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    Kill ´em all / Im Turm des Zirkels Teil 4
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    Fertig werden!“, befahl Emile barsch, nachdem er mit gesengtem Kopf dem Segen für den verstorbenen Bruder gelauscht hatte. Wir nahmen unsere Waffen auf, schauten an uns herunter und suchten nach Treffern, die man im Eifer des Gefechtes vielleicht übersehen hatte. Solche Verletzungen waren im Kampf sehr gefährlich, da die Schwächung plötzlich einsetze und so eine Lücke im Schildwall offenbaren konnte. Keiner von uns war ernsthaft verwundet und so scharten wir uns um Emile. Dieser wirkte völlig ruhig. Er dachte über den nächsten Schritt nach. Seine Augen huschten auf dem Boden umher, ohne wirklich etwas im Blick zu haben. Wir hatten gerade einen Dämon besiegt, wer weiß wie viele von denen uns in der Bibliothek erwarten würden. Emile schien das jedoch nicht wirklich zu beunruhigen. Er war voller Tatendrang, das spürten wir. Und es machte uns Angst. Ein unüberlegter Angriff könnte das Scheitern er Rückeroberung und unser aller Tod sein.

    Also Männer, das ist die Lage“, begann er. Emile kniete sich nieder, und nahm seinen Helm ab, den er sorgsam zur Seite legte. Ausnahmslos alle Templer umringten ihn, während er aus einer mit goldenen Fäden verzierten Tasche eine Karte aus zerknittertem Pergament hervorzog, welche die Grundrisse aller Stockwerke des Turms zeigte. Mit einem Finger tippte er auf unsere derzeitige Position, dem runden Vorzimmer zur Bibliothek.
    Wir sind hier“, sagte er, obwohl das jedem klar war. Mit dem Zeigefinger fuhr er langsam über die Karte, sodass ihm jeder folgen konnte. Dann tippte er erneut auf einen Durchgang, der direkt am Haupttor lag.
    Dort müssen wir hin. Das Haupttor ist immer verschlossen, wie ihr wisst. Darum haben wir dort eine gute Chance uns zu verschanzen. Dieses Tor dort lässt sich zusätzlich verschließen“
    Sein Finger ruhte auf der eben angezeigten Position.
    Es ist von unumstößlicher Wichtigkeit, dass wir dieses Tor halten und niemanden wirklich niemanden hinauslassen, ehe wir nicht Verstärkung geschickt bekommen. Die Kirche von Denerim wird uns das Recht der Auflösung erteilen und dann beenden wir diese Farce!“

    Er schaute in die Gesichter der Templer um ihn herum. Viele nickten zustimmend, andere schienen sich dessen nicht sicher zu sein. Den meisten sah man unter ihren Helmen nicht an, was sie dachten. Jedoch stellte keiner der Männer fragen zu dem Plan. Dies schien Emile zu bestärken, denn in einem Tonfall, der die totale Kontrolle über die Situation vermittelte, fuhr er fort.

    Da die Dämonenplage hier in der Bibliothek ihren Ursprung hatte und sich bisher nicht bis in das zweite Stockwerk verbreiten konnte, vermute ich hier im Quartier der Schüler den meisten Widerstand. Die Dämonen haben sich wohl die Schüler, welche die Läuterung noch nicht absolviert haben und demnach völlig hilflos sind zuerst vorgenommen. Ich rechne nicht mit Überlebenden. Das ist aber auch ohne Bedeutung für unser Vorhaben. Wichtig ist nur, dass wir das Tor erreichen und vor der nahenden Vernichtung verschließen können“

    „Sire! Darf ich sprechen?“, dröhnte es aus den augenlosen Spalt eines Topfhelmes heraus. Emiles Augen erfassten den Sprecher und musterten ihn. Dann nickte der Leutnant.

    Sire, wenn die Dämonenplage in der Bibliothek ihren Ursprung hatte und wir sie ohnehin durchqueren müssen, wäre es dann nicht sinniger dort allen Dämonen und Abscheulichkeiten den Gar auszumachen und somit auch die noch in Gefahr schwebenden Magier zu retten? Wenn wir die Gefahr im Keim ersticken, retten wir den Zirkel und müssen ihn nicht vollends vernichten. Wir Templer sollten die Magier schützen und nicht vernichten“
    Emiles Augen funkelten unheilvoll, während sich seine Lippen zu einem bösartigen Lächeln formten. Ohne den Templer aus den Augen zu lassen stand er auf und machte ein paar bedachte Schritte auf ihn zu.
    „Das wäre in der Tat eine Lösung. Wenn da nicht das Problem mit den Blutmagiern wäre. Natürlich hätten die Dämonen hier unten die Schüler übernehmen können, dann wäre eure Lösung auch durchaus angemessen. Wir könnten die Dämonen hier bekämpfen und das Gebiet von dunklen Einflüssen säubern. Aber ihr wisst ebenso wie ich, dass sich Blutmagier hier verbergen, die mit den Dämonen paktieren. Was also sollte sie davon abhalten nicht erneut Wesen aus dem Nichts herzurufen, nun da der Schleier dünner den je ist? Vielleicht sind Blutmagier in den oberen Stockwerken und haben schon längst eine neue Flut von Dämonen in die Körper ahnungsloser Schüler strömen lassen. Während wir hier unten reden könnte dort oben ein Gemetzel toben. Unsere Aufgabe ist es nicht, die Magier zu schützen! Unsere Aufgabe ist, die Welt vor den Magiern zu schützen! Also riegeln wir den Turm ab!“

    Der Templer schwieg. Emile sah ihn weiterhin an, was er mit einem trockenen „Jawohl Sire!“ quittierte.

    „Wir werden in zwei Wellen angreifen. Ihr seid die erste Gruppe“, mit seinem Arm vollführte er eine
    Schnittbewegung, welche die Truppe in zwei Hälften teilte.
    „Ihr werdet hier solange bleiben, bis wir euch rufen. Ihr dort, Rekrut. Ihr werdet hier vorne im Türrahmen Stellung beziehen, mit Sichtkontakt zu uns und der hier verweilenden Gruppe. Provoziert kein Gefecht, verhaltet euch ruhig und warten auf mein Zeichen. Ich werde meinen Streitkolben dreimal über dem Kopf kreisen lassen, das ist das Zeichen für den Angriff. Die erste Gruppe wird mit mir in die Bibliothek eindringen und schnell vorrücken. Wir ziehen soviel Dämonenbrut wie möglich auf uns, bilden dann eine Verteidigungslinie und halten diese aufrecht. Dann stürmt die zweite Gruppe los und fällt dem Pack in den Rücken. So können wir sie einkesseln und vernichten. Ein Wort der Warnung. Dämonen sind von einer natürlichen Raserei befallen, doch in solch einer Situation greifen sie mit allem an, was sie haben. Sie sind wie tollwütige Tiere, kennen keinen Schmerz. Tötet sie also schnell und geht auf Nummer sicher. Stecht ihr einem Dämon in die Augen und er rührt sich nicht, dann ist er auch tot. Sind alle bereit?“
    Wir alle nickten. Einige schlugen zum Zeichen er Bereitschaft auf ihre Schilde oder klopften sich auf den Brustpanzer.
    Gut! Für Andraste! Für den Erbauer!“

    Ich war in der angreifenden Truppe. Emile, nun wieder voll bewaffnet schritt voran. Ich war ihm dicht auf den Fersen. Vorsichtig nährte er sich dem Türdurchgang, der in einem spitzen Winkel zusammenlief und nur begrenzt Platz ließ. Er spähte um die Ecke, während er mir gestikulierend bedeutete, ich sollte zurückbleiben. Selbstzufrieden nickte er vor sich hin. Dann drehte er den Kopf zu uns und begann zu flüstern: „Es ist, wie ich es mit gedacht hatte. Mehrere Dämonen stehen dort teilnahmslos herum. Die Gänge sind nicht blockiert und auch sonst sind diese Bastarde nicht auf einen Angriff vorbereitet. Wir greifen jetzt an, bleibt dicht zusammen. Sollte einer fallen, lasst ihn liegen. Wir kümmern uns später um unsere Verwundeten“
    Dann klappte er das Visier seinen Helmes herunter, sodass sein adliges Gesicht hinter einer Mauer aus silbern glänzendem Metall verschwand, das nur einen schmalen, dunklen Spalt für die Augen offenließ. Und dann begann es.

    Mit einem Schrei in einer anderen Sprache, ich meinte orlaisianisch herauszuhören, brach Emile hervor. Sofort lief auch ich los, gefolgt von dem Rest unserer Gruppe. Wir alle schriehen Schlachtrufe und Stoßgebete hinaus und verwandelten die eben noch vorherrschende Stille in ein furchterregendes Getöse. Der erste Dämon, eine Abscheulichkeit von kleinerem Wuchs, den wir erreichten bekam Emiles Streitkolben zu spüren. Die Wucht des Schlages pfefferte das Wesen mehrere Meter durch den Raum. Auch der zweite Dämon, der dicht bei dem ersten gestanden hatte und bei unserem Eintreffen ein langgezogenes Fauchen hören ließ zertrümmerte Emile. Der Kolben schlug dumpf auf den Schädel des Gegners hinunter, welcher mit einem brechenden Knacken antwortete. Es war beeindruckend zu sehen, wie Emile in so kurzer Zeit zwei Dämonen erschlagen und einen Dritten bereits angegriffen hatte. Diesen rempelte er mit seinem Schild zur Seite. Ich nahm mich dem strauchelnden Körper an. Ein hässliches Wesen, mit Augen, die scheinbar wie Kerzenwachs geschmolzen waren und nun sinnlos im Gesicht saßen. Der Kiefer der Bestie war ausgerenkt und offenbarte zahnloses, aufgedunsenes Fleisch, mehr an eine offene Eiterwunde erinnernd, als an einen Mund. Ich war froh, als ich mein Schwert die Spitze voran in das Maul des noch immer orientierungslosen Wesens stoßen und sein erbärmliches Leben so beenden konnte. Ein paar Schritte vor mir wirbelte Emile herum, schlug Dämonen beiseite nur um sich sofort darauf einem anderen entgegenzuwerfen. Einer der Templer, ein Mann mit einem sehr mächtigen Zweihänder stürzte an mit vorbei und ließ die große Klinge auf einen aus grauer Asche bestehenden Dämon sausen, dessen Körper seltsam verdreht war. In dem Moment, in dem die Klinge den Körper zerschnitt löste sich das Wesen unter furchtbarem Kreischen auf und das Schwert donnerte scheppernd auf den Steinboden.

    Ich hatte die Bibliothek immer gemocht. Hier war es die meiste Zeit über sehr ruhig und besinnlich. Manchmal hatte ich während meiner Wache hier in einigen der Bücher über die fabelhaftesten Wesen in Thedas geblättert oder mit jungen Schülern über die Abenteuer der Dalishelfen gesprochen. Ich mochte die endlosen Buchreihen, die nicht meterhoch die Wände in dem rechteckigen, langgezogenen Raum säumten, sondern sogar auf extra dafür angebrachten Regalen bis in die Tiefe des Raumes ragten. Ich hatte mich stets gefragt, wie viele Bücher es wohl waren und wieviel Wissen man daraus wohl lernen konnte. Ich glaube dass nicht einmal die langlebigen Elfen genug Zeit hätten, jedes Buch in der Bibliothek lesen zu können. Zudem waren einige der in schwarzen Leder gebunden Bücher in kryptischer Sprache verfasst, deren Buchstaben merkwürdig zackig aussahen. Ein älterer Magier hatte mir mal erklärt, dass diese Art der Magier schon lange vor Andraste verloren gegangen sei.

    Der Kampf war in vollem Gange. Wir versuchten an Emile dranzubleiben, doch dieser kämpfte weit vorne gegen drei Dämonen gleichzeitig. Einige der Templer stellten sich mit dem Rücken zueinander auf, denn nun krochen aus den Ecken und Winkeln der Bibliothek alle Arten von dämonischem Ungeziefer heran. Wir befolgten Emiles Befehl und rückten ungeachtet dessen, was sich hinter uns zusammentat weiter vor. Ein Dämon, ähnlich dem Feuerteufel aus dem Vorraum trat hervor und attackierte mich. Ich wusste, dass mein Eichenschild gegen das Feuer nur eine schwache Verteidigung sein würde, also tat ich, wie Emile davor, rannte voran und wollte dem Biest mein Schwert in die Augen stoßen. Dieser jedoch erkannte meinen Plan und feuerte einen brennenden Bolzen ab. Gerade rechtzeitig konnte ich mich ducken und der Bolzen traf das Regal hinter mir. Sofort fing es Feuer und knisternd verbrannten unzählige Seiten mühsam zusammentragenden Wissens binnen Sekunden. Mir jedoch verschaffte es die Chance mit dem Gegner geduckt zu nähren und nun mit vollem Lauf gegen den Hitze ausstrahlenden Körper zu stoßen. Der Dämon erwiderte den Druck und so standen wir gegeneinandergedrückt zwischen den Kämpfenden. Die Hitze ließ mich schwitzen und eine unangenehme Wärme befiehl meine alte Plattenrüstung. Doch ein Rückzug war nun nicht mehr Möglich. Ich hoffte, dass mein Schild noch etwas halten würde, doch ich spürte bereits, wie es sich langsam aufzulösen begann. Der Templer mit dem Bihänder stand mir am nächsten. Er war gerade dabei einen zischenden, sich langsam rückwärtsbewegenden Dämon in Schach zu halten.

    Kilian! Hilf mir!“, brachte ich angestrengt hervor. „KILIAN!“
    Zum Glück reagierte er. Als er sah in welcher Not ich mich befand, versetzte Kilian seinem Gegenüber einen Knaufstoß, bevor er in weitem Bogen ausholte und die Klinge dicht über meinem Kopf auf das Gesicht des Feuerdämons sausen ließ. Ein Zischen, wie wenn man eine heiße Klinge zum Abkühlen in Wasser hält breitete sich aus, als der Dämon in sich zusammenfiel. Erleichtert seufzte ich auf, drehte mich um und nickte Kilian zu.

    Doch während ich mich umdrehte hatte sich der Dämon, mit dem Kilian kurz zuvor gekämpft hatte auf eben jenen geworfen. Er sprang auf dessen Rücken, drückte seinen Kopf zur Seite und versenkte unter grausigem Knirschen seine langen, dreckig schwarzen Zähne in Kilians Hals. Wutendbrand warf ich mich auf ihn, während Kilians Körper unter aufgebendem Stöhnen nach Vorne kippte.
    Stirb! Stirb! Stirb! STIRB!“, fluchte ich, während mein Schwert wieder und wieder auf den Kopf, den Rücken und die Schultern des nun höllisch kreischenden Dämons niederfuhr. Ich hackte ihn in Stücke und zerrte die Teile dann von Kilians Oberkörper. Doch es war zu spät. Kilian war tot, gestorben um mich zu retten. Trauer befiel mich und betäubt von der Unwill der Einsicht schüttelte ich den Kopf. Emile, der alle drei Dämonen im Alleingang erschlagen hatte betrachtete mich aus einiger Entfernung. Ich sah zu ihm hinüber. Mit seinem ausgestrecktem Streitkolben deutete er auf die verstreuten Teile der Bestie, die für den Tod Kilians verantwortlich war.

    So ist es gut! Und jetzt die anderen! Ihr wollt Rache? Hol sie euch!“, rief er mir mit einem Anflug von Wahnsinn in seiner Stimme zu.

    Ob ich tatsächlich auf Rache aus war, oder es einfach der Kampf war und der nackte Überlebenswille weiß ich nicht. Trotzdem focht ich nun entschlossener als zuvor. Auch meine Brüder schienen von einem gewissen Kampfgeist überwältigt worden zu sein, denn wir schafften es tatsächlich eine Schneise in die Reihen der Dämonen zu schlagen und uns bei Emile zu sammeln. Hier bildeten wir einen Schildwall, was schwieriger war, als gedacht, denn drei Feuerdämonen hatten etliche unserer Ulmen- und Eschenholzschilder verbrannt, sodass nicht wenige Templer ohne Schild kämpfen mussten. Zu unserem Glück jedoch waren alle Feuerdämonen erschlagen worden. Die restlichen Schildträger, zu denen ich zählte bildeten also einen Wall, indem wir unsere Schilde überlappen ließen und somit auch unseren Nachbarn schützen. Dabei gingen wir in eine halb gebückte Position, um möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten. Hinter uns formierten sich Templer mit möglichst langen Waffen, wie Bihändern, Streithämmern oder langstieligen Äxten. Während die Dämonen gegen unsere Schilde brandeten und wie im Wahn mit ihren Klauen auf dem unnachgiebigen Stahl hackten, konnten unsere Brüder hinter uns ihre schweren Waffen auf die Köpfe der Dämonen niedergehen lassen. Viele der Biester starben so.

    Emile richtete sich auf und starrte quer durch den Raum. Dann erhob er seinen Streitkolben und ließ ihn über seinen behelmten Kopf sausen. Sofort duckte er sich wieder weg und nahm seine Position am Ende des Walls wieder ein. Nun hieß es hoffen, dass der Rekrut das Signal gesehen hatte, denn die Flut der Dämonen brach nicht ab. Wieder und wieder warfen sie sich gegen unsere Schilde und auch wenn sie wenig Schaden anrichteten, waren die Männer erschöpft. Es war nur eine Frage der Zeit, bis es den Kreaturen gelingen würde, einen Schild hinunterzuziehen und seinen Träger zu töten.

    Doch soweit sollte es nicht kommen. Denn unter einem Gebrüll, das dem unseren in nichts nachstand stürzte sich die zweite Gruppe auf die grausige Horde. Die Dämonen, deren Aufmerksamkeit noch immer uns galt wurden schnell dezimiert, als die schwer gepanzerten Männer ihre Schwerter, Äxte und Streitkolben auf sie schlugen. Einige der Bestien wurden zu Boden geschlagen und einfach niedergetrampelt.
    Ja! Weiter! Greift sie an und erschlagt sie! Erschlagt sie alle!!!“, rief Emile und brach als erster auf dem Schildwall hervor. Seinem Beispiel folgende stießen auch wir anderen hervor, die Spitzen unserer Waffen nach vorne gerichtet oder unheilvoll über unseren Häuptern kreisend, bereit alles und jeden vor uns niederzustrecken.

    Ich weiß nicht, ob Dämonen Angst haben können, aber wenn ja, dann waren diese hier in Panik. Sie schienen sich fast nicht mehr zu wehren, fast kam es mir so vor, als wollten sie sich ergeben. Aber da uns dies bei Dämonen eher unwahrscheinlich erschien metzelten wir sie nieder. Der Kampf dauerte nicht lange, die Dämonen waren eingereist und umringt von Mauern waffenstarrender und schildbewährter Eisenkrieger. Sämtliche von den Dämonen in ihrer grässlichen Sprache ausgesprochenen Flüche prallten an uns ab, da wir Templer durch intensive Ausbildung eine mentale Stärke errichten können, die uns gegen derartige Flüche abschirmt. Somit war es letztlich ein unfairer Kampf, der schnell gewonnen war. Nach dem Sieg zählten wir unsere Verluste. Es waren weniger als erwartete und doch schmerzte uns jedes Opfer stark.

    Viel erschreckender war jedoch, was uns weiter vorne erwartete. Emile untersuchte gerade ein paar der dunklen Leichname, als einer der Templer zu ihm kam und ihn bat ihm zu folgen. Auch ich, von der Neugierde gepackt, folgte. Wir gelangten zu dem Gang, der in die Gemächer der Schüler führte, die nahe dem Haupttor lagen. Doch anstatt dort eine geöffnete Tür vorzufinden trafen wir auf eine bläulich leuchtende Barriere. Emile betrachtete sie gebannt. Dann zog er seinen Panzerhandschuh aus und fuhr mit der Hand über die phosphoreszierende Energiewand. Das dunkle Blau strahlte bei seiner Berührung ein schwaches, weißes Leuchten ab. Emile knirschte mit den Zähnen.

    Das ist eine magische Barriere, kein Dämonenwerk. Und sie muss von einem mächtigen Magier aufrechterhalten werden. Ich kann sie nicht einfach bannen, dafür ist sie zu stark“
    Einen Augenblick sagte er ganz nichts mehr. Ich konnte nicht sehen, was er tat, da er seinen Helm nach wie vor trug, aber ich glaube, dass er angestrengt nachdachte. Denn leicht abgeschlagen fuhr er fort:
    Sei es drum. Ob wir hier kämpfen, oder woanders… oder?“
    Er schien eher mit sich selbst, als mit uns zu sprechen.

    Sein Gedankenfluss wurde jäh unterbrochen, als erneut ein Templer zu ihm eilte. Verdutzt starrte dieser auf die magische Barriere, dann fing er sich und verkündete: „Sire. Wir haben einen überlebenden Magier gefunden. Aber er wird nicht lange durchalten. Ihr müsst ihn jetzt anhören, Sire!“
    Emile marschierte wieder zurück, ich folgte ihm. Bisher hatte er kein Wort gesagt.

    Der überlebende Magier war ein junger Mensch. Kaum älter als unser Rekrut, der den Kampf mit ein paar Kratzern überlebt hatte. Er war blutüberströmt und dem Tod näher als dem Leben, als wir bei ihm eintrafen. Ein paar Wundumschläge und Salben halfen ihm die Schmerzen zu ignorieren und ihn zum Reden zu bewegen. Er berichtete von dunkler Magie, von Blutmagiern die sich tief oben in den Eingeweiden des Turms trafen und dort eine Revolution gegen Templer und Kirche anstrebten. Er selbst habe nur durch Zufall davon erfahren und es nicht für sonderbar wichtig gehalten. Doch während es Angriffs der Dämonen habe er erneut von diesen Blutmagiern gehört, sogar einen gesehen. Einen alten Mann mit Glatze und strengen Adleraugen. Dann kamen die ersten Dämonen und überfielen die Bewohner des Turms. Nachdem Ruhe eingekehrt war, kam der alte Magier zurück und sprach mit den Dämonen. Im folgten sogar ein paar weitere Magier. Sie waren weder überrascht noch erschüttert von dem Angriff. Der junge Überlebende sei für tot gehalten worden und konnte dem Gespräch so lauschen. Dabei erfuhr er, dass der alte Magier in das Quartier der Schüler im dritten Stock aufbrechen wollte, um mehr Gefäße für die Dämonen zu finden. Mit seinen letzten, schmerzverzerrten Atemzügen beteuerte der junge Magier seine Unschuld, seinen Glauben an Andraste und sein Bedauern.

    Noch immer schweigsam stand Emile vor dem nun toten Magier. Dann raunte er mir zu: „Versammelt die Männer. Die Lage ist gerade um Einiges komplizierter geworden!“
    Shepard Commander is offline Last edited by Shepard Commander; 20.06.2014 at 19:32.
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    Männer, ich will euch nicht anlügen!“, begann Emile, nachdem ich alle Überlebenden des Angriffs zusammengetrommelt hatte. Viele waren sichtlich erschöpft, ein paar sogar verwundet. Dennoch lauschten wir alle gespannt Emiles Worten. Langsam schritt er vor der bläulichen Barriere, von der nun da der Kampfeslärm verstummt war, hörbar ein leichtes Summen ausging.

    „Die Lage ist ernst und weitaus weniger einfach, als es mir Anfangs schien. Diese Barriere hier trennt uns von dem Durchgang zum Haupttor. Ein Magier hat sie errichtet und hält sie noch aufrecht. Und obgleich auf der anderen Seite ebenfalls Dämonen wüten könnten, bringt es nichts darüber zu spekulieren oder Pläne zum Überwinden dieser Zauberei zu schmieden.“

    Trotz dieser düsteren Aussicht regte sich in Emiles Miene helle Zuversicht.
    Aber etwas Neues hat sich mir offenbart, Brüder! Wir kennen nun unseren Feind. Es sind ein alter, glatzköpfiger Magier und seine Schergen. Sie sind Blutmagier, Diener des Bösen und Handlanger der Dämonen. Dieser Magier dort“, setzte er an und deutete dabei auf den leblosen Körper des jungen Magiers, der ihm von dem Glatzkopf und seinem abscheulichen Plan berichtet hatte: „hat seine von sündengeplagten Seele reingewaschen, indem er mir diese essentiellen und der Auslöschung des Bösen dienenden Informationen mitteilte. Wir haben jetzt die Möglichkeit zu handeln und diesen Zirkel aus den Klauen der Maleficare zu reißen!“

    Emiles Stimme hatte sich vor freudiger Erregung bereits hochgeschaukelt. Mit einnehmendem Gesichtsausdruck schaute er die Männer an, auffordernd seinem Tatendrang ebenso viel Begeisterung entgegenzubringen, wie er es tat. Und tatsächlich wirkte es. Viele meiner Brüder nickten eifrig. Emile lächelte daraufhin triumphierend.

    „Unser Ziel liegt klar vor uns. Wir müssen diesen Magier finden und ihn vernichten, ebenso wie sein Gefolge. Erst wenn der letzte Blutmagier und die letzte Abscheulichkeit ihr wertloses Leben ausgehaucht haben, ist unser Auftrag erfüllt. Wir müssen uns vorbereiten und auf alles gefasst sein, was das Grauen der Magie gegen uns aufbieten kann. Zudem darf unser Sieg hier und die Opfer, die unsere noblen Brüder, der Erbauer schütze sie, hier gebracht haben nicht umsonst sein! Wir werden uns erneut teilen müssen und während die eine Gruppe den verdammten Dämonenpaktier jagt, wird die andere diese Stellung hier halten und mit ihrem Leben verteidigen“

    Emiles Plan klang logisch und sinnvoll dazu. Auch wenn wir unsere Stärke reduzierten, indem wir uns erneut in zwei kleinere Trupps aufteilen würden, so würden wir doch effektiver und zielführender arbeiten, wenn wir gegen die Malificare vorgehen würden, anstatt uns hier einzugraben und nur darauf zu warten, dass die Blutmagier jeden verfügbaren Schüler und Magier in den Stockwerken über uns zum Gefäß eines Dämons gemacht hatten und uns daraufhin mit einer zahlenmäßig weit überlegenen Streitmacht anzugreifen. Zudem hatten wir Templer im letzten Kampf unser kriegerisches Geschick und unseren Mut unter Beweis gestellt! Auch mir, vermutlich einer der wenigen die auch Emiles Schattenseite kannten, schien dies der beste Weg zu sein.

    Also, Brüder, wer ist gewillt sich mir anzuschließen und zurück in die oberen Stockwerke zu gehen. Wir werden dort vielleicht auf Schrecken treffen, die eure Albträume übersteigen und Leid sehen, wie ihr es euch nicht vorstellen könnt. Nur wer reinen Herzens den Dämonen entgegentritt wird am Ende siegreich sein. Wer kommt mit mir?“

    Obwohl ich wusste, dass Emile die Männer zur Not gegen ihren Willen mitschleifen würde, sah ich mit Erstaunen, dass zugleich aber durchaus nachvollziehbar war, wie ein Templer nach dem anderen zischend sein Schwert aus der Scheide zog, niederkniete und Emile die Worte „Mein Leben für euch!“, einen Schwur der absoluten Loyalität der Templer, aufsagte. Noch mehr erstaunte es mich, wie leicht jedoch auch meine Klinge aus der gepolsterten Scheide glitt, wie mühelos ich auf mein Knie sank und wie selbstverständlich auch ich diese Worte sprach. Ich wusste, dass es das Richtige war. Emile hatte Recht, wir konnten die Blutmagier besiegen! Wir konnten den Zirkel retten und kein Schrecken dieser Welt oder der Nächsten würde mich davon abhalten, meine Pflicht gegenüber dem Erbauer zu erfüllen. Letztlich war jeder einzelne Templer freiwillig dazu bereit Emile zu folgen, wohin auch immer.

    Angesichts dieser Bereitschaft lächelte Emile selbstzufrieden. Als er wieder zu sprechen begann, schwang ein Hauch Rührseligkeit mit.
    Männer! Brüder! Es erfüllt mein Herz mit Stolz und Ehre, solch tapfere Gefährten in dieser, einer der dunkelsten Stunden meines Lebens bei mir zu haben. Und obgleich mein Vertrauen in jeden einzelnen von euch vom jetzigen Moment an unerschütterlich ist, so kann ich eure Bitte mich zu begleiten doch nicht jedem von euch auch gewähren. Es schmerzt mich, nicht Seite an Seite mit euch fechten zu können, doch müssen wir zuerst an das Wohl der Welt denken. Und dieses verlangt nach einer Wacht hier an der Barriere, auf das sollte ich mit meiner Gruppe treuer Freunde fallen ein weiteres Hindernis die Dämonenbrut am Ausbrechen hindern wird. Und somit fällt mir nun die Last zu, euch zu teilen und dann aufzubrechen, auf dass wir uns bald wiedersehen und Lieder über unsere glorreichen Siege singen mögen.
    Seine Worte berührten uns und viele meiner Brüder starrten Emile herausfordernd an, damit er sie auswählen würde und sie sich ihm Beweisen konnten. Auch ich hoffte stark von Emile für den Aufstieg in den Turm ausgewählt zu werden, auch wenn es mir nicht um die Bestätigung von Emile sondern um die Rettung der Magier ging.

    Emile musterte die Männer, einen nach dem anderen. Wann immer er einen ins Visier nahm, stand dieser kerzengerade, mit angespanntem und entschlossenem Gesichtsausdruck. Manchen der Männer klopfte Emile kurz auf die Schulter und nickte ab. Das war ihr Kommando und stolz lächelten sie, wenn sie für den Vorstoß ausgewählt würden. Als er bei mir angelangt war sah er mich abschätzend von oben bis unten an. Meine alte Eisenrüstung war verschrammt und hatte bereits einige Beulen. Sie war mir bei meinem Ritterschlag vom Quartiermeister übergeben worden und schon damals war sie alt gewesen. Vermutlich existierte diese Rüstung schon länger als der Zirkel selbst. Mein Schild war ebenfalls nicht von so herausragender Qualität wie der vieler Brüder, von Emiles hochwertigem Rotstahlschild mal ganz abgesehen. Mein Schild war breit und aus starkem Holz, aber schartig und abgenutzt, mit Brandflecken und faserigen Rändern aus denen Splitter wie Lanzen ragten. Meine Plattenpanzerhandschuhe waren aus einfachem Eisen, ohne Verzierungen oder Runen. Sogar die durchschnittlichsten Ritter niederer Lords hatten imposantere Handschuhe als meine es waren. Aber die hielten und das Leder in den Innenflächen war geschmeidig und wohlig bekannt.

    Emiles Augen beendeten ihre kritische Wanderung in den meinen. Die Zeit, in der er einfach nur starrte, ohne auch nur den Hauch einer Veränderung in der Mimik schien sich ewig hinauszuziehen. Dann öffnete er den Mund und sagte schnell, aber bestimmt: „Ihr bleibt hier beim Tor“. Sofort danach wandte er sich ab, um den nächsten Kandidaten zu prüfen.
    Was? Wieso?“, schoss es aus mir heraus. Emile stockte, dann drehte er sich langsam um und steppte die zwei Schritte zu mir zurück.

    Weil ich es befehle, Ritter!“, antwortete er mit Genugtuung. Es war offensichtlich, dass Emile von mir keine allzu hohe Meinung hatte. Dennoch wollte er wohl kein schlechtes Bild hinterlassen und so fuhr er mit gedämpfter Stimme fort:
    Zudem seid ihr es gewesen, der diese Männer zu mir geführt hatte. Und damit halten euch diese zumindest für eine Autorität. Ihr müsst sie anführen, während ich den Kampf zu unseren Feinden trage“
    Es gefiel mir nicht, aber ich nickte. Emile teilte die restlichen Templer ein. Am Schluss hatte er der Verteidigung der Barriere einige Männer mehr zugewiesen.

    Es ist soweit Brüder. Nun werden wir zurückschlagen, mit aller Härte, die diese Blutmagier verdienen. Doch zu allererst, kennt jemand den Feind beim Namen?“
    Ich wusste zwar von welchem der Magier die Rede war, doch fiel mir der Name des Mannes nicht ein. Ein anderer Templer jedoch meldete sich zu Wort.
    Er heißt Uldred, Sire. Er ist ein mächtiger Magier und kehrte erst kürzlich in den Zirkel zurück. Davor kämpfte er mit einigen wenigen Magiern zusammen bei Ostagar. Wenn er mit Dämonen paktiert, dann rate ich zu äußerster Vorsicht!“
    „Uldred!“,
    Emile spuckte den Namen förmlich aus. „Dieser Bastard ist des Todes! Es ist gut seinen Feind beim Namen zu kennen, doch fürchtet ihn nicht. Kein Magier ist unbesiegbar, egal wie mächtig er auch sein mag! Doch auch ich verlange nicht, dass ihr ein zu hohes Risiko eingeht. Es schmerzte mich zu sehr, euren Tod verantworten zu müssen. Aber plagen wir uns nicht mit derart finsteren Gedanken, es gibt Taten zu vollführen und Dämonen zu besiegen! So folgt mir dann, Männer! Und euch, Brüder, wünsche ich viel Erfolg und den Segen des Erbauers. Möge er über uns alle wachen!“

    Mit diesen Worten sammelte sich die kleiner Gruppe aus Templern und scharrte sich um Emile. Er selbst lächelte den Torverteidigern ermutigend zu, bevor er sich an die Spitze seine Trupps setzte und sie alle laut klirrend aber schweigend durch die Bibliothek marschierten und letztlich hinter Unmengen von Büchern und Regalen verschwanden.

    Das war es jetzt also. Meine Aufgabe war die Verteidigung einer Barriere, die sogar für einen erfahrenen Templer wie Emile ein Hindernis darstellte. Aber wenn der Erbauer mich hier brauchte würde ich meinen Posten halten. Die Templer der Gruppe sahen mich erwartungsvoll an. Emile sollte also Recht behalten, nun wandten sie sich meiner Führung zu. Ich jedoch zuckte mit den Schultern, wanderte zur Barriere und begutachtete sie.

    Was sollen wir jetzt tun?“, fragte der Rekrut und einziger nicht fertig ausgebildete Templer der Einheit.
    „Wir warten“, antwortete ich wahrheitsgetreu. Ich wusste nicht, wie ich hier eine Verteidigungslinie aufbauen sollte oder ob dies tatsächlich nötig wäre. Gedankenverloren schlenderte ich zu dem nächstgelegenen Bücherregal und fuhr die Buchrücken entlang. Ein besonders interessant erscheinendes Werk nahm ich heraus. Es war in dunkelblaues Leder eingebunden und in goldenen Lettern war „Die dritte Verderbnis ~ Orlais in Flammen“ auf die Vorderseite gedruckt. Ich schlug es auf und betrachtete die kunstvoll verschlungenen Buchstaben, sicherlich orlaisianischen Stils, als plötzlich von der Treppe, von der wir in die Bibliothek gekommen waren Geklirre, ein Schrei und dumpfes Gepolter zu hören war. Sofort lies ich den schweren Lederband fallen, welcher geräuschvoll auf den Steinfußboden klatschte. Ich eilte zur Barriere in deren Nähe mein Schild an die Mauer lehnte. Der Rekrut sah überfordert drein, denn einerseits erwartete er Befehle von mir, andererseits sah er zu wie die anderen Templer sich selbstständig ausrüsteten.

    Schild und Schwert!“, zischte ich ihm zu, während ich meinen Eichenschild aufnahm und blankzog. Die anderen Templer bildeten einen Halbkreis um die Barriere, in dessen Mitte ich mich aufstellte. Von der Tür her hörte man Stimmengewirr und schlurfende Schritte, dazu ein klagendes Winseln. Langsam kam es näher und näher.

    SCHILDEEEE!“, rief ich in möglichst gebieterischem Ton. Meine Brüder quittierten es mit einem gleichzeitigen Heben ihrer Schilde und dem Aufstampfen ihres vorgeschobenen Fußes. Das Schlurfen kam nun immer näher, gleich würde es die letzten Regale hinter sich lassen und uns Auge in Auge gegenüberstehen.
    Waaappnet euch!“, rief ich erneut. Meine Anspannung war nun beinahe fassbar.
    Bereeeeei….“, begann ich, doch stockte ich in dem Moment, als ich erkannte was dort schleppend und gebückt auf uns zugekrochen kam.

    Frieden, Brüder, Frieden!“, rief Emile, während er einen humpelnden Templer stützte. Die Anspannung fiel jedem der Templer merklich von den Schultern. Auch ich atmete durch. Dann löste sich die Formation auf und ein Templer und ich liefen zu Emile und dem verletzten Bruder um zu unterstützen. Wir geleiteten den Templer zu einem einfachen Holzhocker nahe der Barriere und setzten ihn ab.

    „Dieser hier ist beim Aufstieg des Treppenaufgangs gestürzt und hat sich wohl etwas gebrochen. Er würde uns nur aufhalten, also beschloss ich ihn zurückzubringen. Außerdem brauche ich nun einen neuen Templer, der seinen Platz in meiner Gruppe einnimmt“
    Ich sah Emile an und zu meinem Erstaunen sah auch er in meine Richtung.
    Packt eure Ausrüstung, ihr folgt mir!“, murrte er dann.
    Ser Eric, ich übertrage euch das Kommando über die Torwacht. Wann immer ihr ein verdächtiges Geräusch hört, so stellt ihr euch auf wie gerade eben, verstanden?“
    „Jawohl Sire!“
    , erklang es von weiter hinten. Für mich war das Nebensächlich, denn ich hatte mein Schild bereits geschultert und war bereit meinen Beitrag zu leisten.

    Während wir uns auf den Weg in die oberen Stockwerke und in den Krieg gegen die Dämonen machten, warf ich noch einen Blick zurück auf diese tapferen Männer, die dort nun Wache halten sollten. Ohne mich.
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    Kill ´em all / Im Turm des Zirkels Teil 6

    Kennst das ja

    Edit: Eigentlich ist dies sogar der einzige Abschnitt, der sich auf Bild Nr. 2 bezieht, aber unwichtig. :P
    __________________________________________________________________________

    Emile und ich waren bereits bei der auf uns wartenden Gruppe angelangt. Sie hatten oberhalb der Treppe Stellung bezogen, die der unglückselige Templer hinuntergestürzt war. Nun spähten sie in den sich vor sie erstreckenden Gang und lauschten voller Spannung jedem noch so kleinen Geräusch. Wir schlossen uns ihnen an, dann begannen wir den langen Weg nach oben. Ein Weg, den manch einer von uns mit unfassbarem Schrecken entgegenblickte.

    Emile ging voraus. Er gab das gewohnte Bild ab, strammen Schrittes, furchtlos bahnte er sich seinen Weg durch die uns umschlingende, fast stoffliche Dunkelheit. Es war seltsam, dass das Licht hier nur Schemen zuließ. Der Turm war nie besonders hell erleuchtet gewesen, dennoch schien es mir, dass das Dunkel, das diesen Ort befallen hatte nicht natürlichen Ursprungs war. Emile jedoch schien das nicht zu beeindrucken. Seine Rüstung ließ das wenige Licht, das auf die fiel matt schimmern, sodass die goldenen Linien der Ornamente sich hervorhoben. Ich bewegte mich direkt hinter Emile, wenngleich weitaus vorsichtiger als dieser. In der mir zugewandten Rückseite seines silbernen Helms konnte ich mein Spiegelbild erkennen. Es war seltsam verzerrt und schnitt eine gar grausige Fratze, worauf ich mich zusammenreißen musste nicht zurückzuweichen. Nervös befingerte ich mein Gesicht, stellte aber nichts Abnormes fest. Trotzdem weigerte ich mich, einen weiteren Blick auf Emiles Hinterkopf zu werfen.

    Wir schlichen eine ganze Weile durch scheinbar unbewohnte Gänge. Es war derselbe Weg, den meine Brüder und ich genommen hatten, um Emile ausfindig zu machen und den ich später in der Absicht den armen Danal zu töten gegangen war. Die schweren Holztüren, die bei dem Angriff auf den Turm in Panik zugeschlagen worden, waren noch immer verschlossen. Hinter ihnen herrschte Totenstille. Emile bedeutete uns anzuhalten und drückte sich dicht vor eine Tür. Er lauschte, sein Gesicht uns zugewandt. Sein Vollvisier hatte er hochgeklappt und so erkannte ich, wie Beunruhigung über sein Gesicht huschte. Auch mich beschlich ein ungutes Gefühl. Wenn der Magier, der unten bei der Barriere starb, Recht hatte, so wollte Uldred die Schüler und jeden anderen wehrlosen Magier zu einem Dämonengefäß verdammen. Die Stille verhieß nichts Gutes. Andererseits waren sämtliche Türen, die wir bisher passiert hatten sowohl verschlossen als auch unbeschädigt. Entweder verhielten sich die Magier absolut still, oder die Blutmagier hatten sie mit einer List hinausgelockt. Ich betete dafür, dass es nicht Letzteres war.

    Emile packte nun den schweren Eisengriff und drückte ihn. Ein unschönes Knirschen durchschnitt die Luft scharf, doch nichts geschah. Emile drückte ein weiteres Mal und stemmte sich nun gegen das schwere Eschenholz. Noch immer nichts. Emiles gepanzerte Faust holte aus und schon wollte er sie gegen die Tür donnern lassen, doch dann besann er sich. Vermutlich war er zu demselben Schluss gekommen, wie ich. Und ehe er mit dem Lärm, den sein Klopfen verursachen würde, unser Kommen ankündigen würde, lies er von der Tür ab.

    Weiter!“, befahl er setzte seinen Marsch fort.

    Auch der Rest des kompletten Stockwerkes schien wie ausgestorben. Weder Magier noch Templer noch Dämon hielten sich hier auf. Nur die Dunkelheit schien noch immer nach uns zu greifen. Diese vermaledeite Dunkelheit, die mir in ihrer pechschwarzen Tiefe Gestalten vorgaukelte, wo keine waren. Die Schatten in Wesen verwandelte, die mich auf Schritt und Tritt verfolgten und hinter vorgehaltener Hand flüsterten. Auch meine Brüder schienen mit jedem Meter nervöser zu werden, den Emile vordrang. Und selbst unser furchtloser Leutnant bremste seine Schritte. Wir waren nun schon nahe der Tür, die in das dritte Stockwerk welches das Wohnquartier für vollwertige Magier beheimatete. Emile tappte vorsichtig voran, als befürchte er der Boden unter seinen Füßen könne sich in ein unendlich tiefes Loch verwandeln. Ein plötzliches Klirren hinter uns lies jeden Templer zusammenfahren. Scheppernd drehten wir uns in Richtung des Geräusches. Dabei stieß so manche Plattenrüstung auf die des Nachbarn und verursachte ein höllisches Getöse.

    Pssssssssssst!“, zischte Emile sofort und der Lärm legte sich. Völlig regungslos standen wir dort dich gedrängt und starrten angestrengt in die Finsternis. Ich weiß nicht wie lange wir dort warteten, mit gespitzten Ohren und in Abwehrhaltung, doch nichts geschah. Emile durchbrach als erster das Schweigen.

    Weiter jetzt Männer. Wir dürfen nicht verweilen. Mit jedem Moment, den wir zögern und in dem unsere Angst und lähmt, wird unser Feind stärker. Fasst euch ein Herz!“

    Wir rückten weiter vor, doch noch immer warfen viele, vor allem die Nachhut unserer Gruppe, besorgte Blicke über die Schulter. Nur ein paar Schritte weiter bedeutete Emile uns mit gehobenem Arm anzuhalten und ruhig zu sein. Sofort wandten sich einige der Templer um und hoben ihre Schilde. Doch Emile schien nicht wegen eines Geräusches oder einer Ahnung angehalten zu haben. Viel mehr beschaute er die Tür, die direkt neben ihm lag. Er winkte mich heran.
    Sagt Ritter, hier liegt doch das Zimmer des ersten Verzauberers Irving, richtig?
    Ich nickte bejahend.
    Dann müssen wir es durchsuchen und schauen, ob wir Anzeichen für seine Teilnahme an der Verschwörung finden. Wenn ja, dann ist der Zirkel verloren“
    Dieser Gedanke war dermaßen absurd, dass ich fast zu lachen begonnen hätte. Irving, ein Blutmagier und Verschwörer? Emile mochte in jedem Magier eine Gefahr sehen, vielleicht sogar einen schlummernden Dämon, doch jeder der nur ein paar Augenblicke mit Irving in einem Raum verbracht hatte wusste, dass dieser zwar mächtige aber zugleich sehr alte Magier ein friedliebender Mann war. Emile spürte mein Zögern und meine Zurückhaltung, vielleicht sogar meine Belustigung bei dem Gedanken jemand könne Irving für eine Gefahr halten, denn er fragte: „Wollt ihr mir etwas mitteilen, Ritter?“
    „Bei allem Respekt Sire, aber Irving würde niemals einen Pakt mit Dämonen eingehen oder die verbotene Schule der Blutmagie einsetzten. Das ist ja schon beinahe…“
    , verschluckte ich den Satz. Meinem kommandierenden Offizier der Idiotie anzuklagen wäre wohl etwas zu dreist.
    Was wäre es beinahe…?“, bohrte Emile nach.
    …beinahe unmöglich diesen mächtigen Magier von einem Dämon Besitz ergreifen zu lassen. Irving ist stark und ich vermute, er würde der Versuchung widerstehen können“
    Emile schnaubte verächtlich und lächelte schief. Dann hob er einen Augenbraue und mit orlaisianischer Arroganz entgegnete er mir: „Ist er das, hmm? Öffnet.Die.Tür. Ritter! Und achtete auf Dämonengezücht!“
    Befehl ist Befehl und so stieß ich die Tür zu Irvings Arbeitsraum auf und betrat ihn als erstes. Ich war erst einmal hier gewesen, doch war der Raum in meiner Erinnerung weitaus größer gewesen. Es kann aber ebenso an der mit uns eindringenden Dunkelheit gelegen haben. Rechts und Links an den kargen Steinwänden waren wie so oft im Turm Regale voller Bücher aufgestellt, deren obere Etagen man nur über eigens dafür angebrachte Leitern erreichen konnte. In der Mitte des rechteckigen Zimmers stand ein fein gearbeiteter Holztisch, der unnatürlich golden glänzte und auf dessen Ablagefläche Unmengen von Pergament ruhten. Direkt hinter dem Tisch standen mehrere schwere, große Truhen und ein Schrank, der aus demselben Goldholz geschnitzt schien, wie der Tisch. Rechts von mir war eine lange, aber tiefe Holztafel, auf der unzählige Bücher lagen. Wer auch immer an dieser Tafel las musste entweder vom Volk der Zwerge stammen oder sich hierfür hinknien. Der ganze Raum wirkte seltsam unspektakulär und leblos. Emile trat an meine Seite und schaute sich um. Auch sein Blick blieb kurz an dem goldenen Tisch hängen und nachdem er aufmerksam die Ecken des Raumes geprüft hatte durquerte er das Zimmer und untersuchte die Pergamentberge. Ich ging ebenfalls zu dem Pult und beobachtete, wie Emile Papier um Papier kurz überflog und dann zur Seite warf.
    Nichts, nichts, nichts“
    Das letzte Blatt glitt aus seinen Händen.
    Nichts!“
    Sein Blick wanderte zu den Truhen, dann packte er seinen Streitkolbe, den er beim Durchsuchen der Papiere auf die Tischplatte gelegt hatte und machte ein paar Schritte in deren Richtung.
    Haltet ein, Sire!“, rief ich ihm nach. Er stoppte und drehte sich um.
    Wieso, Ritter?“, fauchte er.
    Sire, bitte denkt nach. Irving ist kein Blutmagier, ihr werdet hier keine belastenden Dokumente finden und wir verschwenden Zeit. Außerdem, selbst wenn Irving tatsächlich der Kopf der Verschwörung sein würde, so würde er wohl kaum seine Notizen hier herumliegen lassen oder sie in den Truhen aufbewahren. Er würde die bei sich tragen, zudem ist das Grauen bereits über uns hereingebrochen. Wir müssen kämpfen! Jetzt!“
    Emile besann sich. Er schüttelte den Kopf und den Gedankengang ab, der ihn hatte suchen lassen. Desillusioniert wegen der Zurechtweisung meinerseits wanderte er zurück. Er nahm seinen Schild auf und näherte sich der Tür. Ich holte tief Luft und folgte ihm dann. Kurz vor der Tür blieb Emile stehen und wandte sich mir zu.
    Ihr hattet Recht und ich hatte Unrecht, Ritter. Jetzt ist die Zeit des Handelns, der Taten und des Schwertgesangs. Die Zeit ist zu kostbar für derlei Unzulänglichkeiten der Schuldzuweisungen“
    Somit war Irving aus dem Schneider und nicht jeder Magier sollte Emiles Furcht vor Dämonen und seiner kollektiven Verdächtigung zum Opfer fallen. Doch das war nur ein kleiner Hoffnungsschimmer, dachte ich daran, dass Irving und alle anderen Magier doch schon längst tot oder in der vom Wahnsinn zerfressenen Gestalt eines buckeligen Dämons stecken konnten. Sollte dem so sein würde der liebenswerte Irving vielleicht doch durch Emiles Schwert gerichtet werden.

    So in Gedanken versunken folgte, viel eher schwamm ich mit der Masse meiner Waffengefährten in Richtung des Treppenaufstiegs. Die Kämpfe, die Dunkelheit und die Anspannung der letzten Stunden hatten mich zermürbt und erschöpft. Doch mir war bewusst, dass eine Aufgabe auf mich und die anderen wartete, deren Erfüllung eine heilige Pflicht war. Ich musste mich zusammenreißen, aber mein Geist spielte mir grausige Streiche, indem er mich Szenerien in den Schatten sehen ließ, in denen ich selbst wanderte, begleitet von den zaghaften Gestalten junger Damen die mich zu einer weichen Schlafstätte führten und meinen abgekämpften Körper zur Ruhe betteten, ehe sie sich in meine Arme sinken ließen. Wie hypnotisiert starrte ich auf die schwarzen Steine der Mauer gegen deren Oberfläche sich dieses sinnliche Bild abspielte. Im nächsten Moment verwandelten sich die Schatten zu schwarzen Wirbeln, die hinaufstiegen und in der Dunkelheit der Decke verschwanden. Ich stolperte, doch konnte ich mich gerade noch rechtzeitig fangen ohne zu stürzten.

    Wir bogen in den Aufgang ab und begannen den Aufstieg. Stufe um Stufe schleppte ich mich hinauf, die Trägheit auf meinen Schultern sitzend, wie einen Sack schwerer Ernte. Auch die anderen Templer kämpften sich keuchend die Stufen hinauf und ich fragte mich, ob ihre Geister auch von derart seltsamen Visionen geplagt wurden und die Müdigkeit sie befiel wie ein Fluch. Nur Emile schien dagegen immun zu sein. Hin und wieder schüttelte stark den Kopf, als schlüge er ein verlockendes Angebot aus. Doch sofort danach blickte er klar drein und schritt entschlossen voran, wohlbedacht sich keinerlei Schwäche anmerken zu lassen.

    Nach einer gefühlten Ewigkeit endete der Aufstieg. Obwohl das Stockwerk räumlich genauso aussah, wie das vorherige schien es hier doch vollkommen anders herzugehen. Die anhaltende Dunkelheit war auf magische Weise erloschen und hier herrschte das altbekannte Zwielicht, das allerdings keine Schatten warf. Auch war der gesamte, von Türen derselben Machart wie die anderen auch, eingefasste Gang von einem unterschwelligen Raunen erfüllt. Zudem hörte man hier ganz deutlich Schreie von weiter hinten im Gang. Ob sie von Dämonen oder Magiern stammten vermochte ich nicht zu sagen. Auch Emile vernahm die Schreie und bedeutete uns die Augen offen zu halten. Langsam und in geschlossener Formation, das heißt dicht an dicht, sodass jeder seinen Nachbarn mitverteidigen konnte, rückten wir vor. An jeder Tür, die wir passierten lauschten wir. Einige der Türen waren aufgesperrt und die Zimmer ließen totale Verwüstung erkennen.

