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  1. View Forum Posts #141
    Ehrengarde Demron's Avatar
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    Demron is offline
    Demron erwachte und die Dunkelheit begrüßte ihn. Sein Kopf schmerzte und fühlte sich an, als ob er neben einer Blaskapelle eingeschlafen wäre. Doch zu viel Starkwein kam so etwas auch gleich und im Stillen ärgerte sich der Adlige wieder einmal über sich selbst. Anscheinend würde er doch zum Säufer werden.
    Langsam stand der Adlige auf, kam nur schwankend auf die Beine, während seine Augen nur verschwommen seine Umgebung aufnehmen konnten: Ein einsamer Baumstumpf am Waldrand, stehend auf einer Wiese aus Gräsern und Heidekraut. Langsam klärte sich seine Sicht und bemerkte all diese Dinge, erinnerte sich hier eingeschlafen zu sein.
    Ein kalter Wind kam auf, strich beinahe zärtlich über die Gräser und wirbelte erste gelbe Blätter der Bäume auf dem Boden auf. Ein Zeichen, dass der Herbst nicht mehr weit war, welcher nur ein Herzschlag zum Winter war.
    Demron fror und wickelte einen schweren Umhang aus Wolfsfell um sich, derweil er zum Himmel aufsah und schwieg. Es war eine sternklare Nacht, keine einzige Wolke war am Himmel zu sehen und der Mond strahlte mit einer ungewohnten Insentität.
    "...meinen Weg zu Ende gehen."
    Der Adlige erinnerte sich traurig an die Worte Valens, hoffte, dass sie nicht dem entsprachen, was er so sehr fürchtete, doch machte sich eine Angst in seinem Inneren breit, wie er sie noch nie zuvor verspürt hatte. Langsam ging Demron wieder auf das Anwesen zu.
    Als er dort angekommen war fand er Bastian vor der zerstörten Kapelle vor, vor mehreren Personen kniend, welche hinter Leintücher verborgen waren. Dem Adligen schnürte es die Kehle zu, als er die Leichen bemerkte. Bastian bemerkte ihn und erhob sich.
    "Alles klar Demron?", fragte er. Es klang nicht unfreundlich.
    "Wer ist unter den Tüchern verborgen?", gab Demron mit erstickter Stimme zurück, flehte und hoffte, dass Valen nicht unter den Toten sein möge.
    "Es sind jene Marionetten, welche von Roshkov gelnkt worden waren und dann von Valen freigelassen worden sind. Endlich haben die Armen ihre letzte Ruhe gefunden.", erklärte Bastian und kalng dabei ebenso traurig wie sich Demron kurz zuvor gefühlt hatte.
    Doch Hoffnung hatte sich wieder in ihm ausgebreitet, als er gehört hatte, dass Valen noch lebte. Vielleicht waren seine Worte einfach wieder einmal ein besonders schlechter Scherz gewesen, welche der Dieb immer wieder trieb.
    "Wo kann ich Valen finden?", fragte Demron Bastian, welcher ihn merkwürdig wissend anstarrte.
    "Oben am Berghang, bei den Weinfeldern.", antwortete Bastian und zog sich mit einem stillen Lächeln zurück, überließ den Adligen seinen Gedanken.
    Dieser fand Valen tatsächlich dort oben vor, zusammen mit Callindor. Beide wirkten sehr erschöpft und Demron wollte sich nur erkundigen, was mit Valen los war und beiden dann gleich wieder ihrer Liebe überlassen.

  2. View Forum Posts #142
    Waldläufer
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    Clan dv Dressels is offline
    Valen hielt Callindor im Arm und zusammen standen sie dort, beschienen von Mondlicht, begleitet von Wind und Wasser, dass sich schmeichelnd in die Komposition mischte.
    Unerwartet nahm er ein Geräusch wahr, öffnete die Augen und winkte die Person zu sich. Mit einem Lächeln begrüßte er Demron und fragte, was er denn hier zu suchen habe und bekam als Antwort, dass er nur schauen wolle, ob es ihnen gut gehe und gleich wieder verschwinden wollte.
    Und so drehte sich Demron von ihnen ab.

    "Demron, bitte ...", ergriff der Dieb das Wort und hielt ihm die Hand hin, als dieser sich erneut zu ihm wandte.

    "Wir würden uns über deine Gesellschaft freuen."

    Demron nahm seine Hand, erst zögerlich, doch dann lächelte er, packte die Hand mit dem ganzen Arm, lehnte sich an den Diebeskünstler und mit Callindor an der anderen Seite zogen sie weiter durch die Weinreben und genossen die Dreisamkeit, Valen erzählte Geschichten und auch die beiden anderen stimmten dazu ein. Jeder hatte etwas in seinem Leben erlebt, was er gerne mit den anderen teilen wollte. Über kurz oder lang kamen sie auch auf die letzten Geschehnisse zu sprechen. Die Nacht zeigte sich in ihren letzten Zügen, Valen blieb nicht mehr viel Zeit. Wie sollte er es Callindor nur verständlich machen?

    Sie fanden einen abgestorbenen Baumstamm und hockten sich alle darauf, jedoch hielt es Valen nicht lange aus, stand auf, ging ein paar Schritte auf den Abhang und das unter ihm tosende Wasser zu, als er sich umwandte und die beiden lächelnd ansah. In seinen Händen hielt er den Kristall. In ihm war immer noch Camilles Blutmagie konzentriert, doch nach außen hin war es nicht mehr als ein Rubin.

    "Wie du gesehen hast, Callindor, habe ich die anderen frei gelassen. Es wäre nicht richtig gewesen, sie zu einem Dasein zu zwingen, für welches sie nicht vorgesehen waren. Camille hat mir diese Fähigkeit vererbt, als sie starb. Callindor, die Schlacht auf der Insel verlief nicht gut. Streit entzweite den Zirkel, Verrat überkam uns und am Ende verloren wir alles. Ich bin der Einzige, der diesem Schicksal entkam. Wieder einmal ..."

