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View Full Version : Weißaugengebirge #8



Sir Ulrich
11.09.2024, 17:21
Für einen Moment (https://forum.worldofplayers.de/forum/threads/1485866-Wei%C3%9Faugengebirge-7?p=27407481&viewfull=1#post27407481) war der Kommandant versucht, sein Schwert auf todbringende Weise einzusetzen, aber irgendetwas hielt ihn zurück – er konnte es nicht und er wollte es auch nicht. Was wäre dadurch gewonnen, das Leben eines alten Kameraden unter diesen Umständen zu beenden?, die klare Antwort seiner inneren Stimme lautete, nichts und sie hatte vermutlich recht. Mal abgesehen davon, das es nicht die Art des Paladins war, ohne guten Grund Jemanden ins Reich der Toten zu schicken, diesen guten Grund hatte er bei DraconiZ nicht, trotz seiner Verfehlungen. Der ehemalige General war derzeit nicht bei Sinnen, stand unter Einfluss von dunklen Mächten, gegen die sich der Kamerad scheinbar nicht wehren konnte obwohl er es versuchte, das spürte der Paladin ganz deutlich und hatte es auch mit eigenen Augen gesehen. Unter diesen Umständen wäre es nicht richtig und schon gar nicht angemessen, ein vorschnelles Urteil zu fällen, das den Tod eines Kameraden zur Folge hätte. Vielleicht war es ja genau das, was diese dunklen Mächte bewirken wollten, kam es Ulrich in den Sinn, er fand diesen Gedanken gar nicht mal so abwegig.

Der Paladin senkte sein Schwert und trat einen Schritt zurück. „Das Rad des Schicksals dreht sich in der Tat immer weiter“ bestätigte er DraconiZs Aussage, „aber es nicht alles vorbestimmt. Man kann sein Schicksal beeinflussen, zumindest bedingt, wenn man es wirklich will, und du willst es scheinbar nicht“ bemerkte Ulrich nicht ohne Grund. „Sieh dich an, du bist nichts weiter als ein Häufchen Elend, das keine Kontrolle mehr über sich hat. Schlägst wild um dich, bedrohst meine Leute, stellst dich sogar gegen mich. Demjenigen der dir Vertrauen geschenkt hat, der an dich geglaubt hat – der dich in den Kreis ehrenwerter Krieger aufgenommen hat, um dir eine neue Perspektive zu eröffnen. Das alles trittst du mit Füßen, machst alles zunichte – siehst du das nicht? - kriegst du das nicht mehr mit? - wie konnte es nur so weit kommen?“ fragte der Paladin, der seine Enttäuschung nicht verbergen konnte.

„Ich weigere mich zu glauben, das dies wirklich dein Wunsch und Wille ist, du bist besessen, das sehe ich, das spüre ich. Du musst dich dagegen wehren, mit aller Kraft die du aufbringen kannst, sonst bist du verloren, wirst nie mehr du selbst sein“ versuchte der Kommandant die innere Stimme DraconiZs anzusprechen. „Wo ist dein Glaube an Innos' geblieben?, deine Stärke und Willenskraft Gutes zu bewirken? - es steckt noch in dir, dessen bin ich mir sicher. Du musst dich daran erinnern, auf Innos' vertrauen, nur so kannst du diesen ungleichen Kampf in dir gewinnen – lass nicht zu dass das Böse in dir obsiegt“ beschwor der Paladin seinen Kameraden regelrecht. „Sprich ein Gebet wenn du kannst - triff eine Entscheidung, damit dieser Spuk hier endet – ich werde solange an deiner Seite bleiben“ schloss Ulrich ab, es gab im Moment nichts weiter zu sagen...

DraconiZ
11.09.2024, 22:05
Er sah den Zorn wie inneres gerechtes Feuer in den Augen seines Waffengefährten aufblitzen. So als wäre das Feuer dafür bestimmt ihn in Flammen zu setzen. Ulrich haderte mich sich, ob er beenden sollte, was schon lange beendet werden sollte. Doch irgendetwas hielt ihn zurück. DraconiZ selbst war es nicht. Der Assassine war hin und her gerissen. Der ewige Konflikt der die ganze Welt zu regieren schien hatte nun vollends von ihm Besitz ergriffen. Licht und Dunkelheit kämpfen um ihn. Es war als würde eine mächtige Hand ihn nach oben in Richtung des Lichts ziehen und gleichzeitig dämonische Tentakel ihn nach unten ziehen. Er selbst war in diesem Malstrom gefangen und drohte in Stücke zerfetzt zu werden. »Wenn es nur so einfach wäre«, antwortete er kleinlaut zu dem Paladin vor ihm und fühlte wie schwarze Tränen sein Gesicht herunterliefen. Ein infernalisches Brennen erfüllte seine Augen und die Tränen vergifteten die Haut wo sie herunterliefen. Gleichzeitig entwickelte das noch immer in seiner Hand befindliche Valien solch eine Hitze, dass er meinte bald verbrühen zu müssen. Wo nahm der Kommandant die Zuversicht her, dass es einen Ausweg gab? Er sah seine Seite das war klar. Doch Beliar würde den Assassinen nicht freigeben. Der Gott des Todes war unbarmherzig und endgültig so wie das Ende eines jeden Wesens in Morgrad. »Worauf wartest du? Töte, töte TÖTE!«, hallte die Stimme des Skelettmagiers und damit der Befehl des Totengottes in seinem Kopf.

Also was sollte er tun? Wenn er nichts tat würden sie ihn zerfetzen und diesmal gab es kein Entrinnen in Dunkelheit. Die beiden Mächte würden ihn zerreiben und es würde nichts von ihm bleiben. Sollte er den Schwur an Beliar erneuern?

Dann würde Ulrich ihn hier und jetzt niederstrecken. Er stand hier wie der Bote des Lichts mit erhobener Waffe und als Verkörperung der Gerechtigkeit vor ihm. Seine Entschlossenheit deutlich sichtbar. Ein neuerlicher Verrat an den Idealen des Ordens und Innos’ würde das Schicksal endgültig besiegeln und seine Verdammnis vollkommen machen. Es hatte ein Licht in der Dunkelheit gegeben. Eine Chance auf ein neues Leben. Die konnte und wollte er nicht ausschlagen.

Also Innos’ die Treue schwören? Dem Gott der Ordnung die Hand reichen und seinen Segen empfangen? Die Vergangenheit vollends ungeschehen machen? Wie sehr wünschte er, dass dies möglich war. Doch dann würde ihn Beliar hinabziehen. Seinen Schwur und die Schattenmimik die er tief in seinem Inneren verankert hatte, benutzen um ihn in alle Ewigkeit zu quälen. Er hatte die Entscheidung getroffen einen Pakt mit dem Tode zu schließen und der war unwiderruflich. Der Dämonensultan würde ihn bekommen. Die Frage war nur, wann genau das sein würde.

Dann begann er voller Inbrunst und Verzweiflung zu Lachen. Der Ton wirkte in der Nekropole so grotesk und unpassend, dass ihm selbst ein kalter Schauer über den Rücken lief. Fast meinte er tausende kleine Spinnen über sein Rückgrat kriechen zu fühlen. Doch er konnte sich des Impulses nicht erwehren. So verzweifelt war die Situation, dass ihm nichts blieb als Resignation und Kapitulation. Mit ihnen kam der Galgenhumor. Wenn er nichts tat würde er von Beiden vernichtet werden, schwort er Beliar die Treue würde Ulrich oder ein anderer geweihter Mann ihn richten und schwor er Innos’ die Treue so würde der Skelettmagier oder irgendein anderer der dämonischen Diener ihn in den Abgrund reißen.

»Eine Entscheidung. Mein Schicksal..«, murmelte er auf die Worte des Paladins hin. »Mein Schicksal«, wiederholte er wieder und stützte sich kniend weiter schwer auf die heilige Klinge die er so lange gesucht hatte. Doch gerettet hatte sie ihn nicht. Im Gegenteil. Sie hatte den Konflikt besiegelt und ihn in diese Situation gebracht. Sie zwang ihn zur Entscheidung. Sie vibrierte. Gemahnte ihn zum Gehorsam. Ebenso wie die Schatten begannen an seinem Körper zu zerren und ihn wieder zurück zu ziehen. Auch Ulrich bemerkte die Veränderung an der Gestalt und spannte seinen Körper. Entschlossenheit breitete sich in seinem Blick und dann in seiner Haltung aus. Es würde jetzt enden, wenn DraconiZ nicht irgendetwas tat. Er musste etwas tun. Aber was? Angst lähmte ihn als würde er ein Bad in pervertiertem Öl nehmen.

Seine Füße sanken wie Treibsand in die Schatten und begannen sich Stück für Stück aufzulösen. Ulrich erhob sein Schwert. Wenige Augenblicke bis zum Ende. Ob es schnell gehen würde? Das letzte Mal, als er gedacht hatte es würde enden, hatte er über ein Jahrzehnt in Finsternis verbracht. Hoffentlich ging es schnell. Er war des Leidens nicht mehr fähig. Konnte nicht noch einmal den endlosen Strom aus Dunkelheit ertragen. Konnte nicht noch einmal in die Verzweiflung und in die Enttäuschung seiner einstigen Waffenbrüder sehen. Hatte er nicht schon genug gebüßt? Waren mehr als Zehn Jahre nicht genug gewesen?

»Entscheide dich!«. Der Ruf drang donnernd in seine Ohren. Er sah das Schicksal flammend vor seinen Augen. Er schmeckte die Gewissheit scharf auf der Zunge. Er fühlte die Macht knisternd unter seinen Fingerkuppen. Die Bitterkeit kroch stinkend in seine Nase. Keine Zeit mehr. Er entschied sich. In dem Moment in dem er Valien brachial vor sich tiefer in den Zwischenraum zwischen zwei Steinplatten stieß und seine Augen schloss, begann die Dunkelheit von ihm abzufallen und Valien begann silbern zu leuchten. Ulrich hielt inne, als der Paladin und Klingenmeister feierlich zu sprechen begann:



»Es ist Licht in der Dunkelheit und Dunkelheit im Licht. Alles ist eins und alles ist verschieden. Nichts ist wahr, alles ist erlaubt.«

Er hielt inne. Die Dualität würde ihn retten. Es waren keine Gegensätze. Harmonie statt Balance. Vereinigung.



»Es gibt keinen Frieden ohne die Leidenschaft etwas zu erschaffen
Es gibt keine Leidenschaft ohne Frieden der uns leitet
Wissen verblasst ohne den Willen zu handeln
Macht blendet ohne die Welt mit innerer Gelassenheit zu sehen
Es gibt Freiheit im Leben und Bedeutung im Tode«


Er sah die Mutter vor sich, deren Abbild er unten im Weißaugengebirge gefunden hatte. Er würde sich nicht für den Einen oder den Anderen entscheiden. So würde der Konflikt niemals enden. Er drehte sich im Rad des Schicksals. Jetzt würde er einen neuen Weg gehen. Eine dritte Alternative wählen. Auch wenn es völlig verrückt und unberechenbar war. Wer wusste schon was mit dieser Mutter war? Wer wusste was passieren würde, wenn er tat, was er vorhatte? Ohne Aussicht auf eine bessere Alternative, schwor er beiden göttlichen Brüdern die Treue und vereinte die Schwüre die ihn durch Uncle-Bin und Ardescion an Innos’ und Beliar banden:



»Hiermit schwöre ich von nun an und auf ewig, dass ich mein Handeln, meinen Willen und meinen Verstand einsetzen werde dem myrtanischen Reich und den Menschen darin in Ehre zu dienen.

Ich schwöre die Schöpfung zu verteidigen, bis die Flamme meines Lebens erlischt und zum ewigen Schatten wird.

Dies schwöre ich zum Ruhme des heiligen Lichts Innos’ und bei der Macht der Finsternis Beliars!«


Licht und Schatten wechselten sich in einer Kaskade um seinen Körper ab. Mal war er völlig in Dunkelheit verschwunden, dann war er hell erleuchtet als würde er in reinem Sonnenlicht baden. Wieder fühlte er sich hin und her gerissen zwischen den beiden Machtfeldern. So würde ein Teil nach oben und einer nach unten gezogen. Doch der Druck nahm ab. Langsam und stetig. Es war als würde das Licht nach unten tropfen und die Tentakel nach oben sprießen, bis alles eins wurde. Verschmolz zu etwas Neuem oder Altem. Die Intervalle wurden immer kleiner zwischen den Wechseln, bis seine beiden Augen und Valien silbern zu glimmen begannen. Das Licht wirkte wie reines unbeflecktes Licht, welches der Mond kurz vor der Morgenröte aussendet. Dann war der Druck fort. Das Reißen an seinem Inneren fand langsam ein Ende. Dann war da etwas, das er schon lange nicht mehr gespürt hatte: Ein Moment voller Frieden. Wie das Laufen über eine wundervolle Blumenwiese. Wie das schauen eines einzigartigen Morgengrauens.

Der Assassine spannte sich, fürchtete, dass er seine Entscheidung unmittelbar bitterlich bereuen würde. Das nun der Zorn beider Götter ihn treffen würde und ihn endlose Pein erwartete. Doch auch nach mehreren Atemzügen, die sich wie Äonen anfühlten, passierte nichts. Blieb der Frieden in ihm bestehen. Stattdessen kehrte eine fast unheimliche Stille und Ruhe in ihm ein. Dann spürte er Kraft in sich hochkommen. So als hätte er ein mächtiges Gewicht getragen, was er nun unter Aufbietung seiner letzten Reserven von sich geworfen hatte. So als könnte er endlich von dem Brunnenwasser trinken, von dem er glaubte, dass es vor langer Zeit versiegt war.

Er stand auf und wog Valien in der Hand. Die heilige Klinge gehorchte ohne Widerstand. Präzise und gefühlt leicht wie eine Feder lies er sie in die Scheide am Rücken gleiten. Er tauchte seine Linke in Dunkelheit, sah zu wie sie verschwand und konnte sie mühelos wieder aus den Schatten herausziehen. Es war getan. Was auch immer das bedeuten mochte. Er hatte eine Alternative gewählt die er nicht verstand und sich damit auf ungewisses brandgefährliches Terrain begeben. Er war der Diener des Reiches und zweier Götter. Das war sein selbst gewähltes Schicksal. Zum ersten Mal hatte er wirklich aus freiem Willen gehandelt.

»Ich danke dir Ulrich«, sprach DraconiZ zu dem fassungslos vor ihm stehenden Paladin. »Du hast recht. Es musste eine Entscheidung her und ich habe gewählt. Anders wahrscheinlich als du und ich es gedacht hätten«. Seine bedächtigen Schritte hallten in der Nekropole wider. »Mein Schicksal gehört mir«, meinte er feierlich. Er lies noch einen Moment verstreichen. Einen letzten Moment der Ruhe.

»Es wird Niemand verstehen«, meinte er bitter, »Ich verstehe es selbst nicht«. Er schaute Ulrich an. »Ich werde gehen müssen. Die Adler werden mich nicht mehr hier dulden«. Es war keine Frage. Er war gefährlich solange er nicht verstand, was geschehen war. Für was er sich entschieden hatte. Nun war er frei genug selbst einzusehen, dass es so war.

Er sah die andauernden Kämpfe in einiger Entfernung. Sah wie Sunder sich durch die Skelette schlug. Ungelenkt und grobschlächtig. Aber sehr tapfer und effektiv. »Wir haben es geschafft. Sunder kann sich selbst verteidigen. Er braucht keinen Unterricht mehr. Was beizubringen war ist beigebracht«. Einen Moment zögerte er, dann blickte er Ulrich in die Augen. »Wir sehen uns wieder«. Dann verschwand DraconiZ in die Dunkelheit.

Jacques Percheval
12.09.2024, 20:35
„Man könnte fast denken, jemand will nicht, dass wir hier sind!“, kommentierte Jörg, nachdem er einem weiteren Skelett mit einem gezielten Schwerthieb den Schädel zertrümmert hatte. Die zum Parieren erhobene Waffe des Untoten war so sehr vom Rost zerfressen gewesen, dass sie einfach zersplittert war, ohne nennenswert Kraft aus dem Schlag zu nehmen.
„Er weiß, was wir vorhaben, Bruder“, antwortete Jacques, „Er hat … Angst!“
„Er…“, sinnierte Jörg, „Wer ist er überhaupt? Weißt du das zufällig auch, Wunderknabe?“
„Nein. Er … es … ist älter, als wir es uns vorstellen können. Wer oder was es ist oder war, wo es herkommt und wie es hier unten eingesperrt wurde – vielleicht gibt es noch Aufzeichnungen darüber in irgendwelchen verbotenen Büchern, die in staubigen Bibliotheken lagern. Aber, Bruder, manches Wissen sollte man nicht zu erlangen versuchen! Wissen ist Macht, und Macht korrumpiert. Unsere Aufgabe ist, zu verhindern, dass es je wieder das Licht des Tages erblickt, dass die Mauern seines Gefängnisses seiner Wut standhalten. Das ist alles an Wissen, was wir brauchen.“
„Amen“, kommentierte Jörg bissig und warf Jacques noch einen kurzen, misstrauischen Seitenblick zu. Wie er redete, wie er sich bewegte … Aber der Zeitpunkt, zu dem er den jungen Soldaten seinem Schicksal hätte überlassen können, war längst verstrichen. Der Widerstand der Untoten nahm mit jedem Meter, den sie sich ihrem Ziel näherten, weiter zu. Nur gemeinsam, Rücken and Rücken, hatten sie in diesem Kampf eine Chance. Er musste also an Jacques‘ Seite bleiben, ob er wollte oder nicht.

Jacques sah das Ziel klar vor Augen, obwohl es noch gute hundert Schritte entfernt zwischen klauenartig aufragenden Stalagmiten in der Dunkelheit verborgen lag. Ein ätherischer Lichtschimmer wies ihm den Weg, ein warmes, pulsierendes Leuchten, das ihm nicht nur zeigte, wohin er sich wenden musste, sondern ihn auch mit der Kraft und Zuversicht erfüllte, die er brauchte, um sich durch die Horden der Feinde zu kämpfen. Die Diener der Finsternis waren ihnen zahlenmäßig um ein Vielfaches überlegen, aber Innos selbst stand an ihrer Seite!
Ein Skelett schaffte es, mit seinem Speer eine Lücke in Jacques‘ Verteidigung zu finden und ihm die rostige Spitze in die Schulter zu rammen. Der Gambesson verhinderte jedoch, dass die Klinge allzu tief ins Fleisch drang, und Jacques schmetterte das Skelett ärgerlich mit seiner Hellebarde zur Seite. Seine Stelle wurde allerdings rasch von einem weiteren untoten Krieger eingenommen.

„Mist … ich glaube, es bekommt wirklich Angst!“, rief Jörg plötzlich und deutete auf einen Schatten, der sich zwischen den Tropfsteinen langsam auf sie zu bewegte. Die Kreatur überragte die anderen Skelette um mehr als das doppelte.
„Innos ist an unserer Seite, Bruder!“, verkündete Jacques, aber als das Ding in den Feuerschein ihrer Fackel trat, überkamen ihn erstmals, seit er das heilige Licht erblickt hatte, leise Zweifel.
Es war riesig – und es konnte nicht von dieser Welt sein!
Zuerst hatte Jacques geglaubt, es müsse sich um das Skelett eines Trolls oder einer vergleichbaren derartigen Kreatur handeln, aber was sich da aus der Dunkelheit schälte, hatte keine Ähnlichkeit mit irgendeinem Wesen, das ihm aus eigener Anschauung oder auch nur aus Erzählungen bekannt gewesen wäre.
Es war eindeutig untot – die bleichen Knochen waren zum Teil armdick und stellenweise von einem dunklen Pilzgeflecht überzogen. Aber wie diese Kreatur zu Lebzeiten ausgesehen haben mochte, blieb Jacques ein Rätsel.
Tatsächlich wirkte es mehr wie ein Konglomerat aus Skeletten, eine Konstrukt mit zu vielen Gliedmaßen mit zu vielen Gelenken und zu vielen Fingern, die in brutalen, dolchartigen Klauen endeten. Wie viele Arme hatte es? Sechs? Sieben? Aus der Ansammlung an Extremitäten starrte ein massiver Schädel hervor, der ebenfalls deformiert wirkte. In mindestens fünf asymmetrisch angeordneten Augenhöhlen loderte unheiliges Feuer, ein vertikaler, mit dreieckigen Reißzähnen gespickter Schlitz schien das Maul der Abscheulichkeit zu sein, die sich auf dicken, kurzen Beinen halb hüpfend, halb kriechend auf die beiden Krieger zubewegte…

Jacques bereitete sich auf den Angriff vor – keine Sekunde zu früh. Eine der Klauenhände, die am Ende eines Armes mit vier (oder fünf?) Gelenken saß, schoss auf ihn zu und es gelang ihm gerade noch, den Hieb, der ihm mühelos das Gesicht abgerissen hätte, mit seiner Hellebarde abzuwehren. Die gewaltige Kraft des Schlages ließ ihn jedoch taumeln und er hätte um ein Haar das Gleichgewicht verloren, wenn ihn Jörg nicht geistesgegenwärtig an der Schulter gepackt und stabilisiert hätte.
Jacques hatte keine Zeit, sich zu bedanken. Das Knochenmonster riss sein vertikales Maul auf, als wolle es seinen Gegnern eine Herausforderung entgegenbrüllen, und die befremdliche Tatsache, dass es dabei vollkommen stumm blieb, machte es nur noch um so furchteinflößender.
Dem nächsten Klauenhieb konnte Jacques ausweichen und es gelang ihm, einen eigenen Treffer zu landen. Ein oder zwei Knochen brachen unter dem kräftigen Schlag mit der Hellebarde, aber der monströse Untote schien es nicht einmal zu bemerken. Auch Jörg gelang es, mit einem gezielten Schwerthieb irgendetwas zu zerbrechen, aber auch dieser Erfolg zeigte keinerlei sichtbare Wirkung.

Das Monstrum wirbelte herum und zerschmetterte dabei eines der normalen Skelette. Es nahm keinerlei Rücksicht auf seine kleineren Verbündeten – wenn sie ihm im Weg standen, zögerte es keine Sekunde, sie mit brutalen Hieben beiseitezuwischen wie lästige Insekten. Für Jacques und Jörg war das jedoch nur ein schwacher Trost, denn auch so hatten sie alle Hände voll zu tun, auch nur am Leben zu bleiben.
Als Jacques einen weiteren Angriff abzuwehren versuchte, schlossen sich die Klauen des Monstrums um seine Hellebarde. Die Waffe wurde ihm aus der Hand gerissen und fortgeschleudert, irgendwo in der Dunkelheit prallte sie scheppernd gegen einen Stalagmiten.
Mit knapper Not gelang es Jacques, sich außerhalb der Reichweite des Monsters in Sicherheit zu bringen. Nach kurzer Überlegung zog er Miks Keule – das grobschlächtige Werkzeug schien ihm die sinnvollste Wahl zu sein im Kampf gegen die Skelette, hatte er doch bei Sunder beobachten können, wie effektiv diese Waffe mit morschen Knochen kurzen Prozess machte. Trotzdem war er im Umgang mit ihr lange nicht so geschickt wie mit seiner Hellebarde, und die deutlich geringere Reichweite war ein weiterer Nachteil, vor allem im Kampf gegen eine Kreatur, die viel größer war als man selbst.
„Verzieh dich!“, spie er einem Skelett entgegen, das auf ihn zugewankt kam, und zerschmetterte dem Untoten mit einem einzigen von oben geführten Schlag den Schädel. Das Skelett zerfiel in seine Einzelteile, wobei es auch einen aus schwarzem Holz gefertigten Rundschild fallen ließ. Obwohl der Schildbuckel von einer braunen Rostschicht überzogen war, wirkte der Schild noch robust – kurzentschlossen hob Jacques die Verteidigungswaffe auf und hielt sie vor sich. Er würde jetzt Schutz gebrauchen können …

Jacques beeilte sich, wieder an Jörgs Seite zu gelangen. Der Krieger hielt sich gut, war aber arg in die Defensive gedrängt. Das Monster schlug wieder und wieder zu, die Angriffe seiner zahlreichen Arme kamen von allen Seiten, so dass Jörg kaum etwas anderes zu tun blieb, als zu parieren und auszuweichen. Er war ein schneller, gewandter Kämpfer, aber die Chancen standen trotzdem gegen ihn – eine zu langsame Reaktion, ein falscher Schritt, und die Sichelklauen des Monsters würden ihn aufschlitzen und ausweiden wie einen Fisch.
Es gelang Jacques, einen Klauenhieb mit dem Schild abzufangen. Die Wucht des Aufpralls drängte ihn ein Stück zurück und eine Ecke des Schildes splitterte, aber er hielt ausreichend stand, um seinen Träger zu schützen – zudem hatte sich die Kralle des Monsters so weit in das Holz gebohrt, dass die Kreatur sie nicht wieder ohne weiteres daraus lösen konnte. Jacques ergriff die Gelegenheit und schlug mit seiner Keule auf die langgliedrige Hand der Kreatur. Die Knochen barsten unter dem schweren, eisenbeschlagenen Mordwerkzeug – ein kleiner Sieg, aber keiner, der das Monster ernsthaft schwächte …

„Wir … müssen etwas tun!“, keuchte Jörg, „Wir können es so nicht besiegen!“
Er hatte recht. Das Biest war zu groß, hatte zu viele Waffen und keinen offensichtlichen Schwachpunkt. Selbst wenn sie einen Treffer landeten, war der Schaden nur marginal. Sie konnten nicht darauf hoffen, das Ding kleinzukriegen – lange vorher würde es sie überwältigen.
„Aber was?“, rief Jacques zurück und hob seinen Schild (das, was davon noch übrig war) schützend über seinen Kopf.
„Dein verdammter Märtyrer!“, stieß Jörg hervor, während er sich unter einem Angriff hinwegduckte, „Keine Ahnung, was das alles bedeuten sollte, was du die ganze Zeit von dir gegeben hast, aber wenn es darum geht, irgendwelche Siegel zu schließen, oder… keine Ahnung … verdammt, tu es einfach! Ich beschäftige so lange dieses Mistvieh hier!“
„Bist du sicher …“
„JAAA! Und jetzt beweg deinen Arsch!“

Jacques nickte und rannte los. Jetzt war nicht die Zeit, zu diskutieren. Jörg hatte recht – das Siegel zu schließen, das war ihre Mission, und nichts anderes! Das war der Auftrag, für den Innos sie an diesen finsteren Ort gerufen hatte, und wenn sie ihr Leben dafür geben mussten, diesen Auftrag zu erfüllen, dann sollte es so sein!
Aus dem Augenwinkel sah Jacques, wie das Monstrum ihm nachsetzen wollte, aber Jörg sprang der Bestie todesmutig in den Weg und zwang sie mit einigen gezielten Schwerthieben, seine Aufmerksamkeit auf ihn zu richten.
Jacques rannte, sprintete. Er ließ den Schild fallen – der war ohnehin zur Hälfte zersplittert und somit nur noch eine Belastung. Seine Lunge brannte und das Blut rauschte in seinen Ohren im Rhythmus seines Herzschlags. Ein Skelett, dass sich ihm in den Weg stellen wollte, rannte er regelrecht über den Haufen, indem er seine Schulter senkte und es mit voller Wucht rammte. Den Schmerz, der ihm dabei aufgrund der Verletzung durch den Speertreffer zurvor durch den Arm schoss, blendete er vollkommen aus. Der Untote flog in hohem Bogen davon und landete irgendwo zwischen den Felsen, über die Jacques mit weiten Sprüngen hinübersetzte.

Dann endlich sah er es – das, von dem er gewusst hatte, dass es hier sein musste. Ein Lichtstrahl, der irgendwo im endlosen Nichts über ihm seinen Ursprung hatte, fiel auf die Selle, an der der Märtyrer sein Leben gegeben hatte, um das Böse einzusperren.
Ein Skelett kniete auf dem Boden. Aber es war kein Untoter – es regte sich nicht. Seine Knochen waren weiß wie Elfenbein und strahlten eine absolute Reinheit aus, sie wirkten beinahe ätherisch in dem himmlischen Licht, das Jacques den Weg wies.
Der Märtyrer war in die Reste einer schweren, antik anmutenden Plattenrüstung gekleidet, die mit filigranen Mustern verziert war. Sein Schild lag neben ihm auf dem Boden, es zeigte das mit Flammen umgebene allsehende Auge Innos‘. Die Hände des Toten ruhten auf dem Griff seines Schwertes, das er vor sich in den Boden gerammt hatte. Seine ganze Haltung strahlte eine unerschütterliche Ruhe aus – als wäre er nur zum Gebet niedergekniet und müsste sich jeden Moment wieder erheben.

Jacques verlangsamte seine Schritte.
„Innos, dein Diener!“, murmelte er ehrfürchtig und näherte sich dem Märtyrer. In der Dunkelheit scharten sich die Skelette um ihn, aber sie wagten sich nicht, sich ihm zu nähern – wagten es nicht, oder konnten es nicht. Die Macht des Siegels war am Schwinden, aber sie war noch nicht gebrochen!
Das Siegel … Jacques sah es auf dem Boden. Ein endlos kompliziertes Muster aus Kreisen und Symbolen, die zu verstehen ihn wahrscheinlich Jahre oder Jahrzehnte kosten würde, war in Form eines Reliefs in die blankpolierte Bodenplatte aus weißem Marmor eingelassen. Die Linien hoben sich blutrot vom Untergrund ab. Aber sie waren nicht vollkommen … nicht mehr. Von allen Seiten näherten sich schleimige schwarze Fäden, die wie lebende Organismen auf widerliche Art pulsierten. Nacktschnecken gleich krochen sie langsam über die Konturen des Reliefs und verunreinigten das heilige Symbol, korrumpierten es, schwächten seine Kraft, indem sie zersetzen, was ihm seine Macht verlieh.
Das Blut des Märtyrers …
Jacques schloss für einen Moment die Augen, als er endgültig verstand, was von ihm verlangt wurde. Er spürte keine Furcht, keine Reue. Nur eiserne Entschlossenheit.
„Im Namen des Lichts, des Feuers und der Gerechtigkeit, Innos, dein Wille geschehe!“

Jacques entzündete eine Fackel und hielt sie in die Höhe, ein Gebet auf den Lippen. Das Feuer fauchte wie ein lebendes Wesen, es brannte hell und rein. Innos‘ Licht, um die Finsternis zu bannen. Ruhig und methodisch brannte Jacques die korrumpierenden Stränge weg, um das Siegel zu reinigen. Ihm war, als könnte er sie schreien hören, wenn das Feuer sie verzehrte.

„Jacques! Beeil dich!“ Der Ruf schien aus weiter Ferne zu kommen. Dennoch hoch Jacques den Kopf und sah, wie das Monstrum auf ihn zustürmte. Jörg taumelte ihm hinterher und hielt einen Arm an seine Seite gepresst, dunkles Blut tränkte seinen Waffenrock. Doch Jacques lächelte nur.
„Fürchte nicht, Bruder!“, rief er, „Es ist fast geschafft!“
Das Knochenmonstrum sprang auf ihn zu, doch es erreichte ihn nie, sondern prallte ab wie von einer unsichtbaren Barriere. Es schüttelte sich kurz, als wäre es verwirrt und überrascht, bevor es mit den Klauen nach Jacques schlug. Lichtblitze flammten auf, wo es ihm zu nahekam, und hielten es davon ab, ihm zu schaden. Aber mit jedem Hieb verringerte sich der Abstand unmerklich. Jacques wusste, er hatte nicht mehr viel Zeit. Aber die brauchte er auch nicht – es war fast getan, das Siegel war gesäubert. Die feinen Rillen, die er vom korrumpierenden Einfluss des Gefangenen befreit hatte, waren weiß und rein. Es fehlte nur noch ein Schritt, um das Ritual zu vollenden, das Siegel wieder zu schließen.
Jacques legte die Fackel vorsichtig ab und kniete vor dem Skelett des Märtyrers nieder. Seine Hände umfassten die Knochenhände des toten Streiters. Sie fühlten sich erstaunlich warm an, beinahe lebendig! Er wusste, was er zu tun hatte, denn er hatte es schon einmal getan …
Nein, der Paladin vor ihm hatte es getan! Aber machte das einen Unterschied? Sie waren Streiter Innos‘, Werkzeuge des Lichts. Sie waren eins!

Jacques schloss die Augen und hob das Schwert des Märtyrers an seinen eigenen Hals. Es war, als würde der Tote mit ihm gemeinsam die Waffe führen. Er spürte kaum, wie die selbst nach Jahrhunderten noch rasiermesserscharfe Erzklinge seine Haut aufschlitzte.
Erst als seine Hände von seinem eigenen heißen Blut besudelt wurden, öffnete Jacques die Augen. Er setzte das Schwert wieder mit der Spitze auf den Boden und neigte seinen Kopf. Seine Stirn berührte beinahe die des Toten, und so verharrte er, wie ins Gebet vertieft. Sein Blut tropfte auf den Griff des Schwertes, floss durch dessen Hohlkehle und berührte schließlich die schneeweise Marmorplatte, wo es, wie von eigenem Willen getrieben, in die Rillen des Sigels floss. Jacques spürte regelrecht, wie das brüchige Siegel wieder an Macht gewann, als sein Blut die Stellen, an denen die Korruption über Jahre und Jahrhunderte hinweg das Blut des alten Märtyrers zersetzt hatte, auffüllte.

Etwas brüllte. Etwas unmenschliches, ein uraltes Böses, das sich kurz vor dem Sieg, kurz vor dem endgültigen Wiedererlangen seiner Freiheit, darum betrogen sah. Es brüllte vor Wut und Frust und unendlichem Hass.
Jacques lächelte …
Dann wurde ihm schwarz vor Augen und er verlor das Bewusstsein.

Chala Vered
13.09.2024, 00:03
Gerade war sie überzeugt gewesen, bereit nach der sagenumwobenen Frucht zu greifen, welche versprach zu erfüllen, was tief in ihrem Innersten verborgen lag. Der Wunsch nach mehr. Das Sehnen nach der Freiheit, die nur durch Macht erlangt werden konnte. Das Verlangen zu stehen, wo niemand vor ihr jemals stand, auf dem Gipfel der Schöpfung. Ihre Finger waren bereits gekrümmt gewesen, die schwarzen Sonnen in den Augenhöhlen des Skeletts aufgeflammt.
Ein Schrei, so fernab jeder Vorstellungskraft, durchdrang ihr Sein, spaltete den Willen in Fünf, den Willen, der sie geeint hatte. Einer Eruption gleich zerbarsten die magischen Augäpfel ihres Häschers, zerstoben in dunkle Fragmente, die mit der Finsternis verschmolzen. Langsam, als würde sich die Zeit durch ein waberndes Moor schlagen müssen, glitt der Schädel vom Hals des Untoten. Klappernd folgten die restlichen Knochen, die zusammen mit der zerbrochenen Klinge zu Boden fielen.

Heftig atmend senkte Chala ihre zur Klaue geformte Hand, presste die Augen zusammen und kämpfte gegen ein aufsteigendes Übelkeitsgefühl.
Ich war so nah…, war das Erste, was an klaren Gedanken an ihr Bewusstsein drang.
Ein Hauch von Bitterkeit füllte ihren Mund, doch ob hervorgerufen durch die in ihren Fingern zerronnene Freiheit oder die Galle, welche ihr die Kehle aufstieg, konnte sie nicht unterscheiden. Sie blickte sich suchend um, sah nichts in der sie umgebenden Finsternis, hörte nur dumpfe Geräusche von Metall auf Knochen und Stimmen, die so dumpf an ihre Ohren drangen, dass sie glaubte unter Wasser zu sein. Ihr Atem beschleunigte sich, im Einklang mit ihrem rapide schlagenden Herzen, welches sie erinnerte, dass sie nicht tot war, dass sie lebte und es eine weitere Chance geben würde.
Beim nächsten Mal…, schwor sie sich.

Ihre Hand fand das Heft ihres Schwertes. Ihre Finger schlossen sich zittrig darum, ehe sie sich aufrappelte. Wann war sie zu Boden gegangen? Wie war sie so weit von den anderen getrennt worden? Wieso hatte niemand bemerkt, wie sie immer weiter in die Enge getrieben worden war? Was war aus „den Rücken freihalten“ geworden? Wie immer musste sie feststellen, dass Worte nur hohl waren und Taten bestimmten, was ein Mensch fühlte.
Sie spuckte aus, verbannte die Galle aus ihrem Mund und mit ihr den ersten Schaum der Wut, die in ihr zu brodeln begann. Ihre Knöchel wurden weiß, während sie ihren Griff um das Schwert festigte und sich dazu zwang einen Ausweg zu suchen, statt darauf zu warten, dass man ihr die helfende Hand reichte – schon wieder.

Der Kommandant und seine Männer waren mitten in den Kampf geplatzt, den sie sich mit Draco geliefert hatten. Also musste es einen passierbaren Weg aus diesen Katakomben geben, den sie zu finden plante. Unter ihren Füßen knirschten die Knochen der Vergangenheit und für einen kurzen Augenblick fragte sie sich, ob der Kommandant es geschafft hatte Draco zur Vernunft zu bringen. Hatte sich der Assassine hingegeben, so wie sie es beinahe getan hätte?
Hatte, korrigierte sie sich selbst, denn es war nicht nur eine Möglichkeit gewesen, sondern ein festes Vorhaben.
Je weiter sie in die Richtung lief, aus der sie glaubte gekommen zu sein, desto lauter wurden die Stimmen, die mahnten achtsam zu sein und doch eine Freude enthielten, die nur dem Sieg geschuldet sein konnte.
„Euer Sieg, nicht meiner“, flüsterte die Aranisaani und entdeckte endlich, was sie zu finden gehofft hatte.

Es erforderte einige Kletterkünste, doch dank des Unterrichts bei Draco fand sie sich bald wieder in der großen Höhle, durch deren Boden sie in die Tiefe gestürzt war. Licht drang aus dem Eingang herein, denn der Tag war bereits angebrochen. Auch hier lagen vereinzelte Knochen bis hin zu ganzen Brustkörben, flankiert von Waffen alter Zeiten. Mochte es Schätze oder Reichtümer hier geben, so kümmerte es Chala nicht. Nichts anderes, als der Weg hinaus aus der Todesfalle, war ihr Begehr. Sie wusste jetzt, dass sie im Ernstfall nicht darauf zählen konnte geschützt zu werden, es gab nur sie selbst und ihre Fähigkeiten, die sie zum Überleben hatte. Und das bedeutete, dass es nur sie war, um die sie sich sorgen musste. Es war Zeit, dass sie sich darauf konzentrierte und der erste Schritt führte sie noch immer nach Stewark. Sie vermutete den Pass nahe der Silberseeburg ganz in der Nähe und auch, wenn die Erschöpfung sie peinigte, würde sie nicht ruhen, bis sie die glitzernde Oberfläche des Sees erblickte.

Ska'ri
14.09.2024, 15:12
Bald…
Jahrzehnte, Jahrhunderte waren vergangen.
Jahrhunderte, in denen er an den Mauern seines Gefängnisses gekratzt hatte, gekratzt und gebohrt und genagt. Es war, als versuchte er, sich mit bloßen Fingern durch eine Felswand zu graben. Die Nägel waren längst abgerissen und das rohe Fleisch von den Fingerkuppen gerieben, die Knochen darunter gesplittert. Der Schmerz war unerträglich, aber er hörte nicht auf zu graben und zu graben und zu graben.
Freiheit …
Der Gedanke an die Freiheit trieb ihn an, der Drang, sein enges Gefängnis endlich zu verlassen. Egal wie lange es brauchte, egal wie viel Schmerz und Mühsal es ihm bereitete, er würde die Freiheit wiedererlangen. Und dann würde er sich rächen! Sein Hass, eine Glut, die er über Jahrhunderte genährt hatte, würde heller auflodern als die Sonne und alles verzehren, was ihm im Weg stand. Alles. Diejenigen, die ihn einst eingekerkert hatten, waren längst vergangen – aber was immer nach ihnen gekommen war, war in seinen Augen ebenso schuldig. Er würde sich rächen, und dabei durch ein Meer aus Blut waten …
Nicht mehr lange. Nicht mehr lange! Die Wand war dünn, so dünn! Die verfluchte Magie, die ihn einsperrte, war brüchig geworden. Nicht mehr lange …
Doch …
Was war das? Das konnte nicht sein, das durfte nicht sein!
Er heulte und tobte in seinem Gefängnis. So nah! Sooo naaaah! Ohnmächtig musste er mit ansehen, wie das Gewebe der Magie, an dem er gekratzt und genagt hatte, sich wieder festigte. Wie die haarfeinen Risse, die er mit unendlicher Geduld und unter Aufbietung gigantischer Willenskraft geschaffen hatte, sich wieder schlossen. Wie seine Hoffnung wie Sand zwischen seinen Fingern zerrann.
Es hatte nur eines einzigen naiven Idioten bedurft, der bereit war, sich zu opfern, um das Siegel zu erneuern. Wie groß war die Chance gewesen, dass so einer sich finden würde, gerade jetzt, so kurz vor dem Ziel?
Verflucht seist du!, brüllte er gegen die undurchdringliche Mauer seines Gefängnisses, Verflucht seist du und verflucht seien deine Nachkommen!
Er tobte und schrie, schlug um sich in unbändiger Wut, doch für nichts.
Rache, war sein einziger Gedanke, Rache, Rache, RACHE!

Ska’ri fuhr mit einem leisen Schrei aus dem Schlaf hoch. Ein sengender Schmerz bohrte sich in ihre linke Schulter. Als sie reflexartig danach griff, bekam sie ein kantiges Objekt zu fassen, das eine Hitze ausstrahlte wie glühendes Eisen. Panisch riss sie daran, merkte, wie eine Lederkordel riss, die sie um ihren Hals trug, und schleuderte das brennende Ding davon.
„Was zum …“, keuchte sie und presste die Hand auf ihre Schulter. Mit der anderen wischte sie sich die schweißnassen Haare aus dem Gesicht. Was zur Hölle war gerade passiert?
Sie sah sich um. Das kleine Marschlager lag ruhig da, hier und dort ertönte ein Schnarchen und auf den Felsklippen im Umkreis des Lagers konnte sie mit viel Mühe die Silhouetten der Wachposten gegen den nächtlichen Himmel ausmachen. Aber niemand war in ihrer Nähe, der ihr einen dämlichen Streich hätte spielen können.
Sie nahm die Hand von der Schulter und sog scharf die Luft ein, als sie die schmerzende Stelle betastete. Das fühlte sich nach einer üblen Verbrennung an! Aber wovon? Die Lederkordel, erinnerte sie sich. Sie hatte es um den Hals getragen! Die Snapperzähne waren noch da, ebenso der kleine Vogelschädel …
Das Bruchstück der Statue!
Das Götterbildnis (https://forum.worldofplayers.de/forum/threads/1485866-Wei%C3%9Faugengebirge-7?p=27276381&viewfull=1#post27276381), das sie an der Stelle gefunden hatte, an der Krul verschwunden war! Sie hatte das abgebrochene Horn der Maske aus schwarzem Gestein wie ein Amulett bei sich getragen, auch wenn sie es noch keinem Schamanen hatte zeigen können – da ihr immer noch der Ruf einer Satqua, einer Ehrlosen, anhaftete, ließ man sie nicht einmal auch nur in die Nähe eines der hochgeachteten Geisterseher.

Sie entdeckte das Bruchstück nach kurzem Suchen zwischen einigen losen Gesteinsbrocken. Vorsichtig stupste sie es mit dem Finger an. Die glatte, glasartige Oberfläche, in die filigrane Verzierungen eingeritzt waren, fühlte sich an, wie immer – so kühl, wie es angesichts der Umgebungstemperatur zu erwarten war. Die Lederschnur allerdings, an der Ska’ri das Bruchstück befestigt hatte, war schwarz und versengt – die plötzliche Hitze war also sicher keine Einbildung gewesen.
„Was, beim Schöpfer, ist passiert?“, murmelte sie zu sich selbst und hob das Bruchstück vorsichtig mit zwei Fingern auf, jederzeit bereit, es sofort wieder fallen zu lassen, falls es auch nur die geringsten Anstalten machen sollte, sich spontan selbst zu entzünden. Es war seltsam. Sie betrachtete das Bruchstück von allen Seiten, konnte aber nichts Ungewöhnliches entdecken – dennoch hatte sie das Gefühl, es würde ihr etwas, nun, mitteilen wollen!
Oder ich fange langsam an, verrückt zu werden… Wie sollte ihr ein Stück Stein etwas mitteilen können? Auf der anderen Seite, wie konnte ein Stück Stein plötzlich glühend heiß werden?

Dann fiel es ihr wie Schuppen von den Augen. Der Traum! Der Traum von Gefangenschaft, vom Wunsch nach Freiheit, von Hass und Rache – wann hatte sie zuletzt einen solch lebhaften Traum gehabt? So, als wäre es überhaupt kein Traum gewesen, sondern vielmehr ein kurzer Blick in eine fremde Gedankenwelt? Eine Vision, gesandt von einem Wesen, das viel älter und mächtiger war als alles, was sie kannte! Das aber trotz seiner gewaltigen Macht eingesperrt war, gefangen in einem magischen Käfig …
Aber warum ich? Warum hatte sie diese Vision empfangen? Es musste mit dem Bruchstück zusammenhängen. Irgendwie hatte es wohl als eine Art Fokus oder Empfänger gedient. Etwas war geschehen dort unten – sie hatte schemenhafte Bilder im Kopf, wie ein junger Morra-Krieger ein Ritual ausgeführt hatte, um ein erodierendes magisches Siegel wieder zu erneuern, und damit die Bemühungen des Gefangenen zunichtezumachen. Ob der Gefangene daraufhin gezielt nach Verbindungen zur Außenwelt gesucht und sie gefunden hatte? Oder war es einfach ein Nebenprodukt seiner gewaltigen Wut gewesen?

Nachdenklich drehte und wendete Ska’ri das Bruchstück zwischen ihren Fingern. Es war nach wie vor die einzige Spur zu Krul, die sie hatte. Bisher hatte ihr das nichts gebracht, aber jetzt? Hatte dieser … Gefangene vielleicht schon Kontakt zu ihrem Bruder aufgenommen? Immerhin war Krul als angehender Schamane für so etwas empfänglicher als sie! Was sollte sie jetzt tun? Sie war sich sicher, dass sie dem Ursprung der Vision nah sein musste. Irgendwo unter diesen Bergen befand sich das magische Siegel. Wenn sie also ihren Bruder finden wollte …
Ska’ri zögerte noch einen Augenblick, als der logische Teil in ihr sie dazu überreden wollte, nichts zu überstürzen, vielleicht doch noch zu versuchen, den Rat eines Schamanen einzuholen – aber eigentlich hatte sie sich längst entschieden. Die Schamanen hatten ihr in der Vergangenheit nicht geholfen und würden es sicherlich auch jetzt nicht tun. Sie war auf sich allein gestellt. Also … fast.

