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View Full Version : Setarrif #44



Adson Muller
29.08.2017, 19:26
Adson stand regungslos und beobachtete. Sein Hand lag an der Waffe, er war auf alles gefasst. Schon als er das Haus betreten hatte, hatte er dieses leichte Kribbeln verspürt, fast so wie im Portal des Kastells. Irgendein Zauber, irgendeine Magie war hier am Werk und das mahnte den Narbigen zu größter Vorsicht. Als Madlen sich dann geschnitten hatte, war das Kribbeln stärker geworden und Adson hatte ein leichtes Rauschen gehört, wie er es vom Setarrifer Strand kannte. Was passierte hier? Adson wusste es nicht und Redsonja schien das Ganze auch mit Argwohn zu betrachten. Madlen wirkte noch immer wie entrückt. Angst, Trauer, Freude, Wut und andere Gefühle hatten sich auf ihrem Gesicht abgewechselt und jetzt hörte Adson die junge Frau weinen und sah ihre Tränen auf dem staubigen Boden. Hatte sie einen Geist gesehen oder eine Vision gehabt? Hatte ein Dämon nach ihr gegriffen. Adson war es unwohl zumute. Dieses Haus gefiel ihm nicht. Noch immer kribbelte es leicht auf seiner Haut und sein Instinkt drängte ihn zu gehen.

Schließlich setzte Adson sich in Bewegung. Er ergriff Madlen vorsichtig aber bestimmt am Arm. Die junge Frau schreckte im ersten Moment zurück, richtete sich aber dann mit Adsons Hilfe auf. So zierlich Madlen wirkte, so schwer erschien sie dem Narbigen in diesem Moment. Erinnerungen kamen in ihm auf, doch er schob sie beiseite. "Vielleicht sollten wir gehen.", meinte er und ließ Madlens Arm langsam los. Was auch immer hier passiert war, dieser faule Zauber gefiel Adson nicht.

Madlen
01.09.2017, 12:07
Völlig in ihren Gedanken und Gefühlen gefangen, kniete die junge Frau immer noch am Boden. Plötzlich bemerkte sie eine Berührung am Arm und blickte sich entsetzt um. Ihr Blick war immer noch verschwommen und im ersten Moment erkannte sie nicht, dass es Adson gewesen war. „Ara?“, flüsterte sie mit vorsichtiger Stimme. Doch schnell wandelte sich das einst bekannte Gesicht und sie erschauerte so stark, dass sie am ganzen Körper zitterte. Beinahe wären erneut ihre aufgestauten Gefühle hervorgetreten. All die Zeit, in der sie mehr zu den Toten als zu den Lebenden gezählt hatte und somit keine Emotionen zeigen konnte, schien mit einem Schlag vorbei und ins Gegenteil umzuschlagen. Sie fühlte alles ganz deutlich. Ihre Sinne waren überempfindlich, ihr Geist spielte verrückt. Sie konnte nicht klar denken, vielmehr gab es nur ein Ziel für die Fürstin. Sie würde Ara wiedersehen und wenn sie die schlimmsten Alpträume überstehen musste. Madlen schwor sich, nicht aufzugeben, ehe sie alle Möglichkeiten ausgeschöpft hatte, ihren Mann zurück zu holen.

Vorsichtig richtete sie ihr Haar, als wäre nichts gewesen. Sie wollte nicht, dass die anderen ihre momentane Verletzlichkeit erkannten. Entschuldigend blickte sie noch in Richtung von Adson und meinte: „Vermutlich sollten wir das wirklich. Obwohl wir bisher überlebt haben. Was soll uns jetzt noch Schlimmes passieren, was nicht schon längst geschehen ist?“ Die junge Frau sah sich um und zuckte mit den Schultern. „Dies war einst mein Zuhause, mein Leben und mir wurde alles genommen. Meine einstige Heimat ist besetzt und mein Geburtsland versinkt im Chaos. Und was mache ich? Auf längst vergessenen Pfaden wandeln, in Erinnerungen verweilen? Ich möchte etwas zurück haben und dazu brauche ich Antworten!“
Während sie sprach, richtete sie ihren Mantel zurecht, welcher ein wenig verrutscht war. Im Anschluss daran ging sie zu dem einstigen Eingang von dem Haus. Der Sturz sah aus, als würde er nicht mehr lange halten. Aber das war egal, denn es klafften einige größere Wunden in dem einstigen Besitz von Madlen. Dann fuhr sie fort: „Für das, was ihr beide auf euch genommen habt, danke ich euch und stehe in eurer Schuld. Und eine Aynur steht zu ihrem Wort.“ Sie seufzte und sah anschließend in den anbrechenden Morgen. „Aber ich kann nicht verlangen, dass ihr mich länger begleitet. Ich breche auf, um Antworten und die Person zu finden, die mich einst gerettet hat. Wir werden uns wiedersehen!“

Und dann verschwand sie nach draußen. Sie konnte nur hoffen, dass Sonja und Adson auf sie hörten. Sie wollte zum Kastell und wusste nicht, was dort auf sie warten würde. Vielleicht war es ihre letzte Reise oder Beginn von einem Leben. Sie konnte es nicht erahnen…

Adson Muller
07.09.2017, 16:00
Adson blickte der jungen Frau nach und schüttelte seinen Kopf. Sie war ihm immer wieder fremd und verhielt sich sonderbar. Zumindest empfand er es so. Sie ging und kam wie sie wollte und offenbar waren ihre Mitstreiter für sie weniger Gefährten, als viel mehr flüchtige Bekannte, die zufällig eine Zeit lang auf dem gleichen Weg wie sie unterwegs waren.

Adson wandte den Blick von der brüchigen Türöffnung und richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf das Rauminnere. Das Kribbeln von vorher war fast vollständig verschwunden. Scheinbar hatte die Magie dieses Raumes nur auf Madlen gewartet. Dies machte die junge Frau noch seltsamer.

“Du reist in sonderbarer Gesellschaft.“, wandte sich Adson schließlich an die rothaarige Kriegerin. “Mal rennt sie hierhin, mal dorthin. Sie scheint einen riesigen Dickschädel zu haben, von den sonstigen ... äh ... Besonderheiten fang ich gar nicht erst an.“ Adson verzog den Mund. “Wirst du ihr folgen?“

Hirni
07.03.2019, 22:02
Am Horizont hatten sich vor einigen Stunden noch die Ruinen Setarrifs abgezeichnet. Teils empor ragten sie in die Höhe, zeugten von Größe und Macht. Größe und Macht, die mittlerweile zu Staub zerfallen war, wie sich zeigen sollte.
Hirni verstand nicht wirklich, wie so große Städte zerschunden werden konnten. Sicher, der Krieg spielte dabei immer eine Rolle. Doch müssten solch großen Gebäude nicht auch große Streitmächte aushalten können? Dank Wehrmauern, Verteidigungsanlagen und Truppen.
Andererseits, wenn hier ein Drachenangriff statt fand. Er würde über diese einfach hinwegfliegen und mit heissem Feueratem alles niederbrennen. Egal ob Mensch, Stein, Holz oder Stoff. Alles würde binnen Sekunden verbrannt. Einzig die Steine könnten dem Feuer vielleicht etwas stand halten, doch würden sie der Hitze lang auseinander gesetzt... würden auch sie zu Grunde gehen.

Doch gab es ja auch Reiche und Städte, die ohne Kriege zu Grunde gingen. Manche Staatsoberhäupter zündeten ihre eigenen Regierungsviertel an, andere Städte wurden durch aufständische Bürger niedergerissen.
Manche waren große Handelszentren in den einen Jahrhunderten, und nur drei Dekaden später konnten sie durch Wirtschaftskrisen nieder gegangen seien. Sei es durch Wetterkapriolen, Dürren oder Misswirtschaft. Alles was der Mensch aufgebaut hatte, würde binnen Momente der Erdgeschichte niedergehen. "Jedes Imperium zerfällt irgendwann," murmelte Hirni leise vor sich hin. "Selbst wenn sie zu groß sind, können sie anhand von Übergröße in sich zusammen fallen. Wie ein Kartenhaus. Oder eine große Blase, die irgendwann zu weit auseinander geht und dann platzt."
Würde der Mensch es je lernen, nicht am eigenen Ast zu sägen? Der Schwarzmagier bezweifelte es.

Nun also hatten sie die Grenzen Setarrifs also erreicht. Die ganze Stadt war zerstört. In der Ferne konnte man eine blaue Wand erkennen, die leise knisterte. War dies eine Art Barriere? Wie damals im Minental?
Wie es hier wohl vorher aussah? Das Zirkelmitglied bemerkte mal wieder, das er von der Insel Thornaria und Ihrer Geschichte absolut keinen blassen Schimmer hatte. Er hielt sich einfach zu viel im Kastell auf.
"Dann bin ich mal gespannt, was uns erwartet..." gab er fröhlich pfeifend von sich.

Don-Esteban
09.03.2019, 23:53
»Was uns erwartet?«, antwortete Esteban, der neben seinem Zirkelbruder stand und in die gleiche Richtung schaute.
»Uns erwartet Zerfall. In allen seinen formen. Und alles, was er mit sich bringt. so wie ein totes Tier die Maden und Aasfresser anzieht, so zog diese Stadt nach ihrem Fall die Monster und Bestien an. Sicher suchten auch einige Menschen, die meinten, hier seien bestimmt Schätze zu finden, die Ruinen Setarrifs auf. Aber letztendlich sind Trolle, Schattenläufer und Snapper diejenigen, die hier überleben.«
Er machte eine kurze Pause.
»Neben den ganzen Untoten natürlich und anderen magischen Kreaturen«, umriss er dann das ganze Szenario.
»Es ist ein Rätsel in der magischen Forschung, aber wo immer Kultur untergeht, wo das, was Menschen erschaffen haben, am Ende wieder zerfällt, zieht es die Kreaturen aus anderen Welten an, so als ob die Energie, die einst in die Erschaffung all dessen floss, nun wieder frei wird und Wesen wie diese ernährt. Also wundern wir uns nicht, wenn wir auf Skelette, Dämonen, Harpyien, Geister, Untote und derlei mehr treffen.
Dieser Ort ist verflucht, so wie er einst gesegnet war.
Kommt, suchen wir uns einen sicheren Ort in diesem Trümmerfeld!«
Er schritt voran und die anderen folgten ihm.

Dumak
09.03.2019, 23:59
»Klingt so, als wüsstest du mehr über Setarrif«, stellte der Barde fest, als sie weiter liefen.
»Magst du uns nicht etwas darüber erzählen, wie die Stadt unterging?«, fragte er leichthin.

Don-Esteban
10.03.2019, 01:45
Esteban schaute sich um.
Dumak lief neben ihm.
»Wenn es dich interessiert ...«, erwiderte er.
»Vor einigen Jahren stand ich schon einmal hier an dieser Stelle. Es ist die große Allee vom südlichen Tor zur eigentlichen Stadt. Rechts siehst du die Gebäude der Akademie, den Tempel und die Bibliothek. Gerade dort, wo die magische Kuppel leuchtet. Links hingegen, gerade unterhalb des Fußes der Berge des Weißaugengebirges befinden sich die Ruinen des Palastes. Er war mit weitläufigen Gärten ausgestattet, ringsum befanden sich die Gebäude der verschiedenen Hofbeamten. Der Palast selbst war mit Mosaiken verziert. Sehr vielen Mosaiken. Dort floss eine Menge Reichtum hinein. Setarrif war die Hauptstadt eines reichen Landes, das durch kluge Politik und weitgespannten Handel unermessliche Reichtümer anhäufte und dies auch zeigte. Eine lange Reihe von Königen regierte von hier aus, schon lange, bevor sich im Urwald von Myrtana irgendein Bauer ansiedelte und sich viele Jahrhunderte später durch irgendeinen Herrscher unterjochen ließ.

Ethorn I. war der Gründer des Reiches von Argaan. Er besiegte andere Kleinfürsten auf der Insel und brachte sie dadurch dazu, sich ihm zu verpflichten. Sein Sohn Ethorn II., der Setarrif zusammen mit seiner Gemahlin Urraca erbaute, führte das Reich zu weiterer Größe. Ihr Sohn, Antan I., richtete seine Gedanken auf die Gegenden außerhalb dieser Insel. Er baute die erste große Flotte (oder ließ sie vielmehr erbauen) und stach damit in See, eroberte strategisch wichtige Landstriche an fremden Küsten und baute das Handelsimperium des Reiches entscheidend aus. Er erhielt für seine Taten den Beinamen ›der Große‹ oder auch ›der Seefahrer ‹. Es folgten zwanzig weitere Könige in vierzehn Generationen, über die ich viel erzählen könnte, ehe Zephil der Unglückliche das Reich verlor und danach Ethorn VI. an die Macht kam. In seinem Thronsaal empfing er mich, als ich zusammen mit der Schwarzmagierin Azshera bei ihm vorstellig wurde, um ihm vorzuschlagen, sie als Botschafterin des Zirkels anzuerkennen. Es war noch ein Hauch des altem Ruhmes und der überkommenen Größe in den Hallen, auch wenn Ethorn im Spiegel der Geschichte wohl kaum dem großen Namen, den er trägt, gerecht wurde. Er und seine Ratgeber folgten jedoch meinem Vorschlag und seit diesem Tag waren das Reich und der Zirkel miteinander verbunden, um gemeinsam gegen den weiteren Vormarsch der Innosanhänger zu stehen. Denn dadurch ist das Gleichgewicht der Kräfte erschüttert und droht, vollends zu kippen. Doch nur kurze Zeit später ging die Stadt unter und das alte Reich Argaan war nicht mehr. So wird wohl in nicht allzuferner Zukunft ein neuer Krieg der Götter ausbrechen, da die Menschen es nicht schafften, ihnen anteilig gleichwertige Ehre zuteil werden zu lassen. Doch Beliar wird sich erheben, sobald die Macht Innos' zu groß wird und Adanos wird ihn gewähren lassen, bis das Pendel zu weit in die andere Richtung ausschlägt. Und wenn Beliar am mächtigsten ist, die Sonne verbannt hat, Frost und Kälte und ewiger Tod herrscht, wenn die Menschen fast untergegangen sein werden, dann erst wird Adanos einschreiten und ein neuer Zyklus der Menschheit wird eingeleitet. Neue Reiche werden entstehen und neue Städte erbaut. Und unsere Nachfolger werden vor den Ruinen der heutigen Städte stehen und sich ebenso wenig einen Reim darauf machen wie wir in den Ruinen Jharkendars.

Es war tatsächlich ein Drachenangriff, der Setarrif verheerte. Abermals war ich anwesend, half den zu tausenden Fliehenden mit meiner Magie, sich zu retten. Der Weltenriss, den ich beschwor, störte den Vormarsch der feindlichen Armeen, denn wie es Drachen gemein ist, befehligen sie Heerscharen von Dienerkreaturen. Diese wurden für einen Moment aufgehalten, so dass sich viele der unglücklichen Bewohner retten konnten. Sie zogen unter dem Gebirge hindurch (es gibt einen alten Tunnel, der auf die andere Seite führt) zur Silberseeburg. Doch die Stadt war verloren. Ihre Pracht versank in Schutt und Asche.«
Esteban schüttelte den Kopf.

»Es gibt mir noch immer Rätsel auf, doch ich vermute schon seit langem, dass Drachen ein untrügliches Gespür für Hybris haben, dass sie erkennen, wo der Mensch über Gebühr hinaus etwas einfordert, was er nicht erlangen darf. Wo ein Vakuum an Macht entsteht, dies aber nicht erkannt oder aber es abgewiesen wird, dort greift er an. Wenn er das Morsche von alten Imperien erkennt, den Geruch von Dekadenz und Zerfall in seinen Nüstern hat. Denn Überheblichkeit ist seine Nahrung, an Arroganz labt er sich, Fehleinschätzung und falsche Sicherheit stillen seinen Hunger.«
Sie durchschritten nun das Haupttor zur einstigen Stadt. Drohend ragte es über ihnen auf, doch keine gepanzerte Wache verwehrte ihnen den Eintritt in die Stadt. Alles war verlassen, die Zinnen bröckelten und in den Mauerritzen wurzelten Efeu und andere Pflanzen.
»Dies also ist alles, was von Setarrif übrig ist, der Stadt der hundert goldenen Kuppeln - oder waren es tausend? Ich weiß es nicht mehr. Auch das Wissen schwindet, sobald die Dinge verschwunden sind. Alles was der Mensch errichtet, wird auch wieder niedergerissen, sobald er es nicht mehr pflegt.«
Die Gruppe gelangte auf einen großen Platz, gesäumt von den Ruinen einstmals hoher Gebäude, leere Hüllen, die gleich hohlen Schädeln anklagend auf die Besucher herab starrten. ›Erst erbaut ihr uns, reißt unsere Steine aus der Ruhe der Berge, um sie in völlig neuer Ordnung neu aufzustapeln und dann lasst ihr uns alleine! Wo seid ihr?‹, schienen sie den Besuchern vorwurfsvoll entgegen zu schleudern.
»Suchen wir uns einen sicheren Platz, um von dort aus den weiteren Weg in die Berge zu planen. Denn irgendwo in Setarrif muss der Aufgang zu den alten Minen liegen.«

Nienor
10.03.2019, 16:13
»Wir können uns entweder einen Ort irgendwo an den Klippen suchen«, schlug Nienor vor, die diesen Teil der Stadt mit kühlem Blick überschaut hatte und nun militärisch-strategisch über das weitere Vorgehen nachdachte.
»Dann haben wir zumindest den Vorteil, dass wir von umherstreifenden Bestien nur von einer Seite angegriffen werden können, da wir das Meer im Rücken haben. Oder«, und sie zeigte in die Richtung des Gebirges, »wir suchen uns etwas, das näher am Fuß der Berge liegt. Das hat den Vorteil, das wir uns nicht erst durch die halbe Stadt kämpfen müssen, falls ein Angriff kommt, um den Weg, den wir einschlagen wollen, zu erreichen. Der Nachteil ist, dass wir dort sicher nicht so gut geschützt sind, wie wir es an den Klippen wären.«
Sie schaute Esteban von der Seite an, der aber seinen Blick in die Ferne auf irgendeinen imaginären Punkt gerichtet hatte. War er in alten Erinnerungen versunken?
»Ich schlage die zweite Möglichkeit vor. Wir wollen uns hier ja nicht länger aufhalten und wollen bald weiter ins Gebirge. Deshalb wäre direkt an dessen Fuß wohl der bessere Ausgangspunkt.«

Dumak
10.03.2019, 16:22
Dumak hörte gar nicht mehr zu. Er hatte bei der Erwähnung von goldenen Kuppeln den Faden verloren.
Wenn hier so viel Gold herum lag, dann würde sich die Reise für ihn ja sensationell lohnen. Er musste es nur von den Dächern der eingestürzten Gebäude kratzen. Und wenn es tausend Kuppeln waren und nicht hundert - umso besser. Mehr Gold für ihn.
»Was?«, meinte er, als er aus diesem Traum vom Reichtum wieder erwachte und bemerkte, dass Nienor etwas gesagt hatte.
»Ist mir egal. Also falls meine Meinung überhaupt von Belang ist.«

Die Stadt sah verlassen aus. Ruinen, die langsam zerfielen, Wind, der durch leere Gemäuer pfiff, Kletterpflanzen, die die kahlen Mauern empor rankten, junge Bäume, die das einstmals akkurat in Mustern verlegte Straßenpflaster sprengten, Schutthügel, die von Kräutern und Wildblumen bewachsen waren. Bald würden sie wieder blühen.
Von irgendwelchen Monstern war weit und breit nichts zu sehen. Wobei man so weit gar nicht sehen konnte dank der Ruinen, die den Blick über weite Teile der Stadt verwehrten. Vielleicht würde es helfen, auf den Torturm des Stadttores zu gelangen, um sich von oben einen Überblick zu verschaffen?
»Ich laufe auf den Torturm hinauf und schaue von oben, ob es für uns einen geeigneten Lagerplatz gibt«, bot er sich an.

Hirni
11.04.2019, 21:33
Ein lang gezogenes Gähnen kam Hirni hoch. Zum Unterdrücken war es zu spät, und so ließ er heraus hängen das ihm die Langeweile plagte. Und Müdigkeit. Ja, am Lagerfeuer sitzen konnte ganz toll entspannend sein. Oder einfach nur eintönig. Die eine schärfte Ihre Klinge, die andere wirkte Abwesend. Dumak klimperte irgendetwas auf seinen Instrumenten und Esteban? Der machte halt irgendetwas estebanisches. Wer konnte das schon definieren?

Bevor Hirnis Augenlider immer schwerer wurden, wollte er für etwas Stimmung am Lagerfeuer sorgen. Allerdings nicht in Form einer langweiligen Unterhaltung oder einem geträllerten Lied. Nein, er hatte natürlich etwas hirniges im Kopf. Was Esteban konnte, konnte er auch. Nur halt nicht in Form von estebanischen Zeug, sondern in Form von hirnischen Zeug. Oder auch Hirnlosen Zeugs.

Und so ließ er seine magischen Kräfte freien Lauf, suchte seine magische Aura zusammen und murmelte vor sich hin:

"Knochenmann im Grabe
sorgst hier nun für Spaße.
Erhebe sich aus der Erde,
auf das er meine Begleitung Werde"

Der Schwarzmagier ließ seine neu-erschaffene Kreatur nun hinter einem eingestürzten Haus hervor kommen, ließ es mehr oder weniger schlendern. Dabei beachtend, das Dumak davon keine Notiz nehmen würde.
Nienor hingegen nahm durchaus Notiz davon war, wollte gerade ihr Schwert zücken. Jedoch wies Hirni sie mit einem Handzeichen darauf hin, das er die Kontrolle über den Knochenmann habe.
Mit knarrenden und klackernden Geräuschen setzte sich das Knochenbündel direkt neben Dumak.
Dann ließ Hirni mit verstellter Stimme verlauten: "Sag, mein junger Freund und Sänger, hast du auch was von den Apokalyptischen Skelettreitern auf Lager? Zu denen schwinge ich meine alten, morschen Knochen noch am Liebsten!"
Während Dumak aschfahl im Gesicht wurde, stand das Skelett auf, und vollführte ein Tänzchen.

Hirni freute sich diebisch über seinen Streich. Erst da fiel ihm auf, das sein Skelett nicht soo gelungen war. Die linke Gesichtshälfte war deformiert und außerdem hatte es zwei Linke Füße. Aber tanzen konnte es dennoch. Wenn auch nur humpelnd. ABER es konnte Tanzen.

Redlef
31.05.2019, 15:59
Die goldene Stadt, die Stadt der hundert Kuppeln, Perle Argaans…
Seit er Thorniara erreicht hatte, waren ihm viele Geschichten von der einstigen Königsstadt zu Ohren gekommen. Besonders im Hafen schwärmten viele Fischer von der Pracht der Stadt, die sie in der Zeit vor der Besetzung Thorniaras durch das myrtanische Reich häufig besucht hatten. Gerne hätte Redlef sich dieses Juwel der Architektur einmal angesehen, als es noch mit Leben gefüllt war. Nun wagte er sich gar nicht vorzustellen, was sie vorfinden würden. Nach dem Angriff durch die Echsenmenschen und die kurze aber Intensive Herrschaft des Drachen konnte nicht viel mehr über geblieben sein, als ein paar verbrannte Ruinen. Eigentlich eine Schande. Eine Schande, dass es durch diesen Krieg auf der Insel Niemanden mehr gab, der sich mit dem Wiederaufbau befassen konnte.
Langsam ritt er die einstige Straße hinab. Krieg, mangelnde Pflege und wohl zuletzt auch das eine oder andere Unwetter hatten sie fast gänzlich zerstört. Sie Platten und Steine waren verschoben, Fugen hatten sich aufgetan und sich dazwischen immer wieder Schlammpfützen gebildet. Jedes Mal wenn die Pferdehufe den Halt verloren, Möhre ausrutschte und ein wenig ins Straucheln kann, dann rutschte auch Olivia vor ihm hin und her. Sie kommentierte das mit schwerem Atmen oder leisen Murren. Gerade machte sein Hengst einen kleinen Sprung über einen umgestürzten Steinpfeiler und Olivia schlug durch die Wucht der Bewegung auf die Vorderzwiezel des Sattels.
»Au! Verdammt, es recht!« Sie machte Anstalten sich aus Redlefs Armen zu drücken, doch er hielt sie am Platz.
»Cast! Lass mich runter! Zu Fuß bin ich besser dran als auf deinem Gaul! Du glaubst doch wohl selbst nicht, dass wir bei dieser schlechten Straße auf dem Pferd wirklich schneller sind.«
»Doch das sind wir und ich habe wenig Lust, dies mit Euch erneut zu diskutieren.« Nach wie vor bemühte sich Red, das meckernde Weibsstück auf seinem Schoß so gut es ging zu ignorieren. Er hatte sie quer vor sich sitzen, da mit ihren Kleid keine andere Position möglich oder erstrebenswerter war. Immer wenn sie im Sattel zurückgeschleudert wurde, schlug ihre Schulter gehen sein Brustbein. Er hatte mehrfach versucht sie gegen sich zu drücken, um die Schläge zu mindern, doch darauf ließ sie sich nicht ein.
Somit setzten Beide gezwungenermaßen unbequem ihre Reise fort.
Redlefs Blick wanderte gedankenverloren in den Himmel. Die Sonne stand nun im Zenit und schickte ihre Wärme auf den beinahe trockenen Boden. Die Wärme ließen Menschen und Pferd schwitzen. Die warmen, ungeschützten Körper waren ein gefundenen Fressen für blutsaugende Insekten. Jetzt um die Mittagszeit war der Befall dieser Biester besonders schlimm.
Redlef kümmerte sich jedoch wenig um sein wild mit dem Kopf schlagendes Pferd, welches verzweifelt versuchte die Plagegeister los zu werden. Seine Gedanken hingen noch an der Eingebung von vor hin. Was sollte sie bedeuten? Läuterung und Gnade im Feuer? Er hatte sich nicht immer richtig verhalten, das war ihm bewusst, doch Niemand tat das!? War es ein Zeichen? Sollte er geläutert werden? Oder hatte er das Schlechte zu läutern?
»Sag mal, war das heute Morgen echt Sumpfkraut, welches du dir da gegönnt hast?« Olivias Worte brachten ihn zurück aus seinen Grübeleien. Er zwinkerte kurz und richtete seinen Blick über ihren Kopf hinweg wieder auf sie Straße. »Ist das in Thorniara nicht verboten?«, fragte sie herausfordernd. Red wusste das der Gedanke seiner Verfehlung Olivia dazu brachte ein gehässiges Grinsen aufzusetzen.
Er schwieg.
»Ich deute dein Schweigen mal als eine Zustimmung.«
Sie lachte leise. »Was stimmt nicht mit euch Fanatikern? Kaum verlasst ihr eure Mauern, schon ist Gesetzte brechen kein Problem mehr? Ich verstehe das nicht. Geht es bei Euch nur ums verbieten um des Verbietens willen? Dann gib es doch wenigstens zu, du scheißt auf Innos, so wie die meisten…«
Mit einer heftigen Bewegung hatte Redlef Olivia vom Pferd gestoßen. Entsetzt blickte sie zu ihm hinauf und schnappte nach Luft. Sie war auf ihren Rücken gefallen. Der Sturz hatte ihr die Luft aus den Lungen getrieben.
»Spinnst du jetzt total?« Stöhnend kämpfte sie sich auf die Füße und hielt sich den Rücken.
Red warf ihr schweigend einen kalten Blick zu. Da sie sich augenscheinlich nicht schlimmer verletzt hatte bedurfte sie nicht weiter seiner Fürsorge. So stieß er die Flanken seines Pferdes mit den Fersen an und ritt in einem gemächlichen Trab Richtung Setarrifs.
Die Stadtmauer war inzwischen in Sicht gekommen und der Weg wurde nun, da sie die Talsohle erreicht hatten etwas einfacher. Olivia verstummte hinter ihm. Red genoss die Ruhe, die warme Sommerbriese, das goldene Licht der Sonne und die Rufe der Möwen.
Seine Augen tränten immer noch ein wenig, doch seine Sicht war beinahe wieder scharf. Ausreichend um die verblassende Schönheit dieser außergewöhnlichen Stadt aufzunehmen.

Olivia Rabenweil
01.06.2019, 11:51
Olivia sah ihrem verhassten Begleiter nach. Sein Pferd lief jetzt viel leichtfüßiger auf der Straße und machte keine Anstalten auszurutschen. Olivia wünschte sich so sehr den Gaul stürzen und seinen Reiter unter sich begraben zu sehen, doch dieser Wunsch wurde ihr nicht erfüllt.
Mit zusammengepressten Lippen versuchte sie, den Schmerz in ihrem Rücken zu ignorieren. Sie war auf einen der vielen, aus der Straße herausschauenden Steine gefallen. Er hatte sich heftig in ihren Rückengebohrt und der Schmerz zog sich die Wirbelsäule hinab und hinterließ ein taubes Gefühl in ihren Beinen. Mühsam fand sie ihr Gleichgewicht und machte ein paar Schritte. Mit jeder Bewegung wurde es besser.
Dennoch behutsam suchte sich Olivia den Weg hinunter zum Stadttor. Cast war inzwischen hinter einigen herumliegenden Trümmern verschwunden. Sie war froh ihn nicht mehr sehen zu müssen.
Befehl hin oder her, es konnte kein gutes Ende nehmen, wenn sie ihren Weg weiter gemeinsam fortsetzten. Sie musste ihn loswerden.
An Setarrif erinnerte sie sich ganz gut. Auch an die Straße, die Richtung Süden und dann mehr oder weniger direkt zum Kastell führte. Das einzige wirkliche Hindernis, welches dann noch vor ihr lag, waren die schwarzen Schluchten. Sie erinnerte sich vage an riesige Feuerechsen und gefährliche Stiege. Doch nach ihrer Zeit in Thorniara oder den Wirren auf dem Festland sollte sie auch das bewältigen können.
Blieb also die Frage, wie sie Cast loswerden konnte. Er hatte den Tod verdient. Der Miese Innosler war brutal und genau so ein Fanatiker, wie der ganze beschissene Rest der Myrtaner. Es durfte gern schmerzhaft und langsam gehen. Sie wollte ihn schreien und winseln hören. Wollte, dass er darum bettelte seinem Leid ein Ende zu setzten, sie wollte ihn wahnsinnig werden sehen, ihm die Gnade der Erlösung vorenthalten und am Ende Noxus Werk vollenden!
Olivia blickte weiterhin auf den Boden unter ihren Füßen. Den Weg suchend blieb sie ganz kühl und sachlich. Ihr fehlte Noxus Euphorie in diesen Dingen, nichtsdestotrotz musste es nun mal getan werden. Ihren Plänen entgegen stand nur die erstaunende Agilität des Krüppels. Erst gestern hatte er ihr eindrucksvoll deutlich gemacht, dass er mit dem Schwert in der Hand nicht unfähig war. Zähneknirschend fuhr sie sich mit der Hand über den Hals, dort wo seine Klinge ihre Haut geritzt hatte. Vielleicht konnte sie ihn überwältigen während er schlief? Er hatte die letzte Nacht nicht geschlafen und musste sehr müde sein. Also war diese Nacht der richtige Zeitpunkt um zuzuschlagen? Doch was dann tun? Ihn einfach nur zu fesseln und mit seinem eigenen Dolch an ihm herumzuschneiden, das war zu trivial. Es musste etwas Besonderes sein. Etwas um Noxus zu ehren…

Olivia durchschritt das Tor der einst so prächtigen Stadt. Nicht einmal die Verwüstungen der Kämpfe und die Herrschaft des Drachen hatten ihre Schönheit völlig zunichtemachen können. Der helle Sandstein zeigte an vielen Stellen immer noch die kunstvollen Bearbeitenden. Kubische Kapitelle, aufwendige Schmuckbänder, Reliefs und akkurate Kanneluren. Doch für all diese handwerkliche Meisterschaft hatte sie ein Auge. Olivia nahm, in ihre Pläne vertieft kaum den Boden unter ihren Füßen wahr.

Olivia Rabenweil
13.06.2019, 23:14
Sich eine kleine Pause hatte sich Olivia einen flachen Stein gesucht, der im Schatten einer halb eingestürzten Fassade lag. Das Haus in ihrem Rücken bot ihr Schutz vor der Sonne, die zur nun herrschenden Mittagszeit noch einmal kräftig an Intensität zugenommen hatte.
Olivia steckte die Beine aus und wagte nun das erste Mal, seid ihrer Entlassung aus dem Kerker einen Moment richtig zu genießen. Sie legte den Kopf nach hinten und sog die warme Luft in sich auf. Setarrif war schön gewesen, einst, bevor es durch die Echsen und Drachen zerstört worden war. Mit seinen hellen Gebäuden, den belebten Straßen, den kleinen Verkaufsständen und der vor Hitze flimmernden Luft hatte diese Stadt sie schmerzlich an ihre Kinderzeit in Bakaresh erinnert. Wenn Städte verwand sein konnten, dann war Setarrif die kleine, ein wenig eigenartige Schwester der älteren und reiferen Bakaresh gewesen.
Olivia lächelte bei dem Gedanken. Sie musste sich zwei personifizierte Städte vorstellen, die händehaltend durch den Wüstensand tollten. Die eine, die Ältere, war dabei in dunkle weite Tücher, nach Art der Beduinenfrauen gekleidet. Deutlich waren ihre rundlichen Hüften zu sehen. Die Kleinere trug prächtige, bunte Kleider. Ihr glockenhelles, unschuldiges Lachen wehte im Wind.
Doch dann wurde der erfrischende Wüstenwind zu einem starken Sturm. Schwarzer Rauch und der scheußliche Geruch von Schwefel wurden vom Sturm herangetragen. Das Lachen verklang und wich ängstlichen Schreien. Dunkle Reiter preschten heran. In dem Rauch den sie um sich trugen, waren ihre Körper kaum zu erkennen, doch das leuchtende rot ihrer Wappenröcke strahlte auch durch den dichtesten Rauch. Aus den ängstlichen Schreinen wurde ein panisches Kreischen. Tiefes Brüllen mengte sich darunter, gab sein Bestes die Panik der Mädchen zu übertönen, doch schaffte es nicht.
Schließlich verstummten die Schreie. Plötzlich war nur noch der Sturm zu vernehmen. Der Rauch verdichtete sich und ihr wurde die Sicht genommen. Das Atmen viel schwer und Olivia wurde von einer unbeteiligten Beobachterin Teil des Geschehens. Der brennende Qualm nahm ihr nicht nur den Atem, sondern auch die Sicht. Sie hustete und kniff die Augen zusammen.
Ein Reiter nährte sich. Er war unter dem Tosen des Sturmes kaum wahrzunehmen. Olivia versuchte ihr Gesicht abzuschirmen, um besser sehen zu können. Vage nahm sie im schwarzen Rauch einen noch schwärzeren Schatten wahr.
Mächtig thronte er vor ihr auf und mit jedem Schritt den er sich nährte, wurden seine Umrisse deutlicher. Dann durchbrach das gewaltige Ross die Mauer aus Qualm. Es war schwärzer als die Nacht und aus seinen Nüstern quoll dichte Asche.
Olivia war starr vor Schreck, sie wollte fliehen, doch keine Faser ihres Körpers war in der Lage sich zu rühren. Nur Ihre Augen vermochten sich zu bewegen. Alles ihn ihr verwehrte sich dagegen, dennoch wanderte ihr Blick über das bösartige Tier vor ihr weiter nach oben zu seinem Reiter. Die Gestalt die sich über dem Pferd erhob bot einen noch schrecklicheren Anblick als das Ross. Eine breitschultrige Gestalt saß dort. Ihre Haut war ebenfalls schwarz, Olivia konnte nur mit Mühe kleine Schuppen under einer schmierigen Schicht Schleim erkennen, die die Kreatur gänzlich zu bedecken schienen. Der massige Körper wurde von einem roten, in Fetzen gerissenen Wappenrock gänzlich umhüllt. Die Enden des Rocks flatterten wie Banner im Wind, nur die dicken Arme lagen frei. Olivia musste mit Schrecken beobachten, die sich eine der großen, mit Klauen bewehrten Hände nach ihr ausstreckte. In ihrer endlosen Furcht gab sie ein wimmerndes Geräusch von sich. Sie wollte Schreien, doch ihr Hals war wie zugeschnürt. Panisch suchte sie nach dem Gesicht des Angreifers. Doch da war keines. Die Stelle in der sie das Gesicht hatte sehen wollen, war nicht einmal als finster zu bezeichnen. Eher sog dieser dunkle Fleck alles Licht in sich auf. Olivias Herz drohte stehen zu bleiben. Zu spät bemerkte sie die Flammenwalze, die sich aus einem Reißzahn bewehrtes Maul auf der Innenfläche seiner Pranke auf sie zu rollte. Als die Flammen sie erreichten und ihren Körper verzehrten, löste sich ihre Starre. Sie sog das Feuer mit einem Tiefen Atemzug in ihre Lungen.

Keuchend schreckte sie hoch. Zitternd stütze sie sich an der Wand ab. Desorientiert ließ sie sich zurück auf den Stein fallen, auf dem sie eingeschlafen sein musste.
Olivia brauchte ein paar Augenblicke, bis sie sich wieder ein bekommen hatte. Einen solch schlimmen Albtraum hatte ihr Beliar schon seit einer Ewigkeit nicht mehr beschert. Warum jetzt? So gut wie jede Nacht im Kerker hatte sie traumlos verbracht und nun dies? Hier im Licht des hellen Tages und der frisch zurückgewonnenen Freiheit?
Mit zusammengepressten Lippen starrte Olivia eine ganze Weile ohne etwas zu sehen in die zerstörte Stadt. Sie versuchte diesen Traum zu deuten. Denn sicher war sie sich: er hatte etwas zu bedeuten. Er war so intensiv gewesen.
Doch was? Die Zerstörung ihrer Heimat durch die Innosler? Nein das war zu offensichtlich. Und es stimmte auch nicht. Dieser Reiter war kein Anhänger Innos gewesen. Vielmehr hatte er ausgesehen wie ein Dämon: die schuppige Haut, die lähmende Angst, die er verbreitet hatte, das unmenschliche Grollen.
Doch in gleichem Maße war dort auch Feuer gewesen und der rote Wappenrock.

Olivia stützte den Kopf in die Hände. Das passte doch alles nicht zusammen…

Irgendwo über ihr schrie eine Möwe. Der Wind hatte vom Meer her etwas aufgefrischt und trug den salzigen Geruch in die Stadt der ehemals hundert goldenen Kuppeln.

Dumak
18.06.2019, 20:25
»Na warte!«, murmelte der Sänger leise zu sich selbst, nachdem er den Spaß durchschaut, die Farbe wieder ins Gesicht zurückgekehrt und er sich wieder gefasst hatte. »So ein hinterhältiger Kerl! Dem werd ichs zeigen.«
Und laut, so dass es auch Hirni, der einige Schritte entfernt saß und sich noch immer nicht entscheiden konnte, ob er sich lieber den Bauch vor Lachen halten sollte oder sein beschworenes Skelett kontrollieren, sagte er: »Ich will etwas spielen für deinen pferdelosen Skelettreiter.«
Und dann wurde er ganz mutig und fügte keck hinzu: »Er muss Skrofulose sein, wenn ich mir sein Gesicht so angucke. Aber wo hat er denn seine drei Kumpane Krieg, Tod und Hunger gelassen?«
Da die Frage rein rethorisch war, räusperte er sich nur, setzte dann die Laute an und begann mit einer lustigen Trinklied-Melodie.
»Frieden ist der Reiter Not,
Keine Ernte gibt's für'n Tod.
Was kann es noch schönres geben?
Doch fad ist dann das Reiterleben.
Kein Krieg, der brennt die Ernte weg
Und zack schon ist ein Reiter weg.
Die Scheunen sind für Korn ein Hort,
Der Hungerreiter ist bald fort.
Wenn es gibt für alle Brot,
Dann droht auch nicht der Hungertod.
Und Krankheit Harm ist auch so fern,
So leben alle Menschen gern.
Den Reitern wird es ganz beklommen,
Da sie nichts zu tun bekommen.

Und jetzt nochmal ...

