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View Full Version : Vampire Foren-RPG



Gwydion
14.07.2008, 21:05
Dies ist also endlich der Thread, um das RPG aktiv zu schreiben. Hier schreibt ihr eure Geschichten, jeder für sich, zusammen, wie es euch beliebt. Habt Spaß, Absprechungen könnt ihr hier (http://forum.worldofplayers.de/forum/showthread.php?t=424406) im OT-Thread abhalten, wenn nötig. Dort findet ihr auch die nötigen Infos, wenn Ihr zufällig über diesen Thread gestolpert seid und mitmachen wollt. Eins noch: In diesem Thread, Sig aus! Das geht hier nicht automatisch wie im WoG, das müsst ihr selbst manuell machen. Danke!

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Business District, Tower des Prinzen: Der Prinz und die Primogene


London bei Nacht. Die City erstrahlt im Schein tausender Lichter, die von der Themse widergespiegelt werden. Die Stadt wimmelte von nächtlichen Spaziergängern und von den Besuchern, die Geld in die Theater- und Restaurantkassen spülten, die in Nachtclubs bis zum Morgen tanzten oder begeistert einem der vielen Musicals zusahen und -hörten. Wie viel lebendiger die Stadt am Tag sein mochte? Man konnte es sich nur schwer vorstellen, wenn man seit Jahrhunderten nicht mehr bei Tageslicht unter Lebenden gewandelt war. Und dennoch… war es ruhig. Zu ruhig. Das nächtliche London schien eine Idylle, bis auf die Tatsache, dass die sterblichen Jugendlichen eine Vorliebe dafür entwickelt haben sich gegenseitig über den Haufen zu schießen. Einen letzten Blick warf Prinz James Edward Fitzroy von der Fensterfront des Konferenzsaals seines Towers im Business District aus auf das Lichtermeer unter ihm, bevor er sich zu seinen Gästen umdrehte und zu ihnen an den Konferenztisch trat.
„Ich wünsche Ihnen einen guten Abend, meine werten Primogene. Ich bin erfreut sie hier vollzählig anzutreffen und…“, begann er die Konferenz und beobachtete aus dem Augenwinkel Coe, den Brujah Primogen, der die Arme verschränkte und bereits bei der Begrüßung die Geduld verlor, denn er hielt nichts von Höflichkeitsfloskeln, „…und schlage vor, wir kommen direkt zum Kern der Dinge. Mister Roalsteed, würden Sie uns bitte über Ihre Fortschritte in Kenntnis setzen?“
Mit diesen Worten ließ sich der Prinz Londons in seinem großen Sessel an der Stirnseite des Tisches nieder und beobachtete den Tremere-Primogen, der sich seinerseits von seinem Platz am Tisch erhob und unter seinem langen Mantel eine Schriftrolle hervorzog.
„Das Museum of London hat in der Tat ein Artefakt in seinen Besitz gebracht, das über außerordentliche Kräfte verfügt. Ich bin mir sicher, dass die Sterblichen sich nicht einmal Bewusst sind, was sie dort in ihren Hinterzimmern gelagert haben, um es vorerst untersuchen zu können. Es handelt sich dabei um einen simpel wirkenden Kelch, doch ist er mit thaumaturgischen Zaubern belegt. Es ist schwer voraus zu sagen, welche Wirkung er auf die Sterblichen in seiner Nähe hat. Er muss sichergestellt werden. Des Weiteren habe ich den starken Verdacht, dass ein weiteres, mächtiges kainitisches Artefakt seinen Weg hierher gefunden hat. Doch bis ich mir nicht absolut sicher bin, kann ich dazu nichts weiter sagen.“, erzählte der Tremere-Primogen und setzte sich wieder.
„Kümmern Sie sich um die nötigen Vorkehrungen, um diesen Kelch sicher zu stellen?“, hakte der Prinz kurz nach.
„Selbstverständlich.“, erwiderte der rothaarige Tremere.
„Gut. Mister Rutar, wenn Sie uns bitte berichten würden, was Sie herausgefunden haben…“
Eine Gestalt in Smoking erhob sich am Tisch, den Kopf durch einen Hut bedeckt und eine Sonnebrille auf der Nase, dennoch konnten diese Accessoires nicht komplett das entstellte Gesicht verdecken, dass auf die Herkunft des Nosferatu-Primogen hinwies. Und seine unirdische, raue Stimme mit dem ost-europäischem Akzent machte es nicht besser.
„Mein Prinz, die Unterwelt ist unberuhigend ruhig. Soweit meine Informationen stimmen, hat der Sabbat in den letzten zwei Wochen keine Straßenkämpfe angezettelt, keine unserer Einrichtungen zerstört, keinen der unseren getötet.“, berichtete Rutar.
„Faszinierend….“, ertönte eine weibliche Stimme von der anderen Seite des Tisches.
„Doktor Meyer, haben Sie dem noch etwas hinzuzufügen?“, der Prinz blickte die Frau an, die ihren weißen Kittel gegen einen Rockanzug getauscht hatte und sich gerade wieder ein wenig nervös die Brille zurecht schob.
„Nun, es ist doch so: der Sabbat als ganzer, wenn man ihn als ein Wesen beschreiben will, hat ein ausgeprägtes „Es“, dafür aber praktisch kein „Über-Ich“. Das heißt die triebhafte, zerstörerische Seite wird durch keine moralische Seite geregelt und lässt somit als Handlungen nur triebhafte, zerstörerische Akte zu. Aber eben dies geschieht nicht. Es passt nicht zur Psyche des Sabbat, beziehungsweise seine Anhänger. Das ist faszinierend, auf eine beunruhigende Art und Weise…“, erklärte die Doktorin.
„Ich stimme zu. Da ist irgendetwas im Busch. Wir sollten das im Auge behalten.“, die tiefe, brummende Stimme Alric Skjöldrs hallte durch den Saal und verklang.
„Im Auge behalten? Skjöldr, seit wann sind Sie so ein Schwächling? Ich sage, wir treiben sie aus ihren Löchern und nehmen sie auseinander!“
„Mister Coe, unüberlegtes Handeln wird uns zu gar nichts bringen. Mister Rutar, ich erwarte, dass Sie und Ihre Leute sich der Sache weiterhin annehmen. Finden Sie heraus, was das zu bedeuten hat. Und sie Mister Coe, bevor Sie die Tischplatte mit Ihrer Faust malträtieren, würde ich gerne wissen, wie es mit Camden Town steht.“
„Die Anarchen verhalten sich ruhig. Sollte so bleiben, solange wir nicht offensiv gegen sie vorgehen. Wozu es keinen Grund gibt im Moment, auch wenn ich gerne etwas mehr Action hätte.“
„Vielleicht werden wir das früher haben als uns lieb ist. Doktor Meyer, noch einmal zu Ihnen. Wie kommen Sie mit Ihren Forschungen voran?“
„Oh, gut, wirklich. Die Wirkung dieses Medikamentes ist wirklich… faszinierend… aber… ich befürchte ich brauche mehr Versuchsobjekte.“
„Dann kümmern Sie sich darum. Ich möchte unterrichtet werden, sobald es die ersten handfesten Ergebnisse gibt. Gibt es sonst etwas zu besprechen?“
„Ja! Dieser Typ, dieser Barclay, er kauft ständig Aktien unserer Gesellschaften auf. Das gefällt mir nicht!“, polterte der untersetzte Ventrue-Primogen.
„Dann müssen wir uns darum kümmern. Mister Rutar kann zurzeit niemanden entbehren, so weit ich das mitbekommen habe. Kümmern Sie sich um Agenten, die entsprechende Nachforschungen über Mister Barclay anstellen, Lord Edward.“, mit einem Lächeln beobachtete der Prinz, wie der kleine Ventrue Primogen empört in seinen Stuhl zurück sank, weil er nicht seinen vollen Titel verwendet hatte.
„Gut, wenn es das dann war, bedanke ich mir für Ihr Kommen und entlasse Sie in dem Wissen, dass Sie ihre Aufgaben kennen und für die Ausführung selbiger Sorge tragen werden. Ich wünsche noch einen schönen Abend.“
Der Prinz erhob sich und kehrte zu seinem Platz an der Fensterfront zurück, um wieder seinen Blick schweifen zu lassen, über London, sein London. Dort unten waren irgendwo Kainskinder unterwegs, die er für seine Interessen gebrauchen konnte, welche die Fähigkeiten hatten und den nötigen Drang sich vorm ihm zu beweisen, um einen Teil vom Kuchen zu ergattern. Er musste sie nur finden.

Ryu Hayabusa
15.07.2008, 03:35
Irgendwo zwischen der londoner Innenstadt und dem Businessdistrikt.

Es war eine Nacht, wie jede andere. Leon Belmont fuhr den gewohnten Weg mit seiner Harley durch die dunklen Straßen Londons, direkt auf dem Weg zu seinem Lieblingsmetzger. An sich war es schon fraglich, warum ein Mann mitten in der Nacht im Ledermantel auf einer Harley durch London fuhr, nur um sich etwas von seinem Metzger zu besorgen, doch für Leon war es das Normalste der Welt, seit er hier in London "lebte".

Schließlich besorgte er sich hier seinen abendlichen Vorrat an Blut, um in dieser Stadt zu überleben und die morgige Nacht noch zu erleben. Ja, richtig. Wie einer von vielen in Englands Hauptstadt, war der, für kainitische Verhältnisse noch sehr junge Belmont ein Vampir, dessen oberstes Ziel es war, seine untote Existenz aufrecht zu erhalten. Wie das Ziel so vieler Kainiten. Und dennoch... Einen kleinen Unterschied gab es da. Für Leon stand seine Eigenerhaltung nicht allein an oberster Stelle, nein. Vielleicht hing es damit zusammen, dass seine Verwandlung zum Vampir noch nicht so lange zurück lag und er somit noch sehr an seiner Vergangenheit hing, er war sich selbst nich sicher, aber dennoch versuchte er, der Menschheit Gutes zu tun und wenn er nur einen Handtaschendiebstahl verhinderte oder Ähnliches. Solche kleinen Dinge reichten ihm, um zu sehen, dass er immernoch ein wenig von dem in sich hatte, was er vor sechs Jahren verlor.

Schließlich wurde das Motorrad langsamer, rollte aus und kam schließlich zum Stand. Da war der junge Gangrel also. "Binkles Metzgerei - Fleisch für jung und alt!", so hieß es auf dem Schild, dass über dem kleinen Laden hing, der in der kleinen Nebenstraße stand. Kurz streckte sich Leon und stieg dann von seinem Fahrzeug, während er seine Sinne ein wenig schweifen ließ. Viel Positives gab es in so einer Seitenstraße ja nicht direkt. Lediglich die leuchtenden Reklameschilder über den Geschäften brachten einigermaßen Licht und die zwei, drei Laternen am Straßenrand. Wirklich gut roch es hier auch nicht, vor allem vor dem Laden, vor dem Leon sich befand. Nach vertrocknetem Blut und Fleisch roch es hier. Irgendwie eklig, aber das störte den Gangrel nicht weiter. Denn die Tatsache, dass er gleich seinen Bekannten Mitch Binkle treffen und auch sein "Essen" bekam, stellte ihn sogleich zufrieden. Ein wenig schmatzend und gelangweilt, die Händen in Taschen, schlurfte Leon in die kleine Seitengasse zum Hintereingang des Laden.

"Mh...? Offen? Komisch..." murmelte er und drückte langsam die Tür auf, während seine Blicke von links nach rechts schweiften. Und dann vernahm er Stimmen. Laute Stimmen, die sich anhörten, als stritten sie. Wem diese Stimmen wohl gehörten? Eine war die, deren Eigner Mitch war, doch wem gehörte die Andere? Die Neugier packte den ehemaligen Studenten und er betrat geduckt die Metzgerei. Mr. Binkle war ja nicht gerade für seine Zimperlichkeit bei der Arbeit bekannt, aber manchmal fand Leon schon, dass der Gute ein wenig zu grobschlächtig mit seiner Ware umging, so wie hier Körperteile von verschiedenen Tieren herumlagen und Blut an vielen Stellen hing. Vielleicht lag es auch daran, dass genau hier der Schlachtraum war. Aber wie auch immer. Die Stimmen waren nun viel interessanter und der Gangrel wollte so langsam sein Blut haben, also schlich er sich in gebeugter Haltung zwischen dem ganzen, aufgehängten Fleisch vorbei, rüber zum Büro. Durch das kleine, ründliche Fenster in der Tür konnte Leon dann zwei Kerle sehen, die aussahen, als kämen sie gerade aus dem tiefsten Ghetto, während der eine dem Metzgermeister zu drohen schien und der andere gerade ein wenig die Akten durchsuchte.

Nur wenige Wortfetzen konnte der Gangrel auffangen. Darunter auch, dass Mitch scheinbar Schulden hatte und die Jungs langsam ungeduldig wurden. "Mh... Ich kenne diesen Geruch..." murmelte er vor sich hin, ehe er sehen konnte, dass die Schläger auf die Tür zu kamen. Mit einer schnellen Bewegung schaffte sich der Kainit in einen der leeren Fleischwägen und wartete ab, bis diese Typen den Laden verlassen hatten. Den Geruch, den der junge Gangrel aufgenommen hatte, als die Beiden vorbei gingen ähnelte wirklich einem allzu bekannten, doch sicher war er sich da nicht. Doch dann waren sie auch schon verschwunden und Leon stieg aus dem Wagen. Mitch würde ihm hoffentlich erklären können, was da vor sich ging. Vorsichtig klopfte er an, worauf der Inhaber die Tür öffnete.

"Ach... Hallo Leon. Du willst bestimmt deine abendliche Ration holen, nicht?" grüßte Mr. Binkle missmutig und bat den Kainiten in sein Büro. Es war schon vom ersten Anblick klar, dass etwas ganz und gar nicht stimmte. Die kleine Topfpflanze, die Mitch immer so glücklich gepflegt hatte war umgeworfen und der Topf zerbrochen, Akten durchwühlt und allgemein war das Büro kein schöner Anblick. "Was ist hier passiert, Mitch? Waren das diese Kerle?" fragte Leon nur, als er sich der Situation bewusst wurde. "Los! Antworte mir!". Und so erklärte der Inhaber von Binkles Metzgerei, was hier vor sich ging. Diese Typen gehörten einer Gruppe von Schutzgelderpressern an, die es sich zur "Arbeit" machten, einfache Ladeninhaber zu überfallen und von diesen Schutzgeld zu verlangen. Etwas, das Leon gar nicht gefiel. Und irgendwie war es typisch für den Sabbat, da diese, auch wenn es ein Haufen hohlköpfiger Vollidioten waren, gerne solch ein Schindluder trieben.

"Also hat mich meine Nase doch nicht getäuscht..."
"Bitte?"
"Ach... Es ist nichts. Mitch, mach dir keine Sorgen. Ich werde mich spätestens morgen Nacht um die Kerle kümmern."

Leon ging zur Tür und wollte gerade gehen, da hielt ihn Mitch auf.

"Wie willst du alleine das anstellen?"
"Ach, weißt du... Ich hab da so meine... Uhm... "Tricks" auf Lager, mein Freund. Kümmere du dich einfach um meine Ration morgen. Ich werde vielleicht ein wenig mehr brauchen. Also bis dann!"

Und so verließ der Anda die Metzgerei mit den drei Flaschen voller Tierblut, um zurück in seine Zuflucht zu fahren. Den Rest der Nacht würde er wohl mit Recherchen über diese Schläger und einem Mitternachtsfilm verbringen. "Das Schwert des Bunshi" klang doch ganz gut...

Scatty
15.07.2008, 20:46
Irgendwo in der Londoner Innenstadt

Die verregneten Scheiben verzerrten diejenigen Lichtquellen, die es schafften sich ihren Weg ins Innere des gemütlichen Clubs zu bahnen zu fleckig-marmorierten Landschaften aus hell und dunkel, manchmal nahtlos ineinander übergehend, manchmal abgestuft. De Vries blickte nach draussen, die Stirn in Falten gelegt. Trotz seiner nun doch recht lange andauernden Periode des Schattenwandelns gelüstete es ihn immer noch danach, unter strahlendem Sonnenlicht zu wandeln. Er grinste. Wenn die Sonne schien, fühlten sich die Menschen einfach sicherer und ihm fiel es leichter, sie um den Finger zu wickeln.