    Andere Zugänge waren noch immer verriegelt, doch bei der dritten offenstehenden Tür konnten wir einen Blick in das Zimmer erhaschen, der uns das Blut in den Adern gefrieren ließ. Der Raum war, wie die anderen beiden auch, vollkommen zerstört. Die Tische und Stühle waren gewaltsam durch den Raum geworfen und die Bücher allesamt angezündet worden. Der Boden war übersäht mit den typischen Roben der Magier, einige von ihnen stark in Mitleidenschaft gezogen und teilweise zerrissen. Das Grauenvolle jedoch war der Anblick eines nicht minder zerfetzten, menschlichen Körpers, der in der Mitte des Kleidersammelsuriums lag, den Bauch aufgerissen die Innereien an die Mauern geworfen oder auf brutale Art und Weise im Raum verteilt. Die gesamten Wände waren hüfthoch mit Blut bespritzt und ekelerregenden Symbole waren mit dem Lebenssaft des Toten auf noch freie Stellen gemalt. Ein paar der Symbole waren unter den Templern weitbekannt und jeder von uns wusste, dass dies das Werk der Blutmagier war. Ob das Opfer jedoch ein Freiwilliger war, oder als Quelle der Macht missbraucht worden war, blieb im Unklaren. Keiner meiner Brüder wollte den Raum betreten, viele wandten sich voller Abscheu von dem grotesken Bild ab, dass da vor ihnen lag. Auch ich konnte mir diese unheilige Schandtat nicht länger ansehen und blickte fragend zu Emile. Dieser schaute wie gebannt auf das Blutbad vor ihm. Dann murmelte er: „Blutmagier. Erbauer steh uns bei, es ist wie befürchte“

    Schnellen Schrittes verließen wir diesen unheilsamen Ort und nährten uns einem weiteren Raum, dessen gewaltige Holzpforte nicht zur Gänze verschlossen war. Ein schmaler Spalt fahlen Lichts fiel auf den unbeleuchteten Korridor und ließ uns unsere Schritte verlangsamen. Kurz vor der Tür stoppten wir erneut. Könnten Uldred und seine Schergen wohl in diesem Moment dort drin sein und erneut Macht aus dem aufgebrochenen Körper eines Menschen oder Elfen beziehen? Der Gedanke jagte mir einen Schauer über den Rücken. Emile steckte seine Hand in den Türspalt und schob sie langsam auf. Dann steckte er den Kopf hinein, zog ihn aber sogleich zurück. Dann wandte er sich der Gruppe zu und sagte:
    Es sind Templer dort. Ihr wartet hier, ich werde unsere Brüder kurz aufklären. Vielleicht haben sie wichtige Informationen für mich. Haltet diese Stellung. Ihr mein Freund, werdet mit mir kommen“, endete er an mich gewandt.

    Emile schob die riesige Holzpforte weit genug auf, damit wir hintereinander in den Raum treten konnten. Er hatte, wie alle anderen Räume auch eine unfassbar hohe Decke, jedoch war dieser hier viel ausladender und in die Länge gezogen. Im hinteren Bereich des Zimmers strahlen glänzende Gerätschaften und ein leichtes Ticken ging von einer auf und ab wippenden Kugel, die schräg vor uns stand, aus. Im zweiten Drittel des Zimmers standen zwei Templer, die sich gegenseitig zu stützen schienen. Womöglich hatten auch sie gegen die Dämonen gekämpft und waren dabei verwundet worden, woraufhin sie sich hierher zurückgezogen hatten. Erst nachdem Emile und ich ein paar weite Schritte auf sie zu getan hatten, sahen wir den tatsächlichen Grund. Die beiden Templer, ich erkannte einen von ihnen sein Name war Ser Iveon, kuschelten sich dicht an eine wie es schien weiblichen Dämon, der in ihrer Mitte stand. Das Wesen war von lilanem Hautton mit einem merkwürdig in die Länge gezogenem Schädel und flammenden Haaren. Ihr Gesicht war sehr schön, mit langen Wimpern und sinnlichen Lippen. Doch ihre Hände waren mit bestialischen Klauen besetzt und ein langer, dornenbewährter Schwanz ragte hinter ihrem Körper hervor. Sie summte leise eine Melodie, an welcher die Templer in Trance hangen. Sie wiegten ihre Köpfe leicht zum der Musik, während ihre Hände den hauptsächlich nackten Körper der Dämonin sanft streichelten.

    Emile wisperte: „Ein Dämon der Wollust, sehr verführerisch, doch hat er euch einmal in seinem Bann lässt er euch nicht wieder gehen. Haltet euch fern und eure Gedanken klar, Ritter. Wir müssen flink sein und unter keinen Umständen dürft ihr auf irgendetwas eingehen, was der Dämon sagen wird!“
    Wir nährten uns dem Dämon, umfassten unsere Schilde und hielten unsere Waffen bereit sofort zuzuschlagen. Dennoch hatten scheinbar weder Emile noch ich einen Plan, wie wir den Dämon schnell töten sollten, ohne dabei die Templer zu verletzten, die eng umschlugen an dieser Perversion hingen. Der Dämon hatte uns schon bei unserem Eintreffen bemerkt. Nun befreite er, oder sollte ich eher sagen, sie sich aus der Umklammerung der beiden Templer und schwebte eine Handbreit über dem Boden auf uns zu. Die beiden Männer griffen langsam nach ihr, doch blieben auf der Stelle stehen.

    So, was haben wir denn hier? Zwei weitere Diener meiner Herrlichkeit und Sklaven in meinem Templer der Wollust? Auch ihr tragt das Symbol eurer lächerlichen Kirche und doch schaue ich in eure Herzen und sehe euer… Verlangen“, raunte die zarte und doch unheimlich wiederhallende Frauenstimme der Dämonin. Während sie sprach strich sie lustvoll über ihre Brüste. In meinem Kopf erwachte ein lange schlummernder Gedanke. Wie es wohl wäre, wenn ich kein Templer geworden wäre? Wenn ich ein Ritter oder Soldat oder ein Bauer geworden wäre, mit einer Frau und vielen Kindern? Und ohne Pflicht, die man nie ablegen kann.

    Wir sind hier um euch und jeden euresgleichen zu vernichten, Brut des Bösen!“, rief Emile ihr zu.
    Ooooh, welch gewaltige Worte ihr doch wählt, Templer. Brut des Bösen ist soviel theatralischer als Abschaum oder Missgeburt, oder wie auch immer eure kleinen Gefährten hier hinter mir mich zuerst nannten, ehe ich sie mir Untertan machte“
    „Und dennoch ist es kein bisschen unpassender! Ihr werdet diese Männer gehen lassen und euren Schrecken hier beenden, dann gewähre ich euch einen schnellen Tod“


    Die Dämonin lachte hämisch. Ihr Lachen hatte etwas fürchterlich Kreischendes an sich.
    Oh ihr Ahnungslosen. Sie gehen lassen? Ich halte sie nicht gefangen. Nein, ich besitze sie! Ihre Seelen gehören mir, ebenso wie ihre wunderbar jungen, starken Körper. Und ihre Leben werden mich nähren wenn ihr schon lange tot seid“

    Jetzt war es an Emile zu lachen.
    Ich habe weit über hundert Dämonen getroffen und jeder einzelne dachte, er sei mir überlegen. Und ich habe sie alle besiegt. Denkt ihr wirklich, ihr könnt es mit einem wahren Templer aufnehmen?“
    „Ich sehe in euer Herz und sehe großes Leid und… Finsternis. Ihr seid sehr schwer zu lesen… Emile!“,
    sagte der Dämon zögerlich und schon fast beeindruckt. Dann erfassten ihre Augen mich und fuhr fort: „Und was ist mir eurem Gefährten hier? Aaah. Ich sehe schon, hübsches Ding. Es tut mir Leid um euch, dass ihr in diesem bedauernswerten Leben Freude derlei Art erfahren werdet, Templer. Aber wenn ihr wollt, so biete ich euch einen einfachen Tausch an. Tötet Emile und ich werde euch mit ihr vereinen, so wie es euer tiefstes Verlangen beschreit. Tötet ihn und ihr erfahrt wahren Frieden!“

    Ich war wie gelähmt. Meine Gedanken rasten und ihre Worte hallten in meinem Kopf wieder, während sich ein Gesicht vor meinen Augen manifestierte. Ich wankte doch befahl ich mir selbst Klarheit und der Herr über meine Gedanken zu bleiben. Ich verdrängte das Bild und schrie: „Weg von mir Dämon! Mein Herz gehört mir, meine Gedanken gehören mir! Euch steht nur die Vernichtung zu“
    Wieder lachte die Dämonin, dann schwebte sie umsichtig zurück.

    Ich brauche euch nicht, ihr lachhaften wertlosen Sterblichen. Dann kämpft von mir aus und sterbt wie es euch beliebt!“
    Sie hob eine ihre spindeldürren Hände empor und schnippte mit den Fingern. Sofort zogen die beiden Templer ihre Schwerter und mit Wahnsinn im Blick stürmten sie auf uns zu.
    Emile erhob seinen Schild, ließ schnappend sein Visier zuklappen und bereitete sich auf den Zusammenstoß vor. Ich tat das Nämliche, das Schwert gezogen und bereit zu kämpfen, wenngleich es gegen einen Bruder ging.

    „Ser Iveon, Ser Korris! Nein haltet ein! Ihr seid Templer der Kirche von Andraste! Bekämpft den Dämon, bekämpft ihn!“, rief Emile ihnen entgegen, doch es war zu spät. Scheppernd und laut klirrend krachten die bewaffneten Körper aufeinander. Mir gegenüber stand also Ser Korris. Er trug, ebenso wie Ser Iveon keinen Helm. Seine Waffe war eine einfache Streitaxt, die er jetzt mit schnellen Hieben auf mein Schild führte. Er selbst trug ein Faustschild, welcher in seiner Raserei jedoch völlig nutzlos an seiner linken Hand baumelte. Ser Iveon hingegen führte einen mächtigen Zweihänder mit dem er Emile gekonnt zusetzte. Es dauerte nur zwei mächtige Hiebe, bis Emile zurücktaumelte und sich neu sammeln musste. Iveon griff doch sofort wieder an, sodass Emile nichts anderes blieb als nach Links auszuweichen und nun einen erfolglosen Schlag Richtung Iveons Kopf ausführte.

    Korris hingegen schien in Gedanken noch immer bei dem reizenden Dämon zu sein, denn seine Hiebe waren mehr als unkoordiniert. Selbst ein Bandit könnte diese von Oben herabgeführten Axtschläge mit dem Schild blocken, nur um dann die Schwertklinge in das verwirrt dreinblickendes Gesicht des Templers zu stoßen. Ich jedoch wollte versuchen Ser Korris mit einem mächtigen Schildschlag auszuknocken und so sein Leben zu schonen. Ich blockte einen weiteren Schlag, stellte den Schild dann gerade und schlug Korris mit dem Schildrand ins Gesicht. Blut schoss aus seiner brechenden Nase und besudelte meine Rüstung. Korris brüllte auf, setzte aber sogleich mit dem nächsten Schlag fort. Dieser hätte mich beinahe am Hals erwischt und nur Korris kurzem Arm war zu verdanken, dass er mich nicht tötete. Im Hintergrund hörte ich die Dämonin siegesgewiss lachen.

    Rechts von mir war Emile damit beschäftigt, sich unter Iveons Schwertstreich dessen Ziel die Enthauptung Emiles war, wegzuducken und sofort seinen Streitkolben, an dessen oberen Ende ein Dorn befestigt war gegen das Knie des Kontrahenten zu stoßen. Iveon heuelte auf, als der unnachgiebige Stahl sich an der Platte vorbei und tief in Fleisch und Knochen drückte. Emile zog seine Waffe zurück und brachte etwas Distanz zwischen sich und Iveon. Dieser holte erneut zu einem kraftvollen Schwung aus, doch sein Knie konnte das Gewicht nicht mehr halten und er kippte nach vorne weg. Entgegen Emiles Erwartungen jedoch kroch Iveon nun auf ihn zu und stieß sein Zweihänder die Spitze voraus gegen Emiles noch schnell in Position gebrachten Schild. Dieser begutachtete seinen geschwächten Gegner nun genau und suchte eine Verteidigung.

    Währenddessen hatte ich mich entschlossen nun doch mit aller Gewalt gegen den besessenen Templer vorzugehen. Mein Schildschlag hatte eine unbändige Wut entfesselt, die an den Berserkergang der Zwerge oder der Aschekrieger erinnerte, welche weder Schmerz noch Tod fürchten solange sie vom inneren Zorn genährt werden. Korris hackte wieder auf mich ein, doch diesmal drängte ich vorwärts. Von diesem Gegenangriff überrascht taumelte er rückwärts, schlug mir jedoch seinen Faustschild entgegen, der wiederum mich taumeln ließ. In seinen Augen lag blanker Wahnsinn und mit gefletschten Zähnen stürmte er auf mich zu. Sein Streich kam von Links oben nach Rechts unten. Ich sah es in der Bewegung, duckte mich tief und trieb meinen Schild gegen die nun unten ruhende Hand. Im fast gleichen Moment stieß ich meinen Körper gegen den seinen und zog meine Klinge senkrecht nach oben, wobei ich ihn unter dem linken Arm traf. Dieser hing nun schlaff herab und so war es ein leichtes, einen zweiten Schlag gegen ein linkes Bein auszuführen. Er knickte vor mir um und kniete nun halb. Einen unkontrollierten Schwinger seiner Axt fing ich mit dem Schild ab, dann hob ich meine Klinge hoch über seinen Kopf, drehte sie sodass die Spitze nach unten zeigte, atmete tief durch und überwand mich mein Schwert zwischen Kopf und Schulter von Korris zu versenken. Korris Augen starben schnell und ich hoffe, dass er in seinen letzten Momenten nicht diesen furchtbaren, dunklen Turm sondern die Wunder seiner Vision gesehen hatte. Laut klatschend fielen seine Überreste auf den Steinboden.

    Während Emile noch immer in den Zweikampf verstrickt war, der nun wieder in aufrechter Position stattfand eilte ich quer durch den Raum auf die Dämonin zu. Sie hatte etwas Flehendes in ihrem Blick, doch ich war entschlossen die Sache zu beenden. Ich hieb sie mit meinem Schild nieder, wunderte mich jedoch über die ausbleibende Gegenwehr. Sie fiel auf die Knie, blickte zu mir hinauf. Ihre Unterlippe bebte und beinahe hätte ich Mitleid gehabt.

    Doch dann sah ich, dass es nicht der Dämon war, der dort vor mir kniete, es war Eliza, die Elfenmagierin. Welch schrecklicher Irrtum musste sie hierher geführt haben? Sofort ließ ich meine Waffen sinken, mein Schild fiel donnernd zu Boden. Elizas Augen füllten sich mit Tränen.
    Eliza. Eliza ich bin hier, habt keine Angst, ich werde euch beschützen. Was ist los, wieso weint ihr?“, tröstete ich sie. Aus der Ferne hörte ich gedämpfte Rufe. Sie waren so fern und so leise, als würden sie hinter verschlossener Tür ausgesprochen worden. Und sie waren so nichtig, jetzt wo ich mich um Eliza kümmern musste.
    Nein! Hört nicht auf den Dämon! Nein! Nein!“
    Irgendwelche lästigen Geräusche, Worte wie Echos. Was sollten sie mich betreffen? Ich hatte hier eine wichtige Aufgabe.
    Küss mich, Liebster. Dann sind wir endlich vereint. Nichts ist wahr, kein Zirkel, keine Kirche, keine Templer. Nur wie beide, Liebster“, flüsterte Eliza.
    Nein Mylady. Ihr wisst, ich kann es nicht. Meine Pflichten…“, meine Gedanken verloren sich. Nur Elizas wunderbare Augen zählten. Doch plötzlich verwandelte sich Elizas Gesicht in etwas vollkommen anderes.

    Ein Gesicht, noch immer mit einem Hauch von Schönheit doch unnatürlich und falsch. Die Augen weit aufgerissen und voller Hass. Ich spürte die krallenbewährten Hände, die sie auf meinen Wangen ruhten und wie dicht mein Gesicht an dem dieser scheußlichen Kreatur war. Die Dämonin, ich erinnerte mich. Doch noch war mein Körper wie gelähmt, als wäre ich gerade aus einer sehr langen Nacht erwacht.
    Emile jedoch rannte herbei, die Dämonin hatte ihre Hypnose an mir unterbrochen, das Trugbild fallen lassen und ihr wahres Gesicht gezeigt, als sie sah wie Emile seinen Gegner mit einem kräftigen Schildstoß zur Seite warf und im vollen Lauf mit seinem Streitkolben aufholte. Die Dämonin kreischte ihm entgegen und mein Gesicht entglitt ihren Händen. Schlaff kippte mein Körper zur Seite und ich sah, wie Emile uns beide erreichte.

    Lasst ihn gehen, Dämon! Lasst ihn gehen uns sterbt!“, rief Emile lauthalt, dann schmetterte er seinen dornenbewährten Streitkolben auf den Kopf der Dämonin. Ein furchtbar berstendes Geräusch erfüllte den Raum. Die Dämonin, deren Kopf nun schrecklich deformiert war brach stöhnend zusammen. Augenblicklich verließ auch Ser Iveon die Kraft und geräuschvoll schlug er auf alle Viere auf. Während Iveon sich weiter hinten übergab, reichte Emile mir die Hand und zog mich auf die Füße. Mir war noch immer etwas schwindelig, doch ich dankte ihm für meine Rettung.

    Wir sind Brüder. Wir kämpfen zusammen oder sterben zusammen. Meine Zeit war noch nicht gekommen und eure somit auch nicht!“, antwortete er ohne die Miene zu verziehen.

    Ich begab mich zu Ser Iveon, der nun da der Bann gebrochen war vollkommen verwirrt und zitternd dasaß und sich tausendfach für sein ungebührliches Verhalten entschuldigte. Er sei es nicht würdig weiter ein Templer genannt zu werden. Wer so schwach sei, der Versuchung nicht zu wiederstehen, der könnte auch kein Templer sein. Ich schwieg dazu…
    Shepard Commander is offline Last edited by Shepard Commander; 20.10.2014 at 20:27.
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    Ich weiß, ihr habt alle nicht darauf gewartet, aber hier kommt trotzdem Teil 7.
    Bild wie gehabt, Numero Uno.

    Zur Warnung: dieser Teil ist etwas blutrünstiger, macht mich also nicht für eure Albträume verantwortlich.

    ____________________________________________________________________

    Doch schwer sind die Herzen jener, welche die Last des Kampfes tragen und den Tod stets auf dem Rücken. Ja, solch ein Ritter braucht ein tapferes Herz, ein Herz das hart wie Stein und doch sanft wie Federn sein muss, um zu unterscheiden zwischen dem was Recht ist und dem was Unrecht ist. Wir alle sind Geschöpfe von unnatürlicher Gestalt und selbst der Mutigste und Gescheiteste ist nichts gemessen an der Größe des Erbauers und seines Plans. So tatenschwer ihm sein Leben auch vorkommen mag, so ist es doch nur ein einsamer Funkenflug im ewigen Sein der Welt. Und um mit diesem Funken ein Feuer zu entfachen braucht es mehr. Es braucht unerschütterlichen Glauben und göttlichen Beistand. So bitte ich euch, senkt eure Häupter und betet für unsere Gefallenen, auf das der Erbauer sie zu sich holen möge. Doch betet nicht nur für ihre Erlösung, oder die eure! Betet auch für Stärke im Kampf, Entschlossenheit und den Willen zu Siegen. Denn siegen müssen wir, sonst ist alles verloren!

    Die anderen Templer schworen Stein und Bein, dass sie keinerlei Kampfgeräusche aus dem Zimmer hatten dringen hören. Ebenso kam ihnen die Zeit unserer Abwesenheit wie ein Wimpernschlag vor. Einer der erfahreneren Templer vermutete, dass der Dämon den Raum mit einem heimtückischen Fluch belegt haben musste, der alles, was dort im Zimmer vor sich geht abschirmt. Emile zuckte mit den Schultern. Es war jedenfalls vorbei, so sagte er. Der Templer, den er verwundet hatte Ser Iveon war kampfunfähig. Mit dem Aufheben des Zauberbanns hatte auch der Schmerz in seinem von Emile zerschmetterten Knie erneut angefangen. Emile wollte keinen Mann entbehren, um den Templer zu schützen oder zurück zur Barriere zu geleiten, also befahl er Ser Iveon selbstständig in die Bibliothek zu humpeln und sich dort der Verteidigung der Barriere anzuschließen. Nachdem Iveon unter dem gebieterischen Blick Emiles nicht einmal ein Wiederwort gab und leise vor sich hin fluchend seinen Weg gezogen war, setzte Emile unsere Gruppe wieder in Bewegung. Den aufreibenden Kampf schien er vollständig verkraftet zu haben und sich nun wieder auf die eigentliche Aufgabe zu konzentrieren. Er führte uns weiter die sich um den Turm schlingenden Gänge entlang, blieb an jeder Tür kurz stehen und lauschte. Offenbar hoffte er den Blutmagier auf frischer Tat zu ertappen und ihn, gefangen in einem Raum keine Fluchtmöglichkeit zu bieten. Doch bei jeder Tür wurde er enttäuscht.

    Ich hielt mich dicht neben Emiles linker Seite. Während wir uns den Gang entlang tasteten ging mir ein Gedanke nicht aus dem Kopf. Es wäre unangemessen den Leutnant danach zu fragen, doch lag es mir schwer im Magen. Die Frage, die mich beschäftigte würde auch Emiles Haltung zur Rettung des Zirkels mit einschließen, sofern er überhaupt gewillt sein würde, eine Antwort zu geben. Nach einiger Zeit jedoch wischte ich meinen Einwand beiseite und setzte an: „Sire. Ich hätte eine Frage, wenn ihr es gestattet!“
    Emile brummte zum Zeichen, dass er es gestatte. Ich schluckte und fuhr fort.
    Die Elfenmagierin, ihr wisst schon, die in eurem Gemach. Was ihr Tod wirklich… nötig?“
    Emile blieb abrupt stehen und wandte sich mir so schnell zu, dass ich befürchtete er hätte zu einem Faustschlag ausgeholt. Seine Augen funkelten mich mordlüstern an.
    Der Tod von Eliza war die richtige Entscheidung, zu diesem Zeitpunkt. Denkt nicht, es wäre nicht auch mit schwergefallen so zu handeln, schließlich kannte ich sie weitaus besser, als die meisten Bewohner dieses Turms!“ Damit war das Thema für ihn beendet, denn er drehte sich weg und setzte seine Schritte fort. Trotz Emiles Beteuerung, Elizas Tod sei auch ihm kein Leichtes gewesen spürte ich keine Reue in ihm. Selbst der Umstand, dass sie offenbar schon seit längerem seine heimliche Geliebte gewesen war, hatte ihn nicht davon abgehalten sie skrupellos zu ermorden. Doch seine Antwort half mir weniger weiter, als ich es erhofft hatte. Hätte Emile darauf gepocht, dass alle Magier sterben müssen, wie er es am Anfang unserer Kämpfe noch getan hatte, dann wäre seine Intention klar. Doch seit wir von der Barriere ausgezogen waren, um die Blutmagier zu jagen und zu vernichten, zweifelte ich daran, dass das Recht der Auflösung tatsächlich der einzige Weg war. Und ich hoffte, dass auch Emile so dachte. Aber wie eiskalt er den Tod Elizas abgetan hatte…

    Hilfe! Rennt! Flieht, ihr alle!“, schallte es da auf einmal von weiter vorne. Die Stimmen überschlugen sich in Panik, Geschrei gepaart mit Worten der Verzweiflung. Doch konnten wir keinerlei Gestalten ausmachen. Emile befahl uns die Waffen zu ziehen, die Türen im Auge zu behalten und mit einem Hinterhalt zu rechnen. Plötzlich tauchten vor uns schemenhafte Gestalten auf, die sich schneller nährten. Ihre Form war undefiniert, ähnlich der von Dämonen. Sie kamen näher und wir erkannten, dass es die Roben der Magier waren, die beim Laufen weit aufwirbelten und den Träger übernatürlich groß erschienen ließen. Seltsam, ich hatte noch nie einen Magier laufen sehen.

    Als sie dicht genug waren hob Emile drohend den Arm.
    Dem Erbauer sei Dank, Templer!“, keuchte der Magier, der uns am nächsten war. Hinter ihm stoppten nach Atem ringend vier weitere Magier. Keiner von ihnen trug einen Stab, aber auch ohne ihn waren Magier eine nicht zu unterschätzende Gefahr. Wir behielten unsere Verteidigungshaltung ein und streckten den Flüchtlingen drohend unsere Waffen entgegen.
    Was macht ihr denn da? Beschützt uns!“, rief der Magier.
    Ganz ruhig, Magier. Du bist in Sicherheit, zumindest solange du dort stehen bleibst und deine Hände so hältst, dass ich sie sehen kann“, erklärte Emile seelenruhig.
    Ungläubig schüttelte der Magier den Kopf, sein Mund geöffnet, doch es kam vor Erstaunen kein Wort heraus.
    Wovor flieht ihr genau? Sind dort Dämonen? Wie viele?“
    Der Magier fasste sich wieder und begann nun hastig zu erklären. Dabei war er nervöse Blicke in die Richtung, aus der er gekommen war.
    Dämonen? Nein, nein. Keine Dämonen. Ein Magier. Er kam in unsere Stube, sein Gesicht konnte ich nicht sehen, da er eine lange, tiefliegende Kapuze trug. Wir dachten er wolle sich genau wie wir hier verstecken, bis alles vorbei ist. Doch kaum hatte er den Raum betreten, begann er arkane Bolzen und Feuerbälle auf jeden Magier zu schießen, der einen Stab in der Hand hielt. Einer der Oberverzauberer konnte noch gerade rechtzeitig einen Schutzzauber beschwören, der uns jüngeren Magiern die Chance zur Flucht gab“
    „Er hat es nicht geschafft. Er ist einfach verbrannt!“,
    kreischte eine Magierin, welche vorne übergebeugt und mit den Händen auf den Knien nach Luft schnappte.
    Wo ist dieser Magier jetzt? Woher kommt ihr, sagtet ihr?“
    Hier. Direkt dort hinten, der Raum neben dem Kirchenschiff“, antwortete der Magier nervös und zeigte in die ungefähre Richtung.

    Emile zupfte sich am Ziegenbart und begutachtete die Magier, die noch immer völlig außer Atem waren. Mich befiel ein gar schreckliches Gefühl.
    Sire, ihr werdet doch wohl nicht verlangen, dass…“, begann ich erschüttert.
    Emile sah mich an und grinste diabolisch.
    Aber wieso denn nicht, Ritter?“
    „Sie haben nichts getan, sind mit Sicherheit keine Dämonenpaktier. Einer ihresgleichen hat sie angegriffen und verjagt. Zudem, wenn ihr den Befehl zum Töten dieser Magier gebt, so werden die Templer euch wahrscheinlich folgeleisten, aber es euch nicht verzeihen. Lasst die Magier ziehen. Sie können ohnehin nicht an der Barriere vorbei“

    Emile schaute drein, als hätte man ihm seines Spaßes beraubt, aber eine Spaltung der Loyalität konnte er, so kurz vor dem Aufspüren eines mächtigen Maleficars kaum zulassen.

    Er schaute den erschöpften Haufen Magier an und befahl barsch: „Los lauft!“
    „Was? Aber was soll aus uns werden? Ihr müsst uns beschützen und wgrrh“

    Der Magier, welcher gerade zu einer Predigt über die Pflichten eines Templers ansetzte wurde jäh unterbrochen, als Emile ihn mit einem gewältigen Griff am Hals packte und zu sich heranzog.

    Hör zu, Magier. Ich würde dir am liebsten deine Flüche verbreitende Zunge aus dem Maul reißen und deinen widerlichen Kopf abschlagen! Dass ich dich weiterleben lasse ist ein Akt der Gnade und des… Mitgefühls. Aber ich bin nicht dein Hausmädchen. Flieh und versuch zu überleben. Und wenn ich dich in den oberen Stockwerken antreffe, dann hacke ich dich in kleine Stückchen um die Dämonen damit anzulocken!“, zischte Emile ihm mit zusammengebissenen Zähnen entgegen. Dann warf er ihn mit derlei Wucht nach hinten, dass der Magier schwer gestützt wäre, hätten ihn seine schockiert dreinblickenden Begleiter nicht aufgefangen. Voller Angst und halb benommen schlängelten sich die Fünf durch die Reihen schwer gepanzerten und unbewegten Templer.

    Emiles kurzfristiges selbstzufriedenes Lächeln verflog, nachdem die fliehenden Magier hinter der leichten Krümmung des Turmes verschwunden waren und sein Gesicht verriet, dass er nachdachte.
    Was ist Sire, wollen wir nicht weiter nach dem Blutmagier suchen?“, fragte ihn einer der Templer stutzig.
    Natürlich wollen wir das. Ich denke nur über dieses Chaos nach. Magier gegen Magier. Templer gegen Templer, Räume voller Dämonen und das Ganze angefacht durch die Hand der Blutmagier“
    „Vielleicht haben ja die Maleficare die jungen Magier angegriffen?“
    , äußerte ich die Vermutung.
    Nein“, winkte Emile sofort ab. „Es hätte keinen Sinn sie dann anzugreifen und zu töten. Die Blutmagier suchen Gefäße. Möglichst unbeschädigte und auf jeden Fall lebende Gefäße. Dämonen, die von toten Körpern besitz ergreifen sind nie von höherem Rang. Es sind die Aasfresser des Nichts, keine Art zu denen die Blutmagier aufschauen. Außerdem sprachen die Magier von einem Angreifer. Die Blutmagier sind jedoch mit mehreren unterwegs. Ihr habt doch das Blutbad gesehen, dass sie als Ritual betiteln. So ein Ritual schafft kein Magier ohne Hilfe von anderen“
    „Dann müssen wir wohl in Betracht ziehen, dass alle Magier wahnsinnig geworden sind“,
    drang es von weiter hinten.
    „Oder vielleicht hatte dieser hier nur noch eine offene Rechnung zu begleichen!“, kommentierte ein weiterer Templer, was einigen schwachen Lachern und Emiles finsterem Blick erntete
    Genug jetzt! Wir müssen weiter!“, rief Emile, worauf sofort Stillschweigen eintrat.

    Also setzten wir unseren Weg fort. Wir achteten nun jedoch genauer auf Schreie oder Feuerexplosionen. Doch abgesehen von den konstant erklingenden Schreien, die von fernen Orten und zu fernen Zeit zu kommen schienen, erreichte nichts dergleichen meine Ohren. So erklommen wir das nächste Stockwerk. Das dritte Stockwerk sah seltsam verändert aus. Ich traute meinen Augen kaum, doch die Steinwände an der gegenüberliegenden Seite des Treppenabsatzes schienen eine glitschige rote Flüssigkeit abzusondern. Zuerst dachte ich, es sei Blut, doch bei näherem Betrachten fiel mir die Dickflüssigkeit des Sekrets auf. Der Grund dafür waren seltsam rote, dürre Ranken, die sich die Wände hinaufzogen und diesen ekelhaften und nach Verwesung stinkenden Eiter absonderten. Mir wurde schlecht, doch zu meinem Unheil zogen sich diese verfluchten Ranken die gesamte Wand des großen Eingangsbereiches, der weit offen von unserer Gruppe lag, entlang. Glücklicherweise beschränkte sich der Befall nur auf die Wände, nicht auch auf den Fußboden. Ich hatte davon gehört, dass Männer in der Schlacht auf den Gedärmen der Getöteten ausrutschen und ihre Finger beim Abstützen auf der Erde danach blutverschmiert und klebrig wären. Ich vermutete eine ebenso unschöne Erfahrung, sollten diese Ranken doch auch auf dem Boden ansetzten. Auch Emile und die anderen Templer schauten angewidert drein.
    Schnell weiter“, sagte Emile und klappte sein Visier in der Hoffnung es würde den Gestank zumindest zeitweise blockieren nach unten.

    Wir erreichten eine Tür, deren Holz verfault und morsch wirkte, obwohl derartige Türen noch nie im Turm gesehen worden waren. Emile stieß mit seinem Streitkolben dagegen, worauf das Holz brüchig in sich zusammenfiel und den Blick freigab auf einen Raum, dessen Hälfte ein Berg von Leichen füllte. Über sie gebeugt und vielleicht sogar an den geschundenen Körpern nagend, standen drei Dämonen. Gegen den Leichenstapel waren ihre hässlichen Körper kaum zu erkennen, doch ihr schlurfender Gang und ihre quakenden Laute entlarvten sie selbst bei dem schwachen Schein des Lichts. In uns allen kochte eine Wut auf und brüllend griffen wir an. Der Kampf dauerte nicht lange, da waren die Dämonen tot und die armen Seelen, die hier so unwürdig teils nackt, teils halb verbrannt und angenagt übereinander gelegt worden waren.

    Das erklärt warum wir nur auf so wenige Magier stießen. Aber wieso sie alle tot sind. Nicht jeder Magier überlebt die Übernahme durch einen Dämon, aber dieses hier? Nein, das ist etwas zu viel Verschleiß. Wir sollten sie schnellstmöglich verbrennen. Nieder Dämonen befallen liebend gerne tote Templer und ich zweifle nicht daran, dass auch einige von uns unter diesem Schreckensberg liegen“, klärte Emile missmutig auf. Keiner von uns war erpicht darauf sich hier länger aufzuhalten als nötig. Also begannen wir mit der Suche nach einer brennenden Fackel. Während Frieden im Turm herrschte, was mir wie vor Ewigkeiten vorkam, hatte man nie einen Gedanken an eine Fackel verschwendet. Erst jetzt fiel auf, wie selten sie hier vorhanden waren.

    Ich untersuchte gerade eine große, ovale Vase welche von Magiern gerne als Aufbewahrungsort für derlei Tand wie Fackeln war, darauf bedacht möglichst nicht in die Nähe der eiternden Ranken zu kommen, als ich plötzlich Geschrei und das Geräusch von Feuer hörte. Sofort eilte ich los, die Ursache suchend. Auch andere meiner Brüder liefen aus allen Richtungen kommend auf den Ort zu, wo das Geschrei sich nun mit Kampfgeräuschen mischte. Ich beschleunigte meine Schritte und zog dabei mein Schwert. Etwa sechs Schritte schräg hinter mir konnte ich Emiles glitzernde Rüstung erkennen. Ich erreichte den Ort des Geschehens als Zweiter. Ein Bruder stürmte vor meinen Augen in das Zimmer, wurde aber in beinahe derselben Sekunde unter hämischen Lachen zurückgeschleudert, donnerte an die ekelhaft Wand hinter ihm und blieb regungslos liegen.

    Gut gemacht, mein Kind. Wirklich gut gemacht“, konnte ich aus dem Inneren des Raumes vernehmen. Langsam schlich ich mich an die Tür, die anderen Templer sammelten sich hinter mir. Ich drückte mich an die Wand und glitt vorsichtig voran. Ein umsichtiger Blick lies mich drei Personen erkennen. Sie alle trugen Magierstäbe und Roben des Zirkels. Doch waren diese Roben blutbefleckt.

    Drei Magier, alle bewaffnet. Vielleicht Maleficare“, , flüsterte ich Emile zu, der sich direkt hinter mich gestellt hatte.
    Natürlich sind sie das. Alle Mann vorwärts!“, befahl er und stürmte an mir vorbei, hinein in das Zimmer. Fasst erwartete ich, dass auch er in hohem Bogen zurückfallen würde, doch passierte es diesmal nicht. Ein grelles Licht erfüllte den Raum und brach durch den Türrahmen hinaus in den Gang. Von drinnen hörte man Rufe erklingen. Emile musste den Raum sowie die magische Essenz, die bei jedem Magieanwender vorhanden ist und welche nur kurzzeitig unterbrochen werden kann, gebannt haben. Meine Brüder stürmten mir nach, als ich den Raum betrat.

    Es war, wie ich es mir gedacht hatte. Die drei Magier waren in den hinteren Teil des Raumes zurückgedrängt, der zwei dicke Steinsäulen rechts und links der Mitte hatte. Es waren ein weißhaariger, älterer Mann namens Lucino sowie zwei jüngere Magier, ein junger Mann mit voller brauner Mähne und kleinen, dunklen Augen sowie eine junge Frau, im heiratsfähigen Alter, deren weiß-blaue Robe von Blutspritzern nur so schimmerte. Die beiden jungen Magier waren von Emiles hellem Bannlicht zu Boden gezogen worden, der alte Magier jedoch stand einige Schritte vor Emile. Er wirkte erschöpft und ich vermutete, dass er einen Schutzzauber gegen Emiles Reinigung gesprochen hatte, der sehr an seinen Kräften genagt hatte.
    Lucino, ihr alte Schlange! Kein Wunder, dass ich euch hier treffe. Ich hätte wissen müssen, dass ihr an dem Bösen, das hier seinen Weg geht beteiligt seid!“, empörte sich Emile.
    Ich bin beeindruckt, dass ihr meinen Namen kennt, Emile du Chateau. Sonst nennt ihr doch jeden einzelnen von uns nur Magier, antwortete Lucino gelassen und lächelte einladend.
    Weil ihr auch genau das seid, Magier. Und euren Namen kenne ich nur, weil ich bei meinem Eintreffen eine Liste potenzieller Gefahren aufstellte, deren Besänftigung beziehungsweise öffentliche Hinrichtung ich empfahl. Euer Name standet ganz oben!“
    Lucino lachte.
    Aach, Junge. Ich bin geschmeichelt, dass ihr mich für derart mächtig und gefährlich haltet, dass ich euch den Schlaf raube. Oder tat das nicht diese kleine Elfe? Wie hieß sie doch nicht gleich… ich hörte sie ist tot, richtig?“
    „Mieser Bastard“,
    fauchte Emile leise. Der Bastard lachte.
    Ach, natürlich ist sie das. Wieso auch nicht, sie war ja schließlich eine Magierin. Wenn es nach euch ginge, wären wir doch bereits alle tot“
    „Zumindest bei euch und euren kleinen Schülern ist das so. Aber wenigstens bietet ihr mir ja jetzt die Chance, mein Versäumnis auszumerzen“

    Der weißhaarige Lucino lachte nun gar nicht mehr. Sein Blick verhärtete sich und finster starrte er Emile entgegen.

    Ja, ja, ja, ihr Templer. Ihr seid ein Haufen hirnloser Marionetten, getrieben von der Angst vor einer göttlichen Macht deren Existenz ihr nicht einmal beweisen könnt. Und das gibt euch das Recht jeden Magier hier einzusperren? Vielleicht solltet ihr lieber uns als eure Götter anbeten. Hat euer Erbauer zu euch gesprochen? Hat er euch je ein Wunder offenbart? Kann er die Welt mit seinem Willen formen, so wie ich es kann? Seht her!“, sagte er und erhob langsam seine Hand, als zöge er etwas schweres aus der Erde. Ohne Vorwarnung und vollkommen unvorbereitet begann einer meiner Brüder der etwa zwanzig Schritte rechts von mir stand an zu schreien wie am Spieß. Verwirrt wandten sich sämtliche Blicke im Raum auf ihn. Er warf seine Waffen beiseite, ebenso wie seinen Helm und fasste sich an den Kopf, der erschreckend rot anlief, ebenso wie sein Brustpanzer, der nun hell flimmerte. Plötzlich schmolz seine Plattenrüstung wie Kerzenwachs auf seiner Haut. Seine Schreie zeugten von wahnsinnigen, abartigen Schmerzen und ohne dass wir etwas machen konnten schossen Flammen aus seinen Augen und seinem Mund. Sein Gesicht schmolz in wenigen Augenblicken und seine markerschütternden Schreie verstummten sofort.
    Hinter Lucino lachten seine Schüler schadenfroh auf.

    Ihr verdammten Hunde!“, rief Emile und wollte schon losstürzen, da packte Lucino einen alten, rostigen Dolch, dessen Klinge mit Zähnen wie die einer Säge geschmiedet war. Dann reckte er seine linke Hand in die Höhe und trennte sich unter grausigem Reißen und Brechen den kleinen Finger ab. Das Blut sprudelte aus der offenen Wunde und floss über seine Hand und hinunter an seinem Arm. Doch das Blut verhielt sich nicht wie bei einer normalen Verletzung. Es schlug Blasen und zischte unheilschwanger. Jeder Templer konnte spüren, wie viel Macht in dem Blutopfer lag, dass dort entrichtet wurde. Mit einem Wink seines Stabes stieß Lucino den aggressiven Emile zurück und errichtete eine Barriere zwischen sich und ihm, die der Barriere bei der Bibliothek ähnelte. Nur durchfloss diese hier dunkle Magie.
    „Was ist, Emile du Charteau? Dämonenjäger? Wo ist euer Erbauer jetzt? Erkenne die Wahrheit, er existiert nicht. Andraste ist schon so lange tot und ihre Sage ist schon zu oft erzählt worden. Vermutlich stimmt nicht einmal die Hälfte. Wenn man uns Magiern doch bloß mehr Freiheit lassen würde, was könnten wir erreichen? Ihr seid weit gereist, oder? Ihr kennt doch sicherlich die Geschichten von Tevinter!“
    „Pah! Ich war in Tevinter. Ich sah eure abscheuliche Magie und ich sage euch, am liebsten hätte ich das gesamte Land niedergebrannt mit jedem einzelnen von euch Teufeln als Zunder! Von welcher Art Freiheit sprecht ihr? Das hier?“,
    sagte er und deutete auf die geschmolzene Masse, die einst ein Bruder gewesen war.
    Menschenopfer nur um eure Macht zu vergrößern. Ihr würdet immer weiter gehen, nur um euch selbst etwas zu beweisen. Wie ihr es bereits gesagt habt: sollen wir doch euch anbeten, wie Götter“, er spuckte auf den Boden.

    Lieber sterbe ich, als auch nur einen Tag dieselbe Luft der Freiheit zu atmen, wie ihr!“
    „Und genau das ist es! Diese Arroganz! Dieses Unverständnis, wenn man nicht selbst in den unsichtbaren Ketten liegt. Ihr habt keine Ahnung, wie es ist wenn jeder eurer Schritte überwacht wird, wenn jede Kleinigkeit erbeten werden muss. Freiheit ist für jeden Magier nur ein leeres Wort ohne Bedeutung. Nie werden wir die unterirdischen Städte der Zwerge sehen oder das glorreiche Orlais. Nie den Duft von frischem Frühlingswind genießen, oder barfuß durch einen Wald spazieren“
    „Mein Mitleid wäre sicherlich leichter zu gewinnen, wenn ihr nicht in Strömen von Blut stehen würdet und soeben einen meiner Brüder zu einer lebenden Fackel verwandelt hättet, Monster!“

    „Ja, in der Tat das war komisch. Aber es geht hier auch nicht mehr um mich. Ich bin alt und meine Zeit neigt sich dem Ende zu. Ich tue es für diese jungen Magier hier. Sie sollen nicht dieselben Fehler in demselben Turm machen, wie Generationen von Magiern vor ihnen. Sie sollen ihre Freiheit bekommen, dafür kämpfe ich“
    , sagte der Alte ruhig aber entschlossen.

    Fast hätte ich echtes Mitleid entwickelt. Ich habe schon oft versucht, den Turm aus den Augen eines Magiers zu empfinden. Natürlich waren mir viele Unannehmlichkeiten aufgefallen, aber im Großen und Ganzen war der Turm sicher, ruhig und ein guter Ort zum Leben. Und den meisten Magiern schien es zu gefallen. Zudem wusste ich von einigen sehr fleißigen Magiern, die den Turm ohne Templereskorte verlassen und auf Reisen gehen durften.
    Emile kam so dicht an die Barriere wie möglich, dann zog er seinen silbrig glänzenden Panzerhandschuh aus und legte ihn auf die vibrierende Oberfläche der fluoreszierenden Mauer. Dann sah er Lucino direkt ins Gesicht und fing an zu sprechen:
    Dann lasst euch gesagt sein, Lucino. Eure Anstrengungen waren vergebens, ebenso wie eure Grausamkeiten und Opfer. Ihr werdet immer ein Gefangener des Turms sein, wie alle Magier vor euch und alle die noch folgen werden. Aber euch und eure Schüler wird hier und heute der Prozess gemacht, durch meine Hand und die meiner Templer!“

    Damit holte er tief Luft schloss die Augen und konzentrierte sich. Lucino blickte verwirrt auf Emiles Handfläche, die noch immer an der Barriere klebte, von der jetzt aber kleine Wellen in Schwingung gesetzt wurden, die sich über die langsam über die gesamte Fläche ausbreiteten. Ein merkwürdig melodisches Summen ging von den Wellen aus, die immer stärker und stärker würde. Die Barriere begann zu flimmern.
    Nein! Das ist unmöglich!“, schrie der Alte erstaunt auf.

    Kurz bevor die Barriere zusammenbrach, zog er seine Hand kurz von der nun gleisend flimmernden und Hitze abstrahlenden Oberfläche und flüsterte laut genug, dass Lucino es hören konnte: „Oh, ich werde es genießen euren Schülern die Hälse umzudrehen!“
    Dann legte er erneut die Hand auf, was die Barriere mit einem Zischen und dann einem Geräusch ähnlich splitternden Glases quittierte.

    Im nächsten Moment stürmten wir Templer los, bereit Rache für unsere getöteten Brüder zu nehmen oder um Ordnung ins Chaos zu bringen. Das lag in der Perspektive. Emile schlüpfte schnell in seinen Handschuh und da er der Barriere am nächsten gewesen war, war auch er es der zum ersten Streich ausholte. Doch ehe er seinen Streitkolben nach Lucino schwingen konnte murmelte dieser etwas und deutete mit ausgestreckten Zeigefingern auf die Waffe. Diese fing urplötzlich Feuer, sah aus wie eine Fackel, schmolz dann aber mit atemberaubender Geschwindigkeit zu tropfendem Eisen zusammen. Emile fluchte laut und warf den Stummel, der den Griff bildete schnell von sich.
    Ich warf mich ebenfalls auf Lucino, den ich immer als schweigsamen alten Mann, der gerne aus den Schießscharten des Turms blickte in Erinnerung hatte. Dieser drehte sich aber mit ungewöhnlicher Agilität herum und schleuderte mir etwas entgegen, dass mich von den Füßen riss.

    Aus den Augenwinkeln sah ich, wie der junge, braunhaarige Magierbursche einen Strahl reinen Feuers gegen zwei meiner Brüder sandte. Einer der beiden hielt dem seinen Schild entgegen und versuchte auch seinen unbehelmten Kameraden zu schützen, der einen schweren Streithammer als Waffe gewählt hatte. Dies war sein Verhängnis, denn der junge Magier positionierte nur schnell den Stab um und fackelte den Templer mit Haut und Haaren ab. Vor Wut brüllend warf sich der übriggebliebene Bruder auf den Magier und schlug ihn mit dem Schild zur Seite und aus meinem Sichtfeld. Gerade als ich mich aufrappelte musste ich mich ansehen, wie die junge Magierin, ihr Name lag mir auf der Zunge, eine aufbrausende aber nie auffällige Schülerin, einen Templer mittels geschwundenen Stabes, der von Opferblut ganz glitschig war in eine Eisstatue verwandelte. Ich hatte natürlich schon von all diesen Zaubern gehört, Flammenmeere, Eisstatuen und telekinetische Wellen, die einen durch die Luft wirbelten wie Gänsefedern, doch sie zu sehen, zu spüren jagte mir Angst ein.
    Die Magierin kam näher, sah mich an und tickte dem eingefrorenem Bruder auf die Schulter. Dieser zersprang mit lautem Krachen in hunderte kleine Eiskristalle, die klingend gegen meine Panzerung schlugen. Die Frau lachte laut, ein unnatürliches Lachen dem die Wärme und Freundlichkeit fehlte. Dann schwang sie den Stab und vereiste drei meiner Brüder, die heraneilten auf einmal. Diese waren zwar nicht vollkommen erstarrt, schienen in ihrer Bewegung aber stark eingeschränkt und ließen ihr genug Zeit in Tötungsabsicht ihren Stab auf mich zu richten. Offensichtlich wollte sie ihrem Opfer Angst einjagen. Aber nicht bei mir, ich bin ein Templer. Tod ist nur eine Illusion! Doch ehe sie einen Zauber wählen und anwenden konnte flog Emiles verziertes Silberschwert auf meine Peinigerin zu. Es traf sie an der ausgestreckten Hand mit dem Stab, welchen sie schreiend fallen lies. Ich schaute zur Seite, Lucino lag alle Viere von sich gestreckt auf dem Boden. Emile preschte heran.
    Die Magierin warf ihm einen hasserfüllten Blick zu und richtete beide Hände auf ihn. Wie ich jetzt erst erkannte fehlten ihr an der Linken Hand drei Finger. Da Emile ihren anderen Arm erwischt hatte, denke ich, waren die drei Finger ein Opfer an die Blutmagie.
    Ich stand auf und sah zu, wie Emile der Magierin, die nicht schnell genug war, die Kante seines Schildes ins Gesicht stieß. Sie taumelte zurück und Emile packte sie bei den Schultern. Dann versetzte er ihr einen scheppernden Kopfstoß, der auf seinem sonst poliertem Silberhelm eine, Blutfleck hinterließ.

    Währenddessen sah ich, wie Lucino sich auf den Bauch drehte und zu seinem Stab kroch, während ich im Hintergrund zwei Templer auf den Braunhaarigen eindreschen sah, der zusammengekauert in einer Ecke lag, aus der nun bei jedem Schlag der beiden wütenden Männer Blut heraufspritzte.

    Ich torkelte auf Lucino zu. Sein Zauber hatte mich doch stärker erwischt, als ich gedacht hatte. Kurz vor ihm stolperte ich und landete auf allen Vieren. Ich schüttelte meinen Holzschild ab, griff mein Schwert und kroch langsam voran. Verschwommen sah ich, wie Lucino den Stab schon beinahe erreicht hatte, nur ein paar Schritte vor ihm lag das todbringende Stück Holz. Ich kroch weiter, musste aber kurz halten, meinen Kopf zur Seite drehen und mich erbrechen. Dann setzte ich meinen Weg fort. Mein Schädel hämmerte und meine Sicht verschwamm immer wieder. Lucinos linke Hand streckte sich nach dem Stab, seine Fingerkuppen berührten das veredelte Rotbuchenholz, das bei der Berührung leicht zu vibrieren begann. Dann hackte ich zu und trennte alle verbliebenen Finger seiner Hand ab. Lucino schrie auf, ich stürzte mich auf seinen Rücken und legte ihm mehr Schlecht als Recht die Klinge an den Hals. Ich wollte ihn nicht töten, wusste aber, dass es notwendig war wenn auch nur einer von uns diesen Tag überleben sollte. Also zog ich ihm rasch die Klinge über den Hals.
    Lucino röchelte sterbend. Es tat mir Leid um ihn, er konnte es nicht verstehen, dass es besser so war. Was Lucino in seinen letzten Momenten jedoch mehr geschmerzt haben musste, als das Versagen an sich war der Anblick von Emile, der die junge Frau, die um vieles kleiner war als er von Hinten gepackt und hochgehoben hatte. Vermutlich wollte er den alten Mann leiden lassen, denn er drehte sich demonstrativ in unsere Richtung. Eine Hand vor dem Hals, eine dahinter. Als Emile ihr knackend das Genick brach zuckte Lucino resignierend und schloss seine Augen vor dem Anblick. Er sollte sie nie wieder öffnen.

    Emile schleuderte den toten Körper weg wie eine Stoffpuppe. Dann kam er auf mich zu, packte mich an der Schulter und richtete mich auf.
    Gut gemacht, Ritter. Der Erbauer wird euch für diese Tat danken!“, sagte er. Dann sah er sich um. Die Bilanz dieses Kampfes war traurig. Vier Männer tot, zwei schwer verletzt und kampfuntauglich. Damit blieb von unserer ohnehin schon sehr kleinen Gruppe nicht mehr viel übrig.

    Emile zählte nicht. Er hatte seinen Schild aufgesammelt und überblickte das Schlachtfeld. Seinen Helm hatte er abgesetzt und sein Blick spiegelte nun blanken Wahnsinn wieder.

    „Wir müssen sie alle töten. Tötet sie alle! Tötet sie alle!“, murmelte er.
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    Kill ´em all / Im Turm des Zirkels Teil 8
    Selbes Bild wie Teil 1

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    „Der Turm wird brennen“, sagte Emile monoton und marschierte ohne ein weiteres Wort und noch immer paralysiert vor sich hinstarrend an mir und all den anderen Templern vorbei, Richtung Ausgang.
    Nicht noch eine! Bitte nicht noch eine von Hass befeuerte, blutgetränkte Schlacht in Mauern dieses einst so friedlichen Turmes!

    Ich war noch immer erschüttert, eine ungeahnte Bosheit hatte diesen Ort befallen. Ich spürte ihre Last auf meinen Schultern, während ich langsam wieder zu mir kam. Die Spuren des Angriffs waren beinahe verflogen, wenngleich mir bei meinen ersten wackeligen Schritten leichte Übelkeit hochstieg. Ich blickte mich um. Ein paar der Templer saßen erschöpft auf dem Boden, andere begutachteten noch die Überbleibsel des Kampfes. Wieder einige knieten auf dem nackten Stein, die Hände gefaltet und zum Erbauer betend. Die vom Bann der Magierin eingefrorenen Männer hatten zwar ihre Bewegungsfreiheit wiedererlangt, schienen aber nach wie vor von einer unfassbaren Kälte geschüttelt zu werden. Alles in allem hatten wir genug vom Kampf gesehen.

