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  1. #1 Reply With Quote
    The Fallen  Emerahl's Avatar
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    Nov 2007
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    Dieses Mal ist es mir ziemlich schwer gefallen, ein passendes Thema zu finden. Ursprünglich wollte ich ja über die Elfen schreiben, doch das habe ich erst mal vertagt. Denn bald ist Weihnachten. Heute ist der erste Advent und mein Mann hatte die Idee, ich solle doch etwas Weihnachtliches schreiben. Hmm, ja, könnte ich machen. Doch was? Eine Weihnachtsgeschichte erzählen? Nicht wirklich. Es fällt mir nämlich schwer, etwas in diese Richtung zu schreiben, denn ich HASSE Weihnachten. Wenn es nach mir ginge, würde ich mich verkriechen und erst nach Silvester wieder auftauchen. Das geht nur leider nicht, denn ich habe Familie und ich bin mir meiner Pflichten bewusst. Außerdem ist es bei uns Tradition, Weihnachten mit der Familie zu feiern. Womit wir dann schon beim Thema wären.

    Traditionen sind wichtig für die Menschen, denn erst durch die Traditionen können wir überhaupt eine Kultur bilden. Sie schweißt uns Menschen zusammen. Dabei ist es unerheblich, ob es religiöse, politische oder auch andere Traditionen sind. Wir wachsen mit diesen Dingen auf und sollten sie auch an unsere Kinder weitergeben, so wir irgendwann welche haben oder manche von uns schon haben.

    In Wikipedia steht zu diesem Thema unter anderem:

    Tradition im Sinne eines kulturellen Erbes

    Unter Tradition wird in der Regel die Überlieferung der Gesamtheit des Wissens, der Fähigkeiten sowie der Sitten und Gebräuche einer Kultur oder einer Gruppe verstanden. Nach Hans Blumenberg besteht Tradition daher nicht aus Relikten, also dem aus der Geschichte übrig Gebliebenen, sondern aus "Testaten und Legaten"[1]. Tradition ist in der Hinsicht das kulturelle Erbe (Legat), das von einer Generation zur nächsten weitergegeben wird. Wissenschaftliches Wissen und handwerkliches Können gehören ebenso dazu, wie Rituale, künstlerische Gestaltungsauffassungen, moralische Regeln und Speiseregeln. Traditionen im Sinne von Brauchtum und kulturellem Erbe begegnen beispielsweise bei Hochzeiten, Dorffesten und im Zusammenhang mit kirchlichen Feiertagen. Auch Alltagsgesten bei Begrüßung und Verabschiedung sind Brauchtumstraditionen. Die Ethnologie untersucht, wie solches Brauchtum konkret entsteht und tradiert wird.
    Die meistzitierte Position ist die von Thomas Morus: "Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme"[2]. Varianten des Zitats[3] finden sich auch bei Konfuzius, Benjamin Franklin, Theodor Fontane, Jean Jaurès, Ricarda Huch, Theodor Heuss, Papst Johannes XXIII.oder John Denham[4].
    Neben hochkulturellen Inhalten werden zuweilen auch nur temporär gültige Üblichkeiten als Tradition bezeichnet. In dem Sinn wird der Ausdrucktraditionell gebraucht; es ist das Übliche und Gewohnte. Der eher bildungssprachliche Ausdruck traditional wird dagegen auf die hochkulturellen Inhalte bezogen.
    Im Handbuch wirtschaftspsychologischer Testverfahren fällt Pflichtbewusstsein unter den Punkt Gewissenhaftigkeit und wird folgendermaßen erklärt:

    Pflichtbewusste Personen halten sich strikt an ihren gesetzten ethischen Prinzipien und erfüllen peinlichst genau ihre moralischen Verpflichtungen.

    Im Spiel selbst werden wir auch immer wieder darauf hingewiesen, wir sollten unsere Pflichten erfüllen. Wynne weist uns im Lager darauf hin, wenn wir uns mit einem Gefährten einlassen. Doch auch schon davor, in den Origins, werden wir immer wieder auf unsere Pflichten erinnert. Als ich eine Dalish spielte und mich weigerte, mein Volk zu verlassen, ermahnte mich die Hüterin, dass es meine Pflicht wäre, um das Volk zu schützen. Da ich ein pflichtbewusster Mensch bin, setze ich es auch im Spiel so um.
    Wynne selbst haben wir auch als pflichtbewusst erlebt und auch Alistair. Im zweiten Teil ist es Aveline, die pflichtbewusst ist und ganz nach ihren Vorstellungen handelt. Aber auch da wird unser Hawke schon von Anfang an ermahnt, dass es unsere Pflicht ist, sich um die Geschwister zu kümmern.

