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    Thema #6 • The Warden's Prison ... [Bild 2]

    Alte Füchse gehen schwer in die Falle?

    Er war angekommen an diesen merkwürdigen Ort, gelegen im Ödland der Berge von Vimmark. »Was zum Teufel macht man hier?« fragte er sich halblaut und schaute die ehemalige Straße entlang. Sand, Geröll, Mauerwerksreste von den eingestürzten Gebäuden hatten den Weg, der früher die Häuser verband, vollkommen abgedeckt. Ein starker Wind trieb trockene Büsche rollend die ehemalige Straße entlang. Diese Steppenläufer tanzten von einer Hauswand zur anderen, verkrallten sich kurz in einem Holzpfosten, um anschließend bis zu einem dornigen Gestrüpp zu hopsen, welches mit kraftvollen Wurzeln die Ritzen in dem Pflaster auf der Suche nach Wasser durchdrungen hatte.

    Er schaute auf eine kleine Karte, die er zum Auftrag mit erhalten hatte. »Ja, hier ist es«, murmelte er weiter. Er stand vor einem Gebäude mittlerer Größe. Es war so wie alle aus Stein erbaut, hatte aber kein Dach mehr. Und weil er wie gewohnt Stunden vor dem angegebenen Termin am genannten Orte war, schaute er sich um. Bedächtig setzte er Fuß um Fuß. Sein leichtes Schuhwerk bot keinen Schutz gegen die zahlreich vorhandenen spitzen Steinreste, die entstehen, wenn Mauerwände zu Bruch gehen. Aber es störte ihn nicht. Er wusste, es galt gründlich sein und da konnten solche Dinge ihn nicht ablenken. Ein Beobachter hätte die Kunstfertigkeit des Mannes einschätzen können. In einer Kleidung, die sich kaum von dem Gelb und Braun der Umgebung unterschied, den Schatten suchend, oft verharrend, hatte er schließlich das Gebäude umrundet und sich auf die andere Straßenseite in eine dunkle Nische, die zwei dickere Holzbalken bei einem Einsturz ermöglicht hatten, zurück gezogen.

    Er resümierte das Erkundete und wog die Erfahrung mit seinem Auftrag ab. In seinem Alter war man doppelt misstrauisch, denn ein Fehler könnte der Letzte in seinem Leben sein. Es wunderte ihn, dass genau an dem Treffpunkt ein Gebäude stand, an dem an Vorder- und Rückseite je eine Tür vorhanden war. An den Türangeln hatte er gesehen, sie waren nach außen zu öffnen. Auch ein Fenster an der einen Seite des Gebäudes war so gebaut, dass man im einfachen Stemmsprung in das Innere des Gebäudes gelangen konnte. Aber er beschloss zu warten und nicht in das Gebäude zu gehen. So zogen die Stunden vorbei. Der im Auftrag genannte Termin war längst überschritten, die Sterne waren schon im Untergehen und noch gab der Mond genügend Licht. Weil man in diesen Stunden Geräusche am besten vernimmt, entschloss er sich, doch in das Gebäude einzudringen. An die Erfüllung seines Auftrages glaubte er nicht mehr und fluchte ein wenig, als er sich auch seinem Versteck erhob.

    »Welchen Weg nehmen?« fragte er sich. »Durch die Tür an der Straße? Durch die Tür an der Rückseite? Oder besser einen beherzten Sprung durch das Fenster?« Er wusste es nicht. Und so überlegte er, wo das größte Risiko bestand, dass er entdeckt würde. Aus diesem Grunde wählte er die vordere Tür. Die Türangeln beträufelte er mit einigen Tropfen Öl aus einem kleinen Metallbehältnis, welches er aus den Taschen seiner Kleidung holte. Und aus einer alten Erfahrung heraus schwenkte er die Tür so, dass er durch das hölzerne Türblatt geschützt wurde.

    »Blobb!« machte es, als die Tür fast offen war. Und er folgte mit seinem Blick dem Geräusch, welches auf der anderen Straßenseite sein Ende fand. Dort in einer mit Lehm verputzten Wand stecke ein Bolzen einer Armbrust. Innerlich hatte er mit irgendeiner Schweinerei gerechnet, doch das war eine große Nummer. Weil nichts weiter passierte, zog er seinen Langdolch und hielt ihn hinter das Türblatt. Auf der glänzenden Klinge, mit der er jetzt durch die Türlaibung schauen konnte, war nichts erkennen. Also steckte er die Waffe weg und drehte sich vorsichtig in den Türrahmen. Das Licht des Mondes zeigte ihm einen dünnen weißen Strich nur wenige Zentimeter über dem Erdboden. Er schüttelte den Kopf. »Was sollen diese Fallen?« fragte er sich. Aber zum Grübeln war jetzt keine Zeit. Vorsichtig schritt er über den gespannten Faden in den Raum und blieb sofort stehen, drehte sich um. Seitlich in Kopfhöhe hing schräg nach oben ein großer Balken, bereit beim Trennen der Schnur her abzusausen. »Da will es einer wissen«, dachte er sich und schaute sich weiter um. Auch hier half ihm das Mondlicht dabei. Nach einer steinernen Fläche folgte ein mit Holz versehener Bereich des Fußbodens. Man konnte an den Pflegespuren sehen, wo einst die Schränke gestanden hatten. Ein Brett der Dielung passte in der Höhe nicht zum Bild des Staubes, der sich überall ausgebreitet hatte. Und so umging er diese Stelle und kam zu der Fensteröffnung an der Hausseite. Diese hätte er, trotz seines Alters, immer noch mit einem beherzten Sprung durchspringen können. Doch hier sah er unter einigen alten Lumpen eine ausgeklappte Falle. Bei näherem Betrachten identifizierte er einen Giftbesatz. Er entschärfte die Falle, die die Größe einer Bärenfälle hatte. »Alle Teufel! Was für ein Haus!« Es war nun schon die dritte Stelle eines Hinterhalts, die er gefunden hatte. Und langsam gewann der Ehrgeiz vor dem Verstand die Überhand. Anstatt den Auftrag Auftrag sein zu lassen, nein, er musste nach weiteren Fallgruben suchen. Bei der hinteren Tür schmunzelte er. Da war eine Armbrust an die Wand geschraubt. Die Abschusshöhe war für einen Schleichenden geplant worden. Ebenso untersuchte er die Bespannung der Armbrust und den eingelegen Bolzen. Dieser schimmerte grünlich an der metallenen Spitze. »Gift, schon wieder Gift!« stellte er fest. Er fand auch die dünne Schnur, die beim Öffnen und Durchschreiten der Tür die tödliche Waffe ausgelöst hatte. Er trug zwar ein gutes Kettenhemd unter seiner gelblichen Kutte, aber gegen einen Bolzen war es nicht stabil genug. Er trug es schon all die Zeit, denn mit einer schweren Rüstung war ein Schleichen nicht mehr möglich. Auch im hinteren Bereich fand er noch ein loses Brett, vermied aber es anzuheben oder zu betreten.

    Langsam stieg die Sonne blutrot am Horizont auf und löste den Mond und die Sterne ab. Das hereinbrechende Tageslicht zum einen und die Kühle des erwachenden Morgens brachte ihn wieder zur Vernunft und er lies ab von seiner Suche. Weil zudem bis auf den Bolzenschuss immer noch nichts passiert war, beschloss er, den Auftrag abzubrechen. Und mehr aus Übermut, auch mit der Erleichterung einer eigenartigen Fallenkombination entgangen zu sein, schlug er auf den schräg hängenden Balken an der Eingangstür, um ihn zu lösen. Dabei sagte er verschmitzt lächelnd: » Alte Füchse gehen schwer in die Falle!«

    Der Balken rutsche mit all seinem Gewicht in die Waagerechte. » Blobb!« hörte er. Und in dem Augenwinkel sah er noch etwas kommen, versuchte sich zu drehen, doch der Bolzen traf. Zwar nicht an der Stelle, tödlich, wie beabsichtig, aber so schwer und mit Gift bestrichen, dass er zusammenbrach und das Bewusstsein verlor.

    »Meine Augen! Wasser!« röchelte er und sah nur gelben Nebel um sich. »Wasser!« »Jammre nur, es wird Dich keiner hören!« vernahm er aus einer Ecke des Eingangsbereiches, wo es heller war und warm. Langsam fanden seine Augen die Kraft zu sehen, seine Hände versuchten den Körper abzugreifen und blieben auf de Brust liegen. »Gebe Dir keine Mühe«, grinste einer. »Deine Waffen habe ich!« hörte er noch. »Thurano? Du?« fragte er mit brüchiger Stimme und sah einen Mann an einem kleinen Feuer sitzen und dabei eine Pfeife rauchen. »Überrascht? Du, der alte Fuchs, die Meisterklinge der Krähen, bist mir in die Falle gegangen«, frohlockte der, der mit Thurano angesprochen wurde. »Ist schon eigenartig, Dich mit so einem blöden Trick erwischt zu haben. Aber nun kann ich Deinen Platz für mich beanspruchen.« Der Getroffene musste gekennzeichnet durch die Wirkung des Giftes alle seine Kräfte zusammennehmen, um zu sprechen. »Dann … lasse mich ehrenhaft … ehrenhaft sterben«, hauchte er. »Eine Krähe und ehrenhaft sterben, wie soll das denn sein?« witzelte Thurano und zog genussvoll an der Pfeife und blies den Rauch in den Raum. »Ein Stich … Stich in Hals … bitte!« Dann sank der Kopf des alten Mannes auf die Brust. »Das geht!« murmelte Thurano in einem verachtenden Ton, erhob sich, nahm den Langdolch seines Gegenüber, kniete neben ihm nieder und wollte zu stechen. In diesem Moment fuhr die rechte Hand von der Brust des sterbenden Mannes hoch, schlug an den Oberschenkel des Knienden. »Was soll das?« schrie Thurano auf. Er spürte zugleich in dem doch mit der letzten Kraft eines Sterbenden geführten Schlag einen harten Gegenstand an der schlagenden Hand. Es war dessen Siegelring, der unter den Wildlederhandschuhen verborgen war. Aus diesem fuhr eine Nadel, die in das Fleisch von Thurano eindrang und weil dieser zugleich zurückzuckte, auch noch abbrach. »Was hast Du getan?« fragte Thurano noch und kippte tot zur Seite, der Langdolch viel scheppernd zu auf den steinernen Boden.

    »Nun … sterbe … nicht allein ... allein«, hauchte der alte Anführer der Krähen aus Antiva und starb mit einem Anflug eines Lächelns im Gesicht.
    VRanger is offline Last edited by VRanger; 04.07.2012 at 18:07. Reason: Korrektur nach Feedback
  2. #42 Reply With Quote
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    Die Sonne stand schon tief am Horizont, als Nessa und Darian die Tore Lotherings passierten. Die beiden waren ein ungleiches Gespann: Nessa, eine elfische Magierin und Darian, ein menschlicher Krieger. Man sah es der jungen Frau auf den ersten Blick nicht an, das sie eine Magiebegabte war, würde man sie allerdings genauer in Augenschein nehmen, konnte es durchaus sein, das man ihre wahre Natur erkennen würde.

    "Warte," Darian hielt Nessa am Arm fest, bevor sie die Treppen nach Lothering hinuntersteigen konnte. Die Elfin drehte sich zu ihrem Gefährten und legte den Kopf in den Nacken. Anders konnte sie dem fast zwei Köpfe grösseren Krieger nicht in die Augen schauen. "Was ist los?" wollte sie wissen. Darian wies mit dem Kopf auf einen Templer, der in der Nähe seinen Dienst tat. Nessa wandte den Kopf in die Richtung, in die ihr Gefährte zeigte. Dann nickte sie zustimmend. "Du hast recht, wir sollten unser Glück nicht zu sehr auf die Probe stellen." Sie betrachtete ihren Stab, kunstvoll geschnitzt aus besonderem Holz mit einer Spitze, in die ein leuchtender, mit Lyrium verzauberter Edelstein eingelassen war. Nessa versuchte, den Stab unter ihrem Umhang zu verstauen. "Er ist zu gross." meinte sie bedauernd zu Darian. "Lass ihn einfach unter deiner Kutte, mit ein wenig Glück fällt der Stab nicht weiter auf." Die Elfin nickte zustimmend und stieg dann vorsichtig die Treppen hinab.

    Mit schnellen Schritten ging sie voran, immer dem Zentrum entgegen, in der Hoffnung, nicht aufzufallen. Aber die Templer waren hier anscheinend besonders aufmerksam und schienen Einwohner und Fremde durchaus unterscheiden zu können. "Ihr da," rief eine markante Stimme der Elfin und ihrem Begleiter entgegen, "Was führt euch nach Lothering?" Nessa warf einen Blick zu Darian, der an ihre Seite trat und sie sanft an der Hand berührte. Es wirkte seltsam beruhigend und so überliess Nessa es Darian, dem Templer zu antworten. Mit Bedacht traten die beiden dem Templer gegenüber. Darian deutete eine leichte Verbeugung an. "Seid gegrüsst, Ser. Wir sind nur auf der Durchreise." Der Templer liess seinen Blick über den Krieger wandern, konnte aber nichts besonderes feststellen und sah dann Nessa prüfend an. Es war ihm nicht ganz klar, was eine offensichtliche von den Dalish abstammende Elfin mit einem Menschen zu tun hatte, aber in diesen Zeiten waren Vorurteile wohl fehl am Platze. Der Blick des Templers wanderte an der kleinen Elfin hinab und blieb für einen Moment an ihren Beinen hängen, bevor er wieder Richtung Gesicht ging. Nessa rechnete jeden Moment damit, das er den Stab entdecken würde, der nur halbherzig unter dem Umhang versteckt war.

    Sie fing an, sich unwohl zu fühlen, ihr Blut rauschte in ihrem Kopf und sie war sich sicher, das der Templer jederzeit erkennen würde, das sie nicht nur eine normale Dalish war. Darian drückte ihre Hand zur Beruhigung. "Ihr werdet hier keinen Schlafplatz finden." begann der Templer, "Das Gasthaus ist überfüllt von Flüchtlingen." Der Templer wiess mit seiner Hand über die Brücke. "Ostagar ist der dunklen Brut zum Opfer gefallen." fügte er erklärend hinzu. Darian nickte. "Wir reisen bald weiter, füllen nur unsere Vorräte auf." Erleichtert registrierten die beiden, das der Templer beiseite trat. "Ihr findet einen Händler in der Taverne und einen an den Wagen dort drüben. Möge der Erbauer über euch wachen."

    Nessa atmete erleichtert aus. Sie ging ein paar Schritte zur Seite und zog Darian mit sich. "Danke," meinte sie leise, "Ich glaube, ich war kurz davor, nervös zu werden. Ich mag es nicht, wenn mich ein Templer so genau betrachtet." Ihr Begleiter lachte. "Ich hatte Angst du würdest ihn vor aller Augen in eine Kröte verwandeln." scherzte er. Zischend knuffte die kleine Elfin ihn in die Seite. "Nicht so laut, ich bin froh, das er meinen Stab nicht bemerkt hat." Dann sah sie sich um. Es wurde langsam dunkel und die Strassen waren voll von Einwohnern und Flüchtlingen. Darian nahm Nessa an der Hand und ging mit ihr zur Taverne. Ein Blick hinein bestätigte das, was der Templer schon angedeutet hatte: Die Taverne war komplett überfüllt.

    Schulterzuckend sah Darian sich um. "Was jetzt? Wir brauchen einen Schlafplatz. Die Nacht bricht bald an und es ist zu gefährlich, weiterzureisen." Nessa stimmte zu. Sie wies zum Eingang Lotherings. "Dort drüben gibt es ein Flüchtlingslager. Vielleicht finden wir Platz an einem der Feuer."

    Die beiden gingen über den Platz und blieben am Rande des Lager stehen. Viele Zelte waren hier auf engstem Raum zusammengestellt, und in fast jedem lebten ganze Familien. Es war schlimm für Nessa, soviel Armut zu sehen. Während die Gefährten zwischen den Zelten entlangliefen, wurden sie von allen Seiten angestarrt. Vermutlich sahen die beiden einfach nicht wie Flüchtlinge aus und man fragte sich nun, warum sie hier waren. Aus einem der Zelte kroch eine ältere Frau, die nun auf Nessa und Darian zukam. "Seid gegrüsst." kam es vorsichtig aus ihrem Mund. Man sah ihr an, das sie unsicher war. "Bitte," Nessa legte der Frau die Hand leicht auf den Arm, "habt keine Angst, wir suchen nur ein Lager für die Nacht." Die Flüchtlingsfrau entspannte sich merklich und wiess auf ein kleines Lagerfeuer am Ende des Lagers. Nessa nickte. Es waren nur wenige Schritte bis dahin. Die Elfin schaute sich um. Aber die Flüchtlinge hatten sich wieder anderen Dingen gewidmet und schenkten den Neuankömmlingen kaum noch Blicke. Erleichtert holte Nessa ihren Stab hervor und legte in auf den Boden, bevor sie sich am Feuer niederliess. Darian tat es ihr gleich.

    Ein paar Minuten vergingen, als sich die Flüchtlingsfrau den beiden näherte. Sie trug zwei Holzkrüge und ein Stück Brot. Darian sprang auf, nahm es der Frau ab. "Das wäre wirklich nicht nötig gewesen, aber habt Dank." Er verneigte sich leicht, reichte Nessa einen der Krüge und teilte das Brot. Nessa war erstaunt. Die Menschen hier schienen so wenig zu haben, trotzdem teilten sie ohne zu fragen mit anderen, die eigentlich nicht so arm aussahen. "Ich bin Nessa," sagte sie, "und das ist Darian." Sie zeigte auf ihren Freund. "Wie lang lebt ihr schon hier?" wollte sie wissen. Die ältere Frau zeigte ein kleines Lächeln. "Ich bin für alle hier einfach nur Nana." Sie wiess mit der Hand über das gesamte Lager. "Vielleicht, weil ich am längsten hier bin. Ich kümmere mich um all die Flüchtlinge, aber es ist nicht einfach." Nessa nickte. "Ich habe gehört, Ostagar ist gefallen?" griff die Elfin die Bemerkung des Templers auf. "Ja," kam es seufzend von Nana., "und seitdem treffen jeden Tag neue Flüchtlinge ein. Wir wissen bald nicht mehr wohin mit ihnen." Nana stand auf. "Ihr solltet versuchen zu schlafen, die Nächte sind hier sehr kurz." Mit einem Gruss wünschte sie den beiden eine gute nacht und verschwand dann in einem der kleinen Zelte.

    Nessa blickte ins Feuer. "Sie hat recht, wir sind hier fürs erste sicher. Lass uns versuchen, ein wenig Schlaf zu bekommen." Dann wickelte sie ihren Umhang um sich und lehnte sich mit dem Rücken an Darian.

    ...........................................

    Die Sonne stand hoch am Himmel und tauchte die Welt Fereldens in ein warmes Licht. Nessa und Darian waren schon längst einige Stunden von Lothering entfernt. Lange vor Tagesanbruch hatten sie ihren Rastplatz velassen, um weiterzuziehen. Den Blick in die Ferne gerichtet, begann Nessa zu reden. "Was meinst du, hat sie unser kleines Geschenk gefunden?" Darian blieb stehen. "Ich denke schon, schliesslich hat du das kleine Lederbeutelchen mit den Silberlingen direkt vor ihren Zelteingang gelegt." Nessa nickte. "Sie war so freundlich zu uns und hat trotz ihrer Armut ihr letztes Brot mit uns geteilt. Es ist nur rechtens, das wir ihnen etwas zurückgeben."

    Mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen machten sich die beiden wieder auf den Weg. --- Wie hätten sie auch ahnen können, das die Dunkle Brut in genau diesem Moment in Lothering einfiel...
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  3. #43 Reply With Quote
    Halbgöttin Fawks's Avatar
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    Bild1/Bild 2
    Die dunkle Brut/Die Verteidiger


    Er nahm das leise Rascheln der Blätter um ihn herum kaum wahr. Sie bedeckten den Boden mit einer dünnen Schicht. Und auf dieser Schicht saß er, ruhig und abwartend. Er wusste genau, dies war die Ruhe vor dem Sturm. Mit einem grollenden Knurren drehte er den unförmigen Schädel in Richtung des Ausgang des Waldes. Er konnte die steinerne Ruine sehen und er nahm auch wahr, wie sich diese schwachen Menschen davor versammelten und aufbauten.
    'Es wird ihnen nichts nützen', dachte er bei sich. Mit einem gezielten Griff hatte er sein grobschlächtiges Schwert in der Hand. Die Scharten darin störten ihn in keiner Weise, war er doch stark genug, als dass er selbst mit einem stumpfen Schwert einen Menschen enthaupten konnte.

    Ein heißeres Fauchen ließ ihn erneut aufblicken und vor ihm den General erkennen. Mit einer mächtigen gold-braunen Maske, an der zwei riesige Hörner befestigt waren, hatte er seinen Kopf bedeckt und die beeindruckende, zwei Schritt große Gestalt stand unmittelbar vor ihm. Er kannte keine Angst, aber ein Gefühl des Respekts war ihm durchaus nicht fremd. Mit einer Geste seines Stabes fauchte der Schamane ihn nochmals an und sofort war er auf den Beinen. Langsam drehte sich der General um, ließ ihn nicht aus den Augen bis er ihm ruckartig den Rücken zukehrte und auf eine Gruppe anderer Kämpfer zuging, die sich bei seinem Anblick ebenfalls schnell erhoben.

