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View Full Version : [RPG] Schreibthread Team 2 (Nur für Teilnehmer!) #1



Sir Philas Xeon
20.04.2008, 18:31
/- Schreibthread Team 2 -\


Wie unschwer zu erkennen sein sollte, ist dies der Schreibthread für das Team Numero 2 des RPG-Forenwettstreits. Charakterbögen sind alle eingetrudelt, was auch schon heißt, dass es (fast) losgehen kann. Hier gehört ausschließlich die Geschichte der Teilnehmer des Teams der Zahl 2 rein, keine Besprechungen und kein OT (Ausnahme s. §10 des Regelwerkes)! Unten sind nochmal Regeln und Vorstellungsposts aufgelistet, damit alles an einem Platz ist. Am 21.04.08 wird der Startschuss erfolgen, die Dauer liegt bei ca. 6 Wochen, in denen geschrieben wird. Natürlich sind Außenstehende, Leseratten, RPG-Begeisterte und auch alle anderen herzlich dazu eingeladen, die Geschichte der Teilnehmer zu verfolgen. Nun denn, viel mehr möchte ich an dieser Stelle nicht sagen, nur noch Folgendes:

Auf frohes und faires Schreiben! :)

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Die Regeln:
1. Es gelten sämtliche Forenregeln. Nichtbeachten kann eine Disqualifikation eines Schreibers, eines Teams oder sogar eine Sperre bzw. einen Bann nach sich ziehen.
2. Abschreiben, Ideenklau und teamübergreiffende Absprachen jeglicher Art sind verboten und führen sofort zu einer disqualifikation des gesamten Teams.
3. Anweisungen von Administratoren, Moderatoren und Juroren ist unbedingt folge zu leisten.
4. Die Entscheidungen von Juroren oder Forenmitarbeitern sind zunächst unantastbar. Wenn sich jemand schlecht oder ungerecht behandelt fühlt, bitte eine PN an mich, vorher aber dennoch den Anweisungen folgen.
5. Jeder Posting muss mindestens 20 Zeilen haben.
6. Doppelpostings sind verboten.
7. Die Vorgeschichte ist unabänderlich. Sie beinhaltet die Grundlage um vernünftig bewerten zu können. lediglich Ergänzungen sind möglich.
8. Namen von gegebenen Personen und Orten müssen beibehalten werden.
9. Änderungen des Charakterprofils sind nach Beginn des Wettbewerbs unmöglich.
10. Die Befehle "<IN>" und "<OUT>" dürfen benutzt werden um Erläuterungen oder Anfangs auch Chrakteraussehen und Waffenaussehen (auch mit Bildern) zu erläutern, dabei gilt: <IN> - Alles fließt in die Bewertung mit ein und gilt als Storyfortsetzung.
<OUT> - Geschriebenes ist für die Bewertung belanglos und ist als eine Art Fußnote anzusehen.
11. Keine Signaturen im Schreibthread.
12. Jedes Teammitglied muss eingebunden werden und selber Abschnitte der Geschichte schreiben.

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Charakterprofile Team 2:

/- Nendaloce -\
Name: Alieth von Nenydin
Alter: ?
Geschlecht: weiblich
Rasse: Elf
Klasse bzw. Beruf: Waldläufer
Waffe: Langbogen und Pfeile, Schwert
Rüstung: beschlagene Lederrüstung
Stärken: Bogenschießen, mit Tieren umgehen, findet sich in der Natur gut zurecht, versucht die Situationen friedlich zu lösen
Schwächen: fühlt sich in Städten nicht wohl wo viele Leute auf einmal zusammen kommen, in großen Menschenmassen eher zurückhaltend, fürchtet sich in zu engen Räumen und mag keine Höhlen
Beschreibung: Alieth von Nenydin, die von ihren Freunden nur Lieth genannt wird
ist ca. 1,80 m groß und hat langes dunkelbraunes Haar, das meist auf den Rücken zusammengebunden ist. Ihre Kleidung ist vor allem grün und braun und über der Rüstung trägt sie einen Elfenmantel, der zwar nicht vor Verletzungen schützt dafür aber Wasser abweisend ist und in der Nacht auch als Decke verwendet werden kann. Sie hat ein sehr ruhiges Wesen und versucht Situationen diplomatisch zu meistern, wenn allerdings Gefahr droht, kann sie auch hart durchgreifen. Freunden und auch anderen Elfen gegenüber ist sie offen, mit Fremden Menschen redet sie jedoch nicht gerne.
Geschichtliches: Alieth stammt aus einer der ältesten Elfenfamilien, wurde jedoch von Kindheit an als Waldläuferin ausgebildet. Gleichzeitig mit Spurenlesen lernte sie auch den Umgang mit dem Bogen und auch mit dem Schwert.

/- Hârkon -\
Name: Sigmar
Alter: 38
Geschlecht: Männlich
Rasse: Mensch
Klasse bzw. Beruf: Schwerverbrecher
Waffe: Keine
Rüstung: Keine, nur schmutzige, zerrissene Kleidung
Stärken: Unerschrocken, erfahren, strategisch
Schwächen: Äußerst aggressiv und rücksichtslos, zu keinem Kompromiss bereit, Pöbelnd, Einzelgänger, verschlossen, dem übermäßigen Alkohol- und Drogenkonsum hingezogen, kann weder lesen noch schreiben
Beschreibung: Trotz Jahren der Inhaftierung in einem der dunkelsten Gefängnissen Adamants wirkt Sigmar überdurchschnittlich kräftig und robust. Er ist gut 188cm groß. Sein Äußeres ist von Spuren der Folterung und verblassten Kriegen übersäht, ihm fehlt das linke Auge, dessen widerwärtigen Anblick er für gewöhnlich mit einer Augenklappe verbirgt. Er hat sehr dunkle, braune Augen und ebenso dunkle (kurze) Haare. Ein ungepflegter Stoppelbart ziert ebenfalls sein Gesicht.
Geschichtliches: Es lassen sich keinerlei Informationen über diesen Mann in irgendwelchen Archiven auffinden ... Seltsam ...

/- Al Fifino -\
Name: Rômo Erdhand
Alter: 89 Zyklen
Geschlecht: Männlich
Rasse: Zwerg
Klasse: Kampfmagier
Waffe: kleine, runenverzierte Handaxt; winzig anmutender Dolch
Magie: Element der Erde (fortgeschrittener Lehrling)
Rüstung: Leichte Kettenrüstung
Stärken:
- trotz seiner Magiebegabung kräftig gebaut
- kleinwüchsig
- geschult im Kampf mit der Axt
- kann gut im Dunkeln sehen; findet sich selbst unter der Erde zurecht
- verfügt über Zaubersprüche zum Beherrschen der Erde sowie Heilmagie
Schwächen:
- leicht zu reizen
- kleinwüchsig
- trinkt gerne einen über den Durst
Beschreibung: Romo Erdhand ist von stattlicher, jedoch für sein Volk typischer kleiner Statur. Trotz seiner Magierausbildung ist er muskulös gebaut und kann mit seiner Handaxt kräftig zuschlagen, sollte es von Nöten sein. Die meist freundlich dreinblickenden, braunen Augen sitzen über einer dicken Knollnase, unter der wiederum der Mund von einem dichten, gleich den Haaren dunkelbraunen Bart versteckt wird. Seine Handaxt und ein kleiner Dolch stecken stets im ledernen Gürtel, der zugleich die aus dem gleichen Material bestehende Hose hält. Die Brust wird von einem Kettenhemd geschützt, das auf einem wollnen Hemd liegt, die Füße stecken in festen Stiefeln. Ein kreisrunder, offener Helm komplettiert die Rüstung. An der rechten Seite hängt eine Tasche, deren Riemen an der linken Schulter ruht und in der sich Reagenzien für die Zauberei sowie Heilmittelchen und Kräuter befinden.
Geschichtliches: Rômo Erdhand stammt aus dem Klan der Erdhände, der seine Heimat zusammen mit anderen Klans in Falar hat, und absolvierte ebenso wie seine Vorfahren die magischen Prüfungen auf dem Inselstaat Skig, um zum Kampfmagier ausgebildet zu werden. Nach seinen Prüfungen verweilte er noch einige Zyklen in Gluno, der Hauptstadt von Skig, um sich dort Ratschläge und Lobwünsche von seinen ehemaligen Meistern abzuholen und sich vollends der Magie der Erde zu verscheiben, bevor er schließlich nach Falar zurück kehrte und alsbald wieder mit seinem Klan vereint war.
Als das Königreich Killmar den Angriff auf Adamant startete, wurde dem Volk der Zwerge klar, dass sie sich aus diesem Konflikt nicht heraushalten können würden. Und als sie die Bitte des Königs von Adamant erhielten, ihren besten Krieger zu senden, auf dass er mit einer Gruppe Wagemutiger nach Skig reise und die dortigen Magier um Hilfe bete, schickten sie ohne zu zögern Rômo Erdhand, der ja erst vor kurzem mit den Zauberern in Kontakt getreten war, zu der weit entfernten Hauptstadt Minit.

/- Wolf’s Rain -\
Name: Wolf (richtiger Name unbekannt)
Alter: 32
Geschlecht: männlich
Rasse: Mensch
Klasse bzw. Beruf: Nahkämpfer, genauer Beruf unklar, war in den verschiedensten Gruppen tätig, für die er Aufträge erledigte, bis er sich auch davon gänzlich distanzierte. Ob und wo er noch aktiv ist bzw. zu wem er noch Kontakte hat, ist ebenfalls ungewiss. Man munkelt er sei eine Art Auftragskiller gewesen.
Waffen:- Kurzschwert, das er stets an seiner rechten Seite trägt
- Zwei Messer, an seinem Gürtel befestigt, welche er jedoch eher selten benutzt
- Auf jedem Handrücken jeweils drei ausfahrbare, kleine, kurze Klingen befestigt
Rüstung: an Ober- Unterarmen sowie Oberschenkeln und Schienbeinen trägt er festgeschnallte Arm- und Beinschienen, oben auf den Schultern, hinten an den Fersen und auf den Handrücken trägt er kleine, robuste Platten sowie am Oberkörper dort, wo sich wichtige Organe wie Lunge und Herz befinden, welche diese vor gezielten, direkten Angriffen schützen. Sie sind in sein schwarzes, eng anliegendes Obergewand eingearbeitet bzw. daran befestigt.
Stärken: er ist sehr schnell, wendig und geschickt, ausdauernd, unnachgiebig, gut im leisen Anschleichen und hat einen guten Instinkt bzw. damit verbunden ausgeprägte Sinne, lässt sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen
Schwächen: hat keinen kräftigen Körperbau, also eher schmächtig, somit von der reinen Kraft her nicht besonders stark und widerstandsfähig, bei richtig kräftigen Schlägen und wuchtigen Angriffen fast chancenlos, eigentlich hat er ein bedachtes, ruhiges Gemüt, aber einige Bemerkungen/Dinge können ihn rasend machen und zu unüberlegtem Handeln treiben, ist bisher Magie im Kampf noch nie richtig begegnet, wüsste also nicht wie er mit einem Elementmagier als Gegner umgehen sollte, ein wenig risikofreudig/das Schicksal herausfordernd
Beschreibung: Er ist ziemlich verschlossen, nicht allzu redensfreudig, gibt nicht sehr viel von sich preis und ist eher darauf bedacht seinen Auftrag ordnungsgemäß auszuführen als irgendwelche moralische Werte oder Ansichten zu verteidigen oder für etwas mit ganzem Herzen zu kämpfen. Seine Beweggründe bei Handlungen sind meist nie so ganz klar, manche fragen sich ob er überhaupt irgendein moralisches Empfinden hat oder aus welchen Gründen er seine Aufträge ausführt. So ist auch bei der Adamant-Mission vielen nicht so ganz klar warum er das tut. Auch wenn er als lediglich ausführendes Organ machtvoller Personen erscheinen mag, würde er sich niemals von jemandem ausnutzen oder für dessen Zwecke benutzen lassen. Er ist eher ein Einzelgänger, was jedoch nicht heißt, dass er nicht kooperationsfähig ist, betrachtet keinen als einen Freund und scheint auch niemandem zu vertrauen. Dennoch steht er für seine Gefährten ein und kommt ihnen zu Hilfe, in Gefahrensituationen ist auf ihn Verlass. Ansonsten ist er im Kampf gnadenlos.
Äußerliches:dunkle, braune, Haare - knapp bis zu den Schultern gehend, zerzaust, dunkle Augen, ca. 1,80 cm groß, schlank, eher unauffällig wirkend, schwarze Kleidung aus bequemem, festen Stoff kombiniert mit einigen Rüstungselementen, gegebenenfalls Reiseumhang tragend
Geschichtliches: Wolf wuchs in einem abgelegenen Dorf in Killmar in der Falar-Gebirgskette und somit nahe der Grenze zum Großreich Adamant auf. Als es dort eines Tages zu Handelskonflikten, gegenseitigen Vorwürfen und daraus resultierenden Auseinandersetzungen zwischen Händlern, Handelsvertretern und Minenbetreibern der beiden Großreiche Killmar und Adamant kam, welche schließlich auch mit Waffengewalt ausgetragen wurden, führte dies letztlich zur Zerstörung von Minen in Adamant und Dörfern in Killmar, worunter sich auch das Dorf von Wolf befand. Für Wolf war die Vernichtung seiner Freunde und Familie ein Trauma und er gehörte zu den wenigen aus dem Dorf, die die Zerstörung mehr oder weniger durch Glück überlebten. Bei dem Versuch seinen schwer verletzten jüngeren Bruder in ein entfernteres Nachbardorf zu bringen, um Hilfe für ihn und die wenigen Überlebenden seines Dorf zu holen, verstarb dieser jedoch und wurde von Wolf noch vor Ort begraben. Diese Ereignisse, das qualvolle Leiden seines Bruders und dessen Verlust prägten ihn und erweckten ein tief sitzendes Gefühl des Hasses. So verwendete er seine ganzen, zukünftigen Jahre darauf Adamant in jeder nur erdenklichen Weise zu schaden und sein Leben der Rache hinzugeben. Der Konflikt war mittlerweile gelöst, die damalig Verantwortlichen in Adamant zur Verantwortung gezogen, doch das störte die davon nachhaltig Betroffenen, die sich mittlerweile zusammengeschlossen hatten, wenig. Obwohl der Konflikt nun schon Jahre zurücklag, tötete Wolf unschuldige Menschen in Adamant, obgleich er mittlerweile selbst an seinem Handeln und seiner Motive zu zweifeln begann. Er versuchte sich an ein Ziel, eine Aufgabe zu klammern.
Doch dann geschah ein wichtiges Ereignis, welches Wolf sehr beeinflusste und seine Ansichten veränderte. Er gab alles, wofür er bisher gekämpft hatte, seine Chance auf Rache, auf und verschwand. Das nächste Mal, das er gesehen worden war, war einige Zeit später in einem Dorf in Adamant, welches einige Geheimnisse zu beherbergen scheint. Auch dort muss sich etwas zugetragen haben, man erzählt von einem Kampf, der nichts mit den königlichen Streitmächten zu tun hatte, doch die Zeugen des Dorfes schweigen bis heute und die Geschichte geriet in Vergessenheit.
Seit diesem Geschehnis jedoch ward Wolf lange Zeit nie wieder gesehen, er schien abgetaucht zu sein. Fest steht nur, dass er in den verschiedensten Organisationen, Gruppen, Gemeinschaften, Banden, sogar einigen Clans und Orden gewesen sein bzw. für sie gearbeitet haben soll, die meisten geheim, die wenigsten bekannt und fast alle nicht wirklich relevant für die Mächtigen dieser Welt oder eine ernsthafte Bedrohung darstellend. Trotzdem ist nicht viel bekannt über Wolfs Vergangenheit, außer dass er in vielen und den verschiedensten Aufträgen handelte. Motive, Richtlinien, Dinge, an die er glaubte, sich orientierte oder von denen er überzeugt war, schienen keine große Rolle gespielt zu haben. Nur eines ist bemerkenswert: Egal, in wessen Aufträgen er handelte und aus was deren Erfüllung bestanden, sie richteten sich niemals gegen direkt Adamant.
Zudem tauchte er zu Beginn der Probleme mit dem Thronfolger Killmars, Prinz Galliard, immer mehr aus seiner „Verschwundenheit“ auf und erwies sich in zwei Kämpfen an der Grenze in der Falar-Gebirgskette gegen Galliards feindliche Truppen als äußerst fähiger und zuverlässiger Kämpfer, obwohl Adamants Truppen letztlich geschlagen und aus der Falar-Gebirgskette zurückgedrängt wurden.

/- dada1981 -\
Name: Khalndrar
Alter: ~35
Geschlecht: Männlich
Rasse: Mensch
Klasse bzw. Beruf: Krieger/Bogner
Waffe: Kurzschwert - Langbogen
Magie: Nein
Rüstung: Starke Lederkluft
Stärken: Gute Geschicklichkeit, guter Umgang mit Bogen, auch für den Nahkampf zu gebrauchen
Schwächen: Etwas kleiner als ein normaler Mensch, daher im Nahkampf nicht so gut dabei, aber trotzdem nicht zu unterschätzen
Beschreibung: Khalndrar ist ein durchschnittlicher Krieger, der seinen Gefährten lieber mit dem Bogen Rückendeckung leistet. Aber auch im Nahkampf ist er nicht zu unterschätzen.
Geschichtliches: Khalndrar stammt aus Minit, der Hauptstadt Adamants. Seit er angefangen hat, sich im Kampf zu üben, kämpft er auch im Heer des Königreichs. In seinem kurzen Leben ist er schon weit herumgekommen, jedoch nur selten in andere Königreiche.
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Mr Sulak
21.04.2008, 17:00
Die Mauer erstreckte sich, soweit das Auge reichte. Sie war aus robustem, grau-schwarzem Stein gebaut und mochte etwa dreißig Schritt hoch sein. Die Dicke konnte man nur erahnen, doch würde das Bollwerk bei einem Sturmangriff sicherlich gute Dienste leisten.
»Das ist also die Befestigung von Minit... nicht schlecht gebaut, für Menschen.«
Rômo, dessen Hand bis eben noch das raue Gestein berührt hatte, trat ein wenig zurück und blickte prüfend in die Höhe, bevor er sich mit einem zufriedenen Brummen wieder dem Tor zuwandte. Es klaffte in der Mauer wie das Maul eines Ungeheuers, welches unentwegt einen Karren nach dem anderen fraß und zugleich etliche wieder ausspuckte. Das Fallgitter, welches hochgezogen war und über dem Kopf des Zwergs unheilvoll verharrte, bildete die Zahnreihe, bereit zum Beißen und Zermalmen des Feindes.
Kaum hatte der Krieger aus dem kleinen Volk das Gitter passiert, als zwischen den vielen Bauern und Tagelöhnern, die derzeit mit und ohne Gepäck unterwegs waren, ein gerüsteter Mensch auf ihn zu kam. Ein Arm steckte in den Schlaufen eines Rundschild, die andere Hand ruhte auf dem Knauf des Schwertes, das an der Seite hing. Das Kettenhemd, welches er trug, schepperte bei jedem Schritt leise und hätte ihn schon von weitem verraten, wäre der Lärm der vorbeiwalzenden Menge nicht gewesen.
Schließlich hatte sich der Mensch zwischen den vielen anderen hindurch gedrängt und baute sich nun mit einer hochgezogenen Augenbraue und eindeutig misstrauischem Blick vor ihm auf. Sein anscheinend gekämmtes, blondes Haar wippte sanft auf und ab, als er sich wie zum Spott ein wenig hinunter beugte und fragte: »Was treibt Euch nach Minit, kleiner Mann, und was sucht Ihr hier?«
Rômo erwiderte mit einem gewissen Maß an Empörung und auch Häme: »Zuerst einmal könnt Ihr Eure Hand von diesem putzigen Zahnstocher da tun. Er würde Euch ohnehin nichts bringen.« Er deutete auf die Klinge, auf der nach wie vor die Hand des Gerüsteten ruhte. Dieser blickte ungläubig auf seine Waffe und wollte eben etwas erwidern, als der Zwerg fortfuhr. »Und dann sollte ein einfacher Gardist, wie Ihr einer zu sein scheint, nicht solche großen Töne gegenüber Fremden spucken! Ich bin auf Geheiß Eures Königs hierher gekommen!« Um seine Worte zu unterstreichen, griff der Sprechende zu seiner Umhängetasche und zog eine Schriftrolle heraus, rollte diese aus und hielt sie so nahe wie nur möglich unter die Nase seines Gegenübers.
Dieser verharrte einen Moment lang in Stille, während der seine Augen über die geschwungenen Buchstaben huschten, bevor sie das Siegel des Königs von Adamant sahen und immer größer wurden. Kaum dass er zu Ende gelesen hatte, verbeugte sich der Mensch leicht und murmelte leise: »Verzeiht vielmals, kleiner Mann, ich -«
»Ich bin kein kleiner Mann, ich bin ein Zwerg.« Mit einem breiten Grinsen hinter dem buschigen Bart rollte Rômo die Rolle wieder ein und verstaute sie dort, wo er sie hervorgezogen hatte.
»Ähm... ja. Verzeiht vielmals, Herr Zwerg, ich bin untröstlich über dieses... dieses Missverständnis.« Der Mensch lächelte unsicher, und als er die gütig dreinblickenden Augen des kleinen Kriegers erkannte, atmete er erleichtert aus. »Ihr müsst verstehen, im Krieg könnte jedermann ein Spion sein. Und die Zwerge leben sehr nah am Land des Feindes -«
»Ich verstehe schon, es bedarf nicht noch mehr der Worte.« Der Krieger brummte leise und musterte den Menschen ein letztes Mal mit scharfem Blick, bevor er seine eigene Hand auf den Kopf des Beils legte, welches in seinem Gürtel steckte. »Könnt Ihr mir wohl sagen, wie ich zum Palast des Königs komme?«
»Oh, das ist einfach. Praktisch alle Straßen von Minit führen zum Palast. Wenn Ihr dieser hier folgt, kommt Ihr direkt dorthin.«
Ohne ein weiteres Wort zu erwidern, drückte sich der Zwerg an seinem Gegenüber vorbei und lies sich von dem Strom der Menschen mitziehen, die allesamt in die gleiche Richtung zu gehen schienen. Beinahe sofort wurde er von der Menge verschluckt und verschwand aus dem Sichtfeld des Gerüsteten.
Die Zwerge und Spione für den Feind... was denkt sich dieser Frischling überhaupt?! Rômos Laune war tief gesunken. So ein Vertrauen legt man also meinem Volk gegenüber zutage. Das kann ja heiter werden...
Während er seinen Blick schweifen lies und die Häuser betrachtete, die ausnahmslos aus dem gleichen Stein wie die Mauer gebaut waren und meist Dächer aus Ziegeln besaßen, wurde ihm bewusst, wie viele Blicke er auf sich zog. Fast jeder Passant, der an ihm vorbei kam, schaute ihn verstohlen an, manche zeigten sogar mit dem Finger auf ihn.
Was denn, haben die allesamt noch keinen Zwergen gesehen?! Der Krieger aus dem kleinen Volk hatte genug und drängte sich, so schnell er nur konnte, zwischen den Beinen der Umherwanderten hindurch. Es dauerte eine lange Zeit, während der er noch weiter begafft wurde, bis er endlich das Ziel seiner Reise erreicht hatte. Mit einem Mal verschwanden die Häuser, welche bisher die Straße gesäumt hatten. Vor Rômo erstreckte sich ein gewaltiger, gepflasterter Platz, in dessen Mitte ein strahlend weißes, von Mauern umgebendes Gebäude stand. Vier Türme, auf denen unzählige Bogen- und Armbrustschützen Unterkunft finden mochten, reckten sich an den Ecken des Palastes in die Höhe. Die Residenz des Königs selbst wies zahllose Fenster auf, und in der Mitte schien eine wie das Gebäude selbst quadratische Öffnung zu bestehen, denn Vögel flogen stetig von dort auf und nieder. Die ebenfalls aus weißem Stein geschaffene Mauer stand jener, welche die Stadt schützte, in Nichts nach. Auf dem Platz selbst waren allerlei Stände aufgebaut, Händler priesen lautstark ihre Ware an, Bettler standen überall und baten um Almosen, und Taschendiebe pflückten den einen oder anderen, unvorsichtig gehorteten Geldbeutel vom Gürtel des Besitzers.
Erfreut darüber, endlich angekommen zu sein, beschleunigte Rômo erneut seine Schritte und pflügte durch die Menschenmenge, die ihm im Weg stand. Von der Mauer hielten die Stände und auch die Leute respektvoll Abstand, so dass der Zwerg bald wieder auf dem freien Platz stand und dem von riesigen Pforten verschlossene Tor entgegen schritt.
Schon auf dem Weg dorthin wurde er von den Wachen entdeckt, und als er dort ankam, trat ihm ein Mensch entgegen. Dieser war in einem prunkvollen Brustpanzer gekleidet, der von einer Panzerhose und einem Vollhelm, unter dem man nur noch den Mund und die Augen erkennen konnte, komplettiert wurde. Das Eckschild, welches er trug, schien von gutem Material zu sein, und ein Langschwert steckte in seiner Scheide. Anders als der Wächter von vorher lächelte dieser jedoch freundlich, als er fragte: »Seid gegrüßt, Krieger. Was habt Ihr für einen Grund, so nahe an den Palast unseres Herrschers heran zu treten?«
»Mein Klan erhielt eine Botschaft, nach der wir unseren besten Kämpfer zu Euch schicken sollten. Und hier stehe ich!« Rômo konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, während er seinem Gegenüber die inzwischen wieder entpackte Schriftrolle überreichte. Dieser überflog kurz deren Inhalt und nickte dann zufrieden. »Sehr gut. Dürfte ich Euren Namen erfahren, Herr Zwerg?«
»Ich bin Rômo Erdhand vom Klan der Erdhände.« Rômo streckte dem Menschen seine Hand entgegen. Dieser ergriff sie mit einem leichten Lächeln auf den Lippen am Handgelenk und reichte ihm dann die Schriftrolle zurück. »Ihr seid, so glaube ich, der Erste von jenen, die wir noch erwarten. Doch kommt bitte mit, ich erkläre es Euch auf dem Weg zum Palast.«
Der Krieger, der eben schon seinen Mund geöffnet hatte, schloss ihn mit einem enttäuschten Blick wieder und folgte stattdessen seinem neuen Führer, der auf das Tor zuschritt und drei mal gegen eine eingelassene Tür klopfte. Beinahe sofort ertönte ein leises Kratzen und Quietschen, als ein Guckloch geöffnet wurde, welches gleich darauf wieder zuknallte. Dann wurde die kleine Pforte geöffnet und lies die beiden hindurch treten.
Als Rômo sich auf der anderen Seite befand, erkannte er den sanft abfallenden Hügel, auf dem der Palast stand und der von prachtvollen Pflanzen geradezu überwuchert war. Ein gewundener Weg führte zur Eingangspforte des Gebäudes. Nach einem kurzen Marsch waren sie dort angekommen, und der Kämpfer aus dem kleinen Volke passierte die aufmerksam dreinblickenden Wachen, welche das hohe Tor bewachten. Sie betraten eine Halle, die von Wandteppichen und Gemälden geschmückt wurde, die berühmte Heldentaten oder Herrscher zeigten. Direkt vor ihnen, in vielleicht fünfzig Schritt Entfernung, führte eine Treppe in die Höhe. Der bisherige Führer des Zwergen deutete darauf. »Dort müsst Ihr hinauf. Geht dann durch die erste Tür links in den Warteraum. Man wird Euch alsbald holen und dem König vorführen.«
Mit einer angedeuteten Verbeugung erwiderte der Zwerg: »Habt vielen Dank«, bevor er sich in die angegebene Richtung aufmachte. Kaum hatte er die Treppe bezwungen, als er sich in einem breiten Gang wiederfand. Säulen säumten ihn, und an seinem Ende waren erneut zwei Wachen abgestellt, die eine prunkvoll mit Gold, Silber und Adamant verzierte Holzpforte bewachten. Durch eine Vielzahl eingelassener Fenster strömte Sonnenlicht herein und erhellte den Korridor.
Rômo kümmerte sich allerdings nicht um sie, sondern wandte sich augenblicklich nach links und trat durch die einzige Tür, die es zu geben schien, und schloss sie, nachdem er eingetreten war.
Ein Kamin war in der Mauer eingelassen, daneben ruhte ein kleiner Holzstoß. Zwar fand sich in ihm Ruß, doch kein offenes Feuer, was den Zwergen jedoch nicht weiter verwunderte. Das Wetter war warm und trocken, man benötigte keine Flammen zum Erwärmen der kalt gewordenen Glieder. Auch hier strahlte die Sonne herein und beleuchtete so die weißen Wände, wogegen der Fußboden mit einem weichen Teppich ausgelegt worden war. Ein auf Hochglanz polierter Tisch sowie einige von Meisterhand geschnitzten Stühle standen in der Mitte des Zimmers. Einen Moment lang zögerte er, dann trat Rômo an einen heran und begutachtete ihn mit einem skeptischen Blick, der sich jedoch gleich darauf in einen erfreuten verwandelte. Schau einer an, sogar Kissen haben sie ausgelegt... Zufrieden brummend kletterte der Zwerg auf den Sitz und lies sich mit einem wohligen Seufzer darauf nieder.
Der Türknauf quietschte leise, als er umgedreht wurde.
Nur einen Moment später stand Rômo schon wieder auf dem Boden und wandte sich mit zu Schlitzen verengten Augen und einer Hand auf dem Axtkopf der Tür zu, die gerade aufgestoßen wurde.

Nendaloce
21.04.2008, 21:54
Durch die halb geöffnete Tür betrat ein Wesen den Raum, das sicherlich kein Mensch war. Sie war relativ groß und schmal gebaut, außerdem hatte sich eine Haarsträhne aus ihrem Zopf gelöst die nun ihre spitzen Ohren umspielte. Alieth von Nenydin trat ruhig, wie es ihre Art war, in den Raum hinein und schloss die Tür hinter sich so leise, dass es für die Ohren eines Menschen kaum wahrnehmbar gewesen wäre.
Mit einem leicht unsicheren Lächeln auf den Lippen, jedoch ohne ein Wort zu sagen, durchquerte sie das Zimmer und ging an dem Zwerg vorbei auf eine der Sitzgelegenheiten zu.
Man konnte ihr ansehen, dass sie von der langen Reise erschöpft war, denn durch die Unruhen im Land wurde das Leben eines Waldläufers immer schwieriger, den man musste ständig vor Räubern oder anderem Gesinde auf der Hut sein.
Vorsichtig nahm sie den Langbogen und den Köcher von ihrer Schulter und legte auch das Schwert, das an ihrem Gürtel befestigt war ab. Dann setzte sie sich und musterte den Zwerg, der noch immer in der Zimmermitte stand.
Der scheint wenigstens ganz nett zu sein! , dachte sie bei sich, wenigstens hat er bis jetzt noch nichts geredet und mich nicht mit Fragen überschüttet, so wie es die meisten Menschen zutun pflegen. In diesen Palast zu kommen war schwieriger als die ganze Reise. Überall sind Leute, die mit dir reden wollen und wissen wollen was denn ein ELF in der Hauptstadt macht. Waren das noch Zeiten, als Elfen hier gern gesehen waren und die Stadt vor allem noch nicht SO groß war, und ich habe wahrlich noch kein hohes Alter, für einen Elfen jedenfalls. Als ich durch die Straßen gegangen bin hat mich wirklich jeder angeschaut, ich bin mir vorgekommen wie durchleuchtet. Ich mag große Städte einfach nicht, da kommt man ich immer so beobachtet vor und so viele Menschen…
Alieth war völlig in Gedanken versunken, bis sie durch ein leises Räuspern wieder in die Realität zurückgebracht wurde. Der Zwerg hatte seine Axt mittlerweile gesenkt und schaute nun seinerseits auf die Elfe, die da, immer noch leicht durcheinander, im Zimmer saß.
„Oh! Entschuldigung!“ meinte Alieth, die ihre guten Manieren trotz der Stadt und dem Getümmel auf den Straßen, die sie sichtlich verwirrt hatten, doch noch nicht ganz vergessen hatte.
„Ich bin Alieth von Nenydin und kam Auf Grund einer Bitte des Königs an mein Volk, sie mögen doch ihren besten Waldläufer auf schnellstem Wege in die Hauptstadt schicken.“
Als ihre, für ihr Volk untypisch dunkle und weiche Stimme verklungen war, war es wieder ganz still im Raum und man hörte nur weit entfernt die Geräusche von den Straßen.
Der Raum hatte ein Fenster das in einen wunderschönen Innenhof hinausging, die samtigen Vorhänge waren geöffnet und langsam erholte sich Alieth von dem Rummel in der Stadt. Die Ruhe und die frische Luft die der Wind durch das Fenster herein brachte schienen ihr gut zu tun und inzwischen schaffte sie es auch schon wieder ihre Gedanken zu Ordnen.
Ja der Zwerg war eindeutig nach ihrem Geschmack. Ja sie konnte sich vorstellen mit ihm zusammen zu arbeiten. Aber wie wohl die Anderen sein werden.
Gerade als der Zwerg zu einer Antwort ansetzen wollte, drang, wie auf ein Stichwort hin, leises Fußgetrappel an ihr Ohr, das immer lauter wurde.
Alieth wandte ihren Blick gespannt zur Tür und griff nach ihrer Waffe, die sie neben sich gelegt hatte, der Zwerg tat es ihr gleich, und so warteten sie, wer denn wohl als nächstes durch die Tür kommen würde.
Und da öffnete sie sich auch schon mit lautem Gepolter.