Frieden ist der Reiter Not ...«
Und diesmal spielte er die Melodie schneller und er sang ganz atemlos die Textzeilen. Dem beschworenen Skelett blieb nichts weiter übrig, als schneller zu tanzen. Und als Dumak durch war, spielte er noch einmal alles, nur diesmal noch schneller. Kaum konnte er noch die Worte mitsingen, es blieb bei Silben, die der Barde atemlos hervorstieß:

»Frieden Reiter Not
Keine Ernte Tod.
Was schönres geben
Reiterleben«
und so weiter. Die Finger flitzten nur so über die Saiten. Zum Glück war die Melodie nicht sehr kompliziert.
Das Skelett war völlig in dem Tanz aufgegangen und hatte nun seine liebe Not, noch den Takt zu halten und sich nicht mit den Füßen zu verfangen. Dem Schwarzmagier waren schon Schweißperlen auf die Stirn getreten durch die Anstrengung, die magischen Flüsse im Gleichgewicht zu halten, mit denen er seine Kreatur steuerte oder wie auch immer das mit dieser rätselhaften Magie vonstatten ging. Oder steuerte das beschworene Skelett ihn?
Dumak hatte keine Zeit, über so etwas nachzudenken. Gerade stimmt er eine weitere, noch schnellere Runde an. Eigentlich handelte es sich nun nur noch um schnelles Geschrammel auf der Laute und gebellte Silbenfetzen:

»Rei No!
Kei To!
Schö ge!
Rei le!«

Und da war es auch schon passiert. Die Füße des Skelettes verfingen sich ineinander, es stolperte, schlug lang hin und alle Knochen zerbarsten zu Splittern und Staub.

»Pah! Was für ein schlechter Tänzer!«, rief der Musiker. »Der hatte ja zwei linke Füße!«
Er wusste nicht, wie nahe er der Wahrheit gekommen war.
Dumak setzte die Laute ab und wischte sich den eigenen Schweiß von der Stirn, denn der Wettbewerb hatte auch ihm das Äußerste abverlangt.

Nienor
18.06.2019, 20:50
Nienor hatte dem ganzen Treiben zunehmend amüsiert zugeschaut. Dumaks Hände flogen zunehmend schneller über die Saiten, sein Gesang wurde dabei immer brüchstückhafter und rudimentärer, ja am Ende völlig rätselhaft für Nichteingeweihte. Wo seine Zunge nicht mehr mit kam, blieben die Finger aber beweglich. Nienor hörte nur wenige Noten, die am Ende fehlten.
Manchmal hatte Dumak im richtigen Moment die richtige Idee. Oder immerhin eine gewitzte Entgegnung. Vielleicht mochte sie ihn ja doch ein wenig. Manchmal zumindest. Auch wenn er ein furchtbarer Luftikus war, bei dem man nie wusste, woran man war, wann er etwas ernst meinte und wann er sich nur über etwas lustig machte.

»Bravo!« rief sie und klatschte in die Hände, ihren Beifall damit ausdrückend.
»Damit solltet ihr beide auftreten«, schlug sie dann dem Magier und dem Musiker vor. »Aber möglichst nicht vor Innoslern. Die mögen Skelette nicht so.« (Nun, andere Menschen auch nicht, wenn man es genau nahm. Aber die Kriegerin begann langsam, sich an die seltsamen Eigenheiten der Schwarzmagier zu gewöhnen. Jedenfalls an diejenigen von Hirni. Er war ein wenig ein Kindskopf, neigte zu Späßen und Schabernack. Aber wohl zuverlässig. Sie hätte nicht gedacht, so einen Charakter unter den sonst so ernsten und verschlossenen Schwarzmagiern zu finden.)

Dann plötzlich hörte man auf einmal aus der Ferne das magische Blitzen der Barriere über der Magierakademie irgendwo hinter ihnen und Nienor wurde bei diesem Geräusch, das ihr wohlbekannt war, aber das sie schon so viele Jahre nicht mehr gehört hatte, wieder ernst und in sich gekehrt, denn alte Erinnerungen kamen hoch.

Sie wandte sich nach kurzer Pause an Esteban.
»Vielleicht sollten wir uns einmal diese magische Kuppel in der Stadt anschauen?«, schlug sie dann vor.
»Möchtest du auch mitkommen, Dumak?«
Sie schaute auf den Barden hinunter, der noch neben ihr saß, während sie neben ihm stand und lächelte ein klein wenig, noch die Vorstellung von eben in Gedanken.

Don-Esteban
18.06.2019, 21:09
Mit einem Blitzen in den Augen hatte auch der Hohepriester der Vorstellung der beiden zugesehen. Allerdings hatte er sich mehr auf Hirni und seine Fähigkeiten am Skelett konzentriert. Was genau für einen Text Dumak gesungen hatte, konnte er deshalb gar nicht sagen.
Esteban war erstaunt und erfreut, als er sah, wie gut sein Zirkelbruder seine beschworene Kreatur beherrschte. Dass das Skelett irgendwann stolpern musste, war gar nicht zu vermeiden. Die Spanne, die es durch hielt, war jedoch recht lang und zeigte, dass Hirni schon recht gute Fähigkeiten entwickelt hatte. Dumak hatte jedoch kein Erbarmen gekannt - vielleicht war der Ansporn Rache, weil er von Hirni so sehr hinters Licht geführt worden war - und Esteban hielt es für möglich, dass er noch schneller spielen konnte, wie auch immer sein Gesang sich dann angehört hätte. Aber er wusste noch genau, was die Laute bei der Befreiung Nienors unter dem Weißaugengebirge geleistet hatte. Vielleicht war ja noch irgendeine Art von Magie in ihr enthalten. Wenn auch nur ein Echo. Sie war ohne Zweifel ein besonderes Instrument und hatte vielleicht dazu beigetragen, dass der Barde so fingerfertig und am Ende in unglaublich schneller Art die Melodie spielen konnte.

Esteban überraschte der Vorschlag Nienors.
»Wenn du wirklich magst. Dann gerne.« Er selbst ließ alte Erinnerungen lieber hinter sich. Er hatte so viele davon, dass er fürchtete, sonst von ihnen verschlungen zu werden und zu ertrinken. Was nützte es, zu sehr und zu lange den guten Dingen nachzuhängen, die nicht mehr waren. Und an die schlechten wollte er sowieso nicht erinnert werden. Das Leben schritt fort und jeden Tag gab es Neues zu entdecken. Ja, vielleicht war dies auch eine Flucht nach vorne. Und man konnte sich nicht auf ewig dem entziehen, was geschehen war. Am Ende standen alle Lebenden vor ihrem Richter und der Teppich ihrer Taten - und auch der ungetanen Dinge (die besonders) - entrollte sich. Und Beliar war bereit, Rechtfertigungen entgegen zu nehmen und alles zu gewichten.

»Hirni, deine, ich nenne es einmal künstlerische, Skelettdarbietung war geradezu virtuos. Ich bin erstaunt über die Fähigkeiten, die du bei der Beschwörung mittlerweile erreicht hast. Über die zwei linken Füße sehe ich dabei hinweg, denn es handelt sich dabei lediglich um eine Sache der Übung. Ich weiß, dass du keine zwei linken Hände hast.«
Er nickte Nienor und Dumak zum Zeichen des Aufbruchs zu.

»Du und Elfaire, wartet bitte hier. Wie es scheint, kommen wir, da wir schon einmal in Setarrif sind, nicht um eine Bildungsreise herum. Wir sehen uns die magische Kuppel an und hoffen, dabei keinen Ansammlungen von wilden Bestien zu begegnen. Aber ich denke, dafür sind wir auch gerüstet, sofern es nicht gleich ganze Heere sind.«

Und damit verließen sie den gemeinsamen Lagerplatz.

Nienor
18.06.2019, 21:23
Seltsamerweise entdeckten sie auf ihrem Weg zum Haus der Magier und dem Adanostemel gar keine wilden Tiere oder gar magische Bestien. Keine Snapper und keine Scavanger kreuzten ihren Weg. Und auch kein Troll hatte sich hier niedergelassen.

Es war ein ruhiger Weg, deprimierend allein dadurch, dass er von Ruinen gesäumt war. Ausgebrannte Häuser, halbe Hauswände, weiße Mauern aus Kalkstein, manchmal sogar glänzender Marmor, der in der Sonne glitzerte, begrenzte die Straßen, die sie durchschritten. Esteban schien zu wissen, wo sie entlang gehen mussten. Er war wohl schon einmal hier gewesen oder hatte einen Plan in der Bibliothek des Kastells studiert und sich ihn eingeprägt. Vielleicht auch beides, so wie sie ihn einschätzte.

Das Glänzen und Glitzern, wenn wieder etwas an einer Gebäuderuine mit Marmor verkleidet war und gerade die Sonne darauf fiel, machte den ganzen Gang noch deprimierender. So sahen also die Hinterlassenschaften großer Reiche aus, die mutwillig zerstört worden waren. Generationen hatten daran gebaut. Generationen hatten in den Häusern gewohnt, ihr leben hier verbracht, Familien gegründet, Kinder großgezogen, das Schicksal der Stadt geformt, nichtige und wichtige Dinge diskutiert, sich über Kleinigkeiten geärgert, große Veränderungen mit Bangen und Hoffen registriert und sich doch immer wieder angepasst.
Die Städte Myrtanas waren nur Ansammlungen von Bretterbuden, windschief und ohne das Maß eines Architekten erbaut, denn sie sollten ja nur vor den Unbilden des Wetters schützen und die eigene Habe vor Langfingern bewahren. In Setarrif hingegen war die Architektur Repräsentation. Gebäude ragten hoch auf, besaßen aufwendig gestaltete Fassaden mit Reliefschmuck, der einmal etwas über die Besitzer aussagte. Jetzt, da alle vertrieben und tot waren, konnte keiner mehr darüber erzählen, was die Bildfriese an den Wänden erzählten, welche Mythen sie darstellten, welche Gleichnisse, was für einst bekannte Ereignisse. Wenn ein Volk untergeht, dann verschwinden auch seine Erzählungen und die Ruinen werden stumm.

Einen Ort des Gedächtnisses gab es noch: Die Bibliothek hinter der Kuppel, die sie nun erreichten.

Don-Esteban
18.06.2019, 21:42
Esteban blieb stehen. Vor ihm summte leise und selbstgenügsam die magische Barriere, die Bibliothek und Adanostempel von Setarrif vom Rest der Welt schied.

»Dies ist nun für uns ein Traumland«, sagte er.
»Wir können es vor uns sehen, aber nicht erreichen. Was darin eingeschlossen ist, ist vor aller Veränderung geschützt, bis eines Tages wieder genug Wissende vorhanden sind, um die Barriere zu öffnen. Drei Magier von verschiedenen Schulen der Magie oder derjenige, der die Kuppel erschaffen hat. Alles, was hinter der tödlichen magischen Wand liegt, existiert darum nur in unserer Fantasie. Es ist ein Traum.«
Und in gewisser Weise trafen die Worte auch auf diejenige Barriere zu, an die im Moment jeder der drei dachte. Nämlich die, als sie im Minental gefangen waren und nichts sehnlicher wünschten, als die Freiheit.

»Spürt ihr die Magie? Wie sich die Härchen am Handrücken und an den Armen aufrichten?«

Stumm schaute der Schwarzmagier dann auf die Gebäude, die gut geschützt hinter der blau schimmernden Wand standen, unversehrt waren sie und erlaubten so, eine Ahnung von der Pracht des großen Setarrif zu erhaschen. Weiß und hoch und wohl gefügt und voller Zierrat, Säulen, Friese, regelmäßiger Fensterreihen und Risaliten, die der gefälligen Fassadengliederung dienten. Keiner dachte bei ihrem Anblick daran, dass diese großartigen Gebäude jemals in Trümmer fallen würden. Und doch war dies mit der ganzen Stadt geschehen und nur noch der Rest hinter der Barriere war erhalten und strahlte weiß, dass es fast in den Augen weh tat, solange die Sonne von den Mauern reflektiert wurde.

Nienor
18.06.2019, 21:53
Nienor schluckte. War es wirklich eine gute Idee gewesen, hierher zu kommen?

Zu genau erinnerte sie sich an damals. Nella, ihre Schwester war in die Barriere gestoßen wurden als Strafe für ... ja was eigentlich? Sie wusste es nicht mehr. Und in ihrer Verzweiflung, sie zu verlieren, hatte sich Nienor, die heimlich hierher - nein, ins Minental - gereist war, ebenfalls in den See an der Austauschstelle gestürzt. Doch schon bald musste sie ohne ihre geliebte Schwester auskommen. Sie war immer ein wildes Mädchen gewesen, doch hatte sie im Minental alles hinter sich gelassen, was es an Grenzen gab. Seltsam, gerade in einem eng umgrenzten Gebiet, einem Gefängnis, hatte Nella am freiesten gewirkt. Doch das war so lange her. Nienor zweifelte nun daran, ob es eine gute Idee gewesen war, hierher zu kommen. Zu viele Erinnerungen ...

»Immerhin stehen wir diesmal nicht innerhalb, sondern draußen. In Freiheit ...« Die letzten Worte hatte sie nur noch geflüstert.

Hatte sie nicht genug auf ihre Schwester aufgepasst damals? »Lebe wohl, Nella.« Mehr dachte sie es, als sie es sagte. Eigentlich ärgerte sie sich, dass sie nun ausgerechnet wieder an ihre Schwester dachte. Über viele Jahre hatte sie die Erinnerungen an sie ganz verdrängt. Weshalb nur wollte sie unbedingt diese magische Kuppel hier besuchen?

»Können wir wieder gehen? Ich habe mich geirrt. Hier finden wir nichts, was wir auch suchen mögen.«
Die Magie kam ihr plötzlich kalt vor. Herrisch, unnahbar. Gefühllose Magier hatten entschieden, diese Stadt zu trennen in das Hier und in das Dort und dazwischen eine unüberwindliche Barriere errichtet. Magie war ohne Empathie, ohne Gefühl. Es gab kein Empfinden, keinen menschlichen Reiz, keine Regung. Es waren rein rationale Gründe gewesen, diese Gebäude zu verschließen vor der Außenwelt.

Dumak
18.06.2019, 22:03
Dumak stand vor den weißen Häusern und schaute.

»Na wenigstens hat eine große Kuppel überlebt«, sagte er leichthin und meinte das golden glitzernde Dach des Adanostempels, durch seine Größe eines der Wunder Argaans. »Schließlich ist das doch die Stadt der vielen Kuppeln, oder?«
Er hatte die Zahl vergessen.
»Ich bin zumindest froh, dass wir dieses Mal außerhalb der Barriere strehen und nicht in ihrem Inneren wie ein paar Vögel in einer Voliere.«

Auch er erinnerte sich an seine Zeit in der Minenkolonie. Damals war er ein anderer gewesen. Noch zu sehr beeinflusst von seiner Zeit in der Diebesgilde von Vengard. Aufgewachsen unter Dieben, Halsabschneidern, Mördern. immer nur auf den eigenen Vorteil bedacht. Zuletzt hatte er sogar eine Kriegerin des Lee entführt, um sie gewinnbringend zu verkaufen. Aber das war schon nach der Barriere gewesen. Ach, es war alles so schrecklich lange her. In diesem Moment fühlte er sich alt. Er, der ewig jugendliche, sprunghafte Mensch war, dem nichts zu weit, zu fern, zu schwer gewesen war. Hier holte ihn die Last der Erinnerung ein.

»Nein, es war nicht so gut, hierher zu kommen«, sagte er versonnen, ohne die anderen beiden zu beachten.

Die Erinnerung legte doch mehr frei, als ihm lieb war. Warum an das Gestern erinnern, wenn doch ein Morgen vor ihm lag?

»Das Minental ist weit weg und lange her obendrein. Es hilft nicht, darüber zu reden.«
Wer wollte schon vom alten Dumak hören, dem Betrüger, dem Dieb, dem Mörder, dem Selbstsüchtigen, Habgierigen, der ja am Ende doch nur ein Teil einer größeren Hierarchie war, die ihn Dinge tun ließ, ohne dass er eine Wahl gehabt hätte. Hatte er doch nicht, oder?

»Außerdem: Ist das Kloster in Khorinis nicht auch von einer Kuppel umgeben?«, fragte er, um abzulenken.
»Dann wäre das ja gar nicht so besonders hier.«

Don-Esteban
18.06.2019, 22:15
»Dies ist das Gedächtnis des Reiches von Argaan«, erklärte Esteban ein wenig pathetisch. In Wirklichkeit war ihm auch etwas mulmig.

So fühlte es sich also an, wenn man vor einer großen Barrierekuppel stand!

»Noch ist es möglich, Setarrif wieder aufzubauen. Solange die Bibliothek erhalten ist, ist auch die Geschichte Argaans intakt. Es war eine weise Entscheidung der Wassermagier, die wichtigsten Gebäude zu schützen.«

Dass es keine Wassermagier mehr gab, die die Kuppel wieder entfernen konnten, verschwieg er wohlweislich. Das hätte zu deprimierend geklungen.

»Jeder hat auch schlechte Erinnerungen an die Barriere«, sagte er milde zu Nienor.
»Doch sie hat auch Gemeinschaften gebildet. In all dem menschlichen Sumpf sind auch so einige Blüten aufgegangen. Menschlichkeit, Freundschaft, Vertrauen. Nicht alles war furchtbar. Und das Minental war abgeschottet von den Unbilden des Krieges. Auch wenn es seine eigenen Konflikte gehabt hat«, räumte er ein.
»Trotzdem hat uns das Minental zu dem gemacht, was wir sind. Wir haben es überlebt und sind unseren eigenen Weg gegangen. Nichts ist für immer. Im Guten wie auch im Schlechten.
Und ja«, wandte er sich an den Sänger.
»Das Kloster auf Khorinis wurde damals von den Magiern auch versiegelt, als sie nach Myrtana segelten. Aber es ist nur irgendein Kloster, nichts sonderlich Bemerkenswertes und ich selbst halte die Versiegelung für sehr übertrieben. Letztendlich hat man damit dem Volk auf der Insel auch die Möglichkeit religiöser Erbauung genommen. Ich weiß nicht, ob das klug war.«

Nienor
18.06.2019, 22:16
»Soweit ich weiß, wurde dort doch nur Innos verehrt. Und zeitweise auch Adanos. Aber nie Beliar«, warf Nienor ein, während sie den Weg zurück antraten.

Don-Esteban
18.06.2019, 22:22
»Ja, sicher«, antwortete Esteban.
»Beliar ist zu kompliziert für das Volk. Es ist mit Innos zufrieden, denn er verspricht Ordnung im Chaos. Menschen brauchen Führung. Und wenn sie damit nicht mehr einverstanden sind - dann suchen sie sich eben neue Führer. Die Neugierigeren unter ihnen schaffen es noch bis zu Adanos. Aber der Gott des Todes - warum sollte man ihn verehren? Beliar ist ein Gott für Grübler und Zweifler. Und Menschen, die bereit sind, alles hinter sich aufzugeben«, fügte er hinzu.

Niemand antwortete auf diese Betrachtung Estebans, denn weder Nienor und auch nicht Dumak (der sonst zu allem gerne eine Bemerkung anbrachte) fiel eine Entgegnung dazu ein. Und so erreichten sie schweigend wieder den Lagerplatz, wo Hirni und Elfaire noch beieinander saßen.

Hirni
31.07.2019, 21:41
Noch immer lungerten sie in Setarrif herum.
Während Nienor, Esteban und Dumak kurz auf einer Exkursion waren, bei denen Hirni und Elfaire nicht mitkommen durften, starrten die beiden Schwarzmagier wortlos ins Feuer. Mit Elfaire war gerade mal wieder nicht viel anzufangen. Diese schweigsame Phase hatte sie damals schon auf der Reise hier auf die Insel.
"Komisch... Aber naja, so sind die Frauen halt ab und an. Haben ihre Frauenprobleme und haben dann das Reden verlernt." tat Hirni es mit einem Achselzucken ab.

Er probte lieber weiter seine magischen Künste.
Das Skelett herbei zu zaubern funktionierte mittlerweile bestens. Da hatte er absolut keine Probleme mehr mit. Es entstanden schöne, feste Knochenmänner, mit denen er alles mögliche Anstellen konnte. Das stellte ihn sichtlich zufrieden.

Viel mehr Probleme bereitete ihn der Golem. Da hatte er noch nicht so recht Bezug zu gefunden. Immer wieder versuchte er, aus Erde und Stein im Geiste einen riesigen Koloss zu formen und diesen magisch zu Formen. Doch wirklich gelingen tat ihm dies nicht.
Erneut probierte er es:

"Bist aus Stein,
riesiges Gebein.
Stark wie zehn Rinder,
vor dir erstarren Kinder.
Egal ob Feuer, Erde oder Stein,
Unzerstörbar scheinst du zu sein."

Dann ließ er seine Kräfte freien lauf.
Ein gleißendes Licht, lautes Krachen. Als würden Blitze vom Himmel schnellen, so erhellte es die schumrige Umgebung.
Zwei Beine aus Stein türmten sich Hünenhaft vor Hirni auf, dann zwei kräftige Arme. Ein etwas unförmiger Kopf, dazu ein massig massiver Körper.
Leider klaffte jedoch im Torso ein riesiges Loch, so das der Golem schnell wieder in sich zusammen sank.
"SO EINE SCHEISSE!" schrie Hirni.
Verzweifelt suchte er einige Steine zusammen, türmte sie zu einem Haufen auf und versuchte nun, diese zu einem riesigen lebendig magischen Steinkoloss zu zaubern.
"Muss doch irgendwie klappen!"

Sicherlich hätte er seinen Lehrmeister fragen können, doch Hirni war ja schon immer mehr die Fraktion "Selbst ist der Schwarzmagier!"

Olivia Rabenweil
25.09.2019, 23:39
Ohne weitere Antworten wanderte Olivia weiter durch die zerstörte Stadt. Hier war kaum ein Stein auf dem anderen geblieben. In einiger Entfernung flimmerte der matte Glanz einer magischen Kuppel. Wassermagier hatten sie errichtet, um ihre Schätze darunter zu verstecken. Olivia hatte vergessen, wer ihr dies gesagt hatte, doch in diesem Punkt war sie sich sicher: Sie hatten gut daran getan.
Sie trat ein Steinchen aus dem Weg. Klappernd verschwand es zwischen den Trümmern, die einst der Königspalast gewesen waren. Sogar der imposante Thronsaal mit der weithin strahlenden goldenen Kuppel war zusammengebrochen. Von der Pracht Setarrifs waren nichts als Trümmer geblieben.
Während ihres ersten Besuches war sie durch diese herrlichen Straßen gereist. Die Kutsche, in der sie gesessen hatte konnte sie von dem Stimmengewirr auf den vollen Straßen nur spärlich abschirmen. Jetzt war es ruhig. Sie konnte in einiger Entfernung sogar das Meer anbranden hören.
Olivia schloss die Augen, genoss die salzige Briese.
Die Sonne hatte die Steine gewärmt und sie befand den Ort als gut, um zu verweilen. Nun da sie frei war und sich anscheinend auch ihres lästigen Bewachers entledigen konnte, musste sie sich ernsthaft Gedanken darüber machen, wie es für sie weiter gehen konnte.
Das Ziel war klar: Sie musste zurück ins Kastell. Dort konnte sie sich sicher fühlen. Sie würde auf die anderen Schwarzmagier treffen und bei Ihnen Hilfe oder zu mindestens Aufmunterung finden. Auch war es der richtige Ort, sich zu erholen. Vor allem aber auch zu ergründen, warum ihr die Magie versagt blieb. Sie hatte diese magiehemmenden Ketten der Feuermagier getragen. Hatten diese eine nachhaltige Wirkung gehabt? Selbst jetzt, da sie ohne den Einfluss der Innosler war, wollten ihre Fähigkeiten nicht zurückkehren. Versuchsweise streckte Olivia die Hand aus, versuchte mit den Fingern zwischen die magischen Ströme zu greifen, doch es passierte nichts. Sie konnte sie nicht erspüren. Wollte einfach keinen Eingang dazu finden.
Frustriert ließ sie den Arm sinken. Mit Magie hätte sie sich inzwischen zum Kastell zurückwünschen können. Läge jetzt in einer der großen Wannen und würde sich den Schweiß, Dreck und Kummer vom Körper schrubben. Oder im Refektorium eine gute Mahlzeit essen. Solange bis ihr das Magen überging. Und danach wollte sie eine der vielen anderen Annehmlichkeiten genießen, die das Kastell zu bieten hatte.
Grinsend dachte sie an Hirni, mit dem sie einem armen Strolch vor langer Zeit einen ganz schönen Schabernack gespielt hatten. Mit Drogen zugedröhnt hatten sie Ihm die furchtbarsten Dinge antun wollen. Leider hatte ihr das Sumpfkraut soweit die Sinne vernebelt, dass sie sich an Details nicht mehr erinnern konnte. Ein Holzkreuz spielte aber eine wichtige Rolle und Hirni und sie hatten sich so gut amüsiert, dass sie sich nicht mehr ein bekommen hatten vor Lachen.
Was wohl aus diesem Schwarzmagier geworden war? Oder aus Esteban, ihrem ehemaligen Lehrmeister? Ob sie wohl immer noch im Kastell wohnten? Ob das Kastell immer noch auf dieser Insel wohnte?
Plötzlich besorgt wandte sich Olivias Blick nach Süden. Sie hatte keine Möglichkeit, das Kastell, thronend auf der Klippe am Südrand der Insel, von hier zu erspähen. Es blieb ihr nichts als das Vertrauen in Beliar, dass es dort noch stand, wenn sie es endlich erreichte.
Olivia zog die Unterlippe zwischen die Zähne. Der Gedanke, dass die am Ende ihrer Reise vor einem leeren Felsen stand, drohte sie zu übermannen.
Die Fäuste geballt, sprang sie auf. Noch gab es keinen Grund sich einen Kopf zu machen. Ein Problem, welches sie zuerst lösen musste, war den Weg zu finden, den sie nun eischlagen musste.
Sie wusste, dass es von Setarrif Wege über das Gebirge gab. Dort käme sie dann in den Sumpf, wo die Waldmenschen wohnten. Mit Noxus war sie einmal dort gewesen, doch wirklich freundlich war man ihnen nicht begegnet. Auch kannte die die Pfade in den Bergen nicht und es war sehr riskant dort orientierungslos umherzuwandern.
Dennoch kamen ihr all diese Möglichkeiten als angenehmer in Betracht, denn die Option alleine durch die schwarzen Schluchten zu wandern: In den Bergen konnte man auf Bären treffen und im Sumpfdorf bestand die Möglichkeit auf unfreundliche Menschen zu treffen, doch in den Schluchten würde sie auf feuerspeiende, immer hungrige Riesenwarane treffen…
Sollte sie vielleicht doch besser wieder nach Redlef Ausschau halten und seine erzwungene Hilfe annehmen? Doch was konnte der Krüppel schon ausrichten?
Olivia kratze sich am Kinn. Vielleicht musste sie ja am Ende gar nicht schneller sein, als ein angreifender Waran, nur schneller als ein fliehender Krüppel? Das sollte doch schaffbar sein.

In ihrem Kopf reifte ein Plan. Zu mindestens die nächsten Tage konnte sie so organisieren. Die schwarzen Schluchten waren sicherlich, auch in Begleitung des Innoslers, nicht die beste Wahl, doch da sie sich beide sonst auf der Insel nicht auskannten, wohl der schnellste Weg, wenn sie ihn überlebten.

Olivia sah sich um. Wenn sie mit Redlef reisen wollte, musste sie ihn zuerst wiederfinden. Sein roter Haarschopf war zwischen den Brocken und Ruinen der Häuser nicht zu erkennen. Sicherlich war er mit seinem Pferd auf der Straße geblieben. Dort lagen weniger Trümmer und die Gefahr, dass sich das hässliche Tier die Beine brach, geringer.
Sie schlug einen schmalen Pfad ein, der von den brandgeschwärzten Trümmern fortführte. Das Klettern über das Geröll erwies sich als schwierig. Die feinen Steinsplitter stachen ihr in die nackten Füße, rissen Ihr die Haut auf. Hin und wieder rutschte ein Stein unter ihren Tritten weg und sie kam ins Straucheln. Wie ein Tier krabbele sie schließlich zwischen den Brocken umher und versuchte mit Ihren Händen zusätzlichen Halt zu finden.
Olivia konnte die ehemalige Hauptstraße von Setarrif schon sehen, da verlor die erneut den Halt unter den Füßen, rutschte ab und glitt in eine Spalte zwischen zwei Trümmer. Verzweifelt suchten Ihre Hände auf der Steinoberfläche Halt, doch fanden sie keinen. Der Schatten zwischen den Brocken verschluckte sie.
Ihr Fuß verfing sich an einem Vorsprung, sie drehte sich im Fallen und schlug mit dem Kopf auf den Boden auf, der viel tiefer unter den Trümmern verborgen lag, als es von außen den Anschein gemacht hatte.


Der Fall war weit tiefer, als Olivia erwartet hatte. Sie viel mehrere Augenblicke, bis ihr Körper sich daran gewöhnt hatte und den Schwebezustand erkannte, in dem sie sich befand. Bedächtig breitete sie die Armen aus. Ihr Schweben wurde stabiler und sie erlangte Kontrolle darüber. Die Kontrolle über ihren Körper zurück zu erlangen, bedeutete aber noch nicht den Zustand zu verstehen, in dem sie sich befand.
Kalte Luft umspielte ihre nackten Beine, während sie in der absoluten Dunkelheit ihre Zehen reckte, um etwas wie einen sicheren Boden zu erspüren. Als ihre Zehenspitzen auf etwas trafen, zuckte sie mit einem verängstigten Aufschrei zurück. Es war kalt, so kalt, dass es in ihre Füße biss, als sie unweigerlich darauf landete. Auch die Luft hatte sich dramatisch abgekühlt. Die Fetzen, die sie umhüllten, vermöchten sie nicht zu wärmen.
Zitternd schloss sie die Arme um ihren Körper und versuchte durch abwechselndes Füße übereinander Stellen am Boden nicht festzufrieren.
Wo war sie hier nur hingeraten? Ängstlich sah sich Olivia um. Ihre Augen wollten sich nicht an die Dunkelheit gewöhnen und so konnte sie nur unscharfe Schemen um sich herum wahrnehmen. Ein bisschen wirkte es auf sie, als ob die immer noch in den Trümmern Setrarrifs stand, doch die Brocken um sie herum waren teils klar oder durchsimmernd. Ihre Kanten weniger unregelmäßig, dafür rundlich geschliffen oder auch messerscharf, muschelig gebrochen.
Sie wünschte sich in die staubige Wärme der Stadt zurück. Hier, an diesem Ort, schien es kein Leben zu geben. Eher im Gegenteil, ein Anti-Leben.
»Hallo?«, ihr unsicheres Stimmchen brachte kaum mehr als ein Kratzen hervor. Die Hoffnung verließ ihr Herz. Hier war nichts. Ein absolutes Nichts. »Hallo, ist da wer?«
Ihre gekrächzten Worte verhallten in der Finsternis.
Olivia streckte die Hände aus, suchte nach einem Weg. Ihre Finger glitten über die kalten, glatten Oberflächen. Ihre Haut brannte schon bald von den Berührungen.
Sie suchte nach irgendetwas an dem sie sich orientieren konnte. Einen hellem Punkt in der Finsternis, der ihr die Richtung weisen konnte.
Hilflos stolperte sie durch diese unwirkliche Welt. Sie wirkte endlos, bis ihr Blick ein schwaches Licht fing. Sie reckte sich. Ein schwaches Glimmern in der Finsternis. Sie hatte sich nicht geirrt.
Das schwache Flackern wurde stärker. Olivia wurde davon angezogen wie die Blutfliege vom Licht. Es übte eine unbeschreibliche Faszination auf sie aus. So stark, dass es sie sogar die beißende Kälte vergessen ließ.
Rutschend und stolpernd eilte sie auf den Schein zu.
Für einen kurzen Moment verschwand der Schein hinter einem der aufragenden, reißzahnartigen Gebilde. Olivia blieb stehen. Sie schaute, wartete. In der Angst das Licht verloren zu haben, drohte ihr das Herz stehen zu bleiben, doch dann tauchte es in der Gestalt eines Mannes wieder auf.
Um den Brocken trat ein ätherisch leuchtendes Wesen.
Olivia sah Wirbel von Energie im inneren, die das zart gesponnene Gebilde zu zerreißen drohten. Doch je näher das Wesen kam, desto mehr beruhigten der brausenden Wogen. Es war, als ob sie ihren Kampf beilegten. Einige der Energieballungen wurden dunkel, einige Hell. Zusammen füllten sie die zarte Hülle eines Körpers, der nun nah vor ihr stand.
Der helle Schein verblasste und gab die Sicht auf eine breite Brust frei. Feine Linien zogen sich über die reine weiße Haut, überspannten kräftige Arme, zeichneten sich auf den Muskeln eines flachen Bauchs ab. Olivias Blick aber war gefangen, von dem Gesicht, welches ihr mit einem traurigen Schmunzeln entgegen blickte. Ein Kloß in ihrem Hals versagte ihr das Sprechen, doch in ihrem Herzen breitete sich ein ungekannter Sturm aus. Wärme erfüllte sie bis in die letzte Faser ihres Körpers.
Das markante, ihr so vertraute Gesicht war umhüllt von der schwarzen Mähne, die sie immer an einen varantischen Berglöwen hatte denken lassen.
Die milchigen Augen, die ihr bei ihrer ersten Begegnung so viel Angst eingeflößt hatten, blickten nun sanft auf sie herab. Olivia kannte keinen schöneren Anblick.
Sie schmiegte ihren Kopf an Noxus Hand, als dieser sie fast ehrfürchtig erhob und in ihre Haare fuhr. Sie legte ihre eigene Hand auf die seine, drückte sie fest an sich und wagte es nicht den Blick abzuwenden. Noxus Gesicht riss sie nach wie vor in seinen Bann. Auch wenn er nun irgendwie anders wirkte. Olivia war sich sicher, dass es nicht an dem dunklen Haar oder dem wunderbaren Bart lag, die es schmückten. Etwas war in ihm vor sich gegangen. War es eine eigentümliche Art von Frieden, den er hier in dieser Einöde gefunden hatte? Oder lag es an ihr? Fühlte er wie sie?
Olivia krallte ihre Fingernägel in seine Hand. Sie wollte, dass diese Berührung niemals endete. Erst nachdem sie ihn verloren hatte, war ihr bewusst geworden, welchen wichtigen Platz er in ihrem Leben eingenommen hatte. Sie beide waren Getriebene gewesen. Sie beide hatten sich auf ihre ganz eigene Art und Weise nicht so recht in der Welt einpassen können. Waren Fremdkörper gewesen, egal wo es sie hin verschlagen hatte.
Und dennoch war, trotz der Isoliertheit, Einsamkeit nie ein Thema gewesen. Auf eine ganz ungewöhnliche Art hatten sie es genossen, in dem Wissen am nächsten Morgen aufzuwachen, jemanden neben sich zu haben, der genauso wenig in die Gesellschaft passte, wie man selbst.
Anfänglich hatte ihr Hass auf all jene, die den Wegen Innos folgten, sie zusammengebracht, wenn auch über Umwege und über einen größeren Hass den sie sich gegenseitig entgegen gebracht hatten.
Tränen traten aus ihren Augen. Eine Seele, mit der sie sich so verbunden fühlte, wie die seine, würde es kein zweites Mal auf der Welt geben.
Einem Impuls folgend warf sie sich an seine Brust. Sie drückte Ihr Gesicht an eine nackte Haut. Ein leises Schluchzten verklang in der festen Umarmung, in die sie Noxus zog. Seine Hand verweilte weiter auf ihrem Kopf. Es fühlte sich so richtig an. Ihre Fingernägel rutschten über seinen bloßen Rücken und hinterließen leichte Kratzer, als sie versuchte die Umarmung noch fester zu ziehen. Es war, als wollte sie versuchten sich in ihn hineinzupressen.
Olivia kämpfte gegen den übermenschlichen Drang zu weinen. Sie wusste, wie sehr Noxus dies hasste. Sie wollte ihn auf keinen Fall forttreiben, nun da sie ihn endlich wieder gefunden hatte.°°°
Einen Herzschlag lang war sie verunsichert. Doch die Gewissheit, dass ihr in seiner Gegenwart Gutes wiederfahren war, überwiegte schnell. Sie sah ihn an. Er stand vor ihr und zum ersten Mal schien sie ihn in seiner Gänze, in seiner Einzigartigkeit wahrzunehmen.
Ein Stich führ durch ihr Herz. Sie wusste, das Beliar ihnen ein letztes Treffen geschenkt hatte und nun war die Zeit des Abschiednehmens gekommen.
Tränen standen in seinen Augen, Olivia liefen sie die Wange hinunter.
Die Worte fehlten ihr. Es gab keine Worte, die hätten ausdrücken können, was sie für ihn empfand. Da war kein Ausdruck, weder in der Sprache der Menschen, noch der Orks, welches ihre Beziehung hätte beschreiben können.
Doch es brauchte keine Worte. Noxus wusste es auch ohne, dass sie etwas sagte.
Räuspernd blickte er an sich herunter: "Beliar scheint dich zu mögen, dass er mir das Kleid erspart hat."
Mit einem breiten Grinsen wie man es einem frechen Bengel zuschreiben würde, verschwand er restlos. (https://forum.worldofplayers.de/forum/threads/1388086-Setarrif-43/page20?p=25531674&highlight=Olivia#post25531674)

Olivia wollte weinen, schreien, ihn zurückfordern, doch stattdessen lachte sie. Noxus hatte sich auf die einzige Art von ihr Verabschiedet, die seiner würdig gewesen war:
Er war einmalig im Leben, wie im Tode.


Es war Dunkel als sie benommen zu sich kam. Die Trümmer hatten eine Höhle gebildet, durch die es nur oben einen Einlass gab. Sie verschatteten den entstandenen Hohlraum so gut, dass Olivia in dem Zwielicht, das ein einzelner Sonnenstrahl kaum zu durchdringen vermochte, nur wenig erkennen konnte.
Ihre Hände tasteten vorsichtig umher, in der Hoffnung Spalten oder Stufen in den Wänden zu finden, die ihr den Weg zurück nach draußen ermöglichten.
Doch alles was die derzeit spüren konnte, waren die Kopfschmerzen, die der Sturz verursachte hatte. Ihr war ein wenig schwindelig und vorsichtig legte sie sich die Finger an die Stirn, als sie etwas ihre Schläfe hinablaufen spürte.
Klebriges Blut säumte eine Platzwunde. Es brannte, als Ihre Finger die Stelle berührten und sie zog sie, ärgerlich die Luft zwischen den Zähnen hindurch pressend, wieder zurück.
Ihr Blick wanderte nach oben. Der Spalt durch den sie gefallen war, lag soweit über Ihr, dass sie ihn mit ausgestreckten Armen nicht erreichen konnte.
Olivia ließ sich mit dem Rücken gegen die Steine sinken.
Es war Still in ihrem Kopf. Sie dachte an Noxus und das er hier in Setarrif sein Ende gefunden hatte.
Ein trauriges Lächeln schlich sich auf ihr Gesicht. Er war besonders… Besonders, besonders dickköpfig… Was er wohl in einer solchen Situation gemacht hätte?
Vermutlich hätte er zuerst geflucht, sich dann mit seinem inneren Dämonen gestritten und anschließend Innos für alles verantwortlich gemacht.
Grinsend den Kopf schüttelnd, erkannte sie, dass das Leben häufig einfach besonders war. Vielleicht brauchte von Zeit zu Zeit ein jeder Mensch eine ganze Rotte innerer Dämonen, mit denen man sich hingebungsvoll ein bisschen Streiten konnte?
»Oder wie siehst du das?« Olivia hatte einen Totenschädel angesprochen, der halb verborgen aus dem Schutt lunzte. Seine großen leeren Augen beobachteten sie.
Mit beiden Händen griff sie ihn und zog ihn aus dem Staub. Er grinste sie an und sie lächelte zurück. »Du hättest einfach nicht aufgegeben, und so lange geschimpft, bis die das Schicksal eine Strickleiter hinuntergeworfen hätte, richtig?«
Mit einem kräftigen Pusten befreite sie den Schädel von der dünnen Dreckschickt, die sich auf seinem Scheitel angesammelt hatte. Auf dem weißen Bein kamen dünne Linien zum Vorschein. Sie wirkten fast wie einzelne Worte, die auf den Schädel graviert waren. Olivia fand sie hübsch. Mit dem Finger strich sie vorsichtig darüber.