    Er schloss sich der Gruppe an und gemeinsam setzten sie sich in Bewegung. Einfach immer auf die Ruine zu, die Menschen würden sie nicht lange aufhalten können. Er spürte einen Anflug von Zufriedenheit als er an das viele Blut dachte, das ihn erwartete. Auf einmal spürte er seinen Schlag gegen seinen Rücken. Geifernd fuhr er herum, das Schwert hoch erhoben und bereit den kriecherischen Menschen, der es gewagt hatte ihn anzugreifen, in seine Einzelteile zu zerlegen. Das Schwert sauste herab, ohne dass er genau wusste wen es treffen würde ---


    „NEIN!“ Eisen knallte auf Eisen, und er bekam einen Tritt in die Magengrube, sodass er hintenüber geschleudert wurde. Sein Schwert entglitt ihm und er spürte einen harten Stein in seinem Rücken. „Ahh...,“ ächzte er keuchend, rücklings auf dem Boden liegend.
    „Was sollte das?! Bist du wahnsinnig geworden? Du hättest fast den General getötet!“ Über ihm stand sie, die Frau, die seine Vorgesetzte war, ihr mächtiges Zweihandschwert in die weiche Erde gesteckt und sah ihn an, als ob er … Moment, was hatte er da gehört?
    „Ich? Ich habe nicht … ich wollte nicht ...“ Er stockte, als er bemerkte, dass er sich nicht erinnern konnte, was vor seinem schmerzhaften Sturz geschehen war. „Was ist geschehen?“ fragte er schließlich. Die Frau strich sich eine einzelne Strähne hinters Ohr. „Du bist auf einmal aufgestanden, hast dich durch die Kompanie geschoben bis du fast bei General Loghain warst. Du bist auf ihn zugerannt, mit erhobener Waffe und erst kurz bevor du bei ihm warst hat dir jemand einen Schlag verpasst. Dann hast du ein Gebrüll angestimmt, das der Brut alle Ehre macht und hättest denjenigen beinahe in zwei Stücke gehauen. Beinahe.“ wiederholte sie grimmig indes sie ihr Zweihandschwert aus dem Boden zog und scheinbar gelassen auf dem Rücken befestigte.

    Seine Augen weiteten sich, als er das hörte und im selben Augenblick spürte er, wie sich wieder diese Leere in seinem Kopf einzustellen drohte: Aufstehen …. weiter! Angreifen...!
    Erstickt keuchte er auf, sein Blick verschwamm. „Cauthrien, töte mich. Sie haben mich!“ brachte er ächzend hervor. Er konnte nicht mehr erkennen, was die Frau über ihm tat, er spürte, wie er in einen Strudel von Farben gesogen wurde, wie ein Geist schwebte er über der ebenen Fläche, sah die Brut nun auf die Ruine zustürmen und wurde gleichzeitig zu den Wesen hingezogen wie von einer überirdischen Macht. Die Verderbtheit, das Blut, der Gestank erfüllte ihn, er wehrte sich schreiend. Der Schamane der Brut drehte den maskenbesetzten Schädel zu ihm und er spürte die Panik in sich explodieren, als er bemerkte wie er in einen anderen Körper dirigiert wurde.

    Wie aus dem Nichts spürte er einen scharfen Stich in der Brust – und dann nichts mehr. Überhaupt nichts mehr.

    Ser Cauthrien zog ihren Dolch aus dem Herz ihres Kameraden und schloss seine Augen. Nun waren sie noch einer weniger, aber dieser würde zumindest keine Gefahr mehr darstellen. Sie erhob sich und näherte sich langsam General Loghain, der sich in diesem Moment umdrehte und befahl: „Rückzug!“
    Fawks is offline Last edited by Fawks; 02.07.2012 at 10:58.
  4. #44 Reply With Quote
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    Thema #7 • Sturm auf Ostagar ...


    [Bild: D_BrutK.png]
    ~ Bild 1 • Die Dunkle Brut ~

    [Bild: Ostagar_K.png]
    ~ Bild 2 • Die Verteidiger ~
    Erklärender Text zu den Bildern: Die Festung von Ostagar war einst eine der wichtigsten Verteidigungsstellungen des Imperium südlich des Wachen Meeres. Sie steht an der Grenze zum Territorium der 'Korcari-Wildnis'. Die Festung liegt an einem ein gebietsübergreifenden, engen Pass in den Bergen und man muss an ihr vorbeikommen, um die fruchtbaren Tiefländer des Nordens zu erreichen. Die Festung stellte sich von je her wegen ihrer natürlichen Verteidigungsposition als überaus schweres Ziel für Angriffe heraus.

    Nun stehen sich erneut Verteidiger unter der Führung von König Cailan einem anrennenden Feind gegenüber. Sie wissen, es geht um das Schicksal von Ferelden, ihrer Heimat. Die Angreifer bringen eine Verderbtheit mit. Wo die Horde der dunklen Brut erscheint gibt es kein Erbarmen. Hurlocks, Genlocks oder sogar die großen Oger wurden gesichtet. Werden die Menschen der Herausforderung stand halten?«
    Aufgabe:
    • Schreibt wenn Ihr möchtet unter Beachtung der Regeln eine Kurzgeschichte zu einem der beiden Bilder. Benennt bitte in Eurem Post, zu welchem Bild und Thema Ihr schreibt.
    • Beginn: Jederzeit und die Möglichkeit zu diesem Thema Beiträge zu veröffentlichen ist unbegrenzt.
    • Ein Feedback, wer möchte, bitte im Diskussionsbereich
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    In meinen Träumen sah ich den Dämon wie durch ein Glas. Er blickte mir direkt in die Augen und als ich seinen Schrei und das dunkle Feuer seines Atems spürte, wachte ich auf.

    Ich streckte meine Hand nach ihr aus, doch ich griff ins Leere. Für einen Moment fürchtete ich, sie könnte unser kleines Himmelfahrtskommando verlassen haben, aber mein Herz blieb ruhig, als spürte es ihre Nähe. Vielleicht lag es an dem Ring, den sie mir gegeben hatte. Im Dunkel des Zeltes schien er leicht zu glimmen.

    Ich drehte mich auf den Rücken und lächelte. Für einen Moment schwelgte ich in den kurzen Phasen ihrer körperlichen Zuneigung, auch wenn ihr Herz ein ferner Stern war, den ich niemals ergründen konnte. Falls es irgendeine Form wilder Magie war, die mich zu Morrigan hinzog, dann kümmerte es mich nicht. Falls sie das Lager mit mir teilte, um irgendein geheimes Ziel zu erreichen, wie Alistair nicht müde wurde zu bemerken, dann kümmerte es mich ebenso wenig. Seit dem Augenblick, als sie aus den Wäldern getreten war und mein Ohr die Poesie ihrer dunklen Stimme vernommen hatte, konnte ich an nichts anderes denken, als das Herz dieser Frau zu gewinnen. Wohl möglich, dass es einfacher war, einen Erzdämon zu erschlagen und die Verderbnis zu beenden.
    Ich klammerte mich an die kurzen Momente ihrer Verlegenheit, an ihre fast kindliche Verwirrung, wenn sie etwas spürte, das sie nicht kannte. Ich lächelte in mich hinein, wenn sie verschämt das Thema wechselte und diese unglaublichen Augen verzweifelt versuchten, an mir vorbei zu schauen.

    Ich trat aus dem Zelt in das graue Licht des Morgens. Gestern Nacht hatten wir nach einem zähen Kampf mit merkwürdig aggressiven Hurlocks weit vor Gherlens Pass das Lager aufgeschlagen. Sten stand noch immer unbeweglich an derselben Stelle, ein erloschenes Feuer zu seinen Füßen. Er sah mich nicht an, als er sagte: "Die Hexe ist in den Wäldern".
    Als ich mich zu den Bäumen wandte, fügte er hinzu: "Der Wächter ist ein Narr, wenn er glaubt, dass eine schreiende Hexe in der Nacht keine Wölfe anlockt".

    Zwischen den Bäumen verlief ein kaum sichtbarer Pfad, der sich eine bemooste Anhöhe hinaufschlängelte. Dort oben konnte ich sie stehen sehen. Sie lehnte an einem Baum, mit verschränkten Armen, den Blick in die Ferne gerichtet. Als ich hinaufstieg, konnte ich die Augen nicht abwenden. Wie sie den ledernen Stiefel gegen das Holz stemmte, wie der Chasind-Rock dabei über ihr Knie fiel. Wie ihr hochgestecktes Haar den Blick auf ihren Nacken freigab. Ich war verloren.

    Ich stellte mich schweigend neben sie. In der Ferne glitzerte der Calenhad See im erwachenden Tageslicht. Ich hatte Mühe, die finsteren Tatsachen unserer Reise zu akzeptieren, wenn die Schönheit Fereldens so unberührt vor uns lag. Doch viel schwerer fiel mir, nicht den Arm um sie zu legen, oder etwas zu sagen, das den Gefühlen zu ihr Ausdruck gab.

    Denn nichts gab es, das Morrigan fremder und bedrohlicher erschien als die Liebe. Ihre ernüchternden Worte über die vermeintliche Verwirrung schwacher Menschen waren schärfer als jedes Schwert und ich hütete mich davor, es zu kosten. Deswegen sagte ich nichts. Doch ich spürte, dass sie mich ansah.

    Ich blickte in ihr Gesicht, in diese seltsamen schönen Augen, die so hart sein konnten und wartete auf etwas Kühles oder Sarkastisches, das die gestrige Nacht wie einen Traum erscheinen lassen würden. Doch sie sagte nichts und in ihren Augen lag keine Härte. Sie blickte mich nur an und zum ersten mal bemerkte ich etwas sanftes, etwas aufrichtiges an ihr. Als suchte sie nach Worten, die nicht bis an die Zähne bewaffnet waren. Mein Herz klopfte, aber plötzlich spürte ich einen kalten Windhauch, die grünen Federn an ihrer Schulter zitterten und ich wusste, dass der Moment vergangen war.
    "Wir sollten aufbrechen", sagte sie und wandte sich den Hang hinab. Ich wartete einen Moment, dann folgte ich ihr.

    [Bild: morrigan.png]
    Xallan is offline Last edited by Xallan; 07.07.2012 at 10:36. Reason: auf grund dem deutsch
  6. #46 Reply With Quote
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    Thema #8 • Mabari ...


    [Bild: Mabari_K1.jpg]
    ~ Bild 1 • Mabari ~
    Erklärender Text zu dem Bild: Der Mabari Kriegshund ist ein treuer Begleiter und er wird in Ferelden als heilig angesehen, man spricht nur gut über ihn und hat Hochachtung vor seinem Herrn. Denn der Mabari sucht sich seinen Meister oder seine Meisterin aus. »Der Marbari ist schlau genug, um zu sprechen, und klug genug, es nicht zu tun« • Sprichwort von Ser Gilmore


    Jaina blieb keuchend stehen. Sie blickte sich um – eintönige Ebene. Baumgruppen standen verstreut herum und Büsche wucherten wild durcheinander. Sie wandte sich gen Osten, wo auch die Sonne aufging und lief nicht mehr ganz so schnell auf eine der wenigen Anhöhen. Dort angekommen blickte sie sich suchend um. Und fand was sie suchte. Ein kleiner See lag in Richtung Osten, hinter einem ganzen Heckengebüsch versteckt. Sie sprang von der Anhöhe, rollte sich ab und lief auf die Hecken zu. Sie zwängte sich durch diese hindurch und achtete nicht auf die stachelbewehrten Ästchen, die ihr Arme und Beine aufritzten. Dann war sie direkt am See. Sie ließ sich auf den erdigen Boden fallen, stützte sich mit den Händen ab und beugte sich über das Wasser.
    Im hohen Bogen kam Jag über die Hecken gesprungen und rannte in unverminderter Geschwindigkeit in den See hinein und begann zu saufen. Jaina hatte eine ganze Ladung Wasser abbekommen als ihr Hund so stürmisch an ihr vorbeigerast war, doch es tat ihr gut. Sie tat es ihrem Hund nach und soff das Wasser – hielt das Kinn unter Wasser und fing mit offenem Mund soviel Flüssigkeit wie möglich ein.
    Als ihr Durst gestillt war, zog sie Rüstung und Unterkleidung aus und watete in das Wasser. Es war kühl, aber das Wasser fühlte sich auf ihrem verschwitzten und erhitzten Körper angenehm an. In diesem Moment ging die Sonne vollends auf, das gesamte Gebiet wurde mit einer rotgoldenen Morgenröte überzogen, die Strahlen reflektierten warm auf dem Wasser.
    Jaina ließ sich auf dem Rücken treiben und atmete tief durch. Ihre Gedanken konnten endlich vom stetigen „Lauf, schneller, los!“ ablassen und sich anderen Dingen zuwenden. Sie hatte es nicht mehr weit. Die Wildnis lag weiter südlich und sie würde innerhalb weniger Stunden dort sein.

    ~ Text 1 • Autorin Fawks aus Jaina Cousland - Kampf um ein Leben ~
    Hinweise dem Text 1: Die junge Jaina ist mit ihrem Mabari Jag auf der Suche und findet eine einen idyllischen Ort, der sie beide zum Verweilen einlädt. Doch täuscht die friedliche Stimmung oder folgt vielleicht ein gutes Mahl am Ufer oder wird sie sich um ihren Hund kümmern oder ein Erlebnis reflektieren oder ... ?
    Aufgabe:
    • Schreibt wenn Ihr möchtet unter Beachtung der Regeln eine Kurzgeschichte zum Bild 1 oder ergänzt den Text 1. Dabei kann dieser am Ende auch offen bleiben. Benennt bitte in Eurem Post, zu welchem Bild oder zu welchem Text Ihr schreibt.
    • Beginn: Jederzeit und die Möglichkeit zu diesem Thema Beiträge zu veröffentlichen ist unbegrenzt.
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    Thema #8 • Mabari ... [Bild 1] - für Fawks

    »KLECKS«

    [Bild: VR_Tobias_1.png] Es flogen die Späne Zug um Zug. Tobias bearbeitete ein Stück Robinie. Es sollte die Mittellage zwischen zwei Eibenplatten bilden und würde dem Kompositbogen die ausreichende Härte geben, aber seine Biegsamkeit nicht einschränken. Neben ihm lag Klecks. Der Mabari-Kriegshund lag ruhig, hatte alle viere von sich gestreckt und seinen Kopf zur Seite gelegt. Anscheinbar konnten ihn die wirbelnden Späne nicht locken nach ihnen zu schnappen. Eigentlich konnte man von einiger Entfernung schließen, der Hund schläft.

    Tobias kannte das Verhalten seines treuen Begleiters. Nichts würde ihn aus der Ruhe bringen können, das wusste er. Eventuell eine Fliege, die zu keck an der Nase des Mabari vorbeifliegen sollte, würde diesen Irrtum nicht korrigieren können. Tobias sah, wie Isilde mit zwei Behältnissen auf sie zu kam. Als diese bis auf wenige Schritte herangekommen war, erkannt er in der linken Hand eine Schüssel und in der rechten ein Glas. Er tat so, als wenn er es nicht bemerken würde und flüsterte zu Klecks: »Bleib ruhig, es kommt Besuch!«

    [Bild: VR_Isilde_1.png] »Na, Ihr zwei«, sagte Isilde mit einem lustigen Ton. »Ich bringe Euch etwas zu trinken. Hier!« erklärte sie noch und stellte vor dem Mabari die Schüssel mit Wasser ab und gab Tobis das Glas. »Oh, Milch! Das ist sehr nett von Euch!« dankte der Mann mit dem rosenblonden Haar und nahm ihr das Trinkgefäß ab. Er nickte ihr zu und trank einen guten Schluck, wischte sich mit dem Handrücken der anderen Hand den Mund ab. Doch Mabari tat nicht der Gleichen. Er rührte das Wasser in der Schüssel nicht an. Weil Tobias merkte, dass das die Frau verwunderte, sagte er: »Trink, trink Klecks!« Auf dieses Kommando winselte der Hund freudig und seine Zunge schleckte das Wasser in schneller Folge. Isilde ging in die Knie und streckte die Hand aus, um den Hund zu streicheln. »Nicht!« sagte Tobias nur und gleichzeitig folgte ein »Rrrrrh!« des Hundes.

    [Bild: VR_Klecks_1.png] »Was hat er nur?« fragte Isilde, in deren Stimme man die Enttäuschung deutlich vernehmen konnte. »Nun, er entscheidet selbst, mit wem er sich einlässt und wer sein Meister sein soll«, sagte Tobias. »Nun ich will ja nicht seine Meisterin sein, doch das Wasser hätte er ja nehmen können,« entgegnete die Frau und stemmte dabei ihr Hände in der Form einer Faust in die Hüften. Diese Geste, vielleicht auch der Tonfall, der mit in der Luft schwang, erzeugten ein weiteres »Rrrrrh!«

    Tobias lachte, machte seinen Hocker frei, klopfte sich die Holzspäne aus der Kleidung und sagte: »Komm setzte Dich her. Ich werde Dir es erklären.« Isilde, wie immer wissbegierig, nahm die Einladung an und setzte sich hinter die Vorrichtung, in der der Rohbogen eingespannt war.

    »Nun ich habe den Mabari ja gefunden«, begann der Mann zu erzählen. Der Mabari schlürfte sein Wasser und Isilde hörte gespannt zu. »Vor etwa fünf Jahren war meine Rotte gerufen worden. Wir ritten was die Pferde hergaben, um zu einem kleinen Dorf zwischen Churneau und Ghislain zu gelangen. Und nach dem wir von Val Royeaux kommend die Stadt Ghislain in nordwestlicher Richtung passiert hatten, erspähte einer meiner Gefährten Rauch. Kurz um, wir kamen zu spät. Alle waren tot. Nur Klecks, der verteidigte einen toten Mann an den Stufen eines zerstörten Gebäudes. Die bessere Kleidung kennzeichnet den toten Mann als den Dorfvorsteher.« Tobias hielt kurz inne, trank noch etwas von der Milch und erzählte weiter: »Wir hatten nach dem Grauen eigentlich alle keine Nerven mehr und so wollte einer aus der Rotte mit einem Armbrustbolzen das Geknurre beenden. Mir kam in den Sinn, wie mein Vater und ich die Mabari bei uns am Südhang gehalten hatten. Deshalb lief ich zu dem Tier. Ich habe mich so gebückt wie Du und ihm einen Beutel mit Wasser vor die Nase gehalten. Er knurrte, fletschte aber auch die Zähne und legte all seine Kraft zum Sprunge in seine Hinterläufe. Das konnte ich an den angespannten Muskeln des Tieres erkennen. Doch wissend, dass ich die Schussbahn der bereitgehaltenen Armbrust verdecken würde, ging ich in die Hocke. Dabei die Erinnerung an meinen Vater«, dabei huschte Tobias ein Lächeln über das Gesicht. Doch ohne große Pause erzählte er weiter: »Ich nahm die Armschiene von der Hand, streckte diese aus, presste die Finger zusammen, wölbte die Hand und goss schließlich etwas Wasser in diese und sprach: ‚Du bist ein stolzes Tier. Doch jetzt lass ab und trink. Du kannst für Deinen Meister nichts mehr ausrichten.‘«

    »Und was geschah dann?« platze es aus Isilde heraus? »Mmmmh!« winselte Klecks und Tobias streichelte ihn und sagte: »Es dauerte, doch der Hund hatte Witterung aufgenommen. Er roch das frische Wasser. Und so kam es, dass sich langsam, sehr langsam seine Nase in Richtung meiner nassen Hand vorschob. Als das Wasser fast durch die Finger geronnen war, schleckte seine rosafarbene Zunge diese letzten Tropfen von meiner Hand. Ich war sichtlich überrascht von der Schnelligkeit des Hundes und erschrak, wankte etwas, fiel aber nicht. Dann wiederholte ich die Gabe mit dem Wasser und diesmal war der Hund sofort da. Anschließend lies ich das Wasser vorsichtig aus dem Lederschlauch auf meine hohle Hand laufen und der Hund schleckte sie stetig leer. Für mich war es ein eigenartiges Gefühl, als ich die Zunge des Tieres so auf meiner Hand spürte. Meine Waffengefährten bejubelten die Handlungen mit solchen Kommentaren, wie ‚Hehe!‘, ‚Brav gemacht!‘ oder ‚Dem Erbauer sei Dank!‘. Als das Wasser dann zur Neige ging, erklärte ich dem Mabari: ‚Ich stehe jetzt auf! Wenn Du mitkommen willst, dann komm.‘«

    »Und dann?« wollte Isilde wissen, die es jetzt kaum noch auf ihrem Platz aushielt. »Nun, er ist langsam mitgekommen«, sagte Tobias.

    »Ab dort warst Du sein Meister?« bohrte sie nach. »Nein, nein«, fügte Tobias mit einem Kopfschütteln an. Mit einem »Wuff, Wuff!« war er mir gefolgt und ich höre noch heute diese eine junge, doch tiefe Stimme. Aber sein Meister, das ist eine andere Geschichte, aber wenn Du möchtest, dann erzähle ich sie Dir!« lachte Tobias. Denn er wusste Isilde würde keine Ruhe geben, bis sie das erfahren hatte. Doch der Ruf von Magaritt, der Mutter von Isilde, zum Mittagstisch, beendete für diesen Moment die Möglichkeit der Fortsetzung.
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    Halbgöttin Fawks's Avatar
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    Thema #8 - Mabari ... – [Text 1] – für VRanger

    Jaina ließ sich träge auf dem Wasser treiben. Aller Schweiß wurden gleichsam mit aller Sorge von ihr gewaschen, die relative Kühle des Wassers erfrischte sie.
    „Wuff!“ hörte sie plötzlich neben sich, Jag war zu ihr gepaddelt und legte seine Vorderpfoten, während die Hinterläufe weiter Wasser traten, auf Jainas Bauch ab wie auf einem treibenden Stück Holz.
    Der Kriegshund war aufgrund seiner Größe auch nicht leicht, was dazu führte, dass Jaina, durch das Gewicht Jags beschwert, unter Wasser gedrückt wurde und prustend und schnaubend wieder auftauchte. Die Augen ihres Hundes, der ihren Tauchgang interessiert verfolgt hatte, schienen zu lachen.
    „Frecher Hund, du!“ lachte Jaina und spritzte mit einer Hand Wasser in Richtung von Jag, der glücklich bellend um sie herumpaddelte.

    Jaina legte sich abermals mit dem Rücken auf die Wasseroberfläche und holte tief Luft, um nicht im nächsten Moment wieder unterzugehen. Das Wasser, die aufgehende Sonne und das winzige bisschen Wind, das kleine Wellen auf den See zauberte, wirkten ungemein beruhigend auf die erschöpfte Kämpferin...

