PDA

View Full Version : [RPG] Schreibthread Team Zimt (Nur für Teilnehmer!) #2



Salieri
17.10.2010, 00:31
~φ~ Schreibthread Team Zimt ~φ~

So, nun ist es endlich soweit, die Schreibthreads öffnen ihre Pforten und alle Teilnehmer können loslegen. Wir freuen uns riesig bald eure Geschichten lesen zu dürfen. Dieser Thread ist ausnahmslos für die Teammitglieder die auf den Titel Zimt hören, jeder andere der meint hier rein posten zu müssen wird entsprechend die Konsequenzen zu tragen haben. Alle Schreiberlinge des Teams müssen sich ihrerseits natürlich an die Regeln halten, Zuwiderhandlungen werden entsprechend bestraft.
Wir hoffen sehr, dass ihr euch über euer vorgehen regelmäßig absprecht, dazu könnt ihr zwar hier einen Thread eröffnen, da der aber von jedem zu lesen ist solltet ihr auf einen Messenger mit Gruppenchat oder sogar auf Teamspeak zurück greifen. – Bei Fragen und Problemen helfen wir euch auch gern weiter.
Naja, dann mal ohne weitere Umschweife:

Viel Spaß!

~φ~________________________________________________________________
1. Es gelten sämtliche Forenregeln. Nichtbeachten kann eine Disqualifikation eines Schreibers, eines Teams oder sogar eine Sperre bzw. einen Bann nach sich ziehen.
2. Abschreiben, Ideenklau und teamübergreifende Absprachen jeglicher Art sind verboten und führen sofort zu einer Disqualifikation des gesamten Teams.
3. Anweisungen von Administratoren, Moderatoren und Juroren ist unbedingt Folge zu leisten.
4. Die Entscheidungen von Juroren oder Forenmitarbeitern sind zunächst unantastbar. Wenn sich jemand schlecht oder ungerecht behandelt fühlt, bitte eine PN an mich, vorher aber dennoch den Anweisungen folgen.
5. Jeder Posting muss mindestens 20 Zeilen haben.
6. Doppelpostings sind verboten.
7. Die Vorgeschichte ist unabänderlich. Sie beinhaltet die Grundlage um vernünftig bewerten zu können. lediglich Ergänzungen sind möglich.
8. Namen von gegebenen Personen und Orten müssen beibehalten werden.
9. Änderungen des Charakterprofils sind nach Beginn des Wettbewerbs unmöglich.
10. Die Befehle "<IN>" und "<OUT>" dürfen benutzt werden um Erläuterungen oder Anfangs auch Chrakteraussehen und Waffenaussehen (auch mit Bildern) zu erläutern, dabei gilt: <IN> - Alles fließt in die Bewertung mit ein und gilt als Storyfortsetzung.
<OUT> - Geschriebenes ist für die Bewertung belanglos und ist als eine Art Fußnote anzusehen.
11. Keine Signaturen im Schreibthread.
12. Jedes Teammitglied muss eingebunden werden und selber Abschnitte der Geschichte schreiben.
~φ~________________________________________________________________

Claw

Name: Meister Volek
Alter: 68
Geschlecht: männlich
Klasse: Magier
Beruf: Alchemist
Waffe: krummer Holzstab, Fläschchen mit instabilen Flüssigkeiten
Magie: Feuermagie
Rüstung: Robe
Stärken: gute Kenntnisse der Alchemie und Magie; für sein Alter noch recht flink; belesen
Schwächen: körperlich nicht sehr stark; leidet oft unter seiner Verwirrung, Orientierungslosigkeit und seinem schlechtem Namensgedächtnis
Beschreibung: relativ blasse Haut, aufgrund seiner nördlichen Herkunft; Statur: dünn, etwa 1,76 m groß; wildes ergrautes Haar; grauer Bart; stechend blaue Augen
Geschichte: Meister Volek kam vor Jahren aus einem relativ unbekannten Land weit nördlich von Siman und Abn. Es heißt, er wäre dort vor einem Bürgerkrieg geflohen und hätte in Siman seine neue Heimat gesucht. Ein Sultan hatte ihn kurz nach seiner Ankunft entdeckt und sich von seinen magischen Künsten überzeugt. Mit Genehmigung des Kalifen durfte Volek nach Tromha, die große Tempelstadt von Siman. Dort begann er die Kultur von Siman kennenzulernen und wurde alsbald dank seines Talents in den magischen Künsten und der Alchemie in den Zirkel der Siman-Magier aufgenommen. Hauptsächlich war er mit der Zubereitung von seltenen Tränken und der Ausbildung junger Adepten beschäftigt, aber mit der Zeit ließ seine geistige Stärke und Klarheit nach mehreren Unfällen mit völlig neu erfundenen Chemikalien nach und ihm wurde zur Sicherheit der Adepten der Posten des Lehrmeisters entzogen. Mit seiner neu dazugewonnen Zeit intensivierte er seine Forschung auf dem Gebiet der Alchemie. Aber auch als "Erfinder" einiger neuer Zaubersprüche konnte er zumindest teilweise seine Ehre zurückerlangen.
Seit einigen Monden ist Meister Volek aufgrund einer Feldstudie in den weiten Wüstengebieten nördlich von Tromha unterwegs. Manche Adepten behaupten, der alte "Wirrkopf" sei mit einem halben Dutzend Tempelwächter zu einer längst verlorene Ruine aufgebrochen, um dort eventuell alte, längst vergessene Zauberformeln und Zutatenlisten für besonders schwierige Tränke zu finden. Andere behaupten, er hätte nun komplett den Verstand verloren und versuche eine Möglichkeit zu finden, aus Sand Gold zu machen...


Maris

Name: Jibril ben Sadiq ad al-Djabal
Alter: 37
Geschlecht: männlich
Klasse: Sayyid (niederer Adel)*
Beruf: Lehensbesitzer
Waffe: Prachtsäbel (eher zu Repräsentativzwecken), Dolch
Magie: keine
Rüstung: Brokatgewand, später Wildlederwams
Stärken: schnelle Auffassungsgabe und Taktikverständnis, generell recht gelehrt, passabler Reiter
Schwächen: recht feige, kein besonders guter Kämpfer, oft innerlich zerrissen
Beschreibung: Jibril ist eine sehr nachdenkliche Person, die fast schon zu oft das Tun anderer, vor allem aber sein eigenes Handeln hinterfragt. Durch sein Lehen, ein an einer ergiebigen Oase gelegenes Dorf, verfügt er – ebenso wie sein Ziehvater vor ihm - über gewisse finanzielle Rücklagen, die ihm eine gute Bildung ohne das geistliche Leben, das sein Bruder gewählt hatte, ermöglichen. Die beste Waffe dieses Mannes ist weder Magie noch Schwert, sondern das Wort. Neben seinem diplomatischen Können und den im Laufe der Zeit erworbenen Beziehungen in Siman und teilweise über die Grenzen hinaus ist er ein passionierter Reiter, der einem kleinen Ausritt nur selten widerstehen kann.
Geschichte: Jibril ben Sadiq ad al-Dschabal ist der Sohn von Sadiq ben Mahmut ben Salim ad al-Dschabal und Sayyid unter Emir Harul al-Tabir, der wiederum Sultan Zuhal III. unterstellt ist. Das heißt: er ist nicht wirklich der Sohn des bereits verstorbenen alten Sayyids, sondern wurde als Kind von diesem adoptiert, nachdem seine Familie in den steten Anfeindungen zwischen Siman und Ta’sah zum Opfer der Sklaverei geworden war. Der Sayyid besaß damals bereits einen Sohn, der wenige Jahre älter war als Jibril und der rechtmäßige Erbe des Lehens, doch schon in der Kindheit war es der sehnlichste Wunsch Rashids gewesen, seinem Gott Salleh zu dienen, und so entsagte der ältere der beiden Brüder, die keine waren, allem Weltlichen.
Salleh war nicht Jibrils Gott. Er war von seinen leiblichen Eltern im Glauben seines Herkunftslandes, an das er sich kaum noch erinnern konnte und das seit Jahren im erbitterten Krieg mit seiner Heimat lag, erzogen worden, und auch wenn er öffentlich dem Gott der Simaner huldigen musste, so betete er doch innerlich stets zu Hewa, der ironischerweise der selbe Gott, doch von einem anderen Propheten verkündet worden war.
Der alte Sayyid behandelte Jibril stets wie seinen wirklichen Sohn, besonders nachdem Rashid als Erbe nicht mehr in Frage kam, und so erhielt der Ziehsohn eine hervorragende Ausbildung in den geläufigen Wissenschaften, um ein würdiger Erbe zu sein. Jibril musste ungefähr zwanzig Lenze alt gewesen sein, als Sadiq starb und die Söhne, die sich ohnehin nie allzu gut verstanden hatten, sich nur umso mehr entzweiten. Während Rashid in den folgenden Jahren zum Imam des Tempels von Sab aufstieg, verwaltete Jibril das ihm übertragene Dorf Lissah nahe der Grenze zu Ta‘sah. Rein zufällig plant Jibril nun nach jahrelanger Trennung eine Reise nach Sab, um sich mit seinem Bruder auszusöhnen, als ihn der Aufruf des Großwesirs erreicht.

