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  1. #41
    .. loves to smile for you  BlackShial's Avatar
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    [Bild: TiadenPic2.png]Die fleißige und überaus gut organisierte Elfe entschied sich, alles bereit für das Abendmahl zu machen, kaum dass sie mir ihrer Aufgabe fertig war, die man ihr aufgetragen hatte. Sorgfältig sah sie sich nach einem geeigneten Stein um, auf dem sie mit ihrer Arbeit beginnen konnte. Gerade, flach und stabil musste er sein. Kaum das sie einen gefunden hatte, breitete die Besänftigte ein Stück Leder darauf aus, welches sie von ihrem Gürtel abgebunden hatte und bis dahin als provisorische Tasche diente.
    Nachdem sie die Wurzeln und Beeren im Wasser gereinigt hatte, machte sie sich daran diese auf dem Stück Leder zu schneiden, fein säuberlich, soweit es ihr Messer denn hergab. Stolz wäre sie gewesen, überaus stolz. Sie machte ihre Arbeit wirklich gut. Wie immer.
    Noch immer schneidend ließ sie ihre rotbraunen Augen jedoch suchend herumwandern. Sie würde eine Unterlage brauchen, war es doch unsinnig und vor allem unsauber den Fisch ohne diese zu verzehren. Ob sie den Zwerg damit beauftragen sollte? Doch Tiaden war sich unsicher, ob er überhaupt das nötige Feingefühl dafür hatte, wusste sie doch bereits genau was als Unterlage hätte dienen sollen.
    Es waren seine Worte und die Ankündigung das das Essen bereit war, welche sie dazu brachten zu Handeln, statt weiter darüber nachzudenken ob der Bärtige mehr konnte als aus Stöcken etwas zu bauen.
    „Gut. Gebt mir einen Moment.“
    Die Blondine erhob sich langsam und stolzierte auf den Baum zu, den sie vorher etwas länger gemustert hatte, ihr Messer noch immer in der Hand. Vorsichtig tastete sie mit ihren schmalen, grazilen Fingern die Rinde ab, bis sie eine Stelle gefunden hatte, die sie als geeignet genug ansah. Die Spitze des Messers an die trockene Borke angesetzt, löste sie diese problemlos aber dennoch zaghaft von dem Stamm, so lange bis sie ein großes Stück davon in den Händen hielt. Kontrollierend betrachtete sie die Innenseite, untersuchte ob diese sauber war und frei von Käfern. Der Zwerg mochte nichts dagegen gehabt haben Insekten zu verzehren, somit hätte er auch die dreckige Hälfte haben können, doch die Borke war sauber und Tiaden damit zufriedengestellt.
    Während sie sich auf ihren kleinen Begleiter zubewegte, teilte sie das große Stück in zwei und reichte ihm eine Hälfte davon, sah ihn dabei mit ihren leeren Augen direkt an.
    „Legt sie hierauf, ich kümmere mich um den Rest.“


    [Bild: JosefinaPic2.png]Zufrieden nickend machte sich die Templerin daran ihren Schild fest am Rücken zu verschnüren, so schnell musste sie dem garstigen Kerl hoffentlich keine mehr damit über die Rübe ziehen. Sie hoffte und glaubte an das Gute in ihm.
    Er schien immerhin doch ein recht hilfsbereiter Grobian zu sein. Vielleicht war das in der Taverne ja nur ein Ausrutscher?
    Oder aber dieser kurze Anflug von Selbstlosigkeit war … nun ja, eben nur ein kurzer Anflug.
    Sie würde es bald herausfinden und bis dahin würde sie den unbezahlten Söldner, lebensmüden Anführer einer nun toten Bande von Halunken, Möchtegern Grauer Wächter oder was auch immer er sein mochte, genauestens im Auge behalten.
    Gedankenverloren versuchte sie in Ziel dieser Unternehmung auszumachen, wusste sie doch nicht einmal ansatzweise wo sich Tiaden in diesem Moment befand. Unbewusst hob die Schwarzhaarige ihre behandschuhte Rechte und wischte sich den Schnodder von der Nase, die Überreste ihres kleinen, sentimentalen Ausrutscher des Tages, machte den Handrücken schlussendlich an ihrem Templerrock sauber. Ein Schniefen gefolgt von einem leichten Grunzen verhalf ihr dabei sich zu vergewissern, dass ihre Nase wieder frei war, woraufhin sie tief die Luft in sich einzog.
    Der Geruch des Meeres war weit entfernt, zu weit um ihn noch zu vernehmen. Des Geruch, den sie in sich aufnahm als sie sich ihren Verfolgern stellte, kurz nachdem sie ihre Geliebte zurückgelassen hatte.
    So weit entfernt.
    Es war die Frage aller Fragen, die ihr frisch auserkorene Begleiter gestellt hatte. Die Frage, auf die sie absolut keine Antwort wusste. Wie nannte man so etwas? Eine Nadel im Heuhaufen suchen? Ja, dass musste es gewesen sein. Genau das.
    „Zum Wachen Meer … Denke ich …“
    Zweifel schwangen in ihrer Stimme mit, unverkennbar und offensichtlicher als ein Glaubensbruder in einem Bordell.
    Erneut meldeten sich ihre Kopfschmerzen, der Nachklang der Prügelei wahrscheinlich, aber ebenso die Erinnerung an den Ort auf der Karte, wo sie sich befinden mussten.
    So weit entfernt.
    „Der Erbauer möge uns den Weg zeigen …“
    Die ganze Zeit über hatte sie mit sich gekämpft, wollte sie doch nicht wie eine debile Irre wirken, die ohne jeglichen Anhaltspunkt nach einer Person suchte, in einem Land wie Ferelden. Vergebens. Denn genau dies war sie.
    Alles was ihr blieb, war auf die Gnade des Erbauers zu hoffen und die Kartenlesefähigkeit des Mannes.
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  2. #42
    Schwertmeister Khardim's Avatar
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    [Bild: zbE5a2KFC2AdamNichols_KnightPortrait_klein.jpg]
    Ser Lothar presste sich an die Wand hinter ihm und schob sich langsam zur Öffnung im Boden vor, durch welche die Treppe in das Obergeschoss führte. Die Stimmen waren durch das unablässige Knarren des Mühlrades nicht zu verstehen und von seiner Position aus konnte er nur verzerrte Schatten sehen, die sich über den Holzboden bewegten, während sich ihre Besitzer im Raum umsahen.
    Er zog sich ein Stück in die Finsternis zurück und versuchte einen Plan zu fassen. Er hatte keinerlei Anhaltspunkte über Anzahl und Absichten der Neuankömmlinge, es konnte genau so gut die Müllersfamilie sein wie eine Gruppe von Plünderern oder verzweifelten Flüchtlingen. Genau so fraglich war es, ob sie vielleicht schon sein Pferd entdeckt hatten, das immer noch in den Büschen am Ufer angebunden war und daher wussten, dass bereits jemand hier war.
    Als sich der Ritter selbst dabei ertappte, wie er wieder einmal in Grübeleien versank, hätte er verächtlich über sich selbst den Kopf schütteln mögen; aus seiner jetzigen Lage heraus würde ohnehin kein gescheiter Plan entstehen, sodass ihm all die Wenns und Falls nichts nützen würden.
    Mit erhobenem Haupt und der Hand am Schwertgriff schritt Ser Lothar die Treppe herab. Das Knarren der Stufen unter seinen Stiefeln zog trotz des Getöses die Aufmerksamkeit der Eindringlinge auf sich, die, wie er nun sehen konnte, zu viert und allesamt Männer waren. Oder zumindest auf dem Wege dahin; keiner von ihnen schien 20 Sommer gesehen zu haben, der Jüngste war vielleicht grade 13. Mit großen Augen musterten sie den Ritter, der grade wie aus dem Nichts zu ihnen herabgestiegen war und sahen einander dann ratlos an.
    ,,Ich grüße Euch.'' Ser Lothar sah keinen Grund dafür, nicht das Gespräch zu suchen, auch wenn er seine Rechte nicht vom Schwertknauf nahm.
    Einer der Burschen, wohl der Älteste oder zumindest der Anführer der Bande, eine schmale Gestalt mit zerzaustem blonden Haar und ebensoviel Dreck wie Sommersprossen im Gesicht, nahm sich ein Herz: ,,Hallo. Wer seid Ihr?''
    ,,Mein Name ist Ser Lothar von Ernstberg, ich bin ein Ritter auf Reisen. Wie heißt Ihr?''
    Die Jungs schauten sich kurz an, dann sprudelte ein ,,Geht Euch nichts an!'' aus dem Blondschopf hervor.
    Nicht das ihn die Namen sonderlich interessiert hätten, aber Ser Lothars Hauptinteresse war es, ein sicheres Nachtlager zu finden und der sich abzeichnende Gesprächsverlauf verhieß dahingehend nichts Gutes.
    ,,Wie dem auch sei, Eure Angelegenheiten sollen mich nicht kümmern. Lasst Euch gesagt sein, dass diese Mühle leer und verlassen ist, auch wenn noch Licht brennt. Ich werde nun gehen und ..''
    ,,Habt Ihr Gold?''
    Ser Lothar seufzte, als er die Frage hörte. Der Lärm der Mühle zwang ihn und die Jungen, sich geradezu anzuschreien, doch war er sich sicher, dass der Bursche die Frage auch ohne Geräuschkulisse laut zur Sprache gebracht hätte.
    ,,Nein.'' Das war nur die halbe Wahrheit, denn obwohl er tatsächlich nur ein paar Kupfermünzen dabei hatte, war eine großzügige Summe Geld in seinem Sattel versteckt.
    ,,Er lügt!'', rief einer der anderen Burschen dazwischen. Etwas kleiner, braunes Haar, stumpfer Blick. Er hätte eine friedliche Kindheit verdient, genau wie die anderen, nicht diesen Alptraum, der das Land heimsuchte.
    ,,Gib uns Dein Gold!'' Der Jüngste meldete sich zu Wort, blaue Augen, ebenfalls Sommersprossen und blondes Haar, die Stimme noch weit von der eines Mannes entfernt.
    ,,Ich habe keins. Ich werde nun gehen.''
    Er war das Gespräch Leid und hoffte, dass die Jungs auf keine dummen Gedanken kommen würden. Er schritt ohne die Gruppe eines weiteren Blickes zu würdigen auf die Tür zu.
    ,,Gold her oder Du stirbst!'' Wie um seinen Worten Nachdruck zu verleihen zückte der Anführer der Bande einen Dolch, der ebenso dreckverkrustet war, wie er selbst.
    Der Ritter blickte zu ihm herab: ,,Steck das Ding weg, bevor du dich damit noch selbst verletzt.'' Der Junge hielt seinen Blick stand und holte mit der winzigen Stichwaffe aus.
    Ser Lothars Augen weiteten sich vor Entsetzen, als er erkannte, dass der Junge den Stoß nicht auf ihn zu führte, sondern auf die Fläche seiner eigenen linken Hand.
    Kreischend fuhr Ser Lothars Schwert aus der Scheide; jetzt musste alles ganz schnell gehen.
    Khardim is offline Last edited by Khardim; 01.03.2014 at 22:31.
  3. #43
    Nicashisha Shenanigans  Moku's Avatar
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    [Bild: avasaoirse.png]Saoirse griff nach den Zügeln, als würde ihr Leben davon abhängen. Tatsächlich tat es das auch. Für sie. Denn sie war sich nicht sicher, ob sie nicht nur der Drang Nonna und Nonno zu beschützen soweit getrieben hatte, ihr soviel Kraft gegeben hatte bis jetzt durchzuhalten. Und bis zum Ende durchzuhalten. Davon ab konnte sie sich immer darauf verlassen, dass Nonnos geschärfte Sinne ihr durch jede Lebenslage helfen würden, während Nonna ein natürliches Gespür für Menschen hatte.

    Auch wenn Saoirse diesem konsequent misstraute. Und dann stets eines besseren belehrt wurde.

    Wie auch in diesem Fall. Saoirse war sich nicht sicher, ob der Mann namens Lio ihr nach dem Leben trachtete, nach ihrer kaum vorhandenen Ware oder ihr wirklich helfen wollte.

    Als die ersten Regentropfen ihre Kleidung benetzten, sah sie wenig überrascht auf, starrte direkt in die dunklen grauen Wolken, die innerhalb kürzester Zeit den kompletten Himmel bedeckten.

    "Wir moetten verder," murmelte sie, mehr zu sich selbst, streichelte einmal über Sir Albrechts Fell, bevor sie das Pferd antrieb loszumarschieren. Beide Tiere waren erschöpft und es war lediglich Saoirses Sturheit, den Karren nicht zurück zulassen, die sie dazu brachte weiter zu gehen und irgendeine Stelle zu suchen, die das Überqueren des Flusses halbwegs sicher machte.

    Aber sie konnte den beiden Alten nicht zumuten zu Fuß zu gehen. Sie hielten sich nur schwach am Leben. Saoirse hatte Angst, wenn sie die beiden dazu zwingen würde zu Fuß zu gehen, dann wäre dies das Ende für sie. Und für Saoirse selbst. Darüber war sie sich sicher.

    Der Regen begann zu plattern. Dicken Tropfen fielen zu Boden und der Tag wich langsam der Nacht.

    Das blonde Mädchen hielt den Wagen an, warf einen kurzen Blick auf ihre beiden Begleiter, deren von Dunkelheit, Regen und Stoffen verdeckt waren. Saoirse selbst hatte nicht einmal dran gedacht, sich irgendetwas über zu werfen. Wilde Strähnen klebten ihr im Gesicht, von denen sie während der Reise das Wasser kaute.

    "Ih hab nur dekken Nonna and Nonna", rief sie den beiden als Erklärung für den Halt zu. Ob sie sie verstanden, wusste sie nicht genau. Halbwegs elegant sprang sie auf den Wagen, blieb jedoch mit der Fußspitze hängen und stürzte Kopf voran auf das Holz.

    „Autch,“ murmelte sie leise, rieb sich die Stirn, bevor sie schnell die Decken zusammen suchte. "Allez goed?" fragte sie mit leiser Stimme. Die schrumpelige Hand der Frau wirkte schneeweiß als sie diese ausstreckte und leicht Saoirses Wange nachfuhr, ein schwaches Lächeln auf den Lippen. Saoirse nahm die kalte Hand in ihre, drückte sie gegen ihre nicht deutlich wärmere Wange, warf dann einen kurzen Blick auf Nonno, der mit dem störrischen Blick eines Esels knapp nickte.