    „Mama! So einen will ich haben!“ „Jaina, um Himmels willen, die bist die Tochter ein Teyrns, kein Jäger! Und schon gar kein Soldat!“ Ein wenig gereizt zog Eleanor ihre Tochter weiter, um mit ihr den Rest des großen Marktes in Highever anzusehen.
    „Gar nicht wahr! Papa sagt immer, dass Fergus für seine Heimat kämpfen muss und dass er einmal der Beschützer sein wird und dass ...“ „Kind, du bist doch nicht Fergus. Und außerdem hat er auch keinen Mabari.“
    „Fergus wird mich brauchen! Alleine kann er Schloss Cousland nie gegen böse Männer verteidigen!“ erwiderte das kleine Mädchen selbstsicher.
    Jaina Cousland, Zweitgeborene von Eleanor und Bryce Cousland, war ein Kind von knapp zehn Jahren und für ihr Alter sehr widerspenstig und stur. Eleanor seufzte bei dem Gedanken daran, dass die Töchter der Hofdamen bereits an Kleider gewöhnt wurden, während Jaina neben ihr über den Markt tollte, gekleidet in eine robuste – nichtsdestotrotz bereits zerrissene Lederhose – und ein dünnes weißes ärmelloses Hemd, das einem Holzfäller hätte gehören können. Doch natürlich war Jaina nicht nur stur und rebellisch, sie hatte ein gutes Herz, war schlau und außerordentlich loyal ihren Freunden gegenüber. Die Teyrna lächelte beim Gedanken daran – zumindest solange bis sie merkte, dass ihre recht Hand leer war, wo eben noch die kleine Patschhand ihrer Tochter gewesen war. Suchend blickte sie sich um, und – natürlich – entdeckte sie Jaina beim Mabarikäfig, an dem sie eben vorbeigekommen war. Seufzend machte sie kehrt.

    Jaina presste ihr Gesicht an das Gitter und beobachtete jeden kleinen Mabariwelpen so genau sie konnte. Da war ein völlig Schwarzer mit zwei weißen Vorderpfoten und einem großen weißen Fleck um die Nase. Dann ein ganz brauner, eintöniger, der nur faul herumlag und ein fast gelblicher mit dunklen Fellfärbungen, der nach jedem Hosenaufschlag schnappte, der ihm vor die Schnauze kam. Die anderen Welpen, weitere vier, lagen in dem großen, überdachten Holzverschlag, der in der Mitte des Käfigs aufgebaut worden war, um den Tieren bei Kälte und Nässe Schutz zu gewähren.

    Der Mabarihüter trat in Jainas Blickfeld, derbe fluchend. Jaina hob den Kopf und sah von der Seite ein schlankes Gesicht, das mit einem kleinen Schnauzbart verziert wurde, dunkle Haare und eine karierte Kappe auf dem Kopf. „Das sagt man nicht!“ rief sie ihm streng zu. Der Wärter bückte sich, als er erblickte, wer da zu ihm gesprochen hatte. „Du hast Recht, kleines Fräulein. Aber wenn es einem schlecht geht, passiert so etwas manchmal.“ Der Güter schenkte ihr ein kleines, wie sie fand, trauriges Lächeln. Sofort fragte sie nach: „Was ist denn passiert?“ Der Hüter schüttelte ablehnend den Kopf. „Mir ist ein kleiner Mabari entlaufen. Das schlaue Biest hat gewartet, bis ich zur Käfigtür heraus bin um Futter zu holen und hat sich anscheinend aus dem Staub gemacht.“
    „Warum sucht Ihr ihn dann nicht?“ fragte Jaina unvermittelt. Der Hüter deutete mit einer Handbewegung auf die Welpen. „Ich kann sie nicht alleine lassen. Vielleicht möchte jemand einen kaufen.“
    „Dann suche ich den Mabari!“ Jainas Augen funkelten unternehmungslustig, als sie sich vom Gitter rückwärts entfernte. „Ich finde ihn!“
    „Mädchen, nein, lass das mal lieber,“ warf der Hüter eilig ein. „Keiner weiß, wo er ist, und wenn er in den Wald gelaufen ist – da hat er keine Chance gegen Wölfe und ... oh verdammt!“ rutschte es ihm heraus, als er sah, wie Jaina sich herumwarf und in Richtung des Waldes rannte.

    „Habt Ihr meine Tochter gesehen, Simon?“ ertönte es hinter dem Hüter, der sich zögernd umdrehte.
    „Ähhh, Lady Cousland, ich... ähhh... sie...“ stotterte er. Die Augen von Jainas Mutter verschossen unheilvolle Blitze, als sie sich zu ihrer ganzen Größe aufrichtete. „Wo?“ fragte sie kurz angebunden. „Der Wald,“ murmelte der Hüter zerknirscht. Die Lady bedachte ihn mit einem verachtenden und überaus vorwurfsvollem Blick, mit einem Rauschen ihrer Röcke drehte sie sich um und eilte in Richtung des Schlosses davon.

    „Hündchen!“ rief Jaina in den dunklen Wald hinein, trotz Tageslicht war es hier drinnen sehr düster. Ihre Augen hatten sich auf der Suche nach dem Mabari daran gewöhnt und sie hatte sogar etwas gefunden, das sie für seine Spur hielt: An einer schlammigen Pfütze waren Pfotenabdrücke zu erkennen gewesen, die sie in diese Richtung geführt hatten. Plötzlich, unweit von ihr, erkannte sie etwas Kleines auf einem Stein sitzen und blieb ruckartig stehen. Sie erkannte die Konturen des kleinen Mabari, der sie aufmerksam betrachtete, aber sich nicht rührte. Jaina blieb, entgegen ihrer Gewohnheit, ebenfalls stocksteif stehen und guckte den Hund voller Neugierde und Interesse an. Ganz langsam hob sie einen Fuß aus dem schlammigen Matsch, und noch viel langsamer setzte sie ihn einen halben Schritt später wieder ab. Instinktiv näherte sie sich ganz, ganz langsam dem kleinen Welpen, unterbrach den Blickkontakt nicht für eine Sekunde. Der Mabari ließ sie sich annähern, hatte den Kopf leicht schiefgelegt und schien sie äußerst neugierig, aber auch scheu, zu mustern. Jaina war keinen Schritt mehr von ihm entfernt, als der Welpe sich erhob und sie drohend anknurrte. Erstaunt sah Jaina den Welpen an, der mit allen Anzeichen von Angst, aber auch Angriffslust die Zähne fletschte – warum wurde ihr klar, als sie hinter sich ein wesentlich lauteres Knurren hörte. Angst und Schreck durchfuhren sie, sie fuhr herum und erblickte den Wolf dort, wo sie vorher noch gestanden hatte, und er setzte sich gerade in Bewegung, auf Jaina und den Mabari zu, der sein Zähnefletschen verstärkte und kläffte. Mit einem geifernden, heißeren Bellen sprang der Wolf auf den Welpen los – dem Jaina im letzten Moment ein solchen Schubs gab, dass er vom Stein purzelte und der Wolf über ihn hinwegsprang. In der gewonnenen Zeit schnappte sich Jaina den Welpen, alle Vorsicht außer Acht lassend. Doch Jaina wäre nicht Jaina gewesen, wenn sie mit dem Fellbündel auf dem Arm die Flucht ergriffen hätte. Der Wolf hatte sich gerade zu ihr gedreht um kam nun eindeutig auf sie zu, schützend drückte sie den Mabari an sich und fauchte dem Wolf entgegen „Harrrrr“. Der – anscheinend überrascht ob dieses seltsamen Wesens – verharrte einen Augenblick – genug Zeit für Jaina, sich einen herumliegenden Stein zu schnappen und ihm nach dem Wolf zu werfen. Nun ernsthaft wütend knurrte der Wolf und setzte zum Sprung auf Jaina an, die langsam zurückwich – doch mit einem Jaulen fiel der Wolf aus seiner Sprungbahn und lag schlaff am Boden, einen Pfeil in der Brust.
    „Jaina!“ hörte das Mädchen die wohlvertraute Stimme ihres Freundes und Kampfgefährten Roland. Sie drehte sich um, da kamen ihr Bruder, Roland Gilmore und der Hauptmann der Wache von Schloss Cousland mit zwei Soldaten im Schlepptau angerannt.
    „Keine Sorge, mir geht’s gut!“ lachte Jaina den Männern entgegen, doch das Lachen erstarb schlagartig, als sie den Gesichtsausdruck ihres älteren Bruders sah. „Was machst du hier in diesem Wald? Du weißt genau, dass wir hier nicht alleine reindürfen! Du kannst doch nicht einfach ...“ „Aber ich musste diesen Mabari retten!“ unterbrach ihn Jaina aufgebracht. „Er wäre sonst tot!“ Fergus wechselte einem Blick mit dem Hauptmann und Roland. „Ihr seid sehr mutig, Jaina,“ sagte Roland leise, „doch Ihr dürft nicht so unbedacht handeln. Wir bringen diesen Hund jetzt zurück und gehen dann nach Hause ...“
    „Ich muss ihn zurückgeben?“ fragte Jaina mit großen Augen. „Ich habe ihn gerettet!“ Wie zur Bekräftigung kläffte der Welpe auf ihrem Arm. Liebevoll blickte Jaina auf ihn herab und streichelte erstmals das braune Fell. „Ich mag dich!“ erklärte sie ihm kurzerhand, was der Welpe mit einem Winseln quittiert, sich strampelnd an ihrem Oberkörper aufrichtete und sie zu beschnuppern begann.

    „Hoffnungsloser Fall,“ seufzte Simon, der Mabarihüter. Der Mabari hat sich bereits auf sie geprägt. Er ist ein ganz Sensibler.“ Ergeben blickte er neben dem Hauptmann, Eleanor, Fergus und Roland zu Jaina, die auf dem Rücken lag und den Welpen über sich gestreckt hielt, damit er ihr nicht noch weiter das Gesicht abschlecken konnte. Lachend richtete das Mädchen sich auf, setzte den Hund auf den Boden, der von selbst an ihrer Seite blieb und sie nicht aus dem Auge ließ. „Ich finde 'Jag' wäre ein sehr guter Name für ihn!“ teilte sie dem Hüter eifrig mit, doch ihr Gesichtsausdruck hatte sich bereits verdüstert. „Vielleicht vergisst er mich dann nicht ...“
    Der Hüter warf Eleanor einen Blick zu, dann verbeugte er sich vor der kleinen Jaina: „Er gehört Euch, Mylady. Möge es Euch beiden gut ergehen.“
    Das Strahlen, das in Jainas Augen getreten war, konnte in diesem Moment mit der Sommersonne mithalten.


    Jaina öffnete die Augen als sie den Ufergrund unter sich spürte. Jags Schnauze schob sie darauf, er umrundete sie und packte vorsichtig ihr Leinenhemd am Rückenteil, um sie auf das Ufer zu ziehen. Lachend erhob sie sich und umarmte ihren Hund. „Danke dir, Jag. Ohne dich wäre ich wahrscheinlich schon viele Male abgesoffen.“ Glücklich winselnd ließ der Mabari seine lange Zunge über ihr Gesicht schnellen, bevor er bellend auf den Rucksack zu jagte und erwartungsvoll den Kopf zu Jaina hob.
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    Thema #8 • Mabari ... [Bild 1] - für Fawks

    »KLECKS • II«

    »Aber sein Meister, das ist eine andere Geschichte, aber wenn Du möchtest, dann erzähle ich sie Dir!« lachte Tobias. Denn er wusste Isilde würde keine Ruhe geben, bis sie das erfahren hatte. Doch der Ruf von Magaritt, der Mutter von Isilde, zum Mittagstisch, beendeten für diesen Moment die Möglichkeit der Fortsetzung.

    Nur wenige Minuten später saßen Magaritt, Isilde und Tobias vor dem Haus ein dem großen Tisch und aßen zu Mittag. Es gab dicke Suppe, die er so mochte. Zu dem schnitt er vom Brot eine besonders breite Scheibe ab und warf diese dann brockenweise in die Suppe. Magaritt musste dann doch Lachen. Tobias sagte dazu: »Ach, es schmeckt einfach zu gut!« Dann bleib es eine Weile still, doch er spürte, dass die Erzählung von vorhin in Isilde arbeitete. »Sicher zerwühlen jetzt zig Fragen und Abzuwägendes ihren Kopf«, dachte er sich und wartete schon ein wenig, wann die erste der Fragen den Mund finden würde. Als sie dann fast fertig waren und er auf die Frage von Magaritt »Na, noch einen Nachschlag?« nickte und antwortete »Aber nur einen Klecks«, da kam sie ihre erste Frage.

    »Und wann warst Du nun sein Meister?« bohrte die junge Frau. Doch ehe Tobias antworten konnte, hörte er: »Kind, nicht beim Essen! Das sage ich Dir nun schon viele Jahre!«

    »Beim Erbauer!«, dachte sich Tobias. Er wusste, dass die Mutter Isilde eigentlich nie beim Namen rief, doch wenn sie »Kind« sagte, dann war es ihr zu viel. Trotzdem antwortete er: »Geht schon in Ordnung.« Und er fügte mit einem Blick auf Isilde, die den Kopf gesenkt hatte, an: »Es ist ja nur eine Frage. Und vielleicht habe ich Isilde erst zu sehr auf den Ausgang der Geschichte warten lassen.« Er sah dabei, wie die junge Frau ihren Kopf hob und ihm war so, als wenn die Lippen »genau« formulierten, doch sie sagte es nicht. »Da Ihr beiden ja eh fast aufgegessen habt, schnattert mal, ich räume derweil der Tisch ab«, entgegnete Magaritt. Isilde wollte aufspringen, doch die Hand ihrer Mutter legte sich auf ihre rechte Schulter. »Höre Dir an, was er zu erzählen hat, in Deiner jetzigen Situation, mit dem Kopf voller Fragen, zerdepperst Du mir noch etwas in der Küche!« sagte sie und schritt mit dem Geschirr in den Händen ins Haus. Sie ließ Isilde mit einem hochroten Kopf zurück. Kaum war die Haustür zu, da platzte es aus ihr heraus: »Das geht nun schon fast seit 30 Jahren so. Immer bin ich ein … Kind!«

    Weil sie nicht weiter sprach, wollte Tobias sie trösten und zu ihrem Arm fassen, der auf der Tischplatte lag. Doch sie wich der Bewegung aus, sagte aber nichts. Ihr Gegenüber wollte jetzt nicht noch mehr Unheil anrichten und sagte: »Nun, wie wurde ich von Klecks anerkannt? Das ist eine, so hoffe ich doch, interessante Geschichte. Man könnte auch sagen: Nichts kommt von allein!«

    Als er merkte, dass Isilde sich langsam beruhigte, rede er einfach weiter, ohne noch auf die gerade erlebten Dinge einzugehen. »Ja, wo waren wir?« begann er. »Na da, wo der Mabari in dem Dorf, welches gebrandschatzt wurde, Dir gefolgt ist. Bis dahin warst Du gekommen«, unterbrach sie ihn immer noch etwas aufgeregt. »Richtig«, erwiderte er, »bis dahin war ich gekommen.«

    »Auf dem Ritt zurück zur Garnison folgte der Mabari uns und es gab keine Anzeichen, dass irgendetwas mit ihm nicht stimmen sollte. Anfangs umrundete er aus Übermut noch mein Pferd im Ritt, doch je weiter wir uns von dem Dorf entfernten, je enger blieb er bei mir. Als wir dann die Burg von Ser Sorthrien, wo mein Fähnlein Quartier hatte, erreichten, veränderte er sich stark. Der Kriegshund wollte nicht mehr von meinen Beinen weichen. Er hatte einen geduckten Gang, die Ohren nach hinten gedreht und fast schien es, dass er sein Mundwinkel nach hinten zog.« »Da muss er wirklich sehr verunsicherte gewesen sein«, kommentierte Isilde die Beschreibung. Tobias lies sich aber nicht abhalten weiter zu erzählen: »Schließlich zeigte mir der Quartiermeister nahe den Ställen eine Kammer, wo sonst einer der Burschen schlafen kann. Sie hatte ein Fenster, ein einfaches Bett, eine solide Tür und auch genug an Raum für den Mabari ...« Tobias überlegte ein bisschen, führ sich mit der Hand durch das rosenblonde Haar und sagte, nach dem er einen Schluck getrunken hatte: »Er kam sofort mit. Als ich dann etwas Stroh geholt hatte und ihm eine Schale mit Wasser hinstellt, soff er auch dieses. Doch dann zog er sich in eine der Ecken zurück und winselte. Ich sprach mit ihm, um ihn zu beruhigen. Doch irgendwie half es nicht.« »Vielleicht hatte er Hunger?« wollte Isilde wissen.

    Tobias lachte laut. »Das habe ich auch gedacht und bin zuerst in die Küche und habe gefragt, was denn die Hunde des Ser Sorthrien so bekommen. Nun man hat sich Zeit genommen, sich alles angehört und mir schließlich ein Gemisch aus Quark, Nudeln und Putenfleisch in einen Futternapf getan.« »Das ist ja ein gutes Rezept«, erklärte Isilde und sie fügte noch an: »Ich dachte schon sie haben ihm Essensreste gegeben.« »Nein, haben sie nicht«, sagte Tobias mit etwas Aufregung in der Stimme, den die laufenden Unterbrechungen doch mit der Zeit störten. Doch er wollte höflich bleiben und versuchte einen Trick, in dem er sie fragte: »Und warum hast Du das gedacht?« »Na, weil die Speisen von Menschen meist gewürzt sind oder die Knochen von Vögeln ja splittern«, antwortete sie und holte zum nächsten Satz Luft. Dabei merkte sie, dass Tobias sie so eigenartig ansah, schwieg dann eine Weile und weil er auch nichts mehr sagte, erklärte sie: »Ich werde ab jetzt zuhören und Dich nicht mehr unterbrechen.« Tobias reagierte nicht direkt darauf, sondern sagte zu ihr mit einem Nicken: »Nun, Du kennst Dich ja sehr gut mit Hunden aus!« Als dann Isilde antwortete: »Das stimmt!« mussten beide Lachen.

    Anschließend erzählte Tobias, wie er zu dem Mabari gegangen ist, dieser aber das Futter nicht wollte. Darauf hin entschloss er sich in der Kammer zu bleiben und schlief dort in dem Bett eines der Stallburschen. Aber als er früh erwachte, lag der Kriegshund immer noch in der Ecke, das Futter nicht angerührt, den Kopf leicht gesenkt. So schüttelte Tobias den Kopf und erneuerte wenigstens das Wasser.

    Tobias seufzte: »Das ging die nächsten zwei Tage so. Er lies sich anfassen, trank wenig, aber das Fressen rührte er nicht an. Es half auch nichts, dass ich mich mit in das Stroh legte. Er wollte nicht fressen. Meine Kameraden erfasste diese Sache auch. Denn sie waren zwar raue Burschen, doch sie hatten es ja im Dorf miterlebt. Einer äußerte die Vermutung, dass er sterben wolle. Denn sein Meister sei von ihm gegangen, er habe ihn nicht beschützen können. Ja, so etwas haben sie damals erzählt. Was hättest Du getan?« fragte Tobias die junge Frau. Die stotterte am Anfang, überrascht über die Möglichkeit, doch etwas zu sagen: »Ich, ich, ja, was hätte ich getan? Eigentlich muss man sagen, mehr als was Du erzählt hast, weiß ich jetzt auch nicht …« und nach einer kleinen Pause ergriff sie die Initiative: »Und spanne mich nicht so auf die Folter. Klecks ist hier. Oder ist es er nicht. Was hast Du mit ihm angestellt?«

    Tobias lachte herzhaft und sagte: »Isilde, ich wünschte, alle würden meinen Erzählungen so gut zuhören wie Du!« Und nach dem kleinen Kompliment, welches sie erröten ließ und was sie mit einer Flüchtigkeitsbewegung der Hände zu zerstreuen suchte, sagte er: »Ich habe von seinem Futter gefressen!« »Was hast Du?« bohrte sie nach. »Ja, Du hast richtig gehört. In meiner Not habe ich am Abend des dritten Tages mich wütend über die Sache auf den Bau begeben, vor den Napf, ihn aufgefordert doch mal zu kosten, dabei mein gesamtes Gesicht in dem Quark-, Nudel, Putengemisch versenkt und …« »… und?« wollte Isilde wissen. »Nun, ich habe zuerst seine Hundenase im Gesicht gehabt und dann hat er meine Wange abgeschleckt und später aus dem Napf gefressen«, berichtete Tobias mit einem Klang in der Stimme, die auch noch nach der langen Zeit von einer spürbaren Ergriffenheit vibrierte. »Und wie war es?« fragte Isilde. »Lecker!« antwortete Tobias »Ich meine nicht das Futter, sondern wie es war, als der Mabari gefressen hat?« erklärte Isolde.

    »Ach so«, sagte Tobias. »Nun, wir haben uns das Futter geteilt. Oder besser, er hat den Rest wirklich gefressen. Dann habe ich mich zu ihm ins Stroh gelegt und so sind wir auch am nächsten Morgen aufgewacht. Es war sehr warm sein Fell im Rücken zu haben. Als ich dann neues Futter holen wollte, wurde ich ausgelacht.« »Warum das?« kam die nächste Frage von Isilde. »Zum einen hatte ich ja noch das Stroh in den Haaren, doch viel lustiger war mein Gesicht und mein Hemd anzusehen«, erklärte Tobias. »Einer von meinen Kameraden sagte nur: ‚Wasch Dich mal, Du hast ‘nen dicken Klecks im Gesicht, eigentlich überall‘. Und da wusste ich, dass ich im Dorf meinem Mabari den richtigen Namen gegeben hatte. Und seit dem folgt Klecks mir überall hin und ich bin wohl jetzt tatsächlich sein Meister«, sagte Tobias noch. Dann erklärte er Isilde, dass er den Boden weiter bauen müsse. Und er ihr dabei helfen würde, dass sie den Mabari auch ohne sein Zutun streicheln könne.
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    Thema #9 • Besinnliches und traumversunken ... in den Fängen von Dämonen


    [Bild: Magierturm_1K.jpg]
    ~ Bild 1 • Das Vergessen, traumversunken, lange schlafen ... ~

    [Bild: Magierturm_2K.jpg]
    ~ Bild 2 • ein ganz privater Moment der Liebe ... ~
    Erklärender Text zu den Bilder:

    Ein Dämon des Verlangens hat einen Templer versklavt und zermartert die Träume der armen Seele [Bild 2] und empfindet das Eintreffen als Störung eines privaten Moments der Liebe.

    Nach einem anstrengenden Tag steht vor Euch der Dämon der Trägheit und bietet einen erholsamen, tiefen, langen Schlaf ... würdet Ihr annehmen?[Bild 1]

    Aufgabe:
    • Schreibt wenn Ihr möchtet unter Beachtung der Regeln eine Kurzgeschichte zu einem der beiden Bilder. Benennt bitte in Eurem Post, zu welchem Bild Ihr schreibt.
    • Beginn ist der 02.03.2013 und die Möglichkeit zu diesem Thema Beiträge zu veröffentlichen endet am 17.03.2013. Sicher kann man später auch noch dazu schreiben, besonders dann, wenn einem noch ein weiterer Einfall gekommen ist.
    • ein Feedback, auch von Lesern gern gesehen, bitte im Diskussionsbereich
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    Thema #9 Besinnliches und traumversunken... in den Fängen von Dämonen (Bild 1)

    Hinweis: Der Charakter, um den es hier geht, ist mein Dragon Age RPG-Charakter Anlya/Tamlen.