*Sayyid: niederer Adel, Lehensbesitzer unter einem Emir (Fürst). Verfügt über gute Ausbildung, diplomatisches Geschick und weitreichende Kontakte, verliert im Kampf aber schnell den Mut und steht ungern in vorderster Front


thefilth

Name: Naherhm Kasad
Alter: 27
Geschlecht: männlich
Klasse: Schwert-/Klingenkämpfer
Beruf: Söldner
Waffe: 2x Scimitar (http://www.andreas.blicher.info/images/Scimitar.jpg), Khukri (http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/a5/Khukri-knife.jpg)*, Wurfmesser (http://www.messerwerfen.de/images/Glock_Wurfmesser.jpg)
Magie: (Nur bei Magier/Heiler!)
Rüstung: Hemd -> Lederwams; Lederstiefel; teilweise Handschuhe;
Stärken: Kriegserfahren, intelligent (Rechnen und Rhetorik)
Schwächen: Ungeschickt mit Frauen (im Sinne von schüchtern), atheistisch (im Sinne von ungern von Priestern gesehen), sarkastisch (im Sinne von Freude mit der Obrigkeit); Alles allerdings im spielbaren Rahmen
Beschreibung: Dunkelgrauer Poncho mit Kapuze, der bis zu den Knien reicht; Schwerter auf dem Rücken, Köpfe ragen durch Löcher des Ponchos. Zieht er den Poncho aus, erkennt man die dunkle Lederrüstung, zwei kleine (Wurf-)messer in der Nierengegend, ein größeres Messer am Oberschenkel. Sein Gepäck besteht aus einem großen Sack.
Er hat schulterlange, dunkle Haare, die er entweder offen trägt oder zu einem Zopf zusammenbindet. Ein Allerweltsgesicht (am ehesten noch mit Josh Hartnett zu vergleichen), spitzer Bart am Kinn, mehrere Narben (eine große über die rechte Wange, kleinere an Schläfe, Augenbraue, Oberlippe und Ohr). Dunklebraune Augen.
Geschichte: Sohn eines Generals in Tremah. Mutter ist früh gestorben, der konservative-fundamentalistische Vater hat ihn erzogen. Bei Eintritt in die Armee (17) bekannte er sich zum Ersten Mal zum Atheismus und verließ das Haus des Vaters. Als bei einem Manöver gegen Ta'sah seine Einheit völlig ausgelöscht wird (21), flieht er durch die Wüste und kommt 3 Monate später zurück in seine Heimatstadt, wo er als Totgeglaubter einiges an Verwirrung stiftet. Als er offiziell als lebendig gilt, tritt er aus der Armee aus (22) und wird freischaffender Söldner. Er erhält einige Aufträge für das Kalifat und erledigt diese effizient und blutig. Deswegen, und weil kaum einer mehr seinen wahren Namen kennt, wird er "Der Hund" (24) genannt.

*Das Kukhri ist sein "größter" Besitz. Er fand ihn auf seinen Irrgängen in der Wüste und sieht ihn als Zeichen dafür, dass er seiner Berufung nach geht.


Xaverine

Name: Aziza
Alter: Mitte 20
Geschlecht: Weiblich
Klasse: Magier
Beruf: Händler
Waffe: /
Magie: Wassermagie
Rüstung: Reichlich verziertes Reisegewand inklusive Umhang
Stärken: Ehrgeizig, wirkt freundlich und umgänglich
Schwächen: Geldgierig, intrigant, feige, hauptsächlich auf ihren eigenen Vorteil bedacht
Beschreibung: Aziza ist eine große, nicht gerade schlanke und doch keine gänzlich unbewegliche junge Frau von goldbrauner Haut, dunklen Augen und ebenso dunklem Haar. Letzteres versteckt sie zumeist unter der Kapuze ihres weißen Reiseumhangs, während ihre restliche Kleidung ihr nur wenig Schutz vor den Gefahren der Wüste bietet.
Geschichte: Aziza stammt aus einer wohlhabenden, allerdings nicht allzu nahmhaften Kaufmannsfamilie. Als älteste von drei Töchtern, ein Sohn wurde ihren Eltern nicht geschenkt, führt sie seit einigen Jahren jene Tradition fort, die ihrer Familie all den Reichtum beschert hatte: Sie versorgt die kleinen, abgelegenen Ortschaften des Kalifats Siman mit dem in der Wüste dringend benötigtem Wasser. Selbstredend für einen hohen Preis und doch scheinen die Menschen ihr allernorts wohlgesinnt zu sein.
Denn Aziza trägt seit ihrer Kindheit ein Geheimnis mit sich herum. Ihr ist die Fähigkeit gegeben, den Sand der Wüste in erfrischendes Wasser zu wandeln und obwohl sie viele Wochen in höchster Konzentration verbringen muss, um ausreichende Mengen für den Kleinhandel herzustellen, blüht ihr Geschäft dank ihrer seltenen Gabe. Und obwohl Aziza dank derer geradezu perfekt erscheint, um die Gruppe der Gesandten des Großwesirs zu ergänzen, ist sie keineswegs darauf bedacht, ihren künftigen Gefährten ihr Geheimnis zu offenbaren.

~φ~________________________________________________________________

Salieri
17.10.2010, 00:32
Der Kalif Abu Nazir ibn Chadim at-Sab liegt im Sterben, sein einziger Sohn und Thronerbe Kasim ibn Nazir at-Sab ist erst 17, weshalb die Sultane das Reich an seiner statt übernommen haben und zugleich einen alten Krieg mit dem Nachbarkalifat Ta‘sah führen müssen. Der Sultan Zuhal III. hat dabei den Vorsitz im Rat der Sultane.
Die Truppen des Landes sind demotiviert ob der Dauer des Krieges und des Zustands ihres Kalifen; die Kriegsmüdigkeit im Volk nimmt ebenfalls zu. In besetzten Gebieten regt sich der Wiederstand: Rebellenarmeen formieren sich und drohen das Kalifat von innen heraus zu zerstören während Ağa Hakim ibn Khan al-Malik an-Nasir at-Tromha an der Front eine Niederlage nach der anderen hin nehmen muss.
In schierer Verzweiflung wendet sich Großwesir Eslam al-Alam an einige Bürgerliche und niedere Adlige, wie auch an den Klerus und stellt eine Gruppe von Menschen zusammen die ein Heilmittel für den Kalifen finden sollen und sich aufgrund ihrer Anonymität innerhalb wie außerhalb des Kalifats unerkannt bewegen können, sollten sie enttarnt werden wäre das Reich dem Untergang geweiht. Ein jeder aus der gruppe erhielt eine Nachricht sich unverzüglich im Palast des Kalifen in der Hauptstadt einzufinden, völlig Ahnungslos erscheinen sie zur genannten Zeit um den Grund ihrer Anwesenheit zu erfahren.

Erläuterungen:
Kalif = Oberster Herrscher des Landes, des Kalifats.
Groß-(Wesir) = Zweiter Mann im Staat, hauptsächlich Ratgeber des Kalifen.
Sultan = Vertreter des Kalifen in Regierungsangelegenheiten, mehrere Sultanate bilden das Kalifat.
Abu = Vater
Ağa = Titel eines Hauptmanns
ibn = Sohn des
al-Alam =etwa „der Gelehrte“
al-Malik an-Nasir = etwa „der siegreiche Herrscher“
at-… = aus/von <Ort>

Die Bucht von Aden (Welt):
http://www.ld-host.de/uploads/thumbnails/c28f7440e942192d40ab92dd607082fc.png (http://www.ld-host.de/show/c28f7440e942192d40ab92dd607082fc.png)
Siman: Kalifat von Abu Nazir ibn Chadim at-Sab
Sab: Hauptstadt von Siman
Tromha: Tempelstadt in Siman
Ta’sah: Mit Siman verfeindetes Kalifat
Amhia: Hauptstadt von Ta’sah
Kabat: Tempelstadt von Ta’sah
Abn: Friedliches Kalifat im Norden, hauptsächlich von Nomaden bevölkertes Wüstenland
Dibn: Haupt- und Tempelstadt von Abn.
al-Inem: Sechs mehr oder minder fruchtbare Inseln die eine Art Kalifat bilden, jedoch keinerlei politische Aktivität zum Festland.
Inosh: Hauptstadt des al-Inem Inselkalifats

Maris
19.10.2010, 17:58
Glaube… woran glaube ich? Wofür kämpfe ich? Verstecke ich mich vor der Wahrheit?
Müde Augen wandten den Blick von dem stilisierten Kelch aus Gold und Silber ab. Ein Geschenk Rashids, seines Bruders. Eines Imams! Die Verpflichtung, den Anhänger zu tragen, verstand sich von selbst, und doch hätte Jibril das Schmuckstück am liebsten eingeschmolzen oder aus dem Fenster geworfen. Wieso nur tat er es nicht? War er so schwach?
Der Sayyid wandte sich erneut der Botschaft von Großwesir Eslam al-Alam zu, zweiter Mann im Staat und Berater des Kalifen. Er konnte es immer noch nicht verstehen, und dennoch folgte er pflichtgemäß dem Ruf des hohen Herrn. Der Kalif lag also im Sterben, auch ihn hatten diese Gerüchte ereilt. Was bei Hewas weisem Haupt aber hatte er damit zu schaffen? Er war nicht mehr als ein Sayyid, der Besitzer eines Dorfes. Die einzige Bedeutung, die er für sich verbuchen konnte, lag im Leben seiner Bauern, doch mit den Herrschern des Reiches hatte er doch nichts zu tun.
Noch einmal nahm sich Jibril die Botschaft vor und versuchte, zwischen den Zeilen den Grund für die merkwürdige Wahl zu finden:

Jibril ben Sadiq al-Dschabal, treuer Untertan Kalif Abu Nazirs,
Als Berater Eures Herrn und Gönners berufe ich Euch mit sofortiger Wirkung an den Hof des Kalifen, um eine wichtige Aufgabe zum Wohle Eures Vaterlandes anzunehmen. Zum nächsten Vollmond erwarten wir Euch in Sab.
Eslam al-Alam , Großwesir Kalif Abu Nazirs

Kein weiteres Wort des Boten hatte die Nachricht erläutert, keine versteckte Nachricht ließ sich finden. Das Siegel Eslam al-Alams jedenfalls schien echt. Nun, anstatt lang zu rätseln, solltest du dich einfach auf die Audienz vorbereiten.
Jibril sah sich um. Die Gästeunterkunft der Zitadelle zu Sab war wahrhaft eines Königs würdig, mit Samt und Brokat versetzt in prunkvollem Rot und Gold, den Farben der Könige. Selbst für ihn war es ein faszinierender Luxus, wenngleich sein Land nicht das kärgste war und auch sein Landsitz sich sehen lassen konnte. Als sich plötzlich die Tür öffnete, wurde der Sayyid aus seinen Gedanken gerissen.
„Euer Festgewand, Herr“, sprach der kleine mohrenhafte Diener, der den Raum mit der angesprochenen Kluft über dem Arm betreten hatte. Er mochte vielleicht gerade seinen zehnten Sommer durchleben, nicht mehr. „Kann ich sonst noch etwas für Euch tun?“
„Nein“, entgegnete Jibril und steckte dem Jungen eine im rot leuchtenden Abendlicht gülden strahlende Münze zu. „Kauf dir etwas davon!“
„Besten Dank, edler Herr. Möge Sellah Eure Pfade segnen! Ich warte vor dem Gemach auf Euch und werde Euch zur Audienz führen, sobald Ihr fertig seid.“

„Sellah…“, schnaubte der Zurückgelassene, nachdem der Diener den Raum verlassen hatte. In ihm rasten erneut die Gedanken über die Ehrlichkeit zu sich selbst, Mut, Ehre und Treue, während er die strahlend weiße, mit Goldstickereien verzierte Paradeuniform anzog und den mit diversen Ornamenten zu Ehren Sellahs versehenen Prunksäbel anlegte. Dann trat er hinaus und folgte dem Diener.

Die gewaltigen Hallen aus weißem Marmor, durchzogen von goldenen Adern, ließen ihn ehrfürchtig schaudern, während er schnellen Schrittes dem Jungen folgte, der sich zielstrebig über den tiefroten Samtteppich bewegte. Beutestücke und Geschenke aus fernen Landen zierten seinen Weg rechts und links, während über dem großen Doppelportal, das zur Ratskammer führte, das gewaltige steinerne Wappen des Kalifen prangte. Die Wachen links und rechts des Portals öffneten den Durchgang, und Jibril trat ein. Die Ratshalle war leer, bis auf eine Handvoll Männer in teils teuren und edlen Gewändern, teils recht schmucklosen Fummeln. Es war ein bizarres Bild, wie dieser vernarbte Krieger in seinem Lederwams vermeintlich gleichberechtigt neben dem ehrwürdigen Großwesir und seinen Beratern stand.

Was bei Hewa geht hier nur vor? Was sind das nur für Leute?
Zögernd trat er an die Gruppe heran, ließ den Blick nur flüchtig über den Krieger und ein Mädchen schweifen, das sich direkt neben ihm aufhielt, und verbeugte sich vor dem Großwesir.
"Sellah sei mit Euch, Herr."
Der hohe Herr erwiderte den Gruß.
"Darf ich offen sprechen? Ich folgte Eurem Ruf aus Pflichtbewusstsein, doch wirklich schlau wurde ich nicht daraus. Wie ich sehe, bin ich nicht der Einzige der geladen wurde, doch sehe ich nicht einen der Emire oder Sultane in dieser Halle. Es erscheint mir... unorthodox, gar verwirrend."