Erneut blickte sie sich um. Inzwischen hatten sich ihre Augen an das fehlende Licht gewöhnt. Unweit ihres Absturzortes waren kleinere Brocken in den Spalt gefallen, in dem sie festsaß. Sicherlich waren sie nicht ideal, dennoch als Aufstieg wohl geeignet.
»Du hast es ja gesagt«, sagte sie gut gelaunt zu dem Schädel, den sie so gut es ging in die Falten ihres Kleides einschlug und ihn wie in einer Tasche am Gürtel feststeckte. »Keine Strickleiter, doch das tut es auch.«

Schnaufend stand Olivia wenig später wieder auf den Trümmern. Vor ihr lag die Straße.
»Das Fürzelchen ist nicht zu sehen. Doch er muss hier sein. Sobald ich ihn gefunden habe bringe ich uns nach Hause.«

Redlef
26.09.2019, 23:21
Dummkopf! Dummkopf! Dummkopf!
Er war so abgelenkt von einem hübschen Lächeln, dass er seine Ausbildung vergessen hatte. Die Frau am Bach wart nicht alleine gewesen. Viel zu spät war ihm das Lager mit Schlafplätzen und Ausrüstung für bestimmt ein halbes Dutzend Männer aufgefallen. Berge von allem Möglichen Plunder, Kisten und gut gefüllten Säcken deuteten auf Plünderer hin.
Nach dieser Erkenntnis aus dem Bann auffordernden Blickes der Fremden befreit, begriff er, dass die Hand hinter ihrem Rücken nach einer Waffe griff.
Vermutlich hieß Niemand mit einem Funken Ehre die Plünderung der verlorenen Stadt gut, doch insbesondere Redlef fühlte sich auch nicht so sehr davon gestört, dass er dieser Frau nun sofort das Handwerk legen musste.
Seine Sorge galt eher Olivia. Sie war immer noch in der Stadt - allein. Wer konnte schon wissen, dass eine Bande Plünderer mit ihr anstellen würde, wenn sie sie beim Stehlen der wenigen verschonten Habseligkeiten der ehemaligen Stadtbewohner antraf?
Redlef trat seinem Hengst die Fersen in die Flanken. Das große Tier preschte augenblicklich los und stob zurück in den Wald. Redlef konzentrierte sich auf ein Gestrüpp, welches er überspringen wollte und nahm nur aus dem Augenwinkel ein wütend geworfenes Wurfmesser war, welches unweit seines Kopfes von dem Stamm gestoppt wurde. Ein ärgerlicher Schrei folgte ihm ins Unterholz, durch welches Möhre sich nun seinen Weg bahnte.
Wahrscheinlich war der Bande mit seinem Verschwinden ein lukratives Pferd und ein paar gut verkäufliche Waffen durch die Lappen gegangen.
Red lächelte schief und dachte bei sich: Heute nicht, meine Stiefel werden noch etwas warten müssen, bis sie den Besitzer wechseln.
Er zügelte das Pferd und machte einen Satz über die Reste der Stadtmauer, die nahe des Durchlasses, für den kleinen Flusses, der Setarrif mit dem See verbunden hatte.
Das Wasser plätscherte nun in einem schmalen Rinnsal über das Pflaster des Platzes. Red ritt hindurch und kam auf der Mitte des Platzes zum Stehen.
Weder von den Plünderern noch von Olivia war etwas zu sehen. Doch aus der Vergangenheit wusste Red, dass es nichts bedeuten musste. Er zog seinem Hammer vom Gürtel und setze seinen Weg durch die Trümmer weiter fort.
Besorgt betrachtete er den Boden. Diese Stadt war kein Ort für Reiter. Wenn er Olivia an der Straße nicht fand, dann war er gezwungen, sie zu Fuß zu suchen.
Innos, hoffentlich fanden ihn dann die Plünderer nicht zuerst…

Olivia Rabenweil
10.10.2019, 19:20
Wo auch immer ihr so genannter Beschützer steckte, von ihrem Brocken aus konnte Olivia ihn nicht erspähen. Der Rotrock uns sein außergewöhnlich hässliches Pferd waren verschollen.
Olivia versuchte in der einbrechenden Dämmerung in den Schatten einer nahegelegenen Ruine etwas zu erkennen. Hatte sich dort etwas bewegt?
Vorsichtig kletterte die Magierin über einen Haufen Trümmer. Zeichen der hier einst herrschenden Zivilisation ragten in Form einer Stuhllehne und einer halben Tischplatte daraus hervor. Sie griff nach etwas, dass die sie für das Tischbein hielt und nutze es als Wanderstock, um sich auf den rutschenden Brocken besser abstützen zu können.
Sie verließ langsam den Bereich, der in besseren Tagen der Königspalast gewesen war und versuchte sich zu erinnern, wie sie zurück zu der breiten Straße fand, die einst die beiden Haupttore der Stadt verbunden hatte. Einst säumten hohe Fassaden diesen Weg, an ihren Fassaden waren Vordächer aus Stoff aufgespannt gewesen, um ein wenig Schatten zu spenden. Sie erinnerte sich vage daran.
Die Echsen hatten ganze Arbeit geleistet, als die all dies nieder gerissen hatten. Ein fast vollkommendes Werk der Zerstörung. Das Ende einer Stadt.
Sie reckte sich und spähte über die Mauer, die vor ihr aufragte. Von Redlef war immer noch nichts zu sehen. Ob es Half ihn zu rufen?
Wahrscheinlich nicht, Ruinen würden den Schall nicht weiter tragen, als sie auch gucken konnte. Damit half es ihr nur weiter zu suchen.
Olivias Atem ging schwer, als die das letzte Mauerstück überwand und dann auf einem festen gerade Boden stand. Dieses war augenscheinlich einmal ein kleiner Platz oder großer Innenhof gewesen. Ganz genau ließ sich das unter dem überall verteilten Schutt nicht sagen.
Erschöpft stütze sie sich auf das Tischbein. Ihre Kraft war noch nicht zurückgekehrt. Und nun, am Ende dieses langen Tages, merkte sie, dass die sich mit dem umherklettern zwischen den zusammengefallenen Häusern übernommen hatte. Nun wäre sie dankbar um ihren vermutlich immer noch nach Alkohol und billigem Sumpfkraut riechenden Reiter gewesen. Auf dem Sattel seines Pferdes hätte sie sich etwas ausruhen können, auch wenn sich das Geschaukel auf dem Pferderücken ungewohnt und Unwohlsein erzeugend anfühlte.
»Redlef?«, sie hatte sich zu einem Rufen durchgerungen. Das Echo ihrer Stimme sprang zwischen den Steinen hin und her. Olivia war überrascht, dass es so stark war.
Hinter ihr gab es ein Geräusch von rutschenden Steinen. Sie drehte sich um und sah gerade noch einen Vogel ins Abendrot verschwinden.

Vicktar
11.10.2019, 00:37
Das also war aus der einst so prunkvollen Stadt geworden. Zerstörte Straßenzüge quälten das Auge, wohin man auch blickte, Schutthaufen türmten sich bis in den Himmel, kaum ein marmorner Stein stand mehr auf dem anderen. Schon von weitem hatte er gesehen, dass die goldene Kuppel des Palastes geschmolzen und in sich zusammengebrochen war, und es hätte ihn nicht gewundert, wenn er nach nur kurzer Suche auch diverse Leichen aus den Trümmern gezogen hätte. Den Herren dieser Stadt geschah es ganz recht - sie waren ein niederträchtiges, dekadentes Pack gewesen, das auf den Rücken einfacher Menschen trampelte und auf Kosten ehrbarerer Bürger lebte. Und die Wassermagier hatten all das durchgehen lassen, weil sie in ihrer unangebrachten Toleranz blind waren für die subtileren Einflüsse des Dunklen. Es brauchte Überzeugung und Hingabe, um die Werkzeuge zu entwickelnd, mit denen man die wahren Sünder identifizieren und strafen konnte - und den Wassermagiern hatte es offenbar an beidem gefehlt. Leid tat es dem Alten nur für diejenigen, die für den Glanz der anderen leiden mussten - früher Sklaven, später einfache Arbeiter, die im abgewrackten Elendsviertel vor sich hingesiecht hatten. Die Nobilität Setarrifs hatte sie vermutlich nicht einmal als vollwertige Menschen gesehen! Es war eine Schande, dass dieser verachtenswerte Menschenschlag immer noch lebte und seine giftige Weltanschauung nun sogar im beschaulichen Stewark verbreiten durfte.

"Hmm, in diesen Ruinen hält sich doch kein Mensch auf", murmelte der Greis, während er sich umblickend durch die zerstörten Straßen zog. Andererseits vertraute er auf das von Innos gegebene Schicksal, und vermutlich wühlte die verruchte Beliarsbraut nach Leichen, die sie für ihre widerwärtigen Versuche verwenden konnte (Versuche welcher Art? Ganz egal, Schwarzmagier führten grundsätzlich Versuche abstoßender und verachtenswerter Natur durch)!
Plötzlich hielt er inne und lauschte. Hatte er gerade jemanden rufen hören? Es war eine Frauenstimme, gar nicht weit von hier.
"Wer im Namen des Herrn ist Detlef?"
Alarmiert hielt er auf die Quelle des Rufes zu und erblickte eine Gestalt, die sich ohne sonderlich gut gedeckt zu sein durch die Gegend schleppte.
Im Näherkommen sah er, dass es sich um eine junge Frau handelte, die den Saum ihrer vor Dreck starrenden Bekleidung in geradezu schändlich lasziver Weise an ihrer Hüfte festgebunden hatte, die sie entstandene Tasche durch ihren Inhalt völlig ausgebeult. Sie war schmutzig, kraftlos und verlassen - Vicktar empfand Mitleid für das arme Ding, das nach tiefgreifender Waschung und Pflege bestimmt ein recht hübsches junges Frauenzimmer abgab. Doch er hatte nicht vergessen, weshalb er hier war, und auch wenn er nicht wusste, wie das Antlitz dieser verteufelten Rabenweil-Tochter aussah, war es durchaus möglich (wenn nicht sogar sehr wahrscheinlich), dass es sich bei dieser da um eben jene handelte.

"Heda, Fräulein!", rief der Feuermagier, als er nicht mehr allzu weit entfernt war, und bedeutete ihr sofort in beschwichtigender Pose, dass sie sich nicht fürchten musste (zumindest noch nicht, falls sie die gesuchte war - in diesem Falle war die leuchtende Feuermagierrobe, die er trug, vermutlich nicht hilfreich zur Vertrauensbildung).
"Das ist kein Ort für ein junges und zartes Ding wie euch, Kind! Sagt, seid ihr..."
Vicktar hielt inne. Seid ihr die verruchte Beliar-Schlampe Rabenweil, die man unrechtmäßig ziehen ließ? war vermutlich nicht die subtilste Art und Weise, um sein Ziel zu überführen.
"Wie viele..."
Er hatte gehört, dass das beliarsche Hexenpack zusätzliche Nippel auf dem Körper trug als Mal für den Pakt mit dem Dunklen. Doch nein, nach der Anzahl der Nippel zu fragen, war ebenfalls ein zu augenscheinlicher Zug. Er musste unauffälliger Vorgehen.
Vicktar nutzte seine Magie, um seiner Stimme einen warmen, sanften Ton zu verleihen, der Mitgefühl und Geborgenheit vermittelte. Sein Auftreten sagte überzeugend: Komm zu mir, ruh dich aus, ich werde dich vor den Gefahren dieser Welt beschützen. Sie sollte Vertrauen aufbauen und sich dann selbst verraten. Er wollte ihr gern ein paar Stolperfallen auf dem Weg zur Enttarnung in den Weg stellen, falls sie die war, die er befürchtete, vor sich zu haben (Hatte sie etwa tatsächlich schon seinen Schwanz verhext und Mitleid in ihm geweckt? Vicktar musste auf der Hut sein!)
"Ihr habt Glück, dass ihr einen reisenden Feuermagier trefft, denn ich kann euch vor den hiesigen Gefahren schützen. Was, wenn ich eine garstige Echse gewesen wäre? Was treibt euch nur an diesen Ort und was ist Euch widerfahren, das Euch so mitgenommen hat?"
Welche Geschichte sie sich wohl ausdenken würde, für den Fall, dass sie ihm nicht vertraute?
"Nun, da ihr in Sicherheit seid, solltet Ihr Euren Leib und Kleider reinigen, bevor Ihr Euch eine Krankheit einfangt! Nicht weit von hier gibt es einen idyllischen Bergsee, sofern der Drache ihn nicht verdampft hat. Dieser alte Mann will Euch gern behilflich sein und auf Euch und Eure Habe aufpassen, während Ihr Euch pflegt."
Würde sie einwilligen und sich in eine verwundbare Lage begeben?
"Sicher wolltet Ihr nach Thorniara reisen und seid in Schwierigkeiten geraten, nicht war? Ich will Euch gern eskortieren, das Wohl jedes einzelnen Mitglieds meiner Gemeinde ist mir enorm wichtig."
Womit er die perfekte Ausrede hatte, um an ihr haften zu bleiben, bis er sich sicher war, ob sie die verruchte Rabenweil war oder nicht. Der fürsorgliche Hirte, ein Klassiker (und vermutlich sogar zutreffen, falls sie doch nur eine gewöhnliche Bürgerin war).
"Ihr solltet zu Innos beten und ihm danken für das Glück, das ihr hattet. Das solltet ihr wirklich tun. Am besten jetzt sofort."

Erneut setzte er die Magie der Stimme ein, um ihr subtil klar zu machen, dass dies trotz aller Freundlichkeit ein Vorschlag war, den sie besser annahm. Verbrannten dem dunklen Magierpack eigentlich die Zungen, wenn sie den Namen des Herrn in den Mund nahmen, geschweige denn zum Gebet an ihn gezwungen wurden? Vicktar spitzte die Ohren, um zu lauschen, ob nicht vielleicht ein leises Zischen aus ihrem Mund zu hören war, falls dieser Fall eintrat.

Olivia Rabenweil
11.10.2019, 11:03
»Heda, Fräulein!« Olivia wandte sich überrascht um. Diese Stimme gehörte nicht Redlef. Im hereinbrechenden Zwielicht, waren nur Schemen zu erkennen. Eine Gestalt zeichnete sich zwischen den Trümmern ab. Sie Kniff die Augen zusammen. Es war ein Mann, gekleidet in eine Robe. Für einen Moment hoffte sie ein bekanntes Gesicht zu erblicken, doch schon bald, waren die trotz der Dämmerung leuchtenden Farben der Kirche Innos zu erkennen.
Sie verzog den Mund. Eine Feuerwurst war nun das letzte, was sie ertragen konnte. Beruhigend tätschelte die den Schädel an Ihrer Hüfte. Sie konnte seine Aufregung spühren, zwang sich jedoch selbst zur Ruhe. Es gab keinen Grund Angst zu haben. Sie war freigesprochen worden und ein Ordensbruder war ihr als Begleitschutz von höchster Stelle zur Seite gestellt worden. Sie zwang sich zu einem unschuldigen Lächeln.
Sie war sich unsicher, wie genau sie ihm Begegnen sollte. Was konnte sie sagen, um ihn schnell wieder loszuwerden? Dieses konnte sich schwierig gestalten, er war sicherlich nicht Grundlos in der Zerstörten Stadt. Was suchte er hier? Alleine? Sicherlich keine Orks, die es zu vertreiben galt. Vielleicht Redlef? Doch was konnte er von dem Ordensmann nur wollen.
Der alte Magier nahm ihr die Entscheidung für eine eloquente Antwort jedoch ab, als er weitersprach. Sein Gesicht machte einen freundlichen Anschein, doch seine Augen verrieten ihn. Sie flackerten. Es war ein ähnliches Feuer, wie sie es schon bei Noxus gesehen hatte und ließ sie schaudern.
»Das ist kein Ort für ein junges und zartes Ding wie euch, Kind! Sagt, seid ihr...« Er war bei ihr angekommen. Olivia musterte ihn skeptisch. »Wie viele...« Sie war auf der Hut. Dass der Alte etwas von Cast wollte, begann sie auszuschließen.
Sie begann zurückzuweichen. Suchte einen sicheren Weg durch das Halbdunkel, auf dem sie fliehen und ihn abhängen konnte.
Als er dann aber weitersprach, begann sie sich zu entspannen. Ihre Hände sanken an ihr herab und auch den Schädel hielt sie nun nicht mehr fest. Sie ignorierte sein zorniges Vibrieren und wandte sich dem Magier zu.
Ein Magier, endlich jemand Vernünftiges in ihrer Gegenwart. Alleine seine Anwesenheit war erhebender, als das Zusammensein mit dem Ordensbruder Cast. Er sprach mit ruhiger Stimme auf sie ein und sie nickte und bejahte alles, was er ihr sagte, ohne dass sie wirklich verstand, was er ihr mitteilte. Doch das war ihr im Moment egal, da sie wusste, dass sich jetzt alles zum Besseren wenden würde.
»Ihr solltet zu Innos beten und ihm danken für das Glück, das ihr hattet. Das solltet ihr wirklich tun. Am besten jetzt sofort.«
Sie nickte trat an ihn heran und ließ sich andächtig auf die Knie senken. Lange hatte sie schon nicht mehr zum Dunklen gebetete. Ihr mangelndes Maß an Huldigung war lästerlich. Um vom Dunklen erhöht zu werden musste sie nun umso inbrünstiger beten.
Olivia sammelte sich, holte tief Luft und ließ sie langsam wieder entströmen. Ihr Herzschlag beruhigte sich, sie schloss die Augen und begann leide zu summen. Es half ihr sich auf Beliars Reich einzustimmen. Als sie den richtige Schwingung gefunden hatte öffnete sie den Mund. Laut und kräftig wollte die das Gebet mit dem Namen des Herren der Finsternis beginnen, doch er blieb ihr im Halse stecken. Sie würgte. Öffnete erschrocken die Augen und versuchte es verwundert erneut. Sie hustete. In Ihrer Brust rangen zwei Kräfte. Der Drang Belair zu ehren und die feurige Leidenschaft Innos Namen zu brüllen.
Der Hals zog sich ihr zu. Sie keuchte. Kein vernünftiger Laut konnte ihre Kehle verlassen.
Mit flehendem Blick sah sie in das Gesicht des Priesters. Auch wenn Ihr Verstand sich immer noch im Sicherheit wog, do keimte in ihrem Unterbewusstsein Angst auf. Sie erkannte, dass etwas nicht stimmte. Der Herzschlag beschleunigte sich.
Sie zog die Augenbrauen noch etwas höher und legte die Hand an ihre Kehle. »Wasser«, krächzte sie. »Ich brauche Wasser, meine Stimme…«
Sie erhob sich langsam und rieb sich peinlich berührt die Arme. »Ihr spracht von einem See?«

Vicktar
11.10.2019, 13:25
Für einen Moment musste Vicktar dagegen ankämpfen, ein triumphales Lächeln aufzusetzen. Die Frau schien seine Fragen kaum wahrzunehmen - vielleicht hatte er es mit der einlullenden Wirkung der Stimme ein wenig übertrieben - doch sie hatte ihre Vorsicht fallen lassen und hatte sich tatsächlich auf die Knie begeben, um ein Gebet über ihre Lippen zu schicken. Unverhohlenes Erstaunen ergriff ihn, als sich fürwahr nicht in der Lage schien, auch nur einen Ton über die Lippen zu bringen - war das etwa der Einfluss des Dunklen, der es dem verruchten Weib verbot, ihre Verschleierungsversuche so weit zu treiben? Vicktar war aufgewühlt, er konnte die Zunge des Weibes in ihrem Mund förmlich brodeln hören, ganz so, wie er es sich erhofft hatte. Sie musste die Rabenweil sein!
Doch ach! Röchelnd verlangte sie nach Wasser, und plötzlich war es gar nicht mehr so sicher, dass es tatsächlich Beliars Macht war, die sie am Sprechen hinderte. Vielleicht war es schlichtweg ein staubiger Mund? Einerlei, noch war nichts verloren, sie ging auf seinen nächsten Köder ein und fragte nach dem Bergsee.

"Wahrlich, das tat ich", antwortete er auf ihre Frage, wieder mit zuckersüßer und versöhnlicher Stimme, diesmal aber ohne den Einsatz von Magie - er wollte es schließlich nicht damit übertreiben, nur für den Fall, dass sie die Gesuchte war und die genutzten magischen Ströme erspürte.
"Ich war schon lange nicht mehr hier, doch so weit ich weiß, führt unweit eine Treppe aus der Stadt hinaus und hinauf zum Ufer des Sees - sofern sie nicht zerstört wurde, natürlich. Ich zeige Euch gern den Weg."
Als sie sich in Bewegung setzten, bemerkte er erst, wie unsicher sie auf den Beinen war. Entwickelte er etwa schon wieder Mitleid mit der Hure Beliars? Diese vermaledeite schwarze Magie!
"Ihr werdet sehen, dort könnt Ihr Euch den Dreck von Kleidung, Leib und Seele spülen. Ich habe den See als wahrlich beschaulichen Ort in Erinnerung", erklärte er freundlich.
"Nach einer kurzen Ruhepause wird es Euch sicher wieder besser ergehen, Kind. Soll ich Euch auf dem Weg hinauf stützen? Ich bin übrigens Meister Vicktar. Sicher müsst Ihr angegriffen worden sein, dass Ihr so schwach bei Kräften seid. Waren es die Echsen? Diese verdammte Brut ist schlicht nicht mehr auszurotten, obwohl der Drache schon lang vernichtet ist..."

Olivia Rabenweil
11.10.2019, 14:08
Olivia ignorierte die dargebotene Hand, auch wenn sie nach wie vor keinen Grund sah, dem freundlichen Alten zu misstrauen. »Nein, nein, habt Dank, doch ich werde es schon schaffen.« Sie griff das Tischbein fester und benutzt es weiterhin als Krücke. Es war schon eigenartig, dass die als junge Frau eine Stütze bot, die ein uralter Mann ihr anbieten wollte. Olivia ließ sich nur zu gerne zu dem versprochenen See führen. Nicht nur, dass mit Redlef alle Vortäter sowie auch der Trinkschlauch verschwunden waren, auch sehrte sie sich tatsächlich, ein ausgiebiges Bad zu nehmen. Wenn auch lieber alleine.
Dazu musste sie zuerst diesen Meister Vicktar, wie er sich vorgestellt hatte, loswerden. Doch wie konnte sie das anstellen? Welche Geschichte würde Ihn davon abhalten, sich weiter so rührend um sie zu kümmern? Wahrscheinlich nur die Wahrheit und diese konnte unabsehbare Folgen haben.
Tatsächlich kannte sich der Alte in der Stadt recht gut aus. Sie hatten einen verschlungenen Weg durch ungewöhnlich gut erhaltene Gassen genommen und waren bald an einer Halbhohen Mauer mit einem Durchgang angekommen. Dahinter zeigte sich eine Treppe, die zu einem still daliegenden See hinab führte.
Olivia hob den Blick, wollte ihrem Unterstützer überschwänglich danken, doch wurde dann von seinem nach wie vor stechenden Blick gefangen. Wie hatte sie sich nur so einlullen lassen können? Er war ein Mann Innos! Nichts Gutes würde ihr von seiner Seite aus widerfahren. Sie zögerte kurz, als das Gefühl der Geborgenheit in ihrem Herzen zu verblassen begann. Was wollte er? Warum hatte er sie so dringen Aufgefordert zu Innos zu beten? Mitten in einer zerstörten Stadt, in der potentiell hinter jeder Ecke Gefahren lauern konnten?
Der Grundkonnte lediglich eine Prüfung sein. Wenn auch völlig verdreckt, trug die immer noch die Robe des Kastells. Wer genau hinsah würde schnell erkennen, dass es sich dabei nicht um ein Kleid handelte, sondern um das traditionelle Gewand der Magier in den Beliar zugeordneten Farben.
Hatte dieser Priester es schon bemerkt?
Immer noch stand sie am Kopf der Treppe und blickte skeptisch zu ihm herüber. Gab es am See etwas, mit dem er sie überrumpeln konnte?
»Ähm… geht doch schon vor. Ich werde mit den Stufen etwas brauchen«, sprach sie und bemühte sich um einen leichtfertigen Tonfall. Meister Vicktar beäugte sie seiner Seits kurz abschätzig, bot ihr noch einmal seine Hilfe an, die sie anwies und schritt langsam die Treppe hinunter. Dabei behielt er sie im Blick, wie Olivia nicht verborgen blieb.
Sie nutzt die Chance und betrachtete die Umgebung. Das Seeufer bot nur wenig Möglichkeiten für einen Hinterhalt. Durch die Stadt zu fliehen, brachte ihr keinen Vorteil. Er kannte sich dort besser aus und war weitaus agiler auf seinen Beinen, als sie. Also folgte Olivia und sah sich nach alternativen für einen Fluchtplan um. Wo war nur dieser Cast? Er hatte das Schreiben, welches ihre festgestellte und von der Obersten Feuermagierin verbriefte Unschuld bestätigte.
»Oh, um eure Frage zu beantworten«, inzwischen hatte sie sich eine halbwegs plausible Antwort überlegt und wollte das Gespräch fortführen, um den falschen Anschein noch weiter zu wahren. »Ich war lange Bettlägerig und Krank«, so gesehen kaum gelogen, da sie die Zeit im Kerker so oft es ging mit Schlafen verbracht hatte und das kalte, feuchte Klima ihrer Gesundheit auch nicht zuträglich gewesen war, »und konnte dieses leid nun aber endlich abschütteln. Nun suche ich den Weg nach Haus, um mich vollständig zu erholen.« Das dieses nicht in Thorniara lag, musste sie ihm jetzt nicht auf die Nase binden.
Als sie den Fuß der Treppe erreicht hatte fügte sie noch hinzu. »Ich habe einen Begleiter, der Acht auf mich gibt und versprach mich heil dort hin zu bringen. Also macht euch keine Sorge um mich.«

Und tatsächlich: Am gegenüberliegenden Seeufer tauchte ein Reiter auf. Das hässliche Pferd erkannte sie sofort. Es war der Ordensruder. Sie hob die Hand zum Gruß, die er aber anscheinend nicht gesehenen hatte, da er an Ort und Stelle am Ufer verweilte.

Redlef
11.10.2019, 14:36
Im unverändert scharfen Galopp brach der Hengst durch eine übermannshohe Schilfwand. Kaum war er hineingesprungen hörte Redlef auch schon das Patschen unter den Hufen des Pferdes. Er hatte ein Gewässer gefunden. Red stemmte sich in die Steigbügel und riss an den Zügeln. Das Pferd stoppte sofort. Red war umgeben von Schilf und spritzendem Wasser.
Nun vorsichtiger ritt er aus dem Ufergürtel heraus uns sah sich um. Er hatte zumindestens sie Stadt gefunden. Die Silouette ragte hinter der glatten Seeoberfläche auf.
Hoffentlich fand er hier Olivia, sie musste immer noch dort sein. Um seiner selbst willen, hoffte er, dass die wohlauf war. Nur so konnte er seinen Auftrag erfüllen. Langsam ritt er am Ufer entlang und überlegte, wo sich die junge Frau in der aufkommenden Dunkelheit wohl hin verzogen haben könnte, da fielen ihm zwei Schatten in einiger Entfernung auf. Er parierte durch und wagte einen genaueren Blick. Tatsächlich, die kleinere Gestalt war die Rabenweil. Doch wer die Person daneben?
Olivia winkte. Sie machte keinen panischen Eindruck. Red kam ins Stutzen, denn neben ihr war offensichtlich ein Feuermagier. Er erkannte die Robe. Nun war sein Interesse geweckt. Was hatten die beiden vor?
Er lehnte sich schmunzelnd im Sattel zurück und wartete ab. Solange dieser Priester, der sie anscheinend hier gesucht und nun gefunden hatte, die Hexe nicht vor seinen Augen röstete, konnte er seiner Meinung nach mit ihr anstellen, was er wollte. Er hatte nie vergessen, was ein Priester Beliars ihm in der Nacht alles angetan hatte, in der er seine Narbe auf dem Rücken bekommen hatte…

Vicktar
11.10.2019, 16:16
Mehr und mehr war er sich sicher, dass er die Richtige gefunden hatte. Krankheit? Pah, eine Bettlägerige in einer gefährlichen Ruinenstadt! Niemand verdreckte seine Kleidung dermaßen durch ein wenig Bettlägerigkeit! Außerdem schien sie ganz genau darauf zu achten, welche Worte sie wählte, und versuchte, so wenig Informationen wie möglich über sich zu verraten. Vicktar konnte regelrecht spüren, wie ihr zuvor bereits überwundener Argwohn nun angesichts weniger für gewöhnliche Menschen völlig unverfänglicher Fragen wieder aufkeimte. Am liebsten hätte er den Ehrfurcht-Zauber an der Hexe getestet, den er erst kurz vor seiner Abreise zum ersten Mal erfolgreich angewandt hatte, doch er wollte sich nicht im Ernstfall darauf verlassen, solange noch kein Magiekundiger ein Auge darauf geworfen und ihm bescheinigt hatte, dass er den Zauber richtig umsetzte.
Doch als sie ihren Begleiter erwähnte, war er sich endgültig sicher. Diesen Cast hatte er ja fast vergessen! Sie reiste nicht allein, sondern hatte diesen Kerl verführt, um sie fort zu bringen. Wie hoch waren die Chancen, dass sie zufällig eine unschuldige, kränkliche Reisende war, die ebenfalls mit einem einzigen Mann als Begleiter unterwegs war?
Dort, auf der anderen Seite des Sees, tauchte ein Reiter auf, der den Wappenrock der Stadtwache trug - das musste Redlef sein! Und nun wurde dem Alten auch klar, dass dieses Hexenweib nicht nach einem Detlef gerufen hatte, als sie noch durch die Ruinen gestolpert war. Er musste schnell handeln, bevor dieser Redlef herüber kam, um seine Geliebte zu erretten! Die Zeit der Verstellung war vorüber.
So schnell er konnte, schlang er seinen rechten Arm von hinten um ihren Hals, während ihre Aufmerksamkeit noch bei dem Reiter war, klemmte diese zart gewachsene Ranke in seiner Armbeuge ein und trat ihr - mehr aus Versehen - die provisorische Stütze aus der Hand.
"Dieser Begleiter also, ja? Redlef Cast, dem Ihr mit Euren Hexenkräften den Schwanz verzaubert habt, damit er Euch heil aus Thorniara geleitet, fort von der Euch zustehenden Strafe und zurück in Eure von Beliars Hauch durchsetzte Hütte, wo Ihr sein Blut trinken werdet? Habt ihr den Sabbat im Drachendung schon durchgeführt, oder wolltet Ihr ihn gerade dafür aufsuchen, hmm?"


Er ließ ihr keine Möglichkeit zur Antwort, sondern drückte ihr den Hals etwas fester zu, um ihr den Ernst der Lage klar zu machen. Wie fünf kleine Dolche rammte er ihr seine Linke in den unteren Rücken und kanalisierte die Magie langsam in den Fingerspitzen, sodass sie langsam heißer zu werden begannen.
"Ich bin hier, damit Ihr diese Strafe doch noch erhaltet, Hure Beliars. Doch vorher werdet Ihr mir all Eure Verfehlungen beichten, jede einzelne, auf dass Innos Eure Sünden erhöre und Eurer Seele im Angesicht des Todes vielleicht doch noch Gnade zuteil werden lasse. Sprecht schnell und betet, dass Cast sich nicht anschickt, mich anzugreifen, sonst wird der Lumpen, der Euch kleidet, binnen weniger Momente in Flammen stehen. Seid Ihr Olivia Rabenweil, Tochter von Kajetan, der das rote Sumpfkraut nach Thorniara brachte, und Mitverschwörerin in diesem teuflischen Akt der Schande, der die Menschen Thorniaras in Leid und Gefahren stürzte?"

Don-Esteban
11.10.2019, 18:54
Esteban trat an Hirni heran und legte ihm in einer Geste der Anerkennung die Hand auf die Schulter, nachdem er gesehen hatte, wie sehr sich sein Magierbruder bemühte, einen Golem zu erschaffen.
»Ich verrate dir etwas«, sagte er, »es hilft nicht, etwas unbedingt zu wollen. Viel wichtiger ist es, mit Ruhe und innerer Überzeugung an die Sache heran zu gehen. Wenn du einen Golem beschwören willst, dann sei davon überzeugt, dass du ihn jetzt in diesem Moment benötigst für irgendeinen Zweck.«
Er ließ seinen Arm wieder sinken, nur um mit Gesten seine weiteren Worte zu unterstreichen.
»Deine Gedanken müssen frei sein, nur auf das Ziel konzentriert. Und das geht erfahrungsgemäß am besten, wenn man selbst daran glaubt, dass es wichtig ist. Was meistens der Fall ist, wenn es um irgendetwas geht. einfach nur einen Zauber auszuführen, um ihn auszuführen, ist keine besondere Motivation.«
Das schien einleuchtend. er fuhr fort.
»Ich kann nicht für die anderen Magieschulen sprechen, aber Beliar ist kein Gott, der Taschenspielertricks honoriert. Wer die von ihm verliehene Magie nutzen möchte, sollte einen Grund dafür haben, der dem dunklen Gott gefällt. Es reicht, ihn in Gedanken zu formulieren oder ihn in seinem Inneren zu kennen. Beliar sieht in uns hinein. er benötigt keine Gebete. Jedenfalls habe ich niemals solche an ihn gerichtet. es mag unter den Innospriestern verbreitet sein, die Hilfe ihres Gottes laut und oft anzurufen. Beliar benötigt dies nicht. Für ihn zählen Taten, keine Worte. so ist jedenfalls mein Eindruck.«
Der Hohepriester atmete tief ein und schien dabei um einen Zoll zu wachsen.
»Vergiss nie, dass du derjenige bist, der das Gewebe der Magie berührt und für seine Zwecke nutzen kann und kein anderer. Niemand außer dir kann es so tun, wie du.«
Er nickte Hirni zu und klaubte dann seine Sachen vom Boden auf, die er hier liegen gelassen hatte.
»Ziehen wir weiter«, sagte er dann.
»Setarrif hat uns nichts mehr zu erzählen. Die Stadt ist tot und wird bald vergessen sein. Sie wird das Schicksal aller menschlicher Werke teilen. Hier treiben sich nur noch Verlorene herum. Es ist kein Wunder, dass der Drache, der vor einiger Zeit Argaan in Schrecken versetzte, genau hier sein Ende fand. Setarrifs Fluch kann man es nennen.
Irgendwo oberhalb der Stadt, an den Hängen des Gebirges wird sein geplünderter Leichnam vor sich hin modern, vermute ich. Lebendig war er ein Wunder dieser Welt. Er zeigte durch seine Existenz, was möglich ist ... was die Götter erlauben. Tot hingegen ist er nur stinkendes Fleisch und ein Beispiel für die Mechanik der Natur. Seines Zaubers beraubt, auch wenn er Leid und Tod verbreitete, als er selbst noch am Leben war. Aber sein verwesender Körper ist für uns nicht weiter von Belang«, so seine ernüchternde Bilanz der Ereignisse von vor ein paar Jahren.
»Suchen wir den Eingang in die Höhlen unter den Bergen«, schlug der Mafgier stattdessen vor.
»Dort, wo viele Jahrhunderte der Reichtum Setarrifs gefördert wurde, Erz von Eisen, Silber, Kupfer und Gold. Viele Menschen lebten davon. Handwerker, Seeleute, Händler. Sie schufen Gebrauchsgegenstände und Kunstwerke. Vielleicht wird ein wenig davon woanders überleben, ehe es zur Gänze verloren geht.«

Sie löschten das Feuer und hoben das Lager auf, um nun den Weg ins Gebirge anzutreten. sie fanden eine Straße, der sie direkt zum Fuß der Berge führen würde.

»In den Höhlen hoffe ich, die Nester von Minecrawlern zu finden. Das Sekret ihrer Königinnen verspricht, die magischen Fähigkeiten eines jeden Magiers je nach seinem Potenzial weit zu erhöhen«, umriss er nun das Ziel der Reise.
»Das hatte schon vor vielen Jahren dieser zwielichtige Cor Kalom in der Barriere erkannt. Ich bin mir nicht sicher, was er vor seinem Aufenthalt dort war. Er ist mir seitdem rätselhaft.«

Olivia Rabenweil
12.10.2019, 12:08
»Was?« Olivia riss erschrocken die Augen auf, umklammerte den Arm, der sie würgte und versuchte ihn von sich wegzuziehen. Schockiert hörte sie die Worte, die der Alte ihr entgegen warf. Sie schüttelte sich. Der Gedanke irgendetwas an diesem widerlichen Leuteschinder und Kerkermeister zu verzaubern war ekelerregender als sie jemals hätte von sich aus vorstellen können.
Olivia wollte antworten, dieser durchgedrehten Feuerwurst entgegenhalten, dass er sich in Wahnvorstellungen verlor, doch erzog den Arm um ihren Hals noch enger zu. Hilfesuchend schaute sie zu Redlef herüber. Dieser saß immer noch in aller Ruhe auf seinem Pferd und sah zu ihnen herüber. Olivia blieb die Luft weg. Ihre Fingernägel kratzen wirkungslos über den Ärmel der Robe. Verzweifelt versuchte sie Luft in ihre Lungen zu ziehen, doch es klappte nicht. Sie röchelte.
Ein stechender Schmerz fuhr in ihren Rücken. Sie warf sich in im Arm des Magiers hin und her. Ein Schrei drang aus ihrer Kehle und wurde sofort wieder erstickt. Ihre Lungen waren leer. Sie begannen zu brennen. Olivia riss die Augen so weit auf, dass ihre Augäpfel aus dem Schädel zu springen drohte. Für einen kurzen Moment bekam sie den Ärmel der Robe zu fassen. Der Griff das Armes lockerte sich ein wenig und gierig japste sie nach Luft. Mit der einströmenden Luft verstärkte sich das Feuer in ihrer Lunge noch. Es treib ihr Tränen in die Augen.
Benommen suchte ihr Blick nach Redlef, der hatte sich in Bewegung gesetzt, ganz langsam. Ihre Eingeweide zogen sich zusammen. Die Angst wagte sie zu übermannen. Redlef kümmerte sich einen Scheiß um sie. Ihm war es egal, er würde sie hier sterben lassen…
Der griff um Ihren Hals verengte sich erneut und Olivia wurde schwarz vor Augen, sie spürte den Griff Beliars um Ihre Brust. Eine Träne rann ihre heiß über die Wange. Des Priesters Worte erreichten Ihr Ohr kaum. Ihr Blick flatterte…

Und dann ließ er plötzlich locker. Ihrer Stütze beraubt war es ein Einfaches für ihn sie auf die Knie zu zwingen. Nach wie vor hielt er sie gepackt, ihren Arm so verdreht, dass er ihn ihr fast aus dem Gelenk drehte. Doch das war gerade ihr geringstes Problem. Sie hustete und würgte, zog die Luft heftig in ihre Lunge und würgte die Luft gleich danach wieder heraus.
Es dauerte einen Moment, bis sie sich wieder gefangen hatte.
»Ich bin keine Hure«, sie hustete und rang nach Luft. »Ich…«, sie stockte. Sie hatte sich noch nie einem Mann hingegeben, bis heute… Olivia wusste, dass es eine Vision war, dennoch…
»Ich bin Olivia Rabenweil, ja! Aber mit dem Sumpfkraut hatte ich nichts zu tun! Die Feuermagier haben mich freigesprochen.« Mit ihrer freien Hand zeigte sie auf Redlef, der bequem bis auf dreißig Schritt herangeritten gekommen war. Doch dort hielt er an, hielt in einer Hand locker die Zügel, die andere legte er entspannt auf sein Bein. Er massierte sich das Knie. Dieser verdammte Krüppel konnte niemanden Angst einjagen, nicht mal diesem alten Priester, der Unbewaffnet war. Was für ein miserabler Beschützer.
Olivia warf ihm einen vernichtenden Blick zu. »Verdammt Cast, zeig dem Priester das Schreiben. Ich bin eine freie Frau!«
Der Ordensbruder seufzte. Anscheinend gefiel es Ihm nur wenig den Priester von dem Abzuhalten, was er augenblicklich mit ihr anstellte. Dennoch steckte er seine Hand in sein Wams und zog das zusammen gefaltete Pergament daraus hervor.
»Hier der Freispruch und der Überstellungsbefehl. Mir ist aufgetragen worden diese Frau zur Ihrem Haus zurück zu bringen. Lebendig…« Er warf das zusammengebundene Schriftstück in ihre Richtung. Es landete auf halber Strecke zwischen Ihnen im Kies des Seeufers. »Tötet sie nicht, Hochwürden. Befragt sie, lasst sie Leiden, kitzelt jede Sünde aus ihr heraus. Mir ist egal auf welchem Weg.«
Redlef schwang sein Bein über den Sattel und ließ sich auf den Boden gleiten. Die Zügel hielt er weiterhin fest und zog den Hengst ans Wasser. Er trank.
»Ich werde Euch erst aufhalten müssen, wenn ihr Anstalten macht, ihr Leben zu beenden, solange werde ich... Wasser holen gehen…«
Olivia erstarrte. Sie wusste was Redlef damit andeuten wollte. Sie hatte sich damals zum Wasserholen abgesetzt, als er Noxus und ihr Gefangener gewesen war. Sie wusste bis heute nicht, was Noxus genau mit Redlef angestellt hatte. Auch der Innosler hatte sich in seinem Zorn nur vage geäußert. Aber ihr war klar, das dieses hier nun seine Rache war.
»Hey! Du bist ein verfluchter Mistker!« Olivia spukte die Worte vor Zorn nur so aus. »Du hast einen Befehl, mieser Arsch! Was werden deine lieben Vorgesetzten sagen, wenn sie erfahren, dass du deine Befehle mit Füßen trittst.« Olivia spürte das Brennen in Ihrem Rücker erneut. Der Priester war ihre Anschuldigungen Redlef gegenüber wohl leid. Sie schrie auf, die Hitze fraß sich durch ihre Kleidung in Ihren Rücken.
Olivia war Hilflos. Hilfe hatte sie nun keine mehr zu erwarten.
»Verdammt ich weiß nichts von dem roten Sumpfkraut. Cast raucht das Zeug andauernd. Fragt doch ihn!«

Redlef
12.10.2019, 12:43
»Verdammt ich weiß nichts von dem roten Sumpfkraut. Cast raucht das Zeug andauernd. Fragt doch ihn!«
Red spitze die Ohren. Er hatte sich geschworen, weg zusehen. Olivia dem auszusetzten, dem er selbst ausgesetzt worden war. Die Angst und die Hilflosigkeit. Doch nun zog dieses vermaledeite Frauenzimmer ihn in die Sache mit hinein.
Er ließ den Hengst am Wasser und trat ein paar Schritte auf die beiden zu.
»Zügle deine Zunge, Biest!« Redlef wusste, dass er sich verriet, wenn er das Ganze zu vehement abstreitet, daher zwang er sich zur Ruhe. Der Priester war offensichtlich, sehr vom Feuer Innos ergriffen. Red massierte sich die Schläfen. Er erinnerte sich an die Vision, die er an diesem Morgen noch hatte. Nach wie vor war er sich nicht sicher, wie er sie zu deuten hatte. Doch gerade fühlte er sich erschreckender Weise an Noxus erinnert, der dieselbe Vorgegenweise gezeigt hatte. Es gab keine Vermutungen von seiner Warte aus, nur Feststellungen, auch wenn diese sich nicht auf Tatsachen stützten. Noch stand dieser Priester nicht auf derselben Stufe des Wahnsinns wie Noxus, so war doch deutlich, dass er sich geradewegs auf dem Weg dahin befand.
Das konnte ihm weiterhelfen oder Probleme bereiten.
Er nährte sich vorsichtig, wollte er dem Mann doch keinen Anreiz geben sich selbst zu vergessen. »Hochwürden, darf ich Euch ein Seil anbieten? Wenn ihr sie Fesselt und nicht weiter mit dem Halten beschäftigt seid, könnt ihr die meiner Erfahrung nach, besser verhören.«

Vicktar
13.10.2019, 02:14
Die Stirn in Falten, versuchte der Feuermagier, die erhaltenen Informationen zu verarbeiten. Es war gut und schlecht zugleich, dass Redlef die Hexe nicht aus freien Stücken begleitet hatte. Gut, weil er nicht von ihr verzaubert worden war und sie um jeden Preis verteidigen wollte, sondern ihn sogar noch in dezenter Weise unterstütze. Schlecht, weil es hieß, dass jemand in Thorniara die Entscheidung getroffen haben musste, eine Schwarzmagierin ziehen zu lassen (und er hatte keine Zweifel daran, dass sie eine Jüngerin Beliars war, ganz egal was sie sagte) - er fürchtete, dass es sich bei dieser Person um die Herrin handelte. Schon lange hatte er sie als zu weich eingeschätzt, bis hin zur Fahrlässigkeit.
Es bedeutete auch, dass Redlef sich entgegen seiner Neigung gegen ihn wenden würde, wenn er das Miststück zu offensichtlich zu vernichten trachtete.

