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View Full Version : 6 Liter



Mäxchen
24.12.2005, 14:53
Um die Welt, das Leben, jegliche Existenz in einem anderem Licht sehen zu können, bedarf es einer außerordentlichen Metapher, eine Metapher, die Fragen beantworten kann, die mit dem gemeinem Blickwinkel eines Sterblichen nicht beantwortet werden können. Unser Leben ist seit unserer Geburt an mit einem vorgeschriebenen Ende besiegelt- der Tod. Seit jeher beherrscht die Folklore die Vorstellung von Unsterblickeit, und im slawischen Raum entstand etwas, für die Mythologie einzigartiges- der Vampir, ein untotes Wesen, welches des Nachts aus seinem Grab kriecht, und menschliches Blut saugen muss, um am Leben zu bleiben. Schauergeschichten, denen sich auch das Christentum bediente, zur Missionarisierung der heidnischen Slawen, und eben in diesem Raum sollte Jahrhunderte später eine Seuche ausbrechen, eine Krankheit, welches die Phantasien um Untote so weit ausprägte, dass uns die Geschichten um Vampire noch heute faszinieren. Wir, mittlerweile im 21. Jahrhundert lebend, und das Bild eines Vampirs geprägt durch Medien, besonders durch das Kino, sehen den Vampir als Sinnbild für Erotik, Macht, und menschlicher Gelüste.
Es ist eine Metapher für das, was uns ewig verwehrt bleiben soll- unsterbliche Sünde.

Mittlerweile bedient sich die Menschheit nicht mehr den typischen Weisen des Geschichtenerzählens- wir spielen Videospiele und schauen Fernsehen, versetzen uns so in die Haut anderer, in der wir sonst nie stecken könnten.
Wir allerdings, sechs begeisterte Internetnutzer, und von den Geschichten um Vampire fasziniert, wollen eine andere Methode nutzen, um uns einer neuen Haut anzueignen- das Rollenspiel nämlich.
Eine Geschichte möchten wir zusammen erzählen, wobei wir uns den Einschränkungen von Regeln durch die Welt der Dunkelheit bedienen (ein Regelwerk der Spieleschmiede Feder&Schwert).
Ein kleines Schauspiel soll es werden, ein kleines Schauspiel, das davon erzählt, wie Menschen ihres Lebens entrissen werden, um eine neuartige Form der Existenz annehmen zu können- nach ihrem Tod.
Sehet, durch das schwarze Glas der Dunkelheit, sehet, was sich hinter der Fassade unserer Welt verbirgt, lichtet sich der schwere Vorhang der Ignoranz.



"Das Blut ist es, welches Sühnung tut."
- 3. Mose 17,11 -

Mäxchen
16.01.2006, 21:07
Noch ein letztes Mal sollen sie sich im Licht baden, noch ein letztes Mal sollen sie sich an den akkustischen Wellen ergötzen. Das Klatschen ihrer Handflächen, wenn Fleisch auf Fleisch trifft, und Töne erzeugt. Das letzte Treiben, bevor das Spiel endet, und die Künstler der Ästhethik entschwinden, ihre Maskerade mit einer Verbeugung ablegen, und wieder zu fehlbaren Figuren im Weltgeschehen werden. Das Geschehen ohne Drehbuch, das Geschehen ohne festgeschriebene Diaologe und Taten. Die Undankbarkeit der Existenz.
Der Saal wird von der Kundtuung jener erfüllt, die das Schauspiel begeisterte, sie klatschen, stehen sogar auf, ihre Augen ruhen auf denen, die gelernt haben sich zu verstellen, sich zu verstecken, um vorzugeben ein anderer zu sein.
Das Schauspiel endet. Unfehlbare Künstler werden wieder Menschen. Der Vorhang fällt.

Mäxchen
16.01.2006, 21:25
Die Lichter der Stadt zogen an einem vorbei, brachen sich im Glanz der Scheiben, um dann als bunte Punte über das Gesicht zu tanzen. Straßenlaternen, vereinzelt vorbeifahrende Autos, Leuchtreklame. Kaskaden des Lichts, die sich über einen erbrechen, während selbst die eigenen Scheinwerfer die Dunkelheit durchrdringen, den Weg erleuchteten.
Müde bist du, schwer nur kannst du deine Augen aufhalten, klammerst dich schläfrig an das Lenkrad fest, während du deinen Kopf auf der linken Handfläche stützt.
Verträumt versuchst du den Worten deines Freundes zu lauschen, dessen kleiner Körper im Beifahrersitz versunken ist, doch noch dröhnt die laute Musik durch den Kopf, die dir den bisherigen Abend versüßt hat, doch war es Zeit abzureisen, und so habt ihr beiden euch in das Auto gesetzt, bereit für die Heimfahrt. Zugegeben, natürlich hast du in das Glas geguckt, sogar ein wenig tief. Doch wer nicht wagt, der kommt nicht nach Hause.
Während du dich noch an einige schöne Gesichter der dort befindlichen Mädchen zurückerinnern versuchst quatscht dich dein Kumpel mit irgendwelchen wilden Geschichten voll- er selbst spricht nicht von der Party, erwähnt immer wieder eine bestimmte Frau, die er in den letzten Tagen kennen gelernt habe, und schweift dann immer wieder in poetisches Geschwaffel ab. Hättest du ihm gar nicht zugetraut, dem kleinen Blondschopfl. Poetisches Geschwaffel. Über eine Frau. Naja, das ist wahrscheinlich auch der Grund, wieso du ihn so gern hast, und ihm doch das selten vergebene Prädikat 'Freund' gibst, welches sonst nur wenige genießen. Er steckt nun einmal voller Überraschungen und Geheimnisse, die es zu ergründen gilt. Aber heute nicht, nicht heute Nacht, wo es doch in den letzten Stunden nur in Strömen gegoßen hat, und du deine Konzentration ganz der Straße widmen musst- und den verfluchten Ohrwürmern, die sich durch das Gehirn schlängeln.
So fährst du in die Nacht hinaus, verträumt, schläfrig.

Mäxchen
18.01.2006, 20:06
Erst das Aufschließen der Tür und das darauf folgende Anspringen des Lichts ließ dich hochschrecken aus deiner Ekstase vor dem grellen Blau des Computerbildschirm. Unweigerlich blickst du zu digitalen Uhr deiner Windowsoberfläche. Spät ist es. Auch wenn morgen keine Schule droht, solltest du dich langsam von den vielen kurz besuchten Internetforen verabschieden, die Diskussionen einstellen, und die angespielten Videogames runterfahren. Ja, jetzt wo dich das Surren des Rechners nicht mehr bannt, verspührst du langsam auch Müdigkeit.
Dein Vater ist heimgekehrt, die schwerzen Schritte verraten, dass er spät des Nachts von seiner neuen Arbeit heimgekehrt sei. Sein schweres, angstrengte Atmen hörst du, wie er mehrmals die Nase hochzieht, während er die Jacke ablegt. Anscheinend sein erster Besuch bei seiner neuen Arbeit, auch wenn er dir nicht sagen wollte, worum es sich dabei handelt. Obwohl man das so nicht sagen kann, es hat dich nie interessiert, du hast nicht danach gefragt, und so seit ihr nie in einen Dialog verfallen. Eher waren es die typischen Vater-Sohn Gespräche in den letzten Tagen. Wenn er dich mal nicht nach Zensuren und Frauen ausgefragt hat, habt ihr beiden über Computer fachgesimpelt. Und bei ersterem waren es sowieso nur sporadische Antworten von deiner Seite. Zensuren normal. Mit Frauen nichts am Hut.
So interessiert es dich auch im Moment wenig. Die plötzliche Müdigkeit übermannt dich, so krackelst du in dein Bett, glücklich darüber, die Nähe deines Katers vernehmen zu können.
Während du in der Stasis zwischen Schlaf und Existenz verweilst, prasselt plötzlich der harte Wasserstrahl des Brausekopfes auf das Plastik eures Duschbodesn, hallt durch die Wohnung, dennoch verfällst du bald der nahenden Rast.

Mäxchen
20.01.2006, 16:02
Das dumpfe Dröhnen des lauten Basses drückt auf die Lunge, lässt das Blut kochen, dass Gehirn benebeln, bringt einen in Ekstase- die gemeinhin 'Feierlaune' genannt wird.
Stickig ist die Luft, nur verschwommen kann man die Menschenmassen erkennen, die bei rotem Licht hektische Bewegungen auf der Tanzfläche vollführen, es riecht nach Schweiß.
Auch wenn überall in der Stadt als der Laden schlecht hin verschrieen war es für euch nie die erste Wahl, wenn es darum ging, den angebrochenen Abend, in dem ihr eigentlich ein wenig eure Instrumente vergewaltigen wolltet, zu ende zu bringen. Nicht die richtige Musik, nicht die richtigen Leute.
Doch heute musstest du hierhin- eine Einladung, der du nachkommen wolltest, und so konntest du deine Bandmitglieder doch davon überzeugen, hierher zu kommen. Nun saßen sie da, ließen sich der Genüße von Tabak, Alkohol und den Reizen weiblicher Geschöpfe verfallen.
Eine Nachricht auf dem Computer war es gewesen, eine Meldung eines alten Freundes, mit dem du zwar über Laufe der Jahre via Internet im Kontakt geblieben bist, doch man hat sich halt so auseinander gelebt, die IcQ Nachrichten waren weniger geworden, und sich persönlich sehen tat man überhaupt nicht mehr. Merkwürdig, wenn man bedachte, was ihr beiden so für Scheiße getrieben habt in der Schule, auch wenn es nie mehr war als eine Bekanntschaft, mit der man sich gerne auf Parties gegeben hat. Daher hat dich diese letzte Nachricht auch so gewundert, daher hast du auf die Frage, ob man sich nicht am heutigen Tage in dieser Diskothek treffen könnte, weil es wichtige Dinge zu berden gäbe, mit der Inbrunst vollkommener Neugier mit 'Gerne' geantwortet.
Und nun sahst du ihn dort am Tresen sitzen, sein, in einen grünen Parka gehüllt, umspielt vom Zigarettenqualm eines Stängels, an dem er in regelmässigen Abständen zog. Sein Haare, welche du schon immer für zu kurz empfunden hast, waren jetzt nur noch kurze blonde Stoppeln, die sich über den Kopf zogen, das Gesicht wie einst schon- der neurreiche, verzogene Bengel, der jeden Scheiß anstellt, um seiner Langeweile Abbruch tuen zu können. Derjenige, der immer am extremsten Soff, am durchtriebensten kiffte, und auch sonst nie seine Grenzen finden konnte. Und ja, du wusstest es in dem Augenblick, als er sein, vor ihm stehendes Glas zum Mund führte, dass er sich nicht geändert hatte.
Und selbst wenn du dein Leben irgendwie immer auf die Reihe bekommen hast, du warst genauso durchtrieben.
Aber ersteinmal galt es, feinfühlig wie du doch bist, langsam zu erfahren, was es denn mit einem alten Freund, den man jahrelang nicht gesehen hat, zu bereden galt- mit deinem Verständnis heißt das, sich neben ihn setzten, auf seine Kosten den Alkoholbestand des Schuppens auf die Probe stellen, und ihn direkt auf den Scheiß ansprechen.