„Er’esh! Wach endlich auf, Fettklops!“
Ärgerlich boxte Ska’ri ihrem Stiefbruder in die beachtliche Wölbung seines Bauches. Sie hatte ihn bereits geschüttelt, gekniffen und ihm die Nase zugehalten, aber er schnarchte einfach weiter. Wie konnte jemand nur so unglaublich tief schlafen?
„Okay, du hast es so gewollt…“ Sie zog den Korken aus ihrem Wasserschlauch und schüttete etwas von dem kalten Nass in sein Gesicht. Und tatsächlich, endlich gab es eine Reaktion! Er’esh riss die Augen auf, schnaubte und wedelte unkoordiniert mit den Armen, als wollte er lästige Insekten verscheuchen. Beinahe hätte er Ska’ri dabei eine gelangt.
„W-was? Wo … was ist los?”, grunzte er.
„Psssst!“ Ska’ri drückte ihm den Finger auf die wulstigen Lippen. Er blinzelte und sah sie fragend an.
„Ska’ri?“
„Jaja, hör mir zu – wir müssen los!“
„Los?“ Verwirrung stand in Er’eshs Blick. „Wohin? Und … warum?“
Ska’ri schüttelte den Kopf. „Erklär ich dir später! Es geht um Krul. Ich glaube, ich habe eine Spur!“
„Eine … aber was ist mit den anderen? Diese neuen Orks, und …“
„Was soll mit denen sein?“, zischte Ska’ri ärgerlich, „Ich habe keine Ahnung, wer dieser Imperator-Borsch-Typ ist, wegen dem hier alle so aus dem Häuschen sind, aber was geht uns das an? Zu den Verhandlungen werden sie uns kaum einladen, oder? Also! Wir werden hier nicht gebraucht! Aber … Krul braucht uns!“
Er’esh setzte sich auf. Er zog die Stirn kraus, aber Ska’ri wusste, dass sie gewonnen hatte. Er kannte ihren Dickkopf, und er fühlte sich viel zu sehr für sie verantwortlich, um sie allein losziehen zu lassen.
„Also gut“, seufzte er schließlich, „Wo soll es denn hingehen?“
„Als erstes – unter die Erde. Und dann – wer weiß? Nicht trödeln, pack deinen Kram und dann lass uns verschwinden!“
„Vor dem Essen?“
„…“

Jacques Percheval
15.09.2024, 02:09
„Hey! Junge! Wach auf!“
Die Stimme drang aus weiter Ferne zu ihm, dumpf und verwaschen, als würde er sich unter Wasser befinden. Jemand rüttelte ihn und presste irgendetwas an seinen Hals. Es fühlte sich warm und klebrig an.
„Komm schon, mach mir nicht schlapp hier! Na los! Mach die verdammten Augen auf!“
Eine klatschende Ohrfeige ließ seine Wange brennen, aber sie hatte die beabsichtigte Wirkung – Jacques schlug die Augen auf. Zumindest versuchte er es. Seine Augenlider waren schwer wie Blei und seine Sicht verschwommen. Er hustete und tastete fahrig nach dem Mann, der ihn am Kragen gepackt hielt.
„J-Jörg?“, nuschelte er.
„Ja, ja, ich bins! Jacques, bleib bei mir! Wie viele Finger siehst du?“
Jörg hielt ihm seine Hand vors Gesicht, aber Jacques konnte kaum etwas erkennen.
„… alle?“, riet er. Jörg lachte. Ein raues, gequältes, aber dennoch erleichtertes Lachen.
„Idiot! Scheiße … du hast ne Menge Blut verloren, Kumpel, aber dass du noch lebst – ein Fingerbreit tiefer, und du hättest deine Schlagader erwischt! Himmel, was hast du dir dabei gedacht?“
„Blut …“, krächzte Jacques, „Das Siegel. Mär … tyrer! Sein Blut …“
Jörg sah ihn ernst an. „Du … hättest dich umgebracht, was?“
Jacques nickte. Er versuchte, sich die Ereignisse der letzten Stunden ins Gedächtnis zu rufen, aber es wollte ihm kaum gelingen. Die Erinnerungen an das Geschehen entglitten ihm, als ob er versuchte, einen Traum festzuhalten. Da waren nur noch lose Bilder und Gefühle, verzerrt und unzusammenhängend. Nur eines wusste er noch genau: Er hätte sich geopfert.
Nein, das stimmte nicht – nicht ganz. Er hatte sich geopfert!
„Warum lebe ich noch?“, fragte er mit fast kindlicher Verwunderung. Jörgs Antwort bestand aus einem kurzen, trockenen Lachen.
„Weil ich ein bisschen was gelernt habt in meiner Zeit im Krieg, Kumpel! Zum Beispiel, wie man Wunden erstversorgt! Ich habe immer einige Kräuter dabei, die helfen, eine Blutung zu stoppen, und ein paar Bandagen. Und du, wie ich schon sagte, du hast Innos sei Dank deine Schlagader verfehlt. Sonst würdest du jetzt mit den Englein trällern. Auch wenn es mir gerade so vorkommt, als wäre es genau das, was du eigentlich vorhattest!“
„Ich habe nur …“, setzte Jacques an, aber Jörg schüttelte den Kopf.
„Halt den Mund. Hier, trink etwas, du brauchst Flüssigkeit! Versuch, zu dir zu kommen! Die Untoten scheinen zwar weg zu sein, aber wir haben trotzdem ein ganzes Stück Weg vor uns, wenn wir zurück zu den anderen wollen.“
Jacques nickte schwach und nahm gierig einige tiefe Schlucke aus der Feldflasche, die Jörg ihm an die Lippen setzte. Erst beim Trinken merkte er, wie durstig er tatsächlich war! Das klare, kalte Wasser kam ihm vor wie das Köstlichste, was er jemals zu sich genommen hatte, besser als der beste Wein oder der süßeste Honig!

Langsam kehrten seine Lebensgeister zurück. Der Schwindel ließ nach und er setzte sich auf. Er sah sich um, als würde er die Umgebung zum ersten Mal sehen – was in gewisser Weise auch stimmte.
„Wo sind wir?“, fragte er verwundert, „Wie sind wir hierhergekommen?“
„Was?“ Jörg lachte. „Junge, du bist schnurstracks hier hermarschiert, ohne nach links und nach rechts zu schauen! Ich bin dir nur hinterher, weil ich dachte, du rennst in deinen Tod… Also wenn jemand wissen sollte, wo wir sind, dann du!“
„Nein …“, murmelte Jacques. Sein Blick fiel auf das Skelett des Märtyrers. Er kniete noch immer in betender Haltung in der Mitte des blutroten Siegels, das Schwert mit der Spitze auf dem Boden abgestellt, die Knochenhände um den Griff verschränkt. „Er war es. Nicht ich.“
Jörg zog die Augenbrauen hoch, widersprach aber nicht. „Wer war er?“, fragte er stattdessen.
„Ich weiß nicht“, gab Jacques zu. Nachdenklich legte er seine Hand auf den Knauf des Schwertes, „Aber wer auch immer er war, er war ein Held! Und er beschützt diesen Ort noch immer.“
Plötzlich löste sich einer der Finger des Toten. Die kleinen Knochen fielen mit einem leisen Klicken zu Boden. Einem ersten Impuls folgenden wollte Jacques die Knochen aufheben, hielt aber mitten in der Bewegung inne. Das Skelett des Märtyrers schien entgegen allen Naturgesetzen vollständig intakt zu sein, kein Knöchelchen fehlte, jedes war an der Stelle, an der es sein sollte. Und jetzt fiel plötzlich ein Finger herunter? Konnte das ein Zufall sein?
Nein! Es war ein Zeichen!
Kurzentschlossen nahm Jacques die Fingerglieder an sich. Die Knochen waren beinahe schneeweiß und fühlten sich wärmer an, als sie sein sollten, als wäre noch Leben in ihnen. Jacques atmete tief ein und senkte das Haupt in stummer Ehrerbietung.
„Ich danke dir“, murmelte er, „Und ich werde die Bürde auf mich nehmen.“

Einige Zeit später…

„Wen haben wir denn da? Wenn das mal nicht unsere beiden Küken sind!“, polterte Cenfar, als er ihnen im Tunnel entgegenkam.
„Wurde auch Zeit!“, entgegnete Jörg mit gespieltem Ärger. Sein, wenn auch schmerzverzerrtes, Lächeln strafte ihn Lügen.
„Wir haben seit Stunden alle scheiß Tunnel nach euch abgesucht!“, antwortete der Nordmann und legte sich Jörgs Arm über die Schulter, um ihn zu stützen. Jacques und Jörg hatten sich zuvor gegenseitig aufrecht gehalten – beide hatten viel Blut verloren, das Knochenmonstrum hatte Jörg die Seite aufgerissen. Die Verletzung war nicht lebensbedrohlich, aber er würde eine Weile brauchen, um wieder zu Kräften zu kommen.
„Wo sind die anderen?“, fragte Jacques, „Wie geht es ihnen?“
„Draconiz und diese Frau … wie hieß sie gleich? Karla oder so – sind verschwunden. Wir suchen noch nach ihnen, haben aber bisher keine Spur von den beiden finden können. Der Rest von uns ist okay. Höchstens ein paar Schrammen – wir hatten Glück, dass die verdammten Untoten auf einmal anfingen, von selbst in ihre Einzelteile zu zerfallen! Warum auch immer. Aber schaffen wir euch erstmal zu den anderen – wir haben ein provisorisches Lager aufgeschlagen, da können wir euch erst einmal wieder zusammenflicken und dann sehen wir weiter. Euch scheints ja ganz schön erwischt zu haben … Was bei Beliars haarigen Eiern habt ihr euch überhaupt dabei gedacht, allein in diesen scheiß Tunnel zu rennen? Bin mal gespannt, wie ihr das dem Kommandanten erklären wollt!“
Jörg grinste. „Tja, weißt du, Großer … ich glaube, unser Grünschnabel da drüben hat uns allen den Arsch gerettet.“
Cenfar warf Jacques einen misstrauischen Blick zu. „Ach ja?“, fragte er, „Was ist passiert?“
Jacques zuckte mit den Schultern und wandte den Blick ab, ein wenig beschämt ob der Anerkennung, die in Jörgs Stimme mitgeschwungen hatte.
„Ist ne lange Geschichte“, antwortete er ausweichend.
Cenfar schnaubte. „Pah, na dann leg dir am besten schonmal die Worte zurecht, Kleiner! Wenn wir das Lager erreicht haben, will ich die Geschichte nämlich hören … und ich wette, die anderen sind auch neugierig!“

Venom
15.09.2024, 21:56
Die Sonne hing tief am Himmel, während Venom, Hailey und Colbart den steinigen Pfad hinaufstiegen. Der Weg ins Weißaugengebirge war steil und gefährlich, und jeder Schritt forderte ihre Konzentration. Venom spürte das vertraute Ziehen in den Waden, die Anspannung, die ihm verriet, dass dieser Aufstieg nichts für Schwache war. Doch körperliche Erschöpfung war nicht das Einzige, was ihm durch den Kopf ging.
Hailey ging ein paar Schritte vor ihm, wie immer mit ihrer ungestümen Art. Sie sprang beinahe leichtfüßig über lose Steine und riss lose Felsbrocken hinunter, als wäre sie in ihrem Element. Doch Venom sah die Schatten der Müdigkeit in ihren Bewegungen, die sie sonst zu verbergen wusste. Colbart, der hinter ihnen keuchte, hielt sich tapfer, obwohl seine Stirn von einem dünnen Schweißfilm glänzte. Der Dieb war nicht für körperliche Strapazen geschaffen, aber er hatte sich bislang wacker geschlagen.
„Denkst du, er könnte wirklich hier sein?“ Hailey brach die Stille, ohne sich umzudrehen. Ihre Stimme klang rau, doch Venom hörte den Zweifel, den sie seit dem Verlassen des Bluttals mit sich trug.
Venom blieb stehen, lehnte sich gegen einen Felsen und wischte sich den Staub von den Händen. Der Wind wehte kühl von den schneebedeckten Gipfeln des Gebirges herunter und trug den Duft von Fichten und kaltem Stein mit sich.
„Es ist möglich“, sagte er schließlich und ließ den Blick in die Ferne schweifen. „Aber genauso gut könnte es eine falsche Spur sein.“
Seit sie die Spuren im Wald gefunden hatten, die in Richtung des Gebirges führten, hatten sie sich fest an die Hoffnung geklammert, dass Draven hier zu finden wäre. Doch jetzt, mitten in der unbarmherzigen Wildnis, fühlte sich der Gedanke, ihn hier zu stellen, wie ein törichtes Unterfangen an. Was, wenn Draven längst woanders war? Was, wenn er sie nur in die Irre führte, sie absichtlich auf eine falsche Spur gelockt hatte?
Colbart kam keuchend zu ihnen und ließ sich mit einem dumpfen Geräusch auf einen Felsen fallen. „Ehrlich gesagt, ich wette mein letztes Stück Brot darauf, dass dieser Draven uns an der Nase herumführt“, schnaufte er, während er einen Lederbeutel aus seinem Gürtel zog und hastig an einem Wasserschlauch nippte. „Das hier riecht nach einer Falle, wenn du mich fragst.“
„Vielleicht“, murmelte Venom, unsicher, ob es wirklich eine Falle war oder ob ihre Verzweiflung sie blind machte.
Der Weg ins Gebirge war ein verzweifelter Versuch, die losen Enden zusammenzuführen, doch je weiter sie gingen, desto stärker nagte der Zweifel an ihm. Die schroffen Felsen um sie herum wirkten bedrohlich, und die Abgründe, die sich links und rechts des Pfades auftaten, erinnerten ihn daran, dass dies nicht nur eine Jagd war, sondern eine Suche am Rande des Scheiterns.
„Ich dachte, du bist der Anführer hier.“ Hailey wandte sich um, ihr mutwilliges Lächeln war verblasst. „Wenn du sagst, wir sollen umkehren, dann kehren wir um.“
Venom spürte die Last ihrer Blicke. Hailey, die ihm in all den Jahren nie direkt widersprochen hatte, vertraute auf sein Urteil. Aber er wusste, dass sie ihn nicht als jemanden ansah, der leicht aufgab. Noch weniger wollte er in ihren Augen als schwach dastehen, auch wenn er sich innerlich zerrissen fühlte. Die Jagd nach Draven hatte ihn bereits viel zu lange beschäftigt, und doch konnte er das Gefühl nicht abschütteln, dass dieser Kampf unausweichlich war.
„Nein, wir kehren nicht um“, sagte er fest und zwang sich, den Zweifel zu ersticken. „Wir haben den Pfad gewählt. Jetzt bringen wir es zu Ende.“
Colbart hob eine Augenbraue, während Hailey nickte und ohne weiteren Kommentar den Aufstieg fortsetzte. Venom beobachtete sie für einen Moment. Es war dieser Moment, in dem er ihre Energie und ihre Unnachgiebigkeit am meisten bewunderte. Sie war frei, lebendig, und so viel mehr als das, was sie in ihrem Leben durchgemacht hatte. Sie war alles, was er nicht sein konnte, und genau das machte sie für ihn so unerreichbar.
Der Wind heulte stärker, während sie weiterkletterten. Der Weg wurde schmaler, und bald zog der Himmel sich zu, und Wolken begannen, die schneebedeckten Spitzen des Gebirges zu verdecken.

Venom
16.09.2024, 09:54
Der Wind heulte nun ungehindert um sie herum, je weiter sie ins Gebirge vordrangen. Die Bäume hatten sich längst in vereinzelte Sträucher und karge Felsen verwandelt, die wie steinerne Wachen über den schmalen Pfad ragten. Es gab kaum noch sicheren Halt, und jeder Schritt musste bedacht sein. Venom, Hailey und Colbart hatten seit Stunden kaum ein Wort gewechselt, der Aufstieg hatte ihnen allen Kraft abverlangt.
„Bleib dicht bei uns, Colbart“, rief Hailey zurück und sprang über einen losen Stein hinweg, der gefährlich ins Rollen geriet und über den Abgrund hinabkollerte.
„Als ob ich sonst etwas tun würde“, keuchte Colbart, der etwas zurückgefallen war und sich mit schweißnasser Stirn an einem Felsen abstützte.
Venom ging voraus, wie immer mit ruhigem, konzentriertem Blick. Sein schwarzes Kopftuch war nun das Einzige, was ihn vor dem aufziehenden Nebel schützte, der die Bergspitzen verhüllte. Sie waren bereits in beträchtlicher Höhe, und das Weißaugengebirge zeigte ihnen seine unbarmherzige Seite. Der Boden unter ihren Füßen war zunehmend instabil, und jeder Schritt musste vorsichtig gesetzt werden.
„Haltet die Augen offen“, sagte Venom, mehr zu sich selbst als zu den anderen. Etwas stimmte hier nicht. Der Boden unter seinen Füßen fühlte sich brüchig an, als ob die Felsen nur lose miteinander verbunden wären.
Hailey war ein Stück voraus, als sie plötzlich stehen blieb und auf den Boden vor sich deutete. „Sieh mal“, sagte sie. „Das hier sieht... eigenartig aus.“
Venom trat neben sie und betrachtete den Boden. Die Felsen schienen hier eine natürliche Spalte zu formen, doch die Schicht darüber war locker, als würde sie bei jedem Schritt nachgeben.
„Wir müssen vorsichtig sein“, warnte er. „Das sieht instabil aus.“
Colbart kam keuchend näher, blieb aber ein gutes Stück hinter ihnen, wohlweislich, dass seine Füße oft ungeschickter waren, als es in solch einem Gelände ratsam wäre.
Venom trat einen Schritt zurück, um die Lage besser einschätzen zu können, doch in diesem Moment spürte er, wie der Boden unter ihm nachgab. Ein lautes Knacken hallte durch die Stille, als der Boden unter seinem Gewicht plötzlich nachgab. Er sah Haileys Augen sich weiten, als sie sich zu ihm umdrehte, doch bevor er reagieren konnte, sackte der Felsen unter ihm weg.
„Venom!“ Haileys Stimme war voller Panik, doch ihre Schreie wurden von dem donnernden Geräusch der Felsbrocken übertönt, die mit ihm in die Tiefe stürzten.
Venom spürte, wie der Boden unter seinen Füßen verschwand. Er versuchte noch, nach einem Vorsprung zu greifen, doch der rutschige Fels entglitt seinen Fingern. Dann fiel er. Der Sturz schien unendlich, während er an Felswänden entlangschrammte, kleine Steine und Geröll prasselten auf ihn ein. Der Wind pfeifte in seinen Ohren, und alles um ihn herum drehte sich, bis er schließlich auf einem schmalen Vorsprung aufschlug und in völlige Dunkelheit gehüllt wurde.
Er öffnete die Augen, doch es war nutzlos. Sein Körper schmerzte, doch er schien sich nicht ernsthaft verletzt zu haben. Absolute Dunkelheit umgab ihn, dicht und erdrückend. Die Luft hier unten war kühl und roch nach feuchtem Stein. Venom tastete vorsichtig um sich, langsam, um keinen weiteren Felssturz auszulösen. Seine Finger berührten den Boden – rau und scharfkantig, eine Mischung aus losem Geröll und festem Gestein.
„Hailey? Colbart?“ rief er, doch seine Stimme verschluckte das Schwarz. Keine Antwort, nur sein eigener Atem und das entfernte Tropfen von Wasser, das irgendwo in der Dunkelheit hallte.
Venom blieb einen Moment regungslos, lauschte. Er konnte sie nicht hören. Vielleicht war er tiefer gefallen, als er vermutet hatte. So tief, dass ihre Stimmen nicht mehr zu ihm durchdrangen. Sie waren irgendwo weit über ihm, aber hier unten war er allein.
Er schloss die Augen und tastete vorsichtig nach seinen Waffen. Sein Bogen – den hatte er noch auf dem Rücken. Der Köcher mit den Pfeilen, der Gurt fühlte sich straff an. Aber wo war der Speer? Seine Finger wanderten über den Boden, und er ertastete schließlich den hölzernen Schaft, der etwas weiter von ihm entfernt lag. Venom zog ihn zu sich und atmete erleichtert auf.
Während er sich erhob, merkte er, dass der Raum um ihn herum größer war, als er zunächst angenommen hatte. Der enge Spalt, in den er gefallen war, schien sich zu öffnen. Hier unten war mehr Platz, mehr Raum, als er vermutet hatte. Doch in der Dunkelheit konnte er nichts sehen. Er nahm einen weiteren tiefen Atemzug und überlegte seine nächsten Schritte.

Venom
16.09.2024, 17:02
Er konnte hier nicht einfach sitzen bleiben. Die Felswände hatten vielleicht mehr zu bieten, und in dieser unbekannten Höhle würde er womöglich etwas finden, das ihm half. Seine Hand wanderte zu seinem Gürtel, wo ein Feuerstein und Zunder verstaut waren. Mit einer geübten Bewegung schlug er Funken, die in der Dunkelheit aufblitzten. Es dauerte ein paar Versuche, doch dann entzündete sich endlich eine kleine Flamme, die sich in seinem improvisierten Zunder verzehrte und ein winziges Stück seiner Umgebung erhellte.
Der flackernde Schein enthüllte den Raum um ihn herum. Die Felswände öffneten sich zu einer weitläufigeren Höhle, größer und tiefer, als er es erwartet hatte. Venom stand langsam auf, den Speer fest in der einen Hand, die kleine Flamme in der anderen.
Das ist mehr als nur eine Felsspalte, dachte er und ließ seinen Blick über die unebenen Wände gleiten, die in der Dunkelheit verschwanden. Der Boden unter ihm schien hier stabiler zu sein, festes Gestein, das schon seit Jahrhunderten unverändert lag.
Die Erkenntnis, dass er in einer Höhle gelandet war, stimmte ihn nicht gerade optimistischer. Diese Gegend war gefährlich, und die Höhlen des Weißaugengebirges waren berüchtigt für ihre Fallen und tödlichen Bewohner. Er konnte sich hier nicht lange aufhalten, aber er musste einen Ausweg finden.
Er nahm einen vorsichtigen Schritt vorwärts und lauschte dabei auf jede Bewegung, jedes Geräusch. Die Höhle war still, abgesehen von dem gelegentlichen Tropfen von Wasser. Doch die Dunkelheit war heimtückisch, sie konnte ihm alles verbergen.
Langsam tastete er sich voran, dem Gefühl nach ging es leicht bergauf, also hoffentlich zurück in Richtung Oberfläche. Nach einer Weile und gelegentlichen Abzweigungen fühlte der kalte Stein sich unter seinen Händen glitschig an, als ob er von einer unsichtbaren Substanz überzogen wäre. Er erinnerte sich daran, dass er einst von derartigen Schleimspuren gehört hatte, die man in tiefen Höhlen finden konnte – Spuren, die auf eine Besiedelung von Minecrawlern hinwiesen. Ein eisiger Schauer lief Venom über den Rücken, als er sich an diese Geschichten erinnerte. Die Kreaturen waren keine Gegner, denen er sich in dieser Lage stellen wollte.
Sein erster Gedanke war, sich weiter in Richtung Oberfläche zu bewegen, doch nach einigen Metern im Tunnel veränderte sich die Atmosphäre. Ein leises, fast unmerkliches Zischen drang an sein Ohr, und als er sich tiefer in den Tunnel wagte, stieß er auf noch mehr von diesem seltsamen Sekret, das die Wände bedeckte. Es schimmerte leicht im schwachen Licht seiner Fackel, die er nun entzündet hatte, und er wusste sofort, was das bedeutete: Die Minecrawler waren nicht weit.
Sein Herzschlag beschleunigte sich. Er wusste, dass ein direkter Konfrontation Selbstmord wäre. Venom hatte Geschichten gehört, von Kriegern, die in tiefen Höhlen verschollen waren, nachdem sie auf Kolonien von Minecrawlern gestoßen waren. Diese Kreaturen waren zahlreich. Ein einzelner Mann hatte kaum eine Chance gegen sie, schon gar nicht in dieser Dunkelheit.
Er entschied sich für den Rückzug und kehrte um, den Weg entlang, von dem er gekommen war. Doch der Gedanke, in die entgegengesetzte Richtung – weiter in die Tiefe des Gebirges – zu gehen, gefiel ihm genauso wenig. Doch was blieb ihm anderes übrig? Der Weg nach oben war blockiert, zumindest für den Moment. Und so drängte er sich gegen seinen Instinkt weiter in die Dunkelheit hinein, weg von den Minecrawlern, tiefer in den Berg.
Der Boden unter seinen Füßen wurde unebener, und die Wände des Ganges schienen enger zusammenzurücken. Er musste sich bücken, um weiterzukommen, und das Schleimsekret an den Wänden wurde dünner, was ihm Hoffnung gab, dass er sich von den Crawlern entfernte. Doch die Enge des Tunnels machte ihm das Atmen schwer.

Venom
17.09.2024, 10:20
Nach einer Weile weitete sich der Gang vor ihm. Es war keine große Höhle, aber der Raum war deutlich größer als der enge Tunnel, den er durchquert hatte. Venom blieb stehen, lauschte, hörte nichts außer seinem eigenen Atem, der in der Dunkelheit widerhallte. Er hob die Fackel höher und beleuchtete die Umgebung. Der Fels hier war glatter als zuvor und wirkte fast wie nicht von natürlichen Kräften geformt.
Venom stand reglos in der weiten Höhle, die Fackel in seiner Hand warf zuckende Schatten an die Wände. Das flackernde Licht schien die Dunkelheit nicht zu vertreiben, sondern nur noch tiefer zu machen, als ob es das Schwarz um ihn herum lebendig machte. Jeder seiner Schritte hallte unheilvoll durch die Gänge, und die Stille, die ihn umgab, fühlte sich erdrückend an.
Die Höhle hatte etwas an sich, das ihm Unbehagen bereitete. Der Wind, der in den schmalen Gängen zirkulierte, schien wie ein leises Flüstern durch die Luft zu huschen, als ob unsichtbare Stimmen miteinander tuschelten. Venom schluckte schwer und versuchte, das Unbehagen zu ignorieren. Er war schon oft in schwierigen Situationen gewesen, doch dieses Mal war es anders. Er fühlte sich beobachtet.
Seine Finger umklammerten den Bogen fester, seine Sinne geschärft, doch er wusste nicht, worauf er sich konzentrieren sollte. Jede Ecke der Höhle schien ihm etwas verheimlichen zu wollen, als ob der Fels selbst in der Dunkelheit lauere. Der Geruch von feuchtem Stein und etwas Unbestimmtem, Moderndem lag in der Luft. Etwas, das nicht in die natürlichen Höhlen gehörte.
Venom bewegte sich vorsichtig weiter, die Wände der Höhle mit den Augen absuchend. Seine Schritte wurden leiser, langsamer. Die Luft schien dichter zu werden, als er tiefer in die Höhle vordrang. Plötzlich fiel sein Blick auf den Boden. Das Schleimsekret, das in den engen Tunneln zuvor nur vereinzelt aufgetreten war, bedeckte nun die Wände der Höhle in dicken, glänzenden Schichten. Es glitzerte im flackernden Licht der Fackel und schien sich fast zu bewegen, als ob es lebendig wäre.
Er beugte sich näher, zögerte jedoch, bevor er den Schleim berühren konnte. Ein instinktiver Schauer lief ihm über den Rücken. Das ist kein Ort, an dem ich sein sollte, dachte er und richtete sich hastig auf. Alles an diesem Ort fühlte sich falsch an. Er wollte zurück – den Weg nehmen, den er gekommen war – doch seine Schritte führten ihn unwillkürlich in die entgegengesetzte Richtung.
Etwas in seinem Inneren schrie ihm zu, nicht zurückzugehen. Vielleicht war es das dichte Netz von Schleim, das die Wände bedeckte, oder die Art, wie sich die Höhle vor ihm ausdehnte, wie ein Schlund, der darauf wartete, ihn zu verschlingen. Er war sich sicher, dass es keine gute Idee war, den selben Weg zu nehmen.
Mit der Fackel in der Hand trat er tiefer in die Dunkelheit. Jeder Schritt fühlte sich schwer an, als ob er gegen einen unsichtbaren Widerstand ankämpfte. Der Tunnel, den er nun entlangging, war anders. Er war weniger natürlich, fast als wäre er von einer fremden Hand in den Stein geschlagen worden. Die Wände begannen sich zu verändern, der Fels wurde poröser, und der Geruch von Moder und Feuchtigkeit wurde stärker. Der Boden unter seinen Füßen war rutschiger, die Wände klebriger.
Venom hielt inne. Ein Geräusch, leise und fremd, hallte durch die Dunkelheit. Es war kein direkter Ton, sondern mehr ein Echo. Ein Hauch von etwas, das in der Ferne lauerte. Sein Instinkt sagte ihm, dass er tiefer ging, und das Gefühl der Bedrohung wuchs mit jedem Schritt. Doch was war die Alternative? Zurück in die Nähe des Schleims und möglicherweise auf das zu treffen, was diesen Ort bewohnte?
Er entschied sich, weiterzugehen.
Sein Herz pochte heftig, als er tiefer vordrang. Das Gefühl, dass er beobachtet wurde, nahm zu. Er konnte es nicht erklären, aber es war, als würden unsichtbare Augen in der Dunkelheit auf ihn lauern. Das Zischen, das er zuvor gehört hatte, war verschwunden, doch die Stille war ebenso bedrohlich. Jede seiner Bewegungen schien den Fels zum Flüstern zu bringen, als ob die Dunkelheit selbst ihm Ratschläge geben wollte.
Er bückte sich, um seine Ausrüstung zu überprüfen, die er im Sturz teilweise verloren hatte. Ein Pfeil rollte ihm unter die Hand und er griff ihn hastig auf, der Griff des Bogens beruhigend in seiner anderen Hand. Der vertraute Kontakt half ihm, die Nerven zu behalten. Doch als er sich umsah, konnte er den Ursprung des Tunnels nicht mehr sehen – der Eingang, durch den er gekommen war, war hinter einer Biegung verschwunden.
Die Dunkelheit schien lebendig zu sein. Kein normaler Fels konnte sich so dicht und erdrückend anfühlen. Und doch war es nicht nur das Fehlen von Licht, das die Atmosphäre so schwer machte. Es war, als ob die Dunkelheit in der Tiefe des Gebirges eine eigene Präsenz besaß, etwas, das er nicht greifen konnte.
Seine Schritte wurden schneller, seine Fackel vor sich haltend, als der Tunnel sich erneut ausweitete. Ein leises Summen, oder war es ein Zischen, hallte von den Wänden wider. Venom blieb stehen und lauschte. Nichts. Nur sein eigener Atem. Doch die Luft war dick, fast wie eine unsichtbare, schwere Decke, die ihn umgab und in die Felsen drückte.
Er wagte einen Blick auf die Wände. Überall war das klebrige Sekret. Es war hier dicker, glänzender. Und es kroch weiter den Fels hinauf.

Sir Ulrich
20.09.2024, 18:55
Nachdem DraconiZ in den Schatten verschwunden war, starrte Ulrich eine gefühlte Ewigkeit, ungläubig auf die Stelle, an der sein alter Kamerad unsichtbar wurde. Was war geschehen?, der Kommandant könnte es nicht in Worte fassen, es war alles so verwirrend, das musste er erst mal auf sich wirken lassen. Der Paladin versuchte die unwirklich erscheinenden Ereignisse, vor seinem geistigen Auge Revue passieren zulassen, um zu begreifen was zuvor geschah, was mehr schlecht als recht gelang. Sein Verstand konnte mit den wirren Bildern, die zusammenhangslos, in schneller Reihenfolge aufblitzen, nicht all zu viel anfangen, weil vieles unlogisch oder unmöglich erschien.

Oder war es doch möglich, das man an zwei Göttern glaubt und ihnen gleichzeitig dient?, das war es doch, auf was DraconiZ mit Inbrunst geschworen hatte, oder nicht? Es sei völlig abwegig gut und böse in sich zu vereinen, signalisierte der Verstand des Kommandanten, der Mühe hatte diese Gedankengänge nicht als absolute Meinung, als endgültiges Urteil, zuzulassen. Vielleicht war ja der Weg, den DraconiZ für sich gewählt hatte, tatsächlich gangbar und genau das Richtige für ihn, versuchte der Paladin sich vorzustellen. Schließlich wollte er einen alten Kameraden nicht für etwas verdammen, das er selbst nicht - noch nicht begreifen konnte, das wäre nicht gerecht. Auch wenn Ulrich schon viel Seltsames erlebt und dadurch gelernt hatte, allwissend war es deshalb noch lange nicht. Die Zeit heilte nicht nur Wunden, sie konnte auch zu Erkenntnissen verhelfen, weil man viele Dinge im nach hinein betrachtet, anderes bewertet, zu anderen Ergebnissen kommt, manches sogar völlig anders sieht oder Dinge erst dann begreift, sinnierte der Kommandant. DraconiZ war ohnehin verschwunden und vielleicht begegneten sich die beiden Kameraden tatsächlich eines Tages wieder, dann könne er immer noch ein abschließendes Urteil fällen, schloss der Paladin seine Überlegungen ab und wünschte DraconiZ in Gedanken alles Gute für die Zukunft.

Es war still um ihn herum geworden, stellte Ulrich erleichtert fest, nachdem er seine Augen wieder geöffnet hatte, der Kampf gegen Untote war vorüber. Seine innere Anspannung löste sich, als der Paladin zur Kenntnis nahm, das die Aura des Bösen, die dunkle Magie, die für dieses Chaos hier verantwortlich waren, nicht mehr präsent war. Der Spuk endete so wie er begann, von einem Augenblick auf den anderen, nun erfüllte Stille den Raum und ließ diesen Ort geradezu friedlich erscheinen. Nach und nach traten einige Männer des Kommandant ins Licht und versammelten sich um ihn, sie wirkten erschöpft, aber Niemand schien ernsthaft verletzt zu sein, eine gute Nachricht. Gerade wollte Ulrich fragen, ob Jemand weiß, wo sich der Rest der Mannschaft befindet, hörte man schlurfende Schritte und leises Gestöhne. Cenfar, Jörg und Jacques schleppten sich im wahrsten Sinne des Wortes voran, sie kamen langsam auf die Gruppe zu. „Siehst ziemlich übel aus“ bemerkte der Kommandant, nachdem der Jüngling im Schein einer Fackel sichtbar wurde, Jörg schien es nicht so schwer getroffen zu haben. „Lasst uns erst mal von hier verschwinden und draußen einen sicheren Lagerplatz suchen“ brummte der Kommandant, „dann sehen wir weiter“...

DraconiZ
21.09.2024, 20:13
Nur das fahle Mondlicht erleuchtete die Umgebung. Es war dunkelste Nacht geworden und hätte er nicht die Schattenmimik besessen, so hätte er viel Mühe gehabt überhaupt etwas zu erkennen. Eigentlich hätte der Streiter schon vor einiger Zeit rasten sollen. Seine Glieder schmerzten von der Reise und sein Körper verlangte nach einer Auszeit. Doch sein Gefühl hatte sich bestätigt: Jemand folgte ihm. Eine Gestalt ganz in schwarz gekleidet mit zwei Schwertern auf dem Rücken. Wenn er es nicht besser wüsste, würde er denken es handelte sich dabei um einen anderen Assassinen. Doch die Gestalt hielt sich immer gerade so weit entfernt, dass er es nicht genauer bestimmen konnte. Es würde sich herausstellen, wer letztendlich Jäger und wer Beute war.

»Wenn du glaubst die Dunkelheit sei dein Verbündeter, so muss ich dich bitterlich enttäuschen«, meinte der Paladin an den Maskierten gewandt, als er sich aus dem Schatten schälte. Der Angesprochene drehte sich um und schaute ihn an. Er war weder zusammen gezuckt, noch machte er irgendwelche Anstalten hektisch zu handeln. Scheinbar hatte er damit gerechnet, dass das passieren würde. DraconiZ wurde argwöhnisch. Er hatte eine andere Reaktion erwartet. »Die Berichte sprachen eine klare Sprache, doch dich leibhaftig vor mir zu sehen ist tatsächlich etwas anderes«, meinte der Attentäter und demaskierte sich. »Ugrasal«, meinte der Weißhaarige fassungslos. Er war es. Daran bestand kein Zweifel. Die Art wie er dort stand, die beiden Klingen, das unverkennbare Gesicht. Natürlich war er älter geworden. Zwei weitere Narben und einige Furchen hatten sein Gesicht noch markanter gemacht. Die Aura die er ausstrahlte war immer noch gefährlich. Hier stand Jemand der sich auf das Töten verstand. Einige Momente standen sie nur da und begutachteten sich gegenseitig ohne ein Wort über die Lippen zu bringen. »Du hast nach der Niederlage das Knie gebeugt«, konstatierte der Paladin als er das Zeichen von Myrtana auf der Rüstung des einstiegen Waffengefährten ausmachte. In seiner Stimme lag kein Vorwurf. Es war eine bloße Feststellung.

»Was für dich nun von Vorteil ist«, gab er zurück. Er war scheibar immer noch kein Mann großer Worte. »Die Krone giert nach deinem Kopf«. Der Obskuromant nickte. »Dann bist du hier um einen zweiten Versuch zu starten?«, spottete er in Richtung des Mannes aus Isthar. Der Angesprochene schüttelte den Kopf. »Du sollst es mir gleich tun. Ich habe mich dafür eingesetzt. Uns verbindet ein Schwur«, platzte er direkt heraus. Niemals Geplänkel. Schnell und präzise. So wie er ihn in Erinnerung behalten hatte. »Gleich hier draußen? In den Ausläufern des Weißaugengebirges? Ich fürchte das wäre nicht sonderlich prestigeträchtig«, meinte der Paladin lachend. Ugrasal war wie erwartet für seine spitzen Bemerkungen nicht empfänglich. »Wenn du einwilligst, haben sie einige Aufgaben für dich vorbereitet, die du bestreiten sollst, damit du Vergebung erlangen kannst. Die Krone will Frieden in Varant. Vielen Assassinen wurde in Aussicht gestellt im neuen Reich einen Platz zu finden, doch nur wenige akzeptierten. Da du erst jetzt wieder auftauchst wird dir das gleiche Angebot gemacht. Doch nur einmal«. Die Klingenmeister taxierten sich erneut. »Und wenn ich mich weigere ziehst du deine Klingen und erfüllst deinen Auftrag?«, argwöhnte DraconiZ. »Nein. Ich band mein Schicksal an deines. Wenn ich dich nicht überzeugen kann brennen wir Beide«.

Der Paladin schaute erschrocken. »Warum tust du das?«, fragte der Weißhaarige wie heiser. »Der alte Bund steht für etwas und es gibt noch Hoffnung, dass er in anderer Form leben kann. Die Chance will ich nicht vergeben«. Ugrasal gönnte sich ein gewinnendes Lächeln. »Und im schlimmsten Falle nehme ich doch deinen Kopf und bete um Gnade«. Beide Lachten verhalten. »Gut. Erzähl mir alle Details«, meinte DraconiZ.

Ska'ri
22.09.2024, 00:29
„Woher weißt du, dass wir hier richtig sind?“
„Weiß ich nicht.“
„Aber … Hmm … Und woher kennst du diese Höhlen?“
„Ich bin hier geboren, Großer, schon vergessen?“ Ska’ri stieß Er’esh den Ellenbogen in die Seite und bereute es sofort. Sein Wanst war erstaunlich hart, als würde selbst seine Wampe nur aus armdicken Muskelsträngen bestehen. „Bevor dein Vater und der Rest vom Karrek-Stamm hier aufgetaucht sind, hatten wir unser Dorf beim Silbersee, auf der anderen Seite des Gebirges. Dieses Höhlensystem zieht sich quer durch den Berg, und wenn man den Weg kennt, kommt man am Ende am Silbersee raus.“
„Und du kennst den Weg?“
„Also …“
„Du kennst ihn nicht.“
„Ich war hier schonmal drin!“
„Wie alt warst du da?“
Ska’ri rollte mit den Augen. „Beim Schöpfer, Er’esh, wir wollen doch gar nicht zum Silbersee! Wir wollen den Ursprung finden von … von … naja, was auch immer da dieses Bruchstück zum Glühen gebracht hat! Eine Spur, um Krul zu finden! Und bevor du weiter fragst: Nein, ich weiß nicht, wonach wir eigentlich suchen! Wir müssen einfach die Augen offenhalten und hoffen, dass wir etwas entdecken, oder dass … dass wir vielleicht nochmal ein Zeichen bekommen.“
Sie legte eine Hand auf das Bruchstück der Statue, das sie wieder um den Hals trug, nachdem sie die verbrannte Kordel ersetzt hatte. Es lag glatt und kühl wie eh und je auf ihrer Haut, keine Spur von unnatürlicher Hitze, von Magie oder seltsamen Visionen. Es war einfach nur ein verziertes Stück Stein. Und das frustrierte Ska'ri bei jedem Schritt, der sie und Er’esh tiefer in die Eingeweide der Erde führte, mehr. Irgendwie hatte sie nicht nur gehofft, sondern war geradezu davon ausgegangen, dass das Artefakt ihr auf die eine oder andere Art den Weg weisen würde. Aber es blieb einfach stumm …

„Warte!“, zischte Er’esh plötzlich, packte Ska‘ri an der Schulter und riss sie zurück. Fast hätte sie das Gleichgewicht verloren, was nur durch den Schraubstockartigen Griff ihres Stiefbruders verhindert wurde.
„Was? Was soll– hmmpfff!“, wollte sie protestieren, aber Er’esh presste ihr seine große Hand auf den Mund und hob den Zeigefinger der anderen.
„Horch mal!“, flüsterte er und ließ sie wieder los. Ska’ri runzelte die Stirn, leistete aber der Aufforderung Folge und lauschte. Und tatsächlich – da waren Geräusche!
„Schritte. Und Stimmen“, murmelte sie.
Er’esh nickte zustimmend: „Ja, und sie kommen näher! Welche von uns?“
„Nein, ich glaube nicht. Zu … leicht! Morras?“
„Was haben Morras hier unten zu suchen?“, knurrte Er’esh und griff schon nach seinem Kriegshammer, aber Ska’ri legte ihre Hand auf seinen Unterarm.
„Nicht! Wir wissen nicht, wie viele es sind, und wir sind auch nicht hier, um uns mit irgendwelchen Morras zu kloppen! Das sollen ruhig Tat’ank’Ka und die anderen erledigen, die großen Krieger. Wir … verstecken uns!“
„Verstecken?“ Er’esh hob fragend die wulstigen Augenbrauen. „Das ist aber nicht ehren-“
„Komm mir jetzt bloß nicht mit diesem Ehre-Schwachsinn!“, zischte Ska’ri ungehalten und schob ihren Bruder in Richtung eines abschüssigen Hohlraums, der hinter einigen riesigen Felsen versteckt lag. Die gewaltigen Trümmer sahen aus, als wären sie gerade gestern erst aus der Decke gebrochen, aber genauso gut konnte es sein, dass sie schon seit Millionen von Jahren hier lagen. Und sie würden hoffentlich groß genug sein, um Er’eshs Hintern ausreichend Deckung zu bieten.
„Mach dich, äh, klein! Und mach die Fackel aus! Bleib einfach ruhig, versuch dich nicht zu bewegen, versuch am besten nicht mal zu atmen … und, beim Schöpfer, lass bloß keinen fahren! Kapiert? Ich werd‘ mich dort vorn auf dem Geröllhaufen verstecken, von dort hab ich den Weg im Blick.“

Wenig später…
Ska’ri lag flach auf dem Bauch, verborgen zwischen scharfkantigem Geröll, und wartete. Es war nicht gerade eine bequeme Position, die Steine waren spitz und nass und kalt, und sie bereute es bald, ihrer Neugierde nachgegeben zu haben. Sie hätte sich auch einfach mit Er’esh gemeinsam in den kurzen Seitenstollen verziehen und abwarten können, bis die Neuankömmlinge vorbeimarschiert waren.
Jetzt war es allerdings zu spät, es sich noch einmal anders zu überlegen. Die Schritte waren inzwischen deutlich zu vernehmen und das flackernde Licht von Fackeln warf tanzende Schatten an die Felswände.
Und dann traten die ersten Gestalten hinter Felsen und Geröll hervor, so dass Ska’ri sie sehen konnte. Die Orkin hielt einen Moment den Atem an. Das war …
„Naga shutta kar marak agar!“, fluchte sie, „Das ist jetzt nicht dein scheiß Ernst?“
Konnte sie sich irren? Nein. Ausgeschlossen. Sie hatte ein gutes Gedächtnis für Personen – sogar für Morras, obwohl die alle fast gleich aussahen, so klein, weich und rosa –, und diese Personen waren ihr noch sehr gut in Erinnerung: Krieger mit ernsten, strengen Gesichtern, die sich zielstrebig über das unwegsame Gelände bewegten, als eine Einheit, so wie sie auch als Einheit kämpften, um selbst Monstren zu bezwingen, gegen die keiner von ihnen allein bestehen könnte. Monstren wie Chror …

Ska’ri duckte sich reflexartig noch tiefer in den Schatten. Sie erkannte den Anführer der Gruppe, auf seinem Rücken trug er den mächtigen Zweihänder, mit dem er Chror den Kopf von den Schultern geschlagen hatte. Sie erkannte auch den Krieger, der sie damals gefangen genommen und am liebsten hingerichtet hätte – er schien verletzt zu sein, jedenfalls presste er die Hand gegen den Unterleib und immer wieder verzog er schmerzvoll das Gesicht, wenn er einen größeren Satz machen musste. Trotzdem hielt er Schritt mit den anderen und wirkte keineswegs wehrlos.

Sich so dicht wie möglich auf den Boden pressend, beobachtete Ska’ri, wie der Kriegstrupp der Morras sich langsam ihrer Position näherte. Ihre Lippen bewegten sich in einem stummen Gebet an den Schöpfer, dass keiner von ihnen auf die Idee kam, auf ihren Geröllhaufen zu klettern, oder einen zu genauen Blick hinter die Felsen zu werfen, hinter denen sich Er’esh versteckt–
„Oh Scheiße!“ Sie hatte einen kurzen Blick hinter sich geworfen, zu Er’eshs Position, und natürlich schimmerte da ein Stück grau-grüne Haut zwischen den Felsen hervor. Sie konnte sie selbst in dem schwachen Restlicht der Fackeln erkennen, das von den nassen Felswänden reflektiert wurde. Die Morras hatten noch keine Sichtlinie zu den Felsen, aber sobald sie nur noch ein kleines Stückchen näher kamen…
Leise Flüche ausstoßend schob sich Ska’ri so schnell, wie es ihr möglich war, ohne dabei Steine loszutreten und einen Heidenlärm zu verursachen, rückwärts von ihrer Beobachterposition weg. Sie musste zu Er’esh, und zwar schnell! Leider war das leichter gesagt als getan, denn die Steine waren bedeckt von einer schlüpfrigen Lehmschicht und jeder Schritt trügerisch.
Und so kam es, wie es kommen musste …
Ska’ri rutschte aus, landete unsanft auf dem Bauch und löste dabei einige Steine. Der Lärm kam ihr ohrenbetäubend vor, als hätte der Trommler des Kriegstrupps sie in die Dunkelheit verfolgt und würde nun begeistert auf sein verfluchtes Instrument eindreschen, um auch ja alle Morra-Armeen in zehn Meilen Umkreis auf sie aufmerksam zu machen.
Und natürlich bemerkten es die Morras.
„Hey, was war das?“
„Kam von da vorn.“
„Sehen wir mal nach! Vorsichtig, Männer!“
Waffen wurden gezogen, mit knappen Gesten Befehle ausgetauscht. Die Morra-Krieger bewegten sich kampfbereit weiter, jetzt zielgenau auf Ska‘ris Position zu. Sie sah sich panisch nach Er’esh um. Nur noch wenige Schritte trennten sie von ihm. Aber wenn sie jetzt loslief, würden die Morras sie auf jeden Fall bemerkten. Allerdings, wenn sie versuchte, unbemerkt zu bleiben, würde sie zu langsam sein…

Ihr wurde klar, dass sie keine Wahl hatte. Ska’ri rappelte sich auf und rannte los. Die Morras stießen Warnrufe aus, Ska‘ri hörte das trockene Knacken einer Bogensehne und gleich darauf zersplitterte ein Pfeil an einem Felsen kaum eine Handbreit neben ihrem Bein. Knapp, viel zu knapp!
„Er’esh!“, keuchte sie und sah, wie ihr Bruder den Kopf über den Felsen hob, „Lauf! Nein, nicht zu mir, andere Richtung, du Idiot! In den Tunnel! Schnell!!“
Die letzten Meter legte sie mit weiten Sprüngen zurück und rammte Er’esh regelrecht. Genauso gut hätte sie versuchen können, einen der tonnenschweren Felsbrocken von der Stelle zu bewegen.
„Was ist denn los?“, fragte Er’esh, „Wegen den paar Morras?“ Er hielt seinen Kriegshammer bereits in seinen fleischigen Pranken. Ganz offensichtlich nahm er die Gefahr nicht ernst. Denselben Fehler hatte damals Chror gemacht, und es war sein letzter Fehler gewesen…
„Ja! Wegen den paar Morras!“, stieß sie wütend hervor und stemmte sich gegen ihren Bruder, um ihn in den Seitentunnel zu schieben.
„Aber warum …“
„Shutta Baka, Er’esh, jetzt ist wirklich keine Zeit dafür! Ich kenne diese Typen! Die haben Chror erledigt, die machen verflucht nochmal Hackfleisch aus uns, also beweg endlich deinen verdammten Arsch!“
Obwohl er noch immer nicht recht überzeugt zu sein schien, ließ sich Er’esh endlich dazu überreden, Ska’ris Drängen Folge zu leisten und zog den Kopf ein, um tiefer in den Stollen zu kriechen. Es war stockfinster und Ska’ri hatte nicht die geringste Ahnung, wo der Tunnel hinführen mochte, aber es war ihre einzige Chance. Sie hörte die Morras rasch näherkommen, viel zu rasch …
„Schneller, Er’esh, schneller! Sie sind fast da!“
„Ska’ri, es ist stockdunkel, ich sehe absolut gar ni– AAAAAH!“
Blind nach hinten greifend packte Er’esh Ska’ri am Arm und riss sie mit sich, als er plötzlich den Halt verlor und eine glitschige Schräge hinabrutschte. Es war eine schmerzhafte Rutschpartie über Huckel auf dem Boden und rasiermesserscharfes Gestein, das ihnen die Haut aufriss, in kompletter Finsternis. Wir sind tot, war alles, was Ska’ri noch denken konnte …
Bevor sie gegen Er’eshs Bauch prallte, nachdem ihr Bruder wiederum am Ende der Rutsche schmerzhaft mit einem Stalagmiten kollidiert war.