    Spoiler:(zum lesen bitte Text markieren)
    Quote Originally Posted by Annalena View Post
    Anlya/Tamlen


    [Bild: Anyla.png]

    Name: Anlya/Tamlen
    Rasse: Elf (Stadtelf)
    Charakterfarbe:Grün

    Alter: 18
    Geschlecht: weiblich

    Familie: Vater (unbekannt), Mutter (unbekannt)
    Geburtsort: Gesindeviertel Highever
    Klasse: Schurkin
    Talente: Verstecken (sehr gut), Taschendiebstahl (mittel)

    Größe: 1,60
    Gewicht: 45
    Körperbau: schmächtig, aber für einen Elf sehr kurvig
    Augenfarbe: Grün
    Haare: Schwarz
    Narben: keine

    Beruf/Tätigkeit: Diebin

    Stärken: kann sich sehr gut verstecken und sehr schnell laufen, geschickt mit den Fingern (Diebstahl), fertigt in ihrer Freizeit gerne Holzschnitzereien

    Schwächen: kann kaum kämpfen, sehr schüchtern, redet nicht viel, neigt zur Tagträumerei, kann nicht lesen und schreiben, kein Orientierungssinn

    Rüstung/Bekleidung: einfache Lederrüstung

    Bewaffnung: einfacher Eisendolch
    Sonstige Gegenstände/Habseligkeiten: ein einfaches Holzamulett, dass an einem aus Hallahaar geflochtenen Band hängt

    Besonderheiten: gibt sich als Mann aus um ihren Verfolgern zu entkommen


    Charakterbio:

    Spoiler:(zum lesen bitte Text markieren)
    Kleine bare Füße flitzten durch die Straßen von Highever. Die schweren Schritte der drei Wachsoldaten kamen näher und die kleinen Füße wurden schneller. „Bleib stehen, Klingenohr. Du kannst uns nicht entkommen.“ Doch die kleine Elfe blieb nicht stehen. Schnell bog sie um die Ecke und versteckte sich hinter den Mülltonnen der alten Bäckerei. Ängstlich presste sie ihr Diebesgut, drei Kupfermünzen, an sich. Sie fing an zu zittern, als die Wache näher kam. Doch ihr Herzschlag wurde wieder ruhiger, als die Wache an ihrem Versteck vorbei rannte und sie nicht entdeckte. Durch die Löcher in den Mauern und dreckigen Seitengassen gelangte sie in ihr Zuhause. Das Waisenhaus im Gesindeviertel von Highever.



    Blut und Tränen liefen ihr Gesicht herunter. Der Schmerz von den Schlägen war etwas, was sie noch nie erlebt hatte. Auch wenn die anderen Kinder regelmäßig geschlagen wurden, wenn sie zu wenig Beute ins Waisenhaus brachten, sie selbst wurde nie verprügelt. Auch wenn ihre Beute nur gering war.

    „Was geht hier vor?“ Die donnernde Stimme des Leiters des Waisenhauses ließ ihre Peinigerin erstarren. Die Hand, die sie zum nächsten Schlag erhoben hat, blieb unbeweglich in der Luft und sie drehte sich ängstlich zu dem Mann um. „Sie hat nur wenige Kupfermünzen nach Hause gebracht und wurde auch beinahe von den Wachen geschnappt.“ Der Leiter packte die Frau und zog sie nach draußen. „Das Kind ist tausendmal mehr wert als Ihr, Frauenzimmer.“ Am nächsten Tag gab es Gerüchte über den gewaltsamen Tod einer Frau, die lange Zeit im Waisenhaus des Gesindeviertels gearbeitet hat. Der Mörder wurde nie gefunden.



    „Zehn Sovereign und keine Kupfermünze mehr.“ Der Leiter des Waisenhauses schüttelte den Kopf. „Zehn sind zu wenig für diese exotische Schönheit. Seht sie Euch an? Schwarze seidige lange Haare und ihre Augen. So ein grün findet ihr nicht sehr oft. Für einen Elf ist sie außerdem sehr kurvig und da gibt es noch etwas Besonderes.“ Ein sadistisches Lächeln breitete sich im Gesicht des Heimleiters aus. „Sie ist noch jungfräulich. Kein Mann hat sie je gehabt. Das ist sicherlich mehr wert als nur zehn Sovereign.“ Das weckte das Interesse des dicklichen Menschenmannes, der dem Leiter des Waisenhauses gegenüber saß. Er stand auf und trat nun näher an Anlya heran.

    Diese stand nackt und zitternd im Raum und konnte vor Angst kaum atmen. Der dickliche Mensch ging um sie herum und musterte sie von oben bis unten. Sein Blick ruhte länger auf ihren Brüsten und jagte ihr Schauer über den Rücken. „Und sie ist tatsächlich noch Jungfrau?“ Der Heimleiter nickte. „Selbstverständlich. Warum sollte ich Euch belügen? Schließlich will ich auch in Zukunft noch Geschäfte mit Euch machen und ich weiß, Ihr erwartet nur die beste Ware.“ Der dickliche Mensch grinste sie breit an. „Sie wird nicht mehr lange jungfräulich sein. Schließlich muss ich die Ware testen. Ich kann meinen Kunden ja keine schlechte Ware anbieten.“ Die beiden Männer brachen in schallendes Gelächter aus und Anlya konnte nicht verhindern, dass ihr Tränen über die Wangen liefen.



    „Wir könnten ein bisschen Spaß mit dem Klingenohr haben.“ Die beiden Leibwachen, die die junge Elfe für ihren neuen Besitzer zu dessen Haus bringen sollen, dachten sie schlief. Doch in Wahrheit tat sie nur so. Sie hoffte, dass deren Wachsamkeit nachlassen würde und sie entkommen konnte. „Bist du verrückt, Thomas? Sie ist noch Jungfrau. Wenn sie keine mehr ist, wird der Boss es merken und dann wird er uns töten.“ Thomas zuckte nur mit den Schultern. „Sei kein Spielverderber Frank. Wir könnten sagen, dass der Heimleiter gelogen hat. Wem wird er mehr glauben, uns oder einem Klingenohr?“ Frank schüttelte den Kopf. „Er und der Heimleiter machen schon seit Jahren Geschäfte. Ihn zu betrügen wagt dieses schmierige Klingenohr nicht.“ Thomas seufzte laut und blickte sehnsüchtig zu der schlafenden Elfe. „Du hast ja Recht. Vielleicht kann ich mich mit ihr vergnügen, wenn der Boss mit ihr fertig ist.“ Nun lachte Frank laut. „Bei deinem Sold kannst du sie dir bestimmt nicht leisten. Vielleicht in ein paar Jahren, wenn sie alt und verbraucht ist. Dann könntest du zum Zuge kommen.“ Nun stimmte auch Thomas ins Gelächter ein.



    Blut, Blut überall Blut. Wie hatte sie es geschafft? Wie hatte sie die beiden Männer töten können? Die Leichen lagen auf dem Rücken, die Augen aufgerissen und überall Blut. Anlya drehte sich um und rannte es aus dem Haus zum nächsten Busch. Dort übergab sie sich sofort und ihr Gesicht war mit Tränen überströmt. Zum ersten Mal in ihrem Leben hat sie getötet und sie hoffte, dass es das letzte Mal war. Als ihr Magen leer war lief sie zum nahen Fluss, wusch sich ihr Gesicht und spülte ihren Mund aus. Sie blickte ihr Spiegelbild an und neue Tränen flossen über ihre Wangen. Was sollte sie jetzt tun? Würde man sie suchen? Panik machte sich in ihr breit. Sie wollte keine Sklavin sein. Sie wollte keinem Mann als Hure dienen. Zitternd schlang sie ihre Arme um sich selbst und schluchzte laut. Ihr Blick fiel wieder auf ihr Spiegelbild im Wasser. Lange schwarze Haare und grüne Augen blickten sie an. Exotisch, sagte der Leiter des Waisenhauses. Viel Geld wert, sagte seine Frau.



    Ihre blutige Kleidung verbrannte zusammen mit dem kleinen Haus und den beiden Leichen darin. Unter vielen Mühen hat sie es geschafft dem einen Leibwächter die Lederrüstung auszuziehen. Widerwillig trug sie diese. Doch sie hatte keine Wahl. Ihr Kleid war blutverschmiert und so konnte sie unmöglich fliehen. Einer der Leibwächter trug eine Kettenrüstung, doch diese war ihr zu schwer. Selbst mit der Lederrüstung hat sie etwas Probleme. Vor allem, da sie etwas zu groß für sie war. Doch beim Oberteil war das von Vorteil. Ihren Oberkörper hat sie mit Bandagen eng umschnürt. Niemand würde auf dem ersten Blick vermuten, dass sie eine Frau ist. Und einen zweiten Blick würde sie nicht zulassen.

    Nun musste sie nur noch etwas tun. Sie ging zum Fluss und kniete sich hin. Anlya nahm den kleinen Eisendolch und legte ihn neben sich. Dann löste sie ihre hochgesteckten Haare. Mit der linken Hand hielt sie ihre Haare zusammen. Mit der rechten Hand nahm sie den Dolch. Sie atmete tief durch und mit geschlossenen Augen schnitt sie sich die Haare ab.

    Sie brauchte ein wenig bevor sie die Augen wieder öffnete. Sie betrachtete die abgeschnittenen Haare in ihrer Hand und ließ diese dann vom Wind forttragen. Der Dolch fiel aus ihren zittrigen Händen und sie umklammerte das einfache Holzamulett, ihren wertvollsten Besitz.

    „Tamlen.“


    „Mamae, Mamae.“ Anlya erkannte sofort die aufgeregte Stimme ihrer jüngsten Tochter. „Ich komme mein Schatz.“ Ihr kleiner Wildfang hat sicherlich wieder eine interessante Kröte gefangen oder einen ungewöhnlich langen Wurm oder eine große Kaulquappe. Die Elfe seufzte leise und fragte sich, von wem sie diese Liebe zu allerlei ekligem und schleimigen Zeug hat. Von ihr ganz bestimmt nicht, aber sicherlich von ihrem Vater.

    Und da sie gerade an IHN dachte. Wo war er eigentlich? Starke Arme schlangen sich von hinten um sie und sanfte Hände strichen liebevoll über ihren leicht gewölbten Bauch. Manchmal fragte sie sich, ob ihr Ehemann Gedanken lesen konnte. Doch ein sanfter Kuss auf ihren Nacken ließ sie sofort vergessen, woran sie gerade dachte. Selbst nach zehn Jahren Ehe hatte er noch diesen Effekt auf sie.

    Langsam drehte sie sich in seinen Armen um und gab ihm einen Kuss auf den Mund. Dann legte sie ihren Kopf auf seine Brust und genoss seine Wärme. „Was macht mein kleines Ehefrauchen. Hm?“ Anlya kicherte leise. Natürlich musste er in diesem Moment sprechen. Aber wie sie es liebte, wenn er sie so nannte. „Ich war gerade auf den Weg nach draußen. Deine Tochter hat nach mir gerufen.“

    Er lachte laut. „So? Nun ist es also meine Tochter. Du hattest aber auch einen Teil zu ihrer Entstehung beigetragen. Ich bin gespannt, was sie dieses Mal gefunden hat.“ Anlya rümpfte nur die Nase. „Natürlich bist du gespannt. Diese Liebe zu all diesem… diesem… urgh. Das hat sie von dir…“

    Hm, er wusste immer, wie er sie ablenken konnte. Nicht das sie sich darüber beschwerte. Wie konnte sie sich über seine Küsse beschweren? Sie liebte es. Jeden einzelnen Kuss.



    Sie lag in seinen Armen. Ihr nackter Körper an ihn gepresst. Wie sehr sie diese gemeinsamen Stunden mit ihm genoss. Nach all den Jahren weckte er in ihr immer noch die gleiche Leidenschaft wie zu der Zeit, als sie sich zum ersten Mal liebten. Anlya konnte einfach nicht genug von ihm kriegen. Er wusste das, doch das Funkeln in seinen Augen verriet, dass es ihm genauso ging. Sicher und geborgen fiel sie in einen erholsamen Schlaf.



    „Mamae. Hilf mir. Mamae.“ Doch Anlya rührte sich nicht sondern lachte nur lauter. In ihr Lachen mischte sich das ihrer Tochter, als diese von ihrem Vater durchgekitzelt wurde. Sie mag um Hilfe bitten, doch in Wahrheit liebte sie es, so von ihrem Vater geneckt zu werden. Neben ihr saß ihr ältester Sohn und schnitzte an einer kleinen Hallafigur. Anlya war froh, dass wenigstens eines ihrer Kinder dieses Talent geerbt hatte. Doch auch wenn es nicht so wäre, würde sie ihre Kinder lieben. So wie es jede Mutter tut. Sie schaute auf, als es plötzlich still war. Der schelmische Gesichtsausdruck in den Gesichtern ihres Ehemannes und ihrer Tochter ließ nichts Gutes ahnen. „Ihr wagt es nicht.“

    Natürlich hörten sie nicht und nun war es Anlya, die durchgekitzelt wurde und lachte, bis ihr die Tränen kamen.



    „Ein Picknick?“ Anlyas Augen leuchteten und sie strahlte ihren Ehemann an. Sie liebte Picknicke. Besonders an ihrem Lieblingsplatz, der kleinen Wiese an dem kristallblauen See. Dieser Platz hielt eine ganz besondere Erinnerung für sie. Dort bat ER um ihre Hand. Schnell war ein großer Korb mit allerei Leckereien gefüllt und zusammen mit ihren Kindern und ihrem Ehemann machte Anlya sich auf den Weg.

    Die Elfe saß entspannt auf einer weichen Decke und sah ihren Kindern beim Spielen zu. Der Kopf ihres Mannes lag auf ihrem Schoß und sie konnte nicht anders als mit ihren Händen durch seine weichen Haare zu fahren und ab und zu seine Wangen zu streicheln. Aller paar Augenblicke fuhr sein Oberkörper nach oben und er stahl einen Kuss von ihr. Anlya kicherte leise. Nicht das sie nicht gerne auf diese Weise von ihm bestohlen werden wollte.

    Sie war glücklich und nichts konnte ihr Glück trüben.

    „Hier seid Ihr Tamlen. Ihr müsst aufwachen. Das ist nicht real sondern nur ein Traum, den ein Dämon geschaffen hat.“

    Anlya blickte auf und sah einen Fremden. „Wer seid Ihr?“ Doch bevor sie weiterreden konnte, war ihr Ehemann schon aufgesprungen und stellte sich schützend vor sie. „Verschwindet Fremder bevor ich Euch töte.“ Anlya blinzelte verwirrt. Wo hatte ihr Mann denn plötzlich diese Waffe her?

    „Hört nicht auf ihn, Tamlen. Er ist ein Dämon und gibt sich nur als…“ Weiter kam der Fremde nicht, als ihr Ehemann plötzlich angriff. Von dem Kampf bekam sie nichts mit, denn alles drehte sich in ihrem Kopf. Sie kam erst wieder zu sich, als ihr Ehemann tot vor ihr lag. Doch dann verwandelte er sich in eine groteske Gestalt. Erschrocken sprang Anlya auf und drehte sich zu ihren Kindern um. Wie konnte sie nur ihre Kinder vergessen? Doch da waren keine Kinder sondern nur die Leichen von anderen Kreaturen, die sie nie zuvor gesehen hatte.

    Nein. Nein. Nein.

    Der Fremde trat näher an sie heran und es war als ob ein Schleier sich lichtet. Sie kannte diesen Fremden. „Es war ein Dämon. Nichts von all dem hier ist real.“ Sagte der Fremde noch einmal und musterte sie dann von oben bis unten. „Normalerweise bleiben die Opfer eines Dämons in ihrer wahren Gestalt. Ich denke Ihr habt uns eine Menge zu erklären. Vor allem wieso Ihr den Körper einer Frau habt „Tamlen“.“

    Doch bevor Anlya etwas erwidern konnte überkam sie ein merkwürdiges Gefühl. Der Fremde verschwand langsam von ihren Blicken und sie fühlte sich als ob jemand sie irgendwo hinzog.



    Anlya saß mit angezogenen Beinen an dem kleinen Lagerfeuer. Ihr Kopf lag auf ihren Knien und ihre Arme umschlangen ihre Knie. Sie hob den Kopf nicht obwohl sie wusste, dass die anderen eine Erklärung von ihr erwarteten. Was sollte sie ihnen sagen? Die Wahrheit? Vielleicht würden sie es verstehen. Oder sie ließen sie allein zurück an einem Ort, den sie nicht kannte. Doch mit einer ungewohnten Gelassenheit stellte sie fest, dass es ihr sowieso egal ist.

    Eine Träne lief ihr über die Wange, als sie sich wünschte, dass sie nie aus dem Traum des Dämons befreit worden wäre. Die Wahrheit ist, sie hätte lieber diesen wunderbaren Traum, als diesen Alptraum, der ihr echtes Leben ist.

    Ein Leben ohne IHN.
    Annalena is offline Last edited by Annalena; 03.03.2013 at 08:51.
  12. #52 Reply With Quote
    Halbgöttin Fawks's Avatar
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    Kyp Doruun brüllte auf als sein Templerkamerad neben ihm zusammenbrach und der strangulierende magische Käfig um ihn herum immer noch nicht abebbte. Er hob das Schwert und mit einem unglaublichen – gemessen an der Rüstung – Sprung landete er vor der verantwortlichen Maga, die Augen rotglühend, ebenso wie die Handflächen, aus denen Blut quoll. Sie hob beide Hände, legte sie auf den Arm des Templers und zwang den erhobenen Schwertarm Kyps scheinbar ganz einfach nach unten. Die Wut brach sich in Kyp Bahn, dass diese verdammte Maga und das andere verseuchte Gesocks den ganzen Zirkel zerstören würde. „AUFHÖREN!“ brüllte er ihr ins Gesicht, die Macht seiner tiefen Stimme unterstützt durch eine Welle seiner reinigenden Templerfähigkeit, sodass die Maga – Linda war ihr Name – zurückgeschleudert wurde und durch die Wand in ihrem Rücken zum Stehen kam. Geistesgegenwärtig hob sie wieder eine blutverschmierte Hand und Kyp spürte seine Muskel im rechten Arm fast platzen, sodass er das Schwert loslassen musste.

    „Kyp, sei nicht dumm. Setz dich. Ruh dich aus. Bald werden wir Magier über den Zirkel herrschen und wenn du jetzt vernünftig bist, bleibst du am Leben. Das ist es doch, was du willst, oder? Es ist auch das was ich möchte...“ Sie war langsam auf ihn zugetreten und sah ihn, mit mittlerweile wieder blauen Augen, liebevoll an. Kyp war auf den Boden gezwängt worden, doch in seiner Wut kämpfte er gegen die magischen Fesseln an. Beim nächsten aufsehen war eine Abscheulichkeit zwischen ihn und Linda getreten, die ihn fixierte und schlagartig war er müde, erschöpft und ohne weiteren Widerstand sank er nach hinten und war ins Reich der Träume entglitten.

    Er erwachte auf einer grünen, saftigen Wiese, die von einem kleinen Fluss gesäumt wurde. Das Ufer fiel sanft ab und war weder matschig noch wies es irgendwelche Spuren auf. Alles war unberührt. Ein gewaltiger Baum spendete in der Nähe Schatten, vor der kräftigen Sonne, deren Strahlen normalerweise von seiner Rüstung – nein, welche Rüstung? Er hatte noch nie eine besessen. Sein Vater war ein hart arbeitender Schmied, sodass er und sein Sohn immer genug zu essen hatten – aber reich waren sie bei weitem nicht. Und doch war er reich – die Liebe seines Lebens erfüllte ihn mit so großer Freude, dass er überzeugt war, weder Essen noch Trinken noch Geld zu brauchen, solange nur sie bei ihm war. Kaum hatte er diesen Gedanken zu Ende gedacht, erschien sie, gleich einer engelhaften Gestalt am Ufer, in einem weißen, luftigen Gewand, das durch den Wind ihre Hüfte und ihre Beine umspielte, als sie mit wehendem goldblonden Haare auf ihn zukam.
    Er sprang auf, lief auf sie zu und fing sie auf, als sie sich in seine Arme warf. Er vergrub das Gesicht in ihren Haaren und atmete den Duft tief ein. „Kyp, endlich!“ murmelte die Frau an seiner Schulter. Langsam löste sich der junge Mann von ihr, ohne den Blick von ihren strahlenden blauen Augen abzuwenden. „Du bist deinem Vater davon gelaufen, nicht?“ fragte er sie. „Ich musste zu dir. Wir haben uns seit Tagen nicht gesehen. Ich musste mit dir reden.“ erwiderte sie fest.