"Vielen Dank, Herr Cast. Das ist ein ausgezeichneter Vorschlag", entgegnete Vicktar und nahm die Fesseln entgegen. Es war nicht sein Fachgebiet, weder die Fesselung, noch jegliche Art von Verhör oder Exekution, doch im Zweifel würde das nicht ihm zum Schaden gereichen, sondern nur das Leid der Hexe erhöhen, und das wäre kaum als tragisch zu bezeichnen. Grob umwickelte er der Rabenweil die zarten Handgelenke mit dem Seil und zurrte den sorgsam gebundenen Knoten sicherheitshalber so fest, dass das Weib aufschrie.
"Schrei, so viel du willst - es wird dir nichts nützen. Und du wurdest zur Hure, als du deine Seele an den Dunklen verkauft hast."
Es war schade, dass er die Magie des Herrn noch nicht gut genug beherrschte, um in die Gedanken der Hexe zu blicken. Sie mühte sich immer noch sehr erfolgreich, möglichst harmlos und unschuldig zu erscheinen und Mitleid zu erregen. Doch er war sich sicher, dass ihre geistige Widerstandsfähigkeit ihre Grenzen im Schmerz kannte.
"Herr Cast, wie lebendig muss sie dort ankommen? Wer soll das bezeugen?", fragte er den Kerkermeister.
"Sind Zunge und Hände nötig? So hätte man ihr die Möglichkeit genommen, ihre dämonische Magie zu wirken, die sie sicherlich beherrscht. Ich könnte auch als Zeuge dienen, dass Ihr Euren Auftrag erfolgreich ausgeführt habt."

Mit Genugtuung sah er die Panik in ihren Augen. Sie sollte erkennen, dass dieses Schreiben, selbst wenn es vielleicht von der Herrin persönlich verfasst worden war, hier draußen nichts wert war. Sie musste gestehen, und sie musste für ihre Sünden die Konsequenzen tragen.
"Nun zu Euch, schändliche Ketzerin", wandte er sich Olivia zu, "Wie ich schon sagte: gesteht mir alle Eure Sünden, und lasst keine dabei aus!"
Er packte sie grob an den Haaren und schleifte sie regelrecht ins Wasser hinein, bis dem Weib das Wasser an die Knie reichte. Als er sie losließ, stürzte sie kraftlos in das Nass und hatte Mühe, sich mit den auf den Rücken gebundenen Händen wieder aufzurappeln. Vicktar schritt wieder zurück ans Ufer und versuchte, den aufkeimenden Gelenkschmerz so gut es ging zu ignorieren. Dies war ein denkbar schlechter Augenblick für solch ein Störfeuer seines Körpers.
"Jetzt werdet Ihr sprechen, und wenn Ihr weniger leiden wollt, werdet Ihr die Wahrheit kurz, bündig und mit Freuden verkünden. Seht es als die große Gelegenheit für Eure Seele, aus dem verrotteten Klammergriff Beliars zu entkommen!"
Um seine Fingerspitzen zuckten Funken, die sich zu einem Kugelblitz auswuchsen, als er die Handflächen aneinander führte. Der zuckende Schmerz war eine willkommene Ablenkung von seinen körperlichen Beschwerden - wie viel Zeit doch schon vergangen war, seit er sich an diesem Zauber unter der Anleitung der Herrin probiert hatte!
"Beginnen wir mit der Ursünde." Der Kugelblitz wütete kaum kontrollierbar zwischen seinen Händen.
"Herr Cast, bitte führt Euer Ross vom Wasser weg", rief er hinüber, bevor er mit grimmiger Entschlossenheit zur Rabenweil blickte.
"Seid Ihr mit Beliar im Bunde, und habt Ihr von ihm die Gabe seiner abscheulichen Magie empfangen?"
Ganz egal wie sie antwortete, er würde sie die Kraft dieses Zaubers kosten lassen, indem er den Blitz in das Wasser schickte. Schließlich konnte er ihrer ersten Antwort ohnehin nicht vertrauen.

Nienor
20.10.2019, 17:15
Nienor ließ noch einmal ihren blick über das Lager schweifen. Hatten sie nichts liegen gelassen? War das Feuer wirklich gelöscht, kein Glutnest übrig geblieben? Nachdem alles zu ihrer Zufriedenheit war, drehte sie sich wieder um und folgte nun den anderen, die im Gewirr der kaum noch erkennbaren Straßen, die voller Schutt waren, in Richtung der Gebirgsflanke liefen. Die Natur hatte begonnen, sich die Ruinen zurück zu erobern. Efeu wucherte am Boden und andere Pflanzen wie wilder Wein oder Blauregen hatten sich an den Mauern empor gezogen und verwandelten sie hier und da in eine romantisch und geheimnisvoll anmutende Szenerie. In einem Menschenleben würde hier so gut wie nichts mehr daran erinnern, dass sich hier einst der Mittelpunkt eines mächtigen Reiches erstreckt hatte.
Ehrlich gesagt war es Nienor rätselhaft, weshalb nicht die Truppen Myrtanas hier längst einmarschiert waren. Einen größeren symbolischen Erfolg im Krieg zwischen Myrtana und Argaan, als die Reste der gegnerischen Hauptstadt in Besitz zu nehmen und ihren Staub durch die Hufe der eigenen Pferde aufwirbeln zu lassen, konnte es doch nicht geben. Das Königreich Argaan gab es nicht mehr und seine Reste waren lächerlich unbedeutend. Eine Handvoll Überlebende im kleinen Städchen Stewark auf der anderen Inselseite. Leicht auszuhungern und zu überwältigen von den myrtanischen Truppen. Und damit wäre Argaan nur noch eine weitere Provinz des Myrtanischen Reiches. Innos triumphiert - selbst über Adanos. War das das Gleichgewicht, für das er angeblich stand? Nienor zweifelte. Götter ... ihre Beweggründe waren rein von Menschen erdacht. Sie wandelten in ganz anderen Sphären, in einer anderen Realität. Nahmen sie die Menschen, die in ihrem Namen ganze Zivilisationen aufbauten und andere zerstörten, überhaupt wahr?

Die Kriegerin weckte sich selbst aus ihrer Grübelei. Sonst war sie doch auch nicht so weit in derartige Gedankengänge abgedriftet. Seltsam. Vielleicht war es die Umgebung, deren Schicksal schwer auf ihnen allen lastete. zu schwer.
»Wartet«, rief sie den anderen hinterher und lief etwas schneller, um den Rest der Gruppe einzuholen, die gerade eine halb zerfallene Treppe gefunden hatten, breit und flach, in die die Straße überging, als der anstieg zu steil wurde. Die Stufen waren ausgetreten, hier waren viele Jahrhunderte lang viele Füße entlang gelaufen.
Nienor schaute nach oben. Die Treppe verschwand hinter einigen kahlen Hauswänden, deren ausgebrannte Fassaden nur dürftig den Blick in die Ferne versperrten. Über ihnen, an der Flanke des Berges setzte sich die Straße fort. Dies musste der richtige Weg in die Berge sein, zu den alten Minen von Setarrif, aus denen der erste Reichtum der Stadt gekommen war. Gold, mit dem die Kuppeln eingedeckt wurden waren außerdem Kupfer, Silber und Eisen. Alles, was ein Reich brauchte, um zu wachsen, mit Handel und Krieg.

Als sie die anderen eingeholt hatte, liefen alle schweigend die Straße weiter nach oben, ihren eigenen Gedanken nachhängend.

Olivia Rabenweil
20.10.2019, 20:25
»Ihr Bastarde, ihr Beide!« Olivia wehrte sich heftig geben den Griff des alten Magiers, doch ihr fehlte die Kraft seine Hände und die Fesseln abzuschütteln. Die Wut raste in ihr. Sie versuchte zu beißen und zu treten, aber ihre Angriffe prallten an ihm ab. Sie schrie und spukte. Das Seil der Fesseln fraß sich nur fester in ihre dünne Haut, je mehr sie zappelte.
Der Magier drohte ihr die Zuge herauszureißen. Hilfesuchend wanderte ihr Blick erneut zu Cast, doch dieser blicke absolut unbeteiligt zum See, wo sein Gaul etwas dürres Gras aus dem Boden rupfte.
»Der Befehl diese Frau zu diesem Kastell zu bringen – lebendig – weitestgehend – ist aus der Zitadelle. Innos ist mein Zeuge, dass ich meinen Auftrag erfülle. Ich bin zu wenig in den Lehren Innos bewandert, um den Befehl so deuten zu können, wie es ein Priester täte. Ich werde mich an den Wortlaut halten.«
Er warf Olivia einen ausdruckslosen Blick zu, dann wandte er sich ab. »Jetzt werde ich mich um mein Pferd kümmern und ein Lager vorbereiten. Es ist schon spät und wenig sinnvoll heute noch weiter zu reisen.«
»Cast! Nein, du verfluchter Mistkerl. Lass mich nicht hier mit diesem Wahnsinnigen allein! Du hast einen Auftrag! Du musst mich beschützen.« Ihre Stimme überschlug sich, als sie den Innosler verschwinden sah. Der Griff des Priesters wurde stärker, sie war ihm ausgeliefert.
Als er sie ins Wasser schleifte, glaube Olivia im erstem Moment, er wolle sie ertränken, doch dann ließ er sie dort sitzen und wandte sich ihr zu, Funken tanzten zwischen seinen Fingern. Olivia lächelte schwach. Trotz der verfahrenen Situation erfreute sie der Anblick. Sie wusste, dass der Priester ihr auf irgendeinem Wege Schmerzen zufügen konnte, doch die tanzenden Fugen erinnerten sie an Noxus Flammen, die er so gern zwischen seinen Fingerspitzen aufflackern ließ.
Ihr blick fiel auf den Schädel, der bisher unbemerkt neben dem Priester im Sand des Uferstreifens lag. Noxus!
Sie musste ihn schützen. Der Schädel muss ihr aus dem Kleid gefallen sein, als er sie niedergerungen hatte. Nun musste sie dafür sorgen, dass er unbemerkt blieb. Mit ein bisschen Glück, hielt der den nackten Knochen, für einen großen Kiesel, sodass er sich nicht weiter damit beschäftigte. Wie hätte Noxus das gelöst?
Olivia begann lauthals zu lachen. Die Euphorie wurde echt. Ihr ganzer Körper bebte und verdrängte ein weinig das Beißen des kalten Wassers und das Brennen ihrer Handgelenke.
»Was denkt Ihr euch eigentlich? ICH WURDE FREIGESPROCHEN!« Speicheltropfen flogen von ihren Lippen. Sie legte alle ihr mögliche Verachtung in ihren Blick. »Zweifelt ihr an der inneren Ordnung der Erwählten Innos, der Magier des Ordens? Wer seid Ihr, dass Ihr dieses wagen dürft?«

Sie sah, wie es in dem Priester brodelte. Sie war anmaßend und das war ihr bewusst, doch ihr war es egal. Sie musste diesen Priester loswerden. Cast würde eine Folter nicht unterbinden, erst wenn er sich er vergaß, dann musste er ihr helfen.
Der Plan war mies, das war ihr spätestens dann bewusst, als sie in sein Gesicht sah. Innerlich machte sie sich auf den Schmerz gefasst, der sie gleich ereilen würde. Doch es passierte nichts. Ein kurzer Moment der Unsicherheit überkam sie. Hatte sie sich verschätzt? Olivia wog die verschiedenen Möglichkeiten ab. Es viel ihr nichts Weiteres ein. Es blieb ein miserabler Plan, doch es war der einzige den sie hatte.
»Du keine, widerliche Feuerwurst! Du bist eine ganz kleine Leuchte. Erhoffst du dir, hiermit irgendetwas zu erreichen? Ich bin eine freie Frau! Es gibt nichts, was ihr Schweine mir nachweisen könnt. Lass mich gehen, oder ich werde dafür sorgen, dass ihr beide eure letzten Tage in dem dunkelsten, widerlichsten Kerker vergammelt, den Thorniara zu bieten hat. Das ist nicht schön, ich weiß wovon ich spreche!«

Vicktar
22.10.2019, 23:48
Der Ingrimm tobte im Innern des Feuermagiers. Diese Hure des dunklen Gottes wagte es, die Ordnung der zivilisierten Welt gegen sie zu verwenden und so ihrer verdienten Strafe zu entgehen! Sie wagte es, die ohne große Acht kurz vor dem Aufbruch ohne Wiederkehr getroffene Fehlentscheidung der Herrin - und ja, sie war ein Mensch und konnte fehlen wie jeder andere von ihnen - wie eine Standarte der Absolution vor sich her zu tragen, doch sie war an den Falschen geraten! Sie beleidigte und bedrohte, doch sie hatte nur leere Worte, um ihr unausweichliches Ende hinauszuzögern.
Vicktar schleuderte den Kugelblitz mit flammender Inbrunst in das spiegelnde Nass. Nur ein kurzer Aufschrei erscholl aus der zarten Kehle der verdorbenen jungen Frau, bevor die Krämpfe ihr die Luft wegschnürten. Ihr Körper bäumte sich unweigerlich auf, die Finger verkrampften, der Rücken bog sich in Agonie bis auf's Äußerste. Mit grimmiger Genugtuung sah der Feuermagier die Hexe längs in das Wasser stürzen, ihr vor Dreck starrendes Kleid sog sich voll und beschwerte ihr die Last des eigenen Körpers unter den vor Marter sicher bald erschlaffenden Gliedern. Und sie würden erschlaffen, denn Vicktar begann gerade erst gefallen daran zu finden. Wie sich ihr Körper wand, wie sie seiner Willkür völlig ausgesetzt war, wie er allein es in der Hand hatte, sie für alle Sünden, die sie begangen haben mochte, büßen zu lassen...

"Ab jetzt sparst du dir deine Luft besser für die Antworten auf meine Fragen, Hexe! Es ist unerheblich, dass du aufgrund eines Irrtums freigesprochen wurdest. Innos weiß, dass du schuldig bist, und hier draußen bedeutet das Schreiben rein gar nichts. Also noch einmal, und diesmal gefällt mir deine Antwort hoffentlich: Bist du im Bunde mit Beliar, und hat er dir seine abscheulichen Gaben anvertraut?"
Während die verruchte Rabenweil nach Luft schnappte und um Worte rang, gingen Vicktar Redlefs Worte durch den Kopf. Der Streiter hatte Recht, Innos würde es wissen, wenn sie falsch sprachen. Lüge war keine Option, sie war das Werkzeug der Dunkelheit. Nein, er musste zu dem stehen, was er tat. Eine Idee reifte in ihm, wie er entscheiden konnte, ob es rechtens war, die Teufelin direkt hier zu vernichten, oder ob er Redlef zugestehen sollte, sie erst zu ihrem Ziel zu geleiten und sie erst dort hinzurichten. Doch ob er ihn umsetzte, hing wohl auch davon ab, ob der Schmerz ihr den sturen Widerwillen bald austreiben und die Zunge lockern würde oder nicht.
Ein weiterer Kugelblitz nahm zwischen seinen Fingern Gestalt an.

Olivia Rabenweil
24.10.2019, 00:30
Der Schmerz traf Olivia heftig. Er zog sich durch ihren ganzen Körper, brachte die Adern zum Brennen und hätte sie nicht bereits im kalten Wasser gekniet, dann wäre sie darin zusammen gebrochen.
Sie wollte schreien aber schlimmer noch als der Schmerz war das verkrampfen Ihres Körpers. Sie hatte keine Kontrolle mehr über ihn. Dieser Umstand jagte ihr weit mehr Angst ein, als all die Hilflosigkeit in den Kerkern Thorniaras oder das Ausgeliefert sein an die Innosler.
Ohne dass sie sich dagegen wehren konnte, kippte sie langsam um. Ihr Kopf tauchte unter Wasser, es war ihr nicht einmal möglich den Mund zu schließen. Ihr Körper zuckte immer noch, als Wasser in ihren Mund strömte. Ihr Herz raste, als wolle es den Brustkorb sprengen. Dann krampfte es und setze einen Moment aus. Olivia wurde schwarz vor Augen.
Genau so plötzlich wie der Schmerz kam, verschwand er auch wieder. Olivia schrie unter Wasser, doch nur Blasen, der letzte Rest ihrer Luft entwich aus den Lungen.
Sie stieß sich vom Grund ab und durchbrach die Wasseroberfläche.
Olivia riss frische Luft in ihre Lungen, nur um sie sofort mit einem Schwall Wasser wieder auszuhusten.
Ihr war schwindelig und sie fühlte sich der Ohnmacht nahe. Sie hatte Schmerzen erwartet, doch diese waren weitaus stärker als sie sich je hätte vorstellen können.
Keuchend und hustend richtete sie sich wieder auf. Tränen mischten sich mit dem Seewasser auf ihrem Gesicht.
Olivia sammelte sich. Ihr Verstand wurde nur langsam wieder klar. Der Priester schleuderte ihr wieder seine fanatischen Worte an den Kopf. Olivia nahm nur die Hälfte davon wahr.
Olivia sah sich nach Redlef um. Dieser Mistkerl war immer noch mit seinem Gaul beschäftigt. Er sah kurz zu ihr herüber, wandte sich aber ab, als er ihres Blickes gewahr wurde und zog dann den Sattel von seinem Pferd herunter.
Sie wandte sich wieder dem Priester zu.
Sie setzte zu sprechen an. Das Wort blieb ihr im Halse stecken. Sie würgte, atmete tief durch und setzte erneut an. »Was für abscheuliche Gaben? Solche, wie die mit denen Ihr mich gerade foltert?« Olivia versuchte sich zu erheben, doch ihre Beine versagten ihr den Dienst. Sie unternahm einen zweiten Versuch, der ebenfalls scheiterte. »Nur einer ist hier abscheulich und das seid Ihr. Ich bin freigesprochen worden. Ich darf gehen, ich habe lange genug gelitten und im Kerker gesessen. Lasst mich in Ruhe! Ich habe nichts geta…. aaaaaah!«
Erneut traf ein Netz aus feinen, zuckenden Blitzen die Wasseroberfläche. Wieder wurde Olivias Körper von Krämpfen und Schmerzen gerüttelt.
Als Olivia wieder aus dem Wasser auftauchte und sich die brennenden Lungen leergehustet hatte. Fasste sie sich. Dieses Mal hatte sie sich schneller wieder im Griff.
Sie keuchte und fixierte ihren Blick wieder auf den Priester. »Jaja«, kam sie dem Alten zuvor, als er ihr wieder erzählen wollte, sie solle endlich gestehen. »Ihr wollt wissen ob ich Beliar meine Seele verkauft habe?« Sie schüttelte den Kopf. Aus dem Augenwinkel, sah sie, das Cast sich nährte. Inzwischen schien er sich wohl doch Sorgen zu machen. Dies war zu mindestens Ihre Hoffnung, da er sich nährte, dieses Schreiben vom Boden aufhob und wegsteckte. Dabei ließ er sie nicht aus den Augen. Dennoch hielt er sich vornehm im Hintergrund und beobachtete.
Olivia schüttelte den Kopf und blickte dann wieder zu dem Magier. »Wie ihr sicherlich wisst, bin ich aus Varant. Seit je her glauben die Söhne und Töchter der Wüste an den Dunklen. Wessen Haut unter der sengenden Sonne der Wüste brennt, wessen Kehlen nach wenigen Schritten im Licht des Tages ausdörren und wie Staub werden, wer in größter Hitze den Schatten sucht und sehnsüchtig die Nacht erwartet, der erkennt auch, dass der Tod unser ständiger und treuster Begleiter ist. Wie alle werden früher oder später vor ihn treten. Wir können unsere Seelen nicht an Beliar verkaufen oder ihm unseren Geist widmen oder ihm unsere Körper hingeben, da wir ihm von Geburt an mit Haut und Haar gehören!« Olivia sah den Priester erst an. Sie meinte jedes Wort, wie sie es gesagt hatte. Es war ein Luxus in den schattigen Wäldern oder den ertragreichen Feldern, nah an den reichen Flüssen Myrtanas zu leben. Die Bewohner der Wüste kannten die dunkle Wahrheit des Lebens. »Die Menschen werden von Innos verlassen, in dem Moment, in dem die Schöpfung abgeschlossen ist. Danach bürgt er ihnen das Leben auf, mit all seinen unsinnigen Doktrinen, Qualen und Hürden. Euer ganzes Leben flieht ihr vor dem Tod, fürchtet ihn, fürchtet die Nacht. Doch das ist Unsinn! Wie Wahnsinnig ist denn das? Ihr fürchtet die nach? Sie schenkt Ruhe und Erholung, ein Geschenk des Herren! Und Ihr fürchtet sie!« Olivia brüllte erzürnt die letzten Worte. Diese Männer waren vollkommen verrückt!
Olivia kämpfte sich hoch. »Beilar gibt den Menschen Freiheit. Im Leben wie im Geiste! Doch ihr seht es nicht! Ihr tretet das Geschenk, welches Euch dargeboten wird mit Füßen.«

Olivia keuchte. Sie zitterte am ganzen Körper. Von Beliar zu sprechen, hatte ihr für einen kurzen Moment neue Kraft geschenkt. Doch nun war sie am Ende. Die Lieder flatterten und sie schaffte es kaum noch einen klaren Blick zu behalten.
Blad hatte sie ihre Grenze erreich. Da blieb nun nur noch zu hoffen, dass ihr Plan dann aufgehen würde und Redlef sein Wort gegenüber seines Ordens und Gottes halten würde. Sie wollte endlich heim.
»Hier findet ihr keine weiteren Antworten. Ich bin nicht in der Lage, in die magischen Ströme der Welt einzugreifen. Lasst mich in Ruhe...«
Olivia ließ den Kopf sinken. Ihre Magie war nach der Haftentlassung nicht zurückgekehrt. Immernoch brannten die Blitze das Feuermagiers in ihrem Körper. Auf den selben Wegen auf denen früher ihre Magie sie durchströmt hatte.

Redlef
24.10.2019, 10:21
Die Sonne was schon einige Zeit hinter den Bergen verschwunden und Dunkelheit legte sich über den See an den Ruinen Setarrifs.
Redlef hatte Möhre unweit des Ufers in eine kleine Senke geführt und dort an ein kleinen, krüppeligen Baum gebunden, Feuerholz gesammelt und in dem kleinem Eisentopf, den er im Gepäck mitführte, Wasser aufgesetzt. Nachdem er dem Hengst den Sattelgurt gelöst hatte, warf er erneut ein Blick zu Olivia herüber. Die Worte der Magier drangen nur fetzenhaft zu ihm herüber. Doch er verstand, dass es sich darum drehte, ob die Rabenweiltochter der Magie mächtig war oder nicht.
Red überlegte. Hatte er sie zaubern sehen? Er meinte sich an einen Flammenzauber zu entsinnen, der vor langer Zeit ein Lagerfeuer entfacht hatte. Doch da er zu dem Zeitpunkt gefesselt auf dem Boden gelegen hatte und versuchte, sich Exitus Fängen zu entziehen, war seine Erinnerung an kleine Details wie das Entzünden eines Lagerfeuers doch etwas getrübt.
In der näheren Umgebung sammelte Red noch mehr Feuerholz. Sie würden es für den weiteren Abend gut brauchen können.
Weitere Schreie, dann ein Gurgeln. In Redlefs Ohren hörte sich das nicht gut an. Dass Olivia Schmerzen litt, störte ihn nicht, doch dass wie Widerstand rapide schwächer wurde, alarmierte ihn.
Mit dem Arm voll Feuerholz nährte er sich wie beiläufig der Szenerie. Hier und da hob er noch einen geeigneten Ast auf, während er näher kam und machte sich ein genaueres Bild von dem Feuermagier.
Sein Blick war immer noch starr, sein Körper gespannt wie der einer zum Sprung bereiten Raubkatze. Augenscheinlich erkannte er nicht, wie sehr er Olivia bereits zugesetzt hatte. Oder er wollte es nicht erkennen.
Gefasst und erst sprach die junge Frau über den Tod. Ein angemessenes Gespräch, wenn man die Figur betrachtete, die diese Worte sprach. Olivias Körper war ausgedörrt. Nun da sie mit dem von Wasser vollgesogenen Stofffetzen, den sie Kleindung nennen musste, im See hockte, war der schlechte Zustand ihres Körper noch deutlicher zu erkennen. Ihr einst volles, schwarzes Haar klebte ihr dünn geworden und strähnig im Gesicht, das einst recht hübsche Gesicht war eingefallen und bleich, die Lippen blaugefroren vom kalten Wasser. Ihre Augenhöhlen erinnerten mehr an dunkle Krater als an die rehhaften Augen, die sie einst besessen hatte. Durch den dünnen Stoff, waren die Knochen zu sehen, die aus ihrem Körper herausragten und von nicht mehr als einer trockenen, papierartigen Haut überspannt waren.
Er hatte sie als Vogelscheune beschrieben, als sie am Morgen zu ihm kam und sie aufbrachen, doch nun im fast gänzlich verschwundenen Licht der Dämmerung betrachtet, war dies ein Kompliment gewesen.
Redlef warf Meister Vicktar einen Blick zu. Er raste vor Zorn. Verständlich, wenn man sich die Worte anhörte, die er sich gefallen lassen musste.
Redlef kam zu dem Schluss, dass alle diese verfluchten Schwarzmagier gleich waren. Sie litten alle gänzlich an Realitätsverlust.
Innos verlässt seine Schöpfung nach der Geburt? Beliar, als der Tod, ist der Menschen ständiger Begleiter? Er schenkt ihnen Freiheit?
Dieses Mädchen war vollkommen, fast schon mitleiderregend fehlgeleitet!
Beliar war der Schöpfer der Orks und Redlef hatte lange genug gegen sie gekämpft, viele gute Kameraden unter Orkwaffen fallen sehen, dass er genau wusste, was Beliar für die Menschen bedeutete! Er war ein Fluch, die Geißel der Menschheit, der mit seinen Kreaturen, diesen vermaledeiten Orks nichts als Leid und Chaos brachte. Von Freiheit konnte da wohl keine Rede sein!
Redlef wusste zugegebener Maßen nicht viel über die Götter, doch in einem Punkt war er sich sicher. In der ganzen Finsternis des Lebens und im dunklen Chaos des Seins, war Innos ihnen allen ein Licht, welches den sicheren Weg wies und ein wahrlich ständiger Begleiter war, auf den man sich verlassen konnte. Sein Schein berührte sogar diejenigen, die nicht fest im Glauben waren. Er reichte ihnen eine Hand, die sie zurück auf den erleuchteten Pfad führen mochte. Sogar so jemanden wie ihn!?

Vicktar
26.10.2019, 01:58
Ein grimmiges Lächeln schnitt sich in die vom Hass zu einer Fratze entstellten Züge des alten Mannes. Endlich zeigte der Dämon sein wahres Gesicht, endlich offenbarte diese verlorene Kreatur, wie vergiftet ihr schmutziger kleiner Verstand bereits war von den absurden Irrlehren des Dunklen! Diesem... Ding!... war nicht mehr zu helfen. Vicktar konnte hier nur eines tun: ihre Seele im Feuer aus dem sündigen Fleisch schälen und sie der Gnade Innos' übergeben, auf dass er die Sünde aus ihr heraus brannte, die vergessen hatte, wer ihr Schöpfer war.
"Du armselige Kreatur. Wie tief doch die Irrlehre in deinem kümmerlichen Verstand verankert ist - dir ist in diesem Leben nicht mehr zu helfen", murmelte er und bleckte die Zähne im vermeintlichen Triumph. Er hatte Recht damit behalten, nicht auf das vorschnelle Urteil der Herrin zu vertrauen. Er würde ihrem Urteil nie wieder vertrauen, ohne es zu hinterfragen. Sie war verweichlicht, hatte den Kontakt zu den Gefahren der harten Realität verloren und sich in Philosophie und falscher Toleranz verloren. Vielleicht war es ein Gutes für Thorniara und seine Bürger, dass sie die Insel gen Festland verlassen hatte.
Sein Entschluss stand fest, Vicktar würde Olivia von Rabenweil aus dieser Welt entfernen. Doch da war immer noch Herr Casts Verpflichtung, und die Art und Weise, wie der Streiter unauffällig näher trat und die Szenerie beobachtete, schien nicht darauf hinzudeuten, dass er bereit war, die Konsequenzen folgerichtigen Handelns auf sich nehmen zu wollen. Sollte der Feuermagier es gestatten und die Hexe zu ihrer Heimstatt begleiten, um sie dort den Flammen zu übergeben? Es hätte den Vorteil, dass er gleich den ganzen Hort der dämonischen Brut vernichten konnte. Er wollte ein Gottesurteil entscheiden lassen, ob er sie gleich hinrichtete oder erst am Ziel ihrer Reise. Doch zuvor wollte er noch etwas von ihr wissen.


"Ist es nicht befreiend, endlich die Wahrheit sagen zu dürfen? Nach all der Zeit musst du dich nicht mehr verstecken!", zischte ein Flüstern durch die Luft, das sich erst direkt am Ohr der Hexe zu Worten formte. Vicktar hatte sich leicht abgewandt, scheinbar in Rage ob des Geständnisses der Befragten, doch er wandte die Macht der Stimme an, ließ seine Worte verzerrt und verführerisch klingend in ihren Verstand dringen. Sie war geschwächt und musste sich nach Erholung sehnen, körperlich wie geistig. Vielleicht erlag sie dem Anreiz, wenn eine freundliche Stimme ihr gut zuredete.
"Erzähl ihm alles! Sie haben es verdient, alles, was ihnen geschehen ist! Und lass sie wissen, dass du nicht die Einzige bist!"
Ein Moment der Stille kehrte ein. Ein kalter Wind zog von den Bergen herab und kühlte die Luft in der Abenddämmerung merklich ab. Langsam blickte Vicktar wieder zu Olivia herüber und sprach wieder offen zu ihr, ohne die Macht der Stimme.
"Ich will, dass du mir Namen nennst. Verrate mir die Namen aller auf dieser Insel, die deinem schändlichen Glauben angehören, und verrate mir, wo sie sich verstecken! Dann... wird es schnell gehen, und dein Leiden ist bald vorüber."
Während er auf ihre Antwort wartete, sammelte er seine verbleibenden Magiereserven, um einen besonders kraftvollen Kugelblitz direkt auf den durchnässten Leib der Ketzerin zu schleudern, sobald er seine Antworten hatte. Wenn sie ins Wasser stürzte und ertrank, war es Innos' Wille, dass sie sofort starb. Wenn sie jedoch wider Erwarten widerstehen sollte, musste es der Wille seines Gottes sein, ihr einen kleinen Aufschub zu gewähren...

Olivia Rabenweil
29.10.2019, 21:40
Ist es nicht befreiend, endlich die Wahrheit sagen zu dürfen? Nach all der Zeit musst du dich nicht mehr verstecken!
Als sich diese Worte in Olivias Ohr bildeten, war es, als lege sich ein warmer Hauch um ihren Geist. Diese Wärme berührte auf eine ungekannte weise ihr Innerstes, lies Hoffnung auf Erlösung in ihrem Herzen aufkeimen. Ja sie wollte reden, wollte all die Sünden, die ihr Gemüht seit Jahren bedrückten offenlegen, nicht mehr allein die schwere Last tragen.
Diese Worte hatten an einem Knoten gerüttelt, der sich so tief in ihr Sein gelegt hatte, dass sie ihn vergessen hatte. Doch er war all die Jahre dort gewesen, hatte sie all das viele Leid tränenlos hinnehmen lassen, ihre Empathie getötet und sich als dunkler Schatten auf ihr Glück gelegt.
Ja sie wollte reden, sie wollte alles loslassen, es offenlegen und besonders diesen hier anwesenden Männern berichten, was ihr und dadurch auch den Menschen in Thorniara durch ihr Wirken Schlimmes wiederfahren war.
Als Heißer Klos würgte sich all Ihre Schuld die Kehle hinauf. Wie stinkender Teer bildete sie auf ihrer Zunge Worte, die schließlich von ihren Lippen nicht mehr zurückgehalten werden konnten und aus ihr herausbrachen, um sich dem Priester vor die Füße zu ergießen.
»Noxus«, ganz unvermittelt war dies der erste Name, der aus ihrem Mund troff. Die schmerzhafteste Schuld, die sie mit sich trug. »Noxus, er starb im Feueratem des Drachen, an dem Tag, als auch das Weissauge starb. Es ist meine Schuld!«, Olivias Worte waren laut und klar, nur wenig betrübt von der von Schuld zugeschnürten Kehle, doch Tränen begleiteten sie nicht. Sie hatte bereits alle nötigen Tränen geweint. Es würde ihre Schuld nicht mindern.
Der Drang sich freizusprechen überwog den Drang sich in Selbstmitleid zu ertränken.
»Er wollte nie dorthin, hatte andere Pläne, doch ich bestand darauf. Hatte ich doch den aberwitzigen Plan, mit dem Drachen einen Pakt eingehen zu können. Ihn vor dem Bündnis der Magier der anderen drei Schulen warnen und dadurch auf meine Seite ziehen zu können. Doch das Ganze ging schrecklich schief und Noxus hat dafür den Preis zahlen müssen!« Bisher hatte sie es sich nie eingestanden, doch genau zu war es gewesen. Sie war Schuld an dem Tod des Mannes, der auf eine krude und kaputte Art ihr verbunden war, wie kein zweiter. »Er hat zu mir gestanden, und ich habe ihm leichtsinnig geopfert. Für Nichts…«
Ihr Kopf sank hinab auf ihre Brust. Das schwindende Licht, hatte das Wasser des Sees tintenschwarz gefärbt. Mit einem aufkommenden Wind aus den Bergen wurde es kälter. Doch der brennedne Klos in ihrem verschlossenden Innersten hielt sie warm. Weitere Worte, von Schuld getrieben, siegen ihre Kehle hinauf. Sie war noch lange nicht fertig.
»Meister Esteban. Er ist mein Lehrer, brachte mit Geduld und Sorgfalt alles bei, doch ich war undankbar. Häufig zu eilig und habe wohl die tiefere Weisheit seiner Worte nie so richtig verstanden. Dennoch preschte ich vorwärts und wurde übermütig. Hielt ich mich doch für besser, als mein Meister. Ich zog aus, um meine Ausbildung selbst in die Hand zu nehmen. Alles endete im Chaos! Am Ende strandete ich in Thorniara, wo wie eine Ratte in der Gosse lebte, meine mickrigen Kräfte dazu nutzte unglückliche Stadtwachen zu töten, um unentdeckt zu bleiben. Ich kann nur schätzen, wie oft ich meinen Meister und das Kastell mit meiner Unbedarftheit enttäuscht habe. All die Schwüre, die ich beim Eintreten in die ehrwürdigen Mauern leistete sind gebrochen oder vergessen«, Olivias Blick wurde starr. Sie war so dumm und schwach. Dennoch hatte sie Beliar nie ganz verstoßen, bisher hatte sie immer noch das Kastell mit seinem unermesslichen Wissensschatz beteten dürfen. Hatten ihr die ehrwürdigen Mauern ein sicheres Zuhause geboten. In ihr brannte der Wunsch heißer denn je, dorthin zurück zu kehren.
»Das Kastell, dort wohnen alle Brüder und Schwestern die ich kenne. Die magischen Mauern bietet Jedem, der die Regeln des Vabun respektiert und ein kleines Opfer da bringt, Schutz, Obdach, Verpflegung jedweder Art, die man sich nur vorstellen kann. Es ist uns Laboratorium, Lehr- und Lernstube, Heimat und ein Quell unerschöpflichen Wissens. Die Bibliothek ist einzigartig in dieser Welt. Jedes Buch, welches je geschrieben wurde, werdet Ihr dort finden. Es gibt eine Geheimnisse dort und gleichzeitig tausende zu ergründen.«
Ein zartes Lächeln schlich sich auf ihr Gesicht. Sie musste an die gute Zeit denken, die sie dort verlebt hatte. »Hirni, sein richtiger Name ist Janos, ist ebenfalls einer meiner Brüder im Geiste. Wir haben ab und zu ein paar Untersuchungen zusammen durchgeführt. Unter anderem an einem armen Kerl, der uns unter die Finger kam, als wir Experimente mit Sumpfkraut durchführten. Ich hatte bis dato dieses Zeug nie angerührt, doch an dem Tag ergriff es mich mit ganzer Kraft. Dieser arme Mann musste darunter leiden. Im Kastell ist es jedem, auch den dort wohnenden Magiern, untersagt, anderen denkenden Wesen einen Schaden zuzufügen. Die Dämonen, die dort für die Ordnung und Sicherheit aller Bewohner sorgen verhindern es. Wir haben den Fremden nicht verletzt, doch viel fehlte auch nicht. Ich bedaure es, es wäre sicherlich viel schöner gewesen, bei einem guten Essen, einfach nur mit ihm zu reden, mehr über ihn und seine Andersartigkeit zu erfahren.«
Olivias Herz schlug mit jeder Beichte schneller. Immer mehr alte Geschichten drückten sich aus ihrem Brustkorb nach oben.
»Da sind noch weitere Bewohner im Kastell. Elvardo, ein Mann in meinem Alter, mit dem ich gemeinsam dort ankam. Ich habe ihn lange nicht mehr gesehen und weiß nicht, was aus ihm wurde.
Des Weiteren sind dort noch Meister Ceron und Meister Narzuhl. Beide sind mächtige Magier, doch ich hatte nie viel Kontakt mit ihnen. Azshera, eine hübsche junge Frau war vor den Fall Setarrif Botschafterin dort. Auch von Ihr weiß ich nicht, was aus ihr geworden ist. Vielleicht verbrannte sie, wie so viele andere während des Angriffs auf Setarrif.
Meister olierie und Nicolei sind beide sehr nette Männer. Sie haben mich damals gut aufgenommen, haben sich um mich gekümmert und mit damals erklärt wie man sich im Kastell zu verhalten hat. olirie hat einen wunderbaren Geschmack, wenn es ums Essen geht. Wir haben tolle kulinarische Reisen unternommen, doch wenn man sein Labor betritt, dann kann es einen schon etwas gruseln. Er untersucht in allen Fassetten den menschlichen Körper.
Mit Nicolei habe ich Argaan bereist. Auch er ist mit als angenehmer Zeitgenosse in Erinnerung. Nur einmal ist er beinahe ausgerastet und zwar in der Gegenwart eines Priesters. Lopadas war sein Name.«
Dann schwieg Olivia eine Zeitlang. Sie hob den Blick, den sie bisher immer auf die Wasseroberfläche gerichtet hatte. Aus ihr war alles herausgesprudelt, was der Priester von ihr wissen wollte. Nur noch zwei Namen fehlten auf ihrer Liste.
Sie waren mit den allerschlimmsten Erinnerungen verknüpft. Sie brannten seit ihren ersten Worten wie flüssiges Eisen unter ihrem Herzen. Doch diesen glühenden Klumpen hinauf zu bringen und auszusprechen kostete sie mehr Kraft, als sie dachte vorbringen zu können.
Dieser Feuermagier forderte sie auf fortzufahren. Olivia schwieg. Immer noch kämpfte sie mit ihren Erinnerungen. Erneut hörte sie die Stimme des Magiers. Er wurde lauter, gab sich seiner Wut hin. Olivia wollte ihm antworten, doch sie schaffte es nicht. Ihr Hals hatte sich nun doch zugeschnürt und wollte keinen Laut mehr entfliehen lassen.
Mit halb geschlossenen Augen beobachtete sie Redlef Cast, der inzwischen neben diesem Vicktar angekommen war. Sein Arm war voller Feuerholz. Er versuchte einen unbeteiligten Eindruck zu machen, doch Olivia entging nicht, dass er auch hin und wieder besorgte Blicke in Richtung des Priesters warf.
Sie schwieg, bis erneut der Magier seinen Zauber auf das Wasser warf und Ihr Körper zuckte, krampfte und unsägliche Schmerzen litt.
Olivia schrie. Ihre gequälten Laute hallten von den Bergflanken wieder. Röchelnd versank sie im Wasser, als die Krämpfe nachließen.