    Callindor blickte ihn betroffen an und nickte. Das es so schlimm war, hatte er nicht erwartet.

    "Die Ereignisse um Marea und Tobren und Roshkovs und Vics Streben nach Unsterblichkeit haben mir eines vor Augen geführt. Ich gehöre nicht mehr in diese Zeit. Zwei Mal habe ich dem Tod ein Schnippchen geschlagen, erst damals, als ich uns beide vor Roshkovs Massaker rettete und dann, als ich Camille sterben ließ und meinem Drang nach dir nachgab. Doch ich habe mich geirrt. Ich dachte, wenn ich dich wiederfinde und wir wieder zusammen sind, würde es wie damals sein, auf Khorinis, in der Scheune, mit dem Stroh, als ich dir deine ..."

    "Valen!", schrie Callindor auf und Röte stieg in sein Gesicht. Hatte er etwa vergessen, dass sie einen Gast hatten. Demron grinste jedoch nur, er konnte sich wohldenken, worauf Valen hinaus wollte.

    "Ich erinnre mich daran, auch daran, dass meine Mutter uns quasi mittendrin erwischt hat ...."

    Blamabler konnte es nicht werden. Doch am Ende lachte Callindor darüber, es war eine schöne Erinnerung.

    "Ja, es war schön. Damals, wir beide,. Zusammen. Doch hier und jetzt. Es ist nicht mehr dasselbe. Ich bin jetzt Valen, nicht mehr Nicolas, und auch wenn ich es anfangs nicht wahr haben wollte, so ist es nicht mehr so wie damals. Wir haben uns beide weiter entwickelt, du hast deine Liebe mit anderen geteilt, so wie ich mein Unleben empfing. Callindor ..."

    Valen ging auf ihn zu und legte ihm den Anhänger mit dem roten Kristall in die Hand. Ungläubig starrte er darauf, und verstand nicht.

    "Ich möchte, dass du ihn nimmst, als Erinnerung an mich."

    Callindor war völlig überfahren von diesem Akt und weigerte sich dagegen.

    "Erinnerung, wie meinst du das? Was ist mir dir?"

    "Ich brauche ihn nicht mehr. Vor langer Zeit hatte Camille ihn benutzt, um mich zu dem zu machen, was ich bin, und meinen Geist darin zu versiegeln, um sich meiner Loyalität sicher zu sein. Als ich die Seelen der anderen entließ, tat ich es auch für mich. Ich bin wieder vollständig. Das Artefakt hat seinen Dienst für mich getan und ich möchte, dass du ihn behälst, als Erinnerung an unsere gemeine Zeit, unsere Liebe, unsere Freunde und Opfer, die wir bringen mussten, ein Jeder auf seine Weise. Valen ist fort, ich darf endlich wieder Nicolas sein ..."

    Nicolas wandte sich von ihnen ab und sah zu der Baumgruppe, dort irgendwo in einiger Entfernung verborgen, konnte sie nicht sehen, und doch war es, als wäre er ihnen ganz nah.

    "Die Bäume sind wunderschön und es wird mir dort gefallen. Wie auch den anderen. Wir werden zusammen sein, wie damals, Callindor. Eine Familie."

    Nicolas drehte sich zu den beiden anderen um, kniete vor Callindor, nahm seine Hand und sah ihn mit solch Flehen und Bitten an, mit solch einer gequälten Seele in seinem Innern.

    Callindor schüttelte nur den Kopf, löste sich von Nicolas Händen und hatte Tränen in den Augen.

    "Ich .. ich verstehe das alles nicht, Val ... Nicolas. Was willst du mir damit sagen? Ich verstehe nicht, worauf du hinaus willst."

    Nicolas griff erneut nach Callindors Händen, drückte sie ganz fest und küsste sie.

    "Doch, du weißt es. Es gibt nun nur noch einen Grund, weshalb ich noch hier verweile. Mit allen anderen, die mir etwas bedeuteten, habe ich bereits gesprochen, ihren Segen erhalten. Callindor bitte ..."

    Callindor weinte nun hemmungslos, doch noch immer wehrte sich sein Verstand dagegen, das Offensichtliche anzuerkennen.

    Nicolas war nun ebenso am Boden zerstört, es war inzwischen nicht mehr als eine Folter, die Callindor ihm aussetzte, doch konnte er ihm dies nicht sagen. Mit letzter Hoffnung in seinen Augen wandte er sich Demron zu.

    "Demron, sag ihm, was ich von ihm verlange, was ich möchte, worum ich ihn nun bitte, ja erflehe. Bitte ...!!!"

    Und Nicolas nahm Demron Hände und zitterte am ganzen Körper ob dieser Qual, der er sich durch Callindor ausgesetzt sah. Ja, Liebe konnte auch schmerzhaft sein, zumindest für einen, wenn der andere die Wahrheit nicht erkennen wollte.