    „Linda, das kann so nicht weitergehen. Wir müssen einsehen, dass wir zu zwei unterschiedlichen Welten gehören, die nicht zueinander passen.“ seufzte Kyp und setzte sich wieder ins Gras. Langsam ließ Linda sich neben ihm nieder und fuhr ihm durch das halblange, braune Haar. „Es ist möglich. Du musst es nur wollen.“ Kyp warf ihr einen warnenden Blick zu. Doch sie fuhr fort: „Oder liebst du mich nicht?“
    Der junge Mann drehte sich ruckartig zu ihr und umfasste ihr Gesicht. „Natürlich liebe ich dich, mehr als mein Leben! Aber es ist einfach unmöglich. Wir können nicht gegen die ganze Welt kämpfen!“
    „Mein Liebster, wir kämpfen nicht gegen die Welt, wir sind in einem kleinen Dorf, wo jeder seinem Tagewerk nachgeht und unsere Flucht bald vergessen sein wird!“ beschwichtigte sie ihn.
    Kyp sah sich verwirrt um. „Aber unsere Pflicht...,“ murmelte er – als ein gleißend heller Blitz den mittlerweile etwas dunkleren Himmel erhellte. Erschrocken fuhr er zurück. „Was hast du? Geht es dir gut?“ Linda war neben ihm und sah ihn besorgt an. „Ein Blitz – am Himmel, es zieht ein Gewitter auf!“ antwortete er fahrig und deutete auf den sich verdunkelnden Himmel. Ein Donner erschütterte die liebliche Landschaft und innerhalb von Sekundenschnelle war der Himmel kohlrabenschwarz. Der Wind, der aufkam blies kräftig und ein beständiges Rauschen lag in der Luft. Die Zweige des alten Baumes knarrten drohend. „Komm mit mir! Das ist die Möglichkeit zu fliehen. Keiner wird es je wissen!“ rief Linda und erhob sich. Kyp war auch aufgestanden und beobachtete den nächsten Blitz Richtung Erde schießen, der krachend in den großen Baum einschlug. Das Paar fuhr zusammen und sah erschrocken auf den in der Mitte gespaltenen Stamm, der starke Wind löste langsam die älterenÄste und wehte sie in einem Fort über die Wiese. "Los, Kyp, wir müssen weg!" Linda hatte seine Hadn genommen, aber er befreite sich.
    „Nein, Linda. Wir können nicht – unsere Pflicht...“ „Von welcher Pflicht redest du ständig? Du bist ein Schmied!“ schrie das engelsgleiche Geschöpf ihn an. „Komm mit mir – ich flehe dich an!“ Sie schlang die Arme um seinen Nacken und küsste ihn wild auf den Mund, er konnte nicht anders und gab nach, der tröpfelnde Regen kroch in seinen Nacken und ließ ihn die Schauer, die den Rücken herabrannen, noch deutlicher spüren. Nach einer scheinbar endlosen Minute löste sie sich von ihm, fasste seine Hand und wollte ihn mit sich ziehen. Doch er blieb stocksteif stehen und blickte zu einem weiteren, herabzuckenden Blitz. „Kyp, bitte …,“ setzte sie erneut an, doch das ungute Gefühl in Kyp war mittlerweile so stark, dass er sich nicht einmal auf seine Liebe verlassen wollten. „Nein! Wenn du gehen musst, dann tu es. Ich bleibe hier!“ rief er über den Donner hinweg.
    „Schön!“ büllte Linda zurück, die schönen Gesichtzüge wutverzerrt und dasweiße Gewand umwehte sie als ob es ihren Zorn unterstützte, als sie aufrecht davonstolzierte, anscheinend unberührt von Regen, Wind und Blitz. Kyp starrte ihr wie paralysiert hinterher, seine Lederhose und sein Leinenhemd waren durchnässt und er konnte sich kein bisschen bewegen. „Du willst es nicht anders!“ schrie Linda ihm noch einmal zu, bevor sie in der Ferne verschwand.

    Kyp hob den Kopf, der mittlerweile starke Regen klatschte auf sein Gesicht und klärte ihm langsam die Gedanken. Tief atmete er ein und mit aller Kraft seiner Lungen schrie er :“ Ich wünschte es wäre anders!“ - und durch den strömenden Regen verschwamm alles vor ihm.


    Der schlafende Kyp schien auf einmal zu erwachsen, ruckartig erhob er sich, zog einen kleinen Dolch und warf ihn mit traumwandlerischer Sicherheit auf die blonde Frau, die gerade die Tür hereinkam. Das Stilett bohrte sich in ihr Herz und sie sackte langsam zu Boden. Sein Schrei zerriss die Stille in der Halle: „Ich wünschte es wäre anders!“
    Fawks is offline Last edited by Fawks; 17.03.2013 at 18:05.
  13. #53 Reply With Quote
    Deus VRanger's Avatar
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    »Oh, wenn haben wir den da?« fragt ein dunkle, tiefe Stimme. Die Stimme überrascht, denn es gibt keinen Ton der Aggressivität, keine Disharmonie, kein Unbehagen schwingt da mit. Erschöpft reiße ich die Augen nach all dem Kämpfen auf. Und ich schaue in eine Fratze, die man abschlachten möchte. Doch irgendetwas hält meine Arme mit den Dolchen zurück. Ich sehne mich nach Ruhe und Entspannung, nach Frieden.

    »Möchtet Ihr Euch nicht einfach hinlegen und«, dann folgt eine Pause in dem Redefluss und gibt mir Zeit zu prüfen, was ich machen möchte. Doch bevor ich mich entscheide, »… das alles vergessen?« bohrt es weiter in meinem Kopf. Und ehe ich so richtig einen klaren Gedanken fassen kann, vernehme ich: »Alles hinter Euch lassen?«

    Da willige ich ein. Etwas Innehalten, die Augen schließen, nachdenken über den Sinn des Handelns hier. Zu groß ist das Verlangen nach Ruhe, nach einem kurzen Verschnaufen, zu schwer lastete der bisherige Tag.

    Wir hatten die erste Treppe genommen, da standen sie vor uns. Ein Hurlockkommando nebst Alpha war wohl positioniert und sie hatten Bogenschützen dabei. »Zuerst die Bogner!« hörte ich mich noch schreien, dann waren wir in einer Keilformation in die dunkle Brut eingebrochen. Die Schilde hatten wir als Deckung genutzt. Bis einige von Axthieben oder schwer von Pfeilen aus den Händen gerissen wurden. Doch wir schafften es, auch mithilfe der Schilde, denen einen oder anderen die Schildkante unter den Kiefer zu hauen oder manche auch ganz umzuschmeißen. Normalerweise hätten wir dann diesen uns vorgenommen, doch zuerst die Bogner, das war der Plan. Blessuren wurden ignoriert, auch ein markerschütternder Schrei des Alpha, denn zwei von uns von den Beinen riss, konnte den Keil nicht aufhalten. Dann rollten die Köpfe der Bogenschützen mit einem grässlichen Grinsen von deren Schultern.

    »Bildet eine Gruppe! Schützt den Rücken!« waren die nächsten Kommandos. Es war zur rechten Zeit. Denn einige hatten doch zu sehr auf die Bogner eingedroschen, ohne an ihren Schutz zu denken. Ich sah sie, wie sie zu den Verbänden griffen, schüttelte meinen Kopf, doch was sollten sie tun. Wir schützen sie, so gut wir konnten. Doch alle schafften es nicht. Schließlich nahm ich meine beiden Dolche und führte einen hinterhältigen Schlag gegen den Hurlock Anführer. Er hatte schon einiges weggesteckt an Treffern, doch diesmal widerstand er nicht der Attacke und stand besinnungslos vor uns. Da gab es kein Halten. Einer meiner Gefährten schrie: »Für Ferelden!« Und das brüllten wir alle, als wir den Anführer in Stücke hauten. Einige aus seinem Kommando wehrten sich bis zum Schluss, andere verzogen sich. Doch von unseren wurden zwei übermütig und vergaßen die Gefahr. Kopfschüttelnd mussten wir mit ansehen, wie die sterbenden Hurlock sie grausig lachend mit in den Tod nahmen.

    Dann kam die zweite Treppe. Wir hatten geschaut, was es an Beute gab. Ein paar Giftflaschen, die wir fanden, nutzen wir. »Es sind zu wenige Heilmittel!« stellten wir fest. Dann griffen wir die Waffen, doch wir stürmten nicht los. Ich und einer meiner Begleiter waren in die Verschwiegenheit gewechselt, wollten erst sehen. Das war auch das Richtige. Denn die entkommenen Hurlocks hatten die anderen gewarnt. Ich sah neben diesen auch eilig errichtete Palisaden. Sie hatten Türen herausgerissen, Tische herbeigeschleppt. Und ich erkannte einen Faden, der in der schmalen Öffnung gespannt war. »Eine Falle!« zeigte mir mein Begleiter mittels abgestimmter Handbewegung. Gut, Sprengvorrichtung konnte entschärft werden, geräuschlos. Ich überlegte, was man tun könnte. Er zeigte mir mit einer Geste, wohin der Faden reichen sollte. Links und rechts der Öffnung standen einige Fässer. »Vermutlich ein Öl!« schlussfolgerte ich. Und weil ich selbst mehrere Brandfallen dabei hatte, positionierte ich diese unweit der Fässer. Er quittierte das mit zwei erhobenen Daumen, sein Lächeln konnte ich nicht sehen. Doch er wusste, was folgen würde. Er blieb im Rücken der Hurlocks und sah mich zurück schleichen. An der zweiten Treppe sagte ich einem meiner besten Krieger, er solle vorrücken, die anderen mitnehmen, aber nicht zu nah an die Barrikade gehen. Ich würde an ihm vorbei huschen und dann solle er mit allem, was er hatte, zeigen, was für ein Krieger er sei. Das gefiel ihm, denn unserer Rumgeschleiche war nicht sein Ding. Und so kam es, wie es kommen sollte. Er brüllte, dass es einem in den Knochen steckte, einige der Hurlocks rannten in die Sprengfallen, dieser zerstörten die Fässer und mein Begleiter schoss mehrere Brandpfeile in die sich träge ausbreitende Masse. Eine Explosion erschütterte die Etage und nahm einen beträchtlichen Teil der Hurlocks mit sich. Die anderen hatten keine Chance. Doch auch wir waren weniger geworden.

    Dann folgte eine weitere und schließlich die vierte Treppe. Danach waren wir noch zu dritt. »Geschafft!« sagte mein treuer Begleiter und wollte sich setzten, entspannen, ausruhen. Da scharrte es hinter der Tür. Also bin ich nachsehen, was es war. Auch mein Krieger solle warten, hatte ich ihm geraten.

    »Geht es Euch jetzt besser?« fragt diese dunkle, tiefe Stimme. Diese Stimme. Sie ist überall. Es ist so ruhig, so friedlich, so … und ich werde unendlich müde. Als meine Beine nachgeben wollen, vernehme ich zuerst das Klirren meiner Dolche, die auf dem Boden angekommen waren, dann das so oft gehörte Schwingen eines Schwertes und etwas fällt dumpf zu Boden. Blut spritzt auf. Ich bin wach und reiße meine Augen auf. Die Stimme, sie ist weg und sehe vor mir ein Ungetüm rückwärts zusammensacken. Dann fangen mich zwei starke Arme auf.

    »Es war ein Dämon der Trägheit, der da vor Euch gestanden hatte! Ich bin wohl zur rechten Zeit gekommen!« höre ich den Dritten mit rauer, vom Schreien geschundener Stimme sagen. »Das ist richtig!« antworte ich und höre mich sagen: »Lasst uns kurz rasten und anschließend nachschauen, dass wir keine übersehen haben!«
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  14. #54 Reply With Quote
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    Thema #10 • Der Inquisitor ...


    [Bild: DAI_Drachenangriff_K.png]
    ~ Bild 1 • Der Drachenangriff ~

    Er steht mit seinem Flammenschwert
    und sieht die Bestie rasant aus dem Himmel fallend,
    mit den Krallen seiner starken Beine
    den salzverkrusteten Sand der Wüste umpflügend,
    seine Gefährten hetzend auf sich zu kommen ...


    Hinweise: Schreibt, was Ihr empfindet bei dem Bild. Wird der Held in Eurem Post einen Namen bekommen? Wird er den Drachen aufhalten oder mit den Männern die Flucht ergreifen? Oder warum um alles stürzt sich ein Drache in diese doch eher »bescheidene« Truppe?

    [Bild: DAI_Kleidung_K.jpg]
    ~ Bild 2 • Kleider machen Leute ~

    Ob nun Krieger, Schurke oder Magier,
    es kommt doch immer wieder auf den ersten Eindruck an.
    Geht Ihr mit Eurem Char einfach so auf die Straße,
    zum nächsten Frauenzimmer
    oder zum Duell ohne vorher
    in den Spiegel geschaut zu haben?

    Hinweise: Schreibt was im Vorzug steht Aussehen oder Haltbarkeit oder vielleicht auch beides und vor allem was darf es kosten.
    Aufgabe:
    • Schreibt wenn Ihr möchtet unter Beachtung der Regeln eine Kurzgeschichte zu einem der beiden Bilder oder zu jedem. Benennt bitte in Eurem Post, zu welchem Bild und Thema Ihr schreibt.
    • Hinweise entnehmt Ihr bitte dem jeweiligen Bild.
    • Beginn ist der 27.04.2014 und die Möglichkeit zu diesem Thema Beiträge zu veröffentlichen ist unbegrenzt.
    • Ein Feedback, wer möchte, bitte im Diskussionsbereich
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  15. #55 Reply With Quote
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    Auf Wunsch von VRanger nochmals hier online gestellt. Wenn euch etwas gefallen hat, oder nicht, gerne Kritik beziehen. Ich bin immer an der Verbesserung meines Schreibstils interessiert.

    Der Drache im Sand

    Alle Augen im Raum waren auf ihn gerichtet. Der alte Soldat gnurpselte an einem hageren Stück Fleisch, während die Meute, die seinen Tisch umringte gespannt auf jedes Wort seinerseits warteten. Die Taverne war brechend voll denn wie ein Lauffeuer hatte sich das Gerücht verbreitet, ein Überlebender des Drachenangriffs vor zwei Wochen sei hier.

    Nun saß der Weißhaarige in der einzigen Taverne in Daine, einer holzwurmzerfressenen und windschiefen Bude deren Dach durch den Zahn der Zeit und die heftigen Sandstürme die zuweilen durch den Ort pfiffen teils abgedeckt und wieder notdürftig geflickt worden war. Aus den umliegenden Landen strömten Bauern, Kaufleute und einfaches Gesindel her, um von den Ereignissen zu hören die sich am Tage vorher zugetragen hatten. Die Taverne war nicht schwer zu finden, ihr halb zerfallener Dachgiebel überragte die einfachen Hütten des Dorfrests.

    Was ist das? Lammfleisch?“, schmatze der alternde Krieger und spuckte geräuschvoll die Knochenreste aus.
    Ja Herr“, antwortete die Magd, die ihm die üppige Mahlzeit gebracht hatte schüchtern.
    Nenn mich nicht „Herr, du bist nicht mein Weib! Und ein Adliger bin ich auch nicht!“, schnaubte er verachlich. „Und jetzt bring mir den besten Met hier!

    Schon eilte sie los um seinen Wunsch zu erfüllen, doch der dicke Wirt hielt sie auf. Wütend sah er auf den in eine einfache, abgegriffene Lederrüstung gehüllte Gestalt hinab.
    Ihr, Sir, werdet jetzt keinen Met mehr bekommen! Gestern Abend seid ihr in meine Taverne gekommen, habt umsonst in meinem besten Zimmer übernachtet, mein Essen gegessen und mein Bier leergetrunken. Ich habe euch nichts davon in Zeche gestellt, für euer Versprechen auf Antworten! Und doch sitzt ihr dort rum und lasst uns warten!

    Die Augen des Soldaten wanderten nach oben, sein Blick schraubte sich in den des Schankwirtes. Eines seiner Augen war milchig weiß und blind, das andere graugrün und wässrig. Er schien nie zu blinzeln. Das pausbäckige Gesicht des Wirtes errötete und hielt dem Blick der starren Augen des Alten nicht stand.
    Ihr wart nicht dabei! Ihr habt nicht den Tod gesehen, wie ich! Wer seid ihr, Mann? Ein Schankwirt in einem Dorf dessen Namen noch nie jemand außerhalb dieses Gebietes gehört hat?“ Der Alte wurde mit jedem Wort lauter.
    Ich komme aus Ferelden. Ich habe die Besetzung durch Orlais überlebt, die Erbschaftskriege, den Bürgerkrieg!“ Schreiend und spuckend schlug sich der Soldat jetzt an die Brust.
    ICH! Ich habe die Verderbnis überlebt! Ich war beim letzten Angriff dabei! Wenn ICH nicht gewesen wäre und mit meinen fereldrischen Gefährten, dann wäre keiner von euch hier!
    Ruckartig stand er auf, der alte Scheffel den er als Stuhl benutze stürzte polternd um. Die Meute in der Taverne gab keinen Laut von sich.
    Und jetzt habe ich einen Drachenangriff überlebt“, flüsterte der Alte nun, laut genug dass ihn auch der letzte Mann in der hintersten Ecke der totenstillen Taverne hören konnte.
    Und jetzt bringt mir meinen Met

    Zwei Becher Met später löste sich die Zunge des prahlenden Soldaten.
    Ihr wollte also wissen, was ich gesehen habe?“, lallte er.
    Jawohl. Es ist zwei Wochen her, da kamen ziehende Händler durch unser Dorf und berichteten uns, dass das Nachbardorf Baine, vollständig zerstört worden sei. Keiner von uns hatte eine Erklärung dafür und die Leute bekamen Angst. Wir sind keine Soldaten
    Nein, das seid ihr nicht. Nicht so wie ich“, brummte der Alte selbstzufrieden und klopfte stolz auf die schartige, verrostete Klinge seines Langschwertes, das neben im am Tisch lehnte.

    Der Wirt ignorierte diese Provokation und fuhr unbeirrt fort: „Und dann hörten wir, dass ein Drache gesichtet worden sei. Ein Drache! Wir hielten es zuerst für ein Gerücht, pure Einbildung. Doch dann hörten wir immer öfter Gerede über eine riesige, geflügelte Kreatur die sich langsam durch den Sand Nahe der Korarrensteppe schlängelte. Daraufhin sprach unser Dorfvorsteher bei Lord Quines in der Schwarzsandfeste vor. Er verlangte die Absicherung der Dörfer, die nicht nahe der alten Burg lagen…

    Die Meute erwartete, dass der Alte nun in die Geschichte einsteigen würde. Dieser sah in die gespannten Gesichter und holte er pfeifend Luft.
    Richtig! Und Lord Quines schickte uns aus. Eine ganze Kompanie wegen eines Gerüchtes in die Wüste der Korarrensteppe zu schickten, wir dachten die Sonne hätte sein Hirn schrumpfen lassen. Euch leichtgläubigen Pack kann man doch nicht trauen, dachten wir. Wir suchten fünf Tage und fanden doch kein Zeichen des Lindwurms. Am sechsten Tag liefen uns fliehende Händler in die Arme. Sie stammelten, dass ihre Karawane von einem namenlosen Schrecken angegriffen worden sei, ein Wesen dass den Himmel verdunkelte und die ewige Flamme von Andraste auf sie regnen lassen würde. Unser Hauptmann befahl uns der Sache nachzugehen
    Er nahm einen tiefen Schluck aus dem Krug. Ein paar Momente herrschte Schweigen in denen der Alte Stumm ins Leere blickte. Dann schlug er plötzlich mit der Faust auf den Tisch. Die Magd die dicht am Tisch stand schrie auf.

    Dann hat diese geflügelte Missgeburt uns angegriffen. Wir fanden die verbrannten Leichen und Wagen der Karawane und während wir uns umsahen stürzte sich diese Bestie auf uns. Die Händler hatten nicht gelogen. Bei dem ersten Überflug spuckte das Vieh Feuer und verbrannte den Hauptmann und die fähigsten Krieger unserer Kompanie… naja, alle außer mir. Der zweite Angriff kam fast ebenso unvorbereitet wie der Erste. Die Echse war gelandet und stürmte auf uns zu. Trotz seiner enormen Größe war der Drache unglaublich flink. Wir schossen Pfeile auf ihn ab, doch diese blieben nicht einmal in der Haut des Viehs stecken. Er schnappte nach uns. Ich konnte gerade noch rechtzeitig einen Satz zur Seite machen und stürzte unter einen der zerstörten Karren, der mein Bein einklemmte. Bewegungsunfähig musste ich zusehen, wie die Zähne des Drachen, lang wie Dolche und glänzend wie Silberit, meine Kameraden zerfetzten. Diese Drachen sind keine wilden Tiere. Er wusste ganz genau, von wo ihm Gefahr drohte. Versuchten die Männer ihm in die Flanke zu fallen setzte er seinen dornenbewährten Schwanz ein und peitschte sie durch die Luft, liefen sie weg um aus der Distanz zu schießen verfolgte er sie und zerquetschte sie mit einen monströsen Klauen. Große, glitschige Echse. Meine Freunde flohen und starben…“, seine Stimme zitterte.

    Wieder blickte er ins Leere. Gebannt hörte die Menschenmenge zu, keine sagte ein Wort. Das unfassbare Grauen von dem der Alte sprach schien auch sie erfasst zu haben.

    Und dann sah ich ihn. Einen Ritter ganz in Rot, mit einem Flammenschwert in der Hand. Zuerst dachte ich es sei die Heldin von Ferelden, die junge Dalish die den Erzdämon erschlug. Wie damals beim Sturm auf das besetzte Denerim. Ich habe sie gesehen, wie sie als Erste in die Bresche sprang, mit ihrer flammenden Klinge, nur in leichte Rüstung gewandt, als könnten ihr weder die Pfeile noch die Schwerter der Dunklen Brut etwas anhaben. So ein Bild vergisst man nicht. Der rote Ritter jedoch war jemand anderer. Ein Mensch, ein Mann. Ganz alleine stellte er sich dem Ungetüm während um ihn herum die Männer des Lords flüchteten. Mit festem Blick nahm er den Kampf auf. Auch der Drache ließ von seinen Opfern ab, als wüsste er dass nur der Ritter mit dem Flammenschwert zählte“.

    Der Weißhaarige war nun voller Ehrfurcht.
    Mit fast kindlicher Bewunderung fuhr er fort: „Der Drache spuckte Feuer doch der Ritter rollte sich hinter einen Sandstein. Dieser schmolz beinahe bis zur Hälfte, als der Drache sein Höllenatem spie. Dann erhob der sich in die Lüfte um dem Ritter seine Deckung zu nehmen. Wie will man sich gegen so etwas verteidigen? Der Drache schwebte flügelschlagend zu der Deckung des Ritters. Schon dachte ich er würde dessen Leben gleich in grellem Licht beenden, da trat der Ritter mutig hervor und schleuderte dem Drachen mit einem mächtigen Wurf sein Schwert entgegen. Er traf ihn im Flügel. Dort steckte es und brannte noch immer. Der Drache war ebenso überrascht wie ich von der waghalsigen Aktion des Ritters. Doch mit einem juckenden Schwert im Flügel kämpft es sich schlecht, also drehte er seinen mächtigen Kopf zur Seite um die Klinge aus seinen Spannhäuten zu ziehen. Mit einem Ruck entfernte er das Eisen, anscheinend genauso wie es der Ritter geplant hatte. Die Klinge war mit Widerhaken versehen und riss ein schmerzhaftes Loch in den Flügel. Vom Schmerz gepeinigt landete der Lindwurm im staubigen Sand der Steppe

    Der Alte war nun außer Atem so sehr hatte er sich in Raserei geredet. Japsend rang er nach Luft, während er den Kampf scheinbar in jeder Einzelheit durchlebte.

