches wirklich dadurch besticht, dass es sich träge spielt. Auch "Clash of Cultures" könnte darunter fallen.

    Was ich aber deutlich wichtiger halte, und was auch bei vielen Spielen zum Einsatz kommt, ist eine Strategie auf der Metaebene. Ich denke, viele machen dies, ohne sich selber darüber bewusst zu sein, dass sie es machen. Ganz einfaches Beispiel. Bei "Die Siedler" treten beim Einsatz des Räubers manche Spieler als gnädig auf (sie zeigen also, dass sie nicht aggressiv sind), andere rachsüchtig (sie stellen den Räuber zu jenem, welcher sie zuletzt geschädigt hat). Erstmal erscheint das suboptimal, denn der Räuber sollte tendenziell den größten Schaden bei dem Stärksten anrichten, aber es kann zu positiven Resultaten führen, da andere Spieler sich daran erinnern, wenn sie den Räuber setzen.


    hm, dass ist mir so erstmal zu dem Thema eingefallen. :>
    Sol, RPG, TuS & AAR.
    If I say fuck two more times, thats 46 fucks in this fucked up rhyme. (Limp Bizkit - Hot Dog)
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  12. #12 Reply With Quote
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    Eine "Strategie" bei Risiko wäre beispielsweise meiner Meinung nach "Ich behalte jetzt diese Verstärkungskarten auf der Hand, lasse meinen Gegner, der von Südamerika kommt, an der Grenze zu Nordamerika in die Falle laufen und greife dann überraschend von Afrika aus an". Aber was, wenn das nicht funktioniert? Kein Mensch wird weiter dasitzen und Zug um Zug drauf warten, dass das doch noch klappt, während das Ding an drei anderen Orten brennt, die er alternativ mit den Ressourcen retten könnte.
    Hm, nun ja, dann war die Strategie nicht gut genug. Natürlich gibt es keine „perfekte“ Strategie wie eine Programmierung – aber man kann über Wahrscheinlichkeiten doch zumindest Abschätzungen machen und diese beim
    Aufbau der Strategie mit einbeziehen.

    Ein enger Strategiebegriff der Art „ich plane von vorn bis hinten alles durch“ ist wohl nicht durchzusetzen, weil Spiele in der Regel entweder interaktiv sieht und die Spieler konkurrieren (und man muß mitunter reagieren, konnte das aber natürlich nicht am Anfang wissen) oder das Glückselement einfach so stark ist, daß man oft kurzfristig Änderungen an der Spielweise machen muß.

    Daher denke ich, daß bei Spielen wenn überhaupt, dann ein „offenerer“ Begriff angewendet werden kann: Strategie als Langzeittaktik, ein Ziel, das man auf bestimmtem Weg über das ganze Spiel zu erreichen versucht. Eben sowas wie Aufträge bei Risiko, nur eben nicht vom Spiel vorgegeben (ich würde die Aufträge auch eher als grobe Richtung ansehen), sondern selbst erdacht/geplant.
    Es entsteht immer wieder Anlass zu vorsichtiger Lebensfreude, wenn man sich vor Augen hält, was es alles nicht gibt und was es daher vielleicht auch niemals geben wird.

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  13. #13 Reply With Quote
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    Aber welches Spiel hat das? Welches bietet dir so viel Freiraum, dass du dir deinen eigenen "Weg zum Sieg" suchen kannst? Ich meine, bei Spielen mit synchronen Siegbedingungen dürfte ja jedem ziemlich klar sein, was die anderen wollen. Und auch, wie das zu erreichen ist. Und bei geheimen, asynchronen Siegbedingungen fällt mir ehrlich gesagt auch nicht ein, was man da für Strategien haben kann, außer "Die Siegbedingung offen verfolgen" oder "Bluffen, damit der andere denkt, ich müsste was anderes erledigen". Wenn du bei "Risiko" "Befreien Sie Australien" vor dir liegen hast, dann kannst du das zwar möglicherweise auf indirektem Wege erledigen, nicht gleich ganz offensichtlich nach Melbourn fahren und alles zerbomben, aber der Punkt ist, du MUSST Australien befreien. Wenn du's nicht tust, wirst du nicht gewinnen.
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  14. #14 Reply With Quote
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    Nicht nur das: du wirst auch dann nicht gewinnen, wenn eine Mitspielerin vor dir ihren Auftrag schafft. Deswegen ist eine Strategie, die nur die eigenen Ziele im Blick hat, eher schlecht.