Dada
22.04.2008, 19:09
Khalndrar betrat die Stadt Minit. Er ging langsam durch die überfüllten Straßen in Richtung Palast. Das hohe Gebäude erstreckte sich hoch in die Wolken. Jedoch lag es am anderen Ende der Stadt. Die beiden Wachen, die ihn begleiteten, bahnten sich einen WEg durch die Menge. Er beugte sich zu beiden und murmelte ihnen etwas zu. Sekunden später waren sie in der Menge verschwunden. Er ging einen Schritt langsamer. Seine Größe machte es ihm fast unmöglich, auszumachen, wie wet sich die Menschenmenge erstreckte. Er überlegte, ob er sich etwas Aufmerksamkeit verschaffen sollte und ließ die Hand zum Schwert sinken. Jedoch überlegte er es sich anders. Er hatte keine Lust, wegen seiner Ungeduld im Kerker des Palastes zu verschimmeln. Stattdessen bewegte er sich nach rechts und erklomm das nächste Haus.

Nach wenigen Minuten war er dem Palast um einiges näher gekommen. Nun wirkte das Gebäude noch größer. Obwohl er nun schon seit zwanzig Zyklen im Heer von Adamant diente, erstautne es ihn immer wieder, wenn er die Hauptstadt seines Heimatlandes betrat.
Langsam begann er sich Gedanken zu machen, warum man ihn in den Palast geordert hatte. Ob es etwas mit seinen Führungsqualitäten zu tun hatte? Ihm wurde kalt. War er nicht gut genug? Hatte er es vermasselt? Vor etwa einem Monat war er befördert worden. Seitdem hatte er die Kontrolle über einen kleinen Trupp. Die beiden Männer, die ihn vorhin verlasssen hatten, waren ihm am treusten ergeben. Sie würden ihm wahrscheinlich überallhin folgen. Aber er beschloss sich erstmal keine Gedanken darüber zu machen. Schließlich hatte er nichts zu befürchten. Mit gestärktem Mut begann er den Abstieg von den Dächern.

Die große Eichentüre öffnete sich. Khalndrar betrat den großen Gang, der ins tiefe Innere des Palastes führte. Noch einmal griff er in seine Tasche und lies sichd en Brief noch einmal durch. Im Brief hieß es, er solle sich in einen eigens für diese "Besprechung" eingerichteten Raum begeben. Dummerweise lag dieser am anderen Ende des Palastes. Leicht murrend machte er sich auf den Weg, diesmal einen Schritt schneller, er rannte fast.
Nun war es nicht mehr weit. Die Tür lag am Ende des Ganges. Er öffnete die Tür. Kaum war sie offen, legten ein Zwerg und eine Elfe ihre Waffen auf ihn an. Er riß die Hände hoch: Nicht! Mein Name ist Khalndrar, ich bin Hauptmann im Heer von Adamant. Ich weiß nicht, warum wir hier sind, aber ich bin euch nicht feindlich gesinnt. Beide nahmen die Waffen runter. Die Elfe sah im Halbdunkeln unheimlich, ja fast schon unreal aus. Jedoch machte er sich darüber erstmal keine Gedanken. Er nahm die Hände runter. Es war für ihn etwas unheimlich. Der Zwerg ging ihm fas bis zur Brust, die Elfe hätte mit ihrem Kinn seine Haare kitzeln können. Also, warum sind wir hier?, fragte er und sah gespannt in die Runde. Beide sahen ihn halb unwissend an. Die Elfe ergriff als Erste das Wort: Nun, mein Name ist Alieth von Nenydin. Auf die Bitte Eures Königs kam ich her. Warum... Gute Frage. Sie blickte nun den Zwerg an. Auch Khalndrar wandte den Blick. Der Zwerg wollte gerade etwas erwidern, da öffnete sich bereits ein weiteres mal die Türe.

Wolf's Rain
23.04.2008, 20:54
Leise, bedachte, aber dennoch zielstrebige Schritten hallten von den Wänden wider, als er den Gang durchquerte, mit umherschweifendem Blick, der jedoch immer wieder nach vorn in die Richtung wanderte, in die er ging. Während er dort schweigend und angespannt über den Steinboden schritt, hatte er ein wenig das Antlitz eines Wolfes, der an einem unbekannten Ort auf der Suche nach etwas war, das er selbst nicht so genau kannte. Ständig auf der Hut, bereit sich zu verteidigen, falls erforderlich, fähig zum Angriff, sollte er es für nötig halten und stets auf alles gefasst. Er versuchte alles um sich herum wahrzunehmen, damit ihm auch ja nichts entging was eventuell wichtig sein könnte. Noch nie zuvor war er in der Festung Adamants gewesen, und er fragte sich, ob es richtig war dort zu sein, doch aus irgendeinem Grund hatte die Aufgabe sein Interesse geweckt. Er wollte zumindest sehen, was ihn erwartete, denn in diesem Fall handelte es sich um eine Art von Aufgabe wie er sie noch nie zuvor in irgendeiner Weise ausgeführt hatte, noch nie wurde er von einer der Großmächte zu irgendetwas gebraucht, in so fern war diese Einladung schon etwas Besonderes.. Der König persönlich hatte ihn vorgeladen und somit seine Fähigkeiten erkannt, obwohl er sich eher selten auffällig verhalten hatte, da er lieber im Verborgenen blieb. Außerdem…, erinnerte er sich, gab es Menschen aus seinem früheren Leben, denen er schon immer etwas hatte zurückgeben wollen und jetzt war eine, vielleicht sogar einmalige, Gelegenheit dazu gekommen. Schließlich blieb er stehen als er vor sich zwei Wachen erblickten, welche anscheinend die verzierte, glänzende Pforte am Ende des Korridors bewachten. Dem Anschein nach, den sie in ihm erweckte, schien sie jedoch viel zu prachtvoll und imposant als dass sich dahinter der in dem Schreiben angegebene Treffpunkt befinden konnte zumal ihm die Wache von vorhin gesagt hatte es handele sich um eine Holztür auf der linken Seite. Dennoch verharrte er einen Augenblick lang und ließ den mit Säulen gesäumten Gang auf sich wirken ebenso wie er fast schon ein wenig andächtig die glänzende Pforte, die aufgrund des Sonnenlichts, welches durch die vielen aneinandergereihten Fenster hereinfiel, nur umso eindrucksvoller wirkte, betrachtete. Dann wandte er sich ab und erblickte auf der linken Seite in einiger Entfernung eine Tür, die auf die Beschreibung der Wache passte. Wie ihm jetzt auffiel war es die einzige, die es dort zu geben schien, sie wirkte fast schon ein wenig verloren in dem langen, weiten Gang und schien in der Pracht des Goldes, Silber und Adamants unterzugehen. Schließlich öffnete er die Türe und trat ein.


Wolf wirkte trotz seiner eher schmächtigen Statur und seiner unauffälligen Erscheinung in gewisser Weise ein wenig unheimlich. Das lag wahrscheinlich an seinen ausdruckslosen Augen und ihrem berechnenden Blick und seinem Gesicht, dessen Züge man stets nur schwer deuten konnte, vielleicht auch weil er nicht allzu oft Gefühlsregungen zeigte. Seine dunklen, braunen Haare ragten wie eine zottelige Mähne in seinen Nacken und einige Strähnen vielen ihm ins Gesicht, während er den Blick umherschweifen ließ und seine Umgebung eingehend betrachtete. Wärmende Sonnenstrahlen erhellten die weißen Wände. Dann fiel sein Blick auf die drei Gestalten vor ihm, allesamt mit gezückten Waffen und ein wenig unsicher dreinblickend als was sie ihn nun einschätzen sollten. Wortlos zog er aus dem Innern seines schwarzen Reiseumhangs eine Schriftrolle heraus und zeigte sie den anderen, die sich daraufhin wieder entspannten und ihre Waffen, wenn auch nur teilweise und zögerlich, verschwinden ließen.

Sie alle standen an einem Tisch um welchen Stühle aneinandergereiht waren. Ein Zwerg, eine Elfe und ein Krieger – eine interessante Kombination wie er feststellte. Keiner der Anwesenden machte irgendwelche Anstalten sich zu setzen, anscheinend warteten sie auf eine Begrüßung. Wolf nickte den dreien zu und legte erst einmal seinen Umhang, der seine Gestalt bis zu diesem Zeitpunkt umhüllt hatte, ab. Darunter kam eine schwarze Kleidung bestehend aus Hose und einem relativ eng anliegendem Obergewand zu Tage, die an einigen Stellen mit eingearbeiteten, schützenden Rüstungsplatten versehen waren, zudem trug er festgeschnallte Arm- und Beinschienen. An seinem Gürtel baumelte von der rechten Seite ein Kurzschwert, dass in einer metallenen, mit Ornamenten verzierten Scheide steckte. Ein wenig außergewöhnlich waren die drei kurzen Klingen an seinen Händen, jeweils drei auf jedem Handrücken, welche mittels einer Konstruktion an einer Metallschiene befestigt waren, sodass er sie anscheinend mit einer Bewegung seiner Hand ausfahren konnte. Alsdann er genug gesehen und beobachtet hatte, wandte er sich an die drei Gestalten:

„Ich bin Wolf und kam einer Bitte des Königs von Adamant nach hier zu einem Treffen zu erscheinen. Ich weiß nicht genau worum es geht, ich nehme an um irgendeine Aufgabe, jedenfalls scheint es etwas Wichtiges zu sein, aber wie ich sehe bin ich nicht der einzige, der das Schreiben erhalten hat. Scheint so, als wäret ihr die anderen von denen in der Einladung die Rede war. Wisst ihr etwas Genaueres?“ Die Elfe war die erste, die ihm antwortete: „Ich bin Alieth von Nenydin und ebenfalls auf Bitten des Königs hier. In dem Schreiben stand, mein Volk möge doch ihren besten Waldläufer nach Minit schicken. Nun ja, uns ist leider auch gegenwärtig nichts Genaueres bekannt warum wir hier sind, das werden wir wohl hoffentlich bald erfahren.“ Nun meldete sich der Zwerg, welcher mittlerweile nun auch als Letzter seine Waffe weggesteckt hatte, zu Wort, wenn auch eher widerwillig und schwer verständlich. Er betrachtete den Neuling mit immer noch ein wenig grimmigen Augen und brummte etwas in seinen Bart hinein, das sich anhörte wie „Mein Name ist Rômo Erdhand", und "Klan der Erdhände“, aber ganz sicher war Wolf sich da nicht. „Khalndrar, ich bin Hauptmann im Heer von Adamant“, stellte sich nun der Dritte im Bund vor. Nach einer kurzen Pause fügte er hinzu: „Wir alle kommen von irgendwo her und sind in irgendeinem Arbeitsgebiet tätig. Rômo ist ein Krieger von einem Zwergenklan, Alieth stammt aus einer Elfenfamilie und ist ausgebildete Waldläuferin und ich komme aus Minit selbst und kämpfe als Hauptmann im Heer von Adamant. Nur aus Interesse, aber woher kommst du und in welchem Beruf bist du tätig?“ Der Angesprochene schwieg einen Augenblick und sagte dann nur: „Ich habe so gesehen keinen richtigen, festen Beruf sowie keine wirkliche Heimat. Fest steht, ich bin hier zusammen mit euch, hier in diesem Raum.“ „Außerdem scheint immer noch einer von uns zu fehlen“, stellte Alieth fest.

Wie aufs Stichwort näherten sich draußen auf dem Gang aus der Ferne Geräusche, jedoch handelte es sich der Lautstärke nach zu urteilen nicht um lediglich ein paar Fußgetrappel. Ein mordsmäßiger Krach drang zu ihnen her und setzte sie alle in sofortige Alarmbereitschaft. Rômo legte augenblicklich wieder eine Hand auf seinen Axtkopf und auch Alieth und Khalndrar zückten ihre Schwerter. Wolf ließ mit einer reflexartigen, kaum merklichen, fließenden Handbewegung die Klingen an seiner linken Hand herausschnappen und fixierte die Tür. Der ohrenbetäubende Lärm wurde lauter und schien sich immer mehr Richtung Tür zu bewegen, laute, ungestüme Brüllereien waren zu hören. Die vier Gestalten sahen sich mit teils hochgezogenen Augenbrauen, fragend und unsicher an und ihre Anspannung stieg, während draußen irgendjemand tobte. Es klirrte und schepperte mehrfach heftig auf dem Steinuntergrund und hatte fast den Anschein als würde der ganze Boden ein wenig vibrieren, Kettengerassel ertönte. Es klang ganz so als ob jemand in Ketten den Gang entlang geschleift wurde, welche wahrscheinlich auch für die zu hörenden Geräusche verantwortlich waren, die fröhlich in das Gebrülle und Getobe mit einstimmten, und auch noch von zurechtweisenden und aufgebrachten Stimmen begleitet wurde, welche anscheinend versuchten der Situation Einhalt zu gebieten. Das schauerliche Stück endete jäh mit einem Knall als die Tür gewaltsam aufgestoßen wurde.

Hârkon
23.04.2008, 20:59
Hätte ihn das grelle Sonnenlicht, welches durch die Einlassungen in dem kalten Gemäuer des majestätisch ausgeschmückten Schlosses fiel, nicht derart geblendet und die faltigen Lider seines verbliebenen, rechten Auges dazu gezwungen, sich krampfhaft zusammenzukneifen und sein Sichtfeld auf einen schmalen Schlitz zu beschränken, hätte er seinem vermaledeiten Begleiter wohl das Genick gebrochen – so blieb es fürs erste bei einem schmerzenden Nacken, einem blauen Auge und einer blutenden Nase des Möchtegerns, der glaubte, nur durch seinen Waffenrock und das darunter gegürtete Kettenhemd eine autoritäre Stellung im Witzfiguren-Kabinett des adamantischen Staates inne zu haben.
Oh, wie er diese Spinner verabscheute ... Nicht, dass dies der einzige Grund dafür war, nein – was dem Braunhaarigen noch weniger gefiel, war die Tatsache, dass er es nicht nur mit albernen, sich auf ihre Stellung etwas einbildende Marionetten zu tun hatte, sondern mit unerfahrenen Jünglingen, die weder einmal einem der Freudenhäuser der ärmeren Stadtviertel einen Besuch abgestattet, noch als wirkliche Soldaten in einem Krieg, Mann gegen Mann, gestanden hatten.

Verweichlichte Bauernlümmel eben, wie es ihm durch den Kopf schoss. Die erste Respektlosigkeit, die man dem in schwere, eiserne Ketten gelegten Mann zuteil hatte werden lassen, hatte ihn schließlich – seinem eigenwilligen Ego entsprechend - dazu gezwungen, erst dem jungen Wachmann zu seiner Rechten die Leviten der Männlichkeit und des ‚Anstands’ zu lehren: So ungeschickt, wie sich dieser verhielt, nachdem man ihm durch mehrere hünenhafte, bewaffnete Gefängniswachen den Gesetzlosen übergeben und ihn anscheinend durch einige Bemerkungen vorgewarnt hatte, war es ein leichtes für den alten Veteranen gewesen, ihn aus dem Gleichgewicht zu stoßen, erst einen kräftigen Hieb in die Nieren, dann einen Schlag gegen dessen ‚glasknöcherne Nase’ – wie sie sich für die grobe Faust des Gesetzlosen anfühlte, zu schmettern. Die zweite Respektlosigkeit, die der Unbekannte im Folgenden anzufechten gedachte, bestand in den beiden zu Hilfe gerufenen, kaum älteren Männern. Das Gerangel, nein, die Prügelei, welche sich in Folge dessen auf dem erhellten Gang abgespielt und in einen unglaublichen Krach gemündet hatte, war nicht zuletzt die Ursache für einen zerschlissenen Wandteppich, eine vom kalten Gemäuer gerissenen Vorrichtung für eine Fackel, dem besagten blaue Auge, einem ausgerenkten Halswirbel, unangenehmen Magenschmerzen und einem zarten Veilchen, nebst einer nicht zu verachtenden kleinen Pfütze aus – der Nase – frisch entronnenem Blut gewesen. Dass die Jünglinge schließlich doch über den ‚dem Wahnsinn verfallenen Geächteten’, wie sie zu sagen pflegten, obsiegen konnte, hing dann schließlich nur damit zusammen, dass sie ihn mit aller Kraft gegen die nicht ferne Eichentür schleuderten und die Tür hastig mit einem großen Schlüssel absperrten.

Lautlos, aber nach nur kurzer Zeit erhob sich der Fremde, wischte sich mit dem verschmutzten, vernarbten Handrücken der rechten Hand über den Mund, ehe er eben diese in das Sichtfeld seines sich allmählich an das grelle Sonnenlicht gewöhnten Auges schob. Blut .... Tatsächlich hatten es diese Tölpel gewagt, ihm mit ihren Panzerhandschuhen über das Gesicht zu streichen und mit einer der wohl unsauber verarbeiteten Nieten die Lippe aufzuschrammen. Zwar waren es nur einige, wenige Tropfen, aber es war genug für ihn, um aus diesem Kampf als Verlierer hervorzugehen. Nachdem sich der offenbar Gesetzlose seine Hand an der verschmutzten, nach Kot und Urin stinkenden, leinernen Hose abgewischt und sich darüber versichert hatte, dass seine Augenklappe passend über dem verstümmelten, ehemaligen Organ lag, bemerkte er erst, dass er sich nicht allein in dem Raum befand, in den man ihn unweigerlich geworfen hatte. Es mochten wohl Jahre gewesen sein, die er in dem dunklen Kerker, weit unter der Garnison der hiesigen Stadtwache, zugebracht hatte. Eine genaue Zahl wusste er genauso wenig wie sein Alter, das er mittlerweile erreicht hatte.

Selbstsicher und unbekümmert ließ er den Blick durch den Raum schweifen – ein Blick genügte, um genügend Gründe für Distanz und Abstand zu den Anwesenden zu finden:
Ein Zwerg, kaum größer als ein Anderthalbhänder, der glaubte durch seine Axt, die er inständig und stolz am Kopf ergriffen hatte, genauso viel Ehrfurcht in ihm zu erzeugen wie die Tölpel, die es erst zu dritt zugebracht hatten, ihn in den Raum zu befördern; und nebenbei – wie der Neuankömmling bemerkte – seinen langen, traditionellen Bart als Tasche missbrauchte, indem er nämlich etliche Speisereste und andere unaussprechliche, unidentifizierbare Dinge darin mit sich trug. Ein schlimmes, viel zu stolzes Volk ... wegen dem Willen zum Kampf und ihrer bekanntlich Unnachgiebigkeit respektiert ...
Viel schlimmer jedoch die Anwesenheit einer Elfe, die der Mensch wohl mindestens genauso sehr verachtete wie die alten zwergischen Thaine. Wie sie ihn, den Finger wohl vor einer Sekunde um ihr langes Haar kräuselnd, ungläubig anschaute und sich schwer daran tat, den widerlichen Geruch, der vom Neuankömmling ausging, von ihrer Nase fernzuhalten, nachdem sie ihrerseits die gezückte Klinge in der entsprechenden Scheide verstaut hatte. Was konnte er denn dafür, dass er Jahre in einem vermoderten Kellergewölbe zugebracht hatte? Dass sie sich wohl mit dem Hereinplatzen des Menschen zunehmend unwohl fühlte, bemerkte der Gesetzlose erst beim zweiten Blick, den er nur durch die Runde warf, um einen gefüllten Korb mit diversen Früchten auf dem Tisch zu erhaschen.

Wiederum vollkommen unbekümmert von der Anwesenheit, den ungläubigen Blicken und teils noch gezogenen Waffen der anderen, trat der Hüne an den Tisch heran, schob die Elfe mitsamt ihrem Stuhl einige Zentimeter weit beiseite, um mit seinen schmutzigen Fingern einen der im Sonnenlicht gelb-rot schimmernden Apfel zu ergattern, heißhungrig zum Mund zu führen und ein paar große, ungezielte Bisse mit den Zähnen durch das saftige Fleisch zu vollziehen, zu schmatzen und dabei einige kleinere Apfelstücke auf die Haare der Elfe zu spucken, nur um die ansatzweise beknabberte Frucht dann sorglos auf den Tisch zu werfen und liegen zu lassen. Wie lange hatte er wohl keinen Apfel mehr gegessen? Egal, die Stücke, die er seinen trockenen Rachen geschlungen hatte, hatten ihm auf alle Fälle, selbst noch beim Bewusstsein, dass die ein oder andere Waffe auf ihn gerichtet war, geschmeckt ...

Während er sich umdrehte, sich mit dem Handrücken den klebrigen Saft von den Lippen wischte und einen lauten Rülpser ertönen ließ, wandte er sich erneut herum und begutachtete die beiden Menschen in der Runde, die ihn wohl ebenso misstrauisch musterten wie der Zwerg und die Elfe.
Der eine gefiel ihm eigentlich ganz gut; sein Auftreten war selbstbewusst, seine Rüstung wirkte gewählt und vielsprechend, trotz der Tatsache, dass sie kaum unter den schwarzen Kleidungsstücken zu erspähen war. Ein Mann, der weiß, was er tut und auf was er sich verlassen kann, dachte er sich insgeheim, während er die dunklen Haare und den schlanken Körperbau begutachtete.
Der andere missfiel dem Unbekannten. Der Gesetzlose musste nur die Insignie auf der Schulter des zweiten Menschen erblicken, um ihn zu einem kleinen Machtspielchen einzuladen ...

Es bedurfte keines weiteren Schrittes, um den etwas kleineren Mann zu provozieren – ein, vielleicht zwei Sekunden zum Zusammenziehen des Gaumens und dem Heraufbefördern einer grünlich schimmernden Substanz, die auf direktem Weg herausgeschleudert, einen kleinen Teil der dunklen Stiefeloberfläche bedeckten.

» Eure Stiefel sind dreckig, werter Hauptmann – unpassend und schmachvoll für diese so hochdekorierte Gesellschaft. Oder sehr Ihr Euch etwa dazu gezwungen, diese beiden Anderlinge damit zu beauftragen, die Stiefel für den Anblick für uns Menschen zu reinigen? «, entgegnete der Pöbelnde, der mit diesen Worten nicht nur den Hauptmann, sondern auch den Zwerg und die Elfe beleidigte und während seiner Worte gar herrschaftlich zu gestikulieren gedachte, um die gespuckten Phrasen fast ins Lächerliche zu verkehren. Warum war er überhaupt hier? Er hatte gemeint, dass man ihn endlich dem Strick zuführen wollte; aber stattdessen hatte man ihn in einen Raum mit einem Zwerg, einer Elfe, einem Hauptmann und einem einigermaßen auszuhaltenden, anderen Menschen gesteckt ... Fast schlimmer als jede Klinge, die Hals und Kopf voneinander trennt, Seele von Körper löst.

Dada
25.04.2008, 12:07
Die Türe schlug mit einem lauten Krachen auf. Die Gemeinschaft, mittlerweile zu Viert, zuckte zusammen. Ein Gefangener wurde von zwei Wachen in den Raum geworfen. Die Türe wurde sofort abgeschlossen. Der Gefangene stieg vom Boden auf und ging schnurstracks auf den großen Tisch zu und nahm sich einen Apfel. Er biss mehrmals herzhaft in die rote Frucht, wobei er die Elfe und den Zwerg mit unappetitlichen zart-rosafarbenen Fruchtfleischstückchen. Dabei blickte er sich im Raum um. Zwerg und Elfe überging er fast. An Wolf blieb sein Blick einige Sekunden hängen. Er schien ihm zu gefallen. Der Fremde wandte sich nun Khalndrar zu. Sein Blick wanderte sofort zu den beiden Insignien auf seinen Schultern. Er wirkte leicht verärgert. Plötzlich trat er einen Schritt auf den Hauptmann zu und spuckte ihm dabei auf die Stiefel. Anschließend ließ er noch eine Bemerkung darüber fallen.
Khalndrar kochte vor Wut, riss sich aber am Riemen. Er durfte den Gefangenen nicht verletzen.

Obwohl..., dachte er. Ruckartig riss er sein Messer aus der Halterung an seinem Gürtel und hielt es dem Übeltäter an den Hals. Beide traten einige Schritte nach hinten, bis sie an der Wand standen. Tut das nicht noch einmal!, raunte der Hauptmann. Der Gefangene brummte etwas unverständliches. Es hätte sowohl eine Zustimmung, als auch eine Ablehnung sein können. Die Klinge schnitt nun leicht ins Fleisch. Blut rann an Hals und Klinge hinab. Haben wir uns verstanden? Der Widerling lachte abfällig, als ihn die Klinge jedoch weiter den Hals aufschnitt, nickte er, wobei ihm die Klinge weiter ins Fleisch schnitt. Es schien ihm keine sonderlichen Schmerzen zu bereiten. Khalndrar wischte sein Messer am Hemd des Gefangenen ab, seinen Stiefel an der Hose. Er trat einen Schritt zurück und deutete noch einmal mit der Spitze auf den Fremden. Seid froh, dass Ihr mit uns in diesem Raum seid! Normalerweise hätte ich euch stehenden Fußes erschlagen. Nun wandte er sich wieder den anderen zu. Also, warum sind wir hier? Er blickte ein weiteres Mal in fragende Gesichter. Er rief eine Wache:
Wo ist unser König?
Im Thronsaal, Hauptmann!
Gut. Meldet fünf Besucher an. Die Wache folgte augenblicklich der Aufforderung. Schön. Wollen wir einmal sehen, warum wir hier sind. Er hielt der Elfe die Türe auf, der Zwerg folgte. Der unbekannte Gefangene ging an Khalndrar vorbei. Dieser griff ihm an den Gürtel und zog einen Dolch und zwei Wurfmesser hinaus. Die behalte ich lieber erst einmal...

Die ungleichen Gefährten betraten den Thronsaal. Die tiefblau glühende Abendsonne tauchte den Saal in ein merkwürdig, mystisches Licht. Gegenüber der Tür saß der König Adamants in seinem roten Gewand. Die Gruppe baute sich in einer Reihe vor ihm auf. Er wirkte leicht verdutzt. Der König wandte sich an Khalndrar. Nun, Hauptmann. Was beehrt Ihr mich zu so später Stunde?
Mein König, wir fünf wurden von Euch hierher gerufen, ohne zu wissen warum. Wir haben uns beleidigen lassen, und anderes. Jetzt möchten wir wissen, warum!
Der König beugte sich ein wenig vor. Wisst Ihr, in Adamant gibt es eine Legende. Ich möchte ihr auf den Grund gehen!

Nendaloce
26.04.2008, 12:40
Danach schwieg der König eine lange zeit und Alieth merkte, wie ihre Gefährten immer unruhiger wurden.
Vor allem von dem Fremden, der als letzter zu ihnen gestoßen war, ging eine innere Unruhe aus, die jener zwar geschickt überspielte, doch Alieths Augen nicht entging. Er muss schon viel miterlebt haben, dachte sich Alieth.

Da endlich räusperte sich der König und wollte gerade wieder zum Sprechen ansetzten, als plötzlich ein Stein durchs Fenster geflogen kam. Ein lautes krachen erschütterte die Halle und die Scheibe eines der schönen großen Fenster zerbarst in tausende und abertausende Teile. In den Splitten aber, die sich auf dem Boden gehäuft hatten, spiegelte sich die Sonne, sodass sie gleichsam wie ein Regenbogen schimmerten. In mitten dieser Pracht aber lag, groß und schwer, ein dunkelgrauer Stein.
Der König schreckte hoch, auf seiner Stirn traten Schweißperlen hervor und er erhob sich mit zitternden Händen von seinem Thron: „Folgt mir!“

Und so folgten sie ihm, durch lange dunkle Gänge und lichtdurchflutete Kammern, quer durch den Palast, durch Keller und Dachböden, Treppen hinauf und Treppen hinunter.
Alieth hatte schon fast die Orientierung verloren, als der König abrupt vor einer alten, dunkelbraunen und reichlich verzierten Holztür hielt.
Der König legte seine Hand an die Stelle, wo man eigentlich ein Schlüsselloch oder eine Türschnalle vermutet hätte und die Tür öffnete sich mit leisem quietschen.
Der Raum, der hinter dem aufschwingenden Tor lag war riesig und Alieth fühlte sich gleich heimisch.

Der Raum war, im Gegensatz zum restlichen Palast, eher Schlicht eingerichtet. In der Mitte stand ein großer verschnörkelter Tisch und rundherum waren Sessel aufgestellt, die mit den schönsten Holzschnitzereien geschmückt waren. Der Boden war aus festgestampfter Erde und es lagen keine Teppiche darauf. Das Seltsamste und in Alieths Augen das Schönste an dem Raum war aber das leicht grünliche Licht. Denn sie hatten, soviel war ihr inzwischen klar geworden, den Palast verlassen und waren in einem Raum gelandet, der ganz aus Bäumen gebaut war.