„Auuu…“, stöhnte Er’esh, und Ska’ri pflichtete ihm bei. Ihr tat alles weh – ihrem Gefühl nach gab es wahrscheinlich keine Stelle an ihrem Körper, die nicht aufgeschrammt oder mit blauen Flecken übersäht sein würde. Auf der positiven Seite allerdings, das bedeutete, dass sie noch lebte! Und darüber hinaus stellte sie fest, dass die Dunkelheit nicht mehr vollkommen war. Ein gespenstisches Leuchten ging von seltsam verästelten Adern an den Wänden aus und tauchte die Höhle in ein schummriges Licht. Nicht viel, aber es reichte, dass sie wenigstens Umrisse erkennen konnte.
„Ska’ri? Alles okay?“ Er’esh richtete sich ächzend auf und sah zu ihr herunter.
„Ja … alles … uh, au! Verdammt! Alles bestens!“ Sie ließ sich von ihm auf die Beine helfen und sah sich um.
„Glaubst du, wir haben sie abgehängt?“, fragte Er’esh plötzlich besorgt. Ska’ri hob überrascht die Augenbrauen und prustete los, auch wenn es ihr einen unangenehmen Stich im Brustkorb verursachte. Scheinbar hatte sie sich die eine oder andere Rippe angeknackst.
„Ob … haha … au! Pffff … ich … bin mir ziemlich sicher, ja!“
„Hm … und, was machen wir jetzt?“
„Erstmal Licht“, stellte Ska’ri fest und zog eine Fackel aus dem Gepäck, das zum Glück nicht während der Rutschpartie verloren gegangen war. Als das Feuer brannte, besah sie sich die Rampe, die sie so unverhofft in die Tiefe befördert hatte.
„Also, hoch geht’s nicht mehr…“ konstatierte sie trocken. Es war offensichtlich, dass der Schacht viel zu steil und rutschig war. „Bleibt also nur noch eine Richtung: Geradeaus!“
Mit etwas gezwungenem Enthusiasmus deutete Ska‘ri auf den Gang, der von der kleinen Halle, in der sie gelandet waren, weiterführte. Er’esh würde sich ein wenig ducken und aufpassen müssen, dass er sich nicht den Kopf anhaute, aber zumindest war der Gang breit genug, dass sie sich nicht hindurchquetschen mussten.
Nur eine Sache beunruhigte Ska’ri: Die phosphoreszierenden Adern an der Wand, die sich bei genauerer Betrachtung als ein klebriges Gespinst herausstellten, fast wie Spinnennetze.
Sie zog ihr Schwert, bevor sie weiterging: „Sei vorsichtig! Ich habe das blöde Gefühl, wir sind hier nicht allein …“

Venom
23.09.2024, 10:26
Venom blieb einen Moment lang reglos stehen, während er die Fackel fest in der Hand hielt. Sein Blick glitt über die Wände, die mit dem seltsamen, glänzenden Schleim bedeckt waren. Das Gefühl von Unbehagen wuchs in ihm, als er das klebrige Sekret betrachtete, das langsam über den Stein kroch, wie ein lebendiges Wesen, das auf Beute lauerte. Der Geruch von Moder und Verwesung hing schwer in der Luft, und ein leises, kaum wahrnehmbares Summen schien aus der Tiefe des Tunnels zu kommen.
Er schluckte hart, kämpfte gegen das bedrückende Gefühl der Panik an, das in seiner Brust wuchs. In dieser Finsternis, die so undurchdringlich war, dass selbst das Licht der Fackel kaum Linderung brachte, fühlte er sich wie ein Eindringling in einer Welt, die ihm nicht gehörte. Das ist nicht der richtige Ort, dachte er wieder, doch seine Füße weigerten sich, den Rückweg anzutreten. Etwas in der Art, wie sich die Dunkelheit vor ihm bewegte – oder vielleicht bewegte sich nur sein eigener Schatten – zog ihn weiter.
Das leise Summen schwoll an, wurde lauter, und er spürte, wie sein Herz schneller schlug. Was auch immer das ist, es ist hier irgendwo. Er trat einen Schritt weiter und dann noch einen, die Fackel hoch erhoben, aber der Tunnel vor ihm blieb in tiefer Dunkelheit verborgen. Der Schleim an den Wänden begann sich in dickeren Schichten zu sammeln, und er merkte, dass er unwillkürlich seine Hand fester um den Griff seines Bogens schloss. Ein leiser Schauer lief ihm über den Rücken.
Plötzlich hörte er ein leises Knirschen unter seinem Stiefel. Er blickte nach unten und sah, dass er auf ein Stück Knochen getreten war, brüchig und fast zu Staub zerfallen. Nicht gut, dachte er, als er den Bogen vorsichtig von seiner Schulter nahm und sich tiefer in die Hocke begab.
Sein Instinkt riet ihm zur Vorsicht, aber es gab keinen Ort, an dem er sich zurückziehen konnte. Das Summen und Zischen um ihn herum wurde lauter, intensiver, fast als ob die Höhlenwände selbst zu sprechen begannen. Aber es war kein Zischen wie das, das von den Minecrawlern kam – das hier klang organischer, lebendiger, und es drang aus jeder Richtung zu ihm durch. War es wirklich da oder war es doch nur sein eigenes Blut, dass er durch seine Adern strömen hörte?
Venom zögerte, blickte sich um, doch die Dunkelheit blieb unnachgiebig. Ich muss hier raus, dachte er. Aber wohin? Zurück in den Tunnel, aus dem er gekommen war? Die klebrige, glänzende Substanz an den Wänden ließ darauf schließen, dass dieser Weg keine Option mehr war. Also blieb ihm nur noch die Richtung, in die er sich schon bewegt hatte: Tiefer in den Berg.
Er holte tief Luft und versuchte, seine Gedanken zu ordnen. Der Tunnel schien sich vor ihm weiter zu verengen, doch er konnte das Ende nicht sehen. Das Summen schwoll ab und zu an und wurde wieder leiser, fast wie ein Atemzug, der ihn umgab. Die Fackel in seiner Hand flackerte kurz, und für einen Moment ergriff ihn das Gefühl, dass er nicht allein war.
Mit einem weiteren Schritt setzte er seinen Weg fort, immer tiefer in die Ungewissheit, immer tiefer in die Dunkelheit.

Ska'ri
23.09.2024, 18:34
„Wie viele Fackeln haben wir noch?“, fragte Ska’ri, nachdem ihre mittlerweile vierte Lichtquelle bis aufs Letzte heruntergebrannt war.
Er’esh wühlte im Gepäck: „Fünf … nein, sechs.“ Er zog eine frische Fackel hervor und reichte sie Ska’ri.
„Hmm … also haben wir fast die Hälfte schon aufgebraucht, aber wir haben noch immer keine Ahnung, wo wir eigentlich sind! Schöne Scheiße!“ Frustriert schlug sie mit der flachen Hand gegen die Felswand und bereute es sofort – der Stein war mit dem klebrigen, leuchtenden Sekret beschmiert, das mittlerweile fast überall zu hängen schien. Angewidert wischte Ska‘ri die Hand an ihrer Hose ab und gab dabei Er’esh die Fackel zurück. „Wir heben die Fackeln auf. Dieses komische Zeug hier leuchtet ja auch. Das muss erst einmal reichen. Sonst stehen wir ziemlich dumm da, wenn wir jetzt alle Fackeln aufbrauchen und dann irgendwo hinkommen, wo es komplett finster ist …“
„Hast du eine Ahnung, was das ist?“, fragte Er’esh und fuhr mit dem Finger durch einen Batzen des Sekrets, um daran zu schnüffeln, „Riecht irgendwie nach, mh, Käfer!“
Ska’ri zog verdutzt die Augenbrauen hoch: „Woher um alles in der Welt weißt du, wie Käfer riechen?“
Er’esh zuckte nur mit den Schultern und Ska’ri beschloss, das Thema lieber nicht weiter zu vertiefen. Ihr Bruder hatte ein paar Eigenheiten, über die wollte sie gar nicht so genau Bescheid wissen – und außerdem hatten sie wirklich dringendere Probleme.
„Ich fürchte, ich habe tatsächlich eine Ahnung“, erklärte sie düster: „Gach Luk. Ich bin den Biestern schon einmal begegnet, auf einer von Kruls verrückten Expeditionen, wo wir sogar einen Oraka getroffen haben, der noch verrückter war als Krul! Glaubt man kaum, was? Naja, jedenfalls – war kein Spaß. Die Viecher hätten uns fast aufgefressen, wenn dieser Irre uns nicht zu Hilfe gekommen wäre. Dort gab es auch etwas von diesem Sekret und Gespinst-Zeug. Nur … viel weniger als hier! Also halt deinen Hammer bereit und die Augen offen! Und jetzt lass uns weitergehen, je schneller wir hier rauskommen, um so besser … jaja, ich weiß, war ne dumme Idee und so weiter und so fort, halt die Luft an und komm endlich!“

Ohne die Fackeln wurde es unmöglich, zu sagen, wie viel Zeit verging, während Ska’ri und Er’esh ziellos tiefer und tiefer in das endlose Höhlenlabyrinth vordrangen. Minuten? Stunden? Für die beiden Orks fühlte es sich bald an, als wären sie schon sein Tagen unterwegs.
Die Kletterei war anstrengend, immer wieder mussten sie sich durch Engstellen quetschen, Wände erklimmen oder am Rande von stockfinsteren Abgründen balancieren, die gut und gern hunderte Klafter tief sein konnten. Wenn sie dann und wann eine kurze Pause einlegten, kühlten sie in ihrer von Schweiß, Schlamm und dem überall von der Decke tropfenden Wasser durchnässten Kleidung so rasch aus, dass an eine längere, erholsame Rast nicht zu denken war. In Bewegung zu bleiben, war die einzige Option.

Immer wieder legte Ska’ri ihre Hand auf das Bruchstück der Statue, als ob sie es dadurch zum Sprechen auffordern könnte. Aber das Artefakt an seiner Lederkordel um ihren Hals blieb kalt und stumm. Nichts, nicht das kleinste Zeichen – es war einfach nur ein verdammter Stein!
Ska’ri schalt sich selbst für ihr unüberlegtes Handeln. Sie hätte doch versuchen sollen, an einen der Schamanen heranzukommen – ihr seltsamer, visionsartiger Traum in Verbindung mit dem Aufglühen des Bruchstücks hätten vielleicht ausgereicht, um das Interesse eines Geistersehers zu erwecken. Vielleicht sogar das von Proya? Immerhin hatte die Eiswölfin in Krul einen vielversprechenden Aspiranten gesehen.
Aber nein, stattdessen war sie mal wieder Hals über Kopf auf eigene Faust losgerannt, ohne überhaupt ein konkretes Ziel oder auch nur die Vorstellung eines Ziels vor Augen zu haben. Und Er’esh hatte sie auch noch in den Schlamassel hineingezogen…

„Fühlst du das auch?“, fragte Er’esh plötzlich. Ganz entgegen seiner Gewohnheit flüsterte er dabei.
„Was?“, fragte Ska’ri, konnte sich aber sehr gut vorstellen, worauf er hinauswollte.
Er’esh antwortete nicht sofort. Er holte tief Luft und suchte nach den richtigen Worten. „Es fühlt sich irgendwie an, als ob … es uns hier nicht haben wollte“, sagte er schließlich, „Wir gehören nicht hier hin!“
Ska’ri nickte. Genau das war es! Eine dumpfe Ahnung, ein schwer zu beschreibendes Gefühl, dass sie an einem Ort waren, den sie niemals hätten betreten sollen.
Das geisterhafte Schimmern des Sekrets an den Wänden spendete ihnen zwar etwas Licht, aber es schuf zugleich Schatten, die zu tief und zu schwarz zu sein schienen. Schatten, in denen alles lauern konnte. Schatten, bei denen Ska’ri sich vorstellte, dass sie jeden Moment zum Leben erwachen und die Eindringlinge in ihr unterirdisches Reich verschlingen würden …
Auch die Luft hatte sich verändert. Statt des konstanten, kühlen Luftzugs, der in den oberen Ebenen herrschte, schien die Luft inzwischen zu stehen, dick und muffig. Der Geruch von kühlem Fels und Nässe war unterlegt mit einem schweren, süßlichen Gestank, der sich in der Nase festsetzte und Bilder verwesender Körper heraufbeschwor. Tote, deren Gebeine vergessen und verlassen für alle Ewigkeit in der Finsternis unter dem Berg ruhten, während ihre Geister hilflos das endlose Labyrinth aus Gängen und Schächten durchwanderten auf der Suche nach dem Ausgang, den sie niemals finden würden. Wer hier unten starb, überkamen es Ska’ri, der blieb hier unten.
Und die Geräusche... Ein unterschwelliges Summen und Zischen, wie von einem ein Schwarm fliegen, der einen Kadaver umkreiste. Doch – war das wirklich real? Oder spielten ihre überreizten Sinne ihr einen Streich und sie glaubte aus dem konstanten Geräusch tropfenden Wassers ein Muster herauszuhören, das gar nicht existierte?
Aber da! War da nicht wieder ein leises Kratzen gewesen, gefolgt von etwas wie einem Zirpen? Dort drüben, in dieser Nische, die so vollkommen dunkel war? Erst, als Er’esh ihr beruhigend die Hand auf die Schulter legte, realisierte Ska’ri, dass sie mitten in der Bewegung erstarrt war. Sie hielt den Griff ihres Schwertes so fest umklammert, dass sie beinahe einen Krampf in der Hand bekam.
Mit zusammengekniffenen Augen fixierte sie die Felsspalte. Aber dort vorn war nichts. Nur ein enger, sich weiter in die Tiefe windender Gang. Mit den Tropfsteinen, die von seiner Decke hingen und vom Boden in die Höhe wuchsen, wirkte er wie der Schlund eines gewaltigen Monsters. Und sie hatten keine andere Wahl, als sich verschlingen zu lassen.
Ska’ri holte tief Luft und ging weiter.

Ska'ri
23.09.2024, 18:36
„Halt! Duck dich!“ Ska’ri bedeutete Er’esh, dass er hinter einem Felsen in Deckung gehen sollte. Er’esh presste seinen massiven Leib gehorsam gegen die Wand des Tunnels und verrenkte sich den Hals, um zu erkennen, was seine Schwester gesehen hatte.
„Was ist?“, zischte er ungeduldig.
„Licht!“, flüsterte Ska‘ri. Es gelang ihr kaum, die Aufregung in ihrer Stimme zu unterdrücken. „Von einer Fackel! Da unten! Siehst du es?“
Sie deutete auf einen Tunnel, der am gegenüberliegenden Ende der Halle lag, die sie gerade betreten hatten. Der warme, flackernde Lichtschein von Feuer ließ darin die Schatten tanzen und nahm immer weiter zu. Jemand kam ihnen entgegen – das bedeutete, jemand musste den Weg zu einem Ausgang kennen! Ska’ri wurde beinahe schwindlig vor Erleichterung.
„Sieht aus, als müssten wir doch nicht für immer hier unten bleiben! Aber trotzdem, versteck dich! Und zwar besser als beim letzten Mal! Warten wir ab, wer das ist!“

Die beiden Orks verbargen sich in einer Nische im Fels. Es dauerte nicht lange, bis der Fackelträger die Halle betrat. Ska’ri boxte ihrem Bruder spielerisch gegen die Schulter – es war nur ein einzelner Morra! Keine Truppe von ausgewachsenen Elitesoldaten, nur ein Mann!
Allerdings ein vorsichtiger Mann. Ein bewaffneter Mann. Er hielt neben der Fackel auch einen Bogen in der Hand, ein Pfeil lag bereits locker auf der Sehne. Er müsste nur noch spannen und loslassen, eine Sache von Augenblicken, wenn er ein geübter Schütze war. Vorsichtig sprang er von Felsblock zu Felsblock, wählte jeden Schritt mit Bedacht und leuchtete seine Umgebung aus. Als er die Halle betrat, blieb er kurz stehen und sah sich um, überlegte, wohin er weitergehen sollte. Schließlich entschied er sich für einen Gang, der ein Stück unterhalb der Stelle lag, von der aus Ska’ri und Er’esh jeden seiner Schritte verfolgten, ohne dass er es ahnte.

Ska’ri suchte mit dem geübten Blick einer Kundschafterin die Umgebung ab. Es war zwar nur ein einzelner Morra, aber dass er einen schussbereiten Bogen bei sich trug, war ein Problem. Sie musste an ihn herankommen, ohne dass er sie bemerkte, sonst riskierte sie einen Pfeil im Bauch. Und das konnte sie nun wirklich nicht gebrauchen!
Sie entdeckte einen Überhang an einer Stelle, an der der Mann vorbeikommen musste, und den sie mit etwas Geschick erreichen konnte, ohne dass er sie sah. Mit ein paar knappen Handzeichen gab sie Er’esh zu verstehen, dass er auf sie warten sollte, und huschte los.
Ska’ri bewegte sich geduckt durch die tiefen Schatten. Die Aussicht darauf, aus der Höhle entkommen zu können, ließ sie ihre Müdigkeit und Erschöpfung vergessen. Sie war ganz und gar konzentriert und auf ihr Ziel fixiert, ihre Bewegungen geschmeidig und fließend, jeder Schritt sicher und geplant, so dass sie keinen noch so kleinen Kiesel herunterfallen ließ.
Es kostete sie kaum eine Minute, um den Überhang zu erreichen. Einmal schien der Morra etwas zu bemerken, aber als er mit seiner Fackel in die Richtung leuchtete, war Ska’ri schon längst ganz woanders.
Wie ein Raubtier lag sie auf der Lauer. Sie zog ihren Dolch und wartete auf den richtigen Moment, sich auf ihre Beute zu stürzen …

Der Morra hatte keine Ahnung, wie ihm geschah, als Ska’ri plötzlich von dem Überhang gesprungen kam. Er riss seinen Bogen hoch, aber es war längst zu spät. Die Orkin landete hinter ihm und legte ihm im selben Augenblick den Arm um den Hals. Ein gezielter Tritt in seine Kniekehlen brachte den Morra aus dem Gleichgewicht und Ska’ri schleuderte ihn zu Boden. Ehe er es sich versah, fand sich der Morra unter Ska’ri liegend wieder, die auf seiner Hüfte saß und ihm die Klinge ihres Dolches gegen die Kehle presste.
„Hmm, meine Lieblingsposition …“, gurrte Ska’ri und grinste, „Aber ich fürchte, Kleiner, du hast nicht das nötige Kaliber. Also wirst du mich wohl anders zufriedenstellen müssen, wenn du nicht willst, dass ich dich zum Abendessen verspeise. Zum Beispiel, indem du mir sagst, wie du hier reingekommen bist!“ Sie verstärkte den Druck der Klinge ein wenig. „Nun?“

Venom
24.09.2024, 11:03
Venom setzte einen Fuß vor den anderen, die Fackel warf flackernde Schatten an die glatten Wände des Tunnels, der sich vor ihm immer weiter in die Tiefe des Berges bohrte. Das klebrige Sekret an den Wänden glänzte im schwachen Licht, und der Geruch von Feuchtigkeit und Verfall wurde intensiver. Er konnte nicht mehr genau sagen, wie lange er schon unterwegs war. Minuten, Stunden? Zeit schien hier unten keine Bedeutung zu haben, die Dunkelheit dehnte sie aus wie ein endloses Band.
Dann hörte er es. Ganz leise, kaum mehr als ein Hauch, fast wie ein Atemzug im Nacken. Ein Flüstern. Es war nicht das Zischen oder Summen, das er zuvor wahrgenommen hatte, sondern etwas anderes – etwas, das durch die Felsen zu ihm drang, als käme es von weit her, und doch so nah, dass er spüren konnte, wie es ihm ins Ohr kroch. Er hielt inne, drehte sich um, doch der Tunnel hinter ihm war leer. Dunkel. Tot.
Das Flüstern kam wieder, dieses Mal ein wenig klarer, aber immer noch unverständlich. Es war, als ob die Worte durch die Luft strichen und sich im Stein verloren, bevor er sie erfassen konnte. Doch das Gefühl, das sie bei ihm auslösten, war stark. Fast gegen seinen Willen fühlte er sich von dem Flüstern angezogen. Sein Herz schlug schneller, und er merkte, wie sich seine Finger fester um den Griff der Fackel schlossen.
„Was zum...“, murmelte er, während er sich zwang, weiterzugehen. Das Flüstern schien ihn zu rufen, zu locken. Er konnte nicht verstehen, was es sagte, aber der Klang kroch tief in seinen Geist. Er hätte den Rückweg antreten sollen, hätte sich umdrehen sollen, aber er konnte nicht anders. Die Stimme war zu verlockend, das Gefühl, dass sie ihm etwas verraten wollte, zu stark.
Venom ging weiter, tiefer in den Berg hinein, der Tunnel verengte sich, und die Fackel warf jetzt nur noch ein trügerisches, schwaches Licht. Der Boden unter seinen Füßen wurde weicher, und hier und da rutschte sein Stiefel auf glitschigem Felsen aus. Doch das Flüstern wurde lauter, klarer. Es war, als würde der Berg mit ihm sprechen. Die Wände schienen zu vibrieren, und das Gefühl, beobachtet zu werden, nahm zu.
Sein Kopf drehte sich, er fühlte sich benommen, als ob der Klang des Flüsterns sich in seinen Gedanken einnistete und ihn manipulierte. Er wusste nicht mehr, wie lange er schon ging oder wie tief er inzwischen in das Gestein vorgedrungen war, aber es fühlte sich an, als gäbe es keinen Weg zurück.
Das Flüstern wurde drängender. Jetzt konnte er fast die Silben erahnen, doch sie waren fremd, unaussprechlich. Ein kalter Schauer lief ihm über den Rücken, als er erneut innehielt. Was willst du von mir? Seine eigenen Gedanke hallte in der Dunkelheit wider, klangen verzerrt und verloren.
Es kam keine Antwort. Nur das Flüstern, das ihn tiefer zog, ihn weiter in die dunklen Eingeweide des Berges führte. Seine Beine waren schwer, als ob etwas an ihnen zog, aber er konnte sich nicht dagegen wehren. Er wollte wissen, woher das Flüstern kam, was es bedeutete. Es musste einen Grund geben, warum er hier war.
Schließlich öffnete sich der Tunnel vor ihm zu einem weiteren Raum. Dieser war größer als der vorherige, aber das Flüstern hallte hier noch intensiver wider, füllte jeden Winkel der Höhle, als ob es aus dem Fels selbst käme. Venom blieb stehen, atmete schwer. Die Fackel in seiner Hand flackerte erneut und warf groteske Schatten an die Wände. Das Gefühl, dass er etwas gefunden hatte – oder dass etwas ihn gefunden hatte – war erdrückend.
Und das Flüstern... es wurde immer lauter, immer dringlicher, doch noch immer konnte er die Worte nicht verstehen.
Venom spürte, wie sich seine Wahrnehmung verzerrte, als das Flüstern in seinem Kopf lauter und intensiver wurde. Es war wie ein Netz aus Stimmen, die sich um seinen Verstand schlangen und ihm die Klarheit raubten. Seine Schritte waren schwer, seine Bewegungen ungeschickt. Er wusste, dass etwas nicht stimmte, doch er konnte es nicht greifen – und dann kam der Schlag.
Die Orkin fiel auf ihn herab, als ob sie aus der Dunkelheit selbst gesprungen wäre. Ein Moment des Schreckens durchfuhr ihn, als er den massiven Körper spürte, der ihn zu Boden drückte. Seine Reflexe waren langsamer, seine Gedanken zu sehr in dem flüsternden Nebel verfangen, der seinen Verstand umklammerte. Er riss den Bogen hoch, aber der Pfeil blieb unausgespannt, seine Finger fanden nicht einmal die Sehne.
Mit einem tiefen Grollen und erstaunlicher Kraft landete die Orkin auf ihm, ihre groben Hände umschlossen seine Kehle. Der kalte Stahl eines Dolches drückte sich an seine Haut. Er konnte den Geruch ihres Atems spüren, das feuchte Leder ihrer Rüstung an seiner Brust.
„Hmm, meine Lieblingsposition … Aber ich fürchte, Kleiner, du hast nicht das nötige Kaliber.“ Ihre Stimme war tief und rau, aber da war auch ein verräterischer Hauch von Spott darin. „Also wirst du mich wohl anders zufriedenstellen müssen, wenn du nicht willst, dass ich dich zum Abendessen verspeise. Zum Beispiel, indem du mir sagst, wie du hier reingekommen bist! Nun?“
Venom rang nach Luft, das Gewicht der Orkin drückte ihn fest auf den harten Boden. Der Dolch an seiner Kehle war eine tödliche Drohung, doch er spürte keinen unmittelbaren Schmerz – zumindest noch nicht. Die Kälte des Metalls war eine stumme Mahnung, dass eine falsche Bewegung das Ende bedeuten konnte.
Und dann geschah etwas Seltsames. Das Flüstern in seinem Kopf, das ihn zuvor betäubt hatte, änderte sich. Es schien über diese Situation zu lachen, in froher Erwartung zu wogen. Es war, als ob die Dunkelheit selbst mit ihm sprach, erfreut über das Geschehen. Ein unheilvolles Lächeln stahl sich unwillkürlich auf Venoms Lippen. Ohne darüber nachzudenken, kamen Worte über seine Lippen, die nicht seine eigenen waren.
„Ich bin nicht hier, um dir zu schaden,“ sagte er, und seine Stimme klang fremd in seinen eigenen Ohren, beinahe zu sanft für die gefährliche Situation. „Bist du dir sicher, dass du einen Weg hier raus suchst? … was, wenn ich dir etwas Besseres zeigen kann? Etwas, das du wirklich suchst? Etwas, das dich in den Bann zieht?“
Die Orkin blinzelte, ihr Griff um den Dolch lockerte sich ein wenig, aber sie blieb aufmerksam. Ihr Blick schien zu überlegen, ihre Augen blitzten auf.
„Was redest du da, Morra? Spiel keine Spiele mit mir, sonst …“
„Ich spiele nie“, unterbrach Venom, und das Flüstern in seinem Kopf drängte ihn, weiterzusprechen. „Folge mir. Es gibt hier mehr als du suchst, mehr als du dir vorstellen kannst. Du wirst es sehen.“
Die Worte waren glatt, unheimlich, und er wusste nicht, warum er das sagte. Aber es fühlte sich richtig an. Venom spürte, dass das Flüstern ihn manipulierte, ihn anleitete, die Orkin weiter in die Tiefe zu locken. Ihr Gesichtsausdruck blieb hart, aber etwas in ihren Augen schien sich zu verändern. Neugier? Zweifel?
Sie ließ den Dolch noch nicht sinken, aber ihr Körpergewicht verlagerte sich, als ob sie bereit war, seine Worte abzuwägen.

Ska'ri
24.09.2024, 13:11
„Ich …“ Ska’ri stockte. Ich bin mir eigentlich ziemlich sicher, dass ich den Ausgang finden will!, hatte sie sagen wollen, aber etwas ließ sie zögern.
Die Reaktion des Morras hatte sie völlig auf dem falschen Fuß erwischt. Sie hatte mit dem Üblichen gerechnet – Schock, Angst, vielleicht sogar Wut, Hass und Trotz – aber sicher nicht mit dieser völlig selbstverständlichen Seelenruhe! Der Morra machte keinerlei Anstalten, sich zur Wehr zu setzen, aber er zeigte auch keine Anzeichen von Furcht. Seine Stimme war ruhig und fest, und sein Blick suchte den ihren, als ob es für ihn das Normalste auf der Welt wäre, dass ihm eine Oraka einen Dolch an die Kehle hielt.
Allerdings war da noch mehr in seinen Augen, etwas, das Ska’ri nicht so recht einordnen konnte. Er wirkte zugleich aufmerksam und abwesend. So, als wäre er nicht ganz er selbst …

Statt unmittelbar zu antworten, zog Ska‘ri dem Morra das Tuch herunter, das sein Gesicht verbarg, und musterte ihn kritisch. Aber was auch immer sie erwartet hatte, da kam nur ein stinknormaler Morra zum Vorschein. Ein bisschen verbeult, zerschrammt und dreckig sah er aus, aber das traf auf sie selbst ja genauso zu.
„Was du wirklich suchst…“, murmelte der Morra plötzlich noch einmal. Seine Stimme war glatt und sanft und ein flüchtiges Lächeln umspielte seine Lippen.
„Ach ja?“, knurrte Ska’ri. Sie versuchte, es sich nicht anmerken zu lassen, aber das seltsame Verhalten des Morras verunsicherte sie. „Und was suche ich deiner Meinung nach wirklich, hm?“
Sie beugte sich ein wenig vor und verstärkte den Druck der Klinge wieder. Der Morra antwortete nicht. Er sah sie nur an und … lächelte weiter sein sonderbares, verklärtes Lächeln, das seine Augen nicht erreichte.
Plötzlich spürte sie eine leichte Wärme zwischen ihren Brüsten. Das Bruchstück! Sie zog den Anhänger hervor und wog ihn auf ihrer Handfläche. Der schwarze Stein strahlte tatsächlich eine leichte Wärme aus!
„Meinst du …“, begann sie, unterbrach sich aber. Es war sicher besser, wenn sie diesem verrückten Morra möglichst wenig über sich erzählte. Und so, wie er sie ansah, konnte man glauben, dass er ohnehin Bescheid wusste …

„Was sagt er?“, riss Er’esh sie plötzlich aus ihren Gedanken. Ska‘ri war so sehr auf den Morra konzentriert gewesen, dass sie gar nicht bemerkt hatte, wie ihr Bruder herangekommen war. Sie wusste nicht, wie viel von der Unterhaltung er mitbekommen hatte, aber da Er’esh im Gegensatz zu ihr die Sprache der Morras nicht beherrschte, konnte er so oder so nichts verstehen.
„Er behauptet, er kann uns … wo hinführen“, antwortete sie vorsichtig.
„Wo hinführen?“, grunzte Er’esh und kratzte sich am Hinterkopf, „Was soll das denn heißen? Kennt er nun einen Weg nach draußen, oder nicht?“
Ska’ri hob das Bruchstück. „Ich glaube, vielleicht kennt er einen Weg zu Krul. Deswegen sind wir doch hier, oder? Es hat uns also doch noch geführt … auf gewisse Art!“
Er’esh runzelte die Stirn. „Der da soll etwas mit Krul zu schaffen haben?“, schnaubte er verächtlich und deutete auf den Morra, „Das glaubst du doch wohl selbst nicht! Du weißt, was Krul von Morras hält.“
„Aber es hat reagiert!“, rief Ska’ri und ließ das Bruchstück an seiner Kordel hin- und herschwingen, „Woher soll ich wissen, wie das alles zusammenhängt? Seh‘ ich aus wie ‘ne Schamanin? Dieser komische kleine Morra steckt da irgendwie mit drin, und wenn wir rausfinden wollen, was mit Krul passiert ist …“
Er’esh stützte die Hände auf den Griff seines Kriegshammers und sah sie zweifelnd an.
„Ska’ri, wir sollten wirklich …“
„Bitte, Er’esh! Wir sind so weit gekommen, und das jetzt muss das Zeichen sein, auf das ich gewartet hatte! Ja, es ist nicht gerade das, was ich er-wartet hatte, aber verflucht nochmal, es ist eben Magie und es geht um Krul! Es ist die erste Spur seit Monaten … Wir können das jetzt nicht einfach ignorieren!“
Er’esh sah sie lange an. Schließlich hob er die gewaltigen Schultern und seufzte gedehnt. „Also gut. Sehen wir, was dein neuer Freund uns zu zeigen hat …“
„Baka, er ist nicht mein Freund!“, rief Ska’ri und warf einen kleinen Stein nach Er’esh, musste dabei allerdings grinsen vor Erleichterung.

„Also gut“, wandte sie sich wieder an den Morra, der die ganze Szene seelenruhig beobachtet hatte. Ihre Miene war wieder ernst. „Du behauptest, du kannst uns zeigen, was wir suchen? Dann hoffe ich für dich, dass das stimmt!“
Sie wartete noch ein paar Sekunden, bevor sie den Dolch endlich von der Kehle des Mannes nahm und von ihm herunterstieg.
„Geh voran. Aber ich warne dich, Kleiner … ich traue dir nicht! Denk nicht mal dran, was zu versuchen, sonst reiß ich dir die Eier ab und mein Bruder bricht dir einen Knochen nach dem anderen, und zwar ganz langsam! Verstanden?“

Venom
26.09.2024, 11:49
Venom führte die Gruppe weiter, doch mit jedem Schritt, den sie in die Tiefe des Berges vordrangen, wuchs ein leises Unbehagen in ihm. Das Flüstern, das ihn bisher so sicher geleitet hatte, begann zu verblassen, und an dessen Stelle trat etwas anderes – eine wachsende Unruhe. Er spürte es in seinem Nacken, ein Kribbeln, das er nicht abschütteln konnte, und plötzlich schien die Dunkelheit um ihn herum weniger vertraut und mehr bedrohlich zu wirken.
Die Orkin schnaubte hinter ihm, als sie über einen glitschigen Stein trat, und Venom warf ihr einen kurzen Blick über die Schulter zu. Der große Ork, der mit etwas Abstand hinterherlief, ließ den Griff seines Kriegshammers auf den Boden krachen, die wuchtige Waffe schleifte über den Fels und erzeugte ein Geräusch, das durch die schmalen Wände des Tunnels widerhallte. Es war eine Mahnung: sie waren nicht allein in diesen Tiefen.
„Führ uns nicht in die Nähe der Biester“, knurrte die Orkin, ihre Augen schmal. „Ich kann sie riechen.“
Venom spürte, wie sich sein Herz beschleunigte. Sie hatte recht. Die Spuren der Minecrawler waren unübersehbar, und der Geruch, den sie hinterließen – eine Mischung aus Feuchtigkeit, Fäulnis und etwas Schärferem – lag schwer in der Luft. Er versuchte, die aufkommende Furcht zu unterdrücken, doch das Flüstern, das ihm bisher Sicherheit gegeben hatte, schien ihn in diesem Moment zu verlassen.
Er blieb stehen, die Fackel in seiner Hand brannte immer noch hell, doch das Licht reichte kaum aus, um die Dunkelheit zu vertreiben, die vor ihnen lag. „Wir müssen weiter“, sagte er leise, mehr zu sich selbst als zu den Orks.
„Wohin weiter?“ Die Orkin kniff die Augen zusammen. „Glaub mir, Kleiner, wenn du uns in ein Nest dieser Scheißviecher führst, dann reiß ich dir eigenhändig die Kehle auf. Wir sind hier nicht zum Spielen.“
Venom nickte langsam, doch seine Gedanken drifteten wieder ab. Er konnte sich nicht abwenden, nicht umkehren – das Flüstern hatte ihn so weit gebracht, und auch wenn es nun schwächer wurde, gab es keine andere Richtung mehr als vorwärts. Dennoch spürte er, wie die Kälte der Dunkelheit, die ihn umgab, plötzlich tiefer in seine Glieder drang. Die feuchten Wände um ihn herum glänzten nun fast durchgehend von dem zähen Schleim der Minecrawler, und es war nur eine Frage der Zeit, bis sie auf eines dieser Wesen stießen.
Ein tiefer Atemzug, der nicht von ihm kam, ließ ihn zusammenzucken. Der große Ork hinter ihm blieb abrupt stehen und knurrte etwas auf Orkisch. Venom verstand die Worte nicht, aber der Tonfall war eindeutig – Warnung.
Er zwang sich, wieder vorwärts zu gehen. „Der Weg führt hier entlang“, sagte er und versuchte, seine Stimme ruhig zu halten, doch die Beunruhigung, die er fühlte, war nun unverkennbar. Der Tunnel begann sich erneut zu weiten, und Venom sah, wie sich der Boden vor ihnen veränderte. Es war nicht mehr nur der glatte Stein des Gebirges – hier und da tauchten Risse und kleine Löcher im Gestein auf, gefüllt mit demselben Schleim, der die Wände überzog.
„Wir kommen ihnen zu nah“, flüsterte er. Doch etwas tief in ihm zwang ihn weiter.
Die Orkin blieb dicht hinter ihm, die Augen wachsam, die Klinge ihres Dolches funkelte im schwachen Fackellicht. „Wenn du weißt, was gut für dich ist, machst du was ich gesagt habe“, fauchte sie, während ihr Bruder grunzte und sich umblickte, als erwartete er, dass jeden Moment etwas aus der Dunkelheit hervorschnellte.
Venom ging tiefer. Mit jedem Schritt schien das Flüstern in ihm wieder aufzuwachen, stärker zu werden, und auch wenn die Hinweise auf die Minecrawler dichter wurden, fühlte er sich wie von einer unsichtbaren Kraft geleitet. Doch diese Kraft hatte sich verändert – sie war nicht mehr so beruhigend wie zuvor, sondern trug nun etwas Bedrohliches in sich, als wollte sie ihn auf etwas zusteuern, das er nicht sehen konnte, das aber unweigerlich vor ihnen lag.
„Das hier ist kein sicherer Weg“, knurrte die Orkin erneut, doch Venom hörte sie kaum noch. Das Flüstern, das er jetzt wieder deutlich spürte, war lauter geworden, dringlicher, als wollte es ihm sagen, dass er kurz davor stand, das zu finden, was er suchte. Oder wollte das Flüstern ihn vor etwas warnen?
Venom presste die Lippen aufeinander, die Fackel fest in seiner Hand, und zwang sich, weiterzugehen.

Venom
27.09.2024, 11:00
Die drei gingen weiter, und die bedrückende Stille des Tunnels schien sie zu verfolgen. Doch allmählich entfernte sich das Gefühl der unmittelbaren Bedrohung, das durch die Anwesenheit der Minecrawler verursacht worden war. Venom spürte, wie das Flüstern sich zurückzog, fast so, als sei es mit ihrem Abstand zu den Kreaturen weniger interessiert. Dennoch blieb die Unruhe in seiner Brust, auch wenn er versuchte, sich auf seine Umgebung zu konzentrieren.
Die Orkin warf ihm hin und wieder misstrauische Blicke zu, ihre Augen noch immer wachsam. Der große Ork hinter ihnen grunzte und hielt seine Waffe fest, doch auch er wirkte etwas entspannter, als ob der Abstand zu den Minecrawlern die Gefahr etwas gemildert hätte. Sie schienen sicherer zu sein – zumindest für den Moment.
Dann bogen sie um eine weitere Ecke des Gangs, und Venom blieb plötzlich wie versteinert stehen.
Vor ihnen ragte eine gewaltige Gestalt aus dem Schatten hervor. Der Gang war an dieser Stelle breiter, und die Kreatur, die sich über die Wände zu lehnen schien, war beeindruckend. Ihr massiver Körper, die langen Beine und die gewaltigen Zangen ließen keinen Zweifel daran, dass sie auf einen Minecrawler-Krieger gestoßen waren.
„Verfluchter Mist“, murmelte die Orkin hinter ihm. Ihr Dolch blitzte im Fackellicht auf, bereit für einen Kampf.
Doch als Venom genauer hinsah, erkannte er, dass die Kreatur reglos war. Ihre starren Zangen hingen schlaff herab, und der Körper war von einem staubigen Grau überzogen, als ob die Zeit ihn bereits in ihren Griff genommen hätte.
„Er ist tot“, stellte Venom schließlich fest, sein Herzschlag beruhigte sich. Die Erleichterung überkam ihn, aber er wagte es noch nicht, die Fackel zu senken.
Die Orkin trat vor und musterte die riesige Kreatur, die vor ihnen lag. Sie beugte sich hinunter, berührte vorsichtig die knochige Hülle des Minecrawlers und schnaubte dann abfällig. „Verdammt nochmal, so 'ne Bestie hab ich noch nie gesehen. Aber ja, der hier ist schon lange hinüber.“
Der große Ork lachte leise, ein dumpfes, kehliges Geräusch, das durch den Gang hallte. Er sagte etwas auf Orkisch, das Venom nicht verstand. Er schien sich zu entspannen und stützte sich schwer auf seinen Kriegshammer.
Venom trat näher an den toten Minecrawler heran. Seine Augen glitten über die zerfallenen Platten des Panzers, die an manchen Stellen lose wirkten. Einige der Platten hatten sich bereits gelöst und lagen verstreut um den Körper des Kriegers. Eine Mischung aus Faszination und Neugier durchzog ihn. Der Panzer des Kriegers schien stark zu sein, selbst in diesem verwitterten Zustand.
Er beugte sich hinab und hob eine der losen Platten auf. Sie war überraschend leicht, aber dennoch hart und widerstandsfähig. Venom drehte sie in seinen Händen und schätzte ihr Potenzial ein. Sie schien robust genug zu sein, um Pfeile und vielleicht auch Klingen abzuhalten.
Die Orkin beobachtete ihn dabei, wie er eine weitere Platte einsammelte und sie mit einem zufriedenen Nicken in seine Tasche steckte. „Na, wenn du genug davon findest, kannst du dir 'ne Rüstung basteln, die dir die Eier schützt“, sagte sie grinsend und warf einen kleinen Stein gegen den toten Crawler, der hohl klapperte.
„Besser als die Haut auf deinem Rücken“, erwiderte Venom trocken und konnte sich ein leichtes Schmunzeln nicht verkneifen. Die angespannte Stimmung wich langsam, und selbst der große Ork schien zu schmunzeln, als er sich nach vorn lehnte und den toten Krieger mit einem stoßenden Tritt gegen die Zangen bewegte.
„Wenn es von denen hier noch mehr gibt sollten wir besonders aufpassen.“, murmelte Venom und richtete sich auf.
„Wenn sie uns hören, sind wir dran“, flüsterte die Orkin, ihre Miene wieder ernster.
Venom nickte, doch er spürte erneut das Flüstern in sich, das ihn weiter lockte, weiter in die Tiefe, jenseits der Minecrawler und des Gefühls der Gefahr. „Wir sollten weitergehen“, sagte er schließlich und ließ den toten Minecrawler hinter sich. „Wir sind noch nicht am Ende.“
Die Orks folgten ihm, und das leise Grollen des großen Orks hinter ihnen schien fast ein zustimmendes Nicken zu ersetzen. Der Weg führte sie weiter, tiefer in den Berg, und Venom spürte, dass das Flüstern wieder lauter wurde. Es war, als würde es ihm zuflüstern, dass sie auf dem richtigen Weg waren – doch welcher Weg das war, blieb immer noch ein Rätsel.

Venom
28.09.2024, 21:56
Venom, die Orkin und der große Ork setzten ihren Weg fort, während die Umgebung um sie herum sich veränderte. Der Fels wurde rauer, doch die glatten, schleimigen Oberflächen, die sie zuvor nur vereinzelt bemerkt hatten, zogen sich nun wie ein Netz durch die Tunnel. Das Flüstern in Venoms Kopf wuchs in der Intensität, und er wusste, dass sie sich auf unbekanntem und gefährlichem Terrain befanden. Er spürte die Anspannung in der Luft, während das Sekret der Minecrawler an den Wänden stärker und dicker wurde. Der Boden unter ihren Füßen war klebrig, und jeder Schritt fühlte sich wie ein Vorankämpfen durch zähen Schlamm an.
"Ich weiß nicht, ob das die richtige Richtung ist," murmelte die Orkin und blickte skeptisch auf das seltsam glitzernde Gestein um sie herum. Der große Ork hinter ihnen grunzte zustimmend, aber Venom ignorierte die Zweifel. Das Flüstern hatte ihn weiter getrieben, und obwohl er eine leise Stimme des Zweifels in sich spürte, hatte er das Gefühl, dass dies der einzige Weg war.
Plötzlich spürte er, wie der Boden unter seinen Füßen leicht nachgab. Seine Augen huschten über den Boden, und er erkannte, dass das Gestein an vielen Stellen von dem klebrigen Sekret der Minecrawler bedeckt war, als wäre es damit verstärkt worden. Doch dieser Schein der Stabilität erwies sich als trügerisch.
Ohne Vorwarnung brach der Boden unter ihnen ein. Ein grollendes Geräusch hallte durch den Tunnel, und bevor Venom reagieren konnte, riss es sie alle in die Tiefe. Der Boden gab nach, und ein plötzliches Rutschen setzte ein. Venom versuchte, sich an irgendetwas festzukrallen, doch das glitschige Sekret machte es unmöglich. Sie stürzten durch die Dunkelheit, während lose Steine und Gesteinsbrocken um sie herum polterten. Die Fackel in Venoms Hand erlosch mit einem leisen Zischen, als sie auf den Boden prallte.
Er fiel hart auf den Rücken, rutschte weiter und landete schließlich in einer größeren Kammer. Das laute Geräusch ihres Sturzes verhallte, und für einen Moment war alles still.
Venom tastete um sich, seine Hände fanden festen, aber kalten und klebrigen Boden. In der völligen Dunkelheit fühlte er die Anwesenheit der anderen, hörte das schwere Atmen der Orks. Sein Herz schlug schnell. Das Flüstern war wieder da, klarer und deutlicher, als ob es ihn warnen wollte.
Doch bevor er weiter nachdenken konnte, bemerkte er, dass die Dunkelheit um sie herum nicht vollständig war. Ein schwaches, fast unheimliches Licht erhellte die Kammer. Venom hob den Kopf und erkannte, dass das Sekret der Minecrawler an den Wänden und dem Boden leicht lumineszierte. Ein schwaches Glimmen schimmerte durch die Kammer und schuf eine gespenstische Atmosphäre.
Die Kammer war größer als die Tunnel, durch die sie zuvor gewandert waren. Überall verliefen Gänge, die in verschiedene Richtungen führten, doch etwas anderes zog Venoms Aufmerksamkeit auf sich. In der Ecke der Kammer, halb verborgen im schwachen Licht, erhob sich eine massige Gestalt. Zuerst glaubte er, es sei nur ein großer Stein oder ein Felsen, doch als seine Augen sich an das Licht gewöhnten, erkannte er die Wahrheit.
Es war kein Felsen. Es war die Königin der Minecrawler.
Ihre gigantische, unbewegliche Form ruhte in der Ecke der Kammer, ihr massiger Körper war in das Sekret gehüllt, das sie schützte. Ihre Augen, zwei glänzende, schwarze Punkte, schienen sie alle zu beobachten. Obwohl die Königin sich nicht bewegte, war ihre Präsenz erdrückend.
"Bei allen verdammten Göttern", flüsterte die Orkin.
Venom starrte sie an, unfähig, etwas zu sagen. Die Erkenntnis, dass sie sich mitten im Herzen des Minecrawler-Nests befanden, traf ihn wie ein Schlag. Sie waren in die Tiefe gegangen, immer weiter, und nun standen sie der Quelle der Gefahr gegenüber, die die Höhlen beherrschte.
Die Luft war schwer und feucht, und die Stille, die die Kammer erfüllte, war fast unerträglich. Venoms Atem ging flach, und die unheimliche Erkenntnis, dass sie sich in größter Gefahr befanden, machte sich in ihm breit.
„Wir müssen hier weg“, flüsterte er, und seine Stimme hallte durch die Kammer, während er unwillkürlich nach der nächsten Bewegung suchte.

Ska'ri
02.10.2024, 13:32
„Kein Scheiß, Sher’Lok!“, knurrte Ska’ri und zog dabei langsam ihr Schwert. Irgendwie hatte sie die aberwitzige Hoffnung, dass die Vermeidung ruckartiger Bewegungen die Minecrawler dazu bringen würde, sie zu ignorieren.
„Ich glaube, ich hab‘ noch nie so einen fetten Käfer gesehen!“, stellte Er’esh hilfreich fest und packte seinen Hammer mit beiden Händen. „Plattmachen?“, wandte er sich fragend an Ska’ri. Sie schüttelte langsam den Kopf.
„Nein! Ich glaube, wenn wir dieses Ding attackieren, haben wir gleich den kompletten Stamm … Clan … wie auch immer man das bei den Viechern nennt, am Hals! Bleib ruhig, Großer!“
Die monströse Mutter aller Gach Luk richtete sich auf ihrem aufgedunsenen Hinterleib auf und schien die Eindringlinge in ihrer königlichen Kammer zu mustern, als würde sie überlegen, was sie am besten mit ihnen anstellen sollte. Ihren Oberkörper wiegte sie dabei hin und her, während sie die langen und tödlich spitzen Fangbeine öffnete. Ska’ri beschloss, dass sie sich auf keinen Fall in die Reichweite dieser Mordwerkzeuge begeben würde – sie war sich sicher, dass das Biest selbst Er’esh mit einem gezielten Hieb glatt pfählen oder ausweiden konnte.