Während er seinen Blick durch die angenehm gedämpft beleuchtete Lounge schweifen liess, konnte er nicht umhin zu bemerken, dass die Hälfte der angeblichen Upper Class hier doch eher Emporkömmlinge darstellten. Dass er selbst auch nur Sohn eines Diplomaten war..gewesen war, störte ihn nicht. Das war etwas komplett anderes. Er hatte sich nie so benommen wie dieses ekelerregend protzerische Paar dort drüben. Hauptsache, die teuersten Weine und Antipasti auf der Karte bestellen und dann im Reigen des angeblichen Genusses so schwelgen, dass sie nicht einmal annähernd ahnten, dass der beste Tropfen nicht aus Flaschen kam. Deswegen kam De Vries gar nicht erst in Versuchung, sich krampfhaft gestelzt an einem Rotweinglas festzuklammern und sich dem dumpfen Wohlgefühl hinzugeben. Seine kalten Augen folgten lieber den Geschehnissen, die sich hier abspielten.

Eigentlich war er verabredet. Doch von geschäftlicher Etikette hatten seine Klienten wohl noch nichts gehört, es sei denn, sie nahmen dieses lächerliche Rar-Machen wirklich für bare Münze. So langsam wurde der Kainit doch ungeduldig. Er lockerte er seine Fliege ein wenig, und liess seinen Blick nochmals nach draussen schweifen. Dieser Moment der Unachtsamkeit genügte schon, um das heransausende Wasserglas nicht zu bemerken, dass einem ungeschickten Kellner vom Tablett gerutscht war und nun auf seinem Tuxedo gelandet war. De Vries' linke Augenbraue zuckte hoch, er bleckte die kalkweissen Zähne, fasste sich dann jedoch wieder und stand, die Arme schwer auf den Tisch gestützt, auf. Der Kellner versuchte sich natürlich zu entschuldigen, beteuerte, dass er das nicht gewollt hätte, all das was man von verweichlichten Menschen so erwarten konnte. "Aber, aber, mein Lieber. Ein kleines Malheur passiert jedem einmal." Ein wölfisches Grinsen bahnte sich den Weg auf De Vries' Züge, als er dem Livrierten seine Hand auf die Schulter legte und mit spielerischer Leichtigkeit begann, Knochen zu quetschen und seine Fingernägel in die Deltamuskeln des Mannes zu graben. Weit kam er jedoch nicht, und nur dem Zufall und etwas Glück hatte es der Kellner zu verdanken, dass er sich den Krankenhausaufenthalt sparen konnte.

Der Grund für De Vries' Einhalten war eine Hand, die sich ihrerseits auf seinen Unterarm gelegt hatte. Bereit, eine Ohrfeige zu verteilen, denn niemand hatte ihn anzufassen, erhaschte er jedoch einen Blick aus dem Augenwinkel und entschied sich anders. Eine ältere Dame, sicherlich schon in ihren Vierzigern, blickte ihn mit besorgtem Gesicht an. Ob etwas nicht in Ordnung sei, fragte sie. Er grinste wiederum, befühlte mit seiner Zungenspitze seine Eckzähne und antwortete: "Oh, nein, nicht doch, Madam. Alles in bester Ordnung. Alles wunderbar. Es tut mir ausserordentlich leid, sie beunruhigt zu haben. Darf ich sie auf einen Cocktail einladen? So viel..Besorgnis um seine Mitmenschen sieht man nicht so oft." Erst zögernd, aber nach einem Blick in Martins Augen mehr als willig, hakte sie sich bei ihm ein. Ja, alles war in bester Ordnung. Der Kellner hatte seinen Arm noch, die alte Schabracke würde nochmal ordentlich einen heben können, und De Vries würde wieder trinken. Ein wunderbarer Abend.

Ryu Hayabusa
16.07.2008, 02:45
London, Gegend der Lagerhäuser in den Docks

Die letzte Nacht hatte ja doch so das ein oder andere Geheimnis preisgegeben, wie Leon fand. Die restlichen Stunden hatte er nämlich mit Recherchen verbracht, wann, wo, welche Gangs ihr Unwesen trieben. Schon erstaunlich, was man über das Internet so alles herausfinden konnte. Dann hier noch den einen Schläger ausgequetscht und da noch ein, zwei Knochen gebrochen und schon hatte der junge Gangrel alle Informationen, die er suchte. Seien Informationen nach zu folge, trafen sich die Schutzgelderpresser jede zweite Nacht in einem alten Lagerhaus an den Docks. Vermutlich, um ihren ergaunerten Gewinn aufzuteilen und sich neue Pläne auszudenken, anderen das Leben schwer zu machen und dabei nur auf das eigene Wohl zu achten. Leon bekam Aggressionen, wenn er auch nur daran dachte. Schließlich war er wiederrum etwas ganz anderes. Schon immer hatte er dieses rechtschaffende Gefühl in sich, dass er seid je her aufrecht hielt. Es fiel zwar manchmal verdammt schwierig und doch hielt der Gangrel entschlossen an seinen Prinzipien fest.

Es war keine große Kunst, den Jungs bis zu ihrem Versteck zu folgen. Mit der richtigen Fährte in der Nase und einem Stadtplan, in dem alles markiert war hatte der Gangrel es mit seiner Harley bis zu einem der, mehr als zwielichtigen Parkplätze geschafft. Gerade mal zwei Laternen in der Mitte des Platzes spendeten Licht und das Einzige, was der frühere Student darunter ausmachen konnte, waren zwei aufreizend gekleidete, junge Damen, die wohl einem nicht ganz so legalen Geschäft nachgingen: Prostitution. Irgendwie schade, aber trotzdem kaum vermeidbar. Und trotzdem taten diese Mädchen dem jungen Gangrel leid, wie sie da standen und ihre Körper verkauften. Eine Schande war das! In solchen Momenten bereute der Anda irgendwie, dass er nicht ein Toreador war. Er erinnerte sich noch, wie ein guter Freund aus Amerika, ebenfalls einer vom Clan der Rose mal eine Stripperin überzeugen konnte, mit ihm ein neues "Leben" zu beginnen. Aber nicht so Leon. Erstens hatte er keine großartige Lust auf ein Anhängsel und zweitens... Nun... Sein Herz gehörte einer Anderen, auch wenn sie nie davon erfahren würde. Doch war es um der ihrer Sicherheit willen. Würde der Sabbat nämlich herausfinden, dass Leon Gefühle für sie hatte, würde sie unweigerlich in Gefahr gebracht - Seinetwegen. Und das wollte er auf keinen Fall.

Und als er sich so umsah, wurde ihm irgendwie mulmig zumute. Er traute in diesem Stadtteil überhaupt niemandem. Vor allem nicht, wenn es darum ging, seine Harley stehen zu lassen. Es brauchte nicht viel, da parkte er die Maschine in einer unscheinbaren, entlegenen Gasse und schob mit voller Kraft einen Müllcontainer davor. Ja, das Dasein als Kainit hatte schon etwas. Man hatte mehr Kraft als die meißten Menschen und musste sich über kleinere Wunden und Krankheiten keine wirklichen Sorgen machen. Und trotzdem war die Welt einfach nicht dieselbe ohne die wärmenden Strahlen der Sonne, die einen nun bis zur Unkenntlichkeit und schließlich zum endgültigem Tod verbrannten. Eine verdammte Schande war das! Aber was wollte man schon dagegen tun? Einfach weiter existieren und denen, die es noch erleben konnten einen immer wieder kehrenden Sonnenaufgang bescheren, in dem man ihre Existenzen rettete.

Doch jetzt würde sich der Gangrel erstmal um diese Erpresser kümmern. Und so schlich er um die Lagerhäuser, hörte und roch, ob sich dort etwas tat, doch es tat sich nichts. Doch dann... Bei einem der Lagerhäuser, das schon recht schäbig und verfallen aussah hörte Leon einen Schrei und kurz darauf einen Schuss. Aufgeschreckt wie ein Wolf rannte der Gangrel zu dem Ort, von dem diese äußerst beunruhigenden Geräusche kamen. Erst aus seiner gebückten Haltung auf allen Vieren, dann immer weiter aufrecht. Ja, Gangrel hatten eben dieses Tierische, aber das war ja auch egal, solange man vom Fleck kam. Da die Vordertür keine gute Idee und außerdem verschlossen war, musste Leon schnell handeln und rannte hinter die Halle, wo er eine Leiter aufs Dach fand. Ein kurzer Blick hinauf und er wusste: Es würde wohl seine Zeit dauern, bis er oben war, deswegen: Beeilung!

Der Gangrel machte zwei Schritte rückwärts, schloss die Augen und konzentrierte sich auf das Blut, dass er in sich trug. Er spürte, wie es wärmer wurde und sich langsam kanalisierte, anfing zu pulsieren und dann stärker wurde, bis er schließlich fühlte, wie seine Augen dieses orangene Leuchten und diese wolfsartige Form annahm. Auch, wie er ein wenig mehr gebückt da stand und diese seltsam ungewohnte Stärke fühlte. Ja, die Disziplin des Gestaltwandels hatte schon etwas Praktisches an sich, auch wenn man sich während der Dauer ziemlich tierhaft benahm. Aber es war ein Notfall, also nahm Leon dieses kleine Manko in Kauf und stieß sich vom Boden ab. Somit konnte er ein Drittel der Leiter hinauf gelangen, ohne großes Steigen und kam auch so schneller auf das Dach der Halle. Es war wie die Jagd eines Wolfes. Der Gangrel war nun der Jäger und die Sabbatschläger die Beute.

Nun saß der, momentan tierhaft anmutende Anda auf dem Dach und ließ seine orangenen, wölfischen Augen durch das mondbeschienene Dachfenster die innere Halle mustern. Dort unten befanden sich ein paar stinkende Lassombrabastarde, die ihre Zielübungen auf ein junges Mädchen ausübten, dass an einen der Stahlbalken gefesselt und geknebelt war. An sich war sonst nichts Besonderes in der Halle. Nur die üblichen, rostigen Ölfässer, ein paar Regale, Kartons, ein paar Kisten und ein schlichter Hubwagen. "Was treiben diese Bastarde da unten?" flüsterte sich der Jäger selbst leise zu, ehe er das Dachfenster so leise es ging öffnete und sich langsam auf eine der Lampen gleiten ließ. Hoffentlich würde das Ding das Gewicht des Gangrel aushalten, sonst hätte er ein Problem. Diese Hallen waren nämlich nicht grad für ihre geringe Höhe bekannt. Im Gegenteil: So ein Teil konnte gute zehn Meter Höhe messen, wenn nicht sogar noch viel mehr! Und so ein Aufprall auf dem Boden tat auch einem Kainiten weh. Egal, wie alt oder mächtig er nun war. Aber irgendwie hatte Leon Glück und so konnte er unbemerkt rüber auf eines der Regale springen, dass ein unmittelbar tieferes Stück neben der Lampe stand.

So langsam jedoch spürte der Gangrel, wie das Aufrechterhalten seiner Tierhaftigkeit an seinen Blutvorräten zog und es mühsamer wurde, diese aktiv zu halten. Schlichtweg: Er musste sich beeilen. Und so tat er es auch. Schnell kletterte der Anda an dem Regal hinab und schlich sich zu dem Hubwagen, auf dem noch eine Kiste stand. Auf den kurzen Griff nach einem alten Schraubenschlüssel, der hier herum lag folgte ein Wurf, der das Werkzeug zum anderen Ende der Halle beförderte und in einem klangvollen Geräuscht aufkommen ließ.

"Was war das Jim?" fragte einer der Drei und schaute seine Kumpane mit verengten Augen an.
"Weiß ich doch nicht, Mike! Sieh halt nach!" schnauzte der andere ihn darauf nur an und wandte sich wieder seinen Schussübungen zu. Und kaum gesagt, schlich auch schon einer von ihnen an der Kiste vorbei, die auf dem Hubwagen stand und hinter der sich Leon befand. Nun hieß es nur noch: Zuschlagen! Und so tat er es auch. Sich die Eckzähne leckend zog der Gangrel sein Kampfmesser, dass er an seinem Gürtel hängen hatte heraus und folgte dem Lassombra lautlos, bis dieser stehen blieb und sich nach dem Schraubenschlüssel bückte. Mit einem starken Ruck packte der Jäger nun sein Opfer mit der flachen Hand vor den Mund, riss seinen Kopf ruckartig nach hinten und läutete mit einem lauten Knacken und einem präzisen Stich in dessen Schläfe das Ende des Sabbatschlägers ein.

Nun jedoch zu den Anderen. Wieder zum Hubwagen geschlichen, nahm Leon jetzt die letzte Kraft zusammen, die er durch seinen Wandel übrig hatte und gab dem Transportmittel für Kisten einen kräftigen Stoß, dass es mit voll Karacho auf den nächsten Lassombra zurollte und diesen an einem Pfeiler festsetzte. Da nun seine Tarnung aufgeflogen war und er seine Disziplin nicht mehr wirklich aufrecht erhalten konnte, kam der Anda wieder in seinen ursprünglichen Zustand und zog seine Desert Eagle unaufällig aus dem Halfter, dass er unter seinem Mantel trug und ließ den übrig gebliebenen Schwächling schreiend auf sich zurennen. Doch Leon hatte sich verrechnet und nicht gedacht, dass dieser Irre direkt auf ihn zuspringen würde. Und so wurde er zu Boden gerissen, während dieser schleimige Sabbatbastard seine schmierigen Finger um den Hals des Gangrel legte und zudrücken wollte.

"Lass... Ngh... Lass los verdammt! Ich brech dir... Ich brech dir alle Knochen im Leib!" stieß der ehemalige Student hervor und griff zu seinem Messer, dass er ein paar mal in den Körper des Schlägers rammte. Wo er traf war ihm herzlich egal, hauptsache es zeigte Wirkung und dem war so. Vor Schmerzen schreiend rollte sich der Lassombra zur Seite und gab dem Gangrel Zeit, aufzustehen und zu einer der kaputten Kisten zu rennen, aus der er eine lange, spitze Holzlatte nahm und dem Zerstochenem mitten ins Herz rammte. "Schönen Sonnenaufgang, wünsche ich." setzte Leon dann noch mit einer Verbeugung hinzu und hob seine Handfeuerwaffe auf. Ein Glück, dass diese Frischlinge im Sabbat nie wirklich Zeit hatten Erfahrung zu sammeln, ehe sie als Kanonenfutter in die Reihen ihrer Vorgänger eingingen. Ein wenig nach Luft schnappend klopfte der Gangrel sich schließlich den Staub von seinem Mantel und ging rüber zu dem Mädchen, dem er den Knebel entfernte.

"Hilfe!!! BITTE!!! HILFEEE!!!" kam darauf sofort von dem völlig verheulten Mädchen, dass noch lauter schreien konnte als so manche Malkavianerin, die Leon je gehört hatte.
"Shhht! Halt doch die Klappe! Ich will dich hier rausholen! Sei doch endlich still!" flüsterte der Gangrel dann nur. Es dauerte eine Weile und es brauchte Zeit, auf sie einzureden, doch dann tat sie endlich was verlangt war und Leon band sie los.
"Komm, lass uns gehen. Ich glaube das waren nicht die Einzigen, die hier Abends herumgeistern." schlug der Gangrel dann vor und verschwand nach einer kurzen Diskussion, was hier los war die Halle zum Parkplatz, wo er seine Harley aus der Gasse holte und mit dem Mädchen so schnell es ging zu ihr nach Hause fuhr.

Bei ihr angekommen, hatte Leon sie schließlich bis zu der Wohnung ihrer Eltern begleitet, die im zweiten Stock lag und sie dort leise in ihr Zimmer gebracht.

"Wie kann ich dir nur danken? Ich weiß ja nicht mal deinen Namen..."
"Du kannst mir nicht, wobei... Mein Name ist Leon. Mir fiele da schon etwas ein..."
"Du denkst jetzt aber nichts Perverses oder?"
"Nein... Diese Zeiten hab ich schon länger hinter mir... Schließ einfach deine Augen und vertrau mir..."

Und so geschah es. Das Mädchen, dass übrigens Lucy hieß und entführt wurde, um ihre Eltern zu erpressen schloss ihre Augen und der Anda schnupperte erst kurz an ihrem Hals auf und ab, ehe er ihr die restlichen Haare von der Haut strich und seine blanken Zähne entblößte und zubiss. Wie lange hatte er nicht mehr einen solchen Genuss erleben dürfen? Natürlich! Das Blut eines Menschen war so weitaus süßer als das eines jeden Tieres und Leon kam so selten in den Genuss eines solchen Mahls! Umso schwerer fiel es ihm auch, von dem Mädchen abzulassen. Selbst als sein Durst gestillt war. Es war noch so viel warmes, köstliches Blut in ihr vorhanden. Er roch es. Er schmeckte es! Und doch war ihm klar, dass er nicht mehr trinken durfte, als er wirklich verlangte und so ließ er, wenn auch schwermütig vom Hals des Rotschopfes ab. Eine plötzliche Müdigkeit hatte sie übermannt, wie es nicht unüblich war, für Menschen, denen gerade soviel Blut entnommen wurde und Leon ließ sie langsam auf ihr Bett gleiten.