    Wo ist Emile?“, fragte ich einen desillusioniert dreinblickenden Bruder. Er schaute in Richtung Tür und schüttelte den Kopf. Keiner der Männer sammelte sich oder bereitete sich vor. Ebenso machte keiner auch nur Anstalten sich mir anzuschließen, als ich leicht wankend auf den Türbogen zusteuerte.
    Ich betrat den Gang. Direkt vor meinen Füßen lag noch immer der Templer, der den Raum mit den Blutmagiern als erstes betreten hatte. Die Wucht des magischen Wurfes hatte ihm wohl den Rücken gebrochen, denn sein behelmter Kopf hing schlaff auf seine Brust hinunter und Fäden frischen Blutes zogen sich von der Eisenkante seines Helmes bis zum Boden. Traurig schüttelte ich den Kopf, was ich lieber hätte bleiben lassen, denn sofort erfasste mich eine erneute Welle der Übelkeit. Ich schaute nach Links, der Gang zog sich weit in die Länge. An den Wänden waren überall diese grauenvollen Blutranken, sodass ich es vermied mich dort abzustützen. Recht weit am Ende des Ganges erkannte ich eine Gestalt. Ich wanderte schweren Schrittes los.

    Mein Verdacht, der von vornherein bestand, bewahrheitete sich. Es war Emile, der gegen eine Tür gedrückt lauschte. Er nahm kaum Notiz von mir und erst als ich wenige Schritte vor ihm stand flüsterte er: „Hier hinter sind weitere Maleficare. Wo sind unsere Männer?“
    Ich deutete mit dem Daumen auf das Zimmer am Anfang des Ganges.
    Dann muss es eben so gehen. Ihr habt euer Können und Geschick schon hinreichend unter Beweis gestellt. Seid ihr bereit?“

    Emile wartete nicht auf meine Antwort. Mit einem schweren Tritt öffnete er die Tür, die krachend aus den Angeln sprang und laut scheppernd zu Boden schlug. Emile packte seine Silberklinge und stürmte in den Raum. Ich folgte ihm, wenngleich weniger angriffslustig.

    Als die Tür aufdonnerte hörte ich ein entsetztes Kreischen aus dem Inneren des Raumes. Jetzt sah ich, woher es stammte. Die Magier, ich zählte zwölf, die sich hier versammelt hatten waren allesamt verängstigt und wirkten keinesfalls bedrohlich. Ich erkannte fünf Kinder, noch nicht einmal alt genug um auch nur an die Läuterung denken zu müssen, das Ritual in dem jeder Magier früher oder später beweisen muss, dass er der Beeinflussung eines Dämons im Nichts wiederstehen kann. Sie bildeten einen kleinen Kreis und wurden von drei älteren Magiern abgeschirmt. Der Rest der sich fürchtenden Gruppe waren Magier mittleren Alters. Erleichterung breitete sich auf ihren Gesichtern aus, als sie die Insignie der Templer auf unseren Harnischen erkannten. Ich ließ mein Schwert zurück in die Scheide gleiten und hob meine nun freie Hand zum Zeichen, dass keine Gefahr drohte.

    Die Magier die uns am nächsten waren erhoben sich auf ihrer kauernden Haltung und grüßten.
    Was für eine Freude euch zu sehen, Mylords! Ich dachte schon, wir seien die einzigen Überlebenden hier“, sagte ein Magier in makelloser grüner Robe und kam mir geöffnet einladenden Armen auf uns zu.
    „Ihr habt Glück, nicht viele Räume von diesem Entfernt trieben Blutmagier ihr Unheil“, antwortete ich. Auch die anderen Magier kamen nun auf uns zu. Ihre Augen weiteten sich erschreckt, als sie die Neuigkeit erfuhren.
    Blutmagier? Hier? Im Zirkel? Das ist doch unmöglich!“, sagte eine der älteren Magierinnen, hinter deren ausladendem Rock sich zwei der Kinder drückten und scheu aus der Deckung spähten.
    „Doch, es ist die Wahrheit. Wir verloren viele gute Männer, als wir sie bekämpfen. Mein Leutnant hier…“, begann ich und deutete auf Emile, der wie ich nun sah noch immer in Angriffshaltung war. Sein Schwert fest umpackt und das Visier geschlossen stand er reglos etwa einen Schritt von dem Magier in der grünen Robe entfernt. Ich stockte. Der Grünrobenträger nickte Emile grüßend zu, wandte sich dann wieder an mich und sagte:
    Das ist eine traurige Nachricht, die ihr hier verkündet. Doch kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, das Magier unserer Zirkels sich wirklich der verbotenen Schule der…“
    Der Schwall Blutes, der aus seiner aufgerissenen Kehle schoss unterbracht sein Gerede. Gurgelnd ging er zu Boden, beide Hände an den Hals gepresst.
    Natürlich könnt ihr das nicht, Blutmagier! Warum solltet ihr auch den Verdacht auf euch und eures gleich ziehen?“, schrie Emile den sterbenden Magier an. Seine Stimme überschlug sich förmlich, war angereichert mit Hass, Aggression und Blutgier.

    Kein Templer, kein Magier, kein unschuldiger Bürger wird je wieder eurer verderbten Zauberkunst zum Opfer fallen!“, brüllte er vom Wahnsinn überwältigt und streckte eine Magierin, vor Schock wie angewurzelt neben dem nun toten Magier stand, mit zwei grausamen Schwerthieben nieder.
    Eine weitere Magierin schrie in Panik, drehte sich um und wollte in die hintere Ecke des Turmes laufen, doch Emile machte einen kräftigen Satz, lies sein Schwert kreisen und schlug ihr mit einem einzigen Streich den Kopf von den Schultern.

    Ich war wie gelähmt, überfallen von Verweigerung dessen, was sich hier abspielte und gleichermaßen Empörung. Noch ehe ich irgendetwas machen konnte hatte Emile den halben Raum durchquert und einen weiteren Magier, der über seine eigene Robe gestolpert und vor Emile Füßen gelandet war, durchbohrt. Die Kinder weinten vor Angst und Schrecken, während die Älteren sich schützend vor sie stellten.
    Emile war nun ein etwa 15 Schritte von mir und der Gruppe erschrockener Magier entfernt, die mich nun mit einer Mischung aus Furcht und Verzweiflung ansahen. Langsam zog ich meine Klinge. Emile stand in der Mitte des Raumes und sah zu, wie ich mir direkt vor die nun auf Knien kauernden Magier stellte. Dann drehte ich mich um und schaute in den nachtschwarzen Spalt, der seinem Vollvisier als Blickfeld diente.
    Was ist los, Ritter? Streckt die Blutmagier nieder!“, rief er mir entgegen und gestikulierte mit seinem blutgetränkten Schwert in Richtung des wimmernden Haufens.
    Ich ließ ihn nicht aus den Augen, fixierte ihn und beobachtete jede seiner Bewegungen.
    Nein“, verweigerte ich.
    Wie bitte?“
    „Nein!“
    „Ihr dreckiger Verräter! Ihr habt doch gesehen, welch schreckliche Taten die Blutmagier vollbracht haben. Wollt ihr wirklich, dass sich diese böse Macht in die Welt ergießt“
    „Und ihr, Sire? Ist das hier der richtige Weg? Das Töten von unbewaffneten Unschuldigen kann nicht die einzige Lösung sein!“

    „Es sind Magier. Sie sind wie tollwütige Tiere. Man kann sie nicht mehr zähmen. Entweder ihr seid für mich, oder ihr seid gegen mich!“
    „Dann bin ich gegen euch“
    , antwortete ich entschlossen.
    „Dann sterbt ihr! Dann sterbt ihr eben alle!“, rief Emile voller Wut, schleuderte mir seinen Schild entgegen und stürmte, das Schwert über seinem Kopf erhoben, auf mich zu.

    So endet es also. Bruder gegen Bruder. Ich bereitete mich vor, atmete tief ein, stemmte den linken Fuß nach Vorne um einen guten Halt zu finden. Den rechten Fuß stellte ich weit hinten ab, lehnte meinen Oberkörper nach vorne und deckte ihn, ebenso wie die untere Gesichtshälfte mit meinem Eichenschild. Das Schwert gesenkt, bereit es in einem Zug hinaufzuführen. Die Zeit schien nicht mehr zu existieren. Wie in einem surrealen Traum sah ich die in Silber gewandte Gestalt auf mich zuhechten, ich wusste jetzt zählte nur noch Er oder wir alle.

    Etwas zischte an mir vorbei. Geradlinig und hell. Emile war noch einige Schritte von mir entfernte, doch verlangsamte er seinen Lauf. Ein zweites Zischen, wieder ein rasendes Objekt. Jetzt erkannte ich es. Pfeile. Weißgefiederte Pfeile aus ebenso weißem Holz. Sie durchschnitten die Luft atemberaubend schnell und bohrten sich unter leisem, dumpfen Aufprallen in Emiles Körper, dessen Lauf nun zu einem, man möchte beinahe sagen, Schlendern abgeklungen war. Der erste Pfeil traf ihn direkt in die linke Schulter, an einer der wenigen Stellen, die nur durch Ketten gepanzert war. Der zweite Pfeil bohrte sich in Emiles Unterbauch. Dieser lies sein Schwert sinken, kurz bevor ein drittes Geschoss seinen rechten Oberschenkel durchschlug. Er tat noch zwei Schritte in meine Richtung, dann sackte er auf die Knie und verblieb schwer atmend in dieser Position.

    Ich drehte mich nach dem Schützen. Mein Erstaunen über die Gruppe, die sich mir nun nährte, war unermesslich. Angeführt wurden sie von einer Elfin. Einen Moment dachte ich, es sei Eliza, aber dieser Gedanke verschwand ebenso schnell wie er gekommen war. Sie war auch die Schützin. Begleitet wurde sie von einem jungen Mann in leichter Rüstung, wie sie von den normalen Fußsoldaten der meisten Lord benutzt wurde. Direkt daneben wandelte eine Magierin, in roter Robe die mit ihren weißen, streng nach hinten gebundenen Haaren korrespondierte. In einiger Entfernung dahinter stand ein Mann. Viel eher ein Riese. Es musste einer dieser Qunari sein. Er trug einen merkwürdig spitzen Helm, der sein Gesicht teilweise verbarg. Sein offengelegter Hals und sie riesigen Hände jedoch schimmerten beim Näherkommen bronzefarben.

    Die Elfe schwebte förmlich auf mich zu. Sie sah zu Emile, der noch immer ausdruckslos und nur ein paar Schritte von uns entfernt kniete. Sie zog einen weiteren dieser hellen Pfeile aus ihrem Köcher und legte ihn auf die Sehne ihres ästhetischen Bogens. Ihre Waffe war vermutlich aus demselben Holz geschnitzt, wie ihre Pfeile. Er war sehr lang, aber im Gegensatz zu normalen Bögen, die man in der Mitte anfasste, ruhte ihre Hand am oberen Ende des ersten Drittels des Bogens. Die anderen zwei Drittel des abnormal elastischen wirkenden Holzes liefen nach Oben aus. Sie spannte den Bogen, ohne Emile ihren Körper zuzuwenden, sondern beinahe nebensächlich. Als sie die Sehne bis etwa zum Ellenbogen gezogen hatte ließ sie den Pfeil fliegen. Trotz der gering gespannten Sehne trag der Pfeil mit ungeahnter Wucht sein Ziel, Emile Hals, an der Stelle, wo Helm und Brustpanzer einen kleinen Spalt freilassen.

    Das weiße Holz, das nun nur noch zur Hälfte zu sehen war färbte sich rot. Emiles toter Körper verlor zwar die Spannung, behielt die kniende Position aber bei und gab so ein groteskes Bild einer mit Pfeilen gespickten silbernen Rüstung ab, aus deren Eintrittslöchern fast unmerklich Blut sickerte. Emile du Chateau, der Dämonenjäger, war tot.

    Ich wusste nicht, was ich von den Fremden halten sollte, doch offensichtlich schienen sie nicht auf einen Kampf mit mir aus zu sein. Demonstrativ steckte ich mein Schwert weg und warf mir meinen Schild auf den Rücken. Während die Gefährten näherkamen musterte ich sie genau.

    Die Anführerin war, wie gesagt, eine Elfe. Sie hatte ein wunderschönes Gesicht mit hohen Wangenknochen, einer spitzen, geraden Nase und geschwungenen Lippen, zart wie Rosenblüten. Ihr geöffneter Mund offenbarte eine Reihe schneeweißer Zähne, die unnatürlich lang waren. Auch ihre Haut war von sehr hellem Ton, doch wurde sie durchzogen von schwarzen, eintätowierten Linien, die sowohl in ihrem Gesicht, als auch an ihrem Hals und den Armen, bis zu den Handflächen kunstvolle Ornamente und elfische Muster bildeten. Jedoch waren sie sehr fein und überaus elegant, nicht wie die tumben Tätowierungen der Chaisend oder die der ausgestoßenen Zwerge.
    Ihre langen, dicken blonden Haare hatte sie teilweise zu feinen Zöpfen geflochten, die dann zusammen mit dem Großteil unbearbeiteter Haare in einem langen Pferdeschwanz endeten.

    All dies lies darauf schließen, dass sie eine Dalishkriegerin war. Ich hatte schon viel von dem Volk der Dalish gelesen. Ihre Legenden und Geschichten waren mit stets die liebsten gewesen. Doch abgesehen von ihrem Bogen fremder Machart erinnerte ihre Ausrüstung nicht an das, was ich über die Dalish gehört hatte. Sie trug eine schwarze Lederrüstung, die teils mit Eisennieten verstärkt worden war. Darunter meinte ich ein leichtes, zwergisches Kettenhemd erkannt zu haben. Ihre langen Beine steckten in Kampfstutzen, die ebenso wie die Lederrüstung schwarz und ohne nennenswerte Verzierung waren, und bei den Knien endeten. Ihre Oberschenkel waren ungepanzert, nur Kettenspitzen waren leicht zu erkennen. Dafür prangten geschwungene Tätowierungen auf der nackten Haut. Ihre Arme waren ebenfalls unbekleidet, aber mit einzelnen, unverbunden Rüstungsteilen geschützt. Da sie einen Bogen führte vermutete ich, dass sie sich so größtmögliche Bewegungsfreiheit versprach. Auch die helle Haut ihrer Arme war auf Innen-, wie auch auf Außenseiten mit feinen Schnörkeln und geschwungenen Symbolen verziert.
    Auf dem Rücken trug sie den Köcher mit den weißen Pfeilen, quer darunter eine braune Lederschwertscheide, aus deren Öffnung ein leichter roter Schimmer zu erkennen war. Ebenfalls über den Rücken geworfen hatte sie einen Ritterschild, der so gar nicht zu dem Rest ihrer Ausrüstung passte.

    Ihre Gefährten waren nicht minder fehl an Platz, abgesehen von der Magierin, die ich mit dem Namen Wynne in Verbindung brachte. Sie war eine der Oberverzauberinnen im Turm gewesen und wie Uldred hatte sie ebenfalls bei Ostagar unter König Cailan gedient. Sie lächelte mir ermunternd zu.
    Am meisten beeindruckte mich der Riese, der einen langen Speer dessen Spitze glatt ein Dolch hätte sein können trug und dazu einen riesigen, klobig wirkenden Rundschild auf dessen Vorderseite in sich verschlungene Muster zu sehen waren.

    Obwohl ich nicht daran zweifelte, dass mir diese Fremden freundlich gesonnen waren, fragte ich zögernd: „Wer seid ihr? Ihr tragt weder die Uniform der Templer, noch seid ihr allesamt Magier“
    „Oh, so offensichtlich? Was hat mich verraten?“,
    scherzte der junge Mann, bei dem ich eine Aura der Vertrautheit spürte. Ich meinte sein Gesicht schon einmal gesehen zu haben, wenngleich ich es mit der Templerausbildung in Verbindung brachte.
    Keine Sorge, Ser Templer, es sind Freunde“, beruhigte mich Wynne.
    Ich kenne euch, ihr seid Wynne, stimmt´s Mylady?“
    „Ja, das stimmt. Schön, dass ihr euch erinnert. Und danke, dass ihr diese Magier beschützt habt“

    Die erwähnten Magier hatten sich in Zwischenzeit besonnen und erkannt, dass die Gefahr vorbei war. Sie dankten mir, wussten aber gleichzeitig nicht wohin. Ich beobachtete, wie die Gefährten von Wynne das Zimmer untersuchten. Dabei fiel mir das Wappen des Schlosses Redcliff aus, das auf dem Schild der Elfin prangte. Ich deutete auf ihren Schild und sagte:
    Was machen die Soldaten von Arl Eamon hier im Turm des Zirkels?“
    Die Elfin kam zu mir, ebenso wie der junge Krieger. Der Riese hingegen blieb in einigem Abstand stehen und beäugte die Magiergruppe misstrauisch.
    Wir sind keine Soldaten des Arls“, sagte die Elfin, die nun direkt vor mir stand. Ihre Stimme war honigsüß und wirkte in diesem Albtraum völlig entgegengesetzt. Jetzt aus der Nähe fiel mir auf, dass ihre unglaublich großen Augen verschiedene Farben hatten. Ihr rechtes Auge war von blassem Grün, wie die Farbe eines Smaragdes. Ihr linkes Auge jedoch war von intensivem, fast stechendem Dunkelblau gleich der reinsten Lyriumader. Es war schwer in beide Augen gleichzeitig zu schauen oder sich überhaupt auf eines zu konzentrieren.

    Ich bin ein Graue Wächter und auf der Suche nach Magiern des Zirkels“, fuhr sie fort.
    Mein Name ist E´Lara, dies ist Alistair, ebenfalls ein Grauer Wächter. Der schweigsame Qunari dort ist Sten der Beresaad. Die Magierin Wynne kennt ihr ja bereits“
    „Wenn ihr den Zirkel der Magie sucht, dann kommt ihr zu spät. Der Zirkel ist vernichtet, der Turm gefallen“

    Wynne protestierte: „Unsinn! Es ist nie zu spät. Wir suchen Uldred, er soll die Blutmagier anführen, die das alles hier zu verschulden haben“
    Ich nickte.
    Ja, Uldred ist der Urheber dieses Unheils. Mein Leutnant und eine Gruppe Templer waren ebenfalls auf der Suche nach ihm. Wir bezogen auch bei einer magischen Barriere Posten, die nahe der Bibliothek errichtet wurde“
    Wynne schmunzelte und kiecherte: „Ja, die Barriere war mein Werk. Ich musste sie fallen lassen um mit dem Wächter und seinen Gefährten in den Turm einzudringen. Keine Sorge, allen Templer die dort stationiert waren, geht es gut. Sie beschützen nun die jungen Magier nahe der Schülerquartiere. Wir haben uns schon gewundert, dass wir auf unserem Weg hier hinauf auf so wenig Widerstand durch die Dämonen trafen. Dafür danke ich euch“
    Ich verbeugte mich leicht.
    Wohin führt euch euer Weg nun?“, fragte ich.
    Weiter nach Oben. Wir müssen zur… wie sagtet ihr heißt dieser Ort? Die Kammer der Läuterung“, antwortete E´Lara.

    Ja, er könnte dort sein“, dachte ich laut nach. Ich wusste nicht, was jetzt zu tun war. Die Barriere bei der Bibliothek war gefallen und Emile war tot. Ich musste die Templer hier oben neu formieren und diese Fremden unterstützen. Vielleicht schafften sie ja das Unmögliche und beendeten den Albtraum ein für alle Male. Ich hatte schon Geschichten von den Wächtern gehört. Legendäre Krieger und nahezu unbesiegbar. Ich wog meine Optionen ab.

    Dann unterbreitete ich meinen Plan.
    Shepard Commander is offline Last edited by Shepard Commander; 17.06.2014 at 19:18.
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    Kill ´em all / Im Turm des Zirkels Teil 9
    Selbes Bild wie Teil 1

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    Die hübsche Elfin mit dem wohlklingenden Namen E´Lara kam herüber, ebenso wie ihre Begleiter. Ich hatte ihnen zugewinkt und begann nun ruhig meinen eben erdachten Plan vorzustellen. Die Strategie war ebenso effizient wie einfach. Ich wollte Uldred und seine Schergen den Turm hinauftreiben. Aufgeteilt in zwei Gruppen, einmal die des Grauen Wächters und die meine, bestehend aus den übrig gebliebenen Templern, mussten wir Stockwerk für Stockwerk untersuchen. Wenn Uldred sich wirklich in der Kammer der Läuterung, fast die Spitze des Turmes, aufhielt dann würden wir ihn dort festnageln und letztlich vernichten können.

    Ich nahm Emiles Leiche die Pergamentkarte ab, umsichtig darauf achtend ihn nicht mehr zu berühren als nötig. Während ich mich langsam genährt hatte, befürchtete ich bei jedem Schritt, Emile würde plötzlich zu neuem Leben erwachen und unaufhaltsam auf mich zustürmen. Als ich die Karte aus seiner Tasche fummelte überkam mich ein seltsames Gefühl der Zerrissenheit und der Furcht. Schnell zog ich meine Hand zurück und entfernte mich rasch aus dieser kranken Aura des Todes.
    Dann breitete ich die Karte auf einem niedrigen Holzpult aus, strich sie glatt und fuhr fort meinen Plan zu erläutern. Ich zeigte den Weg auf, den wir gemeinsam beschreiten und an welchem Punkt sich unsere Wege trennen würde.

    E´Laras verschiedenfarbige Augen wanderten abschätzend über meine Route. Dann tippte sie mit einem langen, schlanken Finger auf den Ort, wo ich plante die Gruppen nicht mehr gebündelt zu lassen.
    Wieso wollt ihr sie hier trennen?“, fragte sie skeptisch. Ich deutete auf einen Seitenweg, der nur schemenhaft angezeichnet worden war. Ein Leser dieser Karte der nicht von dem zwischen der Außen- und einer Zwischenmauer verlaufenden Gang wusste hätte diese Stelle ohne weiteres für einen Federausrutscher halten können.
    Dies ist ein Geheimgang. Im Turm gibt es einige verborgene Flure und sich verschiebende Steine, wenn man nur weiß wo. Dies ist ein magischer Ort, Mylady“
    „Das mag schon sein, Ser Templer. Es beantwortet meine Frage jedoch nicht zur Gänze. Welchen Grund hätten wir, unsere Truppenstärke an diesem Punkt zu entzweien?“
    „Mylady, bitte sehr her. Dieser Gang führt bis kurz vor die Kammer der Läuterung. Von dort führt nur eine Treppe hinauf in den Raum, wo das Ritual stets abgehalten wird. Wenn Uldred nun von unserem Vordringen erführe, so würde er doch sicherlich die Flucht wagen. Seine Macht kann niemals gewaltig genug sein, um es mit einer ganzen Schar Krieger aufzunehmen. Uldred kennt jedoch sämtliche Gänge des Turmes und so müssen wir ihm dort…“,
    ich tippte auf einen großen, rechteckigen Raum der von einer Zwischenmauer getrennt wurde: „…oder dort aufhalten“. Ich tippte auf einen nur zu erahnenden Durchgang in der soliden Mauer des Turmes.
    „Und für den Fall, dass er nicht entflieht, so treffen wir uns am Treppenaufgang wieder. Dann können wir die Kammer gemeinsam betreten und dieser Schreckenszeit endlich ein Ende setzten“
    E´ Lara nickte verständnisvoll. Dann deutete sie auf den großen, skizzierten Raum.
    Was ist dort?“, fragte sie neugierig. „Wieso ist der Raum so groß?“
    „Ich glaube, das kann ich euch besser erklären, meine Liebe“, setzte Wynne an und begann von dem Zweck des Raumes als Versammlungsort und zu Festlichkeiten zu schwärmen.

    Mit E´Laras Einverständnis ihre Gruppe mit der meinen Zusammenzuschließen machte ich mich auf den Weg den Korridor entlang Richtung Eingangshalle. Ich hoffte, dass meine Brüder sich noch immer von dem Kampf gegen die Blutmagier erholten. Zu meinem großen Glück waren sie tatsächlich noch immer in dem Raum, in dem Emile und ich sie zurückgelassen hatten. Als ich eintrat richteten sich alle Blicke auf mich. Sie fragten nach Emile, was ich mit einem Kopfschütteln zu beantworten suchte. Enttäuschte und traurige Blicke waren die Reaktion. Ich konnte ihre Gefühle durchaus verstehen. Für diese Männer war Emile ein Held gewesen, ein leuchtendes Vorbild der Templerideale. Auch für mich wäre er es vielleicht gewesen, hätte ich nicht mit eigenen Augen seinen Wahnsinn erkennen müssen.

    Da ich der letzte lebende Templer gewesen sein musste, den Emile sah übertrugen meine Brüder stillschweigend mir die Entscheidungsfreiheit. Erwartungsvoll standen sie nun vor mir, bereit Emile zu rächen oder zur schimmernden Barriere im untersten Stock zurückzukehren. Es hatte keinen Sinn nicht ehrlich mit ihnen zu sein. Also erzählte ich von dem Grauen Wächter und seiner Gruppe, verschwieg allerdings dass es eben jener grauer Wächter gewesen war, der ihren Leutnant getötet hatte. Auch meinen Brüdern brachte ich meinen Plan vor, den sie vertrauensvoll absegneten. So wappneten wir uns mit Schwert und Schild, Axt und Hammer auf dass wir einen letzten Angriff wagten.

    Nach kurzem Marsch erreichten wir die Gruppe des Wächters und gemeinsam schritten wir der leicht ansteigenden Dunkelheit entgegen. Einige meiner Brüder grüßten Wynne bei ihrem Eintreffen und eine merkliche Erleichterung machte sich in ihnen breit. Scheinbar brachten jene, die sie kannten ihr großes Vertrauen entgegen. Mit neuem Mut resultierend durch unsere ungewöhnlichen Verbündeten traten wir den langen Weg gen Himmel an. Stockwerk um Stockwerk erklommen wir, allerdings ohne jegliche Spur von überlebenden Magiern, Dämonen oder sonstigen Wesen. Alles schien wie ausgestorben. Die Männer wurden langsam ungeduldig und ihre Vorsicht wich der Routine. Sie beäugten den riesigen, noch immer schweigsamen Qunari voller Besorgnis und flüsterten hinter seinem Rücken von den grauenvollen Geschichten, die man sich von seinem Volk erzählte. Sein Gehör schien für überdurchschnittlich genau, denn bei manchen Worten grunzte er abwertend, während bei anderen Schauermärchen ein belustigtes Schnauben von ihm zu hören war.

    Keine Sorge, Sten ist im Prinzip harmlos. Ich meine, bei unserem Treffen saß er in einem Käfig, weil er mit bloßen Händen eine ganze Familie umgebracht hatte, aber…“, plapperte der Graue Wächter namens Alistair. Auf meinen erschrockenen Blick erwiderte er hastig:
    Aber er schämt sich dafür und wenn man ihn besser kennen lernt, weiß man dass seine Reue ehrlich gemeint ist“
    Ich wusste nicht, ob mich das sonderlich beruhigte. Von Dämonen erwartete man derartige Scheußlichkeiten, aber von einem menschenähnlichen Wesen… es war mir schon immer schwer vorzustellen, wie man als Soldat oder als Söldner gut kämpfen sollte, kannte man doch die Beweggründe seines Gegenüber meist gar nicht. Bei Dämonen war es einfach, sie wurden durch die einfache Gier nach Blut und einer blanken, hasserfüllten Raserei getrieben. Ihre Vernichtung war somit zum Wohle aller und absolut unabdingbar. Aber mit Menschen, Elfen und Zwergen konnte man doch reden. Man konnte Kompromisse finden und nicht jedwede Streitigkeit mit dem Schwert klären. Ich schüttelte den Kopf.
    „Was denkt ihr? Wieso schüttelt ihr euren Kopf? Glaubt ihr mir etwa nicht?“, fragte der Blondschopf.
    Doch, natürlich glaube ich euch, Wächter. Ich dachte nur gerade daran, dass ich froh sein kann nie in die Politik gehen zu müssen“
    „Ha! Das könnt ihr laut sagen, ein Albtraum wäre das…“,
    lachte Alistair mit einem Hauch Ironie in der Stimme.
    Darf ich euch etwas fragen? Ihr wart einst ein Templer, oder?“, fragte ich verhalten. Alistairs Aura kam mir gleich bekannt vor, spürte ich sie doch bei allen Templern. Es war die Art, wie das Herz eines Templers schlägt. Wie er atmet. Wie er die Welt um sich herum wahrnimmt.
    Erstaunt und gleichzeitig beschämt sah er mich an. Dann räusperte er sich und gab verlegen zu: „Ja, ich war ein Templer in der Tat. Aber das ist lange her. Woher wisst ihr das?“
    „Nun zu allererst spürt man es einfach. Dann noch eure Kurzhaarfrisur. Alle Templer tragen diesen Schnitt während ihrer Ausbildung. Und wenn das nicht Zeichen genug ist, dann ist da ja noch immer euer Eschenschild mit der Sonne Andrastes, Mylord“
    „Mylord? Beim Erbauer, nennt mich bloß nicht so!“
    , platze es entsetzt aus Alistair heraus. Sofort entschuldigte ich mich, wollte ich einen grauen Wächter, ganz gleich was er früher einst war, den nötigen Respekt entgegen bringen.
    „Wenn ich euch dann auf etwas fragen darf, gefällt euch euer Leben als Templer?“
    Ich überlegte. Ich hatte mir diese Frage oft gestellt, doch kam ich nie zu einer Antwort. Ich kannte kein anderes Leben, woher sollte ich wissen, ob es mir anders vielleicht besser gefiele. Also sah ich Alistair an und sagte: „Also im Grunde genommen schon. Ich wüsste nicht, was dagegen spräche“

    Mein Blick wanderte über die voranschreitende Gemeinschaft und blieb an E´Lara hängen. Als ich merkte, wie versunken ich war, riss ich mich von ihrem feengleichen Körper, dessen Gang dennoch ungeheure Autorität ausstrahle los. Alistair, der mich die ganze Zeit im Auge gehabt hatte lächelte breit.

    „Verstehe“, schmunzelte er. „Jemand wie sie könnte euch vielleicht eine andere Antwort entlocken, was?“
    „Jemand wie sie? Beim gütigen Erbauer! Eine Dalish im Dienste der Grauen Wächter? Tödlich und kühl? Ich glaube kaum, dass eine Dame wie sie mir ein anderes Leben bieten könnte, als ich es ohnehin schon führe. Vielleicht eine andere. Eine, die mich zuhause braucht, mir Essen kocht und mich als Mann braucht. Vielleicht eine Elfe, die…“
    , ich hatte den Satz begonnen und meinen Gedanken freien Lauf gelassen. Doch nun stockte ich, entschuldigte mich erneut und schwieg betreten.

    Alistair war dennoch amüsiert. Er klopfte mir freundschaftlich auf die Schulter und sagte fröhlich: „Kein Grund sich zu schämen, Freund! Ich sah, wie sie sich nur mit einem abgebrochenen Dolch bewaffnet auf einem Hurlock-Alpha stürzte, ihn zu Boden warf und den Kopf abtrennte. Wenn das einem Mann nicht das Herz schmelzen lässt, dann weiß ich auch nicht weiter!“

    Alistair war ein guter und freundlicher Mann. Er wäre bestimmt ein guter Bruder geworden.

    Wir erreichten nun den Ort, an dem sich unsere Wege trennen sollten. E´Lara, die bei dem Marsch die ganze Zeit die Gruppen geführt hatte kam nun zu mir und fragte: „Wir sind da. Wie sieht euer Plan jetzt aus, Ser Templer?“ Wieder konnte ich nicht umhin die harmonischen Schwingungen, von E´Laras Stimme zu genießen. Elfen. Perfekte Wesen.

    „Ich… wir… wir werden uns nun hier aufteilen. Meine Gruppe geht den einen Weg, eure den anderen“
    Verwirrt sah E´Lara mich an. Dann zuckte sie mit den Schultern, schüttelte leicht ihren Kopf, was ihre wunderbare blonde Mähne dazu veranlasste zarte Strähnen in ihr bildschönes Gesicht zu werfen und sagte langsam: „Richtig. Das ist der Plan. Also, wo sollen wir hin? Wohin werdet ihr eure Truppen lenken?“
    Ich fasste mich und erwiderte um den Schein der Führerschaft zu wahren: „Ihr werdet diesen Pfad nehmen, zwischen Mauer und Mauer. Er ist ungefährlicher“
    Beleidigt öffnete E´Lara den Mund, doch Wynne schaltete sich rasch ein: „Sire, es ist nicht nötig und einen Vorzug zu bieten. Wir sind durchaus in der Lage uns zu verteidigen. Die Grauen Wächter rekrutieren keine Narren oder einfachen Bauern. Außerdem befürchte ich, passt unser lieber Sten hier gar nicht in den Geheimgang“

    Da hatte sie wohl Recht. Auch wenn es mir nicht gefiel, so bejahte ich Wynnes Vorschlag, sie mögen doch den Weg durch die Gemächer des Turmes meistern.
    Für den Weg wünschten wir einander viel Erfolg und den Segen des Erbauers, den sowohl Wynne als auch Alistair demütig annahmen, während Sten sich missmutig wegdrehte und E´Lara mit einer Mischung aus Verweigerung und Belustigung dreinblickte.

    Achtet auf die Fallen der Dämonen. Hört ihnen niemals zu und lasst euch nie von ihnen täuschen. Es sind garstige Wesen ohne Mitleid oder Herz. Wenn ihr euch ihnen hingebt, so seid ihr verloren“, rat ich ihnen.Sie nickten zum Zeichen, dass sie verstanden hatten, drehten uns ihre Rücken zu und verschwanden kurz hinter dem Türrahmen, den sie durchquerten um ihren Weg anzutreten. Ich seufzte, wandte mich dem schmalen Spalt, kaum breit genug als dass ein Templer in Rüstung schräg versetzt hindurch passte und begann hineinzutreten.

    Die ersten Schritte waren einfach, war noch einigermaßen Luft und die Seitenwände ausladend genug. Doch je tiefer ich in die mich nun vollkommen umschlingende Dunkelheit kroch, desto enger wurde der steinerne Gang. Ich weiß nicht, wie hoch es nach oben hinaus ging, vielleicht hatte auch der Gang so hohe Decken, wie die Räume im Turm. Vielleicht endete sie aber auch knapp über meinem Kopf. Mich umgab beinahe vollkommene Finsternis. Nur ganz leichte Schemen ließen erahnen, wo meine Brüder sich befanden, zumindest die ersten beiden hinter mir. Es waren eher schwarze Schatten, die sich gegen das dunkel der Enge abhoben. Doch über und unter mir befand sich nur Dunkelheit.

    Der Gang erreichte nun eine Enge, die es mir unmöglich machte meine Füße überhaupt noch nebeneinander zustellen. So war ich gezwungen mich seitlich zu positionieren, meinen Schild ebenfalls seitlich von mir gestreckt. So tastete ich mich mit einem Fuß voran, bevor ich den zweiten nachzog. Die Luft hier war modrig und ekelerregend feucht und die nachtschwarze Düsternis machte diese Art der Fortbewegung zu einer zeitverzerrenden und kräfteraubenden Arbeit. Nach einer gefühlten Ewigkeit befürchtete ich, stecken zu bleiben, denn mein Harnisch kratze bedrohlich an dem nun eng gepressten Gemäuer. Doch ich ließ nicht locker und unter fürchterlichem Knirschen schob ich mich hindurch. Nach mir kratzte es noch einige Male, dann war meine Gruppe durch diesen Engpass hindurch und wir setzten unseren Weg fort. Ich hoffte nicht noch einmal eine derartige Engstelle passieren zu müssen oder schlimmer noch, eine Stelle finden zu finden, die uns zur Rückkehr und E´Lara und ihre Gefährten somit zum einsamen Kampf gegen Uldred zwingen würde. Doch dann wurde unser Durchhaltevermögen belohnt. Am Ende dämmerte uns ein wenig Licht entgegen. Mit diesem Ziel vor Augen schoben wir uns nun enthusiastischer voran. Kurze Zeit später atmeten wir endlich wieder die altbekannte Luft des Turmes.

    Was mich allerdings sofort nachdem wir dem schmalen Spalt entklettert waren sofort erschrak war der Anblick, der sich uns nun bot. Vor uns war eine seltsam hellscheinene Sphäre, ähnlich der Barriere und definitiv magischen Ursprungs. Sie ersteckte sich vom Boden bis an die Decke. Direkt daneben befanden sich die breiten, eisenbeschlagenen Treppenstufen, die zur Kammer der Läuterung führten. Zur Linken der Treppe erstreckte sich massives Mauerwerk in das eine einzelne Schießscharte und eine kleine, gedrungene Holztür eingelassen waren. Hinter der hellen Spähre stapelten sich verbrannte und aufgedunsene Körper. An manchen von ihnen erkannte ich Spuren von Templerbekleidung. Ich schauerte. Was jedoch noch grauenvoller war, war die Tatsache dass zwischen diesen ganzen Leichen und mit gesenktem Kopf ein junger Templer kniete. Ich trat an sein Gefängnis heran und erkannte den Mann. Sein Name war Cullen und er hatte erst vor kurzem seine Templerausbildung beendet.

    Cullen!“, rief ich. „Cullen!“ Doch er antwortete nicht. Leise winselnd betete er zu Andraste und dem Erbauer. Verzweifelt wandte ich mich an meine Brüder, von denen einige noch immer auf dem pechschwarzen Spalt krabbelten. Doch keiner von ihnen schien auch nur im Entferntesten zu wissen, worum es sich bei diesem Käfig handelte oder wie man ihn öffnen konnte.

    Cullen!“, rief ich erneut und diesmal vernahm er meine Stimme offenbar. Er schaute auf, sein Blick verriet mir, dass er sehr gelitten haben musste. Als er uns sah faselte er wirr vor sich her, dass alle Templer tot sein und die Visionen ihn nicht mehr plagen sollten. Da keiner von uns eine Idee hatte, wie wir den Käfig bannen sollten schauten wir uns nach E´Lara und ihrer Gruppe um. In diesem Moment vermisste ich die Führung durch Emile. Wenn er nicht sogar den Käfig hätte öffnen können, so hätte er wohl aber gewusst, wie man nun verfahren sollte.

    „Vielleicht sind sie aufgehalten worden? Oder bereits tot“, sprach mich einer meiner Brüder an. Ich schüttelte den Kopf.
    „Graue Wächter sterben nicht einfach!“
    Sollten wir die Kammer nicht ohne sie betreten? Es sind vier weitere Schwerter für uns, aber wir sind Templer. Wir sollten den Turm retten, nicht ein Wächter“
    „Wir sind nicht der Ehre halber hier, oder wegen eures Stolzes, Bruder!“
    , fuhr ich den Templer an.
    Plötzlich durchriss ein erschrockener Aufruf die Stille, in der wir uns befanden. Einer meiner Brüder sprang erschrocken auf uns machte ein paar schnelle Schritte in unsere Richtung. Nahe der Stelle, wo er gestanden hatte war die kleine, knorrige Holztür von Außen aufgeschlagen worden. Was mit schaurigen, quakenden und sabbernden Lauten aus ihr herausgekrochen kam war eine ausgemergelte Verneinung lebender Wesen, dessen bloße Existenz die Vernunft beleidigte. Das grausige Geschöpf regte uns seinen Schädel entgegen, dessen Haut so fest über ihn gespannt war, dass man die bloßen Knochen sehen konnte. Seine milchig weißen Augen starrten in unsere Richtung und sein weit aufgerissener Mund offenbarte schwarze Stummeln, wo eigentlich Zähne hätten sein sollen. Aus seinem endlichen Rachen krächzte es uns widerhallende Geräusche entgegnen. Wie angewurzelt blieben wir stehen und gaben keinen Ton von uns, nur Cullen begann wie im Wahn Gebete aufzusagen, während er sein Gesicht in den Händen vergrub.

    Das mit einer schleimigen Haut überzogene Geschöpf richtete sich auf und lies menschliche Grundzüge in seinem Körperbau erkennen, wenngleich ein Arm in einem seltsamen Winkel abstand, als sei er mehrfach gebrochen und zusammengestaucht worden. Noch immer quakend setzte es dazu an und zu attackieren. Ein einfacher Eisendolch, den es mit knorpeligen, bleichen Händen umfasste diente als Waffe. Es wartschelte seltsam hinkend auf uns zu und schließlich erbarmte sich einer meiner Brüder, ging schnurstracks auf diese Beleidigung aller Schöpfungen zu und hieb es mit wenigen Schlagen seines mächtigen Schwertes in Stücke.

    „Hier muss finsterste Nekromantie am Werke sein, wenn die Toten zu laufen beginnen“, sagte er, als er den bei genauerem Betrachten menschlichen Schädel aufhob und untersuchte.
    „Wo der herkam, gib es sicherlich noch mehr. Aber wieso dort?“, fuhr er fort und deutete auf die vielleicht zwergengroße Tür, welche entgegengesetzt zu der riesigen Holzpforte lag, welche diesen Vorraum von dem riesigen Saal trennte.

    Wieso dort, das hatte ich mich auch gefragt, denn eben jene Tür führte zu einem geländerlosen Gang auf das Dach des Turmes. Nur wenige Magier wagten sich dorthin, um ihre Energie in einer Meditation fließen zu lassen und das auch nur am helllichten Tage und bei stillem Wind. Es war jedoch ohne Belangen, wenn dort oben ein Totenbeschwörer war, dann musste man ihm Einhalt gebieten. Sicherlich war es einer von Uldreds engsten Mitverschwörern, wenn nicht sogar Uldred selbst. Und blieb also keine Wahl. Ich wusste, dass es riskant war und doch hieß ich meine Männer dort zu warten, bis E´Lara einträfe und erst dann einzugreifen. Ich selbst würde das Dach betreten und erkunden. Sollte sich das ganze als Fruchtlos erweisen, aber alle Templer wären dort oben und Uldred würde in dieser Zeit fliehen, so wären alle Templer während des Gegenangriffs umsonst gestorben.

    Ich wusste das es, wenn es tatsächlich Uldred persönlich wäre, vermutlich kein Widersehen mehr geben würde. So verabschiedete ich mich von meinen Brüdern und befahl ihnen nochmals unter keinen Umständen ihren Posten zu verlassen, bis E´Lara nicht zu ihnen gestoßen ist. Sie bejahten, sprachen mir Glück und Segen aus und schauten mir hinterher, während ich mich aus der kleinen Pforte nach draußen drückte.
    Der Wind blies mir kalt ins Gesicht und die Luft war unwahrscheinlich dünn. Ich schnappte mehrfach nach Atem, bevor ich mich daran zu gewöhnen begann. Der Aufstieg der schmalen, teilweise glatten abgenutzten Steinstufen machte es nicht gerade leichter. Hier draußen merkte man, wie sehr die Zeit an dem Turm genagt hatte. Die schwarzen Steinblöcke aus denen er bestand waren von zahlreichen Blitzeinschlägen vernarbt und die Oberfläche der Mauer war so rau, dass sie meinen Lederhandschuhen gute Griffigkeit bot, wofür ich angesichts der Untiefen unter mir sehr dankbar war. Ich schaute nach Links. Keinen Fuß weit entfernt erstreckte sich der gähnende Abgrund. Schnell drückte ich mich wieder an die Mauer und schwor mir, nie wieder hinunterzusehen. Vorsichtig tippte ich auf eine Stufe nach der nächsten. Ohne Vorwarnung dafür aber unter abscheulichem Kreischen und Quicken stürzte da plötzlich ein dünner, knochiger Körper auf mich. Beinahe hätte ich den Halt verloren und wäre in den Tod gestürzt, doch ich schlug stattdessen schmerzhaft auf den Stein zu meinen Füßen. Das Wesen, welches sich von Oben auf mich hatte fallen lassen war ein paar Schritte von mir entfernt aufgeschlagen. Es war von derselben dunklen Art, wie jenes drinnen. Sich merkwürdig verrenkend rappelte es sich auf und stürzte sich auf mich. Ich deckte mich mit meinem Schild ab und federte so den überraschend schweren Körper des bleichen Wiedergängers auf. Mit einem kräftezehrenden Drücken beförderte ich das Biest zurück, zog mein Schwert und hieb auf dessen Hals ein. Dabei streifte mein Schwert die pompösen Quader der Mauer. Doch mein Hieb traf und torkelnd von dem Treffer stürzte sich das Wesen noch einmal auf mich und damit auf meine nach vorne gerichtete Klinge.

    Zischend starb der Untote, als ich meinen gesegneten Stahl auf dessen Körper zog. Die Kirche ließ Templerschwerter immer segnen, doch in diesen Momenten erkannte man den Wert einer solchen Schwertweihe.

    Ich erhob mich keuchend, sinnierte einen Moment, ob ich den Rest der Treppe nicht kriechen konnte, würde mich dann aber meines Gegners bewusst und setzte den Weg erhobenen Hauptes fort. So gelangte ich dann oben an. Der Wind war hier oben noch stärker und ich verengte meine Augen zu Schlitzen, während ich gegen ihn antrat. Mein Schild wurde zur wahren Belastungsprobe, da jede stärkere Böe es erfasste wie ein Segel. Also entledigte ich mich seiner und schritt nun auf die Mitte des Daches zu.

    Das Turmdach war vollkommen eben. Neben der Plattform ragten viele Spitzen in den sternenbehangenen Nachthimmel. Ich war noch nie hier oben gewesen, aber selbst bei Dunkelheit war es schlichtweg atemberaubend. Mein Blick sollte nun jedoch nicht der Aussicht gelten, sondern dem, was sich vor mir tat. Nahe der Mitte des Turmes sah ich einen Mann stehen, die lange Kapuze weit ins Gesicht gezogen. Es war wohl eine schwarze oder dunkelblaue Robe, denn in der Nacht erschien er mystisch und dämonisch zugleich. Seine Form verschlang sich teils mit der Dunkelheit des hinter ihm liegenden Horizonts. Vor dem Mann lagen mehrere tote Körper. Einige von ihnen waren ebenso bleich und abgemagert wie jene, die mich blindlings angegriffen hatten. Die anderen waren noch frisch und steckten in Roben der Magier, wenngleich einige grausam verbrannt waren. Ich kam näher. Der Mann kümmerte sich nicht darum, sondern hielt seine beiden Hände ausgestreckt über einer noch nicht verwesten Leiche. Seinen Händen entglitten grünliche arkane Strahlen, die aber tropften wie Flüssigkeit. Sie beträufelten das Gesicht der Leiche, welche plötzlich unter unkontrolliertem Zucken und zappeln aufschrie und sich gespenstisch erhob. Der tote Körper, ein Magier mittleren Alters, drehte sich wie an Fäden gezogen zu mir. Ich war erstaunt und erschrocken zugleich. Dieser Magier belebte die Toten. Doch dann fing der Untote an zu schreien. Er warf seinen Kopf heftig hin und her wie ein gehetztes Tier. Dann brüllte und stürmte mit erhobenen Händen auf mich zu. Schockiert zog ich meine Schwert und als das brüllende Ungetüm nach genug war durchschnitt ich ihm den Hals, sodass der Körper schlaff zusammensackte, während der Kopf polternd einige Schritte davon entfernt aufschlug und davonrollte.
    Verdammt!“, hörte ich den Magier fluchen. Ich kannte diese Stimme. Als ich näher kam, stockte mir der Atem.

    Ihr? Was macht ihr hier, solltet ihr nicht den Zirkel retten?“, fuhr Danal mich an.
    Ich war vollkommen sprachlos. Danal? Ein Totenbeschwörer?
    „Ich fürchte, das tue ich gerade Danal. Was ist hier geschehen? Gehört ihr etwa zu den Blutmagiern?“
    „Ein Blutmagier? Nein, niemals! Ihr beleidigt mich!“
    , entfuhr es Danal und schockiert sah er mich an. Seine Kapuze hatte er abgestreift und nun erkannte ich sein jugendliches Gesicht mit den geschwungenen Augenbrauen.
    Aber… was macht ihr denn hier? Und was ist das hier?“
    „Was ich hier mache? Ich suche einen Weg meine Eliza zurückzuholen natürlich!“
    „Aber, Danal, habt ihr diese Menschen getötet?“

    Danal zuckte mir den Schultern.
    Menschen, Elfen… Magier! Ich wäre ein viel besserer Templer als ihr, wo ich doch die Verbrechen der Magier kenne. Sie haben meine Eliza auf dem Gewissen. Ihr wisst es, ebenso wie ich. Und darum musste sie sterben. Außerdem brauchte ich Testobjekte. Ich könnte es mir nie verzeihen Elizas Körper in ein derartiges Monstrum zu verwandeln“, sagt er mit Wink auf die entstellten skelettähnlichen Leichen.
    Also wart ihr es, der die Magier im Turm mit Feuer angegriffen hat“, schlussfolgerte ich. Danal nickte. „Ja, das stimmt. Aber sie waren alle vom Wahnsinn befallene und besessene Magier. Ich hab es doch in ihren Augen gesehen. Sie hatten noch immer das Blut meiner Eliza an den Händen und das konnte ich nicht unbestraft lassen! Sie musste brennen! Alle sollten sie brennen! Und dann, ich hatte gerade ein paar dieser Mörder erwischt, fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Totenbeschwörung! Es gab einst einen Magier, der liebte so viele junge Frauen, weil sie ihm einfach immer zu schnell alt wurden. Dann erkannte er, als er seine neueste junge Geliebte im Streit erschlug, dass Nekromantie den Alterungsprozess verhindert. Also suchte er sich drei wunderschöne Frauen, tötete sie und belebte sie wieder. Und diese wurden dann zu seinen Geliebten. Ebenso werde ich es mit Eliza machen und ihr beibringen, wie ich es angestellt habe. Dann werde ich mich töten und sie wird mich wiederbeleben und wir leben für immer zusammen!“

    Ich war zu schockiert um angemessen auf diese Verhöhnung des Erbauers und seines Plans zu reagieren. Ich hatte Danal immer gemocht, doch dass sein Geist so krank und befallen sein konnte.
    Ihr seid krank, Danal! Ihr und eure Idee von Rache und dem Leben mit einer Leiche!“
    „Ihr wisst nicht wovon ich rede, Templer! Ihr habt keine Gefühle! Templer kennen keine Liebe, keinen Schmerz, keinen Verlust!“


    Traurig schüttelte ich den Kopf. Dann steckte ich mein Schwert in die Scheide und nährte mich dem jungen Magier.
    „Danal, was mit Eliza geschehen ist tut mir Leid. Aber es gibt etwas, das ihr wissen solltet, ehe ihr euren sündigen Plan weiter fortsetzt. Eliza starb nicht durch die Hand eines Magiers“
    „Was soll das heißen?“,
    fauchte Danal mich an
    Es war ein Templer. Ein Templer der nun tot ist. Ser Emile du Chateau, Elizas Geliebter tötete das Mädchen“
    Danals Augen füllten sich mit Tränen.
    Nein das ist nicht wahr! Ihr sagtet, es seien die Blutmagier! Die Besessenen!“
    „Ich wollte euch retten. Emile hätte euch in Stücke gerissen, wäret ihr auf ihn losgegangen. Aber Emile ist tot, Danal! Er ist tot, ebenso wie Eliza. Findet Frieden und bereut eure Taten vor dem Erbauer. Es ist noch nicht zu spät“,
    sprach ich versöhnlich auf ihn ein und streckte meine gepanzerte Hand aus. Danal schüttelte verweigernd den Kopf.
    Wisst ihr, was das heißt? Ich bin ein Mörder! Ich tötete diese Unschuldigen hier und tat ihren Leichen Schändliches an!“
    Ihr tatet es im Gedanken daran, euch etwas zurückzuholen, was ihr verloren glaubtet. Gebt nicht auf, kommt zur mir und bereut eure Sünden. Wir finden einen Weg“

    Danal sah mich verzweifelt an. Dicke Tränen quollen aus seinen Augen und rannen über sein Gesicht. Er trat von dem widerlichen Leichenhaufen zurück, sah mich an und seufzte:
    Nein. Ich bin verloren!“

    Und ohne dass ich etwas daran hindern konnte, ließ er zum Ende der Plattform, warf einen letzten Blick zurück auf mich und den Leichenberg und ließ sich fallen.
    Danaaaaal!“, schrie ich und sprintete zu dem Rand der Plattform, von wo aus ich nur noch einen immer kleiner werdenden Körper sah, wie er langsam in der Dunkelheit der unbegreiflichen Tiefe verschwand.