Hölli
27.01.2006, 15:03
Zuerst erkennt Matthias seinen Kollegen garnicht mehr. Als er ihn zum letzten Mal gesehen hat, hatte er doch noch diesen wuscheligen, blonden Lockenkopf. Aber im Gegensatz zu seinen eigenen knapp 60 cm langen, naturschwarzen und fast immer speckigen Haaren, wirkte jede andere Haarpracht kurz, Locken sowieso.
'Aber was hat er denn jetzt gemacht? Alles ab. Nurnoch blonde Stoppeln. Man sieht das scheiße aus.' Die Gedanken Matthias' gehen aber schnell weiter. 'Fast genauso scheiße wie dieser Schuppen.'
Er fühlt sich wohl doch ein wenig allein gelassen, schließlich sitzen seine Kumpels da hinten und vergnügen sich und er ist so anders als die anderen Gäste ist, auf unbekanntem Terrain sozusagen. Schließlich trägt keiner der Besucher dieses Ladens ein "Necrophagist" Shirt mit einigen Leichenteilen drauf, eher die Hip Hop Marke "Kaani" scheint in dem Laden zu dominieren, weshalb Matthias dann doch einige misstrauische Blicke erntet.
Aber es bleibt bei den Blicken und nicht mehr, denn wer ist so blöd und traut sich an einen fast 1,90 m großen, dicken, langhaarigen Bombenleger ran? Die schwarzen Bermuda-shorts lassen ein Stück stark behaartes Bein zum Vorschein kommen, ehe es wieder von schwarzen, hohen Springerstiefeln verdeckt wird.
Ihm ist es herzlich egal, wen er aus dem Weg schubst oder wer gerade ein Brandloch durch Matthias' halb aufgerauchte Zigarette in seine häßliche, glitzernd weiße Jacke bekommt.
Der Mann im grünen Parka scheint ihn bereits erkannt zu haben und zu erwarten. Matthias probiert sich an den Namen zu erinnern... lang ist's her....

Schließlich setzt er sich nun auf den Barhocker direkt neben ihn und sofort steigt ein seltsamer Geruch, ein Gemisch aus Parfüm, Rauch und Alkohol, wie er meint, in seine Nase. 'Er hat sich nicht verändert.... Bis auf die Haare.'

Matthias zieht noch ein letztes mal an seiner Zigarre, ehe er zum Sprechen ansetzt: "Na Alter, wie gehts so? Was hast du dir denn für ne scheiß Bude ausgesucht? Und wie siehst du überhaupt aus? Man könnte meinen, du bist Stammkunde hier!"
Die letzte Bemerkung ist wohl als Witz zu verstehen, denn Matthias lacht daraufhin ziemlich laut auf. Den Witz versteht man wahrscheinlich aber nur, wenn man schon einen etwas gehobeneren Alkoholspiegel im Blut hat.

Mäxchen
28.01.2006, 09:10
"Und er labbert immer noch so viel Scheiße. Man, das ist mein alter Matthi- mit wahrlich langen Haaren, der alte Bomber."
Sein euphorisches Lachen verstummt, um noch einmal geistesabwesend an der Zigarette zu ziehen, und den Geschmack mit Alkohol runterzuspülen.
"Scheiße verdammt. Jesus. Hier, Macker, gib uns beiden mal einen weißen Russen!"
Die Aufforderung erreichte nur knapp den Mann an der Theke, der mit seinem weißen Musikelshirt eben so gut ein Türsteher hätte sein können, der so eben das ein oder andere Bier abzapft, dennoch aufblickt, um zu signalisieren, dass er die Bestellung verstanden hat.
"Kennst das Zeug noch, Matthi. Damit hast du dich letztens abgeschossen, weißt doch noch, wo du nachher im Graben gelandet bist, der letzte besoffene Idiot warst du."
Früher wären seine Locken von einer Seite zur anderen gehüpft, bei so einem heftigen Kopfschütteln, welches er auch jetzt vollführte, als er lauthals los lachte.
"Naja, letztens ist relativ, ist irgendwie auch schon 'ne ganze Weiße her. Wie viele Jahre ist es her, dass unser zweites Semester endete? Ey, aber warte mal- da kommt das Wunderding ja auch schon!"
Zwischen seinen kräftigen Fingern stellt der Barkeeper die zwei Gläser, randvoll gefüllt mit einer Milchkaffeähnlichen flüssigkeit, die auch so riecht, und wie du auch gut weißt, dank langjähriger Erfahrung, auch so schmeckt. Es dauert eine Weile, bis er den richtigen Schein in seiner überfüllten Geldbörse gefunden hat, meint dann, dass der Gorilla auf der anderen Seite der länglichen Platte den Rest behalten könnte.
"Hm, ich glaube, der besoffene Idiot war auch ich- aber egal. Runter mit dem Zeug!"

Es schmeckt gut. Ein gutes Gefühl, so ein leckeres Getränk trinken zu können, wo man den Alkohol nicht einmal rausschmecken kann- und noch schöner die Gewissheit, dass dir das Zeug bald zu Kopf steigen wird, ein paar Gefühle auslöschen wird, damit du die nächsten Momente im Leben sorglos genießen könntest.
Und vielleicht auch das verdauen zu können, wozu er jetzt gerade mit einem Stammeln, und einem wohlwollendem Seufzen ansetzte.

"Hm, Matthi, du kennst mich ja, den alten Alex, ja, Matthi, und ich kenne dich ja auch- weiß ja, auf was für einen Scheiß du stehst. Und du weißt, auf was für'n Scheiß ich stehe. Man, will aber nicht lange drumrum reden, ich habe einen geilen Scheiß am Laufen. Und zwar, hör mir zu- hörst du mir zu Matthi? Ja? Gut. Also..."
Hm, er sollte nicht so viel Alkohol trinken, kann das Zeug nicht ab. Aber selber schuld, ist ja auch kein Wunder, mit so einer mageren Weiberfigur kann man auch keinen Alkohol vertragen.
"... bin da irgendwie in was reingerutscht. Obwohl man das so nicht sagen kann. Habe mal wieder nach 'nen neuen, kranken Kick gesucht. Weißt du, wenn der ganze Kram nicht mehr wirkt, wenn dich das ganze Zeug einfach nur noch langweilt, dann suchst du halt kranken Scheiß- und den habe ich gefunden. War glaube ich auch hier in den Schuppen, war natürlich wieder gut gelaunt, sehr gut sogar. War ein netter Abend- gute Musik, nette Mädchen, die ein oder andere Pille- und dann kommt dieser Typ auf mich zu. Weiß gar nicht mehr, wie wir in das Gespräch gekommen sind, auf jeden Fall hat er mich um einen Gefallen gebitten. Ja ja, klingt scheiße, aber ist so. Sollte auch kein Gefallen für ihn sein, sondern für einen Kumpel von ihn. Hat mich wohl angesprochen, weil ich wieder mit meinem Geld rumgeprotzt habe, da ein paar Weiber den Drink ausgegeben, da ein wenig zu viel in der Geldbörse geblättert. Aber egal. Matthi, du bist doch für kranken Scheiß zu haben, oder? Ist ja nicht so, dass nichts für uns rausspringt. Und stell dir vor, wir bewegen uns sogar im Berreich der Legallität- also jeden Falls, so wie ich das deichslen werde. Aber sag, kann ich mit einem alten Freund rechnen?"