    "Wi maken het na Denerim," meinte sie leise, mit allem Glauben, den sie in diese Worte pressen konnte. "Samen. And dan sal ih werken. And îr zolt hebben zoveel geld, dâz ir niet kunt besteden in leben. Zo hangen her."

    Mit diesen Worten rückte sie die durchnässten Decken zurecht, sprang dann vom Karren. "Allez goed," warf sie ihren Begleitern zu, bevor sie erneut die Zügel der beiden Reittiere ergriff und weiter marschierte.

    Die Temperaturen fielen, während der Wind an Geschwindigkeit zunahm. Während sie weiter Flussaufwärts stiefelten, zweifelte Saoirse immer mehr daran, dass sie eine geeignete Stelle zum überqueren finden könnten.

    Sie müssten den Sturm abwarten. Ganz sicher konnten sie bei einem solchen Sturm nicht durch die Stromschnellen reiten.

    Es gab niemanden, der so wahnsinnig war.
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  4. #44
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    [Bild: QuintusPic2.png]Es regnete. Regnete wie aus Strömen und der junge Mann war sich mehr als nur sicher: Jeder gescheite Flammenmagier hätte dieses Wetter gehasst. Abgrundtief gehasst.
    Seine Kleidung war durchzogen von eisiger Nässe, lag schwer auf seinem Körper und führte sich bei jeder Bewegung unangenehm kühl an auf der Haut. Dennoch zog er seinen Schal - bei diesem Wetter als Kapuze genutzt - tiefer ins Gesicht, um zumindest dieses etwas besser vor dem Wetter zu schützen. Das rehbraune Haar klebte ihm auf der Stirn, hatte nichts mehr von der eigentlichen Ordnung aufzuweisen, in der es sonst immer lag.
    Noch ein Grund, weshalb er dieses Wetter so hasste.
    Die Wolken ballten sich in tiefer Dunkelheit über den Küstenstrichen, erlaubten es niemanden sich auch nur ansatzweise in irgendeiner bekannten Tageszeit wiederzufinden, geschweige denn sich an irgendetwas orientieren zu können.
    Verloren war man, durchnässt bis auf die Knochen und umfangen von einer bitterlichen Kälte, trotz des sonst milden Klimas an der Küste - zumindest für fereldische Maßstäbe.
    Was also tat man?
    Die offensichtlichste und intelligenteste Lösung war es, einen Unterschlupf zu suchen. Reine Glückssache, wenn man die Gegend nicht kannte. Da jedoch genau dies der Fall war, musste sich der junge Mann also tatsächlich auf sein Glück verlassen, durchnässt durch den Regen stampfend.
    Es dauerte eine ganze Weile, gefühlt wohl sogar eine Ewigkeit, doch er fand leicht am Wegesrand gelegen eine alte Hütte. Nicht im besten Zustand mochte man meinen, war es doch offensichtlich dass der Regen sich einen Weg durch das löchrige Dach bahnte, doch ausreichend. Gewiss mochte dies bedeuten, dass es in der Nähe ein kleines Dorf gab oder zumindest einen Hof, baute man immerhin keine Hütte ins Nirgendwo, doch der Magier war des Suchens müde und wollte einfach nur rasten und sich aufwärmen.
    Mit leicht zittrigen Händen näherten sich seine vernarbten Hände der morschen Tür, tasteten sie sachte ab und öffneten sie schlussendlich mit einem lauten Knarren.
    Vorsicht.
    „Haltet ein! Keinen Schritt weiter!“
    Beide Stimmen hatten die vollste Aufmerksamkeit des braunhaarigen Mannes, erstere jedoch nur gedanklich, die zweite im Gegensatz dazu mit suchenden Augen gepaart, die versuchten die Quelle auszumachen.
    „Sachte, sachte!“
    Ein aufgebrachter, leicht in die Jahre gekommener Mann war es, der dem Magier gedroht hatte, untermalte seine Worte mit einem Messer, welches er schützend vor sich hielt, den freien Arm von sich gestreckt.
    Beschwichtigend die Linke vor sich haltend, sah sich der durchnässte Wanderer vorsichtig um, versuchte den Grund der Übervorsicht, mit der man ihm entgegentrat herauszufinden. Eine Frau, in der Ecke der Hütte sitzend, mit gesenktem Blick, wimmernd und vor allen Dingen unübersehbar hochschwanger.
    Fabelhaft. Er hatte sich von allen Hütten in Ferleden genau die herausgesucht, die ein älteres, ungepflegtes Pärchen beherbergte, die dringender eine Hebamme brauchten, als Schutz vor Regen. Ob er sie wohl einfach heraus ekeln konnte? Drohen? Mit Magie nachhelfen?
    Verdammt. Er war gewiss kein Gutmensch, doch ein fieses Ekel schon gar nicht.
    „Was wollt ihr hier?!“
    Aus den Gedanken gerissen sah der Magier den Mann fragend an. War es denn nicht offensichtlich?
    „Einen trockenen Unterschlupf. Einen Ort, an dem ich mich aufwärmen und meine Kleidung trocknen kann. Einen Platz zum schlafen, sollte die Nacht nicht fern sein. Etwas, was es sicherer macht mich auf einer langen Reise auszuruhen. Keine Kinder entbinden oder dabei helfen. Einfach nur Ruhe und Wärme. Nicht mehr, nicht weniger.“
    Mit gehobener Augenbraue kratzte er sich am Kinn, strich danach seinen Bart wieder glatt und zupfte leicht daran, als er mit der anderen Hand seinen Wanderstab hob und den noch immer ausgestreckten Arm des Älteren - mitsamt Dolch - vorsichtig zur Seite drückte. Er wartete nicht auf eine Antwort oder gar eine Einladung, befand sich die Hütte doch gewiss nicht im Besitz des Mannes oder seiner trächtigen Frau.
    „Und wenn ihr schon dabei seid zu fragen …“
    War er nicht.
    „Der Name dieses großartigen Mannes lautet Quintus Tertius Secundus. Schweigt in Ehrfurcht oder auch ohne. Aber schweigt.“
    Mit einer angedeuteten Verbeugung, einer Bewegung seiner Linken, an der für einen kurzen Moment Flammen leckten und das Innere der Hütte erhellten, drehte sich der Magier herum und machte sich daran einen Platz zu finden um das zu tun, was er eben vorhatte zu tun.
    BlackShial is offline Last edited by BlackShial; 12.12.2013 at 18:32.
  5. #45
    Nicashisha Shenanigans  Moku's Avatar
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    Faren | Findet Namenlos wieder einmal nützlich

    [Bild: kOhI9ET9IVJdhEfaren.png]Faren war beeindruckt. Scheinbar kam die Sklavin in der Elfin raus! Nicht nur, dass sie die Beeren auf einer sauberen Baumrinde serviert hatte, nein, die Beeren hatten sogar halbwegs essbar geschmeckt! Nicht zu vergleichen mit dem Fisch, der zwar nüchtern war, aber trotzdem immer noch einen eigenen moddrigen Geschmack inne hatte.

    Scheinbar hatten sie sich nicht unbedingt den saubersten Platz zum Fischen gesucht.

    Unabhängig davon war Faren eh kurz vorm Verhungern gewesen, was so ziemlich jegliche Nahrung zu einem Festschmaus machte. Selbst bittere, ungewaschene Wurzeln. Die Insekten dagegen waren in einem Haps weg. Es wurde Zeit, dass er seine Ausrüstung wieder fand. Wobei er keine Hoffnung hatte, seinen kleinen Karren mit den einzelnen Zutaten für Bomben und Nahrung unversehrt, geschweige denn überhaupt aufzufinden.

    Der Zwerg seufzte einmal.

    Scheinbar musste er sich mal wieder irgendwo einen Handkarren klauen. Vielleicht könnte er den neuen Karren ja sogar von der Elfe ziehen lassen. Schließlich war sie Größer und vermutlich auch stärker als er. Hausfrauen, so durfte Faren feststellen, hatten immense Kräfte durch Wischen des Bodens und der Gartenarbeit!

    Er warf einen kurzen skeptischen Blick auf die Elfe.

    Wobei er bei der Anwesenden keine allzu große Hoffnung hatte... bei der dürren Gestalt...

    Sein Blick wanderte zum Himmel. Es dauerte noch eine Weile bis zur Dämmerung. Genug Zeit um zu überlegen, was sie alles für ihre Reise bräuchten und vorbereiten mussten bis sie einen Karren hatte, auf dem er wie früher alles lagern konnte. Wobei er dieses mal sicher gehen würde sich eine Tasche zuzulegen in der zumindest das Nötigste drin war.

    Er fragte sich, ob die Elfin nähen konnte.

    "Kannst du nähen?"

    _____________________________

    Vitus | Perplex

    [Bild: 8fpNsU0vitus.png]"Das Wache Meer?" wiederholte Vitus überrascht.

    Wie schlecht konnte der Orientierungssinn eines Menschen sein, wenn er von wo auch immer, dem leichten Akzent nach aus Rivain, kam, und dann scheinbar am Wachen Meer vorbeischlidderte, um dann einmal quer unten in Ferelden zu landen. Wäre der Templer allein weitergewandert, er wäre vermutlich schon bald auf die Qunari in Seheron gestoßen und dort einmarschiert.

    "Ja," erwiderte er trocken. "Möge der Erbauer uns lenken..."

    Denn Vitus brauchte mit dem anderen Templer sicherlich alle Hilfe, die er kriegen konnte um nicht ausversehen in Tevinter zu landen. Als Templer und Templerkommandant sowieso kein guter Ort.

    "Dann folg mir," meinte er, steckte die Karte weg. Die bräuchte er für die nächsten Wochen sicherlich nicht.

    Für einen kurzen Moment überlegte sich Vitus, ob der Templer nur zum Wachen Meer wollte, um ihn aufzuhalten. Dann wiederum konnte er sich nicht vorstellen, dass irgendwer so sehr an seinem Leben interessiert wäre, um ihn quer durch Thedas zu scheuchen. Und außerdem schien die Reise durch Bürgeraufstände, Ausbreitung der Brut und diversen anderen Ausschreitungen und Wild, das sie angreifen könnte, deutlich gefährlich als Ostagar.

    Er fragte sich ob der Templer sein Ziel allein je erreicht hätte - unabhängig von seinem schlechten Orientierungssinn.
    Moku is offline
  6. #46
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    Spoiler:(zum lesen bitte Text markieren)
    Quote Originally Posted by Moku View Post
    [Bild: avasaoirse.png]Saoirse griff nach den Zügeln, als würde ihr Leben davon abhängen. Tatsächlich tat es das auch. Für sie. Denn sie war sich nicht sicher, ob sie nicht nur der Drang Nonna und Nonno zu beschützen soweit getrieben hatte, ihr soviel Kraft gegeben hatte bis jetzt durchzuhalten. Und bis zum Ende durchzuhalten. Davon ab konnte sie sich immer darauf verlassen, dass Nonnos geschärfte Sinne ihr durch jede Lebenslage helfen würden, während Nonna ein natürliches Gespür für Menschen hatte.

    Auch wenn Saoirse diesem konsequent misstraute. Und dann stets eines besseren belehrt wurde.

    Wie auch in diesem Fall. Saoirse war sich nicht sicher, ob der Mann namens Lio ihr nach dem Leben trachtete, nach ihrer kaum vorhandenen Ware oder ihr wirklich helfen wollte.

    Als die ersten Regentropfen ihre Kleidung benetzten, sah sie wenig überrascht auf, starrte direkt in die dunklen grauen Wolken, die innerhalb kürzester Zeit den kompletten Himmel bedeckten.

    "Wir moetten verder," murmelte sie, mehr zu sich selbst, streichelte einmal über Sir Albrechts Fell, bevor sie das Pferd antrieb loszumarschieren. Beide Tiere waren erschöpft und es war lediglich Saoirses Sturheit, den Karren nicht zurück zulassen, die sie dazu brachte weiter zu gehen und irgendeine Stelle zu suchen, die das Überqueren des Flusses halbwegs sicher machte.

    Aber sie konnte den beiden Alten nicht zumuten zu Fuß zu gehen. Sie hielten sich nur schwach am Leben. Saoirse hatte Angst, wenn sie die beiden dazu zwingen würde zu Fuß zu gehen, dann wäre dies das Ende für sie. Und für Saoirse selbst. Darüber war sie sich sicher.

    Der Regen begann zu plattern. Dicken Tropfen fielen zu Boden und der Tag wich langsam der Nacht.

    Das blonde Mädchen hielt den Wagen an, warf einen kurzen Blick auf ihre beiden Begleiter, deren von Dunkelheit, Regen und Stoffen verdeckt waren. Saoirse selbst hatte nicht einmal dran gedacht, sich irgendetwas über zu werfen. Wilde Strähnen klebten ihr im Gesicht, von denen sie während der Reise das Wasser kaute.

    "Ih hab nur dekken Nonna and Nonna", rief sie den beiden als Erklärung für den Halt zu. Ob sie sie verstanden, wusste sie nicht genau. Halbwegs elegant sprang sie auf den Wagen, blieb jedoch mit der Fußspitze hängen und stürzte Kopf voran auf das Holz.

    „Autch,“ murmelte sie leise, rieb sich die Stirn, bevor sie schnell die Decken zusammen suchte. "Allez goed?" fragte sie mit leiser Stimme. Die schrumpelige Hand der Frau wirkte schneeweiß als sie diese ausstreckte und leicht Saoirses Wange nachfuhr, ein schwaches Lächeln auf den Lippen. Saoirse nahm die kalte Hand in ihre, drückte sie gegen ihre nicht deutlich wärmere Wange, warf dann einen kurzen Blick auf Nonno, der mit dem störrischen Blick eines Esels knapp nickte.

    "Wi maken het na Denerim," meinte sie leise, mit allem Glauben, den sie in diese Worte pressen konnte. "Samen. And dan sal ih werken. And îr zolt hebben zoveel geld, dâz ir niet kunt besteden in leben. Zo hangen her."