Redlef
29.10.2019, 23:33
Aus Olivia sprudelten die Worte nur so heraus. Redlef war überrascht und schockiert was sie alles zu erzählen hatte. Gleich ihr erster Name war Noxus. Nun es war klar gewesen, dass es sich bei ihm um einen Schwarzmagier handelte, doch das er tot war erfreute und betrübte ihn zugleich. Redlef hätte ihn gern persönlich einer gerechten Strafe zugeführt, nachdem er ihn selbst vorher noch ein paar Tage für sich alleine hatte. Durch Noxus hatte er viel Schlimmes durchmachen müssen, er war der Grund fü seinen rapiden abstieg, dass er sich heute am Fuße der Befehlskette wiederfand. Ihm war klar, dass Rache sinnlos war und keines seiner Probleme lösen würde, doch sie tat gut, besonders bei so einem wahnsinnigen Spinner wie Noxus, der sich nie durch etwas hatte einschüchtern lassen, außer durch die Androhung, ihm irreparable Schäden zuzufügen. Dieser Gesichtsausdruck und das Aufflackern von Angst waren damals das aufstoßen eines Tores gewesen, welches er durch das Eingreifens des Ordens, niemals hatte durchschreiten können.
Nun war die Chance vergangen.
Den Namen ihres Lehrmeisters kannte er bereits. Er hatte ihn bei der Zusammenkunft der Magier zur Beseitigung des Drachenproblems getroffen. Doch der Rest, der zahlreicher war als angenommen, war ihm unbekannt.
Dann versiegte der Fluss an Informationen von Rabenweil. Sie schwieg. Ein-zwei Mal setzte sie noch zu sprechen an, doch es schien ihr nicht gelingen zu wollen.
Meister Vicktar hatte schließlich keine Geduld mehr mit ihr. Er war einen weiteren Zauber nach Olivia und sie sank zusammen.
»Das reicht!« Red ließ den Stapel Holz fallen und trat an Vicktar heran. Nur einen einzigen kräftigen Ast behielt er in der Hand. Man konnte nie wissen. Er legte Vicktar bestimmt die Hand auf die Schulter, zog ihn zurück und fing sich einen bösartigen Blick. Es schien einen Moment zu dauern, bis er realisierte, dass Redlef nicht sein Feind war.
Der Magier ließ ihn wiederwillig gewähren. Er verlor noch ein paar Worte darüber, dass das Leben der Hexe nun in Innos Hand lag – liegen musste. Gefesselt, entkräftet und vor allem bewusstlos gefoltert, konnte Innos gar nichts mehr richten, um über ihr Leben zu entscheiden. Auch diese Hexe hatte eine gerechte Verhandlung verdient. Unter Berücksichtigung der neuen Beweise war die Chance auf ein vernünftiges Urteil nun weitaus besser.
Den Widerworten zum Trotz, setzte sich Red in Bewegung und stieg ins Wasser. Der See wurde aus Gebirgsbächen gespeist und war dem entsprechend kalt. Olivia musste inzwischen halb erfroren sein.
Er hob Ihren Körper aus dem See und trug sie schweigend, mit dem Magier auf den Fersen zurück zum Lager. Dort legte er Olivia nieder, zog Ihr das durchnässte Kleid vom Körper und wickelte sie in seinen Hasenfellmantel.
Seine Hochwürden ließ er dabei keinen Moment aus den Augen. Er Alte war immer noch in Rage und für Red blieb er schwer einzuschätzen.
Als er Olivia den Umständen entsprechend gut versorgt hatte, wandte er sich dem Priester zu. »Dahinten liegt noch Feuerholz, wir werden es holen, gemeinsam.« Seine Stimme ließ keine Wiederrede zu. »Ich möchte nicht, dass ihr mit der Frau alleine bleibt.«
Gerade legte er seine Hand an Vicktars Arm, um ihn fortzuführen, da regte sich etwas unter dem Fell.
Verwundert drehte sich Red um.
»Ich war noch nicht fertig…« Olivias leises Stimmchen ging beinahe in der schwachen Uferbrandung unter. »Eines will ich noch sagen.« Ihr Blick traf ihn und Redlef zog überrascht die Augenbrauen hoch.
»Peer…« Red sah einen Schmerz in ihren Augen, den er von einer Frau wie ihr nicht erwartet hatte. Er war echt und so wie sie den Namen sprach, war ihm sofort klar von wem sie sprach.
»Was ist mit ihm? Peer ist tot!«
»Ich weiß, auch daran bin ich schuld. Peer musste meinetwegen sterben.«
Unerwarteter Zorn stieg in Redlef auf. Seine Hand ballte sich zur Faust. »Ihr habt ihn getötet…« So lange schon suchte er nach dem Mörder seines alten Freundes. Doch es hatte nie Spuren gegeben. Kein Hinweis darauf, was mit ihm geschehen war, wer diesen liebenswerten, harmlosen, innosgefälligen und stehst hilfsbereiten Mann zu Tode gefoltert hatte. Doch jetzt war es raus, dieses Biest war es: Sie, der Peer sein Haus als ihr Haus angeboten hatte. Nun bereute er den Priester gerade eben noch aufgehalten zu haben!
»Ihr?«
»Nein, bitte, hört mich an: Die ganze Geschichte«
Es fiel Red schwer dem zuzustimmen, doch er nickte.
Olivia fuhr fort, leise, doch trotz einer vorher nicht dagewesenen Tränenschwere, klar.
»Ich kam vor vielen Jahren mit zwei Männern des Zirkels nach Thorniara. Wir versuchten über die Kontakte meines Vaters ein Schiff nach Varant zu bekommen. Doch einer der Männer, Ardescion ist sein Name, erkannte, dass meine Mutter, trotz der religiösen Strenge meines Vaters, ihr Heil im Glauben an Innos suchte. Sie war schwer krank und versuchte im Gott ihrer Vorväter Erleichterung auf dem Weg ihres Leidens zu finden.
Meister Ardescion, konnte diesen Frevel an Beliar nicht hinnehmen. Er ist ein sehr gefährlicher Mann. Die Luft in seiner Gegenwart scheint kälter zu werden, jedes Glück stirbt im Herzen, wenn er einen seiner stechenden Blicke auf einen wirft. Er verkörpert die Finsternis wie kein anderer Magier, der mir je begegnete.
Er und der Mann der ihm ergeben war wie ein Hund brachen in das Schlafgemach meiner Mutter ein. Sie war wirr, rief Innos an und brachte das Gemüt dieses Magiers in Wallung. Er beschloss, dass sie auf der Stelle von Ihrem Irrglauben erlöst werden musste. Sein Diener hielt meine arme, kranke Mutter fest… drückte sie in die Kissen und…« Olivias Stimme brach.
Redlef sah noch keinen Zusammenhang mit dem Mord an Peer. Also setzte er nach. Er hockte sich vor ihr Lager, drückte ihre Schulter. »Was dann? Noch hat das nichts mit Peer zu tun.«
Olivia schluckte, dann fuhr sie fort. Tränen standen in ihren Augen. »Er drückte mir ein Messer in die Hand. Sie zwangen mich meine eigene Mutter zu ermorden. Ich stach die Klinge direkt in ihr Herz. Ich spüre heute noch das Zucken des Griffes in meiner Hand, als ihr Herz die letzten Schläge tat.« Ein Beben ging durch ihren Körper. Doch sie riss sich zusammen. »Irgendwann habe ich ihnen von Paar erzähl, ihnen mitgeteilt, dass ich dort unterschupf finden konnte. Ich weiß nicht mehr genau wann.« Es viel ihr schwer, gefasst weiter zureden. Doch sie strengte sich an. Anscheinend war es ihr wichtig, dieses loszuwerden.
»Wir konnten Thorniara verlassen. Doch irgendwann muss der Diener zurückgekehrt sein, dann ich erfuhr von Peers Tod während meiner ersten Magieprüfung. Der Zauber war einfach, doch mein damaliger Lehrmeister, der der Diener des Ardescion war, hatte ihn getötet und mir seine Leiche vorgeführt, um sicher zu stellen, dass ich alle meine Verbindungen zu den Menschen in Thorniara, zu den paar wenigen guten innosgläubigen Menschen abbrach, die mich seiner Ansicht nach von Beliar wegführen konnten.«
Redlef war sprachlos als Olivias Stimme erneut aussetzte. Er konnte kaum fassen, was er da hörte. Es klang so unwirklich…
»Ein Name!« Seine Stimme war ein tonloses Zischen. Er brauchte einen Namen, nur so konnte er den Mörder finden.
Olivia hob erneut an zu sprechen. Ihre Stimme war leiser als zuvor. »Nicht nur auf eurer Seite gibt es Fanatiker. Menschen die völlig vergessen, dass es auch andere Wege als sinnlose Gewalt gibt. Das lernte ich an jenem Tag und wurde sehr vorsichtig, denn dieser blinde Hass richtet sich irgendwann auch gehen die eigenen Brüder und Schwestern.«
»Ein Name!« Sie spuckte ihn immer noch nicht aus. Redlefs Hände begannen vor Anspannung an zu zittern. Er wollte diesen Mörder, mehr noch, als er Olivia wieder im Kerker sehen wollte. Sie war nur ein kleines dummes Mädchen, doch dieser Kerl, wenn es stimmte, was sie über ihn sagte, war ein wahres Monster. Er und sein sogenannter Meister.
»Ich verstehe deinen Zorn. Ich fühle denselben Zorn, denn Peer war auch mein Freund. Der einzig wahrhaft freundliche Mensch, der mir in Thorniara je begegnet ist. Doch wenn du seinen Mörder suchen und stellen wollt, dann rate ich davon ab. Dieser Mann war einst in Varant Assassine, er ist schnell, schlau, stark, magiebegabt und deutlich besser mit dem Schwert als du…« Olivia holte kurz Luft. Ihr schien es sehr schwer zu fallen, ihren ehemaligen Lehrmeister zu verraten, doch schließlich spukte sie ihn aus: »Sein Name ist Joe Black!«

Vicktar
01.11.2019, 23:16
Innerlich zerrissen zwischen dem Gefühl des Triumphes und dem Zorn der Gerechtigkeit ob der Enthüllungen der unwürdigen Kreatur versuchte sich Vicktar alles zu merken, was die Hexe von sich gab. So viele Namen, so viele Gefahren und gestandene Verbrechen! Herr Cast verdarb ihm das Gottesurteil, er hätte es kommen sehen müssen! Vicktar wollte insistieren, wollte ihm entgegen schmettern, dass er die Beliarsdirne auf keinen Fall allein zurücklassen würde, ganz gleich, wie schwach sie aussah. Doch da erhob sie erneut das Wort und begann auf ein Neues zu berichten, listete noch mehr Namen auf - scheinbar die der Gefährlichsten dieser Dämonen unter den Menschen.
Vicktar kannte diesen Peer nicht, aber er hatte nicht vergessen, dass die Rabenweil Morde an Stadtwachen gestanden hatte. Ihre rührselige Geschichte vom unschuldigen Mädchen, das zum Morden gezwungen wurde, war einerlei. Selbst wenn sie diesen ersten Mord unter Zwang ausgeübt haben mochte, war sie dennoch eine verlorene Seele, deren folgende Taten unentschuldbar waren.

Herr Cast war nun selbst in aufwallendem Zorn gefangen, schien ihm die Botschaft der Ermordung dieses Peer doch sehr nah zu gehen. Vicktar - störrisch wie eh - nutzte den Moment, um sich von ihm zu lösen, und schnappte sich kurzerhand den völlig durchnässten Lumpen, der einmal das Kleid der Hexe gewesen war. Es war zerschlissen und dünn, das Gewebe teilweise vollkommen abgenutzt. Es war ein Leichtes, sich ein genügend großes Stück herauszureißen, selbst bei der Nässe. Die kurze Verschnaufpause seit der peinlichen Befragung hatte ihm die Möglichkeit gegeben, seine Kräfte wieder etwas zu sammeln, und so streckte er den Zeigefinger seiner linken Hand aus, dessen Spitze bald anfing, kirschrot zu glühen. Mit nicht mehr als dem Fingernagel berührte er das improvisierte Pergament und schrieb die vernommenen Namen einen nach dem anderen auf den Stoff - sicherheitshalber auch den dieses Vabun, auch wenn er nicht sicher war, ob es sich dabei um einen Menschen handeln sollte - der dort trocknete und verkohlte, wo er berührt wurde.
Als er seine Liste vervollständigt hatte, faltete er den Stoff zusammen und steckte ihn in seine Tasche. Dann packte er den Rest des Lumpens mit der Linken und brachte die ganze Hand zum Glühen. Zischend verdampfte all das Wasser darin, und binnen weniger Augenblicke verkohlte der Stoff so stark unter seinen Fingern, dass er unmöglich noch als Kleidungsstück zu erkennen war. Achtlos warf der Feuermagier die Reste an das Seeufer.

"Herr Cast, ich habe all die Namen der dämonischen Mitverschwörer niedergeschrieben, auf dass uns die Identität keines dieser Ketzer entgehe", rief der Alte zu seinem Begleiter.
"Da ihr ein ordentliches Gottesurteil verhindert habt, gehe ich davon aus, dass wir die Hexe zur Feste dieser dunklen Brut bringen, wie es Euch aufgetragen wurde, und dort ein Exempel an ihr statuieren", fügte er hinzu, denn er argwöhnte, der Streiter würde sie zurück in die Stadt bringen wollen, um sie dort erneut gestehen zu lassen. Weder aber vertraute Vicktar darauf, dass die Hexe erneut so bereitwillig zu sprechen begann, noch hatte er irgendwelchen Glauben an die Gerechtigkeit der Rechtsprechung in Thorniara für sich behalten können, nachdem die Hohe Herrin diese Frau so fatalerweise einfach freigesprochen hatte.
"Wir erfüllen Euren Auftrag, dann tun wir der Gerechtigkeit genüge, Strafen das Böse und befreien die verkümmerte Seele dieser Gestalt, auf dass Innos sich ihrer in seiner Güte annehme oder sie vernichte, ganze wie es ihm beliebt. Und so senden wir den schändlichen Anbetern Beliars auch ein Zeichen, dass niemand es wagen darf, die guten Bürger Thorniaras zu missbrauchen, verletzen und ermorden, ohne mit den Konsequenzen zu leben!"
Vicktars Blick suchte stechend und fordernd die Augen des Kämpen, um zu verdeutlichen, dass das nicht nur ein unverbindlicher Vorschlag war. Sein Entschluss stand fest, und Herr Cast hatte sich dem zu beugen. Er entsprach dessen Befehl und war gerecht, so hatte er entschieden. Und dieser Entschluss war über alle Widerworte erhaben.

Redlef
03.11.2019, 11:19
Schweigend lauschte Red den Worten des Magiers uns starrte weiter auf den dürren, in sein Hasenfell gewickelten Körper. Er nickte zur Zustimmung.
Olivia war nach ihrem letzten Geständnis erschöpft eingeschlafen.
In ihrem Gesicht standen immer noch die Zeichen des Geschehenen: Tränen verwischten den Dreck auf ihren Wangen und Falten zerfurchten ihre Stirn.
Hilflos vor ihm liegend war sie ihnen nun ausgeliefert und Reds Zorn verleitete ihn zu finsteren Gedanken. Ihm war mehr als bewusst, dass die Gesetze des Ordens eine ordentliche Verhandlung der eben gemachten Geständnisse forderten und dass es im Sinne der Lehre Innos war, einen Gefangenen stets akkurat zu behandeln, sogar wenn er mit Beilar im Bunde stand, doch in diesem Moment wurde der Drang diesem verabscheuungswürdigen Körper eines Teils dieses wiedernatürlichen Bundes den Schädel zu zertreten und die Eingeweide aus dem Leib zu prügeln fast unwiderstehlich.
Der stechende Blick Vicktars hielt ihn davon ab. Welche Ironie, dass sich ihre Positionen nun so ins Gegenteil vertauscht hatten. Red zwang sich den Blick zu erwidern. »Jawohl, Hochwürden«, brachte er gepresst hervor.
Mühsam wandte er sich ab, schluckte seinen Zorn herunter und verbannte ihn in eine tiefe Kammer, in der er weiterlodern konnte, um ungemindert erneut hervorbrechen zu können, wenn es dafür angebracht war. Vielleicht hatte er diese Vorgehensweise schon zu häufig angewandt, doch sie bewährte sich aufs Neue ganz gut. Es machte ihm den Kopf frei und half ihm sich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren.
»Wir werden morgen im Grauen aufbrechen.« Aus einer seiner Satteltaschen zog Red die sehr grob gehaltene Abschrift einer Karte der Insel. »Dieses Zirkelhaus soll sich im Süden der Insel befinden. Die Hexe kennt allein die genaue Position. Dieser Karte zu Folge sind wir ungefähr auf halber Strecke.« Er reichte dem Magier den Pergamentfetzen. »Sollten sich keine weiteren Schwierigkeiten ergeben, sind wir schon morgen Nachmittag dort. Dann werden wir weitersehen, ich hoffe euer Plan beinhaltet mehr dort hinein zu stürmen und die Hexe anzuzünden. Es gibt weitaus potentere Magier dort als diese Zippe. Ich denke da beispielsweise an diesen Esteban, der sich auf Augenhöhe mit unserer Obersten Feuermagierin unterhielt, als ich ihn traf.«

Beim flüchtigen Blick durch das Lager, fiel ihm das beinahe gänzlich heruntergebrannte Feuer auf. Er warf ein paar der Zweige nach, die er bereits gesammelt hatte.
»Ich verschwinde kurz, hole weiteres Holz«, sagte er im Gehen, doch haderte dann. Eben noch wollte er den Alten, nicht mit Olivia allein lassen, in der Angst er könne ihr etwas antun, doch nun hatte der Magier entschieden, dass es richtiger wäre sich an Redlefs Auftrag zu halten. Konnte er sich darauf verlassen?
»Hochwürden, sucht euch einen Platz zum Schlafen, ihr werdet morgen Kraft brauchen. Zudem ich euch bitten möchte, dass ihr ab den frühen Morgenstunden eine Nachtwache haltet, da ich letzte Nacht keinen Schlaf fand. Hier an den Berghängern lungert eine kleine Gruppe Plünderer herum, es ist also Vorsicht geboten.«
Es war überhaupt ein Wunder, dass er sich noch auf den Beinen halten konnte. Eineinhalb Tage auf der Reise und ohne eine Stunde Schlaf waren für einen Mann seines Alters auch schon eine Herausforderung. Seine besten Jahre waren lang vorüber. Dem alten Vicktar ging es da sicherlich noch weitaus schlimmer, daher sollte er zuerst schlafen, doch Reds ganzer Körper sehnte sich danach Ruhe zu finden. Wie gerne hätte er jetzt einen Krautstängel geraucht und sich unter den warmen Mantel gelegt.
Vielleicht konnte etwas Bewegung während des Holzsammelns helfen, das dringende Schlafbedürfnis zu vertreiben.
Er gähnte herzhaft.

Die Wassermagier
29.01.2022, 18:16
Ein paar Jahre waren vergangen seit ihm die Situation entglitten war. Nach Jahren der Herrschaft Oktavians und von diesem unbeachtet und zur Seite gedrängt, war seine Chance gekommen, als die Wassermagier aus Myrtana sich schließlich hier auf Argaan breit machten. Der Konflikt schwelte an und war schließlich mit der Hinrichtung Hyperius'eskaliert gewesen, der er nur wie durch ein Wunder und die Beherrschung des Sandavatars hatte entkommen können.

Daraufhin hatten Tinquilius, die Hofmagier und auch Oktavian den Streit immer offener ausgetragen. Letzterer hatte immer mehr seine Kontrolle verloren und so hatte er als Puppenmeister begonnen seine Fäden zu ziehen: Ehemalige Helfer Oktavians verschwanden plötzlich und es schien einer systematischen Reinigungsaktion gleich zu kommen, die da von den Hofmagiern allen voran Hathon vorangetrieben würde. Was nur die wenigsten damals wussten, war dass der Hohe Wassermagier selbst es war, der hier seine Fäden zog.

Dass er dabei auch über Leichen seiner ehemaligen Gefährten wie Putras, oder die Vergiftung zahlloser Bürger des Armenviertels gegangen war, nur um Tinquilius und die Festländer in schlechtem Licht darstehen zu lassen, kümmerte den Demagogen noch heute wenig, so lange jede seiner Aktionen auf das große Ziel eingezahlt hatte, ihn selbst an der Spitze des Kreises zu installieren. Dass die ehemalige Erzdekanin Xenia zur anderer Seite übergelaufen und sogar Gefühle für den neuen Obersten Wassermagier gehegt hatte, war ihm sogar ganz Recht gewesen, zumindest so lange er noch etwas gegen Sie in der Hand gehabt hatte und sie ihn fürchtete.

Als es schließlich zu dem Schauprozess vor den Augen aller Bewohner Setarrifs gekommen, war er der Ankläger gewesen und hatte seinen ehemaligen Obersten zu einer der schlimmsten Strafen verdammt, die man sich vorstellen konnte, dem ewigen Eisgefängnis bei vollem Bewusstsein. Das Volk hatte ihm zugejubelt, sein Gegenspieler konnte nichts machen und der Sieg war nah gewesen. Dem Al Shedimmer hatten jegliche Beweise gegen ihn gefehlt und so hatte dieser dem intriganten Heiler sogar die Errichtung eines Irrenhauses. Dieses hatte selbstverständlich genauso eine Rolle in seinem großen Plan gespielt, wie die Ausstattung Trilos mit einer Wassermagier Robe - übergeben von einer Gehilfin, die sich als Xenia ausgegeben hatte - um damit Chaos in Thorniara zu stiften.

Nachdem so der Konflikt weiter angeheizt worden war und sie die Verteidigung und Waffen der Silberseeburg magisch geschwächt hatten, so dass sie dem Feind temporär in die Hände fallen konnten, hatte er sich seines Zieles in greifbarer Nähe gewähnt. Der letzte Akt war eingeleutet worden: Die Entführung Xenias, die Vergiftung Tinquilius und schließlich gezielte destablisierende Anschläge überall in Setarrif, die nur der Demagoge würde unter Kontrolle bringen können.

Während also der Oberste Wassermagier gesundheitlich und hoffentlich an gebrochenem Herzen gelitten hatte, hatte der Demagoge die letzte Phase seines Plans einläuten wollen, die schließlich ihn zum neuen Anführer des Kreises gemacht hätte. Doch die sich ausbreitenden Echsenmenschen und Gerüchte eines Drachens, hatten den Intrigant stattdessen an einem Notfallplan arbeiten lassen, damit er auch in allen Eventualitäten die Oberhand bewahren konnte: So schuf er also ein geheimes Labor samt Kerker und großem Vorratskeller mit der Macht seiner Diener und seiner Erdmagie in die Berge in der Nähe Setarrifs.

Der Eingang war mit einem Felsblock versperrt und der Zugang magisch versiegelt worden, so dass man vor jeglichem ungewünschten Besuch sicher gewesen war. Dies hatte ihn einige Monate gekostet und hatten seinen Gegnern im Kreis des Wassers eine Verschnaufpause verschafft. Diese so hatte der zwielichtige Hohe Wassermagier damals noch gehofft, nichts an der Gesamtorchestration ändern würde. Doch damals hatte er sich massiv getäuscht und nur einige Zeit später waren Echsenmenschen, dann Horden von Dämonen und schließlich der Drache über Setarrif hergefallen.

"Verdammt nochmal, nur ein paar Monate mehr", donnerte seine Faust auf den Tisch und eine Ader an seiner Stirn pulsierte, da er sich sicher war, dass unter seiner Leitung der Kreis des Wassers hätte die Stadt halten können. Seitdem hatte den Alchemist mehr Rachegefühle angetrieben, als seine übliche kühle Beherrschung und er wusste, dass diese kein guter Berater waren und so hatte er abgewartet und weiter geplant. Ein paar seiner Handlanger hatte er an verschiedenen Stellen auf der Insel platziert und tauschte an neutralen Orten mit ihnen Informationen aus.

Seine leicht geblich leuchtende Flüssigkeit ins schummrige Kerzenlicht haltend, grinste der verruchte Heiler. "Es wird Zeit dich wieder aufzuwecken, alter Gefährte", murmelte er vor sich hin, bevor er dem schlafenden Urias vorsichtig die Flüssigkeit einflöste, "die Spielunterbrechung ist vorbei und es wird Zeit für die finale Runde, in der Tinquilius schließlich den Kürzeren gegen den mächtigen Kirijulon zieht"


Hyperius

Die Eliteorks
16.06.2024, 21:42
„Rok Tar!“, grüßte der Bau- und Belagerungsmeister den herannahenden Generalaufseher. Dieser verzog zwar nicht das Gesicht und schaute wie üblich teils stoisch teils grimmig drein, schien allerdings in verhältnismäßig guter Laune zu sein.
„Rok Tar! Rakosch, wie ich sehä habt ihr euch bereits gut hier eingerichtät!“, meinte der Einäugige und wies mit der Pranke auf die Zelte und Baracken, die sich im Kreis aufgebaut um sie herum befanden. Über ihnen hing an großen Baumstämmen befestigt ein zerfledertes und dürftig geflicktes Segel das in dieser heißen Jahreszeit als Sonnenschutz diente. Auf ihrer langen Reise von den Nordlanden hierher war es bei einem Sturm gerissen und so war es am Ende doch noch für etwas gut. Um die beiden Anführer herrschte reges treiben da die Aufbauarbeiten des Lagers noch im vollen Gange waren.
„Durchaus! Durchaus!“, stimmte der Schwarzork mit einem sichtlich erfreuten Grinsen zu und gebar dem Generalaufseher ihm zu folgen.

„Die Späher machen gute Arbeit und haben neben alten Morrawaffen auch etwas Werkzeug aus dem Norden der Stadt bergen können. Scheint so als ob dort viele Handwerker gelebt haben, aber leider ist das auch der Teil der Ruinen, der am schwersten geplündert worden ist. Immerhin haben wir jetzt neben dem Amboss vom Schiff noch einen weiteren, so dass wir unsere Ausrüstung weitaus schneller wieder instand setzen und aufstocken können!“ Mit diesen Worten zeigte Rakosch zu einer notdürftig eingerichteten Schmiede an der zwei Orks ihre Arbeit verrichteten.
„Ausgäzeichnät! Es scheint so, als ob ihr bereits gut informiert seit!“
„Ich weiß nur das, was hier im Lager vor sich geht und was mir die Späher berichten, wenn sie mir ihre Beute bringen. Darum bin ich so interessiert von eurem Bericht! Ihr seid doch sicherlich nicht ohne Grund bei mir!“
„Alläs zu seinär Zeit!“, grunzte der Einäugige und schaute sich weiter um. Dabei fiel sein Blick auf die Felswand im Westen. „Da hintän! Sind dort diesä verlassenän Stollän von denän mir berichtät wurdä? Hat sich da noch etwas findän lassän?“
„Alles leer! Die Morras haben da gute Arbeit geleistet und bei unseren Untersuchungen mussten wir leider feststellen, dass hier wohl nichts mehr zu holen ist. Allerdings haben die Schamanen gleich daran Interesse bekundet. War mir aber auch gar nicht so unrecht!“
„Wie meint ihr das?“, fragte der Alte interessiert. Nicht nur weil er sowieso über alles informiert sein wollte, was in seinem Spähtrupp vor sich ging. Sondern auch weil die Schamanen einige Angelegenheiten gern für sich behielten und manches nur widerwillig preis gaben. Er mochte hier das Kommando haben, doch wie so üblich entzogen sich die Schamenen seinem eisernen Griff. Doch Aufregen brachte da auch nichts, das hatte er vor einigen Jahren aufgegeben.
„In den Minen haben sich die Gach Luk ein ordentliches Nest gebaut. Kann mir gut vorstellen, dass wir hier in diesem Ruinenviertel deswegen so wenig dieser Echsenwesen angetroffen haben. Die Gach Luk scheinen sich an denen wohl satt gefressen zu haben. Da kam es unseren Kriegern nur Recht, als die Schamanen Interesse daran fanden und sich gleich selbst um die Ausräucherung der Tunnel kümmern wollten.“, gluckste der Bau- und Belagerungsmeister amüsiert. „Die Biester haben erbärmlich geschrien. Will gar nicht wissen, was die Schamanen mit denen gemacht haben! Ja manchmal höre ich Nachts noch immer Schreie!“
„Hmm!“, grummelte der Generalaufseher bedächtig. Dass sich die Schamenen in den verlassenen Minen niedergelassen haben war äußerst interessant. Er verstand nicht viel von Magie und Alchemie, doch Gach Luk waren bei den Schamanen schon immer viel gefragte Beutetiere gewesen. Nur der Schöpfer wusste, was die Schamanen dort drinnen taten!

„Wie sieht es mit där Versorgung aus?“, wollte der Einäugige wissen, als Rakosch sie langsam zu seiner eigenen Baracke führte.
„Da wir bisher keine Morras angetroffen haben, gibt es nichts, was uns die Beute groß streitig macht. Der Dschungel im Norden ist aber nicht ganz ungefährlich, aber unsere Späher kamen bisher immer zurück. Der nahe Bergsee liefert uns auch ausreichend frisches Trinkwasser. Was Baumaterial angeht brauchen wir uns hier in den Ruinen nur zu bedienen.“
Als der Schwarzork ausgesprochen hatte, trat er zur schweren Holztür seiner Baracke und öffnete sie für den Generalaufseher. Wenig später und beide hatten sich am Kartentisch des Bau- und Belagerungsmeisters niedergelassen. Der Kartograph hatte erst vor einigen Tagen die Karte der Ruinen mit den neuesten Informationen aktualisiert.

„Hier ist das Lagär, ja?“, fragte der Einäugige und zeigte auf einen Bereich im Westen der Ruinen nahe des Bergsees.
„Genau! Hier etwas südlich die Palastruinen und ganz im Süden das Tor. Das hier ist die Kuppel und im Norden war wohl das Handwerksviertel und das Nordtor. Dass die Tore gesichert sind, weiß ich, aber was ist mit dem Rest der Stadt? Was haben die Späher euch berichten können?“, wollte Rakosch wissen.
„Wir sind zu Beginn auf wenigär Widerstand gestoßän als vermutät. Alles verwüstetär als gedacht und die Straßän läär. Echsenwesän hattän wir als letztäs erwartät. Die habän sich tief in die Ruinän verkrochän und tun es noch immär. Unsere Kriegär sind dabei das Problem zu behebän, aber es wird uns wohl noch längär beschäftigän! Der ganzä Westän ist laut den Spähärn gesäubärt. Einzig im Palast treffän wir noch immär auf diesä Biestär! Im Ostän machän wir gutä Fortschrittä. Und der Nordän ist auch schon gesäubärt. Einzig diesär Morra Friedhof im Nordostän macht uns noch Problemä. Diesä Madän wollän einfach nicht in ihrän Gräbärn bleibän!“
Bei diesen Worten schaute der Schwarzork äußerst interessiert, dann musste er Grinsen und fügte an: „Vielleicht sollten wir den Friedhof auch den Schamanen schmackhaft machen? Wobei...ich würde es besser finden, wenn die sich endlich um diese elende magische Kuppel kümmern würden. Diese Blitze in der Nacht lassen einen nur schwer zur Ruhe kommen.“
„Das ist noch einmal ein ganz anderäs Problem! Im Momänt hat die Kuppäl keinä Priorität. Zuerst müssän wir richtig Fuß fassän und das Lagär fertig stellän. Es scheint zumindäst so, als ob wir hier in einär gutän Lagä sind. Dennoch hättä ich gern mehr Informationän übär diesä Insäl. Darum werdä ich bald einigä Spähtrupps losschickän. Die sollän herausfindän was die Morras hier so treibän und ob es noch Orkstämme gibt, die sich uns anschließän könnän!“

„Das sind doch gute Aussichten! Was mich aber am meisten Interessiert: was führt euch nun eigentlich zu mir?“
„Plänä! Großä Plänä! Abär zuerst müssän wir übär die Verteidigungsmöglichkeitän diesär Ruinän redän!“, mit diesen Worten stellte er eine große Flasche Schnaps auf den Kartentisch, sehr zu Überraschung Rakoschs.
„Und ich dachte, dass Koll'Rok schon alles versoffen hat!“
„Nicht diesä hier!“, grunzte der Generalaufseher. Es würde eine lange Nacht werden. Es gab viel zu besprechen!


Zarrosh

Tat'ank'Ka
23.09.2024, 14:32
Es war Jahre her, seit sie das letzte Mal Setarrif betreten hatten. Es war die Zeit, da das Weißauge starb. Nicht durch ihre Hand, doch seine Überreste gehörten ihnen. Gehörten immer noch ihnen und waren gut verborgen unter dem Karrek.
Eines Tages wenn die Zeit reif wäre, wäre laut Melog IHRE Zeit. SIE die sich erheben würde und die Herrschaft des Feuers endgültig beenden würde.
Die Knochen des Drachen würden ihr Leib werden und das Fleisch und Blut vieler Opfer ihr Fleisch und Blut.

Der Orkhäuptling war skeptisch. Skeptisch, ob dies der Weg wäre. Ein Dämon, ja gar ein Erzdämon war Macht und Einfluss. War der Schrecken ihrer Feinde.
Aber konnte auch Schrecken der Orks werden.
Tat'ank'ka dachte an seine Zeit zurück, da er den Hladak - den Schatten - half die Schergen des Dämons von Gotha Einhalt zu Gebieten. Wie dieses Wesen Nacht für Nacht das Unheil beschwor und die Hladak einen ewigen Kampf führten. Manche von ihnen zerstörte es im Geist. Selbst ein Ork hatte irgendwann Albträume die den Geist nicht mehr ruhen ließen.
Er war skeptisch und vertraute auf den Schöpfer, auf das Erbe von Krushak. SIE war nicht seine Herrin, aber er duldete ihre Präsenz und dass manche Stammesmitglieder sich ihr verschrieben.

“Ich bin gespannt, was das für Oraks sind.”, knurrte Gorbag und strich sich durch seinen ergrauten Bart.
“Das hast du schon die ganze Zeit gesagt, Freund. Was beunruhigt dich?”, fragte der Schwarzork und blickte zurück auf seine Krieger die vor den ‘Toren’ mit ihm standen und natürlich in bester Orkmanier sich zurechtgemacht hatten. Sie waren nicht wilde oder von Morras domestierte Orks wie der beschämende Rest an Orks dieser Insel, die nicht den Karrek angehörten.

“Das sind vielleicht Imperiale. Aber auch Seeorks
Was wenn unter ihnen alte Anhänger von Kan sind? Die Seeorks waren außen vor. Bei Montera waren sie schon längst auf dem Weg gen Nordlande. Manche hätten zu gern den Krushak Clan bekämpft. Das sage ich, Freund.”
“Wenn dort welche dabei sind, dann wird es mir eine Ehre sein sie an die Niederlage zu erinnern und zu erzählen wer Kan den Brustpanzer mit Tohu und Wabohu zerstörte und seine Äxte tief in die Brust dieses Hundes jagte.”, knurrte der Schwarzork und deutete auf die im Licht violett schimmernden Chaos Äxte. Gorbag grunzte und schlug dem Berserker auf die Schulter.
Sie beiden hatten sich ihren Platz beim Schöpfer schon verdient und wenn es so sein sollte, würden sie halt sterben und noch genug mit in Beliars Reich mitreißen.

“Krothak! Rok Tar! Kesh Tar!”, befahl der Häuptling, zog seine beiden Äxte und mit ihm der ganze Horde. Dann spazierten sie seelenruhig in Richtung Tor, wo sich schon die andere Orkhorde versammelt hatte und um einen Grünork mit Augenklappe stand. Ein Schwarzork stand an seiner Seite und Tat'ank'ka war sich sicher diesen halben Khoro-Orak schon einmal gesehen zu haben. Gargos Trommel verstummte.

Wie es das Oruk verlangte hielt Tat'ank'ka zehn Schritte vor den Eroberern dieser Stadt und blickte durch die Reihen der Seeorks. Zasa stellte sich stolz zu ihren Vater.

“Ich bin Tat'ank'ka! Häuptling der Karrek! Einer der zwölf Bersak der Nan-Raka von Khoroo! Elitekrieger des Brosh dar Urkma! Elitekrieger des Krushakclan! Ehrenkrieger der Hladak! Sieger der großen Schlacht von Montera und der, der den großen Kan mit Tohu und Wabohu im ehrenhaften Kampf getötet hat!”, brüllte der Schwarzork fast schon, bleckte die Zähne und hielt stolz die selbst geschmiedeten Äxte in die Höhe.

“Und das! Sind meine Orakai! Mein Stamm! - KAAAAARRREK!”

“SHAAAAAKAAA!”, erhallte es aus allen Kehlen der Karrek und Waffen wurden gehoben.

“OOOOORAAAAKAAAAI!” - rief Tat'ank'ka laut und stampfte dann auf - “HAAAAAAAI!”, brüllte seine Horde und verstummte dann mit ihrem Aufstampfen.