Erfreut atmete sie frische Luft ein, als der König sie alle an den Tisch bat.
„Ihr werdet euch jetzt sicher fragen, was das alles soll!“, leitete er ein „nun gut, ich werde es euch erklären, allerdings müsst ihr mir vorher eines versprechen…“

Mr Sulak
26.04.2008, 20:22
Am liebsten hätte Rômo schon längst den Rückweg angetreten. Zurück ins Falar-Gebirge, zurück in seine Heimat, zurück unter die Erde, wo er auch hingehörte. Stattdessen hatte er inzwischen die Bekanntschaft von vier Wesen gemacht, derer er zwei ganz und gar nicht leiden konnte: die Elfe mit ihrem Gesicht, dass nicht natürlich sein konnte, so hübsch sah es zumindest für Menschen aus, und der Hauptmann, der ihm geradezu überkandidelt vorkam und eindeutig viel auf sich hielt.
Dagegen brachte der Zwerg sogar dem ehemaligen Gefangenen mehr Sympathie entgegen, der, nach dem kurzen Gespräch mit dem König, nun diesem hinterher schlurfte und dabei viel in sich hinein zu brummen schien, auch wenn sich der kleine Krieger in dieser Angelegenheit nicht komplett sicher war. Selbst der andere Mensch, der sich mit dem Namen Wolf vorgestellt hatte, kam ihm vertrauenswürdiger vor als alle anderen. Doch das hieß noch lange nicht, dass er einem von ihnen auch vertraute.
Elfenpack, ein viel zu stolzer Anführer, ein Verbrecher und eine kleine Ratte ohne Heimat... worauf habe ich mich da nur eingelassen? Sein Gesicht verfinsterte sich, während Rômo eifrig hinter den anderen her trippelte. Seine kurzen Beine machten es ihm nicht eben leichter, mit dem Vorauseilenden Schritt zu halten, dennoch gelang es ihm. Seine Hand ruhte dabei stets auf dem Beil, wogegen die andere seine Umhängetasche fest hielt, damit sie nicht andauernd hin- und herhüpfte.
Immerhin scheint die Elfe nicht so zu sein wie die anderen, zumindest, was ihre Stimme angeht... aber sie ist genauso hochnäsig wie der Rest ihres eitlen Volkes.
Die Gruppe stoppte abrupt. Weiter vorne konnte der Zwerg erkennen, wie der in einem purpurnen Mantel gehüllte König mit einem einfachen Handauflegen eine hölzerne Tür öffnete. Einen Moment später verschwand er bereits in ihr, auch die Elfe und die drei Menschen folgten ihm. Rômo schritt schließlich als der letzte hindurch. Kaum stand er nicht mehr im Gang, als die Pforte wie durch Zauberhand zugeschlagen wurde. Einen Augenblick lang hatte der Krieger dabei einen unsichtbaren, auf seiner Haut kribbelnden Windhauch gespürt, ein weiteres Indiz dafür, dass tatsächlich Magie am Werke war.
Als er sich kurz umsah, erkannte der Zwerg die vielen Bäume, die eine Art lebendige Mauer bildeten. Sie mussten sich in der offenen Mitte des Palastes befinden. Die Sonne schien warm und gütig vom Himmel und in den Raum ohne Decke hinein. Vor ihnen standen ein meisterhaft geschnitzter Tisch und ebenso hervorragend bearbeitete Stühle, denen im Wartezimmer nicht unähnlich. Der König hatte sich bereits auf den Weg zu einem Sitzplatz gemacht, der einem Thron nachempfunden war, und bat zugleich seine Gäste, ebenfalls Platz zu nehmen. Rômo kam dieser Bitte eher schleppend nach: er wollte auf keinen Fall den Eindruck erwecken, als habe der Herrscher von Adamand jegliche Befehlsgewalt über ihn.
Als schließlich allesamt eine Sitzgelegenheit gefunden hatten, begann der König, erneut zu sprechen. "Ihr werdet Euch jetzt sicherlich fragen, was das alles soll! Nun gut, ich werde es Euch erklären, allerdings müsst ihr mir vorher eines versprechen."
Es herrschte eine kurze Kunstpause, bevor er fort fuhr: "Das, was Ihr nun hören werdet, ist nur für Eure Ohren bestimmt, und für keine anderen! Also verratet kein Wort an andere! Es könnte Euch teuer zu stehen kommen."
[i]Es könnte Euch teuer zu stehen kommen... will der alte Greis mir etwa Angst machen?" Mit einem belustigten Lächeln strich sich Rômo über den gewaltigen Bart. Der König deutete währenddessen die aufgekommene Stille scheinbar als Zustimmung, denn er lehnte sich mit einem leisen Seufzer ein wenig zurück und faltete bedächtig die Hände. "Wir Ihr allesamt sicherlich wisst, befindet sich mein Königreich im Krieg mit König Galliard II., der neue Herrscher von Killmar. Er hat starke Truppen aufgebaut, denen ich nicht viel entgegen zu setzen habe. Wir haben stets in Frieden gelebt, und ich unterstützte lieber das Volk anstatt des Militärs. Nun, wie dem auch sei: sie werden uns besiegen, über kurz oder lang. Und danach wird dieser raffgierige Gierschlund auch das Reich der Zwerge und der Elfen angreifen. Gegen seine Streitmacht kommt auch die härteste Axt und der beste Bogen nicht an. Allerdings... gäbe es da noch einen letzten Ausweg."
Der alte Mann setzte sich wieder aufrecht hin, wobei sein Umhang leise raschelte. Seine Miene wurde noch ernster, als sie ohnehin schon war, Sorgenfalten gruben sich in das vom Alter gezeichnete Gesicht. "Unsere einzige Hoffnung sind die Zauberer von Skig. Mit ihrer Hilfe und ihren magischen Kräften mag es uns vielleicht möglich sein, die Angreifer zurück zu drängen und ein Friedensabkommen auszuhandeln. Und dies", ein breites Lächeln erschien auf den Lippen des Herrschers, "ist genau die Stelle, an der ihr in Erscheinung tretet."
Erneut senkte sich Stille über das Zimmer, sah man von dem leisen Rascheln der Blätter im Wind und dem zeitweiligen Vogelgezwitscher ab, das ab und an erschallte.
Rômo hörte auf, seinen Bart in eine rechte Form zu bringen, und kletterte stattdessen auf den Stuhl, um ungehindert über den Tischrand und in die Augen des Königs schauen zu können. Seine Hand ruhte nach wie vor auf dem Kopf der Axt: es verschaffte ihm stets ein Gefühl der Sicherheit, die Waffe in seiner Nähe zu wissen.
Mit seiner tiefen und durchdringenden Stimme antwortete er: "Was verlangt Ihr von uns, das wir tun sollen?"

Wolf's Rain
01.05.2008, 11:10
Wolf sah den König gespannt an und wartete auf eine Antwort. „Nun, wie ihr sicher wisst, ist er in der gegenwärtigen Lage sehr schwierig Skig zu erreichen. Galliard und seine Anhänger ziehen natürlich in Betracht, dass wir uns mit Skig zusammentun und gemeinsam gegen ihn stellen, aus diesem Grund versucht er jegliche Kontaktaufnahme zu unterbinden, es wäre also sinnlos einen Boten oder Gesandte nach Skig zu schicken, sie könnten leicht entdeckt werden. Außerdem wäre es viel zu gefährlich jemandem ein Schreiben mit auf den Weg zu geben, in dem alles erklärt würde, oder es ihn als persönliche Botschaft übermitteln zu lassen, sie könnten leicht reden und unser Plan würde auffliegen. Deswegen brauche ich für diese Aufgabe fähige und Kampf gewandte Krieger, auf die ich mich verlassen kann, die sich nicht so leicht zum Reden bringen und besiegen lassen. Aber, wie ihr wisst, muss ich mich derzeit fast Tag und Nacht um die Formation einer Armee gegen Galliard kümmern, schließlich dürfen wir ihn nicht noch weiter vordringen lassen, und dazu brauche ich hier jeden kampffähigen Mann und die besten meiner Leute, denn die Chancen stehen nicht allzu gut und da müssen wir jeden intelligenten Schachzug, jede ihrer Stärken und Erfahrungen nutzen. Also habe ich Krieger wie euch ausgemacht, um euch mit dieser Mission zu betreuen.“
Der König machte eine kurze Pause und sah in die Runde, alle Augen waren auf ihn gerichtet.

„Nun kommt doch endlich zum Punkt“, sagte der Zwerg, doch klang es trotz der forschen Worte nicht wirklich respektlos oder ungeduldig. Der König erhob erneut seine Stimme: „Ihr seid Krieger mit Stolz und Willenskraft, kommt aus den verschiedensten Gegenden, die teilweise ebenfalls von Galliards Vorrücken bedroht wären, und wärt alle bereit für Adamant zu kämpfen, so zumindest hat man es mir mitgeteilt. Zudem habt ihr alle Erfahrungen gesammelt, und das in unterschiedlichen Bereichen, und wisst eure Fähigkeiten und Waffen intelligent einzusetzen, jedenfalls lasst ihr euch wohl nicht so leicht unterkriegen und laut der Einschätzung meiner Untergebenen, die euch ausfindig machten, habt ihr auch keine Angst vor dem Tod sondern stellt euch jedem Gegner entgegen.“ Wieder machte er eine kurze Pause, bevor er fortfuhr, fast als Suche er nach Zustimmung zu dem Gesagten in ihren Gesichtern. „Deswegen sollt ihr im Auftrag von Adamant und mir, des Königs, persönlich ein Hilfegesuch an die Regierung von Skig übermitteln, was natürlich bedeutet, dass ihr euch dorthin, nach Gluno, auf den Weg machen müsst. Unser einziges Ziel ist es, dass ihr lebend und so unbemerkt wie möglich dort ankommt und dafür sorgt, dass Verstärkung, also Magier, zu uns geschickt wird. Nun ja… auch wir haben einen Magier in unserer Mitte und in der Truppe, was durchaus von Vorteil sein könnte.“

Bei dieser Bemerkung nickte er dem Zwergen kurz zu. Erstaunt wandten sich die Elfe, der Hauptmann, der Gesetzeslose und Wolf zu ihm um, dem das Angestarre wohl nicht ganz so gut gefiel und darauf wartete, dass der König weiterredete. „Ein Magier also“, dachte Wolf, während er seinen Blick wieder zum König zuwandte. „Interessant.“ „Nun, es wird keine leichte Aufgabe sein nach Skig zu gelangen, zumal Galliard selbst einen Angriff auf Skig plant, um dessen mächtige Zauberer auf seine Seite zu zwingen, zu welchem Zweck er eine königliche Spezialeinheit Killmars, die Puriks, damit beauftragt hat die Insel zu sichern, bevor wir ein Hilfegesuch dorthin übersenden können, deswegen bedarf es euch, die ihr nun mit dieser wichtigen Aufgabe betraut werdet.“

Stille machte sich breit im Raum. Die fünf Krieger sahen sich verstohlen um und waren alle in ihre eigenen Gedanken vertieft, anscheinend wusste keiner so recht was er sagen sollte. Wolf wusste nicht so recht was er von der ganzen Sache halten sollte. Ihm war schon irgendwo klar gewesen, dass dieses Schreiben und Treffen etwas mit Killmar und den bevorstehenden Auseinandersetzungen zu tun gehabt haben musste und es wohl um irgendeinen Auftrag ging, aber so etwas hatte er irgendwie nicht erwartet. War der König sich überhaupt bewusst was er da tat?, fragte er sich. Er setzt damit praktisch alles auf eine Karte, denn eine andere Möglichkeit als die Unterstützung der Magier von Skig hat er nicht, aber… ausgerechnet wir fünf, von denen einer zu seinem Heer gehört, dazu noch ein wilder Gesetzloser, vielleicht sogar Verbrecher, und er selbst, der er nie wirklich viel mit den politischen Verhältnissen der Großmächte zu tun gehabt hatte. Waren sie alle wirklich so vertrauenswürdig, so verlässlich? Glaubte er wirklich, sie würden es gemeinsam bis nach Skig schaffen, sich bis dorthin durchkämpfen und somit einem königlichen Befehl folgen? Nun, offenbar war er davon sehr überzeugt, sonst säßen sie wohl jetzt nicht hier zusammen in der Runde. In Gedanken ging Wolf die möglichen Motive und Stellungen zu Adamant der anderen durch. Die Elfen waren ein stolzes Volk mit sicherlich vielen Idealen und wussten mit Geheimnissen umzugehen, auch die Zwerge hatten ihren Stolz und Ehre, auch wenn sie sicherlich gewitzter und vielleicht auch skeptischer waren, der Hauptmann würde sowieso aus Loyalität und Ehre folgen und der rüpelhafte Verbrecher… ja, was war eigentlich mit dem? Er saß im Gefängnis von Adamant und jetzt sollte er sich einer Gruppe im Auftrag des Königs anschließen? Und was war mit ihm selbst? Klar, er hatte mehrfach für Adamant gekämpft und ihm seit jenem längst vergangenem Ereignis nie wirklich schaden wollen, aber… Nun ja, dachte er, es war ein Auftrag, ein Auftrag wie jeder andere auch. Er hatte eine Aufgabe zu erledigen und würde dafür eine entsprechende Entlohnung erhalten. Dennoch… diese hier war von viel höherem politischen Wert, sie würden in die Geschehnisse eingreifen und die Kriegsentscheiden zwischen den beiden Großreichen beeinflussen. Das war schon etwas Anderes. Wolf ließ seinen Blick umher wandern und betrachtete die verschiedenen Gesichter. Was wohl die anderen darüber dachten?

Schließlich meldete sich der ehemalige Gefangene (Wolf fiel auf, dass er immer noch nicht dessen Namen wusste) zu Wort mit einem fast schon zynischen und herausforderndem Unterton in der Stimme: „Und was ist, wenn wir nicht annehmen?“, wie um zu sehen was passierte, wenn er widersprach. Doch ehe man ihm eine Antwort geben konnte, fiel Wolf ihm ins Wort und fragte: „Warum gerade wir? Ich meine…“, doch der König unterbrach ihn forsch, aber nicht unhöflich und sagte ruhig: „Das habe ich doch bereits erklärt. Ich treffe keine solch wichtigen Entscheidungen aus einer Laune heraus und ich habe meine Gründe. Nicht alle aus den eigenen Reihen müssen wir eine solche Aufgabe unbedingt geeignet sein, außerdem brauche ich hier eigentlich jeden Mann. Und schließlich… werdet ihr natürlich eine entsprechende Entlohnung bekommen, die euch vielleicht ebenfalls anspornt, immerhin bin ich bei so etwas nicht geizig.“ „Wie viel?“, fragte der Gesetzlose sofort, doch auch den anderen schien diese Frage sofort auf der Zunge gelegen zu haben. „30 Goldstücke in sofortiger Auszahlung bei zufriedenstellender und erfolgreicher Erledigung der Aufgabe nach eurem Eintreffen“, sagte der König bedächtig, woraufhin alle fünf große Augen machten. „30 Goldstücke“, meinte Rômo und pfiff anerkennend durch die Zähne. „Das sind immerhin zwanzig Taler.“ „Und 40 Kupferlinge“, ergänzte Alieth beiläufig. Dieses Angebot schien nun wohl auch das Interesse des Gesetzlosen geweckt zu haben, denn 30 Goldstücke, das war eine Menge Geld, damit konnte man so einiges erwerben und im alltäglichen Leben eines Normaleberufstätigen war es schier unmöglich eine solche Summe anzusparen. Auch Wolf war erstaunt und gleichzeitig nun doch sehr interessiert an der Sache.

„Aber das ist noch nicht alles“, fügte er hinzu, woraufhin sich wieder alle Blicke gespannt auf ihn richteten. „Es ist euch ebenfalls möglich eine persönliche Bitte, oder einen Wunsch, sofern dessen Erfüllung in meiner Macht liegt, an mich zu richten und zwar ganz direkt. Solltet ihr eure Aufgabe gemäß den Abmachungen erfüllen, werde ich eure Forderung erfüllen, darauf habt ihr mein Wort. Allerdings sollte sie nicht unmöglich, unverschämt oder auf die politischen Mächte und Gleichgewichtige bezogen sein, wenn ihr wisst was ich meine. Und es sollte sich hierbei nicht um Geldbeträge handeln, denn ihr alle bekommt bereits die gleiche Entlohnung. Hier geht es um die Gelegenheit eine persönliche Bitte erfüllt zu bekommen, die euch sonst vielleicht niemand erfüllen könnte und die sich ausschließlich auf euch und euer Leben bezieht. Für diesen Zweck habe ich für jeden von euch einen Umschlag mit einer Pergamentrolle vorbereitet, auf welche ihr eure Forderung schreiben könnt. Anschließend gebt ihr sie mir dann wieder zurück und sie werden versiegelt. Ich werde sie erst öffnen, wenn ihr geschlossen wieder hier zurück im Palast sein, um eure Belohnung entgegen zu nehmen, somit hat keiner einen Vor- oder Nachteil. Gleich werdet ihr alle euren Bogen bekommen, aber zuvor möchte ich wissen, ob ihr zustimmt und bereit seid unter Einsatz eures Lebens und mit eurer Ehre diesen Auftrag im Namen Adamants und seines Königs zu erfüllen.“

Als er geendet hatte, machte sich fast schon ehrfürchtige Stille breit, aber es war vielmehr das Erstaunen über diese Möglichkeit zusätzlich eine Bitte vom König persönlich erfüllt zu bekommen. Das war in der Tat etwas Besonderes! Dafür lohnte es sich schon diese Mission zu erfüllen, fand Wolf, auch wenn er sich noch nicht recht im Klaren war was er überhaupt aufschreiben wollte. Gab es irgendetwas, was er sich vom König von Adamant wünschte…?

Während er nachdachte, beobachtete er wieder die anderen. Sie stellten noch einige Frage, aber er viel zu sehr in seinen eigenen Überlegungen versunken als dass er sie wirklich mitbekam. Eine völlig neue, nie dagewesene Situation bot sich ihm, aber Adamant war ja schließlich auch in einer ungewohnten und schwierigen Lage. Am Ungewöhnlichsten für Wolf war, in einem Team mit den anderen zusammenzuarbeiten. Nicht, dass er nie in einer Gruppe einen Auftrag ausgeführt hatte, aber hier war es anders. Hier musste man aneinander bis zu einem gewissen Grad vertrauen können, noch nie war Zusammenhalt und Einigkeit untereinander so wichtig gewesen, schließlich befand man sich in einem Krieg und wenn einer von ihnen quatsche oder bestechlich war, konnte das schnell böse für sie alle ausgehen. Grundsätzlich hatte er nichts gegen die anderen und er konnte sich vorstellen mit ihnen zusammenzuarbeiten, aber ob er sie wirklich mochte, dessen war er sich noch nicht sicher. Nur Schwierigkeiten würden auftreten, wenn sie als Gruppe unterwegs wären, das war sicher, friedlich untereinander würde es bestimmt nicht zugehen, dazu waren sie alle viel zu verschieden. Aber vielleicht war ja das auch gerade der Vorteil bei dieser Mission, vor allem der Magier konnte nützlich sein.

Irgendwo bewunderte und verabscheute Wolf jeden von den anderen auf gewisse Weise, einerseits weil er einiges an ihnen nicht ausstehen konnte, andererseits weil er manches an ihnen respektierte. Die Elfe Alieth war bestimmt eine stolze und aufrichtige Kriegerin und wohl wie alle Elfen ziemlich geheimniskrämerisch, vielleicht auch ein wenig hitzig, wenn man ihren Stolz verletzte, aber wahrscheinlich waren das alles nur Vorurteile. Von ihrem Wesen her mochte er Elfen schon, aber manchmal konnten sie einem auch tierisch auf die Nerven gehen. Der Zwerg Rômo war ihm irgendwo sympathisch, ihm gefiel einfach seine Art, jedenfalls war er jemand, der sich nichts gefallen ließ und vor niemandem den Schwanz einkniff, egal welchen Rang derjenige hatte. Ja, sogar den Hauptmann bewunderte er irgendwo, obwohl er diese aufrichtigen, ehrenvollen Soldaten der königlichen Heere eigentlich gar nicht ausstehen konnte. Sie hielten sich ständig für was Besseres und meinten immer im Recht zu sein. Aber bei all den negativen Dingen fand er es auch irgendwo bewundernswert mit so einer loyalen, stolzen Einstellung in einem königlichen Heer zu kämpfen, bereit nur für das eigene Land sein Leben zu geben. Wolf selbst könnte so etwas nie, immer für eine Sache zu stehen und etwas zu verteidigen, er brauchte die Unabhängigkeit. Der Beruf, den der Hauptmann innehatte, war nie etwas für ihn gewesen, aber gerade deswegen respektiere er insgeheim solche Leute, aber letztlich unterschied er selbst sich viel zu sehr von ihnen und ihre Art ging ihm manchmal gewaltig auf den Senkel weshalb er nie viel mit ihnen zu tun haben wollte. Ja, und dann war da noch der bis vorhin noch Gefangene, rüpelhaft und rücksichtslos und sicherlich Respekt vor niemandem habend. Er wusste nicht recht wie er ihn einschätzen sollte. Das Gold schien ihn gelockt zu haben, aber Wolf war sich sicher, dass er niemand war, der sich einfach so kaufen ließ und das imponierte ihm irgendwo. Wichtig war, sich nicht von den Leuten ausnutzen zu lassen sondern letztlich sie, die einen benutzen wollen, für die eigenen Zwecke zu benutzen. Das heißt, dass man immer nur die Dinge annimmt und erledigt, in denen man selbst einen eigenen Vorteil sieht unabhängig davon, ob der andere meint einen in der Hand zu haben. Man musste den Spieß einfach immer nur umdrehen und den anderen selbst von sich abhängig machen. Und so war auch der König irgendwo von diesem Gesetzlosen abhängig, sonst hätte er sicher einen anderen gewählt und herkommen lassen. Aber war er verlässlich? Auch wenn er eine Menge Gold bekam, würde er deswegen brav den Auftrag ausführen? Nichts desto trotz, Wolf gefiel die Art und das Erscheinen des ehemaligen Gefangenen, denn nur so, indem man sich nicht für irgendwelche Zwecke benutzen ließ sondern stets nur auf den eigenen Vorteil achtete, kam man durchs Leben.

Obwohl er niemanden von den anderen abstoßend fand oder nicht ausstehen konnte, war es für ihn schwer sich vorzustellen wie sie alle zusammen in einem Team nach Skig kommen sollten. Er jedenfalls würde sich bestimmt nicht herumkommandieren lassen und er hasste es bei einem Auftrag auf andere angewiesen zu sein und das war hier der Fall. „Na, das kann ja heiter werden“, dachte er sich.

„Das sind also meine Gefährten“, brummte der Hauptmann vor sich hin, jedoch klang es eher feststellend als abfällig oder missmutig, vielleicht auch ein wenig skeptisch angesichts der bereits vorausgegangenen Geschehnisse bei ihrer ersten Begegnung. „Ja, Gefährten“, dachte Wolf bei diesen Worten von Khalndrar, „Das sind wir jetzt wohl.“ Immer noch fragte Wolf sich, warum gerade er bei dieser Mission dabei sein sollte und gleichzeitig verachtete er seine eigene arrogante Denkweise. Es war eben so, jemand sah ihn für diese Aufgabe geeignet und damit fertig. Manchmal hasste er sich dafür, dass er immer nach Bestätigung suchte. Da fiel ihm wieder eine Frage von vorhin ein und er wandte sich an den König.

„Ihr spracht vorhin von einer Legende, die es in Adamant geben soll und davon, dass Ihr ihr auf den Grund gehen wollt. Welche Legende meint ihr damit?

Hârkon
03.05.2008, 12:06
„Interessant, dass euch keinerlei Legenden über Adamant bekannt sind. Nun, wahrscheinlich liegt es daran, dass die alten von Staub und uralten Kriegen heimgesuchten Chroniken selbst den Weisesten unserer Gesellschaft, den Betreuern unserer ehrwürdigen Archive und Bibliotheken, unschlüssig und fremd erscheinen. Es ist eine alte Sprache, in der die filigranen Lettern auf das dünne Pergament geschrieben wurden, eine Sprache, die heute kaum jemand mehr in Adamant zu verstehen vermag. Ich nehme an, dass euch die fünf Glaubensväter demnach unbekannt sind?“
Stille. Bewegungslosigkeit. Wolf – wie der Mann genannt zu werden schien – schüttelte zaghaft den Kopf, während es ihm alle anderen bis auf den Gesetzlosen selbst, der sich abseits der Gruppe gegen eine der Wände gelehnt hatte und den Verlauf des Gesprächs nur mit einem abwertenden Blick, vollkommener Zurückhaltung und fehlender Partizipation verfolgte, nachtaten. Die Glaubensväter ... Welcher Humbug, dachte sich der Braunhaarige, während er sich nachdenklich über den ungepflegten Dreitagebart strich. Was er über Jahre hinweg in der Dunkelheit vollkommen verdrängt, in aller Marter und allem Schmerz vergraben zu haben schien, brannte sich plötzlich wieder wie ein glühender Schürhaken in seinen Kopf – Bilder, Schreie, Empfindungen. Eine junge Frau mit zartem Gesicht, ängstlichen Augen, die in einer roten Lache kniend, ja ihr weißes Kleid in dem satten Ton tränkend, die lieblichen Hände flehend faltete.
„Es mag verwunderlich erscheinen; aber lasst mich euch davon berichten ... drei Menschen, eine Elfe und ein Zwerg sollen vor langer Zeit, noch vor den großen Völker- und Stammesschlachten, welche die heutigen Königsgeschlechter hervorgehen ließen, durch ein wundersames Zeichen am Himmelszelt dazu verleitet worden sein, ihr Hab und Gut, ihre Familien und Sippschaften zu verlassen und der Weisung der Sterne, die sich wie Runen in ihre Gemüter gebrannt hatte, zu folgen. Man sagt, es sei das erste Mal gewesen, dass sich die verschiedenen Rassen erblickt haben – ohne Vorahnung stießen die Individuen in einem Tal aufeinander. Ein jeder – so berichtet die Legende – habe etwas ganz Spezielles bei sich getragen. Leider berichten die nur noch in Fragmenten vorhandenen Schriftstellen einzig von dem Gegenstand eines der Menschen ... in seiner Hand ...-“

Wieder überkam den Gesetzlosen ein Bild – ein Mann, groß und stark, die bleiche Haut von Gestrüpp und Wildnis gezeichnet, bis auf einen zerschlissenen Leinenrock entblößt, der Blick selbstbewusst auf die dreckige, rechte Hand gerichtet.
Konnte das wahr sein? Er wusste plötzlich die Antwort und ohne überhaupt den Gedanken daran verschwendet zu haben, die trockenen Lippen in dem Gespräch zu Worten zu formen, überkam ihn plötzlich ein unstillbares Verlangen zu sprechen, den König in seiner Erzählung forsch zu unterbrechen.
„-... zwei Ähren, zwei goldene Getreideähren“, brach es aus dem Gesetzlosen heraus, der unerwartet den Blick aller Anwesenden auf sich zog. Selbst der Monarch hatte seinen Kopf neugierig zum Braunhaarigen gewandt. Stille war hereingebrochen. Niemand wusste so recht, was man von dem Kommentar zu halten hatte. Es war schließlich der König selbst, der die Stille brach, indem er – behutsam die schwere Krone aufrichtend – mit einem leichten Lächeln auf den Lippen zu sprechen begann.
„Verwunderlich, dass jemand wie Ihr in den alten Sagen und Legenden bewandert ist; mir deuchte, dass es Euch nur nach fleischlicher Lust und Gold, einem Leben in Saus und Braus verlangt ...-“
Der Gesetzlose hob den Kopf, seine Zunge wollte ein weiteres Mal – eben jetzt, da ihr gezeigt wurde sich loszulösen – die schweren Ketten sprengen.
„Wag‘ es nicht über mich zu richten, alter Mann. Das ist schon einmal dein Todesurteil gewesen ...“
Der Monarch, der frech und forsch vom Gesetzlosen in niederem Ton und Sprachform angesprochen worden war, ließ sein vertrauliches Lächeln erst einem kühl prüfenden Blick ernster Strenge, dann einem lauten, unbekümmerten Lachen Platz machen. Erst als er sich den verwunderten Blicken der anderen durch Ausdruckslosigkeit und Ernst entledigt hatte, begann er seine Replik zu formulieren.

„Sigmar -“
Da war es. Sigmar. Der Name, den er all die Jahre lang vergeblich in Erinnerung zu rufen versucht hatte. Sigmar. Die anderen schreckten beim Fall des bisher unausgesprochenen Namens auf, blickten neugierig zurück zu dem, in Schatten gehüllten, stinkenden und verwahrlosten Mann, der seine Hand zu einer Faust geballt hatte. Dieser Mistkerl, dachte er sich, während er versuchte seine weit geöffneten Augenlider wieder zu entspannen und die Faust vor den neugierigen Blicken der anderen in der Dunkelheit zu verstecken.
„- haben Euch all die Jahre der Folter nicht das Licht gezeigt? Hat sich unser Gott Euer nicht erbarmt, Euch in die Ohren erlösendes Heil geflüstert?“ Dein Gott, verdammter Schwächling.
„Ein Todesurteil jagt stets das nächste, das solltet Ihr doch wissen, nicht wahr? Ihr seid genau wie ich, wie jeder andere hier im Raum ...-“ Der König wurde abrupt unterbrochen, der Gesetzlose hatte sich von der Wand gelöst und war einige Schritte mit seinen verdreckten, unansehnlichen von Folterinstrumenten verunstalteten Füßen nach vorn in Richtung des Hauptmanns gegangen, der einen breiteren, alarmierten Stand eingenommen hatte; es war nicht die einzige Bewegung, die sich im Raum plötzlich entwickelt hatte. Der König musste durch irgendeine Handbewegung oder gar einen Mechanismus seine Leute alarmiert haben, denn direkt neben Sigmar war eine Tür geöffnet worden und einige bewaffnete Jünglinge waren hereingetreten.
„Ich habe Euch davor gewarnt, über mich zu urteilen, alter Mann“, entgegnete Sigmar in erbostem Ton, während er einen weiteren Schritt auf den Hauptmann zutat. Was dann passierte, vermochte wohl kaum einer der anderen auf die Schnelle nachzuvollziehen. Ohne Vorwarnung, ohne eine Möglichkeit überhaupt reagieren zu können, hatte der Gesetzlosen den Hauptmann durch einen unglaublich festen Hieb gegen dessen Handgelenk seiner gezückten Blankwaffe beraubt. Mit ohrenbetäubendem Klirren fiel die Klinge zu Boden – ein kräftiger Stoß gegen den verblüfften Hauptmann ließ ihn eine weite Strecke über den Untergrund schlittern, ein fester Tritt gegen die Bauchdecke eines der einschreitenden Jünglinge lautes, schmerzhaftes Schreien erschallen. Weitere Jünglinge traten hinzu, zogen ihre Bewaffnung aus den jeweiligen Halterungen und umkreisten wie junge, unerfahrene, wölfische Welpen die vermeintliche Beute. Ihre Klauen heißhungrig auf die Kehle des Gegenübers gerichtet, die Augen nach Blut lechzend auf ihn fixiert. Sigmar, der seiner Bewegungen keinerlei Tendenzen für seine Gegnerschaft eröffnete, schnappte sich einen der Männer zur Linken, umfasste dessen Wams und schleuderte ihn mit geballter Kraft gegen zwei der unvorbereiteten Wachen, die in Folge der unheimlichen Wucht ebenfalls zu Boden geworfen wurden. Der letzte von ihnen, der im Rücken des Gesetzlosen zu reagieren gedachte, fiel ohne dass der Gesetzlose überhaupt hatte eines seiner Glieder in dessen weichen Körper versenken müssen, aufstöhnend zu Boden. Jemand der anderen hatte ihm geholfen und er wusste bereits wer ...