    Mit diesen Worten rückte sie die durchnässten Decken zurecht, sprang dann vom Karren. "Allez goed," warf sie ihren Begleitern zu, bevor sie erneut die Zügel der beiden Reittiere ergriff und weiter marschierte.

    Die Temperaturen fielen, während der Wind an Geschwindigkeit zunahm. Während sie weiter Flussaufwärts stiefelten, zweifelte Saoirse immer mehr daran, dass sie eine geeignete Stelle zum überqueren finden könnten.

    Sie müssten den Sturm abwarten. Ganz sicher konnten sie bei einem solchen Sturm nicht durch die Stromschnellen reiten.

    Es gab niemanden, der so wahnsinnig war.


    [Bild: Ava_Lio_R_vsm.jpg]

    Während sie weiter flussaufwärts liefen, wurde Lio immer zuversichtlicher, dass sie schon bald eine geeignete Stelle zum Überqueren finden würden. Sie hatten keine andere Wahl. Das Gewitter, das gerade im Begriff war ihre Kleider zu durchweichen, entwickelte sich langsam zu einem Sturm. Der Wind heulte in seinen Ohren und zerrte an den Säumen der dünnen Kleider, die die Mädchen anhatten. Er zog seinen Umhang aus und legte ihn Elaine um die Schultern. Es war eine knappe Geste und es war ihm egal, ob sie sich darüber aufregen würde oder nicht. Würde sie sich auf ihrer Reise nach Denerim in den nächsten Tagen das Fieber holen, er hätte noch größere Sorgen. Sein Blick streifte ihre Begleiterin und er überlegte gerade, ob er ihr Sels Pferdedecke anbieten sollte, die im Augenblick in den Satteltaschen verstaut war, als er aus den Augenwinkeln sah, wie der Fluss sich seitlich von ihr ein wenig weiter nordwärts schlängelte und dann breiter wurde. Das war ein gutes Zeichen. An breiten Flussstellen verteilten sich die Wassermassen für gewöhnlich am besten, was bedeutete, dass es keine starken Strömungen gab. Außerdem waren an diesen Stellen die Wasserpegel vergleichsweise niedrig und die Fließgeschwindigkeiten ebenfalls. Eine gute Voraussetzung, um einen Fluss zu überqueren, und das mussten sie, denn hier auf dieser Seite des Ufers gab es weit und breit nichts, was ihnen als Unterschlupf hätte dienen können. Und einen Unterschlupf brauchten sie, so schnell wie möglich.

    Lio beschleunigte seine Schritte und blieb dann an der Stelle stehen, an der das Flussbett am breitesten war. Dann wartete er ab, bis die Mädchen mit dem Karren zu ihm aufgeschlossen hatten, und begann wortlos Sel abzuspannen. Er griff in die Satteltaschen, holte die Decke hervor und reichte sie Saoirse. So hatte Elaine sie doch genannt: Saoirse und die Zukunft ihres Karrens. Er musste kurz grinsen. Dann, um das Gebrüll des Windes zu übertönen, rief er ihr entgegen: „Hier, zieh sie über.“ Anschließend wandte er sich an Elaine: „Diese Stelle hier sieht gut aus. Vielleicht schaffen wir es trotz Gewitter ohne größere Probleme auf die andere Seite. Spring in den Sattel.“ Mit diesen Worten beugte er sich vor und half ihrem Fuß in den Steigbügel. Mit einer schwungvollen Bewegung hievte sie sich auf das Pferd und ergriff Sels Zügel, die geduldig dastand obwohl sie bereits zu ahnen schien, was ihr gleich bevorstand. Anschließend schwang er sich selbst auf den Rücken des Pferdes und blieb einen Moment ratlos sitzen, nicht wissend, wohin mit seinen Händen. Das Regenwasser tropfte von seinen Haaren und lief ihm in Strömen über das Gesicht. Er konnte kaum noch die Augen offen halten. Mit den Fingern beider Hände fuhr er sich über die Lider, dann legte er in Ermangelung anderer Alternativen seine Arme um Elaines Körper, um Halt zu finden, und versetze Sel mit dem Druck seiner Schenkel in Bewegung. „Also gut, Elaine, dann bring uns jetzt sicher hinüber.“ Während das Pferd langsam das Ufer herabstieg und dann mit den Hufen ins Wasser eintauchte, schaute er sich ständig um und betrachtete den Fluss. Für Sel würde es kein Problem sein, ihn zu durchqueren, das Wasser würde nicht einmal die Steigbügel erreichen. Wenn sie jedoch gleich mit dem Karren zu Fuß hinüber wollten, dann würden sie an der tiefsten Stelle vermutlich bis zu den Knien im Wasser stehen, und was den Karren selbst betraf…

    Elaine lenkte Sel zielstrebig mit den Zügeln durch den Fluss. Seine Brust gegen ihren Rücken geschmiegt spürte er, wie sie vor Kälte zitterte, so dass er unwillkürlich die Arme noch enger um sie schloss. Gleich würden sie die andere Uferseite erreicht haben. Dann würde er Elaine wohlbehalten dort absetzen, mit Sel umkehren und Saoirse holen, um sich anschließend mit ihr, dem Esel und dem Karren durch das eiskalte Wasser zu kämpfen, dessen Pegel, angefüttert durch die Wassermassen, die sich vom Himmel ergossen, so schnell stieg, dass man das Gefühl hatte, man könne mit dem bloßen Auge zusehen.
    Mit einem Ruck brachte Elaine Sel zum Stehen, während der Himmel über ihnen in ein bedrohliches Graugelb überging, Sie hatten die andere Seite erreicht. Lio atmete erleichtert aus. Dann beugte er, ohne es selbst zu merken, seinen Kopf zu ihr herunter und seine Lippen hinterließen einen Kuss auf ihrer Halsbeuge. Einen kleinen Kuss, leise auf ihre Haut gehaucht, den der Regen schon wenige Atemzüge später wieder abgewaschen haben würde.
    Venhedis is offline
  7. #47
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    [Bild: zbE5a2KFC2AdamNichols_KnightPortrait_klein.jpg]
    ,,Im Imperium wird an jeder Straßenecke Magie gewirkt und das schon seit hunderten von Jahren! Es ist vollkommener Unfug, mit Magiern umzugehen, wie ihr es hier tut!''
    Dieser und ähnliche Fetzen der schier unendlichen Gespräche, die er mit seiner Frau über das Thema bereits geführt hatte, bevor er sie geheiratet hatte, schossen Ser Lothar durch den Kopf, als die Spitze seines Schwerts in der Luft einen silbernen Halbkreis beschrieb. Für gewöhnlich weiteten sich diese Diskussionen zu regelrechten Wortscharmützeln aus, in denen auch bezüglich Sklaverei, Blutmagie und des ewigen Kriegs gegen die Qunari einigen Fronten eröffnet wurden. Er hatte sich nicht zuletzt wegen ihrer Schlagfertigkeit in Victoria verliebt und ihm waren solche Geplänkel deutlich lieber als das Schweigen, das in so manch anderer Ehe vorherrschte.
    Die Zeit im Raum schien still zu stehen, der Dolch des Jungen schwebte über seiner Handfläche. Ob seiner Frau die Ironie ins Auge fallen würde, wenn sie ihren Mann durch Magie verlieren würde, für deren Freiheit sie stets eine Lanze zu brechen bereit war? Vermutlich schon, sie hatte einen wachen Geist und eine bemerkenswerte Auffassungsgabe. Ser Lothar konnte sich keine Frau vorstellen, mit der er glücklicher gewesen wäre.

    Sein Schwert erreichte das Schlüsselbein des Knaben bevor dessen Dolch seine Adern öffnen konnte. Geführt mit jahrzehntelanger Erfahrung und unbeschreiblicher Angst entfaltete die Waffe eine furchtbare Wirkung. Ein weiterer Hieb würde nicht nötig sein.
    Immer noch unfassbar langsam sank der Junge in sich zusammen. Seine Augen drehten sich nach oben, der Kiefer sank und entblößte eine Reihe dreckiger Zähne. Es vergingen Jahre, bis der Körper in einer weinroten Lache zum Liegen kam, kein Laut war in der Mühle zu hören, obwohl die Räder sich unentwegt drehten.
    Der Ritter stand da und sah, was er getan hatte. Die Gedanken an Victoria waren wie weggeblasen, eine vollkommene Leere hatte seinen Geist ergriffen. Nur das Bild von dem Kind, das er grade niedergestreckt hatte und seine kümmerliche Waffe noch in der Hand hielt, erreichte seinen Verstand. Die unnatürliche Lage der Gliedmaßen, das Blut, das von der Wand hinter ihm und Ser Lothars Schwert tropfte und schließlich der Lichtschein, der sich darin spiegelte.
    Wie konnte in so kurzer Zeit aus einem verdreckten Bauernsohn ein tödlicher Blutmagier und dann noch schneller wieder ein wehrloses Kind werden, das lange vor seiner Zeit einen grausamen Tod fand? Und war er überhaupt in der Lage, Magie zu wirken? Oder hatte er nur leer mit dem Dolch gedroht, um den Ritter zu täuschen?
    Hatte Ser Lothar einen wehrlosen Jungen getötet oder das Land von einer weiteren Abscheulichkeit bewahrt?

    Es dauerte weitere Ewigkeiten, bis er die anderen Knaben wieder wahr nahm. Genau so entsetzt starrten sie den Leichnam ihres Anführers an. Als Ser Lothar zu ihnen hinüber sah, gab es für die drei kein Halten mehr: Von Todesangst ergriffen stürmten sie schreiend an ihm vorbei und verschwanden in der Nacht. Er nahm keine Verfolgung auf.
    Ein weiteres Mal lies er seinen Blick auf dem toten Jungen ruhen; er konnte ihn nicht so liegen lassen. Er verließ, die blutige Klinge noch in der Hand, die Mühle und fand nach kurzer Suche in einem Schuppen an der Hauswand, was er suchte: Er schleppte einige Säcke Mehl zurück in den Raum und legte mithilfe der Kerzen Feuer.
    Ser Lothar wartete mit seinem Pferd in einiger Entfernung, bis er sicher sein konnte, dass die Flammen die Mühle vollständig verschlingen würden und sattelte dann auf. Es war ihm nicht wichtig gewesen, Beweise für seine Bluttat zu vernichten. Doch sollte es wirklich nur ein Junge gewesen sein, den er dort getötet hatte, so war es ihm schuldig, in wenigstens halbwegs anständig zu bestatten.
    Während die Flammen die Schatten vor ihm lebendig werden ließen, lenkte der Ritter sein Ross weiter nach Südwesten, noch größeren Schrecken entgegen.
    Khardim is offline Last edited by Khardim; 01.03.2014 at 22:32.
  8. #48
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    [Bild: TiadenPic2.png]Tiaden lies sich alle Zeit der Welt beim Verzehren ihrer Mahlzeit, so als gäbe es nichts das wichtiger gewesen wäre. Nicht das es besonders schmackhaft gewesen war, schien es doch ein himmelweiter Unterschied zu dem zu sein, was sie sonst immer verzehrt hatte. Doch es war besser und vor allem mehr als das, was sie in letzter Zeit zu sich genommen hatte.
    So unwichtig erschien es gewesen zu sein sich um Nahrung zu kümmern, seit sie auf sich allein gestellt war, dagegen in diesem Moment doch umso wichtiger es zu genießen. Sofern es ihr möglich war.
    Vorsichtig legte sie die Borke neben sich, geschmückt mit Gräten und anderen Resten der Mahlzeit, dein säuberlich sortiert und am Rand platziert. Erst nachdem sie sich vergewissert hatte, dass ihr provisorischer Teller sicher im Gras gebettet war, wand sie sich ihrem bärtigen Begleiter zu, antwortete ihm jedoch noch in der leichten Drehung.
    „Nein.“
    Es war nie nötig gewesen derlei Dinge zu tun und somit auch nicht diese zu lernen. Ihre Aufgaben lagen offensichtlich nur bei der Herstellung von Tränken, ab und an auch bei Giften oder dem Training von Schwertkampf. Letzteres war dabei jedoch nur nebensächlich.
    Andere Besänftigte konnten gewiss nähen, immerhin hatte jeder im Zirkel seine feste Aufgabe der er nachging. Nicht jeder Besänftigte versuchte sich an Verzauberungen, auch wenn sie gewiss ein Talent dafür gehabt zu haben schienen. Ebenso wenig versuchte sich jeder Besänftigte an der Herstellung von Lyriumtränken zu befassen, welche später den Templern ausgehändigt wurden. Wieso also sollte sich jeder am Nähen versuchen?
    Nein. Nein sie konnte es gewiss nicht und hatte auch nie das Bedürfnis es zu können.
    „Sollte ich es können?“
    Die Elfe war sich unsicher.
    Wie es wohl bei den Zwergen war? Mussten deren Besänftigte - oder auch Kastenlose, wie der kleine Mann sie nannte - lernen zu nähen? Doch zugleich sagte er doch, dass ihnen keine Aufgaben zuteilwurden. Ob er sie deshalb fragte?
    Faren konnte ganz offensichtlich nichts von dem, was Besänftigte eben so konnten. Geschweige denn etwas, was sonst jemand konnte. Also fragte er sie entweder, weil es in Ferleden wohl üblich war das jeder ihres Standes dies konnte oder einfach nur, weil er etwas von ihr lernen wollte um ebenfalls nützlich zu sein.