    Ich denke, ein Axis & Allies ist besser geeignet, um richtige Strategien anzuwenden, weil die Ziele jeder Partei bekannt und dabei relativ ausgewogen sind: hier kommt es nur darauf an, welche Einheiten man produziert und wo man sue geschickt plaziert, um den Gegner in eine Falle zu locken.

    Solche Strategien kommen aber erst zutage, wenn man ein Spiel schon gut kennt ind weiß, was funktioniert und was nicht. Darum sind bei erfahrenen Spielern oft die jeweils ersten Runden/Züge sehr ähnlich: man hat seine (erfolgreiche) Strategie festgelegt und versucht, sie so gut es geht durchzuziehen.
    Es entsteht immer wieder Anlass zu vorsichtiger Lebensfreude, wenn man sich vor Augen hält, was es alles nicht gibt und was es daher vielleicht auch niemals geben wird.

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  15. #15 Reply With Quote
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    Genau so wird da aber ein ebenso erfahrener Spieler die Falle meilenweit gegen den Wind riechen Gut, viel mehr kann ich da nicht zu sagen, ich hab "Axis & Allies" immer noch nicht gespielt, bin aber auch nicht so ultrascharf drauf. Ich weiß auch ehrlich gesagt gar nicht genau, warum ich diese Diskussion vom Zaun breche, ich meine, ich bin der LETZTE, der ein Spiel will, bei dem man sich vor Beginn seine Strategie zurecht legt und diese dann einfach nur noch abläuft, ich will Flexibilität, ich will jederzeit meine Taktik ändern dürfen und trotzdem Erfolg damit haben. Aber... irgendwie ist das halt so ein Ding, das schon länger an mir gefressen hat.
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  16. #16 Reply With Quote
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    Nicht unbedingt. Bestimmte Spielzüge funktionieren eben doch mit sehr großer Wahrscheinlichkeit, ohne daß der Gegner viel daran machen kann. Deswegen hat man noch lange nicht gewonnen – das wäre ja langweilig –, aber man kann das vielleicht ein bißchen mit einer Eröffnung beim Schach vergleichen – nur natürlich mit einem Glücksfaktor dabei, der dafür sorgt, daß die Stellung nicht immer ganz gleich aussieht. Auch gibt es natürlich unzählige unterschiedliche Eröffnungen, die man nach und nach ausprobiert usw. Aber dennoch sind Axis-Spiele eine Sorte Spiel, das man wirklich recht gut „üben“ kann, indem man häufiger spielt. Das ist auch ein Grund, warum ich bei den bisher gespielten Partien so gut sie keine Chance hatte – die anderen waren einfach sehr viel erfahrener und haben die Stellungen sehr viel besser lesen können, vielleicht sogar abhängig davon Strategien für die nächsten Runden entwickelt usw.
    Es entsteht immer wieder Anlass zu vorsichtiger Lebensfreude, wenn man sich vor Augen hält, was es alles nicht gibt und was es daher vielleicht auch niemals geben wird.