Während sich der Gesetzlose, einen Schwall aus grünlicher Substanz auf einen der Wachen ergehen lassend und einer weiteren einen unbarmherzigen Tritt in die Seite verpassend, breiten Schritts und erhobenen Kopfes auf den König zumarschierte, bemerkte er, dass sich die Haut über den Knöcheln seiner Faust bei dem Schlagabtausch leicht aufgerissen und einige Tropfen warmen Blutes eine entsprechende Spur hinter dem Gesetzlosen hinterlassen hatten.
Als Sigmar den Monarchen, der ruhigen Gemüts auf seiner erhöhten Position verharrte, beinahe erreicht hatte, stemmte sich plötzlich ein fremder Körper gegen seine Seite. Unsanft wuchtete sich eine Faust gegen seine Wange. Unweigerlich fiel der Gesetzlose zu Boden, musste erkennen, dass sich der Hauptmann derweil wieder erhoben hatte und eingeschritten war, sich nun – jedwede Bewegung – verhindernd auf ihn gesessen hatte und seinen Kiefer mit seiner Linken kräftig umschloss.
„Genug Hauptmann – lasst ihn aufstehen“, urteilte der König streng, während sich der Hauptmann nur ungern vom Bezwungenen löste und ihn – stets misstrauisch im Auge behaltend – aufstehen lassen musste. Zwei zu Eins für dich, Bastard – aber dabei soll es nicht bleiben, das schwöre ich dir, schoss es Sigmar noch immer vor Erbosung glühend durch den Kopf, während er sich sanft über die blutende, grobe Hand streichelte.
„Ihr solltet nun aufbrechen, wir verlieren kostbare Zeit. Hauptmann, benachrichtigt Eure Männer. Seid so ergeben und verteilt diese Beutel mitunter der Pergamente, die ihr noch in diesem Raum mit eurem persönlichen Wunsch versehen und versiegeln lassen sollt“. Abschätzig warf der Hauptmann das Stückchen Pergament mit einem Stück Kohle vor Sigmars Füße und ließ das Kohlestück durch einen provozierenden Tritt in mehrere Stücke zersplittern, ehe er den anderen Anwesenden ihre Sachen ehrfurchtsvoll überreichte. Sigmar machte sich nichts daraus, für ihn war die Reise, die sie antreten sollten, ohnehin ein Himmelfahrtskommando. Er ließ seinen Blick durch die Runde schweifen: Die Elfe schien bereits wie der Hauptmann ihren Wunsch notiert und das Pergament versiegelt zu haben, der Zwerg schien noch zwischen dem einen oder anderen abzuwägen und was der Mann namens Wolf tat, war Sigmar nicht mehr ersichtlich, da er sich selbst daran machte, seinen Wunsch zu „notieren“. Wie sollte er das nur machen? Er überlegte, versuchte sich angestrengt zu entsinnen wie sein Wunsch in der Wirklichkeit aussah, es grob zu skizzieren und sein Stück Pergament, ohne, dass jemand anderes erkennen konnte, was er da getan hatte, zu versiegeln. Während die anderen schließlich in dem kleinen Beutel, den sie ebenfalls – bis auf Sigmar – überreicht bekommen hatten, herumkramten und ihr Augenmerk vor allem auf eine Karte richteten,



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war der Gesetzlose dazu entschlossen ein weiteres Mal zu sprechen; denn eine kleine Gruppe von Landsknechten hatte sich am Eingang des Raumes versammelt und mit dem Hauptmann einige Worte gewechselt.
„Ich denke nicht, dass wir uns einen Gefallen damit tun, diese Bastarde als unseren Begleitschutz abzustellen ...-“, erhob der Braunhaarige entschlossen seine Stimme. Ehe er zu Ende hatte reden können, war ihm der Hauptmann ins Wort gefallen.
„Das Volk ist aufgebracht, Abschaum – erinnerst du dich an den Stein, der durch das Fenster ins Thronsaal geflogen kam? Die Straßen Minits sind nicht mehr so sicher, seitdem unser werter König den Kriegszustand ausgerufen hat; mit Begleitung werden wir weitaus schneller zum Hafen nach Ardent gelangen ...-“
„Das sollte die Gruppe entscheiden – Ihr seid hier nicht allein. Sollten wir mit diesen Affen durch Adamant ziehen, dann erwecken wir weit mehr Aufmerksamkeit als uns lieb sein dürfte“, entgegnete der Gesetzlose erst einen ernsten Blick zum Hauptmann, dann einen neutralen Blick zu den anderen gewandt, von denen er nun ihre Meinung hören wollte. Wolf war der erste, der sich aus den Schatten zu Wort meldete:
„Es wimmelt hier sicherlich von mehr Feinden als in Narano selbst. Ich bin gegen eine Eskorte und stimme ... Sigmar zu“. „Mehr Feinde als in Narano? Sei es drum. Von Menschen, die sich selbst von dem da überwältigen lassen, werde ich mich als Clanmitglied der Erdhands nicht eskortieren lassen“, sprach der Zwerg selbstsicher, während er ausschweifend zu gestikulieren begann und vor allem abwechselnd auf Sigmar und die sich aufraffenden, stöhnenden Wachen zeigte.
„Werte Elfe, gewährt uns Einblick in Eure Meinung“, unterbrach Sigmar, der durch seinen – ausnahmsweise – gewählten Ton nicht einschüchternd und primitiv wirkte.
„Wir sollten nichts riskieren. Auch wenn die Gefahr nur mehr oder weniger offensichtlich ist, so stimme ich Wolf und Sigmar zu ...“ Eine gute Entscheidung; Zwei zu Zwei, Hauptmann. Sigmar atmete beruhigt durch und machte dem Hauptmann gegenüber, dem diese Entscheidungsfindung widerstrebte, Anstalten seine Leute fortzuschicken ...


... Die Reise sollte also beginnen ...


„Hey Abschaum -“ Er schon wieder ... Warum konnte er nicht mal die Klappe halten? „Was gab’s, dass du dich fern der Ohren der Gruppe mit einem Kapuzenträger unterhalten musstest? Ich habe dich beobachtet und ich kann dir sagen, dass ich kein gutes Gefühl dabei habe, wenn du uns durch Minit führst.“
Die Sonne war hinter den hohen Wällen der Befestigungsanlagen Minits schon fast verschwunden. Allmählich brach die erfrischende Kühle des Abends herein. Sanftes Dämmerlicht hüllte die Stadt in einen violett-orangen Schleier. Schön .... Den Blick zurück zum misstrauischen Hauptmann gewandt, den Schritt durch die engen, heruntergekommenen Gassen des Elendsviertels stetig weiterführend, begann Sigmar ihm zu antworten.
„Die Nacht bricht bald herein Hauptmann. Es ist keine gute Zeit und vor allem kein geeigneter Ort, um noch nächtens nach Ardent aufzubrechen. Ich denke ihr drei hattet eine lange und beschwerliche Anreise und habt letzte Nacht nur spärlichen Schlaf gefunden ...“ Die Elfe nickte, Wolf, der neben Sigmar einherschritt, blickte Sigmar ausdruckslos in die Augen, der Zwerg brummte zustimmend und faselte irgendetwas von zwergischem Schlaf unter dem Berg. „Ich habe uns deshalb eine Unterkunft besorgt – tretet ein ...“, fuhr Sigmar fort, während sein Schritt allmählich zum Stillstand kam und er eine schäbige, knarrende Holztür öffnete und die anderen hereinbat. Es war ein altes, wie fast alle zu erblickenden Häuser in diesem Viertel, heruntergekommenes Haus aus einstmals solidem Stein. Das Holz war verwittert, der Putz abgebröckelt, Kot und andere unaussprechliche Substanzen auf die Wände „aufgetragen“. Vorsichtig und misstrauisch begaben sich einer nach dem anderen hinein, suchten einige Augenblicke vergebens nach einer Lichtquelle, fanden diese schließlich in Form einiger zu öffnender Fenster sowie entzündbaren, beinahe abgebrannten Fackeln und begutachteten die karge Ausstattung – ein Haufen von fauligem Stroh, der den üblen Gestank ausmachte und einige klappernde, instabile Stühle sowie einen Tisch. Die Beschwerden, die sich Sigmar anzuhören hatte, überspielte er mit der wahren Tatsache, dass man hier sicher war und kaum auffiel. Von vermeintlicher Müdigkeit heimgesucht machte es sich der Gesetzlose, der noch immer keinerlei Ausrüstung sein Eigen nannte, im fauligen, von Käfern und anderen Ungeziefer heimgesuchten Stroh gemütlich. Dabei blieb er wohl der einzige, der sich angesichts der Umstände um Schlaf bemühte ...
Die Nacht brach herein ... Von fernher vermochte man einen Wolf hören wie er den Mond bejaulte, hier und da vernahm man gehetzte Schritte durch die engen Gassen des Elendsviertels. Eingesetzter Regen sandte seine Abkömmlinge auf das undichte Dacht des Hauses, machte kaum vernehmbare Anstalten beim Aufprall mit dem Boden gehört zu werden – Stille. Angenehme, erholsame Ruhe – bis ...

Plötzliche, massierte Bewegung. Feste, laute Schritte auf den matschigen, vom Regen aufgeweichten und von Abfällen, von Kot und Erbrochenem verunreinigten Boden. Stimmen. Gesänge. Gesänge? Die Gruppe, die sich bis auf den bestialisch schnarchenden Sigmar in irgendwelche Diskussionen auf den unbequemen Stühlen verfangen hatte, blickte, da die Tür plötzlich gewaltsam eingetreten worden war geschlossen und alarmiert zur Tür. Drei uniformierte Männer mit dem Wappen Adamants und hellen Fackeln traten herein, bäumten sich auf und schafften hinter sich Platz, indem sie kaputtes Gerümpel ohne Nachsicht gegen Wände und andere Einrichtungsgegenstände traten und warfen. Die Gesänge wurden lauter; plötzlich traten vier weitere Männer hinein, Kapuzenträger mit verhüllten Gesichtern, deren erkennbaren Lippen zu einem fremden, merkwürdigen Gesang gezwungen waren und die ihre Hände demütig gefaltet hatten. Als wäre es nicht schon zu eng gewesen, trat ein weiterer Mann mit geschmückter Robe und einem goldenen Behältnis herein, den Blick starr auf die Fremden gerichtet. Der Hauptmann stand auf, näherte sich den offensichtlichen Soldaten.
„Was soll das alles, Soldat? Sofortige Rechtfertigung!“, zischte er. Als er zu Ende gesprochen hatte, zogen diese, mit ihrem strarren Blick so in den Bann der Gesänge gezogenen Männer, ihre Blankwaffen und signalisierten ihm wie den anderen, die mittlerweile aufgestanden waren, Distanz zu wahren. Sigmar selbst ließ sich selbst nach mehreren Stupsern mit dem Fuß Wolfs nicht wecken ...
„Ein göttliches Gericht ist über uns gekommen! Oh, meine Brüder! Die Zeit der Reinigung ist angebrochen. Die Legende um die Glaubensväter ist wahr.“
„Ich fordere sofortige Meldung beim Stadtkommandanten!“, versuchte der Hauptmann, in seiner Autorität untergraben, zu unterbrechen. Angesichts des sich in den Vordergrund stellenden, wild gestikulierenden Robenträgers, dessen Gesichtsausdruck von Leid und Reue gezeichnet war, sah er sich gezwungen selbst den Stahl aus der Scheide fahren zu lassen und Gehorsam auf andere Weise einzufordern.
„Durch Killmar widerfährt diesem der Sünde verfallenen Land das göttliche Gericht! Blasphemie und Gotteslästerung, die durch diese selbsternannten Abkömmlinge der Glaubensväter, selbst vom König toleriert werden, dürfen von uns gläubigen Dienern der Maledictum-Gemeinschaft nicht toleriert werden. Meine Brüder, es liegt an uns diesen Makel aus der Welt zu tilgen und ... entweder das göttliche Gericht durch Killmar abzuwenden oder wenigstens als reine Menschen davon verschont zu werden. Erhebt die Stimmen zu einem Chor der Läuterung und bittet angesichts des göttlichen Richturteils, das auf das Gewissen eines jeden Gläubigen klopft und zur Abwendung appelliert, um Gnade. Erlöst diese Sünder von ihrem blasphemischen Dasein!“, sprach der Prediger in immer lauter und fanatischerem Ton zu brüllen. Der Gesang wurde lauter und es schien als würden sich vor dem Haus selbst noch etliche, jüngere Gläubige, gar Kinder und Frauen zu befinden, die den Chor zu einem ohrenbetäubenden Spektakel erhoben.
Was der Prediger so überzeugt forderte, sollte schließlich mit Blut bezahlt werden ... und Sigmar drehte und wendete sich im Stroh, schnarchend, dem Schlaf frönend.

Nendaloce
09.05.2008, 01:02
Und dann kam alles Schlag auf Schlag.
Die zuerst noch langsam und bedächtig näher kommenden Soldaten sprangen plötzlich hervor und griffen die Truppe an. Alieth hatte gerade noch Zeit ihr Schwert hervor zuziehen um einen hieb zu parieren, der hätte sie nicht schnell genug reagiert, sehr schmerzvoll, wenn nicht sogar tödlich für sie gewesen wäre.
Die Waffen schimmerten im Schein des langsam untergehenden Mondes und der Lärm war weit hinaus zu hören. Harter Stahl traf auf harten Stahl.
DA endlich sah Alieth eine Möglichkeit von der direkten Kampfszene abstand zu nehmen. Sie drängte sich nach hinten und nahm ihren großen, langen, eichenhölzernen Bogen vom Rücken und spannte die Sehne. Denn eines war ihr inzwischen klar geworden, wenn sie sich gegen diese Brüder verteidigen wollten, dann muss jeder die Waffe einsetzten, die er am besten beherrscht und das war bei ihr selbst einfach der Bogen.
Sie spannte ihn mit einer Leichtigkeit, die nur den Elfen gegeben war und schon surrte ein Pfeil nach dem anderen von der Sehne.
Während sich die Soldaten immer mehr in den Vordergrund drängelten, werkte Alieth, dass einer der Brüder versuchte sich von dem Schauplatz wegzuschleichen.
Alieths Bogen spannte sich und ein Pfeil flog geradewegs auf den sich davon machenden Mönch zu.
Anstatt ihn jedoch zu verwunden oder gleich zu töten nagelte sie ihn jedoch mit seinem Gewand an der Wand fest.
„Achtung er versucht zu fliehen!“ presste sie zwischen den Zähnen hervor, was von den anderen auch sofort registrier wurde.
Plötzlich wurde ihr jedoch kurz schwarz vor den Augen und Alieth spürte eine geballte Form von Kraft in der Luft, wobei es sich durchaus um Magie handeln könnte.
Sicher war sie sich jedoch nicht. Sie hatte sich noch nie sonderlich dafür interessiert, da Elfen obwohl sie Energieveränderungen wahrnehmen können, selbst nicht in der Lage dazu sind Energie zu benützen.

Langsam aber doch verschwand der blasse Mond ganz und die ersten Vögel regten sich. Und dann waren die mysteriösen Angreifer, so schnell wie sie gekommen waren, auch schon wieder verschwunden.

Seltsam, dachte sich Alieth und schaute sich fragend in der Runde um, alles war zerstört und von dem Mönch den sie "angenagelt" hatte war nur mehr ein Fetzchen Stoff übrig. Doch dann merkte sie plötzlich, dass etwas anders war als vorher, auch wenn ihr momentan nicht einfiel was das denn sein sollte.
Erst als sie jedoch den Blich schweifen ließ und mit ihen scharfen Augen den Raum durscannte viel es ihr wie Schuppen von den Augen und als sie den Blich von der Stelle nicht mehr losreißen konnten, wurden auch die Anderen neugirig und blieben voll Entsetzen stehen...

Mr Sulak
11.05.2008, 10:16
Im ersten Moment sah Rômo die Neuankömmlinge nur verwundert an. Ein Pack Soldaten, angeführt von einem Mönch und vier weiteren, vermummten Gestalten? Der Zwerg lüftete seinen Helm und kratzte sich am dichten Haarschopf, was seiner Verwirrtheit nur noch mehr Ausdruck verlieh. Wie kann es sein, dass man sich von einem Menschen in einem Kleid anführen lässt?
Inzwischen hatte der Geistliche angefangen, wirres Zeugs vor sich hin zu brabbeln, doch der kleine Krieger hörte ihm schon gar nicht mehr richtig zu, sondern beobachtete stattdessen interessiert den scheinbar erfolglosen Versuch des Hauptmanns, die Kontrolle über den Trupp Soldaten zu erlangen. Seine hastig geflüsterten Worte prallten jedoch an den Untergebenen ab wie Wasser, das auf harten Stein schlägt.
"Erlöst diese Sünder von ihrem blasphemischen Dasein!"
Mit einem Mal waren alle Sinne des Zwergen geschärft. Solche Worte vermochten beinahe niemals etwas Gutes zu bedeuten, und ihm war klar, dass auch jetzt etwas eher Schlechtes geschehen würde.
Der Mönch, der die Worte hinausgebrüllt hatte, deutete mit verzerrtem Gesicht und hektischen Bewegungen auf jeden einzelnen von ihnen. Rômo´s Hand zog bereits die kleine Handaxt und der Helm saß erneut auf seinem angestammten Platz, als die Soldaten unter gegenseitigem Anfeuern los rannten und ihre Waffen, meist Schwerter und vereinzelt auch Äxte, hoben.
"Kommt doch!" Mit einem breiten Grinsen auf den Lippen stieß der Zwerg seine Waffe in die Luft, deren Kopf im flackernden Licht der Fackeln leicht schimmerte. Die darauf eingravierten Runen fingen an zu leuchten, während der kleine Krieger sein Haupt leicht senkte und den ersten, herannahenden Feind fixierte und seinerseits auf ihn zustürmte.
"Für den Clan!"
Der erste Schlag des Gegners pfiff wirkungslos über den Zwergen hinweg, wogegen der Gegenangriff traf: die magisch verstärkte Axt knallte mit der Wucht eines Felsen gegen das gepanzerte Schienbein des Kontrahenten, woraufhin ein lautes Knacken ertönte und der Feind unter Schmerzgeschrei auf den Boden fiel, unfähig, sich noch länger auf den Beinen zu halten. Ein gezielter Treffer mit dem flachen Teil der Waffe gegen den Kopf brachte den Liegenden endgültig zur Ruhe.
Augenblicklich lies der Zwerg seinen Blick schweifen und versuchte, die Situation möglichst schnell zu ergründen. Die anderen kämpften ebenfalls, auch wenn er ihren kurzzeitigen Führer nicht entdecken konnte; die Elfe hatte sich weiter nach hinten zurück gezogen und verschoss gerade einen Pfeil, der einen Fliehenden am der Wand festnagelte. Das Geschoss hatte die Robe des Mannes, den Rômo nun als den Priester identifizierte, durchbohrt und hielt ihn nun fest.
Eine weitere Wache kam brüllend auf den Zwergen zu, der seinen Griff um die Handaxt fester schloss und sich auf den Zusammenstoß bereit machte. Eben, als der Mensch sein teils schartiges Schwert hob, sprang der kleine Krieger mit aller Kraft in die Höhe und versetzte dem verwunderten Gegner einen Schlag in die Magengegend. Zwar schützte die Rüstung vor dem Metall, nicht aber von der Magie, die zuerst durch die Runen, dann über die Schneide in den Leib des Unseligen drang und ihn wie eine kleine Puppe zurückwarf.
Kaum war Rômo wieder gelandet, als plötzlich ein starker Windstoß durch das Zimmer rauschte und am Bart und dem Zopf des Kriegers zerrte. Überrascht stemmte er sich gegen die Naturgewalt an, während er leicht erschauderte. Magie! Eine andere Möglichkeit gibt es nicht! Aber woher –
So schnell, wie er kam, war der Wind wieder verschwunden. Rômo musste einen Ausfallschritt vollführen, um nicht aufgrund des plötzlich fehlenden Widerstands auf den harten Grund zu knallen. "Verflucht noch mal, wer -"
Die Augen des Zwergen weiteten sich, als er sich umsah. Der Priester war verschwunden - ebenso wie alle der Getöteten oder kämpfenden Wachen und die vermummten Gestalten, die so grausig gesungen hatten. Beinahe schien es so, als sei niemals etwas vorgefallen, wären nicht die verräterischen Spuren von Blut erhalten geblieben.
Das Gesicht des Zwergs wurde ernst, die Augen verengten sich zu Schlitzen und er fuhr sich bedächtig durch den Bart, während er murmelte: "Verfluchte Magie der Winde."

Wolf's Rain
12.05.2008, 19:18
Wolf hatte die Gefahr augenblicklich erkannt und ließ so geräuschlos wie möglich seine Klingen aus den an den Handrücken befestigen Schienen gleiten, als der Feind auch schon die Initiative ergriff und auf die Gefährten zuschnellte. Die vier vermummten Gestalten, ihren Priester unterstützend im Rücken, der sich jedoch eher im Abseits des Geschehens aufhielt, sowie die drei Soldaten zogen ihre Schwerter und holten zum Schlag aus, ihre Gegner hatten es ihnen gleich getan und waren bereits in Stellung, um sich zu verteidigen.

Das Aufeinanderprallen von Metall auf Metall erklang und läutete somit den nun begonnenen Kampf ein. Wolf zog sich ein wenig aus dem Geschehen zurück, um mehr Platz zu haben, denn gleich zwei der vermummten Gestalten kamen auf ihn zugestürmt. Er wartete einen Moment und wich dann dem ersten Schwerthieb gerade noch rechtzeitig aus, indem er sich wegduckte, gleichzeitig rammte er dem zweiten Gegner seine Faust samt Klingen in den Magen, woraufhin dieser ächzend zusammenzuckte. Primitiv, aber wirkungsvoll, dachte Wolf im Stillen. Aber manchmal muss es eben auch einfach gehen. Einen kurzen Augenblick später zog er die Klingen heraus und schnellte herum, gerade noch rechtzeitig, um einer Schwertattacke des ersten Angreifers seitlich auszuweichen, die ihn um ein Haar in die Seite getroffen hätte. Wolf machte nun einen weiten Satz nach vorne und drehte sich sofort um, um nicht etwa beide vermummten Gestalten im Rücken zu haben, doch der eine von ihnen, den er verwundet hatte, hatte bereits einen neuen Gegner gefunden sich wieder voll dem Kampfgeschehen gewidmet.

Zum ersten Mal nun konnte Wolf das Kampfgeschehen überblicken. Rômo und der Hauptmann, dessen Name ihm gerade wieder entfallen war, waren voll in das Geschehen involviert, nur die Elfe und Sigmar konnte er gerade nirgends erblicken in dem Getümmel. Doch viel Zeit zum Umsehen und Sammeln hatte er nicht, denn schon stürmte der vermummte Angreifer wieder auf ihn zu. Diesmal hatte Wolf nicht vor auszuweichen, stattdessen parierte er den Schlag mit beiden Handrücken, er spürte wie seine Klingen förmlich vibrierten angesichts der Kraft die dahinter steckte, aber er hatte auch schon schlimmeres erlebt. Mit einer raschen Bewegung stieß er die Schwertklinge weg, duckte sich ein wenig und ließ seine rechte Hand nach vorne schnellen, während er mit dem linken Arm den nächsten Schlag parierte, die Klinge prallte wirkungslos an seiner Rüstung ab. Er erwischte den anderen zwar, jedoch hatte dieser sein Vorhaben zu früh bemerkt und wich zurück. Ganz versunken in den Kampf, konzentriert auf seinen Gegner und ihn mit den Augen fixierend bemerkte Wolf nicht mehr was um ihn herum passierte, er war vollkommen von dem Vermummten eingenommen. Es kam zum nächsten Schlagabtausch und er stieß den anderen mit einem kräftigen Tritt von sich und drängte ihn mit ein paar Ausfallattacken zurück, weiter in das Kampfgeschehen hinein. Dieser fing sich nach einigem Stolpern wieder und verharrte kurz, während sich die anderen um ihn herum Kämpfe lieferten. Für einen Moment verschnaufte Wolf kurz einmal, blieb er trotzdem angespannt, und beobachtete, was sein Gegner als nächstes vorhatte. Eigentlich hatte er jetzt überhaupt keine Lust auf irgendwelche Kämpfereien und Mätzchen, schon gar nicht mit diesen vermummten Gestalten mit ihrem lächerlichen Gefasel, die wahrscheinlich aus irgendeinem Sektenspinnerdorf kamen und irgendeinen Gott anbeteten, der in ihren Vorstellungen wohl genauso durchgeknallt war wie sie selbst. „Erlöst diese Sünder von ihrem blasphemischen Dasein!" Ihr könnte mich auch mal Ich hab jetzt überhaupt keine Lust mich mit Idioten wie euch herumzuschlagen!“, dachte Wolf genervt, langsam wurde er echt ein wenig sauer. Das hier war reine Zeitverschwendung!

Angetrieben von diesem Gedanken stürzte Wolf sich nach vorn und hinein ins Getümmel, zog sein Schwert und drängte den anderen damit geradewegs hindurch auf die andere Seite. „Ich hab keine Lust mit euch Spielchen zu spielen!“. Umgeben vom Klirren der Waffen um ihn herum, das unangenehm in seinen Ohren widerhallte, wartete er auf den Vermummten, während er sich zwischendurch auch an anderen Kämpfen kurz beteiligte. Da sah er diesen wieder auf sich zukommen, anscheinend hatte er es auf ihn abgesehen, zielsicher schnellte sein Schwert auf Wolfs Gesicht zu, der dem Hieb jedoch problemlos auswich und sich fast schon ein wenig wunderte über diese so offensichtliche Attacke. Doch im selben Moment noch, als die Klinge an seinem Gesicht vorbeisauste, verspürte er ganz plötzlich etwas Warmes, Heißes an seiner rechten Wange vorbeiziehen, wie ein Luftzug, den man nicht spüren konnte sondern der sich nur durch seine Temperatur verriet. So schnell dieses merkwürdige Gefühl gekommen war, so schnell verließ es ihn auch wieder und ließ einen, wenn auch nicht allzu tiefen, Schnitt auf seiner rechten Wange zurück. Ein warmes Blutrinnsal floss an seinem Gesicht hinab und tropfte lautlos von seinem Kinn. Ein wenig verblüfft fasste Wolf sich an die rechte Wange, spürte die Wunde und das frische Blut und sah sich um, fand langsam wieder ins Geschehen zurück, auch wenn das soeben passierte kaum eine Sekunde gedauert zu haben schien. Der andere hatte ihn anscheinend tatsächlich verwundet. Da erblickte er plötzlich den Priester, der sich in einer Entfernung abseits des Geschehens an einer der Holzwände aufhielt, immer noch die Lippen bewegend und den Kelch in den Händen. Er warf ihm einen bedeutenden Blick zu, dann wandte er sich ab und schien versuchen zu fliehen, woran er jedoch von einem gezielten Bogenschuss Alieths gehindert wurde, deren Pfeil sein Gewand der Wand festnagelte. Alieth machte auf den Flüchtigen aufmerksam, woraufhin auch die anderen ihr Augenmerk auf ihn richteten, sich dann aber wieder erstmal auf ihre Zweikämpfe konzentrierten. Wolf stürzte sich nun wieder in das Getümmel. War das gerade eben… Magie?, fragte sich er sich im Stillen. Nein, das war kein typischer Magieangriff. Eher… eine Art Spruch mit magischer Wirkung. Dafür muss man nicht unbedingt ein geborener Magier sein. Aber…“ Doch er konnte diesen Gedanken nicht zu Ende führen, denn plötzlich rauschte ein kräftiger Windstoß durch das Zimmer und zwang Wolf, der von dieser Kraft völlig überrumpelt war, in die Knie, während er sein Gesicht mit den Armen schützte.

Als er aufblickte, waren sowohl die vermummten Gestalten als auch dieser seltsame Priester mitsamt den Soldaten verschwunden so als hätte es sie nie gegeben. Nur die Spuren des Kampfes bezeugten ihre Anwesenheit noch. Kopfschüttelnd richtete Wolf sich auf und betrachtete erstmal die Umgebung bevor er nach den anderen sah. Die fand er schließlich weiter hinten, anscheinend sahen sie sich irgendetwas an der Wand an. Wolf kam zu ihnen herüber, als Letzter trat schließlich auch der Zwerg hinzu. Was er dort sah, erstaunte ihn. Ein großes Zeichen ähnlich eines Wappens prangte an der Wand, es war als hätte jemand es in das Holz eingebrannt, dunkel und bedrohlich hob es sich von dem braunen Hintergrund ab. Es bestand aus einem unförmigen, schwer identifizierbaren Ungeheuer im Zentrum mit zornigen, stechenden, schlitzförmigen Augen. Umgeben war es von einem Flammenkreis in dem viele, anscheinend alte, Schriftzeichen, die Wolf nicht fähig war zu lesen, erkennbar waren. Im Innern des Kreises waren um das Ungetüm herum im Hintergrund noch die Zacken eines Pentagramms erkennbar. Das ist doch… das Schattenmonster der Hölle, auch Todesbote genannt, dachte Wolf. In einigen Glaubensrichtungen von Sekten war es der Herrscher der Hölle oder das Monster des Herrschers, je nach dem, jedenfalls verkörperte es das Grauen und kam gelegentlich hinauf an die Oberfläche, um die Sünder zu bestrafen. Manche glaubten der menschliche Verstand könne es nicht erfassen, deswegen war seine Darstellung oft unterschiedlich. Einige Sektenspinner waren sogar der Ansicht unter ihnen gäbe es Auserwählte, die seine Kraft erhielten und deren Bestimmung es war die Sünder zu bestrafen und somit zu erlösen. „Also muss das… die Maledictum-Bruderschaft sein, so wie sie es gesagt haben“, murmelte Wolf, der noch immer die Zeichnung fixierte. Aber was…, dachte er, haben sie hier mit Soldaten von Adamant, die anscheinend von ihrem Einfluss besessen waren, verloren? Was hatten sie hier zu suchen? Sie wollte uns töten, aber eigentlich sollten sie gar nichts von uns wissen. Ein Schachzug Killmars also? Aber… was haben diese Sektenspinner, die sich nie um politische Vorgänge geschert, ja, sie sogar verachtet haben, mit Killmar zu schaffen? Seit wann führen sie Befehle von seinem König aus? Das war in der Tat verwunderlich. Vor langer Zeit hatte er schon einmal mit ihnen zu tun gehabt, wenn auch nie direkt, denn mit solchen Sektenspinnern hatte er nie viel am Hut haben wollen, aber sie waren eigentlich ziemlich versteift auf ihre eigenen Philosophien und Theorien und ließen sich nicht so leicht zu etwas überreden, geschweige denn beeinflussen. Und was kümmerten Galliard überhaupt diese Trottel, dass er sie gegen sie aufhetzte? Oder war es am Ende gar nicht Galliard gewesen? Vielleicht jemand anderes? Überhaupt wer aus Killmar? Eines war sicher – es hatte mit ihrem Auftrag zu tun. Wolf schüttelte verwundert den Kopf. Jetzt mischten sich sogar schon kümmerliche, dörfliche Sektenspinner in seine Angelegenheiten ein. Die Dinge waren wirklich nicht mehr wie sie einmal waren.