    [Bild: JosefinaPic2.png]Jo hob fragend eine Augenbraue und sah den älteren Mann aus dem Augenwinkel heraus an. Scharrend richtete sie ihre Rüstung und schob die Gurte zurecht.
    „Ja das wache Meer. Ist das so ungewöhnlich?“
    Eigentlich hätte sie sich diese Frage sparen können, was ihr in diesem Moment wieder einfiel, befand sie sich doch ganz offensichtlich an einer ganz anderen Stelle in diesem verfluchten Land. Doch was wusste dieser rauflustige Tunichtgut neben ihr schon? Sie hätte je genauso gut etwas zu erledigen gehabt haben, was sie eben in diese Ecke von Ferleden geführt haben könnte.
    Denn ehrlich gesagt, war es der Templerin doch recht unangenehm zu offenbaren wie schlecht ihr Orientierungssinn doch tatsächlich war. Vielleicht sollte sie sich also wirklich damit herausreden? Zugleich war es ihr aber auch ziemlich egal was dieser knurrige Kerl von ihr dachte, schien er selbst doch nichts anderes zu können als sich mit Schwächeren anzulegen und den Gesang des Lichts zu zitieren.
    Verdammt! Der Gesang des Lichts!
    Da war ja etwas, was ihr schon die ganze Zeit durch den Kopf geisterte.
    Jo schüttelte nachdenklich den Kopf und legte die Stirn in Falten. Es war äußerst ungewöhnlich das ein einfacher Bauer, Reisender, Räuberbandenanführer, oder was auch immer diese Verse kannte.
    Vielleicht war er einst ein Kantor? Nein. Nein gewiss war er kein Kantor. Es gab nichts in ganz Thedas, das gerechtfertigt hätte, dass sich ein Kantor zu so etwas entwickelt hatte. Wahrlich nichts.
    Ein Templer? Ausgeschlossen! Templer waren ehrenhaft und glaubten an ihren Schwur, egal was sie durchleiden mussten. Der Schwur machte sie stark und begleitete sie ihr Leben lang. Ungläubige hatten in den Reihen des Erbauers ohnehin nichts zu suchen. Also weder ein Kantor, Ordensbruder oder sonstiges.
    Doch statt es einfach dabei zu belassen, siegte wieder einmal die Neugierde der jungen Frau und sie vertiefte ihre Gedanken.
    „Sagt ... Wieso kennt ihr den Gesang des Lichts? Keine Ausflüchte, keine Lügen, die Wahrheit bitte.“
    Hinter seiner stoischen Fassade steckte mehr als ein versoffener Raufbold, soviel war sicher. Und Jo wollte genau wissen was es war.
    BlackShial is offline
  9. #49
    Gute Fee Leeyara's Avatar
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    Quote Originally Posted by Emerahl View Post
    [Bild: CT6lrB4Naevia.png]

    Naevia war müde, ihre Beine schmerzten, sie hatte Hunger und Durst, doch der Elf machte keinerlei Anstalten, eine Rast einzulegen. Nur der Wolf spürte, dass es ihr nicht gut ging. Immer wieder stupste er sie mit seiner Schnauze an und blickte sie fragend an. Doch Naevia, inzwischen seine Anwesenheit duldend, streichelte ihn nur nachlässig am Kopf. In Gedanken grübelte sie immer noch über ihre Weggefährten nach. Es erschien ihr merkwürdig, dass er nur in Begleitung dieses Wolfes unterwegs war. Waren denn die Dalish denn nicht eigentlich immer in Clans unterwegs? So viel wusste sie zumindest noch aus den Geschichtsstunden. Auch wenn sie ja keine Elfe war, wurde sie dennoch beim Unterricht von den Anderen akzeptiert.

    Sie wurde aus ihren Gedanken gerissen, als der Elf sich plötzlich zu ihr wandte: „Ist irgendwas?“ fragte er sie. Er klang unfreundlich und genervt. Gut, wenn er sie so behandelte, würde sie ihm ganz sicher nichts von ihren Schmerzen erzählen.
    „Nein, ist alles wunderbar, mir geht’s bestens!“, presste sie schmerzerfüllt hervor. Doch gegen die Tränen, die ihr gerade in die Augen traten, war sie machtlos. Es ärgerte sie. Fast so sehr wie die Teilnahmslosigkeit des Elfen.


    [Bild: 9Rx15Xij0FiODark_Elf_by_anndr.jpg] Ein Herz aus zu weichem Stein

    „Nein, ist alles wunderbar, mir geht’s bestens!“ Pa'ol war bemüht, nicht zu zeigen, dass er erleichtert ausatmete. Das Letzte, was er gebrauchen konnte, war, sich um einen jammernde Menschenfrau zu kümmern. Er war nicht dazu geschaffen, für andere dazusein. Er war gut darin, für sich selbst zu sorgen, für sich allein zu sein. Fürsorge und anderes Jammerlappengetue, lagen ihm fern.
    "Dann ist ja gut..." Er drehte sich um, kam aber nicht umhin, die Tränen zu bemerken, die sich in ihren Augen sammelten. Entschlossen, es zu ignorieren, tat er ein paar Schritte nach vorne. Aber ihm war noch etwas aufgefallen. Ihre Augen hatten eine eigentümliche Farbe bekommen, die ihn zumindest für einen kurzen Augenblick faszinierte. Nicht, dass er jetzt deutlich mehr Interesse an ihr hätte, aber er hatte es wahrgenommen. Alle anderen Gedanken schob er ganz schnell ganz weit von sich. Und machte den nächsten entschlossenen Schritt nach vorn. Sollte sie doch ihren Mund aufmachen, wenn sie was beschäftigte. Allerdings kam er nicht umhin, anzuerkennen, wie sehr sie sich zusammenriss. Andere hätten schon längst gezetert, bis ihm seine Spitzohren abgebrochen werden.

    Fest entschlossen, sie nicht weiter zu beachten, richtete er seinen Blick nach vorne. Aber plötzlich und ohne es wirklich zu wollen, drehte er sich zu ihr um und blickte ihr direkt ins Gesicht. "Alles Bestens ... ja?" Er erspähte ein bisschen weiter weg, aber nicht viel, einen umgefallen Baumstamm, der von einem großen Baum mit Schatten versorgt wurde. Der schlaue Wolf machte sich schon auf dem Weg zu ihm hin. Zum ersten Mal an diesem Tag hatten sie denselben Gedanken. Kurzentschlossen warf er sie einfach über die Schulter. Er wirkte zwar wie ein schmaler Elf, hatte aber eine beachtliche Stärke. Wenige Meter später setzte er sie auf dem Baumstamm ab. Er hatte nichts von seinem grummeligen Gesichtsausdruck verloren, als er in seinem Beutel rumkramte und wenig später ein paar zerriebene Elfenwurzeln rausholte. Er reichte sie ihr. "Reib dir damit die Füße ein. Ich werde in der Zeit schauen, ob ich was zu essen auftreiben kann." Und schwupps war er wieder in der Wildnis verschwunden. Dallean blieb zurück und passte auf.


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    Quote Originally Posted by Moku View Post
    [Bild: avasaoirse.png]Saoirse griff nach den Zügeln, als würde ihr Leben davon abhängen. Tatsächlich tat es das auch. Für sie. Denn sie war sich nicht sicher, ob sie nicht nur der Drang Nonna und Nonno zu beschützen soweit getrieben hatte, ihr soviel Kraft gegeben hatte bis jetzt durchzuhalten. Und bis zum Ende durchzuhalten. Davon ab konnte sie sich immer darauf verlassen, dass Nonnos geschärfte Sinne ihr durch jede Lebenslage helfen würden, während Nonna ein natürliches Gespür für Menschen hatte.

    Auch wenn Saoirse diesem konsequent misstraute. Und dann stets eines besseren belehrt wurde.

    Wie auch in diesem Fall. Saoirse war sich nicht sicher, ob der Mann namens Lio ihr nach dem Leben trachtete, nach ihrer kaum vorhandenen Ware oder ihr wirklich helfen wollte.

    Als die ersten Regentropfen ihre Kleidung benetzten, sah sie wenig überrascht auf, starrte direkt in die dunklen grauen Wolken, die innerhalb kürzester Zeit den kompletten Himmel bedeckten.

    "Wir moetten verder," murmelte sie, mehr zu sich selbst, streichelte einmal über Sir Albrechts Fell, bevor sie das Pferd antrieb loszumarschieren. Beide Tiere waren erschöpft und es war lediglich Saoirses Sturheit, den Karren nicht zurück zulassen, die sie dazu brachte weiter zu gehen und irgendeine Stelle zu suchen, die das Überqueren des Flusses halbwegs sicher machte.

    Aber sie konnte den beiden Alten nicht zumuten zu Fuß zu gehen. Sie hielten sich nur schwach am Leben. Saoirse hatte Angst, wenn sie die beiden dazu zwingen würde zu Fuß zu gehen, dann wäre dies das Ende für sie. Und für Saoirse selbst. Darüber war sie sich sicher.

    Der Regen begann zu plattern. Dicken Tropfen fielen zu Boden und der Tag wich langsam der Nacht.

    Das blonde Mädchen hielt den Wagen an, warf einen kurzen Blick auf ihre beiden Begleiter, deren von Dunkelheit, Regen und Stoffen verdeckt waren. Saoirse selbst hatte nicht einmal dran gedacht, sich irgendetwas über zu werfen. Wilde Strähnen klebten ihr im Gesicht, von denen sie während der Reise das Wasser kaute.

    "Ih hab nur dekken Nonna and Nonna", rief sie den beiden als Erklärung für den Halt zu. Ob sie sie verstanden, wusste sie nicht genau. Halbwegs elegant sprang sie auf den Wagen, blieb jedoch mit der Fußspitze hängen und stürzte Kopf voran auf das Holz.

    „Autch,“ murmelte sie leise, rieb sich die Stirn, bevor sie schnell die Decken zusammen suchte. "Allez goed?" fragte sie mit leiser Stimme. Die schrumpelige Hand der Frau wirkte schneeweiß als sie diese ausstreckte und leicht Saoirses Wange nachfuhr, ein schwaches Lächeln auf den Lippen. Saoirse nahm die kalte Hand in ihre, drückte sie gegen ihre nicht deutlich wärmere Wange, warf dann einen kurzen Blick auf Nonno, der mit dem störrischen Blick eines Esels knapp nickte.

    "Wi maken het na Denerim," meinte sie leise, mit allem Glauben, den sie in diese Worte pressen konnte. "Samen. And dan sal ih werken. And îr zolt hebben zoveel geld, dâz ir niet kunt besteden in leben. Zo hangen her."

    Mit diesen Worten rückte sie die durchnässten Decken zurecht, sprang dann vom Karren. "Allez goed," warf sie ihren Begleitern zu, bevor sie erneut die Zügel der beiden Reittiere ergriff und weiter marschierte.

    Die Temperaturen fielen, während der Wind an Geschwindigkeit zunahm. Während sie weiter Flussaufwärts stiefelten, zweifelte Saoirse immer mehr daran, dass sie eine geeignete Stelle zum überqueren finden könnten.

    Sie müssten den Sturm abwarten. Ganz sicher konnten sie bei einem solchen Sturm nicht durch die Stromschnellen reiten.

    Es gab niemanden, der so wahnsinnig war.
    Quote Originally Posted by Venhedis View Post

    [Bild: Ava_Lio_R_vsm.jpg]

    Während sie weiter flussaufwärts liefen, wurde Lio immer zuversichtlicher, dass sie schon bald eine geeignete Stelle zum Überqueren finden würden. Sie hatten keine andere Wahl. Das Gewitter, das gerade im Begriff war ihre Kleider zu durchweichen, entwickelte sich langsam zu einem Sturm. Der Wind heulte in seinen Ohren und zerrte an den Säumen der dünnen Kleider, die die Mädchen anhatten. Er zog seinen Umhang aus und legte ihn Elaine um die Schultern. Es war eine knappe Geste und es war ihm egal, ob sie sich darüber aufregen würde oder nicht. Würde sie sich auf ihrer Reise nach Denerim in den nächsten Tagen das Fieber holen, er hätte noch größere Sorgen. Sein Blick streifte ihre Begleiterin und er überlegte gerade, ob er ihr Sels Pferdedecke anbieten sollte, die im Augenblick in den Satteltaschen verstaut war, als er aus den Augenwinkeln sah, wie der Fluss sich seitlich von ihr ein wenig weiter nordwärts schlängelte und dann breiter wurde. Das war ein gutes Zeichen. An breiten Flussstellen verteilten sich die Wassermassen für gewöhnlich am besten, was bedeutete, dass es keine starken Strömungen gab. Außerdem waren an diesen Stellen die Wasserpegel vergleichsweise niedrig und die Fließgeschwindigkeiten ebenfalls. Eine gute Voraussetzung, um einen Fluss zu überqueren, und das mussten sie, denn hier auf dieser Seite des Ufers gab es weit und breit nichts, was ihnen als Unterschlupf hätte dienen können. Und einen Unterschlupf brauchten sie, so schnell wie möglich.

    Lio beschleunigte seine Schritte und blieb dann an der Stelle stehen, an der das Flussbett am breitesten war. Dann wartete er ab, bis die Mädchen mit dem Karren zu ihm aufgeschlossen hatten, und begann wortlos Sel abzuspannen. Er griff in die Satteltaschen, holte die Decke hervor und reichte sie Saoirse. So hatte Elaine sie doch genannt: Saoirse und die Zukunft ihres Karrens. Er musste kurz grinsen. Dann, um das Gebrüll des Windes zu übertönen, rief er ihr entgegen: „Hier, zieh sie über.“ Anschließend wandte er sich an Elaine: „Diese Stelle hier sieht gut aus. Vielleicht schaffen wir es trotz Gewitter ohne größere Probleme auf die andere Seite. Spring in den Sattel.“ Mit diesen Worten beugte er sich vor und half ihrem Fuß in den Steigbügel. Mit einer schwungvollen Bewegung hievte sie sich auf das Pferd und ergriff Sels Zügel, die geduldig dastand obwohl sie bereits zu ahnen schien, was ihr gleich bevorstand. Anschließend schwang er sich selbst auf den Rücken des Pferdes und blieb einen Moment ratlos sitzen, nicht wissend, wohin mit seinen Händen. Das Regenwasser tropfte von seinen Haaren und lief ihm in Strömen über das Gesicht. Er konnte kaum noch die Augen offen halten. Mit den Fingern beider Hände fuhr er sich über die Lider, dann legte er in Ermangelung anderer Alternativen seine Arme um Elaines Körper, um Halt zu finden, und versetze Sel mit dem Druck seiner Schenkel in Bewegung. „Also gut, Elaine, dann bring uns jetzt sicher hinüber.“ Während das Pferd langsam das Ufer herabstieg und dann mit den Hufen ins Wasser eintauchte, schaute er sich ständig um und betrachtete den Fluss. Für Sel würde es kein Problem sein, ihn zu durchqueren, das Wasser würde nicht einmal die Steigbügel erreichen. Wenn sie jedoch gleich mit dem Karren zu Fuß hinüber wollten, dann würden sie an der tiefsten Stelle vermutlich bis zu den Knien im Wasser stehen, und was den Karren selbst betraf…

    Elaine lenkte Sel zielstrebig mit den Zügeln durch den Fluss. Seine Brust gegen ihren Rücken geschmiegt spürte er, wie sie vor Kälte zitterte, so dass er unwillkürlich die Arme noch enger um sie schloss. Gleich würden sie die andere Uferseite erreicht haben. Dann würde er Elaine wohlbehalten dort absetzen, mit Sel umkehren und Saoirse holen, um sich anschließend mit ihr, dem Esel und dem Karren durch das eiskalte Wasser zu kämpfen, dessen Pegel, angefüttert durch die Wassermassen, die sich vom Himmel ergossen, so schnell stieg, dass man das Gefühl hatte, man könne mit dem bloßen Auge zusehen.
    Mit einem Ruck brachte Elaine Sel zum Stehen, während der Himmel über ihnen in ein bedrohliches Graugelb überging, Sie hatten die andere Seite erreicht. Lio atmete erleichtert aus. Dann beugte er, ohne es selbst zu merken, seinen Kopf zu ihr herunter und seine Lippen hinterließen einen Kuss auf ihrer Halsbeuge. Einen kleinen Kuss, leise auf ihre Haut gehaucht, den der Regen schon wenige Atemzüge später wieder abgewaschen haben würde.