    „Diese Chance nutze der Ritter. Er stürmte auf den Drachen zu, der noch immer seinen verwundeten Flügel betrachtete, hob die brennende Klinge noch im Laufen auf und ehe der Drache oder ich uns versahen stand der Ritter dicht bei ihm. Mit einem einzigen Hieb gegen den Schädel der Bestie brachte er ihn aus der Fassung. Wild stampfend und völlig überrascht von der Macht eines einzelnen Mannes brüllte das Vieh auf. Der Ritter schwang das Schwert in einem ausschweifenden Bogen herum und versenkte es tief im den Eingeweiden des Drachen. Noch immer brüllend stütze die Bestie nach vorne und versuchte, blind vor Wut, den Ritter zu packen. Dieser zog nun ein zweites, viel kleineres Schwert mit goldener Klinge hervor. Der Drache schnappte zu und wieder wich der Ritter aus. Diesmal packte er jedoch eines der gewaltigen Hörner des Lindwurms und schwang sich, trotz schwerer Rüstung aus den Kopf des Wesens. Ich hörte wie er etwas rief, konnte aber nicht verstehen, was es war. Dann trieb er das Kurzschwert genau in die Stirn des Drachen. Dieser jaulte und fauchte, doch war sein Schicksal besiegelt. Drachen sterben offenbar schnell, denn es gab keinen langen Todeskampf. Der tote Körper schlug donnernd der Länge nach auf den Boden auf. Der Ritter rollte sich ab und stand als Sieger vor dem Besiegten.

    Ich rief ihn zur Hilfe. Er kam auf mich zu, mit elegantem Schritt, so als wäre jeder seiner Tritte mir Bedacht gesetzt. Bei mir angelangt hob er den schweren Holzkarren hoch als wäre er aus Stroh gefertigt. Ich fragte, wem ich meine Rettung verdanke und mit einer Stimme so rau wie der Wüstensand, antwortete der Ritter: „Der Inquisition. Andraste möge dich leiten!
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  16. #56 Reply With Quote
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    Franz betrachtete sich kritisch im Spiegel. Er drehte sich nach links und dann nach rechts. Zufrieden drehte er sich um und blickte über seine Schulter um seine Rückseite zu kontrollieren. Die Schmerzen, die er bei diesen unnatürlichen Verrenkungen hatte, nahm er in Kauf. Von nichts kommt eben nichts. Perfekt. Nun ja, fast perfekt. Er drehte sich wieder mit der Vorderseite zum Spiegel und funkelte wütend sein Spiegelbild an. Er war von Kopf bis Fuß perfekt. Nein, das war gelogen. Er war nur von Hals bis Fuß perfekt. Sein Kopf, sein vermaledeiter Kopf oder besser gesagt das fehlende Haar…

    Er erinnerte sich mit unendlicher Traurigkeit an frühere Zeiten. Als er noch volles, lockiges und dichtes Haar besaß um das ihn sogar die Templer beneideten. Doch dann, ganz plötzlich und über Nacht, verlor er seine prächtigen Locken. Nicht einmal die besten Heiler konnten ihm helfen. Keiner wusste warum er plötzlich kahl war. Es war ein Streich eines Neiders, dessen war sich Franz sicher. Leider konnte er niemanden überführen. Doch wenn er den Schuldigen je in die Finger bekam dann war ihm ein Feuerball oder zwei gewiss.

    Er schielte zu dem Hut, der auf dem Bett lag. Es war ein hübscher Hut. Schwarz und mit einem orangefarbenen Band geschmückt. Eine Seite war kunstvoll nach oben geschwungen. Franz liebte diesen Hut. Er gab ihm ein verwegenes Aussehen und vor allem verdeckte er seinen Makel. Natürlich wäre es besser er würde keine Kopfbedeckung benötigen. Laut fluchte der Inquisitor ob dieser Ungerechtigkeit.

    Geübt setzte er seinen Hut auf. Noch einmal drehte und wendete er sich vor dem Spiegel. Mit einem Nicken, das seine Zufriedenheit ausdrückte, verließ er sein Zimmer.


    Der Kampf war hart und Franz war ziemlich erschöpft. Seinen Begleitern ging es nicht besser. Doch sie mussten sich zurück in die Burg begeben, denn weit und breit gab es keine Übernachtungsmöglichkeit. Franz hatte außerdem nicht vor im Freien zu übernachten. Es wäre grauenhaft, wenn die anderen von seinem Makel erfuhren. Der Erbauer jedoch schien es nicht gut mit dem Magier zu meinen. Eine kräftige Windböe blies seinen Kopfschutz herunter und Franz schrie erschrocken auf. Nun wusste jeder davon. Den Erbauer verfluchend stapfte der Magier zu seinem Hut. Seine Gefährten, die überraschend ruhig waren, ignorierte er. Er bückte sich gerade um seinen Hut aufzuheben, als plötzlich eine Nug auftauchte. Waren diese normalerweise nicht unter der Erde?

    Die Nug schnüffelte an seinem Hut. „Aus! Das gehört mir.“ Doch die Nug hörte nicht auf den Inquisitor. Sie schnappte sich die Kopfbedeckung und rannte davon. Es war ein merkwürdiger Lauf des kleinen Tieres mit ihrer viel zu großen Beute. Franz schrie wieder schrill auf und verfolgte den Dieb. Doch die Nug war schneller und klüger. Bald war sie spurlos verschwunden und mit ihr der Hut des Magiers. Dieser wurde abwechselnd rot und weiß im Gesicht. Nun, um ehrlich zu sein betraf dieser Farbwechsel den ganzen Kopf. Varric starrte nur mit großen Augen auf den Magier. Sollte er es riskieren ihn anzusprechen? Noch bevor er seinen Mund aufmachen konnte ergriff Cassandra das Wort – und machte alles nur noch schlimmer.

    „Inquisitor. Wir haben keine Zeit diesen Nug zu verfolgen. Es wird bald dunkel und wir müssen los, falls wir die Burg vor Einbruch der Nacht erreichen wollen. Ich bin mir sicher Ihr könnt bei einem der Händler einen anderen Hut kaufen.“ Varric schüttelte nur den Kopf. Überlasse es der Sucherin die Sache vom falschen Ende anzupacken. „Sucherin…“, fing Varric an, doch er kam nicht weiter als der Magier das Wort ergriff.

    „Einen anderen? Sagtet Ihr einen anderen? Niemals gehe ich so zurück in die Burg. Es ist schon schlimm genug, dass ihr mich so gesehen habt. Wie soll ich so vor meine Anhänger treten?“ Panisch sah der Magier sich um. „Ihr habt mich gesehen. Ihr habt mich in meiner Schmach gesehen.“ Die Stimme von Franz wurde immer schriller und hysterischen und bald schon klingelte es in Varrics Ohren. Plötzlich starrte der Magier die Beiden an. Varric gefiel dieser Blick gar nicht. „Ich weiß“, sagte Franz, „ich muss Euch töten. Nur so wird mein Geheimnis gewahrt.“ Varric hob abwehrend die Hände. „Beruhigt Euch, ich…“ Weiter kam Varric nicht als Cassandra erneut das Wort ergriff. „Was ist an einer Glatze so schlimm? Andere Männer haben auch Glatzen.“ Der Zwerg starrte Cassandra fassungslos an und trat ein paar Schritte von ihr weg. Sie selbst schien zu bemerken, dass sie den Inquisitor noch wütender gemacht hatte und versuchte zu beschwichtigen. „Eine Glatze ist durchaus attraktiv. Es gibt Frauen, die das mögen, so wie Bierbäuche.“

    Der Zwerg seufzte leise. Cassandra mag eine herausragende Kämpferin sein, doch ihr Umgang mit anderen Menschen ließ manchmal zu wünschen übrig. Zu ihrem Schutz musste Varric jedoch gestehen, dass Franz eine sehr… schwierige Persönlichkeit hat um es vorsichtig auszudrücken. „Sucherin“, sagte er leise ohne seinen Blick vom Magier zu wenden, der so aussah als würde er gleich explodieren, „überlasst mir das Reden.“ Die junge Frau nickte nur leicht und Varric wandte sich an den Magier.

    „Inky. Beruhigt Euch. Niemand wird Euch so sehen. Keine Sorge, ich sorge dafür, dass Ihr ungesehen in Eurer Gemach kommt.“ Franz sah den Zwerg an. Er war kurz davor einen Feuerball auf diese unverschämte Frau zu werfen. „Varry, Ihr habt Glück, dass ich Euch mag. Sprecht rasch.“ Varric schauderte leicht bei diesem üblen Spitznamen, mit dem ihn der Inquisitor bedacht hatte. Doch er würde sich nicht beschweren. Zumindest im Moment nicht. Zwerge mögen eine hohe Magieresistenz haben, aber sie sind nicht immun. Also fuhr er fort. „Wir haben doch ein paar Tiere erledigt. Ich habe Nadel und Faden dabei. Ich denke, wir könnten eine Kopfbedeckung nähen, die Ihr tragen könnt. Vorübergehend natürlich. Das versteht sich von selbst. Ich übernehme höchstpersönlich die Erwerbung eines neuen Hutes. Cassandra und ich werden selbstverständlich nichts über Euer, ähm, Problem sagen. Das schwöre ich beim Grab meines Bruders.“ Cassandra nickte nur zustimmend.

    Franz dachte ernsthaft darüber nach und Varric atmete erleichtert auf. Doch dann ergriff Cassandra wieder das Wort. Sie kramte in ihrer Tasche und holte etwas hervor. Dann wandte sie sich dem Magier zu. „Ich habe hier eine Kopfbedeckung übrig. Sie gehörte einem Magier aus Ferelden. Es ist eine Art Glücksbringer für mich. Hier, Ihr könnt sie gerne benutzen.“ Sie drückte dem Magier die Kopfbedeckung in die Hand. Franz starrte mir Horror auf dieses… dieses Ding. „Das soll ich tragen? Das.. das… das ist nicht Euer Ernst.“

    Der Hut flog in hohem Bogen durch die Luft. Noch bevor er den Boden berührte verwandelte ein Feuerball die Kopfbedeckung in Asche, die langsam zu Boden rieselte. Ein weiterer Feuerball folgte und verwandelte die Asche in, nun ja, noch feinere Asche. Nicht einmal ein Blutmagier könnte diesen grässlichen Hut wieder auferstehen lassen. Ein dritter Feuerball folgte. Nur um ganz sicher zu gehen.

    Cassandra und Varric starrten schweigend auf das, was einmal ein Hut war. „Er mochte diesen Hut wirklich nicht“, sagte Cassandra leise. Varric verkniff sich, auch wenn es ihm sehr schwer fiel, jeglichen Kommentar. Die Sucherin hatte gerade ihren Glücksbringer verloren. Vorsichtig streichelte er Bianca. Ja, er konnte ihren Verlust nachvollziehen.

    Wie geht es weiter? Wird Franz ohne Hut in die Burg gehen? Wird er alle töten, die ihn ohne seinen Hut gesehen haben? Was ist mit der Nug? Lest selbst: im 2. Teil der Hut-Saga.
    Annalena is offline
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    Chirotocae – Teil 1 • Bild 2

    Matthias trug sie gern seine fingerlosen Handschuhe. Er war sich bewusst, dass sie Insignien eines Barons in Form von je einem kunstvoll gewobenen Band aus gediehenen Silber jedem Blick offenbarten. Ebenso war die mit eingewebten Goldfäden in den am Stulpenende verlaufenden Prokatbändern ein offensichtlicher Blickfang. Diese in gutem Hirschleder gefertigten Handschuhe ermöglichten zum einen dauerhaft festen, sicheren Griff, wenn es galt einen Stab als Waffe geschickt zu gebrauchen. Zugleich ermöglichten sie das Spiel der Finger, wenn es galt astrale Fäden für einen Feuerball zu verweben. Er war ein begnadeter Handzauber, zu mindestens glaubte er das. Oder alle, die ihm bisher widersprochen hatten, taten dies nur ein einziges Mal.

    Es war eine Laune gewesen, die ihm zu diesen wunderbaren Stücken geführt hatte. Er war auf dem Hof eines gut angesehenen Barons in Val Royeaux, um dort seine Künste anzubieten. Einer aus dem Volk der Gaukler mochten sie gedacht haben, hatten die Gäste sicherlich vermutet, als er den Saal betrat. Sicher hatte er wegen seiner erlesenen Bekleidung Einlass gefunden. Denn vom Schick und Zeitgeschmack konnte er es mit einigen der doch überwiegend als dem Adel stammenden Anwesenden aufnehmen. Doch dann hatte er beim »Vorstellungsgespräch« einen kleinen Eiszauber gewirkt. Derart entzückt, dass die Wasserschale des Pagen, der sie wie gewohnt den zahlreichen Gästen nach einem voluminösen Gang des Stunden währenden Gastmahles reichen wollte, nun vollständig gefroren war, hatte die Freifrau mehr als das Übliche laut Beifall geklatscht. Von dem Zauber aber auch dem doch jugendlichen Ausbruch der jungen Dame hatten sich die anderen Gäste angeschlossen und mit „Bravo“, „Sensation“, „Wunderbar“ begleitet.

    Er, Matthias, war eingeladen worden, doch am Feste teilzuhaben und doch das eine oder andere Kunststück zu offerieren. Das tat er auch. So löschte er eher im Vorbeigehen alle Kerzen an den drei großen im Saale hängenden Kronleuchtern. Diese Stücke hatten je vier Ringe an Kerzen. Die unteren von diesem und dem übernächsten folgenden Ringe waren wie ein Kleeblatt ausschwingend gestaltet. Pro Ring waren gut 30 von den Taglichtern zu zählen. Die Dienerschaft hatte diese an gut verborgenen Seilen Stunden vorher herabgelassen und Stück für Stück angezündet. Die schlagartige Dunkelheit, welche nur von dem Licht der in bleigefassten Verglasung in wenigen schwach schimmernden Streifen der untergehenden Abendsonne gebrochen wurde, machte sich ein Murmeln unter den Gästen des Barons breit. Sicher hier in Orlais war nicht mit schlimmen Dingen zu rechnen. Doch weil man nie wusste, was noch folgen würde, rückten Gastgeber und Geladene merklich näher an die Tische, suchten Orientierung.

    Genau so rasch, wie sich der große Saal verdunkelt hatte, genauso schnell griff der Glanz des Lichtes um sich. Nur diesmal nicht auf einen Schlag, sondern zuerst der Kronleuchter, der dem Baron am nächsten war und dort nur der untere Ring. Dabei lief das Feuer von außen, den äußeren Enden der kleeblattförmigen Anordnung parallel nach innen. Ein „Oh“, ein „Ah“ begleitete das Kunststückchen. Schnell folgten die beiden fehlenden Lüster nach. Bei den nächsten Ringen variierten Zeitraum und Reihenfolge. Dann folgte nichts. Erstaunt begannen die Gäste, der Baron und seine noch junge Gemahlin zu murmeln, es würden ja noch zwei der Ringe fehlen. Dabei begannen sie mehr und mehr ihren Blick von den Ringen auf Matthias zu wenden. Fragen bohrten sich nicht ausgesprochen, aber laut gedacht durch den Raum. Sollte es das schon gewesen sein?

    Er, der Magier, genoss das Schauspiel und er beobachtete die junge Frau an der Seite des Gastgebers. Er schätzte sie auf 17, vielleicht auf 18 Jahre. Sie trug ein langes rotes, von Goldfäden durchzogenes Kleid. An den Ärmeln zeigten sich pluderartig weißblaue Seidenstreifen. Ein dunkler Gürtel, locker und leicht schräg an der Taille sitzend, umspielte die sehr schlanke Figur der Baronin. Ihr dunkelblondes Haar fasste ein mit zahlreichen Edelsteinen besetztes Diadem. In diesem spiegelten sich die aufflackernden Kerzen. Für einen winzigen Moment kreuzten sich die Blicke der beiden. Der Magier beschloss nicht länger die Situation auszukosten, hob die Hände in gekonnter Weise, astrale Fäden webend und sagte, wohl wissend, dass jetzt auch wirklich jeder auf ihn schauen würde: »lux lucum!« Was etwa so viel bedeutete, wie »Licht den Lichtern!«

    Es entflammten sich jetzt von einem Wimpernschlag zum nächsten alle noch nicht brennenden Kerzen. Aber nicht so einfach, wie man es beschreiben kann. Nein! Winzig kleine Schweifbahnen, wie man sie von Glühwürmchen kennt, durchwebten den Raum um die Kronleuchter. Doch im Unterschied zu den sonst bekannten Flugbahnen dieser in Val Royeaux sehr gemochten Leuchtkäfer, erstrahlten die im Saal in den Farben eines Regenbogens. Mit diesem Farbspiel wichen auch die Fragen und die Gemüter wechselten in Aufregung, Freude, Erstaunen, aber auch in gewisse Ungläubigkeit.

    Matthias war augenblicklich als Hofmagier engagiert. Er erhielt ein Platz am Kopfende der zwei langen Tischreihen, dort wo Baron, dessen Ehefrau und noch weitere dem Gastgeber sehr zugetane Gäste saßen. So in der Nähe der jungen Baronin sitzend konnte er nicht nur ihre Jugend, ihr zarte Haut bewundern. Auch ihre Art am Glas zu nippen, nur wenige Bissen der eben gebotenen Wachteln, die zu dem mit feinsten Trüffeln gefüllt waren, zu verspeisen, imponierten den Magier. Und kurze Blicke verdeutlichten ihm, sie war an ihm interessiert. Das verwunderte Matthias nicht.

    Der Baron war ein stattlicher Mann, doch hatte er seine besten Jahre hinter sich. Und wie es bei solchen Treffen oft vorkommt, die Männer erzählen über ihre Waffentaten, ihre Erfolge, berichten von der weiten Welt. Diesen Vorträgen hatte die anwesende Damenschaft ehrfurchtsvoll zu lauschen. Nur Äußerungen aus Bewunderung waren willkommen. Man sah der Baronin an, sie langweilte sich und die kleine Kaprice des Magiers hatte für mehr Unterhaltung gesorgt, wie sie erwarten konnte. Umso mehr erfreute sie sich, dass ihr Mann auf der Stelle den doch sympathisch und auch attraktiv aussehenden, zu dem der Feierlichkeit angemessen gekleideten Mann, als Hofmagier verpflichtete. Und so beschloss sie, ihn nach der Feier zu sich zu bitten. Sie wollte mehr erfahren über diese Magie, bei denen er so gekonnt die schlanken Hände mit den wunderbar geformten Fingern bewegte …
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  18. #58 Reply With Quote
    Held Shepard Commander's Avatar
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    Über den Zwiespalt eines Templers in seiner schwersten Stunde (allerdings keine komplette Geschichte, ist doch etwas später, als gedacht )

    Ein grauenvoller Moment. Ich kann das Schreien der Magier, das kreischen der Abscheulichkeiten und das Zischen von Schwertern, die gezogen werden noch hören. Wenn ich die Augen schließe sehe ich diese scheußliche Fratze des Dämons, die einmal dem Bibliothekar gehörte. Ich höre noch den Hass in seiner absurd verzerrten Stimme, während mich Augen verschwommen ansehen. Es wartet darauf, dass ich angreife! Doch ich konnte es nicht tun, ich konnte den Streich nicht ausführen. Ein Moment des Mitleids erfasste mich, als ich an den alten, weißhaarigen Mann dachte, der immer so nett gelächelt hatte. Im nächsten Moment fuhr eine krallenbewehrte Klaue auf mein Gesicht nieder. Nur meinem breiten Eichenschild habe ich es zu verdanken, dass ich diese Geschichte erzählen kann und ich nicht zerrissen auf dem Steinboden des Zirkel-Turms liege.

    Wie konnte es bloß dazu kommen? Was haben wir falsch gemacht? Wir Templer sollten die Magier schützen, vor allem vor ihnen selbst. Viele von ihnen waren meine langjährigen Freunde. Sie so gesehen zu haben, die Fetzten ihrer makellosen Roben noch an den aufgedunsenen, blutüberströmten Körpern erkennbar, erschütterte mich aufs Tiefste.
    Natürlich hatte ich schon von Abscheulichkeiten gehört. Von dem Wahnsinn und Blutrausch, den ein Dämon im Körper und in der Seele eines Magiers anrichtet.

    Ich habe schon oft andere Templer davon sprechen hören. Die meisten von ihnen sprachen voller Hass von Abscheulichkeiten, anderen versagte ihre Stimme. Nun kann ich sie alle verstehen.

    Sir Emile du Chateau, ein Templer-Leutnant aus Orlais hatte angeblich schon 100 Abscheulichkeiten erschlagen. Wenn er von den furchterregenden Wesen sprach, die aus den Körpern der Magier heraus platzten, dann mit einer Abgeklärtheit und unnatürlichen Kälte.

    So war es nicht verwunderlich, dass viele meiner Templerbrüder und ich nach der ersten abgewehrten Angriffswelle in der Bibliothek zu seinem Quartier im zweiten Stock aufbrachen.

    Unsere Reihen lichteten sich unter den anhaltenden Angriffen dieser monströsen Wesen. Verzweiflung machte sich breit. Doch mit letzter Kraft schafften wir es, diese Teufel zurückzudrängen, zumindest vorerst. Einer der neuen Rekruten kniete vor dem Wesen, das wir gerade erschlagen hatten.
    Er umklammerte seine Knie und schaukelte wie in Trance vor uns zurück. Dabei wimmerte er, dass er doch gerade vor einer Stunde noch mit dem Toten geredet und gelacht hatte.
    "Wo ist Kommandant Greagoir
    ?", fragte einer der Templer. Ratlos schüttelte ich den Kopf.
    "Wer hat jetzt den Befehl?", fragte er weiter. Ich überlegte, dann antwortete ich: "Leutnant Emile! Wir müssen zu ihm, rasch!"
    Wir packten den noch immer wimmernden Rekruten bei den Schultern und zerrten ihn mit uns. So schnell wir in unseren laut scheppernden Plattenrüstungen konnten rannten wir durch die weiten, steinernen Räume verfolgt von dem unnatürlichen Kreischen der Abscheulichkeiten.