Ankou
30.01.2006, 03:54
... und fällt und fällt und fällt.
Selma geniesst das Geräusch des schweren Vorhangs, wie er über das helle Parkett zu ihren Füßen streicht und sich ein sanftes Dämmerlicht über die Darsteller legt. Sie hält noch immer die schwitzigen Hände ihrer Schauspielkollegen in ihren, als sich der Vorhang ein weiteres Mal erhebt und sie sich ein weiteres Mal synchron vor der nun stehenden Masse verbeugen.
Als die junge Frau sich nur wenige Minuten später in die kleine Garderobe begibt, ist das Glücksgefühl noch immer nicht gewichen. Noch immer ruht es kribbelnd in ihrer Mitte, flüstert ihr leise eine süße Melodie ins Ohr und lässt in Zusammenspiel mit einer kleinen Gänsehaut auf ihren nackten Armen ab und an einen angenehmen Schauer über ihren Rücken tanzen.
Das erste, was sie tut, noch bevor sie sich das Make-up von den Lidern und Wangen wischt, sich mit einem Kamm ihre durch Unmengen an Haarspray gebändigte blonde Mähne fährt, ist, sich am offenen Fenster eine Zigarette anzuzünden. Natürlich Marlboro Menthol, wie es schon seit zwei Jahren Lieblingsmarke ist. Vorteile bringt es nur: Niemand würde jemals auf die Idee kommen, sich bei ihr eine Kippe zu schnorren; außer bei Erkältungen oder einem ziemlichen Härtefall an Schmachter.
Sie lehnt sich mit den Ellenbogen auf das kleine Fensterbrett, legt die Zigarette an die Lippen, während sie das rege Treiben hinter ihrem Rücken ignoriert und ihren Blick aus den hellen, blauen Augen stattdessen lieber auf die kaum befahrene, im Licht der selten gesetzten Laternen nass glänzende Straße richtet. In Gedanken geht sie das eben gespielte Stück noch einmal durch, versucht, Fehler zu finden, sie einzusehen und noch vor der nächsten Probe zumindest in Gedanken korrigiert zu haben - und das am Besten noch bevor der Leiter des Theaters die Gelegenheit erhält, sie darauf ansprechen zu können.
Mit einem schnellen Schnippen fliegt der Rest ihrer Zigarette aus dem Fenster und sie wendet sich um, ein kaum merkliches Lächeln erhellt ihre jungen Züge, als sie sieht, dass die Garderobe bereits fast leer ist. Nur noch Mareike, die ewige Nebenrollendarstellerin kramt noch ihre Kleidung beisammen, lässt das Handy in der Tasche verschwinden und noch bevor Selma zum Abschied noch ein Wort sagen kann, verschwindet der Rotschopf bereits aus dem kleinen Zimmer, nur mit einem gehetzt wirkenden Lächeln auf den Lippen.
Stille breitet sich aus in der Selma sich umzieht um ebenfalls nach wenigen Minuten über die nasse Straße zu gehen, die stark süßlich duftenden Haare vom Wind immer wieder ins Gesicht geweht zu bekommen, während sie einen Versuch unternimmt den elenden Partys zu entkommen, zu denen irgendjemand immer nach den Auftritten ausruft.
Und zum zweiten Mal legt sich gnädige Stille um Selma Dysart, als sie mitten in der Nacht mit geschlossenen Augen in ihrem Auto sitzt und sich ein klein wenig verborgene Ruhe gönnt, während auf ihren Scheiben ein sanfter Nieselregen trommelt.

Hölli
02.02.2006, 20:54
Mit einem kräftigen Schluck ist das kleine Glas auch schon leergetrunken. Matthias hat inzwischen gelernt, das Brennen im Hals zu unterdrücken, beziehungsweise sich nichts anmerken zu lassen.

'Alex redet vielleicht ein wirres Zeug zusammen. Der sollte sich mal ein bisschen zusammenreißen. Ich glaube, ich sollte ihn dabei ein wenig unterstützen. Beim zusammenreißen, versteht sich.'

"Okay, jetzt halt erstmal die Luft an!" Der strenge, laute Befehlston macht es nur schwer, der Aufforderung zu widerstehen. "So, und nun erzählst du mir erstmal, um was für einen kranken Scheiß es geht, sonst läuft garnichts, kapiert!"
Sichtlich genervt von Alex' Gestammel, er macht keine Anstalten, dies zu verbergen, bittet er den Barkeeper um eine zweite Runde, diesmal allerdings so ein Pfeffi-Wodka Gemisch, von dem Matthi aber wusste, dass es gut war. Natürlich lässt er Alex bezahlen, schließlich will Alex was von ihm und nicht umgekehrt.
"Ich bin zwar für vieles zu haben, aber es muss schon sehr scheiße sein, wenn du wieder den Kontakt mit mir suchst. Hast du sonst keine Freunde mehr, die du anbetteln kannst? Oder hast du da auch irgendwann den Kontakt abgebrochen?" Er macht eine kurze Pause und sollte Alex diese nicht nutzen um zu antworten, unterbricht Matthi die Stille wieder: "Aber ist auch scheiß egal, nun erzähl klipp und klar was du willst! Sonst bin ich gleich wieder weg aus diesem Schuppen. Aber die Getränke sind ziemlich gut!"
Er schüttet sich den Pfeffi-Wodka runter und winkt den Barkeeper erneut, bestellt zwei Biere, macht jedoch keine Anstalten, zu bezahlen.

Mäxchen
05.02.2006, 12:58
Langsam lässt der Druck in den Schläfen nach. Dieses unerlässliche Pochen, welches auf den Schädel drückt. Lässt sich wohl auf Aufregung zurück führen, über den Adrenalinschub, den ein Auftritt verspricht. Einen Zug noch an der Zigarette, den wohwollenden Geschmack einzuatmen, was die Sinne betäubt, dich entspannen lässt.
Das Summen der Klimaanlage unterstreicht nur den Prozess, der langsam deine Scheibe beschlagen lässt. Schemen lassen sich durch die milchige Scheibe, und den dahinter liegenden Regen erkennen. Deine Schauspielkollegen, wie sie nun dort im Schein einer Straßenlaterne stehen, beratschlagen, wie sie den Abend ausklingen lassen werden, jetzt wo sie sich mit Deodorant und Haarspray wieder ausgehfertig geklebt haben. Nun stehen sie da, als Gruppe geschlossen, den Regen trotz dünner Abendbekleidung irgendwie abzuhalten versuchend. Noch eine Weile beobachtest du ihr stilles Treiben, bis sie sich irgendwann in Bewegung setzen, wahrscheinlich um irgendeine schlechte Diskothek aufzusuchen, und um einen gelungen Theatherabend mit einer Menge Alkohol zu begießen, die die Reize des menschlichen Körpers komplett auszerrt. Sie verschwinden aus den Lichtern der Straße, langsam frisst die Dunkelheit ihre unzähligen Körper.
Dann lässt du den Wagen mit dem wohl bekannten mechanischem Geräusch anspringen, welches davon zeugt, dass jetzt Treibstoff verbrannt wird, die Lichtmaschine springt an, erhellt die ganze kleine Gasse, in der du einen Stehplatz gefunden hattest.

Doch soll es nicht dazu kommen, dass du los fährst.

Es klopft an der Scheibe. Das Sicherheitsglas vibriert kurz, als jemand mit den Knöcheln der geballten Faust anhand mehrer kurzer Schläge auf die Karosserie um Einlass bittet. Jetzt kannst du die Gestalt erkennen, die dort zu deiner Linken in deinen Wagen hineinschaut. Das Gesicht von einer Seite reichlich durch das Licht deines Autso beflutet, befindet sich die andere doch in einer unwirklichen Dunkelheit. Dich beschleicht ein wenig das Unwohlbefinden, ganz so als würdest du in die Augen eines Raubtieres blicken, die sich hinter zwei Brillengläsern befinden, die, gehalten in einem eleganten Rahmen, das Gesicht des Mannes verzieren. Fasziniert bist du von den Bewegungen der Lippen, die deinen Namen formen. Was befindet sich hinter diesen Lippen? Was wollen sie dir flüstern?
".. Dysart? Sind sie das? Verzeihen sie bitte, dass ich sie so erschrecke, doch bitte machen sie doch zuerst die Türe auf."

Mäxchen
05.02.2006, 13:29
Es war eigentlich immer ein schönes Erlebnis, dass Wochende mit einem ausgiebigem Mal mit seinem Vater genießen zu können. Das geliebte Samstagmorgenfrühstück.
Doch es kam nicht so, nachdem du aufgestanden warst, die ein oder andere E-Mail überprüft, dich angekleidet hattest und dann in die Küche gegangen warst, wo du eigentlich schon deinen Vater erwartet hattest. Er war nicht da gewesen, nur eine verwüstete Küche, die er noch in der Nacht zurück gelassen hatte. Brotkrümel verunschändelten die Abstellflächen in eurer kleinen Küche, ein dreckiges Messer lag darin, noch die Reste von Wurst und anderen Fettteilchen daran, eine Salamipackung war aufgerissen worden.
"Bin gestern nicht mehr dazu gekommen, aufzuräumen."
Er röchelt irgendwie, als würde er nur schwer Luft bekommen, als würde sein Hals sich dagegen wehren, dass sich seine Lungen mit Sauerstoff füllen könnten. Seine Augen sind blutunterlaufen, sind umrandet von einem tiefen Schwarz, die Pupillen blicken in die Leere.
"Aber lass uns frühstücken, Fabian. Ich bin hungrig."
Er muss sich an der Wand orientieren, scheint seine Umgebung gar nicht wahrzunehmen, als er schwerfällig einige Utensilien aus den Regalen und Schränken nimmt, sich mit Teller, Geschirr, sowie einigen Brotlaiben plump hinsetzt, und sie abwesend zu streichen beginnt.
"Willst du dich gar nicht zu deinem Vater setzen, und mit ihm essen, Fabian?"
Endlich wieder erfüllt ihn wieder ein Lächeln. "Es gibt doch sicherlich etwas, was mein Sohn mir zu erzählen hat. Na, warst gestern fleißig feiern?"