"Was... Was war das?"
"Ich muss gehen, mach dir keine Sorgen. Dir wird es bald wieder besser gehen."
"Ich bin so müde... Leon... Geh... geh nicht..."

Und mit diesen letzten Worten öffnete der junge Kainit die Türen zum Balkon und sprang von dort herunter, als die Eltern die Zimmertür hereinkamen. Geendet hatte das alles in einer verdammt unbequemen Landung in den Hecken des Hauses, aber trotzdem war Leon zufrieden, dass er heute wieder helfen konnte. Eine Familie, die wieder glücklich vereint war und ein, von Schulden befreiter Metzger. Apropos Metzger... Mitch schuldete Leon noch seine Ration an Blut...

Gwydion
16.07.2008, 12:34
Londoner Innenstadt, Pub-Meile

Eine Lilie. Seine Lilie. Ein leises Summen erhob sich in seinem Kopf. Ihr helles Haar glänzte seltsam im Licht der Neonreklamen vor dem Pub, der so voll war, dass wie immer die Jugend vor dem Pub stand und ihr Bier trank. Wie sie alle da standen, in der lauen Sommernacht. Das Wetter in England wurde immer wärmer. Er konnte sich an die regnerischen Nächte erinnern, als er selbst noch jung gewesen war. Klimawandel nannten das die Wissenschaftler. Die Sterblichen sahen die Zeichen. Doch sie konnten sie nicht lesen. Die Lilie blickte zu ihm herüber. Blaue Augen, doch die Farbe war verzerrt vom grünen Licht des Pub-Schildes. Sie näherte sich. Das Summen wurde zum Flüstern, aber es war ihm vertraut, zu vertraut, vertraut genug es vorerst zu ignorieren.
„Hey. Du stehst hier so abseits. Willst du dich nicht ein wenig zu uns gesellen?“, sie lächelte.
Freundlich, ein gutes Herz. Nicht völlig unschuldig vielleicht, dafür war die heutige Jugend zu… wild? Ihr Lächeln war so ähnlich. Seine Lilie? Nein… ihr Duft war anders. Er hatte nicht die Natürlichkeit, die er kannte. Es lag ein Hauch von Chemie in ihm. Heutzutage wusste keiner mehr, wie man Düfte natürlich herstellte… bis auf wenige vielleicht. Das war nicht seine Lilie. Aber sie war ihr so ähnlich, dass es schmerzte.
„Hm… du redest nicht viel, was?“, sie runzelte die Stirn.
„Entschuldige…“, murmelte er.
Sie lächelte wieder, war wohl beruhigt, dass sie keinen Stummen vor sich hatte. Kurz blickte sie zu den anderen vor dem Pub. Ihre Clique. Mit ihnen war sie her gekommen. Ihre Auren waren zinoberrot. Sie kannten keine Sorgen. Nicht heute Nacht. Nicht an diesem Ort. Nicht in diesem Augenblick. Nicht mit einem gefüllten Glas von diesem irischen Bier in der Hand.
„Warum trägst du nachts eine Sonnenbrille?“, ein Schmunzeln schwang in ihrer Stimme mit.
„Hmm… damit ich dich besser beobachten kann.“
„Mich? Warum mich?“, jetzt war sie beunruhigt. Aber gleichzeitig neugierig mehr zu erfahren.
„Weil du anders bist.“, erwiderte er schlicht.
„Inwiefern?“, das Lächeln kehrte auf ihre Lippen zurück, doch sie blieb wachsam.
„Du bist wie eine Lilie unter Gänseblümchen. Du bist wie ein Diamant unter Kieselsteinen. Du bist wie Seide unter Baumwolltüchern.“
„Ein kleiner Poet, hm?“, sie fühlte sich geschmeichelt.
„Ein kleiner.“
„Erzähl mir mehr.“
Er hatte sie. Er hatte sie gefangen. Denn wie seine Lilie, hatte sie ein Ohr für Poesie, hatte sie einen regen Geist, der sich gern mit mehr befasste als den Alltäglichkeiten, die ihre Freunde ihr zu bieten hatten.
„Zu laut hier…“, murmelte er.
Sie wirkte unsicher. Ihre Aura war unruhig. Neugier und Vorsicht wechselten sich ab. Er versuchte sich zu beherrschen. Die Gier griff nach seinem Geist, die Erinnerung stach wie ein Messer in sein Herz, das Flüstern wurde lauter. Nimm sie, pack sie! Nur ein Wort von ihr würde die Erlösung bringen, nur ein Wort.
„Ok.“, meinte sie schließlich.
Ein Hochgefühl stieg in seiner Brust auf, mit einem letzten Blick zu ihren Freunden vergewisserte er sich, dass sie nichts sahen. Oh, sie konnten sehen, aber sie nahmen nichts wirklich wahr, für die Wahrheit waren sie blind, wie alle anderen Sterblichen. Seine Hand griff nach ihrer. Weiche Haut, schlanke Finger. Die Erinnerung wurde zu stark. Das Feuer brannte wieder vor seinen Augen. Lange würde er sich nicht zusammen halten können. Er zog sie in eine Nebengasse.
„Du bist eine wunderschöne Blume und wo eine Rose ihre Dornen hat, bist du makellos.“, flüsterte er in ihr Ohr, spürte, wie sie sich an ihn schmiegte, hörte das Flüstern in seinem Kopf anschwellen zu einem Lärm aus vielen kleinen Stimmen, die durcheinander redeten, immer weiter, bis sein Kopf drohte zu platzen, während seine flüsternden Lippen vom Ohre zum Hals der Lilie wanderten, tastend, liebkosend, bis… bis er seine Zähne in ihren schlanken Hals grub. Mit einem Schlag war der Lärm in seinem Kopf verstummt. Ihr warmes Blut rann seine Kehle hinunter, sie krallte sich an seinen Schultern fest, verwirrt, erregt, bis ihr Bewusstsein in Schlummer sank. Vorsichtig ließ er sie zu Boden sinken. Sie würde wieder aufwachen. Sie würde sich nicht an ihn erinnern. Er existierte für sie nicht.
Will biss die Zähne zusammen. Er hatte die makellosen Blütenblätter der Lilie beschädigt. Den Kopf zwischen die Schultern gezogen, wie ein Verurteilter, der zum Galgen gebracht wurde verschwand er durch die Nebengasse und ließ sich in irgendeiner dunklen Ecke nieder. Er hatte ihr geschadet. Wie er es jede Nacht mit einer dieser schönen Blumen tat. Sein Hinterkopf traf mit Wucht gegen die Wand hinter ihm. So wie damals. So wie damals, als er seine liebste Lilie gebrochen hatte. Wieder traf sein Kopf auf die Wand. Er hatte ihr Leben zerstört. Wieder schlug er mit dem Kopf gegen die Wand. Er hatte sein Leben zerstört. Der Putz an der Wand hinter ihm bröckelte leicht. Mit einem unterdrückten Knurren stand er schließlich auf und wanderte gedankenverloren durch die Gasse, bis er auf eine wenig befahrene Straße kam.
Will blickte gen Himmel. Der Mond. Es war fast Vollmond. Und wie rot er war. Es begann zu regnen. Er zog die Kapuze seiner Jacke über seinen Kopf. Ja, der Mond war rot. Rot, als hätte er sich einen blutigen Schleier angelegt. Als wäre ein Regen aus dem Blut der Sterne auf ihn gefallen. Unsicher blickte Will auf seine Handfläche. Nein, der Regen war durchsichtig, wie es der Regen so an sich hatte. Er bemerkte kaum das Motorrad, das sich ihm näherte, das Quietschen der Reifen, das Schlittern des Fahrzeuges, bis es schließlich einen Schritt neben ihm zu stehen kam.
„Hey! Bist du bescheuert?! Du kannst doch nicht einfach auf der Straße stehen bleiben, wenn was gefahren kommt!“, die empörte Stimme des Fahrers.
„Der Mond ist heute wunderschön… und rot…“, erwiderte Will nur.
Der Fahrer blickte zuerst ihn verwirrt an, dann nach oben zum Himmel und versank für einen Augenblick im Anblick des Mondes. Tatsächlich, jemand, der Schönheit zu schätzen wusste. Auch ein Kind der Nacht? Seine Aura sagte ja.
„Bist du das Genie… oder die Muse?“, fragte Will schließlich, als sein Gegenüber den Blick langsam wieder vom Mond losreißen konnte.

Griffin
16.07.2008, 13:10
Londoner Innenstadt - wenig befahrene Seitenstraße

Leise fluchend schaltete der Toreador sein Fernseher aus. »So ein Müll hab’ ich ja schon lange nicht mehr gesehen. „Schlaflos in Seattle“, pfaaah! Wie hat Jenny doch immer gesagt? „Die Leidenschaft ist ein Rennen und die Liebe ist wie ein offener Turnschuh. Man kann damit das Rennen gewinnen… oder man stolpert und fällt hin und das Rennen ist verloren.“«, fluchte Kaito leise und näherte sich seinem Laptop, dass so still und mit schwarzem Bildschirm auf dem modrigen, kleinen Tischchen stand. Als er es anmachte, hörte er die vertraute Frauenstimme, wie sie ihm zärtlich die wenigen Worte ins Ohr säuselte, die der Brite schon so oft gehört hatte. »Keine neuen E-Mails.« Also auch keine neuen Aufträge und damit wohl auch kein neues Bargeld oder ein neues Bild für ihn.

Ein wenig gelangweilt vergrub Kaito seine beiden Hände tief in den Taschen seiner Anzughose und trottete die wenigen Stufen bis ins Erdgeschoss hinunter. Doch bevor er das tat, was er tun wollte, verharrte er vor dem Spiegel und blickte sich von oben bis unten an, suchte Fusseln und Unebenheiten auf seinem Anzug und beseitigte sie, richtete seine Krawatte und ging sich noch einmal durch die Haare. »Wahrlich, Kaito… du bist einer der Schönsten.«, sagte er zu sich selber. Er ging die letzten Stufe hinunter, öffnete dort die Tür und erblickte sofort seine Honda. Seine heiß geliebte Honda, wie sie stumm und regungslos in der Dunkelheit verharrte und nur darauf wartete, dass jemand den Motor startete. Einen kurzen Augenblick verharrte der Toreador im Anblick seines Motorrads, streichelte sanft die silbrig schimmernden Rohre und den schwarzen Ledersitz. Ja, heute Abend würde er ihr nach so langer Zeit wieder den Gefallen tun und ihre Motoren starten.

Im Licht der wenigen Laternen raste Kaito unter dem klaren, aber regnerischen Sternenhimmel über eine wenig befahrene Straße und genoss es, wie die kühle Londoner Luft an seinem Körper und seiner Honda vorbeizog und dabei sein Oberteil zum Wehen brachte. Es war ein herrliches Gefühl den Fahrtwind am Körper zu spüren, die Lichter an einem vorbeirauschen zu sehen und im Rausch der Geschwindigkeit das Tempo noch weiter zu erhöhen. Zumindest ist es schön, wenn nicht plötzlich irgendwelche Wahnsinnigen auf die Straße rannten und völlig vertieft waren in den Sternenhimmel. Mit einer schnellen Handbewegung und etwas Anstrengung brachte Kaito seine Hand an die Bremse und drehte das Hinterrad seiner Honda schwungvoll nach vorne, dass das Motorrad fast genau 90° vom Bordstein wegstand.

»Hey!«, brüllte er dem verträumten Etwas entgegen. » Bist du bescheuert?! Du kannst doch nicht einfach auf der Straße stehen bleiben, wenn was gefahren kommt!« Sekunden lang verharrte der Fremde einfach nur. Er bewegte sich keinen Millimeter, starrte einfach nur stur auf den Mond. »Der Mond ist heute wunderschön… und rot…«, sprach der Wahnsinnige ein wenig verliebt. Wahrlich, der Mond war heute Abend wunderschön. Es war ein herrliches Bild, wie der blutrote Mond am Himmel strahlte, über den Menschen, über den Kainskindern, über der Stadt, über allem. Für einige Sekunden verlor der Toreador sich im Anblick dieses einzigartigen Augenblickes und sog förmlich alles in sich auf. Wieso nur hatte er ausgerechnet heute seine Kamera vergessen? Beinahe brutal und unmenschlich brach die Stimme des Fremdlings in Kaitos Gedankengänge ein und vertrieb den Mond und seine Herrlichkeit.

»Bist du das Genie… oder die Muse?«, fragte der Fremdling. Entweder der Kerl war vollkommen durchgedreht und war auf Drogen oder er hatte erkannt, dass tatsächlich ein Kind des Kains vor ihm stand, dann wäre der untertriebene Überlebenswille des Fremden erklärt. Kaito hatte noch nie von einem Kainskind gehört, dass überfahren wurde. »Oft schon diente ich Künstlern und Künstlerinnen als Muse, meist Fotografen oder Malern. Aber auch ich selbst bin in gewisser Weise ein Künstler. Ich fotografiere.«, erklärte der Toreador mit seiner sanften Stimme und genoss es, von sich selbst zu erzählen und seine eigene Stimme zu hören. »In gewisser Weise bin ich also beides. Genie und Muse.« Tief in sich hörte der Brite, wie sein Sinn für guten Geschmack klingelte. Wahrlich weise und wundervolle Worte, die er da vorbrachte. »Und du? Lebensmüder Spinner… oder süchtig nach dem Mond?«, fragte er schließlich seinen Gegenüber und lehnte sich erwartungsfroh gegen seine Honda.

Gwydion
16.07.2008, 15:14
Londoner Innenstadt - angeblich wenig befahrene Seitenstraße

War ein Toreador und hielt die Nase in die Luft wie ein Ventrue. Seine Wortwahl war ausgesucht, aber stümperhaft aus poetischer Sicht. Er war noch jung, dem Aussehen nach mit asiatischem Blut, dem Akzent nach aber ganz und gar Brite.
»Und du? Lebensmüder Spinner… oder süchtig nach dem Mond?«
Will lachte. Wie schnell der Kleine den ersten Anschein von ausgesuchter Wortwahl zerstört hatte. Er war ohne Zweifel ein Kind des späten zwanzigsten Jahrhunderts.
„Ich lebe nicht. Nicht wirklich. Seit langem nicht mehr. Und der Mond hat für mich besondere Bedeutung. Der Mond kennt die Wahrheit, weißt du…“, erwiderte Will ruhig, verhältnismäßig viele Worte auf einmal von ihm. Wie viel der Kleine wohl wusste? Erkenntnis breitete sich auf seinem Gesicht aus.
„Verstehe… du bist also ein Malkavian.“
„Hmm…“
Wieder blickte Will zum Mond hinauf. Eine ungewöhnliche Farbe, tatsächlich. Doch was wollte der Mond damit sagen? Würde Blut fließen? Aber floss nicht jede Nacht Blut, wenn Sterbliche sich gegenseitig töteten? Was konnte es noch bedeuten? War das die Aura des Mondes? War der Mond wütend? Oder hatte er Sehnsucht? Hatte er Sehnsucht nach der Sonne? Die Sonne, die er nie erreichen würde?
„Ich würde ein wenig zur Seite mit meinem Motorrad, wenn ich du wäre…“, murmelte er zu dem jungen Toreador, während er noch immer nachdenklich zum Mond starrte und sich selbst doch noch von der Straße bewegte.
„Wa…?“, doch bevor der junge Kainit seine Frage beenden konnte, hörte er auch das Heulen der Motoren. Illegale Straßenrennen verloren nie an Reiz für die Sterblichen.
Mit einer raschen Bewegung hatte der Kleine seine Maschine angeworfen und war auf den Bürgersteig damit gerumpelt. Keine Sekunde zu früh, denn die Sportwagen rasten bereits heran. Will wendete den Blick vom Mond ab und den Autos zu, drei an der Zahl, die mit irrer Geschwindigkeit an ihnen vorbei rauschten.
„Danke…“, meinte der Toreador, als sie vorbei waren. Eine Minute des Schweigens breitete sich aus. „Ich bin Kaito Takumi.“, mit diesen Worten beendet der junge Toreador die Stille.
Mit schief gelegtem Kopf betrachtete Will diesen Kaito. Die Stimme flüsterte ihm zu. Die Nacht war noch jung. Und einsam. Und der Mond war rot. Etwas würde geschehen in dieser Nacht. Es war gleich, ob Will dem alleine entgegen trat oder sich verkroch oder mit diesem Kaito der Dinge harrte, die da kommen mochten. Denn der Mond war rot. Und er verbarg seine Absichten gut vor denen, die ihn kennen sollten. Vor denen, die ihn Nacht für Nacht anblickten. Vor seinen Jüngern, seinen Opfern, seinen Liebhabern.
„Will Nathan…“, sagt er schließlich.
Ob die Themse auch rot leuchtete, beschienen vom roten Mond? Was wäre das für ein Anblick? Eine blutige Themse? Das Flüstern erhob sich und kündete von einem weiteren Gast, der sich diesem Gespräch anschließen mochte. Auch ein Motorrad. Ein knatterndes, lautes Ungetüm, anders als das des Toreador. Die Stimme sprach vom guten Wolf, der Rotkäppchen eher die Tür aufhalten würde, als sie zu fressen. Will wandte den Blick und bemerkte die Scheinwerfer, die sich näherten.
„Willkommen, Kaito, beim Treffen der anonymen Bluttrinker…“, murmelte er leise.
Auch der Toreador hatte das Motorrad bemerkt. Mal sehen, was der gute Wolf heute Nacht noch so vorhatte. Denn immerhin war der Mond rot. Und das Flüstern erzählte von Dingen, die geschehen würden. Geschehen mussten. Dem roten Mond zu Ehren.