Hârkon
13.05.2008, 18:14
Es war ein merkwürdiges, plötzlich und unerwartet eintretendes Rascheln, welches die noch aufgeheizten Gemüter der kleinen Gruppe zu erneuter Alarmbereitschaft ermahnte. Schnurstracks wandten die vier, mit ihren Augen auf dem dunklen Mal an der Wand fixierten Anwesenden, ihren Blick auf die stinkende Anhäufung von verfaultem Heu, das sich unheimlich zu bewegen begann. Wenige Augenblicken der Ungewissheit vergingen, ehe sich die Elfe mehr oder weniger erleichtert zu Wort meldete: „Sigmar ...“, entgegnete sie knapp, während sich aus dem von der magischen Zirkulation der Luft über dem besagten Mann angehäuften Heu schließlich eben dieser Sigmar erhob und müden Blickes die Runde musterte. Ein herzhaftes Gähnen entfuhr dem von Schlaf gekräftigten Mann, während er sich mühsam vom Stroh an seiner zerlumpten Kleidung entledigte und zwei Käfer unbarmherzig mit seinen Fingern gegen den Untergrund schnippte. Das erste, das der Gesetzlose bei der stehenden Gesellschaft ihm gegenüber erkannte, war Wolfs unwesentliche Verwundung an der Wange, welche einen kleinen Strom dunklen Blutes zum Kinn rinnen und auf den Boden tropfen ließ, und mehrere Lachen voll rotschimmernden Blutes auf dem Boden.
„Da muss aber jemand gewaltiges Nasenbluten gehabt haben ... Oder warst du das Wolf?“, ertönte es von Sigmar, der während seiner Worte erst auf die Lachen, dann auf seine eigene Wange im Angesicht Wolfs deutete. Wie würden sie wohl auf seinen tiefen, tiefen Schlaf reagieren?
Noch während Wolf mit einem leichten Lächeln den Kopf schüttelte, sprengte der Hauptmann vom Mal an der Wand durch die Reihe und zeigte anklagend mit erhobenem Finger gegen den bis vor wenigen Lidschlägen noch dem Schlaf verfallenen Sigmar.
„Ich wusste, dass man ihm nicht trauen kann ...“, sprach er erst zu den anderen, dann als er fortfuhr zu seinem eigentlichen Gegenüber gewandt, „Ihr steckt hinter diesem Anschlag, Sigmar, Ihr und kein anderer.“ Jemand wollte etwas sagen, wurde aber forsch vom erbosten Hauptmann unterbrochen.
„Erst die Prügelei im Thronsaal, die zweifelsohne der Absicht, den König zu verletzen, untergeordnet war, dann das Votum, mit welchem ich meiner Männer beraubt wurde, im Folgenden die seltsame Gestalt, mit welcher Ihr Euch unterhalten habt, während wir eine Rast eingelegt haben und schlussendlich –“. Ja, du Bastard? Schlussendlich was?, schoss es Sigmar, von keinerlei Mimik oder Gestik zu einer Aussage bewegt, durch den Kopf. Abermals zückte der Hauptmann seine Klinge, setzte sie dem Unbewaffneten an den Hals und ließ den kalten Stahl des Dolches „sanft“ die oberste Hautschicht durchtrennen, einen gar lieblichen, warmen Strom von Blut den Hals hinunter, das versiffte, einstmals weiße Hemd des Gesetzlosen besprengen.
„Schlussendlich – der Angriff dieser Sektenspinner und Euer so – von jedwedem Lärm und Kampfgetümmel – unerschütterlicher Schlaf, der keinerlei Partizipation am Gefecht möglich machte.“
Sigmar, der sich Auge in Auge mit dem Hauptmann, dessen Namen er nicht einmal wusste (und anbei gar nicht wissen wollte), vermochte kaum die Reaktionen der anderen auf diese Feststellung erkennen – eigentlich war es ihm auch egal, hatte die Spürnase von Möchtegern, die meinte mit seinem Dolch das Machtspielchen aus dem Thronsaal ruhmreich fortführen zu können, ohnehin schon zur Waffe gegriffen.
„Erstens du Wurst: Ich mag vielleicht über ein Jahrzehnt eingesperrt worden zu sein, aber das legitimiert dich noch lange nicht dazu, mir die Kehle zu durchtrennen ...“ Für einen Moment hielt Sigmar inne, versuchte wieder etwas Luft zu holen und den Schmerz der Klinge, der sich beim tiefen Einatmen an seinem Hals ausbreitete, über sich zu ergehen. Der Hauptmann, der zweifelsohne in seinem „Stolz“ verletzt worden war, wollte schon wieder etwas sagen, während er die Klinge noch tiefer – jetzt aber bereits ins Fleisch – grub, doch Sigmar hatte dies bereits durch die Fortführung seiner Verteidigung unterbunden.
„Zweitens: Glaub‘ von mir was du willst, aber wenn ich die Absicht hätte, Euch zu töten und diese Mission zum Scheitern zu verurteilen, dann würde ich sicher nicht irgendwelche Sektenspinner anheuern ... Und Drittens, Herr Wurstfinger: Das war wohl das kleinere Übel, welches wir gewählt haben – das Größere durch eine etwaige Patrouille wäre sicherlich tödlicher ausgegangen. Killmar unterhält längst Spione, Meuchelmörder, wenn nicht Schlägertrupps in Minit. Bitte, Hauptmann, tötet mich, nur zu ... tötet einen unbewaffneten, von keinerlei Rüstung geschützten, wehrlosen Mann, der des Krieges müde geworden ist ...“, rechtfertigte sich Sigmar, immer wieder kurz innehaltend und kleine Luftzüge schnappend. “Wehrlos“, dachte sich der Gesetzlose noch, ein verstohlenes Lächeln auf seine Lippen zaubernd.

Nendaloce
18.05.2008, 00:15
Alieth beobachtete die Ereignisse mit gemischten Gefühlen.
Einerseits konnte sie den Gesetzlosen nicht wirklich Leiden, oder wusste zumindest nicht was sie von ihm halten sollte, andererseits aber fand sie, dass der Hauptmann zu weit gegangen war.
Natürlich war es seltsam, dass der Gesetzlose die ganze Zeit geschlafen hatte, und das war auch in erster Linie das, was sie so erschreckt hatte und doch war es unnötig deshalb gleich mit dem Messer auf jemanden loszugehen, mit dem man noch eine gemeinsame Mission hatte.

Typisch Männer... immer müssen sie sich prügeln…

Alieth schüttelte in Gedanken den Kopf, lies sich jedoch nach außen hin nichts anmerken. Wieso muss das aber auch immer mir passieren, dass ich mit lauter uneinsichtigen, geheimniskrämerischen und aufbrausenden männlichen Wesen zusammen arbeiten muss…
Als sie sich jedoch umsah stellte sie erleichtert fest, dass zumindest Wolf und der Zwerg nicht vor hatten sich in das Geschehen einzumischen.

Lange passierte nichts und der Streit zwischen dem Gesetzlosen und dem Hauptmann wurde immer Lauter.
Es wurden Beschimpfungen hin und her geworfen und vor allem der Hauptmann sparte nicht mit Handgreiflichkeiten.
Inzwischen ging die Sonne schon zum Zenit hinauf und Alieth befürchtete, dass sie wohl bald wieder Besuch bekommen würden, wenn sie es nicht schafften möglichst schnell und leise von hier zu verschwinden. Denn diese seltsamen Kuttenträger waren sicher nicht nur zufällig hier vorbei gekommen und außerdem konnten noch jede Menge andere ihnen feindlich Gesinnte in der Gegend sein.

Dazu kam noch, dass sich die Elfe in dem kleinen Raum nun gar nicht mehr wohl fühlte.
Gerade wollte sie sich räuspern und vorschlagen langsam aufzubrechen, einer der Gefährten seine Stimme erhob und laut und deutlich zu den zwei Streitenden sprach:

Mr Sulak
18.05.2008, 10:32
"Es reicht!"
Rômo hatte schon vor längerer Zeit die Geduld mit den beiden Streitenden verloren und unruhig in seinen Bart hinein gegrummelt. Als die Menschen jedoch nicht einmal mehr Anstalt machten, ihren Konflikt beiseite zu legen und endlich von hier zu verschwinden und der Zwerg auch noch den teils verzweifelten, teils erleichterten Blick der Elfe gesehen hatte, die scheinbar nicht so recht wusste, was sie tun sollte, platzte ihm endgültig der Kragen.
Nun stapfte er auf den etwas verunsicherten Hauptmann in seiner schillernden Rüstung und den augenscheinlich selbstsicheren Verbrecher zu und baute sich vor ihnen auf. "Es kann uns vollkommen egal sein, ob diese schlafende Ratte hier", er nickte ein wenig abfällig in Richtung des nur in Lumpen Gekleideten, "mit den anderen im Bund war! Wenn wir hier noch länger bleiben und uns auch noch den Schädel einschlagen, brauchen sie gar nicht mehr zurück zu kommen! Also reißt Euch endlich zusammen! Und nehmt diese verdammte Klinge von seiner Kehle weg!" Der kleine Krieger funkelte den Mann an, der zögerlich und mit einem alles andere als erfreuten Blick dem Befehl nachkam.
Erneut wandte sich Rômo an den Unruhestifter und bellte ihn an: "Ihr kennt Euch doch hier unten so gut aus! Dann vertrödelt nicht meine kostbare Zeit und zeigt uns endlich einen Weg aus diesem stinkenden, angeblich so sicheren Viertel heraus!"
Sein Gegenüber schien einen kurzen Augenblick lang etwas erwidern zu wollen, denn seine gleichgültige Miene hatte einen verdatterten bis wütenden Ausdruck angenommen. Allerdings hatte er es sich doch noch anders überlegt, denn ohne ein weiteres Wort ging er mit wieder erstarrtem Gesicht und erhabenen Schrittes an dem Zwerg vorbei und in Richtung Tür.
"Und Ihr"; der kleine Krieger betrachtete mit einem abschätzenden Blick erneut den Hauptmann, der bei der Anrede kurz zusammen zu zucken schien, bevor er ihn ansah; "Ihr hört endlich auf, den Mann zu drangsalieren und für alles zu verurteilen, was uns hier geschieht! Ansonsten werden wir schon bald im nächsten Graben liegen, mit aufgeschlitzten Kehlen oder durchbohrten Herzen! Wenn ich nicht einmal einem Gerüsteten des Landes Adamand zutrauen kann, seinen Verbündeten zu beschützen oder ihm zu vertrauen, werden wir unseren Auftrag sicherlich nicht vollenden können!"
Mit einem grimmigen Blick schaute Rômo kurz zu den beiden anderen Wesen, die nur abseits standen und den Wutausbruch des Zwergen mit scheinbarem Interesse verfolgten und nun ertappt einen Schritt in Richtung Tür machten.
Auch der kleine Krieger ging nun darauf zu, drängte sich an den Verbrecher vorbei, der noch immer dort stand, stoß die Pforte auf und trat an die frische Luft. Die Sonne blinzelte bereits über den Horizont und tauchte die schmutzigen und rasch zusammen gehämmerten Hütten in ein goldenes Licht.
"Also..." Der Zwerg drehte sich erwartungsvoll um und betrachtete die Gruppe, die inzwischen ebenfalls auf die von Unrat bedeckte Straße getreten waren und sich immer wieder umsahen, was er ihnen nach dem nächtlichen Angriff nicht eben verübeln konnte.
"Wir sollten uns einen Ort, vielleicht eine Taverne suchen, in dem wir wirklich sicher sind. Und wir müssen eine wichtige Frage beantworten: Wie kommen wir am schnellsten nach Skig?"

Hârkon
22.05.2008, 13:29
Der schnellste Weg ... Dieser Narr, kreiste es in den Gedanken des Gesetzlosen, der sich einen Schritt abseits der im Halbkreis aufgestellten Gruppe in der verschmutzten, heruntergekommenen Gasse des Viertels befand. Die ernsten Mienen, die auf irgendeine Art alarmierten, ablehnenden Körperhaltungen seiner Gegenüber verrieten dem Gesetzlosen zu diesem Zeitpunkt zu deutlich, welches Misstrauen ihm gegenüber ausgesprochen wurde. Wolf war der einzige, der seine Augen nicht auf ihn fixiert hatte, sondern seinen Blick über die Umgebung schweifen ließ. Sigmar selbst scherte dieses Misstrauen kein Stück, schließlich verminderte sich die Gruppe, deren Teil er nie hätte sein wollen und deren Ziel der Erfüllung der Aufgabe er nur widerspenstig nachkommen wollte, damit nur selbst die Chance auf einen etwaigen Erfolg. Ihre Wahrnehmungen, die zweifelsohne von Vorurteilen und konkreter Ablehnung gezeichnet waren - so war sich der Gesetzlose sicher -, trügten ihren Blick auf die Nützlichkeit des Mannes, welchen sie nur als einen Abschaum der Gesellschaft verklärten und mit ihrem Misstrauen straften. Freilich sahen sie nicht das, was hinter dem Mann steckte, der sich in diesem Moment über die richtige Position seiner abschreckenden Augenklappe versicherte und seine linke Hand mit dem warmen Blut des klaffenden Schnittes am Hals benetzte, nur um sich dem satten Rot dieses Lebenssaftes hinzugeben. Er war unbewaffnet und hatte im Gegensatz zu den anderen nicht einmal einen stinkenden, von Kriegsspuren schäbig gewordenen Harnisch um seine Brust, er war nur ein einfacher Schläger, der im Angesicht des ihm ausgesprochenen Misstrauens nicht dazu bereit war, seine Fähigkeiten gegen jemanden einzusetzen, der einstmals sein geliebter Bruder war. Mein eigenes Fleisch und Blut ... Es war noch immer dasselbe, nichts hatte sich nach all den Jahren der Gefangenschaft geändert, nichts ....
„Ardent“, schoss es aus Sigmar plötzlich heraus als er sich wieder mit der gestellten Frage des Zwerges konfrontiert sah. Wolf blickte auf, der Zwerg hob die Brauen, der Hauptmann wandte den Blick zum Boden und die Elfe verharrte in ihrer bisherigen Haltung: Ein kunterbuntes Kabinett an Reaktionen auf einen Namen, den ein Mann aussprach, dem kaum mehr ein Signal der Zugehörigkeit zur Gruppe offenbart wurde.
„Was war das?“, fuhr der Zwerg dazwischen, während er versuchte den genannten, nicht verstandenen Namen nachzuvollziehen. „Ardent“, wiederholte Sigmar lauter und deutlicher als zuvor, was in einigen Sekunden der Stille und absoluten Bewegungslosigkeit mündete. Diesmal runzelte der Zwerg die Stirn, nachdem er durch diese knappe Phrase wiederum den Sinn dahinter nicht verstanden hatte.
„Ardent – die zweitgrößte Hafenstadt Adamants. Sie befindet sich vielleicht ein, zwei Tagesmärsche von hier entfernt“, unterbrach Wolf den Versuch Rômos Sigmar erneut das missverstandene Wort zu entlocken. „ ... Unmöglich – in der Stadt herrscht Bürgerkrieg. Sie ist geteilt in die Union der königlichen Garnison im Osten und in ein Lager von rebellierenden Freibeutern, der örtlichen Bevölkerung und per Schiff angekommenen Flüchtlingen im Westen. Kein gutes Pflaster, wenn Ihr mich fragt, Rômo“, entgegnete der Hauptmann, ohne den Gesetzlosen eines Blickes zu würdigen, zum Zwergen gewandt, der sich nachdenklich durch seinen Bart strich. „Ihr fragtet nach dem schnellsten Weg, Herr Zwerg, das ist er. Wenn es uns gelingen sollte, in den Stallungen ein paar Pferde zu ergattern, sind wir in einem halben Tag in Ardent, wo es uns möglich sein sollte, ein Schiff nach Skig aufzusuchen. Es wird jedoch unabdingbar sein, dass wir die Lage gemäß handeln; ob wir uns auf die Seite der königlichen Truppen oder die Seite der Aufrührer begeben, soll uns nicht kümmern. Ein schnelles Übersetzen nach Skig soll unsere letztendliche Entscheidungshilfe sein“, erklärte Sigmar mit deutlicher Stimme seiner Meinung Ausdruck und Gewichtung verleihend.

Wolf's Rain
23.05.2008, 11:17
„Ich bin gegen Pferde“, meldete Wolf sich zu Wort, woraufhin er erstmal einige überraschte Blicke erntete. „Warum?“, fragte Sigmar erstaunt. „Mag sein, dass wir mit ihnen und der direkten Route den schnellsten und kürzesten Weg nach Ardent zurücklegen würde, allerdings würden wir meiner Ansicht nach so ebenfalls umso mehr Aufmerksamkeit erregen. Außerdem ist es nicht unwahrscheinlich, dass, wenn man uns schon hier im Gasthaus im Herzen von Minit gefunden hat, auch auf den Wegen weitere Feinde uns erwarten werden, deswegen sollten wir uns so bedeckt wie möglich halten und direkten Konfrontationen weitergehend aus dem Weg gehen. Es wäre also nicht klug auf Pferden einfach direkt in Ardent hereinzumarschieren, zumal wir als Gruppe auch so schon eine ziemlich ausgefallene und seltsame Konstellation abgeben.“

Die anderen schwiegen einige Augenblicke und schienen über das Gesagte nachzudenken, dann meinte Sigmar schließlich: „Wieso so kompliziert, wenn es auch einfach geht? Diese Ratten könnten wir auch ganz einfach aus dem Weg räumen.“ „Um uns noch stärker bemerkbar zu machen?!“, wandte Wolf mit hochgezogenen Augenbrauen, jedoch keinesfalls spöttisch, ein. „Vergesst nicht, dass unsere Mission so geheim und unauffällig wie möglich bleiben soll. Je mehr wir ihnen auf offener Straße begegnen, desto mehr Leute setzen sie auf uns an und desto mehr kommen sie uns dann in die Quere, was zur Folge hätte, dass wir ständig aufgehalten würden und zunehmend mehr Leute von unserer Aktion Wind bekämen und ich weiß nicht, ob das unbedingt so gut für uns wäre. Denn noch ist nicht gesagt, wer diese Spinner von vorhin auf uns angesetzt hatte und aus welchen Gründen und ob man sich in Skig schon auf unser Kommen vorbereitet, deshalb sollten wir, denke ich, unsere Chancen nutzen und nicht noch mehr auf uns aufmerksam machen. Wenn es zu Konfrontationen kommt, dann möglichst im Verborgenen oder in einem Umfeld, in dem ein Kampf schon gar nicht mehr groß auffallen würde.“

„Und was schlagt Ihr dann stattdessen vor?“, fragte Alieth mit ein wenig Skepsis in der Stimme. „Nun, auf dem Weg Richtung Ardent gibt es in der Gegend auch einige Wälder, wenn ich mich nicht irre, die könnten wir uns zu Nutze machen“, antwortete Wolf. „Natürlich wäre es schwachsinnig den gesamten Weg tief im Innern der Wälder zurückzulegen, das wäre zu gefährliche und würde auch zu lange dauern, aber wenn wir uns eher im Randgebiet aufhielten und uns nicht zu stark von der Richtung abbringen lassen würden, könnte das von Vorteil sein. Wenn sie uns dort angreifen, können wir sie ganz ungestört aus dem Weg räumen. Mag sein, dass wir auf diese Wiese länger bräuchten, vielleicht zwei Tage, dennoch wäre es, denke ich, wesentlich ungefährlicher“, schloss er. Dann fügte er noch hinzu, mehr zu sich selbst als zu den anderen: „Allerdings müssen wir Acht geben. Die können keine ganze Horde nach Adamant schicken, also werden wir es zum Teil wohl auch eventuell mit Gegnern zu tun bekommen, die nicht von Pappe sind.“

Ein Moment des Schweigens trat und Wolf war immer noch eher in seinen eigenen Gedanken und Überlegungen als bei den Reaktionen der anderen auf seinen Vorschlag, als ob er ihre Anwesenheit gerade gar nicht wahrnehmen würde. Schließlich hob er wieder den Kopf und wandte sich erneut an die anderen: „In Ardent, wäre ich übrigens dafür, sollten wir uns auf die Seite der Rebellen begeben.“ „Was?!“, stieß der Hauptmann ein wenig empört, aber hauptsächlich überrascht, aus. „Wir sollen uns auf Seiten dieses Lumpenpacks…“, setzte er an, doch Wolf unterbrach ihn. „Hat Sigmar nicht eben gesagt, ob wir uns auf Seiten der Aufrührer oder königlichen Truppen begeben, soll uns nicht kümmern? Nun, ich sehe das ähnlich. Aber auf irgendeiner Seite müssen wir uns ja schließlich aufhalten. Vollkommen gleich, ob wir mit ihrem Handeln oder ihren moralischen Vorstellungen übereinstimmen, die Seite der Rebellen wäre für uns vorteilhafter.“ „Und warum, wenn ich fragen darf?“, gab der Hauptmann zurück. Wolf konnte sich ein leichtes Grinsen nicht verkneifen. „Dort sich ungestört aufzuhalten und ein Schiff zu bekommen ist ohnehin schwierig genug, zumal sich auf beiden Seiten möglicherweise auch noch Spione oder Leute, die es auf uns abgesehen haben, befinden könnten. Ich habe da noch ein paar gute, alte Bekannte unter den derzeitigen Aufrührern, die vertrauenswürdig sind. Sie haben schon bei so einigen Aktionen mitgemacht, das Rebellieren gegen vorgeschriebene Ordnungen liegt ihnen schon seit jeher im Blut, es sähe ihnen ähnlich, wenn sie auch bei diesem Aufstand dabei wären. Auch ich habe bereits viermal an ihrer Seite gekämpft, einige Male sogar aus freien Stücken, um sie zu unterstützen. Aber keine Sorge – „, fügte er bei den fragenden und skeptischen Blicken rasch hinzu, „dabei ging es nicht gegen Adamants Regierung oder seinen Truppen. Wie auch immer, jedenfalls können sie uns ohne weiteres das besorgen, was wir brauchen, außerdem habe ich noch etwas gut bei ihnen.“ „Falls Ihr vorhabt Euch in irgendwelche Kämpfe dort einzumischen, um Eure kleinen Freunde aus alter Zeit zu unterstützen, vergesst es. Dafür haben wir keine Zeit!“, sagte der Hauptmann. „Ich muss Euch enttäuschen, ich habe nichts dergleichen vor“, entgegnete Wolf halbwegs freundlich, wenn es ihn auch ein wenig ärgerte, dass Khalndrar ihm zutraute ihre Mission zu gefährden. Dieser schien zwar nicht wirklich überzeugt, erwiderte aber auch nichts mehr. Aber auch die anderen schienen nicht recht zu wissen was sie von diesem Plan halten sollten.

Schließlich meldete sich der Zwerg zu Wort. „Und wer garantiert uns, dass Eure „Bekannten“ uns nicht hintergehen, oder für ihre Zwecke missbrauchen, oder wer weiß was mit uns anstellen?“, brummelte der Zwerg durch seinen buschigen Bart hervor. „Wir können ihnen vertrauen, dafür bürge ich“, antwortete Wolf ruhig, wenn seine Worte auch bedächtig formuliert waren und eher vorsichtig klangen. „Sie hätten nichts davon uns zu verraten, zu bestechen, oder dergleichen, die ticken völlig anders. Ehre, Anstand und Kämpferwillen sowie, wenn man in der Schuld von jemandem steht, diese auszugleichen spielen bei ihnen eine wichtige Rolle.“ Die anderen hatten inzwischen allesamt ihre Blicke auf ihn gerichtet und Wolf hielt ihnen stand, er hatte nichts zu verheimlichen und er plante auch nichts, was ihre Aufgabe beeinträchtigen könnte, er stand zu seinem Wort. „Letztlich…“, sagte er Schulter zuckend und feststellend, „ist es nur ein Vorschlag. Es liegt an euch ihn anzunehmen, oder, wenn ihr einen besseren habt, dann sagt es ruhig. Ich habe jetzt erstmal alles gesagt.“

Mr Sulak
23.05.2008, 19:21
Noch ein Strauchdieb, der einer Rebellion angehörte... das wird ja immer schöner! Der Gesichtsausdruck des Zwergen verfinsterte sich leicht und ein missbilligender Blick streifte den Mann, der sich selbst 'Wolf' nannte und seine Rede anscheinend beendet hatte.
"Ich werde auf jeden Fall nicht durch irgendein Unterholz kriechen, nur weil ein paar Fanatiker auf uns warten!" Rômo senkte trotzig sein Haupt und visierte den Gesetzesbrecher an. "Gehen wir zu den Toren hinaus, wird man ohnehin wissen, dass wir uns auf den Weg zu einer anderen Stadt gemacht haben."
Die letzten Worte brummte er nur in seinen Bart hinein, doch waren sie deutlich genug, dass die restlichen Wesen ihn ein wenig verblüfft ob dieser Gedankengänge ansahen. Dieser ließ sich davon nicht einschüchtern, sondern fuhr fort: "Egal, was wir tun, es gilt, dies schnell zu machen! Beobachtet werden wir ohnehin andauernd, egal, ob wir uns leise verhalten oder nicht. Und ich bin ohnehin kein Freund von koboldsgleicher Schleicherei!"
"Aber überlegt doch, wie gefährlich solch eine Vorgehensweise sein kann -"
Der Zwerg schnitt Wolf das Wort mit einem verächtlichen Laut ab. "Kommen wir langsam und geheim voran, entdecken sie uns nach zwei Tagen! Sind wir aber schnell zugange, sind wir da, noch bevor der Feind weiß, was wir unternehmen wollen! Und in einer Stadt, die von einem Bürgerkrieg gebeutelt wird, dürfte das Untertauchen ja nicht allzu schwer fallen, nicht wahr? Es gilt, endlich von hier weg zu kommen, bevor die Sektenspinner demjenigen, der sie auf uns gehetzt hat, sagen können, dass sie schmählich gescheitert sind!"
Rômo ließ noch einmal seinen Blick durch die Runde schweifen: die Elfe schaute eher skeptisch denn überzeugt zurück, der Hauptmann schien ebenfalls nicht eben erfreut über den bisherigen Ausgang der Gespräche zu sein. Der Gesetzlose mit dem gesunden Schlaf sah den Zwergen spöttisch an, wogegen der andere die ausgesprochenen Worte zu überdenken schien.
Der kleine Krieger grinste breit. "Nun, ich gehe. Wenn ihr folgen wollt, könnt ihr das ja gerne tun."
Und ohne auf eine weitere Erwiderung zu warten, drehte Rômo sich um und stapfte zwischen Unrat und Matsch die Straße entlang. Und kommen sie nicht, dann sollen sie hier eben verfaulen! Die Augen des Zwergen spiegelten seine Selbstsicherheit, und noch ein Stück beherzter trat er aus.

Nendaloce
27.05.2008, 00:39
Die Elfe war die ganze Zeit über Ruhig dagestanden und hatte sich die Streitgesprächen und Diskussionen, mehr oder weiniger schweigend angehört.
Es lag einfach nicht in ihrer Natur sich in laute Auseinandersetzungen einzumischen, und obwohl sie im allgemeinen Zwerge nicht recht mochte, hatte sie schon bemerkt, dass man sich auf Rômo zumindest was die Mission betraf verlassen konnte.

Sie persönlich hätte zwar eine Reise durch die Wälder bevorzugt, allerdings kannte sie sich in diesem Gebiet nicht wirklich aus und sich ganz auf eine fremde Führung zu verlassen ging ihr dann doch gegen Strich.
Außerdem mahnte sie ihr Pflichtbewusstsein die Mission möglichst schnell und mit Erfolg hinter sich zu bringen, und da war der Weg den Rômo einschlagen wollte einfach der effizienteste.

Gerade war Alieth noch am überlegen, ob sie sich nicht vielleicht doch in die Gespräche einmischen sollte, da die Situation zu eskalieren drohte, doch da hatte der Zwerg seine Entscheidung auch schon gefällt und war zur Tür heraus getreten.

Und so entschloss sich Alieth dem so entschlossenen Zwerg zu folgen, auch wenn der vielleicht nicht ganz Glücklich darüber war, dass gerade die Elfe es war, die sich ihm als erste anschloss.
Und nun, draußen vor der Tür wartete sie gespannt, ob ihnen noch jemand folgen würde.
Und da hörte sie auch schon schwere Schritte, die sich durch dem Matsch und die Fäulnis ihren Weg nach draußen bahnten.

Wolf's Rain
27.05.2008, 18:34
Wolf seufzte innerlich und sah dem Zwergen schweigend hinterher, wie dieser dort so durch den weichen, schlammigen Boden nach draußen stapfte. Zielsicher und überzeugt von seiner Ansicht entfernte er sich stetig von der Gruppe in dem schäbigen Gasthaus, wobei seine Füße bei jedem Schritt ein knirschendes und schmatzendes Geräusch hinterließen, welche die fast schon unheimliche Stille ihres Schweigens immer wieder durchbrachen, und Wolf befürchtete schon, Rômo würde gar nicht mehr anhalten. Doch dann blieb er der Zwerg einen Moment stehen und schien zu warten, was passierte. Wolf blickte zu Boden, ihm war gar nicht wirklich aufgefallen, wie schmutzig dieser und wie verkommen diese Schenke, nein diese ganze Gegend hier, war.

Alsbald folgte die Elfe dem Zwergen nach draußen, was ihn zunächst verwunderte, und er blickte auf, die beiden nachdenklich betrachtend, aber dann musste er unwillkürlich ein wenig schmunzeln. Auch wenn dieses Schmunzeln sich rasch wieder davonstahl, schien es etwas in ihm in Bewegung gesetzt zu haben. Bevor der Feind weiß, dass wir da sind...?, dachte er und schüttelte leicht den Kopf. Als ob sie nicht wüssten, was wir vorhaben. Die Hafenstadt Ardent ist eine von nur wenigen Möglichkeiten, die wir haben, und zudem ist es aufgrund der Unruhen dort, die wir uns vielleicht zu Nutze machen könnten, sogar recht wahrscheinlich, dass wir irgendwo dort aufkreuzen werden. Der Feind... der wird bereits auf uns warten... irgendwo dort draußen... wenn sie vorausschauend gedacht haben.

Allerdings musste Wolf auch zugeben, dass sie ihnen genauso gut auch im Wald auflauern konnten. Normalerweise zog er es vor sich lieber im Verborgenen zu halten, deswegen nutzte er meist die Wälder oder andere geschützte Gegenden, zumal er sich in den Wäldern dieser Gegenden ganz gut auskannte, aber zu fünft wäre es schwieriger sich vor Feinden verdeckt zu halten und sie würden wirklich Zeit verlieren. Es mochte seinen Vorteil haben, wenn er alleine möglichst unbemerkt und dennoch relativ zügig irgendwohin musste, allerdings war diese Situation eine ganz andere, die Zeit drängte und der Weg war lang und führte sie sogar aufs offene Meer hinaus, eine für Wolf eher seltene Situation. Genug des Überlegens und Abwägens - es war an der Zeit zu handeln und nicht nur, wie Wolf erkennen musste, kluge Reden zu schwingen, auch wenn er immer noch der Ansicht war, dass auch verdecktes Vorankommen trotz Zeitverlust in vielen Fällen von Vorteil sein konnte.

Also gut, dachte er sich, warum es nicht auch einmal so versuchen. Lassen wir's halt drauf ankommen, mehr als schief gehen kann's nicht. Auch ich habe nicht immer Recht - wer weiß, vielleicht ist das in Anbetracht der Umstände wirklich der beste und schnellste Weg. Und mit diesem Gedanken setzte er sich in Gang und folgte Rômo und Alieth nach draußen, die anderen beiden folgten ihm wenig später.