    C.
    Last edited by Clan dv Dressels; 07.09.2012 at 10:43.

  3. View Forum Posts #143
    Ehrengarde Demron's Avatar
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    Demron is offline
    Schweigend betrachtete Demron die düstere Szenerie, welche sich da vor seinen Augen aufgetan hatte. Nicolas mit seiner stummen Bitte um Auskunft im Gesicht, Callindor welcher hemmungslos schluchzte, nicht verstehen konnte was das alles sollte.
    Der Adlige vergrub sein Gesicht in den Händen, doch die Tränen wollten nicht kommen, denn er war unendlich müde, etwas hatte ihn verlassen. Es schien das mit Nicolas Entscheidung etwas ihn ihm ebenfalls gestorben war, wofür er alle Tränen aufgebraucht hatte.
    Nun wusste Demron ebenfalls, welche Rolle ihm das Schicksal zugedacht hatte. Er sollte ein Vermittler sein, jener Mann, der die Ironie mit dem Begriff Schicksal, anderen begreiflich machen sollte, eine Rolle, die einfach zuviel war. Dennoch wurde es von ihm verlangt, egal welche Konsequenzen daraus entstehen sollten.
    Vorsichtig nahm der Adlige seinen Freund Callindor in dem Arm, der weiterhin weinte und bei Demron Halt suchte, ein Fels in der Brandung, welcher ihn vor dem ertrinken retten sollte. Wie sollte es der Adlige seinem Freund begreiflich machen, ohne ihn zu verletzten.
    Verzweifelt sah jenen an, der einst Valen war, suchte um stille Auskunft, doch erntete er nur ein trauriges Lächeln und in dessen Blick lag ebenfalls Verweiflung. Anscheinend musste Demron diesen letzten Akt nun selbst einleiten, betete um Callindors Seele.
    Ganze nahe führte der Adlige seinen Mund an Callindors Ohr heran und flüsterte jene drei Worte, die er sagen musste.
    "Lass ihn gehen.", hauchte Demron mit heiser Stimme, gebrochen von Schmerz und Kummer, derweil Callindor aufsah, mit Tränen in den Augen und müde nickte. Es war Zeit zu gehen, dass wussten alle.
    War nicht der Gedanke an die Vergänglichkeit aller irdischen Dinge stets ein Quell unendlichen Leids - und gleichzeitig ein Quell unendlichen Trostes? Denn der Tod ist eigentlich nichts Schreckliches. Nur die fürchterliche Vorstellung vor diesem, macht ihn so schrecklich und eines war den beiden hinterbliebenen gewiss: Mit den Flügeln der Zeit fliegt die Traurigkeit davon.

  4. View Forum Posts #144
    Waldläufer
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    Clan dv Dressels is offline

    Nicolas

    Als Demron die von ihm so erhofften Worte in Callindors Ohr hauchte, glaubte er für einen Moment, die Zeit würde stehen bleiben und Callindor würde sich dagegen weigern und so seine Qual aufgrund seiner Liebe zu ihm noch weiter hinaus zögern.
    Doch als Callindor aufgelöst und unter Tränen als Antwort darauf nur nickte und sein Gesicht in Demrons Brust vergrub, war Nicolas frei von allen Ketten und spürte eine ungeheure Leichtigkeit in sich aufsteigen. Eine Unbeschwertheit, die er oft in Callindors Gesellschaft empfand, als sie ihr Leben miteinander teilten, doch nun war es der Moment, als Callindor sich von ihm trennte, aus freien Stücken, ohne Reue.

    "Callindor, ich danke dir. Deine Liebe hat mich am Leben erhalten, doch es ist genug. Ja, lass mich bitte gehen, vollende dieses Kapitel deiner Vergangenheit, erinnere dich von Zeit zu Zeit daran, es würde mich freuen, doch blicke nach vorn, und suche dir andere Dinge, andere Menschen, denen du deine Zuneigung schenken darfst. Es war eine wundervolle Zeit, und ich bereue nichts davon. Und sage Francoise, dass ich mich bei ihr entschuldige, und mir der Angriff auf Thara Leid tut. Hätte ich eine andere Wahl gehabt ..."

    Doch die beiden nickten nur verstehend und es war nun auch an Nicolas, mit diesen Taten und seinem Leben abzuschließen und seinen Frieden damit zu machen.

    Nicolas umarmte Demron, flüsterte ihm ein *Danke* ins Ohr, hielt ihn eine Weile fest, doch er hatte nicht mehr viel Zeit. Mit einem verschmitzten Lächeln löste er sich von ihm und strich ein letztes Mal mit seiner Hand über das Kinn und die Lippen des Mannes, den er am gestrigen Abend noch so zärtlich geküsst hatte. Es war fast so, als könnte er diese Verbindung noch immer spüren.

    Und dann war es so weit. Langsam war der Sonnenkranz am Horizont auszumachen und die Nacht wich einem schicksalhaften Morgen.

    "Was für ein schöner Sonnenaufgang", sprch Nicolas ehrfürchtig aus, als hätte Innos selbst die Intensität extra für ihn erhöht. Viele dieser Momente hatte er in seinem Unleben erlebt, doch dies hier war anders. Vielleicht lag es daran, dass es sein letzter sein würde.

    Callindor rannte auf seinen um alles geliebten Nicolas zu, umfasste ihn mit aller Gewalt und presste ihn an sich, es fiel ihm so schwer, ihn gehen zu lassen. Selbst Nicolas was überrascht von dieser Stärke. Sie sahen sich an, wie lange war unerheblich, dieser Moment war einzig für sie allein. Und dann trafen sich ihre Lippen ein letztes Mal und es schmeckte wie früher, als sie sich verlegen ansahen, nachdem sie sich zum ersten mal küssten, in so jugendlichen Jahren. Dies hier war nun der Abschied. Es gab noch so viel zu sagen, so viele unausgesprochene Worte ...

    Die Sonne stieg höher und kurz wurde Nicolas von ihr geblendet, als er seinen Blick Callindor zuwandte und dabei gar nicht mitbekam, wie seine Haut von der Helligkeit langsam angegriffen wurde. Ohne das Amulett war er den Strahlen der Sonne schutzlos ausgeliefert. Es war aber nicht mehr als ein Prickeln auf seiner Haut, ein irgendwie angenehmes Gefühl.
    Nicolas sah seinen Magier erneut an, auch Demron, der trotz allem bei diesem Augenblick dabei sein wolte und neben Callindor stand.