    Niedergeschlagen sammelte ich meinen Schild auf und stieg den schmalen Außengang hinab, zurück zu dem Vorraum zur Kammer der Läuterung. Dort angekommen hinkte, im selben Moment in dem ich durch die winzige Tür hineinkletterte, der erste Verzauberer Irving gestützt von Wynne und E´Lara die Treppen von der Kammer hinunter. Auch meine Brüder, allesamt am Leben und einige Zauberer kamen aus der Kammer. Meinen fragenden Gesichtsausdruck beantworteten sie mir mit:

    Ja, es ist geschafft. Uldred ist tot und der Zirkel ist gerettet!“
    Shepard Commander is offline Last edited by Shepard Commander; 22.09.2014 at 20:23.
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    Das Grauen im Stein

    Als Ragnar den hell erleuchteten königlichen Thronsaal betrat stutzte er einen Augenblick. Schon oft war er durch die steinernen Hallen mit den langen, ebenfalls aus Stein gehauenen Tafeln geschritten. Schon oft waren seine Füße über den mosaikverzierten Boden des ausladenden Raumes auf den massiven und nach allen Künsten der Zwerge veredelten Thron des Königs von Orzammar zugewandert. Und schon oft war das tiefe Dröhnen seiner Stimme von den mit Statuen und diamantenbesetzten Einlassungen geschmückten Wänden zurückgeworfen worden. Doch als er diesmal durch das schwere, eisenverstärkte Tor gegenüber dem Königsstuhl eingetreten war fand er nicht vor, was er erwartet hatte.

    Für gewöhnlich waren abgesehen von dem König und seiner Leibgarde nur eine Handvoll Bücklinge und niederer Adel anwesend. Hin und wieder auch ein Vertrauter des Königs, ein Scholar und selten mal ein Gast von der Oberfläche. Normalerweise schimmerten nur ein paar Fackeln, welche in den Haltern steckten, die die Tafeln flankierten. Und sonst war nur der Klang der Stimmen der gerade Anwesenden zu hören, wie sie Echos durch die schlauartigen Gänge warfen, die von und zum Königssaal führten.

    Heute jedoch schimmerte der Raum in goldenem Licht, angefacht von zwei mächtigen, wärmespendenden Kaminfeuern, die jeweils Rechts und Links hinter dem Königsthron in den dafür eingelassenen Höhlen brannten. Die sonst leeren Tafeln waren überladen mit Speisen aller Art, darunter fette gebratene Nugs, gebackene Kräuterfladen, gekochte Tiefenpilze, krügeweise bestes Malz- und Dunkelbier und edelster Wein und sogar etwas Obst von der Oberfläche. Auf den Stühlen tummelten sich so viele Personen, dass Ragnar schnell den Überblick verlor. Wer keinen Stuhl abbekommen hatte lachte und trank nun im Stehen und in geselliger Runde. Das Lachen erfüllte den Raum, konnte jedoch die lauten Pfeiftöne der Blockflöten und das rhythmische Schlagen der Trommeln, das Rasseln der unzähligen Glocken und Schellen und das melodischen Zupfen der Saiten nicht überflügeln. Einige Zwerge sangen dazu Lieder von Ruhm und Ehre und der vergangenen Zeit, in dem ihr Reich sich noch weit unter der Erde erstreckte und sie noch mächtig und voller Stolz waren.

    Ragnar hatte nicht mit einem derartigen Fest gerechnet, obgleich der Zusammenschluss einiger der besten Krieger um einen langen verschollenen Thaig zurückzuerobern und somit den ersten Schritt zurück zur Größe der Zwerge wohl allen Grund dazu gab. Und so wirkte er mit seinem schmutzigen Kettenhemd und dem darüber geschnallten und ungeputzten Lederwams fehl an Platz. Ragnar erkannte hoheadlige Zwerge unter den Feiernden, Mitglieder der Versammlung der höchsten Instanz nach dem König im Königreich Orzammar. Dazu noch verschiedenste Abgesandte aus den verehrten Adelshäusern Peschk, Mjollnir, Helmi, Röök und sogar die in gelben Stoff gewandten Rokatank. Angesichts solch vornehmer Gesellschaft fuhr Ragnar sich beschämt durch das wilde, lange Haar. Möglichst unauffällig strich er seine braune Mähne nach hinten, dann stürzte er sich in das Getümmel.

    Schon nach wenigen Schritten wurde er abgefangen. „Ragnar!“, begrüßte ihn ein Zwerg mit rostroten Haaren, die ebenso widerspenstig waren wie die Ragnars und einem langen, in mehreren Zöpfen endenden Bart. „Der Zwerg auf den wir alle gewartet haben!“
    Ragnar packte den ihm entgegengestreckten Arm zum Gruß und antwortete noch immer etwas perplex:
    „Es ist auch eine Freude dich wiederzusehen, Sievert“
    Na los, macht Platz! Macht Platz für den Mann, der uns in den Tiefen Wegen den Sieg bringen wird!“, rief Sievert den Umherstehenden zu, sodass es auch möglichst jeder mitbekam. Dann packte er Ragnar mit der einen Hand und schob sich rücksichtslos durch die Menge Richtung Thron. Ragnar befreite sich aus dem Griff und fragte was denn los sei.

    Nun ja, zum Ersten werden wir nun bald zurückholen, was uns gehört und zum anderen…“, er sah Ragnar schelmisch an: „… zum anderen ist eine Gruppe Grauer Wächter heute hier eingetroffen. Wie es scheint wollen sie, dass wir der Dunkle Brut nicht ohne ihnen entgegen treten“
    Ragnar blieb verdutzt stehen. Graue Wächter? Hier? Die Verderbnis war nun seit fast einem halben Jahr beendet und die überlebenden Monster der Horde hatten sie wie erwarten in die Tiefen Wege zurückgezogen. Sie waren also eigentlich kein Problem der Oberfläche mehr. Was also sollten die Langbeine hier wollen?

    Sievert winkte hastig und Ragnar setzte seinen Weg durch das Gedränge fort. Hier und da rief man seinen Namen oder eine körperlose Hand klopfte ihm auf die Schulter. Ragnar war in Gedanken jedoch noch immer bei der Frage nach den Wächtern. Bei einem Blick über die Menge erkannte er schemenhafte Figuren, welche die seinen um einige Köpfe übertrafen. Sie befanden sich am hinteren Ende der Halle von Ragnar aus rechts des Throns.

    Die Masse verdünnte sich je näher er dem Thron kam. Vorsichtig drückte er einen Zwerg in besonders feiner Kleidung, mit Sicherheit teuer von einem Oberflächenhändler der Menschen erworben, zur Seite und schon stand er direkt vor dem hochragenden Stuhl auf Stein. Er war gigantisch. Sogar ein langbeiniger Mensch musste diesen Thron als den Sitz eines erhabenen Herrschers anerkennen. Auf dem wichtigsten Stuhl in Orzammar saß ein gedrungener Zwerg mit faltigem, sorgendem Gesicht, das aus einem dichten Wuchs von weißem Bart hervorlugte. Auf dem ebenfalls weißen Haupthaar prangte eine edelsteinverzierte Krone aus purem Gold. König Harrowmont stützte seinen beschwerten Kopf auf einer Hand ab, während er halb erleichtert, halb besorgt in die bunte Menge betrunken-glücklich lallender Zwerge schaute. Als er Ragnar erkannte hellte sich seine Miene etwas auf.

    Aaah, General Ragnar, mein Junge! Wie ich sehe habt ihr euch doch noch hier eingefunden“
    Ragnar erreichte den Thron, kniete nieder und antwortete: „Ja mein König. Ich wusste nicht, dass derartige Feierlichkeiten angesetzt waren. Ich versichere euch, ich hätte einen anderen Aufzug gewählt“
    Der König wischte die Entschuldige harsch beiseite.
    Macht euch keine Sorgen, Ragnar. Ich selbst habe dieses Fest erst vor Kurzem ausrufen lassen. Heute Morgen sind wichtige Gäste eingetroffen“
    „Graue Wächter“
    , ergänzte Ragnar wissend. Harrowmont nickte anerkennend.
    Richtig, Graue Wächter. Was genau sie möchten, davon haben sie noch nicht gesprochen, aber ich vermute sie haben von unserem Plan gehört, weiter in die Tiefen Wege vorzustoßen und den alten Thaig Cadash´ar zurückzuerobern“
    „Sie haben euch nicht gesagt, was sie nach Orzammar führt, Herr?“,
    entfuhr es Ragnar zornig. Harrowmont lächelte angesichts der Loyalität seines Kriegers doch winkte beschwichtigend.
    Die Anführerin der Grauen Wächter ist diejenige, die den Erzdämon erschlug und eine alte Freundin von mir persönlich. Außerdem sind die Wächter in diesen Hallen stets willkommen!“
    Ragnar nickte stumm.
    Und nun stellt euch den Wächtern vor, Ragnar. Sie werden euch sicherlich kennenlernen wollen“, befahl Harrowmont freundlich aber bestimmend. Ragnar verbeugte sich und wandte sich in Richtung der Wächter.

    Beim Gang dorthin stellte er fest, dass der Teil der Tafel, an dem die Wächter saßen nicht von Zwergen belagert wurde. Zwar scheuten sie die Wächter nicht, doch wollten sie ihnen anscheinend auch nicht zu nahe kommen. Ragnar hatte allerhand Geschichten über die Wächter gehört, bezweifelte aber, dass auch nur ein Bruchteil davon der Wahrheit entsprach. Dennoch wusste er, dass man ihnen großen Respekt entgegenbringen musste.

    Ragnar musterte die Wächter beim Näherkommen. Einige von ihnen hatten auf den hochlehnigen Stühlen Platz genommen und aßen vergnügt von dem reichlich aufgetafelten Köstlichkeiten. Ragnar erkannte einen Zwerg mit langen blonden Haaren und einem ebenso blonden Bart. Beides war mit aufwendigen Zöpfen verflochten. Er trug weder das Wappen eines Adelshauses noch die Insigne der Kriegerkaste. Ragnar schlussfolgerte, dass dieser Zwerg also den Wächtern angehören musste. Als er so herüberstarrte, blickte der Wächterzwerg kurz auf. Ihre Blicke trafen sich und mit vollem Mund grinste der Blonde ihm entgegen und nickte zum Gruß. Ragnar nickte knapp zurück und wendete den Blick dann schnell wieder ab.

    Nun stand Ragnar in unmittelbarer Nähe zu dem Pulk aus meist in dunkle, unauffällige Farben gekleidete Wächter. Die Anführerin sprach gerade mit Sievert. Sie lehnte sich mit verschränkten Armen gegen eine der Hohen lehnen, ein Bein auf dem Boden, das andere gegen ihren Rückhalt gestemmt. Ragnar erkannte, dass es eine Elfe war. Er hatte in seinem Leben noch nicht allzu viele Langbeine gesehen und wenn dann meist nur Menschen, die mit den Zwergen Orzammars Handel trieben. Einmal war er in den tiefen Wegen einer selbstmörderischen Gruppe Plünderer begegnet. Aber ob dort auch ein Elf anwesend gewesen war, wusste er nicht mehr. Trotzdem hatte er von den Elfen gelesen und sich eine Elfendame fast zwergengroß vorgestellt. Diese hier jedoch erreichte fast die Größe einer Menschenfrau.

    Sie war in eine schwarze nietenverstärkte Lederrüstung gewandt, was ihre ohnehin schon helle Haut beinahe weiß erschienen ließ. Zudem war diese übersäht mir geschwungenen Tätowierungen. Bei den Zwergen bedeuteten Tätowierungen hauptsächlich, dass man kastenlos war. Doch trugen Kastenlose das Zeichen in ihr Gesicht eingebrannt. Die Elfe jedoch, deren Gesicht ebenfalls mit feinen Linien gezeichnet war, schien diese aus freien Stücken und voller Stolz zu tragen. Ihre Augen waren sehr groß und mandelförmig, doch blitzen sie voller Wachsamkeit. Das prächtige blonde Haupthaar hatte sie zu einem dicken Zopf nach hinten gebunden, der sowohl geflochtene, als auch nicht geflochtene Strähnen bündelte. Aus dem dicken Haaren ragten ihre langen, spitzen Elfenohren.

    Bei genauerem Hinsehen fielen Ragnar zahllose weitere kunstvoll geschwungene Linien auf, die an unbedeckten Hautstellen aufblitzen. Vor allem auf den Armen und an den Oberschenkeln wandten sich Ornamente von einer Feinheit, wie Ragnar sie selten sah. Dass Schmiede derartige Linien auf Schilde und Rüstungen und geschickte Steinmetzte auf Statuen bringen konnten, dass wusste Ragnar. Aber so wirkten die sonst abstoßend auf ihn wirkenden Tätowierungen beinahe hypnotisch wunderbar.

    Die Elfe hatte hohe, gepanzerte Stiefel an und an ihren Unterarmen, die auch beim Gespräch mit Sievert abwehrend verschränkt blieben, waren von mit Stahl beschlagenen Lederhandschuhen und Stulpen geschützt. Dennoch schien ihre Rüstung mehr auf Flexibilität, als auf den Kampf in vorderster Linie ausgelegt zu sein. Der lange Bogen, der nicht nur aus seltsamem weißem Holz bestand, sondern von ebenso faszinierender Bauart war, verstärkte sein Bild von ihr.

    Direkt neben ihr stand ein Mann von hohem Wuchs. Er wirkte sehr kompakt und kräftig, beinahe hätte er zwergische Ausstrahlung, wäre er nicht so riesig. Sein Schädel war kahl rasiert, dafür war sein Gesicht, durch das sich eine tiefe Narbe zog, jedoch mit einem vollen, blonden Bart bedeckt. Er trug einen ebenfalls mit Nieten beschlagenen Lederkürassier, seine mächtigen Arme waren jedoch mit schwarzen Bändern umwickelt. Seine rechte Hand steckte in einem verstärkten Lederhandschuh, die Linke war frei. Ragnar erkannte, dass seine Beine im Gegensatz zum Rest des Mannes außerordentlich gut geschützt waren, da zwar schmale, aber dafür genau platzierte Rüstungsplatten an seinen Stiefeln und der schwarz-braunen Lederhose angebracht waren.

    Sievert unterbrach sein einseitiges Gespräch, als sich der Blick der beiden Wächter interessiert auf den ankommenden Ragnar richtete. Mit einladender Geste sagte Sievert:
    Aaah ja! Das hier, verehrte Wächter ist mein Freund und Kommandant General Ragnar aus dem Hause Gile. Und dies hier sind die Grauen Wächter E´Lara, die Dalish und Tempest, dessen wahren Namen er mir nicht verraten wollte“
    Ehrfurchtgebietend verbeugte Ragnar sich.

    Willkommen in Orzammar, Wächter. Es ist für unsere Stadt stets ein Segen euren noblen Orden hier begrüßen zu dürfen!“, grüßte er.
    Die beiden Wächter hatten sich wiedererwarten in eine aufrechte Position begeben, kreuzten jetzt die Unterarme vor der Brust und neigten ihren Oberkörper nach Vorne.
    Es ist auch für mich eine Freude wieder nach Orzammar zu kommen“, erwiderte die Elfe mit dem Namen E´Lara den Gruß. Ihre Stimme hatten einen seltsamen Akzent, war aber sehr wohlklingend und weitaus weicher als die Stimmen der meisten Zwergenfrauen. Ragnar fragte sich, ob wohl alle Elfinnen so süßliche Stimmen hatten. Wenn ja, dann mussten ihre Gesänge wunderschön sein.

    Bei näherer Betrachtung und im Schein des nahen Feuers erkannte Ragnar, dass die Augen der Elfe verschiedene Farben hatten. Während das Rechte grünlich schimmerte, leuchtete das Linke in intensivem Blau.

    Es ist auch mir eine Ehre endlich einmal die Hallen der Zwerge besuchen zu können“, sagte der muskulöse Krieger, den Sievert als Tempest vorgestellt hatte.
    Aschekrieger wie ich wissen natürlich viel von eurem Volk, doch hatte ich bisher nie die Gelegenheit die wunderbare Zwergenstadt Orzammar zu besuchen“

    Ragnar erinnerte sich daran, in der Halle der Bewahrung, dem riesigen alles umfassenden Archiv der Zwerge, bereits von den Aschekriegern gelesen zu haben. Wie die bekannten Berserker der Zwerge verfallen auch die Aschekrieger in einen Kampfrausch, der den Kämpfenden jeglichen Schmerz und Erschöpfung ignorieren lässt. Es erstaunte ihn, dass offenbar auch Menschen diese Art des Kampfes beherrschten.

    Dann freut es mich erneut, euch hier persönlich begrüßen zu dürfen, Wächter!“, entgegnete Ragnar. Dann blickte er wieder zu E´Lara, welche sich wieder in ihre alte Pose zurückfallen ließ, jedoch die Arme diesmal nicht verschränkte und nun den Blick auf die sich über ihren üppigen Brüsten gespannte Lederrüstung freigab.

    Vergebt mir, Wächter, aber was führt euch nach Orzammar?“
    E´Laras Augen durchbohrten ihn, als wäre diese Frage eine Beleidigung.
    Das wisst ihr doch bereits, oder General? Wir hörten davon, dass ihr einen Vorstoß in die Tiefen Wege wagen würdet. Wir wollen euch begleiten!“
    Ragnar versuchte sich zu konzentrieren, was bei dem Lärm jedoch kaum möglich war. Also sagte er: „Wenn ihr dies wirklich wünscht Wächter, dann sollten wir zu einem anderen Zeitpunkt darüber reden. Ich schlage vor, heute feiert ihr euer Eintreffen und morgen sehen wir uns hier zum Planen wieder“

    E´Lara nickte zustimmend.
    Shepard Commander is offline Last edited by Shepard Commander; 25.07.2015 at 23:06.
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    Als Ragnar am nächsten Tag den langen Königssal betrat waren bereits alle Zeichen der Feierlichkeiten des Vorabends verschwunden. Die unzähligen Diener des Königs hatten gute Arbeit geleistet und der große Saal ergoss sich wie gewohnt gähnend leer und schwach beleuchtet vor Ragnars Füßen.

    Die Grauen Wächter saßen an derselben Stelle wie am Abend zuvor, am hintersten Ende der vom Haupteingang rechts liegenden, sich fast über die ganze Länge des Raumes erstreckenden Tafel. Ein paar Schritte Links von dem Kopf des Tisches stand der Königsthron, durch ein paar Stufen etwas erhöht. Als Ragnar hereinkam war er jedoch leer und der König selbst stand in der Gruppe der Wächter bei der Tafel. Alle Blicke der Beteiligten richteten sich auf die glattgeschliffene Oberfläche des golden glänzenden Tisches. Als Ragnar sich geräuschvoll nährte, sahen einige Köpfe auf, aber nur wenige nickten ihm zu oder schienen überhaupt Notiz von ihm zu nehmen, sondern wandten sich schnell wieder der scheinbar faszinierenden Struktur des Tisches zu. Erst als Ragnar dichter herantrat, erkannte er, dass die um den Tisch versammelte Meute eine ausgebreitete Karte aus schon vergilbten Pergament betrachtete, auf der ungewöhnlich genaue Routen innerhalb der Tiefen Wege und Notizen zu einzelnen Punkten zu sehen war.
    Nun da Ragnar sich zu dem buntgemischten Haufen aus Elfen, Zwergen und Menschen gesellte und seinen König respektvoll grüßte, nahmen auch die Wächter seine Gegenwart zur Kenntnis. Begrüßungen wurden gemurmelt und der glatzköpfige Aschekrieger klopfte Ragnar freundschaftlich auf die Schulter.

    Ragnar sah sich um. Er erkannte neben dem Krieger mit dem Spitznamen Tempest auch noch die Elfe E´Lara und den blonden Zwerg, der ihn am Vorabend so frech angegrinst hatte. Jetzt, ohne Ablenkung und da sein Gegenüber die Karte mit einer ziemlichen Ernsthaftigkeit betrachtetem kam Ragnar das Gesicht bekannt vor. Neben dem Zwerg stand ein Mann von unfassbarer Größe, sogar noch größer Tempest. Er war breitschultrig gebaut und wirkte ungeheuer stark. Soweit Ragnar es erkannte, war er der Größte hier im Raum. Vermutlich sogar momentan der Größte in ganz Orzammar. Auch er musste zu den Wächtern gehören, denn sein Kettenpanzer und die ledernen Arm- und Beinschienen waren von demselben schwarz, dass auch die Rüstung der meisten anderen Anwesenden aufwies. Allerdings schien dieser Krieger schon etwas älter zu sein. Sein Gesicht hatte bereits einige Falten, vor allem an den Augen. Seine dunklen Haare waren kurz und etwas verstrubbelt, so als wäre er gerade erst aufgestanden. An den Schläfen waren seine Haare mit Grau durchzogen, ebenso wie sein ungepflegter, aber kurzer Bart. Bei einem genaueren Blick in sein Gesicht fiel einem seine große, lange Nase auf, die aber wohl ein- oder zweimal gebrochen und etwas schief wieder zusammengewachsen war. Sie lenkte etwas von seinen in tiefen Höhlen liegenden blauen Augen ab, die aber ungewöhnlich aufgeweckt und wachsam funkelten. In seinem Gesicht lag Weisheit und Erfahrung, aber auch Verlust und Schmerz. Gerade als Ragnar sich dem nächsten zuwenden wollte, fiel ihm an der sonst farblosen Rüstung des Kriegers ein weißer Stoff auf, der zur Aufbewahrung zwischen seine linke Armschiene und den Arm gestopft war. Ragnar sah nicht genau, was es war, aber es war von sehr feiner Struktur. Er schüttelte den Kopf und fuhr fort, die anderen Wächter zu mustern.

    Neben dem Riesen entdeckte Ragnar einen weiteren Zwerg, bessergesagt eine Zwergin. Die scheußliche Tätowierung in ihrem Gesicht wies sie als eine Kastenlose aus. Es war eine Schande, dass eine derartige Person den Wächtern beitreten durfte, geschweige denn mit ihnen das Diamantenviertel von Orzammar betreten durfte. Ihr Gesichtsausdruck verriet, dass sie sich diebisch über die abwertenden Blicke und die unfassbaren Mienen der Lord und Ladies freute. Als sie Ragnars Blick bemerkte grinste sie ihn an und nickte provokant. Ragnar blieb stur. Wächter oder nicht. Die Kastenlose hatte dicke, im schwachen Glimmen der Fackeln rötlich schimmernde Haare, die sie zu einem Bauernzopf geflochten hatte. Auch sie trug eine schwarze Lederrüstung, allerdings von weitaus pompöserer Aufmachung als die anderen. Ihre Rüstung war übersäht mir goldenen Knöpfen und Ketten und goldene Reifen prangten an beiden Armen. Offensichtlich genoss sie einigen Reichtum, nachdem sie sich den Wächtern angeschlossen hatte.

    Sie stand dicht an einen Menschen gedrängt. Dieser war zwar nicht so groß wie der alte Krieger rechts von der Kastenlosen, aber dennoch größer als der Rest der Truppe. Er hatte etwas längeres, leicht lockiges blond-braunes Haar und ein glattrasiertes, jugendhaft wirkendes Gesicht mit vollen Lippen und großen, feixenden Augen. Anders als der Rest der Wächter trug er einen bodenlangen, nach unten hin ausgefransten schweren Umhang, der aber von überaus guter Qualität schien. Diesen hatte er jetzt allerdings nach hinten geschlagen und so offenbarte er eine eher dunkelbraun wirkende Lederrüstung, unter der allerdings ein helles, silbernes Kettenhemd hervorblitze. Zudem trug er eine merkwürdig hohe Anzahl an Taschen und Behältnissen auf gegerbten Leder, die entweder um seinen Oberkörper geworfen, oder an der Panzerung direkt befestigt waren. Ragnar vermutete, dass es sich hierbei um Kräutertaschen und Sammelbehältnisse für Ingredienzen handelte. Der Schönling war auch als einziger der Umherstehenden bewaffnet. An seinem Gürtel war ein langes Schwert mit ebenfalls langem, lederumwickelten Griff der in einem spitzen Dorn endete, befestigt. Es war wohl eins dieser Bastardschwerter, die von den Menschen gefertigt wurden und für einen Zwerg viel zu groß waren. Sie stellten eine Kombination aus dem gewöhnlichen Langschwert, das mit einer Hand geführt werden konnte und dem Bihänder, für den man beide Hände und eine zusätzliche Ausbildung benötigte, dar.

    Der letzte Wächter stand am eigentlichen Kopf der Tafel, direkt neben König Harrowmont. Es war ein männlicher Elf mit langen, glatten schwarzen Haaren, die mit einem Haarreif, der eigentümlich grün glänzte nach hinten gelegt wurden. Auch er hatte keinen Bart, nicht einmal Stoppeln. Dafür aber Zeichen und Linien, die derselben Art wie die Tätowierungen von E´Lara waren. Sie zeigten auf seiner Stirn ein seltsames Muster, das an eines dieser gehörnten Tiere erinnerte, die wie Ragnar wusste in den sogenannten Wäldern auf der Oberfläche lebten. Er trug eine grünliche Rüstung, die sogar noch weniger gepanzerte Elemente aufwies, als die seiner Gefährten. Seine Arme waren ohne jegliche Panzerung, dafür schlängelten sich auch hier schwarze Muster auf seiner Haut entlang.

    E´Lara, war bis zu diesem Moment in ein Gespräch mit Harrowmont vertieft und von Ragnar abgewandt, sodass dieser lediglich ihre hochgewachsene aber schmale Figur mit der perfekten Taille und den fast bis zum Gesäß reichenden blonden Haaren, die sich wie ein Lavastrom über ihren Rücken ergossen, bestaunen konnte. Nun jedoch drehte sie sich um und nickte Ragnar grüßend zu.
    General Ragnar, ich grüße euch!“

    „Ich grüße euch, Wächter“,
    erwiderte Ragnar. E´Lara lächelte. Ihre Zähne strahlten und schienen ungewöhnlich lang. Ihre Eckzähne waren unnatürlich spitz und ließen E´Lara beim Lächeln etwas furchteinflößend wirken.

    Erlaubt mir, euch meine Gefährten vorzustellen. Die hier ist Riban“, sagte E´Lara und zeigte auf den riesigen Krieger, der nun leicht das Haupt neigte. Dann zeigte sie auf die Zwergin. „Frakea“, stellte sie vor, wanderte dann zu „Reach“, dem umhangtragenden Mann neben der Zwergin. Dieser zwinkerte Ragnar zu. Dann zeigte E´Lara auf den Elfen und sagte: „Unser Magier, Tarrasiel“. Der Elf nickte.
    „Der Zwergenkrieger hier ist Halfdan. Er kommt aus Orzammar“
    Der Zwerg schlug sich gegen die Brust und sagte: „General. Es ist mir eine Ehre euch erneut zu begegnen“ Ragnar erinnerte sich an den jungen Krieger, der aus dem Hause Peschk stammte und früher ein Angehöriger der Roten Garde, einer Eliteeinheit Orzammars, war.
    Und diesen gestählten Veteranen kennt ihr ja bereits. Allerdings ist Tempest nicht sein wahrer Name“, erklärte E´Lara. Tempest nickte.
    „Und, wie ist euer wahrer Name?“, wollte Ragnar wissen, doch Tempest schüttelte den Kopf und lächelte ihn vertrauensvoll an.

    Nicht heute, General“, kommentierte er.
    „Es ist mir eine Ehre, die noblen Wächter hier zu haben, doch weshalb haben wir uns heute hier zusammengefunden? Haben die Wächter nicht eine allgemeingültige Erlaubnis, die tiefen Wege auf Gutdüngen zu untersuchen?“

    „Das ist wahr, mein Junge, doch die Wächter wollen von eurer Expedition erfahren und zwar aus erster Hand“, schaltete sich König Harrowmont ein. Ragnar sah E´Lara an, die nun nickte.
    Richtig, General. Wir Wächter erkunden die Wege andauernd und stoßen immer tiefer in die verseuchten Gebiete vor. Doch nun hörten wir, dass einige Zwergenclans sich aufgrund von Informationen, die aus unseren Beobachtungen stammen, dazu entschlossen haben einen gemeinsamen Vorstoß in die tiefen Wege zu wagen. Wir hörten noch weitere unfassbare Gerüchte. Stimmen sie?“
    Ragnar wusste natürlich, wovon E´Lara sprach. Und da die Wächter Vertrauenspersonen waren und sein König anwesend, begann er aufzuklären.

    Es ist wahr, Wächter. Informationen eures Ordens bezüglich eines lange für verloren geglaubten Thaigs haben die Zwerge aufhorchen lassen. Dieser Thaig, sein Name ist Cadash´ar, liegt an einer strategisch guten Position. Von diesem Thaig aus konnte man eine große Kreuzung der tiefen Wege verteidigen und überwachen. Allerdings hat seit fast 100 Jahren kein Zwerg mehr versucht diesen Thaig auch nur zu betreten. Wir gingen bisher davon aus, dass dieser Ort ebenso wie der Rest der Wege vollgespuckt sei, von diesen widerlichen Bastarden. Doch in kürzlich in der Halle der Bewahrung entdeckten Unterlagen verweisen Wächter auf ein ungewöhnliches Desinteresse der Brut an diesem Ort. Viele Adlige streben nach dem alten Ruhm und der Größe des Zwergenreiches. Dies wäre unser erster Schritt“
    Während er sprach lauschten die Wächter gebannt seinen Worten. Ragnar holte tief Luft und fuhrt fort: „Dieses Unterfangen, ein Vorstoß quer durch die tiefen Wege und der Kampf gegen so viele der Dunklen Brut, das ist zu viel für ein einzelnes, ambitioniertes Haus. Daher riefen wir Freiwillige zusammen. Und dies stieß auf überraschend viel Zuspruch. Seit der Verderbnis, vielleicht nicht einmal da, gab es einen derartigen Zusammenhalt. Adlige, Krieger und sogar einige Steinmetze meldeten sich noch am selbigen Tag bereit. Also beschlossen wir diesen gemeinsamen Feldzug in Angriff zu nehmen. Der Plan sieht folgendes vor: Unsere Truppen, bestehend aus edlen Lords der Häuser, die auch gestern hier waren, sowie vieler Krieger werden den Kampf zur dunklen Brut bringen und den Thaig zurückerobern. Da dieser von der dunklen Brut offenbar nicht sehr bewohnt und verteidigt wird, sollte unsere kleine Streitmacht reichen. Sobald wir dort sind, werden die Steinmetze damit beginnen, den Thaig zu befestigen. So können wir ihn dann gut als vorgeschobene Verteidigungslinie etablieren“
    „Und das ist der Punkt!“, rief E´Lara fast euphorisch.

    Eine Verteidigungsstellen außerhalb Orzammars! Zudem noch die Informationen zu Truppenbewegungen der dunklen Brut nahe des Thaigs und die Kontrolle über die Kreuzung in der Nähe. Von dort aus könnten die grauen Wächter tiefer in die Wege eindringen, als jemals zuvor!“
    Ihre Augen begannen kampfeslustig zu brennen.

    Es freut mich, dass ihr unser Vorgehen unterstützen wollt. Bisher zählten wir nur auf die zusätzliche Schlagkraft der Legion der Toten, welche es als Pflicht sehen, für Orzammar die verlorenen Thaigs zurückzuerobern“

    „Vergebt mir meine Frage, aber verfügt Orzammar nicht wieder über Golems? Meinem Wissen nach arbeitet der Paragon Branka noch immer am Amboss der Leere“
    „Ja das ist wahr. Branka erschafft noch immer Männer aus Stein. Aber jene, die aus dem Krieg gegen die Verderbnis wiederkehrten, oder danach erschaffen wurden stehen nun an den Toren Orzammars oder patrouillieren den Nachschubweg zum Amboss“,
    warf König Harrowmont ein. „Ich kann für dieses noble Unternehmen nicht die Sicherheit Orzammars aufs Spiel setzten“
    E´Laras edlen Hände, deren Rücken teilweise von verschlungenen Linien benetzt waren, strichen unter geräuschvollem Knistern die Pergamentkarte glatt. Dann tippte sie sanft auf eine Stelle nahe Orzammars.
    Dies hier ist der Punkt von dem wir Wächter stets unsere Expeditionen starten“
    Ihre schlanken Finger fuhren, eine Route aufzeigend, zu einer Lücke in den Felsen, die jedoch im Nichts verlief.

    Dort ist der Punkt, von dem es zu dem Thaig geht, richtig?“
    Ragnar schaute sich die Karte genau an. Er bewunderte die Feinheiten, mit denen die Wächter offenbar über Jahre hinweg Punkte und Details hinzugefügt und korrigiert hatten. Die ursprüngliche Kartografie war ganz klar zwergischer Zeichenart. Er erinnerte sich an die Karte, die er seit mehreren Monaten studierte und die den alten Thaig zeigte. Dann nickte er und sagte: „Ja, ungefähr dort müsste der Thaig liegen. In der Halle der Bewahrung befindet sich von dem Bewahrer und mir zusammengetragene Informationen zu diesem Ort und seiner Geschichte. Wenn ihr es wünscht, können wir diese gemeinsam studieren“
    „Gut. Wie bereit sind eure Truppen, General? Wann können wir in die tiefen Wege aufbrechen?“
    „Wenn ich, mit eurer Erlaubnis Herr, heute die Nachricht entsende, so können die Männer der Expedition schon nächste Woche bereit sein“

    „Dann lasst und keine Zeit verlieren!“, sagte E´Lara in die Runde. Dann wandte sie sich wieder an Ragnar: „General, ich schlage vor, dass wir vor unserem Aufbruch die Halle der Bewahrung aufsuchen und ich mich dort über den Thaig informieren kann. Natürlich könnt ihr mich begleiten, andernfalls bitte ich euch über die Herausgabe der Informationen“
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    Die nächsten Tage vergingen in stiller Vorbereitung. Viele schwarzgekleidete Figuren huschten durch die verschiedensten Viertel Orzammars, kauften Vorräte und berieten sich mit den Kriegern und Abenteurern, den Scholaren und den Trunkenbolden in den zahlreichen Tavernen. Die Wächter waren beliebt beim Volk der Zwerge und oft wurden sie des Abends in den Gaststätten und Wirtshäusern zu Speis und Trank eingeladen. Dann lauschten die Zwerge dicht gedrängt den Geschichten der legendären Krieger. Aber nicht nur die epischen Schlachten waren ein beliebtes Thema, auch die Welt außerhalb Orzammars mit dem unendlichen Himmel, den duftenden Blumen und der Veränderung von Tag zu Nacht klangen für Zwergenohren wie Märchen.

    Männer wie Tempest oder der, wie sich herausstellte, Barde Reach waren sehr gern gesehen bei den Gastgebern und nie mussten sie für ihre Getränke selbst zahlen.

    Die Anführerin der Wächter, E´Lara jedoch verbrachte sehr viel Zeit hinter den riesigen, goldenen Flügeltüren der Halle der Bewahrung. In dieser Halle sammelten die Zwerge alles Wissen, archivierten es und stellten es bei Bedarf zur Verfügung. Sie war sogar aus menschlicher Sicht riesig. Hohe Regale aus massivem, dunklem Holz pressten sich dicht an dicht in den steinernen, rechteckigen Raum. Es gab so viele Bücher und Dokumente, dass viele von ihnen aufgetürmt auf dem nackten Steinfußboden ruhten. Zudem funkelten zwergische und merkwürdig abstrakte goldene Artefakte in den dunklen Ecken der Halle.
    Dort brütete sie über schweren Buchbänden, zerknitterten Karten und mit Runen versehen Silbertafeln. So war es auch keine Überraschung, dass Ragnar die hübsche Elfe dort antraf, als er selbst erneut Informationen sammelte.

    E´Lara redete gerade mit einem Mann mittleren Alters, dessen rabeschwarze Haare lang in sein Gesicht hingen. Ragnar wunderte sich über den Mann, der eindeutig ein Ritter war. Seine massive Plattenrüstung wies ihn als großen Krieger aus, war sie doch mit grausamen Kerben übersäht.

    Also gut, Loghain. Dann nehmt die neuen Rekruten und bringt sie zum Soldatengipfel. Die Magierin ist noch nicht bereit für die tiefen Wege. Sie hat ja nicht einmal das Beitrittsritual durchlaufen“
    Der Mann, der auf den Namen Loghain hörte sah E´Lara enttäuscht an.

    Ich soll euch also nicht in die tiefen Wege begleiten?“
    „Diesmal nicht, mein Freund. Der Soldatengipfel braucht euch und ich befürchte, dass wir nach diesem Vorstoß unsere Reihen noch stärker aufstocken müssen, als ohnehin schon“
    „Ihr wisst, ich kann es nicht leiden, wenn ihr euch ohne meinen Schutz auf derart gefährliche Missionen begebt, E´Lara!“,
    erwiderte Loghain mürrisch. E´Lara lächelte vergnügt.
    Es ist immer wieder ironisch euch das sagen zu hören“
    Loghain grinste schief.
    In der Tat“

    Der Ritter war also doch ein Wächter, obwohl er nicht die charakteristische schwarze Rüstung trug. Allerdings verband Ragnar den Name „Loghain“, mit etwas Bösartigem.
    Ragnar trat heran und verneigte sich leicht.
    Wächter“, grüßte er verhalten. Die beiden langbeinigen Wächter kreuzten ihre Unterarme und neigten den Oberkörper nach vorne.

    „Loghain, dies ist General Ragnar. Er wird unseren Angriff anführen“, sagte E´Lara. Loghain beäugte Ragnar kritisch, kam aber offenbar zu dem Schluss, dass ein General der Zwerge Orzammars ein guter Krieger und Anführer sein würde.

    Beschützen Sie sie, General. Denn ich kann diesem Vorstoß leider nicht beiwohnen“
    Ragnar versprach ein Auge auf E´Lara zu haben, bemerkte aber auch, dass diese wohl sehr gut auf sich selbst aufpassen könne, was die Elfe mit einem selbstzufriedenen Kopfnicken quittierte.
    Ohne Zweifel. Sie ist mit Sicherheit die beste Kriegerin, die ich je sah“, äußerte Loghain.
    Genug davon“, unterbrach E´Lara die Lobpreisung. „Wir sind nicht hier, um über mein in der Tat bemerkenswertes Talent im Töten von dunkler Brut zu reden. General, ich habe mir diese Unterlagen dort hinten genauer angesehen und etwas Bemerkenswertes festgestellt“ Sie wies mit ausgestrecktem Arm auf ein Lesepult am hinteren Ende des rechteckigen Raumes.

    Ich wünsche euch eine ruhige Reise, Loghain. Passt auf die neuen Rekruten auf. Wir brauchen sie bald vielleicht dringender, als uns momentan noch bewusst ist“
    „Passt auf euch auf, meine Liebe. Und wenn ihr mich doch nicht braucht, schickt einfach nach mir“
    , antwortete Loghain noch immer etwas enttäuscht. Dann schüttelten sie einander die Hände, Loghain nickte Ragnar zu und verschwand aus der Bibliothek.

    Ragnar und E´Lara durchquerten die Halle, wobei Ragnar für jeden von E´Laras leichtfüßigen Schritten zwei machen musste. Am Pult angelangt trafen sie auf den riesigen Wächter, der in gebeugter Haltung über einem sehr alten Buch saß, dessen Seiten sich schon teilweise aus dem Band gelöst hatten. Er blickte auf, als sich die beiden nährten. Er sah sehr sympathisch aus und in seinem Gesicht lag väterliche Wärme, wenn er E´Lara ansah. Zu seiner großen Überraschung stellte Ragnar fest, dass auch das sonst eher kühle und distanzierte Elfengesicht sich aufhellte, als sie sich dem kräftigen Krieger nährte. Ihre Hand berührte seine linke Schulter und blieb dort liegen.

    General“, sagte der Krieger respektvoll, blieb jedoch sitzen.
    Wächter Riban, richtig?“, erwiderte Ragnar freundlich.
    Das stimmt, General“
    „Ein ungewöhnlicher Name. Ist das der eurer Familie oder euer Vorname?“
    „Es ist der meiner Familie, General“,
    antwortete Riban. Seine Stimme war freundlich und einladend, erfahren und weise.
    Es muss schwer für eure Familie sein, euch so fern der Heimat kämpfen zu lassen, Wächter“, sagte Ragnar auflockernd.
    Meine Familie ist tot, General. Die dunkle Brut metzelte sie nieder“ Die Stimme des riesenhaften Kriegers klang plötzlich sehr brüchig und trocken. E´Laras Finger drückte sanft zu und die rechte Pranke des Mannes griff nach ihr und stich zärtlich über sie.
    Das tut mir sehr Leid, Herr. Es war nicht meine Absicht euch zu kränken“, entschuldigte sich Ragnar.
    Ihr tragt keine Schuld, General. Nur die dunkle Brut. Dieser Brautschleier meiner Frau hier ist das einzige, was mir geblieben ist. Aber ich danke euch für eure Anteilnahme. Vielleicht erzähle ich euch eines Tages meine Geschichte…“
    „Das würde mich ehre, Wächter“,
    sagte Ragnar versöhnlich. Nun wusste er, was das weiße Stück Stoff war, dass der Krieger in seiner schwarzen Rüstung trug.
    „Also, was habt ihr rausgefunden, Wächter?“

    E´Lara, deren weiche Gesichtszüge nun wieder in pflichtgestählt wurden, deutete auf den dicken Lederband, über dem Riban gerade brütete.
    „Wusstet ihr, dass vor ca. 80 Jahren schon einmal ein Clan den Thaig aufsuchte. Das ganze Haus Crafft zog aus, um den Thaig zurückzuerobern. Allerdings hat man seitdem nichts mehr von dem Clan gehört“
    „Das Haus Crafft“,
    murmelte Ragnar verdrossen. „Jeder Zwerg kennt das Haus Crafft. Ein Haus niederer Adliger, verhasst in Orzammar. Andauernd wetterten sie gegen die Paragons anderer Häuser. Ihr Geschlecht bestand nur aus Feiglingen und Intriganten. Doch ihre Edelsteinschleifer waren legendäre Handwerker. Der alte Thaig Cadash´ar ist angeblich der Herkunftsort des Hauses. In jeder Ratsversammlung verärgerten die Abgesandten der Craffts die anderen Adligen mit Besitzansprüchen.
    Dann kam der junge Mar Crafft. Er war eine Zierde seines Hauses und ein Liebling der Ahnen. Ein junger Krieger, Sieger dutzender Torneikämpfe und geschickter Redner. Doch Mar verstarb bei einer Erkundung in den tiefen Wegen. Sein Vater zog sich daraufhin mit gebrochenen Herzen zurück. Keine Versammlung wurde mehr besucht und das Haus geriet wieder in Verruf. Dann, wie aus dem Nichts, kündigte das Haus Crafft seine Expedition an, verkaufte sämtliche Güter und Besitztümer, die sie nicht tragen konnten und zogen in die tiefen Wege. Manche sagen, sie hätten ihren Thaig gefunden und würden dort nun in unfassbarem Reichtum leben. Die Mehrheit jedoch weiß, dass die dunkle Brut jeden einzelnen der Craffts zerfleischte“


    Ihr rechnet also nicht mit Überlebenden? Den Berichten der Wächter, die den Thaig entdeckten, zufolge waren die meisten der Gebäude dort zwar als und zerfallen, doch auch ein paar sehr massive Bauten waren dort anzufinden.

    „Ja, das habe ich auch gelesen. Und ich hoffe es inständig. Damit ließen sich mögliche Verteidigungsanlagen sehr viel Schneller errichten“
    „Wenn das stimmt und ein einzelnes Haus es tatsächlich geschafft haben sollte, dort anzusiedeln, dann würde das bedeuten, dass diese Stellung tatsächlich prädestiniert für einen Stützpunkt wäre“
    Ich stimme euch zu, Wächter. Eine Art Festung, weit vor Orzammars Toren wäre eine… große Erleichterung für die Stadt“

    E´Lara spürte Ragnars zögerliche Wortwahl und sah ihn prüfend an. Sie legte den Kopf schief und fragte: „General, wieso seid ihr so erpicht darauf, diesen Thaig zu besetzten? Geht es euch wirklich um die Rückeroberung der tiefen Wege und dem Zurückführen eures alten Reiches, oder treibt euch Anderes zu diesem Handeln?“

    Ragnar wusste, dass Leugnen keinen Zweck hätte und so offenbarte er:
    Nun Wächter, versteht mich nicht falsch, Harrowmont ist mein König und Lehnsherr, auserwählt von den Ahnen selbst. Zudem war er einst ein überragender General. Ich schätze ihn als Herrscher und als Person. Doch er hat… sehr viele Feinde. Und um ehrlich zu sein, die politische Situation Orzammars ist momentan beinahe so instabil, wie zu jener Zeit, als ihr uns das erste Mal besuchtet. Behlen mag zwar tot sein, doch viele seiner Sympathisanten bekleiden nach wie vor hohe Ämter. Harrowmonts Bündnis mit Branka und die Rückführung des verlorenen Wissens der Golemherstellung haben ihm sicherlich viel Wertschätzung eingebracht, doch fehlt ihm zuweilen die nötige Durchsetzungskraft. Viele der Adligen gehen nur nicht gegen ihn vor, weil sie Dulin Forender und dessen Prätorianer fürchten“

    Ragnar seufzte angesichts der ausgesprochenen Wahrheiten.

    Zudem erstarkte die Präsenz der dunklen Brut hier unter der Oberfläche, nachdem der Erzdämon von euch erschlagen wurde und das Gezücht zurück in die Wege floh. Ich bin ein General und Krieger Orzammars, ich muss für diese Stadt kämpfen. Aber wenn ich es schaffe, tief in den Tunneln unseres ehemaligen Reiches zu kämpfen und die Brut dort zu beschäftigen, so hat Orzammar vielleicht Gelegenheit, sich um seine inneren Probleme zu kümmern“

    „Es geht euch also darum eurem König Zeit und Raum zum Handeln zu erkaufen?“, schlussfolgerte E´Lara zuckersüß. Ragnar nickte stumm. Sein Blick starrte leer auf einen Punkt am Boden. E´Lara biss sich auf die Unterlippe, ihre großen Augen wanderten nachdenklich nach rechts oben. Dann sagte sie:
    Seht ihr das hier?“, fragte E´Lara und hob einen goldenen Schlüssel für ein Zwergenschloss in die Höhe. „Dies ist ein Geschenk von Orzammars Führung. Für Staatsgäste, welche sich der Gesellschaft der Zwerge als würdig erwiesen haben. Und doch war die Politik Orzammars für mich stets ein Rätsel, aber auch seit jeher uninteressant. Für mich zählt lediglich die Bekämpfung der dunklen Brut. Und ihr bietet mir eine gute Chance. Ihr könnt also weiterhin auf meine Hilfe und die meiner Gefährten zählen“

    „Ich danke euch, Wächter. Es wird mir eine Ehre sein, an eurer Seite in die Schlacht zu ziehen!“
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    Der Abend war gekommen. Der Abend vor dem Aufbruch in die tiefen Wege und zu einer Unternehmung, die wenn sie Erfolg haben sollte, der erste Schritt in ein neues Zeitalter der Zwerge sein könnte. Tagsüber wurde ein großes Tornei zu Ehren der Mutigen, die gehen würden, abgehalten. Den Kriegern welche in die dunklen Wege steigen würden, war es untersagt worden selbst mitzukämpfen. Doch ein paar der Wächter maßen sich mit den besten Torneikämpfern Orzammars. Ihr Kampfgeschickt war beeindruckend.

    Nach dem Tornei trafen sich die Anführer der Expedition mit dem König. Auch die Wächter wohnten dem Treffen bei. Die Szenerie im Königssaal erinnerte stark an das Fest zur Begrüßung der Wächter. Erneut gab es beste Speisen, feinsten Wein und unzählige Sorten Bier. Doch anders als beim letzten Mal feierte man diesmal weniger ausgelassen. Eine unaussprechliche Anspannung überschattete die Gesellschaft und kein noch so freundliches oder ermutigendes Wort vermochte sie zu lockern. Die Musikanten stimmten heldenhafte Sagen und Lieder von edler Größe an, doch singen tat an diesem Abend niemand.

    Der König unterhielt sich mit den Anführern der Häuser, die entweder selbst oder durch Abgesandte an der Expedition teilnehmen würden. Ragnar, der als Anführer des Unterfangens allseits Respekt und Anerkennung erntete, aber zugleich wichtigster Ansprechpartner für Krieger, Strategen und Eheleute war, stand dicht beim König, als eine kleine Gruppe Zwerge in massiver, schwarzer Panzerung auf den Thron zuschritten. Die in das Schwarz ihrer Rüstung eingravierten, weißen Totenköpfe wiesen sie als Krieger der Legion der Toten, einem legendären Orden todessehnsüchtiger Zwerge aus, die ähnlich wie die Wächter nur ein Ziel kannten: den Kampf gegen die dunkle Brut.

    Als sie den König erreicht hatten, verneigten sie sich ehrfürchtig und ihr Anführer, ein Zwerg mit kurzen blonden Haaren, einem buschigen ebenfalls blonden Bart und einer wenig schmuckvollen Tätowierung, die sein Gesicht halb verdeckte, begann zu sprechen: „Wir, die Legion der Toten, grüßen dich, König Harrowmont. Ich bin Kommandant Heggo, zu euren Diensten. Ich bringe General Ragnar hier einen Trupp Krieger, welche euch beim morgigen Angriff unterstützen werden, zusammen mit den Grüßen der Legion“
    Ragnar wusste, dass die Legion der Toten unter stetigem Mangel an Soldaten litt und so wunderte es ihn nicht, dass sie lediglich eine Handvoll dieser grimmigen Berserker entbehren konnte. Doch wusste Ragnar auch um den Wert jener Männer und Frauen. Sie kämpften wild und ungezügelt, voller Zorn und ohne Angst vor dem Tod. Und so begrüßte er die Krieger freudig und bot ihnen sogleich einen Platz an einer der beiden Tafeln an. Im Gegensatz zu den anderen Zwergen störten sich die Legionäre nicht an der bevorstehenden Schlacht. Wieso auch, kämpften sie doch tagtäglich gegen diese abscheulichen Kreaturen. Sie lebten und starben ohne Beachtung durch die Zwerge Orzammars und das wussten sie. Doch es tat ihrem Pflichtgefühl keinen Abbruch. Nun saßen sie dick und bräsig unter all den feingekleideten Lords und Ladies und schaufelten sich unter lautem Lachen und geräuschvollem Kauen soviel Brot, Fleisch und Bier und Wein in die weit aufgerissenen Münder, wie sie konnten. Angewidert blickten einige der jüngeren Krieger aus adligem Hause auf die wilde Horde. Ragnar zweifelte nicht daran, dass sie ihre Meinung über die Schwarzgepanzerten beim Kampf gegen die Brut schnell ändern würden.

    Ragnar löste sich von den verschiedenen Zwergen, die ihn umgaben und schlenderte zu einem zyklopischen Bierfass. Am Zapfhahn füllte er sich den Krug reichlich voll mit schmackhaftem Malzbier. Plötzlich stand dicht bei ihm ein Mann, dessen goldener, mit Edelsteinen besetzter Becher auch mit dem köstlichen Gebräu begossen werden wollte.

    Verzeiht, General“, sagte der langbeinige Mann. Es war der Schönling namens Reach. Ragnar lies den Mann seinen Becher füllen, dann trat er an ihn heran. Der Barde duftete nach Kräutern und lächelte vergnügt, als er sich zu Ragnar gesellte.

    Wächter, setzten wir uns und trinken gemeinsam etwas. Schließlich werden wir zusammen kämpfen und Blut vergießen!“, sagte Ragnar und deutete einladend auf zwei grob gezimmerte Stühle unweit des riesigen Bierfasses, die wohl aufgrund ihrer Machart von dem feinen Adel gemieden wurden. Der Wächter deutete in schweifender Bewegung den Vortritt Ragnars an.

    Nachdem sich beide gesetzt, angestoßen und einen großen Schluck aus ihren Gefäßen genehmigt hatten begannen sie ihr Gespräch.

    Also Wächter. Mit wem rede ich hier genau? Entschuldigt meine Direktheit, aber wir scheinen beide Soldaten zu sein, ungeachtet unseres Ranges und unserer Position“
    Der Wächter lachte laut auf und schüttelte belustigt den Kopf.
    Wächter! Ja das bin ich, aber ein Soldat bin ich nicht. Ich war auch noch nie einer! Ich bin ein Barde, wie ihr sicherlich aus zahlreichen Tavernen vernommen habt“
    „Ja, das sagte man mir. Ich kann mir jedoch schwerlich vorstellen, dass die Grauen Wächter euch nur aufgrund eurer gesanglichen und dichterischen Talente aufnahmen“


    Wieder lachte er.