Claw
19.10.2010, 19:14
Erbarmungslos brannte die Sonne auf den heißen Wüstensand, keine Wolke so weit man nur sehen konnte versprach auch nur ein paar Minuten Linderung von diesem Martyrium. Es war ein typischer Tag inmitten der weiten Wüste nördlich von Tromha. Windstill und heiß. Nur eins störte das Bild der endlosen Wüste, mit ihren unzähligen Dünen: eine große Gruppe Menschen. Hierher verirrten sich für gewöhnlich allerhöchstens einmal ein paar Nomaden auf der Reise zur prächtigen Tempelstadt Tromha. Doch diese Menschen befanden sich nicht auf der Durchreise oder auf der Suche nach einer Oase. Diese Menschen suchten etwas anderes im Schoß der Wüste.
"Nein, nein, nein !" hallte es durch das sonst menschenleere Gebiet. Ein alter Mann mit einem Stock in der rechten Hand schüttelte wild mit dem Kopf, sein Gesicht tief hinter einem schwarzen Schal verborgen. Der Mann vor ihm, ein einfacher Arbeiter mit sonnengegerbter Haut und einer frisch rasierten Glatze zuckte mit den Schultern und blickte den Alten verwirrt an.
"Das ist keine Reliquie... das ist ein Stein, Mohamed !"
"Mufasa !"
"Wie auch immer... Du brauchst mir nicht jeden kleinen Stein zu bringen, den du im Sand findest." brummte der Alte hinter seinem Schal hervor und grabbschte nach dem Stein. Er sah ihn kurz an und schüttelte dann erneut den Kopf.
"Ein Bruckstück einer Wand. Keine Insignien oder Hinweise auf irgendetwas, was mir hilfreich sein könnte, Manfred."
"Mufasa."
"Ja ja, wie du meinst... Geh schon. Und komm erst wieder, wenn du etwas wertvolles gefunden hast."
Langsam trottete der Arbeiter weg, jedoch nicht ohne sich vorher etwas unverständliches in seinen gepflegten Schnurbart zu brummen. Zum wiederholten Male musste der Alte theatralisch den Kopf schütteln, ehe er sich langsam mithilfe seines Stabes vorwärts durch den Sand bewegte. Langsam erklomm er die Düne vor sich und blickte hinab auf die Ausgrabungsstelle. Dutzende Arbeiter, meist mit freiem Oberkörper, waren dabei gewaltige Steinblöcke vom Sand zu befreien. Viele Jahre hatte er er nach dieser Ruine gesucht. Entbehrungsreiche Jahre... Und nun hatte er endlich das sagenumwobene Grab des lange verstorbenen Priesters Rakhok gefunden. Legenden besagten, in dem darunter liegenden Gewölbe wären die unterschiedlichsten Schriftrollen und Rezepturen der seltensten Tränke zu finden, die jemals in diesen trockenen Ländereien hergestellt wurden. Jeder Alchemist des Landes würde sich die Finger danach lecken auch nur eine der Rezepturen in die Finger zu bekommen. Doch er war der Erste. Er würde das verschollene Wissen entdecken und sich aneignen. Dann würde er endlich wieder für seine offensichtliche Genialität respektiert werden. Dann wäre er wieder der größte Alchemist des Landes, den man nicht ständig auslachte, wenn in seinem Laboratorium mal wieder eine ungeplante Explosion stattfand. Dann wäre...
Mitten in seinen Tagträumen hörte der Alte plötzlich zwei Männer, die sich ihm näherten. Sie riefen seinen Namen. Aufregung lag in ihren Stimmen.
"Meister Volek... ! Meister Volek !"
Der gerufene Mann drehte sich rasch um. Seine schwarz-rote Robe wehte ihm nach und wirbelte ein wenig Sand auf. Mit zusammengekniffenen Augen blickte der Alte auf die zwei Tempelwächter mit ihren Krummsäbeln, die sich ihm näherten. Sie hatten offensichtlich Mühe die Düne zu erklimmen in ihren prunkvollen Rüstungen. Langsam öffnete Volek den Schal von seinem Gesicht, ehe er den Stab in den Sand rammte und sich darauf abstützte.
"Hauptmann Yraz..." rief der Alte und hob die Hand zum Gruße.
"Ähhh... Yldir, Meister Volek." antwortete der Hauptmann und erhob ebenfalls die Hand. Der Tempelwächter zu seiner Rechte tat es ihm gleich und machte einen Schritt auf den Alten zu. Auf seinem linken Arm saß ein Falke mit verbundenen Augen.
"Das Mittagessen ? Ohh, gute Idee... ich könnte sterben vor Hunger." meinte Meister Volek erfreut und krempelte die weiten Ärmel hoch, bis man seine recht blassen Arme sah. Selbst ein Blinder hätte erkannt, dass Meister Volek nicht in diesen Gefilden geboren wurde und viel zu blass für die Wüste war. Allerdings lebte der Meister schon viele Jahre hier und behauptete stets, er wäre früher so weiß wie eine Leiche gewesen und die Sonne hätte ihn schon ein wenig verändert. Zumindest optisch. Dass sie ihn auch geistig verändert haben könnte, darüber lachte er immer nur und winkte ab.
"Nein Meister... dies ist ein Botenvogel." erwiderte Yldir verwirrt und nickte dem Soldaten zu seiner Rechten zu. Er näherte sich dem Meister, der jedoch enttäuscht die Arme zurückzog.
"Für Nachrichten ist später noch genug Zeit, Ypsilon... Zuerst sollten wir den Eingang des Tempels freilegen und die Gebeine des Priesters Ragna... Rockna... Ra..."
"Rakhok, Meister. Außerdem heiße ich Yldir."
"Papperlapapp... Namen sind wie Schall und Rauch !" brummte der Alte und drehte sich zur Ruine unter sich um. Ehrfürchtig blickte er auf die Stelle, an der die meisten Arbeiter schufteten und wo der Eingang vermutet wurde.
"Wo war ich ? ... Achso... zuerst einmal sollten wir die Gebeine des Priesters... Rakhok freilegen und seine Geheimnisse entschlüsseln. Alles andere kann warten. Dies hier, meine Freunde, ist unsere Gelegenheit in die Geschichte des Landes einzugehen. Wer weiß was wir alles für sensationelle Gegenstände finden werden !"
"Aber Meister, es ist womöglich wichtig. Die Nachricht ist mit dem Siegel der obersten Magier von Tromha versehen und..."
"Ich bin mir sicher, dass sie nur wissen wollen, wie es um die Ausgrabungen steht. Sie verspotten mich, werden aber schon sehen was sie davon haben, wenn ich das Grab ausgehoben habe."
"Wie Ihr meint, Meister Volek." sprach der Hauptmann resignierend und entfernte sich mitsamt seinem Soldaten und dem Vogel. Dem Alten begann nun aber der Bauch zu knurren. Das ärgerte ihn. Vielleicht hätte er doch die Nachricht lesen und den Vogel grillen sollen. Warum kümmerte sich eigentlich keiner um die Bedürfnisse eines Magiers ? Wie weit war es in der Welt schon gekommen, dass ein angesehener Magier und Alchemist hungern musste.
Das konnte er nicht so auf sich beruhen lassen. Der wirre Magier packte seinen Stock und krabbelte mühselig die Düne hinunter. Unten, neben der Ausgrabungsstelle, hatten die Männer das Lager aufgeschlagen. Einige waren schon dabei das Abendessen zuzubereiten, während die anderen noch mit dem Graben beschäftigt waren. Volek riskierte einen Blick in den großen Bronzekessel.
"Hmmm... Skorpionsuppe !" meinte er und fuchtelte wild mit den Fingern in der Luft herum.
"Meine Leibspeise."
Gerade als er den Koch überredet hatte, ihm ein Schälchen voll zu überreichen, gab es hinter ihm einen mächtigen Knall. Vor Schreck ließ der Magier sein Abendessen in den Wüstensand fallen und drehte sich schnurstracks herum. Arbeiter schrien wild durcheinander und überall an der Ausgrabungsstelle befand sich Staub und Sand in der Luft.
"Ich hatte doch heute gar keine Bohnen zu Mittag..." dachte sich Volek und näherte sich vorsichtig dem Spektakel. Der Staub begann sich zu legen und offenbarte dem Magier einen höchst unerwarteten Anblick: die Arbeiter hatten den Eingang freigelegt. Doch nicht wissentlich. Vielmehr hatte einer der Arbeiter beim Graben eine Art Sprengfalle ausgelöst und so ein gewaltiges Loch in den Sand gebohrt. Nun konnte man deutlich die Gruft sehen, jedoch auch viel Blut und Gedärme.
"Sieht ja hier aus wie in meinem Alchemieunterricht in Tromha." flüsterte der überraschte Magier und kreuselte die Finger. Nun kamen von allen Seiten Soldaten und andere Arbeiter herangelaufen, um sich um die Verletzten zu kümmern. Hauptmann Yldir war der Erste von ihnen. Er half sofort einige Verletzte aus dem entstandenen Krater zu ziehen, während der völlig neben sich stehende Magier fasziniert auf das Loch im Boden zuging. Gähnende Schwärze begrüßte ihn schräg in den Boden. Dahinter konnte er einige halb zerstörte Treppenstufen erkennen.
"Wir sind durch." hörte der Magier sich selbst sagen und schnippte mit zwei Fingern. Eine kleine, hell leuchtende Kugel erschien urplötzlich über seine Hand und bewegte sich Kraft seiner Gedanken in die Dunkelheit hinein. Es waren nur wenige Treppenstufen und dahinter lag ein breiter, jedoch recht kurzer Gang. Dieser endete an einer steinernen Tür.
"Interessant..." murmelte der Magier und begab sich in das Innere. Plötzlich packte ihn von hinten eine feste Hand an der Schulter und riss ihn herum.
"Alles in Ordnung, Meister Volek ?" wollte der Hauptmann wissen. Er hatte wohl befürchtet, der Magier sei verletzt worden.
"Nein, ähhh... ja ja, alles bestens Yldir." sprach der Magier. Der Hauptmann sah ihn erschrocken an. Das war das erste Mal, dass der Alte seinen Namen auf anhieb wusste.
"Ich werde mir das jetzt einmal ansehen..." sprach der Magier fast flüsternd und ließ den Hauptmann einfach stehen. Einwände brachten nichts, denn ehe der Hauptmann auch nur etwas erwidern konnte, war Volek in der Dunkelheit verschwunden.
Zur Abenddämmerung kam der Magier zurück. Die Ausgrabungsstelle war geräumt und die Verletzten bereits behandelt worden. Doch keiner hatte sich getraut in das Innere des Grabes hinabzusteigen. Und kaum wurde Meister Volek wieder gesichtet, kam Bewegung in das Lager. Jeder wollte ihn sehen und wissen, was er da unten gefunden hatte. Doch die Miene des Magiers sprach Bände.
"Meister, schön dass es euch gut geht... Aber, habt ihr nichts gefunden ?" fragte der Hauptmann besorgt und hielt den resignierten Magier auf, als er wortlos in sein Zelt verschwinden wollte.
"Gefunden ? ... Ja, ich habe etwas gefunden... In der Tat waren es Rezepte. KOCHREZEPTE !" brabbelte der Alte vor sich hin und verschwand nun doch in seinem Zelt. Verwirrt blieben die Männer des Lagers draußen stehen und blickten den Hauptmann an. Dieser schüttelte jedoch den Kopf und gab ihnen zu verstehen, den Meister heute Abend nicht mehr zu belästigen.
Der Alte warf sich in sein Lager und blickte zur Zeltdecke. Dafür hatte er die ganzen Mühen auf sich genommen ? Für Kochrezepte ? Dafür war er den Gipfpfeilen, Feuer-, Stachel- und Felsbrockenfallen im Inneren der Gruft erfolgreich ausgewichen ? Nein, das konnte nicht sein... Er durfte nicht einfach so versagt haben. Er musste etwas übersehen haben. Gleich morgen früh würde er noch einmal hinabsteigen und sich das Grab ansehen. Doch zuerst musste er sich von den Strapazen erholen. Etwas zu essen wäre nicht schlecht !"
"Auf dem Tisch müsste doch noch Obst stehen..." dachte sich Volek und stand langsam von seinem Bett auf, indem unzählige Kissen für seine Bequemlichkeit sorgten. Tatsächlich standen auf dem einfachen Holztisch diverse Schalen mit Obst, jedoch auch eine kleine versiegelte Botschaft. Stutzig griff der Magier mit seinen verdreckten Händen danach. War das die Botschaft von dem Vogel ? Neugierig öffnete er sie und hob die linke Augenbraue beim Lesen.


An Meister Volek...

Während Eurer Abwesenheit war ein Bote des Großwesir's Eslam al-Alam in den Tempeln von Tromha und bat mich Euch schnellstmöglich darüber zu informieren, dass der Großwesir Euch umgehend in Sab, am Hofe des Kalifen, sehen möchte.