    "Schaut, sie warten auf mich ...", sagte der Dieb außer Atem und voller Vorfreude und zeigte mitten in die Sonne, die einen blendete.

    "Es ist so schön, so wundervoll. Sie sind alle gekommen. Camille ... Xavier ... und Marea und die anderen. Um mich abzuholen und willkommen zu heißen."

    Callindor sah dort hin, zu dem Sonnenglanz, weinte und der Rotz ließ in schniefen.

    "Ja, Nicolas, ich sehe es auch."

    Nicolas sah zu Demron, der ebenso aufgelöst nickte und da weinte Nicolas zum ersten mal seit Jahren, aus Dankbarkeit für diese Chance, die ihm zuteil geworden war.

    Das Sonnenliche wurde mit jedem Augenblick stärker, legte Nicolas Körper in einen seltsamen feurigen Schein und er stöhnte auf.

    "Es ist ein wundervolles Gefühl. Danke, Innos."

    Callindor freute sich für ihn, dass er endlich Erlösung finden würde, drückte ihn an sich, wie auch Demron einen Teil von ihm haben wollte. Und dabei merkten sie nicht, wie Nicolas die Hand des einen in die des anderen legte und umschloss. Als einen kleinen Wink und seinen letzten Willen.

    "Ich liebe dich!", schrie Callindor unter Tränen und Nicolas streichelte ein letztes Mal liebevoll dessen dunkles Haar, dass immer so schön den Kontrast zu seinen Blonden bildete.

    "Ich weiß, ich liebte dich auch. Leb wohl."

    Und das letzte, was er tat, war, Demron und Callindor von sich zu stoßen, sodass sie am Ende zusammen standen und Nicolas nun vollends im Feuerschein entfachte. Das letzte, was sie beiden sahen, war das Lächeln Nicolas', seinen Frieden und seine endgültige Erlösung. Und die Freude darüber, dass sie ihre Hände voneinander nicht gelöst hatten, es vielleicht noch nicht einmal bemerkten.

    Dann löste sich Nicolas' Dasein in einem Staub auf und zurück blieb seine Kluft, die nun nach unten auf den Boden sank, umrahmt von grauem Staub, der langsam über den Hügel auf das Meer hinaus geweht wurde.

    *Leb wohl, Nicolas, und alles Gute auf deiner Reise.*

    C.
    Last edited by Clan dv Dressels; 07.09.2012 at 10:44.

  5. Visit Homepage View Forum Posts #145
    Ehrengarde Callindor's Avatar
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    Callindor is offline

    Anwesen von Callindor, Weingut

    Der Abend legte sich über das Anwesen und die Weinberghänge und bald würde es so weit sein. Callindor seufzte und rieb sich die Schläfen. Ihn hatte eine unerwartete Mattigkeit erfasst und er musste hart mit sich kämpfen, nicht einfach die Augen zu schließen, und schlafen zu gehen. Doch das durfte er nicht. Callindor hatte es ihm versprochen.

    Der Tag war hektisch gewesen, anstrengend und schweißtreibend. Kaum dass er mit Demron den Hügel verlassen hatte und dabei die Diebeslederkluft mit seinen Armen und Händen eisern umklammert hielt, informierte er Bastian und Thea über sein Vorhaben und die Arbeitsverteilung. Viel war zu tun, wenn sie es bis zum Abend fertig bekommen wollten.

    Die Mädchen Lea und Liz und Talia wurden in die Stadt geschickt, samt dreier Karren und sie besorgten sich vom Schreiner ein halbes Dutzend Särge und wuchteten sie zurück zum Anwesen und danach den Weinberg empor.

    Thea wurde das Zurechtmachen der Ehrengäste anvertraut, und sie legte sich mächtig ins Zeug, um Ludmilla, Serena und die anderen gut aussehen zu lassen.
    Bevor die Särge emporgeschoben wurden, erhielten sie ihre ewige Fracht und begannen ihre letzte Reise.

    Callindor, Pierre, Demron und Malik hoben die Gräber aus, sechs an der Zahl und schufteten und schwitzten, denn auf dem Weinberg war es im Vergleich zum Anwesen merklich wärmer, die Sonne beschien sie beinahe die gesamte Zeit und forderte von ihnen alles ab.
    Bei dieser so bedrückenden Arbeit wurde kaum ein Wort gewechselt, ab und zu mal ein *Entschuldigung*, ehe man wieder in Stille eintauchte. Auch nachdem die Ruhestätte vorbereitet war, nickte Callindor nur dankend und zusammen warteten sie auf die Karren mit den Särgen. Als sie endlich eintrafen, öffnete Callindor kurz den Deckel jedes Sarges, sprach ein kurzes Gebet, in dem er Innnos darum bat, er möge ihnen ein Licht in den Schatten und ein Funke der Hoffnung sein. Danach nahm er den Artefaktschlüssel, brach ihn wieder in seine Einzelkomponenten und legte jedem von ihnen ein Teil in die Hand, welche von der anderen umschlossen gehalten wurde. So würden sie zusammen gehören, weil jeder ein Teil eines großen Ganzen bei sich trug. Übrig blieben die zwei von Callindor und Nicolas und er behielt sie bei sich, als Erinnerung, die ihm niemand nehmen würde.
    Die Särge wurden langsam mit Stricken und Seilen eingelassen, die Erde darüber verteilt und Bastian sorgte dafür, dass auch die Blumenbouquets gut aussehen würden. Sein Aufgabe war es den Tag über gewesen, für die Verpflegung der Gruppe zu sorgen, doch niemand verspürte einen Appetit und nur aufgrund der Sonne und der zehrenden Arbeit schafften sie es, eilig Becher mit Wasser ihre Kehlen herunter stürzen zu lassen. Doch niemand verübelte es dem anderen und jeder blieb mit seinen Gedanken für sich. Was sollte denn gesagt werden? Zweifel oder Wut, Trauer oder Angst änderten nun nichts mehr an den Tatsachen, mit denen sie sich alle auseinander setzen mussten. Einige taten sich dabei schwerer als andere.