Mäxchen
05.02.2006, 19:35
"Klipp und klar?"
Ein weiteres mal sucht er in den Tiefen seiner Geldbörse die passenden Beträge raus, reicht sie dem Barkeeper.
"Alles klar. Hör mir zu Mathi. Diese Person sagte folgendes zu mir, dass ich für eine Person eine..."
Er Drückte seine Stirn tief in die Faust, die er so eben geballt hatte, schaute zu dir rüber, sich versichernd, dass niemand seinen Worten lauschen könnte.
"... menschliche Leiche besorgen. Ja, Mathi, dass soll ich tun, 'nen Menschen killen, und den Leichnahm an ihm verkaufen. Für eine Menge Geld."
Benommen starrt er auf das vor ihm stehende Glas, um gleich danach einen tiefen Schluck von ihm zu nehmen.
"Scheiße viel Geld sogar."
Noch ein tiefer Schluck. Er stellt das Glas ab.
"Aber, Mathi. Bevor du dich aufregst. Ich habe garantiert nicht vor, jemanden umzubringen, vielmehr plane ich einen kleine Geniestreich, wie wir diesen Perversen dennoch sein Geld abnehmen können."
Selbstverliebt schaut er in die Luft, streckt theathralisch seinen Finger empor.
"Weißt du noch, was der alte Hermann immer meinte? 'Die Anatomie eines Schweines sei zu neunzig Prozent deckungsgleich mit der eines Menschens'. Und ich meine zehntausend Euronen für ein Schwein ist doch ein guter Preis, oder etwa nicht?"
Der Alkohol hat seine Zunge gelockert, einen wahren Lachanfall hervorgerufen.
"Ach, Mathi, trink mal noch einen. Keine Sorge, ich habe alles schon arangiert. Den Schlachter geleimt, einen Transporter besorgt, und natürlich das Schwein gekauft. Das einzige, was ich noch brauche, ist dein Ok."

Mäxchen
05.02.2006, 19:45
Wie verdammt konnte das nur angehen?

Wie verdammt?

"... bleib hier. Die holen dich bald hier raus. Sicher. Ich höre sie..."
Das Licht tut in den Augen weh. Der Schmerz betäubt den Verstand, deine Nervenbahnen schienen zu rebellieren, du versuchst einfach zu verdrängen. Nur das Licht tut in den Augen weh. Dieses blaue Licht, welches in unaufhörlichen Frequenzen immer zu an dir vorbei zieht.
"... schon. Da sind sie, schau, die holen dich jetzt hier raus."
Jetzt steigt dir dieser Gestank in die Nase. Verbranntes Gummie, versenktes Fleisch. Ein quälender Tinitus ist alles was du hören kannst, er überdeckt fast diese schrecklich grelle Stimme der menschlichen Gestalt, dessen Wärme deine Hände birgt.
Dich beschleicht der Gedanke, was mit deinem Beifahrer sitzt, du willst zu ihn rüberschauen, schauen, ob es seine Hände sind, deren Wärme du empfängst, willst nur einmal rüberblicken, doch die menschliche Gestalt hält dich davon ab, meint, es wäre nicht gut, da jetzt hinzublicken.
Die unwirkliche Nacht durchdrungen von Lichtern. Weiße, blaue, rote Lichter. Lichter von Scheinwerfern, Taschenlampen. Lichtern von Sirenen. Und alle Schmerzen sie in den Augen.
Der Geschmack von Blut auf der Zunge, Schmerzen, die den Verstand betäuben, und der Wunsch, einfach die Augen zu machen zu können.

Wie verdammt kann es angehen?
Wieso verdammt hast du plötzlich die Kontrolle über das Auto verloren?
Wieso verdammt schmerzen diese Lichter so?

Mäxchen
08.02.2006, 21:30
... und nun stehst du da, siehst ihn dort liegen, seinen Körper künstlich am Leben gehalten, Schläuche, die sein Aderwerk durchtrennen, fortsetzen, ersetzen, gefüllt mit Nährstoffen, die seinen Kreislauf aufrecht erhalten sollen, umgeben von diversen rot leuchtenden Lampen, die seine Lebensfunktionen beschreiben. Da liegt er. Ein Freund. Vielleicht der einzige. Ein lebloser Körper.
Deine Schuld soll es gewesen sein. Nachdem man dir nach vielen Untersuchungen versichern konnte, dass du unversehrst seist, hat man dich mit diesen widerlichen Fragen durchlöchert. Widerlich, da sie schmerzten. Die Vorstellung, einen eigenen Freund in das Koma gefahren zu haben war einfach grauenhaft. Ob du unter Drogeneinfluss gefahren seist, ob du die Straßenverhältnisse unterschätzt habest. Selbst einen weiteren Fahrer sollst du angefahren haben, der im Moment eine Aussage bei der Polizei tätige. Gott sei dank nur ein Mensch, sagten sie immer wieder.

Gott sei dank nur ein Freund.

... und nun stehst du da. Siehst ihn dort liegen.
Nicht einmal Kratzer hast du davon getragen, abgesehen von einigen wenigen Hämatone. Man beschrieb dir ein Grauensszenario, einige Bilder hatte man dir vorgelegen, die man direkt am Unfallort gemacht hatte. Sie wurden geschossen, um bei der Polizei eventuelle Aussagen untermalen zu können. Du wusstest, dass es aber eigentlich um die Versicherung ging.
Und es hatte einfach nur geschmerzt. Niemand, der einen Freund da liegen sah, sie huschten nur vorbei, sahen keinen Menschen, sondern einen Kunden dort liegen, eine Zellstruktur, nun lediert, dem Tode nahe, kämpften hier um etwas, was Menschenleben genannt wurde, wollten nur etwas retten, was in ihrem Verständnis wohl so etwas wie Moral war, Geld, es war verdammt nochmal ihr Job. Was da lag war für sie kein Mensch, kein Mensch, mit dem man etwas verband.
"Herr Delington?" Ein Mann in Grün. Ein Gesetzeshüter, gekleidet in seiner unnahbaren Uniform, seine Marke wohl nicht aufgrund sportlicher Leistungen verdienend. Hinter ihm zeichnete sich sein Kollege im ewigen Weiß des Krankenhauses ab.
"Wir können es ihnen leider nicht ersparen, noch einmal auf den Unfall zurück zu kommen. Herr Delington, wir müssen ihnen auch nur eine Frage stellen. Hören sie mich, Herr Dellington, nur eine Frage."
Schläuche. So viele Schläuche an seinem Körper. Blinkende Lichter.
"... Befand sich eine dritte Person in ihrem Wagen, Herr Dellington?"
Er bemerkt dein fragendes Gesicht, erklärt dir, dass man aufgrund der Verformungen des Metalles darauf schließen muss, dass sich eine dritte Person aus den Wagen befreit hat. Die Rücktür sei gewaltsam, unter größten Kraftaufwand aufgebrochen worden.
"Ich sehe, dass ist einfach zu viel für sie, Herr Dellington. Wir haben uns bei den Ärzten hier erkundigt, man sagte uns ausdrücklich, dass sie in einer guten körperlichen Verfassung seien, und keiner Aufsicht bedürfen."
Der Mann hat etwas in den Händen, was du kennst. Ein Rucksack, dessen bläuliche Färbung du sofort wieder erkennst. Er gehört ihm, er hatte ihn dabei, hatte ihm im Auto gelassen, ihr seid allerdings nicht darauf zu sprechen gekommen, was darin eigentlich sei.
"Und ihr Freund wird auch wieder fit. Glauben sie mir, es mag kritischer aussehen wie es ist, aber man bekommt ihn wieder gesund, Herr Dellington. Fahren sie heute mal nach Hause, wir werden uns um alles kümmern. Allerdings hätten wir denn doch noch eine Bitte, wir würden gerne seine Eltern informieren, könnten sie und da Auskunft geben?"

Derion
08.02.2006, 22:14
Nach einigem Überlegen kommt Fabian zu dem Schluss, das es nicht schaden kann sich zu setzen. Dennoch lässt ihn der Anblick seines Vaters nicht in Ruhe. Diese... diese, ja, fast schon Apathie, behagt ihm so gar nicht. Es ist nicht gerade ungewöhnlich, aber immer wieder aufs neue beängstigend. Er schaudert.

"Feiern? Nääh, weißt doch das ich nicht der Typ dafür bin. War wieder... äh... hab ein bisschen für die Schule gelernt und sowas." Er kramt ein hartes Brötchen vom Vortag aus dem Brotkorb und beginnt lustlos darauf herumzukauen. Natürlich stimmt das nicht, er war wieder vor dem PC bis spät in die Nacht gesessen. Aber das war nicht von belang. Er überlegt weiter, wie sein Vater wohl zu diesem Zustand kam. Es wundert ihn, das er überhaupt hier im Haus war. Für gewöhnlich verkriecht er sich nach so einem Abend in ein Hotel, aber ist nicht imstande nach Haus zu kommen.

'Also war es nicht so schlimm wie sonst. Oder aber es ist etwas anderes vorgefallen. Etwas, was vielleicht auch psychische Hintergründe hat.' Er kaut weiter auf dem Brötchen rum und isst nebenher einen Apfel. Es ist schon später Morgen, aber Fabian hatte noch nichts gegessen. Er hatte den ganzen Vormittag wieder vor dem PC verbracht, dort, wo er fast die ganze Zeit war.

"Sag mal", beginnt Fabian wissbegierig. "Was ist eigentlich mit dir passiert? Du siehst etwas... naja, lädiert aus." Er weiß, das die Frage etwas direkt ist, sein Vater ist solche Fragen nicht von ihm gewohnt, aber er wollte einfach unbedingt wissen was mit ihm los ist.