Hochachtungsvoll,

Meister Ybal at-Tromha
Meistermagier


Meister Volek seufzte. War seine Suche nach dem Grab von solchem Interesse, dass jetzt sogar Großwesir Eslam al-Alam ihn zu sprechen wünschte ? Das behagte ihm nicht, vor allem da er bis jetzt lediglich einige Kochrezepte in dem Grab gefunden hatte. Dennoch musste er unverzüglich nach Sab aufbrechen. Den Großwesir ließ man nicht warten. Gedankenverloren verließ der Alte sein Zelt und winkte den Hauptmann zu sich.
"Hauptmann Yldiboldi... ich muss dringend nach Sab aufbrechen. Der Großwesir wünscht meine Anwesenheit. Ich möchte, dass ihr das ganze Grab während meiner Abwesenheit auf den Kopf stellt und alles katalogisiert, was ihr darin findet. Ich mache mich noch heute Nacht mit zwei Eurer Männer auf den Weg." sprach der Magier und klopfte dem verunsicherten Hauptmann auf die Schulter, ehe er sich zu den Kamelen aufmachte.
"Mein Name ist Yldir..." murmelte der Hauptmann hinterher und befahl zwei seiner Männer, den Magier zu folgen. Dieser sattelte bereits ein Kamel und verstaute in kleinen Taschen an den Seiten Proviant und natürlich genügend Wasser für die Reise. Drei Tagesmärsche würde er brauchen um nach Sab zu kommen. Und das auch nur, wenn sie nicht rasteten...

thefilth
20.10.2010, 19:48
Die Straßen von Sab waren voll von Menschen und Tieren, Wägen und Bettlern. Es wurde gerempelt, gezogen und geschrien. Es war eng, wie in einem Flaschenhals, in den ein Korken gedrückt wird.
Die Masse aus weiß, braun und schwarz wogte wie ein Getreidefeld im Wind. Die einzelnen Ähren stießen und rieben aneinander. Und in diesem Feld gab es einen Hund, der das chaotische System der Windwirkung durchbrach. Er bewegte sich geschmeidig durch die Menge, allerdings mit Hilfe seiner Arme. Man könnte wohlgemerkt sagen, er schwamm durch das Menschenmeer. Passanten, die im begegneten, wurden unsanft aus dem Weg und aufgrund der unerwarteten Krafteinwirkung meist auch auf den Boden geworfen, und Marktschreier, die ihre Angebote herunterleierten, kamen in den Genuss einer Faust oder eines Ellenbogens. Nur die zahlreichen Pferde, Kamele und Esel wurden in ihren Tätigkeiten nicht behindert.
Naherhm war nicht unbedingt ein Menschenfreund. Und vor allem nicht dann, wenn er eingekeilt auf dem Weg zu einem Treffen war, ein Treffen, das er nicht unbedingt erwünscht hatte.
Und dann auch noch zu diesem Zeitpunkt. Er war dabei einen weiteren Auftrag anzunehmen, saß mit einem Kunden an einem Tisch in seinem Unterschlupf, als der Falke kam. Ein Falke, mit einem Brief an seinem Fuß.
Naherhm Kasad, ich befehle euch bis zum nächsten Vollmond im Königspalast in Sab zu erscheinen, um eine wichtige Aufgabe zum Wohle Eures Vaterlandes anzunehmen.
Eslam al-Alam , Großwesir Kalif Abu Nazirs
Naherhms Augenbrauen zogen sich zusammen.Er ließ sich nichts befehlen. Aber dummerweise war Abu Nazir, wenn auch indirekt, ein guter Arbeitgeber gewesen. Und in der Hoffnung auf einen besseren Auftrag, hatte er seinen Kunden stehen gelassen und sich auf den Weg nach Sab gemacht.

Und nun stand er vor dem prunkvollen Palast des Kalifen. Er packte sein Bündel fester und stieg die Stufen zum Eingang empor.
Die offene Tür wurde von einem Soldaten flankiert, der Naherhm auf der obersten Stufe aufhielten und ansprachen. "Was willst du hier?" Trotz seiner relativ athletischen und großen Statur wurde Naherhm von dem eine Stufe höher stehenden Mann um einiges überragt. Doch es beunruhigte ihn nicht sonderlich. "Ich bin eingeladen." Er griff in seinen Ärmel und zog den zerknitterten Brief des Großwesirs heraus. Sein Gegenüber zögerte kurz, nahm dann das Schriftstück und las es. "Wo habt ihr das her? Ist der Botenfalke etwas in eurem Feld abgestürzt? Oder: Wem... Habt... Ihr... Das... Gestohlen?" Naherhm rollte mit den Augen. Gleichzeitig wanderte seine linke Hand auf den Rücken und an den Griff des einen Wurfmessers. Dann überlegte er es sich anders. "Nun gut. Ich bin nicht sonderlich erbaut auf dieses Treffen. Ich bin keiner, der zum Wohl seines Lebens oder seiner Familie zum Kalifen muss. Ich gehe gerne." Er drehte sich auf einem Fuß. "Aber nun seid ihr der, der einen Gast des Kalifen aus dem Palast geworfen hat. Ihr seid der, der ein wichtiges Treffen verhindert hat. Ich seid dann der, dessen Wohl von der Laune des Kalifen abhängt." Die Wache wirkte verunsichert. Ihr Mund öffnete sich halb und ein undefinierbares Grunzen entschlüpfte ihm. Naherhm ging die ersten Treppenstufen zurück. "Wartet! Ihr dürft passieren!" Wieder drehte Naherhm sich um und wieder stieg er die letzten Stufen empor. "Nun... wenn das so ist..." - "Aber eure Waffen müsst ihr hier lassen." Ein resigniertes Stöhnen war die einzige Antwort, die der Soldat bekam. Naherhm warf sein Bündel an die Wand neben dem Wachmann und entwaffnete sich. Seine Schwerter und Messer legte er auf sein Gepäck, dann sah er dem Soldaten in die Augen. "Wenn mein Eigentum, beim Verlassen des Gebäudes, verschwunden ist, dann hängt dein Wohl von meiner Laune ab." Die Wache schluckte. Naherhm legte auch den Poncho ab und zeigte nun seine dunkle Lederrüstung. Dann ging er langsam und ruhig in den Palast. Er stoppte kurz und wandte seinen Kopf zur Seite. "Es könnte natürlich trotzdem sein, dass ich den Brief nur gefunden habe. Dann hinge dein Wohl wieder von der Laune des Kalifen ab." Er verzog sein Gesicht zu einem bösen Grinsen und ging dann weiter in den Palast hinein, ohne dem verdatterten Soldaten auch nur noch einen Blick zu schenken. Ein Diener kam auf ihn zu, fragte ihn nach seinem Begehr und führte ihn, beim Anblick des Briefes, zum Großwesir, der ihm gebot zu warten.
Er wartete also, mehr oder weniger geduldig, neben einem jungen Mädchen. Nach etwa 30 Minuten - Naherhms Magen sehnte sich nach etwas zu essen, beispielsweise wieder so einen wunderbaren Falken - kam der Großwesir. Doch anstatt zu erklären, was der Aufruhr denn soll, wurde er angehalten weiter zu warten. Er wartete also - und erinnerte sich an die gestrige Linsensuppe.
Dann endlich - Naherhm war zu dem Schluss gekommen, dass auch das alte Brot in seinem Gepäck ein wohliges Mal ergeben könnte - kam ein Mann im wertvollen Gewand und begann das Gespräch.
"Darf ich offen sprechen? Ich folgte Eurem Ruf aus Pflichtbewusstsein, doch wirklich schlau wurde ich nicht daraus. Wie ich sehe, bin ich nicht der Einzige der geladen wurde, doch sehe ich nicht einen der Emire oder Sultane in dieser Halle. Es erscheint mir... unorthodox, gar verwirrend."