Auf jeden Fall würde es spannend werden, dessen war er sich sicher, und solange das der Fall war, konnte er eigentlich nur zufrieden sein. Jedenfalls war dieser ganze Auftrag im Gegensatz zu den meisten anderen, die er erlebt hatte, wirklich einmal eine Abwechslung, auch wenn jeder für sich etwas gehabt hatte.
Er betrachtete die Gesichter der anderen, während er bereits überlegte, was sie auf dem Weg erwartete, als ihm plötzlich noch etwas einfiel und er wandte sich an seine Gegenüber: „Jetzt, wo das, denke ich mal, geklärt wäre… Wie geht es denn dann weiter, in Ardent, meine ich. Wie gehen wir vor, um an unser Schiff zu kommen und wo in der Stadt, beziehungsweise auf wessen Seite, halten wir uns während der Zeit, die wir brauchen, auf? Oder entscheiden wir das erst spontan, wenn wir dort ankommen?“

Mr Sulak
04.06.2008, 20:21
"Wie oft soll ich es denn noch sagen?" Der Zwerg drehte sich mit einem genervten Gesichtsausdruck um und brummte in seinen Bart hinein: "Wir sollten uns besser erst einmal beeilen, endlich von hier weg zu kommen! Wenn wir erst einmal auf der Straße sind, können wir gerne darüber weiter sprechen, was wir unternehmen wollen."
Mit einer noch finstereren Miene als gerade eben fügte er im Gehen hinzu: "Gleichwohl es mir sehr missfällt, aber wir werden uns einen Wagen besorgen müssen."
"Einen Wagen?" Wolf trat neugierig noch einen Schritt näher an den kleinen Mann heran, während er fragte: "Wieso einen Wagen? Mit Pferden kommen wir doch viel schneller voran."
"Weil ein Zwerg nicht auf einem Pferd reitet!" Rômo senkte seinen Kopf angriffslustig, wobei er den Störenfried anvisierte. "Von diesen elendigen, riesigen Viechern zu stürzen, würde mir nur das Leben kosten, an dem ich im Übrigen sehr hänge!"
Auch wenn es sein Gegenüber eindeutig versuchte, so konnte er sich dennoch ein leichtes Grinsen nicht gänzlich verkneifen, was die Laune des ohnehin schon mürrisch aufgelegten Kriegers noch mehr senkte. "Es bleibt dabei: ein Wagen!"
"Und wenn wir Euch ein Pony besorgen?"
"Du willst mich wohl veralbern!" Rômo platzte endgültig der Kragen, als er mit hochrotem Gesicht und wild umherhüpfenden Zöpfen herum wirbelte. "Ein Zwerg auf einem Pony, während ihr allesamt auf so einem Ackergaul sitzt?! Das hättest du wohl gerne! Nein, ein Wagen! Und wenn ich sage, 'ein Wagen', dann meine ich das auch, bei allen Magien der Erde!"
"Kein Grund, gleich eingeschnappt zu werden..." Als der Blick des Zwergen jenem des Menschen begegnete, schloss dieser vorsichtshalber seinen Mund und ließ sich wieder einige Schritte zurückfallen, um den Zorn des kleinen Mannes nicht unnötig weiter zu schüren. Rômo hörte im Gegenzug auf, ihn anzufunkeln, mit den Zähnen zu mahlen und immer wieder auf seine Axt zu pochen, während er versuchte, sich selbst Einhalt zu gebieten. Ruhig Blut, Junge, ruhig Blut... die Mission muss ausgeführt werden.
Tatsächlich glätteten sich die Züge des Zwergen, und mit viel unterdrückter Wut im Bauch machten er und die ihm Folgenden sich auf der Suche nach einem Stall.

<+>

"Was soll das heißen, es gibt keinen Wagen?!"
Der Krieger aus dem kleinen Volke schäumte vor Wut, als er den Knecht anfauchte: "Wie kann es sein, dass es in einer solch großen Stadt, die natürlich nichts gegen die von uns Zwergen ist, kein einziger Wagen mehr zu finden ist?!"
Der Jüngling, vielleicht 19 Sommer alt und in alter, von Mist und Dreck verschmierter Kleidung steckend, zuckte nur eingeschüchtert mit den Achseln, als er kleinlaut antwortete: "Die meisten der Wagenbauer hier sind gekonnte Fachleute, die ihre Geräte aber nur auf Bestellung liefern. Ihr müsst Euch zwei oder drei Sonnenumläufe gedulden, Herr Zwerg -"
"Ich habe keine zwei oder drei Sonnenumläufe! Ich muss jetzt los, und der Haufen da draußen", er deutete abgehackt auf die drei Menschen und der Elfe, die einige Blicke und unverholene Gesten der vorbeigehenden Passanten auf sich zog, "muss ebenso mit! Wie soll ich das also ohne einen Wagen machen, sagt mir das!"
"Nun, Ihr könntet doch einfach reiten -"
"Ich will mein Leben nicht riskieren!" Die Farbe des Gesichts des Zwerges hatte bereits das tiefste Rot erhalten, dass es wohl hervorbringen konnte. "Diese elenden Viecher sind tückisch, das weiß ich genau! Mein Vetter zweiten Grades ist mal von einem herunter gefallen und hat sich dabei schwer verletzt!"
"Nun, das ist dann aber die Schuld des Reiters -"
"Es war nicht seine Schuld!"
"Nein, natürlich nicht!" Der junge Mann schien noch ein Stückchen zu schrumpfen, und dennoch überragte er den Zwergen um gut vier Fuß. "Aber es bleibt dabei, Herr Zwerg: Ihr werdet keinen Wagen finden. Und schaut doch mal, da drüben hätten wir sogar ein recht kleines Pferd..."
Grummelnd folgte der Krieger dem Stallburschen, der eindeutig erleichtert darüber war, endlich nicht mehr niedergemacht zu werden, und deutete auf ein kräftiges, von langem Haar bedecktes Pony, dessen Mähne sogar die Augen verdeckte und das gemächlich ein wenig vom Stroh in seiner Box fraß. Mit einem kritischen Blick kam der Zwerg noch einen Schritt näher und begutachtete das Tier ausgiebig, bevor er wesentlich ruhiger, aber dennoch brummend fragte: "Wie lange kann der Kleine denn laufen?"
"Oh, er ist sehr ausdauernd, Herr Zwerg!" Lächelnd öffnete der Jüngling das Gehege und trat, dicht gefolgt von dem Kunden, ein. Ohne weiter zu zögern, ging dieser auf das Tier zu, welches augenblicklich neugierig seinen Kopf hob und den kleinen Mann scheinbar überrascht anzwinkerte. "Es kann mühelos mit einem Pferd mithalten, zumindest, was die Dauer des Ritts angeht. Natürlich ist ein Pferd dank seiner längeren Beine ein wenig schneller, aber -"
"Lasst doch endlich mal das Gequassel sein!" Rômo funkelte den Stallburschen erneut an, der sofort verstummte und stattdessen den Zwergen beobachtete, wie er dem Pony sanft über die Nüstern strich. "Na, Kleiner, hättest Du was dagegen, wenn ich mich auf dich setze?"
Das Tier schnaubte kurz auf und schüttelte kräftig seine Mähne, bevor es den kleinen Krieger geduldig ansah und sogar zu nicken schien. Mit einem leisen Brummen drehte sich der Zwerg um und überlegte kurz, bevor er fragte: "Wagen sind also nicht erhältlich?"
Vollkommen überrascht, sah der junge Mann seinen Gegenüber nur an, bis er verstand, dass die Frage an ihn gerichtet war, und antwortete hastig: "Oh, ja, absolut. Ihr werdet in ganz Adamant kein Gespann finden."
Eine Weile herrschte Stille, bevor der Zwerg langsam nickte. "Dann gebt mir mal einen Sattel für den Kleinen hinter mir."

Hârkon
06.06.2008, 16:59
Hitze. Rauch. Lärm.

"Willkommen in der Hölle ...", entgegnete die gar hühnenhafte Gestalt, die ihren Kopf leicht zur Seite gedreht hatte und dabei ein verstohlenes Grinsen auf seinen Lippen bei den Nachfolgenden erkennen ließ. Wachsam schweifte der Blick des Vorausgehenden über die von so viel "Geschäftigkeit", nein Aufregung gezeichnete Umgebung. Was der Gesetzlose, der mit seinen einfachen, versifften Fetzen am Leib schon fast liebevoll als "Hölle" betitelte, war für den ein oder anderen der Gruppe, der unsicheren Schritts durch die einstmals prächtigen Straßen der Handelsmetropole Ardent stapfte, weitab persönlicher Vorstellungen der Unterwelt - man musste wohl noch einmal in der Hölle sterben, um hierher, an diesen Ort zu gelangen ...

Während sich die ohnehin vor Dreck kaum sichtbaren Füße Sigmars in einem Exkrementhaufen nach dem anderen suhlten, versuchten die Nachfolgenden - zumindest teilweise - ihren Weg bedachter auszuwählen und den, im wörtlichsten Sinne "vollgeschissenen" Straßenpflastern auszuweichen. Hin und wieder jedoch blieb dieses Unterfangen zur Erfolglosigkeit verdammt und der ein oder andere Stiefel grub sich in den teilweise noch warmen, frischen Kot von aufgebrachten Menschen oder freilaufenden Tieren. Wenn sich hier jemand wohlfühlen konnte, dann war es wohl Sigmar, denn nachdem die Gruppe einen Tag lang ununterbrochen durch dichte Wälder gehetzt (bei dem Zwerg auf seinem Pony konnte wohl kaum die Rede von "hetzen" sein) war, hatte sich die Gruppe dazu entschieden, die in einen Bürgerkrieg verfallene Hafenstadt Ardent, auf Seiten der aufständischen Bevölkerung und eben nicht der Seite der noch standhaften, königlichen Garnison zu betreten.

Was sich der Gruppe, die gerade an einem wildflüchtenden, von Konflikten gezeichneten, königlichen Stoßtrupp und deren gar fanatischen Verfolgern in einer Gasse begegnet war, auf dem nun größten Platz der Stadt, dem Marktplatz vor den riesigen Docks, bot, war schließlich der Tropfen, welcher das Fass beim kopfschüttelnden Hauptmann zum Überlaufen brachte.

"Dieses Pack ... Dieses Chaos. Hier werden wir nie ein Schiff finden, nie! Lasst uns verschwinden und das Osttor betreten - die Garnison wird uns sicherlich eines ihrer Schiffe zur Verfügung stellen ... !"

Der Untergrund von Kot, Urin und Blut zu einem matschigen Fundament verkommen, die Marktstände zerschlagen, das Holz zu großen Leuchtfeuern getürmt und entzündet, riesige Rauchsäulen über der Stadt und in den teilweise brennenden Fachwerkhäusern, die die Sicht auf einen Großteil des Hafens zur Unmöglichkeit verdammten, aufgehängte und drangsalierte Soldaten, herumliegende, achtlos getretene oder zertrümmertete Köpfe und Schädel, abgetennte, zerstümmelte Gliedmaßen, erzürnte, aufgeheizte Mobs von Handwerkern und Anderlingen, die mit jedweden, zur Waffe gemachten, Werkzeugen in der Hand, gefangene Soldaten schlugen, bespuckten oder direkt kaltblütig hinrichteten und schließlich ein Zug von Entblößten, die sich unbarmherzige Schmerzen durch ihre Geißeln zufügten und einen dunklen Chor erhoben.

"Maledictum - wir müssen hier weg, kommt ... -"

"Klappe. Wir bleiben hier - du glaubst doch wohl nicht, dass die königliche Garnison einem einfachen Hauptmann in einem derartigen Konflikt und bei solchem Misstrauen ein ganzes Schiff zur Verfügung stellt. Die Gruppe hat ihre Entscheidung getroffen und ...", unterbrach Sigmar, von der Situation, dem vielen Lärm, dem Rauch und der Hitze, die ihm unweigerlich Schweißtropfen auf die Stirn zwängte, ebenfalls angeheizt, den Hauptmann, der bereits auf die Barrikaden zur anderen Seite deutete und zur Kehrtwende drängte. Ehe er selbst aber hatte seinen Satz vollenden können, war Wolf eingesprungen und hatte ihn zu Ende gebracht:

"... - wir bleiben hier." Die anderen nickten, ob insgeheim widerstrebend schluckend oder überzeugt zustimmend. Der Rauch, der sich in die Lungen der Fünf ergoss, machte zumindest Sigmar langsam zu schaffen - nicht, dass er es nicht gewohnt war, diese so penetrante Luftströmung einzuatmen, nein, er erinnerte ihn an die alten Tage ... Höfe, Dörfer, Kirchen, ... ein Heiligtum in Flammen und er ... in seinen Erinnerungen direkt daneben, einen blutigen Kopf in der Hand.

"Ein heißes Pflaster ... bei all diesem Durcheinander von Anderlingen und Menschen werden uns diese Sektenspinner sicher nicht behelligen ... Wolf, Ihr sagtet, dass Ihr alte Freunde habt, die man bei einem solchen Spektakel üblicherweise anzutreffen vermag?"

Wolf's Rain
08.06.2008, 13:36
„Nun, bei solchen Spektakeln anzutreffen mag, ist vielleicht zu viel gesagt, aber sie sind eben sehr rebellischer Natur und lassen sich weder von raffgierigen Königen anderer Reiche, die meinen nach Adamant einmarschieren zu müssen, noch von ihrer eigenen Regierung viel sagen oder gefallen. In jedem Reich gibt es Probleme und Unzufriedenheit unter der Bevölkerung, vor allem in Zeiten des Krieges. Also können wir uns ziemlich sicher sein sie auch bei diesem Aufstand hier irgendwo zu finden.“ „Was macht dich so sicher, dass sie ausgerechnet hier in Ardent sind?“, fragte die Elfe Alieth ein wenig skeptisch. „Weil diese Stadt ihre Heimat ist, hier sind sie aufgewachsen und verbrachten die meiste Zeit ihres Lebens. „Selbst wenn, wie willst du sie hier in diesem Chaos finden?“, entgegnete Alieth, während sie sich mit Augen, die großes Unwohlfühlen angesichts dieser Umgebung ausstrahlten, umsah und husten musste, als der Rauch zu ihnen herübergeweht kam, den anderen erging es nicht viel anders. Diese Frage der Elfe konnte Wolf selbst noch nicht so genau beantworten, aber er wusste bereits, wonach er Ausschau halten musste, um den Aufenthaltsort seiner Bekannten auszumachen. „Bevor wir uns auf den Weg weiter in diese Straßen des Chaos machen“, brachte der Hauptmann angesichts des beißenden Rauches hervor, „würde ich gerne etwas mehr über deine „Freunde“, oder so genannten „Bekannte“ erfahren. Immerhin müssen wir wissen auf was, oder besser gesagt wen, wir uns da einlassen.“ Die anderen nickten zustimmend, der Zwerg brummte etwas Unverständliches vor sich hin, vielleicht gefiel es ihm nicht ganz, dass der Mann, der sich zuvor noch über ihn lustig gemacht hatte, nun erstmal das Kommando übernehmen sollte.

Wolf seufzte innerlich und überlegte wie er die Sache am besten und kurz erklären sollte. „Ob er mir die Sache mit dem Pony immer noch übel nimmt?“, fragte er sich beim grimmigen Gesichtsausdruck des Zwergen und musste ein wenig schmunzeln, „wobei, eigentlich schaut der ja immer so drein.“ Dann wandte Wolf sich schließlich an die anderen: „Bevor ihr noch irgendetwas Falsches von mir denkt – ich bin kein rebellischer Aufständischer und bin auch nie einer gewesen, ich teile lediglich ein paar Erfahrungen und Kämpfe mit ihnen, meistens in Bezug auf die Erfüllung eines Auftrags, aber auch einige Male, das kann ich nicht leugnen, aus freien Stücken. Wie auch immer, ich kenne ein paar von ihnen, auch wenn mich die meisten wahrscheinlich nicht mehr erkennen würden. Die beiden, auf die wir es abgesehen haben, dürften die Anführer sein, denn sie sind häufig Drahtzieher hinter irgendwelchen Aufständen oder Aktionen. Auch wenn sie nicht miteinander verwandt sind, könnte man sie Brüder bezeichnen, viel mehr weiß ich von ihnen auch nicht, außer dass sie uns ein Schiff besorgen können. Noch irgendwelche Fragen?“ So wirklich überzeugt waren die anderen nicht, erwiderten aber auch nichts mehr. „Schluss mit dem Gelaber“, meldete sich nun Sigmar zu Wort. „Machen wir uns lieber auf die Socken!“ Wolf betrachtete den schmutzigen, verwilderten Gesetzlosen einen Moment, dann nickte er, wandte sich um und lief auf eine der engen Gassen zu, in der seine Gestalt schon bald verschwand. Die anderen sahen sich an. „Sollen wir ihm folgen?“. Fragte Alieth. „Sieht wohl so aus“, brummte der Hauptmann, Sigmar und Rômo hatten sich bereits in Bewegung gesetzt und so folgte Die Truppe ihrem Gefährten in das Dunkel der Gasse hinein. Auch hier verfolgte sie der Rauch zusammen mit dem beißenden Gestank von Verbranntem noch, als ob er die fremden Eindringliche, die nicht wirklich hierher gehören zu schienen, verfolgte.

Am Ende der Gasse hielt Wolf an und sah sich um und suchte nach einem Anhaltspunkt, doch die vor ihnen liegende breitere Straße, gesäumt von Trümmern und einigen Toten, schien vollkommen leer gefegt zu sein. Wolf entschied sich für den Weg noch links und lief los, die anderen dicht auf seinen Fersen. Ihm war klar, dass sie weiter ins innere Zentrum des von den Rebellen belagerten Teils der Stadt vordringen mussten, wo noch nicht so viel zerstört war, denn dort war die Wahrscheinlichkeit am größten auf ihr mögliches Hauptquartier zu stoßen, wo sie wahrscheinlich gerade weitere Pläne ausarbeiteten, denn das Geschehen wirkte nicht so, als ob gerade eine riesige Schlacht zwischen beiden Fronten stattfand, viel mehr wie Vorboten der nächsten Waffenauseinandersetzung. Noch herrschte also gewissermaßen Ruhe vor dem Sturm.

Während sie weiter durch die Straßen und Gassen hetzten, hielt Wolf immer wieder Ausschau und versuchte sich zu orientieren, was in dieser Stadt des Chaos kaum möglich war, selbst wenn man die Stadt wie seine Westentasche kennen würde. „Sag mal“, hörte er Khalndrar hinter sich ein wenig genervt schnaufen, „wonach…“, doch Wolf unterbrach ihn mit einem Ausbruch des Triumphs. „Da!“, rief er und steuerte auf eine Gestalt in einiger Entfernung zu. Als sie sich ihr im Laufschritt näherten, erkannten auch die anderen anhand der Kleidung, dass es sich wahrscheinlich um einen der Rebellen handelte, nichts bloß um einen aufständischen Bürger, denn er trug etwas, das aussah, wie eine zusammengeschusterte Rüstung ohne Metallelemente sondern lediglich aus verschiedenen Stoffen bestehend, um sich eben so gut wie möglich auch so zu schützen. Wolf hatte gefunden, wonach er gesucht hatte. Jemanden mit einem roten Tuch, in dessen Stoff das Emblem der Gruppe, denen die zwei von denen er gesprochen hatte, angehörten bzw. diese anführten. Ein kleines, rotes Tuch mit einem schwarzen Pfeil drauf – das musste es sein! Dieser Mann hatte es sich um seinen rechten Arm gebunden und kam ahnungslos geradewegs auf sie zu, blieb jedoch überrascht stehen als er sie auf sich zukommen sah. Er erkannte die mögliche Gefahr augenblicklich und wollte sich schon rasch davonmachen, doch Wolf zog bereits sein Schwert und schnellte an dem Mann vorbei, um ihn von hinten daran zu hindern. Die anderen Gefährten hatten bereits begriffen und umstellten diesen mit gezückten Waffen.

„Was…? Was wollt ihr von mir?!“, fragte der Mann grimmiger, herausfordernder, aber auch zugleich von Furcht erfüllter Stimme. „Gar nichts“, antwortete Wolf in seinem Rücken, woraufhin der Mann herumschnellte. „Wir wollen bloß zu Jyet.“ Sein Gegenüber sah Wolf mit erstauntem, aber festem Blick an, Wolf hielt diesem stand und erwiderte den grimmigen, überlegenen Gesichtsausdruck. „Er ist euer Anführer, stimmt’s?“ „Ich sage nichts.“ „Oder nicht?“, fragte Wolf mit Nachdruck. „Ich sage nichts“, war nur die Antwort. „Bringt uns zu ihm.“ „Das kann ich nicht.“ „Muss ich erst grob werden?“, fragte Wolf gereizt und ließ die Klingen an seiner linken Hand herausschnellen, packte den Mann an der Schulter, drehte ihn herum und hielt ihm die scharfen Klingen von hinten an den Hals, doch der Mann zeigte keinerlei Regung. Wolf drückte die Klingen ein wenig fester ins Fleisch. „Wir wollen zu Jyet, bring uns zu ihm.“ Jetzt schien es der Mann doch so langsam mit der Angst zu tun bekommen. „Oder sollte ich besser sagen… zu Shirô?“, fügte Wolf bedächtig hinzu, er flüsterte es dem Mann beinahe ins Ohr und dieser erschauerte. „Woher kennt ihr seinen wahren Namen?“ „Aha, wir fangen an nachzugeben. Bist du jetzt überzeugt? Du weißt, dass er ganz alleine entscheidet wem er seinen richtigen Namen anvertraut, Also?“ Der Bedrohte schwieg einen Augenblick und schluckte, spürte dabei die kalte Klingen an seiner Kehle. „Gut. Ich bringe euch hin.“ Wolf nahm wortlos die Klingen weg, richtete sich auf und ließ sie zurückschnappen. Der Mann betrachtete ihn mit unsicherem Blick, während er versuchte seine Standhaftigkeit wiederzuerlangen, dann sagte er: „Folgt mir.“


Die Luft war warm und stickig, aber wenigstens erträglich, als der Mann, der sie hierher geführt hatte, den Vorhang hinter ihnen wieder zuzog und die fünf Gefährten sahen sich in dem Raum um, der Holz getäfelte Boden war vergleichsweise sauber, sämtliche Fenster waren mit Holzplanken verbarrikadiert worden und eine große, von oben herabhängende Öllampe erhellte das Geschehen. Vor ihnen in einiger Entfernung stand ein paar Gestalten über einen Tisch gebeugt und schienen einige Pergamentrollen angestrengt zu betrachten, während sie dabei leise diskutierten. Alle trugen ähnliche Kleidung wie der Begleiter von Wolf und den anderen, dennoch stießen zwei von ihnen besonders aus der Menge hervor und hoben sich allein schon wegen ihrer Ausstrahlung deutlich von den anderen ab. Schließlich hob einer der beiden Kopf, er hatte braunes, volles Haar, das ihm zottelig in den Nacken hineinragte und einen wilden, entschlossen Gesichtsausdruck, dennoch waren seine Gesichtszüge überraschend fein und zart. Doch das konnte trügen, das wusste Wolf. „Na, wen hast du uns denn da angeschleppt, Andris?“, sagte er und betrachtete die fünf eingehend. „Fremde und dann auch noch zu fünft! Ihr seid mir ja eine bunte Truppe! Eine Elfe, ein Zwerg, Gott, die kann ich ja überhaupt nicht leiden, und…“, er brachte den Satz nicht zu Ende, denn schon stürmten ein paar mit gezogenen Waffen auf den Hauptmann zu und umstellten ihn. „Einer von der Garde! Das gibt’s doch gar nicht! Schafft den raus!“, brüllte der Mann, der bis eben gesprochen hatte. „Das… war mir gar nicht aufgefallen“, murmelte der Mann namens Andris verdutzt. „Wie konntest du nur so bescheuert sein! Mir hier einen dreckigen Gardisten ins Hauptquartier zu schaffen!“, fauchte der andere ihn an.

„Haltet ein“, sagte Wolf an die anderen gewandt, die Khalndrar mit funkelten, hasserfüllten Augen umstellt hatten und dann an den scheinbaren Anführer gewandt: „Beruhige dich, Shirô.“ Bei diesen Worten zuckte der Angesprochene zusammen, der bis eben noch fast an die Decke gegangen wäre. „Erkennst du mich nicht?“, fragte der andere und trat auf ihn zu.

„Wolf?“, fragte der Angesprochene namens Shirô vollkommen verblüfft mit überraschend ruhiger Stimme. „Bist du es?“ Der andere nickte und Shirô entspannte sich augenblicklich und ging mit erhelltem, erfreutem Gesichtsausdruck auf Wolf zu. „Das hätte ich ja nun wirklich nicht gedacht!“ „Karím, erinnerst du dich noch an Wolf?“, fragte er an einen der Männer gewandt, die immer noch schweigend um den Tisch herum standen. „Natürlich, Bruder“, erwiderte einer von ihnen schließlich ruhig und trat ein paar Schritte auf Wolf zu. Er war der zweite, der sich von den anderen im Raum abhob und ein paar Jahre jünger als sein „Bruder“ sowie etwas kleiner. Dunkle, zerzauste Haare umrahmten sein feinzügiges, regungsloses Gesicht. Er wirkte etwas zurückhaltend, fast schon verschüchtert und zeigte selten eine Regung, erinnerte sich Wolf. Aber auch das trügte und er war ein ebenso guter Kämpfer und wich nie von der Seite seines Bruders. „Ich hab dich hier gar nicht erwartet! Was machst du in Ardent? Hier herrscht das absolute Chaos!“, sagte Shirô. Und er gab Wolf die Hand, dieser erwiderte den kräftigen, freundschaftlichen Händedruck. „Das sehe ich“, antwortete er. „Und deswegen sind wir auch nicht hier. Wir brauchen vielmehr deine Hilfe.“ „Wer ist wir?“, entgegnete Shirô erstaunt, dann erblickte er die anderen vier Fremden, die bis dahin schweigsam etwas abseits gestanden hatten, das ganze war ihnen anscheinend nicht wirklich geheuer. „Ach so! Du meinst dieses bunte Volk da! Sind das deine Gefährten?“ Wolf nickte. „Könnte man so sagen.“ „Ähm… Jyet? Was sollen wir mit dem hier denn jetzt machen?“, fragte einer der anderen unsicher und deutete auf Khalndrar, der immer noch von Bewaffneten umstellt und gar nicht glücklich mit der Situation war. „Gute Frage!“, antwortete Shirô. „Warum schleppst du mir diesen Abschaum hierher?“, fragte er an Wolf gewandt. „Er ist kein Abschaum sondern ein fähiger Krieger und er ist nicht hier, um euch etwas anzutun sondern, wie wir alle, aus völlig anderen Gründen. Darauf hast du mein Wort.“ Shirô betrachtete den Hauptmann einen Moment schweigen, dann bedeutete er seinen Männern von ihm abzurücken, die diesem Befehl widerwillig Folge leisteten. „Warum müssen mich eigentlich überall immer alle Leute verabscheuen?“, murmelte Khalndrar gereizt vor sich hin. „Nirgendwo hat man mal seine Ruhe.“

„Also, was willst du?“, fragte der Anführer, sowohl Jyet als auch von einigen Shirô genannt, und betrachtete die Truppe abermals. „Wollt ihr euch nicht vorstellen?“, fragte er an sie gewandt. „Nein, wollen wir nicht!“, brummte der Zwerg mit grimmigem Gesichtsausdruck aus seinem buschigen Bart hervor. „Solltet ihr aber“, erwiderte der andere. „Wir müssen gar nichts!“, fauchte der Zwerg gereizt. „Nur weil Ihr hier Anführer von eurem bunten Völkchen seid, gilt das noch lange nicht für uns, da müsst Ihr gar nicht so großspurig tun!“ Shirô seufzte entnervt. „Ich hasse Zwerge.“ „Danke gleichfalls!“, erwiderte der Zwerg schlagfertig. „Noch ein Wörtchen und ich werde dir so was von einheizen, dass deine Blasiertheit verpuffen wird, das kannst du mir glauben!“ „Und mit so etwas ist einer von uns befreundet“, fügte Rômo entrüstet hinzu. „Oh je“, seufzte Shirô, „da sind mir ja Elfen noch lieber. Die sind wenigstens nicht so garstig! Und dazu sehen sie immerhin ziemlich gut aus!“ Bevor Alieth sich zu diesem Kommentar äußern konnte, fiel Wolf ihr ins Wort, woraufhin er ein paar wütende Blicke erntete, und versuchte das Gespräch wieder auf ihr eigentliches Vorhaben zu lenken:

„Weshalb wir eigentlich hier sind… Kurz gesagt: Wir brauchen deine Hilfe.“ „Meine Hilfe? Oha!“ „Ja, falls du dich noch daran erinnerst, ich habe noch etwas gut bei dir, mindestens zwei Gefallen schuldest du mir noch.“ „Nein, das habe ich nicht vergessen“, sagte Shirô ernst. „Was immer es ist, ich werde dich nach Möglichkeit unterstützen.“ „Gut“, sagte Wolf und überlegte bereits, wie er den Wunsch am geschicktesten äußerte, ohne viele Fragen beantworten zu müssen. „Also… wir brauchen ein Schiff.“ „Ein Schiff?!“ „Ja.“ „Wofür?“ „Das geht dich nichts an.“ Shirô lachte leise auf. „Du hast dich wirklich kein Stück verändert. Geheimnisvoll und undurchschaubar wie immer. Aber damals hat mir das ja auch nichts geschadet, im Gegenteil. Ich schulde dir wirklich noch etwas. Allerdings ist das schon eine ziemlich außergewöhnliche Bitte.“ „Ich weiß“, entgegnete Wolf knapp. „Nun gut… die meisten Schiffe der Hafenbucht von Ardent wurden, wie du dir sicher denken kannst, abgebrannt, damit den Bürger von hier und uns anderen natürlich jeglicher Fluchtweg abgeschnitten ist. Natürlich kämen wir nie auf die Idee so einfach aufzugeben und zu fliehen, aber ein Hintertürchen lassen wir uns dennoch offen. In einem der umliegenden Häuser hier findest du einen Mann, der einst viel Einfluss im Hafen von Ardent hatte. Er kann euch ein Schiff beschaffen, denn es gibt in der Tat noch einige, die sich in unserem Besitz befinden. Sie sind gut versteckt und geschützt vor unseren Feinden, denn sie befinden sich in einer Bucht tief dem von uns besetzten Gebiet. Sie versuchen schon seit längerem bis dahin vorzudringen, weil sie etwas in der Art befürchten, aber bisher ist es ihnen nicht gelungen. Allerdings solltet ihr euch allein schon wegen dieser Gefahr beeilen, auch wenn wir überzeugt sind, dass wir die Stellung halten können. Wir haben uns gesagt: Wenn sie so weit kommen sollten, dann ist der Kampf praktisch verloren und wir werden verschwinden und so viele retten beziehungsweise mitnehmen wie möglich. Nun ja… Außerdem rechnet die Garde nicht damit, dass sich dieser Schiffsbesitzer auf unserer Seite befindet, sie denken er sei schon längst tot, dabei hat er für uns vorgesorgt, schließlich ist diese ganze Sache schon seit längerem geplant. Also… eines dieser Schiffe könnt ihr haben. Allerdings bekommt ihr ein Schiff nur mit einer ausdrücklichen schriftlichen Erlaubnis, unterschrieben von mir und Karím. Warte.“

Und mit diesen Worten verschwand er in einem Nebenraum und kam mit einer für einen solchen Zweck angefertigten Pergamentrolle zurück, die beide unterzeichneten. Anschließend überreichte er sie Wolf und die Gefährten begutachteten das Schreiben. Es war mit „Jyet“ und „Ren“ unterzeichnet wurden, anscheinend irgendwelche Decknamen, die die beiden zum Schutze ihrer Identität verwendeten. „Danke“, sagte Wolf aufrichtig. „Viel Glück bei was immer ihr vorhabt“, sagte Shirô und reichte ihm die Hand zum Abschied, doch Wolf ergriff sie nicht, was den anderen verwunderte. „Eine Mannschaft“, sagte er nur. „Was?“, fragte Shirô verständnislos. „Wir brauchen eine Mannschaft. Zu fünft können wir ein Schiff nur schwer steuern und für ein eventuelles Seegefecht ist eine Mannschaft unabdinglich“, erklärte Wolf. „Oh! Stimmt, daran habe ich gar nicht gedacht“, meinte Shirô. „Allerdings… das kostet dich doch einen kleinen Gefallen.“ „Welchen?“, fragte Wolf misstrauisch und mit hochgezogenen Augenbrauen. „Nun… ihr könntet uns doch ein wenig unterstützen. Deine Gefährten sehen ebenfalls so fähig und stark aus wie du, also…“ „Vergiss es!“, winkte Wolf entschiedenen ab. „Wir werden in diese Auseinandersetzung nicht aktiv eingreifen! Dazu haben wir weder einen Grund noch die Zeit!“ Shirô blickte ein wenig enttäuscht drein, änderte dann aber sein Angebot: „Und wie wär’s mit einer weniger aufwendigen, kleinen Gefälligkeit?“ „Die wäre?“ Wolf kannte die Gerissenheit und die Verhandlungstaktiken des Rebellenanführers nur zu gut. „Wir haben zurzeit einen nicht ganz unerheblichen Mangel an Waffen, vor allem Pfeile und Bolzen gehen uns so langsam aus. Wir würden das ja selbst erledigen, aber wenn ihr das machen könntet, wäre uns das eine große Hilfe.“ „Ich dachte wir bräuchten deine Hilfe“, erwiderte Wolf skeptisch, doch Shirô fuhr unberührt fort: „Ihr müsstet nur eines der Waffenlager der königlichen Garde so unbemerkt wie möglich ausräumen, wenn nötig natürlich auch mit Gewalt, es liegt sogar gar nicht mal so weit drin in ihrem Gebiet. Das wäre kein so großer Aufwand und Zeitverlust und ihr bekämt eine Mannschaft.“ Wolf schwieg einen Moment. Dann sagte er: „Dazu muss ich mich erst mit den anderen beraten.“ „Natürlich.“

Wolf zog sich mit den anderen zurück in eine Ecke, doch ehe er etwas sagen konnte, meinte Rômo: „Das ist ja wohl eine Unverschämtheit! Jetzt stellt der auch noch Ansprüche! Rebellenpack!“ „Immerhin bekommen wir schon mal das Schiff umsonst“, erwiderte Wolf. „Wir könnten sein Angebot annehmen.“ „Was heißt hier: Wir könnten?“, fragte Alieth. „Naja…“, meinte Wolf. „Falls jemand von euch gut verhandeln kann oder es schafft ihm die Meinung zu geigen... Allerdings sollten wir vorsichtig sein: „Wir sollten ihn uns nicht vergraulen, es war schon sehr großzügig uns ein Schiff zu überlassen. Ich würde fast vorschlagen auf sein Angebot einzugehen, auch wenn es mir eigentlich widerstrebt, da ich eigentlich, wie schon gesagt, zwei Gefallen bei ihm gut habe. Aber was soll’s.“

„Habt ihr entschieden?“, fragte Shirô schließlich. Mein Bruder würde euch alles Nötige erklären, was ihr wissen müsstet, falls ihr annehmen wollt, natürlich. Also?“

Mr Sulak
08.06.2008, 16:14
"Wie wäre es, wenn Ihr uns die Gelegenheit gäbt, sich in Ruhe zu unterhalten, Flohsack?!" Rômo´s Gesicht hatte einmal mehr die Farbe einer überreifen Tomate angenommen und ließ seiner Wut freien Lauf. "Ich schwöre bei meiner Axt, wenn Ihr nicht derjenige wärt, der ein Schiff zur Verfügung hat, ich hätte Euch schon längst alle Gliedmaßen gebrochen! Und jetzt Ruhe!"
Betont ignorierte der kleine Krieger das selbstgefällige Lächeln seines Gegenübers, bevor er sich wieder der Gruppe zu wandte. Er sah sie allesamt einmal reihum an, bevor er mit ernster Miene brummelte: "Der unverschämte Kerl mag vielleicht nicht der Einzige sein, der hier über Schiff und Mannschaft verfügt. Der Händler, von dem er sprach und dem das Schiff eigentlich gehört, muss doch ebenfalls wissen, wo wir ein paar Matrosen herbekommen könnten!"
Mit einer zufriedenen Miene beobachtete der Zwerg, wie sich das Gesicht des Gardistenhauptmanns aufhellte, der Gesetzlose stumm nickte und die Elfe ihr Gesicht verzog und eindeutig zu erkennen gab, wie gerne sie nicht an diesem Ort gefangen wäre. Der andere Mensch hingegen schien anderer Meinung zu sein, denn er blickte nur den Redner nur mit einem zweifelndem Blick an. "Was, wenn er keine Mannschaft hat? Was dann, Herr Zwerg?"
Dieser zuckte nur mit den Achseln, als er antwortete: "Dann können wir nach wie vor dem Angebot dieses Halsabschneiders nach kommen. Im Augenblick nehmen wir es an, und sollten wir es nicht benötigen, dann wird er schon merken, dass wir weg sind, und seine Waffen selbst besorgen müssen. Außerdem gefällt es mir gar nicht, eine Armee noch mehr zu schwächen, deren Stärke dringend gebraucht wird."
Rômo´s Blick verdüsterte sich, als er über den Rücken schaute und das nach wie vor grinsenden und absolut selbstsichere Gesicht des Rebellen erkannte. "Schlussendlich müssen wir alle entscheiden, aber eines steht fest."
Der Zwerg wandte sich wieder seinen Begleitern zu und brummte leise: "Wir können den Kerlen nicht trauen, und wir müssten schon längst auf dem Weg sein. Wer weiß, wie lange die feindlichen Kräfte noch benötigen, um nach Minit vorzustoßen?"
Mit einem ernsten Gesicht wartete der kleine Krieger darauf, dass jemand anderes das Wort ergreifen und endlich eine gemeinsame Entscheidung getroffen werden würde...