    [Bild: Elaine_ava.jpg]
    Regenschauertänze

    Alles ging recht schnell. Zu schnell. Viel zu schnell. Eben noch hatte sich Elaine noch maßlos über Lio aufgeregt und plötzlich fing es an zu regnen. Normalerweise hatte sie keine Furcht davor, nass zu werden. Aber in Anbetracht ihrer Situation bekam sie es mit der Angst zu tun. Was würde passieren, wenn sie es nicht rechtzeitig über den Fluss schafften? Aber auch die Kälte machte ihr zu schaffen. Der dünne Stoff ihres Kleides konnte sie kaum abhalten. Und je durchnässter sie war, desto mehr spürte sie die Klammheit in ihre Glieder ziehen.
    Als sie eine breite Stelle am Fluss erreicht hatten. Brachte Lio den Tross zum Stehen. Er schien es hier versuchen zu wollen. Elaine warf noch einen Blick auf Saoirse schaute, ob mit ihr alles okay war. Auch sie schien mit der Kälte und der Nässe zu kämpfen. Elaine versuchte ihr noch kurz zuzuwinken, um ihr zu zeigen, dass alles gut werden würde, aber plötzlich umfasste Lio ihre Taille mit seinen Händen und hiefte sie auf sein Pferd. Das Kribbeln, welches sie augenblicklich am ganzen Körper erfasste, ließ sie das Atmen und die Kälte vergessen. Erstarrt richtete sie ihren Blick nach vorne, während sie verzweifelt versuchte, ihre aufkommenden Gefühle zu unterdrücken, die ihr in diesem Maß unbekannt waren. Hör auf damit... kindische Elaine!

    Ihr gelang es gerade wieder, ihre Selbstbeherrschung zurück zu erobern, als er sich hinter sie auf das Pferd setzte und sie näher an sich zog. Scharf zog sie die Luft ein. Für einen kurzen Moment war ihr schwindelig und ihr war, als ob heiße Lava ihren Körper hinauf stieg. Augenblick begann sie zu zittern. Dieses Mal jedoch aus anderen Gründen. Als er sie daraufhin noch enger an sich zog, war es um sie geschehen. Allein sein Atem in ihrem Nacken machte sie fertig.

    Alles drehte sich um sie herum. Feine Blitze tanzten auf ihrer Haut, zusammen mit vielen kleinen Regentropfen. Ihre Beine zitterte und sie war so dankbar, dass sie schon saß. Wenn sie die Luft einzog, dann roch sie ihn ... neben einer Prise nassem Pferd, was sie gerade nicht interessierte. Wenn sie sich nach hinten lehnte, spürte sie ihn. Sie verspürte das fast übermenschliche Bedürfnis, sich in seine Arme wühlen und sich zu verlieren. Jetzt reiß dich zusammen! Dumme Elaine. Er ist bald wieder weg, er ist unhöflich, ungehobelt, arrogant, besserwisserisch, selbstherrlich ... Während sie all seine vermeintlich schlechten Eigenschaften in ihren Gedanken aufzählte, ließ sie sich ganz instinktiv einfach in seine Umarmung fallen. Die intensive Nähe brachte alles andere im Nu zum Schweigen und sie sog einfach nur diesen einen Moment in sich auf. Und sie fühlte Glück dabei, denn hier konnte ihr einfach nichts passieren. Hier gehörte sie hin.

    Die Geigen im Himmel hörten so abrupt auf zu spielen, wie sie angefangen hatten, als das Pferd plötzlich zum Stehen kam. Die Reise war vorbei und Elaine konnte sich nur mühsam einen enttäuschten Seufzer verkneifen. Sie wollte gerade vom Pferd springen, als wäre nichts, sie von einem sanften Kribbeln in ihrem Nacken wieder in ihre Träume gezogen wurde. Sie drehte den Kopf zu ihm, beide saßen noch auf dem Pferd. Ihre Blicke trafen sich. Für einen kurzen Moment war sie versucht, ihn einfach zu küssen, erinnerte sich aber dem Erbauer sei Dank an ihre gute Erziehung. Zumindest hatte sie nicht ganz die Selbstbeherrschung verloren. Allerdings war sie so verwirrt und durch den Wind, dass sie ganz vergessen hatte, ihre typische arrogante Haltung einzunehmen. Ganz sanft streichelte sie mit ihrer Hand über seine Wange und küsste sie daraufhin. "Danke." Und schon war sie vom Pferd gesprungen.
    Leeyara is offline Last edited by Leeyara; 29.12.2013 at 18:56.
  10. #50
    Schwertmeister Khardim's Avatar
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    [Bild: zbE5a2KFC2AdamNichols_KnightPortrait_klein.jpg]
    Jeden Abend, gleich nachdem die Sonne untergegangen war und alle Farbe die Welt verlassen hatte, war Ser Lothar allein mit seinen Gedanken. In der ersten Nacht nach der Wassermühle hatte er noch gefürchtet, dass er keinen Schlaf finden würde; eine Sorge, die sich zwar als unnötig herausstellte, doch nahm dies den Stunden vor der Nachtruhe nichts von ihrem Terror: Die Tage waren kurz und die Dunkelheit zwang den Ritter stets früh abzusatteln und nach einer Bleibe für die Nacht zu suchen. Teilweise stundenlang saß er dann dort in der Einöde und wartete auf das Ende des Wartens. Er hatte seit Tagen keinen Menschen mehr getroffen und auch Tiere schien es dort keine mehr zu geben, vermutlich waren sie alle vor der Verderbnis geflohen. Doch auch auf die Dunkle Brut traf der Ritter nicht, er war vollkommen allein in der Unwirtlichkeit des Südens. Diese Leere machte ihm schwerer zu schaffen als es ein Kampf, eine Schlacht oder ein ganzer Feldzug es vermocht hätte; er war ein Mann der Tat und er spürte förmlich, wie Frustration in ihm aufstieg, wie er sich von der Nutzlosigkeit des Wartens abgestoßen fühlte, wie er sich danach sehnte, endlich seiner selbstauferlegten Mission nachkommen zu können. Er versuchte sich auf das zu konzentrieren, was vor ihm lag und nicht mehr an den Jungen zu denken, den er erschlagen hatte. Er würde nie herausfinden, ob er wirklich fähig gewesen wäre, Magie zu wirken und doch erschien das Bild von dem viel zu kleinen Körper in viel zu viel Blut immer wieder vor seinen Augen und stellte seinen Plan noch weiter in Frage: Anstatt das Land vor der Verderbnis zu retten hatte er bisher nur einen Knaben niederstrecken können und saß nun vollkommen verlassen mitten im Nichts und bemitleidete sich selbst für seine Tat, für seine Tatenlosigkeit und für das Selbstmitleid, das er über sich selbst ergoss.
    Doch bevor ihn seine Nabelschau in immer tiefere Schichten der Verzweiflung hinabreißen konnte, entdeckte Ser Lothar, der mit geschlossenen Augen in der dichter werdenden Finsternis des Abends saß, etwas: In ihm kochte eine Wut über diese Situation, die mit Resignation nicht vereinbar war; er hasste es, hier zu sitzen und nur auf das Ende des Wartens zu warten.

    Er mochte zwar allein sein, doch war er das, weil er allein ausgezogen war, weil er sich dazu entschlossen hatte, allein auf diese Reise zu gehen.
    Er mochte die Dunkle Brut zwar noch nicht gefunden haben, aber sie war dort draußen, daran bestand kein Zweifel.
    Er mochte zwar diesen Jungen erschlagen und dann verbrannt haben, doch war dies durch nichts mehr zu ändern, er würde mit dem Gedanken leben müssen, egal was er von nun an tun würde.
    Es war eine Illusion, dass er nichts tun konnte, eine Illusion, der er sich selbst hingegeben hatte und der er auch genau so selbst wieder abschwören konnte.
    Als es irgendwo im Unterholz hinter ihm knackte nahm Ser Lothar dies als Signal für seinen Ausgang aus der selbstverschuldeten Untätigkeit und erhob sich. Sein Pferd, das sich schon auf die Nachtruhe eingestellt hatte, wurde rasch gesattelt und inmitten der ihn umgebenen Nacht brach der Ritter auf. Er verließ sich auf die Augen und den sicheren Tritt seines Rosses und war froh, in Bewegung gekommen zu sein; er fühlte sich auf einmal wie jemand, der nur knapp dem Ertrinken entkommen war.
    Khardim is offline Last edited by Khardim; 01.03.2014 at 22:24.
  11. #51
    Deus VRanger's Avatar
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    Glandis | Flüchtlingslager • Erwachen

    [Bild: VR_Gladis_1.png] Rot! Blutig rot kitzelte die aufgehende Sonne den Horizont, als diese begann, über dem Flüchtlingslager aufzusteigen. Nur die Bauten, Behausungen und Zelte der Flüchtlinge standen schwarz in dem morgendlichen Licht. Auch die Schäfte von Lanzen, Speeren, Hellebarden oder der eine oder andere Stiel einer größeren Axt gab der Sichtgrenze zusätzlich den Anschein eines Igels. Ein bizarres Bild aus Schwarz und dem jungen Morgenlicht bot sich dem Betrachter der Szene. Ein Licht, bei dem die Dalish wussten, hier waren in der letzten Nacht Leben auf grausige Weise beendet worden, der Tod war umgegangen und hatte eine grässliche Ernte eingefahren.

    In dem jungen, doch so roten Sonnenaufgang, bei dem die Sonne stetig um stetig anstieg, zeigten sich auch Facetten im Couleur. Nicht alles färbte der Glanz der Sonne, nein, es war auch das Blut von zahlreichen geschundenen, zerstückelten, zerhackten oder auf andere, widerliche Weise zu Tode gekommenen, welches sich über die Kleidung, die kümmerlichen Habseligkeiten, über die ein oder andere Zeltwand oder Palisade ausbreitete sowie auf den befestigten oder ausgetretenen Pfaden ergossen hatte.

    Still war es nicht an diesem jungen Morgen so in den Farbenspielen aus Rot und Schwarz. Nicht, dass es schon Raben und Krähen gab, die sich beim Zerhacken der Kadaver kreischend stritten. Nein, die waren noch nicht da oder nur in vereinzelnder Anzahl. Die Geräusche, besser ein stetiges Knarren und Krachen, kam von einer Tür, einer Brettertür mit Beschlägen aus Metall, die halb aus den Angeln gerissen, beschwert durch mehrere Sturmbeile an den Rest einer hölzernen Gebäudewand schlug. Ab und zu knallte auch eine der zerrissenen Zeltbahnen im morgendlichen Wind. Manches Geräusch konnte auch das Stöhnen eines Sterbenden sein, wer wusste das schon zu deuten.

    Allgegenwärtig schwebte über dem Lager in dem Licht der aufgehenden Sonne eine bittersüße Luft, die immer gewoben wird, wenn Fleisch auf die ein und dieselbe Weise zu schwarzer Asche verbrennt. Diese Ausdünstungen hatten sich mit den Schwaden aus verkohltem Holz, verschmortem Leder und anderer Kleidung, aber auch mit den Aussonderungen, die in der Not geschehen, verwoben. Dieses Gemisch wog schwer und stand trotz des gehenden Windes noch ziemlich zusammen über dem Lager, auch genährt durch das hier und da noch zündelnde Feuer.

    Dieser in Rot getünchte Ort, voller hässlicher und grauenhafter Überbleibsel, angefüllt von Gestank war bis vor wenigen Tagen ein Flüchtlingslager. Ein Ort, von dem noch Generationen später berichten werden, hier im Zeitalter des Drachens massakrierte die Dunkle Brut das Leben Unschuldiger.

    Die Sonne hatte einen guten Weg ihres morgendliches Ganges zurückgelegt und stand bereits als Halbkreis am Horizont, da riss in dem Wirrwarr aus zerhackten Fässern, toten Leibern, geplünderten Vorräten, einem Wust an herumliegenden und jetzt so unnützen Waffen Glandis die Augen auf und erschrak. Verschwommen noch aus ihrer Schwäche sah sie eine Kulisse, die man nicht mal in den finstersten Träumen zu erahnen mag. Sie schaute in eine für sie noch schummrige Fratze des Todes und fragte: »Wo bin ich? Ist das alles nur ein Traum?«

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  12. #52
    The Fallen  Emerahl's Avatar
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    Quote Originally Posted by Leeyara View Post

    [Bild: 9Rx15Xij0FiODark_Elf_by_anndr.jpg] Ein Herz aus zu weichem Stein

    „Nein, ist alles wunderbar, mir geht’s bestens!“ Pa'ol war bemüht, nicht zu zeigen, dass er erleichtert ausatmete. Das Letzte, was er gebrauchen konnte, war, sich um einen jammernde Menschenfrau zu kümmern. Er war nicht dazu geschaffen, für andere dazusein. Er war gut darin, für sich selbst zu sorgen, für sich allein zu sein. Fürsorge und anderes Jammerlappengetue, lagen ihm fern.
    "Dann ist ja gut..." Er drehte sich um, kam aber nicht umhin, die Tränen zu bemerken, die sich in ihren Augen sammelten. Entschlossen, es zu ignorieren, tat er ein paar Schritte nach vorne. Aber ihm war noch etwas aufgefallen. Ihre Augen hatten eine eigentümliche Farbe bekommen, die ihn zumindest für einen kurzen Augenblick faszinierte. Nicht, dass er jetzt deutlich mehr Interesse an ihr hätte, aber er hatte es wahrgenommen. Alle anderen Gedanken schob er ganz schnell ganz weit von sich. Und machte den nächsten entschlossenen Schritt nach vorn. Sollte sie doch ihren Mund aufmachen, wenn sie was beschäftigte. Allerdings kam er nicht umhin, anzuerkennen, wie sehr sie sich zusammenriss. Andere hätten schon längst gezetert, bis ihm seine Spitzohren abgebrochen werden.