Ankou
09.02.2006, 18:08
Selma schrickt in ihrem Sitz leicht hoch, als sie das Klopfen von Fleisch und Knochen auf Glas zu ihrer Linken hört. Durch den Regen und die Fensterscheibe klingt die Stimme des Mannes, der ein für sie vollkommen fremdes Gesicht trägt, als hätte sie den Kopf in warmes Wasser getaucht; tonlos und leicht verzerrt, als wäre der Druck in ihren Schläfen nun hinab zu ihren Ohren gewandert.
Sie kommt sich albern vor, nachdem sie bemerkt hatte, wie sie den Mann sekundenlang anstarrte, eine Mischung aus Erstaunen und Beklommenheit in den hellen Augen ohne in irgendeiner Form zu reagieren. Schnell huscht ein entschuldigendes, fast beschämtes Lächeln über ihre Lippen, während sie die tropfenbehangene Scheibe herunterkurbelt und den Motor des Wagens ausschaltet. Das Licht der Scheinwerfer erlischt und das Glitzern der nassen Straße vor ihr erstirbt, ebenso das beruhigende Summen des Motors. Nur noch die ferne Laterne erhellt das Gesicht des Fremden und nun, wo ihm keine Scheibe mehr eine gewisse Konturlosigkeit gibt, wirkt er nicht mehr ganz so bedrohlich, wie es im ersten Augenblick ihrer Überraschung den Anschein hatte. Die Tropfen, die eben noch sein Gesicht bedeckten, waren nun nur noch auf dem Glas seiner Brille zu finden, gaben seinen Augen ein Flackern, was Intelligenz, Temperament oder etwas ganz anderes bedeuten konnte.
Nur die Reflektion des Lichtes in den Tropfen.
Nichts anderes.
Er machte auf sie nicht den Eindruck eines Massenmörders, eher wie der eines Mannes, der irgendwo ihren Namen gelesen und sie auf der Bühne erkannt hatte - und nun mitten in der Nacht auf einem einsamen Parkplatz das Gespräch sucht; oder ihr sogar ein Angebot für eine weitere Rolle machen wollte? Sie beschließt, dem Mann gegenüber freundlich zu sein - für den Fall der Fälle.
Wenngleich Selma keine Angst vor dem Mann verspürt, keimt in ihr der Wunsch auf, ihre Kollegen würden noch immer dort an der Laterne stehen, eingehüllt in ihre dicken Jacken, während sie darüber sprechen, wie man die Fahne aus Parfüm, die sie alle umweht, schnellstens in den bitteren Geruch von Alkohol und Zigarettenrauch verwandeln könnte.
"Wie kann ich Ihnen helfen?"
Selma lächelte.

Schmok
09.02.2006, 19:04
Könnten sie da Auskunft geben? Die Frage hallt mehrmals in Chesters Kopf wider, während er darüber nachdenkt, was das für ein Mensch war, der dort hinter der Glasscheibe auf der Intensivstation liegt. Die Geschichte mit der dritten Person im Wagen nimmt er im Moment noch gar nicht für voll. Zu sehr ist er von sich selbst verwirrt. Freund nennt er ihn. Sogar einen guten, auch wenn er das nicht öffentlich tat. Das war mehr eine innere Phrase für ihn, um ihn von anderen Freunden abzuheben. Die Beziehung zwischen ihnen besser da stehen zu lassen, zumindest für sich selbst und die Gedanken, von denen er viel zu viel hatte. Aber so gut er ihn auch da stehen ließ vor seinem Herzen, desto mehr wird ihm jetzt gewahr, wie wenig er von diesem Menschen weiß. Ein Gefühl der Scham überkommt ihn für einen kurzen Augenblick, doch er wirft es sofort wieder ab, um ernsthat über die Frage des Beamten nachzudenken. Er hat jetzt keine Zeit für Gefühlsduseleien. Er kann sich später vorwerfen, wie schlecht er manche Menschen kannte.
"Sein Name war Alex. Alexander Hausener.", bringt Chester dann hervor. Der Mann in Grün macht sich Notizen. Das Kratzen des Kugelschreibes auf Papier erfüllt den totenstillen Raum, während Chester - zu Boden starrend - weiter nachdenkt. "Er wohnt in der Magdebu... nein, Moment. Nicht in der Magdeburger Straße, sondern...".
Ja. Sondern? Chester versucht, sich an eine Gelegenheit zu erinnen, in der er erfahren hatte, wo Alex wohnte. Hatte er ihn mal abgeholt? Nach Hause gebracht? Hatte er mal davon erzählt? "Ja, genau - er wohnt im Karl-Reimann-Ring!. Inneres Aufatmen. Dann notiert der dicke Beamte auch diese Aussage, und hakt nach: "Und seine Eltern? Kennen sie die?"
Chester presst Luft durch seine geschürzten Lippen, schüttelt dann den Kopf. "Nein, tut mir leid."

Der Polizist nickt verschwörerisch seinem Kollegen zu, der es in gleicher Weise erwidert. Dann dreht er seinen Kopf wieder zu Chester: "Dann erzählen sie uns bitte alles über Herr Hausener, was sie wissen." Diese Frage trifft Chester wie ein Schlag in die Magenkuhle, und je länger er darüber nachdenkt, desto schlechter fühlt er sich. Er beginnt, an seinem Jackenärmeln herum zu ziehen. Eigentlich dachte er, er hätte sich das schon lange abgewöhnt.
Wer war Alex? Alex war ein Freund. Alex war ein guter Freund. Aber Alex war nie ein Freund gewesen, wenn es um das Leben außerhalb des allabendlichen Vergnügens ging. Sie sahen sich fast ausschließlich bei Dunkelheit, wenn es abend am Telefon hieß: 'Hey, wohin geht's heut?' Nie hatten sie auch nur darüber nachgedacht, sich zu anderen Zwecken zu treffen, als um wegzugehen und sich zu amüsieren. So gut sie sich dort kennen, im Nachtleben, so sehr sind sie Fremde in der Welt des Alltags. Zwar verstand... versteht er sich blendend mit Alex, aber dennoch war da nie mehr gewesen. Kein Mittag essen, kein beim Umzug helfen, kein nachmittags im Park grillen. Komisch eigentlich, verdammt komisch, denkt Chester und fühlt sich selbst immer schlechter und schlechter. Bis er es nicht mehr aushält.
"Tut mir leid, wenn sie mich entschuldigen würden?" krächzt Chester hervor, will gehen. Doch der Polizist hält ihn am Arm fest: "Wie? Nichts?" starrt er ihn an. Chester blickt ihn jedoch nicht an. "Bitte...". Er reißt sich wieder los vom Griff des Beamten und stürmt an dessen Kollegen vorbei.
"Eine Frage noch, Herr Dellington!"Der Angesprochene bleibt stehen, weiß selbst nicht, wieso. Dann fährt der Polizist fort: "Dieses X auf ihrem Handrücken. Hat das was zu bedeuten?"
"Straight Edge.", dann knallt die Tür zu und Chester ist verschwunden.

Vor dem Spiegel auf der Herrentoilette wischt er sich wenig später die letzten Reste von den Mundwinkeln und starrte auf seinen Handrücken, wo dank eines dicken schwarzen Eddings das schwarze X prangt, dass der Beamte erwähnt hatte. Chester muss ein wenig lachen. Straight Edge. Das war es! So hatte er Alex kennen gelernt. Darüber waren sie in's Gespräch gekommen und hatten sich so immer besser verstanden. Chester war fasziniert gewesen von dieser Idee, übernahm sie auch für sich selbst. Doch dann erstirbt das Lächeln in seinem Gesicht wieder. Heute ist das X nicht mehr viel mehr als ein guter Vorsatz. Einer von diesen, die man sich für's neue Jahr machte, um sie bereits in der ersten Januar-Woche über den Haufen zu werfen. Viel geholfen hatte dieses X es nicht. Und das Ergebnis seiner Fehlbarkeit lag nun ein paar Zimmer weiter unter eine Beatmungsmaschine.
Wütend schlägt Chester gegen die Kacheln, starrt sich ein letztes Mal im Spiegel an. Ein wenig Abscheu schwingt mit, als er den Blick abwendet und endlich das Krankenhaus verlassen will.

Hölli
10.02.2006, 15:33
"Sag mal, bist du irgendwie behindert im Kopf?" Matthi schüttete sein volles Glas erneut herunter. Vollkommen aufgebracht saß er nun auf seinem Barhocker. Natürlich musste man schreien, um bei dieser Musik kommunizieren zu können, aber Matthi's Schreien war mehr als nur ein lautes Brüllen, damit die Schallwellen das Ohr des Anderen erreichen.
"Was hat bitte die Leiche eines Schweines mit der eines Menschen gemein?"
Mit etwas verstellter Stimme spielt Matthi dann den Dialog nach, wie er wohl aussehen könnte: "Hier bitte Perversling, hier ist ihre Leiche" "Oh, dankeschön. Aber wieso sieht sie aus wie schwein?" "Öhh, das ist doch egal, die Anatomie ist dieselbe."

"GLAUBST DU, DEN INTERESSIERT DIE ANATOMIE? Was ist das überhaupt für ein Kerl? Wie sieht er aus, wo wohnt er, wie habt ihr euch kennen gelernt? Und wieso verdammt belegst du mich eigentlich damit? Wozu brauchst du mein scheiß Einverständniss?"
Er scheint sich nun ein wenig beruhigt zu haben, jetzt, wo der Barkeeper wieder da ist, um sein Glas nachzufüllen.
"Und was macht dich eigentlich so sicher, dass ich jetzt nicht gleich aus dem Laden renne und die Polizei rufe?"

Mäxchen
12.02.2006, 17:25
"Weil zehntausend durch zwei immer noch fünftausend ergibt. Fünftausend verdammte Euro pro Nase."
Mit seinen Händen macht er eine Bewegung, als würde er Fleisch in Stücke schneiden.
"Außerdem zerlegen wir das Ding doch so, dass es gar nicht mehr als ein solches zu erkennen ist. Schneiden alle für einen Schwein erdenklichen, äußerlichen Merkmale ab, und fertig ist unser kleiner Mensch. Schnipp Schnapp- Pfote ab."
Mittlerweile schweifen seine Bewegungen ab, er beginnt zu lallen, sämtliche Körpermotorik seinerseits wird unkontrollierbar.
"So, und jetzt sag, dass du mitmachst. Man, kann mir gut vorstellen, dass du die Kohle brauchst..."