Xaverine
27.10.2010, 22:42
„ ... gar verwirrend.“
Aziza horchte auf und stimmte dem Herren, der sich soeben an den Großwesir gewand hatte, schweigend zu. Obwohl er offenkundig einige Jahre älter und mit Sicherheit noch einige Jahre reifer war, als sie selbst, schien er doch ähnlich über die Einladung zu denken, wie die Händlerin.
Aziza war aus dem fernen al-Alim angereist, einem kleinen Stützpunkt an der Grenze zum Kalifat Ta'sah. Eine trostlose Gegend, wie die Geschäftsfrau empfand, doch dank der Nähe zum Feind eine lukrative Ortschaft, trauten sich doch nur die wenigsten Händler mit ihren teuren Waren dorthin. Aziza dagegen brauchte sich nur selten um Räuber und Diebe zu sorgen, schließlich war sie mit der Gabe gesegnet, ihre Waren nicht überall mit sich führen zu müssen. Und mit einem Aussehen, das besonders älteren Männern zu gefallen schien.
Letzteres war ausschlaggebend für Azizas Reise nach Sab. Eigentlich wollte sie, trotz aller Dringlichkeit im Wortlaut der Nachricht, der Einladung des Kalifen keinerlei Beachtung schenken, blühten ihre Geschäfte an der Grenze zu Ta'sah doch geradewegs. Doch verwandelten sich auch charakterstarke Anführer gerne mal in blinde Narren, wenn sich der Schleier der Verliebtheit auf sie legt und so fand Aziza recht schnell eine sichere und kostenfreie Mitreisemöglichkeit samt Unterkunft und Verpflegung in Richtung Hauptstadt des Kalifats Siman.
Sie war als die Erste angekommen. Nicht als Erste, die sich in der prunkvollen Halle aus weißem Marmor befand, aber als erste jener Gäste, die weder zum örtlichen Palast gehörten, noch ein politisches Amt innehatten (oder ein solches zur Sprache bringen mussten), sondern, die, wie sich später herausstellen sollte, ebenso wie Aziza eine Einladung erhalten hatten.
Die Händlerin hatte eigentlich erwartet, direkt vor den Kalifen zu treten und Hoffnung gehegt, allein die Ehre einer solchen Ladung erhalten zu haben. Ihr war es zwar recht, eine Gruppe an fähigen Männern um sich zu haben, die sie in Schwierigkeiten das Leben retten konnten, doch suchte sich Aziza ihre Gefährten lieber selbst aus, statt sich mit einem unbekannten Pack abgeben zu müssen.
Aziza hatte Stillschweigen bewahrt; sie hatte nur wenig Lust dazu, ihre Stimme zu erheben, wo es doch genügend andere im Saal gab, die ebenso Wort hätten ergreifen können. Es schien nur eine Frage der Zeit, auch, nachdem der Großwesir eingetroffen und lediglich schweifend, mit ausdrucksloser Miene, durch die Reihen der Hofansessigen und Gäste geblickt hatte.
Und tatsächlich war nach einiger Zeit (Aziza konnte kaum abschätzen, wie viel davon verstrichen war) eben dieser Mann eingetreten, um kurz darauf das Wort zu ergreifen. Die junge Frau hatte ihn nicht kommen sehen, war sie doch längst in allerlei Gedanken versunken gewesen.
Auch die lange Pause, die sich der Ratgeber des Kalifats mit einer Erwiderung genehmigte, verführte Aziza beinahe dazu, innerlich abzuschweifen. Sie erinnerte sich an den genauen Wortlaut des Neuankömmlings und flüsterte leise eine eigene Antwort vor sich her:
„Die Sultane haben sicherlich Besseres zu tun, als sich mit Reisenden zu beschäftigen.“
„Ah, ich sehe, die Entwicklungen des Krieges mit Ta'sah sind doch nicht ganz spurlos an Euch vorbeigegangen“, erwiderte der Großwesir überraschend schnell und in ungeheurer Lautstärke. „Zumindest nicht an allen.“
Für Aziza war es schwer zu entscheiden, ob Anerkennung, Gleichmut oder gar Spott in seiner dröhnenden Stimme lagen, denn überraschte ebendiese die junge Händlerin ebenso, wie sie ihr Gehör betäubte.
Vorsichtshalber nahm sie daher eine fast demütige Haltung ein und erklärte dabei:
„Entschuldigt, denn es ist nicht meine Absicht, Euch zuvorzukommen. Doch bezweifle ich, dass Ihr uns als Soldaten in den Krieg einziehen wollt. Umso verwirrter bin ich ob dieser Einladung in solch schweren Zeiten und ich schätze, meinen Nebenmännern geht es da ganz ähnlich.“
Aziza hoffte, dass ihre indirekte Aufforderung zum Reden auch als solche wirkte und tatsächlich trug ihre Ansprache Früchte, obschon sie sich sicher war, dass ihre Worte im Grunde überflüssig waren. Irgendwann musste der Großwesir schließlich das sagen, was er im nächsten Moment anklingen lassen würde, denn auch er hatte Geschäfte zu verrichten.
„Keine Soldaten, ganz recht. Und doch wird Eure Rolle eine ganz entscheidende in diesem Krieg sein.“

Maris
04.11.2010, 23:03
Was für ein Mangel an Anstand und Respekt. Bei einem gestrengeren Großwesir hätten solche Äußerungen durchaus Konsequenzen nach sich gezogen, doch schien Eslam, der auch als der Gerissene im Volk bekannt war, nicht allzu sehr auf seinen Privilegien zu beharren. Die gerühmte Gerissenheit war dem Gesicht des Mannes im mittleren Alter anzusehen, das bereits von diversen Falten geziert wurde, doch rührten die auch vom Kummer, den er wohl derzeit verspüren musste. Die Dinge liefen nicht gut in diesen Tagen, und ein Hauch von Verzweiflung haftete im Blick Großwesir Eslams.
"Und doch wird Eure Rolle eine ganz entscheidende in diesem Krieg sein."
Es schien, als würden die Fragen des Sayyids mit jeder Äußerung und mit jedem Detail, die er aufschnappte, nur noch gemehrt werden, anstatt sich zu lichten. Sie sollten eine wichtige Rolle in diesem Konflikt spielen? Wer waren sie denn schon? Was hatten sie mit dem Krieg zu schaffen, wie sollten sie dem Kalifat dienen?

Für einen quälend langen Moment voller Fragen herrschte Stille in dem Raum. Das penetrante Schimmern vergoldeter Mobiliarstücke brannte sich in seine Augen wie der strahlende Feuerball der Sonne in den späten Abendstunden, wenn man ihm zu lang auf seinem Weg übers Firmament zusah. Helle Trugbilder tanzten vor seinen Augen hin und her, als er sie schloss, nur um sie augenblicklich wieder zu öffnen, als der Großwesir die Stimme wieder erhob.
"Der Zustand des Kalifen ist allgemein bekannt", sagte er und presste die Lippen in Kummer aufeinander.
"Seitdem der Zustand unseres Herrschers sich so verschlechtert hat, scheint sich der Himmel gegen uns gerichtet zu haben. Ağa Hakim muss Tag um Tag, Woche um Woche Verluste und Niederlagen in den Gefechten mit Ta'sah hinnehmen, und die Moral der Bevölkerung ist so schlecht, dass bereits die ersten Aufstände angezettelt wurden. Rebellengruppen durchziehen im Osten wie im Westen die umliegenden Dörfer, brandschatzen und marodieren. Unser Land leidet darunter, seinen Herrscher zu verlieren, und wenn wir nicht schnell eingreifen, wird das Kalifat untergehen. Kasim ist noch zu jung, um das Reich von seinem Vater zu übernehmen, und schon jetzt zerfleischen sich die Mitglieder des Rats der Sultane. Wenn erst einmal das Tor zur Macht aufgestoßen ist, werden wir eine Welle des Verrats und der Intrigen erleben, die das Kalifat endgültig zerbrechen lassen würde. Das wohl des Reiches steht und fällt mit dem Zustand des Kalifen."

Mahnend hob er den Finger, und es schien, als würde etwas mehr Hoffnung in seine Züge zurückkehren, deren aufgesetzte, höfliche Fröhlichkeit bei genauerer Betrachtung wie eine Maske wirkten.
"Aber noch gibt es eine Möglichkeit. Soweit wir wissen, ist eine Koryphäe der Alchimie im Besitz des Wissens um ein legendäres Heilmittel, das zu den großen Mysterien der Kunst von der Umformung der Materie gehört."
Erstaunt riss Jibril die Augen auf. Er hatte davon gelesen, von diesem Allheilmittel. Meinte er tatsächlich...?
"Ihr sollt zusammen mit Magister Volek dem Alchimisten das Panacea herstellen."
Unmöglich! Dieses Mittel war ein reines Hirngespinst, ein Produkt der Phantasie der Alchimisten, die sich für Halbgötter hielten! Niemand konnte so etwas herstellen. Dieser Meister Volek musste entweder ein vollkommener Wirrkopf oder ein gewaltiger Scharlatan sein.
"Eure Aufgabe in dieser Mission ist es, den Anweisungen des Alchimisten folgend die benötigten Ingredienzien für das gewünschte Heilmittel zusammenzutragen und ihn bei der Herstellung zu unterstützen. Ihr seid unbekannte Gesichter im öffentlichen Leben, könnt Euch also frei bewegen auch über Grenzen hinweg, falls es nötig sein wird, und verfügt alle Drei über Fähigkeiten und Mittel, die Eurer Aufgabe dienlich sein werden. Für diese Mission ist es von immanenter Wichtigkeit, dass Ihr zusammenarbeitet. Denkt immer daran, wie viel von Eurem Erfolg abhängt."

Wie zur Bestätigung, dass er alles Notwendige gesagt hatte, nickte er und blickte zu Boden auf die Intarsien aus edelsten Hölzern, die kunstfertig zu detailreichen Szenen zusammengefügt worden waren.
"Nun, wie Ihr sicher bereits festgestellt habt, hat sich Volek noch nicht hier eingefunden, obwohl wir auch ihm eine Botschaft haben zukommen lassen. Nun besteht also die Möglichkeit, dass Ihr Euch auf die Suche nach ihm macht oder auf sein Eintreffen wartet. Von hier an müsst Ihr eigenmächtig handeln und Wege finden, um das Panacea herzustellen und den Kalifen zu retten."
Er setzte ab, doch kam ihm in diesem Moment noch etwas in den Sinn.
"Ach, eines noch: ich bitte Euch, absolutes Stillschweigen nach außen über diesen Auftrag zu bewahren. Niemand weiß, wo Verrat auf einen wartet. Wenn Ihr etwas benötigen solltet, wendet Euch direkt an mich. Ich werde Euch mit den nötigen Befugnissen ausstatten."
Der Großwesir hatte keinen Zweifel daran gelassen, dass dies keine Aufgabe war, bei der man sich aussuchen konnte, ob man mitwirkte oder nicht. Sie waren dazu verpflichtet, und nach dem, was sie nun wussten, würde auch keiner von ihnen einfach aussteigen können. Zur Zusammenarbeit gezwungen auf der Suche nach einem Fabelstoff, um das ganze Kalifat zu retten! Etwas Absurderes hätte ihm wohl nicht passieren können. gespannt wartete Jibril, ob der Großwesir die vertrauliche Versammlung auflösen oder weitere Worte an sie richten würde.