    Ich selber versuche immer wieder, wenigstens im Spiel auszubrechen, zu rebellieren, doch irgendwie mag es mir nicht so recht gelingen. Immer wieder ertappe ich mich dabei, dass ich doch pflichtbewusst meine Aufgaben erfülle und immer moralisch handle. Sollte ich dennoch einmal gegen meine eigenen Prinzipien reagieren, fühle ich mich schlecht dabei. Dabei ist es doch einfach nur ein Spiel.

    Und die Traditionen? Die Dalish klammern sich noch an ihre Traditionen, wobei sie Vieles vergessen haben. Doch immer sind sie auf der Suche, mehr über die Traditionen zu erfahren, damit sie wieder nach ihnen leben können. Die Hüter halten die Tradition der Elfenmagie aufrecht und unterweisen die Begabten unter ihnen in dieser Magie, so wie es schon ihre Vorväter getan haben.

    Die Zwerge blicken auf eine tausende Jahre alte Tradition zurück und halten auch heute noch an ihr fest. Unter anderem ist es ja bei ihnen Tradition, gegen die Dunkle Brut zu kämpfen und versuchen, sie nicht an die Oberfläche gelangen zu lassen. Dies haben auch schon ihre Großväter und Urgroßväter getan.
    König Endrin Aeducan selbst hat gesagt: „Die Abkehr von den Traditionen unseres Volkes ist wohl kaum nur eine politische Formalität!“

    Sebastian Vael, ein Gefährte aus dem DLC „Der verbannte Prinz“, ist ebenfalls pflichtbewusst, in seinem Glauben an die Kirche. Bei der strenggläubigen Familie Vael ist es außerdem Tradition, dass immer ein Nachkomme Mitglied der Kirche wird. Daher schwankt Sebastian auch immer zwischen seinen Pflichten und seinem Verlangen nach Rache.

    So werden wir von den Entwicklern immer wieder darauf hingewiesen, wie wichtig Traditionen und Pflichten sind, wir werden indirekt ermahnt, auch im realen Leben so zu leben und diese Werte weiter zu geben. Das versuche ich auch schon bei meinen Kindern. Weihnachten soll nicht nur ein Fest für Geschenke und gutes Essen sein. Denn ursprünglich ist es ein religiöses Fest, denn wir feiern hier die Geburt Jesu. Da ich selbst gläubig bin (aber ganz sicher nicht streng ), versuche ich dies auch meinen Kindern zu vermitteln, damit sie später gute Erwachsene werden. Und wenn sie alt genug sind, werde ich sie auch in die Welt der Fantasy entführen, damit dies bei uns eine neue Tradition wird.

    Aber auch bei uns im Forum entwickeln sich einige Traditionen, so zum Beispiel der Schönheitswettbewerb, der immer zur Vorweihnachtszeit startet. Im Nichts hat es sich zur Tradition ergeben, dass ich das Frühstück serviere, gelegentlich unterstützt von den anderen Usern und unser Forendrachen TomDeMy bekommt seine tägliche Ration Jungfrauen von Annalena, unserem Forenkätzchen. Es sind Traditionen, die das Miteinander schöner machen, man freut sich richtig darauf. So fühlt man sich wirklich wie in einer Gemeinschaft, einer Familie.

    Doch manches Mal wünschte ich mir, ich wäre nicht so ein pflichtbewusster Mensch…

    Kolumne auf der Hauptseite
    Emerahl is offline
  2. #2 Reply With Quote
    Gute Fee Leeyara's Avatar
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    Danke für die interessante Kolumne, Emerahl. Hat mir gefallen.

    Ich muss sagen, dass es mir da ähnlich geht wie dir. Mir fällt es im Spiel auch schwer, auszubrechen und die Pflichten, Pflichten sein zu lassen. Aus welchem Grund auch immer. Aber bei DAO ist es zum Beispiel so, dass ich meine Chars so anlege, dass sie moralisch richtig handeln. Mir fällt es schwer böse zu spielen.
    Leeyara is offline
  3. #3 Reply With Quote
    Deus VRanger's Avatar
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    @ Emerahl, tolles Thema und gut beschrieben