    Wieso denn nicht? Immerhin hält die Musik die Truppe bei guter Laune! Aber wenn ihr es wirklich so genau wissen wollt, ich bin Reach“
    Ragnar reichte ihm die Hand und stellte auch sich nochmals namentlich vor. Reach ergriff und schüttelte diese.
    Also Reach. Wie kamt ihr nun zu den Wächtern?“
    „Freiwillig. Wie gesagt, ich bin ein Barde und kenne natürlich alle Geschichten zu den Wächtern, sowie zahlreiche andere Legenden von Rittern, Helden und Abenteurern. Ich verdiente mein Geld allerdings nicht nur mit der Barderei. Ich bin ein Söldner und Kräuterkundler. Ich kämpfte in zahllosen Schlachten, arbeitete in den kleinsten Dörfern Thedas als Heiler und erfreute die hübschesten Damen an den größten Höfen, von Ferelden, über Orlais bis nach Nevarra“


    Ragnar staunte, wobei er nicht wusste, ob diese unfassbare Geschichte tatsächlich der Wahrheit entsprach. Er öffnete den Mund und antwortete mit einer Portion Ironie:
    Wenn das stimmt, Reach, dann seid ihr einer der interessantesten Männer, die mir je begegnet sind“
    Erneut schallendes Gelächter. Reachs sah ihn verschmitzt an und fuhr fort:
    Jaha! Das habe ich von mir auch gedacht, bis ich auf die Wächter traf. Wie gesagt, ich habe viel erlebt, obgleich meines noch recht jungen Alters. Doch selbst jeder noch so blutiger Kampf oder eine noch so heiße Geliebte, es ist doch letztlich nur eine Tat von unzähligen. Völlig bedeutungslos im großen Spiel der Welt. Ich träumte stets davon, die Balladen nicht nur vorzutragen, sondern eines Tages selbst die Figur einer von ihnen zu sein. Und was mir sonst verwehrt geblieben war, da ich weder König noch Rittersmann bin und sich auch kein Erstgenannter auf einen Zweikampf mit mir einlassen würde, entschied ich mich für die Grauen Wächter“

    Ragnar sah den jungen Krieger mit wachsender Skepsis an. Er fragte sich, ob jemand tatsächlich nur aufgrund des Ruhmes ein Leben in der Gefahr der tiefen Wege dem Leben an königlichen Höfen vorziehen würde.

    Ihr macht das also für die Ehre?“
    „Nein. Ich mache es für die Ewigkeit!“
    „Aber, wie habt ihr die Wächter überhaupt gefunden? Ich gehe nicht davon aus, dass sie in jeder größeren Ortschaft Rekrutierungsposten haben, oder?“
    „Nein, das ist wahr. Ich habe während meiner Söldnerzeit für eine Gruppe gearbeitete, die sich die Blackstone-Freischärler nennt. Der Wächter E`Lara half dieser Gruppe während der Verderbnis und nach dem Sieg über den Erzdämon baten wir ihr weiterhin Hilfe an. So kam es, das ich während eines Botenganges im Auftrag der Organisation auf sie und ihre Gefährten traf“
    „Was ist dann passiert? Erzählt!“


    Reach grinste und erhob seinen Becher. Auch Ragnar griff zu seinem schmucklosen Tonkrug und gemeinsam stießen sie an, befeuchteten ihre Kehlen und Reach fuhr fort, während Ragnar mit fasziniertem Blick an seinen Worten hing.

    Ich hab sie gefragt, ob ich ihr vielleicht helfen soll und das mehr Wächter doch gebracht würden. Sie hat mich unfassbar arrogant angesehen und abgewinkt. Erst als ich sie zum Zweikampf herausforderte ging sie auf mich ein. Sie sagte, dass wenn wir kämpfen würden nur einer den Platz lebend verlassen würde. Ich sagte zu und so kämpften wir. Es war erstaunlich. E´Lara kämpft fließend wie Wasser, aber brutal Erzdämon. Ich schaffte es jedoch, ihr das Schwert aus der Hand zu schlagen und noch bevor sie eine Ersatzwaffe ziehen oder sich die Klinge zurückholen konnte hatte ich schon die meine in den Staub geworfen und sie zum waffenlosen Kampf herausgefordert. Tja, das hätte ich mal lieber sein lassen, denn wie sich herausstellte war sie mir so weit überlegen. Nach nur wenigen Augenblicken lag auf der Erde, ihr Knie in meinem Genick. Sie hat dann hämisch ihre Begleiter gefragt, ob sie es gleich beenden solle, oder erst später. Der Mann, der sich mir später als der legendäre Teyrn Loghain offenbarte, gab ihr die Empfehlung mich aufzunehmen und mir das Leben zurück. Eines Abends offenbarte er mir, dass er mich nur deshalb nicht von E´Lara töten ließ, weil er sich an mich erinnere, wie ich einst an Marics Hof gesungen, einen seiner Ritter im Duell besiegt und schamlos mit seiner Tochter geflirtet hatte. Nun ja und so kam ich zu den grauen Wächtern“

    Ragnar konnte diese Geschichte kaum fassen. Bewundernd erhob er seinen Krug und prostete: „Dann ihr ja vom Glück sagen, dass ihr einen so bleibenden Eindruck hinterlasst! Aber sagt, hätte E´Lara euch wirklich umgebracht? Und wieso sagte sie: später? Habt ihr keine Furcht vor ihr?“
    Reach stürzte einen großen Schluck Bier hinunter und wischte sich danach mit dem Ärmel über den Mund. Er schüttelte den Kopf.
    Nein, das habe ich nicht. Seitdem hat sie mir in mehreren Kämpfen gegen die dunkle Brut bestimmt drei Mal das Leben gerettet. Und was das mit dem Mord an mir angeht: ja ich denke schon, dass sie es getan hätte. Graue Wächter sind nicht gerade für ihre Gnade und große Herzen bekannt, wobei jeder Wächter anders ist. Aber sie hatte Recht, sie tötete mich später“
    Ragnar blickte verwundert drein. „Aber ihr lebt doch nocht!“
    Reach sah ihn mit einer Mischung aus Traurigkeit und Schweremut an. Dann sagte er zögerlich: „Ihr… wisst nicht, was ein grauer Wächter ist, oder? Wie wir dazu werden?“
    Ragnar ging in sich und stellte fest, dass er abgesehen von den Legenden und den Wächtern, die er bisher getroffen hatte tatsächlich wenig über den Orden und seine Gebräuche und Aufnahmeriten wusste. Er hatte sich nie gefragt, ob es derartiges überhaupt geben mochte. Für ihn waren die Wächter eine Art Legion der Toten der Oberflächler, verbunden in ihrem Hass auf die dunkle Brut. Also schüttelte er verneinend den Kopf.

    Dann… ist es auch nicht so wichtig, General“, beendete Reach das Gespräch zu dem Thema. Ragnar verstand, dass es unangemessen wäre seinen Gast nun erneut darauf anzusprechen und so begnügte er sich mit der Frage nach den anderen Wächtern. Reachs Gesicht hellte sich wieder auf und mit altbekannter Freude begann er zu berichten:
    Über wen genau wollt ihr etwas wissen?“
    „Erzählt mir von dem Zwerg in euren Reihen!“
    „Halfdan? Da gibt es nicht viel zu erzählen. Vermutlich seid ihr mit seinem Leben besser vertraut als ich. Er stammt soweit ich weiß von hier und war ein Krieger des Hauses irgendwas in der Garde soundso. E´Lara fand ihn während einer Expedition in den tiefen Wegen. Seine ganze Einheit war massakriert worden und er der einzige Überlebende. E´Lara nahm ihn mit und sobald er auf der Oberfläche erwachte und erholt war, wusste er nicht, ob er jemals wieder in seine Stadt zurückkommen könne. E´Lara versprach, ihn beim nächsten Besuch in Orzammar mitzunehmen und für ihn ein gutes Wort einzulegen. In dieser Zeit lernte Halfdan die Welt außerhalb Orzammars kennen und lieben. Er begleitete E´Lara und die Wächter bei Untersuchungen von einzelnen Überfällen der Brut und konnte hilfreiches Wissen und geballte Kampfkraft liefern. Bei einer zerstörten Karawane fand er ein kleines Kätzchen. Jetzt pflegt er das schwarze Fellknäuel und lässt es mit auf dem Soldatengipfel wohnen. Er sagt, derart flauschige Wesen gibt es nicht in Orzammar. Ich bezweifle es, wenn man sich mal seinen Bart ansieht…
    aber er bestand darauf ein Wächter zu werden, was E´Lara auch dankend annahm. Seitdem kämpft er mit uns, trinkt und isst soviel wie drei Männer, tötet aber auch fast zweimal soviel Brut in einem Gefecht“
    Ein Hauch von Stolz erfüllte Ragnar. Zwerge behaupteten sich also überall, ob ober- oder unterirdisch als geschickte und tapfere Krieger.

    Was ist mit der Zwergin“, fragte er. Reach grinste, hatte er den Anflug von Abscheu in Ragnars Stimme nicht überhören können.

    Frakea. Ja, die ist ein echtes Schmuckstück, nicht wahr. Ich bin allerdings der Einzige, der das so sieht. Sie ist ebenfalls aus Orzammar, allerdings aus eurem Armenviertel. Sie war, oder ist, eine Attentäterin und gehörte einst zu einer kriminellen Karta, die von E´Lara persönlich zerschlagen wurde. Frakea war gerade auf einer sehr erfolgreichen Attentatsmission und als sie zurückkehrte, waren ihre beste Freundin Jarvia und die gesamte Karta Geschichte. Frakea hat dann versucht alles wieder aufzubauen, wurde aber von einem anderen Überlebenden an Harrowmonts Wachen verraten, weil dieser sich übergangen fühlte. E´Lara besuchte bei einem Besuch Orzammars die Kerker, nachdem sie sich über die aufgelöste Karta erkundigt hatte. Man berichtete ihr von der Attentäterin und E´Lara befand sie für durchaus nützlich. Also zwang man sie, sich den Wächtern anzuschließen. Das oder nackt in die tiefen Wege. Ich lache noch immer bei dem Gedanken, wie Frakea sich nackt und fluchend mit der dunklen Brut geprügelt hätte! E´Lara hatte ein ausgesprochen gutes Gespür, denn es gibt wenige Personen, die so tödlich sind wie Frakea. Und ihr gefällt der extravagante Lebensstil außerhalb der Stadt des Staubs. Allerdings hasst sie E´Lara fasst so sehr, wie sie die dunkle Brut hasst. Wenn ich E´Lara wäre, würde ich mein Essen immer vorkosten lassen“

    Reach zwinkerte. Er hatte ein sonderlich jugendliches Aussehen, wenn man ihn im rechten Licht betrachtete. Ragnar hatte sich so immer die Prinzen der Menschen vorgestellt, wenn er Geschichten von ihnen hörte. Allerdings trugen die Prinzen in den Geschichten stets glänzende Rüstungen und keine abgegriffenen Umhänge und nietenversehende Lederrüstungen.

    Sonst noch jemand?“

    Ragnar deutete auf den glatzköpfigen Bartträger. Reach setzte sich aufrecht und drückte seinen Rücken durch. Dann fuhr er sich mit der Hand über das bartlose Kinn.
    Das ist Hektor. Oh Entschuldigung, für euch vermutlich Tempest. Keine Ahnung, wieso er sich diesen Namen gegeben hat. Er ist ein Aschekrieger, den euren also gar nicht so unähnlich. Ich glaub er wäre gerne ein Zwerg, schaut man sich seinen blonden Zottelbart und seine doppelschneidige Axt doch mal an. Er ist, wie drücke ich es am elegantesten aus, kompliziert. Er ist das männliche Gegenstück zu E´Lara. Beide fechten mit völliger Hemmungslosigkeit, so als wäre der Tod bedeutungslos und Schmerz nur eine Illusion. Ich muss allerdings gestehen, dass ich nicht viel mehr über ihn weiß. Er spricht nicht sehr viel und er war schon vor den anderen von uns ein Gefährte E´Laras. Ich schätze, dass er nach der Verderbnis zu den Ersten gehörte, die den Wächtern beitraten. Tut mir Leid, General, aber vielleicht bekommt ihr in einem Gespräch mehr heraus“

    „Und der dort, sagte Ragnar und zeigte auf den großgewachsenen Krieger, den er einige Tage zuvor in der Bibliothek getroffen hatte. Reach seufzte bedeutungsschwer.
    Sein Name ist Riban, aber das wisst ihr sicher schon. Früher einmal Ser Riban oder Lord Riban, wie es euch beliebt. Er war einst ein großer und bekannter Ritter Fereldens. Seine Familie wohnte nahe eines Dorfes, unweit von Ostagar. Von Ostagar habt ihr sicher gehört, oder?“
    Ragnar nickte. Jeder, egal ob Mensch, Elf oder Zwerg kannte die traurige Geschichte Ostagars. Dort hatte der Menschenkönig Cailan sein Heer versammelt um gemeinsam mit den wenigen grauen Wächtern Fereldens die erstarkende Horde der dunklen Brut in einer Schlacht zu vernichten. Doch das Heer wurde von einem der adligen Lords, dem jetzigen grauen Wächter Loghain, verraten. Er zog seine Truppen vom Schlachtfeld ab und überlies Cailan und den Wächtern den Tod.

    Ser Riban gehörte zu den Rittern, die dem Ruf ihres Königs folgten. Er und seine Haustruppe sammelten sich in Ostagar. Frau und Kinder ließ er in seinem Anwesen zurück. Er vertraute in Cailan und die Wächter und dachte, er kehre bald nach Hause zurück. Doch wie ihr wisst kam es anders. Cailan fiel, zusammen mit dem Großteil seiner Armee. Auch Riban war unter ihnen. Allerdings war er nicht tot. Zumindest nicht ganz. Er hätte auf diesem Schlachtfeld sterben sollen, wie sein König und seine Schwertbrüder. Doch das Schicksal wollte es anders. Ein Zwergenhändler, der das Schlachtfeld nach Wertgegenständen absuchte, fand den Sterbenden. Er lud ihn auf seinen Karren und brachte ihn fort. Riban hatte Glück, der Oberflächenzwerg war, wie sich herausstellte ein fast so guter Kräuterkundler, wie ich es bin. Schon bald ging es ihm besser. Eines Abends wurde der Händler mit dem verletzten Riban von einer großen Anzahl Banditen angegriffen. Riban, noch immer verwundet, riss einen zwergischen Rundschild, der auch auf dem Karren lag herum und verteidigte seinen Retter. Mit seinem Familienschwert, dem einzigen Stück seiner Bewaffnung, dass Ostagar heil überstanden hatte, tötete er alle Angreifer. Der Zwerg dankte ihm von Herzen und schenkte ihm den hochwertigen Schild. Doch Riban wollte nur noch nach Hause.
    Er lief also den Weg bis zu dem Dorf. Rauchschwaden am Horizont deuteten auf Schreckliches hin. Das kleine Dorf war vollständig niedergebrannt. Die Mühle, die Taverne, sogar die Kirche. Er rannte zu seinem Anwesen. Völlig außer Atem brach er dort zusammen, als er die verkohlten Überreste seines Zuhauses vorfand. Als wäre dieses Grauen nicht schon genug, fand er in den Trümmern der Zimmer, wo einst seine Kinder schliefen die Überreste kleiner, zerbrochener Knochen. Dann sah er es, das Haupt seiner Frau, abgetrennt und auf einen erschreckenden Speer gespießt. Riban konnte nicht mehr, er fiel in Ohnmacht“
    Ragnar hörte die tiefe Betroffenheit des Erzählers und litt selbst mit jeder Faser seines Herzens. Reach seufzte tief und fuhr fort:
    „Sein ehemaliger Leibschmied fand Riban, wie er weinend und ohne jeden Lebensmut auf der Wiese vor dem Haus lag, den Kopf seiner Frau von sich geworfen, nachdem er ihren Anblick nicht mehr ertragen konnte. Er berichtete ihm von dem Überfall der gnadenlosen dunklen Brut und wie alles und jeder in ihrem Weg grausig dahingeschlachtet wurde. Riban wusste nicht, was er nun tun sollte. Sein König war tot, ebenso wie seine Familie und alles, woran er je geglaubt hatte, wofür er je gekämpft und gelitten hatte. Sowohl Riban als auch der Schmied wissen nicht, wohin sie gehen sollen und so entlässt Riban den Schmied aus seinen Diensten. Unter einem losen Stein unweit des Hauses lagerte ein kleiner Goldschatz. Diesen schenkte Riban dem Schmied zum Ende. Jener war so gerührt, dass er Riban gestand, etwas Eisen vor dem Angriff hätte in Sicherheit bringen können. Er erklärte sich bereit, seine restlichen Ressourcen zu verwenden und Riban die letzte Rüstung in seinen Diensten anzufertigen. Und so fachte er die alte Schmiede im Dorf ein letztes Mal an und fertigte eine schmucklose, aber starke und fantastische Rüstung. Dann verabschiedete sich Riban und zog los, der Verwüstung der dunklen Brut nach. Nur mit der Rüstung, seinem Schwert und dem Schild kam er in verschiedenste Dörfer. Manche wurden von der dunklen Brut angegriffen, andere waren schon zerstört. Wo er helfen konnte half er. Er wollte nur Rache und erschlug unzählbar viele der Brut. Die geretteten Dörfler boten ihm Geld, doch er lehnte ab, nahm nur angebotene Lebensmittel und zog weiter zur nächsten Schlacht. Viele hielten ihn schon damals fälschlicherweise für einen Grauen Wächter. Und obwohl die Chancen von Anfang an gegen ihn standen, kämpfte er alleine bis zum Ende der Verderbnis. Danach dünnten die Angriffe der Brut aus, also suchte er immer verbissener nach ihrer Quelle. Ein Bürgermeister berichtete von einem Eingang zu einer unterirdischen Höhle, die von den Dörflern aufgrund absurden Aberglaubens gemieden wurde. Riban brach dorthin auf, bereit im Herzen der Dunkelheit seine letzte Schlacht zu schlagen. Doch erneut hatte das Schicksal einen anderen Plan. Zur selben Zeit suchte auch eine Gruppe grauer Wächter den Ursprung der Brutsichtungen in der Umgebung. Als der Bürgermeister auf einen vermeintlich anderen Wächter hinwies, wurde sie neugierig. Vor dem Höhleneingang fand die Gruppe der Wächter, deren Angehöriger übrigens auch ein überaus attraktiver Barde war, den Ritter wie er alleine und von dunkler Brut umringt, kämpfte. Um ihn stapelten sich bereits die schmutzigen, stinkenden Körper besiegter Feinde. Wir griffen ein und schlugen die dunkle Brut zurück. Dann befragte E´Lara den Ritter und erklärte, dass auch sie auf der Suche nach der Höhle gewesen sei, allerdings um diese zu betreten und zum Einsturz zu bringen. Der Ritter sagte zu ihr zu helfen. Er kämpfte verbissen gegen die Monstren, die aus den Löchern der Höhle quollen wie eine Horde glitschiger Ratten. E´Lara zündete den Zwergensprengstoff und verschloss den Zugang. Danach sprach sie mit dem Ritter. Er erzählte ihr alles. Er schien froh zu sein, endlich einmal mit jemandem darüber reden zu können und E´Lara bot ihm die Chance auf lebenslange Rache. Riban hatte sowieso nichts zu verlieren und angesichts dessen und seiner neuen Gefährten trat er bei“
    Das ist wahrlich eine traurige Geschichte“, sagte Ragnar bedrückt. Reach nickte zustimmend, dann flüsterte er: „Bitte, General. Erzählt ihm nicht, dass ich euch sein tragisches Schicksal offenbarte. Sprecht bitte mit niemandem darüber!“

    Ragnar bejahte und schwor, nichts davon preiszugeben.

    Dann bleibt nur noch einer, über den ihr mir berichten könnt, Reach“, begann Ragnar gespannt von dem letzten Waffengefährten in E´Laras Gefolge zu hören.
    Ja, das ist wahr. Tarrasiel, unser Magier. Ein kommt, ebenso wie unsere erlauchte Anführerin von einem Clan der Dalish. Er gehört dort einem vergessenen Orden von Kriegern an, die sowohl den Weg der Magie, als auch den des Schwertes beschreiten. Sie nenne sich Arkane Krieger. Ich habe schon den ein oder anderen Magier getroffen und auch hin und wieder einen Clan der Dalish. Barden und Landstreicher sind bei ihnen lange nicht so verhasst, wie man immer hört. Aber dieser Dalishmagier. Er kämpft wie ein Bereskan!“

    Ragnar blickte verwirrt drein, worauf Reach schnell ergänzte: „Ein gefährliches riesiges Wesen, am ehesten mit einem verdorbenen Bronto zu vergleichen. Wenn Tarrasiel kämpft, werden seine Klingen zu Eis und hinterlassen tiefe, kalte Wunden, welche austretendes Blut zu Kristallen gefrieren lassen. Zudem schickt er Feuer aus seinen Händen und bebende Erde durch, das bloße Murmeln eines Zaubers und dem Aufstampfen seines Fußes. Er kann zerfetztes Fleisch in einem Augenblick wieder zusammenfügen und einem müden Krieger durch eine Berührung und einen ausgesprochenen Zauber neue Kraft verleihen. Außerdem habe ich einmal gesehen, wie er einen toten Körper blasphemische Worte zurief und dieser sich aus seinem Totenschlaf erhob und fortan unter Tarrasiels Befehl kämpfte, bis es diesem gefiel ihn von seiner Pflicht zu entlassen. Während E´Lara diese Methoden als durchaus nützlich ansieht, widern sie Leute wie Riban oder mich eher an. Tote sollten tot bleiben und ihre vom Leben geplagten Seelen nicht belästigt werden! Ihr staunt, General? Haltet ihr mich für derart abgebrüht, dass ich nicht einmal solche Magier verurteile?“

    Er lachte.

    Wie kam ein Dalishkriegsmagier zu eurer Gruppe?“, wollte Ragnar wissen. Reach zuckte mit den Schultern.
    „Zufall? Oder vielleicht war es Schicksal oder der Wille des Erbauers. Hin und wieder wird E´Lara ein wenig sentimental und besucht Dalishclans, wenn diese zufällig in der Nähe sind. So auch an diesem Tag. Wir blieben in der kleinen Ortschaft, in dessen Nähe der Clan siedelte. Tarrasiel besuchte, anders als die anderen Dalish gerne die Orte der Menschen. Die Templer des Ortes jedoch erkannten ihn als Magier und wollten ihn zum Zirkel bringen. Er lief zurück zu dem Clan, da er die Menschen nicht bekämpfen wollte. Die Templer folgten und stellten ihn. E´Lara, aus Sympathie für die Dalish, wendete das Konskriptionsrecht an. Dies war unser Glück, denn seitdem hat er sich als dankbarer und überaus hilfreicher Verbündeter erwiesen“

    Ragnar danke Reach für die Berichte über die Wächter.
    Nun ihr, General. Ihr wisst nun alles über uns Wächter, doch ich weiß nichts über euch zu sagen. Das Leben als General muss überaus spannend sein“
    Nun war es an Ragnar zu lachen. Er strich sich über seinen braunen, dichten Bart.
    Es bedeutet nur, dass die dunkle Brut einen besser gekleideten Krieger bekämpft und ihr mit dem Respekt eurer toten Männer sterbt. Ich glaube nicht, dass mein Leben als General sich von dem der meisten Grauen Wächter unterscheidet. Von Kindesbeinen auf wird einem das Feindbild der Dunklen Brut und der Umgang mit der Waffe beigebracht. Dann zieht ihr das erste Mal in die Schlacht gegen die Ungeheuer und sterbt fast vor Angst. Doch dann stellt ihr fest, dass sie leicht zu erschlagen sind und dass sie fliehen, wenn ihre Siegeschancen niedrig sind. Und so wird der Kampf hier unten zum alltäglichen. Ich überlebte wo andere starben und wurde dafür mit Titeln und Rängen belohnt. Und nun stehe ich an der Spitze guter Männer und Frauen, die freiwillig in die Dunkelheit vorstoßen wollen, um ihre Heimat zu schützen. Ich verspüre nur Stolz beim Gedanken an diese Zwerge. Dies ist das erste Mal, dass ich seit Langem wieder Sinn im Kampf sehe“

    „Aber habt ihr keine Familie für die ihr kämpfen wollt?“
    „Hätte ich eine Familie, so würde ich vermutlich gar nicht mitkämpfen. Ich wäre wohl kein guter General, wenn ich etwas zu verlieren hätte. Nein, ich lebte für den Kampf. Ich kenne nichts anderes mehr“
    Er seufzte schwer. Dann schüttelte er traurig den Kopf.
    Es hat keinen Sinn mehr davon zu sprechen, Wächter. Lasst und lieber noch etwas trinken!“

    Gemeinsam schlenderten sie zu dem Bierfass um ihre leeren Becher zu füllen. Sie tranken Bier und dachten nicht an morgen. Denn morgen sollten sie alle in die Tiefen Wege und in den Krieg ziehen.
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    Am Mittag des nächsten Tages begann die Expedition. Ragnar, der noch einen leichten Kater vom Vorabend verspürte hatte sich bereits mit seiner hochwertigen, massiven Zwergenrüstung ausstatten lassen. Sie war von derselben Farbe, wie der seltene Sandstein, der nur in Orzammars Adelsviertel zu finden war. Zudem waren rote Nieten und zusätzliche Panzerplatten dort angebracht worden, wo die Rüstung entweder zu offen oder schon beschädigt worden war. Mit seinem schweren Vollvisierhelm, der ebenfalls zwergischer Machart war und daher feiner gearbeitet, als die meisten Helme der Menschen, in der einen Hand, das Breitschwert umgeschnallt und seine schwere Kriegsaxt sowie den Rundschild mit dem Wappen Orzammars auf der Vorderseite, in der anderen Hand schritt er zielstrebig auf die Ansammlung von Zwergen vor dem Zugang zu den tiefen Wegen zu.

    Ganz Orzammar war in Aufruhr. Zwar starteten beinahe täglich Patrouillen in die tiefen Wege, doch seit Branka ihr ganzes Haus in eben diese geführt hatte, war keine derartige Expedition mehr unternommen worden. Zudem war dies eine offizielle Expedition unter königlichem Banner. Die meisten anderen Expeditionen waren privater Natur und von ambitionierten Familien und Clans organisiert und finanziert. Die kam aber selten vor, da ein derartiges Unterfangen immense Kosten tragen muss. Noch seltener kam es vor, dass die Wächter Zwergen erlaubten, ihre eigenen selbstmörderischen Aufenthalte in den tiefen Wegen zu begleiten. Heute jedoch versammelten sich viele Schaulustige, sowie Familienangehörige der Männer und Frauen, die an diesem Tag in die Wege aufbrechen würden.

    Viele Zwergenkrieger standen in Gruppen zusammen. Manche lachten laut, andere berieten sich. Wieder andere verabschiedeten sich von ihren Familien. Ragnar erkannte den Zwergenwächter Halfdan, wie er bei einer Gruppe Krieger der Roten Garde stand und angeregt mit ihnen sprach. Ragnar war froh darüber solch kampfgestählte Veteranen bei sich zu haben, den die Männer der Roten Garde zählten zu den besten Verteidigern Orzammars überhaupt. Auch erkannte Ragnar die Krieger des Hauses Röök, deren runde Schilde unüblicherweise aus Holz gefertigt waren und an deren, vom Träger aus gesehen, rechten Rand eine sichelförmige Einbuchtung geschnitzt worden war, damit die Männer sich den Schild vor das Gesicht halten, aber dennoch gut an ihm vorbei spähen konnten. Das Haus Röök machte auch zahlenmäßig den größten Teil der Expedition aus. Es war kein Geheimnis, dass Röök seinen alten Glanz durch derartige Taten erneuern wollte. Ragnar war es gleich, für ihn bedeutete es bloß mehr Männer im Kampf gegen das grauhäutige Ungeziefer. Auch die anderen Häuser hatten ihre Krieger und Handwerker gebracht und alles mögliche Material, Ausrüstung und Verpflegung auf fünf riesige Brontos verladen. Während er sich seinen Weg durch einige der Krieger und Handwerker des Hauses Rokatank, die allesamt gelbe Kleidung, Schild und Heimverzierungen trugen, bannte wurde er von den Männern begrüßt. Sie schlugen sich auf die Brust, senken ehrfürchtig den Kopf und gaben ein kurzes „General“ von sich. Schließlich gelangte er zu den Grauen Wächtern.

    Ich grüße euch, Wächter!“, rief der General E´Lara und ihrer Gruppe zu. Viele kreuzten die Unterarme und verneigten sich, andere nickten bloß.
    Wie geht es euch, General? Seid ihr ausgeruht?“, fragte E´Lara platonisch.
    Ausgeruht genug. Und ihr?“
    E´Lara nickte stumm. Ragnar fiel auf, dass sie ihre sonst zu einem Zopf gebunden Haare offen trug. Manche Strähnen waren zu langen, fingerdicken Zöpfen geflochten an deren Ende seltsame, schneeweiße Federn hingen. An anderen geflochtenen Haaren fanden sich keine derartigen Acessoirs. Der Rest ihrer langen Haarpracht schlang wie unbeachtet so, wie es gerade fiel. Ragnar zählte sieben dieser großen Federn, jede so lang wie ein Dolch. E´Lara fiel sein Blick zwar auf, sie setzte jedoch nicht zu einer Erklärung an. Sie stand neben einer großen Holzkiste mit lederner Ablage. Darauf ruhten ein großes Langschwert, welches in einer schwarzen, eisenbeschlagenen Scheide steckte. Eine unnatürliche Wärme ging von der Waffe aus. Ragnar konnte jedoch den Grund dafür nicht feststellen. An die Kiste gelehnt stand ein großer Ritterschild von der üblichen Form menschlicher Schilde. Er war aus gutem Rotstahl gefertigt und wies eine überaus hohe Qualität aus. Das Wappen, welches auf der Vorderseite prangte war Ragnar unbekannt. Es war nicht das Zeichen der Grauen Wächter. Er wusste, dass die Wächter einen weißen Griffon auf schwarzem Grund als Wappen führten. Dieses jedoch zeigte einen grau-steineren Turm mit erhabenen Zinnen, der auf einem roten Berg stand. Der Schild war übersät mit mehr oder weniger tiefen Kerben, manche von grausamer Herkunft. Dennoch war er noch ebenso brauchbar wie am Tag seiner Übergabe in den Dienst des Wächters. Das waren jedoch nicht E´Laras einzige Waffen. Über den Rücken geworfen trug sie denselben Bogen, denn sie auch bei dem ersten Treffen mit dem General getragen hatte. Erneut wunderte sich Ragnar über die einzigartige Machart des Bogens und das strahlende Weiß des Holzes und der Befiederung der Pfeile, die in dem schwarzen Lederköcher streckten. Diese Waffe bildete einen wunderbaren Kontrast zu der ansonsten schwarzen, schmucklosen Panzerung, welche E´Lara anscheinend sowohl im Kampf, als auch außerhalb immer trug. Als letzten Teil ihrer Ausrüstung steckte ein krummen Dolch in einer aus gutem Leder und vermutlich nach Art der Dalish gefertigten Hülle. Diesen band sich E´Lara in diesem Moment an die rechte Seite ihres Schwertgurts.

    Also General. Seid ihr bereit aufzubrechen?“, fragte E´Lara?
    Ja, ich bin der Meinung, wir sollten nicht zulange warten. Sind eure Männer ebenfalls bereit?“
    „Sie sind bereits. Seid dem Tag ihrer Einberufung in den Orden“
    , sagte E´Lara ernst ohne dabei ihre Miene zu verziehen. Ragnar kannte diese Sturheit und Verneinung des Todes sonst nur von der Legion der Toten. Bei dem Gedanken an diese huschten seine Augen suchend über die Masse. Als er sie nicht erspähen konnte rief er seinen Adjutanten Sievert zu sich. Der junge Zwerg, der eine überaus teure, prunkvolle Silberitrüstung trug eilte herbei.
    Was kann ich für dich tun, Herr?“, fragte er.
    Hast du die Männer der Legion gesehen? Sollten sie nicht gemeinsam mit uns in die tiefen Wege vorstoßen? Wo sind Kommandant Heggo und seine Legionäre?“
    „Ich glaube das kann ich ich ihnen besser erklären, General“, schaltete sich E´Lara ein. Gespannt wandte sich Ragnar nun an sie.
    Die Legionäre sind bereits heute Morgen als Spähtrupp mit einem meiner Wächter in die tiefen Wege aufgebrochen“
    Nun gut. Wenn das der Wille des Königs ist, dann soll es so sein. Bei weiteren Änderungen unseres Plans möchte ich aber sofort informiert werden, verstanden!“
    Verwundert über den Befehlston, den der General ihr gegenüber anschlug zog E´Lara ihre Augenbrauen hoch. Ragnar, der nun merkte, was er getan hatte entschuldigte sich darauf.
    Es tut mir Leid, Wächter. Ich sollte euch und meinen König nicht infrage stellen“
    „Nein, General. Ich sollte mich entschuldigen. Ihr seid für dieses Unterfangen zuständig und ich hätte dem Vorschlag von Kommandant Heggo nicht blindlings zustimmen dürfen. Wenn wir in den Wegen mit einer derart großen Gruppe überleben wollen, müssen wir lernen miteinander zu arbeiten“
    Ragnar nickte. Im selben Moment kam ein Soldat angelaufen.
    Herr. König Harrowmont bittet euch noch einen Moment zu warten. Er möchte euch persönlich verabschieden“
    „Wenn der König es wünscht, werden wir natürlich warten. Geh und melde, dass wir hier bereitstehen werden!“
    Der Bote verneigte sich und eilte davon.

    Die Zeit des Wartens wurde unerträglich. Die Männer und Frauen, welche an der Expedition teilnahmen wurden nervös. Es ist nicht gut solchen, denen ein gefährlicher Weg bevor steht auch noch lange auf die Folter zu spannen. Die Zeit nutze Ragnar, um seine Männer zu inspizieren und die zahlreiche Ausrüstung zu prüfen. Alle waren anwesend. Jedes Haus, Röök, Helmi, Mjollnir und Peschk hatte seine Krieger entstand, ebenso wie Rokatank, die zwar mit nur wenigen Kriegern, dafür aber vielen Handwerker und finanzieller Unterstützung im Vorfeld viel bewegt hatten. Insgesamt waren es 53 Kriegerinnen und Krieger, 21 Handwerker, sieben Wächter sowie Ragnar selbst, der ebenfalls 13 seiner eigenen Huskarls mitbrachte. Die Legion der Toten hatte neun Männer, ihren Kommandanten mitgerechnet geschickt und E´Lara hatte von einem weiteren Wächter erzählt, der mit den Legionären schon auf Spähermission war.
    Leise vor sich hinmurmelnd zählte er die Mitgliederanzahl der Expedition zusammen.
    105! 105 Zwerge und Wächter würden sich in die Dunkelheit wagen um den alten Thaig Cadash´ar zurückzuholen! Ragnar fragte sich, wie viele er wohl bei der Suche nach dem Ort verlieren würde. Es war immer ein grausamer, tief bedrückender Gedanke. Aber bisher war keine Expedition in einer ähnlichen Größenordnung jemals ohne Verluste heimgekehrt. Am meisten Sorgen bereitete ihm die Unstimmigkeiten der Häuser. Röök trauerte noch immer alter Größe nach, während Peschk seine Position als eines der ehrbarsten Häuser verteidigte. Angeblich hatten sie sich nach König Aeducens Tod sogar selbst auf dem Thron gesehen. Dann noch Mjollnir, dieser Clan, der nur den Kampf und nichts anderes als den Kampf kennt. Es war ein niederes Adelshaus, dass aber sehr viele Krieger beherrschte. Und diese waren stets auf Streit aus. Helmi hatte sich bei der Wahl des neuen Königs loyal zu Harrowmonts Konkurrenten Behlen gestellt, wurde nach dessen Niederlage und Tod dadurch zu einem verpönten Clan, dessen Name nur noch geflüstert wurden. Rokatank war das Haus, dem Ragnar am meisten zutraute einzig für das Wohl Orzammars mitzumarschieren. Das Oberhaupt Rokatanks, der zum Kampf viel zu alte Grändel, war schon immer ein guter Freund und Berater sowohl Harrowmonts als auch Ragnars gewesen. Außerdem verfügten sie über die geschicktesten Steinmetze in Orzammar und Ragnar wusste, dass dies sogar wichtiger war, als die Krieger die Rokatank entsandt hatte.

    Ragnar überblickte also die fast 100 Mann, die sich noch an Orzammars Tor aufhielten. Dabei fiel sein Blick wie üblich auf die Wächter, die mit ihrem höheren Wuchs immer ins Auge stachen. Der schöne Barde Reach saß auf einem Fass und kritzelte in ein kleinen braunen Lederband. Neben im lehnte der mächtige Anderthalbhänder, der eine sehr breite Schneide besaß. Ansonsten konnte Ragnar weder Helm noch Schild ausmachen. Beim Anblick der anderen Wächter fragte er sich indes, ob die Wächter den Tod vielleicht ebenso herbeisehnten wie die schwarzgepanzerten Legionäre Orzammars, denn die wenigsten trugen wirklich schwere Panzerungen. Der Krieger der sich selbst Tempest nannte trug einen Harnisch, jedoch keinerlei Armpanzerungen. Seine Haut war dort nur mit Lederschnürren umwickelt, die vielleicht einen Messerstreich hemmen konnten, jedoch keine verdorbene Klinge der dunklen Brut. Allerdings hielt er einen Helm in der Hand, dessen Visier eine gar grauenerregende Fratze darstellte. Für die Augen waren Schlitze eingelassen, doch ansonsten verbarg er den Kopf völlig. Was genau dieses fürchterliche Gesicht darstellte vermochte Ragnar nicht zu sagen. Es wies Merkmale eines Wolfes auf, ebenso aggressiv wie Wölfe in den Büchern der Halle der Bewahrung gezeichnet waren und doch schien auch menschliche Züge in ihm zu sein. Ragnar schüttelte den Unbehagen ab, den diese Perversion eines Gesichts in ihm auslöste und riss sich von dem Anblick los.

    Der nächste Wächter den er erspähte war der Elfenmagier Tarrasiel. Sein Schwert, dass ebenso wie sein langer Dolch eine gebogene Klinge aufwies ruhte auf seinem Rücken. Zudem hatte er nun einen hölzernen Stab in seiner Hand dessen Ende leicht verkohlt war. Er schien vollkommen unspektakulär und erst bei genauerem Hinsehen erkannte Ragnar, dass entlang des Stabes silberne Runen glühten.
    Zur Kanalisierung arkaner Energie“, erklang es da neben ihm. Es war Reach, der sich von seinem Fass erhoben und zu ihm geschlendert war. Ragnar nickte, ohne zu wissen was genau das bedeutete.
    Ich verlasse mich lieber auf guten, zwergischen Stahl und meine Fähigkeiten“, sagte er und hob die Hand, in der er Schild und Axt hielt an. Reach lachte, während er das braune Büchlein in eine seiner zahllosen Taschen schob.
    Geht mir ähnlich. Herzlanze hier hat schon so manchen Kampf für mich entschieden“, sagte er und klopfte bedächtig auf die Schwertscheide in der er sein Bastardschwert stecken hatte. Der spitze Dorn am Ende des lederumwickelten Griffes funkelte bedrohlich.
    „Herzlanze? Wirklich, Wächter?“
    „Ihr belächelt den Namen? Nun ich gebe zu, er ist mir auch erst vor knapp zwei Wochen eingefallen. Davor hieß es Schädelspalter, Siegesklinge, Bruttöter,...“
    Ragnar schaute ihn ungläubig an, was er mit einem Schulterzucken quittierte.
    „Ich bin Barde. Wir Poeten haben viele Namen für unsere Wunderwaffen. Und manchmal dauert es halt, bis man den richtigen gefunden hat“
    „Was hat es eigentlich mit diesen Federn auf sich, die da in den Haaren eurer Elfenanführerin stecken?“, erkundigte sich Ragnar neugierig.
    Reachs Antwort war bedächtig, beinahe ehrfürchtig.
    Griffonfedern. Es gibt nur noch sehr, sehr wenige von ihnen, da die Griffons vor langer Zeit ausgestorben sind. Angeblich verleihen sie dem Träger Stärke und Geschick im Kampf. Sie werden heute nur noch als Zeichen größter Wertschätzung an Wächter in ganz Thedas vergeben, die sich verdient gemacht haben. Alle verbliebenen Federn werden in Anderfels, im Hauptquartier der Wächter aufbewahrt“
    „Und sie bekam ihre, weil die den Erzdämon erschlug?“
    Aye. Zumindest die ersten Drei. Die Restlichem kamen dann Stück für Stück dazu. Eine für den Soldatengipfel, eine für Vigils Wacht, eine für die Rettung Amaranthines und eine weil die den Architekten tötete“

    Während sie sich unterhielten schaute sich Ragnar auch die verbliebenen drei Wächter an. Halfdan der Zwerg trug einen großen, schweren Kriegshammer. Als Zweitwaffe hing ein Langschwert zwergischer Machart an seinem Gürtel. Auch er schien sich nicht besonder viel aus Helmen zu machen, denn er präsentierte seine blonde Mähne ebenso frei wie E´Lara die ihre. Der Mann namens Riban war das anders. Seine Rüstung war die einzige, die Ragnar als komplett beschreiben würde. Zwar war sie ebenso schwarz wie die der anderen Wächter und sogar noch schmuckloser doch war sie überall gleich gut mit Ketten und Rüstungsplatten versehen. Zudem hielt er neben seinem Schild, von dessen Herkunft Ragnar nach dem Gespräch mit Reach nun wusste, auch noch einen Helm aus dunklem Stahl bereit, dessen Wangenschutz sich weit nach unten zog, ebenso wie der Nasenschutz. An den Seiten des Helmes ragten zwei gegossene fügelähnliche Auswüchse nach oben und flankierten den spitzen Zulauf.
    Reach, der Ragnar genau beobachtetet hatte unterbrach dessen Beurteilung von Ribans Rüstung.
    Macht euch nichts vor, mein Freund. Auch wenn Riban von uns die am meisten einer Uniform gleichenden Rüstung trägt, so gibt es unter den Wächtern wohl kaum einen Zweiten, der dem Tod mit so wenig Furcht entgegen tritt, wie er“
    Mehr zu sich selbst, als zu Ragnar fügte er murmelnd hinzu: „Wäre er doch bloß mit seinem geliebten König gefallen“

    Ragnar wandte sich beschämt zur Seite. Das Schicksal des armen Riban berührte ihn sehr, obwohl er ihn kaum kannte. Um auf andere Gedanken zu kommen befasste er sich letztlich mit der Assassine der Wächter. Ihre drahtigen Haare wirkten wie Kupfer, dass man mit Gewalt zu einem Zopf geflochten hatte. Sie wirkte frech und selbstgefällig, wie sie die ganzen Zwerge provokant ansah, die ihr verachtende Blicke zuwarfen. Dabei stützte sie sich auf ein hölzerne Armbrust.
    „Was ist mit der da?“, wollte Ragnar wissen. „Wird sie Schwierigkeiten machen?“
    „Nun. Zumindest der dunklen Brut, hoffe ich“, feixte Reach. Bei Ragnars ernstem Blick ergänzte er: „Frakea ist im Prinzip ganz in Ordnung. Da ihr mit uns reist, wird euch nicht entgehen, dass sie den Großteil ihrer Zeit in meiner Nähe verbringt. Vermutlich werdet ihr auch das Gerücht hören, dass sie uns ich eine Romanze hätte. Dann hört einfach weg, in Ordnung. Sie ist nicht mein Typ Frau, gibt ständig damit an, dass sie beinahe so gut Nugs braten könnte wie irgendeine ihrer entfernten Verwandten, die damit an der Oberfläche angeblich Berge von Gold verdienen würde, Walla irgendwas. Auch das solltet ihr nicht glauben. Das Einzige, was Frakea gut zubereiten kann sind Gifte. Und von denen solltet ihr lieber die Finger lassen, General“
    Er zwinkerte. Sein schelmisches Prinzengesicht spiegelte kein Anzeichen von Ernsthaftigkeit und Besorgnis in Anbetracht der vor ihnen liegenden Aufgabe wieder.

    Die Durch Rufe angekündigte Ankunft des Königs unterbrach die Beiden. Ragnar löste sich von Reach und trat zu Harrowmont, der begleitet von seiner Leibgarde herantrat.

    Mein König. Wir sind bereit aufzubrechen. Für Euch und Orzammar!“, grüßte Ragnar. Harrowmont lächelte.
    Ich bin froh, dass ich euch noch erwische, mein Junge. Seht, ich habe etwas für euch“, begann Harrowmont und mit ausladender Geste wies er auf eine Gestalt, die hinter seiner Wache heran stapfte. Ragnar glaubte es kaum, doch die riesige und breite Gestalt war ein steinerner Golem. Er war fast doppelt so groß wie die Elfin und überragte damit sogar den Krieger Riban bei Weitem.
    Mein König, ich wusste nicht, dass...“, begann Ragnar, doch Harrowmont winkte lässig ab.
    „Branka hat ihn vor etwa einer Woche geschickt. Und ich hielt ihn für eine gute Investition zu eurer Expedition, wo ich schon keinen meiner Prätorianer entbehren kann“
    Ragnar verneigte sich tief, sodass sein langer Bart beinahe den Boden berührte. Harrowmonts Lächeln wurde breiter, als er dem General den kunstvoll geschnitzten Kontrollstab überreichte.
    „Vielen dank, mein König. Ich werde ihn mit Bedacht einsetzten“
    „Ich weiß, dass ihr das werdet, General. Und nun wünsche ich euch alles Gute und möge euer Unterfangen von Erfolg gekrönt sein. Und mögen die Ahnen über euch wachen!“

    Erneut verneigte sich Ragnar. Dann trat er zurück und sah in die staunenden Gesichter der Expeditionsler. Ein Golem auf ihrer Seite würde die Überlebenschancen drastisch erhöhen und das wussten sie. Ragnar winkte seinen Adjutanten heran.
    Sievert, sorge dafür, dass alle abmarschbereit sind!“
    Du kannst auf mich zählen, Herr“, erwiderte Sievert und verschwand. Ragnar sah sich um. Das Tor Orzammars von dem aus man in die tiefen Wege aufbrechen konnte war bereits geöffnet worden. Der Großteil der Expedition stand auf dem riesigen Vorplatz direkt beim Torhaus. Ragnar durchquerte die Masse und bestieg eine steinerne Treppe, die hinauf zum etwas höher gelegenen Torhaus führte. Dort wandte er sich um und rief:
    Mein Freunde, hört her! Kommt und versammelt euch! Es ist so weit, wir betreten die tiefen Wege!“
    Seine Ansprache ließ die unzähligen Gespräche verstummen. Nun waren alle Augen auf ihn gerichtet.
    Orzammar baut auf uns! Wir, die Zwerge, sind die einzigen, die das Recht haben unsere alten Thaigs zu besetzten! Wir, die Zwerge, sind die einzigen, die durch die von Zwergenhand errichteten tiefen Wege schreiten sollten!“
    Seine Ansprache stieß auf laute Zustimmung. Ragnar ballte die Fäuste, um seinen Worten mehr Ausdruck zu geben und rief:
    Wir! Die Krieger und Handwerker Orzammars, werden die ersten sein, die sich die tiefen Wege zurück holen! Und beginnen werden wir mit dem Thaig Cadash!“
    Jubel brach aus.
    Seid bereit! Seid bereit blutige Schneisen zu schlagen in das kranke Ungeziefer, dass diesen Thaig schon zu lange besudelt. Schädel sollen gespalten werden, Knochen gebrochen und Leben ausgelöscht! Wir, die Männer und Frauen Orzammars werden der dunklen Brut zeigen, dass sie hier nicht willkommen sind!“
    Tosender Beifall erfüllte die Höhle und hallte laut von den steinernen Wänden wieder.
    Röök!“
    Lautes klopfen auf hölzerne Schilde.
    Mjollnir!“, quittiert von lauten Kriegsrufen.
    „Peschk!“
    Brandende Zurufe.
    Helmi
    Das Krachen von Waffen, die auf Schilde geschlagen wurden.
    Rokatank
    Begleitet vom lauten Singsang stolzer Zwerge.
    „Das sind die Namen der Häuser, die in die Halle der Bewahrung als jene einziehen werden, die Cadash´ar zurück holten und so Orzammar beispiellos dienten!“
    Immer lauter skandierten die Häuser ihre Namen, während Ragnar mit erhobenem Helm die Treppen hinunter schritt. Unten wartete Reach.
    Nette Ansprache. Aber meinen Namen habt ihr dabei offenbar vergessen“
    Ragnar grinste. „Ich bin mir sicher, ihr schreibt euren Namen bereits selbst in sämtliche Geschichtsbücher
    Sie lachten und schritten Richtung Tor.
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    Die Aufstellung in der das kleine Heer Orzammar verließ ist schnell erklärt. An der Spitze gingen natürlich Ragnar mit seinen Huskarls und die Grauen Wächter unter E´Lara. Dahinter trottete eine Abteilung der Roten Garde des Hauses Peschk. Direkt im Anschluss liefen in einer Reihe acht große, gepäckbeladene Brontos. Hinter den Brontos marschierten geschlossen sämtliche Handwerker und Steinmetze. An den Flanken der Brontos und der Handwerker gingen die Krieger der verschiedenen Häuser. Den Abschluss bildete der riesige Steingolem, dessen mächtiges Stampfen an Kriegstrommeln erinnerte.

    Der Marsch wurde begleitet von dröhnenden Zwergenstimmen, welche beim Verlassen Orzammars ein altes Zwergenlied angestimmt hatten und dem lauten Klirren der Gepäckstücke, die rhythmisch auf den Rücken der Brontos schaukelten. Nach einer ganzen Weile der Wanderung befahl Ragnar den Männern und Frauen den Gesang einzustellen. Langsam nährten sie sich den Gebieten, die schon von Gruppen der dunklen Brut heimgesucht wurden. Die Blicke, die zuvor verhalten über die unfassbar hohen Decken der tiefen Wege streiften, hielten nun nach jeder Kleinigkeit, die auf einen Hinterhalt deuten könnte Ausschau. Ragnar schaute in die langen, schlauchförmigen Tunnel. Diese Wege, gepflastert mit perfekt bearbeiteten Steinen und unglaublich kunstvollen Mustern, die an den Rändern riesiger Statuen und Wegweisern zu finden waren, beeindruckten ihn jedes Mal aufs Neue. Wie gerne wäre er dabei gewesen, als die Zwerge ein Reich beherrschten, ebenso groß wie die Reiche der Menschen und Elfen aller Nationen der Oberfläche zusammen. Die Kunst, mit der kleinste Mosaike in Wände von monumentalen Ausmaßen verarbeitet worden waren deutete auf eine Hochkultur hin, der die Geschichtsbücher nicht gerecht werden. Ragnar wusste im Gegensatz zu den meisten anderen Mitgliedern der Expedition, dass dieses Unterfangen in erster Linie ein politischer Schachzug und kein historischer Beginn einer Rückeroberung der tiefen Wege war. Doch wenn man Cadash´ar befestigen und verteidigen konnte, so hätte man vielleicht dennoch den Grundstein für eine derartige gelegt.

    Plötzlich hielt E´Lara, die gemeinsam mit Ragnar, Tempest und Riban an der Spitze ging inne. Sie reckte ihren Hals und spitze ihre Ohren, im wahrsten Sinne des Wortes.
    Hört ihr das?“, fragte sie und fasste Ragnar mit ihren zweifarbigen Augen ins Visier.
    Auch Ragnar lauschte. Von weiter ferne hörte man etwas. Ein leichtes Hallen, als wenn jemand eine Münze in einen tiefen Brunnen fielen ließe. Dasselbe Klirren. E´Lara beschleunigte ihre Schritte, ebenso wie Ragnar. Nach einiger Zeit hörte man es deutlicher, ein Klirren, jetzt aber vermischt mit Stimmengewirr.
    Das ist ein Kampf! Der Spähtrupp muss ganz in der Nähe sein“, sagte sie an Ragnar gewandt. Dann ohne zu zögern rief sie „Wächter zu mir!“ und lief los. Die anderen Wächter lösten sich aus der Formation und eilten ihr nach. Ragnar winkte Sievert herbei und befahl: „Die Reihen halten, aber bewegt euch im Eilmarsch mir nach!“, dann an seine Elitekrieger gewandt: „Folgt mir, Männer! Ein Kampf wartet!“
    Dann lief er los, das Getrappel der Füße seiner Krieger in seinen Ohren. Im Laufen stülpte er sich den Helm über und nahm die doppelschneidige Axt in die eine, den Rundschild in die andere Hand.

    In einiger Entfernung sah er die Wächter stehen. Alle hatten ihre Waffen gezückt und lauschten. Ragnar schloss zu ihnen auf. E´Laras Augen huschten suchend über den nackten Fels. Das Geräusch des Kampfes war sehr Nahe, wurde aber durch die Tunnel zu einem widerhallenden Echo.
    Hier entlang!“, rief Ragnar und rannte voraus. Die Truppe folgte ihm und tatsächlich. Hinter eine Doppelkurve sahen sie, wie eine kleine Einheit Zwerge und eine weitere Gestalt sich verbissen gegen eine größere Zahl dunkler Brut zur Wehr setzte. Den unzähligen toten Körpern der Monstren zufolge machten sie sich gut.
    Orzammar!“, brüllte Ragnar und lief los. Seine Männer wiederholten den Schlachtruf und rannten ebenfalls Richtung Feind, wobei sie eine mehr oder weniger gerade Linie bildeten.