thefilth
07.11.2010, 01:10
"Ach, eines noch: ich bitte Euch, absolutes Stillschweigen nach außen über diesen Auftrag zu bewahren. Niemand weiß, wo Verrat auf einen wartet. Wenn Ihr etwas benötigen solltet, wendet Euch direkt an mich. Ich werde Euch mit den nötigen Befugnissen ausstatten."
Naherhm runzelte die Stirn.Er hatte in seine Laubahn schon viel Absurdes und Verrücktes gehört, aber das war... anders. Nicht dass ihm der alte Kalif sonderlich ans Herz gewachsen war oder er dem Kalifat irgendetwas schulden würde. Nein. Das war vielleicht seine Chance. "Verzeiht, aber ich fürchte, ich habe ein Verständnisproblem." Er sprach langsam und bedacht, immerhin konnte jetzt jedes Wort zwischen Kerker und Palast entscheiden. "Ihr bittet mich, nein ihr befehlt mir, dass ich den Krieg zu verhindern versuche, der mir Unmengen an Gold einbringen würde." Das anfängliche, wohlwollende Nicken des Großwesirs verkam zu einem ungläubigen Schieflegen des Kopfes. "Und zwar schickt ihr mich auf entgeltlos auf eine absurde und aussichtslose Mission, mit Menschen die ich nicht kenne und teilweise auch nicht kennen gelernt hätte," Naherhms Blick streifte über den Adeligen mit dem kindischen Säbel, "um eine Person zu suchen, die entschwunden ist und eventuell", er betonte die letzten Buchstaben des Wortes und strich sich über die vernarbte Augenbraue, "ein sagenumwobenes Heilmittel besitzt?"
Er verschränkte die Arme und verlagerte sein Gewicht auf das andere Bein. "Da müsst ihr jetzt mit guten Argumenten anrücken. Und kommt mir nicht mit Ruhm und Ehre, die helfen mir nichts, wenn in der Wüste die Aasgeier über mir kreisen."
Ungefähr 30 Sekunden lang taxierten sich der großwesir und der Söldner mit Blicken. "Ihr redet von Gold!" Der Großwesir stllte keine Frage, es war eine abfällige Feststellung.
"Ich fürchte, ich kann keine anderen Motive aufzählen. Schnöder Mammon mag mir nicht mein Seelenheil bringen, aber immerhin ermöglicht es mir, mein Leben in dieser Hölle erträglich zu halten." Die Dienerschaft hielt den Atem an, das Mädchen schürzte die Lippen und der Großwesir... der Großwesir schwieg.
"300" Gepresst kam die Zahl in den Raum geflogen. "350" Naherhm schlug zurück. "50 sofort und 300 wenn ihr ein sichtbares Ergebnis habt." Wieder schwieg der Wesir. Dann nickte er langsam. "Der Handel gilt für mich, nicht aber für meine Kameraden." Er hob die Hand und unterband somit jegliche Zwischenrufe der Umstehenden. "Dazu kommt das übliche: Solltet ihr mich übers Ohr hauen wollen..." Er legte den Kopf schief, zog die Augenbrauen hoch und seufzte theatralisch. "...dann werde ich euch finden." Ein zuckersüßes Grinsen erschien auf dem Gesicht des Söldners, auch als der Großwesir seine grimmigste Miene aufgesetzt hatte.
"Vielleicht solltet ihr uns jetzt einander vorstellen?"

Claw
07.11.2010, 12:08
Fluchend schüttelte sich der Alte den Sand von der Robe. Die kratzigen Körner waren überall, sogar in die tiefsten Tiefen seiner Unterhose hatten sie es geschafft und waren nun so dreist, an empfindlichen Stellen zu scheuern. Volek verzog entnervt das Gesicht. So hatte er sich die Reise durch die Wüste nicht vorgestellt.
Hinter ihm begannen plötzlich zwei Gestalten aus dem Wüstenboden hervorzukriechen. Im ersten Moment sahen sie aus wie Golems, doch kurz darauf erkannte man sie als als Wächter der Tempelstadt Tromha. Der Alte schenkte ihnen keine Aufmerksamkeit sondern versuchte stattdessen dem elendigen Kratzen an seinem Gemächt ein Ende zu bereiten.
"Meister... schön euch wohlauf zu sehen. Die Sandstürme in dieser Region sind äußerst gefährlich und zum Glück hatten wir uns rechtzeitig mit unseren Zeltplanen eingraben können." meinte einer der Wächter und begann anhand einer Leine die Kamele aus dem Sand zu ziehen. Jetzt erst begann Volek, nach dem er genug gekratzt hatte, dem bizarren Szenario Aufmerksamkeit zu schenken.
"Die Erde gebärt Kamele..." dachte er sich amüsiert, als nach und nach alle Lasttiere unversehrt zum Vorschein gekommen waren. Diese Tempelwächter hatten so manch einen Trick auf Lager, das musste er zugeben. Sie waren aber auch schließlich das Leben in einem Wüstenland gewohnt. Er lebte zwar auch schon seit vielen Jahren hier, doch hatte er sich die meiste Zeit eh in den Tempeln aufgehalten. Dort gab es keinen kratzigen, störenden Sand.
"Wir sollten bald aufbrechen... Wir sind schon sehr lange unterwegs." meinte der andere Wächter und Meister Volek nickte gedankenverloren. In der Tat hatten sie viele Tage verloren, als ihnen unterwegs das Wasser schneller als geplant ausging und sie gezwungen Waren, von Oase zu Oase zu reisen, bis sie schließlich nun in die Nähe der Hauptstadt kamen. Da hätten sie auch gleich die befestigten Hauptstraßen nehmen können. Aber im Nachhinein war man immer schlauer. Vor allem da er nicht mit gleich drei Sandstürmen gerechnet hatte. So viele auf einmal hatte er noch nie erlebt. Seltsame Zeiten waren angebrochen. Fast schon hätte er geglaubt, sie seien durch feindliche Hexerei entstanden...
"Ich stimme dir zu... wie auch immer du heißt, Soldat." brummte der Magier und löste den Wasserschlauch an seinem Gürtel. Während er sich umsah und wie immer nichts als Wüste um sich herum sah, öffnete er den Deckel des Schlauches und goss das lebensspendende Nass in seinen trockenen Rachen. Dann kramte er in einer seiner unzähligen Innentaschen der Magierrobe nach einem alten Kompass. Doch erstaunlicherweise zeigte die Nadel nicht nach Norden, sondern drehte sich Wild im Kreis herum. Volek hob überrascht eine Augenbraue und tippte mit dem Zeigefinger auf das alte Gerät. Es spielte noch immer verrückt.
"Meister, ist alles in Ordnung ?" fragte einer der Wächter, während er die Kamele wieder mit ihren Reiseutensilien bepackte. Der Magier überging die Frage, seine volle Aufmerksamkeit galt dem Kompass. So etwas hatte er schon einmal hier erlebt. Das war jedoch Jahre her und hatte damals schwerwiegende Konsequenzen mit sich gebracht.
"Soldat... gibt es noch viele Derwische hier in dieser Gegend oder haben die anderen Magier von Tromha sie vertrieben ?" wollte der Alte wissen. Der Angesprochene stutzte, beteuerte dann aber dass es nicht mehr viele Derwische um Sab gab. Im letzten großen "Sandkrieg" hätten die Soldaten Sab's mit Hilfe einiger Magier unzählige Derwische vernichtet und den Rest vertrieben. Das hatte das Reisen von Kaufleuten und Bürgern zu anderen Städten erheblich erleichtert und sicherer gemacht.
"Ich bin der Auffassung, wir sollten jetzt aufbrechen..." befahl der Magier streng und steckte hektisch den Kompass wieder weg. Die beiden Wächter nickten und führten die Kamele zu dem Magier. Just als sie auf ihre Reittiere aufsteigen wollten, gab es plötzlich nicht weit von ihnen an einer großen Düne gleich mehrere Sandverwehungen. Wie kleine Wirbelstürme mit einer maximalen Höhe von etwa drei Metern näherten sich die Sandverwehungen den Reisenden. Volek zählte fünf, nein sechs sogar !
"Interessant... augenscheinlich gibt es hier doch noch die ein oder andere Derwisch-Sippschaft..." brummte Meister Volek und blickte ruhig in die entsetzten Gesichter seiner beiden Begleiter. Er erkannte schnell, dass sie es noch nie mit solchen Gegnern zu tun hatten.
"Was setzt man noch schnell gegen Sandgeister ein ?" fragte er sich daraufhin, ehe ihm ein Geistesblitz kam. Mit erfreuter Miene kramte er in seiner Innentaschen und brachte ein kleines Fläschchen mit gelber Flüssigkeit hervor. Geschickt warf er das Gebräu auf die sich nähernden Wüstengeister. Mit einem "Ploff" explodierte das Gebräu. Doch außer gelbem Rauch geschah nichts weiter.
"Ohh... falsche Flasche. Das war ja das "Schmiere-Stehen-Gebräu" um vor gehörnten Ehemännern zu warnen." flüsterte der Alchemist und kramte nach der nächsten Phiole. Dieses Mal kam eine eisblaue Flüssigkeit zu Tage. Auch nach dessem Wurf trat nicht die gewünschte Wirkung ein: anstatt dass die Derwische aufgehalten wurden, nieselten Schneeflocken durch die Luft, die jedoch recht schnell in der unerträglichen Hitze der Wüste vergingen.
"Ich wusste es, ich hätte die Flaschen beschriften sollen." schimpfte der Alte mit sich selbst und griff abermals in eine Innentasche. Dieses Mal kehrte sein schelmiges Grinsen zurück, er hatte nun wahrlich die richtige Flasche gefunden.
"Und hopp !" rief er, während er die Phiole auf die bedrohlich nah gekommenen Sandgeister warf. Jetzt trat die gewünschte Wirkung ein: ein greller Lichtblitz, deren ausstrahlende Hitze sogar den Bart des Alchemisten ansengte, erfüllte die Luft. Keiner der drei Männer konnte den Blick halten und musste wegsehen um nicht geblendet zu werden. Doch kurz darauf war der Spuk vorbei und Volek wagte den ersten Blick. Er nickte zufrieden und nahm seinen Stab. Langsam näherte er sich den Derwischen, die nun keine Gefahr mehr darstellten.
"Meister... was... ?" jappste einer der Wächter hervor. Volek grinste nur in sich hinein als er die Wirbelstürme erreichte, die nun gänzlich aus Glas bestanden. Auch der Wüstenboden um die Derwische herum hatte sich in spiegelglattes Glas verwandelt.
"Sehr hübsch, findet ihr nicht auch ?" fragte der Meister und drehte sich lächelnd zu den beiden Wächtern um. Dann kam ihm die Idee, wieder nach dem Kompass zu sehen und tatsächlich schien er jetzt wieder richtig zu funktionieren.
"Ich finde, wir sollten jetzt endlich aufbrechen. Sab dürfte nur noch eine Tagesreise entfernt sein und meine Kehle verlangt nach dem besten Importbier der Welt... Komabier. Aber zuvor sollte ich beim Großwesir erscheinen. Wir wollen ihn schließlich nicht verärgern." meinte der Magier und zwinkerte den beiden Wächtern zu. Diese sahen sich gegenseitig kurz an, zuckten mit den Schultern und machten sich daran, mit den Kamelen das letzte Stück Weg hinter sich zu bringen.