Ryu Hayabusa
16.07.2008, 16:25
London, auf den Straßen der Innenstadt

Nachdem Leon seinem Blutversorger Mitch gestern bescheid gegeben hatte, erklärte sich der Metzger bereit, nun die tägliche Ration umsonst an seinen Helfer abzugeben. Und das alles als kleines "Dankeschön" dafür, dass der junge Gangrel ihm die Schutzgelderpresser vom Halse geschafft hatte. Ein gelungener Anfang für eine Nacht, die hoffentlich so gut weiter ging. Nun saß er jedoch erstmal gemütlich in seiner Zuflucht und nahm seine E-Gitarre von ihrem Ständer, der sich neben dem Fernseher befand. Gemächlich zog er sich seine Kopfhörer über, steckte diese an sein Instrument und nahm eines seiner Plektroms zur Hand. "Hmm... Eine... Eine Melodie... Aber was... Hm, ja... Ja wieso nich?" murmelte der Gangrel vor sich hin, während er so in seinen Shorts auf dem Bett saß und langsam in die Saiten des Instruments strich. Aber irgendwie und auch belustigender Weise wurde aus dieser Melodie schnell der harte Metal-Sound, den Andi... Nein... Leon noch aus seinen Lebzeiten und nun auch im Unleben am liebsten gehört hatte. Es verging nur ein kurzer Moment und schon saß er, völlig mitgerissen von seiner Musik da und headbangte wie schon lange nicht mehr und sang dabei aus voller Kehle, auch wenn es ein wenig seltsam klang.

"Listen up!Turn it up and rock it out!
Party on! I wanna hear you scream and shout!
This is real, as real as it gets!
I came to get down to get some fucking respect!
Taking it back to hardcore level!
You better be ready, put your pedal to the metal!
Taking it back to hardcore level!
You better be ready, put your pedal to the metal.
Go!"

Doch schon nach der Einleitung klopfte es laut gegen den Boden der Wohnug, in Begleitugn der charmant formulierten Bitte, dass Leon sich doch ein wenig ruhiger verhalten sollte. Kurzum: "Schnauze da oben!" Ja, die Untermieter des Gangrels waren schon ein paar feine Leute, die sich immer wohl formuliert auszudrücken wussten. Die Lust auf das Musizieren war dem Anda dann aber auch schon vergangen und so schlurfte er ein wenig lustlos durch die zwei Zimmer seiner Wohnung und suchte sich seine üblichen Klamotten zusammen. Von seinem marineblauen Hemd hatte er bestimmt um die vier Exemplare in seinem Schrank, genauso wie von seiner Lieblingshose. Daneben hing noch ein schnöder Anzug für "feine Angelegenheiten" und noch der alte Jogging-Anzug, den er sich mal für lau in einem noname-Geschäft gekauft hatte. Kurzum zog er sich an, schnürrte seine Turnschuhe zu und schaltete den Fernseher aus, auf dem nebenher diese nervige Sendung für Haushaltsgeräte lief. Nachdem er sich den Mantel übergeworfen und seine Wohnung verlassen hatte, war er recht planlos, was er mit dem Rest der heutigen Nacht anfangen sollte.

Und dann kam ihm eine seiner glorreichen Ideen: Gas geben! Irgendwie hatte der Gangrel mal wieder tierisch Lust darauf, sein Motorrad bis an seine Grenzen zu heizen und so tat er es auch. Mit vollem Tempo fuhr er durch die Straßen der Innenstadt und gab sich noch einmal den richtigen Kick, während er sich mit konstantem Tempo zwischen den Autos, die herumfuhren hindurch schlängelte. Doch irgendwann wurde es doch langweilig und so drehte er das Tempo wieder ein wenig runter und fuhr nun gemütlich durch die Innenstadt. Interessant, wie die Leuchtreklamen und Lichter nun erkennbarer waren. Zuvor waren sie nur wie übergroße Glühwürmchen an dem Gangrel vorbeigeflitzt und nun erstreckten sich rechts und links von ihm Werbetafeln für Hotels, Reklamen für einen exklusiven Nachtclub und daneben gleich ein Kino, das selbst um diese Uhrzeit viel besucht schien. Irgendwie kam dann doch Langeweile auf, bis ihm einfiel, dass er nochmal im Tower des Prinzen nachsehen wollte, ob es etwas zu tun gab. Vielleicht würde ihn das ja auf die Spur dessen führen, was er hier in London überhaupt suchte.

Doch dann, als er um die nächste Ecke bog, sah er von weitem schon, wie zwei recht unterschiedlich aussehende Kerle am Straßenrand standen. Der eine schien ein Motorrad zu besitzen. Vielleicht hatte er ja eine Panne und brauchte ein wenig Hilfe? Leon beschloss anzuhalten und nachzusehen. Langsam ließ er seine Harley bis zu der Stelle ausrollen, an der die beiden Männer standen und hielt diese schließlich an. "Entschuldigen sie, kann ich..." doch noch mitten im Satz stockte er, als er den Geruch der beiden Männer wahr nahm und kurz darauf ein leichtes Grinsen aufsetzte. "Kann ich helfen? Stimmt etwas mit dem Motorrad nicht?"

Also doch. Leon war an ein paar Kainiten geraten, das verriet eindeutig der Geruch. Beim einen mehr, beim anderen aufgrund des eklig teuer richenden Parfumes ein bisschen weniger. Doch die Duftnote des Todes haftete an jedem von ihnen. Ein jeder Kainit hatte dieses gewisse Etwas in seiner Durftmarke, dass ihn ohnehin als Mitglied der Vampir-Gesellschaft auszeichnete. Jeder Clan hatte einen spezifischen Geruch und Leon hatte gleich die Vermutung, dass es sich hier um einen der Schönlinge, einen Toreador handeln musste. Der Andere hingegen hatte dieses verworrene, das einem die Nase fast zuschnürte. Nein, er stank nicht wie ein Nosferatu. Er hatte eher dieses Seltsame im Geruch, dass allem nach auf einen Malkavianer schließen ließ. Komische Gesellen und doch wussten sie viel mehr, als man von ihnen dachte...

Griffin
16.07.2008, 17:27
Londoner Innenstadt - wenig befahrene Seitenstraße

Mit wenigen, ungeschickten Handgriffen schaffte es der Fremdling schließlich den Motor seiner Harley abzuwürgen und das… überaus hässliche und ungepflegte Gefährt auf den Bürgersteig zu schleppen. Sofort zog dem Toreador der muffige Geruch von einem ungewaschenen Etwas gemischt mit einem mindestens unangenehmen Geruch des Motorrades und dem verwendeten Kraftstoff in die Nase. Erst dachte er, ein Brujah stünde vor ihm, aber der Geruch kam nicht vom Körper des Kainiten, sondern viel mehr von dessen Kleidung. Wahrscheinlich uralt und - nach ihrem Äußeren zu Urteilen - hatten sie mindestens so lange kein Wasser mehr gesehen, wie einen Schneider. Das Oberteil war übersäht von kleinsten Blutspritzern und Löchern. Lebt also von Dosenfutter aus der Blutbank., dachte Kaito abschätzig. Niemals käme ihm auch nur ein einziger Tropfen dieses widerlichen Blutes an die Lippen. Geschweige denn, dass er sich komplett davon ernähren würde. Nein, an seine Lippen kam nur das Blut ausgewähltester Subjekte.
Zu dem Punkt, dass das… Etwas, dass da so kläglich und kümmerlich freundlich vor Kaito und Will stand nicht wirklich körperlich nach Brujah roch kam, dass es viel zu mickrig und zu schwächlich schien, als das es sich dabei um einen Brujah handeln könnte. Brujah waren auf ihre ganz eigene, merkwürdige Art wenigstens stolz und ihre Haltung verriet Achtung vor anderen Kainskindern und ihrer Herkunft. Aber es ließ sein Schultern hängen wie ein kümmerlicher Teenager nach seiner ersten –enttäuschten - „großen Liebe“. Die Körperhaltung war eines Kainskindes einfach nicht würdig, fast schön verletzend für andere.

»Gangrel…«, grummelte Kaito leise vor sich hin. Der Gangrel bewegte seine Hände unruhig hin und her und seine Bewegungen waren nicht anmutig-fließend, wie bei einem Toreador, sondern hektisch abgehackt, wie bei einem Gangrel. Es war dem Toreador unbegreiflich, wie man in ständiger Veränderung leben konnte. Sicher, der ständige Wandel der Umgebung zeugte davon, dass man sich nicht einfach ausruhen wollte auf dem, was man hatte. Eine Eigenschaft, die Kaito schätzte. Aber wenn man ständig auf Achse war, wie konnte man da Zeit finden für die schönen Dinge des Lebens? Die Kunst. Wie konnte man beim ständigen Wechsel des Wohnortes die Zeit finden ein Meisterwerk der Literaturgeschichte zu lesen? Einem wahren Meisterstück der Musik zu lauschen oder einfach ein Bild zu betrachten und sich Gedanken über Intentionen des Künstlers zu machen? Es war unmöglich im ständigen Wandel die Kunst unterzubringen. Und ein Leben…oder Unleben ohne Kunst war… im Grunde nicht des Lebens – oder Unlebens – würdig. Allerdings, und das musste Kaito zugeben, war die Tierhaftigkeit der Gangrels oftmals sehr anmutig und mitreißend. Wenn die Kainskinder langsam ihre Gestalt veränderten und zum Beispiel wölfische Züge annahmen, war das für den Toreador eines der größten Kunstwerke der Kainskinder. Wäre er nur ein wenig gepflegter…, sagte sich Kaito innerlich und betrachtete noch einmal das Kainskind vor sich. Der ungepflegt wirkende Dreitagebart gemischt mit einer recht… eigentümlichen Weise die Haare zu tragen verstärkten in dem Toreador das Gefühl des Unwohlseins und den Drang in einen Spiegel zu sehen um noch einmal die Korrektheit der eigenen Frisur zu überprüfen. Der Kerl sieht aus, wie ein streunender Straßenköter, der sich von Müll ernährt… und so riecht er auch., philosophierte der ehemalige Kunststudent. Aber gut, jedem das Seine, auch wenn’s mein Ding nicht wäre., redete er sich in Gedanken ein.

Mit dem schrecklichen Geräusch schlurfender Schritte näherte der Gangrel sich mit einem freundlich-gefährlichen Grinsen im Gesicht und ruinierte dabei – wahrscheinlich ohne es zu wissen – seine Hose. Der Schneider, falls der Gangrel jemals einen besuchen sollte, würde sich sicherlich freuen. »Kann ich helfen? Stimmt etwas mit dem Motorrad nicht?«, fragte der Gangrel freundlich, in Kaitos Augen allerdings zu freundlich. Freundliche Vampire… wäre das erste, was er hörte. »Alles in bester Ordnung.«, antwortete der Toreador. »Wir haben uns nur zufällig hier getroffen und… gemeinsame Interessen festgestellt. Für den Mond übrigens.«, sagte der Brite. Der ungläubige und recht verwunderte Blick des Gangrels ließ entweder darauf deuten, dass er die Leidenschaft der beiden Kainskinder nicht teilte, oder aber nicht wusste, wovon Kaito sprach. »Mooond.«, wiederholte der Toreador deswegen noch einmal langsam. »Rund... oben… Himmel…«, sprach er und so allmählich schien der Gangrel zu begreifen. »Das ist jedenfalls Will Nathan.«, sprach Kaito einfach weiter, ohne dem Gangrel auch nur den Hauch einer Chance auf eine REaktion zu lassen. »Ich bin Kaito Takumi. Und du bist?« »Belmont. Leon Belmont.«, erwiderte der Kainit höflich, aber distanziert.

»I…« Gerade, als der Gangrel dem Toreador mit seiner freundlich-todbringenden Stimme den letzten Fetzen Fassung wegätzen konnte, hallten einige Schüsse durch die Luft und drangen an die Ohren der drei Kainskinder, die sich aufmerksam umsahen. Oder – wie Leon – zumindest versuchten so zu tun, als würden sie ihre einzelne Gehirnzelle anstrengen irgendetwas Sinnvolles zu tun. Anscheinend war das Gehirn des Gangrels schon damit überlastet nicht zu sabbern. Was sollte man auch erwarten? »Hin da!«, rief Leon schroff und schwang sich auf seine Rost- und Dreckschleuder. Gespannt sprang auch der Toreador auf seine Honda und leckte sich kurz über den rechten Eckzahn – ein ungewöhnliche, aber bei den Künstlerinnen überaus beliebte Angewohnheit.

Ryu Hayabusa
17.07.2008, 03:59
Londoner Innenstadt, Schießerei in einer der Seitenstraßen

Dieser Malkavianer war Leon, auch wenn er nicht wirklich viel redete doch weitaus sympathischer, als dieser Toreador-Schönling. Seid er gehalten hatte, schaute dieser komische Asiate so richtig abwertend auf den Gangrel herab. Ob es nun sein Mantel war, oder sein Hemd - diesen Rosenschönlingen konnte man modisch nichts, aber auch NICHTS recht machen. Glücklicherweise war Leon schon immer ein Kind der Unabhängigkeit gewesen und machte sich nichts Großartiges aus Meinungen anderer. Schon gar nicht solcher Schnösel. Wenn man ihn nicht höflich behandelte, wieso sollte er es dann mit Anderen tun? Naja, das war nun auch egal.

Mit Vollgas fuhren die drei Kainiten durch das nächtliche London und unter dem Gangrel und dem Toreador entstand eine Art Wettrennen, was den Malkavianer, der sich hinter Kaito geschwungen hatte herzlich wenig zu interessieren schien. Leon war das relativ egal. So konnte er wenigstens ordentlich durchheizen zum Ort des Geschehens. Im Grunde war es nur ein paar Blocks weiter und dennoch ließen sich die zwei Konkurrenten nichts nehmen. Allen vorran der Anda nicht, da er dieser Weichtunte zeigen wollte, was richtiges Fahren war und so beschleunigte er noch ein Stück, ehe er schon aus weiter Entfernung sah, wie sich wohl mal wieder zwei Banden bekriegten und er einige hundert Meter bremste und schnell in eine Seitengasse abbog, wo er sein Motorrad abstellte. Bis die andern Beiden kommen würden, würde es wohl noch einen Moment oder zwei dauern. Genug Zeit, um schonmal nachzusehen, was hier vor sich ging.

Er lehnte sich leicht gegen die Wand und lugte dann erstmal vorsichtig ums Eck herum. Und was er sah, bestätigte nur seinen Verdacht. Wieder mal eine der Straßenschlachten, in denen es irgendwelchen Kindern darum ging, zu zeigen wie toll und hart sie ja waren. Leon überkam eine innere Wut, die ihn fast zum Kochen brachte. "Verdammter Ghettomist!" fluchte er gerade heraus in dem Wissen, dass bei all dem Lärm sowieso niemand den Gangrel hören würde. Und dann passierte, was früher oder später passieren musste: eine, scheinbar Unbeteiligte wurde verletzt und sank sofort zu Boden. Aber was sollte Leon tun? Er konnte sich nicht einfach so mal in eine Schießerei verwickeln lassen und das Mädchen da herausholen und dennoch... Dieser Gewissenskonflikt zeriss ihn innerlich und wenn er nich sofort etwas tun würde, würde dieses Mädchen bald ihren letzten Schlaf auf einem der städtischen Friedhöfe tätigen. Keine schöne Vorstellung. Und wenn er so an die Eltern dachte, wurde ihm ganz anders. "Das reicht! Ich muss was tun!" sprach er dann schließlich zu sich selbst und sprintete gebückt auf die Gasse, weitere vorne auf der anderen Straßenseite. Ein kurzer Blick genügte und es ging weiter zur nächsten Ecke, an der das Mädchen schon in ihrem eigenen Blut lag.