„Da drüben!“, flüsterte plötzlich der Morra und deutete auf einen Gang, den sie erreichen konnten, ohne der Königin zu nahe zu kommen. Ska’ri nickte, legte dem Morra aber die Hand auf die Schulter, bevor er losgehen konnte.
„Bleib hinter mir!“, zischte sie und schob sich an ihm vorbei. Der Bogen des Morras war nicht gerade die ideale Waffe, um sich damit in einen engen und sehr wahrscheinlich von hungrigen Rieseninsekten verseuchten Gang zu zwängen, und sie konnte nicht riskieren, ihren neuen Begleiter zu verlieren – auch wenn er sie bislang nicht gerade an den Ort ihrer Träume geführt hatte, war er doch die einzige Spur zu Krul, die sie hatten. Und der Einzige, der vielleicht einen Weg nach draußen kannte, obwohl das spätestens nach ihrem letzten Sturz wohl sehr fraglich war.
Mit Ska’ri an der Spitze, dem Morra in der Mitte und Er’esh als Nachhut bewegten sich die drei unfreiwilligen königlichen Gäste langsam in Richtung des Ganges. Die Minecrawler-Königin wälzte ihren gewaltigen Leib herum, um sie im Auge zu behalten, tat aber sonst nichts. Ska’ri hoffte schon, dass sie, entgegen ihren Erwartungen, ungeschoren aus der Kammer würden entkommen können, als die Geräusche einsetzten …

Zunächst waren sie leise und schienen aus der Ferne zu kommen, wurden aber rasch lauter. Ein Zischen und Schaben und das Klicken hunderter chitingepanzerter Füße auf nacktem Fels. Und dann, nur wenige Augenblicke später, kamen sie – Minecrawler, dutzende, nein, hunderte von ihnen! Sie krochen aus Tunneln und Spalten in den Wänden, am Boden, an der Decke. Riesige bleiche Leiber mit zu vielen Beinen und gifttriefenden Mandibeln.
„Scheiße – lauft!“, rief Ska’ri, als ob irgendjemand diese Aufforderung noch nötig gehabt hätte.
Sie sprinteten auf den Gang zu, der ihnen als Ausweg dienen sollte – gerade, als eine Arbeiter-Drohne ihnen aus eben diesem Gang entgegenkam. Ska’ri verlangsamte ihren Lauf jedoch nicht einmal – die anderen Gänge würden nicht sicherer sein …
Als sie den Minecrawler erreichte, schlug Ska’ri zu und zielte auf die Gelenke seiner Vorderbeine, die er drohen erhoben hatte. Die Klinge schabte kurz an der Chitinpanzerung entlang, fand dann aber ihr Ziel und biss in das weichere Gewebe des Gelenks. Die vorderen beiden Glieder des rechten Vorderbeins wurden glatt abgetrennt und das Insekt fauchte erbost, während es mit dem verbliebenen Bein nach Ska’ri schlug. Die Orkin konnte gerade so ausweichen und wollte eben den nächsten Hieb anbringen, als sie hinter sich das Surren einer Bogensehne vernahm und der Crawler getroffen aufkreischte. Ein Pfeil hatte sich tief in seinen Oberkörper gebohrt und das Tier zog sich taumelnd zurück, wobei es den Weg in den Gang freigab.

Ska’ri nickte dem Morra kurz anerkennend zu und die drei liefen weiter, während sich hinter ihnen die Königinnenkammer mit wütenden Minecrawlern zu füllen begann.
Zwar konnten sie den Gang erreichen, ohne noch einmal aufgehalten zu werden, aber damit waren sie noch lange nicht in Sicherheit – im Gegenteil. Ska’ri musste sich nicht umdrehen, um zu wissen, dass die Crawler ihnen folgten, und sie hatten keine Möglichkeit, zu wissen, was vor ihnen lag – und wie viele Minecrawler in dem sich weiter in die Tiefe schraubenden Gang noch auf sie warten mochten …

„Hau ab!“, hörte sie Er’esh grunzen, als ein Minecrawler zu ihm aufgeschlossen hatte. Das Biest zischte und schlug mit seinen scharfen Fangbeinen nach dem Ork, der in den beengten Verhältnissen Schwierigkeiten hatte, seinen Kriegshammer zum Einsatz zu bringen. Auf offenem Feld hätte er das Rieseninsekt mit einem einzigen Hieb in eine Pfütze gelben Schleims auf dem Boden verwandelt, aber in dem engen Tunnel fehlte ihm der Platz, um zum Schlag auszuholen. Er konnte lediglich versuchen, seinen Gegner auf Abstand zu halten, indem er mit dem Hammer zustieß wie mit einem Speer – keine sehr effektive Taktik …
Der Morra legte einen Pfeil auf die Sehne und versuchte zu zielen, aber Er’eshs massige Gestalt blockierte die Schussbahn.
„Er’esh, duck dich!“, rief Ska’ri.
„Hä?“, kam ein verständnisloses Grunzen zurück. Er’esh war zu sehr damit beschäftigt, den Minecrawler auf Abstand zu halten, um auch nur einen Blick über die Schulter zu werfen.
„Auf den Boden! JETZT!“, brüllte Ska’ri. Für Erklärungen war keine Zeit, sie musste einfach hoffen, dass ihr Bruder sein ans Naive grenzendes Urvertrauen in sie nicht verloren hatte …
Hatte er nicht. Mit einem Stoß seines Hammers drängte Er‘esh den Crawler noch einmal zurück und ließ sich dann unelegant auf den Boden fallen.
Augenblicklich surrte ein Pfeil über ihn hinweg, kaum einen Herzschlag später ein zweiter. Beide Geschosse trafen ihr Ziel, eines blieb im Oberleib des Minecrawlers stecken, das andere bohrte sich in eines der winzigen schwarzen Augen in seinem breiten Kopf. Das Insekt kreischte auf und wich zurück, wo es in der Dunkelheit des nur vom klebrigen Sekret an den Wänden beleuchteten Ganges verschwand.

Der kleine Sieg bescherte ihnen jedoch keine Verschnaufpause. Sie hasteten weiter den Gang entlang, hinter ihnen wurde das Schaben, Zischen und Klicken der sie verfolgenden Minecrawler lauter und lauter …
Und noch etwas war da. Ein unangenehmer Gestank, der immer stärker wurde, je weiter sie dem Gang folgten: Schwerer, süßlicher Verwesungsgeruch.
Die Antwort auf die Frage, wohin der Gang sie führen mochte, bekam Ska’ri schneller als erwartet, als sie unvermittelt in eine größere Halle stolperte. Unter ihrem Stiefel knirschte es – sie war auf Kochen getreten.
Knochen bedeckten den Boden der Halle beinahe vollständig und türmten sich in ihrer Mitte zu einem regelrechten Berg auf. Sie waren mit dem phosphoreszierenden Sekret der Crawler bedeckt, was dem Knochenhaufen ein mehr als unheimliches, gespenstisches Aussehen verlieh. Bei näherem Hinsehen erkannte Ska’ri, dass es sich auch nicht ausschließlich um Knochen handelte – dazwischen lagen immer wieder frischere Kadaver verschiedenster Kreaturen. Sie erkannte Molerats, Scavenger, Snapper – was immer unvorsichtig genug war, sich den crawlerverseuchten Höhlen zu nähern, war nur einen Schritt davon entfernt, zur Beute zu werden.
„Scheiße …“, murmelte Ska’ri, „Ich glaube, wir haben uns direkt in ihre Speisekammer geliefert!“
„Sie kommen“, knurrte Er’esh und positionierte sich breitbeinig vor dem Gang, durch den sie geflüchtet waren.
Plötzlich stieß der Morra einen Warnruf aus. Ska’ri fuhr herum, gerade noch rechtzeitig, um reflexartig den Hieb eines Minecrawlers abzuwehren, der sich ihr unbemerkt genähert hatte. Mit wachsendem Schrecken stellte Ska‘ri fest, dass es nicht der einzige Crawler war, der in der Halle bereits auf sie gewartet haben musste. Der Knochenhaufen schien sich zu bewegen und lange, bleiche Beine brachen daraus hervor. Die Panzer der Minecrawler hatten im geisterhaften Licht des Sekrets dieselbe Farbe wie die Knochen, unter denen sie sich verborgen gehalten hatten, und erhoben sich jetzt nach und nach wie die Kreationen eines wahnsinnigen Nekromanten aus den Überresten ihrer zahllosen Opfer.
Ein Held aus einem Roman hätte im Angesicht dessen, was sein letztes Gefecht werden mochte, vielleicht einen coolen Spruch auf den Lippen gehabt, um dem Schicksal seinen Trotz entgegenzuschleudern. Aber Ska’ri war keine Heldin. Sie hatte nicht die Nerven, im Angesicht ihres herannahenden Todes noch geistreiche Sprüche von sich zu geben. Ihre Hand verkrampfte sich um den Griff ihres Schwertes und sie hob ihre Waffe, während die Crawler immer näher kamen …

Venom
03.10.2024, 14:25
Die Minecrawler hatten sich in der Halle versteckt, perfekt getarnt zwischen den Knochen und Kadavern, und nun brachen sie hervor, einer nach dem anderen, ihre langen Beine klappernd und zischend, als ob sie schon lange auf die Ankunft der Eindringlinge gewartet hätten.
„Verfluchter Mist!“, rief die Orkin, als sie einen weiteren Hieb abwehrte, die Mandibeln des angreifenden Crawler-Arbeiters nur Zentimeter von ihrem Gesicht entfernt. Sie trat zurück, den Boden unter sich spürend, der mit den Überresten der Toten übersät war. „Was für ein verdammter Ort!“
Der große Ork drängte sich neben sie, hielt seinen Hammer fest in beiden Händen und stieß brüllend vor. Doch der Platz war zu eng, der Hammer schlug nur gegen das Sekret an der Wand und hinterließ kaum eine Delle. Die wütenden Schläge des Crawler-Arbeiters gegen seinen Oberkörper trafen hart, obwohl sein massiger Körper sie zunächst abwehrte.
Venom war mitten im Chaos, die Pfeile fest auf der Sehne seines Bogens, doch jeder Schuss musste wohlüberlegt sein. Die Kreaturen waren schnell, zu schnell, und der Flüsterton in seinem Kopf verlangte eine andere Lösung, als hier weiterzukämpfen. „Weg von hier!“, rief er den beiden zu. „Wir können sie nicht alle besiegen!“
„Was zum Teufel schlägst du vor?“, knurrte die Orkin zurück, während sie einen Hieb an den Kopf eines weiteren Crawlers setzte, der jedoch keine tiefere Wirkung zeigte. „Die stehen zwischen uns und dem einzigen verdammten Ausgang!“
Venom sah sich um. Der Knochenberg schimmerte weiterhin bedrohlich, doch etwas an diesem Anblick störte ihn mehr als die blutrünstigen Kreaturen, die sie umringten. Das Flüstern in seinem Kopf war immer noch da, drängender denn je, und es zog ihn in eine bestimmte Richtung – tiefer hinein in die Kammer.
„Folgt mir!“, schrie er, ohne eine Erklärung. In diesem Moment war er sich sicher, dass das Flüstern ihm den Weg weisen würde, auch wenn er nicht wusste, wohin. Er rannte los, die Crawler in seinen Augenwinkeln ignorierend. Jeder Schritt über die Knochen fühlte sich an, als würde er über die Überreste von Albträumen laufen.
Die Orkin folgte ihm, ihre Augen weit vor Wut und Angst, während der große Ork mit einem tiefen Brummen den Rücken der Gruppe deckte. Sie hatten keine andere Wahl. Der Weg zurück war verschlossen, und die einzige Option lag in der Dunkelheit vor ihnen.
Als sie die Mitte der Kammer erreichten, brachen aus dem Knochenhaufen weitere Kreaturen hervor. Venom spürte, wie sich das Flüstern in seinem Kopf veränderte, es war nicht mehr nur eine bloße Einladung, sondern fast eine Aufforderung, weiter in die unbekannte Richtung zu gehen. Und dann, plötzlich, sah er es – eine Öffnung am Rande der Kammer, versteckt hinter einem besonders massiven Teil des Knochenhaufens.
„Da entlang!“, rief er und deutete auf die Öffnung. Ohne zu zögern, warf sich Venom nach vorn, und die Orkin folgte ihm einen Augenblick später, etwas in ihrer eigenen Sprache ausstoßen was nur ein Fluch sein konnte, ihre Klinge immer noch fest umklammert. Der große Ork hielt die Position am Eingang, schlug mit seinem Hammer um sich und löste damit Teile des Knochenhaufens, die ihnen nach rutschten und so den Eingang teilweise verschlossen. Dies erkennend donnerte er seinen Hammer schließlich gegen den anliegende Fels und weiteres Geröll löste sich um den Crawlern den Weg zu versperren.
Als sie weitergingen, erklang das Summen der Crawler gedämpft hinter ihnen. Das Flüstern in Venoms Kopf verstummte, nur noch ein leises Echo blieb, während die drei Kämpfer in die schmale, stockfinstere Passage vor ihnen hineinliefen.
Die Luft war kälter, trockener, und das Geräusch der Minecrawler verblasste hinter ihnen. Venom konnte die Anspannung in den Körpern seiner Begleiter spüren, doch er selbst fühlte sich … anders. Das Gefühl der Angst und Beklemmung war verschwunden, ersetzt durch eine seltsame Klarheit.

Ska'ri
04.10.2024, 16:08
Eine Weile folgten sie dem Gang. Es war offensichtlich ein natürlicher Tunnel, den im Laufe von Jahrmillionen das Wasser in den Fels gegraben hatte. Die Wände waren erstaunlich glatt und an vielen Stellen von perlweißem Sinter bedeckt. Zugleich aber war der Weg schmal und eng, und immer wieder mussten sie sich auf allen Vieren oder gar auf dem Bauch rutschend durch Kriechstellen zwängen, was vor allem für Er’esh eine Herausforderung darstellte – er war einfach nicht für beengte Verhältnisse gebaut.
Aber so mühsam es auch war, dem sich windenden Gang zu folgen, er führte sie offenbar wirklich fort von den Crawlern. Die Sekretspuren an den Wänden wurden rasch weniger und wirkten auch deutlich älter – eingetrocknet zu harten Krusten, statt dass sie als klebriger Schleim die Wände bedeckten. Auch der intensive, beißende Geruch, der im Crawlernest allgegenwärtig gewesen war, nahm rasch ab und wurde ersetzt vom neutralen Geruch feuchten Gesteins.

Als sie irgendwann nach viel zu vielen Engstellen einen etwas geräumigeren Bereich betraten, ließ sich Ska’ri unzeremoniell auf einem Felsvorsprung nieder, lehnte sich gegen die nasse Wand und schloss die Augen.
„Pause?“, brummte Er’esh.
Ska’ri nickte nur: „Mir tut alles weh …“
„Kein Wunder. Wir sind inzwischen zweimal irgendwo runtergefallen, haben uns vollkommen verlaufen, sind um Haaresbreite von Gach Luk gefressen worden, und jetzt winden wir uns seit einer Ewigkeit durch diese verdammte Röhre!“
In Er’eshs Stimme schwang etwas mit, das Ska’ri selten bei ihm hörte: Ärger und Frustration.
„Tut mir leid“, murmelte sie schuldbewusst, „War vielleicht doch keine so gute Idee, hier her zu kommen nur wegen eines schlechten Traumes …“
„Nein, war es nicht“, stellte Er’esh fest, setzte sich neben sie und begann, im Gepäck herumzukramen. Schließlich zog er eine Handvoll Trockenfleisch heraus, schob sich drei oder vier der Streifen gleichzeitig in den Mund und hielt Ska’ri den Rest hin: „Effen?“
Sie sah ihn an und musste plötzlich anfangen zu lachen. Obwohl es ihr überall wehtat, konnte sie nicht anders. Sie musste einfach lachen und lachen … Da saßen sie nun, nach einer überstürzten Flucht vor einer Kolonie Riesenkäfer irgendwo tief unter dem Berg gefangen, ohne die geringste Ahnung, wie sie jemals wieder zurück ans Sonnenlicht kommen sollten, aber Hauptsache, es gab etwas zu essen!
„Er’esh …“, kicherte Ska’ri, nachdem sie sich halbwegs wieder gefangen hatte, „Auf dich ist einfach Verlass.“
Der große Ork zuckte mit den breiten Schultern – Irgendwer muss sich ja um dich kümmern! – und hielt ihr weiterhin das Trockenfleisch hin. Ska’ri nahm die Streifen dankbar entgegen. Das Fleisch war zäh und salzig, aber es kam ihr trotzdem so vor, als könnte es selbst auf der Tafel eines Häuptlings nichts Besseres geben! Nach all den Strapazen hatten sie sich einen kleinen Happen wirklich verdient …

Während sie auf dem zähen Fleisch kaute, wanderte Ska’ris Blick zu dem Morra, der sich schweigend mit etwas Abstand zu den beiden Orks auf dem Boden niedergelassen hatte. Seine Augen folgten auffällig unauffällig dem Trockenfleisch. Ska’ri überlegte einen Moment.
„Auch was?“, fragte sie schließlich und hielt ihm einige Streifen hin, „Bester Morraschinken! Unsere Spezialität!“
Der Morra, der gerade nach dem Fleisch hatte greifen wollen, zögerte und Ska’ri brach erneut in Gelächter aus, wobei sie sich die Hand vor den Mund halten musste, um nicht aus Versehen ihr Essen auszuspucken.
„Oh, Kleiner, dein Gesicht müsstest du sehen können!“, prustete sie, während sie versuchte, sie Fassung wiederzugewinnen, „Keine Sorge, ist nur Googoo … wie sagt ihr doch gleich …? Diese großen Vögel … ach ja, Scavenger!“
Der Morra nahm nun doch das Fleisch und Ska’ri atmete ein paar Mal tief durch, um sich wieder zu beruhigen. Sie wusste genau, warum sie scheinbar alles so lustig fand: Sie war mit den Nerven langsam am Ende. Sie würde alles dafür geben, wenn sich plötzlich ein Portal an die Oberfläche vor ihnen auftäte. Beim Schöpfer, sie würde dafür freiwillig den Rest ihres Lebens die Latrinen putzen! Leider blieb ihr Wunsch jedoch ungehört. Kein Portal, nichts. Welcher Gott sollte sie an einem Ort wie diesem auch noch hören können?
„Hey, Kleiner …“, wandte sie sich wieder an den Morra, nachdem sie sich von ihrem Lachanfall erholt hatte, „Wie’s aussieht, werden wir wohl noch eine Weile zusammenbleiben müssen. Also, ich bin Ska’ri. Der Große hier ist Er’esh. Wie heißt du? Und, noch viel wichtiger – was um alles in der Welt stimmt nicht mit dir? Ich meine, was suchst du hier unten und wieso hast du mir erzählt, du wüsstest, wonach ich suche? Bist du dir sicher, dass du weißt, was du tust?“

Venom
08.10.2024, 15:41
Eine seltsame Klarheit hatte sich auf den Geist von Venom gelegt, wie seit einigen Stunden nicht, oder waren es sogar schon Tage? Er konnte es in dieser Dunkelheit nicht mehr unterscheiden. Das Flüstern, sein unkenntlicher Begleiter, schien noch da zu sein, jedoch hatte es den Eindruck, als hätte es sich etwas zurückgezogen, fast so, als hätte es sich wie die Orks zum Verschnaufen niedergelassen. Ja, Venom hatte sogar das Gefühl, die Präsenz wartete fast ab, wie er reagieren und was er sagen würde.
Venom biss von dem Stück Fleisch ab, das ihm Ska'ri gereicht hatte. Es war so zäh, dass er seine Backenzähne einsetzen musste. Es schmeckte jedoch überraschenderweise genießbar, vielleicht besser als alles, was er in den letzten Tagen gegessen hatte. Die Zeit, die er zum Abbeißen brauchte, nutzte er, um über die gestellte Frage nachzudenken. Wie konnte er das beantworten, wo er es selbst nicht wirklich wusste?
„Mein Name ist Venom,“ sagte er schließlich zwischen zwei Bissen, seine Worte klangen ruhiger, als er sich eigentlich fühlte. Seine Augen huschten von Ska'ri zu Er'esh, der schweigend an seinem Trockenfleisch kaute und kaum Notiz von ihm zu nehmen schien.
„Schön für dich, Venom,“ sagte Ska'ri, während sie sich zurücklehnte und ihn mit halbgeschlossenen Augen musterte. „Aber das beantwortet immer noch nicht die Frage: Was suchst du hier unten?“
Venom spürte das Gewicht ihrer Blicke auf sich. Er atmete flach. „Es ist ... schwer zu erklären. Seit einiger Zeit spüre ich ... etwas. Es leitet mich, gibt mir das Gefühl, dass ich den Weg kenne, selbst wenn ich ihn nicht bewusst sehe.“ Er rieb sich die Schläfen, als wollte er das Flüstern vertreiben. „Ich weiß nicht, was es ist, aber es drängt mich weiter. Und ehrlich gesagt … es fühlt sich richtig an.“
Ska'ri schnaubte verächtlich. „Etwas leitet dich? Und du führst uns blindlings tiefer in diese verfluchte Höhle?“
Venom sah sie an, zögernd, bevor er sprach. „Ja … vielleicht. Aber es hat uns bisher weitergeführt, oder?“
Die Orkin verschränkte die Arme und trat einen Schritt näher. „Und was ist es, was du glaubst, dass ich suche? Du hast vorhin gesagt, du weißt es.“
Das Flüstern in seinem Kopf wurde lauter, fast aufdringlich, als ob es seine Antwort forderte. Venom schluckte, fühlte den Druck in seinem Geist, aber auch eine gewisse Klarheit, die ihm das Flüstern plötzlich bot. „Ich …“, begann er, zögerte jedoch. Die Worte kamen schwer über seine Lippen, als ob sie von der Dunkelheit selbst behindert wurden. „Ich glaube … du suchst jemanden.“
Ska'ri runzelte die Stirn, und für einen Moment herrschte Stille. „Jemanden?“ Sie schien überrascht, aber nicht ungläubig. „Wen könnte ich hier unten suchen?“
Venom fühlte das Flüstern in seinem Kopf erneut, diesmal sanfter, fast beruhigend. Es schien, als wollte es ihm sagen, dass sie genau hier sein sollten. „Ich weiß es nicht genau,“ sagte er leise, „aber was auch immer mich führt … es will auch dich dorthin bringen.“
Ska'ri schwieg einen Moment, bevor sie wieder das Wort ergriff, diesmal leiser, fast nachdenklich. „Und warum sollte ich dir glauben? Warum sollte ich dem folgen, was in deinem Kopf flüstert?“
Venom hob seinen Blick und sah sie direkt an. „Weil ich glaube, dass es uns alle hierhergebracht hat, aus einem Grund, den wir vielleicht noch nicht verstehen. Aber wir sind hier … und ich habe das Gefühl, dass wir kurz davor sind, die Antwort zu finden.“

Ska'ri
12.10.2024, 01:04
Leise vor sich hin fluchend setzte Ska’ri sich wieder und fuhr sich mit der Hand druch die Haare, die sich vom Schlamm und Staub der Höhle mittlerweile wie altes Stroh anfühlten. Dieser Venom hatte wahrscheinlich keine Ahnung, wovon er da redete. Vielleicht war er einfach nur komplett durchgeknallt?
Aber am Ende konnte sie ihm nicht die Schuld geben für das, was passiert war. Sie war es gewesen, die aufgrund eines lebhaften Albtraums darauf bestanden hatte, diese Reise in die Finsternis anzutreten, und sie war es auch gewesen, die Er’esh dazu überredet hatte, Venom noch tiefer in das Gewirr der unterirdischen Gänge zu folgen. Die Situation, in der sie sich befanden, war ganz allein ihre Schuld. Falls sie jemals lebend aus diesem Schlamassel herauskommen sollten, war sie Er’esh eine ganze Menge schuldig …

„Na schön“, seufzte sie schließlich, „Ehrlich gesagt, Kleiner, ist mir inzwischen ziemlich egal, was das Ding in deinem Kopf uns zeigen oder erzählen will oder was auch immer, solange es einen Weg raus aus dieser verdammten Höhle kennt.“
Aber wenn Krul doch hier unten ist? Wenn es jemanden gibt, dem das zuzutrauen wäre, dann jawohl Krul mit seinen verrückten Ideen!
Irgendwie wollte sie die Hoffnung noch nicht aufgeben, dass all die Strapazen doch nicht vollkommen umsonst gewesen waren. Vielleicht …
„Ich suche meinen Bruder“, sagte sie leise und starrte dabei zur Decke, „Er ist vor Monaten verschwunden, und ich dachte … ich hatte gehofft, ich hätte vielleicht eine Spur, aber wahrscheinlich war das … Ach, keine Ahnung. Warum erzähle ich dir das überhaupt? Sehen wir lieber zu, dass wir hier rauskommen!“
Sie stand ruckartig auf. Er’esh, der mit auf dem Bauch gefalteten Händen vor sich hingedöst hatte hatte, hob eine Augenbraue.
„Geht’s weiter?“, brummte er.
„Ja, ich frier mir sonst noch den Arsch ab“, grummelte Ska’ri. Sobald man aufhörte, sich zu bewegen, kroch die Kälte der Höhle einem rasch in die Glieder, vor allem wenn man nass und verschwitzt war. „Gib mir eine Fackel, man sieht kaum noch etwas!“
Als das Feuer brannte und man wieder mehr als nur die Hand vor Augen erkennen konnte, leuchtete Ska’ri prüfend in den Tunnel hinein, der sie weiterführen würde. Auswahl hatten sie ohnehin keine, es gab nur einen Weg.
„Na dann“, wandte sie sich noch einmal an Venom, „Lass uns sehen, wo uns dein unsichtbarer Freund hinführt.“

Venom
16.10.2024, 15:31
Das Flüstern in Venoms Kopf war ruhig, fast lauernd, als die drei sich erneut in die engen Gänge der Höhle begaben. Die Luft war feucht und kühl, und der Boden unter ihren Füßen wurde immer rutschiger. Die Stille zwischen ihnen war drückend, nur unterbrochen von dem gelegentlichen Knirschen ihrer Stiefel auf dem felsigen Boden oder dem Klirren von Er’eshs Kriegshammer.
Ska’ri ging voraus, wie immer mit der Hand auf dem Griff ihres Schwertes, die Muskeln unter ihrer Haut angespannt, als ob sie jeden Moment einen Angriff erwartete. Venom folgte direkt hinter ihr, den Bogen locker in der Hand, aber bereit, ihn jederzeit zu spannen. Er’esh bildete wie immer die Nachhut, sein massiger Körper drängte sich durch die engen Wände, wobei er ab und zu fluchend innehalten musste, um sich wieder zu befreien, wenn eine Stelle besonders eng wurde. Es gab keine Spur mehr von dem aggressiven Summen der Minecrawler, aber das flaue Gefühl, dass sie nicht allein waren, hing dennoch wie eine dichte Wolke in der Luft.
Der Weg war schmal, und die Decke senkte sich in unregelmäßigen Abständen so tief, dass selbst Venom den Kopf einziehen musste. Je weiter sie gingen, desto fremdartiger wurde die Umgebung. Die glatten Wände, die zuvor von perlweißem Sinter bedeckt gewesen waren, wichen jetzt einem rohen, schartigen Gestein, das wie von langen Krallen durchfurcht aussah. Venom bemerkte es zuerst, aber er sagte nichts – die anderen hatten es sicher auch gesehen.
„Diese Wände …“, murmelte Ska'ri plötzlich, als ob sie seine Gedanken gelesen hätte. Sie hielt kurz inne und strich mit den Fingern über die scharfen Risse im Gestein. „Irgendwas hat hier gewütet.“ Ihre Stimme klang angespannt, obwohl sie versuchte, es zu verbergen.
Venom nickte, seine Augen folgten den unregelmäßigen Linien in den Felsen. „Oder … irgendwer.“ Der Gedanke, dass hier etwas Größeres, Gefährlicheres als die Minecrawler hauste, ließ seine Nackenhaare aufrecht stehen.
Venom spürte, wie sich das Flüstern in seinem Kopf wieder regte, sanft und leise, fast wie eine entfernte Erinnerung. Es drängte ihn weiter, immer weiter in die Dunkelheit. Es fühlte sich an, als wäre der Tunnel nur eine von vielen Prüfungen, die sie bestehen mussten, um dorthin zu gelangen, wo sie hingehörten. Er wusste nicht, wo das war – noch nicht – aber das Flüstern wusste es, und das war für ihn genug. Zumindest für jetzt.
Nach einer Weile öffnete sich der enge Tunnel plötzlich zu einem etwas größeren Raum. Es war keine wirkliche Halle, eher eine weite Kammer, aber der Unterschied zu den engen Gängen davor war erheblich. Ska’ri blieb stehen und sah sich vorsichtig um. „Das ist … seltsam.“
Venom trat neben sie. Die Wände der Kammer waren rauer, und in der Mitte des Raums befand sich ein großer, fast flacher Felsen, der wie ein Altar aussah. An den Rändern der Kammer sah er Risse im Fels, als ob irgendetwas hier herausgebrochen wäre. Der Raum war von einer erdrückenden Stille erfüllt, als würde selbst das Flüstern innehalten und beobachten, was er tun würde.
„Das ist kein natürlicher Ort“, murmelte Ska'ri, ihre Stimme jetzt nur noch ein Flüstern.
Er'esh trat schwerfällig näher und betrachtete den Altar mit einer Mischung aus Misstrauen und Neugier.
Venom kniete sich langsam neben den Altar und strich mit den Fingern über den kühlen, glatten Stein. Er fühlte sich unnatürlich kalt an, und in seinem Kopf flackerte ein Bild auf – eine verschwommene, schemenhafte Erinnerung, als hätte er diesen Ort schon einmal gesehen.
„Venom, was ist los?“, fragte Ska'ri leise, während sie ihn beobachtete. Sie sah, wie er sich seltsam verhielt, als ob er etwas spürte, das sie nicht sehen konnten.
Er zögerte, versuchte die Vision in seinem Kopf zu ordnen, doch das Flüstern drängte plötzlich stärker. Es war fast … eilig. „Ich weiß es nicht“, antwortete er langsam, „aber wir sind hier, weil wir es sein sollen. Dieser Ort … er ist wichtig.“
Ska'ri runzelte die Stirn, aber sie sagte nichts. Stattdessen zog sie ihre Waffe fester an sich, als ob sie eine Gefahr spüren könnte, die noch nicht sichtbar war. Dann sah sie zu Venom, dann zu den Rissen in den Wänden. „Wir sollten nicht hier bleiben“, sagte sie entschlossen. „Wir müssen raus aus dieser Kammer, bevor was auch immer das war, zu uns kommt.“
Venom nickte. „Los“, sagte er knapp, und sie machten sich bereit, weiterzugehen, tiefer in die unbekannten Gänge der Höhle.

Ska'ri
31.10.2024, 17:19
Ska’ri kniff die Augen zusammen und massierte sich mit Daumen und Zeigefinger die Nasenwurzel. Sie schüttelte den Kopf, um ihn wieder klar zu bekommen.
„Das, äh … Seht lieber nicht hin!“, wandte sich warnend an Venom und Er‘esh, darauf bedacht, den Blick nicht noch einmal auf die schwarze Tafel zu richten, die scheinbar vollkommen willkürlich in die Felswand eingelassen war.
Die fremdartigen Buchstaben und Symbole, die als Relief in das teerartig glänzende Gestein eingeritzt waren, konnte sie ohnehin nicht entziffern. Umso befremdlicher war der Effekt, den ihre bloße Betrachtung herzvorrief – nach wenigen Sekunden, die Ska‘ri die Tafel begutachtet hatte, kam es ihr vor, als würden die Buchstaben sich bewegen, ineinanderfließen, sich verschlingen und verschmelzen und sich zu neuen Mustern anordnen. Und zugleich spürte sie einen wachsenden Druck hinter ihren Augen, wie Würmer, die sich durch ihren Sehnerv in ihr Gehirn wanden und nicht nur ihre Sicht trübten, sondern auch ihr Denken vernebelten und träge werden ließen.
Die Erfahrung war keineswegs angenehm, und dennoch kostete es Ska’ri eine nicht unerhebliche Willenskraft, ihren Blick abzuwenden. Zum Glück war die Wirkung damit gebrochen. Sie blinzelte ein, zwei Mal und fragte sich, wie lange sie wohl die Tafel angestarrt hatte. Sekunden? Minuten?
„Langsam glaube ich fast, da hinten im Käfernest wären wir sicherer als hier, mit … was auch immer hier unten auf uns wartet!“, versuchte sie mit Sarkasmus ihre steigende Nervosität zu überspielen. Die Klauenspuren im Fels – im Fels! –, der seltsame Altar, und jetzt diese obskure Tafel … Man musste kein großer Schamane sein, um Eins und Eins zusammenzuzählen. Böser Ort!, dachte Ska’ri und musste unwillkürlich kichern: Also genau die Art von Ort, den Krul ohne einen zweiten Gedanken zu verschwenden aufsuchen würde auf seiner Suche nach … Erleuchtung, oder was auch immer …
„Wir sind bald da“, raunte Venom plötzlich. Seine Stimme hatte ein sonderbares Timbre, als wäre sie nicht ganz die Seine.
„Da?“, fragte Ska’ri und zog misstrauisch eine Augenbraue nach oben, „Wo, oder was, ist da?“
Venom zuckte nur mit den Schultern und lächelte auf eine sonderbare Art, die seine Augen nicht erreichte. Ska’ri seufzte, aber was sollte sie machen? Der Gang führte nur in eine Richtung …

Zumindest war der er inzwischen geräumiger, so dass sie selbst Er’esh bequem gehen konnte, und auch der Boden war ebener und nicht so sehr voller Gröll. Ska’ri war sich sicher, dass der natürliche Gang künstlich erweitert worden war. Aber von wem und warum, blieb ein Rätsel.
Schließlich traten sie durch etwas, das wie ein in den Fels gehauener Türrahmen aussah, in eine geräumige Halle. Sie war zu groß und zu hoch, als dass man ihre Dimensionen im Schein der Fackel, die Ska’ri bei sich trug hätte erkennen können. Die Orkin leuchtete ein wenig herum, das Schwert in der Hand, nur für den Fall, aber als sie nichts aus der Dunkelheit ansprang, entspannte sie sich wieder ein wenig.
Wie der Gang, durch den sie gekommen waren, wirkte die Halle so, als wäre sie natürlichen Ursprungs, war aber nachträglich erweitert und ausgestaltet worden. Die Wände bis in etwa Kopfhöhe waren glattpoliert, aber schmucklos. Ska’ri fragte sich, ob sie vielleicht einmal mit Malereien verziert gewesen waren. Falls ja, dann war von den Kunstwerken jedoch nichts mehr übrig.
Darüber hinaus gab es nichts Bemerkenswertes in der Halle, aber Ska’ri wurde das Gefühl nicht los, dass etwas nicht stimmte. Es war so still … Überall sonst hatte man immer das Tropfen von Wasser gehört, und sei es nur entfernt, aber hier? Nichts. Nur die Geräusche, die sie selbst und ihre Begleiter verursachten. Und selbst die klangen irgendwie gedämpft, als hätte sie Wachs in den Ohren. Außerdem roch die Luft falsch, irgendwie trocken und muffig – wo war der Geruch nach nassem Gestein geblieben, an den sie sich mittlerweile so sehr gewöhnt hatte, dass er ihr nur noch auffiel, wenn er fehlte?
Und noch ein Problem zeigte sich: Es gab mehrere Wege, die von der Halle aus weiterführten. Drei insgesamt, und alle sahen gleich aus.
„Hier entlang“, sagte plötzlich Venom und drängte sich an ihr vorbei. Ohne zu zögern betrat er den rechten Gang und war schon fast aus dem Lichtkreis der Fackel getreten, bevor er anhielt und sich umdrehte, offenbar ungeduldig.
Ska’ri zögerte und warf Er’esh einen kurzen Blick zu, aber die Miene ihres Bruders war ausdruckslos. Er hatte akzeptiert, dass er ihr einfach hinterherlaufen würde. Das machte ihn natürlich nicht gerade zu einer Hilfe bei Entscheidungen.
„Also gut …“, murmelte sie und folgte Venom, der offenbar ganz genau wusste, welchen Weg sie nehmen mussten …

Venom
11.11.2024, 15:49
Die Stille in der Höhle war fast erdrückend. Nur das dumpfe Knirschen von Schritten durchbrach hin und wieder die beklemmende Atmosphäre. Kein Tropfen von Wasser, kein Hallen in der Ferne – nur ein gedämpftes Echo, das von den unnatürlich glatten, polierten Wänden der Höhle zurückgeworfen wurde. Die Luft war trocken und muffig, wie in einer längst vergessenen Gruft, die seit Jahrhunderten versiegelt geblieben war.
Venom ging voraus, die Finger locker um den Griff seines Bogens gelegt. Ska’ri und Er’esh folgten in kurzem Abstand, ihre Schritte schwerer und lauter. Sie konnten die Spannung in der Luft fühlen, das diffuse Unbehagen, das jede ihrer Bewegungen in diesen uralten Gängen begleitete.
Immer tiefer drang das Trio in die feuchten, dunklen Gänge vor, die längst ihre natürliche Struktur verloren hatten. Die Wände waren glattpoliert, doch mit Spuren der Bearbeitung, wie von Werkzeugen, die vor langer Zeit in den Fels getrieben worden waren. Venom ließ seine Finger gelegentlich über das Gestein gleiten und spürte die unnatürliche Kälte, die von der glatten Oberfläche ausging. Der Ort hier unten war weit entfernt von jeglicher natürlichen Schönheit – er war voller finsterer Geheimnisse, die nur auf ein Zeichen warteten, sich zu offenbaren.
Als der Gang sich schließlich öffnete, traten Venom, Ska'ri und Er'esh in eine weite, düstere Kammer ein. Die Luft war hier sogar noch trockener als in den engen Gängen zuvor, schwer und abgestanden, wie in einem lange versiegelten Grab. Der Fackelschein enthüllte den Grund für das unheimliche Gefühl, das sie alle überkam: Überreste von Statuen lagen wie zerbrochene Wächter in der Mitte der Halle. Ihre steinernen Glieder waren abgetrennt, die Gesichter zerschlagen – große, scharfkantige Bruchstellen zeugten von einer Gewalt, die diese steinernen Kolosse einmal zerstört hatte.
Venom kniff die Augen zusammen, ließ den Blick schweifen. Zwischen den Trümmern der Statuen lagen einzelne Knochen und zerfetzte Rüstungsteile verstreut, hier und da noch mit rostigem Eisen besetzt, das leise im Schein der Fackel glomm. Es war unmöglich zu sagen, wie alt sie waren, aber etwas an den Resten ließ vermuten, dass hier nicht einfach die Zeit die Werke zerfressen hatte. Nein, das war das Werk eines Kampfes, eines brutalen Aufeinandertreffens, das die Spuren seines Zorns in den Stein geschlagen hatte.
Ska'ri schritt vorsichtig zwischen den Trümmern hindurch, die Hand am Griff ihres Schwertes, ihre Augen wachsam. Er’esh stapfte mit düsterer Miene hinter ihr her, während sein Kriegshammer über den Boden streifte, und Venom betrachtete nachdenklich die zerschmetterten Überreste der Statuen. Sie waren nicht einfach irgendwelche Skulpturen – die kräftigen Umrisse, alles deutete darauf hin, dass diese Abbilder von Wächtern gefertigt worden waren. Wächter, die etwas Schützenswertes zu bewahren hatten – oder zu versiegeln.
Am Ende der Kammer stand ein mächtiger Torbogen. Massive steinerne Torflügel waren in den Felsen eingelassen, die Oberfläche glatt, jedoch voller Risse, als ob jemand versucht hatte, sie aufzubrechen – vergeblich. Merkwürdige Runen zierten in Schwarz den Bogen wie die Torflügel. Venom blieb stehen, sein Blick fest auf das Tor gerichtet. Es war, als würde etwas dahinter liegen, etwas, das ihn anzog und abwies zugleich, ein Ziel, das sich ihm versperrte und das er dennoch erreichen wollte.
„Hier kommen wir nicht weiter“, murmelte Ska'ri und ließ sich mit einem leisen Seufzen gegen die Wand der Kammer sinken. Ihre Augen musterten die massiven Flügel mit einer Mischung aus Frustration und Erleichterung, froh über die Rast, aber auch verärgert über die Hindernisse, die ihnen in den Weg gelegt wurden.
Venom setzte sich ebenfalls, den Rücken gegen die kühle Felswand gelehnt, während er den Raum noch einmal aufmerksam durchblickte. Er ließ die Fingerspitzen über einen Bruch im Boden gleiten, spürte die scharfen Kanten, wo einst eine Statue gefallen und zersplittert war. Er spürte, wie sich das Flüstern in seinem Kopf regte, schwach und unklar, doch es hielt ihn in Atem, ließ ihn weiter nach etwas suchen, das er nicht benennen konnte.
Er’esh ließ sich mit einem tiefen Knurren nieder und schob seinen Kriegshammer neben sich. „Was auch immer hier war, es ist tot“, grunzte er, wobei er skeptisch zu den verstreuten Überresten sah. „Und was auch immer es zerschlagen hat, ist wohl längst gegangen.“
„Vielleicht“, entgegnete Venom, ohne den Blick von den zerstörten Statuen abzuwenden. „Aber das erklärt nicht, wer das Tor versiegelt hat – oder warum.“
Ska'ri schnaubte leise und schloss die Augen, als ob sie im Halbschlaf noch wachen wollte. „Du willst es wirklich wissen, oder? Was hinter dem Tor liegt?“ Ihre Worte klangen fast wie eine Herausforderung.
Venom schwieg. In ihm drängte das Verlangen, das Rätsel zu lösen, jeden Winkel dieser uralten Stätte zu erkunden, auch wenn ihm klar war, dass die Antwort vielleicht das Unbekannte war – und bleiben sollte. Aber die Anziehungskraft des Ortes war zu stark, und das Flüstern in seinem Kopf zu beharrlich.

Ska'ri
28.11.2024, 13:16
Ska’ri musterte Venom eindringlich. Seine Miene war ausdruckslos, doch in seinen Augen funkelte eine Entschlossenheit, über deren Ursprung sie nur Vermutungen anstellen konnte. Seit sie auf ihn getroffen waren, hatte er sie tiefer und tiefer in das Höhlensystem geführt, aber er schien sich seiner Sache jederzeit sicher zu sein. Er hatte ein Ziel vor Augen.
Nachdenklich strich sie über das Bruchstück der Götterstatue um ihren Hals, das sie erst zu dieser wahnwitzigen Reise veranlasst hatte. Kam es ihr nur so vor, oder fühlte es sich wärmer an, als es sollte? Im Grunde waren sie und Venom gar nicht so unterschiedlich. Sie beide waren hier unten auf der Suche nach … etwas. und obwohl sie beide nicht genau wussten, wonach sie eigentlich suchten, trieb es sie an, weiter und weiter zu gehen.
„Los, sehen wir uns nochmal um!“, forderte Ska’ri ihre Begleiter auf und erhob sich ruckartig, „Irgendwo hier muss es einen Weg geben! Zum Umkehren ist es jedenfalls zu spät.“

Während Venom und Er’esh die Kammer durchsuchten, nahm Ska’ri selbst das Tor noch einmal genau in Augenschein. Sie hatte so etwas noch nie gesehen – die Torflügel selbst bestanden aus massivem, schwarzem Gestein! Und die Risse in seiner Oberfläche zeugten davon, dass selbst brutalste Gewalt nicht ausgereicht hatte, dieses Bollwerk zu durchbrechen. Und wenn das, was auch immer hier getobt, die Statuen zerschmettert und das Tor derart zugerichtet hatte, nicht hatte hindurchdringen können, welche Chance sollten dann sie und ihre Gefährten schon haben?
Ska‘ri wollte sich gerade schon frustriert wieder abwenden und den anderen beiden dabei helfen, die Halle in der Hoffnung auf einen versteckten Gang oder ähnliches zu durchsuchen, als im Licht ihrer Fackel etwas aufblitzte. In einem der Risse in dem Tor war etwas … Sie sah genauer hin und erkannte zu ihrem Erstaunen, dass an dieser Stelle ein größerer Brocken herausgebrochen war und den Blick freigab auf das Innere des Torflügels! Er bestand nicht durchgehend aus massivem Stein, sondern wies Hohlräume auf. Ska‘ri erkannte Stangen und Zahnräder aus einem bläulich-silbern glänzenden Metall, das trotz des Alters des ganzen Komplexes nicht eine Spur von Rost aufwies. Das war erstaunlich, aber Ska’ri verschwendete inzwischen keinen Gedanken mehr als irgendwelche seltsamen Phänomene hier unten und nahm es einfach als gegeben hin.
Viel mehr interessierte sie, wozu der Mechanismus wohl gut sein mochte – zumal sie sofort eine gewisse Vermutung hatte! Allerdings konnte sie nicht genug erkennen, um sich ein Urteil zu bilden. Probehalber versuchte sie, einen weiteren, relativ lose aussehenden Gesteinsbrocken aus dem Tor zu brechen, um den Mechanismus weiter freizulegen, und mit etwas Anstrengung gelang es ihr. Sie sah jetzt zwar nicht viel mehr, aber was sie erkennen konnte, verstärkte ihre erste Vermutung: Massive Ketten verliefen über Rollen und Zahnräder und waren offensichtlich dafür gedacht, das Tor zu öffnen.

„Jungs, seht mal hier! Ich habe vielleicht unseren Weg hinein gefunden!“ Als Venom und Er’esh zu ihr aufgeschlossen hatten, präsentierte sie ihre Entdeckung. Sonderliche Begeisterung bei ihren Begleitern blieb jedoch aus.
„Wie soll uns das weiterhelfen?“, fragte Er’esh säuerlich, und Venom stellte dieselbe Frage in seiner Sprache. Ska’ri seufzte.
„Wenn es uns gelingt, genug von dem Mechanismus freizulegen, können wir ihn vielleicht von hier aus, na, ‚bedienen‘ und das Tor öffnen!“, erklärte sie (ebenfalls zweimal). „Er’esh, Großer, würdest du mir vielleicht helfen und ein bisschen was vom Putz wegklopfen, ja?“, bat sie ihren Bruder mit einem schelmischen Grinsen und Augenklimpern und klopfte gegen den Torflügel.
Er’esh zuckte mit den breiten Schultern und hob seinen Kriegshammer. Er holte aus und legte sein ganzes, nicht unbeträchtliches Körpergewicht in den Schlag. Der Krach, den der Aufprall verursachte, war ohrenbetäubend und wurde von den Wänden der Höhle noch zurückgeworfen und verstärkt, aber er hatte den gewünschten Effekt: Einige weitere Brocken brachen aus dem Torflügen und gaben mehr von dem darunterliegenden Mechanismus frei.
„Gut so! Zeig‘s ihm!“, feuerte Ska’ri ihn an. Er’esh rollte mit den Augen, konnte sich ein Grinsen aber nicht verkneifen, bevor er wieder zum Schlag ausholte.

Es dauerte eine ganze Weile und war eine ziemliche Plackerei, bis der Er‘esh endlich ein ausreichend großes Loch in das erstaunlich widerstandsfähige schwarze Gestein des Torflügels geschlagen hatte. Wenn es nicht schon so stark beschädigt gewesen wäre, dann hätte er keine Chance gehabt, etwas auszurichten. Als Ska’ri ihm endlich bestätigte, dass es genügen sollte, trat er schwer atmend zurück, ließ sich auf dem Sockel einer gestürzten Statue nieder und wischte sich den Schweiß von der Stirn.
„Und?“, schnaufte er, „Was siehst du?“
Ska’ri beugte sich mit der Fackel in der Hand mehr oder weniger in das Loch hinein und unterzog den Mechanismus einer genauen Untersuchung. Von der Anordnung und dem Verlauf der verschiedenen Ketten, Rollen und Zahnräder versuchte sie, darauf zu schließen, wie die ganze Maschinerie funktionieren musste. Venom stand neben ihr und tat es ihr gleich.
„Ich glaube … ich glaube, ich hab’s!“, verkündete Ska’ri schließlich. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Kette hier die Kraft überträgt, die irgendwo auf der anderen Seite erzeugt wird, wahrscheinlich durch ein Gegengewicht oder so etwas. Das heißt, wenn wir kräftig genug daran ziehen, sollte sich das Tor öffnen.“
Venom runzelte zweifelnd die Stirn. „Glaubst du, das schaffen wir? So groß, wie das Tor ist, muss das Gegengewicht auch ein paar Tonnen wiegen! Wie sollen wir drei so viel Kraft aufbringen?“
Ska’ri schüttelte grinsend den Kopf. „Nicht ganz. Siehst du diese Rollen hier? Sie reduzieren die nötige Zugkraft. Und nach allem, was ich sehe, haben sie eine ganze Menge davon eingebaut. Ich wette, auf der anderen Seite reicht es, wenn man an einem Hebel zieht oder sowas, um das Tor aufzubekommen! Was ist? Überrascht, dass ich ein bisschen was von Mechanik verstehe? Glaubst du, Fallen stellen sich von allein auf? Oder Schlösser öffnen sich, weil ich sie nett darum bitte? Falls dir mal der Keuschheitsgürtel klemmt, weißt du jetzt, an wen du dich wenden kannst! Jedenfalls, der Mechanismus hier im Tor ist gar nicht besonders kompliziert. Allerdings … hmm, wir brauchen irgendetwas, um daran ziehen zu können … Venom, gib mir doch mal deinen Mantel!“

Auch wenn der Morra zunächst etwas zögerte, ihr seinen Mantel zu überlassen, willigte er schließlich ein. Ska’ri schlang das Kleidungsstück um die Kette und nickte zufrieden. Ein längeres Seit oder so etwas zu haben, wäre zwar besser gewesen, aber es würde auch so gehen.
„Und … ziehen!“, kommandierte die Orkin und stemmte ihre Fersen in den Boden. Venom und Er’esh taten es ihr gleich. Die Kette glitt rasselnd über eine Reihe von Rollen und spannte sich, und einen Moment später ertönte ein tiefes Rumpeln aus dem Inneren des Torflügels. Feiner Sand rieselte von oben auf die drei Abenteurer herab, als das massive Tor sich langsam zu öffnen begann.
„Es funktioniert!“, keuchte Ska’ri, „Nicht nachlassen, Jungs!“ Es kostete sie trotz allem ihre ganze Kraft, den gewaltigen Torflügel Stück für Stück zu öffnen, und sie mussten immer wieder eine kurze Pause einlegen. Doch der Erfolg motivierte, und letztendlich schafften sie es, das Tor so weit zu öffnen, dass sie sich hindurchzwängen konnten.