Maris
27.11.2010, 03:17
"Ich denke, dass Ihr das auch allein könnt", entgegnete der Großwesir kühl.
"Ansonsten habe ich alles gesagt. Möge Sellah Euch auf Euren Wegen begleiten. Die Zukunft des Reiches hängt von Eurem Erfolg ab."
Ohne ihnen die Chance für weitere Fragen zu lassen, wandte sich Eslam al-Alam von den Dreien ab und verließ mit den beiden Begleitern, die still etwas abseits des Gesprächs gewartet hatten, die Ratshalle.
Jibril konnte nicht an sich halten. "Du unwürdiger, dreckiger Hund! Den Kopf abschneiden sollte ich dir dafür, dass du den Großwesir beleidigt und bedroht hast! Was auch immer er in dir sieht, ich werde nicht mit einem gottlosen Wurm wie dir zusammenarbeiten."
Dann blickte er auf das Mädchen - ja, mehr als ein Mädchen war sie wohl nicht - und stutzte einen Moment lang, als es ihm so vorkam, als hätte er ihr Gesicht schon einmal gesehen. Schnell aber verwarf er den Gedanken wieder, denn Gesichter hatte er bereits viele gesehen in seinem Leben, und schnell fühlte man sich beim Anblick eines Menschen an jemanden erinnert, dem man dereinst begegnet war.
"Mein Name ist Jibril ben Sadiq ad al-Dschabal, Sayyid des Sultanats Zuhals des Dritten, Lehnsmann Emir Ridvans, Herr über das Dorf Lissah. Wer Ihr seid, ist mir egal - ich werde nicht mit Menschen wie Euch zusammenarbeiten", sagte er und richtete seinen Blick vor allem bei den letzten Worten auf den Krieger.
"Ich für meinen Teil werde im Palast verweilen, bis Magister Volek in Sab eintrifft. Möge Sellah mit Euch sein... egal, ob Ihr an ihn glauben mögt, oder nicht."
Mit diesen Worten wandte auch er sich ab und stürmte aus der Halle. Die Wachen am Eingang des Portals blickten ihm nur ungläubig nach, als Jibril mit finsterer Miene an ihnen vorbei, die Gänge entlang und hinaus aus der Zitadelle stürmte.

Heiß umarmte ihn die trockene Wüstenluft, die Sonne blendete ihn, nachdem er aus dem finsteren Palast kommend auf die weißen Dächer der Häuser blickte, doch er hatte ohnehin keinen Blick übrig für seine Umgebung. Eiligen Schrittes verließ er das Palastviertel, wie ein Gehetzter durchquerte er den Suq, der wie gewöhnlich vor Menschen nur so überquoll. Nach einer gefühlten Ewigkeit schließlich erreichte er ruhigere Straßen, nicht minder prächtig ausgestaltet als um die Zitadelle herum, und dennoch... anders. Sakraler.
Es scherte Jibril nicht, denn er war zu sehr in seiner bebenden Gefühlswelt versunken. Mit glasigen Augen ließ er sich an einem kleinen Brunnen abseits eines Platzes nieder und verbarg sein Gesicht in den Händen.
Ein räudiger Hund..., dachte er spöttisch. Wahrscheinlich ist dieser Mann sogar noch ehrenwerter als ich selbst! Er steht wenigstens offen ein für das, woran er glaubt, so schändlich seine Ideale sein mögen, so verrucht seine Seele sein mag. Doch was ist mit mir? Die Seele eines Lügners, eines Verleumders trage ich in mir, spreche Worte aus, die ich innerlich verfluche, nur weil es die Gesellschaft von mir verlangt. Bete einen Gott an, der mir nichts bedeutet! Was bin ich für ein Mensch, mein gesamtes Leben auf einer Lüge aufzubauen!
Einsame Tränen benetzten die Innenflächen seiner Hände und tropften glitzernd im Sonnenlicht auf die weißen Marmorplatten des Platzes. Nein, das konnte es nicht sein. Er konnte hier nicht in Selbstmitleid zerfließen und seine Ehre noch mehr herabsetzen, als er es ohnehin schon tat. Entschlossen wischte Jibril die Tränen beiseite, erhob sich - und erschrak, als unweit über ihm eine laute Stimme in bekanntem Singsang zum Gebet rief. Erst der Ruf des Muezzins erinnerte ihn daran, weshalb er ursprünglich nach Sab gekommen war.

Innerlich vollkommen aufgewühlt trat der Sayyid an die Pforte heran und streifte seine Schuhe ab, um hindurch zu treten in die kühlen, steinernen Hallen der prächtigen und gewaltigen Hauptmoschee von Sab. Noch war etwas Zeit bis zum ṣalāt, die meisten Gläubigen hatten sich noch nicht eingefunden, doch der Gesuchte war selbstredend bereits anwesend. Gerade noch sah Jibril, wie der Imam der Hauptmoschee in einem Hinterzimmer verschwand, um sich auf das Abendgebet vorzubereiten. Ohne lang zu zögern, durchquerte er die Halle und öffnete die Tür zu dem für ihn verbotenen Bereich.
"Rashid", meinte er nüchtern, nachdem er die Tür geschlossen hatte. Mit raschelnder Robe wandte sich der Angesprochene überrascht um und blickte ihn mit großen Augen an.
"Bruder! Was tust du hier? Du hast hier nichts zu suchen!"
"Ich wollte dich sehen, dich sprechen."
Rashid ben Sadiq, ein groß gewachsener, schmal gebauter Mann mit grau meliertem Vollbart und einer Nase, die an einen herabstoßenden, mordlustigen Falken erinnerte und somit im vollkommenen Gegensatz seines Trägers stand, strich sich abwesend mit den übermäßig mit Ringen besetzten Fingern über den schwarzen Samt seiner Robe, bevor er an Jibril heran trat und seine Hände auf die Schultern des kleinen Bruders legte.
"Willkommen in Sab, Jibril. Ich weiß es zu schätzen, dass du herkommst, aber der Zeitpunkt ist ein gänzlich ungünstiger."
Jibril wankte noch einen Moment, dann legte sich auch auf seine Züge ein Lächeln. Oft hatten die beiden Brüder in der Vergangenheit gestritten, über Ideale und Ziele im Leben, sich überworfen, und schließlich jahrelang überhaupt keinen Kontakt gehabt. All das war nun weit weg, einzig die Tatsache, den anderen in seiner Nähe zu wissen, zählte.
"Rashid, ich muss dich etwas Wichtiges fragen", sagte der Jüngere schließlich. "Wenn man von etwas überzeugt ist, jeder andere aber das Gegenteil davon von einem erwartet, was würdest du tun?"
Plötzlich brach Rashid in ein sanftes Gelächter aus.
"Du kennst meine Geschichte, Jibril. Du weißt, wofür ich mich entschied, als Vater mich als Erben für sein Dorf vorsah. Und ich weiß, wie deine Einstellung dazu war. Haben sich deine Ansichten geändert?"
Es war nicht das Dorf, auf das er anspielte, doch der Sayyid fühlte sich dennoch bewegt von der Antwort seines Bruders.
"Ich... weiß es nicht."
"Du weißt, was ich darüber denke. Das Wichtigste ist, dass du reinen Gewissens auf deine Taten blicken kannst, dich nicht selbst betrügst. Aber nun lass uns draußen beten. Die Gemeinde hat sich schon versammelt..."

Salieri
24.12.2010, 10:09
Ab hier beginnt das freie Schreiben außerhalb des Wettbewerbs.