Während die anderen Beteiligten der Schießerei in ihrem regelrechten Blutrausch waren, gelang es dem Anda, das Mädchen auf seine Schulter zu packen und unbemerkt in die Gasse zu tragen, in der sein Motorrad stand. Aber was jetzt? Nachdem sie Blut hustete und nur ein schmerzhaftes Stöhnen von sich gab, wurde Leon ein wenig panisch. Natürlich hatte er zu Lebzeiten einen Erste Hilfe-Kurs gemacht, aber das lag nun auch schon ein paar Jahre zurück und bei näherer Betrachtung würde das bisschen Grundwissen nichts nutzen. Zumal er nichtmal einen Verband oder Ähnliches hatte, um die Blutung zu stoppen. Es war ein direkter Schuss in ihre Bauchgegend, der sie da erwischt hatte und Leon überlegte stark, eine folgenschwere Entscheidung zu treffen. Wenn man sie sich so anschaute. Schwer atmend mit Spritzern des kostbaren Lebenssaftes im Gesicht und auf ihrem T-Shirt. Das Loch in ihrem Magen und der schmerzverzerrte Gesichtsausdruck. Der Gangrel griff sich mit beiden Händen in die Haare und fing schwer an zu atmen, während er seine Augen zusammenpresste. "Also gut..." sprach er dann mit einem äußerst knurrenden Unterton in der Stimme, worauf er sein Messer zog und einen geraden Schnitt über seinen Unterarm machte. "Hier... Trink davon ein wenig. Danach wird es dir besser gehen..." versuchte er sie zu beruhigen. Scheinbar waren ihre Augen stark getrübt durch die Schmerzen, also fing sie an, das Blut aus dem Arm des Ganrels gierig abzulecken und zu trinken. Aber irgendwann war auch genug und mit einem leichten Ruck befreite er seinen Arm von dem verletzten Mädchen. Nun hatte er also den Schritt getan. Er hatte sie zu einem Ghul gemacht. Einem vampirischen Diener, der auch am Tage wandeln konnte. Aber wer weiß! Vielleicht würde sie sich nicht mehr daran erinnern, was in dieser Nacht passiert war. Auch wenn oft davon gesprochen wurde, dass Ghule durch eine Art "Band" an ihren Schöpfer gebunden waren.

Irgendwie hatte er in all der Aufregung gar nicht mitbekommen, dass Will und Kaito schon da waren. Beide hatten sie von der gegenüberliegenden Straßenseite beobachtet, was sich da abspielte und vermutlich auch, was der junge Gangrel mit dem Mädchen angestellt hatte. Doch das war ihm egal. Er musste sie einfach retten! Er konnte einen Menschen nicht so einfach sterben lassen. Doch dann öffnete die Fremde kurz die Augen.

"Wer... Was ist passiert?"
"Nichts. Ruh dich aus, bald wird es dir besser gehen. Schließe deine Augen, Kleines..."

Und schon tat die Kleine wie ihr befohlen wurde. Gut für Leon, der nun so schnell er konnte, teils auf allen Vieren in die andere Gasse huschte, wo Will noch immer ganz starr dem Geballer zuschaute und der Toreador-Schönling fast zu Tränen erschüttert war, da ihm ein Nagel abgebrochen war.

"Hast du schonmal daran gedacht, dass es Wichtigeres gibt als deine blöden Nägel?!" knurrte der Gangrel ihn nur wütend an, worauf er nur einen abwertenden Blick erntete.
"Was wissen Flohpelze wie ihr schon von Schönheit?"
"Jaja... Vorschlag: Lassen wir das für einen Moment und schauen, was dieser Mist soll, einverstanden?! Ja? Gut!"
"Tzzz... Na gut! Aber du zahlst mir die Reinigung und die Maniküre!"
"Was auch immer... WAS WILLST DU?! ICH REIß DIR..."

"SHHHHT! Seid doch mal still ihr Beiden!" unterbrach der Malkavianer die beiden Streithähne dann, die ihn dann beide verwundert ansahen, während er seinen Blick unter der seltsamen Sonnenbrille auf etwas fixierte. Was konnte das nur sein?
"Was?" kam es aus Kaitos und Leons Mund gleichermaßen, während Will seinen Kopf ein Stück vorbeugte. Scheinbar hatte er etwas so Interessantes gesehen, dass von der Straßenschlacht ablenkte, die hier tobte. Aber so waren die Malkavianer nunmal: Verrückt in jeder Angelegenheit! Apropos Straßenschlacht: Die Schüsse waren verklungen und es war eine beklemmende Ruhe eingekehrt. Scheinbar hatten sich die Gangs für heute verzogen, doch trotz aller Unsicherheit schritt der Malkavianer, scheinbar hirnlos hinter der Ecke hervor und zeigte mit seinem Zeigefinger zu einem dunklen Auto, dass an der Straßenecke stand.

"Der Puppenspieler mit den langen Zähnen! Da! Sein Verschulden ist diese Verschwendung rotem Lebensgeistes!" rief er plötzlich aus, worauf seine beiden zwanghaften Begleiter nichtmal richtig wussten, was er wollte. Lediglich das schwarze Auto, dass die drei Kainiten noch erhaschen konnten ließ darauf schließen, dass Wills Worte einen Kainiten meinten, der sich wohl gerade aus dem Staub machen wollte. Wie von Wespen gestochen, rannten die Drei dann auch schon zu ihren Fahrzeugen und fuhren so schnell sie konnten hinterher. Die Verfolgungsjagd dauerte seine Zeit und ging fast durch ganz London, bis die Motorradfahrer schließlich in den Docks ankamen und völlig die Spur des verdächtigen Fahrzeuges verloren.

"Super... Und jetzt?"
"Ah! Ich hab mir schon wieder einen Nagel abgebrochen! Und das nur wegen so einer ordinären Phantomjagd! Toll gemacht, Will!" maulte der Toreador erneut über den Verlust seines zweiten, überaus glatt geschliffenen Fingernagels. Naja, eher darüber dass er eben abgebrochen war. Wie auch immer.
"Du und deine Schönheitspflege..."
"Was weißt du denn schon von Schönheit du Flohteppich?!"
"Mehr als deine oberflächliche Art für Dinge dir je zu erkennen geben wird!"

Und so ging das kleine Gespräch eine Weile weiter, bis der Toreador und der Gangrel schließlich feststellten, dass ihr malkavianischer "Freund" wohl wieder völlig vom Mond fasziniert war. Irgendwie beneidete Leon Will ja ein wenig, da dieser einfach die Ruhe weg zu haben schien. Aber auch die Art, wie Malkavianer die Dinge sahen und verstanden. Irgendwie absurd und trotzdem so... "Besonders". Doch über die Gedanken des Clans zu fachsimpeln brachte nun wohl auch nichts und außerdem war der Anda irgendwie nicht mehr in der Stimmung, einem Phantom nachzujagen.

"Aaaach... Hat ja doch keinen Sinn uns jetzt noch verrückt zu machen... Jungs, ich werd nach Hause fahren und dort ein paar Nachforschungen anstellen." murmelte Leon schließlich und holte sein Handy heraus. "Übrigens, falls ihr was rausfindet könnt ihr euch melden... Ich denke das heute wird interessant für alle drei von uns sein... Schau nicht so, Kaito! Meine Handy-Nummer riecht schon nicht so stark wie dein Parfum, also hier. Sooo, ich mach mich dann mal... Die Dusche ruft. Achja, übrigens... Zu ruhiger Stunde diskutieren wir mal unsere Ansichten zu Mac Beth, Toreador! Ja, richtig... Es gibt auch Gangrel, die zu Lebzeiten mal studiert haben... Naja, haut rein, Jungs..." verabschiedete er sich noch einmal von den Kainiten und fuhr zurück nach Hause, mit den Gedanken an das Mädchen, dass sich wohl immernoch in der Gasse ausruhte... Oder vielleicht auch vor seiner Wohnung wartete...

Griffin
17.07.2008, 10:20
Londoner Innenstadt - eine weitere, wenig befahrene Seitenstraße

»MacBeth«, wiederholte der Toreador leise die Worte des Gangrel, der ihm bisher als recht unsympathisch, ja eher noch als Nichtwisser der schönen Dinge, die die Kunst jedem Menschen und Kainskind jeden Tag bescheren kann, missfallen war. Und jetzt, jetzt kannte dieses…dieses pseudo lebensrettende freundlich-flache Es ein wahres Meisterstück der Theatergeschichte. Kaito wollte es eigentlich nicht, musste sich aber eingestehen, dass er überrascht war. Überaus überrascht sogar. Er hätte nie gedacht, dass so etwas wie Leon den Namen dieses Stückes richtig aussprechen konnte, geschweige denn, dass er solch ein Meisterstück jemals gesehen hat. Kurz grübelte der Brite nach, ehe eine Idee in ihm aufkeimte. Natürlich, was sollte es auch anderes sein? Wahrscheinlich hatte dieses viel zu selbstsichere Tier-Kainskind-Gemisch irgendwann mal zwischen Teleshopping und einem grauenhaft geheuchelten Schnulzen-Ekel-Liebesfilm einen kurzen Bericht über MacBeth gesehen und nur den Namen aufgeschnappt, um irgendwann in selbstsicherer Haltung und erhobener Nase erzählen zu können, dass er MacBeth selbst gesehen habe.
»When shall we three meet again?«, fragte der Toreador, kurz bevor Leon sich auf sein Motorrad schwingen konnte. Ein jeder, der das Stück gesehen hatte, konnte sich wohl an den ersten Satz einer der weird sisters erinnern. Zumindest, wenn er nicht Gangrel-Manier schnarchend und mit den Füßen im Nacken des Vordermanns bereits bei der Ouvertüre eingeschlafen war. Wie der Toreador diese Menschen und Kainskionder verabscheute, die mitten in einem Theaterstück lautstark anfingen zu schnarchen. Er könnte ihnen jedes Mal ihren kleinen, menschlichen oder selten ihren kleinen kainitischen Hals umdrehen. Jedenfalls…Wenn Leon diesen Test bestand, hatte er tatsächlich Pluspunkte gesammelt.

Er weiß es nicht., dachte der Toreador abschätzig. Erst groß prahlen und dann nichts wissen, nicht gerade eine Eigenschaft, die der Fotograf schätzte. Er ist doch nur einer von den ungepflegten, unrasierten Gangrels. Wie ich nur auf die Idee kommen konnte, dass der eine Ahnung von Shakespeares MacBeth haben könnte. Kopfschüttelnd schwang der ehemalige Kunststudent auf seine Honda, da ertönte von Leon doch tatsächlich eine Antwort. »In thunder, lighnting or in rain?« Ziemlich konstatiert und sprachlos schaute Kaito sein Gegenüber an.

Die Wunde an seinem Arm hatte hässliche, wirklich überaus hässliche Blutflecken in das Hemd gemacht. Aber in Zusammenhang mit den kleinen Blutspritzern am Kragen, den Knitterfalten – ja, manchmal zahlte sich ein Bügeleisen doch wirklich aus. Bei Leon aber anscheinend nicht – und den Dreckflecken passte es perfekt. Zumindest zu einem so ungepflegten Typ wie Leon Belmont es war. An ein Kainskind von Kaitos Stand, käme solch ein… Schmutz-Ungetüm niemals. Lieber würde er nackt durch die Londoner Nächte marschieren, als mit so einem Drecksteil bekleidet den letzten Rest von Würde aus seinem untoten Körper zu prügeln.

Ohne ein weiteres Wort zu sagen fiel der Gangrel mehr auf sein Motorrad, als das er aufstieg und brachte – mindestens genauso ungeschickt wie beim ausmachen der Maschine – den Motor ein weiteres Mal zum verrecken, ehe er mit Trommelfellzerfetzendem Gedröhne davonfuhr. Vielleicht mal ein neuer Auspuff oder neuer Kraftstoff? Das würde zumindest die schmutzverkrustete Drecks-Harley ein bisschen ansehnlicher und den fiesen Geruch des Abgases ein klitzekleines bisschen zum Guten wenden. Aber gut, Leon schaffte es bestimmt den fehlenden Mief des Abgases mit eigenen Körpergerüchen zu übertünchen, da war sich Kaito ziemlich sicher. Aber – und das stand jetzt ziemlich sicher fest – der Gangrel hatte durch sein Wissen über MacBeth Pluspunkte gesammelt und war in der Rangliste des Toreadors aufgestiegen. Vom mickrigen Kümmerling zum Kümmerling. Immerhin eine Steigerung. Wenn er so weiter macht, wird er vielleicht noch in den Rang „Akzeptables Kainskind“ erhoben., dachte Kaito grinsend.

Schweigend wandte der Toreador sich wieder zu Will, der die ganze Zeit hauptsächlich schweigend neben den zwei Kainskindern gestanden hatte. Die Sonnenbrille stilvoll auf der Nase hatte der Malkavianer den Blick erneut zum Blutmond erhoben und betrachtete ihn eingehend. Ja, Will hatte – im Gegensatz zu den meisten anderen Kainskindern – einen Kunstgeschmack, der ganz nach Kaitos Geschmack war. »Soll ich dich irgendwohin mitnehmen?« – keine Reaktion – »Ehm…hallo? Soll ich dich mitnehmen?« – immer noch keine Reaktion. »Na gut, du wirst wissen was gut für dich ist. Aber ich nehm’ dich gern mit.«- auch nach dem dritten Anlauf keine Reaktion. Kaito konnte fahren, wahrscheinlich war der Malkavianer gerade in Gedanken versunken.

Mit einer kurzen Handbewegung startete der ehemalige Kunststudent seine Honda und ließ den Motor in die Nacht bellen, wie ein wildes Tier, dass sein Kommen ankündigte. Als er davonfuhr meinte Kaito ein leises »Ist der Mond nicht wunderschön?«, zu vernehmen. Er war sich aber nicht sicher, es gab weitaus wichtigeres. Zum Beispiel seine Nägel. Zwei Stück waren heute abgebrochen und nun hingen unansehnliche Nagel-Reste wild herum. Wenn er zuhause war, müsste wohl die Nagelfeile auspacken und das nachbessern.

Griffin
18.07.2008, 14:40
Ehemaliges Bordell nahe dem Busisiness District

Zielsicher und schnell flogen die Finger des Kainskindes wie in Rage über die Tastatur seines Laptops. Wie von den beiden gewünscht, leitete der Toreador die Informationen, die er gesammelt hatte an seine beiden „Partner“ weiter. Im Hintergrund lief leise Ludwig van Beethovens Moonlight Sonata und riss die Gedanken des Kainskindes immer und immer wieder weg von der E-Mail und hinein in die wunderschöne Welt des Klavierspiels. Immer wieder ertappte der Toreador sich dabei, wie er einfach die Hände von der Tastatur genommen, den Kopf in den Nacken gelegt und die Augen fest verschlossen hatte, um dem herrlichen Klang einer so wunderschönen Komposition wie dieser die gesamte Aufmerksamkeit zu widmen.

Meine werten Herren,
es freut sie vielleicht, zu hören, dass ich Informationen habe, die auf eine Verbindung zu den Taten von neulich Abend in Verbindung stehen könnten. Einer meiner Kontakte hat mir berichtet, dass es ein erhöhtes Sabbat-Aufkommen in Camden Town geben soll. Ich weiß leider nicht, in wiefern der Sabbat mit den Anarchen verkehrt, aber alleine, dass der Sabbat geduldet wird, sollte für uns Grund zur Sorge sein.
Ich bitte sie beide daher, sich heute Abend mit mir zu treffen, damit wir der Sache auf den Grund gehen können. Ich werde nach Versenden dieser E-Mail vor der Tate Gallery of British Art auf sie beide warten. Bitte beeilen sie sich.

Mit freundlichen Grüßen,
Kaito Takumi.

Das Kainskind sank ein Stück tiefer in seinen Stuhl hinein und starrte in die Leere, während der Klang der Moonlight Sonata sanft und liebevoll seine Sinne berauschte. Erneut spürte Kaito, wie eine Art Starre ihn überfiel, wie er sich zwar rühren konnte, es aber nicht wollte. Es war, als würden die Noten, Klänge und die Hingabe beim Spielen den Toreador fesseln, wie solide Schnüre. Der einzige Unterschied war, dass die Schnüre keineswegs gegen seinen Willen um ihn geschnürt wurden, sondern er es genoss, wie er sich langsam entspannte und alle Sorgen aus seinem Kopf verbannte. Wäre er ein Mensch gewesen, würde sein Herz in diesem Augenblick wohl nur noch sehr langsam und seine Atemzüge ruhig und flach sein.
Nach einigen herrlichen Augenblicken, in den der Toreador vollkommen entspannte spielte das Pianist schließlich die letzten Noten und das Lied verstummte. Ebenso verschwand auch die Starre im Körper des Briten und er konnte sich wieder normal bewegen, auch wenn er den wundervoll makellosen Klang der Moonlight Sonata vermisste.