Mäxchen
18.02.2006, 15:26
Außer dass sich einige der Regentropfen am Glas seiner Brille verfingen, sich dort in sonderbaren Mustern spiegelten, schien er auf irgendeine mysteriöse Weise gegen das Wasser gefeit zu sein. Sein kurz geschorenes Haar war trocken, ebenso die Haut, selbst seine Kleidung schien sich in keinster Weise von der schwach herabströmenden Flüssigkeit zu füllen. Das Wasser schien ihn auf andere näher zu treten.
"Ah, sie sind es also doch. Das erfreut mich sehr. Ich habe ihr Spiel gesehen..."
Gebannt blickst du auf die schmalen, sich langsam bewegenden Lippen, die wohl attikuliert die Worte auswählten, die sie von sich gaben.
"... und es hat mich zutiefst fasziniert. Nicht nur, dass sie eine Schönheit sind, sie sind auch eine begnadete Schauspielerin."
Nun verformten sie sich zu einem Lächeln, erfüllten das Gesicht des Mannes mit einer Wärme, die ihm vorher gefehlt hatte. Und es lag nicht nur an der schmalen Brille, die auf der knochigen Nase lag. Das gesamte Erscheinungsbild des Fremden, welcher sich in einen dunklen, grauen Anzug hüllte, faszinierte dich. Er selbst schien der Ästhetik in irgendeiner Form verfallen zu sein, dafür gab er sich einfach zu gewählt.
"Es ist mir fast ein wenig unangenehm, so des Abends durch ihre Autotür zu fragen, besonders, weil sie mich ja gar nicht kennen. Aber ich würde sie gerne ausführen, ein kleines Gespräch zweier Begeisteter des Schauspiels würde ich sehr begrüßen. Es würde mich sehr freuen, nehmen sie meine Einladung an."

Mäxchen
18.02.2006, 15:34
"Was soll mit mir schon sein, außer das ich Hunger habe?"
So langsam füllt sich sein Gesicht wieder mit Farbe, als der Stand der Sonne die ersten Sonnenstrahlen durch die Jalousien fallen lässt.
"... und dass ich mir Sorgen um meinen Sohn mache, dass er vor dem Rechner vereinsamt. Unternehm mal was. Lern mal eine Frau kennen, Fabian. Wird dir sicherlich besser kommen, als die kleinen Figuren in deinem Bildschirm, mit denen du so deinen Tag verbringst."
Er wartet keine Antwort ab, schiebt einfach sein Frühstücksbrett beiseite, und begibt sich dann mit den Worten, dass er Fernsehen schauen wolle, in die Stube eurer kleinen Wohnung.

Ankou
01.03.2006, 01:50
Nicht einen Augenblick lang ist Selma versucht, dem Herren einen Korb zu geben. Keine schnell dahergeredete und ebenso schnell vergessene Entschuldigung drängt sich in ihr Gedankengut; Worte über die weit vorangeschrittene Uhrzeit, ihre sicherlich nicht ausgehsichere Kleidung oder ihre Müdigkeit bleiben in der Hinterkammer ihres Denkens verborgen, schlummern weiter, während sie auf den nächsten Idioten warten, der sie plump nach einer Verabredung ("Kennen wir uns nicht?") fragt, und an ihrer statt tritt ein geschmeicheltes Lächeln auf die Züge der jungen Frau, welche ein klein wenig Amusement an der Situation und dem ihr nur wenige Zentimeter entferntem Fremdling zeigt.
"Natürlich, gerne", sagt sie schlicht und zieht den Schlüssel ihres Wagens ab, lässt ihn mit einem Klirren in ihre Tasche gleiten, ehe sie diese über ihre Schulter legt und auf dem Beifahrersitz nach ihrer Jacke wühlt. All ihren Handlungen versucht sie die Nervositätr zu nehmen, die in ihrer Mitte ruht; keine schlechte Vorahnung, eher lässt sie die tiefe Faszination, die er ausstrahlt nicht gänzlich unberührt. Sie fühlt sich wie ein junges Schulmädchen, das von ihrem Schwarm nach einem Blatt Papier gefragt wurde und nun nur stammelde Worte hervorbringen kann.
Doch natürlich stammelt sie nicht, zittert nicht einmal vor Kälte, als sie aus dem Wagen steigt und hofft, dass er den hellen Puderfleck auf ihrem rosagrün gestreiftem Pulli und die platte Strähne, die ihr permanent im Gesicht hängt, nicht bemerkt.
Während sie ihn anblickt und ihren schwarzen Blazer mit der selbstgebastelten, roten Stoffblume am Revers überzieht, fragt sie sich, warum ihr jener Mann noch nie aufgefallen ist; nicht einmal als sie heute auf der Bühne stand und doch wie so oft den Blick durchs Publikum hat schweifen lassen.
Er sieht aus, denkt sie sich im Stillen, als wäre er Fotograf, Politiklehrer oder aus einem Krimi entsprungen - wo er ganz sicherlich klischeegerecht einen hochgesteckten Namen mit von in der Mitte und die Tatwaffe im Rücken tragen würde; das elende, vermögende Opfer und der wohl kultivierteste Mensch, den sie jemals antreffen durfte.

Hölli
04.03.2006, 20:44
"Du sagst, wir holen uns ein Schwein vom Metzger und präparieren es ein wenig. Das ist kein großes Problem, denke ich. Und hey... wozu habe ich denn bitte Anatomie studiert, wenn ich damit kein Geld machen kann? Das ist doch jetzt die perfekte Gelegenheit. 5000 verdammte Euros!
Aber was will der Kerl nun eigentlich? Will er so eine richtige frische Leiche, also eine, die gerade erst gestorben ist oder gibt er sich damit zufrieden, wenn wir ihm die Einzelteile liefern? Zweiteres wäre nicht das Problem, Ersteres würde doch etwas komplizierter werden."
Matthias hebt sein Glas und beide stoßen auf das Geschäft an. Er nimmt einen kräftigen Schluck und mit einem hauch freudiger Erwartung fragt er neugierig: "Also, wann und wo lassen wir die Party steigen? Ist noch jemand eingeweiht außer uns beiden? Also und außer dem Necrophilen da... hahahahaha." Das Lachen ist diesmal ein richtig herzhaftes und man merkt, wie der Alkohol und das Gespräch mit dem alten Bekannten (und nicht zuletzt die Aussicht auf jede Menge Schotter) das Eis an seiner Oberfläche brechen ließen.

Mäxchen
12.03.2006, 20:24
Die Gehirnstränge waren einfach nur noch müde, wollten nicht nachdenken, wollten ruhen, schlafen, ließen die Augen kraftlos in die Dunkelheit blicken, die nur von dem Lichtern der Stadt und geringfügigen Mondschein, der durch die schmalen Fenster deines Schlafzimmers dringen, zurückweicht. Seither du, mit senktem Blick, schweigend den geforderten Preis des unertragbar gut gelaunten Taxifahrers bezahlt hattest, durch das steril erhellte Treppenhaus in deine kleine Wohnung gingst, während du dich, anfangs noch an denen der Mikrowelle und der Kaffemaschine, an den rot aufleuchtenden Punkten des Fernsehers und Computers orientierend in dein Zimmer zurückziehst, den, sich so abartig und fremd anfühlenden, Rucksack nur wahllos in eine Ecke werfend, und versuchend, den heutigen Tag, die heutigen Bilder, die in deinen Kopf spucken, einfach mitsamt Kleidung ausziehen zu können.
Es würde alles wieder gut werden, du seist daran schuld.
Wie oft haben sie diese Worte zu dir gesagt? Tausendmal sprachen sie davon, folterten dich mit diesen Aussagen, quälten jegliches Verständnis für Leben in deiner Seele mit dieser Vorstellung.
Sie sprachen davon, welche Strafe man dir aufhalsen würde, sie sprachen davon, in welcher Verantwortungslosigkeit du doch gehandelt hättest, und immer wieder beteuerst du, Herr deiner Sinne gewesen zu sein.
Die Dunkelheit hat eine Auswirkung auf den menschlichen Organismus. Sie lässt alles fremd erscheinen, weit entfernt. Wenn alles dunkel um einen herum ist, so ist man allein mit jeglichem Gefühl, welches auf die Lunge drückt, und das Herz still stehen lässt. Wenn alles um einen herum dunkel ist, dann wird der Mensch müde- müde seines Lebens.
Und dann, wenn er alleine ist, hört er die Stimmen in sich sprechen, die Stimmen des Gewissens, der Moral, die tadelnden Stimmen, die einen immer wieder daran erinnern, dass man existiert.

Mäxchen
12.03.2006, 21:19
Wie er spricht, wie er sich verhält, seine höfliche, charmante, zuvorkommende Art, wenn er ausspricht, was du gerade denkst, wenn er dir mit wohl gewählten Komplimenten schmeichelt, wenn er mit dir, schon fast unheimlich faszinierenden, Bewegungen die Gedanken raubt, du dich in einer unnatürlichen Ekstase der Erotik wiederfindest, beweist, was den heutigen Männern dieser modernen Gesellschaft fehlt, diesen tölpelhaften Gesatelten, die dich des Nachts billig anmachten, wohl darauf bedacht, eine Nacht mit dir verbringen zu können, wenn sie dir mit schlechten, kitschigen Fusseleien näher zukommen versuchen.
Er hat dich in eines der nobelsten Restaurant der Stadt ausgeführt, ein Laden, von dem man sagt, dass die Kochkünste hier selbst den nobelsten Gestalten der Bundesrepublik gefallen würde, und ja, das glaubst du gerne, wie du hier gerade sitzt, berauscht von den unzähligen Düften, die den Raum erfüllen, die unzähligen Varianten verschiedenster Parfüme, die die feinen weiblichen Kunden auf ihrer Haut tragen, und der dampfende Geruch der edlen Speisen. So mischt sich der Geruch von Kavier mit gesonderten Saft einer Zitrone, frische Austern mit Lavendelölen, der gebratene Spieß mit Rosenduft. Ein berauschendes Aroma, welches das Gehirn traumatisiert und zu exotischen Phantasien anregt.
Nachdem er sich dezent dafür entschuldigt hatte, dies nicht schon vorher erledigt zu haben, stellt er sich als ein gewisser Felix Fettel vor, Kunstbegeisterter und zuständig für einige Gallerien hier in der Stadt, primär allerdings ersteres. Es dauert eine Weile, bis ihr bestellt, auch bis du dich bei dieser Auswahl nichtssagender Angebote für etwas entschieden hast, und in dieser Zeit fließt eine Menge Wein, die dich noch mehr berauscht, ihn aber kalt zu lassen scheint. Noch immer schaut er dich selbstsicher durch seine Brillengläser an, mit seinen raubtierhaften Augen, die sich so verzerren, wie der Ausdruck des Jägers, sich zum Sprung auf seine Beute bereit machend.
Ihr redet nicht sporadisch über dies und das, über die Gott und die Welt, über Hobbies und Beruf, sondern mit vollster Euphorie über die Kunst, über das Theather, und immer wieder bemerkst du seine subtilen Anspielungen auf dein wunderbares Spiel, wie gut du doch aussehest, und wie sehr du ihn faszinierst.
Du faszinierst ihn.