    Meist ist es so für mich, man kommt weder aus dem Pflichtbewusstsein noch aus den Traditionen so richtig heraus. Und meist ist man auch ganz froh darüber. Und man prägt seine Kinder bzw. man wurde geprägt. Manchmal überfordert einem die Vielzahl an Entscheidungen in einem PC-Spiel und man bricht dann auch nicht aus.
    VRanger is offline
  4. #4 Reply With Quote
    Drachentöter ZixZax's Avatar
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    Leider sind die meisten Spiele darauf ausgelegt pflichtbewusst zu handeln, Ausbrechen ist garnicht möglich.
    In DA fällt das meiner Meinung nach sehr stark auf, wenn man einen bösen Char spielen will. Der allgegenwärtigen Pflicht, das Land zu retten (als böser Char ja irgendwie seltsam) entkommt man nicht, ein Problem weswegen zumindest meine bösen Chars immer scheitern.
    Und da es selten wirklich möglich ist aus den großen Pflichten auszubrechen, fällt es wahrscheinlich vielen (auch mir) schwer mal zwischendurch zu rebellieren, da der Char dann schnell inkonsequent werden würde (obwohl das auch wieder eine Art Ausbrechen wäre).
    [Bild: mNtJUAWrpRsKyIsig_ZixZax.jpg]
    Gothic III Mod Consequences 2.0 und diverse andere Mods/Patches
    ZixZax is offline
  5. #5 Reply With Quote
    Crichton
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    Jegliche Form der Fiktion, insbesondere die Fantasy, besitzt auch einen gewissen eskapistischen Anspruch, es geht darum der Realität zu entfliehen und insbesondere bei Rollenspielen geht es darum eine bestimmte Rolle zu spielen. Ich spreche es niemandem ab sowohl in der Realität als auch in der Fiktion pflichtbewusst zu handeln, aber das Computerspiele uns bezogen auf die Realität mahnen bezweifle ich stark.
    Besonders bei DAO, denn so wie sich auch Beispiele für pflichtbewusste Handlungen und Charaktere finden, findet sich in dem Spiel auch das Gegenteil. Wir können den verletzen Späher im Sumpf zu Beginn einfach umbringen, wir können Redclife von Untoten überrennen lassen, wir können den Sohn des Arl an den Dämonen verkaufen, wir können uns unsere Pflicht entziehen Loghain für seinen Verrat an den grauen Wächtern seiner Strafe zuzuführen, selbst unsere Pflicht zu sterben um den Erzdämon zu besiegen können wir umgehen. Und auch hier finden sich Begleiter die genau diesen Weg oftmals als richtig empfinden, Morrigan und Zevran zum Beispiel.

    Letztlich liegt es alleine an uns wie pflichtbewusst wir in der Realität und im Spiel sind. Wir können in der Realität völlig pflichtbewusst sein und DAO völlig anders spielen, genauso können wir auch blau machen um danach eine Runde Dragon Age mit einem absolut vorbildlichen Charakter zu spielen. Es gibt sicher auch viele denen es zu anstrengend ist in der Realität pflichtbewusst zu sein und daher in eine fiktive Welt fliehen wo sie es sein können und sich dabei gut fühlen, einfach weil es dort Spaß macht und die Belohnungsmechanismen von Computerspielen viel schneller und direkter greifen als die der Realität.

    Es handelt sich wie immer um eine schön geschrieben Kolumne, jedoch aus einem zu einseitigen Blickwinkel. Die Dragon Age Spiele ermöglichen einem weitaus mehr Handlungsmöglichkeiten als du sie aufgezählt hast und dadurch das es kein Gut/Böse System gibt und die meisten Handlungen letztlich von der Spielwelt akzeptiert, von manchen Charakteren sogar als richtig empfunden werden, sehe ich die Möglichkeit aus der Pflicht auszubrechen als gegeben und habe nicht das Gefühl durch das Spiel in die eine oder andere Richtung gedrängt zu werden.
  6. #6 Reply With Quote
    Drachentöter Paragon's Avatar
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    Am schlimmsten ist wenn eine Religion, Anschauung oder Tradition einfach keinen Sinn macht oder unfreiwillig vom Spieler vollkommen abgelehnt wird:

    Was finde ich persönlich die emotionslosigkeit der Jedis unsinnig, ich persönlich würde wohl wirklich eher den Weg eines Sith gehen, wobei für mich gefühle ausleben nicht automatisch bedeutet mir das Gesicht rot anzumalen und Hörner zu tragen
    Der beste Lügner ist der, der mit den wenigsten Lügen am längsten auskommt.

    Samuel Butler d.J.
    Paragon is offline

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