Mit einem kurzen Blick auf die Empfängerliste überprüfte Kaito ein letztes Mal, ob die E-Mail auch an die richtigen Personen ging. Nathan, William; Belmont, Leon. Ja, die E-Mail ging an die richtigen Leute und so drückte er schließlich auf Enter und klappte sein Laptop zu. Er musste sich eigentlich nicht beeilen, aber dennoch ging er zügig die Treppenstufen zum Erdgeschoss hinunter und rollte seine Honda mit schnellen Schritten auf die Straße. Kurz überprüfte er, ob sein Anzug richtig saß und dann ließ er den Motor an und fuhr los.

Gwydion
19.07.2008, 13:04
Camden Town

Camden Town. Bei Nacht ein Ort der Rebellion, der lauten Musik, der alternativen Lebenshaltung. Bei Tag wahrscheinlich auch. Um besser in dieser Masse aus Möchtegern-Rebellen und Punks, aus Pilzessern und Grasrauchern nicht aufzufallen, hatte er sich heute die Haare mal blau gefärbt. War ohnehin nur temporär, morgen bei Sonneuntergang würden seine Haare wieder so sein wie vor gut 150 Jahren. Passend dazu trug er eine Hose im Nacht-Camouflage Look, die an einigen Stellen zerschlitzt war und dazu ein T-Shirt mit einem roten Stern und dem Schriftzug „Vive la revolution“ darunter. Man wollte ja nicht auffallen, also trug man, was in solchen Kreisen gerne gesehen war.
Vorbei schlenderte er an Menschen, die ihre Haut komplett zur Leinwand erklärt hatten und in jeder nur erdenkliche Falte ihres Körpers irgendein Metall gebohrt hatten, vorbei an trinkenden Jugendlichen mit knallbunten Haaren vor irgendwelchen Pubs und vorbei an Gruppen aus Rastazopfträgern, die dubiose, qualmende Stängel im Kreis herum gehen ließen.
„Hey… willst du Pilze? Ich schwöre, die sind beste Qualität! Davon bekommst du endsgeile Visionen!“, sprach ihn plötzlich ein etwas älter aussehender Mann mit Jamaica-Mütze auf dem Kopf an.
Lächelnd schüttelte Will den Kopf und hob abwehrend die Hände. Visionen hatte er auch so genug. Und Stimmen hörte er, ohne dass ihm irgendwelche Pilze etwas zuflüsterten. Mal davon abgesehen, dass er ihre halluzinogenen Stoffe nicht verwerten konnte, weil sie schneller wieder aus seinem Organismus geschleudert wurden, als ihnen lieb sein konnte. Die armen Pilze. Nein, das brauchte er nicht.
„Na gut, dein Verlust…“, der Dealer zuckte mit den Schultern und wandte sich an seinen nächsten Kunden.
„Hey, pass auf wo du hinrennst!“, fauchte ihn plötzlich eine schwarzhaarige Frau an, die ähnlich wie er gekleidet war, „...und was fällt dir ein meinen Kleidungsstil nachzumachen?!“
„Grüße an die Kriegsgöttin.“, erwiderte Will schlicht.
„Hmm… lass dich mit dem T-Shirt nich von einem dieser Cammy-Speichellecker erwischen. Willst dich wohl bei uns einschreiben, was?“, die junge Frau, oder zumindest jung aussehende Frau, verschränkte die Arme und legte ein spöttisches Grinsen auf.
„Nein… ich treffe mich… mit jemandem.“, erwiderte Will ruhig.
„Noch mehr von euch Cammy-Heinis? Na wunderbar! Hört zu, wenn ihr Ärger macht, treten wir euch in den Arsch!“
„Verstehe.“
„Das blau steht dir…“, sagte sie schließlich grinsend.
Mit einer ausschweifenden Bewegung verneigte sich Will vor Kate, mit dem Spitznamen Morrigan, als er auch schon das Knattern einer Harley vernahm, gefolgt vom sanfteren Surren einer Honda. Da lieferten sich diese beiden Maschinenreiter doch tatsächlich mitten auf einer überfüllten Straße eine Art Wettrennen. Sie hielten am Bordstein, als sie Will entdeckten.
„Hey, Will. Nettes Outfit. Coole Haarfarbe.“, begrüßte Leon der Löwe ihn.
„Naja… darüber lässt sich streiten…“, erwiderte Kaito, der wie immer in Anzug und Krawatte kam.
„Meine Güte, guckt euch den Schnösel an! Ey, dein Anzug wird nicht lange so sauber bleiben, das kann ich versprechen. Außerdem fällst du auf wie ein bunter Hund unter dem ganzen „Abschaum“ hier.“, begrüßte die Morrigan den Toreador.
„Nana... unter dem Dreck in Camden Town lässt sich bisweilen auch der Glanz eines Edelsteines finden…“, warf Will ein.
„Hör auf zu schleimen, Malki.“, erwiderte die Brujah-Anarchin und zerzauste kurz Wills Haare, „…sagt mir lieber, was ihr hier wollt!“
„Ich habe Informationen, dass sich der Sabbat hier in Camden Town aufhalten soll.“, begann Kaito und sah zunächst so aus, als wollte er noch etwas hinzufügen, ließ es dann jedoch erst mal.
„Oh Mann, wenn eure Cammy-Paranoia nich so nervig wäre, könnte man direkt über euch lachen. Lasst uns woanders hin gehen und über eure Fehlinformationen reden…“, brummte die Anarchin.
Kaito warf ihr einen wütenden Blick zu, was sie mit einem Schmunzeln quittierte und sich danach kurz Zeit nahm Leon zu mustern, der ihr deutlich besser zu gefallen schien, als der Toreador, dann winkte sie den dreien ihr zu folgen.
Will sah sich kurz um. In der Menge der Leute konnte er ein paar Kainiten ausmachen, durchaus. Aber ob einer aus dem Sabbat dabei war, konnte er nicht feststellen. Der Malkavian blickte zum Himmel auf. Der Mond war blass und gelangweilt. Es sah nicht so aus, als würde heute irgendetwas Besonderes geschehen. Auch die Stimmen schwiegen größtenteils, flüsterten ihm lediglich zu, dass sich in der Nähe Beute befand. Jede Menge Beute. Lebendes, frisches, warmes Blut, gewürzt mit den rebellischen Vorstellungen von Leuten, die in der Gesellschaft, wie sie war, keinen Platz zu finden schienen. Gewürzt mit Plänen von Umsturz und Rebellion. Doch die richtige Schärfe fehlte. Der Kainit wandte sich von den Menschen im Umkreis ab und folgte der Kriegsgöttin und den beiden Maschinenreitern.

Ryu Hayabusa
19.07.2008, 22:24
Rückblick:

Wie war er doch gefangen von dieser spanischen Musik? Ja, auch Leon hatte etwas übrig für Kunst. Auch wenn es nur Musik war. So hatte er sich in den letzten drei Jahren doch ausführlich mit Instrumenten, Noten und anderen Dingen der Musik beschäftigt. Wofür hatte man schließlich die Ewigkeit als Vampir? Der Gangrel wusste es bis heute noch nicht, aber trotzdem hatte er einen tierischen Gefallen daran gefunden, Töne mit Instrumenten zu erzeugen, die er im echten Leben wohl zeitlich nie zu bedienen gelernt hätte. Und nun schaute man sich das an: Er konnte perfekt Gitarre, Klavier und noch ein paar andere Instrumente spielen. Nun, was hieß perfekt... Zu lernen gab es natürlich immer. Doch die es fiel ihm nun wesentlich leichter, als zu Lebzeiten. Und nun saß er in völliger Ruhe auf seinem Bett, die Kopfhörer auf den Ohren und nichts anderes als seine Shorts, die ihn bekleideten. Doch das störte ihn nicht, solange er in aller Ruhe auf seiner E-Gitarre spielen konnte und dabei nicht gestört wurde. Er kannte diese Melodie schon lange und dennoch faszinierte sie ihn immer wieder. Und jetzt, wo er sie spielen konnte, fühlte er sich regelrecht hineinverzogen. Was er jedoch nicht merkte war, dass sich immer, wenn er seine Musik ausübte, einige Krähen sich auf dem Balkon einfanden, an dem die Feuertreppe hing. Beckett hatte einst erwähnt, dass jeder Gangrel durch seine Tierhaftigkeit in Harmonie mit Tieren zusammen leben könnte. Vermutlich war dies seine Version des „Lied der Ruhe“. Doch dann passierte, was ja irgendwann passieren musste: Während er spielte riss plötzlich eine Saite und das zu seinem großen Ärger!

„Doh! Nein, das war meine Letzte! Verdammt nochmal... Hooo...“ murmelte er nur und seufzte danach eine Weile vor sich hin. Schon wieder musste er welche bestellen, dabei waren die richtig guten Saiten hier in London ziemlich teuer, während er sie damals in Amerika schon nachgeschmissen bekam. Aber so war das nunmal... Ein wenig genervt und brummig stand er von seinem Bett auf und ging rüber an den kleinen Tisch, auf dem sein Laptop stand, wo er sich mit einer fallenden Bewegung in seine Ein-Personen-Couch fallen ließ.

"Mal sehen... E-Mails... Bloody... Mh...Shadow... @hotmail.com. Passwort... **********... So, dann schauen wir mal, was es Neues gibt. Hmmm... Pornowerbung... IHHH! Schnell löschen! 4gamers Newsletter... Mh... Später... Was ist das? Wichtiges Treffen, Absender... Kaito? Das war doch dieser Toreador von neulich!" las der Anda gelangweilt, bis er die Mail von Kaito entdeckte und sie gleich interessiert öffnete. Der Toreador hatte also ein paar Dinge über den Sabatt herausgefunden, die er mit Will und Leon teilen wollte. Wieso auch nicht? Munter und energisch sprang der Gangrel sogleich auf, ging unter die Dusche und zog sich wieder eine seiner Camo-Hosen, ein schwarzes T-Shirt mit einem blutroten Anarchie-Zeichen und seinen Mantel darüber, ehe er in seine Motorradstiefel schlupfte und seine Wohnung verließ.

Während er durch den länglichen Flur schritt, der in das Treppenhaus führte und die dortigen Treppen hinabstieg, dachte er über das ein oder andere nach, was so passiert war. Von heute auf morgen hatte er diese zwei seltsamen Typen getroffen. Kaito, den Toreador und Will, den Malkavianer. Dann war da dieses Mädchen. Irgendwie war es völlig unnormal, dass sie plötzlich mitten in der Menge stand, aber sie war da? Nur woher? Irgendwie war an der Sache etwas komisch. War er nicht schon einmal in so einer Situation? Vielleicht zog diesmal wieder die Camarilla die Fäden im Hintergrund. Aber wieso sollten sie so etwas tun? Vielleicht sollte Leon dem Prinzen mal einen Besuch abstatten und gleich einen Bogen voller Fragen mitbringen. Doch jetzt wollte er erstmal wissen, was Kaito so zu erzählen hatte. Also schwang er sich kurzerhand auf seine Harley und fuhr raus aus der kleinen Gasse, los zur Tate Gallery of British Art, wo der Toreador schrieb, dass er warten würde.

Während er so zwischen den Häusern hindurch fuhr und immer wieder den kurzen Schein der Laternen über sich hatte, kam in ihm irgendwie wieder der Wunsch zur Geltung, sich mal wieder unter dem warmen Licht der Sonne zu bewegen, statt immer durch die Dunkelheit zu kriechen wie ein Verbrecher. Irgendwie war es traurig und löste fast schon eine Art Melancholie in dem Gangrel aus, während ihm der Fahrtwind ins Gesicht peitschte und durch die Haare glitt. Irgendwie ein komisches Gefühl, das er schnell versuchte zu verdrängen. Ein paar Gedankengänge später dann jedoch, war er auch schon vor der Gallery, wo der Toreador stand. Wieder trug er einen Anzug und sah aus wie geleckt. Es sah schon sehr elegant aus, aber irgendwie fand der Gangrel es künstlich. Trotzdem, wenn es ihm gefiel - jedem das Seine.

"Hey, Kaito... Habe deine Mail bekommen und mich gleich auf den Weg gemacht. Aber ähm... Ja, hi erstmal." grüßte er den Toreador und bekam diesmal sogar eine Hand gereicht. Interessant. Die Sache mit MacBeth hatte also doch geklappt.
"Will all great Neptune´s ocean wash this blood..." sprach der Toreador hingegen nur. Vermutlich hatte er Leon noch nicht wirklich abgekauft, dass er MacBeth zu Lebzeiten gelesen und regelrecht verschlungen hatte. Er hatte sicherlich auf die Gewissensbisse des Königmörders angespielt, die der Gangrel nur mit den gewissenlosen Worten seiner Gemahlin konterte.
"A little water clears us of this deed!" antwortete er grinsend, was bei seinem Gegenüber ebenso ein leichtes Lächeln auslöste.

"Touché, Leon. Schön gekontert."
"Danke, man tut was man kann."
"Aber woher kennst du MacBeth? Ich dachte immer, ihr Gangrel würdet... Nunja... Kein Interesse für solche Art der Kunst aufbringen."
"Och ja... Ich habe Interessen in vielen Gebieten, auch wenn ich vielleicht nicht den Anschein mache. Literatur war zu Lebzeiten schon ein kleines Steckenpferd meinerseits, genau wie Heavy Metal. Ich weiß, eine komische Kombination, aber wer sagt denn schon, dass ich normal bin? Aber du, sag mal, war Will schon da oder dürfen wir jetzt auf ihn warten?"
"Er wird wohl jeden Moment ankommen, Leon. Lass uns doch solange ein wenig warten."
"Hm, naja wie du willst..."

Es hatte schon irgendwie was, mit einem Toreador zu reden. Diese Kainiten hatten doch eine ganz andere Weise, die Welt zu sehen. Und ihr Auge für Kunst war sicherlich auch unübertroffen, auch wenn ihnen das vielleicht in der Verallgemeinerung den Ruf als "Weicheier" eingebracht hatte. Leon jedoch hatte da keine großen Vorurteile, da er selbst wusste, wie es war als streunender Köter hingestellt zu werden. Irgendwie seltsam, wenn man drüber nachdachte und so vor sich hin wartete. Aber wo war Will nur? Unruhig saß der Gangrel an der Gallery und tippelte mit seinen Fingern auf und ab. Der Toreador hingegen schien allein von der Eingangstür und der Architektur begeistert zu sein und schmachtete die ganze Zeit davon, welch schöne Bauten doch in London standen. Schön, der Anda hatte zwar desöfteren ein Ohr für andere, aber für wirklich jede Art von Kunst hatte er nicht unbedingt die Geduld. Aber naja, so ließ er Kaito reden und versuchte wenigstens zuzuhören. Bis dann irgendwann zwei Stunden vergangen waren. ZWEI VERDAMMTE STUNDEN! Irgendwann wurde es dann Beiden zu blöd und so beschlossen sie, nach Camden-Town zu fahren, wo laut Kaito die nächste Spur war, die auf ihre Phantomjagd führte. Und so fuhren sie los...

Jetzt - Camden-Town

Nachdem die beiden sich ein kleines Rennen, bis nach Camden-Town geliefert hatten, war Will auch schon schnell gefunden und jetzt befanden sich die Drei mitten in einem Stadtteil voll seltsamer Leute. Für Leon jedoch waren es teils sogar recht sympathische. Darunter schienen auch sehr viel Metaler zu sein, die hier nun... Also... Was auch immer Metaler so taten. Sogar dieses Mädchen, das unverkennbar zu den Anarchen zu gehören schien, schien Leon zu mögen. Und Kaito lustigerweise umso weniger. Irgendwie fühlte er sich zwar wohl zwischen den ganzen Leuten, die er hier so sah, aber irgendwie waren es ihm auch zuviel Menschen und vielleicht auch Kainiten. Ob es nun eine seiner sterblichen Macken, oder die seines Clans waren: Der Anda war lieber einen Großteil seiner Zeit alleine, statt diese zwischen Menschen und anderen Wesen zu verbringen. Irgendwie ein Ziwspalt. Irgendwie war er so in Gedanken, dass er sein Schritttempo so weit beschleunigt hatte, dass er plötzlich neben der Anarchin ging und diese ihn ansprach.