Jacques Percheval
09.10.2024, 23:57
Was bisher geschah... (https://forum.worldofplayers.de/forum/threads/1410388-%C3%96stliches-Argaan-10?p=27419581&viewfull=1#post27419581)

„Wo bleiben sie, verdammt nochmal? Sie sollten schon längst wieder zurück sein!“
Cenfar schien, ganz entgegen seiner normalen Art, langsam nervös zu werden. Er war jedoch nicht der Einzige. Anspannung lag über dem kleinen Lager, das die Krieger verborgen in einem Wäldchen unweit der Ruinen Setarrifs errichtet hatten.
„Gib ihnen noch etwas Zeit. Wahrscheinlich haben sie etwas Interessantes entdeckt und wollten sich ein genaueres Bild machen“, versuchte Jon die Gemüter zu beruhigen, „Du kennst sie. Die lassen sich nicht so einfach erwischen, schon gar nicht von ein paar Orks.“
‚Sie‘, damit meinte Jon die drei Späher Harras, Bertram und Luthger, die kurz vor Sonnenuntergang aufgebrochen waren, um die Lage in Setarrf selbst auszukundschaften. Mittlerweile graute bereits wieder der Morgen, und sie waren noch nicht zurück.
„Und was, wenn doch?“, knurrte Cenfar, „Weiß Beliar, wie viele von diesen verfluchten Grünfellen sich inzwischen in der Stadt tummeln! Offensichtlich haben sie ja Verstärkung bekommen.“
„Falls die Orks sie erwischt haben sollten, dann wird Innos ihre Seelen in den Hallen des himmlischen Feuers willkommenheißen“, antwortete Jon düster, „Und die Orks werden mit ihrem Blut für ihre Taten bezahlen. Ihr wisst, wir würden es nicht ungesühnt lassen.“
Cenfar murmelte irgendetwas in seinen Bart hinein. Er schien mit der Antwort nicht gänzlich zufrieden zu sein, aber was sollte er tun? Brüllend und mit den Waffen fuchtelnd auf die vor den Toren Setarrifs campirende Orkhorde zurennen und wild um sich schlagen? Das war, ganz offensichtlich, keine Option. Er konnte nur warten. Sie alle konnten nur warten, bis entweder ihre drei Kameraden doch wieder auftauchten, oder der Kommandant neue Anweisungen gab. Niemand hoffte auf letzteres.

Der Ruf eines Adlers ließ endlich die Anspannung von ihnen abfallen. Denn natürlich war es kein Adler, der da gerufen hatte, sondern Harras, der so das Kommen des Spähtrupps ankündigte. Wenig später traten die drei Gestalten aus dem Unterholz, erschöpft, aber wohlbehalten und unversehrt. Die Begrüßung durch den Rest der Truppe fiel ungewohnt herzlich aus, was vor allem Harras in Verlegenheit zu bringen schien. Er ließ zwar Cenfars Bärenumarmung notgedrungen über sich ergehen, bestand dann jedoch darauf, möglichst rasch seinen Bericht abliefern zu müssen.
Die Krieger versammelten sich und Harras erläuterte, was er und die anderen beiden hatten herausfinden können. Es war nicht einfach gewesen, die Ruinen der Stadt mitten in der Nacht zu navigieren ohne dabei selbst gesehen zu werden, aber sie hatten es geschafft, sich einen relativ guten ersten Überblick über die Stellungen der Orks machen zu können und auch einen groben Plan angefertigt.
Die Lage war bedenklich. Die Orks waren auf Argaan nie ein ernsthaftes Problem gewesen, dafür waren sie viel zu wenige. Sie konnten allenfalls den Bewohnern des Sumpfes Kopfzerbrechen bereiten, in deren Nähe sich wohl ihr Hauptlager befand, aber für die Baronie oder gar die Stadt Thorniara stellten sie keine Gefahr dar.
Nun, zumindest war das bisher so gewesen …
Möglicherweise war das dabei, sich zu ändern. Es war kein Zufall gewesen, dass die Orks über das Gebirge gen Setarrif gezogen waren, denn offensichtlich hatten sich dort weitere Orks breitgemacht. Harras bestätigte diesen Verdacht. Es waren tatsächlich Orks in Setarrif eingetroffen, und zwar keine geringe Anzahl. Die Kundschafter hatten eine der massiven orkischen Kriegsgaleeren an der Küste unterhalb der Stadt vor Anker liegen sehen, und es war keineswegs sicher, ob es sich dabei um das einzige Schiff handelte, das in der zwischenzeit Nachschub gebracht hatte. Nachschub an Orks vom Festland …
Die Orks hatten auch nicht auf der faulen Haut gelegen, sondern damit begonnen, bestimmte Bereiche in den Ruinen zu säubern, zu befestigen und ein dauerhaftes Lager zu errichten. Noch waren die Bauten größtenteils provisorisch, aber die Verteidigungsanlagen waren bereits weit genug gediehen, um unvorbereitete Angreifer vor arge Probleme zu stellen.
Darüber hinaus hatten die Neuankömmlinge sich offenbar mit den eingesessenen Orks verbündet, jedenfalls schien es keine Spannungen zwischen ihnen und den argaan’schen Grünfellen zu geben, die ihr Lager vor den Toren der Stadt aufgeschlagen hatten. Im Gegenteil, es herrschte ein reges Kommen und Gehen zwischen den beiden Fraktionen.
„So sieht es also also“, schloss Harras seinen Bericht, „Ein Angriff auf die Orks ist für uns ausgeschlossen. Ich denke, wir sollten so rasch wie möglich nach Thorniara zurückkehren. Der Orden muss davon erfahren! Mit jedem Tag, der verstreicht, wird die Bedrohung vor unseren Toren wachsen.“

Tat'ank'Ka
19.11.2024, 19:49
Es waren intensive Tage gewesen, seit sie auf die Seeorks getroffen waren. Molotow - der einäugige Generalaufseher ließ seine Seeorks ebenso antreten und stellte sich und die seinen vor. Die Orkschaft der Eisenkiefer war anders wie die Karrek. Gut gerüstet, allesamt Nordlandeorks und nicht nur grün im Fell, sondern teils hinter den Ohren. Nur die Elitekrieger um Molotow waren sichtbar kriegserfahren und sicher auch noch in Myrtana aktiv gewesen.
Molotow war ein hochdekorierter Seeork unter Kans Herrschaft gewesen und unterstand nur dem großen Admiral Orthbag, den Seetroll. Unter Brosh dar Urkma wurde er offensichtlich nicht geköpft, sondern bekam das Kommando für diese Expedition.
Eine Bestrafung? Wohl nicht, wenn man sich die Mission dieser Orks und ihre Ausrüstung genauer ansah.
Auch am großen Feuer zu dem dann Molotow den Stamm der Karrek eingeladen hatte, wirkte er nicht wütend oder auf irgendeine Art verletzt. Er hatte mit Stolz von dieser Mission berichtet und dass hier nun ein Brückenkopf entstehen würde, um Argaan zu erobern.
Ein großes Ziel, dass unter den Karrek Zustimmung fand. Ihre Informationen über die Morras und den erkalteten Konflikt war für die Seeorks sehr interessant und würde im Bericht an den Orkkönig erscheinen, wenn die Eisenkiefer mit einer Notbesatzung wieder in See stechen würde. Genauso aber würde ein Repräsentant der Karrek mitreisen und die Überraschung servieren, dass einige seiner treuesten Urkmakrieger noch lebten.
Wer es war, musste Tat'ank'ka noch entscheiden. Doch wie er Brosh kannte, würde dieser seine Leute umso mehr unterstützen.
Und so verlief der restliche, erste Abend gemeinsam sehr orkisch und informativ.
Sie erfuhren grob wie es um die Nordlande stand, sahen den Ringkämpfen junger Seeorks und Karrek zu und erzählten einander Geschichten von hier und von dort.
Es war für den Berserker fast surreal, nach so vielen Jahren wieder Kontakt zum Imperium zu bekommen.

Was ihn schon am ersten Abend missfiel, waren die Blicke der Seeorks auf seine Tochter. Proya und die anderen Orkinnen waren frei zu machen was sie wollen, solange es dem Stamm nicht schadete. Doch Zasa brauchte noch keinen Orak, mit dem sie das Lager teilte.
Das sah sie ähnlich und saß dann den Rest des Abends bei ihren Vater, der mit seinem Blick die anderen Oraks zurecht einschüchterte.

Und so fanden die abendlichen Treffen in großer Runde noch ein paar Tage statt, denn man wurde sich einig diese Stadt gemeinsam vorzubereiten.

Die Karrek bauten ihr Lager außerhalb der Stadt auf und begannen alle mit der Jagd zusätzlich zu versorgen. Sie bereiteten sich auf den ersten gemeinsamen Kampf vor. Es galt den Palast von den verfluchten Echsenwesen zu säubern. Danach würden man die Stadt aufteilen und sichern. Doch bis dahin würden sie noch einiges erledigen müssen.

Gorbag kam zu Tat'ank'ka und Zasa und meldete, dass die Oraks für morgen bereit wären.
Danach kam direkt Proya rein und musterte Zasa etwas streng, ehe sie Tat'ank'ka anblickte.
“Und? Wie sind ihre Schamanen? Hab ich an Feuer richtig gesehen? Kallash der Schwarze ist hier?”

Proya Anuot
18.12.2024, 17:01
Proya grunzte etwas unverständliches, während sie Zasa mit ihrem Blick taxierte. Die kleine Oraka hatte seit der Ankunft in dieser verfluchten Ruinenstadt nichts weiter getan, als an der Seite des Häuptlings zu verweilen. Dabei musste sie noch so viel lernen, wenn sie eines Tages ihren Vater ablösen wollte. Denn das war es, woraufhin sie getrieben wurde. Und Proya wollte mit eigenen Augen sehen, ob der Wildfang es wirklich fertigbringen würde.
Doch bis es soweit war, lagen noch viele Jahre vor ihr, in denen sie lernen musste, was die Schamanin auch einst erfahren hatte müssen. Weibchen waren unter den Orks nicht die Stärksten und es reichte nicht, wenn man sich an die mächtigsten Krieger hielt. Es brauchte Gerissenheit und Einfallsreichtum und auch ein Verständnis der Kultur ihrer Ahnen. All das versuchte sie der Tochter des Häuptlings Tag um Tag einzuprügeln. Sie wusste auch, dass Tat’ank’Ka nicht zimperlich mit ihr verfuhr, doch es war etwas anderes, wenn es nicht der eigene Vater war, der einen lehrte.

„Ja, Häuptling“, knurrte sie schließlich an den Schwarzork gewandt, „Kallash ist hier. Es ist lange her, dass ich ihn sah. Bei der Schlacht um Montera, als ich nichts weiter als eine Berufene war. Die Schamanen haben sich in einer der Minenschächte niedergelassen wie Würmer. Aber sie haben auch Gach’Luk erlegt und nutzen ihr Sekret.
Kallash erzählte, dass im Norden der Ruinen ein Gräberfeld ist. Untote überall und sie scheinen kein Ende zu nehmen. Hunderte von Jahren haben die Morras dort ihre Toten begraben und der Schwarze sucht nach dem Grund. Vielleicht ein Nekromant aus der schwarzen Morraburg.“
Sie spuckte aus, als sie an die Schwarzmagier dachte, in deren Kastell sie eine lange Zeit verbracht hatte. Zu nutzen, was ins Reich des Schöpfers eingetreten war, missfiel ihr zutiefst.

Fast beiläufig holte sie eine Schale hervor, schob ein wenig des grünlichen roten Drecks, der hier vorherrschend war, zusammen und warf ihn hinein. Dazu etwas Wasser aus ihrem Schlauch und etwas Rinde, die sie am Rande des dichten Dschungels gefunden hatte und sich von den Bäumen dort schälte als würden sie sich häuten. Mit kräftigen Fingern knetete sie alles zu einem feuchten Brei zusammen, bevor sie es in das Feuer kippte, welches in der Mitte der Unterkunft knisterte. Es zischte kurz, als die Nässe verdampfte und wenige Momente später färbten sich die Flammen kaum merklich, sodass es den Anschein hatte, das Feuer brannte grün.

„Was werden wir machen, Häuptling? Die Geister schweigen und ich bin nicht sicher, was die Oraks aus dem Norden wollen. Wenn sie Argaan erobern wollten, wäre Kriegsherr Brosh nicht selbst hergekommen?“
Ungerührt pulte sie mit ihren langen Fingernägeln zwischen ihren Zähnen ein Stück Fleisch hervor, welches bei der Jagd abgefallen war. Die Tiere waren wild und gefährlich im Osten der Insel und sie waren zahlreich, nachdem sie so lange keine Jäger fürchten mussten. Gute Jagdgebiete für die Karrek.

Tat'ank'Ka
23.12.2024, 12:41
Trommeln kündeten die Karrek an.
Dumpf und rhythmisch erklangen sie durch Setarrif.
Da standen sie mit ihren mächtigen Äxten, Schwertern und Keulen. Gehüllt in rostige Platten, Leder, Felle und Tierpanzer.
Laut brüllten die Brüder ihre Anspannung, ihren beginnenden Kampfrausch heraus. Die ureigene, orkische Gier nach Blut und Ehre im Kampf. Nach einen würdigen Gegner, nach einem würdigen Tod oder einen hart erkämpften Sieg.

Die Gesichter und Körper waren mit weißer Asche bedeckt. Das Blut eines geopferten Echsenwesens diente der Kriegsbemalung.
Ein Bluttag, ein Eisentag, ein Metzeltag stand bevor.
Tat'ank'ka hob Tohu in die Höhe, brüllte dabei voller Kampfeslust und ging vor als Häuptling. Schnelle Schritte in Richtung des Palastes im Takt der schneller werdenden Trommelschläge.
Nicht zu schnell um die keilförmige Formation auseinander zu ziehen. Nicht zu langsam, um die aufkommende Energie seiner Leute auszubremsen. Das Tempo der orkische Sturmtruppen.

Die Hörner der Seeorks erklangen. Dumpf dröhnten sie und kündeten Unheil an. Sie schlossen sich mit ihren Eliten an den Flanken der Karrek an, dicht gefolgt von mehreren Reihen Orks, die die Reihen der Karrek im Inneren des Keils auffüllten.
Mit Gebrüll stürmte dann die Horde die Treppen hinauf und traf auf die Echsenwesen, die sich schon versammelt hatten. Ihr Schwarmwissen hatte die Gefahr richtig gedeutet.
Tat'ank'ka forcierte bei Sichtkontakt mit Gebrüll das Tempo und trieb den orkischen Keil direkt in den Pulk an Echsenwesen.

Ein khorinischer Shikkinschlag jagte auf die parierende Waffe des Echsenwesens hinab und dann folgte sogleich der massige Körper des Berserkers, der seinen Feind einfach zu Boden rempelte. Sogleich holte er mit Wabohu aus, um den Speer, der ihm entgegenkam, am Schaft abzulenken und mit Tohu den am Boden liegenden ersten Gegner den Brustkorb zu spalten.

Rund um ihn prallten die Orks gegen die Echsenmenschen, schlugen und hackten um sich und trieben den Keil voran, weil von hinten der Rest hinterher kam.
Tat'ank'ka schlug um sich, versuchte wie seine besten Krieger um ihn weiter vor zu stoßen und kam mit vereinter Kraft durch Gorbag und Subat bis in die hinterste lose Reihe der Echsenmenschen.

“Macht sie fertig!”, brüllte der Berserker und löste damit den Keil auf. Damit gab er allen im Keil das Zeichen, ihren Wert zu beweisen und den Keil aufzulösen. Junge Orks und die meisten Seeorks stürmten an den Frontkämpfern vorbei. Sprangen in das Gefecht, hauten, stachen und schlugen auf die Echsenwesen ein und wollten sich zeigen, wollten sich mit Wesen messen, die in Kraft und Größe den Orks nicht unähnlich waren.

Tat'ank'ka musste erste Verletzungen einstecken, als er mit seinen beiden Äxten umher wirbelte und eben doch eine Speerspitze durch die geringe Verteidigung seines Kampfstils durchkam. Doch das gehörte dazu, das gehörte zum Berserker. Schmerz, der Geruch von Blut und der steigende Rausch des Kampfes weckten die innere Bestie. Den uralten Ahnen, der brutal und erbarmungslos in den alten Zeiten sich seiner Umwelt erwehren musste und als Kind des Schöpfers geschaffen war, um zu vernichten.

Knurrend wehrte er mit seitlichen Hieben seiner Äxte die nächste Attacken ab und begann dann selbst zu attackieren.
Wabohu jagte nach vorne, Tohu schlug zu seiner Seite, als ein weiterer Angriff von der Seite kam. Dann wirbelte er mit Tohu weiter um sich in einer kurzen Drehung nach hinten und zog Wabohu hinterher, um Platz zu schaffen. Sein Kriegstanz der zwei Äxte begann.

Ein Bein setzte vor und beide Äxte jagten schwungvoll und fast synchron von oben diagonal nach unten und schwangen in die Höhe, um wie der Flügelschlag eines Vogels herab zu jagen und die Echsen weichen zu lassen. Dann setzte er zwei Schritte vor, schlug von oben nach unten mit Wabohu in der Linken zu, wurde geblockt und schlug einen Wimpernschlag später mit Tohu in der Rechten seitlich zu.
Die Echse wich knapp zurück und Tat'ank'ka vollführte eine halbe Drehung, um die andere Echse mit dem Speer abzuwehren.
Wabohu schlug die Waffe zur Seite, Tohu jagte von oben rechts nach unten links vor. Der Veteran des 2. Orkkriegs nahm den Schwung von Tohu mit um mit Wabohu orkisch-elegant um seine eigene Achse zu drehen, die andere Echse auf Abstand zu halten und mit zwei schnellen Schritten die Speer-Echse zu attackieren. Die hielt den Hieb Wabohus noch mit dem Schaft aus, doch Tohu schwang kurz vor, hakte sich am Schaft fest und ruckartig riss der Schwarzork an seiner Axt.
Die Echse wurde nach vorne gerissen und Wabohu wurde tief in ihrem Rücken versenkt.
Tohu spaltete den Schädel und der Berserker brüllte die andere Echse mit dem Echsenschwert an, als diese attackierte.
Tat'ank'ka blockte den zornigen Hieb mit beiden Äxten, ließ sie, mit einem Schritt vor, nach links und rechts ausschlagen und ging in den Angriff über. Fast dämonisch war seine Fratze, als Tohu und Wabohu in einem Stakkato wuchtiger Shikkinschläge auf die weichende Echse niedergingen und das schartige Echsenschwert nach dem vierten treffenden Hieb zu Boden ging.
Die Echse hielt sich die Klauen und sprang Tat’ank’ka entgegen, als die Chaos Äxte auf sie niedergingen. Der Berserker wurde von scharfen Klauen unterhalb der Brust an seiner nun kaputten Lederrüstung erwischt und trat im Gegenzug die Echse dann nieder, als sie zurück wich und fauchte.
Er vergrub mit großer Kraft beide Axtblätter im Brustkorb der Echse und blickte dann brüllend auf.
Der Kampf tobte, doch die Orks hatten die Oberhand schon gewonnen. Kampferprobte Krieger die im Kollektiv und einzeln zu kämpfen wussten gegen Echsenwesen deren Schwarmwissen zum Glück weder Formationskampf noch die hohe Kampfkunst kannten. Brutal waren sie und konnten zuschlagen, konnten kratzen und beißen und konnten auch Orks im Kampf hier töten. Aber das reichte nicht. Nicht ohne kritische Masse, die den Orks zahlenmäßig überlegen war.