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  17. #17 Reply With Quote
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    Aber ist das dann nicht ein Zeichen von schlechtem Spieldesign? Wenn es Züge gibt, die... wie sagt man so schön... "imba" sind? Ach, ich weiß nicht... Wenn ich jetzt langsam so näher drüber nachdenke, dann fällt mir halt doch irgendwo auf, dass es vielleicht einfach daran liegt, dass ich so etwas gar nicht möchte. Eine Frage des Geschmacks vielleicht. Ich meine, ja, okay, Schach ist lösbar und es gibt trotzdem Leute, die voll darauf abfahren, und es ist seit Jahrhunderten ein "Dauerbrenner", also wird wohl was dran sein. Manche Leute wollen vielleicht Spiele, die lösbar sind, die mal lernen kann, bei denen man nach intensivem Studium dem Gegner über ist. Da ist ja vielleicht auch was interessantes dran. Vielleicht ist das einfach nur nicht meine Welt. Wer weiß?
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  18. #18 Reply With Quote
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    Wie gesagt, völlig spielentscheidend sind diese Strategien (denke ich) nicht unbedingt, sie dienen eher dazu, eine gute Ausgangsstellung für das weitere Spiel zu erzeugen. Und natürlich spielt man nicht immer gleich, weil man eben auch mal was anderes ausprobieren möchte – vielleicht sind andere Ansätze auch gut, setzen nur den Fokus woanders (es gibt ja mehr als eine Möglichkeit, zu gewinnen). Durch das Zufallselement Würfel geht ja auch wieder ein sehr großer Teil Berechenbarkeit verloren und wird durch Wahrscheinlichkeit ersetzt.
    Es entsteht immer wieder Anlass zu vorsichtiger Lebensfreude, wenn man sich vor Augen hält, was es alles nicht gibt und was es daher vielleicht auch niemals geben wird.

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  19. #19 Reply With Quote
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    "Gerade bei den Wargames hab ich's halt nach wie vor nicht wirklich gesehen. Ja, okay, klar, "Risiko" diktiert dir mit den Aufträgen schon vor, was du zu tun hast, aber kann man das Abarbeiten derselben dann wirklich "Strategie" nennen? Strategie ist doch weniger was du tust, sondern auf welchem Weg du das erreichst. Eine "Strategie" bei Risiko wäre beispielsweise meiner Meinung nach "Ich behalte jetzt diese Verstärkungskarten auf der Hand, lasse meinen Gegner, der von Südamerika kommt, an der Grenze zu Nordamerika in die Falle laufen und greife dann überraschend von Afrika aus" an". Aber was, wenn das nicht funktioniert? Kein Mensch wird weiter dasitzen und Zug um Zug drauf warten, dass das doch noch klappt, während das Ding an drei anderen Orten brennt,"

    kommt auf die strategie an
    kein witz
    bei risiko kann man zumindest minimal von strategischen möglichkeiten sprechen (wobei ich gewohnt bin um die weltherrschaft zu spielen, wobei die unterlegenen meist kapitulieren wenn sie des verlierens müde sind.
    natürlich sind die strategisch wichtigen punkte wie island jedem bekannt, aber man hatt garnicht die möglichkeit von vorneherrein alle anzugehen sondern muss sich entscheiden
    bei den meisten spielen ist soetwas wie strategie (im spiel) nicht vorgesehen, denn zur strategie gehört die wahl des schlachtfeldes und des zeitpunktes des eintreffens dort als elementare grundlage.
    das ist nichtmal beim klassiker schach gegeben, bei simpleren(komplizierter also einschränkender)konzepten noch viel weniger, man betritt das schlachtfeld mit spielbeginn; strategische entscheidungen müssen gefallen sein(z.b. charachterwahl, verbündete die man beim kaffeeholen aquiriert hatt...),was noch kommt ist taktik...bauer oder pferd?
    die als beispiel angeführten siedler sind ein explizietes taktikspiel, genau wie tabletopschlachten.
    der klassiker go währe noch als beispiel zu erwähnen bei dem beides simultan gedacht werden muss, wobei einen die taktik zum strategiewechsel zwingen kann während strategische fehlentscheidungen einem den taktisch errungenen sieg entreissen können - jede sclacht gewonnen aber den krieg verloren
    brennt nicht?
    probier mal Gift
    Wirselhirsel is offline

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