Hinter dem Tor blieb Ska’ri stehen und hielt den Atem an, während sie ihre Fackel in die Höhe hob. Die Halle, in der sie sich nun befanden, musste gewaltig sein – der flackernde Lichtschein der Flamme wurde ringsum von der Dunkelheit verschluckt. Die Luft roch ebenso seltsam trocken und abgestanden wie vor dem Tor, aber da war noch etwas. Etwas, das sie spüren konnte, eine unheimliche Präsenz, die alles um sie herum zu erfüllen schien. Sie fühlte eine Wärme auf ihrer Brust und zog ihr Amulett hervor – ja, es strahlte jetzt ganz eindeutig wieder eine unnatürliche Hitze aus! Vorsichtshalber nahm Ska’ri die Halskette herunter, damit sie sich nicht noch einmal an dem Artefakt verbrennen konnte, falls es plötzlich wieder heiß wie ein Stück Kohle werden sollte.
„Ich glaube, wir sind am Ziel …“, murmelte sie und schaute zu Venom.

Venom
29.11.2024, 13:27
Die Halle, die sie betraten, war wie ein Schlund, der sie verschluckte. Die Dunkelheit schien eine eigene Präsenz zu haben, schwer und drückend, als ob sie sie umklammerte. Venom spürte, wie das Flüstern in seinem Kopf immer lauter wurde, ein leises Murmeln, das sich in seinem Schädel ausbreitete, bis es sich wie ein Chor anhörte. Je weiter sie gingen, desto unerträglicher wurde es. Die Stimmen waren nicht mehr nur ein Echo; sie fühlten sich an, als wären sie greifbar, als würden sie ihn zwingen, jeden Schritt weiterzugehen.
Ska'ri und Er’esh gingen dicht hinter ihm, ihre Blicke wachsam. Ska’ri war sichtlich angespannt, ihre Hand ständig am Griff ihres Schwertes, während Er’esh den Kriegshammer fest umklammerte. Aber ihre Anspannung wurde von Venoms innerem Kampf überlagert. Jede Bewegung fühlte sich schwer an, jeder Atemzug ein Kraftakt, während das Flüstern an seinem Verstand zog, ihn fast überflutete.
Die Dunkelheit schien dichter zu werden, als ob sie sich ihnen entgegenstellte. Es gab keinen natürlichen Ursprung für diese Finsternis, sie war unnatürlich, fast lebendig. Der Schein der Fackel, die Ska'ri trug, schien fast schwächer zu werden, verschluckt von der alles verzehrenden Schwärze.
Dann sahen sie es: ein großes, in den Boden eingelassenes Pentagramm, umgeben von sechs hohen Säulen, die aus der Dunkelheit aufragten. Jede der Säulen war mit unbekannten Symbolen bedeckt, die im schwachen Licht der Fackel nicht genau zu erkennen waren. Der Boden um das Pentagramm war mit seltsamen Markierungen versehen, wie ein Muster, das zu groß und zu komplex war, um es auf einmal zu erfassen.
Venom blieb abrupt stehen, als das Flüstern in seinem Kopf eine neue Intensität erreichte. Es war kein Flüstern mehr, sondern ein ständiges, forderndes Summen, das seinen Verstand überschwemmte. Er spürte, wie er den Halt an sich selbst verlor, als ob das Flüstern ihn zur Seite drängte. Sein Bewusstsein glitt fast sanft in die Tiefe, ein Gefühl von Schwimmen in warmem, trügerischem Wasser. Er war nur noch ein Zuschauer, sein Körper nicht mehr unter seiner Kontrolle – und es fühlte sich seltsam angenehm an.
Er knickte ein, seine Knie trafen den kalten, glatten Boden. Seine Hand berührte das Pentagramm, und eine Welle aus Dunkelheit schien von diesem Punkt auszugehen, sich wellenartig über den Raum auszubreiten. Ska'ri und Er’esh zuckten zurück, als ob sie den Druck dieser Welle spüren konnten, obwohl sie keinen sichtbaren Effekt hatte.
Als Venom sich wieder aufrichtete, war etwas anders. Seine Augen, die zuvor aufmerksam, wenn auch von der Dunkelheit getrübt waren, waren nun zwei tiefschwarze Abgründe, unendlich und leer. Er sah zu seinen Gefährten, aber es schien nicht mehr nur Venom zu sein, der sie ansah. Seine Stimme, wenn man sie noch so nennen konnte, erklang tief und hallend, eine fremdartige Resonanz, die weder menschlich noch orkisch war.
„Endlich …“ Das Wort schien durch den Raum zu vibrieren, als wäre es mehr als nur ein Laut.
Ska'ri griff sofort nach ihrem Schwert, ihre Muskeln angespannt, bereit für einen Kampf, doch sie zögerte, als Venom sprach. „Entzündet die Kohlebecken bei den Säulen.“
Die beiden Orks sahen einander an, zögernd. Venom neigte leicht den Kopf, seine schwarzen Augen fixierten Ska’ri. Dann erklang die Stimme, die sie wie ein Schlag traf. Es war die Stimme des Orks, den sie suchte – seine Intonation, der Klang, alles daran stimmte perfekt.
„Was ist los, Ska'ri? Du hast doch nicht etwa Angst?“ Ein Lachen folgte, ein kurzes, gehässiges Lachen, das ihr Blut in den Adern gefrieren ließ, weil es so echt klang.

Ska'ri
04.12.2024, 01:53
Ska’ri fuhr zurück, als hätte sie jemand ins Gesicht geschlagen. Einen Moment lang starrte sie Venom mit großen Augen an, dann packte sie ihn plötzlich am Kragen und schüttelte ihn regelrecht durch.
„Was soll das?“, fuhr sie ihn an, „Woher … wie kannst du …?“
Venom machte keine Anstalten, sich zu wehren. Seine pechschwarzen Augen fixierten die ihren und er lächelte dieses hämische, verächtliche Lächeln.
„Tu einfach, was ich sage“, verlangte er. Auf Orkisch. Mit Kruls Stimme. Sie ähnelte Kruls Stimme nicht nur, es war seine! Unverkennbar! Bis hin zu diesem genervten, herablassenden Tonfall, mit dem er der ganzen Welt kundtat, dass er sie ohnehin für minderwertig hielt.
Ska’ri hielt Venom noch ein paar Sekunden lang fest, bevor sie langsam ihren Griff löste.
„Krul?“, fragte sie vorsichtig, „Wie … was um alles in der Welt hast du jetzt schon wieder angestellt? Wie kommst du … da rein?“ Sie deutete auf Venom.
Der sah sie nur unverwandt an: „Wir haben keine Zeit für Erklärungen. Meine Kraft reicht noch nicht aus, um diese Verbindung lange aufrecht zu erhalten. Wenn du mich finden willst, tu, was ich sage! Entzünde die Feuer! Na los!“
Ska’ri trat vorsichtig einen Schritt zurück und sah zu Er’esh, doch der zuckte nur mit den Schultern. Er wusste ebenso wenig wie sie selbst, ob man diesem angeblichen Krul Glauben schenken konnte.
„Also gut“, sagte sie schließlich. Sie musste es einfach riskieren. Zumindest sah es Krul ganz ähnlich, sich in eine Situation zu bringen, in der er plötzlich irgendwelche Morras übernahm und durch sie sprach. Ja, tatsächlich war das genau die Art von Blödsinn, die Krul anstellen würde, ohne den geringsten Schimmer zu haben, welche Folgen das nach sich zog! Es klang gerade so, als ob er irgendwo feststecken würde. Ska’ri musste wieder an den Traum denken, den sie vor ihrem Aufbruch in das Höhlensystem gehabt hatte: Ein Traum, in dem jemand oder etwas versucht hatte, die Wände eines magischen Gefängnisses einzureißen. War das Krul gewesen? Nein, das glaubte sie nicht. Aber scheinbar hing Krul trotzdem irgendwie mit drin in dieser Sache und brauchte jetzt ihre Hilfe. Natürlich. Der große, tolle, allwissende Krul, und am Ende musste ihm die kleine Schwester wieder den Arsch retten. Wie immer …
Sie trat an eine der Feuerschalen. Darin befand sich ein seltsames, hellgraues Pulver. Im ersten Moment hielt sie es für Asche, aber die Konsistenz war anders – eher als würde es sich um feinen Sand handeln. Ska’ri wagte nicht, es anzufassen. Hier, an diesem von unnatürlicher Dunkelheit erfüllten Ort, war übermäßige Neugier einfach fehl am Platz. Stattdessen senkte sie langsam sie Fackel.
Als das Feuer mit dem Pulver in Berührung kam, zischte es auf wie ein lebendes Wesen und eine Stichflamme schoss in die Höhe. Die plötzliche Hitze trieb Ska’ri die Tränen in die Augen. Sie riss einen Arm vors Gesicht und stolperte zurück. Die Feuerschale brannte mit fast weißer Flamme, die kaum Licht ausstrahlte, obwohl ihr Inneres zu hell war, um hineinzublicken.
Venom/Krul trat in die Mitte des Pentagramms und ließ sich auf ein Knie nieder. Als Ska’ri innehielt, sah er sie an und zog missbilligend die Mundwinkel nach unten: „Worauf wartest du? Entzünde die restlichen Feuer!“
Sie gehorchte. Entfachte das zweite Feuer, das dritte, vierte, fünfte …
Und schließlich das sechste und letzte.

Venom
06.12.2024, 11:12
Ska’ris Fackel brannte kaum mehr als ein kümmerliches Flämmchen, als sie das letzte Kohlebecken entzündete. Doch plötzlich zuckten alle Flammen in der Halle gleichzeitig auf, loderten hell auf und warfen lange, zerrissene Schatten an die glatten Wände. Eine Druckwelle fegte durch die Halle, ließ Staub und Dreck in einer wirbelnden Wolke aufsteigen und brachte Haare und Kleidung der drei zum Flattern.
Venom blieb kniend im Zentrum des Pentagramms, sein Atem schwer. Ska’ri und Er’esh standen am Rand, die Gesichter angespannt, doch keiner von ihnen wagte, näher zu treten.
In Venoms Kopf ebbte das Flüstern ab, und plötzlich wurde sein Verstand klar. Die Stimmen, die ihn so lange gequält hatten, waren verschwunden. Für einen Augenblick fühlte er sich erleichtert, fast erleichtert genug, um zu glauben, dass alles vorbei sei. Doch genau in diesem Moment bemerkte er die Dunkelheit vor sich.
Sie bewegte sich.
Zunächst schien es nur ein Spiel der Schatten zu sein, doch dann erkannte Venom, dass sich etwas Großes aus der Schwärze löste. Die Konturen eines gewaltigen Oberkörpers zeichneten sich ab, muskulös und bedrohlich. Mächtige Arme, die wie lebendige Schatten wirkten, formten sich aus der Finsternis. Hörner zierten den Kopf des Wesens, und seine Augen – oder das, was Venom als Augen interpretierte – schimmerten in einem unheilvollen, blassen Rot.
Der Unterkörper der Kreatur blieb vollständig von der Dunkelheit verschluckt, ein unfassbarer Schatten, der nicht zu greifen war.
Zu Venoms eigener Überraschung fühlte er keine Angst. Er war ruhig, fast zu ruhig. Diese seltsame Gelassenheit ließ ihn zweifeln, ob er die Kontrolle wirklich vollständig zurückerlangt hatte. Ein flüchtiger Blick zu Ska’ri und Er’esh verriet ihm, dass sie keinerlei Reaktion zeigten. Sie konnten die Kreatur offenbar weder sehen noch hören.
Das Wesen regte sich, streckte sich langsam, wie jemand, der nach langem Schlaf seine Glieder wieder bewegt. Dann richtete es seinen Blick – falls man es so nennen konnte – auf Venom.
„So stehen wir uns endlich gegenüber, kleiner Freund,“ ertönte eine Stimme, die tief und resonant durch die Halle hallte. Venom spürte, wie sie durch seinen Körper vibrierte. „Das hast du gut gemacht.“
Die Kreatur hielt inne, als ob sie etwas testete, bevor sie weitersprach. „Allerdings scheinen weder du noch ich zu diesem Zeitpunkt ausreichend Kraft zu besitzen, den Bann zu brechen … Das ist wirklich bedauerlich, dabei hatte ich mich so gefreut, wieder mit dieser Welt zu spielen.“
Venom runzelte die Stirn, der Gedanke, dass die Kreatur bereits frei sei, blitzte durch seinen Kopf. Doch noch bevor er die Frage stellen konnte, antwortete das Wesen bereits.
„Nein, kleiner Freund. Was du hier von mir siehst, ist nur ein Abdruck, ein Schatten meiner selbst – und das auch nur vor deinem geistigen Auge. Die anderen können mich weder hören noch sehen.“
Venom spürte, wie Ska’ri hinter ihm versuchte, seine Aufmerksamkeit zu erregen. Sie sprach, doch ihre Worte erreichten ihn kaum. Ihre Haltung verriet, dass sie verunsichert war und wissen wollte, ob Venom noch bei sich war. Er ignorierte sie.
„Das Siegel, das mich gefangen hält, wurde erst kürzlich erneuert,“ fuhr die Kreatur fort. „Du wirst denjenigen finden, der das getan hat, oder einen anderen Weg finden, das Siegel zu brechen und mich zu befreien. Die Belohnung dafür wird dich nicht enttäuschen. Was auch immer du wünschst …“ Die Stimme des Wesens wurde fast freundlich, „… es wird dir nicht schaden, mein Freund zu sein.“
Dann lehnte sich das Wesen weiter vor, einer seiner gewaltigen Arme löste sich aus der Dunkelheit und streckte sich Venom entgegen. „Haben wir eine Abmachung?“
Venom zögerte, sein Verstand suchte verzweifelt nach einer Antwort, doch der Gedanke an Macht flammte in ihm auf, fast instinktiv. Bevor er es richtig durchdacht hatte, griff er nach der ausgestreckten Hand. Sie fühlte sich seltsam an – gleichzeitig greifbar und doch nicht wirklich da.
Als ihre Hände sich berührten, durchzuckte ihn ein Blitz, ein Gefühl von roher Energie, das durch seinen Körper und Geist raste. Die Kreatur verschmolz langsam wieder mit den Schatten, bis sie vollständig verschwunden war.
Venom richtete sich auf, fast automatisch. Es fühlte sich an, als hätte er die Kontrolle über seinen Körper zurückerlangt – und doch war da ein Rest von etwas Fremdem. Als er sich den beiden Orks zuwandte, wirkten sie ungeduldig und irritiert.
Ohne es zu wollen, sprach Venom, doch die Stimme, die erklang, war nicht seine eigene. Sie gehörte Krul, dem Ork, den Ska’ri suchte.
„Die Macht von euch reicht nicht aus, um das Siegel zu brechen,“ sagte er, „es wurde kürzlich von einem Streiter Innos erneuert. Findet ihn.“
Dann hob Venoms Hand sich, wie von unsichtbarer Macht geführt, und winkte kurz. Die Flammen in den Kohlebecken loderten hell auf und erhellten die gesamte Halle, die noch größer und beeindruckender war, als sie es sich vorgestellt hatten.
„Geh,“ raunte das Flüstern in Venoms Geist, sanft, aber unnachgiebig. „Du kennst deine Aufgabe. Ich kann dich nicht über das Pentagramm hinaus begleiten.“
Plötzlich verstummte die Stimme, und Venom spürte, wie die Kontrolle abrupt wieder zu ihm zurückkehrte. Er stolperte, fing sich jedoch schnell.

Ska'ri
11.12.2024, 00:42
Ska’ri musterte Venom mit einer Mischung aus Misstrauen und Ehrfurcht. Sie konnte sich keinen wirklich Reim machen auf das, was gerade geschehen war, aber sie hatte etwas gespürt – die Luft war wie elektrisiert und ließ ihr einen Schauer über den Rücken laufen, und obwohl nur Venom in der Mitte des Pentagramms zu knien schien, fühlte es sich an, als wären sich nicht allein. Die Schatten, die von den weißen Flammen geworfen wurden, wirkten zu tief und zu verzerrt, als würden sie ein Eigenleben führen. Etwas war hier mit ihnen – etwas Uraltes, etwas Mächtiges!
Als die magischen Feuer schließlich verloschen, das Gefühl der Präsenz nachließ und Venom sich wieder an sie wandte, sprach er erneut mit Kruls Stimme. Ska’ri schluckte schwer. Was hatte Krul nur mit all dem zu schaffen? Wie hing das zusammen? Sie konnte sich beim besten Willen keinen Reim darauf machen.
Aber ungeachtet dessen war Widerspruch ausgeschlossen. Fast schon demütig senkte Ska’ri den Kopf: „Ich … werde mein Bestes tun!“, versprach sie. Ihre Kehle fühlte sich trocken an und ihre Stimme war ein raues Krächzen. Sie warf einen kurzen Seitenblick zu Er’esh, und ihr Bruder nickte bedeutungsschwer. Ska’ri zögerte für einen Moment, bis sie sich zu der Frage durchringen konnte, die ihr eigentlich auf der Zunge lag: „Was … Was ist da gerade passiert? Krul? Oder … Venom? Was hast du … habt ihr? … gesehen? Oder gehört?“
Unbewusst hielt sie das Bruchstück in der Hand. Es strahlte noch immer eine leichte Wärme aus. Konnte es wirklich sein, dass Venom mit einem Boten des Schöpfers kommuniziert hatte – mit einem Dämon? Eine solche Ehre wurde normalerweise nur Schamanen zuteil, und selbst unter ihnen nur wenigen Auserwählten. War es Krul gelungen, einen Pakt mit einem dieser mächtigen Wesen zu schließen? Aber irgendetwas schien schief gelaufen zu sein, denn offenbar brauchte er ja ihre Hilfe, um irgendein Siegel zu brechen.
Doch so verwirrend die Situation auch sein mochte, eines wusste Ska’ri genau – sie würde alles daransetzen, ihren Bruder zu befreien. Koste es, was es wolle.

Venom
11.12.2024, 17:09
Venom spürte Ska'ris Hand auf seiner Schulter, ihre Finger fest, aber nicht drückend. Ihr Gesichtsausdruck war ernst, ihre Augen suchten die seinen, als wollte sie sicherstellen, dass er bei Verstand war. Er blinzelte ein paar Mal, unsicher, ob das, was er eben erlebt hatte, real gewesen war – oder nur ein Trugbild, hervorgerufen durch die seltsame Energie der Halle.
„Dort war … etwas“, begann er zögerlich, seine Stimme leiser als gewöhnlich. Die Worte kamen langsam, vorsichtig gewählt. „Ich weiß nicht genau, was es war, aber … es hat zu mir gesprochen oder vielleicht eher durch mich. Es war, als ob es … sich meiner bemächtigt hätte.“
Er hielt inne, sah auf den Boden vor sich, dann zurück zu Ska’ri und Er’esh, die ihn aufmerksam musterten. „Jetzt ist es fort. Ich spüre nichts mehr davon. Aber es wollte etwas. Und ich glaube, wir sollten dieser … Bitte nachkommen.“
Ska'ri nickte zustimmend doch gleichsam zögerlich, auch ohne Worte schienen beide dasselbe Gefühl bei der Sache zu haben.
Venom, in Gedanken wieder bei der Erscheinung, diesem gewaltigen Wesen aus Dunkelheit, welches ihm einen Schauer über den Rücken jagte, fuhr fort: „Einen Streiter Innos. Jemand, der das Siegel erneuert hat. Es sagte, dass …“ Er brach ab, schüttelte leicht den Kopf. „Ihr habt es ja selbst gehört ... zu Erst sollten wir hier wohl wieder raus.“
Er deutete zur Stirnwand der gigantischen Halle. Die Flammen in den Kohlebecken hatten den Raum vollständig erhellt, und an der linken Seite war ein kleiner, unscheinbarer Durchgang sichtbar geworden. Die grob gehauenen Stufen dahinter führten nach oben, hinaus aus der bedrückenden Dunkelheit.
Die drei machten sich in die Richtung auf, Venom vorneweg. Seine Schritte waren ruhig, fast mechanisch, doch seine Gedanken waren weit weg. Die Begegnung mit der Kreatur – oder was auch immer es gewesen war – ging ihm nicht aus dem Kopf.
Was war es wirklich? Ein Dämon? Ein Geist? Oder etwas, das jenseits seiner Vorstellungskraft lag? Die Art, wie es ihn angesprochen hatte, wie es sich seiner bemächtigt hatte … Es war beängstigend, aber auch … faszinierend.
Venom spürte, wie sich sein Magen zusammenzog. Hatte er einen Fehler gemacht, indem er seine Hand ausgestreckt hatte? Hatte er sich vielleicht unwissentlich in etwas hineingezogen, das weit größer war, als er sich vorstellen konnte? Nein, diese Zweifel waren fehl am Platz. Es hatte sich richtig angefühlt und sein Bauch sagte ihm ebenfalls, dass er alles richtig gemacht hatte.
Er konnte nicht sagen, wie lange sie gingen. Die Stufen waren uneben und schienen endlos, doch Venom nahm sie kaum wahr. Erst ein harsches „Venom!“ von Ska’ri riss ihn aus seinen Gedanken.
Er hielt inne und schaute sich um. Sie waren fast an einer Biegung angelangt, die weiter nach oben führte. Ska’ri wirkte genervt. „Pass auf, wo du hintrittst. Du hättest uns beinahe in einen verdammten Abgrund geführt.“
Venom nickte nur stumm und richtete seine Aufmerksamkeit kurz auf den Weg, auch wenn seine Gedanken weiterhin bei der Begegnung in der Halle blieben und ließ Ska'ri den Vortritt.

Ska'ri
13.12.2024, 17:55
Obwohl ihr allerlei Fragen durch den Kopf gingen, zwang sich Ska’ri, sich auf den vor ihnen liegenden Weg zu konzentrieren – nicht, dass sie sich am Ende ebenso von ihren Gedanken ablenken ließ wie Venom und blindlings in einen Abgrund tappte. Sie durften jetzt keine Zeit mehr verlieren. Die Fackel, die sie in der Hand hielt, war schon beinahe heruntergebrannt, und dann hatten sie nur noch eine einzige – das bedeutete, sie hatten noch eine halbe Stunde Licht, vielleicht ein wenig länger, wenn sie Glück hatten. In dieser Zeit mussten sie den Weg aus der Höhle gefunden haben, oder sie würden in völliger Finsternis festsitzen. Kein schöner Gedanke …
Dennoch war Ska’ri zuversichtlich. Venom wusste bei jeder Abzweigung genau zu sagen, welchen Weg sie nehmen mussten, und Ska’ri zweifelte nicht an der Korrektheit seiner Angaben: Das Wesen, mit dem Venom Kontakt aufgenommen hatte, hätte kein Interesse daran, sie hier unten sterben zu lassen.
Ihr Weg führte die kleine Gruppe durch eine seltsame, fremdartige Nekropole. Zahllose Gebeine lagen auf dem Boden verstreut, dazwischen antike, rostzerfressene Waffen und Rüstungen. Man konnte beinahe glauben, die Toten hätten sich vor kurzem erst einen Kampf mit einem unbekannten Gegner geliefert.
Sie hatten jedoch weder die Zeit noch die Nerven, sich nähere Gedanken darüber zu machen, was hier geschehen sein mochte, und schließlich ließen sie die mit Gebeinen gefüllten Hallen hinter sich. Sie erklommen einen Geröllhang, der aussah, als wäre er das Ergebnis eines erst kürzlich erfolgten Versturzes – viele der Felsen waren locker und wackelig, hatten noch keine sichere Liegeposition gefunden, was die Kletterei anstrengend und gefährlich machte. Mittlerweile hatten sie auch ihre letzte Fackel entzünden müssen, und Ska’ri trieb ihre Begleiter zur Eile. Als sie endlich oben angelangt waren, eröffnete sich ihnen ein geräumiger, natürlicher Tunnel.
„Links!“, sagte Venom ganz automatisch.

„Spürt ihr das?“, fragte Ska‘ri nach einigen Minuten und wandte sich grinsend zu Er’esh und Venom um. „Ein Luftzug! Und er wird stärker! Ich glaube, wir haben es bald geschafft!“
Die Aussicht, endlich die Kälte und Dunkelheit der Höhle hinter sich lassen zu können, beflügelte ihre Schritte und ließ sie Kraftreserven finden, von denen sie nicht gedacht hätte, dass sie noch darüber verfügen würde. Der Luftstrom nahm stetig zu, und endlich, nach dem, was Ska’ri schon wie eine albtraumhafte Ewigkeit vorgekommen war, sah sie einen Lichtschimmer – das Portal nach draußen!
„Wir sind da!“, rief sie aufgeregt, „Wir haben es tatsächlich geschafft!“ Die letzten Meter legte sie beinahe rennend zurück. Als sie wieder ans Tageslicht trat, war das erste, was ihr auffiel, die Vielzahl an Gerüchen, die plötzlich wieder um sie herum waren – unter dem Berg hatte alles nur nach feuchtem Gestein und Moder gerochen, aber hier stieg ihr der Duft des Grases in die Nase, der feine, würzige Geruch von Tannen und Baumharz, Erde und morschem Holz, ja sogar das Wasser schien einen anderen, viel intensiveren Geruch zu haben. Und obwohl es tatsächlich kaum wärmer war als in der Höhle, genoss Ska’ri das Gefühl der Sonnenstrahlen auf ihrer Haut. Für einen Moment schloss sie die Augen, legte den Kopf in den Nacken und atmete einfach nur tief ein und aus.

Etwas später hatten die drei unfreiwilligen Abenteurer sich im Schutze eines Überhangs ein kleines Lager eingerichtet. Ein wärmendes Feuer knisterte zwischen ihnen und Ska’ri kaute auf einem Stück Trockenfleisch. Sie war zu Tode erschöpft und wollte nichts lieber, als sich auf ihrem Schlaffell zusammenrollen, aber es gab noch einige Dinge, die ihr keine Ruhe ließen.
„Also … einen Streiter Innos‘ sollen wir finden“, sinnierte sie, „Das ist der Name, den ihr Morras dem Zerstörer gebt, oder? Dem Gott des Feuers, dem Widersacher?“
Venom blinzelte kurz verwirrt, aber dann nickte er.
Ska’ri fuhr fort: „Ich habe da so eine Vermutung. Ich hoffe, dass sie nicht stimmt, aber … naja …“ Sie holte das Bruchstück der Statue hervor und betrachtete es nachdenklich. „Der Grund, warum wir überhaupt in die Höhle geklettert sind, war, nun, ich hatte so etwas wie einen Traum. Gewissermaßen. Ich träumte von … jemandem, oder etwas, das gefangen war und kurz davor, sich zu befreien, aber dann wurde es im letzten Augenblick daran gehindert. Krul, oder für wen auch immer Krul da durch dich gesprochen hat, hat etwas gesagt von Gefangenschaft und einem Siegel, das erneuert worden wäre durch diesen Streiter Innos, also frage ich mich, ob es dieses Ereignis war, das ich in meinem, äh, Traum gesehen habe?“
„Möglich.“, pflichtete Venom bei, „Aber das Wesen hat nichts darüber gesagt, wann das Siegel erneuert wurde. Es könnte also auch schon länger her sein.“
„Vielleicht, ja …“ Ska’ri dachte kurz nach. „Aber ich habe das Gefühl, dass die Ereignisse tatsächlich zusammenhängen. Und wenn das stimmt, nun … als Er’esh und ich die Höhle betreten haben, sind wir auf einen Trupp Morra-Krieger gestoßen, die uns entgegenkamen. Nicht irgendwelche Krieger, sondern welche, denen ich früher schon einmal begegnet bin und die, naja – ziemlich gut sind. Zu gut, als dass wir uns mit ihnen hätten anlegen können, weswegen wir in einen Seitentunnel geflohen und dort dann einen Abhang heruntergerutscht sind und so ging dieser ganze Mist dann eigentlich los. Egal. Worauf ich eigentlich hinaus will: Wenn ich mich richtig erinnere, waren diese Kämpfer dem Gott der Zerstörung verschworen, eurem … Innos. Und sie kamen aus der Richtung, aus der wir gerade eben auch gekommen sind. Also – was, wenn der Streiter, den wir suchen, einer von ihnen ist?“ Sie sah Venom ernst an. Die Aussicht, dass sie ausgerechnet diejenigen Typen finden musste, die mit Chror kurzen Prozess gemacht hatten, behagte Ska’ri ganz und gar nicht. „Ich sag dir gleich, eine offene Konfrontation mit denen können wir vergessen. Die fressen uns zum Frühstück! Wir müssen mit List und äußerster Vorsicht vorgehen. Das wird nicht einfach. Ich weiß nicht einmal, wie wir sie finden und in ihre Nähe kommen sollen. Schließlich wird der Widersacher ja vor allem in dieser großen Stadt im Norden der Insel verehrt, und da sind … Orakas nicht gerade erwünscht.“
Ihr Blick wanderte zu Er’esh, der während ihres Monologs, den sie in Morrasprache führte und den er daher nicht verstand, ungefähr zwei Tagesrationen an Trockenfleisch, Dörrobst und Nüssen in sich hineingeschaufelt hatte. Wieder fühlte sie sich schuldig, dass sie ihn auf diese unmögliche Expedition mitgeschleift hatte – aber ohne ihn wären sie das eine oder andere Mal wohl auch aufgeschmissen gewesen. Doch bei den kommenden Herausforderungen würde Er’esh nur hinderlich sein – er war in etwa so subtil wie brünftiger Troll: Großartig, um scheinbar unverrückbare Hindernisse mit seiner unaufhaltsamen Kraft aus dem Weg zu räumen, aber sicher nicht geeignet für subtiles, vorsichtiges Vorgehen. Sie konnte nur hoffen, dass er sich dazu überreden ließ, zum Clan zurückzukehren und nicht darauf bestand, seine kleine Schwester weiter zu begleiten.
„Hast du irgendeine Idee?“, wandte sie sich schließlich wieder an Venom.

Venom
16.12.2024, 11:48
Die kühle, klare Luft des Gebirges war wie ein sanfter Schlag ins Gesicht, als Venom, Ska’ri und der andere Ork die Höhle verließen. Der schwere Geruch von Staub und Fäulnis wich dem erdigen Duft von feuchtem Moos, vermischt mit der Frische des Windes, der durch die Felsspalten zog. Venom atmete tief ein, genoss den Augenblick der Freiheit, auch wenn er ihn nicht so intensiv empfand wie Ska’ri. Die Orkin schien förmlich in der Natur aufzugehen, ihre Augen glänzten, als sie die steinernen Weiten und das ferne Blau des Himmels betrachtete.

„Ich habe zwei meiner Leute im Gebirge verloren“, antwortete er später im Lager auf Ska’ris Frage. „Hailey und Colbart. Sie waren bei mir, als ich in die Höhle gestürzt bin. Ich weiß nicht, ob sie noch hier in der Gegend sind oder bereits nach Stewark zurückgekehrt sind.“
Was mochten Hailey und Colbart in der Zwischenzeit getan haben? Hatten sie ihn aufgegeben? Oder waren sie immer noch hier irgendwo in den Bergen, suchend, hoffend, dass er lebend zurückkehrte?
Er strich sich durch die Haare, die immer noch von Staub und Schmutz verklebt waren. „Wir müssen vorbereitet sein. Die Sache mit dem Siegel … das wird nicht einfach. Wir brauchen Antworten – und jemanden, der uns mehr über diese Magie sagen kann.“
Nach der Zeit in der Höhle und nun am Feuer sitzend, spürte Venom die Erschöpfung in seinen Gliedern. Die langen Stunden in der Höhle hatten an ihm gezehrt, und der eigenartige Zustand, den er dort erlebt hatte, hatte sein Innerstes aufgewühlt. Jetzt, in der frischen Luft, wurde ihm klar, wie dringend er seinen Körper wieder in Form bringen musste.
„Ich brauche Bewegung“, meinte er mehr zu sich selbst als zu den anderen. „Die Zeit in der Höhle hat mich geschwächt. Wir sollten einen Ort finden, an dem wir uns ausruhen und gleichzeitig trainieren können.“

Ska'ri
16.12.2024, 22:48
„Trainieren?“ Ska’ri zog zweifelnd die Augenbrauen hoch. „Nächste Woche vielleicht! Oder noch besser, nächsten Monat? Ich bin gerade so kaputt, ich würde mich nichtmal mehr in der Horizontalen bewegen wollen! Außerdem tut mir alles weh …“ Um ihre Worte zu unterstreichen, streckte sie sich: „Oh! Autsch … aua! Scheiße … das Beste ist ja, der Muskelkater hat noch nichtmal eingesetzt! Morgen wird bestimmt ein großartiger Tag! Ein heißes Bad, das wärs …“ Geradezu verträumt fuhr sich Ska’ri mit der Hand durch die mit Lehm und Dreck völlig verfilzten Haare. Der Lehm klebte ohnehin überall – an iher Kleidung, ihrer Haut, ihrer Ausrüstung, sogar zwischen ihren Zähnen knirschte es.
Schließlich wurde sie wieder ernst: „Also willst du nach deinen Freunden suchen? Und dann Informationen über dieses Siegel oder die Magie oder so sammeln? Hmm … Bei letzterem könnten uns vielleicht, also, rein theoretisch, die Schamanen weiterhelfen. Wenn da nicht das klitzekleine Problem wäre, dass sie sich mit mir normalerweise nicht abgeben, und dich würden sie einfach über den Altar klatschen und dir das Herz herausschneiden. Könnte also schwierig werden. Ansonsten gibt es da noch diese seltsame schwarze Festung im Süden der Insel, auf der Klippe über dem Meer. Angeblich sollen dort Morras leben, die den Schöpfer verehren und sich auf Magie verstehen. Ich hab‘ aber keine Ahnung, ob das stimmt, und wie sie zu Orakas oder auch nur zu anderen Morras stehen. Die Festung hab‘ ich auch nur einmal aus der Ferne gesehen, und ich hätte mich auch nicht gerade drum geschlagen, näher ranzugehen … Tja, das sind so ziemlich alle Ideen, die ich gerade beizusteuern habe, fürchte ich.“

Venom
20.12.2024, 11:24
Die Sonne stand hoch am Himmel, und die warmen Strahlen brachen durch die Äste der Bäume, die sie umgaben. Nahe dem Lagerfeuer, das nun nur noch ein schwaches Glühen war, saß Venom und beschäftigte sich mit seiner Ausrüstung. Nachdem vergangenen Abenteuer musste er sicher gehen, dass alles noch in bester Form und überhaupt vorhanden war.
Es war eine fast meditative Tätigkeit, aber seine Gedanken waren weit weg, gefangen in einem Wirrwarr aus Eindrücken und Überlegungen. Die Begegnung mit dem Schattenwesen war ein Dreh- und Angelpunkt, den er immer wieder analysierte. Was war es gewesen? Und warum hatte es ihn gewählt?
„Was ist mit deinen Leuten?“ Ska’ris Stimme riss ihn aus seinen Gedanken. Die Orkin saß ihm gegenüber und beobachtete ihn aufmerksam.
Er legte den Lappen beiseite und zog seinen Bogen hervor, begann, die Sehne zu überprüfen. „Ich werde sie nicht sofort suchen“, antwortete er schließlich, ohne aufzusehen. „Es ist keine Dringlichkeit dahinter. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, werde ich es tun, ja. Und wenn ich sie finde, könnten sie uns bei unserem Vorhaben unterstützen. Mir scheint uns bleibt auch noch die Frage, bleiben wir zusammen oder trennen wir uns vorerst um effizienter zu suchen.“
Venom dachte kurz nach. „Beides hat seine Vor- und Nachteile. Wenn wir zusammenbleiben, sind wir sicherer, und wir können uns gegenseitig unterstützen. Aber getrennt könnten wir schneller Informationen sammeln. Es kommt darauf an, was wir als nächstes tun.“
Er legte den Bogen beiseite und lehnte sich zurück, die Hände hinter seinem Kopf verschränkt. „Die Schwarzmagier wären eine Option“, fuhr er fort. „Die sind immer bestens informiert, wenn es um solche Dinge geht. Und sie haben keine Scheu, sich mit dunklen Mächten einzulassen. Vielleicht wissen sie, wer das Siegel erneuert hat – oder wie man es brechen kann.“
Die Sonne wanderte weiter, und die Schatten um sie herum wurden länger. Schließlich erhob sich Venom und begann, seine Ausrüstung zusammenzupacken. Es würde bald Zeit sein, den nächsten Weg einzuschlagen.

Ska'ri
28.12.2024, 12:50
„Uns trennen?“ Ska’ri zog die Augenbrauen hoch und grinste schief. „Vergiss es, Kleiner! Solange du die einzige Verbindung bist, die ich zu Krul habe, wirst du schön bei mir bleiben! Und außerdem habe ich das Gefühl, dass dieser Dämon für uns beide irgendwelche Pläne hat.“
Wie so oft in der letzten Zeit wanderte ihre Hand zu dem Anhänger um ihren Hals, den aus dem Bruchstück einer rätselhaften Beliar-Statue. Dabei kam ihr ein Gedanke. Sie zog den Anhänger hervor und ließ ihn von ihrer Hand baumeln. Der pechschwarze Stein schillerte ölig im Licht der Sonne und Ska’ri konnte sich des Gefühls nicht erwehren, dass sie … beobachtete wurde. Nicht durch jemanden, der ihr Böses wollte, sondern als wenn ein Meister die Fortschritte seiner Schüler registrierte und sich im Kopf Notizen machte, ohne einzugreifen. Aber vielleicht bildete sie sich das auch nur ein – Wunschdenken, weil sie nicht auf sich allein gestellt sein wollte?
„Dieses Bruchstück hier stammt von einer Statue des Schöpfers, die ich in einer Burgruine hier in den Bergen gefunden habe – dort, wo Krul verschwunden ist“, erläuterte sie Venom, „Und sie hat eine Verbindung zu dem eingesperrten Dämon. Vielleicht würde es sich lohnen, die Burgruine noch einmal aufzusuchen? Ich habe sie zwar gründlich abgesucht, aber vielleicht habe ich etwas übersehen? Die Burg war nicht weit von hier, an einem Pass ein Stück Richtung Süden – und wenn wir zu den Schwarzmagiern wollen, müssen wir ohnehin nach Süden. Selbst wenn wir nichts finden sollten, würden wir also nicht viel Zeit verlieren.“

„Wo gehen wir als nächstes hin?“, fragte plötzlich Er’esh, der nichts von dem verstanden hatte, was Ska’ri in der Sprache der Morras erzählt hatte. Im Gegensatz zu ihr war er nicht auf Argaan geboren, wo sie ihre Kindheit in Frieden mit den Morras verbracht hatte, sondern er war der Sohn eines waschechten Karrek, der sich nie die Mühe gemacht hatte, die Sprache der von ihm so verachteten Morras zu erlernen. Und Er’esh hatte nie großes Interesse an intellektuellen Herausforderungen gehabt, er betätigte lieber seinen massigen Körper als seinen Geist, daher hatte er die Sprache der Morras ebenfalls nie erlernt.
Ska’ri seufzte. „Ja, hör mal, Großer … Ich glaube, es ist besser, du gehst zum Clan zurück. Ich werde mich mit Venom auf die Suche nach einer Möglichkeit machen, das Siegel unter dem Berg zu brechen, das den Boten des Schöpfers dort gefangenhält, aber dafür werden wir uns wahrscheinlich früher oder später unter Morras begeben müssen. Also … es wird mehr … Fingerspitzengefühl nötig sein. Du bist einfach zu … groß!“
Er’esh musterte sie zweifelnd und kaute dabei auf einem Stück Trockenfleisch. „Hast du dir das auch gut überlegt? Hast du einen Plan?“, fragte er schließlich.
„Ich …“
„Natürlich nicht.“ Er’esh seufzte. „Du und Krul, ihr lauft doch einfach immer eurer Nase nach. Was, wenn die Morras versuchen, dich umzubringen? Willst du sie mit deinem Zahnstocher da aufhalten?“ Er deutete auf Ska’ris Schwert – eine Morra-Klinge, die sie von Griffin bekommen hatte, diesem Morra aus dem Sumpf, der ihr das Leben gerettet hatte, als sich eine Kampfverletzung entzündet und sie beinahe umgebracht hätte.
Die Waffe war in der Tat merklich kleiner und leichter als die üblichen Schwerter der Orakas, aber gerade das gefiel Ska’ri an ihr: Es kam ihrem Kampfstil, der mehr auf Geschwindigkeit und Beweglichkeit setzte als auf rohe Kraft, entgegen. In den vergangenen Monaten hatte sie viel Zeit damit verbracht, ihre Schwertkunst zu verbessern, und deutliche Fortschritte gemacht – nicht zuletzt wegen der Waffe selbst. Aber das hinderte die anderen Orakas natürlich nicht daran, sie für die Verwendung des Morra-Schwertes zu belächeln. Und gerade Er’esh konnte nicht verstehen, wieso sie nicht mit einer ‚ordentlichen‘ Waffe kämpfen wollte.
„Er’esh … die Sache ist … ich will es gar nicht so weit kommen lassen, dass irgendwelche Morras mich umbringen wollen. Aber wenn du bei uns bist – ich meine, dich erkennt man sofort als Orak! Unter den Morras wärst du wie ein verdammter Leuchtturm! Ich bin ja schon groß für die. Aber du? Vergiss es! Der erste Morra, dem wir über den Weg laufen, jagt dir auf dreihundert Schritt Entfernung einen Bolzen ins Gesicht! Oder verwandelt dich in eine Kröte, oder was auch immer diese Magier von der Küste machen, die wir aufsuchen wollen. Nein, es … es geht nicht. Du bist einfach zu auffällig.“
Er’esh sah sie lange und durchdringend an. Er schien nicht recht überzeugt zu sein, und Ska’ri legte sich im Kopf schon die nächsten Argumente zurecht, als er nickte.
„Also gut, kleine Schwester“, brummte er, „Ich bin zwar nicht überzeugt, aber ich kenne diesen Ausdruck. Ja, genau den! Du hast es dir in den Kopf gesetzt. Also wirst du dich nicht davon abbringen lassen. Versprich mir nur, pass auf dich auf und mach keinen Blödsinn!“
Ska’ri grinste erleichtert. „Blödsinn? Ich? Würde ich doch niemals!“
Er’esh seufzte und rollte mit den Augen.

Wenig später hatten sie ihre Sachen zusammengepackt und es wurde Zeit für den Aufbruch. In einem Anfall unorkischer Emotionalität verpasste Ska’ri Er’esh zum Abschied eine Umarmung, die ihm wohl doch ein wenig unangenehm lange dauerte, bevor sich ihre Wege trennten. Er’esh machte sich an den Abstieg in nordöstliche Richtung, wo der Karrek sein Lager vor den Ruinen der Morra-Stadt Setarrif aufgeschlagen hatte, während Venom und Ska’ri sich nach Süden wandten. Ein schmaler Gebirgspfad führte in etwa in die Richtung, in der Ska’ri die Burgruine vermutete.

Obwohl der Weg schmal, steinig und oft steil war, genoss Ska’ri die Wanderung unter freiem Himmel. Die Luft war kalt und klar, sie roch nicht nur nach muffigem, nassen Gestein wie in der Höhle, und die Sonnenstrahlen wärmten ihre Haut. Sie war so guter Laune wie schon lange nicht mehr – endlich hatte sie eine Spur, die sie vielleicht zu Krul führen würde, und wieder ein Ziel vor Augen.
„Sag mal, Venom“, wandte sie sich an den Morra, der hinter ihr ging, „Wenn wir schon die nächste Zeit miteinander verbringen werden, erzähl doch mal von dir! Wo kommst du her? Was machst du so? Hast du ‘ne Freundin?“

Ylva
21.01.2025, 17:12
Die fliehende Wärme des Sonne genießend saß die Jägerin auf einem Felsen vor der schroffen Landschaft der sich auftürmenden Berge. Die schneebedeckten Gipfel machten ihren Einfluss geltend und brachten auch noch in die tieferen Lagen Kälte und Eis. Lediglich ein paar Gebirgsbäche trotzten dem Frost und plätscherten wie eh und je durch ihr steiniges Bett. Das Wasser selbst war klirrend kalt, doch die ständige Bewegung verhinderten jeden Versuch des Eises, Fuß zu fassen. Die wenigen Bäume, die auf dieser Höhe noch wuchsen beugten sich unter dem Gewicht des Schnees, in der Hoffnung die schwere Last abschütteln zu können. Es wäre gespenstisch still gewesen, wenn nicht im Hintergrund das Rauschen des Wassers gewesen wäre und ab und zu ein Adler der weit über ihr seinen gellenden Schrei vernehmen ließ. Sie hatte versucht, einen jener majestätischen Vögel mit ihrer Magie zu erreichen. Gedanken auszutauschen, Emotionen zu vermitteln, vielleicht für einen Moment das vage Gefühl zu fliegen verspüren. Doch der Raubvogel war zu weit entfernt, schwebte erhaben über sie und ließ sich nicht von ihr beirren. Es war so, als würde eine Ameise zu ihr rufen. Zu leise, zu schwach, zu unbedeutend.
Sie nahm einen kleinen, scharfkantigen Stein, der sich von dem großen Felsbrocken gelöst hatte. Über Äonen, durch Wind und Wasser und Eis hatte er sich von seiner Mutter trennen können, war abgeplatzt und lag nun doch hier, als hätte er seinen Ambitionen nicht folgen können. Ylva grinste bei dem Gedanken, dass dieses Stück Mineralik über Ambitionen und Wünsche verfügte und ließ ihn einen Fingerbreit über ihrer Handfläche schweben. Inzwischen hatte sie kaum noch Probleme dabei. Sie hatte angefangen sich daran zu gewöhnen, das beständige Pochen der Magie in ihren Ohren zu hören, wenn sie sich darauf konzentrierte. Fast schon fand sie angenehm, wenn der Rhythmus wie Ebbe und Flut über sie kam. Intensiv und urtümlich. Das Steinchen in ihrer Hand begann beim Gedanken daran, sich um seine eigene Achse zu drehen wie ein verrückt gewordener Kompass. Gedankenverloren betrachtete Ylva den Stein, als ein Geräusch sie jäh zurück in die Realität brachte. Es war der Adler, der unnahbare König der Lüfte, der sie bemerkt zu haben schien und nun näher umkreiste. Der Stein fiel der überraschten Jägerin in die Hand, wo er kalt und schwer liegen blieb. Hatte der Vogel etwas bemerkt? Hatte sich ein unvorsichtiges Murmeltier vorzeitig aus dem Bau gewagt? Drohte eine Bergziege abzustürzen und brauchte nur einen kleinen Schubser? Oder war es nur eine kleine Maus, ein Happen zwischendurch? Wie gern sie es wissen würde!
Mit einem Aufwallen der Magie versuchte sie erneut Kontakt zu dem nun viel näheren Tier aufzunehmen. Vorsichtig, wie man einen unbekannten Hund streichelte. Vielleicht wollte er in Ruhe gelassen werden. Doch die bedachten Näherungsversuche waren fruchtbar. Und nicht nur dies, der Adler schien die Kontaktbemühungen an sich zu reißen, die Kontrolle über die Verbindung übernehmen wollen. Und das Tier machte klar, was seine Aufmerksamkeit erregt hatte. Vor ihrem inneren Auge sah die Jägerin ein Bild, gestochen scharf wie aus einem Adlerauge. Es war eine blonde Frau, die auf einem Felsen saß, aus weiter Höhe betrachtet. Irritiert blickte sie nach oben. Der Adler betrachtete sie! Und sie spürte auch, was er fühlte. Aggression. Angriffslust. Das Vertreiben eines territorialen Konkurrenten. Nein, mehr als das. Das Vertreiben eines Feindes.
Die Flügel angelegt, als würde er einen Hasen jagen ging der Vogel in den Sturzflug. Schnell kam er näher. Der Wind rauschte.
Die Jägerin sprang auf.
"Scheiße!" fluchte sie, blickte zu dem Adler herauf, wollte die magische Verbindung stoppen, doch das Tier ließ es nicht zu. Sie sah sich selbst rasch näherkommen, eine hilflose Beute, in das der Vogel nur seine scharfen Klauen treiben musste, mit dem Schnabel zuhacken. Für ein paar Schritte stolperte sie vorwärts, über Raureif und Schnee, blickte sich um und verlor in kopfloser Panik fast die Orientierung. Sie warf sich hin, spürte wie der Adler knapp über ihren Kopf hinwegrauschte. Seine Krallen streiften über ihr Haar, doch ohne sich festkrallen zu können.
"Helvete!" schrie sie sprang auf und sah, wie der Raubvogel einen Kreis flog, kehrt machte und wieder auf sie zuflog. Doch diesmal blieb sie stehen. Sie war kein verschrecktes Schneehuhn, sondern eine Nordmarerin. Sie kam aus einem Volk der Krieger, die nicht rannten. Den Stein, den sie aufgenommen hatte, spürte sie noch immer in ihrer Hand. Sie packte ihn fest und wartete auf ihren Gegner.
Mit einem Krachen, die Krallen voraus prallte der Adler auf sie, hielt sich fest und versuchte mit dem Schnabel auf ihren Hals zu picken. Sie selbst versuchte wiederum, den Vogel mit einer Hand in Schach zu halten und mit der anderen zuzuschlagen. Der Stein ließ Knochen im Adler brechen, die Krallen rissen tiefe Wunden in ihren Arm, durch Leder und Leinen hindurch. Ein Gerangel, aus dem eine Zeit lang niemand siegreich hervorkam, eine Wolke aus Blut, Federn und Armen. Immer wieder versuchte die Jägerin zuzuschlagen, ihn empfindlich zu treffen, bis sie ihn endlich am Kopf traf. Der Schnabel riss ihre Hand auf, doch der Vogel fiel zerschmettert und tot zu Boden, in einer Wolke aus Federn. Die Nordmarerin sank daneben, verletzt und blutend, den Stein noch immer in der Hand.
"Was zur Hölle?!" ächzte sie. Seit wann griffen Adler Menschen an? Und warum mit solcher Vehemenz? Der Stein rutschte aus ihrer Hand, während ihre Gedanken kreisten. Vor ihren Augen wurde es schwarz, doch sie zwang sich aufzustehen, wankend, schwindelnd. Hier ohnmächtig zu werden, in der Kälte, blutend, würde ihren sicheren Tod bedeuten.