    Als die Arbeit so weit getan war, stiegen sie wieder vom Weinberg herab und hatten endlich etwas Zeit für sich. Die Kinder blieben unter sich und gingen ab und an Bastian und Thea bei der notdürftig zu erledigenden Hausarbeit zur Hand. Malik und Talia zogen sich in ihr Quartier zurück, um noch etwas zu entspannen vor dem Abend und Callindor entschloss sich, im Meer unten am Strand schwimmen zu gehen, sich dabei zu erfrischen und sich einfach von den Wellen treiben zu lassen.
    Demron hatte den Magier gefragt, ob er ihn begleiten dürfe, und erst als sein Freund erklärte, er wolle jetzt nicht allein sein, stimmte Callindor zu und zusammen gingen sie hinunter zum Strand und gönnten sich die Entspannung des Schwimmens. Dies gab es keinerlei Scheu, überhaupt zeigte der Feuermagier gar kein Interesse daran, Demron irgendwie wahr zu nehmen, sondern er tat, weswegen er dort hin gekommen war, und ging wieder, als er es an der Zeit dafür empfand. Er brachte es sogar zu Stande, nicht ein einziges Wort mit Demron zu wechseln, auch wenn dieser von Zeit zu Zeit dazu ansetzte, jedoch nach dem dritten oder vierten Scheitern eines Dialogs zwischen den beiden, es aufgab.

    Callindor ging schweigend zurück zum Anwesen, erfrischt, doch nicht gelöster und verzog sich sogleich in sein Arbeitszimmer, mit der Bitte, doch von niemandem gestört zu werden. Jetzt wollte er allein sein, wovon er sich zuvor noch von Demron hatte abbringen lassen.
    In den verbleibenden Stunden hatte der Feuermagierpriester überlegt, was er als Andacht für eine Rede halten könnte, was es nach all den Ereignissen noch zu sagen gab und stellte beim Sinnieren überrascht fest, dass jemand ein Buch auf seinem Schreibtisch abgelegt hatte. Gestern Abend hatte es noch nicht dort gelegen. Callindor schlug das Büchlein mit dem schwarzen Einband auf und es war von Nicolas. Sein Tagebuch, oder Notizheft. Er musste es dort hin gelegt haben, kurz bevor sie am frühen Morgen das Anwesen verlassen hatten. Es hatte auch eine Widmung darin, die besagte:

    Für Callindor,

    dem ewigen Licht in meinem Herzen und Hort unserer gemeinsamen Erinnerungen


    Callindor bekam einen Kloß im Hals und brauchte sehr lange, um überhaupt die erste Seite umzublättern. Es enthielt Berichte über seine Erlebnisse auf der Insel Therenia, seine Gefühle für ihn und seine Sehnsucht. Und je mehr Callindor darin blätterte, und je näher er dem Ende des Buches kam, desto bedrückender wurden die Notizen, teils nur ein Satz bei einem Eintrag, wie.

    *Ich bin allein.* oder *Einsam* oder *Verzweiflung*, doch am ergreifendsten empfand er die Worte *Oh hilf mir doch jemand. Callindor, wo bist du?*

    Der Feuermagier klappte das Buch zu und konnte nicht weiter lesen, doch die Buchrückseite klappte sich dabei zurück und ließ ihn so Nicolas' letzten Eintrag sehen. Und ein Lächeln zauberte sich auf Callindors Gesicht und er fühlte sich endlich bereit dazu, das zu tun, was von ihm am heutigen Abend verlangt wurde.

    Er verbrachte geraume Zeit damit, sich in seine pompöseste, dem Anlass entsprechende, Kimonorobe zu kleiden, mit den glanzvollsten Emblemen des Ordens verziert, putzte sich seine Schuhe und schnürte sie neu. Als letztes kämmte er sich die Haare , schob sie dann zu einem Zopf zusammen, ehe er die blauen Magieohrringe aus der Schatulle nahm und sie sich ansteckte. Ebenso den blauen Magiekristall, den er als Anhänger um den Hals tragen würde. Und als letztes führte er eine silbrige kette über seine Stirn und an den Ohren hängend herab und plazierte zertral über seinem Nasenrücken den roten Blutkristall von Nicolas, seinem letzten Geschenk an ihn, und die beiden Artefaktstücke, die er jeweils rechts und links davon anordnete.

    Als er sich im mannshohen Spiegel des Gemeinschaftssaales so besah, da kamen ihm bei jedem Objekt, dass er bei sich trug, Erinnerungen in ihm empor. Jedes Teil erzählte eine Geschichte und er würde sie für die Ewigkeit bei und in sich aufbewahren. Für gewöhnlich empfand es dieses Herausputzen als oberflächlich, zu aufgesetzt, doch hier und heute konnte Callindor sagen, dass es gut so war und es ihm gefiel, von Nicolas und den anderen so Abschied nehmen zu dürfen. Callindor sah sich selbst vielleicht als wenig hervorhebenswert, doch jemand, der ihn dort vor dem Spiegel stehen sah, konnte nun erkennen, wie wunderschön er doch in Wirklichkeit war, sowohl im Inneren als auch äußerlich und dass es nur richtig war, dies so zu präsentieren.
    Seine Ohrringe und das blaue Amulett an seiner etwas offen gelegten Brust hüpften und tanzten mit jeder Bewegung umher, Nicolas Geschenk allerdings ruhte unbeweglich auf seiner Stirn, und von weitem sah es so aus, als wäre der Stein tatsächlich in ihn eingelassen worden. Mit einem letzten Griff löste Callindor das Haarband und seine schulterlangen, schwarzen Haare fielen an seinen Ohren herab und umrahmten angenehm das blaue Funkeln der Ohrringe.
    Zum Abschluss noch einmal kurz durch seine Haare gewuschelt, so wie Nicolas es gern für ihn getan hatte und er sich dabei immer so schön entspannen konnte und ja ... so konnte Callindor sich vor den anderen blicken lassen.