    Fest entschlossen, sie nicht weiter zu beachten, richtete er seinen Blick nach vorne. Aber plötzlich und ohne es wirklich zu wollen, drehte er sich zu ihr um und blickte ihr direkt ins Gesicht. "Alles Bestens ... ja?" Er erspähte ein bisschen weiter weg, aber nicht viel, einen umgefallen Baumstamm, der von einem großen Baum mit Schatten versorgt wurde. Der schlaue Wolf machte sich schon auf dem Weg zu ihm hin. Zum ersten Mal an diesem Tag hatten sie denselben Gedanken. Kurzentschlossen warf er sie einfach über die Schulter. Er wirkte zwar wie ein schmaler Elf, hatte aber eine beachtliche Stärke. Wenige Meter später setzte er sie auf dem Baumstamm ab. Er hatte nichts von seinem grummeligen Gesichtsausdruck verloren, als er in seinem Beutel rumkramte und wenig später ein paar zerriebene Elfenwurzeln rausholte. Er reichte sie ihr. "Reib dir damit die Füße ein. Ich werde in der Zeit schauen, ob ich was zu essen auftreiben kann." Und schwupps war er wieder in der Wildnis verschwunden. Dallean blieb zurück und passte auf.


    [Bild: 4P7hr0HOyMM1sNaevia.png]

    Der Elf schien es zu akzeptieren, dass sie zwischen zusammengebissenen Zähnen ein "Alles in Ordnung" hervor gepresst hatte und ging ein paar Schritte weiter. Er überraschte sie, als er sich plötzlich wieder zu ihr umdrehte und ihre Worte wiederholte. Der Tonfall, der darin lag, war merkwürdig.
    Erschrocken quiekte Naevia auf, als der Elf sie sich einfach über die Schulter warf und sie einfach wenige Meter später auf einem Baumstumpf absetzte. Er griff in seinen Beutel und kramte ein paar zerriebene Elfenwurzeln heraus, die er ihr reichte. "Reib dir damit die Füße ein. Ich werde in der Zeit schauen, ob ich was zu essen auftreiben kann." Sein grummeliger Gesichtsausdruck fand auch in seiner Stimme Fortsetzung. Bevor Naevia noch ein überraschtes "Danke" murmeln konnte, war er auch schon verschwunden. Nur Dallean blieb an ihrer Seite.

    "Was war denn das? Kann es tatsächlich sein, dass sowas wie ein Herz in der Brust deines Herrn steckt? Aber das kann ich nun wirklich nicht glauben." Gedankenverloren streichelte sie den Kopf des Wolfes. Warum hatte der Elf plötzlich so etwas wie Mitleid mit ihr gezeigt? Wo er sie doch eigentlich die ganze Zeit ignoriert hatte, seit sie unterwegs waren? Es dauerte eine Weile, bis der Elf wieder zu ihr zurück kehrte. Misstrauisch beäugte sie ihn, doch dann hielt sie es nicht mehr aus und bevor er etwas zu ihr sagen konnte, platzte es schon aus ihr heraus:

    "Warum hast du mir die Elfenwurzeln für meine Wunden gegeben? Warum suchst du nach etwas zum Essen für uns? Und warum bist du als Dalish eigentlich ohne deinen Clan unterwegs?"
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  13. #53
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    [Bild: 5Py1YpLlAnyla.png]
    Anlya blickte Valgarius dankbar an als er sie, auf seine Art, tröstete. Sie wusste nicht, wie viel seine Worte wert waren, doch sie waren Balsam auf ihre Seele. Sie wischte sich ihre Tränen weg und fluchte leise über ihre Schwäche. Wieso weinte sie in letzter Zeit so viel? Bestimmt hatten die beiden Männer keinen guten Eindruck von ihr.

    Blutmähne hatte sie verlassen und sie konnte es ihm nicht verdenken. Anlya hoffte, dass er etwas jagen war und zurückkommen würde. Sie wusste nicht, wie sie überleben könnte, wenn er sie endgültig verlassen hätte. Valgaris‘ Magen knurrte und er sah sie fragend an. „Es tut mir leid, aber ich habe keine Ahnung wie man jagt oder auf andere Art etwas Essbares findet. Ich hoffe Blutmähne hat uns nicht verlassen und besorgt etwas Essbares.“

    Anlya blickte sich um, doch von Blutmähne war nichts zu sehen. Es war schon einige Zeit vergangen und langsam machte sie sich Sorgen. Ob etwas passiert war? Hatte er sie verlassen? Sie blickte wieder zu Valgarius. „Sollten wir sehen ob Blutmähne Hilfe braucht? Ich fühle mich ein wenig beschämt, dass wir uns so auf ihn verlassen. Vielleicht könnten wir ihm helfen.“ Sie stand auf und ging an den Strand. Die Fußspuren von Blutmähne waren deutlich zu sehen. Anlya wandte sich Valgarius zu. „Ich werde den Spuren folgen und sehen, ob er Hilfe braucht. Hoffentlich ist er nicht verletzt.“

    Mit raschen Schritten folgte sie den Fußspuren. Sie drehte sich nicht um, um zu sehen, ob Valgarius ihr folgte. Nach kurzer Zeit sah sie ihn im Sand knieend und rief laut seinen Namen. „Blutmähne!“ Dann rannte sie zu ihm und kniete sich neben ihn.


    [Bild: MiWGnUzNdCerKopf_Barbar.JPG]
    Welch ein brennender Schmerz. Mit verzerrtem Gesicht hockte der Chasind, der sonst so gefasst und ruhig war, im Sand. Laut stöhnend machte er sich Luft, doch am liebsten hätte er gebrüllt. Als er sich die Armschiene runterzog, sah er der Grund für diesen Schmerz....einen schwarzen Fleck. Aus Geschichten wusste er sofort worum es sich hierbei handelt: die Verderbnis.
    Wie und wann er sich angesteckt hat, wusste er nicht, der brennende Schmerz war ohnehin viel zu stark um klar denken zu können.
    Auch hörte er Stimmen, viele fremde Stimmen...doch eine drang besonders in sein Ohr, sie schien ihn zu rufen. Er solle kommen, sich ihm anschliessen. Blutmähnes Stirn war schweißgebadet. Sein Gesicht war von Leid erfüllt.
    Dann vernahm er eine weitere Stimme, die allerdings etwas vertraut war. Es war das Elfenmädchen dass plötzlich neben ihm hockte. Reflexartig versteckte er seinen Arm hinter seinen wuchtige Körper und hoffte dass sie nicht sah was er sah. "Zu dunkel zum Jagen, wir sollten uns bis morgen früh ausruhen und schlafen", gab er mit kratziger Stimme von sich, er versuchte sich offenkundig nichts anmerken zu lassen. Er erhob sich wieder und stapfte gemächlich zurück ins Lager während er sich wieder die Armschiene überzog.
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  14. #54
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    Glandis | Flüchtlingslager • Erinnern

    [Bild: VR_Gladis_1.png] Verschwommen noch aus ihrer Schwäche sah Glandis eine Kulisse, die man nicht mal in den finstersten Träumen zu erahnen mag. Sie schaute in eine für sie noch schummrige Fratze des Todes und fragte: »Wo bin ich? Ist das alles nur ein Traum?« Sie wusste es nicht und versuchte sich zu erinnern. »Was war gewesen?« fragte sie sich und grübelte. Es wollte ihr nicht so recht einfallen. So versuchte die Dalish aufzustehen und musste erkennen etwas lag auf ihrem Körper, besser deckte ihre Füße zu und stank widerlich. Es war ein kopfloser Hurlock, den sie erblickte. Da kam ihr ein Fetzen aus vorangegangener Zeit in den Sinn. »Stimmt,« sagte sie zu sich. Ich sollte das Lager warnen. » Dunkle Brut, sie kommen!« habe ich geschrien, kurz bevor diese Meute aus dem angrenzenden Wald brach. Der Hurlock störte sie, doch sie konnte sich nicht erheben. Etwas hielt sie fest. Fast magisch, es kam ihr komisch vor, dass sie nicht aufspringen konnte. Und so schaute sie in Richtung der aufgehenden Sonne, die nun fast den Horizont nicht mehr berührte und das eigenartige Rot behalten hatte. »Mmmh! Eigentlich färbt sie sich beim Aufgehen ins Gelbliche,« murmelte Glandis.

    »Ein Fell über Knochen,« das war das Nächste, was ihr wieder in den Kopf kam. Und sie erinnerte sich an ihren Gruß »Aneth ara, Abelas!« mit dem sie das eigenartige Pärchen, eine alte, betagte, ausgemergelte Ziege und einen ebenso von dem Zahn der Zeit ausgezerrten alten, krummen Mann begrüßt hatte. Dieser riss an einem Strick herum, der fest um den dürren Hals der Ziege gebunden worden war und versucht vorwärts zu kommen.

    »Richtig,« erinnerte Glandis sich, »ich hatte ihn gefragt: » Wo wollt Ihr hin mit dem Tier?« Und sie wusste wieder, wie dieser sie angestarrt hatte über diese doch so ungläubige Frage. »Zum Opferstein wolle er!« Und das hatte er ihr mit einer Energie gesagt, die sie diesem alten Mann nicht zugetraut hätte. Sie war doch erschrocken über die Art und Weise, wie er mit Entrüstung den Ort nannte. Nun ihr hatte die allseits geübte Finte »Bin nicht von hier!« geholfen. »Im nahen Wald ist ein Opferstein und er wolle zum Erbauer beten.« Das hatte er ihr noch gesagt, dann trennten sich die Wege. Sie musste schmunzeln, als ihr das Bild in den Sinn kam, wie er an dem Strick zerrte, den er um den Hals des Tieres gelegt hatte. Und dieses schien genau so störrisch und widerspenstig zu sein, wie der, der an dem Strick zog.

    Glandis spürte den Durst, der ihn ihr aufstieg und sie war sich unsicher über diese für sie doch unbekannte Schwäche. »Warum kann ich nicht aufstehen?« diese Frage bohrte in ihr, aber alle Kraft, die sie aufbringen konnte, reichte nicht, um den Hurlock loszuwerden. Und so sank die Dalish nach einigen Versuchen ermattet zurück.

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  15. #55
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    [Bild: 4P7hr0HOyMM1sNaevia.png]

    Der Elf schien es zu akzeptieren, dass sie zwischen zusammengebissenen Zähnen ein "Alles in Ordnung" hervor gepresst hatte und ging ein paar Schritte weiter. Er überraschte sie, als er sich plötzlich wieder zu ihr umdrehte und ihre Worte wiederholte. Der Tonfall, der darin lag, war merkwürdig.
    Erschrocken quiekte Naevia auf, als der Elf sie sich einfach über die Schulter warf und sie einfach wenige Meter später auf einem Baumstumpf absetzte. Er griff in seinen Beutel und kramte ein paar zerriebene Elfenwurzeln heraus, die er ihr reichte. "Reib dir damit die Füße ein. Ich werde in der Zeit schauen, ob ich was zu essen auftreiben kann." Sein grummeliger Gesichtsausdruck fand auch in seiner Stimme Fortsetzung. Bevor Naevia noch ein überraschtes "Danke" murmeln konnte, war er auch schon verschwunden. Nur Dallean blieb an ihrer Seite.

    "Was war denn das? Kann es tatsächlich sein, dass sowas wie ein Herz in der Brust deines Herrn steckt? Aber das kann ich nun wirklich nicht glauben." Gedankenverloren streichelte sie den Kopf des Wolfes. Warum hatte der Elf plötzlich so etwas wie Mitleid mit ihr gezeigt? Wo er sie doch eigentlich die ganze Zeit ignoriert hatte, seit sie unterwegs waren? Es dauerte eine Weile, bis der Elf wieder zu ihr zurück kehrte. Misstrauisch beäugte sie ihn, doch dann hielt sie es nicht mehr aus und bevor er etwas zu ihr sagen konnte, platzte es schon aus ihr heraus:

    "Warum hast du mir die Elfenwurzeln für meine Wunden gegeben? Warum suchst du nach etwas zum Essen für uns? Und warum bist du als Dalish eigentlich ohne deinen Clan unterwegs?"


    [Bild: 9Rx15Xij0FiODark_Elf_by_anndr.jpg] So viele Fragen

    Die Fragen preschten wie Peitschenhiebe auf ihn ein. Ihr Blick war voller Misstrauen, aber die kurze Rast schien ganz deutlich ihre Lebhaftigkeit erweckt zu haben. Er bereute gerade, dass er mal wieder viel zu weich gewesen war. Er hasste das. All diese Fragen, sich erklären, noch mehr Fragen, Missverständnisse. Genau deshalb reiste er lieber alleine. Da blieb einem dieses Spielchen erspart und man hatte seine Ruhe. Und Pa'ol schätzte seine Ruhe wirklich über alles.

    "Wooohoooo ... mal ganz langsam, ja..." Er schmiss den Hasen, den er gerade gejagt hatte auf den Boden. Daneben legte er ein paar Wurzeln. "Hast du nichts besseres zu tun, als mich mit deinen Fragen zu löchern?" Er wirkte sogar noch grummeliger als bei ihrem ersten Treffen. Er fing an ein wenig Holz für ein Feuerchen zu sammeln, während er mürrisch in sich hinein grummelte. Dallean rollte sich derweil ein und gönnte sich eine verdiente Pause.