Venom
27.01.2025, 14:31
Die Sonne schien grell und schien die karge Landschaft des Gebirges noch karger wirken zu lassen. Der schmale Pfad schlängelte sich an steilen Klippen entlang, und die Steine unter ihren Füßen knirschten bei jedem Schritt. Venom ging hinter Ska'ri, seine Bewegungen konzentriert und bedacht. Der andere Ork war bereits zu seinem Stamm zurückgekehrt. Venom hatte sich nicht lange damit aufgehalten – sie hatten keine gemeinsame Sprache und sich daher wenig austauschen können.
Der Wind zerrte an ihren Mänteln, und lose Kieselsteine rutschten den Hang hinunter, wenn einer von ihnen einen besonders instabilen Schritt machte. Der Weg erforderte ihre volle Aufmerksamkeit, besonders an den Stellen, wo der schmale Pfad zu einem rutschigen Grat wurde. Doch Ska’ri war nicht der Typ, der sich von der Umgebung oder der Gefahr ablenken ließ, und plötzlich durchbrach ihre Stimme die monotone Stille des Gebirges.
„Wenn wir schon die nächste Zeit miteinander verbringen werden, erzähl doch mal von dir! Wo kommst du her? Was machst du so? Hast du ‘ne Freundin?“
Venom spürte, wie sich seine Schultern versteiften. Er war nicht gerade ein Plauderer, und schon gar nicht jemand, der gerne persönliche Dinge teilte. Einen Moment lang schwieg er, setzte einen Fuß vorsichtig vor den anderen und versuchte, den Fokus auf den schmalen Pfad zu behalten. Doch Ska’ri war hartnäckig – sie wartete auf eine Antwort, und das Schweigen zwischen ihnen schien durch die Bergluft nur noch drückender zu werden.
„Ich komme ursprünglich von Khorinis“, begann er schließlich, seine Stimme fast widerwillig. „Falls du davon gehört hast.“ Er hielt kurz inne, tastete nach dem nächsten sicheren Stein und setzte seinen Weg fort. „Habe die letzten Jahre in Varant verbracht. Da gibt’s viel Arbeit für Leute wie mich – Söldner, verschiedene Aufträge, sowas in der Richtung.“
„Und die Freundin?“ hakte Ska’ri nach, ein Schmunzeln in der Stimme.
Venom stieß einen kurzen, schnaubenden Laut aus, der wie ein halbes Lachen klang. „Nein“, antwortete er knapp, ohne den Kopf zu ihr zu drehen.
„Überraschung“, murmelte sie, mehr zu sich selbst als zu ihm, und ließ das Thema fürs Erste ruhen.
Einige Minuten vergingen in Stille, nur unterbrochen vom gelegentlichen Zischen des Windes und dem Knistern von Stein unter ihren Stiefeln. Doch Venom ließ ihre Fragen nicht los. Er hatte sich an die Isolation gewöhnt – daran, allein zu sein und anderen nicht zu viel über sich preiszugeben. Doch hier, auf diesem gefährlichen Pfad, neben einer Reisegefährtin, die ihm weit weniger verschlossen erschien, spürte er ein leises Ziehen in seiner Brust. Unwillkürlich wanderten seine Gedanken zu . . doch er verscheuchte sie zu gleich wieder. Das war nicht der richtige Zeitpunkt.
Er sagte jedoch nichts mehr, und als der Weg sie weiter nach oben führte, kam die Ruine endlich in Sicht. Ein verfallenes, graues Bollwerk zeichnete sich gegen die Felsen ab, überwuchert von Moos und wildem Gestrüpp. Ska’ri blieb stehen, um den Anblick in sich aufzunehmen, während Venom seinen Blick auf das Gebäude richtete. Irgendwo dort drin warteten Antworten – oder vielleicht noch mehr Fragen.

Ylva
31.01.2025, 17:54
Die Schneegrenze lag hinter ihr. Die Felsen und der karg bewachsene Boden lag wieder frei. Weich und matschig war der Untergrund, und die Jägerin musste aufpassen, nicht auszurutschen. Sie stolperte vorwärts, nahm ihre Umgebung kaum wahr und hielt sich den zerkratzten Arm und den Torso. Ihre Kleidung haftete an den Wunden, die der Adler geschlagen hatte und brachte die Kälte unangenehm nah. Es wäre nicht schwer gewesen, ihrer Spur zu folgen, hätte man es gewollt. Schwere Fußstapfen in weichem Boden und hier und da ein paar blutige Flecken hätten es nicht nur jedem Menschen, sondern auch jeden Raubtier einfach gemacht. Zum Glück lag sie als Mensch nicht unbedingt im Beuteschema der meisten Tiere. Zu wenig Fleisch für zu viel Ärger. Warum einen Menschen reißen, wenn das Reh viel weniger Gegenwehr bot? Doch sie war geschwächt und würde sich kaum noch einem Tier widersetzen können. Und außerdem – sie hatte auch nicht gedacht, von einem Adler angegriffen zu werden! Bei den Ahnen, von so etwas hatte sie noch nie gehört!

Der Schmerz pochte in ihrem Körper, mal dumpf und weit, dann wieder stechend und eng. Es bereitete ihr Übelkeit und Schwindel. Sie wusste nicht, in welche Richtung sie stolperte. Nur, dass da auf einmal Bäume waren. Ein paar Schritte noch, dann lehnte sie sich an einen Stamm, schwer atmend und ächzend. Es wurde schwerer, sich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren, einen klaren Gedanken zu fassen. Da war nur der Wunsch, sich hinzulegen, Ruhe zu finden, auf dem weichen Waldboden Rast zu machen und wieder Stärke zu finden. Ein letzter Rest der Verzweiflung in ihr sträubte sich dagegen und wollte weiter, doch ihre Beine versagten ihr. Sie versuchte noch einen Schritt, aber sackte zusammen, während ihr Schwarz vor Augen wurde und sie nur noch – wie weit entfernt – bemerkte, wie ihre Knie auf den Boden trafen und sie zur Seite fiel.

Ska'ri
01.02.2025, 22:07
„Schöner Mist, was wollen die denn hier?“, grummelte Ska’ri und zog sich wieder hinter den Felsen zurück, über den sie einen Blick auf die vor ihnen liegende Ruine geworfen hatte.
Venom sah sie fragend an: „Was ist?“
„Dings … Rinunik … äh, wie nennt ihr die Viecher doch gleich? Ach ja, Beißer. Ein ganzes Rudel. Sie haben es sich vor der Anlage und im Vorhof bequem gemacht.“
„Und wenn wir einfach warten, bis sie weiterziehen?“
„Werden sie nicht. Ich habe ein paar Nester gesehen. Sie haben sich hier häuslich eingerichtet, die blöden Kröten! Ich glaube, sie haben einige der Leichen ausgegraben. Der Geruch muss sie angelockt haben.“
„Leichen?“
„Ist schon eine Weile her, aber hier hat es ein größeres Gefecht (https://forum.worldofplayers.de/forum/threads/1485866-Wei%C3%9Faugengebirge-7?p=27223406&viewfull=1#post27223406) zwischen Orakai und Morras gegeben. Ich war dabei. Kann von Glück sagen, dass ich überlebt habe. An dem Tag ist auch Krul verschwunden.“ Kurz huschte ein unsicheres Lächeln über Ska’ris Gesicht, als die Erinnerungen an jenen Tag in ihrem Geist aufflackerten. „Die Toten wurden hinterher hier in einem Massengrab verscharrt. Die Erde ist aber aufgewühlt, ich schätze, die Rinunik haben sich geholt, was von den Körpern noch übrig war, und dann beschlossen, sich dauerhaft hier breit zu machen.“
Venom ließ seinen Blick zu der hinter den Felsen auftragenden Turmspitze wandern, bevor er sich wieder Ska’ri zuwandte: „Und was machen wir jetzt? Es einfach sein lassen und weiter zu den Schwarzmagiern?“
Die Orkin schüttelte den Kopf. „Nein, wir können trotzdem den Turm erreichen. Es gibt einen Weg, um von hinten in die Befestigung zu gelangen – dann müssen wir nicht unmittelbar an den Viechern vorbei. Der Wind steht auch gerade günstig, so dass er unsere Witterung nicht zu ihnen trägt. Das einzige Problem ist …“ Sie sah Venom an und runzelte nachdenklich die Stirn.
„Das Problem ist?“
„Das Problem ist, wir müssen leise sein, aber du trampelst durch die Gegend wie ein brunftiger Bergtroll! Hast du dich etwa noch nie nach ‘nem Besäufnis im Bett von irgend so einer Schabracke wiedergefunden und musstest dann unbemerkt aus dem Zimmer verduften? Ach, was frag ich eigentlich, du doch nicht!“ Ska’ri rollte theatralisch mit den Augen. „Sag mal, lebst du eigentlich auch mal? Du bist ja bald so schlimm wie Krul! Kein Wunder, dass er gerade dich ausgesucht hat, schätze ich …“ Sie konnte sich ein albernes Kichern nicht verkneifen, obwohl – oder gerade weil – Venom sich größte Mühe gab, seine ausdruckslose Miene aufrecht zu erhalten. Der alte Langweiler! Die Orkin schüttelte den Kopf und winkte ab. „Okay, sei‘s drum. Es ist eigentlich nicht schwer. Pass auf: Du beugst ein wenig die Knie durch – nicht sehr, nur ein bisschen, um einen etwas tieferen Schwerpunkt zu bekommen. Der Oberkörper bleibt aufrecht und gerade. Jetzt solltest du in der Lage sein, ohne große Probleme ein Bein anzuheben und dabei stabil auf dem anderen Bein zu stehen, so dass du deinen Fuß langsam und vorsichtig wieder aufsetzen kannst. Wenn du dann noch darauf achtest, wo du hintrittst und nicht auf morsche Äste oder lose Steine latschst, haben wir vielleicht sogar eine Chance, nicht um unser Leben rennen zu müssen.“ Sie demonstrierte den Bewegungsablauf. „Kriegst du das hin, Kleiner? Pass auf, wir machen folgendes: Du stellst dich da hinten hin, zu dem Felsen, genau … Und ich stehe hier und schaue in die andere Richtung. Versuch, dich an mich heranzuschleichen, ohne dass ich dich höre. Für jedes Mal, dass du es vergeigst, schuldest du mir was zu trinken … und zwar was Anständiges, nicht irgend so ein wässriges Morra-Dünnbier, klar? Na dann, los geht’s!“

Venom
02.02.2025, 13:07
Der Wind pfiff leise durch die Berge, während Ska’ri sich vor Venom aufbaute und ihn erwartungsvoll ansah.
Venom verzog keine Miene. Er wusste selbst, dass Schleichen nicht gerade seine Stärke war. Ska'ri hingegen bewegte sich mit einer Leichtigkeit, die fast schon instinktiv wirkte. Vielleicht konnte er doch etwas von ihr lernen.
Venom tat sein Bestes, ihren Anweisungen zu folgen, und spürte sofort, wie ungewohnt die Haltung war. Sein Körper war es gewohnt, fest aufzutreten, nicht auf leisen Sohlen zu schleichen. Dann tat er, wie geheißen, stellte sich hinter den Felsen und nahm eine geduckte Haltung ein. Ska'ri wandte sich von ihm ab, Venom schien es als ob sie gerade noch eine Augenbraue hoch zog.
Konzentriert setzte er sich in Bewegung. Jeder Schritt musste bedacht sein. Langsam verlagerte er sein Gewicht, hob vorsichtig einen Fuß und suchte einen festen Punkt für den nächsten Tritt. Der Untergrund war tückisch – lose Kiesel, knorrige Wurzeln. Ska'ri stand mit verschränkten Armen da, den Rücken zu ihm gewandt, aber er konnte spüren, dass sie angespannt lauerte, nur darauf wartend, einen Fehler zu bemerken.
Sein dritter Schritt geriet zu hastig – ein kleiner Stein verrutschte unter seinem Fuß. Ska'ri drehte sich blitzschnell um.
„Aha!“ Sie grinste triumphierend. „Das war Nummer eins. Bist du sicher, dass du nicht gleich ein Fass spendieren willst?“
Venom schnaubte leise und richtete sich wieder auf. „Noch mal.“
Er startete von vorn, konzentrierter diesmal. Ska'ri beobachtete ihn nicht, aber sie wusste genau, wo er war – sie schien ihn fast zu spüren. Doch mit jedem Versuch wurde seine Bewegung geschmeidiger. Das Gewicht verlagern, die Kontrolle bewahren, jeden Schritt mit Bedacht setzen.
Nach mehreren Anläufen schaffte er es, sich fast lautlos bis auf einen Meter an sie heranzupirschen, bevor sie schließlich doch sein leises Atmen bemerkte und sich grinsend umdrehte.
„Besser“, gab sie zu. „Aber das mit dem Atmen üben wir noch.“
Venom stieß einen knappen Laut aus, zwischen Zustimmung und Frustration. Aber eines musste er sich eingestehen – diese Übung war tatsächlich nützlich. Und er hatte sie nicht ganz so schlecht gemeistert, wie er anfangs befürchtet hatte. Doch dies war mehrmals auf dem selben Untergrund gewesen, ging ihm noch durch den Kopf. Auf einer unbekannten Strecke würde er noch mehr aufpassen müssen, insbesondere wenn es dann wirklich darum ging nicht bemerkt zu werden ...

Ska'ri
03.02.2025, 02:29
Als Venom ihr schließlich auf die linke Schulter tippte, ohne dass sie ihn zuvor gehört hatte, schaute Ska’ri reflexartig nach rechts, denn natürlich machte sich jeder normale Ork einen Spaß daraus, einem auf der falschen Seite auf die Schulter zu tippen.
Aber rechts von ihr war niemand. Sie hätte es sich ja denken können. Klar stand Venom nicht rechts von ihr und grinste sich einen Ast, weil er glaubte, ihr einen Streich spielen zu können, sondern war tatsächlich zu ihrer Linken aufgetaucht und sah so langweilig aus wie immer. Sie seufzte, und Venom zog misstrauisch die Augenbrauen zusammen.
„Was?“, wollte er wissen.
„Ach, nichts.“ Ska’ri winkte ab. „Jedenfalls, ich habe dich nicht gehört – gut gemacht! Das ging schneller, als ich gehofft hatte. Trotzdem … du schuldest mir sechs Getränke, und glaub bloß nicht, dass ich vergesslich wäre!“
Sie streckte sich kurz und warf noch einmal einen Blick über den Felsen, von dem aus sie die Ruine und das Beißerrudel überblicken konnte. Da bereits der Abend dämmerte, dösten die meisten der Tiere vor sich hin oder vertrieben sich die Zeit damit, müßig herumzutrotten und hier und dort in der Erde zu scharren. Ein paar Jungtiere tollten zwischen den Beinen ihrer Eltern herum, aber insgesamt herrschte keine große Aktivität in dem Rudel.
Ska’ri nickte Venom zu und schulterte ihr Bündel: „Sieht gut aus. Die Viecher sind größtenteils am pennen. Wenn wir ein bisschen vorsichtig sind, sollten wir eigentlich ohne Probleme an ihnen vorbeikommen, selbst wenn du mal hier und dort einen Kiesel lostrittst. Halt trotzdem deinen Bogen bereit, nur für alle Fälle. Fertig? Hier geht’s lang!“

Ska’ri hatte den Pfad, der auf der Rückseite der Ruine entlangführte, entdeckt, als sie die Anlage, die damals noch einer Gruppe Morra-Banditen als Lager diente, für den geplanten Angriff der Orks ausgekundschaftet hatte. Über den schmalen, kaum einsehbaren Weg hätten die Orkkrieger unbemerkt von den Wachen durch eine Lücke in der verfallenen Ummauerung in die Ruine eindringen und die Morras mit einem Überraschungsangriff überwältigen können – doch Chror, der Schwarzork-Befehlshaber, hatte von solch einer ‚feigen‘ Taktik natürlich nichts hören wollen. Ganz im Gegenteil, er hatte nicht nur einen Frontalangriff auf das gut befestigte Tor angeordnet, sondern den Morras auch noch Zeit gegeben, sich vorzubereiten! Etliche junge Orkkrieger hatten nur deswegen an jenem Tag ihr Leben lassen müssen. Ob Chror selbst noch leben würde, wenn er auf Ska’ris Vorschlag gehört hätte? Ob Krul dann noch bei ihr wäre…?

Ska’ri verscheuchte die grüblerischen Gedanken. Es war müßig, sich über irgendwelche ‚Was wäre wenn…?‘-Szenarien den Kopf zu zerbrechen. Sie musste sich auf das Hier und Jetzt konzentrieren.
Es dauerte nicht lange, bis die verfallenen Mauern vor ihnen auftauchten. Ska’ri bedeutete Venom mit einer knappen Handbewegung, für einen Moment stehen zu bleiben, und schlich allein vor, um einen Blick durch den Spalt zu werfen.
Auf dem Hof der Anlage türmten sich die verkohlten Überreste der Zelte und simplen Holzunterkünfte, die von den Banditen errichtet worden waren, und zwischen ihnen konnte Ska’ri hier und dort abgenagte und aufgebrochene Knochen entdecken, was ihre Theorie bestärkte, dass die Beißer das Massengrab aufgewühlt und die dort beerdigten Orks und Morras aufgefressen hatten.
Die Tiere lagerten noch immer auf der gegenüberliegenden Seite des Hofes um das Tor herum und damit in ausreichender Entfernung zum Turm. Ska’ri winkte Venom zu sich: „Okay, sieht gut aus“, flüsterte sie, „Wir halten uns möglichst dicht an der Mauer, dann sollten wir zum Turm gelangen können, ohne dass die Beißer uns bemerken. Pass vor allem auf Gestrüpp und trockene Äste auf! Überhaste nichts, geh lieber langsam und vorsichtig. Und falls die Viecher uns doch angreifen sollten – dann rennen wir zum Turm, klar? In dem engen Treppenhaus können wir uns notfalls auch gegen das ganze Rudel verteidigen.“ Venom nickte. Falls er nervös sein sollte, ließ er es sich nicht anmerken. Ska‘ri zog ihr Schwert, auch wenn sie hoffte, es nicht einsetzen zu müssen, und setzte sich in Bewegung…

Venom
04.02.2025, 22:33
Die Ruine erhob sich vor ihnen, eine geisterhafte Silhouette gegen den Himmel. Der Turm ragte hoch auf, sein Mauerwerk von der Zeit gezeichnet, und der Vorhof lag im Zwielicht der gebrochenen Mauern. Doch was Venom wirklich beschäftigte, war das Rudel Beißer, ein Kampf war nun wirklich unnötig.
Venom folgte Ska'ri dicht entlang der bröckelnden Mauer, jeder Schritt eine Prüfung. Er konzentrierte sich auf seinen Tritt, versuchte, den Boden mit dem Ballen zu ertasten, bevor er sein Gewicht verlagerte. Dennoch rutschte hin und wieder ein kleiner Stein unter seinem Fuß weg, und er erstarrte jedes Mal, den Atem anhaltend.
Die Beißer waren da – schattenhafte, zuckende Umrisse im Hof. Gelblich-braune Haut, muskulöse Körper auf zwei Beinen, aber keine Arme. Ihr Maul war grotesk groß, voller nadelspitzer Zähne, die selbst im Dämmerlicht aufblitzten. Einige der Kreaturen dösten, zusammengerollt wie Raubtiere, andere scharrten schläfrig mit den Krallen über den Boden.
Ska'ri bewegte sich wie ein Geist, ihr Körper kaum mehr als ein Schatten in der Mauerlinie. Venom versuchte, sie zu imitieren, doch sein Körper war steifer, unbeweglicher. Ein kleiner Fehltritt ließ ihn leicht gegen einen losen Stein stoßen – der Klang war leise, aber in der unheilvollen Stille fühlte er sich wie ein Donnerschlag an.
Venom hielt inne, das Herz hämmerte. Ein Beißer riss den Kopf hoch, seine schwarzen Augen suchten die Dunkelheit ab. Sekunden verstrichen, in denen Venom seinen Bogen langsam spannte, bereit zu schießen.
Doch dann ließ die Kreatur ein kehliges Schnauben hören und legte sich wieder hin.
Er atmete flach aus.
Im Vorhof erkannte er zwischen den ruinierten Mauern weitere Details – verkohlte Überreste von Zelten, simple Holzunterkünfte, die dem Feuer zum Opfer gefallen waren. Die Erde war gesprenkelt mit verkohlten Balken und schwarzen Ascheflecken.
Und dann waren da die Knochen.
Sie lagen verstreut, aufgebrochen, abgenagt. Einige trugen deutliche Kratzspuren, andere waren so gesplittert, dass das Mark herausgeschabt worden war. Überreste des Kampfes, von dem Ska'ri gesprochen hatte.
Venom musterte die Szenerie mit schmalen Augen, dann huschte sein Blick zu Ska’ri. Sie war völlig still, angespannt, doch in ihren Augen lag ein hartes Funkeln.
Sie deutete mit einer knappen Geste in Richtung des Turms.
Venom nickte.
Langsam, vorsichtig, setzten sie ihren Weg fort.

Ska'ri
05.02.2025, 01:13
Ein leises Knacken hinter ihr ließ Ska’ri kurz erstarren. Venom musste einen der morschen Zweige übersehen haben, vor denen sie ihn gewarnt hatte. Wie zuvor, als er einen kleinen Stein losgetreten hatte, hob einer der Beißer, der es sich im Hof bequem gemacht hatte, den massigen Kopf. Ska’ri biss die Zähne zusammen und fluchte innerlich. Diese verdammten Biester hatten ein wirklich gutes Gehör dafür, dass sie nicht einmal sichtbare Ohren besaßen!
Und diesmal schien das Vieh tatsächlich einen Verdacht geschöpft zu haben. Es erhob sich, sah sich kurz um und begann dann, gemächlich in ihre Richtung zu trotten …
Venom hob schon den Bogen und wollte ihn spannen, aber Ska’ri legte ihm rasch die Hand auf den Arm. Selbst wenn er den Beißer mit einem einzigen Schuss erlegte, würde dies das gesamte restliche Rudel alarmieren.
Rasch klaubte sie einen Stein vom Boden auf und schleuderte ihn mit einem schnellen Unterhandwurf quer über den Hof, wo er an einem verkohlten Holzpfosten abprallte. Der Beißer wirbelte herum und war mit wenigen Sätzen am Ursprungsort des Geräusches, wo er schnüffelnd die Nase in die Luft reckte und mit den Beinen im Boden zu kratzen begann.
Damit war zwar die unmittelbare Gefahr abgewendet, aber es kam Unruhe ins Rudel. Andere Beißer kamen hinzu und bald hallten ihre seltsam gurrenden Rufe über den Hof. Ska’ri bedeutete Venom, dass sie sich beeilen mussten …

Zum Glück war es nicht mehr weit bis zum Turm und sie konnten die letzten Meter überwinden, ohne dass die Raubtiere sie bemerkten. Sie hasteten die Stufen nach oben. Auf der Spitze des Turmes würden sie sicher sein, im Notfall ließ sich die schmale Wendeltreppe sogar gegen ein ganzes Rudel Beißer verteidigen.
Ska’ri warf einen Blick über die Brüstung. Im Hof waren ein paar der Beißer noch immer damit beschäftigt, die Gegend um die verkohlte Hüttenruine abzusuchen, aber sie wirkten wenig enthusiastisch und die ersten hatten sich bereits wieder hingelegt.
„Geschafft!“, stellte Ska’ri zufrieden fest und erlaubte sich einen kurzen Moment der Entspannung. Mit einem schiefen Grinsen wandte sie sich an Venom: „Du warst gar nicht mal sooo scheiße, Kleiner. Vielleicht besteht noch Hoffnung für dich, dein Leben nicht als Trampeltier verbringen zu müssen. Wenn du ab und zu übst … wirklich gute Jäger und Späher können sogar rennen, ohne dass man sie hört!“
„Großartig“, kommentierte Venom trocken, „Aber warum genau sind wir jetzt hier?“
„Deswegen.“ Ska’ri hatte die Reste der Statue direkt entdeckt, als sie die Plattform erreicht hatte. Eine Art Büste aus schwarzem Gestein, die eindeutig den Schöpfer darstellte. Eines seiner sechs Hörner war abgebrochen und Ska’ri trug es an einer Lederkordel um den Hals. Irgendetwas hatte diese Statue mit Kruls Verschwinden zu tun. Nur was? Sie sah Venom an: „Ich weiß nicht … also … spürst du vielleicht irgendwas, oder so?“
Ihr Begleiter runzelte die Stirn und schloss die Augen, konzentrierte sich, legte sogar beide Hände auf die Statue. Aber schließlich schüttelte er den Kopf: „Nein. Gar nichts. Es ist einfach nur eine Figur aus Stein.“
„Verdammt! Ich hatte gehofft, es würde uns irgendeinen Hinweis geben! Genau hier ist nämlich Krul verschwunden. In einem dichten, pechschwarzen … Nebel! Das war nichts natürliches!“ Frustriert hieb Ska’ri mit der Faust gegen das Mauerwerk.
„Die Figur ist schon seltsam …“ Mit verschränkten Armen sah Venom nachdenklich zu der Statue herunter. „Was macht eine Beliar-Statue überhaupt an einem Ort wie diesem? Soweit ich weiß, wird er hier auf Argaan eigentlich nicht verehrt.“
„Außer von uns Orakai“, warf Ska’ri ein.
„Ja, aber das ist keine Ork-Handwerkskunst.“
„Mh, das ist wahr …“
„Aber so alt wie die Ruinen in der Höhle ist der Turm hier auch nicht. Nicht einmal annähernd.“
„Nein. Und trotzdem bestand irgendeine Verbindung zwischen dem Wesen dort unten und der Statue. Zumindest kurzzeitig. Ich meine, es hat mir beinahe die Titten versengt, das blöde Ding, und mir sowas wie eine Vision geschickt, sonst wäre ich ja gar nicht erst auf die Idee gekommen, in diese scheiß Höhle zu gehen! Also wie passt das zusammen? Es muss doch irgendeinen Hinweis geben! Hilf mir mal beim Suchen!“
Gemeinsam suchten sie die Plattform ab, aber ohne Erfolg. Außer der Statue gab es nur Staub und Dreck. Ska’ri stieß eine Reihe unübersetzbarer orkischer Flüche aus, als sie zum fünften Mal dieselbe Ecke durchsuchte und zum fünften Mal nur trockene Blätter und bröselige Ziegel fand.
„Hör auf“, seufze Venom, „Hier ist eben einfach nichts. Vielleicht haben wir bei den Schwarzmagiern mehr Glück.“
„Mh. Wahrscheinlich hast du recht.“ Ska’ri verschränkte die Arme und legte den Kopf in den Nacken. „Am besten bleiben wir über Nacht … Warte mal, ich habe noch eine Idee!“
Venom hob die Augenbrauen. Ihm stand nicht gerade die Begeisterung ins Gesicht geschrieben, aber davon ließ sich Ska’ri nicht aufhalten: „Vielleicht gibt es unten noch etwas! So eine Festung hat ja auch gern mal einen Keller, oder nicht? Lass uns nachsehen!“
Ohne auf Venoms Zustimmung zu warten, schob sie sich an ihm vorbei und lief die Treppe herunter. Sie achtete darauf, nicht zu viel Lärm zu machen – die Gefahr, dass die Beißer sie im Turm bemerken würden, war zwar gering, aber man musste ja kein unnötiges Risiko eingehen.

Als sie das Erdgeschoss erreicht hatte, entdeckte sie tatsächlich nach nur kurzer Suche, worauf sie gehofft hatte: Eine Klappe im Boden! Die Eisenbeschläge und Scharniere waren längst zu unförmigen braunen Klumpen zusammengerostet, aber das Holz war so morsch und verrottet, dass es sich unter Ska’ris Fingern praktisch auflöste. Darunter kam eine unregelmäßige, in den Fels gehauene Treppe zum Vorschein, die in die Tiefe führte.
„Na, was hab‘ ich gesagt?“, raunte Ska’ri triumphierend, als Venom an ihre Seite trat.
„Und wenn es nur der Vorratskeller ist?“, fragte er, ganz der Spielverderber.
„Dann haben sie hoffentlich Schnaps in ihrem Vorrat!“, konterte Ska’ri und zog eine Fackel aus ihrem Bündel, die sie mit ein paar raschen Schlägen mit dem Feuerstein entzündete. „Sehen wir nach!“

Venom
07.02.2025, 12:10
Die Stufen knirschten unter ihren Stiefeln, als Venom und Ska'ri die Treppe hinabstiegen. Ska’ris Fackel warf flackernde Schatten an die rauen Steinwände, während sich der Geruch von feuchtem Gestein und altem Holz in der abgestandenen Luft sammelte.
Unten angekommen, offenbarte sich ihnen ein Gewölbe, das weitaus größer war als die oberirdischen Überreste der Ruine vermuten ließen. Die Decke wurde von steinernen Säulen gestützt, deren Bögen sich hoch über ihnen wölbten. Teile des oberen Bereichs waren einst mit Holz ausgekleidet gewesen, doch nun hingen nur noch morsches Gebälk und Reste alter Plattformen herab, die dem Verfall preisgegeben waren.
Zwischen zerbrochenen Steinen und Holzstücken lagen Überreste einstiger Einrichtung – zerfallene Stühle, verrottete Regale, vielleicht sogar alte Truhen, die unter einer dicken Staubschicht verborgen lagen. Doch nichts davon wirkte, als hätte es jemand absichtlich zerstört. Die Zeit allein hatte hier ihr Werk getan.
Venom ließ seinen Blick schweifen, aufmerksam auf mögliche Hinweise oder Gefahren. Hier unten war schon lange niemand mehr gewesen. Keine Fußspuren im Staub, keine frischen Zeichen von Leben. Nur Stille.
„Scheint doch mehr als nur ein Vorratskeller zu sein.“, murmelte er leise.
Ska’ri trat näher an eine umgestürzte Kommode heran, fuhr mit den Fingern über das spröde Holz und schüttelte dann den Kopf. „Verdammt alt … aber vielleicht finden wir doch noch was hier.“
Sie bewegten sich vorsichtig durch das Gewölbe, während die Dunkelheit jenseits des Fackelscheins sie wie eine drohende Wand umgab.

Venom
10.02.2025, 17:04
Venom und Ska’ri bewegten sich langsam durch das Gewölbe, ihre Augen stets wachsam auf mögliche Hinweise gerichtet. Zwischen den zerfallenen Möbelstücken und dem Geröll fanden sie erste Anzeichen, dass hier einst Anhänger Beliars gewirkt hatten. Auf einem umgestürzten Tisch lagen vergilbte Pergamente mit fremdartigen Schriftzeichen, daneben ein zerbrochener Kerzenständer, dessen Wachsreste die Symbole eines dunklen Rituals verdeckten. In die Wände waren verblasste Zeichen eingeritzt – Kreise, Linien und Formen, die Venom nicht verstand, doch Ska’ri erkannte einige davon als Symbole des dunklen Gottes.
„Definitiv Anhänger des Schöpfers.“, murmelte sie und strich mit den Fingern über eine Gravur. „Aber das hier ist uralt.“
Venom nickte und blickte nach oben. Die Reste der Holzkonstruktion, die einst eine zweite Ebene gebildet hatte, waren noch immer vorhanden, wenn auch in erbärmlichem Zustand. Ska’ri folgte seinem Blick und grinste schief.
„Willst du da hoch? Ich sag’s dir gleich – das wird nicht einfach. Das Holz sieht aus, als würde es bei der kleinsten Belastung zusammenbrechen.“
Venom musterte die morschen Balken. „Vielleicht gibt es da oben noch was Interessantes.“
„Dann solltest du es mit Bedacht angehen. Balance ist hier alles. Beug die Knie leicht, verteile dein Gewicht gleichmäßig. Geh nicht einfach drauf los.“
Venom nickte und kletterte wenig elegant auf eine stabil aussehende Querstrebe. Mit vorsichtigen Schritten arbeitete er sich weiter vor, immer darauf bedacht, sein Gewicht gleichmäßig zu verteilen. Anfangs klappte es erstaunlich gut – bis ein Balken unter seinem Fuß knackte.
Mit einem Fluch versuchte Venom, sich irgendwo festzuhalten, doch das morsche Holz bot keinen Halt. Die nächste Sekunde gab der gesamte Bereich unter ihm nach, und mit einem Krachen fiel er durch die Zwischendecke hinab. Holzsplitter flogen durch die Luft, Staub wirbelte auf, und ein dumpfer Schlag hallte durch das Gewölbe.
Ska’ri blinzelte zu ihm hinunter, die Hände in die Hüften gestemmt. „Tja, das war wohl nichts. Ich hab’s dir ja gesagt.“
Venom grummelte und rappelte sich auf. Bis auf ein paar Schrammen war er unverletzt.
„Gute Nachricht: Das kann draußen nicht gehört worden sein. Schlechte Nachricht: Dein Gleichgewichtssinn braucht noch Übung.“
Venom klopfte sich den Staub von der Kleidung und sah zu ihr hoch. „Danke für den Tipp. Ich arbeite dran.“
Ska’ri grinste. „Das solltest du. Aber immerhin war’s unterhaltsam.“
Nachdem Venom sich gesammelt hatte, setzten sie ihre Erkundung fort, diesmal mit beiden Füßen fest auf dem Boden.

Kiyan
14.02.2025, 19:54
„Wieso sollte ich mir die Gelegenheit entgehen lassen, meine Schießkünste an Orks zu erproben?“, fragte Kiyan grimmig und blickte von Onyx zu Turya. Die Veteranin musterte ihn einige Augenblicke nachdenklich, fragend. Der Waldstreicher sah den Blick und lachte ein knappes, hartes Lachen, ein unangenehmer Ton frei jeglicher Freude.
„Ich habe euch gesagt, dass mir ein Ork das hier“ – er deutete auf die leere Augenhöhle – „angetan hat. Ihr wisst, dass ich mit ganzer Seele ein Mann des Waldvolkes bin, dass mein Eid als Wächter unterm Hauptmann und später als Jäger unter Ricklen dem Wohlergehen der Gemeinschaft gilt. Ich glaube an Adanos, an Sein Werk und Seine Schöpfung … aber diese dreckigen, haarigen Missgeburten sind nicht die Schöpfung meines Gottes …“
Er schwieg, als er die Blicke bemerkte. Schüttelte den Kopf, da er nicht erwartete, dass sie das Ausmaß seines Hasses verstanden. Dies war jedoch kein fanatischer Hass, kein fundamentalistisches Denken, sondern die kalten Gedanken kalter Rache, die er üben würde.
„Jagen wir Orks“, brachte Kiyan nur heiser hervor und bewegte sich vorwärts.

So bewegten sich die Gefährten durch den Dschungel in Richtung der Ausläufer des Weißaugengebirges, die hier bis an die Stadt heranreichten. Während sich die Wälder lichteten und die Steigung zunahm, konnten sie irgendwann in entsprechender Höhe einen Blick auf die Ruinenstadt erhaschen. Turya und Onyx, die Setarrif in diesem Zustand wohl schon gesehen hatten, gingen nahezu unbeeindruckt weiter, spähten nur nach orkischen Wachposten, die sie vielleicht entdecken könnten. Der Jäger hingegen blieb wie angewurzelt stehen und besah sich die schreckliche, zerstörte Schönheit der Perle Argaans, der einstmaligen Stadt der Goldenen Dächer.
Der Drache hatte ganze Arbeit geleistet, ebenso wie sein Heer von Echsenmenschen, Lakaien, die ihm folgten wie Ameisen ihrer Königin. Mauern wiesen Breschen auf, die vielleicht durch das Weißauge geschlagen worden waren, viele einst goldene Dächer geschmolzen, sodass manch Turm an einen goldfarbenen, geschmolzenen Kerzenstumpf erinnerte. Manche Bereiche der Stadt waren reine Trümmerfelder, Halden von Schutt und Asche.
Kiyan hob die Hand übers Auge, spähte, sah genauer hin. Er erkannte sie. Die hölzernen Bauten, die Zelte und Planen, gefertigt aus dem Fell wahrhaft großer Kreaturen. Etwas regte sich in ihm. Kopfschüttelnd spähte er weiter. Zählte viele schwarze Gestalten, die sich dort tummelten. Nicht wahllos, sondern mit einem Muster, mit einer Bestimmung. Manche Gestalten schienen in Formation zu Exerzieren, andere patrouillierten in lockerer Gruppe die Straßen, Plätze und Ruinen.
„Die Nordlande-Orks“, flüsterte Kiyan sich selbst zu, „und die Wilden aus dem Orkwald, die vom Karrek“
Ein Ruf von Turya ließ ihn aus seiner Erstarrung fallen. Er trabte den beiden Waldläufern hinterher.
„Na, was Schönes gesehen?“, fragte sie mit einer Spur Bitterkeit in der Stimme.
„Ein Grab und der Abschaum, der es entweiht“, antwortete er nur kalt. Weitere Worte wurden nicht gewechselt.

Immer weiter stiegen sie herauf, stiegen in kleinere Täler, die irgendwann den Blick auf Setarrif versperrten. In einer Senke gab es eine Quelle, einen kleinen Wasserlauf, der irgendwohin verschwand. Sie ließen sich nieder, füllten ihre Schläuche und Flaschen, wobei einer – Kiyan in diesem Fall – Wache hielt. Sie würden über kurz oder lang auf einen Späher treffen.
„Merkt ihr, dass es kühler wird?“, fragte Turya, als sie weiterzogen. Die beiden Jäger nickten. „Gut, heißt, dass wir beim nächsten Halt die passende Kleidung für die kommenden Höhenlagen anlegen. Es könnte verfluchter Hochsommer sein und in den höchsten Abschnitten des Weißauges liegt eiskalter Schnee, toben frostige Winde, die einen unbedarften Wanderer erfrieren lassen können.“
So zogen sie weiter hinauf, in einer Reihe, schweigend und jeder seinen Gedanken nachhängend. Onyx verarbeitete sicherlich das, was Turya ihm übersetzt hatte, die ‚Nachricht‘ von Gaurons Bruder Duath. Kiyan gab sich seinerseits größte Mühe, nicht weiter über seine … Vision nachzudenken. Im besten Fall war es eine Illusion, eine verzauberte Falle, irgendein Magiertrick aus grauer Vorzeit. Nichts Wahres, nichts Prophezeiendes.
Das wäre auch viel zu pathetisch. Ich, der Erretter der Mammutsippe. Lächerlich.
Irgendwann hörte der Jäger ein Geräusch, das ihm einige Tage nicht mehr untergekommen war. Kor’has Krähen. Unwillkürlich musste er breit lächeln. Er hatte das hochmütige Federvieh vermisst, diese bemutternde, schwarz geflügelte Schurkin. Kiyan hörte Flügelschlagen, Turyas freudiges Lachen, Onyx‘ Schnauben und das herausfordernde Kreischen seines Adlers, der weit über ihnen seine Kreise zog.
Dann spürte er Kor’has Gewicht auf seiner rechten Schulter, ihren gefederten Kopf, der an seiner Wange rieb, ein warmes, scheinbar grüßendes Klackern des Schnabels, ein leises Keckern, als würde sie ihn fragen, wie es ihm ergangen war.
„Kiyan“, das Lächeln verblasste, als er sah, dass Onyx ihn angesprochen hatte, seine Muttersprache nutzend. „Probiere etwas aus. Erinnerst du dich, was ich dir von meiner Verbindung, meiner Beziehung mit Adler berichtet habe?“
Er deutete mit dem Daumen Richtung Himmel. Kiyan nickte langsam.
„Mh … versuch’s mal mit deiner Krähe. Lass sie aufsteigen, voraus fliegen und … nun, kundschaften.“
Der Waldstreicher überlegte, nickte dann. „Na los, meine Schöne, was meinst du?“
Ein obsidianschwarzes Auge musterte ihn. Dann klapperte sie mit dem Schnabel, sprang von seiner Schulter, schlug mit den Flügeln und erhob sich in die Lüfte, flog in Richtung des Bergpasses davon.

„Und nun?“, fragend sah Kiyan Onyx an. Dieser grinste schmal.
„Keine Ahnung. Das ist dein Vogel.“
Der Jäger unterdrückte eine unflätige Erwiderung, sah schmallippig der Rabin hinterher und überlegte. Letztlich hatte es wahrscheinlich mit der Bindung zu tun, mit dem Gedanken aneinander. Immer mal wieder in den letzten Monaten hatte er das Gefühl gehabt, dass Kor’ha in der Nähe war oder sogar zu ihm kam, wenn er an sie dachte. Mitunter war ihm auch gewesen, als hätte er ihre Wahrnehmung spüren können, ihre … nun … Emotionen, wenn man bei einem Tier davon sprechen konnte.
Das ist eine Rabin, keine Seegurke. Es gibt Gelehrte an der Universität von Gorthar, die ihnen eine nahezu menschenähnliche Intelligenz zusprechen. Bei den alten Nordmarern galt der Rabe sogar als Vogel der Weisheit.
Der Jäger seufzte, schloss die Augen, dachte an Kor’ha. Stellte sie sich vor. Schwarzes, nahezu tiefbläulich schimmernde Federn. Die Augen, Edelsteine in der Farbe vom Obisidan der Schwarzen Schluchten. Ihr Gewicht auf seiner Schulter, ihren Ruf, der wie der einer Rabin klang, aber für ihn dann wieder so ganz anders als der anderer ihrer Artgenossen. Vertrauter, inhaltvoller. Turyas Erkenntnis, dass der Vogel ihn als eine Art Junges betrachtete, als Schutzbefohlenen.
Kor’ha, dachte er, die du meine Seele beruhigst, der Sturm der in meinem Innern, meinem Geist tobt.
Ein flackernder Blitz schoss durch seine Gedanken. Einen Moment war ihm, als würde er … etwas spüren. Ein erneutes Flackern. Wenige Sekunden.
Wind, der nach den Federn greifen möchte, aber geschickt als Mittel zum Flug genutzt wird, so wie die Fische im Wasser die Strömung nutzen. Scharfe Augen, die im gleitenden Flug den Boden, den Pass beobachten. Eine kurze Drehung, das Ausnutzen eines Luftstroms und in der Ferne, weit unten, sind drei Zweibeiner. Adlerbändiger, Nestschwester, Küken. Es braucht Futter, Schutz. Alleine in Gefahr. Eine weitere Drehung, wieder Richtung Pass. Da, eine Bewegung. Viele Zweibeinermeilen entfernt. Große Gestalt, aber schnell. Der Schnabel zum Kampf aus Holz und Feuerstein. Warnung. Gefahr. Küken bewahren. Küken bedeutet Leben.
Wieder ein Flackern, ein Blitz in Kiyans Wahrnehmung. Er keuchte kurz, als sich sein Verstand wieder ordnete, sich wieder in seinem Schädel ausbreitete.
„Adanos“, flüsterte er, sah Onyx an, der anerkennend nickte.
„Hat’s geklappt?“
„Ja … äh … hat’s … sehr …“ Der Jäger schüttelte den Kopf, sah dann die Gefährten an. „Ein Ork, noch einige Meilen entfernt. Wir können hier irgendwo einen Hinterhalt aufstellen. Irgendwo bei einer Geröllhalde, wo ein Hang durch Regen abgetragen wurde. Den Platz habe ich im … äh … Augenwinkel gesehen.“
Die anderen beiden nickten, bewegten sich voran. Während Kiyan ihnen folgte und nach Kor’ha Ausschau hielt, musste er mit einem Lächeln schnauben.
„Sie sieht mich tatsächlich als ihr verdammtes Küken an.“

Onyx
16.02.2025, 09:24
Ein Hinterhalt - sie waren sich schnell einig geworden, dass dies das Mittel ihrer Wahl werden sollte.
Ein Ork-Späher mochte gegen Drei nicht ankommen, aber gleichzeitig riskierte man recht viel, wenn man diesem Raum zum kämpfen gab.

“Du hoffentlich richtig ‘gesehen’.”, sagte der Waldläufer und nach einigen Minuten der Eile sichteten sie die Stelle für den Hinterhalt.
Der Orkpfad ging unten entlang. Turya ging diesem gerade halb die Spuren lesend und halb Ausschau haltend entlang. An die dreißig Schritt waren es von hier bis zum Pfad, der im Grunde aus platt- oder zur Seite getretenen Steinen bestand und an manchen Stellen Fußabdrücke im getrockneten Boden hinterlassen hatte.
Onyx und Kiyan befanden sich oberhalb und nutzten die Lage. Es gab wenig Möglichkeiten sich zu verstecken, weswegen er und Kiyan flach am Boden liegen würden und darauf setzten, dass die Steine gut genug waren, um sie zu verbergen.

“Sobald Turya unten aus ihrem Versteck kommt und den Ork fordert, legen wir los. Wir haben einen Schuss bis der Ork auf uns reagiert. Entweder flüchtet er dann oder er greift Turya an. Dann wird es schwerer, aber je mehr Pfeile wir einsetzen, umso besser. - Ein Ziel in Bewegung ist natürlich schwerer zu treffen. Vier Dinge musst du richtig einschätzen. Immer! Als Faustregel! Das Tempo deines Pfeils. Das Tempo deines Ziels. Den Wind und deine Lage. - Dein Pfeil muss durchschlagen, also maximale Spannung. Ein Ork kann sehr schnell werden, braucht aber Zeit dafür. Das ist unsere Gelegenheit. Der Wind steht gut und hat kaum Einfluss auf die Distanz. Unsere Lage ist nicht perfekt. Wieso? Wenn der Ork tatsächlich von da runter kommt, haben wir mehr seine Seite als Ziel, wenn er Turya attackiert. Kleineres Ziel. Rennt er weg…wird er ein größeres und langsameres Ziel. Dann aber musst du die Flugbahn des Pfeils ändern, indem du den Bogen anders hebst. Das haben wir noch nicht geübt. Da beginnt das wahre Bogenschießen. Verstand, Ruhe und Intuition. Auf Befehl schießen kann jeder. Feste Ziele trifft jeder. Aber in drei Atemzügen alle Faktoren beachten, entschlossen einen Plan umsetzen und ausführen. Das macht den Unterschied. Improvisation ist die Wunderwaffe des Waldvolkes. Das beginnt im Kleinen und endet im Großen. - Wir bleiben natürlich beim Plan, den wir mit Turya besprochen haben. Haut der Hund ab, verfolgen wir ihn. Er wird uns direkt über die Berge führen. Es wird aber einfacher, wenn er nicht mehr ganz so gesund ist.”, sagte Onyx auf torgaanisch und damit war im Grunde alles gesagt. Er gab Zeichen an Turya und nun würde es heißen, abzuwarten.