“Kadan! Lass sie kämpfen. Vernichten wir die Brut und ihre Hüter!”, sagte Gorbag und zeigte mit seiner blutigen Klinge in Richtung Thronsaal. Hinter Gorbag sprang Zasa in die Höhe und vergrub ihren Speer im Brustkorb einer Echse, während Proya um seine Tochter ihre Hexerei anwandte.
Der Berserker nickte und folgte dem alten Kampfgefährten…

~~~

…der Sieg war nahe. Gorbag streckte den Letzten der Echsenwesen im Gang nieder, der sie attackiert hatte. Subat und die anderen Elitekrieger der Karrek flankierten Tat'ank'ka der immer mehr seinem Rausch verfiel und mit gebleckten Zähnen da stand.
“Kadan! Alles gut bei dir?”, fragte Subat den schnaubenden Berserker.
“Lange nicht mehr so gut…”, knurrte der Schwarzork, fragte sich selbst wer er war, um den Rausch zu beherrschen und klopfte dann seine Äxte aneinander.
Er führte sie weiter in den Thronsaal des einstigen Morrakönigreiches von Setarrif. Es war wichtig, dass sie hier als Erste da waren. Vor den Seeorks, um mit dem Recht der Eroberung einen Teil dieser Stadt zu beanspruchen. So war ihr Plan von Anfang an.

Unzählige Eier, die letzten Echsenwesen und eine Art Schamane von ihnen waren noch hier und befanden sich kniend in einer Art kehligen Singsang.

“Nagga Shutta!”, fluchte Rasaff freudig und zeigte mit seiner großen Keule auf den Thron.
“Shabagar!”, rief Tat'ank'ka und seine Stammesbrüder und -schwestern erwiderten den seltenen Ausruf.
Ein Gegner, so mächtig, dass es sich gegen diesen lohnte und ehrenhaft war zu sterben.

“Rok'Tar!”, grüßte der Schwarzork das schuppige, zischende Ungetüm und schlug seine Waffen aneinander. So wie der Rest. Das Schlangenauge öffnete sich…

Tat'ank'Ka
24.12.2024, 23:04
Ein Ungetüm von Schlange! Lang wie zehn Orks und ein Kopf groß genug, um mit ausgefahrenen Kiefern selbst einen Hirsch zu verschlingen.
Lange Zähne zum zupacken und ein massiger Körper um selbst Gargo die Innereien aus allen Öffnungen zu quetschen. Und diese giftig gelben Augen die mehr waren als sie durch Bosheit allein ausstrahlten.
Die schwarz-roten Schuppen glitten fast in aller Ruhe um den Thron entlang an Trümmern aus Gold, großen Eiern und den wenigen Dienern die noch verblieben waren.

Es waren junge Echsenwesen und sie glichen nicht jenen, die sie schon erschlagen hatten. Sie hatten keine Hörner am Haupt und auch keine Ansätze dafür. Ihre Kiefern wirkten auch anders und signifikant war die gespaltene Zunge wie bei ihrer Herrin, die immer wieder hervorkam.
Anpassung? Gewiss. Zu schade, dass dieser Schritt heute enden würde.

Die Tzuu-Zasa - so der Name aus den Geschichten der ursprünglichen Argaanorks für die Riesenschlangen der Sümpfe im Süden - bäumte sich mächtig fast bis zur geschmolzenen Kuppel auf und riss drohend ihr Maul auf. So auch ihre Diener um deren Mäuler fadenartiger Speichel herab triefte oder deren Augen so boshaft wirkten, wie die ihrer Herrin.

“Lasst euch nicht beißen.”, knurrte der Häuptling und fackelte nicht lange. Seine Orakai wussten was zu tun war. Menki war der Erste der mit Wurfspeer angriff. Darauf folgte ein Schleudergeschoss von Subat und drei weitere Wurfspeere und dann griffen sie brüllend und immer zu zweit an.
Die Riesenschlange stürzte mit ihren vier verbliebenen Dienern auf sie zu und bekam den mächtigen Orth-Antak von Gargo beinah in das Gesicht geschmettert. Wich jedoch zur Seite aus, nahm den Hieb von Rok Shars Varok fast problemlos mit den Schuppenpanzer und schlängelte einen Halbkreis ziehend um die beiden.
Dann stürzte sie sich wieder auf sie und riss Gargos Trollfaust mit, während alle anderen sich auf ihren Körper stürzten. Tat'ank'ka sprang mit beiden Äxten voran und versenkte sie im Schuppenpanzer, während Gorbag eins der Echsenwesen von unten nach oben aufschlitzte und alle warnte.
Die Tzuu-Zasa peitschte mit ihrem ganzen Leib um sich traf Freund und Feind, schleuderte Trümmer um sich und ließ den Boden regelrecht erzittern, während so gut wie alle Orks durch die Luft flogen.
Tat'ank'ka erging es nicht besser, als er sich nur mit Tohu in der Pranke erhob und Wabohu im Fleisch der Riesenschlange stecken sah.
Einzig Rasaff hatte den Moment abgepasst, als hätte er es geahnt und sprang über einen Trümmer hinauf, um mit seiner Keule den Kopf der Schlange zu erwischen. Die war aber schnell genug, um den Spieß umzudrehen und mit ihrem Kopf gegen den alten Ork zu stoßen.
Dumpf und keuchend schlug er auf dem Boden auf. Gargo trat vor diesen und jagte mit der Trollfaust nach den ausfahrenden Kiefern.

Menki warf einen weiteren Speer und versenkte diesen im Schuppenpanzer der Riesenschlange, während Rok Shar versuchte den Speer zu packen und tiefer hinein zu stoßen.
Subat und Kshak hatten ihre Echsen erschlagen und griffen nun ein, während Tat'ank'ka und Gorbag von hinten attackierten.
Dann wurde es plötzlich heiß und ein grüner Flammenball jagte durch die Luft.
Er traf Kshak im Gesicht und der schrie fürchterlich auf, als sein Gesicht brennend und unter ätzender Säure dahin bis auf den Knochen schmolz.
Tat'ank'ka brüllte vor Wut und jagte Tohu beidhändig in den Schuppenpanzer, als würde er einen Baum fällen wollen.
Schlangenblut spritzte auf und auch die anderen Orakai entließen ihren orkischen Zorn in wütenden Attacken, gegen die vor Schmerz sich windene Riesenschlange.
Subat zeigte wütend auf den Echsenschamanen und jagte diesem hinterher.

Abermals schlug die Riesenschlange um sich Babak wurde von ihrem Leib gegen die Wand gedrückt und regte sich nicht mehr und Madak entkam nicht ihren Kiefern. Er wurde gepackt, stieß sein Elitekrieger Schwert in die Schlange und wurde dann geschüttelt und mit fürchterlichen Bisswunden zu Boden geschleudert.

Dann richtete sich das Mistvieh auf und bekam glühende Augen, als es Gargo, Rasaff und Rok Shar fixierte.
“Weg!”, brüllte Gorbag und stieß seine spitze Klinge mit aller Kraft von oben in den Schlangenkörper.
Die Tzuu-Zasa spie ein ätzendes, rotes Zeug in Richtung der drei Orakai - traf jedoch nicht dank Gorbags Stich.
Stattdessen windete sich der elende Wurm und ließ Gorbag durch die Luft fliegen. Wabohu kam frei und Subat hinderte den Schamanen der Schlange an seinem furchtbaren Zauber.
Tat'ank'ka ergriff Wabohu und peitschte seine Orakai an. Nicht durch Worte, sondern Taten.
Mit kraftvollen Hieben seiner Äxte riss er am Leib der Schlange eine klaffende Wunde und schlug so oft es noch ging darauf ein, bevor ihm die Luft aus den Lungen gepresst wurde und er einen Schwanzhieb von der Seite bekam.
Doch da war Gargo der endlich traf. Die mächtige Trollfaust traf den Leib, zertrümmerte hörbar die Rippen und trieb den Wurm weg von ihnen an das andere Ende der Kuppel.

Die Orks sammelten sich lachten verächtlich die Tzuu-Zasa aus und kamen ihr vorsichtig wie einen verwundeten Bären näher.
Dann begannen ihre Augen erneut zu glühen und sie wappneten sich schon auf irgend ein Gift das kommen würde. Doch stattdessen erstarrten sie. Allesamt…

…Ketten…Dunkelheit…Furcht?
Tat'ank'ka sah um sich, knurrte auf als er das Zischen aus der Dunkelheit vernahm. Diese Augen die ihn umkreisten und lauerten.
Dann schlug sie zu. Biss in seinen Rücken, in seine Seele und versprühte ihr Gift.
Tat'ank'ka brüllte, riss an den Ketten und zog Grimassen. Dann kam zu den Augen etwas dazu. Es tapste in der Dunkelheit und schnaubte zornig.

Die Augen fixierten das, was in der Dunkelheit war. Erkannten die Dualität des Berserkers und zischten wissend. Erneut attackierte die Tzuu-Zasa den angeketteten Schwarzork. Biss ihn in die Brust und dann erschien der alte Ahne. Der alte Geist der Teil von Tat'ank'ka war, seit dem Ritus der Berserker.
Ein wilder, archaischer Khorinisork mit roter Mähne und einer Gestalt die heute kaum ein Ork noch erreichte.
Er packte die Schlange und rang mit ihr, während seine Mähne allmählich dunkel wurde wie jene von Tat'ank'ka.
Der Berserker im Schwarzork gewann gleich absolute Oberhand und dann war nichts mehr vor dem Schwarzork sicher. Am wenigsten er selbst.

Äußerlich - abseits jenem Spiel in seinem Geist - kamen Adern hervor, die onyxfarbenen Augen wurden blutig rot und der ganze Körper spannte sich zum Bersten nah. Entweder kam er frei, zerriss dann alles und jeden um sich oder er brach wie ein Baum im Orkan.

Proya Anuot
29.12.2024, 15:54
„Verfluchte Reptilien“, knurrte Proya, die sich beim Ansturm im Hintergrund gehalten hatte und ihren Speer nur dann nutzte, wenn eines der Echsenwesen im Chaos der tobenden Orks seinen Weg zu ihr gefunden hatte.
Unachtsam schritt sie über die schuppigen Leichen, behielt das Schlachthaus, zu dem die Ruinen des Palastes eines einfältigen Morrakönigs geworden waren, stets im Blick. Die Leiber ihrer gefallenen Brüder ließ sie unberührt, klopfte mit dem Ende ihres Ritualspeers dreimal neben ihnen auf den von großer Hitze zerborstenen Stein. Die Geister der Krieger waren bereits auf die Reise gegangen, um an der Tafel des Schöpfers zu sitzen oder aber zu IHR, die noch immer ein unergründliches Mysterium für die Schamanin blieb. Doch auch, wenn sie nicht verstand, hinderte es sie nicht daran zu nutzen, was SIE ihr gewährt hatte.

„Groloshkarum! Vekka vekh rach nar Tshaga!“, intonierte sie ihn kehligem Gesang und reckte ihre linke Hand nach vorn einer heranstürmenden Echse entgegen.
Wie von einem mächtigen Orkhammer getroffen, drückte sich der schuppige Brustpanzer des Monsters ein und wurde dann von den Füßen gerissen, als es mit der Wucht der geistigen Stärke einer langjährigen Schamanin konfrontiert wurde. Der erstickte Schrei des Echsenkriegers ging im Gebrüll der Orakai unter und Proya sah nur, wie einer ihrer Brüder im Vorbeirennen seine Waffe in den Wanst des wehrlos am Boden liegenden Reptils rammte.
Doch es wäre kein wahrer Kampf, wenn der Feind sich nicht zu wehren wüsste und als der Echsenschamane das Feld betrat, begehrten die Geister auf, kreischten in die Ohren der Schamanin in einer Kakophonie aus verzerrten und widernatürlichen Stimmen. Der Echsenpriester pervertierte die magischen Ströme um sich herum, beschwor Kugeln aus ätzender Säure, tötete und verstümmelte die Karreks und Seeorks, welche sich dem Angriff angeschlossen hatten.

Sie sah, wie Subat sich einem Elitekrieger würdig dem Magiewirker entgegenwarf und ihn daran hinderte noch mehr Leben zu fordern. Doch der Echsenschamane war nicht allein und es bedurfte aller Fähigkeiten, die der langohrige Orak besaß, um sich der Leibwächter und dem Stab des Priesters zu erwehren.
Die Masse der Echsenmenschen war bereits zurückgegangen, doch die vielen Eier waren ein Versprechen, dass es nicht so bleiben würde, wenn sie heute scheiterten. Der Häuptling und viele der besten Krieger sahen sich einer monströsen Schlange gegenüber, die ihre Brut zu beschützen schien. Ob die Eier von ihr oder den Echsen stammten, war nicht einzuschätzen, für Proya aber auch nicht von Relevanz. Es war wichtig, dass sie Subat gegen den Priester half.

Sie ließ ihren Speer zu Boden fallen, die Knochen und Zähne daran klimperten und klackten, als sie den harten von geschmolzenem Gold überzogenen Stein trafen. Beide Hände hob die Schamanin an, während sie rhythmisch ihre Oberkörper in einer abgehakten Bewegung von links nach rechts zucken ließ. Sie hatte die Augen geschlossen und begann mit einem Summen, welches tief aus ihrer Kehle entsprang.
Dann öffnete sie die Lippen und begann in Tönen zu krächzen, die entfernt an ihre Sprache erinnerten.
„Karum dwor Grolosh nar Tshagak dar! Tai vekka nar kesh nashanga osh rakash!“
Beim verhallen des letzten kehligen Lautes riss die die Augen auf, die grüne Iris fast vollständig von schwarzen Pupillen erfüllt, fokussiert auf den Echsenpriester, der immer wieder am Wirken seiner Zauber gehindert wurde.

Nichts schien zu geschehen, doch IHR Fluch schloss sich um den Geist des Reptils, bohrte sich in seine Seele und verwurzelte sich tief im Bewusstsein. Nach und nach entfaltete sich die Wirkung des schrecklichen Mals, beeinflusste die Bewegungen des Priesters, seine Wahrnehmung, seinen Verstand. Langsamer wurde er, weniger erratisch und endlich bekam Subat die Gelegenheit, auf die er gewartet hatte. Mit einem wilden Schrei entledigte er sich einem der Wächter, schlitzte ihn von dort, wo ein Orak den Nabel hatte, bis zum Hals auf, bevor er den leblosen Körper von sich stieß. Der Echsenpriester unternahm einen weiteren Versuch seinen verheerenden Zauber zu wirken, doch war seine Ausführung uninspiriert und ungenau, sodass die entstehende Globe aus heißer Säure keine richtige Form annehmen konnte.
Der Elitekrieger beendete im nächsten Augenblick auch das Leben des zweiten Wächters und griff danach nach der Kehle des Priesters, dessen abgetrennte Stimme das Ende für seine Beschwörung bedeutete.

Sich sicher, dass Subat die Kontrolle hatte, wandte Proya ihre Aufmerksamkeit zurück auf die Riesenschlange und sie knurrte wütend, als sie bemerkte, wie das Ungetüm tobte. Gargo hatte einen guten Treffer mit seinen Felsenpranken gelandet und auch der Häuptling wurde seinem Titel gerecht. Doch viele andere Oraks hatten bereits die Reise zum Schöpfer angetreten. Doch die Schamanin war nicht wegen der Verluste besorgt, sondern weil ihre Brüder erstarrt waren, gefangen im Blick der Tzuu-Zasa, deren Zunge bedrohlich und schnell aus ihrem gewaltigen Kiefer schnellte. Sie roch ihre Beute.
Selbst von der Mitte des ehemaligen Thronsaals aus, konnte Proya sehen, wie angespannt die Muskeln ihres Häuptlings waren. Sein Herz war in Flammen, die sein Blut erhitzten. Sie kannte dieses Gefühl, was sie spürte, wenn sie ihn ansah. Erkannte die Aura, die ihn umgab. Sie musste handeln, und zwar jetzt!

Mit all ihrer verbliebenen Konzentration, den Schmerz in ihrem Kopf ignorierend, der die Adern an ihren Schläfen wütend pochen ließ. Hervorgerufen durch das Nutzen IHRER Macht, tauchte sie noch einmal tiefer in das Gewebe der Geisterwelt ein. Magie peitschte durch ihren Körper wie ein tosender Orkan, der vom Westen über die Insel wütete. Proya hatte keine Zeit ihren Körper einzustimmen, hatte nicht die Kraft sich den Wogen und Wehen der Geister anzupassen. Sie würde erzwingen müssen, was sie erreichen wollte, fordern, statt bitten.
„Vekka drach Korzuk nar Groloshkarum! Grolosh tai me Vekka osh dar nar kra!“, spie sie die Worte aus und ihr Kopf wurde ruckartig in den Nacken geworfen, als ihre Magie sich entlud, um den Kopf der mächtigen Tzuu-Zasa sammelte. Mehr als das konnte sie nicht einschließen.

Ihre Gedanken schienen sich zu lösen, einzudringen in den Kampf zwischen der Riesenschlange und ihrer Beute. Sie spürte die Fixierung eines Raubtiers, aber auch eine wilde Hitze, die ihren Geist zu versengen drohte. Da war die alles verzehrende Präsenz ihres Häuptlings, der im Begriff war sich an das alte Ritus der Berserker zu verlieren, zu vernichten, zu töten, Blut zu trinken und Fleisch zu reißen, Freund oder Feind nicht mehr unterscheidend. Einzig der Rausch war von Tat’ank’Ka übrig. Sie konnte seinen Geist nicht erreichen, doch das war auch gar nicht ihr Ziel. Ihr Fokus war auf die Tsuu-Zasa gerichtet und alles, was sie tun konnte, war zuzudrücken. Zu zerquetschen, zu zermalmen, auszudrücken, was an Leben in der Riesenschlange pulsierte.

Abseits der Geister sah man, wie der Kopf der Riesenschlange in einen unsichtbaren Klammergriff gefangen wurde. Die zischelnde Zunge erstarrte und die bösartigen Giftaugen quollen immer weiter hervor. Es war der Geist der Schamanin, der auf die harten Schuppen einwirkte. Wie ein unaufhaltsam schrumpfender Käfig hatte sie ihre Magie um den Kopf gelegt und es war ein Kräftemessen, auf welches sie alles gesetzt hatte.
Das Pochen in ihrem Kopf ließ sie taub für die Außenwelt werden. Ihre eigenen Augen hatten sich scheinbar in den Hinterkopf gedreht. Nur noch das von blutroten Adern durchzogene Weiß war zu sehen und Proyas ganzer Körper vibrierte unter der immensen Anstrengung etwas so großes, so willensstarkes bändigen zu wollen.
Es klappte nicht. Nicht so, wie sie es gewollt hatte, doch als der Druck auf den Kopf der Tzuu-Zasa zu groß wurde, wölbte sich der immens lange Körper, bäumte sich auf und peitsche wild durch den Raum. Einige Eier wurden zerquetscht und der Ausbruch war zu viel für Proya. Sie verlor die Kontrolle über ihre Magie, wurde gewaltsam zurückgewiesen und sank erschöpft auf ein Knie. Doch sie hatte zumindest erreicht, dass das Ungetüm den Blickkontakt abbrechen musste, was ihre Brüder befreite.
Ein ohrenbetäubendes Brüllen hallte über den vergoldeten Steinboden.

Tat'ank'Ka
30.12.2024, 09:18
Die Äxte ragten in die Höhe, das wütende Brüllen des Berserkers übertönte alles im Thronsaal und mit ihm stimmten alle seine anwesenden Orakai brüllend mit ein.
Sie waren alle wütend und ihr Häuptling war der Wütendste.
Die Tzuu-Zasa hatte gewütet und schlängelte nun geschwächt und sich ihres Endes gewiss in Richtung Loch in der Kuppel. Flucht war ihr Plan, doch manch klaffende Wunde war doch zu viel, um den großen Körper mit Kraft hinauf zu bringen.

Der Berserker stürmte an, unterschied noch zwischen Freund und Feind und ließ keine Zweifel daran, dass er nun sein Leben gab oder obsiegen würde.
Sie alle stürmten an.
Rasaff, Menki, Gargo, Rok Shar, Gorbag und all die anderen, die noch standen.
Menkis Ripperspieß stieß zu, Gorbags Klinge stieß tief in den unteren Leib und Rok Shars Varok vergrößerte die klaffende Wunde und zerschnitt noch mehr Muskelstränge.
Die Schlange ging zu Boden, hatte keine Kontrolle mehr über den unteren Teil ihres Körpers und die Orks machten kurzen Prozess.

Tat'ank'kas Äxte schlugen wütend auf die Wirbelsäule ein bis Knochen, Fleisch und Schuppen durchtrennt waren. Vier weitere seiner Orakai stießen und schlugen mit ihren Waffen zu. Rasaff vollendete seinen Sprung zum zweiten Mal und schmetterte seine Keule gegen die Schnauze der Schlange, so dass sie zu Boden mit dem Kopf ging und dann war Gargo der Held dieses Tages als die mächtige Trollfaust - ein großer Orkhammer - den Schädel der Tzuu-Zasa zertrümmerte und sich nichts mehr an ihr regte.

“Orak Shaaaakaaa! Karrek Shaakaaaa!”, brüllte Tat'ank'ka und hob die Faust von Gargo in die Höhe.
“Gargo Shaakaaaaa!”, riefen die Orakai als Anerkennung für Gargo. Dann packte Tat'ank'ka Proya und die Orakai feierten sie mit einem “Proya Shaakaaaaa!”
Ihre Tat, ihre Hexerei war nicht vergessen worden.


Stunden später…

So saßen sie da - die neuen Herren von Setarrif.
Tat'ank'ka saß auf dem Thron des einstigen Königs dieser Stadt. Gehüllt in einem Mantel aus Büffelfell und provisorisch versorgten Wunden am Körper, gedachte er seiner toten Orakai.
Gargo zu seiner Rechten, saß mit einem Bein auf dem abgeschlagenen Kopf der Riesenschlange und erzählte jedem, der dazu kam, wie er der Schlange den Schädel zertrümmert hatte. Rok Shar prahlte damit, wie er Rasaff und Gargo gerettet hatte und scherzte mit einem jeden ein wenig herum.
Proya hielt das heiße, rohe Herz der Tzuu-Zasa in den blutigen Pranken und durfte als Erste hinein beißen, bevor es die Runde machen würde.
Gorbag reinigte seine Morrok vom Blut der Schlange und sang ein orkisches Kriegerlied, während Subat den Kopf des Echsen-Schamanen aus purem Rachedurst wegen Kshak immer noch marterte.
Menki und Rasaff zogen der Schlange die Haut ab und überlegten schon was sie daraus anfertigen würden. Der Rest derer die mit Tat'ank'ka den Thronsaal gestürmt hatten, saßen ebenso um den Thron, tranken das Schlangenblut und aßen von angebratenem Fleisch, das noch für den ganzen Stamm und die Seeorks reichen würde.

Es dauerte noch etwas, bis die Anführer der Seeorks und die Schamanen in den Thronsaal kamen.
Molotow und seine Elitekrieger hatten gut gekämpft und gezeigt, dass sie die Echsen nicht fürchten mussten. Die unerfahrenen Seeorks hingegen hatten ihren Tribut an den Schöpfer zahlen müssen. Doch dafür waren ihre noch lebenden Brüder nun erfahrener gegen die Echsenwesen. Ein Preis, den die Karrek damals bei ihrem Erwachen schon zahlen mussten.
Drei seiner Kinder und ein Weib verlor der Schwarzork damals an sie und er würde seine Trauerzöpfe noch lange in der Mähne tragen, bis seine Kinder genug Echsen-Sklaven im Reich des Schöpfers haben würden.

“Rok Tar! Tat'ank'ka! Kadan der Karrek! Ich beglückwünsche dich zur Eroberung des Palastes!”, sagte Molotow - nicht ohne einen Unterton der Zerknirschtheit. Er hatte sich wohl vorgestellt, dass er da nun sitzen würde. Tat'ank'ka erhob sich und ging die Treppe hinab. Dann packte er Molotows Arm zum Kriegergruß. Eine wichtige Geste, die klar machte, dass er kein Kriegsherr war, der auf dem Thron sitzen blieb und sich über sie alle erhob. Nein, er blickte dem Generalauseher fest in die Augen.

Manchen seiner Elitekrieger gefiel das wohl nicht. Manche sahen die Karrek trotz ihrer Taten als weniger in der Position auf Augenhöhe mit Molotow zu stehen. Vor allem ein Berserker von Khoro. Alte Vorurteile und die Arroganz der Nordlande bekam man nicht aus den Köpfen. Gut. Sollten sie es dann auf die andere Art lernen, wenn sie das irgendwann wollten.

“Rok Tar, Molotow! Die Stadt ist unser! Jetzt beginnt die Herrschaft der Orks über Setar! Deine Orakai haben ihren Wert bewiesen und ihr sollt alle Anteil an der Beute der Karrek haben!”, lud der Berserker ein. Das Oruk verlangte es und es war gerecht.

“Das ehrt die Besatzung der Eisenkiefer! Wir nehmen an! Aber zuerst geben wir unseren Toten die letzte Ehre!”, sagte der Einäugige. Auch er ehrte das Oruk.
“Das werden wir! - Und dann, wenn die Ehrenfeuer brennen und das Fleisch brät. Wenn die Köpfe unserer Feinde um unsere Stadt aufgespießt sind, die Schamanen von diesen Taten den Ahnen und wir dem Oruk genüge getan haben! Dann, Molotow, bekommst du deinen Brückenkopf und wir die Karrek, werden wieder eins mit dem Imperium! Mit den Nordlanden! Mit Khoro! - Für das Imperium! Für König Brosh dar Urkma!”, rief Tat'ank'ka, hob die Faust wie einst die Urkma und seine Brüder, die sich auch als jene verstanden, ebenso.
Dies war seine Machtdemonstation, sein absolutes Bekenntnis zum großen Orkkönig und sein Blick ging umher, als Molotow seine Faust hob und alle brüllend mit einstimmten.

Dienten sie dem Stärksten oder waren es Verräter wie unter Kan - nur ihrem eigenen Ruhm Untertan, falsch und das Oruk nicht ernst nehmend?
Der Berserker dachte sich seinen Teil und dann klopfte ihm Molotow auf die Schulter. Setarrif oder wie die Orks es auf Argaan nannten - Setar - aus der älteren Sprache der Sklavenherren von einst. Nun waren argaanische Orks die Herren dieser Stadt und bald die Menschen die Sklaven. Das hatte der schwarze Bergork von Khoro allen Orks mit argaanischen Blut versprochen. Und was dein Kadan versprach, das musste er wahr machen. So befahl es das Oruk. Der große Kodex der Orks.

Tat'ank'Ka
27.02.2025, 09:07
BAAMM BAM, BAAAM BAM, BAAAM BAM - Das alte Lied erklang in seinen Ohren und erfüllte sein Herz mit Freuden und Erinnerungen.
Die Vibration im Handgelenk, der Schweiß, die Hitze und der Geruch von glühenden Stahl.
Tat'ank'ka erinnerte sich an die Zeit in Faring. In Roshans Schmiede. Wie sie Orkwaffen schmiedeten, das verbrannte Fleisch versorgten, wie sie Wurzelschnaps tranken und für ihr Handwerk im eroberten Gebiet geachtet wurden.
Es waren gute Zeiten in denen ein Ork seinen Wert beweisen konnte.

Achtsam zog er den verformten, noch schwach glühenden Stahl mit der großen Zange vom Amboss und tauchte den Block in dampfendes Wasser. Dann gebot er dem jungen Ork die Zange selbst zu bedienen und den Stahlblock auf den Orkamboss zu legen.

Der junge Schwarzork mit wilder Mähne setzte alles um und blickte aus gelb-schwarzen Augen auf.
Er hatte sie von seiner Mutter geerbt.

“Siehst Du die Schichten? Das Dunkle ist Eisen, das Helle ist Orkstahl. Nur Eisen dieser Art, würde die Waffe weich machen. Nur Orkstahl wäre zu hart und spröde. Ein Hieb und deine Waffe geht kaputt. Nur die Einheit macht eine gute Waffe. Der alte Roshan brachte mir eine einfache Formel bei. Fünf Teile Orkstahl, drei Teile Eisen. Damit schmiedest du gute Waffen die was aushalten. Verstanden, Orak?”, fragte der Berserker.

“Und die besten Waffen? Wie deine Äxte, Vater?”, fragte der junge Ork der zwei Winter jünger war als seine Schwester Zasa.

“Dafür brauchst du besonderes Erz von Khoro. Blau schimmert es und ersetzt den Orkstahl. Und dann brauchst du Eisen von den Eisenbeißerbergen in den Nordlanden. Ein Varrag reichert mit deinem Blut und dem eines Opfers für den Schöpfer den Block an und dann schmiedest du deine Waffe, Wo'tan'Ka.”, erklärte er seinem Sohn und nickte dann.

“Bring den Stahl in die Esse und dann bedien den Blasebalg, wie ich es dir gezeigt habe.”, sagte er und ließ Wo'tan'Ka damit allein. Er trat aus dem Gebäude - das wohl einst einer Zusammenkunft von Morraschmieden gehörte - und sah zu, wie der Rest hier vor Ort seinem neuen oder alten Tagwerk nachging.

Stein der zerstörten Häuser wurde abgetragen und die große Stadtmauer dort wieder befestigt, wo sie zerstört war oder große Risse hatte.
Woanders wurde Holz verarbeitet, damit gebaut und neue, eisenbeschlagene Tore sollten bald bereit sein.

Jäger brachten die Beute in beide großen Lager und verwerteten sie dort. Manch Fleisch war für den Spieß. Anderes wurde gepökelt, damit die Eisenkiefer langsam genug Vorräte für die Heimreise hatte.

So vieles geschah hier, auch was er bis eben nicht gesehen hatte und bewegte sich im Hintergrund. Es stand noch einiges an. Der Schwarzork war zufrieden mit seinen Leuten. Sie brachten Beute, halfen aus und packten auch handwerklich ordentlich an.
Aber auch die Seeorks hatten ihren Anteil. Sie waren fleißig und lieferten Technolgie.
Tat'ank'ka konnte nicht sagen, wer begann, doch ein Ork wollte auch immer zeigen, dass er am härtesten arbeitete. Und so herrschte eine Grundstimmmung die Müssiggang verachtete und es erst bei Sonnenuntergang legitim schien die Arbeit ruhen zu lassen.

“Wir brauchen dich…”, sagte Gorbag.
“Was ist?”
“Die Jäger erzählen von Waldmorras. Kämpfe. Zwei Tote bei uns. Einer bei ihnen. Kleines Kommando. Ein und ein halber Tag her. Sind vielleicht noch im Dschungel.”, sagte der Rüstungsbauer.
“Verdammt! Alles muss man selbst erledigen.”, knurrte der Waffenschmied und gab seinem Sohn die Aufgabe, den Block rauszuholen und jedem eine mit einem Stahlrohling zu donnern, wenn er nicht hierher gehörte oder wichtig schien.
Der Schwarzork legte sich seine beiden Chaos-Äxte an und packte seinen guten alten Ripperspieß. Den Köcher mit den Wurfspeeren warf er sich über die Schulter und folgte Gorbag.

Chala Vered
20.05.2025, 20:27
Sie zählte die Schritte.
Nicht laut, nicht bewusst. Aber irgendwo in ihrem Inneren legte Sorgfalt die Abstände zwischen den Aufsetzpunkten des Orks fest, der sie trug. Links schleppend. Rechts präziser. Die Beine länger als ihre eigenen, das Becken schmaler – ein Krieger, nicht bloß ein Jäger. Und doch… Er atmete schwer. Nicht angestrengt, aber tief. Die Art von Atem, die durch Erfahrung kam, nicht durch Mühsal.
Er hatte schon viele Körper getragen. Und doch war ihrer kein Kadaver. Chala war wach. Nicht klar, nicht kampfbereit – aber wach. Die Welt roch nach nassem Moos, nach Ruß und altem Stein. Und Blut, ihrem Blut.

Ihre Flanke schmerzte mit jedem Schritt wie ein Herz, das nicht schlagen wollte, aber musste. Doch sie stöhnte nicht. Gab keinen Laut von sich. Es war ein stummes Aushalten – und mehr als das: ein Beobachten.
Der Ork redete nicht. Weder mit ihr, noch mit dem anderen, der sich wenige Schritte entfernt durch das Unterholz bewegte. Doch gelegentlich ertönte ein Ruf – rau, kehlig, mit kehligem Singsang. Keine Worte, die sie verstand. Aber es war Kommunikation. Koordination. Keine bloßen Tiere.
Fünf Stimmen. Eine weiblich. Gruppenverband. Kein loser Trupp, schätzte Sorgfalt ihre Häscher ein.
Und sie töten uns nicht. Noch nicht. Vielleicht… brauchen sie uns, hoffte Empathie.
Ich glaube kaum, dass sie Verwendung für uns haben, sah Narzissmus ihre Situation schwarz.
Was, wenn sie uns behalten? So wie Händler Tiere mitnehmen auf Reisen…?, griff Naivität nach jedem Strohhalm.

Chala bewegte langsam ihre Finger. Erst links, dann rechts. Nicht viel, nicht auffällig. Aber genug, um zu wissen, dass der Druck der Fesseln zwar nicht schnitt, aber hielt. Sie könnten sich lösen – mit Zeit. Mit Werkzeug. Oder mit Blut.
Ein Windstoß wehte durch die Zweige über ihnen. Er roch anders. Salziger.
„Wir sind nah…“ hauchte sie, kaum hörbar. Nicht für die Orks. Für sich. Und vielleicht für den, der folgte.
Denn in den Zwischenräumen zwischen Schatten und Baumstämmen… war da etwas. Keine Bewegung. Kein Geräusch.
Nur ein Echo.

Ein gelber Blick, der ihr nicht aus dem Kopf ging. Der Panther.
Sorgfalt: „Ob er sich wirklich nähert, lässt sich nicht verifizieren.“
Narzissmus: „Er wird sich nicht zeigen, solange wir hilflos sind. Raubtiere jagen nicht, was bereits gebunden ist.“
Empathie: „Vielleicht ist er längst Teil des Spiels…“
Naivität: „Vielleicht ist er nie wirklich weg gewesen.“
Ein Harscher Befehl der Orks folgte und sie hielten an. Ihr Träger blieb stehen, grunzte zweimal – oder stieß er nur heiße Luft aus der Nase? Die Aranisaani wurde abgesetzt. Nicht grob. Nicht sanft. Einfach abgelegt, wie ein Gegenstand, der nicht kaputtgehen sollte, aber auch nicht wertvoll war. Sie schlug nicht auf. Sie rollte, fing sich ab, und dann sah sie es.
Hinter einer Wurzelwand stieg Rauch auf. Ein Tor. Jenes Tor, durch welches sie mehrmals vor Jahren geschritte, war. Felsplatten, behauen, mit Zeichen, die älter wirkten als alles, was sie sonst kannte, außer vielleicht der Weltenbaum Tooshoo.
Setarrif. Oder das, was davon übrig war.
„Willkommen zu Hause…“, murmelte Exzentrik.

Chala hob das Kinn. Ihre Lippen waren trocken. Ihr Blick trotzig kühl. Der Schmerz war nicht fort. Aber er war nicht vordergründig. Sie war noch immer sie selbst. Nur eben gebunden. Für den Moment.

Chala Vered
21.05.2025, 23:43
Die Rinde hinter ihr war durchzogen von Fasern, so alt und knorrig wie die Ruinen selbst, an deren Stützbogen man sie festgebunden hatte. Ein aufgerissener Spalt im schwarzen Gestein, überwuchert von Pilzen, Moos und einem schweigenden Gefühl von „Zu spät“ – als hätte dieser Ort vor langer Zeit bereits entschieden, dass alles, was sich in ihm verfing, nicht mehr dieselbe werden würde.
Das Seil an ihren Handgelenken war roh, ungebleicht, mit Fasern, die sich bei jeder Bewegung tiefer in die Haut legten. Nicht genug, um sie zu schneiden, aber gerade schmerzhaft genug, dass es nicht vergessen werden konnte. Jedes Zucken, jeder Atemzug, jede Änderung des Gewichts ließ sie es spüren, wie eine Erinnerung, die nicht gehen wollte.

Chala saß nicht. Nicht wirklich. Ihre Beine waren unter dem Körper gefaltet, ihr Rücken halb aufgerichtet, so viel es eben ging in dieser Haltung, bei der die Arme über den Kopf gebunden und um eine Steinwurzel geschlungen waren. Ein Knoten direkt über den Fesseln. Er war nicht professionell. Aber fest.
Und die Tasche – ihre Tasche – war weg. Der Stoff, durch dessen Falten sie sonst bei Müdigkeit strich, das Gewicht, das an ihrer Seite baumelte wie ein zweiter, schweigsamer Begleiter. Fort.
Mit ihr das Halstuch, welches das Mal der Jagd verbarg, das sie dort verstaut hatte, um in der Hitze des Dschungels nicht zusätzlich zu leiden. Ein leerer Nacken. Fremd.

Und Wildkatze… Wildkatze war nicht an ihrer Seite. Weder ihr Gewicht, noch das flache Knirschen der Lederscheide bei Bewegung. Nichts. Auch ihre drei Wurfmesser fehlten.
Ich hoffe, sie haben sie sich angesehen. Ich hoffe, sie wissen, was sie da gestohlen haben, knurrte Narzissmus.
Es war das Erste, das wir je gestohlen haben, und das Einzige, das wir nie bereut haben, ergänzte Empathie mit ungewohnter Klarheit, als würde sie der Gedanke daran nicht bereits abstoßen.
Vielleicht liegen sie gerade auf einem Altar. Oder werden mit ehrfürchtigem Blick bestaunt. Wie es sich gehört, meinte Exzentrik, während sie sich in Gedanken über das Bild ihrer Klingen in fremder Hand ereiferte.
Oder… sie haben sie einfach weggeworfen. So wie uns, murmelte Naivität.
Sie haben uns nicht geschlagen. Nicht bespuckt. Nur gebunden. Vielleicht… bedeutet das etwas?, überlegte Empathie leise.

Die Welt um sie war dumpf. Nicht still – dafür war der Ort zu lebendig, trotz des Todes, der hier vor einer Dekade eingezogen war. Irgendwo tropfte es, rhythmisch und stoisch wie das Pochen in ihren Handgelenken. Ein Rauschen kam und ging – Wind? Wasser? Oder das Blut in ihren Ohren?
Sie hatte versucht, den Tagesverlauf zu erfassen. Doch der Himmel war verborgen, selbst das Licht war gefiltert, als hätte man zwischen sie und die Sonne ein Tuch gespannt. Ihre Augen waren trocken, das Atmen flach, der Magen leer. Aber es war das Fehlen von Wasser, das zuerst an ihr zerrte – der metallische Geschmack im Mund, der nach nichts schmeckte außer nach Vergessen.
Vier Stunden ohne Flüssigkeit. Die Lippen beginnen zu reißen. Die Konzentration nimmt ab, stellte Sorgfalt fest.
Sie wollen, dass wir darum bitten. Vielleicht sogar darum betteln, zischte Narzissmus.
Wir könnten es. Wenn es das Richtige ist…, schlug Empathie zaghaft vor.
Niemals. Nicht, wenn es darum geht, sich kleiner zu machen, entgegnete Narzissmus scharf.
Aber wir sind doch schon klein, oder?, fragte Naivität.
Klein? Oh nein, Liebling! Wir sind fokussiert. Reduziert auf das Wesentliche. Eine Skulptur aus Fleisch, getrocknetem Schweiß und Erwartung, sagte Exzentrik mit funkelndem Stolz.
Und damit gefährlich, ergänzte Sorgfalt trocken.

Ein Geräusch ließ sie den Kopf anheben – dumpfe Schritte auf unebenem Boden, kurz, rhythmisch, dann wieder Stille. Jemand war nahe. Vielleicht zwei. Vielleicht niemand.
Chala bewegte sich nicht. Nicht mehr. Die Energie war zu kostbar. Aber sie beobachtete. Nicht mit den Augen. Mit allem, was in ihr lag. Der Körper war müde. Doch der Wille – der war noch da. Schlanker als zuvor. Schärfer. Und irgendwo, ganz tief in ihrem Innersten, ein Flackern. Nicht Wut. Nicht Hoffnung. Etwas dazwischen.
Etwas, das flüsterte: Noch bin ich nicht gebrochen.

Chala Vered
22.05.2025, 08:38
Es war ein Geräusch, das sie weckte – oder vielmehr aus jenem dumpfen Halbschlaf herauszog, in dem sie seit Stunden verweilte, vielleicht Tagen, ohne dass sich Zeit oder Bewusstsein trauten, ihr Grenzen zu setzen. Kein harter Laut, kein Befehl. Nur das leise, flüchtige Schlagen nackter Sohlen auf glattem Stein. Wie das Flattern von Vögeln über einer Wasserfläche, die längst ausgetrocknet war.
Chala hob nicht den Kopf. Sie bewegte auch sonst nichts, was sie nicht bewegen musste. Ihre Schultern schmerzten, die Sehnen in den Oberarmen brannten wie eingeritzte Schrift. Das Seil hatte sich fester gezogen, wahrscheinlich durch unbewusste Zuckungen im Schlaf oder durch das Gewicht des eigenen Körpers, der gegen sich selbst zu arbeiten begann. Ihre Hände spürte sie noch, aber nur im Takt des pochenden Blutes, das dort eingeschlossen war wie in einem schlechten Lied.

Es roch nach Stein. Nach abgestandenem Rauch. Nach Dingen, die gekocht worden waren, aber nicht gegessen. Und nach etwas anderem, das aus der Vergangenheit kam – feuchtes Leder, altes Blut, zerdrückte Kräuter, bitter in der Kehle.
Die Schritte hielten nicht abrupt, sondern allmählich inne. Erst langsamer. Dann näher. Dann still.
Ein Schatten glitt in ihr Sichtfeld, schräg von der Seite, wo das Licht durch eine rissige Öffnung in der Mauer fiel und jede Bewegung auf dem Boden zu einem flüssigen Spiegel verzerrte.
Es war eine Gestalt – kleiner als die Krieger, die sie kannte. Schmal gebaut, aber nicht weniger sicher in der Bewegung. Und es war kein Mensch.

Die Haut war ockerfarben, in unruhigem Muster von Narben und Pigment durchzogen, wie gelebte Geschichten, die keiner mehr hören wollte. Die Schultern trug sie gerade, aber nicht stolz – eher wie jemand, der weiß, wohin er gehört, und sich nicht erklären muss. Das Haar war dunkelrot, fast schwarz in diesem Licht, in Strähnen geflochten, mit dünnem Leder umwickelt und an den Enden mit Knochensplittern, Steinen, vielleicht auch Zähnen versehen. Kein Schmuck. Keine Zierde. Zeichen.
Der Rock, den sie trug, war schlicht, aber nicht unbedeutend. Stoff, geflickt, mit dunklen Linien durchzogen – vielleicht Runen, vielleicht nur Gebrauchsspuren. Ihre Arme waren nackt, bis zu den Schultern, tätowiert oder bemalt mit Mustern, die sich beim Gehen verformten und mit der Bewegung lebten.

Chala kannte sie nicht. Nicht wirklich. Und doch – etwas regte sich in ihr. Eine Erinnerung, nicht greifbar, aber kantig. Ein Blick aus dem Unterholz, damals im Orkwald. Eine Silhouette. Etwas Rotes. Etwas, das sie hatte umgehen wollen.
Wir haben sie gesehen. Damals. Sie hat uns gesehen, murmelte Sorgfalt, und obwohl keine der anderen Stimmen sofort darauf reagierte, schien etwas in Chalas Brust enger zu werden.
Die Orkin blieb vor ihr stehen. Nicht nah, aber auch nicht fern genug, um ihr fremd zu bleiben. Ihr Blick war fest, aber nicht feindlich. Abwartend. Berechnend. Kein Ausdruck im Gesicht, den Chala lesen konnte – nur der Hauch einer Haltung, wie bei Raubtieren, die entscheiden, ob sie zuschlagen oder beobachten.
Dann hockte sie sich hin.

Keine Worte. Kein Gruß. Keine Geste. Nur ein prüfender Blick – von oben nach unten, von den Händen über die Seite zum Gesicht. Ihre Hand hob sich, berührte Chalas Kinn. Kein Schlag. Kein Druck. Nur Kontrolle. Die Bewegung eines Heilers, eines Schlächters, einer Priesterin.
Die Lippen. Die Augen. Die Haut. Ein Krug wurde vom Gürtel gelöst. Ton, flach bemalt. Der Deckel leicht geöffnet. Der Geruch von Wasser – nicht frisch, nicht sauber, aber eindeutig.
Sie stellte ihn ab. In Reichweite. Nicht direkt. Aber sichtbar.
Dann stand sie auf. Ohne Kommentar. Ohne Reaktion. Drehte sich, verschwand wieder in der Dunkelheit, wie ein Gedanke, den man nicht zu Ende denken durfte. Chala bewegte sich nicht. Nicht sofort. Aber ihre Gedanken liefen.

Sie hätte sprechen können. Doch sie wollte nicht, stellte Sorgfalt nüchtern fest.
Vielleicht kann sie unsere Sprache nicht. Oder sie will uns nicht verstehen, meinte Empathie.
Oder sie weiß genau, was sie tut. Und wir sind nur ein Stück Beute, das sich noch winden soll, schnitt Narzissmus scharf.
Ich… sie hat nicht aus Hass geschaut. Aber auch nicht aus Mitleid, murmelte Naivität, während sich ihre Stimme unsicher ins Dämmerlicht duckte.
Ein Krug. In Reichweite. Doch unzugänglich. Ein Symbol. Ein Spiel, flüsterte Exzentrik mit dunkler Vorfreude.
Chala hob den Kopf ein wenig, gerade so weit, dass sie den Krug wieder ins Blickfeld brachte.
Und obwohl ihre Kehle brannte, blieb ihr Blick ruhig.

Proya Anuot
23.05.2025, 13:08
Sie saß da wie faules Fleisch, das noch nicht begriffen hatte, dass es verwesen musste.
Proya blieb im Schatten stehen. Das Licht, das durch den Riss in der Mauer fiel, schabte sich über den Boden wie eine Klinge – und dort lag sie. Gefesselt. Nicht gebrochen, nicht wirklich. Noch nicht.
Morra.
Das Wort rollte ihr durch den Schädel wie ein alter Fluch.
Sie hasste den Anblick. Hasste, wie weich ihre Haut war. Wie selbst in der Schwäche noch Stolz in der Haltung lauerte. Wie ihre Augen nicht zerbrochen, sondern wachsam waren. Prüfend. Zerfasert in ihrer Tiefe, wie Splitterglas.
Die Schamanin trat näher, ließ ihre Schritte absichtlich hallen, das Klirren ihrer Knochenketten kündigte sie an wie eine bevorstehende Strafe. Das war kein Besuch. Das war ein Urteil auf leisen Sohlen.

Sie blieb vor der Gefesselten stehen und sah hinab – nicht wie eine Frau auf eine andere, sondern wie ein Raubtier auf Aas, das sich noch regte. Die Haut der Morra glänzte vor Schweiß, an den Armen blass, die Lippen rissig. Ihre Finger wollten zittern, taten es aber nicht.
Stark oder zu dumm zum Sterben?
Sie hockte sich hin, das Gewicht ihres Körpers auf den Ballen, und musterte sie lange. Kein Mitleid, keine Neugier. Nur Berechnung.
„Zerrissen“, murmelte sie schließlich auf Orkisch, die Kehllaute tief und grollend. Sie wusste, dass die Morra es nicht verstand – doch das war gleichgültig.
„Da ist mehr als eins in deinem Kopf. Kein Wunder, dass du nicht weißt, wohin du starrst. Keines von euch tut das.“

Ihre Hand schnitt in die Luft, ließ einen feinen Sprühregen aus getrocknetem Aschenmoos auf Chalas Gesicht fallen – nicht als Gnade, sondern als Markierung.
„Ich habe Krähen gesehen, die klarer denken als du.“
Mit einem Knirschen warf sie den Wasserkrog vor Chalas Füße, dass etwas davon aufspritzte und sich mit dem Staub am Boden vermischte.
„Du wirst trinken, Morra. Nicht weil ich dir Leben schenke, sondern weil du wach sein sollst, wenn wir dich brechen.“
Sie beugte sich tiefer, bis ihre Stirn fast jene der Gefangenen berührte. Ihre Augen waren wie gefrorene Sümpfe – trübgrün, tief, ohne Grund.
„Du versteckst dich hinter vielen Augen. Aber ich sehe euch alle. Kein Spiegel bleibt blind für die Geister.“

Dann stand sie auf, abrupt, und drehte sich um, das lose Leder ihres Rocks peitschte gegen ihre Oberschenkel.
„Wenn du dich weigerst zu schreien, werde ich die Stimmen in dir einzeln zum Kreischen bringen.“
Ohne ein weiteres Wort verschwand sie in der Dunkelheit – ihr Rücken gerade, ihr Gang so fest wie die Urteile der Ahnen. Der Geruch ihrer Kräuter, ihrer Macht, ihres Hasses blieb zurück. Und mit ihm der Geschmack von Asche.

Chala Vered
23.05.2025, 13:30
Der Staub auf ihrer Haut fühlte sich feiner an als alles, was der Dschungel je über sie gelegt hatte. Kein Schmutz. Kein Blut. Kein Schlamm. Asche. Trocken. Bitter. Wie eine Erinnerung, die nicht ihre war, aber in ihr wurzelte.
Sie hatte den Moment gespürt, bevor er kam. Die Schatten an den Wänden waren anders gefallen, hatten sich bewegt, ohne zu zittern. Kein Licht war verändert worden, kein Windhauch zu spüren gewesen – und doch hatte sie gewusst, dass etwas auf sie zurollte. Kein Tier. Kein Krieger. Etwas Tieferes.
Die Frau – nein, die Orkin – war aufgetaucht wie eine Ahnung, die man zu lange verdrängt hatte. Nicht plötzlich. Nicht laut. Aber unausweichlich.

Sie hatte den Blick gespürt, bevor sie die Stimme hörte. Tief, grollend, fremd wie alte Götter in vergessenen Sprachen. Die Worte hatten keine Bedeutung getragen, nicht in Myrtanisch, nicht in irgendetwas, das Chalas Zunge formen konnte. Aber sie hatten Gewicht. Jedes Laut war ein Schritt. Jedes Wort ein Schnitt.
Der Wasserkrug war geworfen worden wie ein Urteil, nicht wie ein Geschenk. Und der Sprühnebel aus getrocknetem Moos auf ihrer Haut hatte mehr Macht gehabt als jeder Schlag.

Sie hasst uns, stellte Narzissmus kalt fest, Und das macht sie ehrlich. Ehrlicher als die, die uns schmeicheln wollten, um zu nehmen, was wir nicht geben wollten.
Ihr Blick ging durch uns hindurch, als wären wir nicht nur eins, fügte Sorgfalt hinzu, leise und mit einer Härte, die sie sonst vermied.
Ich habe sie schon einmal gesehen. Oder gespürt. Dort, im Orkwald. Als wir uns entschieden, den anderen Pfad zu nehmen, erinnerte sich Naivität, in einem Tonfall, der beinahe bedauernd klang.