    Über die steile Treppe gelangten wir zu einer der großen Hallen, in denen Statuen auf hohen Sockeln stehen, immer von Oben auf uns herabschauend, als würden sie uns beobachten. In der Halle waren etwa 12 Magier und drei Templer. Sie schienen von dem Tumult noch gar nichts mitbekommen zu haben. Ich rief den Templern zu, sie sollten sich uns anschließen und einen Schildwall gegen eventuelle Verfolger bilden. Verwirrt aber gehorsam folgten sie dem Befehl und schlossen sich mit dem Rest unserer Einheit zusammen. Die Magier flohen in ihre Schlafgemächer, als sie erkannten, wie ernst die Lage war. Nur einer der Magier, der junge Danal floh nicht. Er bestand darauf bei uns zu bleiben und mit heilenden Zaubern zu unterstützen. Mir war jede Hilfe recht, zudem hatte ich überhaupt keine offizielle Befehlsgewalt. Die anderen Templer hörten lediglich auf mich, weil ich als erster das Wort ergriffen hatte.

    Wir eilten den kreisrunden Gang hinunter, vorbei an eisenbeschlagenen Eschenholztüren, die mit schweren Riegeln vor dem unfassbaren Grauen verschlossen wurden und vorbei an entsetzten und panischen Gesichtern von Magier, die noch nie in einer derart bedrohlichen Lage waren.

    Vor Sir Emiles Zimmer bedeutete ich meinen Gefährten anzuhalten und einen Schildwall gegen eventuelle Verfolger zu bilden. Dann hämmerte ich mit meiner panzerhandschuhbewährten Faust gegen die Holztür. Stille. Schon befürchtete ich, Emile sei alleine aufgebrochen um den Dämonen entgegenzutreten oder schlimmer noch, er sei tot.
    Doch dann hörte ich eine mürrische Stimme dumpf durch die Tür antworten: „Herein!

    Ich drückte gegen die Tür, sie bewegte sich aber nicht.
    Es ist abgeschlossen, Sire!“ antwortete ich.
    Ich öffne sie. Einen Moment!
    Kreischend drehte sich ein Schlüssel im Schloss, dann sprang die Tür auf.

    Ein seltsames Bild war da vor meinen Augen. Der Leutnant stand inmitten seines Schlafgemachs. Er war jedoch nicht allein. In seinem Bett auf der entgegenliegenden Seite des Zimmers entdeckte ich eine liebreizende Elfe. Ich erkannte ihr Gesicht, ihr Name war Eliza. Sie war anscheinend vollkommen unbekleidet und verdeckte ihre Blöße mit der Decke des Leutnants. Sir Emile trug ein bauschiges Hemd mit dazu passender Hose. Feinste orlaisianische Seide von intensivem Rot, bestickt mit der gelb leuchtenden Sonne, dem Wappen der Templer.

    Sir Emile an sich war von stattlicher Größe, mit lockigen rabenschwarzen Haaren und einen ebenso schwarzen, gepflegten Bart auf der Oberlippe und am Kinn. Seine eisblauen Augen funkelten mir mit derselben Entschlossenheit entgegen, die er stets an den Tag legte. Er hatte ein markantes Kinn, hohe Wangenknochen und dichte Augenbrauen. Das einzige, was seiner sonst doch fürstlichen Schönheit einen Abbruch tat war die tiefe, silbrig glänzende Narbe, die unterhalb des linken Auges begann und sich fast sichelförmig bis zum Kinn zog.
    Der Leutnant sah mich mit gehobener Augenbraue an.

    Kann ich euch helfen, Ritter?“, fragte er mit leichtem Spott in der Stimme. Er lächelte schräg. Offensichtlich genoss er die stumme Anerkennung, die man ihm aufgrund der schönen Frau in seinem Bett entgegenbrachte.

    Sire, etwas Schreckliches ist passiert! Die Magier, sie drehen durch! Manche von ihnen…

    Das Lächeln versagte sofort. Emiles Mine versteinerte sich. Mit einer Hand forderte er gestikulierend zum Weiterreden auf.

    „… sie verwandelt sich in Dinger! Scheußliche Kreaturen mit Klauen so lang wie Dolche! Oh Erbauer, hilf uns!“, brach es aus dem Rekruten, den wir aus dem unteren Stockwerk mitgeschleppt hatten, heraus.

    Mit wenigen, schnellen Schritten durchquerte Emile das Zimmer. Schon packte er den jungen Rekruten an den Schultern und redete auf ihn ein.

    Was für Dinger? Was für Dinger, Junge? Abscheulichkeiten?
    Der Rekrut begann wieder zu wimmern. Sein Gesicht verzog sich zu einer gequälten Miene.
    Emile redete weiter auf ihn ein, doch der Rekrut schüttelte nur schweigend den Kopf. Der Leutnant versetzte ihm daraufhin eine schallernde Ohrfeige und wandte sich mir zu.

    Was für Dinger“, fragte er mit Beharrlichkeit.
    Abscheulichkeiten, Dämonen, vielleicht sogar ein paar Schatten, Sire!“, antwortete ich wahrheitsgemäß.
    Und… Blutmagier? Habt Ihr auch Blutmagier gesehen?“
    Ich schüttelte den Kopf, blickte aber ebenso wie Emile fragend in die Runde aus waffenstarrenden Templern.

    Sire! Ich glaube ich habe Blutmagier gesehen, Sire!“, rief ein Templer und löste sich aus der Formation. Emile winkte ihn heran und befahl ihm zu berichten.
    Ich sah drei Magier, wie sie miteinander sprachen und verstohlene Blicke austauschten. Dann nahmen sie sich bei den Händen, was mir schon sehr sonderbar vorgekommen war. Der eine Magier verzog seltsam das Gesicht, als hätte er sich geschnitten oder irgendwie anders Schmerzen zugefügt. Dann zogen sich die Drei in eine stille Ecke in der Bibliothek zurück. Und nur kurz danach kam aus jener Ecke eines dieser hässlichen Wesen hervorgekrochen“

    Wieder wandte sich Emile mir zu.
    „Wie ist die Lage in der Bibliothek?“
    Aussichtslos. Die meisten unserer Brüder fielen bei der ersten Welle. Sie traf sie vollkommen unvorbereitet, viele hatten nicht einmal ihren Schild bei sich. Die Bibliothek ist verloren und jetzt in Feindeshand, Sire!“
    Emile zupfte sich nachdenklich am Spitzbart.
    „Wir müssen zurück in die Bibliothek. Sie ist nicht in Feindeshand. Dämonen sind wie tollwütige Tiere. Sie werden von dem Drang zum Töten angetrieben und wollten ihre diabolische Saat in fremde Wirtskörper pflanzen“
    Mit einem Blick auf Danal fügte er hinzu: „In Magierkörper…“

    Plötzlich flammte wieder wilde Entschlossenheit in seinen eisblauen Augen auf. Er packte mich an der Schulter und eröffnete feierlich:
    Mein Bruder, seid ihr bereit alles Nötige zu tun, um diese Flut des wahrhaft Bösen aufzuhalten, auf das uns der Erbauer beistehe?“
    Ich nickte, schluckte trocken und antwortete „Natürlich, Sire“
    Gut, dann werden wir uns zur Bibliothek begeben und eine Schneise durch die Reihen der Monsten schlagen, bis zum Haupttor! Wir müssen es verbarrikadieren und halten, was es auch kostet. Sollten wir dann noch genügend Männer und Kraft haben, werden wir versuchen Kommandant Greagoir zu finden und uns neu zu formieren.

    Ermutigend sah er in die teils behelmten Gesichter seiner Kameraden.
    Wir müssen die Dämonen daran hindern, den Turm zu verlassen! Wir nutzen ihre Sucht nach Magiern aus. Sie werden auf ihrer Jagd nach Opfern und Verbündeten den ganzen Turm durchkämen. So haben wir die Chance, eine Verteidigungsstellung zu etablieren und Gegenangriffe zu koordinieren“
    Die Worte des Leutnants klangen einleuchtend und zum ersten Mal seit Beginn der Angriffe fasste ich Mut und Hoffnung.

    „Der Erbauer hat uns eine wahrlich schwere Prüfung auferlegt, meine Brüder! Denn nichts ist schmerzlicher als gegen jene zu kämpfen, die man einst zu schützen schwor. Ja, wir haben versagt und nun bleiben ihnen nur der Tod und die Gnade des Erbauers. Aber wir können noch jene schützen, die dort draußen leben, weit entfernt von dem Terror im Turm. Unser Versagen hier darf nicht zu ihrem Nachteil sein!“

    Die Rede packte die Männer bei ihrer Ehre. Auf einmal schienen sie sich wieder daran zu erinnern, was es bedeutet ein Templer zu sein. Sie fürchteten den Tod nicht mehr. Sie hatten nun Leben zu beschützen! Einige von ihnen stießen Beifall und Jubelrufe aus.

    „So dann, nehmt euren Schild auf mit festem Griff. Streckt ihn dem Feind entgegen und schreit ihm ins Gesicht: Dies ist nicht deine Welt, Dämon! Verlasse Sie! Du wirst nie wieder eine irdische Seele plagen!
    Er deutete mit weitläufiger Armbewegung in Richtung der Treppe zu dem unteren Stockwerk.
    Wir sind Templer! Wir fürchten weder Tod noch Verderben! Sammelt euch, Brüder! Wartet bei der Treppe und gemeinsam holen wir uns die Bibliothek zurück!“

    Unter Jubelschreien und dem Aufschlagen ihrer Waffen auf den Schilden rückten die Männer ab.
    Nur Emile, die Elfe Eliza und ich waren noch in dem Zimmer. Emile sah mich an, er lächelte wieder. Mit ein paar Schritten war er beim Bett, neben dem seine glänzende Rüstung sorgsam aufgereiht stand.
    Was dann passierte kam so plötzlich und bereitete mir unaussprechliches Grauen.

    Emile stand neben dem Bett, doch anstatt nach der Rüstung zu greifen, packte er die ihm nahe Eliza am Hals und begann zuzudrücken. Eliza war ebenso überrascht wie ich. Unter Zunahme von seinem Gewicht, drückte er Eliza in das Bett. Sie japste und rang nach Luft, ich eilte herbei, von Panik fasst überwältigt. Schon wollte ich des Leutnants breite Schultern packen und ihn mit Gewalt von dem jungen Mädchen entfernen doch dieser fauchte mich an.

    Lasst es sein, Ritter! Ich tue nur, was notwendig ist!“

    Ich war wie versteinert. In Emiles Blick spiegelte sich Wahnsinn, während Elizas große grüne Augen mich flehend anriefen. Ich hörte den Leutnant um Vergebung bitten, während seine an dem dünnen Elfenhals wie Pranken erscheinenden Hände erbarmungslos zudrückten. Die schwachen, wehrhaften Zuckungen von Eliza halfen nicht.
    "Herr... bitte nicht...", schluchzte Eliza hoffnungslos.
    Emiles Augen traten aus den Höhlen, sie starb wohl nicht so schnell, wie er gedacht hatte. Kurz zögerte er, dann legte er die Daumen auf die Luftröhre und presste erneut.
    Ich glaube gerne daran, dass er einen Moment Mitgefühl und Gnade hatte und von der Tat ablassen wollte. Dass es ihm kein Vergnügen bereitete…
    Schließlich erschlaffte Elizas Körper und die flehenden Augen wurden zu einem sterbenden, verzweifelten Starren.
    Und dann... war sie tot.

    Ich hatte den Tod schon in den Augen von Sterbenden gesehen, aber oftmals lag Güte und Vergebung in ihm. Manchmal Hass oder Verwunderung. Aber diese einstmals so wunderschönen, flackernden Augen zeigten nur Tod und hinterließen bei mir Grauen und Furcht. Noch heute sehe ich diese letzten Augenblicke des Mädchens. Ermordet von einem Templer, der nur Minuten vorher von dem Schutz Unschuldiger sprach. Wenn ich an all die Gräuel und die abstrakt verdrehten Körper denke, den Schrecken im Turm, dann verfolgt mich letztlich doch nichts mehr, als diese sterbenden Augen einer schönen, jungen Elfin, die nichts Böses getan hatte.

    Keuchend richtete sich Emile auf. Dann streckte er seine Hand über Elizas leblosen Körper und murmelte ein Gebet. Danach erhob er sich vom Bett und der Leiche und begann wortlos seine Panzerung anzulegen. Ich sah ihn immer noch mit einer Mischung aus Abscheu und Ungläubigkeit an, also begann er zu sprechen:
    Sie war eine Magierin. Es ist doch ganz offensichtlich, dass die Magier einen Angriff auf den Zirkel begonnen haben. Der Bruder sprach von Blutmagie“
    „Dennoch! Das ist doch kein Grund für…“
    , ich rang nach Worten und deutete auf die tote Eliza: „das da!“
    „Ist es nicht? Dämonen brauchen Magier als Tor zu dieser Welt. Wenn wir Glück haben und beten sie dafür, dass wir es haben, dann ist der Schleier noch nicht zerrissen. Und selbst wenn, ein Schatten ist keine Bedrohung für einen einzelnen Templer. Für eine Abscheulichkeit, vor allem wenn diese einst ein mächtiger Magier war, braucht man schon eine ganze Einheit!
    „Aber wieso sie? Sie hat doch nichts getan? Wir hätten sie schützen können, hier einschließen!“


    Emile seufzte. Dann nickte er.

    Ja, vielleicht hätte das auch geklappt. Aber vielleicht auch nicht. Vielleicht gehörte sie sogar zu den Verschwörern? Es ist ein leichtes für eine Magierin, sich den Weg durch eine verschlossene Tür zu sprengen und hungrige Dämonen im Nichts ignorieren die Hindernisse dieser Welt sowieso. Also wieso das Risiko eingehen? Lieber töte ich 100 unschuldige Magier hier im Turm, als dass ich auch nur eine Abscheulichkeit auf die Welt dort draußen loslasse!“

    Ich schüttelte verweigernd den Kopf. Im Grunde konnte ich verstehen, was Emile meinte. Vor allem weil dieser erfahrene Templer schon mehr Abscheulichkeiten gejagt und zur Strecke gebracht hatte, als die meisten der Templer hier zusammen. Trotzdem schien es mir einfach nicht richtig.


    „Ich sehe schon, Ihr haben Mitleid mit den Magiern. Das kann ich verstehen, ich war früher genau wie Ihr. Und genau das macht das, was ich nun sage nur umso schwerer für uns beide. Der Magier der euch begleitet hat, auch er muss sterben!“
    „Danal? Nein, er half uns. Er ist ein guter Heiler. Ohne ihn könnten verletzte Templer ihren Wunden vielleicht erliegen!“
    „Und mit ihm könnten wir vielleicht alle sterben und die Dämonen entfliehen durch die geschlagene Bresche an dem Haupttor…“
    , sagte Emile langsam und aufklärend.

    Er hatte sich nun komplett angekleidet. Sein Brustpanzer war aus reinem Silberit und glänzte trotz der immer währenden Zwielichts im Turm wie Sternenlicht. Die Arm- und Beinschienen, die in spitz zulaufenden Stiefeln endeten, waren mit goldenen Linien und Ornamenten verziert. An den oberen Enden der Panzerhandschuhe waren aufgehende Sonnen eingestanzt. Ich vermutete sogar das feine Flimmern von Lyrium in ihnen wiederzuerkennen. Trotzdem wies sie die typischen Kennzeichen einer Templerrüstung auf, vor allem das große „Schwert der Gnade“ dass mittig des Brustpanzers prangte zeigten eindeutig seine Zugehörigkeit. Ich fragte mich, ob wohl alle Templer in Orlais derart pompöse Rüstungen trugen, oder ob diese eine Sonderanfertigung als Belohnung für seine besonderen Leistungen war. Mir war jedoch nicht danach zu fragen.

    „Hören Sie, ich überlasse es ihnen wie der Magier stirbt. Hauptsache er ist tot!“, befahl Emile abschließend. Dann setzte er seinen nicht weniger pompösen Helm auf, der anders als die normalen Topfhelme der Templer über ein Visier verfügte, welches jedoch geschlossen ebenfalls nur die Augen offen ließ. Dann steckte er seine verzierte Klinge in die Scheide an seinem Schwertgurt, packte mit der linken Hand den schweren Roteisenschild und mit der Rechten einen mächtigen Streitkolben, wie er von den legendären Chevaliers geführt wird.

    „Alsdann auf in die Schlacht!“
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    Als Emile zielstrebig das Zimmer verließ folgte ich ihm, nicht ohne noch einen letzten ungläubigen Blick auf den Elizas leblosen Körper zu werfen. Ich unterdrückte ein Schaudern und schüttelte mein Unbehagen ab.
    Schweigend beschritten wir den Weg zurück zu der Treppe, welche uns in das untere Stockwerk und in die Bibliothek führen würde und damit direkt in das Herz des Bösen. Es war gespenstisch ruhig im Turm. Keine Magier eilten an uns vorbei, man hörte auch keinen Laut von Jenseits der Türen. Ich hatte ein schlechtes Gefühl hierbei, was Angesichts der Lage aber auch durchaus verständlich war.

    Wir fanden unsere Truppe an dem ihn befohlenen Platz. Einige saßen auf dem Boden und ruhten sich aus, während andere wachsam die Treppe und die Wege im Auge behielten. Als Emile heranmarschierte erhoben sich die Sitzenden. Emiles Erscheinung schien die Männer ebenso zu beeindrucken wie mich, denn keiner sagte ein Wort. Einige wenige salutierten respektvoll, die anderen starrten nur wortlos auf die Gestalt in glänzender Rüstung. Emile übergab dem Rekruten, auf dessen Gesicht sich noch immer der Handabdruck von Emiles Ohrfeige abzeichnete, seinen Schild. Dann tat er ein paar vorsichtige Schritte die Treppe zur Bibliothek hinunter, kehrte aber sofort zurück.

    Die Männer bildeten einen Halbkreis in den ich mich einordnete. Gemeinsam warteten wir gespannt auf Emiles Befehle.
    Dieser sah sich um. Sein Blick blieb an Danal hängen. Feindselig musterte er ihn und auch Danal schien seinem Gegenüber mit einer gewissen Ablehnung zu begegnen. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie ein Templer auf einen Magier wirken musste. Man war mir im Turm stets freundlich begegnet, doch nun drängte sich mir der Verdacht auf, dass die Templer für die Magier mehr waren, als besser ausgebildete Wachen.
    Du da, Magier! Komm her!“, befahl Emile barsch. Danal gehorchte sofort und verließ die verwirrt dreinblickende Truppe. Offenbar hatte er schon mit einem Antreten gerechnet.

    Dann zeigten Emiles gepanzerte Hand auf mich auf mich und bedeutete mir mit kurzem Zucken, dass auch ich vorstellig zu werden hatte. Widerwillig folgte ich der Geste und trat neben Danal. Emile sah uns beide an, dann blaffte er: „Magier, begib dich zu meinem Quartier! Dort ist ein magischer Gegenstand, den du für mich holen wirst! Frage nicht, was es ist, du wirst ihn erkennen“ Sofort nach Ausgabe des Befehls wandte er sein Gesicht von Danal ab und mir zu und blickte solange weg, bis Danal leicht aber merklich den Kopf geschüttelt hatte, dann aber doch lostrottete. Emile sah über die Schulter und vergewisserte sich, dass sowohl Danal als auch die anderen Templer außer Hörweite waren. Dann flüsterte er: „Los, Ritter. Geht ihm hinterher und erschlagt ihn dort hinten!

    Ich schwieg und machte auch sonst keinerlei Anstalten seinen Befehl zur Kenntnis zu nehmen. Sein Prüfender blick durchdrang mich.
    Ihr werdet es doch tun, oder? Denn wenn ihr es nicht tut, muss ich es machen und ich glaube nicht…“, schnurrte er während er die dornenartigen Eisenzacken seinen Streitkolbens befingerte: „…dass ihm das sehr gefiele“
    Ich schluckte trocken und nickte dann kurz ab.
    Guter Mann. Ihr tut eure Pflicht gegenüber dem Erbauer und seinen Kindern“
    Er klopfte mir aufmunternd auf die Schulter, was ein seltsames Klirren zur folge hatte und begab sich dann zu den wartenden Templern.

    Für mich begann der längste Marsch meines Lebens. Die Strecke bis zu Emiles Schlafgemach schien endlos zu sein. Es war noch immer absolut still. Meine Schritte halten nicht wider und auch meine Rüstung hatte scheinbar das Klappern aufgegeben. Eine unfassbare Trägheit erfasste meinen Körper, während meine Gedanken rasten wie die Blitze vom Himmel. Was sollte ich tun? Den armen Danal töten? Er war ein guter Junge, hatte noch eine große Zukunft vor sich. Und er hatte hier im Turm noch nie Anzeichen von Aggressivität gezeigt. Sollte ich wirklich sein Leben beenden, nur weil Emile Angst vor den Abscheulichkeiten hatte?

    Andererseits war Emile den Kampf gegen diese grauenvollen Kreaturen gewohnt und hatte mehr Erfahrung als wir alle zusammen. Ich konnte seinem Urteilsvermögen doch kaum etwas entgegen bringen. Und was wenn er wirklich recht hatte und sich der arme Danal tatsächlich in eins dieser Biester verwandelte. Wäre es dann nicht ein noch grausameres Los für ihn? Wissen Magier, die sich in Abscheulichkeiten verwandeln eigentlich was sie tun, oder endet ihre Existenz mit der Übernahme durch einen Dämon? Es muss ein grauenvolles Schicksal sein, wenn man in seinem eigenen, unnatürlich entstellten Körper gefangen ist und mit ansehen muss, wie die eigenen Hände langjährige Freunde in Stücke reißen. Nein! Emile hat Recht und Danal muss sterben!

    Meine Entschlossenheit hatte auch meinen Körper mit neuem Leben gefüllt und die Zeit entzerrte sich. Schon hatte ich den halben Weg geschafft, da hörte ich einen kurzen markerschütternden Schrei. Ob es Danal war konnte ich nicht sagen, aber wenn er es war, dann war er womöglich von einem Dämon angegriffen worden. Ich beschleunigte meine Schritte und meine Rüstung klirrte. Meine Füße trugen mich nun schneller und schneller. Im Gang nahm ich wahr, wie meine Finger den Griff meines Schwertes packten. Zischend fuhr es aus der Scheide, funkelte silbrig in meiner Hand. Meine schnellen Schritte waren nun zu einem leichten Lauf geworden. Genau so mussten sich die großen Krieger in den Geschichten gefühlt haben, wenn sie auf die Mauern einer Burg zustürmten um diese glanzvoll zu erobern.