Hârkon
08.06.2008, 20:03
"Eine Woche", erhob der Gesetzlose seine Stimme. Mit verschrenkten Armen und skeptischem Blick auf den Zwergen hatte sich Sigmar während der Beratschlagung gegen eine der Wände gelehnt. Überrascht suchte der Zwerg den Blickkontakt zum abseits stehenden Mann mit Augenklappe.
"Was soll das heißen, "eine Woche"? Woher will jemand wie Ihr das wissen?"

Idiotischer Zwerg. Wie jeder hier hatte er sich seine Meinung über mich gemacht ... durch mein Äußeres ... Pha
"Hör' mir mal zu, Arschloch und ihr anderen genauso. Mich mögen vielleicht ein Dutzend Narben, diese einfache, verkackte und zerschlissene Kleidung, dieses verstümmelte Auge ...", sprach der Gesetzlose, der sich inzwischen der Runde bedrohlich genähert und in gleicher Art die Stimme noch lauter erhoben hatte, während er die markante Augenklappe von seinem Kopf löste, sie erzürnt gegen des Zwergen Brust schleuderte und einen häßlichen Blick auf das verunstaltete Auge, ja die Spuren von tiefen Einschnitten und Schlägen, für jedweden Anwesenden offenbarte. Erst dann als er jeden der Gruppe einmal mit dieser Verunstaltung konfrontiert hatte, fuhr er, hauptsächlich an den Zwergen gewandt, fort.

"... und mein bedrohliches Auftreten für euch zu einem einfachen, unglaubwürdigen Verbrecher machen, aber begeht nicht den Fehler mein Wissen und meine Fähigkeiten in den Wind zu schlagen und eure Vorurteile auf dieser Reise noch einmal unüberlegt offenzulegen. Ich hasse es mich zu wiederholen: Eine Woche, wenn wir Glück haben und Minit mit der Ausbesserung der Wehranlagen beginnt, zwei Wochen!". Plötzliche Stille, Bewegungslosigkeit. Selbst die Aufrührer, ob interessiert oder nicht, lauschten dem Verauf der Diskussion.
"Woher wisst Ihr das?", entgegnete die Elfe zwar mit skeptischem Blick, aber mit offenem Interesse.
"Dieser Angriff hätte bereits vor elf Jahren erfolgen sollen ... ich kenne die militärischen Pläne Killmars, Armeeaufstellungen, Truppenzahlen, Unterkünfte, Marschrouten und Nachschubwege. Das Falar-Gebirge ist bereits gefallen, genauso wie die Handelsstadt Berend und die Feste Un ...-", ehe Sigmar hatte zu Ende reden können, hatte ihn der Hauptmann forsch unterbrochen.
"Schwachsinn, ein vor elf Jahren gefasster Plan kann unmöglich noch aktuell sein; außerdem woher solltet Ihr diese ominösen Pläne "kennen"?"

"Ich sehe, ihr wollt mir immernoch nicht glauben - Die Minen Falars, Berend und Un sind alles strategische Ziele, deren Fall Killmars Angriffsplan zum Marsch auf Minit vorraussetzt. Die Minen berauben Adamant ihrer Ressourcen zur Waffenherstellung, Berend des Großteils des Reichskapitals und Un, neben den heiligen Insignien der Glaubensväter auch den strategischen Knotenpunkt des gesamten Reiches und Hauptrequirierungspunkt der Armee. Der letzte Schritt zur Unterwerfung ..."

"Ich habe genug dieser Gefängnisgespinste gehört, wir sollten ...", unterbrach der Hauptmann erneut. Ehe dieser jedoch seinerseits zur Aussprache seiner Meinung gekommen war, hatte ihn ein kräftiger Hieb in die Nieren zur Passivität verdammt. Laut brüllend flankierte der Gesetzlose seine Attacke auf den Hauptmann:

"Ich sage es nur einmal - glaubt mir oder glaubt mir nicht, wählt den Tod oder das Leben.
Das war das letzte Mal, dass Ihr mich unterbrochen habt, Arschkriecher ... Das sind keine Hirngespinste. Ich war einer der Männer, der diesen Plan ausgearbeitet hat. Hört mir zu: Der letzte Schritt vor der Belagerung Minits ist die Vereinnahmung der Magier Skigs. Es bleibt uns noch EINE Woche ... Meine Stimme gehört dem Ausräumen der Waffenkammer für unsere Freunde hier."

Es war also raus - zumindest zu einem kleinen Teil. Sigmars Worte und noch schleierhaftes Eingeständnis waren nur die Spitze des Eisberges, der sich in seiner Person, viel mehr in seiner Geschichte andeutete. Er wusste, dass es von nun an, nur eine noch größere GRatwanderung der anderen war: Entweder sie verdammten ihn zu einem "Feind", der er - selbst zugegeben - (einmal) war oder nahmen sein Wissen zumindest misstrauisch zu Herzen und sonderten sich noch weiter von ihm.

Die Waffenkammer jedoch soll nicht nur den Aufrührern zum Nutzen sein ...

Nendaloce
08.06.2008, 21:56
Alieth blickte in die Gesichter derer, die um sie herum standen. Alle waren sie rot vor Zorn oder entsagten sich jedlicher Regung.
Und doch war ihr schon während Sigmar gesprochen hatte aufgefallen wie unwohl sich die anderen, vor allem der Hauptmann, dabei fühlten, dass der Gesetzlose das Wort übernommen hatte.

Allerdings, soweit war Alieth sich im Klaren, hatte Sigmar wahr gesprochen, denn es war keinerlei Lüge in seinen Augen zu sehen. Ihr war längst schon eine Idee gekommen, wer sich hinter seiner Figur verstecken konnte, doch mochte sie es nicht in Worte fassen, da sie erstens selbst nicht wusste, ob sie richtig lag und es zweitens auch gar nicht nötig war seine Identität preiszugeben.

So sprach sie nun, obwohl es ihr gar nicht behagte sich als erste zu dem Thema zu äußern: „Ich denke wir sollten seinen Rat annehmen, denn ich glaube, dass der König jeden einzelnen von uns mit Bedacht auserwählt hat, damit wir es gemeinsam schaffen die Mission zu vollenden. Deswegen sollten wir auch auf den hören, der in der jeweiligen Situation den besten Rat weis. Also wenn jemand von euch noch einen anderen Vorschlag hat, dann möge er ihn jetzt kundtun, ansonsten würde ich sagen machen wir es so wie er gesagt hat.“ Damit deutete sie auf den Gesetzlosen.

Die anderen schauten die Elfe verwundert an. Von ihr hatten sie am Wenigsten erwartet, dass sie gleich für Sigmar stimmen würde. Auch Alieth selbst war von sich überrascht, denn reden und noch dazu vor mehr oder weniger Fremden, die nicht ihrem Volk angehörten war eigentlich nicht ihre stärke.

„Hm…“ brummte Wolf „Ich denke sie hat recht, ich stimme auch für die Idee des Gesetzlosen.“
Nach einigen weiteren Überlegungen stimmte dann auch Rômo zu und wenig später auch der Hauptmann, wenn auch ein wenig zögerlich.
Und damit war die Entscheidung gefallen.

Wolf's Rain
10.06.2008, 10:31
Wolf war überrascht über die Worte Alieths, dass sie sich Sigmars Ansicht so ohne Weiteres anschloss. Andererseits, bedachte er, urteilte sie, ähnlich wie er selbst, meist so, wie sie es in dem bestehenden Fall für richtig hielt und traf die Entscheidung, die ihr in ihren Augen am vernünftigsten und angebrachtesten erschien, unabhängig davon, ob sie den Charakter der Person, der sie zustimmte, grundsätzlich leiden konnte oder verabscheute. Wer sich in diesen Zeiten von Vorurteilen leiten ließ, war so gut wie verloren, dennoch bedeutete das nicht, dass man jedem gleich vertrauen durfte und nur, weil er ein paar aussagekräftige Argumente hatte, zustimmen musste. Allerdings hatten die Worte Sigmars ihn überzeugt, dass zumindest das, was er ihnen eben erzählt hatte, der Wahrheit entsprach. Warum sollte er lügen und noch dazu so eine schwachsinnige Lüge auftischen, wo er doch noch nicht einmal einen Grund dazu hätte? Trotzdem... Auch wenn sie noch eine ganze Woche Zeit hatten... die Zeit schritt unaufhörlich voran...

Der Plan des Zwergen woanders eine tatkräftige Mannschaft aufzutreiben, konnte, wenn er aufging, wesentlich schneller und reibungsloser von Statten gehen, doch wenn nicht, wären sie aufgeschmissen und umso mehr auf Shirô angewiesen und hätten zudem auch noch kostbare Zeit verloren. Sollte es ihnen gelingen Shirôs Plan für ihn auszuführen, konnten sie sich jedenfalls sicher sein eine loyale, fähige und vor allem stolze Mannschaft zu bekommen, denn Shirô hatte Stolz und Ehrgefühl und stand immer zu seinem Wort. Dennoch widerstrebte es ihm irgendwo sich auf diesen Gefallen Shirôs einzulassen und damit aktiv in das Geschehen in Ardent einzugreifen, zumal damit die wohl schon angeschlagene Garde noch mehr geschwächt würde, was nicht unbedingt vorteilhaft in Bezug auf Killmars unaufhörlich voranschreitende Truppen war. Am besten wäre es, dachte Wolf im Stillen und seufzte innerlich, wenn dieses Chaos hier erstmal ein Ende hätte, denn dieses gegenseitige Schwächen ist letztlich nur einem dienlich – Dem König von Killmar selbst. Dennoch... mit alldem hatten sie im Moment nichts zu tun, für sie galt nur ihre Mission zu erfüllen und sich um keine der anderen Dinge, die um sie herum passierte, zu kümmern.

„Also...“, erhob Wolf schließlich seine Stimme. „Mir ist es letztlich egal.“ „Was soll das heißen, dir ist es egal?“, erwiderte der Hauptmann brummig und blickte ihn aus Augen, die von Unzufriedenheit angesichts dieser Situation und diesem Ortes, an dem er sich befand, zeugten, an. „Das soll heißen, dass es mir egal ist, ob wir Shirôs Vorschlag annehmen und ihm diesen Gefallen erweisen, um an unsere Mannschaft zu kommen, oder ob wir es auf andere Weise versuchen, wie unser Zwerg hier ja bereits angedeutet hat", antwortete er ruhig. Daraufhin meldete sich dieser zu Wort: „Soll das heißen, dieses Land ist von feindlichen Truppen bedroht und wir müssen schnellstmöglich unseren Teil dazu beitragen dies zu verhindern und dir ist es einfach egal, was wir machen, ob wir Zeit verlieren oder vielleicht beim Versuch irgendein Waffenlager auszuräumen draufgehen?“ „Was natürlich nicht passieren wird“, fügte der Zwerg noch hinzu. „Trotzdem wäre es wesentlich stressfreier uns eine andere Option offen zu halten.“ „Nein“, erwiderte Wolf gereizt und blickte dem Zwergen in dessen buschige Augen, „das soll lediglich heißen, dass ich flexibel und offen für alles bin, solang es uns zu unserem Ziel führt. „Jedoch tendiere ich auch eher dazu mich Sigmar anzuschließen und auf Shirôs Vorschlag einzugehen.“

„Also ist es entschieden?“, fragte die Elfe und blickte in die Runde, während ihr Augenpaar auf jedem von ihnen für einen Augenblick ruhte. „Hmm...“, brummte Wolf schließlich und warf dem Zwergen einen verstohlenen Blick von der Seite zu. „Wie gesagt, letztlich ist es mir gleich, aber ich denke sie hat Recht, ich stimme auch für die Idee des Gesetzlosen.“ Der Zwerg funkelte ihn grimmig an und ließ seinen Blick dann ebenfalls durch die Runde wandern. „Pah! Von mir aus! Mach doch was du willst!“ Letztendlich wandte sich Alieth an den Hauptmann, um auch ihn für die Idee Sigmars zu gewinnen. Dieser stimmte, wenn auch ein wenig zögerlich, schließlich zu, vielleicht auch mehr um sich der Meinung der anderen zu fügen, aber für Wolf schien es gerade nur schwer möglich die Gedanken des Hauptmanns zu erraten. Wer weiß, wenn doch noch ein anderer Vorschlag käme, vielleicht ließe er sich dann umstimmen, dachte Wolf, aber er hatte eher den Eindruck, dass Khalndrar einfach nur so schnell wie möglich von hier weg wollte, egal wie, Hauptsache sie diskutierten nicht mehr ewig herum und verloren dabei kostbare Zeit.

Die Elfe nickte und schließlich und meinte nun feststellend: „Dann scheint das ja geklärt. Sieht so aus, als wäre es entschieden.“ Also war die Entscheidung gefallen. Oder doch nicht?

Da meldete sich einer der Gefährten empört zu Wort: „Hier ist noch überhaupt nichts geklärt und schon gar nichts entschieden! Ich hab hier ja wohl auch noch ein Wörtchen mitzureden und noch längst nicht zugestimmt!“

Das hatte Wolf kommen sehen. Ob der sich noch umstimmen lassen wird?, fragte er sich. Hoffentlich.

Mr Sulak
12.06.2008, 20:32
Der Zwerg schritt zielsicher auf den vor ihm aufragenden Gesetzlosen zu, baute sie direkt vor ihm auf und visierte ihn mit zu Schlitzen verengten Augen an. "Hört mal zu, Freundchen, ich -"
Das höhnische Grinsen seines Gegenübers ließ den kleinen Mann innerlich seufzen, bevor er in einer fließenden Bewegung seine Handaxt zog und im Kreise wirbelnd die flache Seite der Waffe in die Kniekehle des Menschen schlug. Dieser knickte ob der überraschenden Attacke mit einem leisen Schmerzensschrei ein und landete auf den Knien. Noch bevor er soweit war, eine geeignete Gegenwehr zu leisten, stand Rômo bereits wieder vor ihm und hielt die Axt angriffsbereit in der Hand. "Nun, da wir auf gleicher Augenhöhe sind, solltet Ihr wohl mit Eurem selbstgefälligen Gegrinse aufhören! Und jetzt hört genau zu!"
Der Zwerg schmiss einen raschen Blick in die Runde: seine restlichen Wegbegleiter sahen ihn teils geschockt, teils verwundert an, wogegen der Rebellenanführer mit höchstem Interesse das Gespräch verfolgte und eindeutig versuchte, jedes Wort zu erhaschen. Sofort ging Rômo einen Schritt näher an den vor ihm knienden Menschen heran und brummte so leise, wie es ihm eben möglich war, aber doch mit ernster Stimme: "Woher wollt Ihr wissen, dass es nur noch eine Woche ist? Woher wollt Ihr wissen, dass es nicht eine Änderung im Plan gab oder es gar noch weniger Tage sind? Wir haben fast keinerlei Informationen über die Truppenbewegungen des Feindes, es kann also auch sein, dass diese sieben Sonnenumläufe schon längst vergangen sind! Vielleicht aber sind sie noch nicht einmal angebrochen? Was auch immer der Fall ist, wir haben keine Zeit, eine ganze Waffenkammer auszuräumen, noch dazu in einem Gebiet, das von denen kontrolliert wird, die uns als Verbündete betrachten!"
Der Gesetzlose schien etwas erwidern zu wollen, entschied sich dann jedoch anders und antwortete mit einem Grinsen, das von Achselzucken begleitet wurde: "Ich weiß, dass es so ist, Kurzer."
Auch wenn die Beleidigung Rômo keineswegs kalt ließ, überging er sie und stapfte stattdessen auf den Rebellenanführer zu. Laut genug, dass es jeder im Raum hören konnte, knurrte er: "Wo ist dieser Händler und die verfluchte Waffenkammer? Und schwafelt nicht lange herum", mit einer achtlosen Handbewegung wischte der Zwerg geradezu die Worte davon, die der Mensch gerade von sich geben wollte und der nun stattdessen den Mund schloss. "Wir haben keine Zeit für lange Gespräche, verstanden? Und jetzt führt uns endlich zu dem Kerl, der uns ein Schiff besorgen kann!"
Ohne auf eine weitere Antwort zu warten, drehte sich der Zwerg wieder um und marschierte mit finsterer Miene an seinen Wegbegleitern und dem sich wieder erhobenen Gesetzlosen vorbei zu der Tür, die hinaus in die halb zerstörte Stadt führen würde.
Ein kurzes Lächeln huschte über seine Lippen, als Rômo die Pforte durchschritt und den schmutzigen Korridor entlang ging, an dessen Ende sich die Tür zur Straße befand. Und wenn der Händler eine Mannschaft parat hat, werde ich keine einzige Waffe für diese Halunken klauen!

Nendaloce
13.06.2008, 15:49
Alieth und die Anderen folgten dem Zwerg.
Vor der Tür warteten sie darauf, dass einer der Rebellen ihnen folgen würde doch keiner tat es.
Einen Augenblick später trat jedoch ein Rebell hervor, der sein Gesicht unter einer Kapuze verbarg. „Auf den Straßen dieser Stadt wagen es nur Fremde ihr Gesicht zu zeigen. Aber nun kommt! Ich werde euch jedoch nicht direkt zum Händler führen, nur ein Stück. Den weiteren Weg werdet ihr allein finden müssen. Ich hoffe ihr habt das Papier mit den Unterschriften noch! Nun aber los!“ meinte eine raue, aber doch eindeutig weibliche Stimme.
Erstaunt sah die Truppe die seltsame Gestalt an, doch als diese nichts mehr sagte sondern einfach weiter ging, folgten ihr die anderen Wortlos.
Alieth beschlich ein ungutes Gefühl, als sie da so durch die Gassen wanderten, in denen der Schutt teilweise Kniehoch stand.
Der arme Zwerg, dachte sie sich in ihrem inneren, als sie sah wie Rômo sich abmühte weiterzukommen. Doch sie sagte nichts, denn sie wollte seine Ehre nicht verletzen und das letzte was sie jetzt brauchen konnten war ein Streit auf offener Straße.

Ihre Anführerin blieb abrupt stehen.
„Los schnell hier hinein!“
Sie steuerte in ein altes baufälliges Gebäude. „Hier ist ein weiterer Stützpunk von uns und hier werde ich euch auch verlassen. Ruht euch aus und geht dann den weg so wie es in dieser Karte eingezeichnet ist. Unten im Keller ist der Geheimgang, der euch zu dem Händler führen sollte. Ich hoffe er ist noch nicht verschüttet. Ansonsten müsst ihr euch durch feindliche Linien zum Haven durchkämpfen. Denn hier sind nicht nur Rebellen gegen Soldaten, sondern es gibt auch noch andere Gruppierungen die versuchen das Beste für sich aus dem Kampf herauszuschlagen. Das Haus des Händlers hat ein grünes Dach und ist rosa gestrichen, daran werdet ihr es erkennen, wenn ihr unten nicht durchkommt sondern den oberen Weg nehmen müsst. Dort bekommt ihr dann auch die Pläne und alles was ihr für die Plünderung des Waffenlagers braucht.“ So sprach sie und war dann auch schon wieder zur Tür hinaus.

Alieth seufze, na das konnte ja heiter werden. Ob das ganze wirklich so eine gute Idee war. Nun ja jetzt gab es kein zurück mehr.
Allein der Zwerg ließ seinen Unmut über die Situation an die Öffentlichkeit: “Toll habt ihr das Ausgesucht wirklich! Ich wusste gleich, dass man denen nicht trauen kann!“
Wolf schüttelte den Kopf: “Es wird schon alles seinen Sinn haben! Kommt wir suchen den Geheimgang!“
Alieth hielt sich im Hintergrund.
Ihr war das ganze nicht mehr geheuter. Doch das war es eigentlich schon nicht mehr seit sie in die Stadt gekommen waren.
Sie hasste diese enge und diese Menschenmassen einfach. Aber wieso führte man sie nicht gleich direkt zum Händler und diese seltsame Person hatte sich nur in Schweigen gehüllt. Alieth wünschte sich nichts sehnlicher als in den schönen grünen Wald zurückzukehren.

Hârkon
14.06.2008, 12:58
Ein ominöser Händler in einem rosa gestrichenen Haus mit grünem Dach anstatt einer prall gefüllten Waffenkammer der königlichen Garnison? Die Entscheidung des sturen Zwergen Rômo missfiel dem Gesetzlosen gehörig – wenn es nach ihm und den anderen dreien, welche er überzeugen hatte können, so wäre man längst schon dabei gewesen, die Waffenkammer zu plündern. Sigmar hatte es deutlich genug vor allen ausgesprochen: Wenn man ihm nicht einmal vertrauen könnte, dann würde die Gruppe über kurz oder lang in etwas hineinstolpern, das nicht nur mit wenigen Kratzern, Beulen und Schnitten hinter sich zu bringen wäre, sondern Leben gefährden, wenn nicht auslöschen würde. Der Zwerg hatte „gewählt“ und wie es schien damit auch für alle, selbst für Sigmar entschieden, denn eben dieser gesetzlose Mann, der die Waffenkammer nicht nur im Gegenzug eines Schiffes und einer Mannschaft ausrauben wollte, war fest davon entschlossen, auf eigene Faust das zu vollbringen, was der Zwerg abgelehnt hatte. Und da man sich für die andere Alternative, den Händler entschlossen hatte, galt es Sigmar nicht für die Aufrührer und ein mögliches Transportmittel nach Skig in Richtung Waffenkammer loszuschlagen, sondern eben diese für sich selbst zu nutzen; schließlich trug er noch immer nur seine zerschlissene, mit Kot, Urin und Blut vollgesogene Leinengewandung und bis auf seine Fäuste und Beine keine wirklich ernst zu nehmende Waffe.

Noch ehe sich die Gruppe einen möglichen „Geheimgang“ – wie es Wolf beschwichtigend zu sagen pflegte – zu Nutzen gemacht hatte, war der Gesetzlose auch schon im Rücken der Gruppe verschwunden. Was er zurückließ, waren ein von einer „Insignie“ keuchender, sich vor Schmerzen krümmender Hauptmann und ein paar in den Ohrmuscheln der Zurückgebliebenen hallende Worte:
„Wir sehen uns am Hafen“
Mit der, dem Hauptmann entwendeten Insignie, welche den Träger als Angehörigen, ja Offizier der königlichen Truppen auszeichnete, sollte es Sigmar wohl ein mehr oder weniger leichtes Unterfangen sein, sich nach Lust und Belieben in der Waffenkammer auszustatten und für die kommenden, schweren Kämpfe zu wappnen. In schnellem Lauf bahnte sich der Gesetzlose einen Weg durch die teilweise überfüllten, teilweise menschenleeren, gespenstigen Straßen der Stadthälfte, ehe er – nach ständiger Reflektion der Topographie der Stadt – eine der mannshohen Barrikaden erreichte, welche die beiden gegensätzlichen Stadtteile voneinander zu trennen versuchten. In früheren Zeiten war Sigmar oft hier gewesen, hatte von hier aus immer wieder die Heimreise in sein altes Vaterland angetreten oder war von hier aus zur Erfüllung seiner Aufgaben ins Landesinnere geschritten. Immer wieder hatte Ardent entweder einen Anfang oder ein Ende einer Reise für ihn markiert. Nun sollte es abermals den Anfang für einen neuen Reiseabschnitt darstellen. Von Eile gepackt, lief Sigmar parallel zur Barrikade, um irgendwann schließlich eine Schwachstelle der Abgrenzung zu entdecken und ungesehen in den anderen, kaum besser wirkenden Stadtteil überzutreten. Auch dieser Teil der Stadt, der sowohl Kaserne als auch Burg und das reichere Stadtviertel beinhaltete, war von den Spuren der willkürlichen Zerstörung in Mitleidenschaft gezogen worden – hier und da offensichtlich verwesende, von streunenden Hunden zum Festmahl erkorene Leichen oder unter Schutt und Trümmern verschüttete, zum Himmel ragende Extremitäten, lodernde Feuer, hohe Rauchsäulen, vollkommen verwahrloste Kinderbanden, die – wohl ebenfalls von der anderen Seite kommend – durch schmale Kellerlöcher in Gebäude kriechend, nach einigermaßen wertvollen Dingen suchten und ein Haus nach dem anderen der Plünderung preisgaben. Je weiter der Gesetzlose, der sich in Aussehen und Gangart wohl kaum von den anderen, geheimnisvoll durch die Straßen eilenden, schemenhaften Gestalten unterschied, seinem Ziel kam, desto ordentlicher wirkte dieser Stadtteil jedoch. Ehe sich Sigmar jedoch hatte den Wachen der Waffenkammer hätte aussetzen können, musste er sich nach einer einigermaßen herzurichtenden Uniform eines Soldaten, wenn nicht gar Offiziers umsehen. In den Trümmern eines nahezu vollkommen in Schutt und Asche liegenden Häuserblocks, bei welchem Sigmar einstmals schwere Kämpfe erwartet hatte, scharrte er minutenlang in den Gebäuderesten umher, ehe er endlich eine von Gefechtsspuren, von Blut und Schnitten übersäte, kaum mehr zusammenhaltende, einstmals weiß-gelbe, nun beinahe ausschließlich schwarze Uniform, einem entstellten Leichnam beraubte. Ganze Wolken von Staub und Rußpartikeln von der angezogenen, einigermaßen sitzenden Uniform klopfend, näherte sich Sigmar schließlich dem Gebäude, welches er als Waffenkammer der Garnison in Erinnerung hatte. Tatsächlich war das steinerne Gebäude beinahe vollkommen intakt, nur leichte Spuren der Zerstörung fanden sich in abgebröckelten Steinen, und eine stattliche Wachmannschaft von augenscheinlich erkennbaren zwölf Mann bewachte das kreisrunde Gebäude, welches von einer großen, schweren, mit Eisen beschlagenen Eichentür geschmückt war. Den lockeren, eilenden Schritt in einen aufrechten, zielstrebigen und stolzen Gang wandelnd, näherte sich Sigmar mit pochendem Herzen den sechs Männern, die allein den einzigen Eingang des Gebäudes bewachten. Von „bewachen“ konnte dabei jedoch kaum eine Rede sein, saßen doch allein drei, von Müdigkeit und Hunger gezeichnete, ältere Männer um einen kleinen, auf niedrigem Feuer lodernden, verbeulten Kessel mit dampfender, unaussprechlicher Flüssigkeit, während die anderen drei auf ihre Piken gestützt, gegen die Schlaflosigkeit anzukämpfen versuchten. Die anderen sechs standen jeweils um das Gebäude in ähnlicher Verfassung herum – ein abgekämpfter Haufen, der wohl schon sein Tagen, wenn nicht Wochen im Gefecht stand. Als dann schließlich einer von ihnen, den heran schreitenden, schwerlich als Hauptmann zu identifizierenden Offizier mit Augenklappe erkannt hatte, regte sich plötzliche, einstudierte Bewegung.