    E´Lara fauchte etwas, vermutlich elfisch, wobei sie ihren Mund weit öffnete und die unnatürlich spitzen, langen Eckzähne zum Vorschein kamen. Dann riss sie einen Pfeil aus ihrem Köcher und spannte ihren Bogen, wobei sie die Sehne nur bis knapp hinter den Ellenbogen zog, ehe sie sie zurückschnellen ließ. Der Pfeil sauste los und schlug berstend in den Oberkörper eines Hurlocks, der sich im Moment des Schlachtrufs umgedreht hatte. Er taumelte nach hinten und sackte dann zusammen. Der Hurlock, der ihm an nächsten stand wandte sich zu den Angreifern, wurde jedoch im selben Moment förmlich von den Füßen gerissen, als der von Frakea abgeschossene Armbrustbolzen sein Ziel fand.

    Die dunkle Brut verfügt nur über ein geringes strategisches Denken, Frucht jedoch ist ihr bekannt. Sofort als die Biester erkannten, dass sie nun auch von der anderen Seite angegriffen wurden, wandten sie sich beinahe komplett den anstürmenden Zwergen zu. Dies verschaffte den Männern der Legion die Möglichkeit mit voller Truppenstärke zwei verwirrte Genlocks zu attackieren und so eine Bresche zu schlagen. In der Zwischenzeit hatte Ragnar den ersten Genlock erreicht. Die beiden Hurlocks, die gemeinsam mit ihm auf den General zugestürmt waren, lagen von E´Laras Pfeilen durchbohrt tot hinter ihm und so ging es nun Mann gegen Monster. Voller Zorn oder Raserei riss das Biest seine schrecklichen Kiefer auseinander und offenbarte abartige, rasiermesserscharfe Zähne. Ragnar jedoch kannte diesen Anblick zur Genüge und unbeeindruckt schlug er mit seiner Axt auf das Gesicht ein. Der Genlock, der über keinen Schild verfügte, versuchte den Erstschlag mit dem bloßen Unterarm zu blocken. Nach zwei Stunden andauerndem Kampf wäre dies vielleicht sogar geglückt, doch nun trieb sich die Schneide sowohl in das Fleisch des Unterarm der unter der Wucht wegknickte, als auch in den mit einem Knacken berstenden Schädel des grauhäutigen Wesens. Sofort zog Ragnar seine Waffe zurück deren Schneide nun mit zähflüssiger, dunkler Substanz beklebt war. Ein Hurlock der zwei Köpfe größer als Ragnar war führte indes einen Schlag mit seinem Kriegshammer gegen ihn aus. Sofort riss Ragnar seinen Schild hoch und blockte den Angriff. Ganz unbeschadet ging die Attacke jedoch nicht vonstatten, denn die Wucht des Schlages ließ ihn straucheln und beinahe stürzten. Der Hurlock holte schon zum zweiten, vielleicht vernichtenden Schlag aus, doch Ragnar schleuderte noch im Rückwärtstaumeln seine Axt nach ihm. Die Waffe traf, wenn auch nur mit der Seite. Scheppernd fiel sie zu Boden und der Hurlock gab ein Geräusch von sich, dass nach hämischen Lachen klang, wenngleich es unvorstellbar erscheint eine derartige Monstrosität mit Lachen in Verbindung zu bringen. Ragnar zog sein Schwert. Die silberne Klinge glänzte und verlange nach Hurlockblut. Ragnar stieß seinen Schild nach Vorne, wenn auch eher zur Ablenkung. Dabei führte er das Schwert so weit nach hinten wie es geht, wobei die Klinge jedoch nach Vorne zeigte. Im nächsten Moment stieß er den Stahl nach Vorne, knapp unterhalb des Schildrandes. Der Widerstand, der sich beim Durchbrechen der Rüstung und beim Eindringen in den Bauch des Biests bemerkbar machte verriet Ragnar seinen Erfolg. Schnell zog er das Schwert zurück, nur um nochmals einen Vorstoß zu wagen. Grunzend fiel die Kreatur vor Ragnar auf die Knie. Da ein Hurlock etwa so groß ist wie ein Mensch blickte Ragnar ihm nun ins Gesicht. Gesicht ist eigentlich der falsche Ausdruck, war es doch eher ein Totenschädel, der mit glitschiger, aufgedunsener und mit Beulen übersäter Haut bezogen war. Die lidlosen Augen lagen in tiefen Höhlen und in ihnen funkelte nur Hass und Zerstörungswut.
    Es ist eine Gnade“, dachte Ragnar, als er die Klinge über seinen Kopf schwang und auf den entblößten Hals des Wesens fahren ließ. Ein Schwall dunklen Blutes spritze auf, dann ließ die Flüssigkeit über die mit Hörnern und grausamen Nieten versehene Rüstung des Hurlocks.

    Der Kampf war währenddessen in vollem Gange. Die Legionäre hatten sich zu einem Schildwall formiert, das heißt die Ränder eines jeden Mannes Schild überlappte den des Nebenmannes. So bildeten sie eine Mauer aus Stahl und klingen, gegen die die vom Wahnsinn geschüttelten Krieger der dunklen Brut brandeten. Führerlos, wie die Brut jetzt war, stellten sie für disziplinierte Krieger eine geringere Gefahr dar. Während E´Lara und Frakea die Brut noch immer aus der Entfernung bekämpften, hielten Ragnars Männer, welche ebenfalls einen Schildwall gebildete hatten, die angreifenden Wesen auf Distanz. Die wenigen Überbleibsel der Brut waren zwischen den beiden Schildwällen eingeschlossen und stürzten nun in blanker Panik in alle Himmelsrichtungen davon, was ihnen mehr oder weniger gelang. Jene, die einen Angriff auf einen der Wälle wagten wurden von diesem niedergewalzt und jene die es schafften an den Kriegern vorbei zu schlüpfen wurden nach wenigen Schritten von den Pfeilen der beiden Wächter getroffen, was sie kreischend zusammenbrechen ließ.

    Mitten im Gemetzel kämpfen die übrigen Wächter und Ragnar. Es erstaunte Ragnar zu sehen, wie ein Magier kämpft. Tarrasiel schien weniger mit seinen Waffen, als mehr mit seinen Gedanken zu töten. Er richtete seine unbehandschuhte Hand auf einen anlaufenden Hurlock und im nächsten Moment gefror dieser zu Eis. Diese kalte Statue wurde dann mit einem aus Zeige- und Mittelfinger abgeschossenem Blitz zum schmelzen gebracht. Und wenn der Elf dann doch seine mit Eiskristallen überzogene Klinge schwank, dann sang die Lust pfeifend ein Lied und jedes Auseinandertreffen von seiner Klinge und der eines Kontrahenten war wie ein Glockenschlag. Die anderen Wächter waren nicht minder beeindruckend. Der Aschekrieger wirbelte seine Axt mit derart geschickter Zielführung und Kraft, dass er beinahe bei jedem Streich eine tödliche Wunde riss und die Brut sich schon bald gegen einen anderen Wächter richtete. Der Barde Reach hingegen führte seine Klinge meiner einer nahezu tanzenden Eleganz. Hin und wieder verwendete er beide Hände zum Streich, dich für gewöhnlich wirbelte er herum oder schob die Waffe des Gegners behände beiseite, wenn ein Stich gegen ihn ausgeführt wurde. Dann stieß er selbst zu und versenkte die Klinge knackend im Gesicht seines Gegners. Halfdan, der Zwerg mit dem Streithammer hingegen schien wenig Glück mit der Wahl seiner Gegner zu haben. Er stand umringt von dunkler Brut und schrie ihnen wüste Beschimpfungen und Aufforderungen zum Kampf entgegen, während er bedrohlich seinen Hammer schwang. Doch keiner der Brutkrieger schien Interesse daran zu haben, sich dem Berserker bis auf Reichweite seines Hammers zu näheren. Und wann immer Halfdan einen Ausfallschritt zu dem Feind machte, wich dieser einen Schritt zurück.
    Der Ritter Riban hatte das mehr Chancen eines ehrenvollen Todes zu sterben. Er hatte sich tief in die Reihen der Feinde geworfen und schon beim ersten Angriff drei von ihnen getötet. Riban erschlug viele, schrie aber nicht in Rage, während er seine Klinge mit grausamen Streichen durch die Körper seiner Gegner zog. Hin und wieder blockte er einen Schlag mit dem Schild, drang dann aber sofort vor und versenkte den Stahl tief im Brust des Ausführenden. Der Schmerz, der in dem Mann steckte, trat mit jedem Schlag seines Schwertes zutage.
    Ragnar kämpfte selbst gerade gegen zwei Genlocks und einen Hurlock, der sich jedoch noch in Sicherer Entfernung drückte und versuchte in Ragnars Rücken zu fallen. Ragnar wirbelte sein Schwert gegen die Klinge des einen Genlocks, während er den anderen mit seinem Schild drangsalierte. Der Genlock zu seiner Rechten, den er mit dem Schwert in Schach hielt führte nun einen kraftvollen Hieb gegen Ragnars Klinge aus. Er zog diese blitzschnell weg, sodass der Streich des Feindes in die Leere ging. Der linke Genlock war vernachlässigbar und so donnerte Ragnar dem etwas aus dem Gleichgewicht gekommenen Feind den Schildrand in das ungeschützte Gesicht. Dieser jaulte auf und stolperte einige Schritte zurück. Der andere Genlock nutzte diese Gelegenheit indes um selbst mit seinem hässlichen, aus Knochen bestehenden Schild vorzudringen und gegen den Ragnars zu stoßen. Schild gegen Schild drückten sie nun. Ragnar war stärker und presste den Körper des Feindes weiter nach hinten. Dieser kämpfte aber sehr verbissen. Noch zu rechten Zeit sah Ragnar, dass der Genlock, der den Schild abbekommen hatte sich berappelte und nun in vollem Lauf und mit erhobenem Streitkolben auf ihn zustürmte. Ragnar drückte erneut gegen den Schild, um die Oberhand zu behalten, streckte aber in selbigem Moment seinen Schwertarm aus und ließ die Spitze seiner Klinge direkt auf den anstürmenden Genlock zeigen. Dieser war zu sehr im Lauf und so trieb er sich Spitze samt Schwert selbst tief in die Brust. Ragnar ließ den Schwertschaft los und das sterbende Wesen stolperte mit der Waffe in sich an ihm vorbei, um dann ein paar Schritte weiter zu stürzen. Ohne einer weiteren Waffe musste sich Ragnar nun auf seinen Schild verlassen. Mit beiden Händen drückte er gegen die Platte und drängte den Genlock weiter zurück.

    In diesem Moment stürzte der Hurlock voran. Ragnar war unbewaffnet und noch im Kräftemessen mit dem Gefährten des Brutkämpfers. Ragnar stieß den Genlock mit aller Kraft, die er aufbringen konnte. Das reichte, um diesen durch den unebenen Boden zum Sturz zu bringen. Gerade noch rechtzeitig konnte Ragnar seinen Schild herumreißen und den Schlag des Langschwerts abwehren. Auch den zweiten Schlag schaffte er zu blocken. Dann trat der Hurlock jedoch gegen den Schild und Ragnar stürzte, wie es der Genlock gerade eben getan hatte. Triumphierend heulte der Hurlock auf und Ragnar machte sich bereit den nächsten Schlag abzufangen, den er ausführen würde. Doch dazu sollte es nicht kommen den eine flinke und doch gute gebaute Gestalt sprang über Ragnars Kopf hinweg auf den Hurlock zu. Im Sprung stieß sie einen kurzen aber dicken Speer nach vorne, welche im Hals des Hurlock stecken blieb. Beim Landen auf dem Boden rollte sich die Gestalt, was nicht leicht gewesen sein kann, trug sie doch ebenfalls einen Rundschild, wenngleich dieser noch etwas großer war, als der eines Zwerges. Der Hurlock hatte seine Waffe fallen lassen und griff mit beiden Händen an den Schaft des Speeres, der seinen Körper völlig durchstoßen hatte und dessen Spitze auf der Rückseite der Bestie blutig schimmerte. Dann kippte er nach vorne weg und schlug dumpf eine Hand breit von Ragnar auf dem Boden auf. Im selben Moment rannte unter lautem Gebrüll Ragnars gesamte Kriegertruppe heran, ihren Herren zu schützen. Als sie feststellten, dass es keiner Rettung bedarf, verharrten sie beinahe beschämt. Während Ragnar sich aufrappelte sah er im Blickwinkel, wie auch der Genlock, den er zuvor umgestoßen hatte sich nun aus dem Staub erhob. Auf eine Reaktion wartend blickte Ragnar erst zu seinen 13 Kriegern, dann zu dem Genlock, der noch immer etwas benommen war. Die Krieger sahen sich untereinander an, dann rief einer „Auf ihn!“ und alle stürmten brüllend auf den nun in Panik verfallenden Feind zu.

    Der Kampf war vorbei. Die Bilanz waren fast 40 getötete Genlocks, aber auch zwei tote Späher der Legion, sowie einer der stark am Bein verletzt war. E´Lara und Frakea sammelten die Geschosse ein, die beim Aufschlag nicht zerbrochen oder abgestumpft wurden und Ragnar las seine Waffen auf. Die Gestalt, die den Speer in dem Hurlock versenkt hatte bemühte sich unterdessen eben jenen wieder aus dem stinkenden Leichnamen zu ziehen. Ragnar trat heran und bot seine Hilfe an, und seinen Dank.
    Die Gestalt war zwar größer als Ragnar, jedoch kleiner als die meisten der anderen Wächter. Sie trug eine schwarze, aber rötlich schimmernde Glockenpanzerung, sowie mit goldenen Ornamenten verzierte Arm und Beinschützer in derselben Farbe und einen Helm, dessen Wangenschutz mit dem Nasenschutz zusammenlief und das gesamte Gesicht verdeckte. Nur für die Augen waren zwei mandelförmige Löcher eingefasst. Zudem trug der Helm einen schwarzen Kamm aus Pferdehaar, der sich von der Stirn bis zum Nacken zog.
    Die Oberarme der Gestalt waren nackt und schmucklos, nicht wie bei E´Lara, deren Haut durchzogen von Tätowierungen war. Doch die Art der muskulösen, aber weiblichen Oberarme erinnerte an eben jene Elfin, wenngleich die Hautfarbe eine andere war.
    Darf ich den Namen meiner Retterin erfahren?“, fragte Ragnar höflichst.
    Die Gestalt legte Schild und Speer auf den felsigen Boden und setzte den Helm ab. Wie Ragnar vermutet hatte, war es eine Frau. Sie war ein Mensch von sonnengebräunter, beinahe bronzefarbener Haut. Ihr Gesicht war schön, mit einem wie gemeißelten Kinn, einem langen schlanken Hals und angelegten Ohren, die mit zahlreichen goldenen Ringen behängt waren. Sie hatte schmale, schwarze Brauen und darunter große dunkle Augen, in denen ein erhellender, goldener Glanz zu finden war. Ihre Lippen waren geschwungen und von ähnlich dunkler Farbe wie ihre Augen. Ihr Haupthaar war pechschwarz, ebenso wie der Kamm ihres Helmes. Streng zurückgekämmt fielen die Haare ihr nur bis zum Anfang des Nackens, wirkten aber wie sie alle nach hinten lagen sehr voluminös, wenngleich etwas feucht. Das lag wohl auch an dem Schweiß, der wie wertvolle Perlen auf ihrer Stirn funkelte. Sie sah Ragnar an. In ihren Augen funkelte Listigkeit und das Feuer der Jugend.
    Mein Name ist Charis“, beantwortete sie Ragnars Gesuch. Sie sprach mit einem leichten Akzent, bei dem das R leicht gerollt wurde. Es war offensichtlich, dass sie anders als die anderen Wächter nicht aus Ferelden stammte.
    Nun dann, Wächterin Charis. Mein Name ist Ragnar und ich danke euch für eure Hilfe im Kampf“
    Jeder Feind der dunklen Brut ist mein Freund, Ragnar“, antwortete sie.
    E´Lara stieß zu ihnen. Ihre Augen musterten Charis.
    Gut gekämpft, Charis!“ Die Angesprochene verneigte sich.
    Wie ich sehe habt ihr General Ragnar bereits kennengelernt“, fügte sie mit einem Blick auf den Zwerg hinzu. Charis sah Ragnar an.
    General? Das war mir nicht bewusst. Vergebt mir, Herr“, fügte sie stotternd hinzu. Ragnar winkte beschwichtigend ab.
    Kein Grund euch zu entschuldigen, Wächter. Wie ihr sagtet: jeder Feind der dunklen Brut ist mein Freund. Und diesem Gezücht ist es egal, welchen Ranges ihr Vollstrecker ist“
    Charis lächelte, was ihrem hübschen Gesicht ein bezaubernd niedliches Aussehen verlieh. Gemeinsam kehrten sie zu der wartenden Hauptstreitmacht zurück. Dort befragte E´Lara Charis und Kommandant Heggo nach dem, was sie herausgefunden hatten.

    Ihr hattet Recht, Kommandantin, der Zuweg der auf der Karte eingezeichnet war, die ihr mir gabt ist verschüttet. Einer von Heggos Männern, der vormals im Steinbruch arbeitete sagte, dass dies schon vor einiger Zeit geschehen sein musste und nun so viel Geröll nachgerutscht sei, dass es Wochen dauern würde, den Stein abzutragen. Der einzig andere Weg zum Thaig führt durch eine Sänke“
    Charis zog vorsichtig die Pergamentkarte, welche Ragnar bereits im Saal des Königs gesehen hatte, aus einer Tasche und faltete sie auseinander. Sie zeigte auf den von ihr erkundeten Durchgang und machte dann ein X an der Stelle, die sie als verschüttet bezeichnete. Dann deutete sie auf eine Ausbuchtung, fast am anderen Ende der Karte.
    Ein Marsch dorthin würde mindestens eine Woche dauern. Und Kommandant Heggo hier berichtete mir von einem Lager der dunklen Brut in eben jener Sänke“
    „Das ist wahr, General“, sagte der Kommandant und blickte Ragnar an.
    Wir können der Straße hier folgen, bis zu diesem Punkt“, seine schwer gepanzerte Hand tippte auf eine Gabelung der Tiefen Wege und blieb dort liegen.
    Von dort aus müssen wir uns Rechts halten. Diese Wege werden selten beschritten und noch seltener kehrt jemand von dort zurück. Die Legion der Toten hat schon unzählige Vorstöße dorthin unternommen, doch selbst wir sind der Meinung, dass ein Kampf dort nahezu aussichtslos sei. Wir drangen einst bis zu jener Sänke vor. Dort hat die dunkle Brut ein Lager erbaut, ohne Befestigung aber mit zahlreichen Unterschlüpfen. Es ist eine gute Position, da dieses Plateau hier...“, er zeigte auf einen kreisrunden Erdfleck: „... von Wasser umgeben ist. Nicht tief und nicht schnell fließend, aber für einen gepanzerten Zwergenkrieger ist es schwer, aus dem Wasserlauf hinaufzuklettern. Der Graben ist etwa fünf Menschenschritte breit. Sowohl hier und dort haben die Zwerge des Cadash´ar steinerne Brücken errichtet“, er tippte auf einen Punkt, der direkt am Zubringer zu der Straße der tiefen Wege führte und auf einen Punkt dem erstgenannten direkt gegenüber, also auf der entgegen liegenden Seite des Plateaus.
    Diese Brücken hat die dunkle Brut mit primitiven Toren versehen, gefertigt aus morschem Holz und Überresten von Brontoknochen. Nichts, was eine starke Zwergenaxt nicht brechen würde. Aber es braucht Zeit und diese Zeit können die Teufel nutzen uns mit ihren Armbrüsten und dreckigen Pfeilen zu beschießen. Viele Legionäre starben bei dem Durchbrechen der Tores und danach hatten wir nicht genug Zwerge, um das Lager komplett zu säubern“
    Niedergeschlagen schüttelte er den Kopf.
    Nach diesem Kampf beschlossen wir, keinen zweiten Angriff dort zu unternehmen, solange das Gezücht dort bleibt. Wir kontrollierten den Bereich regelmäßig, die Brut verhielt sich aber eigenartig ruhig“
    „Gibt es sonst noch etwas, dass ihr mir zu dem Lager sagen könnt?“, fragte E´Lara Kommandant Heggo.
    Vielleicht noch dies. Im Gegensatz zu den anderen Wesen der dunklen Brut schlossen sich diese hier nicht der Horde an, zumindest nicht alle. Es ist seltsam, da die Brut doch sonst stets dem Ruf des Erzdämons folgt“
    E´Lara grinste schief.
    Seid versichert, Kommandant. Die dunkle Brut ist vielfältiger, als man es zuerst glauben mag. Und dennoch gibt es für sie keine andere Erlösung, als den Tod! General, ich möchte mit euch sprechen. Ich habe einen Plan, wie wir das Lager überfallen können, ohne immense Verluste hinnehmen zu müssen. Doch lasst uns nun weiterziehen, wir haben nun Zeit den Plan zu schmieden und uns vorzubereiten“
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    Die Reise zum Zielpunkt dauerte fast zwei Wochen. Ein Einsturz und eine falsch gewählte Richtung verzögerten das Vorankommen erheblich. Doch letztlich waren sie dort und das Lager des Feindes war in greifbarer Nähe. Ragnar ließ die Truppen in sicherer Entfernung rasten und befahl sich so leise wie möglich zu verhalten. Sollten Späher der dunklen Brut die Expedition bemerken, wäre E´Laras Plan umsonst. Doch es ging gut und so bereiteten sich die Krieger der Zwerge gemeinsam mit den Wächtern vor. Der Plan war ebenso simple wie strategisch genial, wenn er auch eine gewisse Gefahr barg.

    E´Lara jedoch war frohen Mutes. Die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren. An eine Verschiebung des Angriffs war nicht zu denken, denn mit jeder vergangene Stunde rückte die unvermeidbare Entdeckung der kleinen Armee näher.
    E´Lara und ihre Wächter baten Ragnar um einige der besten Männer seiner Truppe. Er stellte ihnen vier Krieger der Roten Garde sowie vier seiner Huskarls zur Verfügung, zudem würde er persönlich am Angriff teilnehmen. In der Stunde vor dem Angriff trafen sich die Ausgewählten in dem kleinen improvisierten Unterstand des Generals, eigentlich nur einer Zeltplane, die an vier Lanzen aufgehängt waren und unter der ein kleiner, hölzerner Tisch stand. Die von Ragnar ausgewählten Männer sollten folgende Eigenschaften haben: vier von ihnen sollten perfekte Armbrustschützen sein, die anderen vier in der Lage zu schwimmen. Zwerge vermieden es in der Regel in tieferes Wasser zu gehen, doch Krieger adeliger Häuser kamen manchmal in den Genuss eines zwergischen Dampfbades. Im Diamantenviertel gab es einen Raum, der in drei längliche Schluchten aufgeteilt war, welche bei Bedarf mit Wasser befüllt wurden, das nahe der Lavaströme floss. Eben solche Krieger konnten auch schwimmen.

    E´Lara traf mit ihren Wächtern ein. Die Zwerge warteten schon ungeduldig.
    Wächter. Bitte fasst noch einmal den Plan kurz für uns zusammen“, bat Ragnar.
    E´Lara, die ebenso wie die meisten ihrer Krieger nur mit einer leichten Lederrüstung bekleidet und größtenteils unbewaffnet war sah in die Runde und begann:
    Wie uns allen bewusst ist, schützt ein Tor diese Brücke. In den vergangenen Stunden haben wir es ausgespäht und feststellen können, dass es dort am Tor zwei Hebel gibt, welche gleichzeitig ausgelöst werden müssen, um das Tor zu öffnen. Diese sind direkt bei dem Gebilde. Mein Plan ist es, mit einigen Männern durch den Graben zu schwimmen und uns zum Tor zu schleichen. Dort betätigen wir die Hebel, sodass eure Streitmacht angreifen kann. Der Golem sollte zuerst vorlaufen und somit als beweglicher Schild fungieren. Direkt nach dem Öffnen des Tores ziehen sich sich meine Männer durch den Wasserlauf zurück, rüsten sich aus und treten dann dem Kampf bei“
    Alle anwesenden nickten zustimmend. E´Lara fuhr fort.
    Wir greifen von zwei Seiten an. Sowohl Rechts, als auch Links vom Tor schwimmen wir hinüber. Eine zu große Gruppe erweckt vielleicht ungewollt aufsehen. Für den Notfall stellen wir am Ufer Armbrustschützen auf, welche uns Deckung geben sollen. Jenen, die hinüberschwimmen sollte aber bewusst sein, dass unsere Rüstung nur aus verstärktem Leder und unsere Waffen kurze Dolche oder Beile sein können. Ein Kampf sollte also möglichst vermieden werden“
    Bei diesen Worten fasste sie vor allem die Rotgardisten ins Auge. Wieder nickten alle.
    Gut. Dann los, es bleibt keine Zeit zu verlieren!“

    Ragnar trat zu Sievert heran, der die Unterredung ebenfalls verfolgt hatte.
    Sievert, ich möchte dass ihr den Angriff auf das Tor führt. Ich werde mich den Wächtern anschließen“
    Ungläubig schüttelte der Adjutant den Kopf.
    Nein, Herr. Das ist Selbstmord!“
    Ragnar grinste kampeslustig.
    Nein. Es ist notwendig! Und vergesst nicht, wer hier General ist!“
    Sievert nickte schweigend. Ragnar klopfte ihm auf die Schulter.
    Mein Freund. Würde ich euch nicht blind vertrauen, so würde ich euch nicht den Angriff leiten lassen. Ihr seid mein Adjutant und mein Freund. Wenn es einer schafft, meine Befehle genauestens und zu meiner vollen Zufriedenheit auszuführen, dann ihr!“
    Verlegen aber mit ungeheurem Stolz begann Sievert zu lächeln.
    Ihr könnt euch auf mich verlassen, Herr. Für Orzammar!“
    „Für Orzammar!“, erwiderte Ragnar. Dann wandte er sich ab und rüstete sich aus.

    Ragnar traf die Wächter gemeinsam mit den acht ausgewählten Zwergen nahe des Ufers. Vier von ihnen trugen schwere, hölzerne Armbrüste mit hoher Reichweite und Durchschlagskraft. Die anderen vier hatten nur wenig Kleidung und ein paar leichte Waffen mit.
    Die Wächter waren ähnlich ausgestattet. Frakea die Attentäterin trug ihre Armbrust, der Zwerg Halfdan fehlte. E´Lara erklärte, dass dieser nicht schwimmen oder schießen könne und sich daher der ersten Angriffswelle angeschlossen hatte. E´Lara hatte dem Begriff „wenig Panzerung“ eine neue Bedeutung gegeben, denn an ihrer zarten Figur fand sich nun kein einziges Stück Panzerung. Sogar den Lederkürsass hatte sie abgelegt. Sie trug eine sehr kurze, eng sitzende Hose, welche mit Bändern und schwarzen Tüchern einem Rock ähnelte. Um der Schames Wille, oder um die Männer nicht unnötig abzulenken hatte sie um ihre Brüste einen etwa zwei Handbreiten Ledergurt gezogen. Ansonsten war die von Kopf bis Fuß nackt. Nur eine Dolchscheide war mit zwei Schnürren an ihrem linken Oberschenkel befestigt. E´Lara schwindend geringe Bekleidung offenbarte Ragnar den Blick auf die unzähligen geschwungenen und in sich fließenden Linien der kunstvollen Tattoos auf ihrem Körper. Er schaute nicht genau hin, da er dies für unangemessen hielt, doch fragte er sich, ob diese Linien einem einzelnen Tattoo entsprangen oder es viele verschiedene waren, die ineinander übergingen. Zumindest sah es prächtig aus. E´Lara hatte ihre langen Haare zu einem dicken Knauf gebunden, der nun ähnlich einem Pferdeschwanz an ihrem Hinterkopf prangte. Aus dem blondem Wirrwarr von Haaren und Geflecht ragten die sieben weißen Federn hervor.

    Auch die anderen Wächter zogen nahezu ungepanzert in die Schlacht. Tempest trug gar kein Oberteil, was den Blick auf seinen muskelbepackten Körper freigab. Riban und Reach trugen hingegen lederne Harnische und Armschienen. Sie alle trugen Dolche oder Kurzschwerter. Tarrasiel hingegen war nur mit dem Holzstock bewaffnet, den Ragnar als Stab der Magier identifiziert hatte. Der neueste Zuwachs der Wächter, die junge Charis war ebenso wie Riban und Reach in eine eng anliegende Lederpanzerung gezwängt. Ihre Bewaffnung bestand aus zwei längere Dolchen, die Ragnar schon bei dem ersten Treffen bemerkt hatte. Charis trug sie auf dem Rücken, wo ihre Hüllen sich überkreuzten und die mit Blattgold überzogenen Eisengriffe der Waffen nach unten zeigten. Auch sie war barfuß.

    Ragnar hingegen trug eine schon beinahe aufdringliche Lederpanzerung, die er sich von einem besser aufgestellten Krieger geliehen hatte. Seine Waffen waren ebenfalls ein Dolch mit lyriumgefalteter Klinge und ein Kriegsbeil, kurz genug um es auf engem Raum zu verwenden. Nun da alle anwesend waren schaute E´Lara die Krieger an.
    Seid ihr bereit, General?“, flüsterte sie. Ragnar nickte.
    Die Krieger teilten sich in zwei Gruppen auf. Die eine unter Führung von E´Lara würde rechts von der Brücke ins Wasser steigen, die andere Gruppe geführt von Ragnar würde links von ihr angreifen. Jede Gruppe bekam einige der Armbrustschützen zugewiesen, wobei Ragnar froh darüber war nicht die Zwergin Frakea in seiner Gruppe zu haben. Ragnar ging mit zwei seiner Zwerge, Charis, Reach und Tarrasiel. E´Lara nahm die anderen Zwerge, Tempest und Riban mit.

    Das Geröll, welches oberhalb des Wasserlaufes lag war glitschig, feucht und moosbewachsen. Das Wasser unter Ragnar wirkte klar, floss aber schnell und brach sich manchmal an kleinen, steinernen Erhebungen. Ragnar schaute zur Brücke. Dort war das Tor. Es sah eher aus wie eine hohe Aufschichtung von vermoderten Knochen, an deren Ende leichte Flammen züngelten. Im Schein der Fackeln erkannte er ein paar Hurlocks, die teilnahmslos nahe des Tors saßen.
    Wenn ihr wollt gehe ich vor, Herr“, wisperte Charis Ragnar zu. Dieser sah sie an und nickte. Charis tippelte vorsichtig auf einen schleimigen Felsen. Dann setzte sie sich sachte auf ihn und ließ sich beinahe geräuschlos ins kalte Nass gleiten. Ihrem Gesichtsausdruck entnahm Ragnar, dass das Wasser eisig sein musste. Charis stand fast bis zur Brust im Wasser, bedeutete aber eilig winkend, dass die anderen ihr nachfolgen sollten. Ragnar vermutete, dass E´Laras Gruppe den Fluss schon betreten oder gar durchquert hatten. Also machte er es wie Charis vor ihm, setzte sich auf den Felsen und ließ sich fallen.

    Eisige Kälte überfiel ihn, als er ins Wasser tauchte. Anstatt aber wie gedacht mit den Füßen auf den Grund zu stoßen strauchelte Ragnar nur aber mit den Beinen im Nichts. Die Wassermassen spülten über seinen Kopf hinweg und drückten ihn unter. Panik befiel ihn und wild ruderte er mit seinen Händen. Er wollte nach Luft schnappen, vergaß dabei jedoch, dass er noch immer unter Wasser gezogen wurde. Eisige Flüssigkeit erfüllte seinen Rachen. Er schluckte und hustete, um ihn herum hörte er das dumpfe Klatschen von Körpern, die ins Wasser fielen. Erdrückende Schwärze umgab ihn. Plötzlich packte ihn ein starker Arm, riss an seinem Körper und zog ihn an die Oberfläche. Als er die Wasseroberfläche durchschnitt und an die Luft gelangte prustete er. Eine Hand presste sich auf seinen Mund um das laute Husten zu unterdrücken, zu dem er ansetzte. Nach einiger Zeit der Orientierung beruhigte sich Ragnar und begann normal zu atmen.
    Ruhig, mein Freund. Ganz ruhig. Ihr wolltet doch wohl nicht gerade ertrinken, oder? Was wäre das für ein Tod für einen Zwergengeneral, noch bevor das erste Scheusal gefallen ist?“, scherzte Reach leise und grinste frech. Ragnar sah sich um. Seine gesamte Gruppe war im Wasser und die dunkle Brut nahe der Brücke hatte nichts davon mitbekommen. Ein Glück, hatte sich Ragnar doch aufgeführt wie ein verängstigtes Kleinkind. Er sah Reach an und räusperte sich.
    Sagt es nicht den Männern“, bat er beschämt. Reach grinste unverhohlen und schüttelte den Kopf. Ragnar tastete nach seinen Waffen. Der Dolch war weg. Da er jedoch um überhaupt auf dem Grund stehen zu können und dabei Luft zu kriegen den Kopf weit nach oben strecken musste war ein Blick auf den Grund nicht möglich.
    Herr! General! Die andere Gruppe hat den Fluss bereits verlassen!“, zischte Charis herüber und blickte besorgt auf die Stelle an der man noch das Bein eines Kriegers sah, der sich gerade aus dem Wasser stemmte.
    Dann weiter, wir müssen...“, begann Ragnar doch die anderen zischten und legten die Finger auf die Lippen. Ein Hurlock stapfte an den Flusslauf. Vielleicht hatte er etwas gehört?
    „Luft holen! Untertauchen!“, zischte Reach. Ragnar sog soviel Luft wie möglich ein und folgte Reachs Beispiel.

    Unter Wasser vergeht die Zeit anders. Sie fließt, ebenso wie das nasse Element. Momente sind dann nur noch das Pochen in den Ohren und der Klang des eigenen Herzens, das unwahrscheinlich laut klopft. Wie lange er es schaffte seinen Kopf unter Wasser gedrückt zu halten wusste Ragnar nicht, doch als er auftauchte hatte sich der Brutkrieger bereits umgedreht und stand nun mit dem Rücken zu der leise auftauchenden Gruppe. Reach schaute zum Ufer, an dem die Armbrustschützen sich versteckten. Er wirbelte mit der Hand in der Luft und die beiden legten ihre gespannten Waffen an. Reach glitt durch das Wasser ganz nah an den Hurlock über ihn heran. Dann schaute er erneut zu den Schützen und tippte sich gegen den Kopf. Diese nickten. Reach streckte beide Arme nach dem Hurlock aus, als wolle er ihn packen und unter Wasser ziehen, dann jedoch zuckte er mit seiner rechten Hand und zwei Bolzen surrten pfeifend durch die Luft. Der Schädel des Hurlock barst entzwei wie ein reifer Kürbis. Die Bolzen sausten einfach durch ihn hindurch und schlugen dumpf irgendwo im hinteren Teil des Lagers auf. Der leblose Körper des Hurlocks kippte nach hinten und fiel Reach direkt in die Arme. Dieser fing ihn mit scheinbarer Leichtigkeit auf und drückte ihn unter Wasser, wo er aufgrund der schweren Rüstung liegen blieb. Reach wusch sich eilends das Gesicht, das beim Auffangen des Hurlock mit dunklem Blut bekleckert worden war, dann winkte er Ragnar heran, der sich vorsichtig herantastete. Die Leiche des Hurlock bot eine gute Stufe, wenngleich die nasse Rüstung nicht weniger rutschig als der vermooste Stein war.
    Ich helfe euch“, sagte er und verschränkte die Finger ineinander. Ragnar wusste was zu tun war und stellte einen Fuß auf die Hände. Unter Anstrengung stemmte Reach ihn hinauf, wo Ragnar nun wieder ein seinem Element geschickt die Felsen erklomm. Er drehte sich um. Als nächstes steig Tarrasiel hinauf. Ragnar packte dessen ausgestreckten Arm und zog hin hoch. Dann einer der Zwerge, dann der nächste. Schließlich noch Charis, was Reach mit einem freudigen „Oho“ kommentierte, als ihr Körper sich dich an seinem hinauf drückte. Charis reagierte, indem sie ihren zweiten Fuß auf Reachs Kopf stellte und sich abstieß. Ragnar und einer seiner Krieger legten sich bäuchlings auf den Felsen und reichten Reach jeweils einen Arm. Reach sprang und packte beide, die ihn daraufhin aus dem Wasser zogen.

    „Na das hat doch gut geklappt“, sagte der Barde verschmitzt.
    Ragnar schaute sich um. Die Brücke, welche die Verbindung zwischen zwei gepflasterten Wegen war, stand nun etwa 50 Schritte rechts von ihm. Direkt vor ihm erstreckte sich eine Landschaft primitiver Hütten und zerschlissener Zeltplanen vor denen knisternde Feuer loderten. Ragnar hatte sich stets gefragt, wie die dunkle Brut wohl leben mochte. Dies war anscheinend eine Art. Die Gruppe schlich sich dicht zu einer Zeltwand, da das Ufer einen zu freien Blick bzw. zu wenig Deckung gewährte. Ragnar spähte herum. Dort saßen ein paar Genlocks und kauten auf etwas, das anscheinend mal ein Tiefenlaurer gewesen war. Sie saßen im Halbkreis um ein Feuer, über dem das tote Tier röstete. Ragnar zählte vier Genlocks,erkannte jedoch keine weiteren. Er hielt vier Finger in die Luft. Reach zog seinen Daumen über die Kehle und Ragnar nickte. Sie verließen die Deckung und stahlen sich heimlich näher an die Feuerstelle. Ragnar umfasste sein Beil mit festem Griff, Reach, Charis und die beiden Zwerge zückten ihre Dolche und Kurzschwerter.

    Die Genlocks grunzten zufrieden, während sie sich noch immer Fetzen des halb rohen Fleisches in die Mäuler stopften. Ragnar führte den ersten Schlag aus. Sein Beil schlug krachend in den Hinterkopf des Genlock ein. Im selben Moment durchstieß Reach seinem Sitznachbar den Brustkorb von Hinten. Charis drückte dem Genlock links neben Ragnar die Hand vor den Mund, ehe sie ihm mit der elegant geschwungenen Klinge ihres Dolches die Kehle aufschlitzte. Der letzte Genlock, ganz außen Links, wurde von einem der Zwerge rückwärts von einem Platz gezehrt, der andere Schlug ihm darauf einen großen Stein ins Gesicht. Die Leichen zogen sie in den Schatten des Zeltes. Ragnar sah sich um. Weit und breit war kein weiterer Feind zu sehen, zumal die größte Ansammlung der Zelte nun gut erkennbar in der Mitte des Plateaus stand. Gemeinsam schlichen sie sich Richtung Tor. Als sie nahe dran waren, legte sie sich auf die Bäuche und begannen zu gleiten. Die Torwache, wenn es denn eine war, bestand aus etwa sieben Brutkriegern, Hurlocks und Genlocks. Ihr Anführer trug eine fast golden schimmernde Rüstung und einen gehörnten Helm. Er stapfte gebieterisch vor den niederrangigen Wesen auf uns ab.

    Der Alpha dort. Wenn wir den zuerst töten können, dann haben wir mit den anderen leichtes Spiel“, flüsterte Ragnar. Die anderen stimmten zu und so glitten sie noch dichter heran. Ragnar spähte in die Dunkelheit. Auf der anderen Seite der Straße erkannte er das schwache Leuchten weißer Federn.
    E´Lara ist in Position.Wir warten, bis sie den Angriff einleitet. Dann stürzen wir uns auf die Brut auf unserer Seite der Straße“
    Ragnar beobachtete weiter. Jetzt erkannte er E´Lara, wie sie leichten Schrittes auf einen Hurlock zu huschte. Als nächstes sah er sie, wie sie direkt hinter dem Biest stand, eine Hand vor seinen Kopf führte, eine dahinter sodass die Unterarme parallel zueinander standen. Dann packte sie zu und zog die Arme rasch auseinander, was dem Hurlock mit Wucht das Genick brach. Der Körper fing sie auf und legte ihn sachte beiseite. Einen zweiten Hurlock der unweit ihrer vorherigen Position an einer Mauer lehnte, packte sie und zog ihn mit solche Gewalt zurück, dass er in die Schatten gerissen wurde, aus denen Tempests bärenartige Hände hervor schnellten, den Hurlock packten und verschwinden ließen.
    Weiter“, zischte Ragnar und die Gruppe kroch dichter an den Feind. Einer der Genlocks war so nahe, dass man ihn förmlich riechen konnte, was Ragnar dazu brachte seine Nase zu rümpfen. Die dunkle Brut stinkt nach Verwesung und Tod. Als hätte man fauliges Fleisch zu lange in einer warmen Kammer aufbewahrt.

    In diesem Moment brüllte ein Genlock auf. Ragnar schreckte hoch. Die Biester wandten sich der Stelle zu, an der zwei ihrer Wachen fehlten. Sofort begann der Alpha wütend zu prusten und wild zu gestikulieren. Im selben Moment flog ein silberner Dolch heran und bohrte sich in den Oberkörper des Wesens. Charis war die Urheberin des Angriffs. Ragnar sprang auf und schlug in schneller Abfolge dreimal auf den Schädel des vor ihm sitzenden Genlocks ein. Auch die anderen Gruppenmitglieder griffen nun an. Der Alpha, in dessen Brust noch immer der Dolch strecke brüllte wütend und hob seine schwere Kriegsaxt an. In diesem Moment sprintete Tempest heran, trat dem Alpha in die Seite und entwendete ihm die Waffe. Mit einem einzigen machtvollen Schwung enthauptete er das Wesen. Zwei der verbliebenen Genlocks rannten in Panik in Richtung des Lagers los, doch Tarrasiel vereiste sie zu verzerrten Skulpturen ihrer selbst. Der letzte Genlock griff E´Laras Gruppe an, wurde aber von Riban mit gewaltigen Faustschlägen ausgeknockt und dann enthauptet.

    E´Lara selbst hatte indes viel Freude daran die vereisten Genlocks per Steinwurf zerspringen zu lassen. Ragnar und einer seiner Männer wandten sich den Hebeln zu. Sie schienen, wie der Großteil des Tors aus Knochen zu bestehen und nicht wirklich stabil zu sein. Ragnar gab das Zeichen und gleichzeitig betätigten sie diese. Eine rostige Kette zuckte innerhalb des Gehäuses und knirschend sprang das Tor einen Spalt breit auf. Ragnar und sein Krieger sahen sich an und zuckten mit den Schultern. Dann stemmten sie sich mit ihren Körpern gegen die abstrakten Torflügel, die ebenso stanken wie ihre Besitzer.
    General Ragnar! Beeilt euch!“, rief da Charis plötzlich in seinem Rücken. Ragnar wandte sich um und sah wie eine kleine, bewaffnete Gruppe dunkler Brut auf das Tor zulief. Offensichtlich hatten sie den Tumult mitbekommen und wollten nun nach dem Rechten sehen. Als sie die wenigen, schlecht ausgerüsteten Angreifer erblickten, keiften die Monstren und setzten zum Sprint an.
    Ihr da, helft uns!“, rief Ragnar dem nächstbesten Zwerg zu. Dieser stemmte sich nun gemeinsam gegen das Tor, welche ganz langsam und unter fürchterlichem Kreischen aufgeschoben wurde. Die Wächter zückten währenddessen ihre spärliche Bewaffnung oder nahmen, wie in Tempests Fall, die Waffen der Gefallenen Feinde zur Hilfe.

    Noch ehe die ersten Genlocks sie erreichten surrten fünf Armbrustbolzen heran und töteten zwei der anlaufenden Kreaturen. „Orzammaaaaar!“, schrie einer der Zwerge, stampfte auf den Boden und sprintete dann, in einer Hand seinen Dolch, in der anderen eine Brutklinge, auf die Angreifer zu. Was geschah konnte Ragnar nicht sehen, doch die Gruppe kam für einen Moment zum Stehen, in der weitere Bolzen herüber pfiffen und dumpf ihr Ziel fanden. Als der Trupp seinen Weg fortsetzte lagen neben der blutüberströmten Leiche des Zwerges auch fünf der dunklen Brut. Ragnar und seine Männer hatten das Tor nun weit genug geöffnet, als dass zwei Zwerge nebeneinander hindurchpassen würden. Und dann sah Ragnar sie. Seine Streitmacht, den mächtigen Steingolem an der Spitze, neben ihm Sievert, in seiner Silberitrüstung. Sie stürmten Kriegsschreie ausstoßend heran.

    Wächter! Zieht euch zurück, dort kommt die Verstärkung!“, rief Ragnar erleichtert. Seine beiden Krieger stürzten sogleich durch das Tor hinaus Richtung Entsatztruppen.
    Los!“, schrie E´Lara ihre Leute an und deutete auf das Tor. Tarrasiel formte in seinen Händen eine Flamme, übertrug diese dann auf den Holzstab und feuerte sie Richtung der Brut. Der Flammenball traf einen der Hurlocks und ließ ihn brennen wie eine Strohfigur.Die dunkle Brut war nun nah genug und dreckige Pfeile schnellten von ihren Bögen. Klickend schlugen sie auf dem Boden auf oder platschten ins Wasser.
    Los, lauft! Los!“, feuerte E´Lara ihre Truppen an. Sie stürzten Richtung Ausgang. Riban hatte einen Schild aufgelesen und stellte sich nun dicht neben seine Anführerin. Hin und wieder surrte ein Pfeil gefährlich dicht zu ihr, dann warf sich Riban diesem, den Schild ausgestreckt, entgegen. Tarrasiel formte einen erneuten Feuerwurf, während er zum Tor lief. Er schoss ihn nach Hinten weg, wandte sich dann um und rannte auf Ragnars Position zu. Der Feuerball verfehlte diesmal jegliches Ziel und erlosch in der Dunkelheit hinter den angreifenden Wesen.
    Tempest, Reach, Charis und die Zwerge waren hindurch. Nun stolperte Tarrasiel heran, während E´Lara noch, geschützt von Riban, den Rückzug überwachte. Die beiden begannen nun auch so schnell sie konnten zu dem Tor zu laufen. Plötzlich erlahmte Tarrasiel. Er war noch ein paar Schritte von Ragnar entfernt, doch wurde er immer langsamer bis er unvermittelt stehen blieb. Seine Augen wurden glasig, so glasig wie Murmeln, als er Ragnar ansah. Dann kippte er auf die Knie. E´Lara rief etwas, doch Ragnar verstand nicht was. Tarrasiels Mund öffnete sich, doch schloss sich nicht wieder. Er kippte nach Vorne und schlug dumpf auf dem Boden auf. Aus seinem Rücken ragte ein schwarzer Pfeil, genau zwischen den Schulterblättern.
    Ragnar betrachtete, wie die Brut immer näher kam, dann sah er E´Lara, die ihn an der Schulter packte und rief: „Tarrasiel ist tot! Kommt, General! Wir können hier nicht auch noch sterben!“
    So grauenhaft distanziert das auch klang, sie hatte Recht. Ragnar stürmte mit den beiden Wächter aus dem Tor. Auf der Brücke begegnete er Sievert, der ihn pflichtbewusste anfunkelte. Er nickte ihm zu und drängte sich an dem Golem vorbei. Das Tor war geöffnet und die Schlacht begann.
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    Als Ragnar bei den Handwerkern, die sich nicht am Kampf beteiligten, angelangt war, welche seine Rüstung für ihn bereithielten, waren die meisten der Wächter bereits dabei sich auszurüsten und fast schon wieder auf dem Weg zurück in den Kampf, der hinter ihnen in einem lauten Lärm und das Klirren von Schwertern umgeschlagen war. Offenbar hatte der Golem das Tor vollständig geöffnet, die Zwergentruppen waren hindurchgeströmt und hatten die Brut überfallen.

    Vier bärtige Zwerge hielten Ragnars Waffen und Rüstung bereit, zwei von ihnen halfen Ragnar beim Anlegen der schweren Panzerung. E´Lara warf sich ihre Rüstung über, schnallte sie fest und begann damit, in die umschnallbaren Panzerplatten anzulegen. Charis war sogar noch schneller. Als Ragnar damit anfing seine Rüstung anzulegen, stülpte sie sich gerade ihren unkenntlich machenden Helm über und ergriff ihren ausbalancierten Speer, dessen lange Spitze sogar im fahlen Licht der tiefen Wege golden glänzte. Dann hob sie ihren großen Rundschild, dessen Vorderseite mit einer goldenen Sonne beschlagen war, auf und eilte Richtung Gefecht. Der nächste, der an Ragnar vorbei stürmte war Tempest, die langstielige Axt fest im Griff. Auch E´Lara war nun kampfbereit und zog im Laufschritt den ersten Pfeil aus ihrem Köcher.

    Endlich war auch Ragnar vollständig. Gepanzert und bewaffnet schritt er voran, die vier Zwerge der Handwerkerkaste blieben zurück und warfen ihm noch Segenswünsche der Ahnen nach. Ragnar überhörte sie, durch die schmalen Schlitze des Visiers blickend zählte für ihn nur noch die in einiger Entfernung kämpfende Masse. Plötzlich erschienen neben ihm die Wächter Reach und Riban, einer zu seiner Rechten, einer zu seiner Linken.
    Auf in den Kampf! Für die Wächter!“, rief Reach. Riban sagte nichts dergleichen sondern folgte Ragnars Beispiel und schritt stumm voran.


    Der Kampf war in vollem Gange, verkündete jedoch schon den nahezu unabwendbaren Sieg der Zwerge. Nachdem der Golem die Brücke überquert und so als mobile Deckung für die nachrückenden Truppen unter Führung von Sievert diente und die ersten Genlocks in den Boden stampfte, zog sich die kleine Gruppe dunkler Brut, die sich zur Verteidigung dort etabliert hatten, schnell zurück. Die Zwerge folgten mit tosendem Beifall. Der Rest der Brut interpretierte die auf sie zueilenden Genossen als Zeichen der Flucht, nicht der Neuformation und eilten in Panik in alle Richtungen davon. Die wenigen, die den wütenden Äxten der Zwerge entkamen sprangen in den Bach oder eilten zwischen den Hütten von Schatten zu Schatten. Die meisten jedoch erkannten, dass es für eine Flucht oder eine effektive Gegenwehr zu spät war und kämpften bis zum Tod. Gegner, die so fochten, ohne Hoffnung, waren nicht minder gefährlich als jene, die voll von ihr waren.

    Ragnar stieß kurz hinter der Brücke auf ein paar Genlocks, die nicht mit einer Nachhut gerechnet hatten und nur spärlich bewaffnet waren. Dunkle Brut kennt kein Erbarmen, wieso sollte man also ihnen welches gewähren. Auch Riban und Reach stießen hinzu. Wut brannte in den Augen der Genlocks, die fauchend ihre grässlichen, lippenlosen Mäuler aufrissen und ungleichmäßige Reihen rasiermesserscharfe Zähne offenbarten. Dann stürzten sie sich mit nichts als Klauen und groben Fäusten auf die schwer bewaffneten Krieger. Ragnar schlug eins der Biester mit seinem Rundschild nieder und spaltete ihm den Schädel. Riban und Reach ließen ihre Klingen kreisen und erwischten jedes Genlock, das versuchte an ihnen vorbei zu schlüpfen und doch noch das heil in der Flucht zu suchen. Nahezu alle der Wesen lagen erschlagen am Boden, nur ein einziger kleiner Genlock mit verdrehter Schulter und buckligem Rücken, die Augen in blankes Entsetzten getaucht, stürzte noch vor. Wieder streckte Ragnar dem Biest den Schild entgegen und warf es zu Boden. Es kreischte und fluchte in einer Sprache, die Ragnar nicht verstand. Vielleicht war es auch nur ein Kehlengeräusch. Ragnar schwank seinen Schild auf den Rücken, setzte einen seiner gepanzerten Füße auf den Brustkorb des am Boden liegenden Scheusals und umfasste seine Streitaxt mit beiden Händen. Er sah dem Wesen ins Gesicht, obwohl es das seine unmöglich erkennen konnte. Der Genlock war still. Er zappelte nicht, fauchte nicht, wehrte sich nicht. Er akzeptierte den Tod, wenngleich er in wohl fürchtete, angesichts seines Blickes, der von der Schneide der Axt zu den tief im Schatten des Helmes liegenden Augen Ragnars huschten. Nun, wo Ragnar diese hässliche Kreatur vor ihm liegen sah, erfasste ihn Mitleid.
    Was sind das doch für bedauernswerte, erbärmliche Kreaturen, wie sie in dieser schmucklosen und verfallenen Dunkelheit hausen und sich von dem Fleisch toter Spinnen und Artgenossen ernähren. Es dürstet ihnen nach Zwergenfleisch und nichts als Hass erfüllt ihre Herzen, so sie welche haben. Und doch kennen sie Furcht. Doch wollen sie leben…“

    Reach schaute Ragnar interessiert an.
    „Los General!“, sagte er ungeduldig, die Klänge der Schlacht im Ohr. Ragnar sah zu ihm auf und äußerte verhalten seinen Gedanken, der ihm beim Betrachten des Wesens, das nun fast verständnislos auf die beiden Krieger blickte.
    Leben? Das wollen Tiere auch. Das ist Instinkt. Doch Tiere trachten nicht die Erweckung alter Götter und die Vernichtung der bekannten Welt an. Los, General, erlöst ihn von der Schmach seines Lebens. Schlag ihm den Kopf ab!“
    „Wenn wir ihn laufen ließen und seine Art im Leben genauer studierten… Wir führen seit Jahrhunderten Krieg. Mein Vater kämpfte und starb für Orzammar, genau wie sein Vater vor ihm und dessen Vater davor. Und doch ist Orzammar nicht sicherer als zu deren Zeiten. Vielleicht sollten wir neue Wege beschreiten“
    Reach lachte auf.
    Ein General, Philosoph und Wissenschaftler? Und das in einem Zwerg? Dies hier, General, diese Rückeroberung ist ein Schritt für die Sicherung Orzammars! Wir können keine Brut laufen lassen!“
    Ragnar besann sich. Er holte weit aus und murmelte leise eine Entschuldigung. Dann ließ er den Zwergenstahl niedersausen und den mit pockennarbiger, grünlicher Haut überzogenen Schädel krachend entzwei springen.