    Und als es so weit war, empfing er Demron, der gerade durch den Saal kam, sich ebenso zurecht gemacht hatte und diesem mit allem Stolz entgegen trat. Ihre Blicke trafen sich und noch immer hatte Demron nichts gesagt. Also machte Callindor den Anfang und lächelte den stummen Kerl da vor ihm an, ehe sich seine Lippen wieder über die kurz sichtbaren Zahnreihen schoben.

    "Bereit?", fragte Callindor und hielt seinem Freund die Hand hin, auf das er sie ergreifen möge und ihn auf diesem Zug begleite. So, wie es Nicolas sicher gewollt hatte.
    Last edited by Callindor; 07.09.2012 at 22:42.

  6. View Forum Posts #146
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    Demron is offline
    Nachdem Demron mit den anderen die Gräber ausgehoben hatte, war die Gruppe zum Anwesen zurückgekehrt und jeder verbrachte die letzte Zeit bis zur Beerdigung auf seine Weise. Der Adlige versuchte in der ersten Zeit Callindor bei einem gemeinsamen Bad im Meer oder dergleichen zu einem Gespräch zu bewegen, doch dieser wollte eher Zeit für sich und machte dies durch seine wortkarge Art mehr als deutlich.
    "Vielleicht gibt er mir die Schuld an Valens Tod. Immerhin habe ich Callindor geraten, meiner verdammten Ehre sei dank, dass er ihn gehen lassen sollte. Was bin ich doch für ein ehrenhafter Narr, welcher sich immer auf dünnem Eis bewegt. Dass heute war das erste knacken und schond bald werde ich wohl einbrechen.", dachte sich Demron.
    Reue und Selbsthass breiteten sich in ihm aus, schmerzten so sehr, dass er sich am Ende einfach nur noch das Herz herausreißen wollte. Doch seine Lebensaufgabe und Valens Vermächtnis hielten ihn davon ab, zwangen ihn in die Zukunft zu sehen.
    So machte sich Demron alleine bereit, um den Toten die letzte Ehre zu erweisen. Mit flinken Fingern lies sich der Adlige in der Stadt von einem Barbier das Haar waschen und schneiden, bis es glänzte und fast bis zur Schulter herabfiel.
    Auch der Bart wurde gekürzt, erneut auf soldatische Strenge und passte zu dem stetig grimmigen Gesichtsausdruck Demrons, welcher einfach nicht mehr weichen wollte.
    Kurz bevor er zum Anwesen aufbrach, legte Demron seinen feinsten Waffenrock an, welcher mit Symbolen des Orden Innos verziert war und die Rot wie Gold leuchtete. Über dem Waffenrock legte er einen roten Umhang aus Satin an, welchen er schon lange nicht mehr getragen hatte und für besondere Anlässe aufgehoben hatte.
    Danach war der Adlige zum Anwesen zurückgekehrt und geradewegs in den Gemeinschaftsaal gegangen, in welchem er überraschend Callindor vorfand, welcher einfach atemberaubend schön aussah in seiner Kleidung.
    Schweigend betrachtete Demron den Magier, welcher mit einem müden Lächeln näher kam und ihn gutmütig ansah.
    "Bereit?", fragte Callindor freundlich und hielt Demron die Hand hin, welcher aus seiner Starre erwachte und etwas in seiner Bauchgegend verspürte. Eine Art Flattern, welches er zuvor nur für einen Menschen verspürt hatte.
    "Du siehst atemberaubend aus.", brachte der Adlige hervor und sah wie Callindor auf hübsche Art und Weise errötete. Auch Demron war verlegen, konnte es aber gemeinsam verbergen. Hand ind Hand verließen sie den Gemeinschaftsaal und traten in die Nacht hinaus.
    Auf dem Weg zu den Gräbern schlossen sich ihnen die anderen Gefährten an, alle in einen Mantel aus Schweigen gehüllt, derweil Callindor mit seiner Magie den Weg durch künstliche Fackeln erhellte, welche in der Luft zu schweben schienen.
    Nie hatte Demron etwas so wunderschönes und zugleich so trauriges gesehen und schon bald war die Gemeinschaft bei den Gräbern angekommen, während Callindor mit Demron an der Hand vortrat und sich beide zu den anderen umdrehten. Das letzte Kapitel wurde geschrieben.

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    Callindor is offline
    Sie hatten den Weidenhain erreicht und Callindor stand neben Demron vor den Gräbern, sie beknieten sich kurz und sprachen ein letztes Gebet für die Verstorbenen.
    Der Magier würde beginnen, dass hatte er mit allen so abgemacht. Und so hob er seine Hände empor, ließ darauf jeweils einen kleinen Feuerball entstehen und diese tanzten durch die Luft und entzündeten eins nach dem anderen die Fackeln, die rings um die Gräber angebracht worden waren und tauchten den Ruheplatz in eine angenehm feurige Atmosphäre, als wäre ihnen Innos durch diese Tat ganz nah.

    Für einen Moment kehrte Ruhe ein und Callindor sammelte sich, ehe er zu sprechen begann.