    Meine Brust schmerzte und ich schnappte nach Luft. Auch verspürte ich ein leichtes Stechen in den Seiten doch ich hatte mein Ziel letztlich erreicht. Die Tür zu Emiles Gemach stand sperrangelweit offen, ebenso wie wir sie zurückgelassen hatten. Langsam tastete ich mich vor, meinen Schild gehoben und die Schwertspitze nach vorne gestreckt. Ich spähte durch den Türeingang und entdeckte Danal.

    Er kniete zusammengesackt vor dem Bett, in seinen Armen lag der erschlaffte Körper der toten Eliza. Nun verstand ich den Schrei. Es war kein Angriff gewesen, Emile hatte Elizas Leiche gefunden, war vor Trauer zusammengebrochen und wiegte nun Elizas sterbliche Überreste in seinen Armen. Apathisch wiegte er vor und zurück und erinnerte mich stark an den verstörten Rekruten. Ich betrat den Raum und ging langsam auf Danal zu. Vielleicht hätte ich mich Anschleichen sollen, doch auch so nahm dieser keine Notiz von mir. Aus dem Profil konnte ich sehen, das schwere Tränen über Danals Wangen rannen. Er schluchzte und streichelte über Elizas gelbblondes Haar. Dann murmelte er etwas, vielleicht ein Gebet oder ein Fluch.
    „Vielleicht aber auch einen Zauber, eine Dämonenbeschwörung oder andere dunkle Magier“, schoss es mir durch den Kopf. Ich hob mein Schwert auf Höhe meines Kopfes, die Spitze auf Danal gerichtet und bereit zuzustoßen. Ich umrundete den knienden Magier vorsichtig, sodass ich nun seinen Rücken vor mir hatte. Ein schneller, kräftiger Stoß durch zwischen die Schulterblätter sollte genügen!

    Wiesooo? Wieso, oh Erbauer musstest du sie mir nehmen?
    Es war kein Fluch, keine Beschwörung oder sonst etwas. Es war einfache Trauer, die Trauer eines gebrochenen Herzens. Mein Waffenarm ermattete plötzlich, ebenso wie mein Schildarm. Donnernd fiel der schwere Eichenschild zu Boden.

    Dieser Lärm unterbrach Danals Trance. Verwirrt sah er sich um. Als er mich erblickte wandelte sich seine Miene von Verwirrt in hoffnungslos überfordert. Er begann zu stottern, brachte aber kein Wort heraus. Ich bedeutete ihm Ruhe zu bewahren.
    Keine Sorge Danal. Ich bin es bloß. Erinnert ihr euch nicht an mich?“
    „Doch natürlich, Sire. Aber was tut ihr hier? Hat Emile euch als Verstärkung geschickt?“
    , fing er sich. Er erhob sich, das heißt er versuchte es. Der zaghafte Körper von Eliza war schwer genug um ihn daran zu hindern. Durch das Gewicht besann sich Danal erneut um der Toten auf seinem Schoß und erneut wimmerte er.

    Nun war es an mir keine Worte zu finden.
    „Ich… ich…“, begann ich, nach einer guten Erklärung haschend, doch Danal war zu abgelenkt. Wieder strich er sanft über Elizas noch im Tod hübsches Gesicht. Salzige Tropfen fielen auf Elizas rosige Wangen und Danal wischte sie peinlich berührt weg. In diesem Moment wurde mir klar, dass ich ihn nicht töten konnte. Vielleicht hätte ich es tun sollen, als ich hinter ihm stand und dachte er beschwöre gleich einen Dämon. Vielleicht sollte ich es auch jetzt noch tun, da ihn das Leben gerade mehr zu schmerzen schien als der Tod. Doch ich konnte es nicht. Stattdessen kniete ich mich neben ihn und stütze ihm die Schulter. Die letzte Kraft, die er noch aufgebracht hatte um nicht auf Elizas Leichnamen zusammenzubrechen versagte ihm nun und weinend wie ein Kleinkind fiel er an meine panzerbewährte Schulter.

    Ich kann nicht sagen, wie lange wir dort so verharrten, doch irgendwann fand Danal wieder zu sich. Der raffte sich auf, strich nochmals über Eliza, dann richtete er sich vollständig auf und hob ihren Körper in das bauschige Bett. Auch ich stand auf und sah dabei zu, wie Danal umsichtig die dicke Decke herbeizog und Elizas Körper damit verdeckte. Dann wandte er sich an mich. Seine Augen waren noch voller Tränen und seine Stimme zitterte als er sprach.

    Wisst ihr… wisst ihr was hier geschehen ist? Wisst ihr, wer Eliza das angetan hat?“
    Ich war mir nicht sicher, ob Danal die Wahrheit hören oder überhaupt ertragen würde und so antwortete ich zögerlich: „Nein Danal. Nein ich weiß es nicht. Als wir uns zu euch und den anderen Templern begaben, versprach sie uns, sich hier einzuschließen und zu warten bis alles vorbei ist. Vielleicht… war es ein Dämon“
    „Oder ein besessener Magier!“
    , fauchte Danal. Schweigend sah ich ihn an.
    Ja! Ja, es muss einer dieser Dämonenpaktierer gewesen sein der meiner Eliza das angetan hat! Ich hab schon davon gelesen. Sie werden nicht zu Abscheulichkeiten, weil sie ihren Peinigern ihre Körper freiwillig geben. Die Verbindung ist symbiotisch! Ich muss sie finden und zur Rechenschaft ziehen. Helft ihr mir, Sir Ritter?“

    Ich wusste nicht, wie ich reagieren sollte. Mein Auftrag lautete Danal zu töten, weil er eine Gefahr sein könnte, wie alle Magier. Und nun wurde Danal selbst zur größten Gefahr FÜR die Magier. In meinem Kopf drehte sich alles, während ich fieberhaft nach einer Lösung suchte. Ich musste schnell sein, bevor Emile misstrauisch wurde. Ich war nun schon eine ganze Weile weg. Emile könnte mich für tot halten oder im schlimmsten Fall für einen Verräter. Aber Danal töten? Das war auch keine Lösung. Plötzlich kam mir eine Idee.

    „Nein“
    Nein? Was soll das heißen Nein?“, fragte Danal verwundert.
    Versteht ihr es nicht Danal? Eliza ist tot und ihr seid hier. Man wird euch des Mordes anklagen!“
    „Was? Aber das ist absurd! Ich habe Eliza geliebt, versteht ihr? Ich würde ihr nie etwas antun können!“
    „Ich glaube euch, Danal. Aber seht ihr, genau das ist der Punkt: ihr habt Eliza geliebt und Sir Emile war offenbar ihr Liebhaber. Ihr habt es selbst gesehen und dort hinten ist eine ganze Einheit Templer, die bezeugen kann und wird, dass auch ihr den Leutnant und Eliza zusammen gesehen habt. Jeder wird denken, dass ihr Eliza aus Eifersucht getötet habt!“


    Danal schwieg. Erstaunt über diese schlüssige Theorie schüttelte er den Kopf. Langsam öffnete er den Mund: „Ihr… könntet Recht haben. Oh nein, beim Erbauer!“, seine Augen weiteten sich vor Schreck: “Sie werden mich hinrichten lassen oder noch schlimmer zu einem Besänftigten machen!“
    „Langsam Danal. Ich hätte vielleicht eine Lösung“
    „Sprecht! Ich bitte euch, mein Freund, helft!“


    Ich vollendete meinen Plan: „Sagt einfach, dass ihr nie hier wart. Lauft jetzt sofort zu euren Freunden in den oberen Stockwerken. Versteckt euch bis das hier vorbei ist und gebt dann an, dass ihr zu viel Angst hattet und gleich zu den Schlafgemächern der jüngeren Magier im dritten Stock geeilt seid. Und ich werde behaupten euch hier nie angetroffen zu haben. So wird euch niemand jemals unter Verdacht haben“
    Danal nickte eifrig. Sein gerötetes Gesicht hellte sich bei dem Gedanken an das Weiterleben auf.
    Ja, ja. So machen wir´s! Und wenn die Zeit reif ist, werde ich untersuchen, was hier geschehen ist und den Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Ich werde überleben… um Elizas Willen!“
    Auch ich nickte. Dann packte ich meinen Schild und steckte mein Schwert weg. Nachdem Danal nochmals liebevoll über das nun verdeckte Elfengesicht strich gingen wir durch die Tür auf den menschenleeren Gang hinaus. Zu unserer Rechten lag der Weg zurück zu Emile und seiner Truppe. Zur Linken führe der gewölbte Gang aus dunklem Stein Richtung verschiedener Studierzimmer und letztlich zur Treppe in das nächste Stockwerk.

    Zum Abschied reichten wir uns die Hände.
    „Viel Glück, mein Freund! Auf dass wir überleben werden und uns bald wiedersehen!“, wünschte Danal
    „Möge der Erbauer eure Schritte leiten, Danal. Und möge er euer reines Herz schützen vor allem Schlechten und Traurigen dieser Tage!“
    So trennten wir uns. Danal verschwand unter dem leisen Rascheln seiner Robe und auch ich trat meinen Weg an. Ohne einen Blick zurück.
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    Selbes Bild wie Teil 1 (wobei es hier wohl nicht passt aber...)
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    Emile und die Männer warteten bereits auf meine Rückkehr. Sie sahen mich von weitem ankommen und stellten sich auf. Emile hatte ihnen vermutlich gesagt, dass der Angriff mit meinem Eintreffen beginnen würde, denn die Templer setzten sich ihre Topfhelme auf, ergriffen ihre Schilde und zogen Schwerter, zückten Äxte und Streitkolben.

    Emile sah mich an. Der starrende Blick seiner eisblauen Augen schien meine Seele zu durchsuchen suchen und die Wahrheit zu kennen, denn skeptisch fragte er: „Und? Ist er tot?“ Ich erklärte ihm, dass Emile wohl zu viel Angst bekommen hätte und in die oberen Stockwerke geflüchtet sei, ehe ich ihn antraf. Fragend bohrte sein Blick sich in den meinen, als könne er die Lüge wittern. Doch dann nickte er knapp und drehte sich weg.

    Ein letztes gemeinsames Gebet wurde an den Erbauer geschickt, dann rückte die waffenstarrende Truppe ab. Emile ging voran, ich stand in zweiter Reihe. Schulter an Schulter geschlossen und auf alles vorbereitete tasteten wir uns so gut es ging die pechschwarz wirkende Treppe hinunter. Zum Glück hatten die Architekten des Turmes die Treppen ausreichend breit geschaffen, sodass vier gepanzerte und ausgerüstete Männer ohne Probleme nebeneinander gehen konnten. Emile schritt stramm voran, wir anderen folgten ihm, aufgeteilt in mehrere Reihen, die Schilde wie eine Wand aus Stahl-, Eisen- und Holzplatten vor uns herschiebend. Ich wusste nicht, ob es Mut oder Verzweiflung war, die Emile mit schnellen Schritten vorpreschen ließ.

    Meine Brüder uns ich ächzten unter der Mühe die Treppe unbeschadet und doch wachsam hinunter zu schreiten. Wegen der gesenkten Schilde und der Robe, die den Abschluss unserer Plattenrüstung bildete und bis zu den Fußknöcheln reichte, war es nahezu unmöglich in dem scheinbar immer finster werdenden Treppenabgang die Stufen zu erkennen. Wir verließen uns also fast blind auf unser Gefühl und hofften, dass niemand ausrutschen oder unvermittelt stehenbleiben würde. Denn ansonsten würden wir unter lautem Scheppern und vermutlich vielen Blessuren und klingelnden Ohren direkt in die Höhle des Löwen stürzen. Doch der Erbauer war uns gnädig. Der schwache Schein der von Kerzen erleuchteten Bibliothek zeichnete sich vor meinen Augen ab. Nun war mir plötzlich wieder unbehaglich. Natürlich brannte ich darauf, mich in den Kampf zu stürzen und diese verfluchten Kreaturen aus dem Turm und zurück in ihre schrecklichen Dimensionen unvorstellbaren Wahnsinns zu schlagen, dennoch bedrückte mich der Gedanke an die aufgeschwemmten Körper mit ihrer glitschigen, klebrig wirkenden Haut, besudelt von dem Blut ehemaliger Bekannter. Und vor ihren langen, gebogenen Klauen, die dort saßen wo einst flinke Menschenhände arbeiteten. Jetzt ziehen sie Gesichter von den Knochen und schlagen tiefe, schmerzhafte Wunden. Die Kirche hat Recht mit dem Schrecken, den die Magie verbreiten kann. Keine Armee, die je unter der Sonne wandelte könnte jemals so schreckliche Wesen in ihren Reihen haben. Werwölfe, Vampire und Todesfeen, ja sogar die Dunkle Brut, all diese Ungetüme könnten niemals mithalten, mit dem Schrecken einer Abscheulichkeit!

    Das Licht wurde heller und die Treppe, die zum Ende hin breiter wurde, verlief sich in einem grob behauenen Absatz. Der Raum, der vor uns lag war rund, die Wände waren gesäumt von überfüllten Bücherregalen. In der Mitte war ein steinerner Altar eingelassen worden, der mit einem purpurroten Tuch abgedeckt war. Auf ihm lasen die mächtigeren Magier alte Texte, die nur in Verbindung mit dieser Plattform lesbar wurden. Vor den ebenfalls kreisrunden Regalen standen hölzerne Ständer, die zur Ablage von Büchern benutzt wurden. Die meisten dieser Halter waren jetzt allerdings umgeworfen und wild im Raum verteilt, ein paar kokelten sogar ruhig vor sich hin. Auf den ersten Blick schien alles völlig harmlos und abgesehen von einigen seltsam aufgeschichteten Büchern und dem leichten Geruch von verbranntem Holz war der Raum wie immer. Erst als Emile den Raum vollends betrat stellte sich diese Einschätzung als Fehler heraus.

    Die Bücherstapel, die an zwei sich gegenüberliegenden Punkten in der Mitte des Raumes errichtet worden waren begannen plötzlich zu brennen. Stichflammen schossen steil nach oben und zerfraßen die papiernen Seiten, nur um sie dann in Form von Asche in die Luft zu spucken. Zwischen den beiden Flammensäulen öffnete sich eine kreisrunde Flamme. Diese schien sich selbst zu jagen und erinnerte mehr an austretendes Wasser, als an Feuer. Der Flammenkreis wurde größer und größer und hatte bald schon den Durchmesser eines großen Rundschildes erreicht. Die eigentliche Gräueltat war jedoch, dass nun da der Kreis groß genug war, feurige Hände aus dem Boden fuhren und tastend auf der Erde wanderten. Sofort darauf erschien ein Kopf, wenn man es denn so nennen mag. Mit Kraft zog sich das unheilige Wesen aus seinem Portal und richtete sich zu voller Größe auf. Obwohl es eine gebückte Haltung einnahm war es nicht weniger groß, als ein gewöhnlicher Mann. Es schien aus reinem Feuer zu bestehen, allerdings aus flüssigem Feuer, denn Tropfen heißer Lava perlten von dem nur flimmernd wahrzunehmenden Körper ab und benetzten zischend den Boden. Es war wie bei dem Blick ins Feuer, der die Augen auf magische Art und weise trunken macht. Wären nicht blutrote Augen mit schwarzen Rändern in das Gesicht des Wesens eingelassen, so hätte man es fast für ungefährlich halten mögen. Doch diesen Augen entsprang pure Zerstörung.

    Wir bildeten einen Kreis um das Wesen, das heißt wir haben es versucht. Nachdem es erkannt hatte, dass wir es umzingeln wollten stieß es einen Fluch in einer Sprache aus, die keiner von uns verstand. Dann hob es die Hände und streckte sie nach rechts und links aus. Für einen Moment stutze ich, denn ich hatte noch nie von Dämonen gehört, die sich ergeben. Doch dann schossen gleißende Flammen aus den Händen des Wesens und verbrannten die Bücher und ihre Regale zu beiden Seiten. Diese stürzten sofort zusammen. Eines fiel so ungünstig, dass es einen meiner Mitbrüder unter sich begrub. Sofort eilten ihm ein paar Kameraden zur Hilfe, während andere ihre Schilde hoben und ihn abschirmten. Das Wesen lachte hämisch. Emile lächelte dem Wesen entgegen.

    „Was grinst du, Templer? Dein Erbauer hat hier keine Macht!“, spottete das Wesen in einem seltsam blubbernden Ton, als hätte man den Kopf unter Wasser, während jemand mit einem sprach.
    Was ich grinse, Dämon? Ich freue mich nur darauf dich bald schon zu vernichten! Du wirst der erste Dämon sein, der mit heute zum Opfer fällt!“
    „Paah! Ihr sterblichen Wesen denkt, ihr wäret so weise und könntet alles kontrollieren, ob ihr es nun kennt oder nicht. Siehst du das hier nicht, Templer? Solche Macht, entsprungen aus der Natur meines Seins. Selbst eure Magier, die nur unsere Sklaven sind können nicht einmal davon träumen auch nur annährend dieselbe zu besitzen!“
    „Die Magier mögen dir und deinesgleichen vielleicht nicht widerstehen können, Dämon. Aber hier siehst du Templer vor dir! Tapfere Männer im Dienste des Erbauers! Unsere Herzen sind rein und unser Glaube stark! Ich bin Emile du Chateau und ich befehle dir, fahre zurück dorthin wo du hergekommen bist oder ich beende dein armseliges Leben jetzt sofort“

    Emile brüllte den Dämon an und dieser schien bei der Erwähnung des Namens zu zögern. Allerdings kann man es bei diesen Dämonen nicht so recht beurteilen. Dennoch schwieg er vorerst, regte sich kaum und machte auch keine Anstalten für einen Angriff.

    „Emile du Chateau…“, begann das Wesen mit seiner unheilverkündenden Stimme. „Ich kenne den Namen. Du hast nichts erreicht Emile. Du kannst uns nicht alle besiegen“, und mit dem Ende des Satzes huschte es voran, beide Hände nach Emile ausgestreckt als wolle er ihn ertasten. Emile schrie auf und stürzte sich in demselben Moment vor. Einen Augenblick schien die Zeit zu gefrieren, dann krachte Emiles schwerer Roteisenschild gegen den Körper des Dämons. Dieser ließ Feuer aus seinen Händen schießen, doch Emile duckte sich unter ihnen weg und holte mit einem großen Bogen aus. Dann schwang er seinen Streitkolben gegen die Seite des Dämons. Der Stahl zerfetzte eine seltsame Substanz, woraufhin der Dämon ein grauenvolles Geräusch ausstieß. Dennoch schien seine Seite weitestgehend unbeschadet. Hätte Emiles Streitkolben einen menschlichen, ungepanzerten Körper mit derlei Wucht erwischt, wäre dieser vermutlich halb zerteilt worden. Emile wich zwei Schritte zurück. Wieder setzte der Dämon seine Flammenhände ein, doch Emile streckte ihm den Schild entgegen, an dem die Flammen brandeten wie Wellen. Der Schild war dabei von einem leichten silbrigen Schimmern bedeckt.

    Während Emile und der Dämon den Kampf eröffnet hatten, rotteten wir Templer uns zusammen und schlossen nun den Kreis um das kämpfende Paar, bereit aus Emiles Seite einzugreifen. Emile, den Schild noch immer schützend vor sich, deutete mit seinem Streitkolben auf mich und zwei weitere Templer, die zur Linken des Dämons Stellung bezogen hatten. Unter Gebrüll stürzten wir uns auf den Dämon. Wie Emile versuchte ich den Dämon mit meinem Schild zu schlagen, doch dieser feuerte nun auf uns. Klatschend traf einer der Feuerbolzen meinen Schild und ließ mich straucheln. Zudem fing nun mein Schild an zu brennen, weshalb ich ihn schnell vom Arm schüttelte und Vorderseite zuerst auf die Erde warf. Der Dämon formte einen feurigen Ball und schleuderte ihn nach uns. Kurz vor der Berührung mit ihm explodierte das Ding und warf uns mit einer ungeahnten Wucht zu Boden. Mein Schädel fühlte sich an als wolle er bersten. Verschwommen nahm ich wahr, wie meine Brüder schrien und versuchten mir und den beiden anderen wieder auf die Beine zu helfen. Auch sah ich, wie der Dämon nun in auf mich zu kam. Ich war unfähig mich zu bewegen und wunderte mich über die Art der Fortbewegung des Feuerwesens. Er glitt so elegant über den Fußboden, schob sich vor wie eine Schlange. Vermutlich musste ich jetzt sterben, dachte ich und betete ein letztes Mal zum Erbauer. Doch in diesem Moment flog ein Streitkolben heran und traf das nun schon sehr nahe Wesen am Kopf. Sowohl der Dämon als auch ich blickten nach dem Werfer. Es war Emile der seinen Streitkolben geschleudert hatte und nun mit selbiger Entschlossenheit wie bei seiner ersten Attacke auf den Dämon zustürmte, das silbrig-glänzende Schwert gezogen. Dem Dämon blieb nicht genug Zeit, schon sauste Emiles Schwert auf des Wesens rechten Arm nieder und durchtrennte ihn prompt. Dieses heulte auf und schlug mit der verbleibenden Hand nach dem Templer. Doch Emile war schneller und verpasste dem Dämon zwei schnell aufeinander folgende Schläge mit dem Schild. Der Dämon fiel zurück. Wütend und mit verzerrter Stimme brüllte er Emile etwas entgegen. Dann formte sich aus flammender Verstofflichung ein rechter Arm. Der Dämon lachte triumphierend. Er dachte wohl, wir würden das Gefecht angesichts der scheinbaren Unverwundbarkeit seinerseits einstellen. Doch Emile preschte erneut vor, drückte sich mit dem Schild voran direkt an den Körper des Dämons und stieß ihm das Schwert in die blutroten Augen. Wieder brüllte der Dämon, doch diesmal erstarb das Brüllen und der Körper des Dämons, der nun eher an eine brennende Strohpuppe erinnerte sank zu Boden.

    Zwei meiner Brüder halfen mir wieder auf die Beine, ebenso einem der anderen Opfer des Flammenschreckens. Der Dritte hatte leider nicht soviel Glück gehabt, wie wir. Sein Helm war unter der abnormen Hitze geschmolzen, ebenso wie seine Haut und zusammen bildeten sie eine unansehnliche Masse aus Fleisch und Stahl. Anstandshalber bedeckten wir dieses Schreckensbild mit einem Tuch und sprachen zum Erbauer, er möge die Seele des Verstorbenen aufnehmen. Wir alle wussten insgeheim, dass er nicht der Letzte sein würde, der bei dieser Rückeroberung fallen würde.
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