Mäxchen
20.03.2006, 20:31
Jetzt, wo du die Sache wieder mit einem klaren Verstand betrachten kannst, nicht beeinträchtigt durch die künstliche Euphorie hervorgerufen durch den Alkohol, der jegliches rationale Denken betäubt, jegliche bodenständige Betrachtensweise behindertert hat, erscheint das ganze Unterfangen doch wahnsinniger, als es noch vor zwei Tagen schien, als man mit vollen Gläsern auf das großartige, und natürlich hundert prozentig sichere Vorhaben angestoßen hat.
Alex, seine Nervorsität mit schlechten, penetranten Gags irgendwie zu verbergen versuchend, fuhr bereits mit dem Transportwagen vor, dessen linke, weiße Außenwand von dem einnehmenden Werbelogo einer hier ansäßigen Großschlachterei geschmückt wurde. Danach ward in eben dieser gewesen, vorbei an den unzähligen blutigen Schweinehälften, wo allerdings keine Zeit blieb, den ein oder anderen interessierten Blick in diese werfen zu können, zu einem, irgendwie genervten, unablässig rauchenden Handlanger der Schlachterei, der euch ermöglichte, einen der Kadarver bis zur Unkenntlichkeit zu zerhackstückeln, und in einer typischen orangen Kiste mit Eis einzulegen. Natürlich überließ man dir den größten Teil der Arbeit, selbst wenn Alex immer wieder versuchte, sporadisch mit anzupacken, packte ihn doch rasch der Ekel, und so oblag es ihm, den hetzenden Schlachtergesellen immer wieder zu beteuern, daß das Geld natürlich schon längst überwiesen sei.
Dann verfrachtete man das Gut im hinteren Teil des Wagens, und während du schwiegst, in den Nachthimmel starrtest, erzählte dir Alex ungefähr hundertausendmal, wo man denn mit dem Perversen verabredet sei, immer wieder die Strecke voraussagend, wie eine dieser elektronischen Weiberstimme, dieses technische Gerät, welches man 'Navi' nannte, und natürlich nicht, ohne auszulassen, wie viele Mädchen er doch in der Zeit, wo man sich aus den Augen verlor, flachgelegt habe (selbst mit deiner geringen Menschenkenntniss war nicht zu überhören, daß die von ihm damit erwähnten Zahlen einfach viel zu hoch gesteckt waren, und es sich bei dem von ihm erzählten Geschichten wohl eher um das übertriebene Schwellen der männlichen Brust handelte, als um alles andere).
Der verabredete Treffpunkt, da, wo man das morbide Geschäft abwickeln wollte, war eine kleine Einbuchtung einer Schnellstraße nicht unweit der Stadt. Von hier aus führte eine Straße zu einem Bauernhof, dessen Lichter die Dunkelheit bersteten, und dessen Geruch der Landluft (genauer gesagt Gülle) sich über die ganze Gegend erstreckte. Bekannt war dieser Ort für diverse Tauschgeschäfte mit Drogendealern mit jungen Kids, die sich für wenig Geld einen gefährlichen Kick geben wollten, und jetzt, wo du unweigerlich einsehen musst, daß sich dieser Ort für solche Art von Geschäften wirklich herausragend eignet, schenkst du diesem Gerücht nun auch sehr viel mehr Glauben, als noch wenige Stunden zuvor.
Die Scheinwerfer des Wagens hattet ihr lieber angelassen, selbst der Motor lief noch- selbst wenn keiner von euch beiden in diesen Augenblicken, in denen ihr auf die Ankunft dieses Menschenfressers, damit sich der Knoten in der Brust endlich lösen könnte, wie die Sehnsucht, dass die Scheiße, die man begonnen hatte, endlich aufhören konnte, so daß man mit der Gewissheit seiner vollständigem Männlichkeit beruhigt in's Bett steigen konnte, habt ihr lieber den Motor angelassen (warum aber weiß keiner von euch so genau). Und so waretet ihr, und wartet ihr, hört das scharen von Rinderhufen in der Ferne, welches, durch das physikalische Wunderspiel des Echos, zu einer unnatürlichen Lautstärke angewachsen ist, beobachtet die wenigen Autos, die zu dieser Zeit die Landstraße mit rasender Geschwindigkeit passieren. Gestalten, die hier fahren, deren Gründe für ihre Reise euch wohl ewig verschlossen bleiben- außer bei einem Perversen, ein Menschenfressert, den ihr über's Ohr hauen wollt, einen kranken Psychopathen, der wohl eine Menge Geld besäße, wenn er sich ein solches Mal leisten könne, ein Mensch, der andere Menschen fraß, sich ihrer Existenz beraubte, um den verbotenen Geschmack ihres lebenden Fleischeß genießen zu können.
Moral schien falsch in dieser Nacht, Moral schien weit weg, wie abgelegt, als du diesen Morgen aus dem Bett stiegst, kalt, fremd lag sie vor dir ausgebreitet, doch du blickst weg.
Und dann plötzlich fährt einer dieser unzähligen Lichtkegel nicht an euch vorbei, fährt nicht die Straße weiter hinab, um als kleines Leuchten irgendwann von der Schwärze gefressen werden, sondern fährt auf euch zu, Scheinwerferlicht, welches auf euch zuhält.

Derion
25.03.2006, 17:20
Zur Hälfte aus Unsicherheit und zur anderen Hälfte aus Zorn ballt Fabian seine Fäuste. Er kann seinen Vater einfach nicht verstehen. Der Computer ist sein Leben und er kann sich nicht einfach von jetzt auf nachher davon losreißen und "eine Frau kennenlernen". Daran hat er sowieso kaum Interesse.
Zurückgezogen und alleine - ja, das ist er. Aber es kümmert ihn einfach nicht.

Hastig isst er noch den Rest seines Brötchens und will ins Wohnzimmer gehen, doch er hält noch einmal kurz inne. 'Will ich jetzt wirklich weiter mit ihm diskutieren?', fragt er sich in Gedanken. 'Was hat das schon für einen Sinn. Es läuft sowieso nur wieder darauf, das er mich anschnauzt.'

Fabian kommt zu dem Schluss, doch lieber wieder ein bisschen im Internet zu surfen, egal was sein Vater davon hält. Er schließt die Türe seines Zimmers sorgfältig und atmet erleichtert auf, als er das Flimmern des Monitores sieht und das leise Surren des PC's hört.

Ankou
30.03.2006, 20:29
Ob es der Wein, die Umgebung oder einfach nur seine Anwesenheit ist, die sie sich fühlen lässt, als wäre sie eine ganz andere Frau, weiß sie nicht. Sie hinterfragt dieses angenehme Gefühl nicht einmal, lässt sich nur davon treiben, nie ernsthaft darauf bedacht, es aufrecht zu erhalten; das tut es gänzlich von alleine.
Sie hatte alle Zweifel, die sie in den ersten Minuten ihres Treffens hegte, längst vergessen. Er erschien ihr schon nach den ersten Worten nicht mehr wie ein halbinteressierter Zuschauer, sondern wie jemand, der sich nicht für das Spiel, nicht für das Theater, nicht für irgendetwas sonst auf dieser Welt interessiert - außer ihr selbst und ihr Spiel, ihren Auftritt, ihren Geist.
Sollte es der Wein sein, der ihr solch komisches Gedankengut hinter die Augen setzt, so trinkt sie gerne noch einen Schluck mehr und spürt, wie das zarte Rosé auf ihren Wangen nun kaum mehr zu übersehen ist.
Selma fühlt sich wohl in seiner Nähe, ist erfreut, jemanden gefunden zu haben (oder hat nicht vielmehr er sie gefunden?) mit dem sie so ungemein angenehme Gespräche führen kann und so bemerkt sie nicht, wie schnell die Zeit vergeht und sich das Lokal allmählich leert.
Irgendwann fällt ihr Blick durch Zufall auf die Uhr über dem Eingang des Restaurants und die Zeit, die dort angezeigt wird, gibt ihr zum ersten Mal Anlass, sich umzusehen. Es sitzen nur noch vier andere Personen mit ihnen in dem Lokal. Ein Mann, der alleine an einem Tisch sitzt, als würde er auf jemanden warten und eine illustre Runde von drei Frauen, bei der viel Wein geflossen ist. Erst jetzt nimmt Selma das leise Gegacker der Damen wahr und muss sich eingestehen, dass sie selbst wahrscheinlich nicht weniger betrunken ist.
Wenngleich sie gerne noch länger bei ihm sitzen und seiner Stimme lauschen würde, macht sie ihn auf die fortgeschrittene Zeit aufmerksam und die Tatsache, dass sie morgen recht früh zu den Proben muss - obwohl es Freitagabend ist.
Ihr Innerstes sträubt sich dagegen, zu gehen, zu gerne würde sie noch weiter bei ihm sitzen und dieses interessante, unterhaltende Gespräch fortführen, das nicht nur von Worten, sondern Gesten, Blicken und Andeutungen lebt, von denen sie selbst nicht weiß, ob sie ihr missfallen oder nicht doch eher gefallen. Sie tendiert zu Letzterem.
Gib mir einen Grund zu bleiben, denkt sie und versinkt schon wieder im Klang seiner Stimme.