    "Wir haben uns hier versammelt, um jene Gefallene zu ehren, die im Kampf für Innos, unseren Herrn, ihr Leben lassen mussten. Lasst sie uns mit dieser Andacht ehren und erinnern wir uns zusammen an jeden einzelnen von ihnen, wie sie unser Leben beeinflussten, wie sie Emotionen wie Liebe, Trauer, Wut in uns auslösten, wie wir sie manchmal verdammten, um sie danach umso mehr zu lieben. Mögen wir noch so verschieden sein, so haben wir dennoch eines gemeinsam. Unser Leben ist endlich und die Entscheidungen, die wir treffen, haben nicht nur Einfluß auf uns selbst, sondern auch jene, die uns nahe stehen, und damit vielleicht in erster Linie gar nichts zu tun haben. Und doch macht uns unsere Zuneigung für sie angreifbar. Manche schließen daraus, dass es besser sei, keine Gefühle mehr in sich zu haben, lieber wie ein totes Ding nur zu existieren, jeden sterben zu sehen, der einem in seinem Leben etwas bedeutete, um am Ende allein zu sein. Andere hingegen umarmen diese Gefühle, geben sie an andere weiter, vervollkommnen sich durch die Erlebnisse, die sie mit anderen teilten und es erwächst daraus eine gemeinsame Geschichte, eine familiäre Vergangenheit. Wir alle haben Momente erlebt, in denen wir etwas bereuten, eine Tat ungeschehen sehen würden wollen oder einfach hilflos mit ansehen, wie es zerbricht, wovon man gehofft hat, es würde ewig halten. Doch es gibt nichts Ewiges, und gerade durch seine Endlichkeit wird das Leben lebenswert, denn dadurch spornen wir uns an, Zeit unseres Lebens etwas Erinnerungswürdiges zu erschaffen, eine Familie zu gründen, Kinder zu haben, die unser Blut weiter tragen, wenn wir schon lang nicht mehr sein werden. Nicolas und die anderen waren solche Menschen, die jeden Tag manchmal als ihren letzten ansahen, jedoch dabei niemals außer Acht ließen, durch ihre Taten die Welt, in der sie lebten, ein Stückchen besser zu machen. Lasst uns ihnen mit Freuden gedenken, sie uns als Vorbild nehmen und uns ihrer als Freunde, Weggefährten, Familie und Geliebte erinnern. Und wisset eines, meine Freunde:
    Es ist am Ende nicht so wichtig, wie man gelebt hat, welche Taten man beging, gute, wie böse, sondern einzig, dass man überhaupt gelebt hat. Auf das es sich lohnte, Teil dieser Welt gewesen sein zu dürfen."

    Callindor wandte sich um, sah auf die Gräber und lächelte tapfer, als er die letzten Worte sprach.

    *Tu' aus das Licht, mein Freund, und leg' dich zur Ruh*

    Und als er dies sprach, wurden die Flammen der Fackeln stetig kleiner, bis sie schließlich vollends erloschen und den Hain im Dunkel des Mondlichts zurück ließen.

    Und als die beiden Freunde empor sahen, war ihnen, als schaue Nicolas auf sie herab, lächelte und grüßte sie ein letztes Mal, ehe er sich abwandte und im Schimmer des Mondes langsam verschwand, sicher mit einem verschmitzten Grinsen im Gesicht, wie es eben die Art war von Nicolas, dem Meistertrickser und Herzensbrecher par excellence.
    Last edited by Callindor; 07.09.2012 at 23:36.

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    Ehrengarde Demron's Avatar
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    Als die Fackeln erloschen waren und das Mondlich auf die Gräber schien, trat Demron nach vorne um ebenfalls etwas sagen zu können. Vor ein paar Momenten wären all seine Worte Belanglos vorgekommen, doch Callindors Rede hatte ihn zutiefs bewegt und er wollte Valens Andenken ebenfalls auf diese Art und Weise ehren.
    Einen Moment lang verharrte der dlige unschlüssig, schaute Callindor unsicher an, doch dieser lächelte aufmunternd und drückte zur Bestätigung die Hand des Reichsbürgers. Dadurch fühlte sich dieser bestärkt genug und wappnete sich für diesen letzten Akt.
    Wieder kehrte unter den Anwesenden Ruhe ein, ehe Demron zu sprechen begann:

    "Liebe Trauergäste, wir haben uns hier versammelt, im Angesicht Innos, dem Gott des Lichtes und der Gerechtigkeit um Valen und dessen Gefährten auf ihre letzte Reise zu begleiten, einer Reise für sie in eine bessere Welt.", begann Demron und lenkte die Aufmerksamkeit aller Anwesenden auf sich. Callindor stand schwiegend da und sah den Adligen aufmerksam an.
    "Was für Worte soll ich schon an einen Menschen und dessen Gefährten richten, welchen ich nur eine so kurze Zeitspanne kennen konnte? Wie kann ich mich erdreisten etwas zu diesen mutigen Personen zu sagen?", fragte Demron mit klarer Stimme, geplagt von Selbsthass und Verzweiflung, derweil ihn alle bestürzt ansahen.
    "Ich glaube es zu wissen. Meiner Meinung nach ist jeder Mensch durch eine Art göttliches Band miteinander verbunden. Bei manchen ist diese Verbindung stärker, bei anderen weniger. Nichdestotrotz führt dieses Band uns alle zusammen und bildet ein Netz des Schicksals, an das einjeder gebunden ist.", erklärte der Adlige und spürte, wie ihm alle gebannt lauschten.
    "All jene die heute gefallen sind, waren ebenfalls ein Teil von uns, diesem besagten Band und werden in eine bessere Welt übertreten. Doch wird das Band dadurch nicht zerissen und lebt weiter in uns fort, mit der Erinnerung an all die vergangenen Tage, die man mit den uns Nahestehenden verbringen konnte.", fügte Demron hinzu und spürte, wie ihm die Tränen das Gesicht hinunter liefen.
    "Eines möchte ich zum Ende hinzufügen und sollte nicht außer Acht gelassen werden:

    Das kostbare Vermächtnis
    eines Menschen ist die Spur,
    die seine Liebe und Frohsinn
    in unserem Herzen zurückgelassen haben.