"So eilig, Großer?"
"Uhm? Hm? Bitte? Oh, achso... Nein, ich war in Gedanken..."
"Und deswegen rennst du jetzt vor deinen Freunden weg?"
"Ja, schon..."
"Hör zu, wenn das eine Anmache sein soll..."
"Wös? Nein! Das... Das ist keine Anmache, ich war wirklich..."
"Jaja, typisch Cammys... Nicht mal die Eier in der Hose, zuzugeben, dass..."
"Um eins klar zu stellen: Ich bin KEIN MITGLIED der Camarilla, verstanden?!"
"Ach? Du hast ja ne große Klappe. Gefällt mir. Aber beantworte mir dann doch bitte mal eine Frage."
"Die da wäre?"
"Warum bist du dann mit dem Toreador da hinten gekommen?"
"Du meinst Kaito? Naja, ich erledige ab und zu Arbeit für die Camarilla, weil ich das Geld für meine... Naja... "Zwecke" brauche. Selber trau ich dem Verein nicht. Kaito ist nur ein... Äh... Ja, ich denke wir haben uns mittlerweile ein wenig angefreundet."
"Pfff... Für sie arbeiten aber ihnen nicht vertrauen? Entweder du bist ein verdammt schlechter Lügner oder du bist anders, als die Gangrel die ich bisher traf."
"Ich frage mich, wie oft ich mir diesen Spruch noch anhören muss..."
"Welchen Spruch?"
"Ach, vergiss es..."
"Warum?"
"Erklär ich dir ein andern mal..."

Und so liefen die vier Kainiten noch eine Weile durch Camden-Town, bis sie an einem etwas älteren Gebäude ankamen, dass irgendwie verdächtig nach einer Kneipe aussah, in der Schlägereien wohl nichts Ungewöhnliches schienen...

Griffin
19.07.2008, 23:24
Camden Town

Von allen Seiten spürte der Toreador die Blicke dieser dreckigen, verlausten und ekelhaft stinkenden Anarchen auf sich kleben. Kaito spürte förmlich, wie das Ungeziefer dieser Kunstbanausen zu ihm herüberkrabbelte, sprang, hüpfte und kroch. Wie ihre Unwissenheit seinen Geist umfasste und ihn herabriss in die Schluchten der regel- und kunstlosen Welt. Sie begafften ihn mit ihren schrecklich neugierigen Blicken wie die kleinen Sethskinder im Zoo stets die Affen begafft hatten. Natürlich stand der Toreador gelegentlich gerne im Mittelpunkt, aber dann wollte er doch bitte gerne auch mit Respekt behandelt und nicht mit der Abscheu dieser…dieser… ungepflegten Individuen befleckt werden.

Ganz ruhig, Kaito., sagte sich der ehemalige Kunt- und Literaturstudent und erinnerte sich an seine Semesterarbeit über die Weisheiten des Laotse. “Nur wer selber ruhig bleibt, kann zur Ruhestätte all dessen werden, was Ruhe sucht.“, hatte dieser einmal gesagt. Und getreu nach diesem Motto atmete der Toreador einmal kurz durch, schloss die Augen für einen Herzschlag – auch wenn es schwer für ein Kainskind ist, den Moment eines Herzschlages zu bemessen – und marschierte tapfer und mit erhobenem Haupt weiter.
Sollten sie nur alle schauen, mit ihren niederschmetternden Blicken. Sollten sie ihm im Geiste die Kleider vom Leibe reißen, weil sie neidisch waren auf ihre Eleganz und ihre Sauberkeit. Sollten sie den Briten nur verfluchen, weil er – ganz im Gegensatz zu den Anarchen – ein gepflegtes Äußeres und einen wachen Geist hatte. Sollten sie nur, es war Kaito herzlich egal.

Das Kainskind warf einen kurzen Blick nach vorne zu Leon, der Kaito eben zum zweiten Mal sprachlos gemacht hatte. Natürlich war jetzt zu vermuten, dass der Gangrel MacBeth kannte, aber das er sich noch für Literatur interessierte war wirklich, wirklich erstaunlich. Auch hatte Leon sich geduscht, seine Haare in Form gebracht und den Drei-Tage Bart – vielleicht ein bisschen zu wenig – rasiert. Vielleicht war er ja doch nicht so verkehrt? Vielleicht… ja, vielleicht hatte der Toreador sich ja einfach zu sehr von der Art des Gangrels blenden lassen und den Kern tief im Inneren übersehen? Einen Kern, der Kunst keineswegs verabscheute oder dem Kunst egal war. Nein, vielmehr ein Kern, der zwar noch eher klein und zerbrechlich gebaut war, aber mit dem richtigen Gärtner schon bald zu einer großen Pflanze der Kunst heranreifen konnte. Vielleicht… und vielleicht würde Kaito ja der Gärtner sein? Er wusste es nicht.

»He, pass doch auf, du Anzugaffe. Willst dir wohl heut noch eine einfangen, wa?«, meckerte einer der verlausten Anarchen Kaito ziemlich unhöflich an. Obwohl der Toreador kein Zwerg war, überragte der Anarch ihn um mindestens einen Kopf. Geistig jedoch, und das sah wohl jeder Umstehende recht schnell, war das ungepflegte Etwas mit dem Silberblick und der Zahnlücke Kaito unterlegen. Eigentlich sogar hoffnungslos unterlegen. »Wie sagte Laotse bereits? „Freundlichkeit in Worten schafft Vertrauen.“«, erwiderte der „dreckige Cammy“, wie ihn einige Umstehende nannten und forderte sein – geistig anscheinend unbewaffneten Gegenüber – zu einem Duell heraus. Aber keines, dass man hirnlos mit Fäusten austrug, sondern viel mehr eines, dass man mit Wörtern und geschickt eingebauten Floskeln bestritt.

»Höhö…La…klo..tse? Ist das nich so’n verkacktes französisches Tuntenzeug, dass man sich da überall hinschmiert?« Am liebsten wollte Kaito zur nächsten Brücke rennen, sich herunterstürzen und für den Rest der Unsterblichkeit auf dem Grund der Themse verbringen. So viel intellektuelle Beschränktheit auf einem Haufen, gepaart mit einer Etikette, die wahrscheinlich mit dem Sieb gegessen wurde und ziemlich unangenehmen Körpergeruch war schon eine wirkliche Zumutung für Kaito.
»Nein, mein Lieber. Der Mann, von dem ich sprach heißt Laotse…«, erklärte der Toreador noch einmal und sprach das letzte Wort absichtlich langsam aus, damit selbst der Anarch mitkam.
»Aber den wirst du wahrscheinlich nicht kennen. Soweit ich weiß hatte er noch keinen Gastauftritt bei den Teletubbies.« Lautes Gebrülle und Aufforderungen zu einem Faustkampf keimten langsam in der umstehenden Menge auf, aber Kaito hielt nichts von purer Gewalt. Der geschickte Einsatz eines Messers hier oder einem geschickt getarnten Verführungsversuch waren bisher die wenigsten entkommen.
»Und das Parfüm, das du meinst heißt Eau de Toilette…«, schweigend musterte der ehemalige Literaturstudent sein Gegenüber. Von oben bis unten musterte er ihn, auch wenn es für seine Augen eine Höchststrafe war. So viel unpassende Kleidungsstück-Reste zusammengewürfelt zu einem bunten Haufen ekliger „Kleidung“ ward selten gesehen. Zumidnest da, wo Kaito oftmals verkehrte.
»Und so, wie ich die Sache sehe… könnte dir ein Bad in einer Toilette nicht schaden, muss ja nicht mal Eau de Toilett sein. Und jetzt verzeih mich bitte, ich habe vor Sonnenaufgang noch etwas tun. Unser überaus interessantes Gespräch können wir jederzeit gerne fortsetzen. Ich komm’ dich dann am Kindergarten abholen, versprochen.« Ohne noch ein weiteres Wort zu sagen oder seinen „Gegner“ auch nur eines letzten Blickes zu würdigen Schritt der Toreador zwischen den Anarchen hindurch, zu Will, Leon und seiner Anarchen-Freundin, die ihn gleich mit anderen Augen betrachtete. Anscheinend hatte ihr der kleine Auftritt gefallen.

»Echt cooles, Zeug, das du da drauf hast, Alter.« Lobte sie den Briten etwas überschwänglich. Nur im allerletzten Moment konnte der Toreador einer heranbrausenenden Pranke, die mehr einer Männerhand glich, als einem zarten Frauenhändchen, ausweichen und sich zur Seite retten. »Hm.«, sagte Kaito nur kurz und betete inständig zu dem nicht vorhanden Gott, dass diese Anarchen-Tusse endlich aufhören würde, ihn it ihrer penetrant-ätzenden Stimme zum verzweifeln zu bringen. »Ich steh’ auf Männer, die was im Kopf haben, musst du wissen, mein Süßer.«, versuchte die Anarchin dem Toreador leibevoll ins Ohr zu säuseln. Leider klang es mehr wie ein kaputter Traktormotor. Und es roch, als wäre dieser Traktormotor mit einem Rinder-Urin-Kot-Gemisch betankt worden. Ohne, dass der Brite etwas dagegen hätte tun können, hatte die Anarchin ihn fest in die Arme geschlossen und war mit der Rechten an seinem bauch hinab gefahren, ehe sie schließlich zwischen den Beinen gestoppt hatte. »Und Männer mit was in der Hose mag ich noch viel mehr, mein geiler Wallach. Angewidert schob Kaito die matsch-verkrusteten Hände der Anarchin von seinem Schritt und seinem wohlgeformten Brustkorb und blickte sie abschätzig an. [i]»Ein Wallach ist ein kastrierter Hengst. Ich bin also kein Wallach. Und dein Süßer bin ich schon gar nicht, Tussi. Also… tu’ mir bitte einen Gefallen und lass deine Männerpranken das nächste Mal aus diesem…« Mit der linken Hand zeichnete der Toreador einen fiktiven Kreis um seinen Körper. »…Bereich. Ja? Danke. Und jetzt lasst uns gehen.«

Gwydion
20.07.2008, 10:21
Camden Town, Pub "Six feet under"

Will begann zu lachen. Es war einfach zu komisch, er konnte es nicht unterdrücken. Wie die Kriegsgöttin den kleinen Toreador ärgerte. Wie er darauf reagierte. Und behauptete er sei kein Wallach. Will hätte ihm am liebsten ins Gesicht gesagt, dass er gerne sehen würde, wie der Kainit Kinder zeugte. Er hätte eine Wette mit ihm abschließen können.
„Ich glaube die blaue Haarfarbe bekommt dir nicht gut…“, murmelte Kaito beleidigt wegen Wills Lachanfall.
„Vielleicht…“, erwiderte der nur grinsend.
Dem Toreador waren wohl die Ausmaße eines toten Körpers nicht vollkommen klar. Eigentlich war er noch weniger als ein Wallach, wenn er auch durch die Kraft seiner Vitae darüber hinweg täuschen könnte. Will grinste immer noch, als die Morrigan ihm in den Arm knuffte.
„Warum machst du eigentlich nicht endlich bei uns mit, Willie?“, wollte sie wissen.
Die Frage wieder. Jedes Mal, wenn er in Camden war die gleich Frage. Und wie jedes Mal würde er die gleiche Antwort geben. Die Antwort, bei der ihm auch die Stimme Recht geben musste. Und gleichzeitig mit ihrem Flüstern in seinem Kopf antwortete er: „Anarchie kann nie funktionieren.“
„Ach hör auf diesen Cammy-Scheiß zu verbreiten. Diktatur funktioniert noch viel weniger!“, erwiderte die Morrigan aufgebracht.
„Es funktioniert für die, für die es funktionieren soll.“, widersprach Will.
„Ach verdammt, wenn ich mich wieder mit dir streite bekomme ich nur schlechte Laune….“, die Anarchin brummte und betrat das Hinterzimmer der Kneipe, in die sie vor kurzem eingetreten waren.
„Guten Abend. Welch unerwartete Gäste. Bitte nehmt doch Platz.“, wurden sie von einer männlichen Stimme begrüßt.
Vor ihnen an einem Tisch saß der Baron. Baron Carl Briggs war für einen Anarchen ungewöhnlich unrebellisch gekleidet, für einen Baron jedoch passend. Eine gewöhnliche Jeans, ein schwarzes Hemd, bei dem die oberen beiden Knöpfe offen waren, darüber ein offenes, braunes Jackett. Die braunen Haare waren gekämmt, aber nicht aufwendig gestylt, der Vollbart war seit seinem Tod auf gleicher Länge, die grauen Augen blickten deutlich misstrauisch, auch wenn der Mund höflich lächelte. Seine Aura strahlte Misstrauen aus wie die Leuchtreklame eines dieser modernen Tanzschuppen. Will folgte der Aufforderung des Barons und ließ sich auf einen der Stühle plumpsen, während die anderen beiden noch zögerten, es ihm aber dann gleich taten und zu beiden Seiten von Will Platz nahmen.
Der Malkavian wusste, auch wenn er keine Augen im Hinterkopf hatte, zumindest nicht dass er wüsste, dass hinter ihm die Tür, durch die sie gerade gekommen waren, von zwei Anarchen blockiert wurde, ebenso die Tür an der Wand vor ihnen, der Notausgang. Wären sie also in Not hätten sie ein Problem.
„Kate, sei so gut und nehm den Herrschaften ihre Waffen vorübergehend ab.“, bat der Baron und ließ sich wieder auf seinem Platz nieder.
Die Morrigan streckte die Hände auffordernd aus und Will übergab ihr ohne langes Zögern das kleine schwarze Ding, das Feuer spuckte und das Messer, obwohl die Stimme ihm davor warnte. Die anderen beiden Kainiten zögerten deutlich länger. Die Stimme wurde ungeduldig. Ebenso wie Will. In einer kurzen Bewegung fuhr er beide Ellbogen aus und stieß sie kurz in die Rippen seiner beiden Nachbarn, bevor er seine Arme ebenso schnell wieder vor der Brust verschränkte. Etwas tobte in ihm. Er musste dieses Treffen so schnell wie möglich hinter sich bringen. Die Stimme wurde lauter.
Immer noch widerstrebend übergab Kaito sein Schlitzwerkzeug, so auch der Löwe.
„Die Knarre auch…“, brummte die Morrigan.
„Nie…“, begann Leon, doch Will drehte langsam den Kopf zu ihm und blickte über die Ränder seiner Sonnenbrille hinweg zu dem Gangrel.
Ohne irgendwelche Kräfte einzusetzen hatte dies den gewünschten Effekt. Was immer der Gangrel in Wills Augen sah, es verursachte ihm Unbehagen. Will trug die Sonnenbrille ja nicht nur zum Spaß. Sondern um seine Augen zu verstecken. Denn die Augen waren das Tor zur Seele. Und ein Blick in Wills Seele war nichts Angenehmes. Der Gangrel gab seine Waffe widerstrebend an die Anarchin mit dem Kommentar, dass er keinen Kratzer darauf finden wollte, wenn er sie zurückbekam.
„Sehr schön, da das nun geregelt ist würde ich gerne den Grund des plötzlichen Auftauchens hier erfahren. Ich nehme nicht an, dass ihr auf den Kauf von nicht ganz legalen Waren interessiert seid. Es geht hier um etwas anderes. Also bitte, ich höre.“, der Baron sah zuerst Will an, doch der machte nur eine stumme Kopfbewegung in Richtung Kaito, so dass der Blick des Anarchen auf dem Toreador ruhte.
"Meine Quellen haben mir berichtet, dass der Sabbat sich in Camden Town aufhält...", begann Kaito und Will bemerkte sofort die Veränderung in der Haltung des Barons. Zuerst war er misstrauisch. Langsam dämmerte die Einsicht in ihm. Er würde sich bald beleidigt fühlen und dann würder er wütend werden...
Wenn Kaito nicht aufpasste, würde er vielleicht Grund für einen offenen Angriff der Anarchen auf die Camarilla liefern. Darauf hatte der Malkavian nicht wirklich Lust...

Griffin
20.07.2008, 14:28
Camden Town - Six feet under

Der zornige Blick des Anarchen-Abschaums schien den Toreador zweiteilen zu wollen. Vergeblich. Es war Kaito reichlich egal, ob der selbsternannte Baron in seinem hässlich-abstoßenden Outfit ihn töten oder heiraten wollte. Gegen beides hätte er sich zur Wehr gesetzt, notfalls eben auch mit Gewalt. »Wollt ihr damit andeuten…«, begann der Baron langsam. Er beugte sich ein Stückchen nach vorne und legte beide Ellebogen auf dem Tisch ab und faltete die Hände ineinander, wie man es eigentlich vor dem beten tat. Kaito konnte nun den Mund und ein Großteil des Gesichts nicht mehr sehen. Obwohl er nun einige Mimiken mit Sicherheit nur schwer deuten konnte, war dem Toreador das herzlich egal, so musste er wenigstens die ungepflegten Zahnstumpen und das hässliche Gesicht nicht mehr in vollem Umfang ertragen. »…dass hier in Camden Town, in meiner Stadt… diese Sabbat-Idioten verkehren. Ohne, dass ich es merke?«
Der ehemalige Literaturstudent bemerkte den bewusst provozierenden Unterton in der Stimme des Barons, aber er ignorierte ihn gekonnt.