Hölli
11.04.2006, 21:12
"Das muss er sein! Fällt wirklich garnicht auf, der fährt sein Auto wie jeder andere auch..." Matthias flüstert nur, aber selbst das Flüstern wirkt schon fast wie normales Gerede. Die Scheibe auf dem Beifahrersitz ist rutnergekurbelt und nun lehnt sich Matthias wieder ein wenig aus dem Fenster um einen Zug an seiner Zigarette zu nehmen.
Nervös fummelt er an seinen Haaren rum.
Als die Scheinwerfer des Autos dichter zu kommen scheinen und langsamer werden, fast er den mutigen Entschluss, auszusteigen. Er stößt Alex an und bedeutet ihm mit einem Kopfnicken, dasselbe zu tun. Den Mund kann und will er garnicht aufmachen, er würde wohl eh kaum einen Ton herausbekommen.
'Was ist, wenn er den Schwindel sofort bemerkt? Wenn er stattdessen lieber uns nimmt? Wieso habe ich eigentlich nichtmal mein Taschenmesser dabei?'
Nun steckt er eine Hand in seine Hosentasche und packt das Schlüsselbund. Bereit, denjenigen damit zu verletzen, der ihn auch nur im geringsten Maße überrascht oder erschreckt.
Zweimal unterbricht ein Türknallen die Stille der Nacht. Jetzt stehen Alex und Matthias, immernoch sein Schlüsselbund in der Hosentaschen umfassend, ein wenig desorientiert am Wagen und warten ab, wer aus dem anderen Auto aussteigt.
Wie sieht so ein Kannibale eigentlich aus?

Mäxchen
05.05.2006, 15:32
... eine Frage, die sich schnell beantworten soll, als die schweren Türen des deutschen Autos aufschwingen, sich die Gestalt aus dem Schatten erhebt, umgeben vom Schein der eurigen Scheinwerfer, erst dann daraus hervortritt, und sich mit zu erkennen gebenden Konturen deine Frage beantwortet.
Wahrlich, eine männliche Gestalt, die du, sofern du sie auf der offenen Straße erblickt hättest, für einen Geschäftsmann, wohl an einen erfolgreichen, gehalten hättest. Lässig in Anzug und Schlips gekleidet, die Haare, die Ansätze von Locken verraten, in's Gesicht fallend, einen verrückten, glasigen Blick teilweise verbergend.
Ales, die ganze Situation durch Seriösität und Coolness irgendwie zu lösen versuchend, verweist nur auf die hintere Ladefläche des Transporters, die er höfflich aufschließt, mit einer Taschenlampe nach der gewünschten Ware leuchtet.
So unwirklich wirkt das, eines schlimmen Traumes gleich, dessen Perversion und Surrealität man nicht Herr wird, das aber do so nah wirkt, so schmerzt, so quält, dass du die Geschwindigkeit nicht festhalten, ihr nicht folgen kannst. Plötzlich steht er dort, zwar den Inhalt der quitschorangen Kiste irgendwie gar nicht musternd, und dennoch verrät sein Gesicht sein Treiben, seine Gedanken, verrät, dass er den Schwindel durchschaut.
Gleich einer Gestalt, deren Bewegungen durch Alkohol getrübt, gleich eines Verwirrten, dessen Herz von Wut entbrannt, gleich eines Irren, dessen Heil nur die Rache ist, taumelt er zurück, schreit euch an, dass er sich nicht verarschen ließe, dass ihr schon früher aufstehen müsst, um ihn auf's Kreuz zu lesen, zieht eine Waffe aus der Innenseite seines Jackets.
"Na, wie gefällt euch das, ihr Arschlöcher."
Wie das Federkleid eines Rabens, dessen bedrohliche dunkle Gestalt nichts Gutes verheißt, wirkt seine Aufmachung im nächtlichen Schein der Gestrine, wie die Genüßlichkeit eines Tieres, das der Faszination der Grausamkeit anheim fällt, zeigt sich sein Gesicht, als er sich in diesem Moment seiner Macht bewusst ist.
"Wenn ihr es mir nicht bringen könnt... muss ich es mir eben holen."
Das Herz rast.

Mäxchen
05.05.2006, 16:10
"Ich bitte sie, Selma, bleiben sie noch eine Weile, die Nacht hat doch gerade erst ihre Schönheit offenbahrt, und ich möchte, da sie einen Teil von ihr geschenkt bekommen. Sagen wir, ein kleines Präsent meinerseits für ihr grandioses Schauspieles, was mich so erfreut und das sonst so blaße Sein mit Farbe erfüllt hat."
Seine Finger umschließen deine Hand, unbedacht hattest du sie auf dem Tisch liegen gelaßen, nun sind sie verhüllt von unnatürlicher Kälte.
"Lasst mich euer Können konservieren, es ewig für die Nachwelt festhalten. Kostet vom Elexier Gottes selbst. Selma, bleibt jetzt bei mir, und euch werde euch ein Reich unermesslicher Möglichkeiten darbieten..."
Was lässt sich aus seinem Blick erraten, der nun den deinen durchbohrt. Wirres Zeug eines Menschen, den du vorher hättest aus den Weg gehen sollen, als du noch leicht die Chance dazu hättest- oder aber das Versprechen eines Heilandes?

Hölli
09.05.2006, 22:09
Einige Flüche ausspuckend, duckt sich Matthias sofort instinktiv, um irgendwo hinter dem Lastwagen Deckung zu suchen.
Dann probiert er, auf den Irren einzureden, was ihn sehr viel Kraft und Überwindung kostet.
"Aber.. Aber, da ist doch überhaupt kein Unterschied zu einem Menschen auszumachen. Wieso muss es unbedingt ein Mensch sein?"
Die Knie geben nach und seine einzige Stütze ist die Haube des LKWs, an die er sich klammert. Er gibt sich alle Mühe, so mutig wie möglich aufzutreten.
Dann fällt sein Blick auf Alex. Von der Angst so sehr gelähmt, steht er noch mitten in der Reichweite des Irren und starrt ihn einfach nur an. Matthias probiert, ihn wieder ins Bewußtsein zu holen, indem er ihm mit gedämpfter Stimme zuruft.
"Psst! Alex! Komm her! Alex!!"
Sein Blick fällt auf die Autotür. Einsteigen und weg von hier. Doch dann besinnt er sich wieder. In dem Zustand würde er wohl oder übel gegen den nächsten Baum fahren. Und Alex zurück lassen konnte er auch nicht wirklich. Dafür war er ihm in den letzten Tagen wieder zu Nahe gekommen, als sie zusammen das Schwein sezierten.
Wie konnte der Schwindel überhaupt auffliegen?
"Lassen Sie uns gehen, wir kommen in einer Woche wieder und bringen Ihnen eine echte Leiche. Das wird kein Problem sein, da ich selber viel mit Leichen zu tun habe! Seien sie doch vernünftig!"
Sowas riefen die Menschen in den Horrorstreifen schließlich auch immer, wenn sie bedroht wurden.
'Wie in einem Horrorfilm...
Nur ist es diesmal kein Film und vom Happy End sind wir auch noch ein ganzes Stück entfernt'

Ankou
20.08.2006, 18:21
Nett, charmant, charismatisch, gutaussehend und dazu noch verliebt in das Theaterspiel - nachdem ihr so viel Glück mit diesem Herren passierte, hätte sie es doch wissen müssen, dass es einen Haken gibt.
Vielleicht hätte sie darüber hinwegesehen, ihm ein Lächeln schenken und gehen können - um sich danach nie wieder zu melden - würde ihr seine Hand an ihren Fingern nicht so bedrohlich vorkommen, sein Lächeln nicht plötzlich wie das eines verrückten Professors, der in seinem Kämmerchen sitzt und jungen Frauen auf der Suche nach dem Elixier des Lebens die Adern aufschlitzt.
Und so schluckt sie schwer, schüttelt den Kopf und versucht, ihren Lippen einen Hauch von Lächeln zu verleihen, ehe sie ihre Hand aus der seinen löst und sich durch das helle Haar streicht.
Als er von einem Präsent redete, von der Schönheit der Nacht, da dachte sie für einen kurzen Augenblick, es wäre wieder so ein Spruch, um sie ins Bett zu bekommen - schöner verpackt, eleganter ausgedrückt, sodass sie wohl tatsächlich zugestimmt hätte, doch bei seinen letzten Worten stieg wieder die alte Nervosität in ihr hoch, die der Wein und seine so schmeichelnde Art lange Zeit unterdrückt hatten und verdrängte jegliche Erotik.
"Elixier Gottes" - sie fragt sich, ob dieser ganze Abend nicht viel zu viel Aufwand dafür ist, ihr eine neue Droge unterzujubeln. ("Viel besser als der andere Stoff - wenn Du das nimmst, dann fliegst Du!") Aber glaubst Du das denn tatsächlich, Selma?
Vielleicht ist es jetzt Zeit, den Kellner zu holen, sich ein Taxi rufen zu lassen und so schnell wie möglich hier zu verschwinden. Und doch ... und doch ist da noch seine Aura, diese Anziehungskraft, die sie verzauberte und gemischt mit seinen Worten eine Droge erschuf, die sie tatsächlich fliegen ließ - und nun erschaudern lässt, an ihrem Platz hält, weiter Interesse weckt an seinen Worten.
Hatte sie nicht darum gebeten, dass er ihr einen Grund gibt, noch weiter seiner Stimme zu lauschen?
Doch, Selma, das hattest Du.
Sie beißt sich auf die Unterlippe.
"Ich verstehe nicht so recht, was Sie meinen, Felix."