„Ach-- tung!“, brüllte der wachhabende Unteroffizier in, für seine Verfassung erstaunlich lautem Ton, während er simultan mit allen anderen, eine aufrechte, bewegungslose Stellung einnahm.
„Meldung!“, brüllte Sigmar, vor dem angesprochenen Mann zum Stillstand kommend.
„Fahnenjunker Hein meldet zwölf Mann des IV. Wachabteils, 3. Garnisonregiments, in voller Stärke angetreten, Herr Hauptmann!“
„Gut, Tür öffnen, Fahnenjunker Hein“, befahl Sigmar, während er sich verwundert musternden Blicken der Wachen ausgesetzt sah und bereits einen Schritt vorbei an den Wachen in Richtung der Tür machte. Noch während der Unteroffizier zögerlich antwortete, hielt Sigmar eine Hand vom Weiterschreiten ab. „Herr Hauptmann, ähm, müssen entschuldigen, aber der Zutritt wird nur mit der Erlaubnis des Marschalls erteilt. Wenn ich bitte einen Blick, ähm, darauf werfen dürfte?“
Verdammte militärische Bürokratie, schoss es Sigmar plötzlich durch den Kopf, als er verneinen musste und freiwillig einen Schritt zurücktrat, um sich irgendwie zu erklären. „Mir wurde keinerlei schriftliche Erlaubnis erteilt – mir hätte auch keinerlei Erlaubnis erteilt werden können. Hein, glauben Sie etwa, dass ich freiwillig so und vollkommen unbewaffnet herumlaufe? Meine Einheit wurde die letzten Tage in schwere Straßenkämpfe auf der andern Seite verwickelt, mein Stoßtrupp beinahe vollkommen aufgerieben – nur mit etwas Glück bin ich diesen Irren da drüben entkommen. Und wenn ich mich nicht sofort wieder bewaffnen, Meldung machen und zurück zum geschlagenen Brückenkopf begeben kann, dann Gnade Ihnen welche Gottheit auch immer. Ich habe meine Männer nicht dafür geopfert einen Brückenkopf einzunehmen, den wir dank Ihnen wieder verlieren. Geht beiseite, sonst muss ich Meldung beim Stadtkommandanten machen“, brodelte es aus Sigmar nur so heraus. Nachdem er seine kleine Ansprache beendet hatte, musste er sich ein verstohlenes Grinsen ernsthaft verkneifen, schließlich war er selbst darüber überrascht wie ihm spontan etwas derartiges eingefallen war. Nur leider hörte niemand auf die so überzeugend in Szene gesetzten Erzählungen des vermeintlichen Hauptmanns; im Gegenteil: die sitzenden Wachen standen auf eine Geste des Unteroffiziers auf und packten Sigmar an beiden Armen, so dass es ihm kaum mehr möglich war, überhaupt eine Bewegung zu vollführen.

„Ich nehme Euch aufgrund des dringenden Verdachtes der Fahnenflucht und Kollaboration mit den Aufständischen unter Arrest, Haupt ...- “. Ehe der Fahnenjunker Hein überhaupt hatte zu Ende reden und die Insignie, welche Sigmar auf der Uniform angebracht hatte, an sich reißen können, hatte ihn ein in dunklen Panzer gerüsteter Offizier, der gerade mit einer Einheit Reiter durch die Straßen geprescht kam und die Festnahme gerade vernommen hatte, forsch unterbrochen.
„Sofort Loslassen – Jeder Mann, der seine Finger an diesen Offizier legt, wird augenblicklich und eigenhändig von mir hingerichtet“, befahl und drohte der Offizier, der mittlerweile von seinem Pferd abgestiegen und mit drei weiteren gepanzerten Soldaten an Sigmars Seite getreten war, um den eben gesprochenen Worten – die Waffen aus aus der Scheide gezückt – Nachdruck zu verleihen. Mit einer kurzen Handbewegung war den Reitern befohlen die Tür zur Waffenkammer zu öffnen und gemeinsam mit dem vermeintlichen Hauptmann einzutreten.

„Karengard, Bruder ...“, entgegnete Sigmar dem Offizier, der ihn aus dieser unangenehmen Lage gerettet hatte, nachdem sie die Tür hinter sich geschlossen hatten und allein waren. Beinahe familiär umarmten sich die beiden, lachten und packten sich gegenseitig am rechten Handgelenk, jeweils das Gegenüber mit einer erfreuten Miene musternd.
„Du siehst schrecklich aus, Sigmar – und du stinkst. Muss ja ein ganz schönes Loch gewesen sein, in das sie dich nach all der Scheiße gesteckt haben“, sprach der Offizier, der seinen Arm um Sigmars Schultern legte und mit ihm die enorme Waffenkammer durchschritt.
„Glaub‘ mir, ich hab‘ das nicht gewollt -“, setzte er fort als Sigmar ihn unterbrach: „Ich weiß; wer hat mich verraten, Karengard, wer?“ „Es tut mir leid, es war Kaidan“, antwortete Karengard wiederum. Kaidan ... Dieser Mistkerl. „Du kämpfst also nun für Adamant?“, fragte Sigmar seinen Gefährten, der in schweren Zeiten für ihn zu einem Bruder geworden war. „Auch ich wurde verraten – mir blieb nichts anderes übrig als die Seite zu wechseln. Ich weiß von eurer Aufgabe, sie haben euch viel früher hier erwartet. Sind mitten in die Kämpfe und damit in meine Fänge geraten; schlecht für sie, gut für mich. Ich habe nicht viel Zeit, rüste dich aus. Ich rate Euch, hier schnellstmöglich zu verschwinden. Die vorletzte Phase hat bereits begonnen, Sigmar, sie sind bereits auf Skig.“
Schnell waren Einzelheiten und notwendige Informationen ausgetauscht, schnell hatte sich Sigmar seiner neuen Ausrüstung widmen können. Ein feiner Lederpanzer mit einigen, verstärkenden Stahlelementen war leicht für Sigmars Größe gefunden. Selbst ein frisches Hemd und eine frische Hose ließen sich neben einem eleganten Langschwert und einem bestialischen Claymore finden. Nach einer guten halben Stunde schließlich war Sigmar ausgerüstet – trotz der Tatsache, dass er hier und da einige Veränderungen an der Ausrüstung vornahm, drückte ihm die Rüstung mit den breiten, stählernen Schulterplatten auf die Schultern. Es würde wohl seine Zeit benötigen, ehe er sich an das Gewicht gewöhnt hatte – auf alle Fälle würde er mit der Zweihandwaffe langsamer sein als Wolf, aber nach einigen Waffenübungen wohl schneller als manch Soldat. Als sich die beiden Bekannten inniglich voneinander verabschiedet hatten und Sigmar klappernd durch die Tür marschieren wollte, um sich wieder mit seinen Gefährten am Hafen zu treffen, rief ihm Karengard noch etwas hinterher:
„Kaiden ist nun ihr Anführer“

Dada
22.06.2008, 17:55
Die kleine Gruppe aus königlichen Abgesandten saß auf dem Schiff. Der Kapitän steuerte in Richtung Skig, sie hatten einen kleinen Sturm hinter sich gelassen. Khaldron hatte nach einer Auseinandersetzung seine Marke wiederbekommen und dem Verbrecher kräftig in den Arsch getreten. Er fühlte sich besser, wenn auch etwas seekrank. Er war wohl eher der Landmensch. Plötzlich rief der Kapitän etwas unverständliches. Khaldron sprang auf und lief in Richtung Brücke. Auf dem Weg traf er auf Alieth. Er sah sie an, sie blickte zurück und gemeinsam gingen sie weiter in Richtung des Rufes. Dort angekommen sahen sie auch schon den Zwerg mit dem Kapitän diskutieren:
Rômo: Was ist Kapitän?
Kapitän: Sir, wir haben soeben Sichtkontakt mit Skig!
Khaldron schaltete sich ein: Sehr schön! Holt die Segel ein und fangt an zu rudern. Wir müssen möglichst unauffällig ankommen!

Das große Segelschiff hatte in Gluno Halt gemacht. Die Truppe hatte sich unauffällig in lange Gewänder gehüllt und war nun auf dem Weg in Richtung des großen Palastes, der über den Dächern der Stadt aufragte. Unglaublicherweise wurden sie nicht angepöbelt, wie es ihnen auf dem Festland schon des Öfteren passiert war. Sie kamen unbeschadet an der langen Brücke an, die zum großen Tor der Burg führte, in welcher auch der Palast lag. In einem Busch nahe der beiden Steinpfeiler legten sie ihre Gewänder ab. Möglichst unauffällig betraten sie den großen Burghof und sahen sich um. Alieth stieß Sigmar an und deutete auf einen Wegweiser, ganz in der Nähe der Vier. Ein Holzpfeil wies auf einen großen, schwarzen Turm inmitten der Burgmauer. Über dessen Eingang stand in großen Lettern das Wort „Magier“ geschrieben. ‚Etwas zu einfach!‘, dachte Khaldron und bedeutete den anderen, ihm zu folgen. Die Vier begaben sich in Richtung des Tores und betraten es schließlich. Innen war es dunkel und still. Zu still, für den Turm der berühmtesten Magier der Insel. Die Gruppe trat einige Schritte vor und plötzlich hörten sie ein Rattern. Das Fallgitter im Tor schlug zu. Zeitgleich gingen die Fackeln im Gang der Reihe nach an. Alieth krallte sich in einem Moment des Schreckens am Oberarm des Hauptmanns fest. Dieser keuchte leicht unter den Schnitten ihrer Finger auf. Sie ließ ihn zum Glück rechtzeitig los. Alle sahen sich an und gingen schließlich weiter in den dunklen Gang hinein…

Hârkon
22.06.2008, 19:32
"Wir sind zu spät", ertönte es nüchtern vom voranschreitenden Gesetzlosen, der noch einmal die richtige Platzierung seiner beiden massiven Schulterplatten überprüfend, die entsprechenden ledernen Riemen enger schnallte und in den Schatten verschwand.. Während sich die Gruppe vorsichtigen Schrittes in einen kreisrunden, mit wenigen Fackeln und Tiegeln beleuchteten Raum, das Zentrum des Turmes, begab, ließ der Gesetzlose, den Blick ständig über die Umgebung schweifen lassend, seinen Gedanken ein letztes Mal freien Lauf. Wäre er imstande gewesen den hölzernen Wegweiser zu lesen, hätte er wohl der Gruppe abraten können in den alten, schäbigen Turm zu marschieren - da dies jedoch nicht der Fall war und Sigmar seine Kräfte, die er bereits für die bevorstehenden, zu erwartenden Kämpfe eingeteilt hatte, nicht in einer erneuten Auseinandersetzung mit dem Hauptmann verbrauchen wollte, hielt er lieber - auf die Lippen beißend - seine Klappe. Seine Beobachtungen, die er während des Marsches in der Haftenstadt hatte anstellen können, hatten ihm dieses beklemmende Gefühl, welches er erstmals wieder nach einem Jahrzehnt erfuhr, in die Magengegend gezaubert. Ein Kampf war unausweichlich und dabei doch von höchster Notwendigkeit. Nun, da war er sich sicher, würde sich zeigen, ob ihre Mission überhaupt einen Erfolg zu Tage fördern würde oder ob das Großreich Adamant endgültig dem Untergang geweiht war.

"Nun könnt ihr zeigen, zu was ihr euch imstande glaubt. Lebt wohl ...", gab Sigmar von sich, während er seinen Blick für einen Moment zurück zu den anderen warf und Wolf ein leichtes Lächeln offenbarte. Er war für den Gesetzlosen die einzige vertrauenswürdige Person in den letzten Wochen - nun hatte er sich verabschiedet, verabschiedet von einem kunterbunten Haufen, der ihm irgendwie doch mit ihrer Vielfältigkeit am Herzen lag. Ehe der Gesetzlose jedoch weitere Gedanken an die Gruppe verschwendete, löste er das mächtige Zweihandschwert auf seinem Rücken klirrend aus der Schwertscheide und schritt unaufhaltsam, die Waffe noch gesenkt, in die drohende Dunkelheit des Raumes, an dessen Ende er schließlich fünf schemenhafte Gestalten ausmachte. Mit einem Lächeln erhob er den blankgezogenen Stahl, ließ ihn die Dunkelheit für einen Moment, im Angesicht des wenigen Fackelscheins, durchdringen.

"Der Kodex besagt, dass Verräterzu erschlagen sind", tönte es von der anderen Seite, während auch dort eine Waffe aus der Scheide fuhr. "Ich bin gewillt das für dich zu vollbringen, Kaidan", entgegnete Sigmar, die Schrittgeschwindidkeit deutlich erhöhend. "Kaidan? Ich erinnere mich nicht an den Tag, an dem du mich zum letzten Mal so genannt hast, Bruder. Wie lange ist es her, Sigmar? Wie lange schon vegetierst du in den Kerkern Adamants?", gab die hühnenhafte Gestalt zur Antwort, die sich aus der Reihe der Schemen gelöst hatte und auf den Gesetzlosen zumarschierte. "Du hast dich kein Stück verändert. Bist immernoch das selbe Arschloch, das ich einst angeführt habe. Nimm dieses Wort nie wieder in den Mund", zischte es von Sigmars Seite, ehe ein ohrenbetäubender Schlag vom Aufeinanderprall zweier Metalle, zu hören war. "Bruder?", lautete die Replik des Mannes, der sich nun nach ganzen zehn Jahren wieder mit dem verunstalteten Auge seines Bruders konfrontiert sah und die Chance der Provokation witterte. "Hab' ich dir etwa damals wehgetan? Gerüchte behaupten ja, dass dich die Götter nach dem Tod der Priesterinnen beim Großheiligtum von Ruhn zur Unsterblichkeit und Unverletzlichkeit verdammt haben ... Ein Glück, dass ich das Gegenteil bewiesen habe". Gerade als das Gegenüber Sigmars zu Ende gesprochen hatte, ging das schwere Claymore erneut auf den stählernen Schild seines Bruders nieder, schlug ein zweites Mal eine unschöne Wölbung in die Oberfläche. Was sich im Folgenden ereignete, war ein Schlagabtausch von Waffengewalten, die alle Anwesenden zu verblüffen vermochte. Sigmars Kameraden schienen seine Worte des Abschieds letztendlich zu verstehen, hatte er sie doch noch auf dem Schiff auf den Kampf mit den Puriks eingeschworen, ja sie mit einer tödlichen Auseinandersetzung konfrontiert.

Unbändig und vollkommen in Rage ließ der Einäugige sein Zweihandschwert auf die Verteidigung seines Gegners niederregnen, seinen Körper unglaubliche Anstrengungen zu Ausweichmanövern und Angriffsbewegungen machen. Bereits nach einiger Zeit war der Schild des Gegenübers derart verunstaltet, dass er keinerlei Dynamik in der Luft zu Tage förderte und Kaidan dazu gezwungen war, seine zweite Einhandwaffe zur Hand zu nehmen. Immer mehr geriet Sigmar dabei in die Defensive, immer dringender musste er seinen Blick dazu zwingen, jede noch so kleine Bewegung des Gegners zu interpretieren, und seinen Claymore zu einer vernüftigen, effektiven Verteidigung einzusetzen. Mit kleineren, immer wieder abgeblockten Angriffen versuchte Sigmar wieder Herr über die Lage zu werden, doch mit jedem Hieb, den er ausführte, verlor er eine immer größer werdende Zeitspanne lang die Initiative. Tollkühn stemmte sich der Gesetzlose mit seinen Schulterplatten gegen die Hiebe des beidhändig kämpfenden Feindes, versuchte ihn aus dem Gleichgewicht zu werfen, ihn zu entwaffnen oder anderweitig zu schwächen. Schließlich als er vor lauter Kraftlosigkeit und Ermüdung seine Waffe dem Gegenüber preisgab und sich schier ohnmächtig entwaffnen und zum Griff zum Langschwert zwingen lassen musste, war sich Sigmar über den Ausgang des Kampfes vollständig im Klaren. Zwar kämpfte er weiterhin verbissen um jede Möglichkeit der Vergeltung und des Initiativegewinns, doch selbst einstmals in Perfektion ausgeführte Techniken wie Riposte oder ein Schlaghagel, zeugten ein Jahrzehnt der Untätigkeit in Waffenübungen nur noch von einem Bruchteil der früheren Stärke. Seine Zeit war gekommen. Plötzlich und vollkommen unverhofft zwang ihn schließlich ein kräftiger Tritt gegen das Schienbein in die Knie. Ein kräftiger Hieb des Schwertes gegen seinen Torso durchschlug die dafür nur dürftige Rüstung und öffnete die Bauchdecke durch einen häßlichen, tiefen Einschnitt, ließ einen lauten Schmerzensschrei erklingen.

... Es ist endlich vorbei ... Erlösung ...

Im Angesicht seines eigenen, in Strömen dem Körper entfliehenden, warmen Blutes und des gegenüber stehenden Bruders, zerrte Sigmar unterhalb seines Panzers eine bereits mit Blut vollgesogene Pergamentrolle hervor. Zitternd brach er das Siegel, rollte das Schriftstück sorgsam auf und legte es behutsam neben sich auf den Boden, dorthin wo das Blut es nicht erreichen konnte. "Es war wohl die falsche Entscheidung, dich damals leben zu lassen, Kaidan", gab der Gesetzlose, noch immer auf Knien und die Hände nun vergeblich auf den Bauch gepresst, röchelnd von sich. Als die Klinge Kaidans dann schließlich, das Herz Sigmars anvisiert, sein Urteil auszusprechen begann, fügte Sigmar nur noch ein paar letzte Worte, erst zu den anderen Kämpfenden, dann zum Himmel gewandt, hinzu. "Es tut mir leid ..." Unerwartet lehnte sich der Gesetzlose zur Seite, ließ die bedrohliche Klinge durch die linke, stählerne Schulterplatte gleiten - mit letzter aufgebrachter Kraft stemmte sich Sigmar gegen seinen Bruder, entriß ihn seiner Balance und noch während dieser überrascht die Kontrolle wiederzuerlangen gedachte, zerschmetterte er ihm mit einem kräftigen Schlag des Panzerhandschuhs das entblößte Genick, ehe er selbst, den letzten Atem des Lebens, einforderte. Das Pergamant, so sollten die anderen später entdecken, war die Schriftrolle, die man den Gefährten in Minit anvertraut hatte und worauf jeder sich einen privaten Wunsch notiert hatte. Sigmars Pergament jedoch zeigte keine Buchstaben, nur eine verzweifelte Zeichnung eines Bauernhofes ... eines Bauernhofes, des Wunsches nach Ruhe und Erlösung, nach Abgeschiedenheit von den Menschen und der Vergangenheit ... Einer grausamen Vergangenheit.

Wolf's Rain
22.06.2008, 23:18
Für einen Moment lang schien Wolf wie betäubt. Es war, als sei noch gar nicht wirklich zu ihm durchgedrungen, was sich soeben vor seinen Augen abgespielt hatte. Versteinert stand er da, wie durch einen dunklen, trüben Schleier rief er sich vor seinem geistigen Auge die gerade erst geschehene Szene immer wieder ins Gedächtnis, als sei es eine lang verblasste Erinnerung, die er mehrmals durchleben musste, um sie wirklich zu begreifen. Dann war die Erkenntnis da! Wie ein kalter, nasser Schlag ins Gesicht, der ihn aufzuwecken schien, holte ihn die Realität ein, nahm ihn wieder mit zurück in die Wirklichkeit. Ein unangenehmes, flaues Gefühl breitete sich in seiner Magengegend aus und seine Hände ballten sich unwillkürlich zu Fäusten, während seine Augen immer noch ungläubig auf den zu Boden gesunkenen Sigmar gerichtet waren. Der gewaltige, Sprüche klopfende Hüne, der immer den Anschein erweckt hatte, als könne nichts und niemand ihm etwas anhaben, fast schon als wäre er unbesiegbar, lag nun blutend und sich windend am Boden… und vielleicht, nein, ganz bestimmt sogar, im Sterben. Trotzdem, obwohl alle Anzeichen gegen Sigmar standen, glaubte Wolf in einem Anflug naiver, irrwitziger Hoffnung, er würde gleich wieder aufstehen, mit einem blutigen, aber breiten Grinsen auf dem Gesicht und sich über sie lustig machen, warum sie so blöd ins Leere starrten, um sich sogleich auf die nächsten Gegner zu stürzen. Gleichzeitig fragte sich Wolf, während er realisierte, dass dieser Gedanke nicht Wirklichkeit werden würde, warum ihm die Niederlage des Gesetzlosen so zusetzte. Er hatte schon viele Sterben sehen, Freunde sowie Feinde und Gefährten, die ihn einfach nur auf einer Mission begleitet hatten. Lange hatte er sich gefragt, welcher dieser Arten Sigmar war, doch er hatte ihn irgendwo immer respektiert und vertraut, weil er wusste, zumindest das Gefühl hatte, dass er zu seinem Wort stand und auf ihn Verlass war, und nun glaubte er es zu wissen. Diese Reise war in ihrer ganzen Zusammensetzung anders gewesen, so vollkommen anders als die Dinge, die Wolf bisher erlebt hatte, denn noch nie hatte so viel bei einer Mission auf dem Spiel gestanden und noch nie hatte er das Gefühl gehabt so angewiesen auf seine Gefährten zu sein und sich gleichzeitig auf sie verlassen zu können. Letztlich hatte der König alles in allem wirklich eine gute Wahl getroffen. Doch nun lag einer von ihnen am Boden, gepeinigt von Schmerzen, dem Tode ins Auge blickend. Dennoch ruhte ein Hauch von Zufriedenheit in seinem Blick, als wäre es gut so wie es zu Ende ging, als ob er nun abschließen könne… mit sich, mit der Welt und mit allem anderen.

Unerklärlicher Weise stieg in Wolf ein Gefühl hoch, als wolle, als könne er das nicht so einfach zulassen, doch er wusste dass er nicht im Stande war irgendetwas zu unternehmen, irgendetwas zu verhindern, er war zum Nichtstun verdammt. Dies war allein Sigmars Kampf gewesen, er hatte für sich gekämpft und entschieden, seinen Weg gewählt. Und dennoch wollte es immer noch nicht so recht zu Wolf durchdringen, es schien so unwirklich, dass dieser hitzige, dickköpfige, gesetzlose Mann, der immer das durchzusetzen versuchte, was er für richtig hielt und er wollte, zu seinen Füßen am Boden lag und mit dem Leben innerhalb dieser wenigen Augenblicke abgeschlossen hatte. Aber vielleicht… war es ja genau das, was er gewollt hatte, dachte Wolf im Stillen, der erste klare Gedanke, den er verfassen konnte, und dann folgte noch einer, dass er letztlich irgendwo diesen Gesetzlosen gemocht hatte. Er konnte es sich selbst nicht erklären, kannten sie sich doch erst seit so kurzer Zeit, und es war irgendwie verrückt, aber erst jetzt wurde ihm klar, wie viele Menschen, die er bisher immer nur als nebensächlich und selbstverständlich wahrgenommen hatte, ihm irgendwo doch auch am Herzen lagen, zumindest ein wenig. Und bei diesem Gedanken oder vielmehr dieser Erkenntnis, die so vieles in ihm wachzurütteln schien, fühlte er sich wieder zurück an damals erinnert, an jenen schrecklichen Tag, an dem er zum zweiten Mal die wichtigste Person in seinem Leben verloren hatte und ihn letztlich zu dem Menschen gemacht hatte, der er heute war, ohne wirkliches Ziel und einen Sinn lebend und da begriff er.

Sie mussten es zu Ende bringen – für ihn mit! Sie waren so weit gekommen, da konnten sie jetzt nicht einfach nur dumm herumstehen. Sigmar wäre der erste gewesen, der in einer solchen Situation Taten hätte sprechen lassen und nun war wieder einer der Momente gekommen, in denen Wolf seine eigenen Gedanken verabscheute. Selbstmitleid und Wehmut hatten noch nie zu etwas geführt, es war an der Zeit zu handeln und diesen Arschlöchern zu zeigen mit wem sie es zu tun hatten. Sie hatten einen ihrer Gefährten getötet und egal wie lange und wie lange sie ihn alle gekannt und wie sehr sie ihn gemocht hatten – es war ihre Pflicht sie zu rächen! Er jedenfalls würde diese Schweine nicht so leicht davonkommen lassen!

Eine unbändige Welle der Wut stieg in Wolf auf, während er langsam wieder das Gefühl bekam, wieder vollends bei Sinnen zu sein, und verdrängte alle Gedanken, die ihm durch den Kopf schossen, alle Erinnerungen, die soeben wachgerüttelt und an die Oberfläche befördert worden waren. All das schien unwichtig zu sein, nur noch eines zählte: Vergeltung! Blinder Hass türmte sich in ihm auf, ließ seine Glieder zucken und brachte ihn dazu seine Klingen zutage zu fördern und sein Schwert zu ziehen. Es war fast ein wenig wie damals, als es zum ersten Mal geschehen war, dieser brodelnde Zorn, der seine Sinne und seinen Verstand erblinden ließ und sämtliche klare Gedanken verdrängte, um nur noch an einem einzigen Ziel der Vernichtung festzuhalten.

Dann war es geschehen! Mit einem schier unbändigen Schrei des Zorns schnellte er mit gezücktem Schwert auf die verbliebenen Feinde zu! Auch sie hatten angesichts der Tatsache, ihren scheinbaren Anführer so verenden zu sehen, erst einmal regungs- und fassungslos verharrt, doch nun hatten auch sie wieder einen klaren Verstand und zogen ebenfalls ihre Waffen. Ungeachtet der Tatsache in welcher Gefahr er sich befand und dass es eher aussichtslos war allein gegen diese vier etwas Schwerwiegendes auszurichten, dennoch stürzte Wolf sich in den Weg. Obwohl er so in Rage war, auf seine Kampfkünste, die er meist sogar unterbewusst ausführte, konnte er sich verlassen, denn trotz seiner abgehackten Schwerthiebe, die von unkontrollierter Wut zeugten, war er genauso wendig und schnell wie sonst auch. Mit fast schon tänzelnden Schritten wand und schlängelte er sich zwischen seinen Feinden hindurch und hieb immer wieder auf die Gestalten ein, um gleich darauf deren Attacken mit seinen beschienten Armen und den Klingen an seinen Händen abzublocken. Schließlich drängten ihn die vier anderen, wenn Wolf ihnen auch schon schwer zugesetzt hatte, ein wenig zurück und versuchten ihn geschlossen ein zukreisen, was dieser jedoch durch einige gezielte Schwertschläge verhindern konnte. Immer und immer wieder schnellte die scharfe Klinge seines Schwertes auf seine Gegner nieder und prallte dabei meist auf eisernen Widerstand, metallenes Klirren hallte von den kalten Steinwänden wieder.

Plötzlich merkte Wolf, dass er sich in der Nähe des Gesetzlosen befand und wie er sich so ein wenig zurückdrängen ließ, immer weiter auf ihn zusteuerte. Schließlich machte er ein paar gekonnte Sätze rückwärts und verharrte neben ihm in angespannter Haltung. Dann warf er Sigmar, der immer noch am Leben war, wie sehr, konnte Wolf nur schwer beurteilen, einen raschen Blick zu, bevor er sich mit überraschend schneller Geschwindigkeit wieder nach vorn stürzte, um seinen Feinden abermals zu begegnen, während er noch rief: „Hör zu, Mistkerl! Wenn du abkratzt, bring ich dich um!“, ohne sich der Sinnlosigkeit und Absurdheit seiner Worte wirklich bewusst zu sein. Noch ehe er einen weiteren Angriff vollführen konnte, traf einer der Gestalten ihn mit einem plötzlich gezückten Messer, mit dem Wolf nicht gerechnet hatte, in die linke Seite und Wolf sackte zu Boden, jedoch nicht, ohne die vier mit ein paar schnellen Hieben zurückzuschlagen, diese umkreisten ihn nun geduldig. Zum Glück hatte er rechtzeitig reagiert, der Schnitt war nicht allzu tief, dennoch schmeckte er Blut und spuckte wütend ein paar Tropfen zu Boden, ehe er keuchend nach Luft schnappte und sich schließlich wieder beruhigte. Dann stand er, anfangs noch ein wenig zitternd, aber wenige Augenblicke später schon selbstsicher, auf und hob langsam die gesunkenen Arme, in deren Händen die blutige Klinge sicher lag, und richtete sich auf. Schließlich spuckte er noch einmal verächtlich zu Boden und wischte sich mit der Hand über den Mund, der schwarze Stoff auf dem Handrücken verfärbte sich dunkelrot. Dann fixierte er die vier Gestalten, machte ein paar Schritte auf sie zu und streckte ihnen die Spitze seines Schwertes entgegen, Blut tropfte geräuschlos zu Boden und bildete dunkle Tropfen auf dem Steinboden.

„Jetzt reicht es mir aber! Ich mach euch fertig!“

Und er würde nicht alleine kämpfen.

Nendaloce
22.06.2008, 23:57
Auch Alieth die erst noch wie zu einer Salzsäule erstarrt gewesen war fing sich an wieder zu regen. Plötzlich wurde ihr der Ernst der Lage bewusst.
Sie hatte dem Zweikampf der Beiden Brüder Wortlos zugesehen und war dann, als Sigmar auf dem Boden lag in eine art Trance gefallen, in der sie die Ereignisse der letzten Tage an sich vorüber ziehen sah. Es war fast so als wäre es sie selbst die da in einer Blutlache am Boden läge und sich nicht mehr rühren konnte. Und das obwohl sie ihn eigentlich nie sonderlich gemocht hatte. Es war einfach einer ihrer Gefährten und sie hatten auf derselben Seite gekämpft.
Plötzlich riss sie Waffengeklirr aus ihren Gedanken. Sie schaute auf und als sie alles wieder klar und deutlich vor sich sah, erkannte sie, dass die Gefahr noch längst nicht vorüber war. Wolf stand da, inmitten der Feinde und versuchte scheinbar mit verzweifelter Wut alle auf einmal zu töten.
Da kam wieder Leben in Alieths Glieder und sie zog ihren Bogen und stürzte hin um Wolf zu helfen und Sigmar davor zu bewahren von den feinden zertrampelt zu werden.
Der Elfenbogen lag schwer in ihrer Hand und die Pfeile schwirrten nur so herum.
Jetzt realisierten auch Rômo und der Hauptmann was sich vor ihren Augen abspielte und so liefen auch sie los um den freunden zu helfen.
Endlich die vier Gefährten des bösen Bruders waren alle besiegt und doch war der Kampf noch lange nicht vorbei.
Jemand musste sich weggeschlichen haben um Hilfe zu holen. Denn bald waren sie von gegnerischen Soldaten umkreist.
Wir sind verloren, dachte sich Alieth, es waren einfach zu viele Gegner. Sie wollte gerade die Hoffnung aufgeben als sie die Stimme des Zwerges vernahm: „Rückt zusammen und haltet mir den Rücken frei!“ Ohne zu Zögern gehorchten Alieth, Wolf und der Hauptmann. Und sie hatten gut daran getan.
Rômo konzentrierte sich, doch den anderen blieb keine Zeit sich über die seltsamen Worte zu wundern, die er murmelte. Sie waren viel zu sehr damit beschäftigt die Angreifer aus dem Weg zu räumen. „Wo kommen die nur alle überhaupt her?“ wunderte sich Alieth zwischen zwei Schwerthieben, sie hatte schon längst keine Pfeile mehr um ihren Bogen benützen zu können. Doch bevor ihr jemand antworten konnte war die ganze Umgebung auch schon in blaues Licht gehüllt.
Rômo hatte seinen Zauber beendet und einen Großteil der gegnerischen Soldaten erledigt.

Doch was war das?

Plötzlich hörten die Angreifer auf und hielten mitten im Hieb inne. Ja sie liesen sogar ihre Waffen fallen und noch bevor sich Alieth anfangen konnte sich zu wundern betrat eine in rot gekleidete Person den Platz des Geschehens.

Salieri
01.07.2008, 21:42
Ab hier beginnt die eventuelle Fortsetzung der Story, die nicht mit in die Wertung mit eingeflossen ist!!!