    Den Wert eines Menschenlebens
    bestimmt nicht sein Alter,
    sondern das, was er in seinem
    Leben erreicht und getan hat.

    Die Grösse eines Flusses wird
    erst an seiner Mündung begriffen
    nicht an seiner Quelle.

    Entfernung ist nichts.
    Sich nah zu sein
    ist eine Sache des Herzens."
    ,

    beendte Demron seine Rede und ihm war für einen Moment so, dass er Valens Gesicht im Himmel sehen konnte, welches lächelte und diese Welt für immer verlies.

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    Callindor war zu Tränen gerührt, denn Demron hatte dies in Worte gefasst, was ihm nicht möglich gewesen war und so war alles gesagt worden, was gesagt werden musste.

    Als nächstes folgten Talia und Malik, knieten nieder und sprachen ebenfalls ein kurzes Dankgebet, erhoben sich kurz darauf und machten keine Umschweife, Callindor mitzuteilen, dass es Zeit war, Ade zu sagen. Vielleicht würden sie sich wiedersehen, jedoch merkte Talia an, dass sie nach diesen Ereignissen erst einmal Ruhe brauchte - und Malik ihr dabei Gesellschaft leiste, wie er grinsend hinzufügte.

    Callindor verstand das nur zu gut, sie umarmten sich und bedankten sich für alles und dann wob Talia den Teleportationszauber und war mit Malik an ihrer Seite verschwunden.

    Die Kinder folgten als nächstes, machten gar nicht so viel Wind darum, da sie meinten, es sei alles für sie erledigt, was nötig sei, und machten sich auf den Heimweg. Übrig blieben Bastian und Thea, die sich nun vor die Gräber knieten, ebenso ein Gebet sprachen und kurz darauf sich zu verändern begannen.

    Aus Bastian wurde ein weitaus jüngerer Mann, wie auch Thea zu einer hübscheren Dame wurde. Sie erhoben sich und nickten Callindor und Demron zu, der von diesem Zauber die Augen und den Mund nicht zu bekam.

    "Darf ich vorstellen. Das sind Carston und Karissa. Ich habe sie in dieser Zukunftsvision von Vic kennen gelernt und wusste daher, dass ihre Gestalt als Bastian und Thea nicht ihre echte war. Sie ließen sich bei Ludmilla und Serena anstellen, um Domenik, meinen Sohn beschützen zu können, wie sie es mir in der anderen Zeitlinie versprochen hatten. Nun sind sie tot, das Versprechen, egal wie, nicht mehr nötig. Ich habe sie vor die Wahl gestellt, und sie haben sich entschieden, wieder die zu sein, die sie wirklich sind. Glaube ich zumindest."

    Carston war nun zu einem bürokratisch gekleideten Kerl mittleren Alters geworden, mit blonden Haaren, streng nach hinten gekämmt, würdevoller Weste und erlesen verwebten Stoffhosen. Karissa stand ihm in Sachen Eleganz in nichts nach und ihr wallend rotes Haar schimmerte feurig, während ihr Oberkörper von einer straff umspannenden Bluse gehalten wurde. Und schließlich wurden ihre Beine von einer ebenso schick gefertigten Hose umhüllt, sodass die beiden so nebeneinander echt edel daher kamen.

    "Ich danke euch, Callindor. Es ist gut, wieder Carston sein zu dürfen, nach all den Jahren."

    Karissa nickte zustimmend und lachte, während sie sich bei Carston einhakte und sie zusammen den Berg hinab stiegen. Übrig blieben zwei, Callindor und Demron.

    Sie sprachen kein Wort miteinander, sondern ließen den Moment und diesen so geruhsamen Ort auf sich wirken. Es war alles gesagt, was sie sich gegenseitig zu sagen hatten und es fühlte sich richtig an, trotz aller Bedenken, die Callindor zwischendurch gehabt haben mochte.

    "Lass uns gehen", bat der Feuermagier lächelnd, hielt Demron wie schon im Saal die Hand hin und gemeinsam gingen sie den Weinberg hinab, dabei mit den Köpfen ineinandergesunken und erzählten sich Geschichten, die von Liebe und Dieben handelten und es war sogar vereinzelt Lachen von ihnen zu hören.

    Und während die beiden Männer, die von Valens und Nicolas' Dasein so berührt und aufgewühlt worden waren, im Dunkel der Nacht verschwanden, flatterte bei den Gräbern umgeben des Weidenhains die zurück gebliebene Schattenkluft ihres geliebten Diebes im Wind, als mochte sie ihnen zum Abschied winken.

    Vieles war geschehen und würde hieraus erwachsen und Callindor erinnerte sich an Nicolas' letzte Notiz in dessen Tagebuch, welche er schließlich mit Freuden verfasst hatte und auch der Feuermagier spürte Zuversicht in sich aufsteigen, aus all dem gestärkt hervorzugehen, irgendwann ... denn ...



    *Das Ende eines Abenteuers ist meist der Beginn eines neuen ...*

    Wenn wir uns wiedersehen - irgendwann - dann werden es wieder unsere gemeinsamen Erinnerungen sein, und das so lange, bis die Zeit selbst von ihrer unsterblichen Existenz erlöst sein würde.

    Erinnerungen für die Ewigkeit
    Last edited by Callindor; 12.09.2012 at 20:03.

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