»Die Wahrheit kommt mit wenigen Worten aus.«, zitierte Kaito erneut Laotse und blickte dem Baron fest in die Augen. Anscheinend war dieser es nicht gewohnt, dass man ihm so starr in die Augen blickte, ohne dabei offensichtliche Hintergedanken zu haben. »Ja, das möchte ich sagen.«, sprach Kaito leicht spöttisch, spürte aber sofort die Wut in dem Anarchen-Schwein überkochen. So schwer es ihm fiel, aber er musste es wohl tun. Er musste diesem… Baron des Schmutzes, dem König der Ungepflegtheit und dem Kaiser der Dummheit in den haarigen Hintern kriechen, wenn er hier unverletzt rauskommen wollte. Alleine hätte er vielleicht gewagt die Konfrontation auf die Spitze zu treiben, aber er hatte Will und Leon an seiner Seite und deren Unleben wollte er nicht unbedingt opfern. Aber ein kleines bisschen könnte er wohl noch seine Spielchen spielen.
»Die Informationen, die mir zugetragen wurden, kamen von einem Nosferatu.«, erklärte der Brite in absolut ruhigem und emotionslosem Ton. »Und um ehrlich zu sein… ich vertraue ihm mehr als euren… „Aufpasserchen“.
Wenn Blicke töten könnten, dann wäre Kaito wohl soeben der Kopf explodiert. Die „Aufpasserchen“, die die Tür direkt voraus bewachten warfen dem Toreador abwechselnd vielsagende Blicke zu. Wenn das hier eskalieren sollte, wäre er tot, auch wenn er das sowieso schon war.

»Ihr wagt es also…«, begann der Baron in aggresiv-gereiztem Ton. Langsam aber sicher nervte Kaito der selbstsichere Ton des selbsternannten Barons eines Dreckslochs. »…in meine Stadt einzudringen. Meine Leute zu beleidigen und meine Methoden in Frage zu stellen?« Jetzt war der geeignete Zeitpunkt für Kaito die Kurve zu kriegen. Noch ein kleines Fünkchen und der Baron ging hoch wie eine billige Silvesterrakete. »Nein, Herr Baron. Ich kam hierher, um auch eure Sichtweise der Geschichte zu erfahren, nicht um irgendetwas, von euren Arbeiten in Frage zu stellen.« Den letzten Halbsatz, dass die Arbeit eines Anarchen sowieso nicht viel mehr wert war als der Fladen einer mickrigen Kuh, schluckte der Toreador runter, schließlich wollte er den Baron besänftigen und nicht zum explodieren bringen.

»Nun ja…«, setzte der Baron langsam an und ließ sich in seinem Stuhl zurückfallen. Entweder gleich waren die drei Kainskinder tot oder sie waren um eine Information reicher. »Ich verachte euch dreckigen Cammys, ich verachte euch wirklich. Aber den Mut zu haben hier hereinzuspazieren und mir ins Gesicht zu sagen, was ihr drei eben gesagt habt… Das hat sich bisher keiner getraut.« Kaito sah im Augenwinkel, wie Leon die Faust ballte und sich bereit machte. Aber mit einer kurzen Handbewegung unter dem Tisch bat Kaito ihn um einen Moment Geduld. Er war sich ziemlich sicher, dass sie gleich das hören würden, was sie hören mussten. »Vielleicht könnt ihr drei ja die Drecksarbeit für mich und meine Jungs erledigen, für mehr seid ihr Speichellecker des Prinzen ja nicht gut… Silent Bob und Jay, zwei der Neulinge, sind seit einigen Nächten nicht mehr zurückgekehrt. Eigentlich nichts Neues, es passiert immer mal, das Küken einfach verschwinden, aber das juckt den Hahn ja nicht.«
In den folgenden Minuten gab der Baron den Dreien noch ein paar Informationen über Aussehen und Route der beiden Verschwundenen. Vielleicht würde sie das ja auf eine neue, heiße – und hoffentlich saubere – Spur führen. »Jetzt holt euch eure Waffen ab und verschwindet von hier.«, befahl der Baron und die drei erhoben sich, ohne ein Wort der Verabschiedung zu sagen.
Als letzter der drei, ergriff Kaito sein Messer und steckte es wieder genau an die Stelle unter dem Mantel, wo es vorher hing. Mit einer kräftigen Umarmung verabschiedete er sich anschließend von dem Gepflegteren der beiden Vollidioten, die die Tür bewachten. Er platzierte seinen Körper schnell und geschickte so, dass niemand seine hervorschnellende Hand sehen konnte.

»Hier, Leon.«, sagte er zu dem Gangrel, als sie – unverletzt – vor dem schäbigen Schuppen des Barons standen und warf ihm ein voll geladenes Magazin zu. Er selbst hielt nicht viel von Schusswaffen. Sie waren ihm viel zu auffällig. Wenn man schon zur Waffe griff, dann sollte es für ihn auch ein Nahkampf sein.

Ryu Hayabusa
21.07.2008, 03:55
Camden-Town, Six Feet Under - auf dem Weg nach draußen

Irgendwie machte es Leon wütend, schon wieder mit der Camarilla unter einen Hut gesteckt zu werden! Er hasste es einfach, zu irgend einer der Fraktionen gezählt zu werden. Ganz einfach aus diesem Grund, weil er diese ganzen Intrigen und Machtspiele der kainitischen Gesellschaft noch immer aufs Äußerste verabscheute und ablehnte soweit er konnte. Das einzige, dass er in dieser Welt der zu ewigem Leben Verdammten anerkannte, war sein freier Wille und die Zugehörigkeit zu seinem Clan. Zu den Gangrel. Man konnte es einen gewissen Stolz nennen, aber wenn sich der junge Anda darauf besann, welchem Clan er angehörte. Ruhelos und auch alleine stark, vermochte seiner Meinung nach, der Clan des Tiers die höchsten Überlebenschancen zu haben und kein Anderer.

Brujah waren zu wild und rannten schnell in ihr Verderben, während die Toreador sich oft von Dingen zu sehr von ihrem, nicht immer falschen Kunstfaible blenden ließen. Dazu gehörten in manchen Fällen auch Sonnenaufgänge. Nosferatu mochten zwar Meister des Versteckspiels sein, doch wenn die monströsen Gestalten entdeckt würden, wäre eine Jagd auf sie nich weit her. Ventrue... Auf diese Kainiten war der Gangrel nun gar nicht gut zu sprechen. Hinterlistig und feige versteckten sich diese selbsternannten Anführer in ihren Türmen und ließen andere die Drecksarbeit für sich erledigen. Verdammte Bürokraten waren es, die es in ernsten Fällen wohl nicht lange machten. Dann waren da noch die Tremere und die Malkavianer. Ersteren traute Leon nicht über den Weg, auch wenn ihre Blutmagie verhehrende und interessante Wirkungen haben konnte, so waren sie doch nur Wesen, die sich ihr Dasein vom Ur-Tremere gestohlen hatten. So hatte der Gangrel es zumindest erzählt bekommen und ihre Hinterlist war oft nicht zu übersehen. Dies war auch oft der Grund für deren Probleme... Und die Gier nach Macht. Zu den Zweitgenannten, den Malkavianern und ihren Chancen zu überleben konnte sich der junge Kainit nicht wirklich viel zusammen reimen. Ihr wirres Köpfchen erregte schon das ein oder andere mal Aufsehen, zumal es sich bei jedem anders auswirkte.

Diese Gedanken, eigene Feststellungen und Erfahrungen sollten nicht bedeuten, dass er andere Clans als niederer oder schwach empfand, nein. Die anderen Clans hatten auch nette Vorzüge, die Gangrel beispielsweise nicht hatten. Vielleicht lag es auch gerade daran, dass ihm noch immer die Wut im Hals hing und er einfach irgendwo ein wenig Dampf ablassen wollte. Und irgendwie schwankten dann seine Gedanken zu Will, der ihn zuvor im Büro des Barons so seltsam angeschaut hatte. Zum ersten mal hatte er die Augen seines malkavianischen Freundes gesehen und ihr Aussehen bereiteten ihm eine Art Unbehagen, wie er es selten gespürt hatte. Dieser... "wahnsinnige" Ausdruck in ihnen... Er warf mit einem mal soviel im Kopf des Gangrels durcheinander.

Camden-Town, ein Stück vor dem Six Feet Under

"Leon? Leon? Hey, Leon!"
"Wie, was? Oh, achso, ja... Was sagtest du noch? Ich war in Gedanken gerade woanders, tut mir leid."
"Woanders? Hmmm... Schon gut. Will und ich sprachen nur gerade darüber, wo wir anfangen wollen zu suchen, oder vielleicht auch wann. Naja... Will hat eher zugehört, aber das ist ja jetzt egal. Also, was schlägst du vor?"
"Vielleicht sollten wir erstmal ein paar Nachforschungen anstellen und morgen nach Sonnenuntergang gleich anfangen zu suchen... Ich brauch jetzt... Ein wenig Ruhe..."
"Hm... Na gut, wenn dir das lieber ist..."
"Ja, danke. Ich ruf euch Beide an, okay? Alles klar, dann machts mal gut ihr Beiden. Bis morgen."

Und so gab Leon noch einmal jedem die Hand, wobei er Kaito noch kurz die linke Hand auf die rechte Schulter legte. "Keine Sorge, meine Hände sind sauber. Hast dich gut geschlagen... Freund. Und danke für das Magazin. Meine Eagle wird sich sicher freuen, wenn sie mal wieder Bekanntschaft mit dem Sabatt macht." lobte er ihn und bedankte sich grinsend, ehe er sich umdrehte und langsam in der Masse verschwand, die zu dieser Stunde noch immer in die Bars und Kneipen und auch hinaus strömte. Ein furchtbares Gefühl für den Gangrel! Er wollte hier weg von all den... Wesen. Endlich wieder allein in seiner Wohnung sein und dort gemütlich irgend einen japanischen Samurai-Film schauen. Das Schwert des Bunshi sollte doch heute Nacht laufen. Vielleicht würde er es ja noch rechtzeitig nach Hause schaffen, ehe er den Anfang verpasste. Die Händen in den Taschen seines Mantels und den Blick ein wenig geneigt schritt er also zwischen den Leuten hindurch, hin zu einem der Parkplätzen auf denen sein Motorrad stand. Hoffentlich würde sich seine Laune ein wenig bessern, wenn er wieder den Fahrtwind im Gesicht spüren würde.

Ohne Weiteres stieg er also auf die Harley und fuhr los. Ein wenig langsamer als sonst. Irgend etwas machte ihm gerade ziemlich zu schaffen. War es diese Zuschusterung zur Camarilla seitens des Barons? Nein, wohl kaum. Viel mehr der Blick in diese grauen Augen Wills. Wie sagte man so schön? Lass mich dir in die Augen sehen und ich zeige dir, was in dir vorgeht. Komischer Spruch, denn irgendwie hatte er nur diesen seltsamen, verunsichernden Ausdruck gesehen, der ihn völlig durcheinander gebracht hatte. Und wieder gingen ihm Gedanken durch den Kopf, ob es überhaupt richtig war, hier nach London zu kommen und nicht in L.A. bei ihr zu bleiben. Ein müdes Grinsen machte sich in seinem Gesicht breit. Der Gangrel dachte, dass mit seinem Ableben sein Problem, so schnell verunsichert zu werden verflogen war, aber da hatte er sich wohl geirrt. Es war noch immer da. Irgendwo, tief in seinem Inneren. Vielleicht war er ja doch noch menschlicher, als er die letzten Jahre seines Daseins im Unleben gedacht hatte. Aber darüber würde Leon sich erstmal Gedanken machen, wenn er ein paar ruhige Minuten für sich hatte.

An seiner Wohnung schließlich angekommen, schob der Gangrel sein Motorrad schließlich in die kleine Garage, die er zur Verfügung hatte, klappte die Tür herunter und ging rüber zur Haustür, die er durchschritt. Irgendetwas war jedoch anders. Seine Sinne wollten ihn vor irgendetwas warnen, also zog er langsam seine Waffe unter seinem Mantel hervor und pirschte sich langsam und gebeugt die Treppen hinauf in den langen Flur zu seiner Wohnungstür. Seltsamerweise stand diese offen und der Gangrel konnte Geräusche aus der Wohnung heraus hören. Langsam drückte er die Tür auf und bewegte sich vorsichtig in die Wohnung hinein. Wer auch immer hier noch war, würde gleich Rede und Antwort stehen müssen, wenn er nicht mit einer Kugel in der Brust nach Hause gehen wollte. Während er in dem kleinen Flur stand, schloss er die Tür vorsichtig hinter sich, schloss ab und wandte sich dann ums Eck, um zu sehen wer in seinem Wohnzimmer da vor dem Fernseher saß. Mit einem Blick um die Ecke sah er dann, wie sie da saß. Ja, das Mädchen, dass er neulich bei der Schießerei "gerettet" hatte, saß einfach so unverfroren auf der Couch, futterte eine Pizza und schaute irgend eine Schnulzensendung. Ein wenig genervt, aber dennoch erleichtert steckte er seine Desert Eagle in sein Halfter und lehnte sich mit leicht verzogenem Gesicht und verschränkten Armen gegen die Ecke.

"Okay... Wie bist du hier reingekommen?" fragte er müde, worauf das Mädchen völlig erschreckt das Stück Pizza, das sie gerade aß in ihren Ausschnitt beförderte. Interessant... Und ein wenig belustigend.
"Ahhh! Erschreck mich nicht so! Warte mal... Du bist doch... Der Mann aus der Gasse... Bist du... Leon?"
"Beantworte du erstmal meine Frage!"
"Leon... Endlich hab ich dich gefunden, Schatz!"
"Schatz? Moment... Woher kennst du meinen Namen? Hey... Hör auf! L... Lass das!"

Doch sie hörte nicht wirklich auf die Worte des Gangrels und sprang auf, lief zu ihm und umarmte erstmal ihren "Meister", der sie zum Ghul gemacht hatte. Sie hatte ihn also doch gefunden - Zu seinem großen Ärger... Vermutlich würde das noch ein laaaaaaaaaaange Nacht der Erklärungen werden. Da würde wohl kaum Zeit bleiben, sein T-Shirt zu waschen, dass nun voll mit Pizza-Zutaten war. Aber viel schlimmer noch: Was war mit seinem Bunshi-Film? So eine Schande!

Scatty
04.08.2008, 00:17
London, Innenstadt

Als sich der Schemen aus dem Eingang des Nobelclubs löste, musste man schon genau hinhören, um zwischen dem Klatschen der dicken Regentropfen und dem geschäftigen Treiben, an dem sich trotz des Wochentages und der relativ späten Uhrzeit noch genügend Menschen, von Touristen, Pennern über Studenten bis hin zu Geschäftsmännern, mit Ausdrücken der Eile, der peinlichen Berührtheit oder einfach nur der alkoholinduzierten, aufgesetzten Fröhlichkeit auf ihren Gesichtern, beteiligten, das Zischen auszumachen, dass sich, begleitet von einem sanften Wölkchen kondensierten Atems, aus dem Munde des Ventrue seinen Weg in die kühle, klare Nachtluft bahnte. Er hasste es, wenn etwas nicht so lief, wie er es geplant hatte. Zum einen natürlich die Tatsache, dass er bei seinem Mahl gestört wurde, zum anderen, dass seine Geschäftspartner seinen Anforderungen nicht gerecht werden konnten, und zu guter letzt: dieser verfluchte Regen.

Natürlich hatte er seinen Schirm vergessen, und der leichte Mantel würde den Regen nicht lange genug abhalten können, um seinen maßgeschneiderten Dreiteiler trocken zu halten. Noch zögerte er, fuhr sich mit der Zunge über seine Eckzähne, schnalzte. Fuhr sich schnell, automatisiert durch seine kurzen, durch Gel strikt im Zaum gehaltenen Haare. Er tippte auf und ab. Normalerweise wäre der Wolkenbruch absolut kein Problem gewesen, wenn er sich darauf hätte vorbereiten können. Überraschungen waren sowohl im geschäftlichen Bereich, als auch generell zu vermeiden. Wenn man die Kontrolle selbst über die kleinsten Dinge verlor, löste sich schnell eine Kettenreaktion, eine Lawine, unaufhaltsam. Übertrieben? Pessimistisch? Unsinn. Entnervt blickte er sich um, und sein Blick wandelte fast schon über den Schirmständer hinweg, als er einen schicken, schlichten, schwarzen Schirm hinter der Tür des Clubs wahrnahm. Hm, Familiengröße. Die Tür ging kurz auf, eine behandschuhte Hand griff sich den Regenschirm, die Tür schloss sich wieder, und De Vries machte sich auf den Heimweg. Was die Reinigung bloß wieder gekostet hätte..