    "Ich habe dir die Elfenwurzeln gegeben, weil wir beide nichts davon haben, wenn du mit zerschundenen Füßen in der Wildnis über Tage rasten musst. Dir würde es nicht bringen, denn hier gibt es Bestien, die auf eine solche Gelegenheit nur warten. Und mir brächte es nichts, weil ich gezwungen wäre, über dich zu wachen, weil mein bisher treuster Begleiter beschlossen hat, dass du es Wert bist und ich ihm was schulde." Dallean schnarchte laut und zufrieden. "Ich kann auch nur für mich jagen und kochen, wenn du es so willst. Und du kümmerst dich dann um dein befinden. Ich fand es gerade nun mal ... praktisch. Aber wenn es dich stört ... bitte, die Wildnis ist um dich herum, bediene dich nur." Nun legte er eine längere Pause ein. Sein gesamter Gesichtsausdruck wirkte nun sehr verschlossen und auch hart. "Und zu deiner letzten Frage ... Das ist so ziemlich das Persönlichste, was man mich fragen kann und ich werde dir keine Antwort geben. Ich kenne dich nicht. Und ich mache mir nichts darum, mit meiner Lebensgeschichte hausieren zu gehen. Also ... willst du was mitessen oder nicht?"

    Er drehte sich um und fing an, ein Feuerchen zu machen.
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  16. #56
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    Glandis | Flüchtlingslager • Nachdenken

    [Bild: VR_Gladis_1.png] Glandis öffnete nach einer geraumen Zeit ihre Augen. Doch sie fühlte sich dabei immer noch schwach. Die Ruhepause schien nichts genutzt zu haben. Der Hurlock, bzw. der kopflose Rest, machte sich immer noch auf ihren Beinen breit. Der tote Körper erschwerte ihre Situation. Wobei sich Glandis mittlerweile wie die alte Ziege fühlte. Irgendetwas zerrte an ihrem Hals. Instinktiv fasste sie mehrfach an ihre Kehle, doch da war kein Strick. »Vielleicht ist es auch der Durst! Ich muss etwas trinken,« sagte sie zu sich. Doch in ihrer derzeitigen Situation kam sie an kein Wasser. Die Sonne stand jetzt gut am Himmel. »So die zehnte Stunde könnte es schon sein,« schätzte die Dalish den zeitlichen Verlauf. In diesem für sie doch hoffnungslosen Bestreben die Freiheit wieder zu erlangen überlegte Glandis, was ihr helfen könnte. »Mein Bogen! Stimmt, ich habe ja einen guten Langbogen dabei. Denn könnte ich als Hebel verwenden. Dass mir das nicht eher eingefallen ist,« sagte sie zu sich und schaute sich nach der Waffe um. Doch sie konnte keinen Bogen sehen.

    »Nein! Das kann nicht sein!« zweifelte sie an ihrer Wahrnehmung. Sie wusste, ihre Waffen, das hatte sie von klein auf an gelernt, ihre Waffen würde sie nie fallen lassen. Doch es gab keinen Bogen. Auch, als sie mit den Händen in der begrenzten Reichweite des halbaufrechten Sitzens, tastete, es war kein Bogen, keine Esche, die sie fühlte. Sie versuchte sich zu erinnern, wo sie das letzte Mal den Bogen im Gebrauch hatte.

    »Es war in der Dämmerung, als ich diese merkwürdigen Geräusche zum ersten Mal gehört hatte, bevor ich am Bach vom kühlen Wasser getrunken habe, da hatte ich sicherheitshalber ihn zur Hand und einen guten Pfeil aufgelegt,« sprach sie zu sich selbst und versuchte einen Faden zu finden. »Es war, bevor die Wölfe gegen die Dunkle Brut kämpften, vor dem Sturm auf das Lager.« Dann hielt sie inne, den es schien ihr, als fehlte etwas an Erinnerung. »Nein!« sagte sie »Nein! Es war nicht das letzte Mal, wo ich meinen Bogen in der Hand hatte.« Und dann waren die Bilder wieder da. Ihre Warnung für das Lager, die heranstürmende Dunkle Brut, das Ziehen eines Pfeiles, das gründliche Anvisieren und der Treffer, ein guter Kopfschuss, in einen der vorderen Anführer. Welcher mitten im Ansturm, erst stehenblieb, wie vom Blitz getroffen und dann noch eine Geste des Greifens nach dem Haupte vollführen wollte, aber im Zusammensacken von den hinteren, anstürmenden Kreaturen überrannt wurde. »Noch zwei mal habe ich gut getroffen,« bilanzierte Glandis ihre Kampfweise. Und ihr kam in den Sinn, dass es keine Zeit mehr gab für ein gründlichen Austaxieren mit dem Pfeil. »So habe ich den Bogen auf den Rücken genommen und nach meinen Dolchen gegriffen,« stellte sie fest. »Aber wo ist jetzt mein Bogen?« fragte sie sich und spürte wieder das Zerren am Hals.

    Das Nachsinnen erschöpfte die Dalish ungemein und so sank ihr Kopf zur Seite. Ihr Körper rutsche wieder in eine flachere Haltung, aber sie blickte in die nach wie vor rote Sonne über dem Flüchtlingslager.

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  17. #57
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    Anlya blickte Valgarius dankbar an als er sie, auf seine Art, tröstete. Sie wusste nicht, wie viel seine Worte wert waren, doch sie waren Balsam auf ihre Seele. Sie wischte sich ihre Tränen weg und fluchte leise über ihre Schwäche. Wieso weinte sie in letzter Zeit so viel? Bestimmt hatten die beiden Männer keinen guten Eindruck von ihr.

    Blutmähne hatte sie verlassen und sie konnte es ihm nicht verdenken. Anlya hoffte, dass er etwas jagen war und zurückkommen würde. Sie wusste nicht, wie sie überleben könnte, wenn er sie endgültig verlassen hätte. Valgaris‘ Magen knurrte und er sah sie fragend an. „Es tut mir leid, aber ich habe keine Ahnung wie man jagt oder auf andere Art etwas Essbares findet. Ich hoffe Blutmähne hat uns nicht verlassen und besorgt etwas Essbares.“

    Anlya blickte sich um, doch von Blutmähne war nichts zu sehen. Es war schon einige Zeit vergangen und langsam machte sie sich Sorgen. Ob etwas passiert war? Hatte er sie verlassen? Sie blickte wieder zu Valgarius. „Sollten wir sehen ob Blutmähne Hilfe braucht? Ich fühle mich ein wenig beschämt, dass wir uns so auf ihn verlassen. Vielleicht könnten wir ihm helfen.“ Sie stand auf und ging an den Strand. Die Fußspuren von Blutmähne waren deutlich zu sehen. Anlya wandte sich Valgarius zu. „Ich werde den Spuren folgen und sehen, ob er Hilfe braucht. Hoffentlich ist er nicht verletzt.“

    Mit raschen Schritten folgte sie den Fußspuren. Sie drehte sich nicht um, um zu sehen, ob Valgarius ihr folgte. Nach kurzer Zeit sah sie ihn im Sand knieend und rief laut seinen Namen. „Blutmähne!“ Dann rannte sie zu ihm und kniete sich neben ihn.


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    [Bild: MiWGnUzNdCerKopf_Barbar.JPG]
    Welch ein brennender Schmerz. Mit verzerrtem Gesicht hockte der Chasind, der sonst so gefasst und ruhig war, im Sand. Laut stöhnend machte er sich Luft, doch am liebsten hätte er gebrüllt. Als er sich die Armschiene runterzog, sah er der Grund für diesen Schmerz....einen schwarzen Fleck. Aus Geschichten wusste er sofort worum es sich hierbei handelt: die Verderbnis.
    Wie und wann er sich angesteckt hat, wusste er nicht, der brennende Schmerz war ohnehin viel zu stark um klar denken zu können.
    Auch hörte er Stimmen, viele fremde Stimmen...doch eine drang besonders in sein Ohr, sie schien ihn zu rufen. Er solle kommen, sich ihm anschliessen. Blutmähnes Stirn war schweißgebadet. Sein Gesicht war von Leid erfüllt.
    Dann vernahm er eine weitere Stimme, die allerdings etwas vertraut war. Es war das Elfenmädchen dass plötzlich neben ihm hockte. Reflexartig versteckte er seinen Arm hinter seinen wuchtige Körper und hoffte dass sie nicht sah was er sah. "Zu dunkel zum Jagen, wir sollten uns bis morgen früh ausruhen und schlafen", gab er mit kratziger Stimme von sich, er versuchte sich offenkundig nichts anmerken zu lassen. Er erhob sich wieder und stapfte gemächlich zurück ins Lager während er sich wieder die Armschiene überzog.


    [Bild: 4azi8U8EDKfDd7K1VladimirSquare.png]

    Als sich die Elfe vom Lager entfernte, ergriff die Müdigkeit langsam Besitz von seinem Körper. Obwohl der Hunger immer noch präsent war, konnte der Blutmagier es für den Augenblick nicht vermeiden die Augenlieder zu schließen. Lange Märsche waren nichts für ihn, zwar gab es nicht einen Gramm überschüssiges Fleisch an seinem zierlichen Körper, doch ebenso wenig Muskelmasse konnte Valgarius sein Eigen nennen.
    So döste er eine Weile vor sich hin, bis ihn das Knurren seines Magens zurück in die reale Welt beförderte. Mit zusammengekniffenden Augen konnte er in der Ferne die Umrisse von Blutmähne erkennen. Er schien jedoch keine Beute bei sich zu haben. Innerlich seufzend erhob er sich und suchte die Umgebung ab nach etwas, was man zumindest ansatzweise als Nahrung verwenden konnte. Als Problem stellte sich dabei jedoch der Einbruch der Nacht heraus, man konnte abseits des Lagers kaum noch etwas erkennen. Außerdem würde er es jetzt nicht wagen sich zu weit zu entfernen, wer wusste schon, welche Gefahren dort überall auf eine günstige Gelegenheit warteten.

    Also beschloss der Blutmagier seine Suche vorerst einzustellen, sie würden wohl hungrig in den Schlaf finden müssen in dieser Nacht. Immerhin war der Platz einigermaßen vor Wind geschützt und außerdem relativ gut versteckt. Nach den jüngsten Ereignissen konnte die Gruppe diese Ruhe gut vertragen. Wenn jetzt nur ein kleiner, gut genährter Hase ohne Augenlicht sich zufällig dem Lager nähern würde, dann wäre sogar der Magier vielleicht in der Lage, ein Beutetier zu erlegen. Doch genug Gedanken an Nahrung verschwendet, zunächst musste sich der junge Mann um das Befinden seiner Mitstreiter erkundigen. Möglicherweise hat einer von ihnen eine vielversprechende Entdeckung machen können.
    Als der Hüne sich langsam näherte, tat Valgarius es ihm gleich und kam ihm entgegen. Ein erneuter Blick auf die riesigen, leeren Hände von Blutmähne bestätigte dem Blutmagier, dass wohl heute nichts auf der Speisekarte zu finden sein wird. Trotzdem plagte ihn die Neugier. "Und? Konntet ihr etwas finden? Wo ist Anlya?" Er ließ für einen Moment seinen kraftlosen Blick in der Dunkelheit schweifen und setzte dann seine Fragerei fort. "Was machen wir jetzt?" Seufzend bedeckte er die Stirn mit seinem Handrücken und neigte seinen Kopf voller Theatralik gen Himmel. "Ich.. Ich konnte nichts finden. Wir sind verloren!"






    [Bild: BfEVCivy_rpg_12.png]

    Das Lumpenpack feierte diesen Triumph, als hätten sie gerade den Ausgang eines Krieges entscheidend beeinflusst. Wild brüllten und rülpsten sie durch die Gegend und ergötzten sich dabei an den alkoholischen Flüssigkeiten. Immer wieder nutzte Ivy die mangelnde Aufmerksamkeit der drei Banditen aus um ihren Körper anzuspannen. In der Hoffnung, dass sich das Seil lockert welches ihren Bauch und ihre Arme umschlang.
    Wie konnte es überhaupt erst dazu kommen? Innerlich schwor sie bereits, nie wieder so leichtsinnig einen Ort für ihre Geschäfte auszuwählen. Vor allem eine Umgebung, die offen und von allen Seiten aus angreifbar war ist kein kluger Ort um Waren aller Art anzubieten. Zwar war Ivy nicht gerade hilflos durch ihr magisches Talent, doch selbst eine fähige Anwenderin der arkanen Künste kann leicht überwältigt werden mit den richtigen Mitteln.

    In ihrem Bestreben, sich aus dieser Situation zu befreien geschah es jedoch plötzlich. Das Merkmal, mit dem sie diese Welt betrat kam erneut zum Vorschein. Wie durch Zauberei färbte sich ihr kastanienbraunes Haar in ein beißendes Lila. Ihre Augen blieben ebenfalls nicht verschont und gewannen mit einem kristallisierenden Effekt rasant an Helligkeit, bis sie ein unnatürlich strahlendes blaugrün zum Vorschein brachten.


    [Bild: ivy_120_3d.png]

    Warum es hin und wieder diesen Effekt gab, konnte sie sich nicht erklären. Es ist allerdings einer der vielen Gründe, warum sie die Magie intensiv studieren möchte. Möglicherweise kann sie in den alten Büchern Antworten auf diese Reaktion finden und es vielleicht sogar kontrollieren. Anfänglich sorgte dieser kleine Nebeneffekt für viel Spott und Hohn, besonders in ihrer Kindheit hatte sie dieses Phänomen gehasst. Doch als die Jahre ins Land zogen und sie zu einer Frau heranwuchs begann sie langsam auch die Vorteile darin zu sehen. Mit ihrer natürlichen Vorliebe sich zu verstellen um Leute ins Netz der Täuschung zu locken, konnte sich diese optische Veränderung schon öfter als besonders hilfreich erweisen. Doch hätte sie die vollständige Kontrolle zu welchem Zeitpunkt es genau geschehen soll, so wäre diese Fähigkeit von unschätzbarem Wert.