    Laufen lassen… das ich nicht lachte, Ragnar“, sagte Reach etwas perplex.
    Lass das nicht meine Kommandantin hören. Wenn ich derartiges vorschlagen würde, anstelle ihm den Kopf von den Schultern zu trennen, würde sie mir flugs den meinen abschlagen! Es gibt keine Koexistenz mit den Wesen der dunklen Brut. Und gerade ein General der Zwerge sollte so etwas wissen!“

    Ragnar und die anderen erreichten den Hauptkampfplatz, oder eher den Ort, wo das Massaker abgehalten wurde. Auch hier warfen sich kaum oder gar nicht bewaffnete Wesen der dunklen Brut in schierer Verzweiflung auf ihre gepanzerten und gewappneten Gegner und wurden mühelos niedergemacht. Ragnar betrachtete die Zelte. Viele von ihnen bestanden aus Tierhaut, die über vermutlich von der Brut selbst abgenagten Knochen gespannt war. Hin und wieder sah man auch mal ein schmutziges Laken, das als Zeltdach diente. Überall lagen Behältnisse, deren Inhalte Ragnar dem Geruch nach lieber unbeachtet lassen würde. Auch merkwürdige Götzenfiguren aus schwarzem Stein, von handwerklicher Stümperei waren dort. Sie standen auf primitiven Altären, vor denen die Monstren Unmengen an Saphiren, Malachiten und anderen Edelsteinen, sogar ein paar Diamanten, scheinbar als Opfergabe gelegt hatten. Grauenhafterweise fanden sich zwischen den Bergen an Edelsteinen, die den ganzen Fußraum bis zu den Knöcheln bedeckten auch Überreste zerrissenen Fleischs, einzelne Finger, von deren Knochen noch die Haut ragte und Ragnar meinte sogar ein schwarzes Herz zu erkennen, das von den grünen Steinen fast vollständig bedeckt wurde. Die Götter, denen diese Statuen gewidmet worden waren, mussten von unfassbar bösartiger Natur sein.

    Ragnar passierte den Altar und schritt an nun brennenden Hütten vorbei, stieg über erschlagene Körper und beschaute die Weite der Grotte. Direkt vor ihm lag in einiger Entfernung die Brücke Richtung Thaig. Unter ihr sprudelte das Wasser, dass den Bach bildete aus einer Quelle und Ragnar fragte sich, wo es wohl weiterfließen würde. Für eine Untersuchung wäre bei Bedarf später noch Zeit. Nun beschäftigte ihn jedoch eine andere Frage. Die dunkle Brut, die in großer Zahl und beinahe mühelos niedergemacht wurde, floh nur in Richtung der Brücke, über welche die Zwerge angegriffen hatten. Dabei war die Brücke über der Wasserquelle vollkommen frei. Hinter ihr führte in leichtem Winkel ein Pfad nach oben doch von hier aus sah Ragnar nur nackten Stein. Doch dort war ganz klar ein Weg. War er vielleicht im Laufe der letzten Zeit verschüttet worden? Ragnar meinte ein paar behelfsmäßig eingezimmerte Holzbalken zu erkennen.

    Seine Gedanken wurden jäh unterbrochen, als direkt vor ihm eine gut bewaffnete Gruppe dunkler Gestalten aus dem Schatten einer Hütte trat. Ragnar schätze sie auf mindestens fünf Hurlocks und fast doppelt so viele Genlocks. Einer von ihnen trug einen knorrigen Stab, der vor schmierigem Sekret nur so triefte. Auf seinem Kopf prangten Knochen, scheinbar als eine Art Geweih oder gar Krone. Die Augen der Bestien trafen auf Ragnar und alle fingen an wie besessen zu jaulen und zu kreischen. Ragnar zog seinen Schild vom Rücken nach Vorne und stellte sich auf. „Alleine gegen diesen ganzen Haufen? Nun, die Ahnen müssen wirklich Humor haben, wenn sie mich so kurz vor meinem Ziel niederstrecken lassen!“, dachte er. Der Genlock mit dem Stab richtete diesen nun auf Ragnar und heraus schoss eine grüne faustgroße Kugel. Ragnar hob den Schild.

    Die Wucht des Aufpralls überraschte ihn. Er hatte mit wenig gerechnet, vielleicht mit dem Aufschlag eines Pfeils, maximal einem Schwertstreich. Fast wäre er von dem Zauber, der ihm das Gefühl gab, ein schwerer Hurlock wäre geradewegs gegen seinen Schild gesprungen, von den Füßen gerissen worden. Zwar taumelte er noch, doch fasste er schnell wieder einen festen Stand. Zu seinem Entsetzten huschte da schon die nächste unheilvolle Kugel auf ihn zu. Ragnar reagierte und rollte sich zusammen. In der schweren Rüstung und mit all den Waffen war dies ein großes Kunststück, doch lernten Zwerge der Kriegerkaste allerlei Bewegung in voller Rüstung. Dennoch verlor er dabei die Streitaxt aus dem Griff. Er richtete sich auf und zog seine lyriumgefaltete Klinge.

    Kommt her!“, brüllte er ihnen entgegen. Und sie kamen. Zuerst die Hurlocks, deren lange Beine ihnen ein schnelleres Vorankommen, als ihren kleineren Artgenossen ermöglichte. Der Hurlock, der ihm am nächsten war, schwang ein riesiges Zweihandschwert, dessen gezackte Klinge mit dem verkrusteten Blut dutzender Opfer überzogen war. Er erreichte Ragnar, schwang seine Waffe und traf Ragnars Schild, der den Hieb gekonnt abgleiten ließ. Ragnar selbst stieß unter dem unteren Schildrand hervor und rammte seine Klinge in die Gedärme des Hurlock. Dieser schrie auf und versetzte dem ohnehin schon kleineren Ragnar einen Knietritt in dessen behelmtes Gesicht. Ragnar stürzte und blieb auf dem Rücken liegen. Der Hurlock, seine hässliche Fratze hinter einem dicken Plattenhelm verbarg, der nur die Augen freigab und der mit gebogenen Hörnern verziert war, ließ erschöpft seine schwere Waffe fallen und stürzte sich, das Zwergenschwert noch immer im Bauch, auf Ragnar zu. Ragnar hielt den Schild noch gerade rechtzeitig nach oben und fing so den schweren Körper ab, der sich auf ihn warf. Gierige Finger tasteten sich zu Ragnar Hals und verlangten danach ihm die Luft abzudrücken. Des Hurlocks lange Arme ertasteten sein Ziel und packten voller Entschlossenheit zu. Ragnar keuchte auf und sah in die grimmigen Augen des Wesens. Sein Blick war von Wahnsinn beseelt. Ragnar drückte mit beiden Händen gegen die Innenseine seines Schildes, dann zog er den Arm zurück. Augenblicklich sackte der Schild mit seiner schweren Last tiefer hinab, sodass der Hurlock nun noch weniger Anstrengung unternehmen musste, Ragnars Kehle zu umschließen. Siegesgewiss glänzten die Augen seines Gegners, doch Ragnar hatte erreicht, was er zu erreichen geplant hatte. Die lange, glatte Klinge des Dolches rammte sich tief in den Schädel des Hurlock, als Ragnar sie durch den Helmschlitz und in das Auge seines Feindes stach. Der Hurlock jaulte vor Schmerz und Entsetzten auf, doch Ragnar drückte nochmals fest zu. Sofort erstarb das Jaulen und mit ihm dem Körper der Bestie. Schwer krachte er auf Ragnars Schild, worauf dieser schwer aufstöhnte und erst einmal nach Atem ringen musste, ehe er die Leiche mittels des Schildes von ihm schob.

    Die anderen Kämpfer der dunklen Brut hatten wohl auf einen Sieg seitens ihres Champions gesetzt. Das Ragnar nun wieder stand und den Dolch auf dem Kopf des Gegners zog, und zurück in der versteckten Scheide innerhalb des Rundschildes steckte, dann das Zwergenschwert unter dem Geräusch sich voneinander trennenden Fleisches aus dem Körper ihres Mitstreiters beförderte und kampfeslustig vor ihnen stand, brachte die Meute dazu erneut anzugreifen. Diesmal jedoch erreichte keiner der anrennenden Kontrahenten den General, denn schwere Armbrustbolzen und weißgefiederte Pfeile sausten durch die Luft und trafen zielsicher vier der Angreifer. Ragnar tat ein paar Schritt Richtung Getümmel, denn von seinem Standpunkt aus konnte er nur Zeltplane sehen. Nun erblickte er jedoch E´Lara, Riban und einige der Zwergenkrieger heraneilen und den Kampf mit der bewaffneten Gruppe eröffnen.

    Mit wütendem Gebrüll warf er sich auf seinen perplexen Feind, welcher sich nun abwehrend den heranstürzenden Rettern Ragnars zuwandten. Hurlocks sprangen ihm entgegen und während er den Schlag des Einen blockte, durchbohrte ein Pfeil des Anderen Hals. Die Dunkle Brut wurde gar zornig, als sie sah wie so viele ihrer Krieger durch die Pfeilen und Klingen der Zwerge starben und wutentbrannt kreischten sie auf, während schwere Schläge zwergischer Kriegshämmer ihre Brustplatten einschlugen und ihre Körper zermalmte. Blitzende Klingen fuhren durch ihre aschgrauen Gliedmaßen und spalten diese ab von ihren bizarren Körpern. Doch sie kämpften bitter, bis zuletzt. Und so mancher Zwerg starb unter den fürchterlichen Hieben verderbter Waffen an diesem Tag, so nahe am Thaig Cadash´ar.
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    Der Kampf war vorbei und die dunklen Wesen, welche diesen Ort bevölkert hatten allesamt erschlagen. Erschöpft von dem Sturm, der nunmehr drei Stunden gedauert hatte, ließ Ragnar sich auf einen niedrigen Stein fallen. Dort saß es, die Waffen fielen klirren aus seinen Händen und schepperten auf dem Steinboden. Anders als im Rest der tiefen Wege bewuchsen keine sanften Moospolster die Orte, wo sich die dunkle Brut aufhielt und so war der Klang des aufschlagenden Rundschildes, der dann noch ein paar Schritte rollte, unheimlich kreischend. Ragnar nahm den Helm vom Kopf und setzte ihn beiseite, während er die Männer beobachtete, die ebenso erschöpft waren wie er. Ein paar schlugen sicherheitshalber auf graue Körper ein, von denen sie behaupteten sie hätten noch gezuckt. Andere kauerten neben in Zwergenrüstungen gehüllte Tote und weinten bitterlich über den Verlust der noblen Krieger. Ein paar andere hatten ein großes, hölzernes Fass von einem der Brontos geschnallt und hineingerollt. Handwerker, die dem Kampf ferngeblieben waren, verteilten Bierkrüge und Brotlaibe, welche die Kämpfer dankend annahmen.
    Sollen sie trinken und essen, sie haben es sich verdient“, dachte Ragnar bei sich. Dann kam einer der Zwerge zu ihm und reichte ihm einen großen Krug, gefüllt mit feinstem Schwarzbier, dessen Schaumkrone über den Rand des Bechers trat und am Rand hinablief. Er genehmigte sich einen kräftigen, tiefen Schluck. Das süffige Gebräu rann seine Kehle hinunter und schmeckte nach den letzten Stunden, in denen sein Mund nur Staub und Schweiß gekostet hatte, wie der Lebensquell selbst.

    Ein Zwerg in der Rüstung seiner Garde kam zu ihm, mit gesenktem Kopf. Von seiner Stirn bis zu seiner Wange zog sich ein frischer, blutender Riss, auf dem anstelle eines Verbandes eine grünliche Salbe aufgetragen worden war.

    Ragnar lächelte den Krieger schräg an, als dieser vor ihm Halt machte.
    Ihr habt euch heute tapfer geschlagen, Regarr!“, sagte Ragnar und bot ihm den Stein neben sich an.
    Wie ihr alle! Sievert hat seine Aufgabe sehr gut gemacht. Wo ist mein Adjutant?“
    Betrübt sah der Krieger seinen Befehlshaber an.
    Sievert fiel in der Schlacht, mein Herr“, berichtete er traurig. Ragnar war bestürzt und schüttelte verneinend den Kopf.

    Wie konnte das passieren?“
    Er kämpfte bis zuletzt in vorderster Front und fällte viele der dunklen Brut. Mehr als jeder andere eurer Krieger. Doch ein garstiger Bolzen aus der Armbrust des feindlichen Anführers durchschlug seine Rüstung. Die Spitze des Geschosses muss mit einem tödlichen Gift bestrichten gewesen sein, denn obwohl der Bolzen ihn nur in der Schulter traf, starb der gute Sievert nach wenigen Augenblicken“
    Nun senkte auch Ragnar den Kopf und vergrub das Gesicht in den Händen.

    Der Kampf hatte einige Leben gekostet. Doch für jeden gefallenen Zwerg lagen dort mindestens fünf der dunklen Brut. Die kleine Schar war nun jedoch ein bisschen kleiner geworden. Doch jeder Zwerg, der sich dieser Expedition angeschlossen hatte, tat dies aus Überzeugung und mit dem Wissen über die Gefahren der Tiefen Wege. Ragnar hatte, nachdem er seine Erschöpfung und Bestürzung überwunden hatte, den Rest der Männer auf das Plateau geleitet. Die Verwundeten wurden versorgt, während Ragnars Hauptmänner Wachen einteilten und Spähtrupps zusammenstellten. Die Grauen Wächter waren indes dabei, die primitiven Hütten zu untersuchen. Ragnar löste sich von den seinen und begab sich zu ihnen.
    Vor eine abstrakten Behausung blieb er stehen. Es war nicht sehr hoch, von ovalem Grundriss und lief spitz zusammen. Das Gestänge des zeltähnlichen Konstrukts schien ausschließlich aus alten Knochen zu bestehen. Die Bespannung war ledrig und hatte die Farbe von verblichenem Pergament. Der Eingang in das Zelt war schmal und beklemmend und obwohl die Hütte unmöglich über einen wirklich großen Innenraum verfügen konnte, strahlte doch nichts als Finsternis und Bosheit aus der schwarzen Ritze heraus.
    Ziemlich gruselig, was?“, erklang es neben Ragnar. Er zuckte zusammen und wandte sich nach Rechts. Schräg hinter ihm stand die Speerkriegerin Charis. Ihren dunkelroten Helm mit dem pompösen schwarzen Kamm hatte sie abgesetzt und im Lager gelassen, sodass ihr kurzes Haar verschwitzt nach hinten geklebt schien und im Fackelschein, der die Hüttenansammlung erleuchtete, seltsam feucht glänzte. Ihre bronzefarbene Haut spielte Ragnar Streiche, indem dunkle Schatten sich auf ihren markanten Wangen tanzten.

    Gruselig, in der Tat. Man denkt nicht, dass due dunkle Brut überhaupt schläft. Alles was sie können ist… zerstören“, antwortete er, die Augen noch immer an ihr Gesicht geheftet.
    Wir sollten dieses Zelt untersuchen!“
    Ragnar nickte, doch hielt er die Hand hoch, als die junge Kämpferin ungebremst in das Zelt stürzten wollte.
    Halt! Wir sollten vorsichtig sein. Man weiß nie, ob sich nicht doch noch ein paar Nachzügler versteckt halten. Lasst mich vorgehen!“

    Er packte seinen Schild und schob ihn vorsichtig vor sich her. Charis legte Speer und Schild beiseite und bewaffnete sich mit den beiden gebogenen Klingen, welche gekreuzt auf ihrem Rücken steckten, indem sie ihre Hände bis zum Steißbein wandern ließ, die beiden goldenen Griffe packte und die Klingen zischend aus ihren Hüllen zog. Ragnar drückte sich voran und betrat als erster das Zelt. In seinem Nacken spürte er den heißen Atem Charis´ die ihm dicht auf den Versen war. Ein schneller Blick genügte, um festzustellen, dass in diesem Zelt nichts mehr lebte. Der ovale Raumboden war übersäht mir Knochen, allesamt von Tiefenlaurern, wie es schien. Zu ihrer Rechten stand eine kleine Truhe, welche wohl menschlicher Bauweise war. Charis ging hinüber und versetzte der Truhe einen tritt, sodass diese umfiel und ihr Inneres auf den Boden kullerte. Es waren noch mehr Knochen, manche davon aber nicht älter als einen Tag. An diesen hingen noch Fetzen von Fleisch. Mitten unter den Knochen war eine der seltsamen Statuen, die Ragnar schon davor aufgefallen waren. Da diese hier jedoch zerbrochen schien, hatte man sie allen Anschein nach beiseite gelegt, wenngleich die Dunkle Brut zu viel Respekt vor der Abgebildeten Gottheit gehabt haben muss, um das zerbrochene Stück wegzuwerfen.

    Ah, eine von diesen seltsamen Figuren. Wir haben einige davon gefunden. Eure Männer sammeln inzwischen sicherlich die ganzen Edelsteine zusammen, die den Statuen als Opfergabe dargebracht wurden“
    „Wisst ihr, was es damit auf sich hat?“
    , fragte Ragnar. Charis schüttelte den Kopf.
    Das Durchsuchen der Hütten sollen die Männer übernehmen. Ich begebe mich nun zu der Brücke, welche zum Thaig Cadash´ar führen sollte. Wenn ihr wollt könnt ihr mich begleiten“
    Charis nickte eifrig. Sie nahm Schild und Speer wieder auf und stapfte an Ragnars Seite in Richtung des Durchganges, welchen Ragnar schon während des Kampfes beäugt hatte.
    Die an der Brücke abgestellten Wachen nahmen Haltung an, als Ragnar sich mit seiner hübschen Begleiterin nährte. Er schaute auf den Gang, der hinter der Brücke verlief. Der Weg war steinig und viele Felsbrocken und Holzbalken waren achtlos auf die ehemalige Zwergenstraße geworfen worden. Da die Straße einen leichten Anstieg verzeichnete, war ein nicht unerheblicher Teil der Steine und der Hölzer zurückgerollt und hatten sich fast zu einer kleinen Barrikade getürmt.

    Sind schon Männer von uns dort drüben?“, fragte Ragnar einen der Soldaten.
    Nein Herr. Einige der Grauen Wächter waren nach der Schlacht hier und haben sich den Weg angesehen, sind aber nach sehr kurzer Zeit schweigend wieder abgezogen“, berichtete er.
    Gut, gut. Schickt einen Boten zu Meister Gran von der Handwerkskaste. Er soll mit acht seiner Steinmetze herkommen und den Schutt abtragen. Ich möchte noch heute in Cadash´ar einmarschieren“
    „Sofort Herr!“
    , sagte der Krieger und verschwand. Kurze Zeit später eilte ein Zwerg Richtung Kolone.
    Müsst ihr nicht wieder zurück zu euren Wächtern?“, fragte Ragnar, während er auf den Steinmetz und seine Leute wartete.

    Mmmh. Nein. Die Kommandantin hat uns aufgetragen, alles Wissenswerte aus den Hütten der dunklen Brut zusammen zutragen. Nach jedem Vorstoß in die Tiefen Wege trägt sie die wichtigsten Details zusammen und schreibt dann einen langen Brief an unser Hauptquartier in Anderfels. Habt ihr diese Federn gesehen, mit denen sie sich vor einem Kampf schmückt, das sind Griffonfedern und…“
    „… ja, ich weiß. Nur ausgezeichnete Wächter bekomme eine verliehen“
    , beendete Ragnar ihren Satz. Verblüfft schaute Charis drein.

    „Nun, ich schätze euer Wissen über die Grauen Wächter ist essentiell, sind wir doch eure einzigen dauerhaften Verbündeten im ewigen Kampf gegen diese fahlhäutigen Bastarde“, sagte Charis. Ragnar lachte.

    Solltet ihr dann nicht eigentlich auch in den Hütten herumkriechen oder tote Kreaturen filzen, wie es eure Kommandantin befiehlt?“, frage er spöttisch. Charis sah ein wenig beleidigt aus, während sie halbstark eine Antwort druckste. Es sei ja auch so an Informationen zu kommen, durch Gespräche und so. Ragnar lachte nun herzhaft, was Charis unweigerlich zum Lächeln brachte.
    Nun denn. Erzählt mir von euch, Charis. Ihr stammt nicht aus Ferelden, stimmt´s?“
    Sie lächelte, wobei ihre Zähne weiß zwischen den dunklen Lippen blitzen.
    Ja, das stimmt. Also… mein Name ist wie ihr wisst Charis. Charis von Tronje. Ich stamme aus Rivain. Habt ihr schon einmal davon gehört?“
    Ragnar schüttelte den Kopf.

    Es ist ein warmes Land, voller bunt gekleideter Menschen. Ich lebte in einer der vielen Küstenstädte dort. Manchmal vermisse ich sie. Die weißen Häuserwände mit ihren zahlreichen Balustraden und Basreliefs und den Kupfergedeckten Dächern, die in der glühenden Sonne leicht flimmern. Und wie das tiefblaue Meer glänzt. Schöner als 1000 Saphire“

    Ein verträumter Ausdruck trat auf ihr Gesicht, während ihre dunklen Augen schwelgend schweiften. Dann besann sie sich, sah Ragnar erneut an und sagte gefasst:
    Es ist sehr schön dort. Solltet ihr je die Gelegenheit haben, Rivain zu besichtigen, so nutzt diese!“
    „Das werde ich. Wieso seid ihr von dort fortgegangen, wenn es euch doch so sehr fehlt?“
    „Weil ich ein Grauer Wächter wurde. Ich war mein Leben lang eine Soldatin und habe in so vielen Schlachten gekämpft, dass ich aufgehört habe zu zählen“

    Ragnar schaute verwundert. Wenn solch junge Frauen schon zahllose Schlachten geschlagen haben, dann scheint die Oberfläche tatsächlich beinahe so gefährlich zu sein, wie ein Leben als Krieger Orzammars.

    Charis fuhr fort.
    Die Wächter in Rivain sind nicht wirklich bekannt und auch zahlenmäßig nicht sehr viele. Sie rekrutieren ihre Mitglieder anders als beispielsweise in Ferelden auch nur aus kampferprobten Kriegern und nicht aus Meuchelmördern, Dieben und Prinzen. Mein Befehlshaber muss mich wohl für den Orden vorgeschlagen haben. Ich weiß nicht, ob es als eine Ehre oder eine Strafe gedacht war, mich fortzuschicken“
    „Aber hättet ihr nicht einfach ablehnen können?“

    Charis kicherte belustigt.

    Wenn dem so wäre, würde der Orden in Rivain schon lange ausgestorben sein. Man ehrt die Grauen Wächter dort, doch weiß man, dass ein Leben als Wächter einem alle Freiheiten nimmt. Hätte ich abgelehnt, wäre ich als Deserteurin gebrandmarkt, aufgepeitscht und dann draußen vor den Stadttoren gepfählt worden. Naja, desertierte Soldatinnen werden natürlich davor noch den Offizieren zur „freien Verfügung“ gegeben. Und wenn die ihre Männer bei Laune halten wollen, dann wird halt die Runde gemacht“

    Ragnar verzog angeekelt das Gesicht.
    Tiere!“, zischte er bestürzt. Charis nickte traurig.
    Und so habe ich mich gewissermaßen entschlossen den ehrbaren Grauen Wächtern beizutreten. Und eure Geschichte, General? Wie ist es, ein Zwerg in Orzammar zu sein?“
    Charis und Ragnar unterhielten sich noch einige Zeit. Währenddessen kamen die Steinmetze und begannen Stock um Stock und Stein um Stein abzutragen. Nach getaner Arbeit kam Meister Gran zu den ihnen.
    Herr, der Weg ist nun freigeräumt“
    „Gute Arbeit, Meister Gran. Ich stehe in eurer Schuld“
    , sagte Ragnar und neigte anerkennend den Kopf zur Seite.

    Zu freundlich, doch ich tue nur meine Pflicht für Orzammar, Herr. Da wäre aber noch etwas. Dies war keine zufällige Anhäufung von Steinen. Es sollte wohl eine Mauer oder zumindest einen Schutzwall darstellen. Er scheint jedoch vor vielen Jahren bereits gefallen zu sein“
    „Wisst ihr, wer diesen Wall errichtete?“
    „Ja Herr, es war auf jeden Fall die dunkle Brut“
    Er lachte amüsiert auf.
    Zwerge, mein Herr, würden bei weitem nicht so stümperhafte Steinhaufen errichten und davon ausgehen, dass diese sie auch noch schützen“
    „Danke, Meister Gran. Kehrt in das Lager zurück und ruht euch aus. Ich werde bald zu euch stoßen und dann brechen wir auf“


    Der grauhaarige Meister der Steinmetze, dessen kurze Arme aber von unglaublichem Volumen waren, verbeugte sich kurz und verschwand dann. Ragnar saß stumm da und dachte nach.
    Was überlegt ihr, General?“, fragte Charis neugierig.
    Hmm. Die Dunkle Brut hat diesen Wall errichtet um sich vor irgendetwas oder irgendwem zu schützen. Vielleicht Tiefenlaurer oder Riesenspinnen… dann haben sie den Wall vernachlässigt, sodass er in sich zusammenfiel…“
    „Nun, man kann der dunklen Brut weder eine hohe Intelligenz, noch handwerkliches Geschick zusprechen“
    , ergänzte Charis.
    Das stimmt!“, erwiderte Ragnar. „Doch während der Schlacht versuchten die Bestien nicht in diese Richtung zu flüchten. Lieber wählten sie den Weg direkt auf uns zu. So stark verschüttet war der Pfad zum alten Thaig doch nicht. Wieso also sind sie nicht dorthin geflohen?“
    „Wie gesagt, es sind wahnsinnige und dumme Wesen. Sie handeln nicht logisch“

    „Oder sie hatten Angst“
    , überlegte Ragnar.
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    Lang war der Pfad und beschwerlich, der hinaus führte aus der Senke, in der die Schlacht getobt hatte und hinauf zu dem verlorenen Thaig. Die riesigen Felsformationen, welche den Tunnel säumten ragten hinaus wie giftige Stacheln oder schienen die Form von Blasen zu haben, wie sie Lava manchmal schlägt. Unwirklich und aufgequollen waren die Steine und verliehen dem Ort einen mystischen und zugleich erschreckenden Charakter. Der Stein auf dem die Zwerge marschierten war, anders als die üblichen Zwergenstraßen, nicht mit Mosaiken besetzte, sondern bestand aus schwarzem Speckstein. Je näher sie dem alten Thaig rückten, desto enger wurden die Gänge und die Tunneldecke senkte sich bedrohlich ab. Den Zwergen waren bedrückende Pfade und steinstrotzende Wege wohlbekannt, doch einige der Handwerker, die sonst nur in den schützenden Hallen Orzammars arbeiteten und sogar der ein oder andere Wächter wurde bei dem schlundähnlichen Durchgang nervös.

    Verfluchte Tunnel…“, brummte Tempest, während er etwas geduckt voranging, obwohl die Decke nicht einmal den langen Stiel seiner auf dem Rücken getragenen Axt streifte.
    Ich brauche freie Flächen und massig Gegner, die ich meine Axt schmecken lassen kann“
    „Hör auf zu jammern, Tempest. Jedes Mal, wenn wir in enge Tunnel vordringen, fängst du damit an!“
    , kommentierte der Barde Reach.

    Es gefällt mir halt nicht. Soll ich etwas lügen?“, fuhr der Aschekrieger ihn an.
    Du könntest still bleiben. So wie Riban oder unsere kurzen Begleiter“, antwortete Reach und deutete mit einem Kopfnicken auf den großen Schwertkämpfer, der stumm auf die nächsten hundert Fuß starrte.
    Sag mir nicht, was ich zu tun hab, Barde! Sonst werde ich…“, begann Tempest aufgebracht und spannte seine kräftigen Oberarme an.

    Schluss jetzt!“ fuhr E´Lara die beiden Streithähne an. Dann wies sie mit ausgestrecktem Arm auf eine Stelle etwa 200 Fuß von ihrer Position entfernt. Die Steigung ließ dort nach und die massiven Felsbrocken, die so bedrohlich von allen Seiten zu stürzen schienen, öffneten liefen in einem Trichter weit aus.
    Kolone halt!“, rief Ragnar, der an der Spitze des Zuges ging. Unter lautem Klirren von Metall, das aufeinanderschlug und dem Scheppern gerüsteter Zwerge, die gegeneinander stießen kam die Gesellschaft zum Stehen.

    Schickt nach eurer Kommandantin!“, sagte Ragnar zu Charis, die auf dem ganzen Weg keinen Meter von ihm gewichen war.
    Nicht nötig, General!“, rief E´Lara, die sich eilends auf dem Weg zu ihm gemacht hatte.
    Ah, Kommandantin. Gut! Ich werde einen Spähtrupp schicken, der den Thaig auskundschaften soll und wollte euch anbieten diesen zu begleiten. Ich selbst werde auch gehen“
    „Ein kluger Vorschlag, General. Ich werde euch mit zwei meiner Leute begleiten. Stellt euren Trupp zusammen und trefft euch vor der Kolone mit mir“
    „So machen wir´s!“
    , endete Ragnar. Dann suchte er sich fünf der fähigsten Späher heraus, da vor allem auf Fallen zu achten war.

    Ich möchte euch begleiten, General!“, meldete sich Charis verhalten zu Wort.
    Ihr untersteht nicht meinem Kommando, meine Liebe. Ich kann euch das nicht erlauben“
    „Bitte, sprecht mit E´Lara! Ich werde euch nicht zur Last fallen, versprochen!“

    Beschwichtigt nickte Ragnar, was Charis ein freudiges Strahlen entlockte. Nachdem sich die Späher bewaffnet und gerüstet hatten folgten sie ihm zu den Wächtern, welche sich bereits in Front der Kolone gesammelt hatten. E´Lara, Reach und die Zwergin Frakea warteten schon auf die Ankunft.
    Kommandantin!“, rief Ragnar der Elfe zu. E´Lara sah ihn an, wobei ihr lyriumfarbenes Auge hell glänzte, ja beinahe leuchtete, während das matt grüne verstohlen im Schatten blieb, welcher auf die eine Hälfte ihres Gesichts fiel.

    General!“, antwortete sie gelassen.
    Eure Gefährtin Charis bat mich, sie meinem Trupp zu unterstellen. Sie möchte uns gerne begleiten“
    „Hätte ich Charis Hilfe für notwendig befunden, dann hätte ich sie selbst geschickt“
    , sagte E´Lara monoton. Ragnar sagte nichts, sondern schaute weiter in das unheimliche Funkeln ihres Auges. E´Lara verzog ihr schönes Gesicht und rollte mit den Augen.
    Nehmt sie, General“, seufzte sie. Ragnar drehte sich um und winkte Richtung Kolonenvorhut. Sofort löste sich die Gestalt der Kriegerin aus der Masse und eilte leichten Schrittes auf Ragnar zu, den Speer in der einen, den großen Rundschild in der anderen Hand.
    E´Lara durchbohrte Charis mit ihrem strengen Blick.
    Ihr untersteht nun bis auf weiteren dem Befehl des Generals. Bringt dem Orden keine Schande, Charis!“
    Charis nickte verständnisvoll.
    Und solltet ihr fallen, so wisset, dass euer Opfer nicht vergessen wird…“, fügte E´Lara hinzu, drehte sich dann abrupt um und wandte sich ihren ausgewählten Kameraden zu.

    Die Gruppe betrat den Thaig durch die trichterförmige Öffnung. Die Männer staunten nicht schlecht, als sie eine Grotte von unfassbarer Höhe erblicken, welche in dämmerhaftem Zwielicht lag. Direkt vor ihnen verlief der schwarze Steinweg. Er steuerte geradewegs auf ein verfallenes Tor zu, das ganz klar zwergischen Ursprungs war und in einer mittlerweile baufälligen Mauer eingelassen war. Die Mauer an sich war etwa 14 Fuß hoch und bestand aus aufeinandergehäuften grauen Steinen, welche mit rotem Mörtel verbunden worden waren. Auf der Mauer, welche eine Breite von ca. drei Fuß hatte war eine schmaler Gang, gerade breit genug, dass ein Zwerg auf ihm stehen konnte, eingelassen. Zinnen gab es, abgesehen von der Plattform des Torhauses, keine. Direkt über dem verwitterten Fallgatter, hinter dem zusätzlich rostige Rahmen von einem ehemaligen Holztor zeugten, war ein Wappen in den Stein geschlagen worden. Doch nach all der Zeit waren die eingemeistelten Zeichen rund und abgegriffen. Ragnar schaute an der Mauer entlang. An mehreren Stellen waren die Steine der Mauer abgebröckelt und in sich zusammengesackt, sodass es mindestens zwei Schwachstellen in den Überresten der Befestigungsanlage gab. Die Mauer zog sich in leichtem Bogen von einer Seite der Steinwände bis zur anderen und ließ lediglich das eine Tor als Durchgang frei. Ragnar und seine Männer durchschritten es und sahen in einiger Entfernung vor sich eine Ansammlung von Gebäuden, sowohl zur Rechten, als auch zur Linken der schwarzen Straße. Direkt zu ihrer Linken hinter der Mauer befand sich eine große Freifläche. An der Mauer war ein einzelnes, mit Schiefern gedecktes, Gebäude eingelassen. Zur Rechten Ragnars erstreckte sich eine große Ansammlung verrotteten Holzes. Anscheinend hatten die ehemaligen Bewohner des Thaigs dort eine Art Stallung errichtet um möglicherweise Brontos dort zu halten.

    Ragnar gab seinen staunenden Männern ein Zeichen und die Gruppe bewegte sich weiter vorwärts. Zur selben Zeit führte E´Lara ihren Trupp über die Freifläche zur Linken der Straße auf die Gebäudereihen zu. Ragnar folgte indes der Straße. Die ersten Gebäude auf die er stieß waren von seltsamer Bauweise. Im Gegensatz zu den zwergischen Gebräuchen waren sie einstöckig, langgezogen und aus Holz, welches über die Jahre morsch geworden und zusammengefallen war. Die Dächer der drei Gebäude, welche alle links von der Straße standen schienen zudem mit Stroh gedeckt zu sein, was zwar bei Menschen Verwendung fand, den Zwergen jedoch unpraktisch erschien. Verwundert ließ Ragnar die verfallenen Langhäuser zurück. Ragnar, Charis und die fünf Späher gingen weiter, fanden jedoch nach wenigen Schritten das nächste Kuriosum, diesmal auf der rechten Seite der Straße. Merkwürdige Steine, ebenso schwarz wie jene, aus denen die Straße bestand, waren zu ovalen Gebilden geschlagen und in einem grotesken Kreis aufgestellt worden. Ragnar untersuchte den Speckstein sehr genau und fand seltsame Symbole und hieroglyphische Zeichen einer alten Runenschrift in den weichen Stein gekratzt.

    „Wenn wir diesen Thaig befestigt haben, schicken wir Boten nach Orzammar und zur Halle der Bewahrung, vielleicht kann man dort herausfinden, was es hiermit auf sich hat!“, rief Ragnar seinen Männern zu, die ebenso verblüfft wie verunsichert von dem unbekannten Steinkreis waren. Ragnars Stimme hallte weit in der riesigen Höhle wider. Dieser Ort schauerte ihn. Er bereute, dass er weder Helm noch Schild mitgenommen hatte. Charis, welche nie weiter als fünf Schritt von ihm entfernt lief, trug ihren identitätsraubenden Helm, durch deren Augenschlitze ihre Iris golden leuchteten. Auch ihr schien der Ort Unbehagen zu bereiten, denn sie hielt den Schild erhoben und den Speer leicht gesenkt, bereit ihn schnell in Angriffsposition zu bringen. Ihr behelmter Kopf wandte sich huschend zu den Ecken, die in tiefe Schatten getaucht waren, als erwartete sie einen Überfall.

    Ragnar kehrte auf die Straße zurück und setzte seinen Weg fort. Er sah noch weitere primitive Behausungen, gebaut aus Holz und sogar Knochen. Vermutlich hatte die Dunkle Brut hier einst versucht ein Lager aufzuschlagen. Wieso waren sie wieder fort?

    Je weiter sie der Straße folgten, desto zwergischer wurden die Behausungen. Thaigtypische Häuser säumten nun die Straßenränder. Ihre steinernen Wandtafeln zeigten die Wappen eines längst vergessenen Hauses. Die Türen jedoch waren versperrt, einige Eingänge waren sogar mit schweren Steinen überhäuft.
    Plötzlich schnappte Charis geräuschvoll nach Luft. Rasch drehte sich Ragnar um. Die junge Kriegerin stand wie angewurzelt mitten auf dem schwarzen Weg, ihren Kopf in den Nacken gelegt, die Arme unachtsam zu den Seiten hängend.

    Charis! Was ist los?“, fragte Ragnar besorgt. Doch Charis antwortete nicht. Dann folgte Ragnar ihrem Blick und auch sein Atem stockte.
    Vor dem Trupp erstreckte sich ein riesiges Gebäude, so hoch, dass er die Decke der Grotte möglicherweise sogar erreichte. Schwarz und schwer erstreckte sich das Bollwerk vor ihnen. Die Straße lief direkt darauf zu. Langsam nährte sich Ragnar an. Das Gebäude glich einem Turm und bestand aus einem einzigen, kantigen Quader, an den Rechts und Links zwei weitere angefügt worden waren. Es gab weder Zinnen noch Rundungen in der Bauweise. Als Ragnar näher herantrat sah er, dass das fensterlose Gebäude aus einem seltsamen, grünlichen Stein erbaut worden war. Die Steine wirkten ekelhaft glitschig und schimmerten phosphoreszierend in dem fahlen Zwielicht, dass die merkwürdige Grotte erleuchtete. Die einzelnen Quader, aus denen der Bergfried errichtet worden war, waren so halb so groß wie ein ganzes Haus und verbanden sich auf unnatürlich lebendige Art und Weise miteinander, als würde nicht Mörtel, sondern organische Fasern die glatten Klötze zusammenhalten. Ein unfassbar bedrückendes Gefühl der Angst ging von dieser monströsen Machart aus.

    Ragnar untersuchte die Straße. Sie verlief unter einem massiven Tor entlang, dass in den absurden Turm eingearbeitet, jedoch ebenso unbeweglich wie die Mauer an sich, war. Ragnar sah an dem Bauwerk empor. Nicht einmal Schießscharten waren in den Stein eingelassen. Er zog seinen Handschuh aus und berührte die Wand. Sie fühlte sich merkwürdig warm an, als würde im Inneren des Turmes ein riesiges Feuer brennen. Zudem war die Oberfläche des Steins so glatt, wie es nur fein gearbeitete Edelsteine ansonsten zuließen. Ragnar ging mit dem Gesicht so nah an den öligen Stein heran, wie er konnte, um zumindest eine Maserung zu erkennen. Doch was dann geschah ließ den erfahrenen Krieger vor Schreck zurückfahren. In der Mauer hörte er ein Kratzen und Huschen, so als wenn direkt vor seinem Gesicht ein lebendes Wesen gestanden und im Moment des Näherkommens geflüchtet wäre. Ragnar stolperte entsetzt zurück und wäre beinahe gestürzt. Sofort eilte Charis zu ihm.

    Habt ihr etwas bemerkt, General? War dort etwas?“
    Ragnar sagte nichts, sondern starrte angestrengt auf die Stelle, an der er das grausige Kratzgeräusch vernommen hatte. Doch außer dem schleimigen Fels war nichts zu sehen. Und so schüttelte er den Kopf und behauptete schlicht über einen Steinabsatz gestolpert zu sein.
    Kehren wir zurück zum Tor“, sagte Ragnar angespannt.

    Beim Tor angelangt traf Ragnars Gruppe auf E´Lara und ihre beiden Begleiter.
    Habt ihr etwas gefunden?“, fragte E´Lara den General, während dieser Charis anwies die Expeditionsgesellschaft in das Innere des Tores zu führen.

    Nicht besonders viel, fürchte ich. Alte Gebäude und Steinkreise. Vielleicht für Rituale, die den Zwergen unbekannt sind. Und natürlich das da“. Ragnar deutete auf den bedrohlich wirkenden Turm, der in weiter Ferne nur zu erkennen war, wenn man wusste, dass er dort war. E´Lara kniff die Augen zusammen und spähte in die Dunkelheit.

    Was ist dort?“, fragte sie, als sie nur Schemen des Bauwerks erkennen konnte.
    Wenn ich das wüsste. Es scheint ein uralter Turm zu sein, ohne Fenster oder sonstige Eingänge, abgesehen von einem versiegelten Tor. Dort endet die Straße“
    „Wie alt mag er wohl sein?“
    „Uralt. Vielleicht sogar noch älter als der Thaig. Diese Straße hier ist nicht wie die üblichen Wege der Zwerge. Vielleicht wurde diese Festung von Ahnen erbaut, die lange vor der Erschaffung der tiefen Wege hier unten lebten…“

    Auf E´Laras skeptisch gehobene Augenbraue fügte er hinzu: „Wächter, ich bin Krieger Orzammars. Wenn ihr etwas über die Entstehung und Geschichte der Tiefen Wege wissen wollt, so sprecht mit unseren Bewahrern!“
    „Wie dem auch sein, General. Wir fanden ebenfalls einen Steinkreis aus schwarzen, kunstvoll behauenen Steinen in die Runen graviert, oder viel eher geritzt wurden. In der Mitte des Kreises befand sich eine Art Altar. Und auf dem Altar fanden wir das hier“


    E´Lara warf Ragnar eine Statue aus purem Gold zu. Es war schon an einigen Stellen grünlich angelaufen und von den unzähligen schmutzigen Händen, welche die Figur gegrabscht hatten, dunkel verfärbt, doch erkannte man ganz klar den hohen Wert und die Qualität der Statue.

    Erkennt ihr es wieder?“, fragte E´Lara mit gedämpfter Erwartung in der Stimme. Ragnar untersuchte die Figur genauer und mit Schrecken fiel ihm auf, dass es sich dabei um denselben Götzen handelte, den die Dunkle Brut verehrt und mit Rubinen und Knochenopfern überschüttet hatte. Doch im Gegensatz zu den hässlichen Steingötzen, welche die Brut selbst hergestellt hatte, war dieser kunstvoll bearbeitet.
    Er zeigte ein hageres Wesen mit langen, dünnen Armen und Beinen, die anscheinend mit Reifen behängt waren. Es stand majestätisch und mit erhobenem Haupt dort, die Arme herrschaftlich erhoben. Das Wesen hatte einen aufgeblähten Bauch und hängende Schultern. Es stand auf einem Sockel, der wohl eine Ansammlung von Steintafeln darstellen sollte, denn zwischen den Füßen, die unnormal lang und schmal waren, erkannte Ragnar Zeichen und Schriften. Am erschreckendsten jedoch war der Kopf der Kreatur. Er war haarlos, trug aber eine spitzzackige Krone. Dort wo die Augen sein sollten, war ein Tuch oder Lederriemen um den Kopf geschlungen. Darunter saß eine platte, sehr breite Nase, die eher an den Rüssel einer Nug erinnerte, als an irgendetwas zwergisches oder menschliches. Der Mund war lippenlos und kreisrund, doch quoll aus ihm eine lange, dicke Zunge hervor.

    Die ganze Gestalt wirkte so abstrakt und abstoßend, dass Ragnar sie E´Lara rasch zurückgab, welche sie mit ebenso großem Abscheu in einen Jutesack verschwinden ließ.

    Was ist das?“, wollte Ragnar wissen. E´Lara zuckte mit ihren Schultern. Ragnar schüttelte sich, wandte sich ab und begann die eintreffenden Zwerge ein Lager aufschlagen zu lassen.
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    Ragnar ließ seine Leute ihr Lager auf der großen Freifläche hinter der Mauer aufschlagen. Da die Expedition ihr Ziel nun erreicht hatte, wurden alle Gepäcke von den dankbaren Brontos abgeladen und die richtigen Zelte aufgeschlagen. Die Nahrungsvorräte wurden in die Speicherzelte gebracht, welche mit Holzbarrikaden zusätzlich befestigt wurden. Zudem ließ Ragnar Wachen sowohl Richtung Senke, als auch Richtung des unheimlichen Turmes aufstellen, was seine Männer zwar verwirrte, sie jedoch nicht an der Richtigkeit zweifeln ließ. Dann bestellte Ragnar seine Hauptmänner, sowie Meister Gran und seine Vorarbeiter und E´Lara in sein Zelt.

    Ragnars Zelt war aus rotem, schwerem Stoff gewebt und auf mächtige Stangen gesteckt. An den Türpfeilern prangten Wappenschilder und auch auf den Stoffwänden war sein Wappen mit goldenen Fäden gestickt worden. Das Zelt an sich bot viel Platz, war es doch fast viermal so groß wie die Gemeinschaftszelte der Soldaten, in denen jeweils sechs Mann schliefen. In der Mitte stand ein kreisrunder Tisch. Es war eher eine Tischplatte, die auf drei leere Fässer gelegt worden war. Auf dem Tisch lagen nun Briefe, Pläne und Abschriften. Ragnars Bett stand im dunkelsten Teil des Zeltes, direkt daneben sein Waffen- und Rüstungsständer. Eine hölzerne Truhe, ein kleines Tischchen für Speisen und ein persönliches Weinfass bildeten den Rest des Inventars. E´Lara war die erste, die bei dem General eintraf. Sie beanspruchte einen Stuhl und etwas Platz an dem runden Tisch für sich. Dort begann sie die Notizen zu lesen und sich selbst welche zu machen. Hin und wieder hörte das Kratzen der Feder auf und E´Lara führte den zuvor angebotenen Kelch feinsten Weins zu ihren Lippen. Auf Ragnars Frage, was sie denn dort tue antwortete sie nur barsch, es handle sich hierbei um Angelegenheiten der Grauen Wächter. Er könne sich die Briefe gerne ansehen, würde aus ihnen jedoch nicht schlau werden.

    Nach einer Weile trafen auch die anderen Eingeladenen ein. Ragnar begann:
    Nun sind wir hier angelangt. Die Wochen der Wanderung sind beendet. Doch machen wir uns nichts vor, es gibt noch einiges zu tun. Meister Gran, macht euch unverzüglich daran die Mauer wieder instand zu setzten! Wir wissen nicht, wann das Gezücht uns angreifen wird. Hauptmann Thronton, ihr werdet mit euren Spähern den Thaig untersuchen. Erstattet mir unverzüglich Bericht, wenn ihr weitere Befestigungen und Wege findet! Ihr, Hauptmann Ethlered, ihr kümmert euch um die Wachen. Wenn möglich bemannt die Mauer. Auch zu dem Thaig möchte ich weiterhin Wachen haben! Wächter, es würde mir sehr helfen, wenn ihr und eure Männer den Thaig ebenfalls weiter erkunden würden und ihr mir eure Erkenntnisse dann mitteilen würdet“
    „Wir hatten nichts anderes vor, General!“
    , entgegnete E´Lara.

    Sehr gut. Dann begebt euch nun zu der Mauer, Meister Gran. Ich werde euch begleiten“
    Ragnar tat wie er gesagt und gemeinsam mit dem Steinmetz untersuchten sie die Befestigung. Wie schon beim Eintreten bemerkt hatte die Mauer einige Schwachstellen. Zu den beiden Einstürzen auf der Seite des Lagers kam eine weitere marode Strecke auf der Seite der zerfallenen Holzanlagen. Zudem musste das Fallgitter verstärkt und das morsche Holz im Tor ersetzt werden, wenn die Mauern einem Angriff der dunklen Brut standhalten wollten. Denn das sie angreifen würden stand außer Frage.
    Fleißig machten sich die Zwerge ans Werk, unter den wachsamen Augen der Soldaten, die ihre Sicherheit während der Bauarbeiten übernahmen. Sie standen mit polierten Speeren und glänzenden Helmen auf der Mauer und Ragnar überkam eine Welle des Stolzes, als er Krieger Orzammars so weit entfernt der Heimat ihr altes Reich überschauen sah.

    Der Tage neigte sich dem Ende zu und die Zwerge hatten bereits erstaunliches geleistet. Alle drei Schwachstellen waren zumindest wehrtauglich ausgebessert worden, eine sogar beinahe stabiler als der Rest der Mauer. Tor und Gatter waren verstärkt worden und ein mächtiger Stahlriegel von der Breite eines Zwergenarms verschloss es nun vor den unsicheren tiefen Wegen. Die ersten Spähtrupps kehrten in das Lager zurück, das mit zusammengesuchten Steinbänken, welche durch Zeit und kriechende Wesen noch nicht abgenutzt worden waren und mit notdürftigen Holztafeln, welche auf wackeligen Beinen standen. Den hochrangigen, adligen Offizieren und den Wächtern hatte man am Tag aus gutem Holz, das man nahe des unheimlichen Turms, der nun still von weitem beobachtete, einen kantigen und robusten Tisch geschreinert. Bier wurde ausgeschenkt und Fackeln entzündet, denn obgleich man tief unter der Erde war, senkte sich ein magisches Licht zur Nacht hinab und tauchte die Tunnel in eine mystische Dunkelheit. Bläuliches Zwielicht dämmerte am Horizont über den verfallenen Ruinen des alten Thaigs, während die Grotte erfüllt wurde von dem Gelächter munter trinkender Zwerge.

    E´Laras Trupp kam zum frühen Abend zurück ins Lager und die Wächter staunten nicht schlecht, als sie sahen, welche vortreffliche Barrikaden die Steinmetze erschaffen hatten. Die Mauern, bei einem Menschen gerade Hüfthoch, umspannte das gesamte Sammelsurium an Zelten und bot so zusätzlichen Schutz vor Tiefenlaurern, welche sich nachts nur zu gerne zur Speisekammer der Zwerge schlichen, um dort das leckere Pöckel- und Dörrfleisch zu stehlen.

    Sie hatten die ganze Seite Links der Straße abgesucht, waren in jedes Haus eingedrungen, dessen Tür nicht fest verrammelt war und hatten sämtliche Hinweise auf die Dunkle Brut dokumentiert. Zu E´Laras Ärgernis waren die Hinweise zahlenmäßig so wenige, dass es sich fast nicht lohnte, sie überhaupt aufzuschreiben. Und obwohl sie jeden einzelnen Fakt oder auch nur jede Verdächtigung auf die Anwesenheit des Erzfeindes auf ihr Papier kritzelte, füllte sie doch nur etwa eine halbe Seite. Dementsprechend unbefriedigt kehrte sie ins Lager zurück. Die anderen Wächter setzten sich sogleich an die reich gedeckten Tische und schlangen ganze Brotlaibe und gesalzenen Brontokäse herunter, als wäre es ihre Henkersmahlzeit. E´Lara hingegen setzte sich gefrustet zu Ragnar, lehnte ihre lange Klinge, ihren Köcher und den weißen Bogen gegen die Tischplatte und zog die zerknüllten Pergamentrollen hervor, welche sie angesichts des offenbaren Misserfolges, achtlos in ihre Tasche gestopft hatte.
    Nichts!“, fachte sie und riss sich ein Stück dunklen Teigs von dem vor ihr liegenden Kräuterbrots.
    Ihr scheint mit eurer Reise mehr als nur unzufrieden zu sein, Wächter“, sagte Ragnar in beschwichtigendem Tonfall.