Ska'ri
17.02.2025, 12:49
Ska’ri ließ ihren Blick suchend durch das Gewölbe streifen. Sie konnte sich noch keinen rechten Reim machen auf das, was sie hier vorfanden. Der alte Keller war offensichtlich von Anhängern des Schöpfers als Rückzugsort und wohl auch Verehrungsstätte genutzt worden, vermutlich, als die Anlage bereits nicht mehr militärisch genutzt worden war. Aber was hatte die Kultisten dann dazu gebracht, den Ort zu verlassen, und dabei so vieles zurückzulassen? Vom Schimmel zerfressene Pergamente, Symbole an den Wänden, in einer modrigen Kiste entdeckte Ska’ri eine Reihe intakter Flaschen mit undefinierbarem Inhalt, und auf einem Tisch lag ein verrostetes Messer mit gewellter Klinge, von dem die Orkin vermutete, dass es bei Opferzeremonien zum Einsatz gekommen war – all dies wirkte nicht, als hätten etwa die fanatischen Anhänger des Feuergottes das Versteck der Gläubigen gefunden und ausgeräuchert. Sie hätten all die Hinterlassenschaften wohl restlos zerstört. Aber wenn der Kult den Unterschlupf von sich aus verlassen hatte, wieso hatten sie die Gegenstände dann nicht mitgenommen?
Sie teilte ihre Überlegungen mit Venom, der vorschlug, dass die Kultmitglieder vielleicht außerhalb ihres Unterschlupfes gefangen genommen und hingerichtet worden waren, ohne den Ort ihres Heiligtums preiszugeben.
„Hm, das ist eine Möglichkeit …“, stimmte Ska’ri zu. „Naja, wie auch immer, hast du schon irgendetwas gefunden, was uns weiterhelfen könnte?“
Venom, der gerade ein Bündel Pergamente durchgegangen war, die er unter einigen vermoderten Balken hervorgezogen hatte, schüttelte den Kopf: „Nein … die Schriften sind allesamt so verrottet, dass sie völlig unlesbar sind.“
Ska’ri grummelte etwas unverständliches und sah sich weiter um. Noch war sie nicht bereit, aufzugeben, und es war ja auch nicht so, als ob die Zeit drängen würde ...

… doch als sie schließlich auch nach Stunden gründlichen Suchens nichts zu Tage gefördert hatten, was ihnen weiterhelfen könnte, ließ Ska‘ri sich schließlich erschöpft auf der Treppe nieder und starrte finster in die Dunkelheit hinter dem schwachen Lichtschein ihrer langsam verlöschenden Fackel.
„Das war wohl ein Schuss in den Ofen“, murrte sie und kickte missmutig einen Kiesel durch den Raum, „Obwohl sie uns alles hinterlassen haben, ist nichts davon brauchbar! Schöne Scheiße.“ Sie seufzte. „Naja, egal. Bleiben wir über Nacht hier. Es riecht zwar muffig, aber wir sind geschützt vor Wind und Wetter. Was will man mehr? Also, außer einem fetten Braten. Und Schnaps. Und …“ Sie musterte Venom kurz, schien ihn geradezu mit ihrem Blick Maß zu nehmen, rümpfte dann aber die Nase und schüttelte grinsend den Kopf: „Nein, vergiss es, das wird nichts! Was? Schau nicht so, hilf mir lieber, etwas trockenes Holz für ein Feuer zusammenzusammeln!“

Zum Glück gab es zwischen den morschen Balken und Möbeln genug Holz, das nicht völlig durchnässt war, und so hatten sie bald ein Lagerfeuer unterhalb der Treppe entfacht, damit der Rauch nach oben abziehen konnte. Die Beißer im Hof bereiteten Ska’ri keine Sorgen – falls sie den Rauch riechen sollten, würden sie, wie alle Tiere, instinktiv versuchen, Abstand zum Feuer zu gewinnen, statt sich näher heranzuwagen. Das Abendessen fiel zwar eher karg aus – Trockenfleisch und Dörrobst –, aber sie waren an einem geschützten Ort und das Feuer spendete angenehme Wärme, so dass sich Ska’ris Laune trotz ihrer Enttäuschung bald wieder besserte.
„Du warst übrigens gar nicht schlecht beim Schleichen. Wirklich nicht!“, ließ sie sich zu einem Kompliment gegenüber Venom herab, „Mit etwas Übung hast du den Dreh bald raus. Um wirklich unentdeckt zu bleiben, musst du natürlich noch ein paar andere Dinge beachten, statt nur, wie und wo du auftrittst. Die Windrichtung zum Beispiel – wenn der Wind heute aus der entgegengesetzten Richtung geweht hätte, dann wäre es piepegal gewesen, wie leise wir da herumgeschlichen wären, die Viecher hätten uns einfach gerochen! Da gibt es natürlich auch so gewisse Tricks, wenn man es unbedingt drauf anlegt, seinen eigenen Körpergeruch zu überdecken, aber die sind meistens ein bisschen … eklig. Dann, das Licht. Klar, meistens ist es besser, man hält sich im Schatten. Aber dein eigener Schatten kann dich auch verraten, vor allem wenn die Sonne niedrig steht und die Schatten lang sind. Also pass auf, dass du dich nicht im falschen Moment in die Sonne stellst! Und generell, die Farbe deiner Kleidung und der Umgebung, und so weiter … um es zusammenzufassen, achte auf deine Umgebung, auf jede Kleinigkeit, und versuch, dir alles zu Nutze zu machen. Wenn du dich eine Weile bewusst darauf konzentrierst, entwickelst du mit der Zeit ein Gespür dafür, und wenn du dich dann noch weiter darauf konzentrierst, tust du es irgendwann ganz automatisch. In unserem Stamm hatten wir diesen einen Kerl, Ka’dosh, der hatte das so verinnerlicht, dass man ihn einfach nie bemerkt hat, bevor er plötzlich neben einem stand! Ich glaube fast, er ist ein bisschen zu gut darin geworden, ich hab nämlich auch nichts gemerkt, als er sein Würstchen bei mir verstecken wollte. Mh. Na jedenfalls, dann ist da noch die Sache mit der Balance. Hmm … versuch mal das hier!“
Ska’ri erhob sich, stellte sich auf die Zehenspitzen und hob dann ein Bein an, so dass sie nur auf den Zehenspitzen des anderen Fußes balancierte. Selbst für sie war es noch immer eine Herausforderung, diese Haltung über längere Zeit beizubehalten, ohne das Gleichgewicht zu verlieren und kurz den anderen Fuß absetzen zu müssen. Venom sah sie skeptisch an – er schien nicht sonderlich überzeugt –, aber als er es selbst versuchte, musste er sehr zu Ska’ris Belustigung feststellen, dass er kaum wenige Sekunden die Balance halten konnte.
„Eine einfache, aber effektive Übung! Und während wir in der Natur unterwegs sind, gibt es zwischendrin immer wieder gute Gelegenheiten, das Gleichgewicht zu trainieren. Wackelige Steine, dünne Äste, oder glitschige Balken wie den da drüben – versuch einfach, dich auf so etwas draufzustellen oder darüber zu gehen. Übung macht den Meister. Ein guter Gleichgewichtssinn muss geschult werden, das geht nicht von heute auf morgen. Aber wenn du gut genug bist, kriegst du vielleicht so was hier hin …“
Mit einer schwungvollen Bewegung vollführte sie einen, wenn auch noch etwas wackeligen, Handstand. Ihr freches Grinsen, mit dem sie Venom bedachte, löste sich jedoch plötzlich in Luft auf.
„Moment mal … uff! Verdammt!“ Eher unelegant ließ sich Ska’ri wieder auf die Füße fallen. „Wieso ist mir das nicht schon längst aufgefallen?“
Venom sah sie verständnislos an: „Was ist?“
Statt zu antworten, ging Ska’ri zu der aus Natursteinen gemauerten Wand hinter ihm und begann, sie akribisch abzutasten. Schließlich stemmte sie sich dagegen, und tatsächlich gab die Wand einen Moment später nach und schwang rumpelnd nach innen.
„Naga sutta, eine Geheimtür!“, rief Ska’ri triumphierend, „Die hatten tatsächlich einen geheimen Tempel in ihrem geheimen Tempel, oder sowas! Ihr Morras habt schon wirklich komische Angewohnheiten, weißt du das? Komm, lass uns nachsehen!“

Hinter der Geheimtür eröffnete sich den beiden ungleichen Entdeckern ein schmaler Gang, der leicht schräg weiter in die Tiefe führte. Die Wände waren grob aus dem Fels gemeißelt und die Luft roch abgestanden und muffig. Hier war schon seit Jahrzehnten, vielleicht sogar Jahrhunderten niemand mehr gewesen.
Nach einigen dutzend Schritten endete der Gang schließlich vor einem Schacht. Eine hölzerne Leiter führte weiter nach unten, aber ihr Zustand war alles andere als vertrauenserweckend. Ska’ri platzierte vorsichtig einen Fuß auf der obersten Sprosse, die sofort unter der geringsten Belastung nachgab und dabei nicht einmal mehr ein Geräusch verursachte – sie hätte ebenso gut aus nassem Papier bestehen können.
„Okay, so kommen wir da jedenfalls nicht runter …“, stellte Ska’ri das Offensichtliche fest und kniete sich an den Rand des Schachtes, um mit ihrer Fackel hineinzuleuchten.
„Hmm … ich glaube, wir können herunterklettern. Der Schacht ist vielleicht acht oder zehn Schritte tief, und die Wände sind rau und unregelmäßig genug, dass man Halt finden sollte. Ich probier’s – hier, nimm meine Fackel und leuchte mir!“
Ohne noch lange zu zögern (bevor sie sich doch noch in die Hose machte), schwang Ska’ri sich in den Schacht und tastete mit den Füßen nach Kanten oder Abschlägen in der Wand, auf denen die stehen konnte, was ihr auch ohne größere Schwierigkeiten gelang. Vorsichtig machte sie sich an den Abstieg, während Venom über ihr die Fackel hielt.
Die Wände des Schachtes waren so unregelmäßig und grob, dass es Ska’ri leichter fiel als sie befürchtet hatte, sicheren Halt zu finden. Obwohl sie nach unten kletterte und es daher oft schwierig war, zu sehen, wo sie ihren Fuß als nächstes platzieren konnte, fand sie durch einfaches Herumtasten und Ausprobieren meist rasch den nächsten Stand. Ein wenig mulmig wurde ihr zwar trotzdem, als sie so ohne Sicherung an der senkrechten Wand hing – wenn sie abrutschte, würde der Sturz zwar nicht zwingend tödlich, aber mit Sicherheit äußerst schmerzhaft enden –, aber sie verdrängte das Gefühl und konzentrierte sich einfach immer auf den nächsten Schritt. Schließlich konnte sie erleichtert aufatmen, als sie endlich wieder festen Boden unter den Füßen hatte.
„Bin unten!“, rief sie zu Venom, „War gar nicht so schwer … wirf mir mal die Fackel runter!“
Sie fing die Fackel geschickt auf und leuchtete um sich. Ein Gang führte weiter ins Erdinnere. Ska’ri folgte ihm ein Stück, bis sie sich sicher war, dass er nicht nach wenigen Schritten einfach in einer Sackgasse endete, bevor sie kehrt machte und Venom informierte.
„Ich denke, du kannst auch herunterkommen. Es ist wirklich nicht schwierig … lass dir einfach Zeit beim Klettern, halt dich gut fest und sieh zu, dass du sicher stehst, bevor du den nächsten Schritt machst! Notfalls … fang ich dich auf! Vielleicht.“

Kiyan
18.02.2025, 19:47
Somit war der Plan also klar. Den Ork am Ort des Hinterhaltes stellen. Turya würde als ziemlich wehrhafter Köder agieren, Onyx und Kiyan aus der Deckung und einer entsprechenden Position herausschießen. Entweder würden sie den grünfelligen Bastard niedermähen oder verwunden. Dem Waldstreicher wäre ein toter Ork zwar lieber, aber Turya hatte angedeutet, dass ein fliehender Wilder sie durchaus zu seinem Lager führen könnte. Mochte es im Orkwald oder anderswo im westlichen Argaan sein. So könnten die drei Jäger einen Überblick über die Aufstellung dieser verfluchten Biester im Westen bekommen, eine Information, die für das Überleben des Waldvolkes auf Tooshoo von höchster Wichtigkeit war.

Die Geröllhalde, die Kiyan durch Kor’has Augen gesehen hatte, war nicht weit entfernt, weshalb sie mehr als genug Zeit hatten, sich zu positionieren. Turya verbarg sich hinter einigen größeren Felsbrocken, die durch den Abgang einer ganzen Klippe entstanden war, wahrscheinlich nach starkem Regen oder in Folge einer vergangenen Schneeschmelze. Kiyan verbarg sich am Rand des Passes in einer Reihe niedriger, stachliger Büsche, die höchstens ein paar Bergziegen zur Nahrung dienten. Onyx seinerseits lauerte auf der abgewandten Seite der Geröllhalde, am weitesten weg, was aber für den Meisterschützen keine Schwierigkeit sein sollte. So wurde er durch das Geröll verborgen und würde im richtigen Moment dahinter hervorkommen und feuern. Im Grunde war die Falle gestellt, nun mussten sie auf die Beute warten.

Hier zeigte sich der Unterschied zwischen Kor’has Wahrnehmung und seiner eigenen, menschlichen. Für die Rabin war der Ork wesentlich näher gewesen, größer und schneller, weil sie sich im Flug befand, weil ihre Augen schärfer waren und Details genauer aufnahmen. Wie sich zeigte, war der Späher jedoch noch ein gutes Stück entfernt und es dauerte gut und gerne eine halbe Stunde, in der Kiyan im Ginster hockte und leise über das Wetter und diesen Ort fluchte. Zuvor hatte er sich natürlich so vorbereitet, wie Onyx es ihm in Schwarzwasser beigebracht hatte. Für diesen Einsatz hatte Kiyan Kriegspfeile gewählt, schwere Geschosse, die den Ork mit Sicherheit – würden sie frontal treffen – töten würden. Auch in die Seite treffend, wäre das Ergebnis verheerend. Zumindest in der Theorie, denn nur Beliar wusste, wie hart seine widerliche Brut im Nehmen war. Mit kalten Fingern hatte der Jäger darüber hinaus die Sehne gewechselt, um den Pfeilen die nötige Kraft zu geben. Ein paar Mal hatte er sie probeweise gespannt, um ein Gefühl dafür zu bekommen, da hier wesentlich mehr Anstrengung gefordert wurde, um weit und durchschlagend zu schießen.

Der Schrei eines Adlers ertönte. Kiyan sah auf, erkannte Onyx‘ Gefährten, der weit oben am Himmel kreiste. Auch Kor’ha war zu sehen, diese schwieg jedoch. Abermals ein Zeichen für einen wachen Verstand. Den Ork würde es sicherlich wundern, dass ein einzelner Rabe in dieser Höhenlage unterwegs sein würde. Sicherlich würde er das Krähen als ein Zeichen zum Angriff oder ein Warnsignal deuten. Bei dem Adlerschrei wurde jedoch kein Misstrauen erweckt.
Aus den höheren Lagen kam eine Gestalt den Pass im Laufschritt hinab. So groß wie Onyx, das war auf die Entfernung zu sehen, dreckig braunes und grünes Fell, lederne Behänge, Fetische, die von einem grobledernen Gürtel hingen. Ein Lendenschurz aus Wolfsfell bewahrte Turya davor, Gefallen an diesen Biestern zu bekommen. Der Speer, den die Kreatur trug, sowie das brutale Hackmesser aus Feuerstein, welches ebenso am Gürtel hing, sorgten dafür, dass Kiyan nicht zu nah an den Bastard heran wollte.
Gleich, sagte er sich, gleich wird es losgehen. Dann hast du nur einige Herzschläge, wenige Augenblicke, um richtig zu handeln.

Und da, mit einem wilden Amazonenschrei, sprang Turya mit dem eigenen Speer voran aus der Deckung, als der Ork nahe genug heran war. Überrascht brüllte das Grünfell auf, legte beide Pranken an seine eigene Waffe und knurrte der Veteranin eine gutturale Herausforderung entgegen. Ein sekundenschneller Blick in Richtung Onyx, der seinen Bogen gespannt hatte und wartete, dass Kiyan schoss. Klar, er wollte sichergehen, dass die Sache im Fall der Fälle glattgehen würde.
Während dieses Blickes hatte der Jäger bereits einen Pfeil in die Sehne genockt, sich erhoben. Er spannte den Bogen mit der nötigen Kraft, spürte den klaren Unterschied zu einem Jagdpfeil und einer dünneren Sehne. Die Arme schmerzten, aber das war im Augenblick egal. Die Amazone und der Ork umkreisten sich wie Wölfe, wobei der grünfellige Hundesohn immer wieder um sich blickte, nach weiteren Feinden Ausschau hielt. Als er seitlich zu Kiyan stand, bemerkte er den schussbereiten Bogen in den Händen des Jägers.
Scheiße!, schoss es diesem durch den Kopf, ehe er schoss. Der Pfeil überwand die Strecke mit einem zischenden Geräusch, traf den Bastard aber nur in die linke Schulter. Zwar taumelte das Biest zur Seite, ließ sich aber nicht beirren. Offensichtlich waren sie also doch hart im Nehmen, soviel stand fest. Brüllend warf sich der Ork auf Turya und trieb sie mit brutalen Stichen und Schwingern der feuersteinernen Spitze des Speeres vor sich her. Sie umkreisten sich, schlugen zu, suchten Öffnungen in der Deckung des jeweils anderen, kamen aber jedoch wegen des abschüssigen Untergrundes nicht dazu, wirklich in die aussichtsreiche Offensive zu gehen. Onyx schoss seinerseits, der Pfeil schoss jedoch knapp zwischen den Kontrahenten dahin. Zu viel Bewegung, zu viel Hektik.
Der Ork musste ein schlaues Kerlchen sein, bemerkte er doch, dass der Pfeil aus einer anderen Richtung gekommen war als der erste. Er schien einen Augenblick abzuwägen, brüllte Turya trotzig an, stieß so heftig mit dem Speerschaft zu, dass es die Kriegerin nach hinten warf … und floh.

Kiyan fluchte lautstark, während er zielte. Nun bewegte sich das Ziel von ihm weg. Er hielt an, spürte das Brennen in den Armen, als er der Bewegung des Orks folgte, leicht vor ihn zielend, schoss … und nicht traf.
„Scheiße, scheiße“, knurrte er, packte seinen Kram und sprang aus dem Ginster, hastete zur Mitte des Hohlweges. Er half Turya auf die Beine, die sich den Staub abwischte und die Halswirbel knacken ließ.
„Dreckiger, tanzender Bastard“, sie spuckte etwas Dreck aus, „Den packen wir uns.“
„Dann aufhören zu warten bis Wetter besser“, Onyx marschierte schnurstracks und schnellen Schrittes an ihnen vorbei, „Sonst Ork entkommen. Kiyan, nächstes Mal auf bessere Sicht auf Ziel warten. Los jetzt, schnell!“

Venom
19.02.2025, 15:47
Venom zog sich an der unregelmäßigen Wand des Schachts langsam nach unten. Die groben, kantigen Steine boten genug Halt, doch der Abstieg forderte seine ganze Kraft. Ska’ri war bereits unten und wartete mit verschränkten Armen, während Venom sich vorsichtig weiter tastete. Seine Finger fanden sicheren Griff an einem herausragenden Stein, doch ein Stück unterhalb bröckelte plötzlich der Fels, und er rutschte die letzten Schritte unsanft hinab. Mit einem dumpfen Aufprall landete er neben Ska’ri, die ihn mit hochgezogenen Brauen musterte.
„Nicht sehr elegant“, stellte sie trocken fest.
Venom brummte nur und klopfte sich den Staub von den Händen. Ohne weitere Worte setzten sie ihren Weg fort. Der schmale Gang vor ihnen führte in eine weite, natürliche Grotte. Feuchter, kühler Dunst hing in der Luft, und vor ihnen erstreckte sich ein ruhiger, unterirdischer See, dessen Oberfläche das matte Licht ihrer Fackel spiegelte. In der Mitte des Wassers erhob sich eine kleine Halbinsel mit einem Altar – ein düsteres, aber kunstvoll gearbeitetes Gebilde aus dunklem Stein, verziert mit alten Beliar-Symbolen.
„Da haben wir’s“, murmelte Ska’ri, während ihr Blick über den Altar wanderte.
Auf der glatten Steinfläche lagen zwei Gegenstände: ein seltsam geformter Knochen oder vielleicht ein Horn, und daneben ein altes Buch. Trotz des Alters wirkte es noch erstaunlich gut erhalten, doch als Venom sich über die Seiten beugte, stellte er fest, dass die Buchstaben ihm völlig fremd waren.
„Kein Wort davon verstehe ich“, sagte er.
Ska’ri nickte. „Vielleicht können die Schwarzmagier das entziffern.“
In diesem Moment zuckte plötzlich das Amulett um ihren Hals. Ein kurzer, elektrisierender Impuls ging davon aus, kaum spürbar, aber deutlich genug, dass sie überrascht darauf hinabstarrte. Gleichzeitig hörte Venom wieder dieses Flüstern und knickte kurz ein – kaum mehr als ein Hauch in seinem Verstand, aber es ließ ihn frösteln.
Beide warfen einen Blick auf Ska'ris Talisman und wieder auf den Altar bis sich ihre Blicke wieder trafen.
Er trat einen Schritt zurück. „Das hat definitiv mit dem Wesen aus der Höhle zu tun.“
Ska’ri ließ das Amulett los, das immer noch leicht vibrierte, und sah ihn an. „Dann sind wir auf dem richtigen Weg.“
Venom nickte, während sein Blick wieder auf das Buch und das rätselhafte Horn fiel. Er griff nach dem Horn und rechnete mit einer weiteren Regung, doch nichts geschah und er verstaute es vorsichtig und nickte Ska'ri zu dasselbe mit dem Buch zu tun.

Ska'ri
19.02.2025, 16:50
Hass. Ohnmacht. Verzweiflung. Die aufgestaute Wut von Jahrhunderten, eine Empfindung, die jenseits ihres einfachen, sterblichen Vorstellungsvermögens war. Sie traf Ska’ri unvorbereitet wie ein Hammerschlag in die Magengrube, so dass sie ins Taumeln geriet und sich an dem Altar festhalten musste, weil ihre Beine nachzugeben drohten. Die Welt vor ihren Augen wurde wie von einem schwarzen Wirbel verschlungen, sie sah und hörte nichts mehr, nur ein betäubendes Tosen und Dröhnen, das ihren Kopf zu zersprengen drohte. Kurz flackerten Bilder in ihrem Geist auf, Bilder eines Mannes in Rüstung, umgeben von einem so hellen Lichtschein, dass es ihr in den Augen brannte wie Feuer. Sie konnte nicht hinsehen, aber auch nicht den Blick abwenden, und sie wusste, was er da tat, konnte aber nichts dagegen unternehmen, dass er das Gefängnis errichtete und schließlich das ultimative Opfer brachte, um es zu versiegeln …

Die Vision war so schnell wieder vorbei, wie sie gekommen war. Ska’ri blinzelte, um ihre Sicht zu klären, und schaute auf ihr Amulett herab, das kaum merklich vibrierte. Vorsichtig hob sie die Hand und strich mit den Fingern über den glatten, schwarzen Stein. Er fühlte sich warm an, beinahe lebendig.
„Das hat definitiv mit dem Wesen aus der Höhle zu tun!“, stellte Venom fest, und Ska’ri nickte. Ja, daran bestand kein Zweifel!
„Dann sind wir auf dem richtigen Weg!“, antwortete sie lächelnd. Dem Schöpfer sei Dank! Der Umweg hatte sich also doch noch gelohnt, auch wenn sie mit dem, was sie gefunden hatten, nicht unmittelbar etwas anfangen konnten. Ein seltsames Horn und ein Buch, dessen Seiten mit Schriftzeichen gefüllt waren, die weder Venom noch Ska’ri entziffern konnten.

Venom nahm das Horn an sich und verstaute es in seiner Gürteltasche. Ska’ri wollte schon die Hand nach dem Buch ausstrecken, hielt aber Inne, kurz bevor ihre Fingerspitzen die Seiten berührten. Was, wenn das Buch verflucht war, ein Schutzzauber oder so etwas, um es vor Diebstahl zu schützen? Immerhin handelte es sich offensichtlich um ein heiliges Werk, und sie erinnerte sich daran, wie Krul ihr mal von magischen Büchern erzählt hatte, die einen angriffen, einen bissen und schlimmeres, wenn man nicht die passenden Worte sagte, bevor man sie aufschlug. Wie waren die Worte gleich nochmal?
Ska’ri baute sich vor dem Altar auf und räusperte sich: „Also, äh … Klaatu … verata … ne … hehe … hu!“ Sie sah sich um. Nichts. Das Buch lag noch immer vor ihr auf dem Altar und rührte sich nicht. „Okay, Buch, ich habe die Worte gesagt, ja? Also …“ Entschlossen griff sie nach dem Buch und kniff dabei unwillkürlich die Augen zu.

Nichts passierte.

Ska’ri atmete erleichtert aus, klappte den alten Folianten zu und klemmte ihn sich unter den Arm. Venom sah sie mit hochgezogenen Augenbrauen an.
„Was war das denn eben?“
„Ach, äh … nichts. Nur eine Vorsichtsmaßnahme. Hm, denkst du, hier ist noch irgendetwas, das wir übersehen haben?“
Sie hob ihre Fackel und sah sich um, unterzog auch den steinernen Altar einer genauen Begutachtung, aber die Grotte schien sonst keine Geheimnisse zu verbergen. Es war ein natürlicher Hohlraum, das Wasser in dem kleinen unterirdischen See war so klar und rein wie Diamant, und Ska’ri nutzte die Gelegenheit, ihren Trinkschlauch zu füllen, aber sonst gab es hier nichts mehr von Interesse für die beiden Abenteurer.
Auf dem Rückweg stellte die Kletterei diesmal keine große Herausforderung dar – nach oben zu klettern war zwar oft anstrengender, aber dafür viel einfacher, weil man den Weg, der vor einem lag, sehen konnte, und so überwand auch Venom das Hindernis ohne wirkliche Schwierigkeiten, auch wenn er sich ab und zu etwas ungeschickt anstellte und es nach Ska’ris Einschätzung auch in der Hälfte der Zeit nach oben hätte schaffen können. Aber gut, Übung machte den Meister …

Die Nacht verbrachten sie, wie geplant, am Fuß der Kellertreppe. Als sie sich am nächsten Tag aus ihren Schlaffellen schälten, stand die Sonne schon fast im Zenit – in der Dunkelheit des Gewölbes hatte die Erschöpfung der vergangenen Tage ihren Tribut gefordert. Nach einem schnellen Frühstück packten sie ihre Bündel und waren bald bereit zum Abmarsch.
„Geh du diesmal vor“, forderte Ska’ri Venom auf, „Ich will, dass du dir ein Bild davon machst, was die Viecher da oben treiben, und dir überlegst, wie wir am besten an ihnen vorbeikommen. Das Leben wäre doch langweilig ohne die eine oder andere kleine Herausforderung, was?“

Onyx
20.02.2025, 16:08
Das hatte soweit gut geklappt. Der Waldläufer ärgerte sich zwar, dass er nicht getroffen hatte, aber es war Ansporn genug, um den nächsten Treffer sitzen zu lassen. Doch dafür galt es dem Ork hinterher zu kommen. Der Treffer von Kiyan hatte sicher seine Wirkung, doch war die Frage, wie sehr dies den Lauf des Orks beeinflussen würde. Onyx sammelte beim gehen seinen und den Pfeil von Kiyan auf und blickte kurz zu Turya.
Diese kam ihnen hinterhergelaufen, nachdem sie ihren Rucksack geholt hatte und dann marschierten die Drei in einem eiligen Tempo den Pfad hinauf.
Speer und Bögen waren bereit, doch zum Einsatz kamen sie vorerst nicht. Den Ork sahen sie den Pfad hinauf kraxeln. Wie er immer wieder zurückblickte und seinen Weg ging. Es waren gut zwei oder drei Minuten Vorsprung die er hatte und ihnen quasi die Wegfindung erleichterte, indem zu sehen war wohin es ging, wann er um die Ecke bog.
Wann immer der Ork eine Serpentine wählte, um Höhenmeter zu machen, visierte Onyx im gehen das Grünfell an, ließ ihn sehen dass er gejagt wurde. Er schoss aber nicht, auch wenn es für ihn möglich gewesen wäre. Dafür war der Pfeil zu schade und seine Position nur gut, wenn es keine andere Wahl gab.

Turya preschte vor, atmete wie die beiden anderen schwerer, da auch sie die Höhenmeter mitsamt Gepäck überwanden.

“Ich gehe vor…falls er einen Hinterhalt vorbereitet.”, sagte sie und hatte da einen Punkt.

Schritt um Schritt schien es schwieriger zu werden und der Fokus auf den Ork wurde zu einem Fokus darauf nicht ins rutschen zu kommen, da es steil wurde. Am Beginn einer Serpentine fanden sie Kiyans Pfeil. Am Schaft abgebrochen und auf den Boden geworfen.

“Digar!”, rief Onyx und blickte gen Himmel. Adler schrie auf und folgte dem Aufruf des Torgaaners zu verfolgen. Der große Raubvogel sank aus seiner Höhe hinab und schlug kräftig mit den Flügeln, um das Ziel einzuholen und dann über dem Ork zu kreisen. Die Drei hingegen verlangsamten ihr Tempo etwas und gingen den Pfad des Orks kontrollierter. Stellenweise fanden sie eine Rutschspur die zum Ork gehörte, fanden Blutflecke und Stellen wo der Ork mit seinem Speer Halt suchte oder sich abdrückte.

Mit Blick nach vorne, sahen sie auch die ungefähre Position des Orks. Er hatte auch mit seinem Tempo zu kämpfen wie es schien und kurz erblickten sie das Grünfell, wie es hinab blickte und heftig atmete, bevor es hinter Steinen wieder verschwand. Als sie um die Ecke bogen und gemeinsam einen Felsvorsprung erklommen, um auf dem Pfad zu bleiben. Schrie Adler auf und stieg in die Höhe.
Sie sahen sich an und liefen kampfbereit los.
Der Ork war ihnen gut zweihundert Schritt voraus, doch kletterte er gerade eine sehr steilen Hang hinauf, um den langen Weg einer Serpentine oder dem, was man sich sehr grob darunter vorstellen musste, zu überwinden.

“Los, Kiyan!”, sagte der Hüne und sah zu Adler auf.
“Muha!”, rief er und Adler zog einen Halbkreis in der Luft, um dann mit erhöhten Tempo sich auf den Ork zu stürzen. Er packte mit seinen Krallen in den Mantel, zerrte daran und hackte mit dem Schnabel gegen den Kopf und das Gesicht des Orks. Dieser wehrte sich. Schlug mit der Pranke nach dem Vogel und befreite sich von Adler.

“Digar!”, war das Kommando de Hüters und Adler flog auf und kreiste wieder. Der Ork indes war ein Stück runter gerutscht, während sie fast die Hälfte des urspürnglichen Absatnds gut gemacht hatten.
“Aus Anstrengung schießen ist schwer. Halten Luft an…schießen schnell.”, sagte der Hüne und machte es quasi vor.

Er kniete ab, um seinen Körper mehr Stabilität zu geben. Legte den Kriegspfeil an und spannte den Starkbogen, den nicht jeder Mann so ausspannen konnte wie Onyx. Er atmete tief ein und spannte seine ganze Rückenmuskulatur mit Der Zubewegung der Sehne zusammen an. Onyx visierte an, hob den Bogen leicht an, um zu korrigieren. Die Kiefern pressten aneinander, als er für einen Wimpernschlag den Endpunkt erreicht hatte und dann schnalzte die dicke Sehne mächtig nach vorne und entließ die Kräfte, die in den Wurfarmen des Bogens entstanden waren.
Der Kriegspfeil surrte sehr schnell und in einem Bogen auf den Ork zu und sein schmerzerfülltes Brüllen erklang. Der Kriegspfeil hatte nicht die Lungen durchbohrt, wie Onyx es wollte, doch dafür steckte der Pfeil in der linken Oberschenkelrückseite des Orks und musste höllische Schmerzen da verursachen, wo der Pfeil durch Sehnen, Muskeln und Knochen durchgeschlagen war.
Trotz allem bäumte sich der Ork nochmal auf und kraxelte hinauf. Kam oben an und hielt den Oberschenkel. Der Pfeil war durchgeschlagen.
Der Ork stand auf und stützte sich mit dem Speer ab. Doch Laufen konnte er nicht mehr. Er humpelte, blickte zu ihnen und hatte wohl noch ein Ziel, während sie sich langsam näherten.
Onyx wollte den zweiten Pfeil anlegen, während Kiyan schon am Spannen war, da rannte der Ork ächzend und knurrend los. Der Speerschaft als Stütze, das kaputte Bein leicht hoch gehalten und das andere Bein als springender Antrieb nach vorne.
“Holen wir ihn uns! Passt aber auf. Er weiß sicher selbst, dass er keine Chance mehr hat.”, sagte Turya martialisch.

Venom
21.02.2025, 10:53
Das Licht drang durch die Ritzen der alten Ruine, als Venom und Ska’ri ihre Sachen zusammenpackten. Die Nacht am Fuße der Kellertreppe war kalt und ungemütlich gewesen, doch sie hatten zumindest etwas Ruhe gefunden. Jetzt war es an der Zeit, die Ruine zu verlassen – ohne dabei das Rudel Beißer aufzuschrecken.
Ska’ri legte Venom eine Hand auf die Schulter, bevor sie sich zur Treppe begaben. „Denk dran, sei vorsichtig. Achte auf deine Schritte und vor allem auf den Wind.“
Venom nickte. Er hatte aus seinen bisherigen Erfahrungen mit ihr gelernt – mehr oder weniger. Diesmal würde er vorangehen.
Leise schob er sich aus der Ruine und in Deckung hinter eine eingestürzte Mauer. Der Vorhof lag erhellt durch das Tageslicht vor ihm. Die Beißer lagen immer noch träge zwischen den Trümmern, einige schliefen, andere dösten mit halb geöffneten Mäulern. Er beobachtete sie genau, suchte nach Mustern in ihrer Bewegung.
Gleichzeitig hob er eine Hand und spürte den leichten Luftzug. Der Wind kam aus dem Westen – das bedeutete, dass sie sich von Osten nähern sollten, um ihren Geruch nicht in die Schnauzen der Kreaturen zu tragen.
Er warf einen kurzen Blick zu Ska’ri, die hinter ihm wartete, dann setzte er sich in Bewegung. Langsam, bedächtig, genau wie sie es ihm beigebracht hatte. Jeder Schritt wurde mit Bedacht gesetzt, kein loser Stein, kein knisternder Zweig unter seinen Stiefeln.
Die ersten Meter verliefen gut. Dann – ein Beißer regte sich, hob träge den Kopf und schnupperte. Venom erstarrte. Sein Herz schlug schneller, aber er zwang sich, nicht die Nerven zu verlieren. Nach einer endlosen Sekunde sank die Kreatur wieder zurück in ihre Ruhe.
Er atmete flach aus und bewegte sich weiter.
Mit jedem Schritt wuchs die Distanz zwischen ihnen und den Monstern. Noch ein paar Meter, dann war der sichere Rand der Ruine erreicht. Er wagte einen Blick zurück. Ska’ri folgte ihm in gleicher Präzision.
Noch ein paar Schritte. Dann waren sie draußen – und in Sicherheit.
Venom drehte sich um und blickte sie fragend an.
Ska’ri musterte ihn und nickte knapp. „Geht doch.“

Ska'ri
22.02.2025, 10:57
Das seltsame Buch sicher in ihrem Bündel verstaut, marschierte Ska’ri gut gelaunt den schmalen Bergpfad entlang und sang dabei ein altes orkisches Schwanklied – sie lag zwar praktisch bei jeder Note mindestens einen Halbton daneben, aber dafür hatte sie eine laute, kräftige Stimme. Das musste schließlich auch für etwas zählen, nicht wahr? Außerdem war es ihr ohnehin ziemlich einerlei, was ihr Begleiter von ihren Gesangskünsten hielt. Schließlich war es nicht ihre Schuld, dass er so ein schweigsamer Griesgram war und sie daher auf sich allein gestellt dafür sorgen musste, dass die Reise kein langweiliger Trauermarsch wurde. Dabei hatten sie bestes Reisewetter: Es war zwar der Jahreszeit entsprechend kalt, aber der Himmel war klar, die Sonne schien, es war trocken und der Wind wehte nicht sonderlich stark. Sie kamen zügig voran, und solange sie in Bewegung blieben, liefen sie auch nicht Gefahr, zu frieren. Also was wollte man mehr? Wenn ihnen das Wetter hold blieb, schätzte Ska’ri, dass sie die Südspitze der Insel in zwei oder drei Tagen erreichen könnten ...

… oder auch nicht. Der Weg machte eine Biegung und endete plötzlich abrupt vor einem Abgrund. Ska’ri verdrehte genervt die Augen: „Toll. Wer kommt bitte auf die bescheuerte Idee, einen Weg ins Nichts zu bauen?“
Aber halt, das stimmte nicht ganz. Der Weg ging auf der anderen Seite des Abgrunds weiter, es musste also eine Möglichkeit geben an der Felswand, die rechts von ihnen aufragte, über die Schlucht zu gelangen. Ska’ri inspizierte die Wand und als sie danach suchte, fand sie auch rasch die Tritte, die man nehmen musste. Nachdenklich kratzte sie sich im Nacken und sah Venom an: „Schwierig … wir könnten die Felswand entlangklettern auf die andere Seite. Ich glaube, die Kletterstrecke ist nicht allzu kompliziert, und wenn du dicht hinter mir bleibst und schaust, wie ich gehe, denke ich, du solltest das auch schaffen können. Aber, naja, ein falscher Schritt und das war’s. Mh, zumindest hat man es dann hinter sich. Wir könnten natürlich auch versuchen, einen anderen Weg zu finden, aber dafür müssten wir erst einmal runter in die Schlucht und dann wieder hoch … keine Ahnung, kann uns gut einen oder sogar zwei Tage Zeit kosten. Was denkst du?“

Kiyan
22.02.2025, 19:56
Eine Hatz, etwas anderes veranstalteten die drei Jäger mit ihrer grünfelligen Beute nicht. Der Ork wurde den Pass entlang gejagt. Irgendwann würde auch einem so ausdauernden, zähen Bastard die Puste ausgehen. Und dann, da war sich der Waldstreicher sicher, würden sie ihn zur Strecke bringen. Ein Teil von ihm wünschte sich, es diesem Abschaum auf zwei Beinen so unangenehm, schmerzhaft und qualvoll wie möglich zu machen. Der Teil, der den Hass auf einen Vertreter der Rasse auf alle Artgenossen ummünzte. Der einen sterbenden Ork gefoltert hatte, um Antworten zu bekommen und … nun, Genugtuung zu verspüren.
Bin ich das geworden, fragte er sich im Laufen und ihm war bewusst, wie abwegig der Gedankengang in dieser Situation war, was unterscheidet mich dann noch von dem Ork, der die Knochenhexe beseelt hatte? Dessen perverses Vergnügen ich in meinem Verstand spürte, als ich an seinen Strängen hing und Unschuldige tötete …
Sie kämpften sich den Pass hinauf, kamen zu dem Rand, an dem der verletzte, humpelnde Ork einen Moment gestanden und keuchend nach ihnen geschaut hatte. Kaum, dass sie den Grat erreicht hatten, kniete Kiyan ab, wie Onyx es vorgemacht hatte, den Bogen senkrecht. Hier war eine Ebene, umringt von höheren Bergen und Gipfeln, verschneit und gefroren. Der Boden wies die Spur auf, die der Ork mit seinem dunklen Blut hinterlassen hatte.
Kiyans Auge fand den Ork, wie er zu einigen Felsen rannte, wohl bewusst, dass es eine Falle war, dass er hier sein letztes Gefecht schlagen würde. Der Jäger legte den Pfeil an, spannte, bemühte sich schwer atmend um Konzentration und die nötige Ruhe für den Schuss. Seine Gedanken rasten, sammelten sich, zerfielen, rasten erneut. Dann hörte er den Schrei eines Rabens. Kor’ha, die über den Felsen kreiste. Plötzlich war da Klarheit und Konzentration. Fokus. Zwar ging Kiyans Brust immer noch wie ein Blasebalg, aber er verspürte fast nichts mehr von dieser Anstrengung in seinem Verstand.
Der Jäger atmete aus und schoss. Die Sehne klang, der Pfeil pflügte durch die Luft und traf den humpelnden Ork im unteren, rechten Rücken. Turya klopfte ihm auf die Schulter, grinste anerkennend und auch der torgaanische Hüne schnaubte etwas, was vielleicht Zustimmung war.
Sie setzten der Veteranin nach, joggten hinter ihr her. Die Felsen waren Bruchstücke eines Menhirs, der hier dereinst gestanden haben und durch irgendeine Naturgewalt, ein Beben oder derartigem zu Boden gerungen worden sein musste. Die Teile, die nicht verschneit waren, wiesen Schriftzeichen, Symbole auf.
Gerade als sie dazu kamen, stürzte sich der Ork auf Turya, den Speer vorgereckt, um die Kriegerin aufzuspießen. Dabei bemühte sich der Ork, das verletzte Bein nicht zu belasten. Den Pfeil im unteren Rücken hatte er abgebrochen, die Spitze musste aber tief im Fleisch sitzen. Kiyan wusste, dass der Bastard hinüber war. Er wusste, dass sein Pfeil die Innereien des Orks an der Stelle zu Gulasch verarbeitet hatten. Dunkles Blut floss über die Hauer und tropfte auf die Brust, das Lederzeug, die Fetische.
Es war offensichtlich, dass Turya mit ihm spielte. Onyx seufzte, die Situation erkennend, und machte sich daran, den Bogen zu verstauen und die Umgebung in Augenschein zu nehmen.
„Mach dem ein Ende, Turya“, brachte Kiyan hervor. „Der ist eh hinüber.“
Die Veteranin wirbelte den Speer herum, trieb den Ork gegen die Bruchstücke des Menhirs, von denen jeder mannshoch war. Das Grünfell brüllte und keifte, konnte aber keinen Ausfall starten, um seine Kontrahentin zu überrumpeln. Kräftig schlug sie mit ihrem Speerschaft die Waffe des Orks aus dessen Hand und noch ehe er zu der brutalen Hackklinge greifen konnte, spießte Turya den Späher auf. Ein letztes Aufbäumen, ein letzter gespiener orkischer Fluch … und er war tot.
Freude empfand Kiyan in dem Augenblick nicht. Es war, als hätte man eine verletzte Schabe zertreten. Unbefriedigend. Er verstaute den Bogen, gesellte sich zu Onyx.
„Und, was sind das für Symbole? War wohl mal ein stehender Stein, oder? Vom Waldvolk? Den Setarrifern? Oder hat der Hayabusa hier nur Schmuddelkram in den Stein geritzt, bevor er ihn umgestoßen hat?“

Venom
24.02.2025, 15:09
Der schmale Bergpfad führte die beiden höher ins Gebirge, vorbei an kargen Felsvorsprüngen und tiefen Schluchten. Die Sonne stand hoch am Himmel, ihr Licht ließ den rauen Stein in hellen Tönen erstrahlen. Es war kalt, aber trocken, und ein seltener Moment der Stille lag über der Landschaft.
Diese Stille wurde jedoch von Ska’ri gebrochen, die plötzlich mit einem kehlig dröhnenden Gesang begann. Es war eine rohe, laute Melodie, die vermutlich orkischer Natur war – oder zumindest ihre Interpretation davon.
Venom verzog unwillkürlich das Gesicht. Es war mehr ein Brüllen als Gesang, und es lief ihm kalt den Rücken hinunter, wenn auch nicht aus Begeisterung.
„Soll das so klingen?“, fragte er trocken.
Ska’ri lachte. „Klar! Orkische Gesänge! Die müssen laut sein!“ Sie hob die Stimme noch ein Stück, ließ das Echo von den Felsen widerhallen.
Venom verdrehte die Augen, sagte aber nichts weiter.
Dann, einige Minuten später, endete der Pfad abrupt. Vor ihnen klaffte ein Abgrund.
Ska’ri ließ den Blick über die Umgebung schweifen und fasste kurz ihre Lage zusammen, die Felswand oder runter in die Schlucht und wieder rauf.
Venom überlegte kurz: In die Schlucht hinabsteigen und hoffen, dass sie eine Möglichkeit finden, wieder nach oben zu gelangen. Keine gute Option.
„Wir klettern“, entschied er knapp.
Er wusste, dass es gefährlich werden würde, aber zumindest hatten sie so eine klare Route vor sich. Mit einer letzten Prüfung der Felsstruktur begann Ska'ri, vorsichtig die Wand zu erklimmen. Venom versuchte ihre Bewegungen genau zu kopieren. Seine Hände suchten nach sicheren Griffen, seine Füße nach festen Vorsprüngen.
Ska’ri, leichtfüßig und geschickt, während Venom sich voll auf jeden einzelnen Zug konzentrierte. Ein Fehltritt hier konnte fatale Folgen haben.
Der Wind war kaum spürbar, doch er wusste, dass er sich keine Fehler erlauben durfte. Schritt für Schritt arbeiteten sie sich an der Wand entlang – dem anderen Ende des Pfades entgegen.

Onyx
25.02.2025, 08:35
“Hrrrmmm…”, brummte Onyx und besah sich hier alles. Das war ein verdammt großer Hinkelstein. Den mussten Riesen hingestellt haben und mindestens ein Drache umgeworfen. Oder war es der Stern der damals vom Himmel fiel und in die Berge einschlug? Damals als der Drache schlüpfte.
Onyx zuckte mit den Schultern zu seiner Frage, aber auch Kiyans. Er hatte eigentlich gar keine große Ahnung von sowas. Er begann höchstens langsam zu verstehen was war und vielleicht sein könnte.

Sein heißer Atem quoll aus seinen Nasenlöchern und er tastete an den Schriftzeichen und Runen des Menhirs.
Auch die anderen Steine hier besah er sich für einen Moment, aber so wirklich nach Waldvolk sah das hier nicht aus.

Turya rief ihnen was zu und kurz darauf blickten sie zu ihr. Sie hatte die ‘Jagdbeute’ verwertet. Nützliche Habseligkeiten des Orks an sich genommen. Pfeilspitzen freigeschnitten und dem Ork mit seinem Hackmesser den Kopf abgeschlagen.

“Das wird unsere Eintrittskarte fürs Bluttal.”, sagte sie und kam zu ihnen. Dann sah sie sich die Schrift selbst an.

“Nicht unsere Leute. Vielleicht die alten Setarrifer oder noch älter.”, meinte sie.
“Und was gemacht hier?”, fragte Onyx.
“Weiß nicht. Vielleicht war das nur eine Wegmarkierung, wenn der Schnee sehr hoch lag. Oder ein Orientierungspunkt? Vielleicht haben sie hier irgendeinem Gott gehuldigt oder sich versammelt. Wie ein Thing?”, meinte die Veteranin und warf die Beute zu Boden, damit jeder seinen Anteil bekam oder besser sich nahm. So war es Sitte im Waldvolk.
“Thing? Hmm…hat Ort vielleicht Zauber gemacht? Hier nur Stein und Eis. Was Leute suchen hier für Versammlung?”, sagte der Hüne und nahm seine Pfeilspitze, einen Orkhauer und den Trinkschlauch des Orks an sich.
“Zauber? Hmm…Meister Torn hat mal erzählt, dass es früher auf Khorinis Plattformen mit hohen Steinen gab. Wenn man sie aktiviert hat, konnte man sie betreten und kam an einem anderen Ende der Insel wieder an. Meint ihr das ist sowas?”