    Mit dieser veränderten Situation, kam ihr die zündende Idee. Zumindest aus ihrer Sicht schien es ein guter Plan zu sein. Vorsichtig richtete sie sich auf, was nicht ganz ohne Mühe gelang und rief in Richtung der drei Halunken. "Sie ist weg! Schnell! Beeilt euch!" Der Zwerg warf das Bier beiseite und tastete mit seinen fleischigen Fingern nach dem Griff seines Schwertes. Völlig benommen torkelte er zur Magierin rüber und blickte sie verdutzt an. "Wer s-seid ihr?" Dann erst realisierte der Kurze langsam, was sich hier abgespielt haben könnte. Er riss die Augen auf, soweit es möglich war in seinem Zustand und hetzte die beiden anderen zur Suche auf. "Los auf mit euch! Sie hat sich aus dem Staub gemacht und uns dieses... andere Weibsbild hiergelassen!" Voller Tatendrang stürmten die drei in alle Himmelsrichtungen in der Hoffnung die Magierin zu finden. Für Ivy war es schwer in diesem Moment ein Schmunzeln zu unterdrücken. Doch dafür blieb jetzt kaum Zeit, diese Gelegenheit wartete nur darauf genutzt zu werden. Allerdings war sie noch immer stark gefesselt was ihre Bewegungsfreiheit erheblich einschränkte.

    Dennoch war jetzt jede weitere Überlegung ein verschwendeter Gedanke. Sie musste sich einfach auf ihren Instinkt verlassen und in den Wald fliehen. Vielleicht würde es ihr unterwegs gelingen, die Fesseln zu lösen. Sie musste jetzt nur vorsichtig sein, keinem der drei hier in der Dunkelheit zu begegnen. Zumindest nicht solange sie ihre Hände nicht benutzen kann. Dabei hielt sie jedoch für einen Moment plötzlich inne, als die Magierin realisierte, dass ihr Holzstab noch immer im Lager irgendwo sein musste. Verärgert biss Ivy sich auf die Unterlippe, als sie ihren Blick nach hinten warf. Verdammt, also nochmal zurück.
    Neclord is offline Last edited by Neclord; 21.01.2014 at 17:15.
  18. #58
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    [Bild: QuintusPic2.png]Die Situation war alles andere als befriedigend, musste sich der wandernde Magier die Hütte doch tatsächlich mit diesem Ehepaar teilen – zumindest nahm er an das es ein Ehepaar war. Es wäre leicht gewesen zu fragen, wollte er jedoch um jeden Preis vermeiden jegliches Interesse an ihnen oder gar ihrer Situation zu zeigen. Er wollte sich ausruhen und seine Kleidung trocknen, nicht den Samariter für Fremde spielen. Doch leider kam er teilweise nicht um dies herum.
    Sachte den durchnässten Schal von seinen Schultern ziehend sah er sich nach einem geeigneten Platz für ein Feuer um. Fast schon mittig in der Hütte befand sich ein Ring aus Steinen, in dem sich ein wenig feuchtes Holz befand. Der ältere Mann schien dabei gewesen zu sein für sein Weib Feuer zu machen, entstand solch eine Feuerstelle ja immerhin nicht von selbst.
    Quintus entschied sich diese Stelle anzueignen, ging mit seinem Stab darauf zu und stieß ihn mit der Spitze zuerst in den Boden. Den inzwischen ausgewrungenen Schal hing er über diesen, bevor er sich in der nächstbesten Ecke nach etwas Stroh, Laub und altem Holz umsah. In einer alten Hütte war es nicht schwer das passende Material für ein Feuer zu finden, somit war der einzige Grund warum genau dieses noch nicht brannte also, dass der werdende Vater nichts hatte um es zu entfachen.
    Schade für ihn, Quintus jedoch konnte es. Sogar ganz ohne jegliche Probleme.
    „Er erlaubt euch sich an seinem Feuer aufzuwärmen, jedoch mit genügend Abstand.“
    Denn wer wollte schon gern eine Frau neben sich haben, die kurz davor war ihr Kind zu entbinden? Ein unangenehmer Gedanke. Allein die Tatsache, dass er ihr schmerzerfülltes Keuchen die ganze Zeit über hören musste war mehr als genug.
    Flammen leckten an den verbrannten Fingern des Magiers und gingen auf das Stroh und Laub über, welches er sorgfältig in dem Steinkreis platziert hatte. Nur wenige Sekunden dauerte es bis die Flammen dabei waren alles zu verschlingen. Ein wundervoller Anblick.
    Zufrieden seufzend ließ sich der junge Mann dicht nahe dem Feuer nieder und lehnte sich an seinen Stab, sehr damit beschäftigt sich sein feuchtes Haar zu richten und die beiden ungebetenen Gäste - vollkommen ignorierend das sie vor ihm in der Hütte waren - aus dem Augenwinkel heraus zu beobachten.
    Wie er sich bereits eingestanden hatte war er kein Unmensch, doch sollten sie es wagen ihn auch nur auf irgend eine Art und Weise zu stören oder von seiner verdienten Ruhe abzuhalten, würde er schon einen netten Weg finden sie aus der Hütte zu befördern.
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  19. #59
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    Glandis | Flüchtlingslager • Prüfung

    [Bild: VR_Gladis_1.png] In den Gedanken um ihren Bogen kam Glandis eine Prüfung in der Ausbildung zur Jägerin im Clan der Dalish-Elfen in den Sinn. »Vater war dagegen, dass ich überhaupt ausgebildet werde,« dachte sie laut. Doch dann greift die Situation ihre Gedankenwelt mehr und mehr. Es war ein Test, den der Ausbilder angesetzt hatte. Wie genau konnten die Schützen mit ihren Bogen ein Ziel treffen? Das war die Aufgabe. Es waren Holzscheiben im Gelände aufgestellt. Wobei die Formen der Scheiben Tieren ähnelten, die sie jagten. Die Zielscheiben waren dem Gelände entsprechend angebracht. Aus ihren derzeitigen Fertigkeiten war es für die Gruppe eine mittelschwere Aufgabe.

    Glandis sah sich, wie sie mit den anderen ihres Jahrgangs mit den Bor'assan beim Ausbilder meldeten. Er gab jedem drei Pfeile. »Ja,« erinnert sich die Dalish, »die Assan waren von guter Qualität. Robinie, ein gutes und leicht beschaffbares Hartholz, hatten sie genommen und die Spitzen waren aus Metall.« Nach dem die Aufgaben erklärt waren, schaute Glandis nochmals zurück und erschrak doch etwas. Der halbe Clan war gekommen den Eleven beim Bogenschießen zuzusehen. Sie konnte ihre beiden Schwestern sehen. Beide hatten sich auch wegen ihrer Größe nach vorn gedrängelt und winkten ihr zu. Die aufsteigende Röte am Hals und in den Wangen zeigten bei der Dalish, dass die Aufregung nicht nur von der Probe des Könnens her kam. Doch es blieb keine Zeit den Blick nach den Eltern auszuweiten. Aber sie erkannte, dass auch andere der Gruppe Angehörige erkannt hatten und ebenso aufgeregt reagierten. Dann sprach einer allen Mut zu. Glandis war ihm dankbar und nickte anerkennend zurück und sagte mit einem Lächeln »Ma serannas«.

    Einer nach dem anderen schoss auf die Ziele. Erfolg wurde beklatscht, manchmal gab es ein Raunen, wenn das Geschoss knapp am Ziel vorbei flog. Aber es gab kein Gelächter. Dann wurde ihr Name aufgerufen. Glandis strich die Kleidung glatt, obwohl es jetzt nicht darauf ankam, schaute nach dem Wind und versuchte mit dem Einnehmen der Fußstellung eins zu werden mit dem Boden, der Wiese und dem angrenzenden Hang, wo scheinbar ein Reh graste. In ihrer Schulterbreite wählte die gekonnt durch langes Üben den Fußabstand und stellte ihre in leichten Ledersandalen und Riemen verschnürten Füße in einem leichten Winkel auf. Sie wusste, um das Gewicht gleichmäßig auf beide Füße zu verteilen, musste sie mit Fußballen und Verse harmonisch alles ausgleichen. Und im Stolz es zu können, hielt sie den Kopf oben und so den Körper aufrecht. Dann legte sie den Pfeil mit der Rechten ein und zog die Sehne mit Zeige- und Mittelfinger bis zum Kinn gleichbleibend kräftig durch. Den linken Arm streckte die Dalish mit aller Kraft. Sie fühlte, wie sie mit ihrer Energie den Langbogen gut durchziehen konnte. Und weil Schulterblätter zusammengedrückt wurden und Glandis den Ellenbogen nach hinten zog, verfestigte sich in ihr ein gutes Gefühl einen perfekten Schuss zu platzieren. Dann stimmte der Sehenschatten mit Bogen und Ziel gut überein, sie atmete zuerst tief ein, beim Ziehen leicht aus und nahm sich vor das Ziel voll in der Mitte, an der lebenswichtigen Stelle des Rehs zu treffen. Sie sah keine Holzscheibe mehr, sondern ein zu jagendes Tier. Sie vernahm auch nicht das Gemurmel aus den Reihen der Zuschauer, auch einige Fragen »Warum schießt sie nicht?« hörte Glandis nicht. Dann war sie sich sicher und löste den Schuss. Der Pfeil entschnellte dem stark gespannten Langbogen, während die Dalish in der Position verblieb und das Ziel nachvisierte. Als das Bogengeschoss im Ziel einschlug, folgte eine überraschende Wendung. Die aufgestellten Bretter, vielleicht auch mürbe geworden durch die anderen Proben, flogen auseinander. Glandis stand immer noch in ihrer Schusshaltung und lies den Langbogen ausschwingen. Sie freute sich ungemein und wollte es nicht zeigen.

    Doch dann stand da ihre jüngste Schwester vor ihr, hielt den Pfeil in der Hand. Dieser stakte in einem Bretterrest, auf dem ein roter Kreis gemalt war. »Voll getroffen,« jubelte zuerst die Schwester, hielt die Trophäe hoch und schließlich folgte der Beifall der Anwesenden.

    Die anschließenden Proben verliefen in dem gewohnten Gang und Glandis freute sich, dass sie Ausbildung so abschließen konnte. In der Gruppe gratulierten sie einander. Und die, die einen oder mehrere Schüsse vergeigt hatten, durften nachschießen und bestanden schließlich den Test.

    Wer die Dalish in dem Flüchtlingslager in ihrer Position sehen konnte, sah ein Lächeln auf ihrem von der Sonne rot erwärmten Gesicht.

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    Aril schoss mit ihrem schwarzen Hengst über das Wurzelwerk des Wäldchens hinweg. Erst fiel ihr nur auf, dass alles wesentlich trostloser und stiller war als sonst. Sie war geradezu darauf losgeritten, sie kannte die Richtung, ihr Bruder Nien hatte viele Male gesagt, wo er im Bannorn eingesetzt werden sollte. Dass sie allerdings mehrere Tage Verspätung durch ihre Befreiung und ihr Versteckspiel haben würde, das war nicht geplant.
    Ihre Neugierde nach dem Kampf war nicht gestillt worden, im Gegenteil, jetzt war ihr Bruder auch noch verschollen und sie wusste, sie konnte sich nicht ohne ihn bei ihren Eltern blicken lassen. Aber was, wenn er schon wieder dort war?
    Aril zog am Zügel und Trovao verlangsamte sein Tempo bis hin zu einem Gehen, sodass Aril an ihm hinabgleiten konnte. Sie fasste den Hengst am Zaumzeug und sah sich um. Auf einmal überfiel sie ein Gefühl der Furcht.
    Über den Wipfeln der Bäume stieg Rauch auf, kalter Qualm, der alles umschlang. Aril verengte die Nasenflügel – der alte Geruch von verbrannten Leibern und totem Fleisch hing in der Luft, selbst auf diese Entfernung, in diesem Wald. Trovao schnaubte ungehalten und wollte den Kopf wenden, mit Nachdruck zerrte er am Zaumzeug, bis Aril sah, dass sich in Richtung eines kleinen Baches wenden wollte. Der Hengst hatte Durst, ebenso wie sie auch. Sie ließ das Zaumzeug los und folgte ihrem Pferd zu der kleinen Strömung. Trovao trank in tiefen Zügen und auch Aril stillte ihren Durst, danach füllte sie sorgsam ihren Lederschlauch.

    Als sie sich erhob entdeckte sie etwas Dunkles auf dem trockenen Erdboden, sie lief hin, kniete nieder und erkannte ein Stück Fell. Es war von einem dunklen Grau, kein glattes Fell, sondern recht zerzaust. Sie hob es auf und ließ es erschrocken fallen - ein Stück des Fleisches des dazugehörigen Tieres hing an der Unterseite. „Igitt!“ machte sie und wusch ihre Hände erneut im Bach.
    „Komm jetzt, Trovao. Lass uns doch mal sehen, ob wir Nien nicht dort finden… hoffentlich lebend,“ murmelte sie. Sie stieg nicht nochmals auf ihr Pferd sondern langte an das Sattelhorn und zog die Zügel zu sich herunter, sodass sie den Hengst führen konnte. Der Pfad war unwegsam, es ging über Stock und Stein, Felsen und Wurzeln. Als sie einen größeren Steinbrocken umrundete, mustere sie ihn aufmerksam. An dem hellen Stein waren eindeutig dunkle Flecken zu sehen, die einige triefende Spuren gen Erde hinterlassen hatten – aber alles war eingetrocknet. Aril dämmerte, dass das Blut war und sie beeilte sich, weiterzulaufen. Umso mehr erschrak sie, als sie direkt hinter dem großen Felsen einen toten Wolf erblickte, der auf dem Weg lag. Sie machte einen Satz, hatte aber schon eine Klinge gezogen. Vorsichtig, die Zügel hinter sich haltend, näherte sie sich dem Tier. Es war offensichtlich tot, sonst hätte Trovao einen Aufstand gemacht, der seinem Namen zur Ehre gereicht hätte. Aber er war definitiv keines natürlichen Todes gestorben, sondern nachgerade zerfetzt worden. Von was – das wollte sich Aril gar nicht ausmalen. Von den Menschen des Dorfes dort vorne? Oder gar von dem Feind, gegen den auch ihr Bruder bestehen hatte müssen?
    Sie folgte dem Weg nun etwas schneller und kam an weiteren Wolfsleichen vorbei. Aril verzog das Gesicht. Wenn in dem Dorf alle so zugerichtet waren wie hier, dann standen die Chancen sehr schlecht.
    Fawks is offline
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