    E´Lara starrte ihn böse an.
    Das ist eine harmlose Untertreibung, Ragnar! Wir kamen hierher, weil wir vermuteten, die Dunkle Brut hätte hier eines ihrer Hauptlager. Allgemein dachten wir, die Brut würde in abgelegenen Thaigs eine Art Festung oder zumindest Stützpunkte errichten. Doch wir fanden nichts. Zumindest nichts, was auf mehr als ein paar lächerliche Beutezüge durch die Bestien hinweist“
    Ihre schlanken Finger langten nach einer Nugkeule. Beinahe animalisch versenkte sie ihre langen, weißen Zähne in dem Fleisch, die spitzen Eckzähne voran.

    Wir haben allerdings…“, setzte sie mit vollem Mund an, was Stückchen abgerissenen Fleischs und Spucke durch die Luft fliegen und auf der vor Ragnar ausgebreiteten Karte landen ließ: „…etwas gefunden, dass euch vielleicht mehr interessiert als uns“

    Ragnar schaute sie erwartungsvoll an, während er mit seinem Ärmel die Karte sauberwischte.
    Wir drangen in ein Gebäude ein. Die meisten waren, wie ihr wisst verriegelt. Manche Türen mussten wir aufbrechen. Diese jedoch war nur angelehnt“, mampfte sie geräuschvoll.
    Und was wir dort fanden…“. Ein feines Rinnsal Speichel lief ihr aus dem geöffneten Mundwinkel, über den sie die Unterhaltung führte. Es lief bis zum Kinn hinab und zog sich dann zu einem silbrigen Faden. Ragnar schaute genervt zu der Elfe, die ihn sowohl mit der Information zappeln ließ und zugleich anscheinend alle Tischmanieren vergessen hatte. Den kritischen Blick dementierte sie, indem sie sich harsch mit dem Handrücken über den Mund fuhr und geräuschvoll schluckte. Mit nun leeren Mund fuhr sie fort.
    Wir fanden Knochen. Unzählige! Teilweise sogar ganze Skelette“
    Ragnar zuckte mit den Schultern.

    Na und? Wir sind in den tiefen Wegen. Hier haben schon tausende und abertausende ihr Leben verloren. Und die Bewohner dieses Thaigs müssen ja auch irgendwo verblieben sein“
    „Nun, das ist wahr. Aber diese Skelette waren anders. Ihre Körper waren… merkwürdig verrenkt. Wenn es sich hierbei um Zwerge handeln sollte, so waren diese zudem seltsam degeneriert. Die Haltung und der krumme Rücken. Einige der Leichen müssen sich zu Lebzeiten auf allen Vieren bewegt haben“

    Ragnar erschauderte. E´Lara stopfte sich erneut ein Stück Brot in den Mund, hob dabei aber auch den Zeigefinger.
    Das schaurigste kommt aber noch“, kaute sie und fuchtelte mit der Hand, die das Brot hielt gewichtig in der Luft.
    Ihre Knochen waren teilweise angenagt. So als hätte etwas, oder jemand, sie verspeist und ihre Überreste dann dort versteckt“
    „Das ist… beunruhigend. Aber es geschah offenbar vor sehr langer Zeit. Dennoch ist es eine gute, wenngleich grausige, Information für die Bewahrer. Seid ihr sicher, dass es sich nicht um Opfer der dunklen Brut handelt?“

    E´Lara zog ihre Augenbraue nach oben.
    Wenn es Hinweise auf die Anwesenheit dunkler Brut gegeben hätte, dann wäre ich jetzt nicht so schlecht gelaunt, General!“
    Ragnar lachte trocken auf und griff zu seinem Trinkhorn. In demselben Moment kam einer der Krieger, die zur Wache eingeteilt waren, zu ihm gelaufen.
    Herr! Herr!“
    Ragnar winkte ihn zu sich.
    Was ist, Krieger? Solltet ihr nicht eigentlich Wache stehen?“
    „Herr, es ist etwas passiert!“
    „Was ist passiert, Mann? Muss ich euch alles einzeln entlocken?“
    „Die Leichen! Unsere Gefallenen von der Schlacht, sie sind weg!“
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    Wie weg?“, prustete Ragnar. „Was soll das heißen, sie sind weg? Leichen verschwinden nicht so einfach!“
    „Ich kann es euch auch nicht erklären, Herr. Aber als ich meine Runde ging, waren sie plötzlich nicht mehr dort“
    „Das kann doch unmöglich war sein!“

    Ragnar sprang auf.

    Bringt mich dorthin!“, forderte er dem Wachmann auf. Dieser nickte und eilte voran. Ragnar streckte seinen Arm aus und einer seiner Hauptmänner, von denen sich nun alle erhoben, um ihrem Anführer zu folgen, war ihm seine Streitaxt zu. Auch E´Lara hatte sich erhoben und eilte nun neben Ragnar zu dem Ort des schändlichen Diebstahls. Die Barren und schlichten Decken, auf denen die Körper der getöteten gelegen hatten waren leer und lagen wildverstreut auf dem nackten Steinboden verstreut. Blutspuren von einigen der übler zugerichteten Körper zogen sich grotesk über die Erde und verschwanden in der Dunkelheit. Ungläubig schüttelte Ragnar den Kopf.
    Das ist doch wohl kein makabrer Scherz!“, donnerte er, was die Hälfte der Anwesenden heftig zusammenzucken ließ.

    Wo ist mein treuer Freund Sievert? Wo ist sein geschundener Körper?“, brüllte Ragnar vor Wut in die Dunkelheit.
    Welcher kranke Feigling vergreift sich hier an den sterblichen Überresten edler Krieger? Komm heraus! Komm heraus, dann zeig ich dir, was lebende Zwerge können!“
    Hallende Stille erfüllte die Grotte. Das wütende Echo Ragnars rief noch tief in die letzten Ecken der Höhle, doch keine Antwort kam.

    Verdoppelt die Wachen! Stellt Fackeln um das Lager herum auf und entzündet ein großes Lagerfeuer in der Mitte der Zelte. Morgen suchen wir unsere verschwundenen Krieger!“, befahl Ragnar und gab das Zeichen zum Abzug. Leise flüsternd entfernten sie sich von dem traurigen Platz. Ragnar sah noch einmal in die Dunkelheit, dann wandte auch er sich um und trottete zurück ins Lager. Doch plötzlich hörte er etwas hinter sich. Ein Rascheln, als würde etwas auf leisen Füßen umherhuschen. Und ein unheimliches, permanentes Scharren oder Kratzen, wie Klauen, die über Fels streiften. Angestrengt starrte er in die pechschwarze Finsternis, doch konnte er nichts erkennen. Dennoch hatte er das Gefühl, als würde irgendetwas zurückstarren. Seine Nackenhaare stellten sich auf und ein Schauer erfasste ihn. Er wandte sich um und blickte in das Gesicht E´Laras. Sie war in die Hocke gegangen, um auf seiner Augenhöhe zu sein. Schon holte er Luft, um sich zu erklären, doch E´Lara legte einen ihrer Finger auf die Lippen und machte: „Ssschhtt“. Ihre verschiedenfarbigen Augen schauten rechts neben Ragnars Kopf vorbei. Das Scharren erstarb und vollkommene, allumfassende Stille trat ein.

    Ich habe es auch gehört“, flüsterte E´Lara. Mit dem Krümmen von Zeige- und Mittelfinger bedeutete sie Ragnar, ihr ohne einen Mucks zu folgen. Leise verließen sie den Ort und erst vor Ragnars Zelt sprachen sie wieder miteinander.

    Was war das, Wächter?“, fragte Ragnar besorgt.
    Ich weiß es nicht“, antwortete E´Lara wahrheitsgetreu und fuhr fort:
    Doch es gibt in der Welt noch ebenso grausame Dinge, wie die Genlocks der dunklen Horde“
    Auf Ragnars verdutzten Blick begann sie:
    Dämonen, die von den Toten Besitz ergreifen, Magier, welche eure Gedanken kontrollieren und euer Blut für blasphemische Rituale missbrauchen, Wesen aus dem Nichts, die euch in euren Träumen peinigen und euch zwingen, grausame Sachen zu tun. Sogar Zwerge, die nicht träumen können von ihnen in ihre irreale Welt des Wahnsinns gezerrt werden. Dort saugen sie euer Gehirn aus und hinterlasse euch als geistlose Hülle, verdammt dazu an Hunger und Durst zu sterben“
    Mit jedem der furchtbaren Punkte streckte sie einen Finger in die Höhe. Ragnar sah erschrocken drein. Der Kampf gegen die Dunkle Brut erforderte schon ohne dunkle Magie genug Mut. E´Lara lächelte grimmig, als sie die Besorgnis im Gesicht des Generals sah.

    Die Welt ist einfach durch das Visier eines Kriegers, nicht wahr? Keine Sorge, ich lasse euch heute Nacht Charis da. Sie scheint euch ohnehin ans Herz gewachsen zu sein, dann kann sie auch für eure Sicherheit sorgen. Gute Nacht, General. Fürchtet die Dunkelheit nicht, begrüßt sie!“

    E´Lara verneigte sich leicht und tippelte davon. Ragnar betrat sein Zelt, stellte die Streitaxt neben sein Bett und begann, Kettenhemd, Steppdecke und Kleidung abzulegen.
    Oh, General! Verzeiht!“, stotterte Charis, die überschwänglich ins Zelt geplatzt war. Ragnar knüpfte gerade die Knöpfe seines dunkelroten Nachthemdes zu.
    „Nein, keine Sorge. Kommt herein!“
    „Sicher? Ich kann auch draußen wachen, General!“

    Macht euch nicht lächerlich, Charis. Kommt herein und setzt euch!“
    Charis trat ein paar Schritte in den Raum, dann nahm sie auf dem angebotenen Stuhl Platz.
    Bedient euch, wenn ihr mögt“, sagte Ragnar und deutete auf den niedrigen Tisch, aus dem einige Speisen und ein Becher standen.

    Oh nein, sehr freundlich von euch General. Ich bin hier um euch während eures Schlafes zu beschützen“
    „Ich weiß“,
    lächelte Ragnar. „Das heißt aber nicht, dass ihr dies mit knurrendem Magen tun müsst“
    Ich habe schon gegessen. Vielleicht später?!“, bot sie an.

    Obwohl es Ragnar unangenehm war, kletterte er ins Bett und deckte sich zu. Er sah zu Charis herüber. Sie hatte ihren Kammhelm abgesetzt und auf das kleinen Tischchen gelegt, den Rundschild gegen den Stuhl gelehnt aus dem sie saß und den langen Speer über die linke Schulter ragend. Sie war ein wirklich schöner Anblick, wie ihre wachsamen Falkenaugen so merkwürdig in der Dunkelheit glänzten, wie eine Goldader im dunklen Gestein. Die Müdigkeit erfasste ihn und seine Augenlider wurden schwer. Noch einmal blinzelte er und sah die beinahe schattenhafte Gestalt der Speerkämpferin, wie sie zurückgelehnt in dem Stuhl saß und ihn unablässig beäugte. Dann schloss er seine Lider erneut und fiel in einen tiefen, ruhigen Schlaf.
    Ragnar erwachte früh und doch unglaublich ausgeruht. Seit seinem Weggang aus Orzammar vor nun mehr als drei Wochen hatte er nicht mehr so fest und erholsam geschlafen. Er öffnete verschlafen die Augen und sah Charis. Sie saß zusammengesackt auf dem Stuhl, den Speer lose in den Händen und das Kinn auf der Brust. Die lange Wacht hatte sie scheinbar zermürbt, was kein Wunder bei den Geschehnissen des Tages gewesen war. Ragnar erhob sich leise und stich das Gewand glatt. Dann durchquerte er das Zelt und machte vor Charis halt. Sie schien sehr tief zu schlafen, denn ihr Atmen war nicht zu hören. Ragnar wischte sich mit den Händen die langen Haare aus dem Gesicht. Sollte die kleine Wächterin doch noch etwas schlafen. Ragnar schlüpfte in Hemd und Hose, gürtete sich sein Schwert um und verließ das Zelt. Sofort kam ein besorgt aussehender Krieger auf ihn zu.

    Herr. Es ist noch sehr früh. Solltet ihr euch nicht lieber ausschlafen?“
    „Mir geht es gut, danke Darion. Bringt mir bitte etwas Wasser“
    „Sehr wohl, Herr!“
    , sagte der Krieger und ging davon.

    Ragnar streckte alle Viere von sich, was diese mit lautstarkem Knacken quittierten. Das nächste, was Ragnar jedoch hörte waren Alarmrufe. Innerhalb weniger Augenblicke wimmelte es vor bewaffneten Zwergen, die allesamt aus den weit aufgerissenen Öffnungen der Zelte strömten. Auch Ragnars Leibgarde kam herangelaufen. Als sie ihren Herren lebendig und unversehrt vor seinem Zelt stehen sahen, fielen ihnen schwere Steine von den Herzen. Sofort scharten sie sich um ihn und suchten ich zu schützen. Ragnar jedoch eilte mitsamt seiner Krieger zu dem Ort, von dem aus die Hilferufe zu vernehmen waren. Dort fanden sie zwei Krieger. Sie standen um einen Dritten herum, der, das Gesicht zur Erde gewandt, vor ihnen im Staub lag.

    Was ist hier passiert? Sprecht!“, rief Ragnar.
    Herr, es ist. Wir wissen nicht, was geschehen ist. Zwei unserer Soldaten sind fort und dieser hier scheint tot zu sein“
    „Dreht ihn um!“
    , befahl Ragnar. Die Männer taten wie ihnen geheißen. Als der Zwergenkrieger nun auf dem Rücken lag, erfasste der Schrecken alle umstehenden. Das Gesicht des Mannes war zerfetzt und teilweise ausgehöhlt. Augen, Mund und Nase schienen aus dem Gesicht geschnitten oder gefressen worden zu sein und der Bart des Mannes war nur noch eine von Blut und Dreck verkrustete Wolle. Auf den Wangen des Toten zeigten sich Bissspüren, so tief, dass der weiße Knochen zwischen dem Fleisch hervorlugte. Ragnar hörte, wie sich hinter ihm jemand übergab. Auch ihm war speiübel.

    Verflucht! Was ist hier überhaupt los?“ In Ragnars Kopf drehte sich alles.
    Sucht die beiden verschwundenen Wachen hier im Umkreis des Lagers. Vielleicht spielen sie bloß irgendwo Würfeln!“
    Männer schwärmten aus und Ragnar ging, begleitet von seiner Garde, die nun keinen Schritt mehr von seiner Seite weichen wollte, zurück zum Zelt.

    Wartet hier!“, befahl er. Er betrat das Zelt, um seinen Panzer anzulegen. Dabei fiel ihm Charis auf. Er hatte das junge Mädchen bereits vergessen. Sie lag noch immer in den Stuhl zusammengesackt. Vorsichtig nährte Ragnar sich.
    Charis. Wacht auf, Charis!“, flüsterte er. Sie reagierte nicht. Ragnar kam näher und sprach nun lauter.
    Charis. Wacht auf!“
    Noch immer blieb sie ungerührt von dem Lärm, der um das Zelt tobte und Ragnar, der nun bis auf ein paar Hand breit von ihr entfernt stand.
    Charis!“

    Sie schreckte auf. Verwirrt suchten sie nach dem Ursprung des Wortes. Als sie Ragnars Gesicht vor sich sah, beruhigte sie sich. In ihren Augen spiegelte sich der Wandel von Entspannung zu Anspannung.
    Oh, ich, ähh, ich war nur einen ganz kurzen Moment weg. Ich habe die ganze Nacht kein Auge zugetan und euch stets behütet, General!“

    Ragnar winkte beschwichtigend mit den Händen.

    Ist ja schon gut! Ihr habt gut gedient. Doch nun musst ihr aufstehen. Etwas Schlimmes ist letzte Nacht im Lager geschehen und ich befürchte, wir befinden uns in Gefahr“
    „Etwas Schlimmes, aber was…“
    , begann Charis, doch Ragnar hatte sich bereits abgewandt und begonnen, seine Panzerung anzulegen. Charis rieb sich die Augen, erhob sich aus ihrem Sitz und fiel sofort benommen zurück. Sie fasste sich an den Kopf und erhob sich erneut. Diesmal gelang ihr der Versuch und sie kam schlaftrunken zu Ragnar hinüber und begann, ihm mit seiner Rüstung zu helfen.
    Als Ragnar das Zelt gerüstet verließ, standen schon alle Grauen Wächter vor diesem.
    E´Laras leicht welliges, blondes Haar fiel, nun da sie es geöffnet trug, lang herab, bedeckte Schultern und Rücken. Ihre spitzen Elfenohren schauten Rechts und Links vom Kopf unter dem dicken Haarwuchs hervor und sie lächelte, als Ragnar sie ansah.

    Na los, General. Gehen wir auf die Jagd!“
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    Ich kann es nicht fassen, dass wir schon wieder hier rumkriechen und uns alte Knochen anschauen, anstatt draußen dunkle Brut zu töten“, maulte Tempest, während sich die Wächter zusammen mit Ragnar und ein paar handverlesenen Kriegern seiner Garde durch die engen Gassen der uralten Zwergensiedlung drückten. Die meisten Zwerge hatte Ragnar zur Bewachung des Lagers dort gelassen. Immer in Fünfergruppen und immer in Sichtweite zu der nächsten Gruppe. Ein paar wenige Trupps durchkämmten indes die Ruinen nach Hinweisen auf den Verbleib der verschwundenen Leichen und der beiden Wachen, die trotz intensiver Suche verschwunden geblieben waren. Auch die getrockneten Blutspuren vom Abend zuvor halfen nicht weiter. Die Diebe mussten die toten Körper aufgesammelt und getragen haben, nachdem sie sie aus dem Lager geschleift hatten.

    Oooh, Tempest!“, murrte Reach entnervt. „Fängst du schon wieder an?“
    „Lass ihn in Ruhe, Reach. Tempest fühlt sich halt in engen Räumen nicht wohl“
    , mahnte E´Lara.
    Ah, ich verstehe. Ist das war Tempest? Hast du Angst vor engen Spalten? Tja, ich hab dich auch noch nie mit ner Frau gesehen!“

    E´Lara grinste dreckig, rempelte Reach jedoch trotzdem heftig an, sodass er Ruhe gab. Dann blickte sie streng zu dem glatzköpfigen Aschekrieger, der gerade Luft holte, um eine Schimpftirade gegenüber dem vorwitzigen Barden loszulassen. Bei E´Laras Blick überlegte er es sich jedoch und konzentrierte sich wieder auf den Weg vor sich.

    Hier war es!“, rief die Zwergin Frakea von weiter vorne. Sie stand vor einem großen, rechteckigen Zwergenhaus, dessen Wandvertäfelung teilweise abgebröckelt war.
    E´Lara rüttelte an der geduckten Stahltür, deren goldene Lackierung schon stark abgeblättert war und unansehnliches Eisen zutage brachte.
    Hier? Seid ihr sicher, Frakea?“
    Die Zwergin schaute der Elfe erbost ins Gesicht.
    Natürlich bin ich sicher, Kommandantin!“, fauchte sie.
    Aber die Tür ist verschlossen, Zwergin!“, fauchte diese zurück.
    Was soll das bedeuten? Habt ihr sie gestern denn offen zurückgelassen?“, schaltete sich Ragnar ein.
    E´Lara nickte.
    Ja, wir haben sie vielleicht angelehnt. Selbst wenn die Tür ins Schloss gefallen wäre, so wäre sie doch nun nicht verriegelt“

    E´Lara legte ihre Hand gegen die Tür und drückte kräftig gegen sie. Ein leichtes Knatschen war zu vernehmen, doch gab sie nicht nach. Sie drehte sich zu der Gruppe aus Zwergen und Wächtern um.
    Einschlagen!“, sagte sie. Sofort zog Tempest seine Axt und Halfdan, der Zwerg der einst ein Rotgardist war, holte mit seinem mächtigen Streithammer aus. Laut krachten die Waffen gegen die Tür. Immer und immer wieder führten die Beiden kräftige Hiebe aus.

    Sollen meine Männer helfen?“, fragte Ragnar. E´Lara verneinte das Angebot.
    Viel mehr passen gar nicht vor diese Tür, General. Nicht, dass sich die Männer noch gegenseitig treffen“
    „Gibt es keinen anderen Weg hinein?“

    Was glaubt ihr? Zwecklos eine so kleine Hütte nach weiteren Türen zu untersuchen. Keine Sorge, General. Diese Tür war bald gebrochen sein!“

    Ragnar überlegte gerade, ob er den Golem, der momentan die Steinmetzten beim Reparieren der Mauer unterstütze, die Tür nicht mit einem kräftigen Schlag aufbrechen könnte, als es laut krachte und Tempests Axt sich in der gespaltenen Tür verhakte. Mühsam zog er sie aus dem gerissenen Metall, das nun, da ein Schlag seine Struktur gebrochen hatte, seltsam verrostet und instabil aussah. Halfdan versetzte der Tür nahe des Bruches zwei stärke Schläge, welches die Tür weit eindellten. Gerade setzte er zum erneuten Schlag an, als E´Lara: „Genug!“, rief. Sie ging zur Tür, steckte ihren Arm ohne ein Anzeichen von Besorgnis oder Vorsicht durch den Spalt und fingerte an dem Riegel herum.

    Klacken entriegelte sie die Tür, welche sofort ein Stück weit aufsprang.
    Die Männer hoben ihre Waffen und E´Lara zückte einen langen, schlanken Elfendolch, als sie vorsichtig in die Dunkelheit spähte. Sie tat ein paar vorsichtige Schritte in die Kammer, flankiert von Ragnar und Halfdan. E´Lara streckte ihre leere, tätowierte Hand in das schon beinahe stoffliche, bedrückende Schwarz. Dann drehte sie die Handfläche nach oben, schloss die Finger zu eine Faust und öffnete sie wieder. Dort wo eben noch nichts außer Schwärze gewesen war, flackerte jetzt ein silbrig-bläuliches Licht. Es schwebte einige Finger breit über ihrer Handfläche und strahlte eine solche freundliche Helligkeit aus, dass sämtliche düsteren Schatten in dem Raum in ihre Ecken zurückkrochen. Ragnar schaute verwundert zu der Elfe. Im Halbschein des kleinen, magischen Lichtleins tanzten Schatten in ihrem Gesicht. Sie lächelte amüsiert, während sie ihre Zunge von innen gegen die Zähne presste und somit beinahe bösartig erschien. Ihre spitzen Eckzähne funkelten gebleckt in der magischen Helligkeit.

    Alle Dalishelfen verfügen über magische Begabungen. Doch nur wenige wissen davon und noch weniger nutzen diese“, erklärte sie, während sie sich langsam in den Raum vortasteten.
    Dann seid ihr eine Magierin?“, fragte Ragnar ehrfürchtig.
    Nicht wirklich. Das wenige, was ich an Magie beherrsche sind im Gegensatz zu der Macht wahrer Magier nur Taschenspielertricks. Aber ich lernte von einigen alten Gefährten und neuen Wächtern, die arkane Energie, die mich durchfließt, zumindest ein wenig zu kanalisieren“

    Ragnar war beeindruckt, doch ihm fehlte die Zeit weitere Fragen über die Magie zu stellen und welche Fähigkeiten E´Lara wohl beherrschen mochte. Im Schein der kleinen, leuchtenden Kugel suchten sie auf dem Boden nach Stolperfallen. Die Wächter hatten hier am Vorabend einige Skelette erwähnt. Und tatsächlich sag Ragnar einige weiße Knochen auf dem Boden liegen.

    Eine Fackel!“, rief er nach draußen. Wenige Augenblicke später wurde ihm das brennende Stück gereicht. Er leuchtete den Boden des eckigen, unnormal hohen Raumes aus du erschrak. Er hatte mir ein paar Knochen gerechnet, doch der Weg vor ihm war geradezu versperrt von Haufen übereinander gestapelter Knochen. Schädel von unnatürlicher Form, angenagte Skelette und, bei den Ahnen, frische Leichen in den Farben der Häuser, welche dieser Expedition beiwohnten. Er schaute sich in dem Raum um. Direkt vor ihm führte ein kleiner Pfad tiefer in die Eingeweide des Schreckenshauses. Zu den Seiten befanden sich kleine Kammern, gerade groß genug um dort Speisen zu lagern, oder vielleicht ein Zwergenbett. Der Anblick, der sich ihm dort bot, ließ ihn sauer aufstoßen. Dutzende Knochen degenerierter Wesen, übereinandergestapelt bis an die Decke. Ganz oben auf lagen die zerfetzten Körper jener Männer, die am Vortag in der Schlacht ihr Leben ließen.

    Mit leicht verschwommenem Blick, dem verzerrten Spiegelbild der Wahrheit, taumelte Ragnar hinter E´Lara und Halfdan her. Auch Wächterzwerg war kreidebleich und schien kurz davor zu sein, aus dieser stinkenden Falle zu entfliehen. Doch Mut und Treue ließen ihn neben E´Lara weiter voranschreiten, über die Reste zwergischer und vielleicht sogar andersartiger Wesen, steigend und sich an den feuchten, kalten Steinwänden abstützend, mit denen dieses Haus erbaut worden war. Mehrmals wäre Ragnar fast auf Blutlachen ausgerutscht, die nicht vor allzu langer Zeit entstanden sein konnten. Es grauste ihn zu sehen, wie die skelettierten Körper in panischer Verrenkung übereinander lagen, so als wären die toten Körper achtlos auf die der Lebenden geworfen worden.

    Plötzlich blieb E´Lara stehen. Ragnar schaute an ihrer schlanken Taille vorbei und sah, dass das silbrige Licht eine Tür beleuchtete. Sie war alt, knorrig und eisenbeschlagen. Ihr Holz war schwarz und ungefähr auf Augenhöhe eines Menschen waren austretende Reliefschnitzereien erkennbar. Im fahlen Licht der Fackel schienen sich die grausigen Figuren zu bewegen und einen abstrakten Totentanz zu vollziehen.
    E´Lara drehte sich zu Ragnar.

    Ich fürchte, wir haben eure vermissten Krieger gefunden. Es hat keinen Sinn noch weiter vorzudringen. Wir sollten stattdessen ins Lager zurückkehren und uns überlegen, was wir unternehmen werden. Die Dunkle Brut von Vorne, ein gefräßiger Dämon in unserem Rücken, das ist keine sehr gute Ausgangslage“
    „Da habt ihr wohl Recht, Wächter. Einverstanden, kehren wir zurück!“

    Als sie sich dem Ausgang nährten, kam Riban, der große Ritter, auf sie zu. Auch er trug eine Fackel und bedeutete ihnen mit einem Kopfnicken, ihm zu folgen.

    Seht euch das an“, sagte er und deutete auf einen der verwesten Körper. Sein Kopf stand in merkwürdigem Winkel ab und die bleichen Knochenarme waren abwehrend gekreuzt.
    E´Lara betrachtete die Leiche, schaute dann zu dem Mann empor und fragte: „
    Auf was genau erwartet ihr jetzt eine Reaktion?“

    Doch Ragnar hatte schon gefunden, was der Ritter ihnen zeigen wollte. Die knochige Hand des Skelettes trug einen goldenen Ring. Ragnar streckte die Hand danach aus und zog ihn ab, wobei der Finger leise knackte und brach. Es war ein Siegelring. Das Wappen kam ihm bekannt vor. Er zeigte ihn E´Lara. Auch sie schien sich an das Wappen mit dem strahlenden Diamanten zu erinnern.
    Das Haus Crafft!“, schoss es im Augenblick der Erleuchtung aus ihr heraus.
    Ragnar klatschte einmal kurz in die Hände und nickte.

    Dann haben es diese verrückten Bastarde anscheinend doch geschafft. In Orzammar ist man stets davon ausgegangen, sie seien auf dem Weg zum alten Thaig allesamt gestorben. Welch´ grausames Schicksal, den langen unheilvollen Weg zu meistern und dann zum Mahl eines blutrünstigen Dämons zu werden“

    Ragnar schaute betrübt drein und verlies das grausige Haus als Erster. Die Männer sahen ihm erwartungsvoll an, doch er zuckte nur mit den Schultern. Es sollten nicht mehr Leute als nötig von diesem tristen Wissen belastet werden. Zudem wäre die Panik, die im Lager um sich greifen würde nicht wirklich förderlich.

    Auf dem Rückweg schwiegen die Männer. Nur hin und wieder kam ein verhaltenes Gemurmel auf, erstarb jedoch. Die Stimmung war zu bedrückend, als dass man sprechen wollte. Nur E´Lara und Ragnar, die etwas weiter vor der Gruppe gingen, berieten sich leise flüsternd.
    Habt ihr die verschütteten Eingänge gesehen? Möglicherweise haben die Zwerge des alten Thaigs schon damals versucht den Dämon so fernzuhalten“, mutmaßte Ragnar.
    Wenn dem so war, hat es offenbar nicht wirklich geholfen. Aber zumindest wissen wir jetzt, wieso diese seltsamen Holzhäuser am Anfang der Siedlung stehen“
    „Wirklich? Wieso?“

    „Denkt nach, General. Das Haus Crafft kam vor über 80 Jahren hierher. Der Thaig ist aber schon so lange verlassen, dass kein einziger Zwerg, der zu jener Zeit lebte, heute noch unter uns weilt. Es ist offensichtlich, dass die Craffts diese Hütten dort bauten. Die Frage ist nur: wieso?“
    „Möglicherweise weil sie die alten Häuser nicht betreten wollten oder konnten“

    E´Lara fuhr sich durch die Haare und kräuselte unbefriedigt die Lippen.
    Nein, dass ist es nicht. Vielleicht sollten wir die Langhäuser einmal untersuchen“
    „Das mit Sicherheit, Wächter. Doch zuerst sollten wir uns um den Schutz gegen den Dämon kümmern. Ihr beherrscht Magie, gibt es keine Rituale oder Schutzzauber gegen Dämonen?“
    „Ich-beherrsche-keine-Magie!“
    , protestierte E´Lara verbissen: „Wie gesagt, ich kann ein paar Zauber wirken, aber nichts Großes und mit Sicherheit keinen Dämonenschutz! Verdammt, wenn Tarrasiel doch bloß nicht gefallen wäre…“

    Die beiden Krieger folgten der schwarzen Straße bis sie die maroden Steinhäuser des unheimlichen Thaigs hinter sich gelassen hatten. Zu ihrer rechten Seite lagen nun die vermoderten Überreste der drei Langhäuser. E´Lara löste sich von Ragnars Seite und bog schnurstracks zu dem morschen Holzhaufen ab. Ragnar zögerte kurz, folgte ihr dann aber doch. Ragnars kurze Beine trugen ihn nicht so schnell voran und so traf er E´Lara auch schon in der Hocke und mit ihrem Dolch in dem verfallenen Haus herumstochernd an.

    General, reicht mit eure Axt!“, verlangte E´Lara und streckte ihre Hand aus. Ragnar hielt ihr die hochwertige Waffe hin. Die feinen Linien, welche in E´Laras Haut gebrannt hatten, bewegten sich zaghaft, als ihre liebliche Hand den gravierten Stiel der Streitaxt umfasste. Mit der Schneide schob sie umsichtig Schicht um Schicht des alten Holzes beiseite. Der sanfte Modergeruch des morschen Materials trat an die Luft, doch E´Lara stocherte weiter in der skelettierten Leiche der Hütte herum. Dann stockte sie und winkte Ragnar heran. Sie zeigte auf den Boden vor ihren Füßen. Ragnar schaute zwischen die pilzüberwucherten Bretter und stinkende Erde. Zwischen den glitschigen Überresten funkelten fahle, blanke Knochen hervor.

    Noch mehr Leichen?“, fragte Ragnar in düsterer Vorahnung. E´Lara nickte.
    Ich schätze schon. Hier…“, sie trat gegen einen Schädel „…und hier“, sie trat gegen einen weiteren.
    Das sind zumindest zwei. Ich beschwöre euch, wenn wir weitersuchen, finden wir noch mehr. Und sehr ihr das? Was ist das, etwa eine Kette?“

    Mit der Spitze der Axt hob sie eine rasselnde Stahlkette an. „Tatsächlich!“ Sie zog an der Kette. Ein leichter Widerstand brach und unter einem wurmzerfressenen Balken tauchte ein knochiger Oberkörper mit Kopf, jedoch ohne Arme und Beine auf.
    Bei den Ahnen! Das ist doch…“
    „Diese Stallungen waren offenbar nicht für Tiere gedacht, General“
    , bestätigte E´Lara seine Vermutung. Ragnar konnte nicht mehr an sich halten und erbrach sich in die Ruine des Hauses. Schnell verließen beide die verwesenden Überreste des Gebäudes und der in ihm verrottenden Leichen und kehrte zur schwarzen Straße zurück.

    In diesem Moment erschallte ein Horn.
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    Drei kurze, tiefe Hornstöße. Das Signal für einen Angriff. E´Laras Augen weiteten sich. Ragnar konnte allerdings nicht sagen, ob sich in ihren Augen Freude und Kampfeslust, oder Überraschung wiederspiegelte.
    Die beiden machten sich im Eilmarsch Richtung Lager auf. Hinter ihnen hörten sie das Scheppern und Klirren von Ragnars Gardisten und E`Laras Gefährten. E´Lara lief leichtfüßig und mit einigem Abstand vor Ragnar. Plötzlich tauchten auch die anderen Langbeine neben ihm auf, überholten ihn und eilten zur Schlacht. Ribans ganzer Oberkörper schwang rhythmisch zu den perfekten Schritten seines Marsches mit, während er mit der einen Hand seinen Schild festhielt und sich mit der anderen den geflügelten, schwarzen Helm auf den grimmigen Kopf drückte. Auch Reach überholte Ragnar. Sein langer, dunkler Umhang flatterte peitschend hinter ihm. Übermütig lächelte er dem Zwerg zu, während er an ihm vorbeizog.

    Immer wieder erklang das Horn. Sein donnernder Ruf hallte weit in der Höhle wieder und rief alle Mann zu den Waffen. Ragnar sah, wie sich die Zwerge bewaffneten. Jeder der fertig ausgerüstet war, reihte sich in einer Linie ein. Vor den Männern schritten die adligen Hauptmänner und brüllten Befehle. Einige der Zwerge eilten bereits auf die schmale Mauer, die Armbrüste geschultert. Aus der Ferne erkannte Ragnar die junge Charis, wie sie mit aufgesetztem Helm über einen Kopf größer war, als der größte Zwerg.

    Nach Luft schnappend erreichte Ragnar Lager und Krieger. Die Wächter hatten sich inzwischen auf die Wälle gestürzt um ihren anrückenden Feind zu beobachten. Nur Charis stand noch unten. Sie erwartete Ragnar bereits und winkte ihm schon aus der Ferne. Bei ihr waren Ragnars verbliebene Waffen und Rüstungen. Dankbar lächelte er. Charis behelmter Kopf nickte ihm anerkennend zu.

    Wer greift an?“, rief Ragnar Hauptmann Ethlered zu.
    Die dunkle Brut, Herr!“, antwortete dieser und schlug sich salutierend auf die Brust, als sich sein Befehlshaber nährte.
    Verfluchte Wesen! Bei den Ahnen, wir wussten, dass es irgendwann dazu kommen würde, aber so schnell? Ihre Späher müssen uns schon beim Eintreffen entdeckt haben. Wo ist Hauptmann Thronton? Sind seine Späher zurück?“
    „Ich bin hier, Herr!“
    , rief der besagte Krieger.
    Gute Neuigkeiten, Herr. Der Thaig besitzt zwar einen weiteren Durchgang, dieser ist aber durch einen Felsenstutz vollständig versperrt. Es würde Monate dauern, den Stein abzutragen. Von dort kann also keine Brut eindringen. Ansonsten ist der Thaig nicht angreifbar!“
    Ragnar nickte Thronton, dessen lange Haare in tiefen Geheimratsecken begannen und die Farbe von rostigem Stahl hatten, zufrieden zu.

    Sehr gut, mein Freund. Dann erschlagen wir diese Biester eben vor unserer neuen Türschwelle!“
    Allgemeine Zustimmung flutete ihm aus den Zurufen seiner Krieger entgegen. Er lächelte entschlossen. Vor ihm standen an die 70 Zwerge, alle wild, alle bewaffnet und alle bereit zum Töten.
    Sie kommen! Sie greifen an!“, rief ein mit einer Armbrust bewaffneter Soldat vom Torhäuschen herüber. Ragnar sah in die bärtigen Gesichter seiner Krieger. Manche trugen auch Helme, deren zugeklappter Wangenschutz ihre Identität vollkommen verbarg. Andere der glänzenden Helme hatten lange Ketten, die den Männern in den Nacken hingen und so gegen Schnitte dort und am Hals schützten. Links von der großen Truppe wackerer Krieger standen die in ihre roten Rüstungen gewandten Krieger des Hauses Pesck. Ganz rechts die kleine Truppe schwarzgewandelter Legionäre, deren Kommandant Heggo Ragnar in freudiger Erwartung zublinzelte.

    Männer! Krieger! Zwerge! Heute kämpfen wir das erste Mal in einer Verteidigungsstellung außerhalb Orzammars! Heute kämpfen wir das erste Mal in einem Thaig, welchen wir den tiefen Wegen entrissen haben! Wenn ihr also heute eure Klingen mit dem schwarzen Blut dieser Bestien befleckt, so tut dies in dem Wissen, dass ihr Helden Orzammars seid! Noch nie haben wir eine Mauer verteidigt, so fern ab der Heimat!“

    Die tiefen Stimmen der Zwerge dröhnten, als sie ihre Jubelrufe hören ließen.

    Wir kämpfen für Orzammars! Wir kämpfen für unseren König! Aber vor allem kämpfen wir für unsere Ahnen! Für jene tapferen Zwerge, die diesen Thaig erschufen und welche durch die feigen, grauhäutigen Perversionen ermordet wurden, die nun auch uns das Leben nehmen wollen! Hört ihr sie? Sie kommen und wollen das Tor einschlagen, das nun euch gehört! Lasst sie bezahlen für ihren Frevel!“

    Wieder schallende Zurufe und das Poltern schwerer Waffen die aus Boden und Schild geschlagen wurden.

    Unter diesem Kriegsgetrommel streckte Ragnar seine Streitaxt Richtung Mauer und schrie:
    Schlagt ihnen die Köpfe ab!“

    Runter mit den Köpfen!“, skandierten seine Krieger, während sich die Formation auflöste und Zwerge zu den Mauern stoben. Ragnar ging selbst zu den Mauern, und erklomm diese über eine heruntergekommene, in den Stein geschlagene Treppe. Oben stellte er sich auf das Torhaus, deren abgeflachte Oberfläche mit Brettdielen ausgelegt worden waren, um ein Stolpern auf den glatten Steinen zu verhindern. Vor ihm sah er eine große Masse grauer Kreaturen. Sie sammelten sich in einer großen, langen Angriffslinie. Aus dem Trichter, der zu der Senke führte, quollen immer mehr mit brutalen Waffen und zackiger Panzerung bestückten Wesen. Über Genlocks, Hurlocks und Kreischern, Wesen mit buckeligen Rücken, langen, angewinkelten Armen und Beinen und garstigen Klauen anstelle der Hände, ragte eine gehörnte, mächtige Kreatur. Ein Oger! Selbst auf diese Entfernung erkannte man auf seiner lilanen Haut tiefe Narben, zweifellos zugefügt von unzähligen zwergischen Klingen. Diese Streitmacht, deren Rüstungen im Schein der vielen von ihnen getragenen Fackeln schimmerten, rief den Zwergen in ihrer kranken, kreischenden Sprache Beleidigungen und Kampfgesuche herüber. Sie fauchten und grunzten, während ihre Zahl stetig wuchs. Auf jeden Zwerg mussten mittlerweile drei von denen kommen.

    Bemannt die Mauern!“, rief Ragnar seinen Soldaten zu. Ragnar stieg die Mauer wieder hinab und lies seinen Steinmetzmeister zu sich kommen.
    Wie bereit ist die Befestigungsanlage?“
    „Nun, bereit genug, hoffe ich“
    , sagte Meister Gran.
    Das hoffe ich auch. Wo hat das Gezücht die besten Chancen durchzubrechen?“
    „Nun. Das kommt darauf an, womit sie angreifen, General“
    „Mit einem Oger“
    „Oh“,
    machte der Steinmetz. „Nun ja. Die Mauer ist gut geflickt und wird standhalten. Bei einem der beiden ehemaligen Einstürzte liegt allerdings noch etwas Geröll direkt vor der Mauer. Wenn die Brut schlau ist, nutzt sie den Schutt und versucht dort irgendwie hinauszuklettern. Mir macht dann allerdings das Tor mehr Sorgen. Das Gitter ist zwar verstärkt worden, ein mächtiger Oger könnte es aber dennoch ohne Umstände herausreißen. Und das Holztor… nun ja, ich weiß nicht, wie lange die rostigen Angeln und Rahmen einem Oger standhalten können“

    Ragnar dachte fieberhaft nach. Dann rief er nach dem Golem. Behäbig stampfte das steinerne Ungetüm zu ihm.

    Golem, du wirst das Tor abstützen. Halte dagegen, aber zerbrich es nicht! Achte darauf, dass das Tor sich nicht öffnet, hast du verstanden?“
    Der Golem brummte tief.
    Gut“, murmelte Ragnar.

    Der Nachteil bei der Verteidigung war, dass auf der Mauer nur ein Zwerg neben dem nächsten stehen konnte. Es war unmöglich auch noch hinter einem Krieger einen weiteren zu postieren. Ragnar ließ die Männer nahe den Treppenaufgängen Stellung beziehen und wies die Krieger an, aufzurücken, sollte der Nebenmann fallen. Er ließ alle Armbrust- und Bogenschützen auf die Mauer steigen. Sollte es dem Feind gelingen die Mauern mit Leitern zu erreichen oder sollten alle Bolzen und Pfeile verschossen sein, so würde er seine Axt-, Speer- und Schwertzwerge die Mauer bemannen lassen.

    Sie greifen an!“, rief ein Soldat Ragnar zu. Dieser lief kurz zu Charis und ließ sich von ihr Helm und Schild reichen. Dann stürzte er, mit ihr an seiner Seite, zurück zur Mauer, kletterte hinauf und betrachtete die Masse dunkler Kreaturen, wie sie sabbernd und mit ihren Klingen auf den Boden schlagend näher rückten.
    Schützen!“, rief Ragnar. Der Befehl wurde von seinen Offizieren weiter verbreitet. Sehnen wurden gespannt und Bolzen aufgelegt. Die Masse der Brut kroch näher und näher.

    Pfeile los!“, rief Ragnar. Sofort sausten dutzende hölzerner Geschosse los und schlugen unter dumpfen Krachen und splitterndem Bersten in ihre Ziele ein.
    Angreifen!“, befahl Ragnar, was den Bogen- und Armbrustschützen das Signal dafür war, ihre Geschosse ohne weitere Befehle auf die Gegner niederhageln zu lassen.

    Die Getroffenen in den Reihen der dunklen Brut wurden von ihren Mitstreitern einfach niedergetrampelt, während sich der unsägliche Haufen noch immer nährte.

    Golem!“, rief Ragnar vom Torhäuschen hinunter. Der Golem brummte befehlsbereit.
    Schleudere ein paar Felsen über diese Mauer!“
    Der Golem tat wie ihm befohlen. Er suchte sich ein paar große Brocken von der Erde, umfasste sie mit beiden Armen und stieß sie mit gewaltiger Wucht von sich. Beim ersten Wurf hatte Ragnar Angst, der Wurf könnte die Mauer selbst erwischen. Auch die dort positionierten Soldaten duckten sich erschrocken weg. Doch der schwere Fels sauste über ihre Köpfe hinweg und steuerte auf ein paar schockiert dreinblickenden Genlocks zu, welche schreiend unter dem gewaltigen Felsmassiv begraben wurden.

    Sehr gut, Golem!“, lachte Ragnar. „Wirf noch ein paar!“

    Unter dem Beschuss hunderter Bolzen und Pfeile und hin und wieder fallender Steinbrocken rückte die Brut verlustreich vor. Jene von ihnen, die über einen Schild verfügten, streckten diesen dem todbringenden Surren entgegen. Doch letztlich erreichten sie die Mauern. Sie drückten ihre schuppigen Körper gegen die Mauer, um ja kein Ziel zu sein.

    Reicht den Männern Steine hoch!“, befahl Ragnar. Die Handwerkszwerge liefen los und sammelte Kopfgroße Steine auf, schleppten sie zur Mauer, wo sie von Hand zu Hand wanderten und schließlich über die Mauer gestoßen wurden. Manche von ihnen landeten zerschmetternd auf den ungeschützten, kahlen Köpfen der Monster. Ragnar schaute sich um und sah E´Lara, Frakea und Reach ebenfalls Pfeile auf die im Chaos der Masse gefangenen Ziele abschießen. Doch nun setzte auch die dunkle Brut dazu an, ihre kurzen, handwerklich unterentwickelten Bögen zu spannen und dreckige Pfeile auf die Verteidiger abzufeuern. Glücklicherweise verfehlten die meisten der Pfeile, doch hier und da stürzte ein getroffener Zwerg rücklings von der Mauer, wo sofort Zwerge, die nicht der Kriegerkaste angehörten, zu ihnen liefen und ihn wegzogen. Andere getroffene Kämpfer hatten mehr Glück und schafften es, von der Mauer zu humpeln, wo sie ebenfalls in Empfang genommen und in das Lazarett gebracht wurden, wo zahlreiche Wundumschläge und Verletzungsausrüstungen bereitlagen.

    Dann kam der Oger. Rücksichtslos bahnte er sich seinen Weg durch die Brut bis zum Tor. Offenbar wusste er, welche Aufgabe ihm bei Belagerungen zukam. Wie von Meister Gran befürchtet packte er die maroden Gitterstäbe und zog so kräftig an ihnen, dass sie nach kurzem Biegen schließlich herausbrachen. Abgeschossene Pfeile und Bolzen prallten teilweise von der ledrigen Haut des Ogers ab oder blieben, anscheinend wirkungslos, in ihr Stecken. Der Oger warf das Gitter achtlos hinter sich, wo es ein paar seiner Artgenossen traf. Dann setzte er dazu an, das Holztor zu zertrümmern. Er ging in Anlaufposition, richtete die Hörner nach unten und stürmte los. Die Wucht des Aufpralls war durch den Stein hindurch zu spüren.

    Golem! Jetzt schütze das Tor!“, rief Ragnar. Sofort ließ der Golem den Getseinsbrocken, den er gerade zum Werfen ansetzte, fallen und stapfte zum Tor. Dort legte er, wie von Ragnar befohlen, seine mächtigen Hände gegen die Flügel. Die Strategie zeigte Wirkung. Der nächste Zusammenstoß von Oger und Tor war weitaus gedämpfter. Auch der Oger musste dies gemerkt haben, schüttelte er doch fast benommen den Kopf, brüllte wütend und stürmte erneut los.

    Reach! Nein!“, hörte Ragnar da auf einmal. Er drehte sich zu den Wächtern. Die Zwergin Frakea stütze Reach, aus dessen Schulter ein schwarzgefiederter Pfeil ragte. Reach biss schmerzerfüllt die Zähne zusammen. Frakea zog ihn, andere aus dem Weg stoßend, Richtung Treppe.

    Er muss ins Lazarett!“, keifte sie Ragnar an. Dieser gestikulierte ihr, sie solle weitergehen und den Kampfplatz nicht versperren. Die beiden schleppten sich die Treppe hinunter und Ragnar quetschte sich zu E´Lara durch. Diese schoss keine ihrer weißen Pfeile ab, sondern gewöhnliche Zwergenpfeile, die sie einem vor ihr stehenden Köcher entnahm. Sie spannte ihren merkwürdigen, langen Bogen und ließ den Pfeil von der Sehne schnellen und in einiger Entfernung kippte ein Hurlock um. Ragnar schaute über die Kante der Mauer und sag in die hässliche Fratze eines Genlock, der ihn von unten herab ankreischte. Angewidert verzog Ragnar das Gesicht und ließ sich einen großen Stein reichen. Wieder schaute er über die Kante, wieder kreischte der Genlock ihn an und zeigte seine spitzen, gelben und schwarzen Zähne. Doch diesmal landete der Felsen klatschen in seinem Gesicht und zermalmte den Kopf bis zu den Schultern. E´Lara, welche die Szenerie aus den Augenwinkeln beobachtet hatte, lachte spöttisch auf. Ragnar grinste ihr zu, gab ihr einen Klaps auf den Po und verließ dann die Position, um wieder zurück zum Torhaus zu gehen.
    Noch immer hämmerte der Oger gegen das Tor und noch immer hielt es stand. Doch stattdessen erreichten Ragnar nun wütende Rufe, dass die dunkle Brut durchgebrochen sei. Ragnar schaute an der Mauer entlang. Tatsächlich schien eine sehr hohe Konzentration der dunklen Kreaturen ziemlich weit rechts von der Mauer zu stehen. Dicht gedrängt drückten sie sich gegenseitig nach Oben. Scheinbar stieg die Brut über die zahlreichen Leichen zu ihren Füßen und erklomm sie die Mauer. Schon war Ragnar auf dem Weg die Treppe hinunter, als er Kommandant Heggo und seine Legionäre der Toten sah.

    Zurück Kommandant, die übernehmen wir!“, rief Heggo freudig erregt. Schon eilte er mit seiner Schar zu dem Kampfplatz, an dem nun immer mehr der dunklen Brut ihre Kampfgefährten auf die Mauer zogen und die Zwerge zurückdrängte. Vor dem Torhaus standen Ragnars Leibgardisten.
    Thal! Nimm die Hälfte der Männer und unterstütze die Legionäre dort!“, rief er einem stämmigen Zwerg zu. Dieser schlug sich auf die Brut, zog seine Klinge und wählte die Hälfte der Garde aus, die mit ihm kommen sollte.

    „Der Rest von euch, geht zu dem Tor und stemmt euch dagegen. Aber spart eure Kräfte!“
    Die Zwerge nickten und taten wie ihnen geheißen. Ragnar überschaute den Kampfplatz. Zu seiner Linken, also der Teil der Mauer, der vor den alten Stangen eines Geheges lag, hielt dem Angriff einwandfrei stand. Ragnar erkannte sogar, wie einige der Brut die Flucht ergriffen und zurück zum Höhleneingang eilten. Dennoch war die Masse der Angreifer groß genug und sollte das Tor fallen, bedeutete das für sie alle den sicheren Tod. Die Dunkle Brut wollte ihre tiefen Wege offensichtlich unter allen Mitteln zurück.
    Ragnar schaute zur rechten Seite der Mauer. Auch dort schien, mit Ausnahme des Umkämpfen Mauerabschnitts, alles unter Kontrolle zu sein. Dort, wo die dunkle Brut wenige Krieger auf den Wall gebracht hatte, herrschte allerdings ein ziemlicher Aufruhr. Da die Mauer zu schmal für mehr als eine Person war, egal ob Mensch, Zwerg oder Genlock, sprangen einige der dunklen Brut einfach von ihr hinab. Tatsächlich standen auch welche von ihnen wieder auf, sehr zur Freude der Legionäre, welche über diese herfielen und sie mit unfassbarer Schnelligkeit und Brutalität niedermachten. Dennoch bereitete es dem General etwas Sorge. Also befahl er etwa 40 Zwergenkriegern, sich dort zu formieren, einen Schildwall zu bilden und die Mauer schnellstmöglich wieder zurückzuerobern. Zu diesen Kriegern gesellte sich auch der Wächter Halfdan, dessen Streithammer förmlich nach dem Blut der Dunklen lechzte.
    Ragnar verließ die Mauer und ging zum Lager.

    Schmiedemeister!“, rief er. Der Gerufene kam herangeeilt.
    Wieviel Lava habt ihr hier? Ich weiß, ihr betreibt eure Öfen damit“
    „Ein wenig, Herr!“

    Gut! Bringt es zu der Mauer dort. Meine Männer werden sie alsbald zurückerobert haben. Dann kippt eure Lavatöpfe auf die Köpfe der Bestien. Sie dürfen nicht noch einmal versuchen, die Mauer dort zu erklimmen! Aber behaltet ein paar Töpfe für euch, unsere Rüstungen werden nach dem Kampf eure fähigen Reparaturkünste benötigen!“
    „Ja, natürlich, Herr! Wie ihr befehlt!“

    Er huschte davon und trug mit seinen Gesellen sämtliche Lavatöpfe zusammen, die er finden konnte.
    General! General!“, die spitzzüngige Zwergenwächterin rief ihm zu.
    Wächter!“, sagte Ragnar kurz angebunden.

    Ich brachte Reach zum Lazarett. Dann wollte ich mich dem Kampf anschließen, fand aber noch etwas, was ich ihm geben wollte. Als ich zurückkehrte, war er weg“
    „Vielleicht waren seine Verletzungen nicht so schlimm und er ist wieder bei der Mauer?“

    „Nein, General, ihr versteht nicht! Er ist weg, genau wie alle anderen auch! Das Lazarett ist leer!“
    Shepard Commander is offline
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