“Möglich sein. Onyx aber nichts wissen wie können wecken. Alte Volk hier weise. Das Onyx gefunden raus, als erkunden Tempel in Westen von Sumpf. Wir Wochen drin. Wir verirren in viele Wege, aber gefunden Spuren von Volk was heute wir nicht haben. Da sein kleine, dünne Bach was fließen in gegossene Form von Stein. Ganze Netz und verbinden überall. Nie gesehen. Was uns gemacht Wunder war Kuppel in Tempel. Du Hebel machen und öffnen Kuppel leicht für sehen Himmel. Große Konstrukt da gewesen. Wir nicht verstanden wie geht. An Boden viel Glas kaputt, aber auch Glas gut. Sein Scheiben was rund und manche dick und manche dünn. Einer gesagt, dass sein Fernrohr, aber das nehmen Seemann und nur ein Glas. So wir denken, dass mit viel Glas sehen weiter. Sie gesehen zu Sterne. Sie gesucht Götter. Das wir glauben.”, erzählte Onyx und musste dann daran denken, dass es hier vielleicht doch was von Interesse gab. Kiyans Räbin kreiste über ihnen und landete bald auf einem der größeren Steine. Sie hatte vielleicht Hunger?

“Jagar!”, rief Onyx in den Himmel und Adler segelte langsam hinab. Er landete auf dem Kadaver des Orks und hackte prompt am blutigen Halsende, um sich satt zu essen.
“Machen kurze Pause. Essen, trinken und ziehen mehr an. Wenn wir gut, wir bis Dunkel auf andere Seite. Orkspur da gehen weiter.”, meinte Onyx und erhielt natürlich Zustimmung. Die Pause hatten sie alle gebraucht. Trockenfleisch wurde gegessen und sich dabei Kleidung angezogen. Wie es Gundas ihnen gezeigt hatte, wickelten sie um ihre Stiefel auch Kleidungsstücke und auch um den Kopf wickelten sie sich längliche Tücher. Andere brauchten sowas wohl nicht, aber bei der Kälte froren einem doch die Ohren ab. Vermummt und mit einer Decke um den Oberkörper ruhte Onyx wie die anderen beiden im Windschatten des Menhirs und sie aßen und tranken noch weiter.

“Schuss waren gut. Du aber Glück wo treffen oder Pech…wenn gezielt auf Rücken.”, meinte Onyx und wechselte dann ins torgaanische.
“Es gibt ein paar Regeln für Ziele die sich bewegen. Dein Auge und meine Augen können einem Pfeil folgen, einem Vogel oder einem flüchtenden Reh. Aber du wirst niemals etwas treffen, was schneller ist wie du selbst, wenn es von dir aus nach Westen oder Osten rennt. Dafür sind Augen und Kopf nicht gemacht. Kommt die Beute in den Süden auf dich zu…das ist dann klar. Und Norden hast du vorhin erlebt. Darum ist es wichtig immer eine sehr gute Schussposition zu haben und richtig einzuschätzen, was nach dem Schuss passiert und wo dein zweiter Schuss hingehen könnte. Je größer die Distanz, umso schwerer wird es. Hast du bei mir gesehen. Halt dich deswegen wie beim Ork erst an kurze Distanzen. Dafür muss man ein Gefühl entwickeln und mit der Zeit, wächst die Distanz, wenn man wirklich gut ist. Die meisten scheitern aber daran, weil sie den Märchen an den Feuern glauben.”, erklärte Onyx.

“Ich hab einen Nordmar-Falken im Sturzflug abgeschossen, als er ein Baby rauben wollte. Komm mach die Beine breit, Turya! Ich bin ein Held. - Ich hab dem Kerl gezeigt, wie ein Nordmar-Falke seine Eier packen würde. - Und das war nicht Hjarti!”, erzählte Turya und selbst Onyx musste ganz leicht schmunzeln. Nicht zu viel, sonst würde das Gebirge entzwei brechen. Kor’ha indes kreiste über ihnen uns krächzte. Ob Adler sie störte? Jedenfalls landete die Räbin irgendwo zwischen den Steinen und stieg dann wieder auf.

“Du hast auch gemerkt, wie schwer es ist, die dicke Sehne zu spannen und damit zu schießen, heh? Dann weißt du, was du üben musst. Turya hatte sicher auch schon solch ein Gefecht. Mit Ricklen haben wir Banditen gejagt und haben uns gut eine halbe Stunde mit Pfeilen und Bolzen beschossen. Sie waren gut, aber Kjal und Hjarti waren schnell und hatten einen weiten Bogen um die Hunde gemacht. Jilvie, ich und Ricklen haben in der Zeit unsere Köcher leer geschossen. Am Ende waren Zwei erschossen und drei durch die beiden erschlagen worden. Den Letzten haben wir laufen lassen. War viel zu jung für einen Banditen. Hättest du die Kraft und Ausdauer gehabt, deinen Köcher heute leer zu machen? Genau. Aber wir sind ja noch am Anfang. Du bist am Anfang.”, erzählte Onyx und sah Adler wieder aufsteigen. Blutig war sein ganzer Kopf. Er hatte sich satt am Orkfleisch satt gefressen.
“Frisst er auch Menschenfleisch?”, fragte Tiurya.
“Hmmhmmmm…”, bestätigte Onyx. Wie sein menschlicher Gefährte, hätte er sagen können. Auch wenn es lange her war. Turya nickte und sah dem Raubvogel nach.

“Was Kor’ha wollen? Sie jetzt auch fressen kann, heh?”, fragte Onyx und sah wie die Räbin wieder zwischen den Steinen verschwand.

Ska'ri
27.02.2025, 00:21
Es kam, wie es kommen musste.
Ska’ri hatte die andere Seite der Schlucht fast erreicht, als Venom versehentlich auf einen losen Stein trat und abrutschte. Sie reagierte reflexartig und griff nach seinem Arm, bekam ihn am Handgelenk zu fassen. Mit einem Sprung rettete sie sich auf festen Grund, ohne ihn loszulassen, obwohl sie sich beinahe die Schulter dabei verrenkte und unsanft zu Boden stürzte, von Venoms Gewicht aus der Balance gebracht. Für einen Augenblick hing Venom in der Luft, bis es ihm gelang, mit den Füßen wieder Halt zu finden und sich mit Ska’ris Hilfe über den Klippenrand zu ziehen.
„Naga shutta … Das war knapp!“ Ska’ri rappelte sich auf und lehnte sich keuchend gegen die Felswand. Sie musterte Venom kritisch, aber nicht ohen Sorge im Blick. „Alles klar bei dir?“
Venom war offenbar noch etwas durch den Wind, was man ihm wohl kaum verdenken konnte, nachdem er gerade haarscharf dem Tod entronnen war, aber er nickte und klopfte sich den Staub von der Kleidung.
Ska’ri fuhr sich mit der Hand durch die Haare. „Tur mir leid. Ich hätte dich nicht dazu ermutigen sollen. Das war … zu riskant. Beim nächsten Mal suchen wir einen einfacheren Weg, auch wenn es länger dauert.“
Venom zuckte nur mit den Schultern und ließ nicht erkennen, ob er ihre Entschuldigung annahm – ob er überhaupt Wert darauf gelegt hatte.

Nach einer kurzen Verschnaufpause setzten sie ihren Weg fort. Zum Glück blieb ihnen eine weitere Kletterpartie erspart, auch wenn der Pfad oft steil und druchaus anspruchsvoll war. Als die Sonne bereits hinter den Gipfeln der Berge verschwunden war, begegneten sie auf einer Lichtung sogar einer kleinen Gruppe Scavenger und Venom stellte seine Bogenkünste unter Beweis, indem er einen der großen Vögel mit einem gezielten Schuss erlegte.

Als sie ihr Nachtlager aufschlugen und das Scavengerfleisch appetitlich duftend über dem Feuer röstete, bedachte Ska’ri ihren Reisegefährten mit einem langen, nachdenlichen Blick.
„Sag mal … Wie fühlst du dich eigentlich seit … seit der Höhle? Seit dem, was mit dir dort unten passiert ist? Ist etwas anders als vorher? Keine Ahnung, hörst du ihn? Krul, oder den Dämon? Oder sonst etwas?“

Kiyan
28.02.2025, 19:54
Müde blickte Kiyan als Reaktion auf Onyx‘ Worte auf. Langsam, aber sicher machten sich die Anstrengungen der letzten Stunden bemerkbar. Die Hatz über den Pass, das Schießen, das Laufen an sich. Den Geist konzentriert halten, nicht im gleichen Maße abzustumpfen, wie die Füße zu schmerzen begannen. Fast wären ihm die Augen zugefallen, als er – wie seine Begleiter – seine Kleidung an die stetig kälter werdende Umgebung angepasst hatte.
Turya klopfte ihm mit einem schiefen Lächeln auf den Rücken, während der Einäugige aufstand und festen Schrittes über den Schnee ging, der unter seinen Stiefeln ein frostiges Knirschen erzeugte. Der Hüne von Torgaan nickte in Richtung des zerborstenen Menhirs, des Überrests irgendeiner alten Kultur. Proto-Setarrif? Jharkendar? Waldvolk?
Er hörte im Näherkommen das Krähen seiner Gefährtin, die auf einem Segment des Menhirs hockte und sich die Flügel putzte. Als sie ihn bemerkte, klackerte sie fast schon grüßend mit dem Schnabel und neigte mehrmals den Kopf. Dann wandte sie den Blick ab, schaute zur Seite, zwischen einige Bruchstücke der Säule. Dann hüpfte die Rabin von ihrem Aussichtspunkt herab auf den Boden, legte den Weg zu der Stelle zurück und klopfte mit dem Schnabel auf etwas.
Kiyan trat näher, beugte sich herab, wischte Schnee und Dreck von etwas herunter, etwas Hartem und Eckigem.
„Scheiße“, murmelte der Gortharer. Nun waren auch Onyx und Turya nähergekommen.
„Pudert mir den Arsch mit Salz und nennt mich Valerion … das ist doch wieder eine Steintafel, wie wir sie im Dschungel gefunden haben“, sprach er nun lauter, hob das archaische Schriftgut hoch. Es war halb so lang wie Kiyans Unterarm und maß zwei Handbreiten. Seufzend reichte er das Ding mit den bekannten Schriftzeichen über die Schulter an Turya, die nickte.
„So sieht’s aus, Jungs“, bestätigte sie, „Ähnliche Zeichen. Aber … mh … scheinbar … ältere Symbole, aber auch verhältnismäßig jüngere.“
Kiyan warf einen Blick darauf. „Wobei jünger hier immer noch einige hundert Jahre her sein kann, nicht wahr?“, fragte er und schüttelte den Kopf. „Leider haben wir kein Erz mehr.“
Onyx hob die Schultern. „Wir auf Weg ins Bluttal.“, bestimmte er, „Mit Glück treffen Jagdkommando, vielleicht welche von Wilde Jagd. Die haben Grünerz.“
„Ob sie’s hergeben, ist eine andere Sache …“, warf Kiyan ein. Onyx schnaubte.
„Gehen um Wissen des Waldvolks. Gehen uns alle an. Mich, Amazone, dich bis hin zu Terrence, Bud und Salzhüter von Wächtern.“ Er grinste diebisch. „Ansonsten klauen wie richtige Banditen.“
„Was machen wir mit dem Kopf?“, fragte die Veteranin.
„Mitnehmen. Trophäe für uns und Zeichen für Orks in Westen, dass wir gefährlich. Sie sein Beute, wir Jäger.“ Ein erneutes Schulterzucken. „Ansonsten du stellen auf Nachtisch, wenn Verlangen nach Gesellschaft zuhause.“
„Arsch“, antwortete Turya nur, schlug dem Hünen gegen die Schulter und lachte dann. Auch Kiyan, auf dessen Schultere es sich Kor’ha wieder gemütlich gemacht hatte, musste grinsen.
„Na dann los“, schlug er vor, „Sonst erstarren wir hier noch zu Eis. Ich will von diesem verfluchten Berg runter, bei Adanos.“

Venom
01.03.2025, 15:03
Venom saß mit verschränkten Armen am Feuer und beobachtete, wie das Fett des Scavengerfleisches in die Flammen tropfte und knisternd verbrannte. Der Rauch stieg in die klare Nachtluft auf, vermischte sich mit dem herben Geruch des brennenden Holzes.
Ska’ris Frage ließ ihn kurz innehalten. Seine Finger strichen gedankenverloren über das Griffband seines Bogens.
„Nein … ich höre nichts“, antwortete er schließlich, sein Blick weiterhin auf die Glut gerichtet.
Er hätte es dabei belassen können, doch irgendetwas ließ ihn weitersprechen.
„Aber manchmal … fühlt es sich an, als wäre da noch etwas.“ Er runzelte die Stirn, suchte nach den richtigen Worten. „Nicht wie eine Stimme, eher wie … ein Echo. Als ob etwas in mir nachhallt. Manchmal denke ich, ich hätte etwas gehört – aber wenn ich mich darauf konzentriere, ist es weg.“
Ska’ri musterte ihn aufmerksam, das Knistern des Feuers war das einzige Geräusch zwischen ihnen.
„Das klingt nicht unbedingt beruhigend“, meinte sie schließlich.
Venom zuckte mit den Schultern. „Es ist nicht stark. Vielleicht bilde ich es mir auch nur ein.“
Ska’ri ließ sich gegen einen Felsen sinken und rieb sich die Stirn. „Ich bin mir nicht sicher, ob das besser oder schlechter ist …“
Sie schwiegen eine Weile, während das Fleisch langsam gar wurde. Venom griff nach einem der Spieße, riss ein Stück ab und kaute nachdenklich.
„Was ist mit dir?“, fragte er schließlich. „Du doch auch dein Erlebnis mit dem Amulett.“
Ska’ri zog das Schmuckstück unter ihrer Kleidung hervor, es glänzte matt im Schein des Feuers. Sie drehte es zwischen den Fingern.
„Manchmal fühlt es sich warm an. Oder kalt, wenn es das nicht sein sollte. Als hätte es eine eigene Präsenz.“ Sie seufzte. „Aber keine Stimme. Kein Echo. Nur ein Gefühl.“
Venom nickte, sagte aber nichts weiter.
Die Nacht schritt voran, und nach der anstrengenden Reise spürten sie die Erschöpfung. Morgen würden sie weiterziehen – weiter Richtung Süden.

Ska'ri
01.03.2025, 19:37
Mit den ersten, dürftigen Sonnenstrahlen des neuen Tages waren Ska’ri und Venom bereits wieder auf den Beinen und setzten ihren Weg fort – weniger aus unbändigem Tatendrang, sondern eher, weil man sich bei der Kälte einfach den Arsch abfror, wenn man sich nicht bewegte, egal in wie viele Pelze man sich einwickelte. Selbst ein Feuer half da nur bedingt – dann wurde man eben von einer Seite gar, während man auf der anderen noch immer zu Eis erstarrte.
Zumindest kamen sie zügig voran, und obwohl der Himmel zuzog und ein schärferer Wind zu wehen begann als am Vortag, blieb es trocken, wofür die beiden Wanderer dankbar waren. Der Trampelpfad (oder was sie dafür hielten, manchmal bildeten sie sich wahrscheinlich auch einfach nur ein, dass sie einem Pfad folgten) führte sie an steilen Felswänden, scharfen Klippen und tiefen Abgründen entlang, und hin und wieder mussten sie kompliziertere Kletterpassagen überwinden, aber zum Glück keine, die sie wieder in potenzielle Lebensgefahr brachten. Venom folgte Ska’ris Ratschlag, die sich unterwegs bietenden Gelegenheiten zu nutzen, seinen Gleichgewichtssinn zu schulen, und sie hatte auch den Eindruck, dass er zusehends an Trittsicherheit gewann. Der kleine Morra lernte schnell, das musste sie ihm lassen.
Am Ende des Tages befanden sie sich in einer Gegend, die Ska’ri vage bekannt vorkam – sie mussten das Lager der Karrek, das auf der gegenüberliegenden Seite des Gebirgskammes lag, mittlerweile hinter sich gelassen und damit die südlichen Ausläufer des Gebirges erreicht haben.

Die Nacht verbrachten sie unter einem Überhang, halbwegs geschützt vor dem immer unangenehmer werdenden Wind. Am kommenden Tag wurde der Weg immer leichter, nur noch selten mussten sie bergauf gehen. Die Gipfel wurden niedriger, das Gelände weniger schroff.
Schließlich ließen die das Gebirge hinter sich. Dennoch blieb die Landschaft felsig und karg, was nicht so recht zu den üppigen Wäldern passen wollte, für die Ska’ri ihre Heimat sonst kannte. Es kam ihr … unpassend vor, und es machte sie ein wenig nervös. Sie blieb wachsam, und immer wieder zuckte ihre Hand zum Griff ihres Schwertes, wenn sie glaubte, ein Geräusch oder eine Bewegung im Augenwinkel wahrgenommen zu haben.
Und schließlich, als die Sonne sich bereits wieder dem Horizont zuneigte, sahen sie es: Auf einer Klippe über dem Meer thronend, hob es sich schwarz und mächtig vor dem blutroten Abendhimmel ab: Ihr Ziel. Das Kastell der Schwarzmagier. Es existierte also wirklich.
Ska’ri blieb stehen und stieß einen anerkennenden Pfiff aus, gefolgt von einem schiefen Grinsen: „Sieht aus, als hätte da jemand was zu kompensieren!“

... danach ...

Tat'ank'Ka
08.04.2025, 12:43
Die Morras waren entkommen. Es erzürnte Tat’ank’Ka, dass sie nicht schneller gewesen waren. Sie hatten sie noch verhöhnt und den abgeschlagenen Kopf gezeigt. Das würde ein Nachspiel für diese Waldmorras haben.
“Was jetzt?”, fragte Gorbag und schaute zu Tat’ank’Ka und den beiden anderen Kriegern die mitgekommen waren.

“Ich will etwas töten. Schmerzen zufügen und dem Schöpfer opfern. Die drei Oraks brauchen Sklaven im Reich des Schöpfers.”, meinte der Schwarzork und stemmte sich auf seinem Ripperspieß ab. Der schnelle Aufstieg ging an keinem einfach so vorbei.

“Dann jagen wir! Wie damals, Tat! Setar kann warten! Du! Kadak! Bring Botschaft an Subat. Der Kadan wird mit mir und Gorgon auf die Jagd gehen.”, wies Gorbag an und blickte seinen Sohn an. Kadak hingegen brach sofort auf.
“Jetzt wirst du dich beweisen können, Sohn!”, sagte Gorbag und ließ neben Stolz auch Anspruch erklingen. Gorgon - ein kräftiger, junger Orak der noch nicht zum Orakai erhoben wurde nickte und schlug sich die Faust auf die Brust. Der Späher würde zeigen, ob er nicht nur wie ein junger Gorbag aussah. Da zweifelte der Schwarzork nicht. Er hoffte es für ihn, denn bei Gorbags Sohn wüsste er was da für Blut und Ahnen drin steckten. Das wäre ein anständiger Gefährte für Zasa.
“Und lernen!”, versprach der Häuptling der Karrek und zeigte die Richtung, in die die drei Orks aufbrechen würden.

Tat'ank'Ka
14.04.2025, 12:27
“Namawar! Ayoka!”, warnte der Schwarzork seine beiden Jagdgefährten.
Sie waren der Spur der Echsenwesen gefolgt und hatten dann ihre Überreste auf einem abflachenden Bergplateau gefunden, das noch auf der Baumgrenze des Gebirges lag. Büsche, Felsen und Nadelbäume gab es hier. Ein Pfad weiter hinauf zur Bergspitze, den ein Bach aus Schmelzwasser gepflügt hatte. Mehrere Pfade hinab. Teils natürlich durch Felsen gegeben, teils geschaffen, durch umgeknickte Bäume. Ein Hinweis darauf was die nahende Beute sein musste.

Und das, was die Echsenwesen vernichtet und gefressen hatte, war würdig für den Häuptling der Karrek und seine Gefolgschaft.
Ein Troll.
Lange hatte er keinen mehr gejagt, geschweige denn gesehen. Sie waren selten auf Argaan und anders als jene auf Khoro. Die Hauer waren im Vergleich zu jenen auf Khoro größer, die Körper etwas kleiner und die Trolle schlau genug, um die Berge nicht zu verlassen.
Was hier oben trotzdem überlebte, musste zäh und hart sein.

Der orkische Hinterhalt war simpel. Einer vorne und zwei Orak, die den Troll in die Flanke und den Rücken fallen würden, wenn sie hinter den Felsen hervorkommen würden.
Die alte Taktik der Khoro-Veteranen. Immer auf den Rücken und die Beine gehen und sich nicht erwischen lassen.
Geschah dies doch…nun ein Orth war nicht umsonst dafür bekannt, selbst einen starken Ork mit einem Fausthieb zu zerschmettern. Zurecht galt er als einer der großen Vier für das Ulumulu.

Tat’ank’Ka stellte sich gut sichtbar auf dem Bergplateau hin und beobachtete genau was da zwischen den wankenden Fichten hervor kam.
Der Nervenkitzel hätte nicht größer sein können, als er die Vibration der schweren Schritte am Boden vernahm und der Troll endlich in seiner Silhouette zu erkennen war.
Der Berserker brüllte, hob den Ripperspieß in die Höhe und ließ ihn dann fallen, um den ersten von drei Wurfspießen zu packen.

Der Troll erwiderte sein Brüllen, der Schwarzork nahm Anlauf und schleuderte den Spieß kraftvoll in Richtung Troll, der immer noch zwischen Bäumen stand.
Er traf nicht, aber dafür schlug der Wurfspieß in einem Baum ein. Tat'ank'ka hatte schon den Zweiten mit der Wurfpranke gegriffen und den letzten Wurfspieß hielt er mit der anderen Pranke. Ein Baum wurde gerade knackend zur Seite geschoben, als der Jäger seinen zweiten Spieß aus kurzer, orkischer Distanz schleuderte und dann auch endlich traf.

Eine wütende Aura loderte auf, als der Troll endlich aus seiner Deckung kam und das dritte Wurfgeschoss in seine ihn schützende Pranke einschlug. Er schlug mit den großen Fäusten um sich, zog die Spieße aus sich heraus und blutete leicht.
Es war kein ausgewachsener Troll. Gerade einmal ein junger Troll.
Die Hauer waren noch klein und die Höhe des Trolls war anderthalb Orks lang. Da fehlte noch ein ganzer Orak, um ausgewachsen zu sein.
Dafür war er breit gebaut, wie es sich für Trolle gehörte und sein Fell war dunkelgrau. Kein schwarzer Troll, die waren sehr selten und ein anderes Kaliber.

Tat’ank’Ka rannte zurück zu seinen Ripperspieß, als der Troll Tempo aufnahm und ihn hinterher jagte.
Der Veteran umgriff die gute Jagdwaffe und hielt sie vor sich, um dann im Halbkreis um den Troll zu laufen. Er stach immer wieder zu, während der Troll mit der Pranke nach dem Schwarzork griff und mit den kurzen Beinen versuchte, den wuchtigen Körper zu rotieren.
Tat’ank’Ka indes hielt Abstand und hielt sich strikt daran den Abstand zu wahren und bloß nicht dem Troll den Rücken zuzuwenden oder diesem direkt gegenüber zu stehen. Denn dann wäre es aus.
Die Halbkreis-Taktik fruchtete bei diesem jüngeren Exemplar jedoch nicht so, wie bei einem doppelt so schweren Troll. Der Schwarzork kam so langsam in Bedrängnis und hatte nach einer Stichattacke den Ripperspieß loslassen müssen. Der Troll hatte diesen zum Greifen bekommen, als Tat’ank’Ka nicht rechtzeitig zurückzog. Der Ripperspieß landete auf dem Boden und würde bersten, wenn der Troll drauf treten würde. Ab da kam der Einsatz seiner Jagdgefährten.
Gorbag und sein Sohn kamen mit Gebrüll aus ihren Verstecken und warfen mit Speeren und Wurfäxten nach dem jungen Troll. Der brüllte auf, drehte sich ihnen zu und stürmte einem langsamen Gorilla gleich auf Gorbag selbst zu.
Tat’ank’Ka eilte zu seinen Ripperspieß, packte diesen und schleuderte ihn wuchtig in den Rücken des Jungtrolls, während Gorgon mit seiner Axt brüllend den Nahkampf suchte.

Der Troll zuckte zusammen, als der Ripperspieß ihn traf und tobte, als Gorgons Axt seinen Hintern traf. Gorbag attackierte mit seinem Schwert und trieb den jungen Troll sogar zurück.
Das Wesen schien überfordert mit der Situation zu sein, wehrte sich mit umher schwingenden Fäusten. Tat’ank’Ka schaffte es seinen Ripperspieß zu packen und stieß diesen noch einmal in die Wunde, während Gorbag mit dem Schwert ins dichte Fell der Beine stach. Gorgon wurde übermütig und wollte seine Axt in die Brust des Trolls jagen, doch seine Arme wehrten den Angriff ab und schleuderten den jungen Späher weg.
Tobend und brüllend haute der Troll nun auf den Boden, jagte Gorbag hinterher und drehte dann, um Tat’ank’Ka zu überraschen und ihn nun zu jagen.
Der Schwarzork schuf Abstand und der junge Troll suchte nicht den Kampf sondern flüchtete in den Wald.

“Hinterher!”, knurrte Gorbag, als er seinem Sohn aufhalf und einige Schritte eilten sie auch hinterher, bis sie am Waldrand standen.

“Jabarth!”, befahl der Häuptling und schnaufte erst einmal durch. Gorbag und Gorgon sahen ihn fragend an.
“Das war nicht der Orth, der die Echsenwesen erschlagen hat.”
“Ja.”, stimmte Gorbag zu. Nicht dass sie die Jagd abblasen wollten, doch wenn der große Troll hier noch irgendwo war, dann wären zwei Trolle ein wenig zu viel des Guten.
“Er ist noch ein Jungtier. Wo ist dann seine Mutter?”, fragte Gorgon und schmeckte das Trollblut von seiner Axt.

“Da wohin er flüchtet oder woanders. Wir finden den jungen Troll noch. Schauen wir, wo das Alttier ist. Die Spuren sollten wir unterscheiden können.”, sagte der Schwarzork und zeigte auf die Überreste der Echsenmenschen einige Schritte entfernt. Die Trollabdrücke dort, waren viel größer. Dieser Spur würden sie folgen.

“Setz ein Zeichen bei den Echsenwesen, Gorgon! Damit sie wissen, wo sie unsere Leichen finden.”, meinte Gorbag fast spöttisch und Tat’ank’Ka musste grinsen. Es war knapper wie gedacht bei diesem Jungtroll. Sie hätten es wohl geschafft, aber selbst da hatte der Berserker gemerkt, wie wenig Übung sie gegen Trolle hatten.

Tat'ank'Ka
18.04.2025, 20:33
Die Spuren hatten sie durch ein Waldstücke und vor allem höher in die Berge geführt. Spuren
kleinerer Wesen hätten sie verloren, doch Trolle waren einfach zu finden.
Sie stiegen Serpentinen hinauf, schritten dann eine Weile gerade um ein Bergstück und standen dann vor einem recht kleinen Tal zwischen zwei Bergen.
Schon von ihrem Aussichtspunkt sahen sie die Aasfresser der Berge kreisen und einen großen Höhleneingang. Ganz trolltypisch mochte man meinen, wenn man das Detail mit der großen Anzahl an Aasfressern nicht beachtete.
Beim Abstieg wurden sie bestätigt, als der Geruch ihre feinen Orknasen erreichte.

“Naga shutta! Was sie wohl erledigt hat?”, frage Gorbag und war so wie Tat'ank'ka auf der Hut. Die Veteranen und alten Jäger wussten zu gut, dass sich an sowas sicher alles satt essen wollte. Und was hatte die Trollin oder den Troll getötet?
Die orkischen Jäger pirschten heran, als sie im Tal waren. Gorgon ging hinter ihnen und hatte eine eigene Aufgabe bekommen.

Der Gestank wurde allmählich bestialisch, als sie wenige hundert Schritt noch entfernt waren und hinter Felsen und Büschen sich verbargen, um einen Blick zu riskieren.
“Was siehst du, Gorbag?”
“Nichts Gutes!”
“Sag mir nicht, dass dort ein Khaz ist!”
“Kein Khaz.”
“Viele Gach-Lug?”
“Schlimmer. Du wirst dich freuen.”

“Hmm…Ich hasse sie. Ich hasse ihr Fleisch. Ich hasse ihre Augen.”, sagte der Schwarzork und schnell war ein Plan gefasst, nachdem alle drei Orak die Echsenmenschen gezählt hatten.

"Genug für uns Drei. Gorgon! Heute kannst du deinem Vater und deinen Ahnen Ehre bereiten.”, sagte der Berserker und stimmte sich auf den Kampf ein. Gorbag gab seinem Sohn noch einmal Instruktionen und verpasste diesem eine Kopfnuss, damit er es nicht vergisst.

“Du hast einen guten Sohn groß gezogen. - Wir zu zweit gegen mehrere. Weißt du noch damals die Rebellenhöhle? Wir waren nicht älter als Gorgon. Der Feuermorra ist immer noch bei mir.”, sagte der Schwarzork und zeigte auf die Schädelkette, die er bei sich am Gurt trug.
“Ich erinnere mich noch gut daran, alter Freund. Gehen wir es an! Rok Tar!”

“ROK TAR!”, brüllte der Schwarzork, zog Tohu und Wabohu aus den Halterungen und schlug sie aneinander.
Die Chaos-Äxte sangen ihr metallisches Lied im Tal und schufen die Aufmerksamkeit, die sie wollten.
“Toooood!”, grölten die Orakai-Veteranen aus voller Kehle und stürmten los, als ihre Gegner angelaufen kamen.

Tat'ank'Ka
19.04.2025, 08:21
Rin! - Shikin! - Han!
Eine orkische Kampfweise die sich an Tieren orientierte.
Der mächtige Angriff von unten nach oben wie ein Keiler mit Tohu.
Wabohu stürzte dann wie ein Sumpfhai hinab und dann jagte Tohu wie der Prankenhieb eines Bären von der Seite in die Seite des Echsenwesens, das den Rin mit seiner Keule noch parierte, unter dem mächtigen Shikin schon fast in die Knie gezwungen wurde und dann schmatzend die Orkaxt im halben Brustkorb stecken hatte.
Brüllend trat Tat'ank'ka seinen sterbenden Gegner um und versenkte Wabohu zweimal um Arme und Schädel zu zerschmettern. Dann zog er Tohu heraus und wich sogleich zurück, als ihn ein weiteres Echsenwesen von der Seite attackierte und von vorne ein Zweites kam.

Gorbag durchbohrte eine Echse und rang dann mit einer weiteren im direkten Nahkampf, bis Gorgon dazu stieß und den Rücken des Wesens mit seiner Axt spaltete. Dann kamen Vater und Sohn dem Schwarzork zur Hilfe, der mit seinen Äxten wild umher wirbelte und die Echsen auf Abstand hielt, bis eine Dritte dazu gestoßen war und ihn von hinten attackierte. Tat’ank’Ka ging in die Knie, als die Echse ihn von hinten ansprang und sich fest krallte. Dann biss sie zu und wollte wohl an seinen Nacken oder Hals. Doch die dichte Mähne des Schwarzorks war im ersten Moment im Weg. Der Berserker warf sich nach hinten und landete auf der keuchenden Echse. Trat dann nach den beiden Echsen die ihn mit Keule und Faustkeil erschlagen wollten und drehte sich zur Seite, als Gorbag und Gorgon endlich da waren.
Fauchend reagierten die Echsen auf Gorbag und Gorgon die jeweils eine von ihnen attackierten. Tat’ank’Ka ließ seine Äxte los, drehte sich zur Seite und versuchte die Echse abzuschütteln. Die versuchte wieder zuzubeißen, doch der Berserker in seinem ansteigendem Kampfrausch sprang mit ihr leicht auf und ließ sich noch einmal auf den Rücken fallen. Das genügte um sich endlich von ihren Krallengriff zu befreien und dann zog er seinen Orkdolch. Unaufhaltsam, ungebändigt jagte die Klinge des Waffenschmieds in den Echsentorso. Durchschlug Rippen und Lunge, während die Krallen an seiner leichten Rüstung schaben und tiefe Kratzer an freien Stellen verursachten. Der Orkdolch wurde wütend ein weiteres Mal in den Torso getrieben und ruckartig aufgeschlitzt, bevor der Schwarzork das schnappende Maul der Echse packte und den Unterkiefer zur Seite riss. Beißen konnte die sterbende Echse nicht mehr und mit dem Orkdolch im Schädel war es auch vorbei.

Tat’ank’Ka trat gegen das Echsenwesen und schnaubte wütend. Gorbag und Gorgon hatten auch überlebt und kamen zum Berserker.
“Ruhe Freund. Es ist vorbei.”, sagte Gorbag zum Berserker, um ihn runter zu bringen. Tat’ank’Ka roch jedoch nur das Blut und hatte Mühen nicht gleich weiter zu stürmen und das nächste Opfer zu finden. Er blickte auf seine Hände, besah sich die blutigen Kratzer und atmete tief ein und aus. Fauliger Verwesungsgeruch eines Trolls gepaart mit heißen Echsenblut. Herrlich…

Eine Stunde später…

Gorgon hatte seinen Vater und Tat’ank’Ka versorgt. Ließ sich von Gorbag selbst helfen eine Orkkrautpaste auf die Kratzwunde aufzutragen. Tat’ank’Ka war wieder Herr seiner selbst und hatte seinen Ahnen zurück in sein Unterbewusstsein gedrängt.
“Wir brauchen bessere Rüstungen. Wie früher, Gorbag. Und wir haben Glück, dass die Echsenwesen nicht an richtige Waffen kommen…”, urteilte der Häuptling.
“...und keine Kampferfahrung haben.”, stimmte der einstige Shak zu.

Sie schritten dann zum Troll und den Höhleneingang. Bejahen sich die Wunden, die der Troll davon getragen hatte.
“Waren das die Echsenwesen?”, fragte Gorgon fast ungläubig.
“Wurde einer von euch gebissen?”, fragte der Schwarzork direkt. Beide verneinten.
Der Troll war an mehreren Wunden gestorben, die durch Bisse hervorgerufen worden waren. Es mussten unzählige Echsen gewesen sein, die sich verbissen hatten. Einige hatte er oder besser sie erschlagen können. Davon sprachen die Spuren am ersten Fundort. Die Echsen hatten sich dann zurückgezogen und der Troll fraß seine erschlagene Beute und nahm noch etwas mit. Gewöhnlich machten so Bisswunden einem Troll nichts aus. Nichts konnte Trollblut schaden. Doch die Schwärze um die Bisswunden, das viele Blut das nicht geronnen war. Es erinnerte die Jäger an die Opfer von Waranen. Jeder Orak wusste, dass er sich nicht beißen lassen durfte.

“Auch die haben sich weiter entwickelt. Wie die in Setars Palast.”, sagte Gorbag und zählte ein einige Bisse am Trollweib.

“Ihre Horde hat sich gegen den Troll geopfert und wusste, dass er ihnen für lange Zeit Fleisch gibt. Genug Zeit für das da, um groß zu werden…”, sagte Tat'ank'ka und zeigte auf das was in der Höhle zu sehen war. Bestimmt zwei Dutzend Echseneier. Würden sie schlüpfen, würden sie sich sattessen. Die Alttiere wachten über die Brut

“Wir schauen uns noch um und dann holen wir ein paar Sachen und Oraks aus Setar. Ich habe einen Plan. - Beenden wir diese Entwicklung, bevor sie für uns eine Gefahr wird…”, sagte der Berserker und ging mit seinen Äxten frisch ans Werk.

Tat'ank'Ka
20.04.2025, 08:16
Tat'ank'ka und Gorbag erhoben sich von ihrem Lagerfeuer, als Gorgon endlich an nächsten Tag zurück war. Mit diesem waren Gargo, Rok Shar, Menki und Kadak erschienen.
Gargo schleppte eine dickes Tau mit sich und Kadak, als auch Gorgon durften als Späher den ganzen Rest mit sich tragen.

Tat’ank’Ka hatte nach einer guten Jagdgesellschaft gerufen und die bekam er. Gargo war kein Jäger, aber er hatte die Kraft, die sie brauchten. Rok Shar und Menki hingegen waren gute Jäger. Agiler als der Rest und sehr gut geeignet, um ihr großes Ziel zu verfolgen.
Gorgon und Kadak hingegen waren für alles angedacht. Solch Jagden formten einen und zeigten den wahren Charakter eines Oraks.

Nach kurzer Begrüßung und zeigen des toten Trolls gab es erst einmal Echse zu essen. Es war kein Geheimnis, dass die Orks seit Eroberung von Setarrif natürlich einen erhöhten Bedarf an Nahrung hatten. So viele Orks wurden nicht von Korn und Orkkraut satt. Es waren die Echsenwesen und ihre Eier, die zwar nicht gut schmeckten, aber die Mägen füllten, bis die Zeit käme, wo sie den Nahrungsbedarf durch Viehzucht, Ackerbau und Fischfang erweitern würden.
Bauern hatten die Karrek keine. Das war etwas, was die Nordlandeorks gut konnten, mussten sie doch das ganze Imperium versorgen.

Tat’ank’Ka erzählte dann was er vor hatte und stieß auf ungläubige Gesichter.
Gorbag war aber überzeugt.
“Wir machen das auch, weil wir eine starke Faust brauchen, um den Seeorks zu zeigen, dass wir nicht ihre Knechte sind. Sowas gab und gibt es in unserer Kultur und der Kadan wird das mit uns schaffen. Es ist ein Jungtier. Formbar wie ein junger Orkhund. Darauf setzen wir. Sollte er zu wild sein… - nun dann haben wir einige Tage Ruhe mit der Jagd.”

“So ist es. Es ist eine gute Gelegenheit unseren Stand zu festigen. Egal wie viele Seeorks noch nach Setar kommen. Wir essen auf und dann jagen wir.”, befahl der Häuptling der Karrek und ließ sich von Kadak seine geforderte Ausrüstung geben. Er wollte prüfen, ob alles dabei war.

Tat'ank'Ka
21.04.2025, 14:28
Töten war eine einfache Sache in der Kultur der Orks. Warst du besser, stärker, schlauer oder der Schöpfer auf deiner Seite, dann konntest du aufsteigen bis zum Orkkönig.
Doch so etwas wie verschonen, nur verletzen oder gar gefangen nehmen, mitsamt nur ein paar Haare zu krümmen. Das sah das Dasein in der Orkkultur nur für die Jüngsten vor, damit sie lernen, dass es keine weitere Chance geben würde oder Schmerzen ein Teil des sehr harten Lebens der Orks waren.

Doch das Oruk - der Kodex der Orks - sah nichts für den Umgang mit Trollen vor. Ob man sie schonen sollte oder töten wo immer sie sind. Einzig, dass der Schöpfer es schätzte, wenn ein Ork seine Feinde unterwarf, war etwas was universell galt.

Tat’ank’Kas Jagdgesellschaft hatte den sehr jungen Troll aufgespürt und in die Enge getrieben. Sie hatten einen Halbkreis gebildet und wehrten brüllend und mit langen Waffen jeglichen Fluchtversuch ab.
Der Troll war verzweifelt, erschöpft von der Hatz durch ein ganzes Tal durch eine hauen und stechende Gruppe von Orks die ihn weitere Wunden zugefügt hatten. Irgendwann ging es vor einer Felswand nicht weiter und dann wäre es der orkischte aller Wege gewesen, dass der Anführer den finalen Angriff startet.

Hier aber kam nun der Plan von Tat'ank'ka und Gorbag zu Geltung.
Die zwei jungen Späher bei ihnen riskierten nun viel, als sie den Troll so attackierten, dass er Tat'ank'ka, Gorbag und Gargo den Rücken zuwandte. Sie waren die Stärksten in der Gruppe, während Rok Shar und Menki sich mit Ripperspießen bereit hielten, den zwei jungen Spähern und auch ihnen zu Hilfe zu eilen.

Als Gorgon durch die Luft flog, schrien sie alle auf, doch Gorbags Sohn stand schnell wieder auf und dann mischte sich Menki auch noch ein, der flink den Troll in die Wade stach und einen Moment schuf, da der Schwarzork die Gelegenheit sah.

Gargo, der an Masse und Größe jeden der Orks fast übertrumpfte, warf sich an die Hüfte des etwas größeren Jungtrolls und versuchte, diesen von hinten festzuhalten.
Gorbag und Tat'ank'ka waren direkt dahinter und packten kniend die kurzen Beine des Trolls.
Dann brüllte Gargo mächtig auf und versuchte den Troll zu stemmen, während dieser um sich schlug.
Das gelang nicht so wie geplant, aber ausreichend, um durch Gorbag und Tat'ank'ka dem Troll die Beine wegzuziehen.
Der Troll stürzte nach vorne, fing sich mit den langen Armen und wurde sofort von den vier anderen Orks beschäftigt. Kadak und Gorgon warfen sich auf einen Arm, Menki ging an den anderen und Gargo, Gorbag und Tat'ank'ka setzten ihre Masse ein, um sich auf den Rücken des Trolls zu werfen.

Rok Shar schlang ein vorbereitetes Tau um eine Faust und zog es zu und schaffte es dann mit Menki den Arm weg zu ziehen, während der Rest sich mit großer Mühe gegen den wild werdenden Troll stemmte.
Rok Shar und Menki wurden zum Troll gerissen und er stemmte sich dann mit der freien Faust tatsächlich etwas auf, doch seine Grenze war da, wo Tat'ank'ka seinen Arm um den Hals des Trolls schlang und mit beiden, vereinten Armen den Troll würgte.
Als Gorbag Rok Shar und Menki zur Hilfe kam und sie das lange Tau begannen an Kadak und Gorgon vorbei zu führen und mit dreifacher Orkkraft, den rechten Arm über den Linken zogen und gegen hielten.
Wo Gargo sich drehte und die Beine mit seiner Masse runter drückte und die beiden Späher dann um den zweiten Arm auch ein Tau fest zogen und in die Gegenrichtung zogen, so dass der Troll die Arme gekreuzt bekam und mit dem Kopf darauf lag und versuchte zu beißen, brüllen und wusste Beliar noch versuchte. Es brachte ihm nichts.
Nicht mit den Wunden, nicht gegen sechs Orks die ihre ganze Kraft einsetzten, um ihrem Anführer die Gelegenheit zu geben den Plan fortzuführen.

Tat’ank’Ka griff an seinen Gurt. Holte einen Hammer, einen dicken Eisenring mit zwei Durchführlöchern und einen dicken, dazugehörigen Pflock hervor und machte das, wofür dieses Teil hier gedacht war.
Er klammerte sich mit den Beinen um den Hinterkopf fest, drückte den Pflock in die breite Nase des Trolls und ließ diesen mit zwei Hammerschlägen vor Schmerz eskalieren. Beinah verloren sie die Kontrolle. Beinah flogen Gargo und er vom Troll.
Tat'ank'ka würgte den Troll wieder, wartete bis sein Widerstand abflachte und griff dann nach der Kette bei Gargo.
Der Pflock lag schon am Boden und das Trollblut floss aus der Trollnase, da packte der Schwarzork mit einem Arm um den Trollhals und schob unter mehreren Versuchen einen dicken Ring am Ende der Kette durch das Loch.

“Nochmal festhalten!”, kam als Kommando als Tat'ank'ka herunter glitt und Gargo seine Position einnahm.
Dann drehte Tat'ank'ka den Nasenring des sich nicht mehr wirklich wehrenden Troll, hob den eisernen Pflock auf schob diesen mit Gargos Kette dazwischen durch beide Durchgangslöcher.
Mit der Präzision eines Waffenschmieds verformte der Hammer das spitze Ende des Pflocks und der Nasenring mit Kette war nun am jungen Troll angebracht.

“Er hat aufgegeben. Festhhalte! Wir verbleiben in der Position für eine Weile, Orakai!”, gab der Häuptling vor und zerrte an der Kette. Schmerz durchzuckte den Troll und er wehrte sich gegen seine Lage. Doch es war auch die erste Lektion für diesen Troll, was geschieht, wenn er etwas macht, was sein Meister nicht will.
Schmerzen.

“Du wirst mir gehorchen! Du wirst keinen Orak ohne meinen Befehl angreifen. Du dienst mir! Du achtest deine Bezwinger! Und dann wird es dir gut gehen - Tav-Tav!”, taufte ihn Tat'ank'ka, blickte dem Troll in die Augen und zog mit sanfter Kraft an der Kette.
Tav-Tav galt in der Orksprache als Begriff, um etwas zu zermatschen. So wie einen Käfer oder den Schädel eines Feindes mit dem Hammer. Aber es beschrieb auch das Formen von Eisen und Stahl. Und formen würde der Schwarzork diesen Troll.

Tat'ank'Ka
08.05.2025, 12:27
“Jabarth!”, grollte die Stimme des Schwarzorks und für einen Wimpernschlag wartete er, bis er kontrolliert an der Kette zog und sich mit einem Ruck dann schnell anzog.
Der junge Troll grollte, knurrte und jaulte vor Schmerz. “JABAAARTHH!”, knurrte Tat’ank’Ka und zog heftig an der Kette. Der Troll sprang auf, hielt sich an der Nase und bekam noch einmal einen kräftigen Ruck zu spüren, weil er sich bewegte.
Dann lockerte der Schwarzork die Kette und sagte “Kesh!”.
Kesh - verstand Tav-Tav schon. Dann durfte er gehen oder besser an der Seite gehen - oder es setzte was mit einem kräftigen Ruck und den Ripperspieß, den der Berserker stets bereit hielt, um Tav-Tav angemessen zu stechen.
Hatte der Schwarzork Mitleid? Nein. Orks hatten kein Mitleid zu vergeben. Schon als Frischling bekam man aufgezeigt, dass die orkische Welt so funktionierte. Einer stand mindestens über dir und entweder fügte man sich und nahm seinen Platz ein oder man erschlug jenen über einem. Der Troll würde es sicher irgendwann versuchen, doch bis dahin konnte der Schwarzork diesen formen und prägen. Erziehen und die Vorteile zeigen, die er bekam, wenn er Tat’ank’Ka folgte und gehorchte. Einer Bestie zeigte man dies aber nicht durch Freundlichkeit und Sanftheit bei. Man zeigte und lehrte die Bestie in jedem Augenblick, wer der Boss war. Ansonsten war man die Beute der Bestie. Keine Schwäche zeigen. Lektionen, die Frischlinge schon verinnerlichten oder in der harten, orkischen Gesellschaft untergingen.

“Jabarth!”, herrschte der Berserker den Troll an und stach dann mit dem Ripperspieß zu, als Tav-Tav nicht hielt. Als dieser die Fäuste hob, riss Tat'ank'ka am Nasenring und fluchte auf orkisch.
Der Troll zeigte sich unterwürfig, da er lernte, dass Widerstand gegen den Herrn Schmerzen bedeuteten.
“Jabarth!”, kam erneut das Kommando und Tav-Tav blieb nun stehen und atmete tief ein, bevor ein tiefes Grollen erklang.

“Hmm…- Kesh!”, brummte dann der Schwarzork und ging langsam wieder los. Der junge Troll folgte gefügig.

Es ging bergauf aus dem Tal zurück auf einen der Bergpfade. Seine Orakai warteten wohl schon am vereinbarten Ort für das heutige Nachtlager.

“Jaaabaa….”, brüllte Tat'ank'ka und Tav-Tav hielt tatsächlich an und erwartete Bestrafung. Doch die kam nicht.

“Kesh!”, sagte der Schwarzork und klopfte zweimal mit dem Ripperspieß auf den Untergrund. Tav-Tav marschierte los wie es Trolle nunmal taten. Die langen Arme stützten den großen Oberkörper ab und die verhältnismäßig kurzen Beine folgten. Wie bei einem großen, schweren Affen.

“Das Trollhirn wird noch lange brauchen, bis es nützlich ist.”, meinte der mächtige Gargo, der den Häuptling begleitete, um im Fall der Fälle mit seinem großen Trollfaust-Hammer zu handeln.
“Nicht so lange wie ein Frischling braucht, um ein Orakai zu werden. Mit eiserner Faust werde ich dem Troll schon beibringen was zählt. Was meinst du wird das für ein Spaß, wenn wir in Setar mit einem Troll auftauchen? Diese Seeorks werden erst einmal blöd gucken. Und Molotow daran erinnert, dass er nicht der Kriegsherr ist.”, sagte der Schwarzork. Gargo grunzte zustimmend und blickte zum jungen Troll, der ein Stück größer war, als der orkische Koloss.

“Und was bringst du Tav-Tav bei, Kadan?”, fragte Gargo.
“Zuerst zu gehorchen. Dann Befehle. Dann soll er Aufgaben erledigen. Wenn er soweit ist, wird er kämpfen lernen.”, überlegte der Berserker.
“Ha-ai!”, bestätigte Gargo und trat dann vor, als sie das Felsenplateau erreichten. Das Orkfeuer brannte schon und die anderen erhoben sich, als die beiden mit dem Troll sichtbar wurden.
“Mal sehen, was sie für Tav-Tav zu fressen aufgestöbert haben.”, dachte sich Tat’ank’Ka und begann wieder mit >Jabarth< und >Kesh<. Sein Troll musste erst lernen zu gehorchen.