Sie hat uns markiert. Nicht nur mit Staub. Sondern mit Absicht, sagte Empathie, und ihre Stimme zitterte ein wenig.
Wir sind nicht gebrochen. Und das ist der Grund, warum sie uns wiedersehen wird, meinte Exzentrik – nicht triumphierend, sondern nüchtern. Fast bewundernd.

Chala spürte das Brennen auf ihrer Haut. Nicht von Wunden. Von Blicken. Ihre Kehle war trocken, rissig, schmerzhaft. Jeder Atemzug ein Kratzen, als hätte sie geschliffene Steine geschluckt. Doch sie trank nicht.
Der Krug stand dort, näher als vorher. Die Flüssigkeit darin schimmerte trüb, aber nicht schmutzig. Sie wusste, dass sie ihn erreichen konnte. Mit einer Bewegung, einem ersten Riss ihres Willens. Mit ein wenig Schwäche.
Aber das war nicht, was diese Frau wollte. Und nicht, was sie ihr geben würde.
Chala senkte den Kopf. Nicht als Zeichen von Unterwerfung, sondern weil ihr Nacken brannte. Ihre Muskeln waren erschöpft, ihr Körper müde – aber ihre Gedanken klar.

Sie schloss die Augen für einen Moment. Nicht um zu fliehen. Sondern um zu sehen. Und in der Dunkelheit hinter ihren Lidern war kein Panther. Kein Dschungel. Keine Flucht. Nur ein Kreis. Glühend. Wie eine Rune, gezeichnet aus Absicht.Sie hat uns gesehen, flüsterte Empathie. Alle. Und doch nur einen Teil.
Dann sollten wir ihr zeigen, dass wir mehr sind als Teile, erwiderte Narzissmus.
Chala hob den Kopf wieder langsam an, kontrolliert. Sie sah den Krug an, aber sprach kein Wort. Und sie trank nicht.

Proya Anuot
23.05.2025, 14:11
Der Stein unter ihren Füßen war warm vom Feuer, das in der Grube brannte. Kein heiliges Feuer, kein Ritual. Nur Flammen, entfacht von Spähern, um Fleisch zu rösten und die Nacht zu vertreiben. Und doch knirschte der Boden unter Proyas Sohlen, als würde er spüren, was sie dachte.
Sie stand seit Minuten regungslos, die Arme verschränkt, die Schultern gespannt, die Stirn im Halbprofil beleuchtet von den zuckenden Glutzungen. Ihr Blick war nicht auf das Feuer gerichtet. Sondern in das Dunkel jenseits davon.
Sie hat nicht getrunken.
Der Gedanke kam nicht überrascht, nicht enttäuscht. Eher wie eine Bestätigung eines Musters, das sie nicht zu benennen wusste. Noch nicht.

„Morraweib“, knurrte sie leise, ohne dass jemand in der Nähe war, der es hören sollte. Das Wort war kein Fluch. Kein Spott. Es war ein Prüfstein, gerieben zwischen den Zähnen.
Sie hätte sie längst brechen können. Mit einem Griff. Mit einem Fluch. Mit einem Dolch. Doch irgendetwas… irgendetwas an der Art, wie diese Gefangene nicht sprach, nicht trank, nicht schrie, hatte ihr den Zorn genommen und in etwas anderes verwandelt.
Nicht Mitleid. Das war ihr fremd, selbst nach dem, was im fernen Norden geschehen war. Fähig es zu spüren? Ja. Neigte sie dazu Mitleid zum empfinden? Nein.
Aber… Interesse.

„Zerrissen“, murmelte sie erneut, mehr zu sich als zu den Geistern. Und diesmal schwang ein anderer Ton mit – nicht das Grollen eines Fluchs, sondern das leise Sirren einer Nadel, die in Haut getrieben wird. Sie dachte an die Münze, die man der Gefangenen abgenommen hatte. Ein armseliges Ding, unscheinbar. Doch man trug keine Dinge wie dieses aus Not. Es war… verwurzelt. Und verwurzelt war wertvoll.
Ihre Finger zuckten leicht. Noch nicht. Aber bald. Sie knirschte mit ihren Zähnen, hart genug, dass ihr Kiefer knackte.
Und ich warte.
Auf ihn. Tat’ank’ka.
Sie hätte längst handeln können. Es lag in ihrer Hand. In ihrem Recht. Die Geister gaben ihr mehr Macht als jedem anderen in diesem Lager, wenn sie nur wollte. Und doch…
Er hatte gesagt, sie solle warten. Hatte nichts befohlen. Nur geblickt. Und sie hatte sich entschieden, nicht zu gehen.

„Verdammt seist du, Schwarzer“, zischte sie, trat einen der glühenden Scheite in die Grube zurück, dass Asche aufstob wie die Worte eines ungehörten Gebets. „Du bringst mich zum Zaudern.“
Die Knochen an ihrer Hüfte klirrten, als sie sich drehte. Ihre Schritte führten sie nicht zur Gefangenen zurück. Noch nicht. Sie würde schlafen. Oder es versuchen.
Aber der Gedanke an das, was sie mit dem Fluch in jener Seele berühren könnte – das ließ sich nicht abschütteln.
Wenn sie mehr als eine ist… dann wird Wahnsinn nicht brechen. Sondern teilen.
Und vielleicht… vielleicht würde sie dann endlich verstehen, was die Geister ihr über das Selbst nicht sagen wollten.
Sie knurrte ein letztes Mal, trat in die Nacht hinaus. Doch sie war nicht allein. Denn der Gedanke an die Münze ging mit ihr. Und der Wunsch, darin eine Tür zu öffnen.

Tat'ank'Ka
28.05.2025, 09:20
“Kesh!”, befahl der Schwarzork und deutete nur an, an der Kette zu ziehen. Der Troll grollte und gehorchte. Es hatte Tage gebraucht, um den jungen Troll Tav-Tav soweit gefügig zu machen, dass er sich an der Kette führen ließ. Widerstandslos und in Angst vor seinem Meister.
Seinem guten Meister, denn was er Tav-Tav an Leid zufügte und spüren ließ, das bekam der Troll auch an orkischer Zuneigung in Form von Fleisch, von Nahrung. Ja, sogar orkischen Wurzelschnaps bekam der Troll an einem Abend, um ihn das Leben unter seinem Herrn etwas ‘schöner’ zu machen. Der Schnaps hatte kaum Wirkung, aber schien zu schmecken. Schien einfach begreifbar zu machen - folge, höre und habe ein einfacheres Leben als Haustroll von Tat’ank’Ka. Weigere dich, zögere bei Befehlen oder wehre dich und du spürst den Zorn des Berserkers.

Vom Weiten wurden sie schon gesichtet. Orks standen auf den instandgesetzten, nördlichen Mauern von Setar. Das Tor - noch nicht ganz fertig, da orkische Tore dick waren und das Mauerwerk angepasst werden musste - wurde von einer beweglichen Palisade noch umgeben.
Tat’ank’Kas Jagdgesellschaft schritt hinter dem Häuptling und er selbst führte Tav-Tav mit der Kette in der einen Pranke und seinen Ripperspieß in der anderen voran.
Natürlich waren da nicht nur Karrek auf den Mauern und der Schwarzork genoss es, wie selbst die Seeorks diesen Fang anerkennen mussten und dass der Berserker den Troll unterworfen hatte.
Noch war der junge Troll nicht gänzlich gezähmt und verstand auch nicht genug Befehle. Aber das würde in ein paar Monaten anders sein.
Subat empfang die Jagdgesellschaft am frei gemachten Tor und grüßte seinen Häuptling.

“Alles wie befohlen erledigt. Proya hat ein Morraweibchen bei sich und ein paar Seeorks scheint das nicht ganz zu passen.”, sagte der schlacksige, große Orak.
“Wieso? Es ist doch wohl ihre Sklavin?”
“Sie hat sie beansprucht. Ich weiß nicht, was manche von ihnen aufbringt. Du solltest das klären, bevor es Ärger gibt, Kadan.”
“Zuerst bringe ich Tav-Tav in den Palast. Dann zu Proya.”, sagte der Schwarzork

Tat'ank'Ka
04.06.2025, 12:37
Es war ein Tumult vor dem Haus, an dessen Eingang Proya stand. Sie stritt wie eine wütende Raubkatze mit zwei Seeorks.

“Was ist hier los!”, knurrte der Schwarzork und musterte die zwei Orkkrieger der Seeorks. Anständige Rüstungen und Waffen. Kampferprobte Gestalten. Sicher schon auf dem Festland im Dienst des Imperiums gewesen.
Proya zeigte auf die beiden und meinte, dass sie ihre Sklavin beanspruchten.

“Ist das so?”, fragte der Kadan der Karrek.
“Es ist kein Beanspruchen! Wir wollen die Sklavin nur in der Nacht, wenn sie sie nicht braucht.”, sagte der eine. Gorbag zog die Augenbrauen hoch, während Tat’ank’Ka emotionslos auf die beiden blickte. Dann schob er Proya weg und blickte in das Haus um die Sklavin zu begutachten.

Eine Dunkelmorra. Ausgemergelt und schwach in den Augen des Schwarzorks. Proya hatte sich bestimmt schon an ihr ein wenig ausgetobt. Dann trat er wieder hinaus.

“Was wollt ihr mit der Dunkelmorra? Sie wird für euch doch keine Arbeiten in der Nacht machen. Sie gehen kaputt, wenn sie nicht schlafen dürfen.”, meinte der Berserker und blickte zu Gorbag. Natürlich ahnten sie was, wollten es aber wirklich hören.

“Es ist egal ob sie schläft oder nicht. Hier sind keine Mushga! Wir nehmen die Sklavin. Wir geben Proya Anout eine Entschädigung, wenn sie kaputt geht. Das doppelte, was man früher gab.”, sagte der andere Orak und sorgte dazu, dass Tat’ank’Ka nur schnaubte. Fragend wurde er von den Dreien angeblickt.

“Wir mischen uns nicht mit ihnen.”, knurrte er wie ein Khaz. Proyas Mimik bestätigte es, während die Orkkrieger fast empört schienen.
“Das ist nur eine Morra. Kriegsherr Molotow hatte nie etwas dagegen, wenn wir sie danach umgebracht haben. Die Mannschaft hat Druck, Kadan der Karrek.”
“Wir mischen uns nicht mit ihnen. Es entsteht eine schwache Brut, die den Schöpfer beleidigt. Wir mischen uns nicht mit ihnen!”, sagte er deutlich.
“Das beleidigt uns! Der Kriegsherr von Setar erlaubt es! Der Kadan der Karrek hat das nicht zu bestimmen.”, zürnte einer der Orks und griff an seine Waffe. Sich nicht gewahr, was er da gerade provozierte. Gorbag schüttelte den Kopf und knurrte auf. Er hielt sein Schwert nun auch schon bereit.

“Ich bin der Kriegsherr von Setar. Molotow darf es auch sein! Aber hier ist mein Bereich und Proya gehört mir. Ihre Sklavin gehört mir. Wenn du meinen Besitz beanspruchst, dann fordere mich heraus. - Oder steck deinen beleidigten Stolz in den Arsch deines Kameraden. Wenn du noch einmal vor meinen Augen zur Waffe greifst und mich so anblickst, dann stirbst du durch meine Pranken.”, drohte der Berserker und schüchterte beide Orak ein.
Sie gingen und würden wohl Molotow bescheid sagen. Gut so.

“Sie haben schon damals Morraweibchen benutzt. Es war nicht mal ein Geheimnis.”, sagte Gorbag und spuckte aus.

“Sie erlauben sich zu viel. Es wird Zeit zu zeigen, wer das Sagen hat. Proya - Was ist das für ein Morraweibchen?”, fragte der Häuptling und hatte gerade selbst Lust, sich zu Vergnügen, wenn er Proya so ansah.

Proya Anuot
04.06.2025, 15:59
Proya hatte sich längst wieder aufgerichtet, der Griff ihres Speers in der Hand, nicht drohend, aber anwesend. Wie sie selbst.
Der Rauch aus ihren zerdrückten Kräutern hing ihr noch in den Haaren, der Zorn in den Falten des Rocks. Und als Tat’ank’Ka sich endlich abwandte, als die Seeorks verschwanden wie die stinkenden Schuppen eines faulenden Reptils, da war sie nicht erleichtert. Nur wütend.
Wütend darüber, dass sie hatte warten müssen. Dass sie dastehen musste wie eine Händlerin auf dem Markt, die ihre Ware verteidigte, während gierige Krallen danach tasteten.

„Was das für ein Morraweibchen ist?“ wiederholte sie spöttisch und trat einen Schritt näher, den Blick auf ihren Häuptling gerichtet, aber nicht unterwürfig. Ihre Stimme war schneidend wie Feuerstein.
„Eines, das sich nicht zerreißen lässt. Noch nicht. Kein Winseln, kein Betteln, nicht mal der Durst hat ihr das Rückgrat gebrochen. Sie ist...“
Ein kurzer Laut kam über ihre Lippen, etwas zwischen einem Schnauben und einem Lachen.
„...verstimmt. Und das auf mehr Weisen, als ich zählen kann.“
Sie trat näher an das Feuer, rammte das untere Ende ihres Speers in den Boden, sodass die Knochensplitter daran klirrten. Ihre nächste Aussage war für ihn allein:
„Ich habe beschlossen, sie nicht zu töten.“
Ein Schlag gegen die alte Proya. Doch sie wich nicht zurück.
„Noch nicht.“

Sie beugte sich etwas nach vorn, das rötliche Licht des Feuers tanzte auf ihrem Gesicht, zeichnete die Tätowierungen um Mund und Stirn schärfer.
„Ich will wissen, was in ihr lebt. Da sind zu viele Stimmen für nur eine Seele. Sie ist... ein Konstrukt. Ein Gefäß. Vielleicht eine Ruine. Vielleicht eine Waffe. Ich werde es herausfinden.“
Dann richtete sie sich wieder auf. Der Zorn war nicht fort – er hatte nur Form angenommen. Wie glühender Stein, der abkühlt, aber nicht seine Wucht verliert.

„Und wenn dein Blut kocht, Kadan...“ – sie ließ den Blick offen über ihn gleiten, über Schultern, Brust, Kiefer – „...dann nimm, was deines ist. Aber dieses Weibchen gehört jetzt mir. Fürs Erste.“
Sie drehte sich halb ab, nur um sich im selben Atemzug wieder zu ihm zu wenden, ihre Stimme jetzt tiefer, kehliger, fast ein Schnurren:
„Oder brauchst du, dass ich dir den Ritus in Erinnerung rufe?“
Ein leichtes Schmunzeln zuckte über ihre Lippen, kein echtes Lächeln – eher eine Bewegung, wie sie Eiswölfe zeigen, wenn sie ihre Zähne offenbaren, nicht zum Angriff, sondern zum Spiel.
„Denk daran, Schwarzer… die Geister mögen mich gewählt haben – aber mein Fleisch gehört immer noch mir.“
Dann wandte sie sich ab, ließ den letzten Blick über ihre Schulter gleiten – kein Blick der Einladung. Ein Versprechen, dass sie nicht flieht, wenn er folgt.
Im Schatten des Eingangs blieb sie stehen, ihre Finger strichen über das grobe Leder am Gürtel. Dort, verborgen, lag die Münze der Dunkelmorra.
Sie fühlte sich warm an.

Tat'ank'Ka
05.06.2025, 20:37
Der Schwarzork begutachtete die Schamanin. Gierig darauf, sie niederzuringen und zu nehmen. Im Gegensatz zu seinen Orkweibern mochte sie kein Leben in sich wachsen lassen. Aber dafür wehrte sie sich viel mehr, war aktiver und hatte auch gefallen daran. Vor allem, wenn der Berserker unersättlich war.

Es war nicht so, dass er sie sich nahm, wann immer es ging. Es war viel mehr so, dass es seltene Gelegenheiten gab und er sich von ihr reizen ließ und auf dieses Spiel einließ. Seine Orkweiber waren da viel zu gefügig mit der Zeit geworden.

Gerade war er dabei Gorbag weg zu schicken und sich Proya vorzunehmen, da tauchte die älteste Saat seiner Lenden auf.
Zasa war eine Tochter wie es sich ein Orak wünschte.
Stark genug um nicht die Beute eines jeden Orakai zu werden. Gefährlich, weil sie viel von ihrem Vater gelernt hatte. Schlau, weil sie von Proya lernte. Und schön wie sein erstes Orkweib, das durch die verdammten Echsenwesen starb. Sie hätte Tat'ank'ka sicher noch ein paar Kinder wie Zasa geschenkt.

“Vater! Meisterin!”, grüßte sie die beiden und blickte interessiert in den Raum. Schaute neugierig nach der Dunkelmorra.
“Ich habe noch nie so eine gesehen. Sind sie anders als die mit der hellen Haut?”, fragte Zasa und strich ihre aschschwarzen Haare zur Seite.

“Nein. Es ist wie bei uns. Manche haben kleine Vorteile und manche Nachteile. Aber sie können sich mischen. Dunkelmorras sind sture Sklaven und gute Krieger.”, erklärte er seiner Tochter. Die nickte und blickte dann auf.

“Die Seeorks sind in Aufruhr. Sie sind wütend und haben mich wie eine Mushga angesehen. Alles wegen ihr?”, fragte Zasa.
“Die zwei Orakai, die hier waren, wollten sich mit ihr mischen, Zas'ana'ka ”, erklärte Gorbag. Er wählte immer ihren Geburtsnamen.

“Und dann wollen sie dasselbe mit einer Oraka machen? Widerlich.”, zischte Zasa und blickte ihren Vater an.

“Ich kläre das mit Molotow. Wenn sie wieder hier auftauchen, Proya. Dann darfst du ihnen wehtun. Töten sollst du sie aber nicht. Komm, Zasa! Du sollst lernen wie man sowas klärt.”, wies der Schwarzork an.

Proya Anuot
06.06.2025, 04:27
Ein Laut entfuhr ihr – kehlig, kurz, wie der Knall eines zerbrechenden Knochens im Feuer. Kein Lachen. Kein Grollen. Etwas dazwischen.
„Dann werde ich ihnen etwas zeigen, was sie nicht vergessen“, sagte sie trocken und streckte dabei die Schulter, an der ihre Knochenschnüre befestigt waren, bis das Leder spannte.
Der Blick, den sie Tat’ank’Ka zuwarf, war weder bittend noch trotzig. Es war der Blick einer Frau, die sich ein Leben lang genommen hatte, was sie wollte – bis auf eines. Und selbst das hatte sie sich in Splittern zurückgeholt.
„Du bringst mir deine Tochter, damit sie lernt. Gut“, murmelte sie, wobei ihre Stimme kaum mehr als Rauch war.
„Aber dann soll sie auch sehen, dass die Regeln sich biegen lassen, wenn man weiß, wie man sie heiß macht.“
Sie trat an Zasa heran, musterte sie nur flüchtig – sah die Ähnlichkeit, den Trotz, die Stärke.
Ein gutes Mädchen. Noch roh. Noch nicht gefährlich. Aber wachsend.
„Wenn die Orakai kommen, zähmen wir ihren Stolz. Wenn du zusiehst, Zasa, dann lernst du nicht, wie man verhandelt – sondern wie man prägt.“
Dann wandte sie sich ab, trat einen Schritt in Richtung der Hütte, wo die Dunkelmorra noch immer lag – unberührt, aber nicht vergessen.

Ein Teil von ihr hatte sich bereit gemacht. Der Körper, heiß vom Blick des Häuptlings, das Blut, noch wild von der Auseinandersetzung. Sie hätte ihn genommen, hier, auf dem kalten Steinboden, unter dem Blick der Geister.
Doch ein anderer Hunger brannte in ihr. Tiefer.
Proya legte die Hand an den Gürtel, spürte die Rundung der Münze. Die Wärme war geblieben. Vielleicht war es auch ihre eigene.
Sie spuckte zur Seite, scharf.
„Ich mache sie mir nicht zu eigen, um sie zu teilen.“
Sie sagte es nicht zu Tat’ank’Ka. Nicht zu Zasa. Sondern in den Stein. In die Nacht. In die Erinnerung.
Dann zog sie den Vorhang der Hütte zurück.
Und verschwand im Halbdunkel.

Doch sie würde nicht lange dort bleiben. Die Geister hatten begonnen zu flüstern.
Und das Ritual war nah.
Die Dunkelmorra atmete noch. Kaum hörbar, aber gleichmäßig. Nicht gebrochen, nicht verrückt. Noch nicht.
Proya hatte sie lange angesehen. Kein Wort gesprochen. Keine Geste gemacht. Nur beobachtet – wie ein Sturm, der sich am Horizont zusammenzieht. In ihrer Hand lag die Münze, klein, schwer, von fremdem Metall. Die Adern ihrer Finger pulsierten darum, während ihr Blick immer wieder über die rissigen Lippen der Gefesselten glitt.
Die Geister sagten wenig.
Das war das Erschreckende.
Normalerweise kreischten sie bei solchen Seelen, bei solchen Rissen. Aber hier... sie warteten. Fast so, als wollten sie selbst sehen, was geschah, wenn man einen Fluch in ein bereits zersplittertes Gefäß goss.
Proya hatte bereits vorbereitet, was sie brauchen würde – eine Mischung aus Aschenmoos, getrocknetem Blutgrün und der bitteren Rinde des Bruchbaums. Alles wartete, ordentlich aufgereiht neben dem Feuer in der hintersten Ecke des Zeltes. Doch das Ritual war nicht für jetzt.

Sie wollte, dass er es spürte, wenn sie es tat. Dass Tat’ank’Ka den Moment kannte, in dem sie wirklich etwas Wertvolles für den Klan tat – nicht nur Blut, sondern Wissen barg.
Mit einem letzten Blick auf die Gefesselte trat sie zurück, band die Münze in ein Stück gegerbtes Tuch und knotete es an ihren Gürtel.
Draußen war es dunkler geworden. Das Lager war ruhiger, aber nicht still. Rauch und Schweiß hingen in der Luft wie schwere Decken. Als sie den Vorhang zurückschob, trat sie ins Freie – nackt bis auf den Schamanenrock, der mit Knochen und Metallringen geschmückt war, das Ritualspeerholz in der Linken, locker gehalten.
Sie roch sie, bevor sie sie sah.
Die beiden Seeorks standen seitlich vor dem Zelt, so nahe an der Wand, dass man meinen konnte, sie wollten hineinhören.
Proya blieb stehen. Der Rauch der Feuer ließ ihre Silhouette flackern, der Schweiß auf ihrer Haut glänzte im fahlen Licht. Sie sagte nichts.
Der erste von ihnen trat einen Schritt vor.

„Schamanin“, begann er – die Stimme kratzig von selbst unterdrücktem Hecheln. „Du hast deine Belohnung gehabt. Der Kadan hat gesprochen. Aber wir... wir haben Druck. Verstehst du?“
Der zweite grinste schief, seine Hauer blitzten. „Es ist doch nur eine Morra. Du brauchst sie gerade nicht, oder? Wir wären vorsichtig. Ehrenhaft. Und zahlen gut.“
Der erste hob die Hände. „Es wäre uns eine Ehre, Schamanin.“
Sie rührte sich nicht.
Dann trat sie langsam näher. Ihr Blick war starr auf ihre Füße gerichtet, doch ihre Stimme, als sie sprach, war so kalt, dass selbst das Feuer hinter ihr flackerte.

„Wisst ihr, was ein Seelenschnitt ist?“
Die beiden schauten sich an. Einer grinste noch, etwas verunsichert. Der andere nickte zögerlich.
„Ein Zeichen der Geister. Eine Wunde, die nicht blutet, aber Narben in der Tiefe hinterlässt.“
Sie hob den Kopf. Ihre Augen waren jetzt schmal, wie die eines Raubtiers, das das Spiel beendet.
„Ich könnte euch einen verpassen. Nur klein. Eine Markierung. Damit jeder weiß, dass ihr versucht habt, mich zu entweihen.“
Der Zweite trat zurück, als hätte ihn etwas gestochen. Der Erste jedoch hob beschwichtigend die Hände.
„Wir meinen keine Respektlosigkeit...“
„Ihr meint gar nichts“, schnitt sie ihm das Wort ab.
„Ihr seid wie Eber mit Gift in den Lenden. Und ihr habt nicht begriffen, wem ihr ins Zelt gepisst habt.“
Der Speer schnellte in ihre Hand, wurde herumgerissen, dass die Knochensplitter daran klirrten. Nur eine Bewegung – aber so schnell, dass der eine Seeork zurückstolperte und fast ins Feuer fiel.
Sie trat näher, das Gesicht jetzt eine Maske aus Ritualfarbe und blankem Grimm.
„Einen weiteren Schritt – und ich brenne euch die Namen aus den Knochen. Dann sehen wir, ob Molotow noch weiß, wie ihr heißt.“

Ein langer Moment.
Dann zogen sie sich zurück. Erst der eine, dann der andere. Kein Wort. Kein Blick. Kein Stolz mehr. Nur Schweiß und Reue und der Geruch von unterdrückter Angst.
Proya spuckte aus. Der Speer ruhte wieder locker in ihrer Hand.
Sie wartete, bis die Nacht sie ganz verschluckt hatte.
Dann kehrte sie zurück ans Feuer.
Und nahm die Münze in die Hand.

Chala Vered
06.06.2025, 04:35
Die Zeit floss nicht mehr.
Sie tropfte.
Langsam, zäh, wie Harz aus einem aufgebrochenen Baum.
Ein Tropfen…
…ein Atemzug.
Ein weiterer…
…und der Schmerz kroch von der Seite in den Rücken, dann in den Nacken, als wäre er nicht verletzt, sondern müde geworden.

Sie hatte versucht, die Muskeln zu lockern. Hatte das Gewicht der Fesseln verlagert, mit kleinsten Bewegungen, die niemand sah.
Doch ihre Arme schmerzten wie ausgezehrte Äste, und das Leder an ihren Handgelenken roch nach fremden Händen.
Nicht ihren.
Nicht sauber.
Nicht warm.

Die Schulter sollte entlastet werden. Diese Haltung fördert Einblutungen, murmelte Sorgfalt, aber selbst sie klang nicht mehr wach, sondern geisterhaft – wie ein Echo aus einer Tiefe, die langsam mit Erde zugeschüttet wurde.
Wir haben schlimmeres überstanden. Hafenviertel. Varant. Die Sache mit den Würmern im Nordosten? Hah… das hier ist bloß Stillstand, meinte Exzentrik, als hätte sie vergessen, dass sie einst dafür gebrannt hatte, den Körper zu bewegen, zu tanzen, zu verführen. Jetzt wirkte selbst ihre Stimme wie ein Flüstern aus der Kehle einer alten Glut.
Wir müssen trinken… irgendwann. Sonst wird der Körper das Denken abschalten, ob wir wollen oder nicht, warnte Empathie – sanft, aber mit einem Riss in der Stimme, der verriet, wie nahe sie daran war, selbst zu zerfallen.

Nein.
Narzissmus war noch da. Hart wie gebrochener Stahl.
Wir trinken, wenn wir entscheiden, zu trinken. Nicht vorher. Nicht, wenn sie es will.
Die Luft im Zelt war dick. Rauch lag darin. Und etwas Bitteres – wie zerdrückte Blätter, die keine Nahrung mehr versprachen.
Jemand war hier gewesen.
Sie hatte nichts gesehen, aber… gespürt.
Ein Blick. Ein Gewicht.
Als würde man sie nicht nur ansehen, sondern zählen.
Nicht nach Gliedmaßen.
Sondern nach Stimmen.

Und dann – von draußen:
Ein Laut.
Rauh. Hart. Fremd.
Kein Wort, das sie kannte.
Aber etwas darin zuckte durch den Stoff des Zeltes wie ein Windstoß aus Schatten.
Mehrere Stimmen. Männlich. Tiefer.
Dann eine andere.
Weiblich. Schneidend.
Schnell.
Worte wie Klingen. Wie… Knochen, die aneinanderschlugen.
Und etwas, das klirrte.
Nicht Metall.
Etwas anderes.
Vertrauter.
Knochenschnüre?

Sie ist wieder da, flüsterte Naivität.
Ich… ich will nicht, dass sie uns bricht…
Dann lassen wir es nicht zu, sagte Narzissmus.
Sie wird uns ansehen. Sie will etwas von uns. Das heißt, wir haben etwas, das sie braucht. Und solange wir das haben… gehören wir nicht ihr.
Doch selbst diese Worte trugen nun Schweiß in sich.
Hitze in der Stimme.
Müdigkeit.

Ein Muskel in Chalas rechtem Bein begann zu zucken.
Nicht aus Schmerz.
Nicht aus Trotz.
Nur, weil er nicht wusste, ob er noch gebraucht wurde.
Dann spürte sie es.
Keine Bewegung. Kein Gewicht.
Nur die Leere.
Die Tasche war nicht mehr da.
Schon lange nicht mehr.
Aber…
…etwas fehlte.
Etwas, das vorher bei ihr gewesen war. Immer.
Ohne, dass sie es bewusst überprüft hatte. Ohne, dass sie je nachgesehen hätte.

Die Münze.
Sie ist fort, stellte Sorgfalt fest.
Keine Panik. Keine Wut.
Nur eine nüchterne Feststellung.
Sie wurde uns genommen. Vermutlich von ihr. Wir wussten, dass es so kommen könnte.
Vielleicht bringt sie sie zurück. Vielleicht will sie… wissen, was es ist, flüsterte Empathie – fast hoffend.
Es ist unser Schmerz, der darin liegt. Und unsere Schuld. Wenn sie ihn haben will, soll sie ihn tragen, knurrte Narzissmus.
Chala öffnete die Augen nicht.
Sie musste nicht sehen.
Nicht jetzt.
Sie wusste, dass etwas kommen würde.
Kein Schlag.
Kein Wasser.
Etwas Tieferes.
Und sie würde bereit sein.
So wie man bereit ist, wenn das eigene Herz schlägt, obwohl man längst aufgehört hat zu glauben, dass es das noch kann.

Tat'ank'Ka
19.08.2025, 12:15
Tat’ank’Kas Faust donnerte auf den Tisch. Molotows Elietkrieger gingen an ihre Waffen und Gorbag an die seine. Zasa beobachtete reglos, während Molotow kurz aufgeschreckt war, es sich dann aber auf seinem Sitz wieder bequem machte.

“Molotow! Deine Krieger beanspruchen meine Beute! Sie wollen eine Dunkelmorra als Mushga benutzen und beleidigen meine Schamanin. Sie sagen, du seist der einzige Kriegsherr von Setar! Wir haben was zu klären, Molotow!”, sagte der Schwarzork laut und deutlich.

Molotow zog die Augenbrauen zusammen und erhob sich. Er hob die Arme fast schon beschwichtigend und trat an Tat’ank’Ka.

“Tat’ank’Ka - Kadan der Karrek. Meine Krieger sind wie deine Krieger. Kampfeslustig, gierig nach Fleisch und frech zu den Varrag. Das sie dich nicht als deinen Kriegsherrn ansehen, beruht auf Gegenseitigkeit. Deine Orakai grüßen mich auch nicht angemessen. Sag mir. Wie lösen wir das Problem?”, sagte Molotow. Der alte Seeork versuchte es also auf dieser Tour.

“Indem sie daran erinnert werden, dass das Oruk und unsere Abmachungen gelten. Indem sie wissen, dass die Dinge gleichberechtigt nach Rang und Namen sind, solange beide Seiten liefern, was versprochen wurden. Die Karrek versorgen euch und ihr baut. Das funktioniert Pranke in Pranke. Es sind deine Krieger die aber zeigen, dass sie sich wie Orkhunde benehmen! Wollen Morras besteigen! Widerwärtig! Wie sollen meine Orakai dies respektieren!?”,, sagte der Schwarzork und wurde laut. Das war seine Taktik.

“Solange sie die Morra-Mushga danach töten und den Besitzer entschädigen, ist nichts dabei, Tat’ank’Ka! Das dürften selbst deine Orakai so sehen. Du willst doch nicht wegen einer Morra einen Streit beginnen!? Ist dein Herz so weich geworden, Berserker von Khoro?!”, fragte Molotow bewusst.

“Weich wird nur der Geist, der sich nicht an das Oruk hält! Ich will keinen Streit, Molotow! Ich bin nicht so dumm wie die Kriegsherren des Imperiums! Ich will Ordnung und Gerechtigkeit. Ich will, dass wir ehrenhaft bleiben, wie es unsere Ahnen waren und unser Orkkönig nun ist! Nicht wie sein Vorgänger!”, provozierte der Häuptling der Karrek. Er wusste, dass unter den Seeorks manche waren, die den neuen Orkkönig weniger schätzten oder sogar Kan treu ergeben waren. Diese Spannungen waren auch Molotow bewusst und es schien, als ob er dafür eine Lösung suchte. Das Molotow Kan einst ergeben war, war bekannt. Das er Brosh die Treue schwor - auch. Doch für wen schlug sein Herz? Das war ein Geheimnis.

“Gerechtigkeit und Ordnung, hmm? Ich muss sagen, dass ein Streit wegen einem Morraweib so ziemlich das Dümmste wäre, weswegen die Orks sich jemals den Schädel eingeschlagen haben. Was schlägst du vor? Ich will meine Orakai ruhig halten, bis unsere Feinde kommen. Du sicher auch. Es gibt aber Spannungen und manche Orakai haben Druck. Selbst der große Tat'ank'ka hat das auf dem Festland sicher einmal genutzt!”, sagte der Seeork.

“Aber nicht an Morraweibern. Das ist falsch. - Ich stimme Molotow aber zu, dass Spannungen herrschen, Kadan. Das will ich einzig sagen, Kadan.”, sagte Gorbag und überließ Tat'ank'ka seinen Gedanken.
Der Schwarzork blickte zu seiner Tochter.
“Keine der Karrek wird zur Mushga. Fast jede hat ihre Kinder und ihren Orak. Und die, die sie nicht haben, haben das Wort und den Schutz des des Kadan niemals so zu enden.”, sagte sie deutlich und blickte selbstbewusst Molotow an.

“Ich habe eine Lösung für diese Mushga Sache. In den Sümpfen und Bergen gibt es hier noch die Reste der Knochenbrecher. Ihre Weiber sollen eure werden, wo immer wir sie finden. Das wird deine Orakai motivieren sie mit uns zu jagen.”, sagte der Berserker. Molotow stimmte zu.

“Die Spannungen bauen wir in der Arena ab. Traditionelle Kämpfe zwischen Oraks. Und Sklavenkämpfe, wenn die Morras zu nichts anderem taugen. Ihr habt vier Morras und wir schon fünf Sklaven. Was denkst du? Besser zwei Orak, die sich der Ehre wegen den Schädel einschlagen, wie alle. ”, schlug Tat'ank'ka vor. Er mochte manche Orak der Seeorks nicht. Sie blickten seinen Stamm so an, wie damals die Nordlandeorks die Orks von Khoro. Als minderwertig oder primitiver. Aber um auf dieser Insel zu überleben und sogar wieder Teil des Imperiums zu werden. Dafür wollte er den Frieden wahren.

“Ja! JAA! - Aber die Sache mit der Dunkelmorra regeln wir zuerst. Sie soll antreten! Bis zum ersten Blut. Verliert sie, bekommen sie meine Orakai. Gewinnt sie, hat sie sich ihr Sklavendasein vorerst verdient. So wahrst du dein Gesicht und ich meines. Es macht schon die Runde und wenn selbst meine Elitekrieger das zum Thema machen, dann muss das eine Lösung finden. Der Schöpfer entscheidet. Was sagst du, Kadan der Karrek?”, fragte Molotow.

Kurz schaute er zu Gorbag. Der empfand wohl wie er. Ein Morraweib zu so einem Thema machen war unnötig. Ein Politikum, dass für Orks niemals Thema sein sollte.
Des Frieden Willens sollte es dann geschehen. Ablenkung, die Wahrung des Gesichts und Ruhe nach dieser Sache. Selbst wenn er damit Molotow diesen Blödsinn mit einer Morra-Musgha zugestand.
Der Schöpfer sollte entscheiden und wenn sie zuerst bluten würde, wäre eine tödliche Wunde doch im Sinne des Schwarzorks. Dann verloren die Gewinner.

“Gut! Die Dunkelmorra wird gegen einen Sklaven von euch kämpfen. Gewinnt sie, wird es mein Sklave. Gewinnt dein Sklave, dann gehört sie dir und du verfügst über ihr Leben. Das sind meine Bedingungen.”, sagte der Häuptling.
“Abgemacht!”
“Abgemacht! In einer Stunde in der Arena!”, sagte Tat’ank’Ka und brach direkt mit Gorbag und Zasa auf.

Etwas später waren sie dann bei Proya.

“Ich befehle es dir, Proya! Es wird den Frieden wahren. Wenn die Dunkelmorra überlebt, dann hat der Schöpfer entschieden. Danach kannst du sie dann wieder verwenden. Seh es als Experiment, ob sie da wirklich so ein jämmerlicher Haufen ist. Und schau mich nicht so an, Weib! Jeder Karrek ist zehnmal mehr wert wie das Leben dieses Morraweibes! Noch müssen wir schlau sein und diese Seeorks im Auge behalten. Wenn Brosh dar Urkma hört, dass wir es sind die hier auf Argaan sind. Dann schickt er uns seine besten Krieger, die verbliebenen Krushak-Clan Leute und hoffentlich auch Berserker von Khoro. Diese Seeorks. Molotow. Er hat sie nicht ausgeschickt, um Erfolg zu haben. Schau sie dir genau an. Erinnere dich wo die Seeorks waren, als Kan starb. Als die Statthalter sich bekämpften. Noch sind sie in der Überzahl und noch brauchen wir sie, um Setar zu halten. Aber kommt Verstärkung vom Imperium, dann weiß ich jetzt schon, was Brosh dar Urkma mir und dir und Gorbag befehlen wird. Spielen wir mit. Aber zeigen wir ihnen auch, dass jeder Karrek mindestens zwei Seeorks wert ist. Ich erwarte von dir und von dir, dass ihr genau so denkt und handelt. Das heißt für dich auch, Proya, dass du die anderen Schamanen aus dem Spiel bringst. Molotow wird sicher mindestens einen haben, der Einfluss auf den Rest hat. Du musst es auch und noch mehr. Verstanden!? - Gut. Zasa! - Hol die Dunkelmorra. Proya und du macht sie bereit für den Kampf. Gorbag! Lass alle verfügbaren Krieger sich in der Arena versammeln. Sie sollen zeigen, wer die wahren Orakai sind!”, befahl der Schwarzork und ging los. Auch er als Kadan hatte sich entsprechend zu zeigen.

Proya Anuot
19.08.2025, 19:48
Sie sagte nichts. Nicht sofort.
Tat’ank’Ka hatte gesprochen, hatte mit Donner in der Stimme seinen Willen erklärt, hatte sie in einem Atemzug als Schamanin und Werkzeug bezeichnet. Und dann war er gegangen – wie ein Sturm, der sich nicht entschuldigte, wenn er Dächer abriss.
Die Knochen an ihrem Gürtel klirrten. Ihre Kiefer mahlten.
Er gibt sie her wie ein Jagdtier. Für einen dummen Tanz auf Blut und Sand.
Er will sie brechen, damit andere Ruhe geben. Und ich soll zusehen, wie sie zerspringt, bevor ich weiß, wie sie funktioniert.
Proya trat näher ans Feuer, starrte in die Flammen, die dort hochzüngelten wie die Stimmen der Geister. Kein Wort von ihnen. Kein Zeichen. Nur Hitze.
Dann schleuderte sie ein Bündel trockener Kräuter hinein, die sofort zischten und grün aufloderten, als wollten sie protestieren.

„Zuerst wie Vieh behandelt… dann wie ein Spielzeug verschenkt...“, knurrte sie und trat gegen einen Holzscheit, dass glühende Splitter in die Dunkelheit flogen. „Und jetzt soll ich sie zurechtputzen, damit die Seeorks sich einen auf ihren Kampf wichsen können!?“
Sie spuckte aus. Hart. Bitter.
Zasa stand noch da, wartete auf das, was sie sonst nie zu hören bekam: Widerstand. Doch sie bekam ihn nicht offen – denn Proya war kein Kind. Und sie wusste, was auf dem Spiel stand.
„Gut“, zischte sie, ohne die junge Oraka anzusehen. „Dann machen wir sie kampffähig. Aber wenn sie stirbt, bevor ich sie entblättern kann, bevor ich verstehe, was da in ihr kreucht...“ – sie drehte sich zu Zasa, die Hände zu Fäusten geballt – „...dann wird der nächste, der mir meine Spielzeuge stiehlt, lernen, was eine Seelenspaltung ohne Rückweg bedeutet.“
Ein Moment Schweigen.

Dann ein raues, schabendes Lachen, das nur kurz aufflackerte. Kein echtes Lachen. Mehr ein Ventil.
„Geh. Hol sie. Ich werde sie aufrichten. Wenn sie fällt, dann aus eigenem Versagen. Nicht, weil ich sie nicht vorbereitet habe.“
Als Zasa ging, blieb Proya noch einen Moment stehen, das Gesicht dem Rauch zugewandt, die Finger an der Münze in ihrem Gürtel.
Du gehst in den Kreis, Dunkelmorra. Aber du gehörst mir. Und ich sehe, wenn du blutest. Ich sehe, wer von euch blutet.
Dann schritt sie zur Hütte. Und diesmal war der Schritt nicht rituell. Nicht suchend.
Sondern wie der eines Chirurgen, der weiß, dass das Messer bald auf Fleisch trifft.

Chala Vered
20.08.2025, 12:44
Es war kein Morgen, der kam, sondern ein Zustand zwischen Dunkel und Dämmerung, der sich wie eine feuchte Decke über ihre Haut legte. Der Körper war ein Konstrukt aus Schmerzlinien, in denen sich Erschöpfung wie Dornen verfing, und doch… sie lag nicht mehr. Sie saß. Irgendwann hatte sich der Winkel ihrer Schultern verändert, hatte sich der Druck der Fessel an den Handgelenken verschoben, das Ziehen in der Seite war dumpfer geworden – ein Hintergrundgeräusch statt eines Aufschreis. Etwas hatte sich verändert. Der Dunst in ihrem Kopf war nicht mehr bleiern. Nur zäh.
Die Schritte, die sich näherten, waren keine der Schamanin. Nicht das Klirren von Ketten, keine knisternde Präsenz von Rauch und getrocknetem Moos. Diese Schritte waren jünger, fester, entschlossener. Eine kleinere Orkin. Kein Wort. Kein Zögern. Nur Hände, die nach dem Strick griffen, nicht nach ihr. Eine sachliche Geste. Als trüge sie kein Menschlein durch das Lager, sondern ein Werkzeug, das neu geschliffen werden sollte. Chala stand nicht von selbst – aber sie fiel auch nicht. Ihre Beine hielten, gerade so. Der erste Schritt war der schwerste. Nicht, weil der Schmerz ihn begleitete, sondern weil ihr Stolz ihn zu lange verweigert hatte.
Wenn du fällst, dann jetzt. Aber du wirst nicht fallen. Nicht vor ihnen, sagte Narzissmus tonlos, aber nicht ohne Feuer.

Sie wurde nicht gestoßen, nicht getrieben. Man ließ sie gehen. Vielleicht, um zu sehen, wie weit sie es noch allein konnte. Vielleicht auch, weil man wusste, dass alles, was jetzt kam, nicht mehr Flucht war – sondern Vorführung.
In der Hütte roch es nach Bitterkeit. Nach der Rinde des Bruchbaums, nach altem Schweiß und schwelendem Zorn. Die rothaarige Orkin war dort. Nicht reglos. Aber in sich gesammelt wie eine Schneide kurz vor dem Schnitt. Ihre Hände empfingen sie nicht. Sie begannen zu arbeiten. Ohne Vorrede, ohne Spott, ohne Gnade. Die Salbe brannte wie flüssiges Eisen in den Wunden, aber Chala zuckte nicht. Der Griff an ihrer Hüfte, als die Schamanin den Verband prüfte, war hart. Die Tinktur floss über ihre Haut wie bittere Erinnerung.
Sie will, dass wir halten. Nicht, dass wir heilen, bemerkte Sorgfalt nüchtern. Das hier ist keine Pflege. Es ist Instandsetzung.

Sie sprachen nicht, aber sie hörten einander. Die Hände der Orkin arbeiteten mit der Effizienz einer Frau, die gewohnt war, Werkzeuge zu zerlegen – und sie dann neu zusammenzusetzen. Und Chala ließ es geschehen. Nicht aus Schwäche, sondern aus Berechnung. Jede Bewegung war ein Test. Jeder Druck, jede Berührung ein Maßstab. Wenn die Schamanin wirklich wissen wollte, woraus sie gemacht war – dann sollte sie es spüren.
Das Wasser, das man ihr reichte, nahm sie ohne Widerworte. Es floss durch ihre Kehle wie kaltes Feuer, weckte Gewebe, die längst zu trocknen begonnen hatten. Sie trank nicht gierig. Nur schnell. Der Geschmack war scharf von Eisen und Ton. Doch er war echt.
Als sie fertig war, war es Chala, die zuerst stand. Nicht rasch. Nicht demonstrativ. Aber bewusst. Die Schamanin hatte ihren Teil getan. Der Rest lag bei ihr.
***
Die Arena war kein Ort, sie war ein Zustand. Ein Kreis aus Sand und Blicken. Kein aufgetürmter Bau, keine Zuschauerränge wie in den Städten der Menschen. Nur Stein, geschlagen und gelegt, damit Orks sitzen und gaffen konnten. Eine Erhebung über dem Lager, erhöht wie ein Richtplatz, doch geweiht nicht der Gerechtigkeit, sondern dem Spektakel.
Die grobschlächtigen Speere, die den Gang säumten, wurden nicht gehoben. Man ließ sie durch. Nicht aus Respekt – aus Neugier. Wie lange sie wohl stehen würde. Ob sie schreien würde. Ob ihr Körper schön fiel.
Der Sand war warm unter ihren Füßen. Trocken, krümelig, durchsetzt von dunklen Stellen, wo er sich mit etwas anderem als Erde vermischt hatte. Blut, vielleicht. Oder Asche. Der Himmel darüber war blass, als hätte selbst die Sonne nicht den Mut, dieses Spektakel mit vollem Licht zu segnen.

Chala ging nicht langsam, aber auch nicht schnell. Ihre Schritte waren funktional, kontrolliert, fast zu gleichmäßig für die Situation. Kein Zögern. Kein Stolpern. Ihre Schultern waren aufrecht. Ihre Hände leer – noch. Dann griff sie nach dem Griff von Wildkatze, dem vertrauten Leder, das trotz der Entbehrung nicht fremd geworden war. Sie zog das Schwert mit der Linken, spürte das Gewicht, das Spiel der Balance. Nicht so vertraut wie die Rechte, aber ausreichend. Sie hatte geübt. Immer wieder. Jede Drehung, jeder Wechsel war ihr nicht mehr fremd.
Wir töten, wenn es nötig ist. Und hier ist es nötig, knurrte Narzissmus.
Dann trat der andere ein.
Kein Ork. Ein Mensch. Groß, sehnig, aber ausgemergelt. Die Haut sonnenverbrannt, die Schultern knotig. Er trug einen Streitkolben, den man ihm wohl in die Hand gedrückt hatte wie einem Hund einen Stock. Nichts an ihm sprach von Bereitschaft. Alles von Resignation. Er sah sie nicht feindlich an. Nicht einmal prüfend. Nur wie jemand, der weiß, dass jeder Schritt in diesen Sand das Letzte sein könnte, das er bei vollem Bewusstsein tut.

Er ist ein Gefangener. Wie wir. Und doch ein Gegner. Und Gegner dürfen fallen, meinte Sorgfalt mit ruhiger Schärfe.
Kein Bedauern. Kein Zweifel, setzte Narzissmus nach. Wenn er lebt, dann, weil er uns trifft. Nicht, weil wir Gnade zeigen.
Chala hob das Schwert. Nicht über den Kopf. Nicht zur Parade. Sondern leicht schräg vor den Körper, bereit zur Abwehr. Und zum Schnitt.
Sie sah ihm in die Augen. Und er sah zurück. Nur einen Moment. Dann straffte er sich. Auch er war nicht hier, um zu sterben. Aber wenn es geschah, würde sie diejenige sein, die aufrecht stand.

Die Schreie der Orks ringsum verschwammen zu einem Klangteppich, dumpf, rhythmisch, fordernd. Wie ein Herzschlag des Kreises selbst.
Und als sich beide bewegten – langsam, tastend, wie Tänzer, die den Takt noch nicht kannten – war es kein Kampfbeginn, sondern ein Entschluss.
Sie würde kämpfen.
Mit allen Mitteln.
Nicht für sie. Nicht für ihn.
Sondern für sich.
Und wenn Blut fließen musste, dann würde es nicht ihres sein.

Tat'ank'Ka
21.08.2025, 12:38
Orks liebten Kämpfe und kämpften nicht selbst, so war der Wunsch, einen Kampf zu sehen, die beste Zerstreuung, die man einem Ork bieten konnte.
Tat’ank’Ka spürte die Atmosphäre, die Blicke, die Spannung und die Worte die zum Nebenork gesagt wurden. Es floss Wurzelschnaps, Fleisch wurde gegessen und kleine Wetten abgeschlossen. Aber auch die Gegenseite eingeschüchtert. War es im Imperium so, dass sich kleine Gruppen durch ihre Schärpen und Rüstungen von anderen Distanzierten, war es hier nicht anders. Die Karrek hatten sich herausgeputzt. Waffen mitgebracht, als würden sie selbst kämpfen wollen und lachten und blickten als Kollektiv zu den Seeorks. Diese hatten sich genauso herausgeputzt und gaben sich so wie Molotow nicht die Blöße. Er trug eine Plattenrüstung und seinen großen Umhang. Tat’ank’Ka indes hatte einen Büffelfellumhang um die Schultern und seine beiden Chaosäxte dabei. Ganz typisch Berserker war er leicht gekleidet und zeigte Narben vieler Kämpfe und Tätowierungen der Berserker. Er brauchte keine Prunkrüstung. Es genügte, da zu sitzen und mit einer Selbstverständlichkeit drein zu blicken, jeden Ork hier im Duell zu bezwingen.
Zu seiner Rechten saß Proya in Kleidung die jeden hungrigen Ork noch hungriger machte und zur Linken saß Gorbag als Hauptmann und engster Vertrauter Tat’ank’Kas. Zasa saß neben Proya. Sollte lernen, sollte beobachten. Wie Oraks außerhalb des Stammes dachten und tickten. Aber auch einfach die orkische Kultur erleben. Das war zehnfach mehr, wie die Ringkämpfe am Karrek. Der Vorkampf war zwischen der Dunkelmorra und einen Morra der Seeorks. Nichtig und uninteressant in Zeiten des Imperiums. Hier aber ein Kampf um die Gunst des Schöpfers und darum, wer doch Recht behielt.
Später in den Hauptkämpfen würden sich die Orakai austoben dürfen. Zeigen können was im Einzelnen steckte. Aber da konnten die Karrek alles gewinnen und doch hatte es nicht die Botschaft, wie nun.
Großes erwartete der Schwarzork von der Dunkelmorra nicht, aber dasselbe galt für den Morra mit dem Streitkolben. Es war ein Spiel, wo aus orkischer Sicht tatsächlich der Schöpfer seine Hand drüber hatte.
Der Kadan der Karrek mochte in der Haltung und den Stand der Dunkelmorra etwas sehen, was für eine gute Ausbildung sprach. Doch wie bei den Orks waren Morramännchen in der Regel stärker als die Weibchen. Einzig dass sie dazu noch ein Schwert führte, war womöglich ein Vorteil. Ein Streitkolben allein war tödlich wenn er traf - wenn er traf.

Molotow und Tat’ank’Ka hoben beide die Hand und senkten sie dann gleichzeitig schnell. Der Kampf begann.
Der Morra attackierte und jagte mit wuchtigen Schlägen die Dunkelmorra nach hinten. Orks brüllten los und wollten Blut sehen. Das Weibchen schlug den Streitkolben zur Seite und stach zu. Doch war sie nicht schnell genug, um direkt zu treffen. Nun griff sie an. Leichte Schläge, um zu testen wie gut ihr Gegner wirklich war.
Der ging wieder in den Angriff über, nachdem er einen Befreiungsschlag vollführte und machte sichtbar, dass seine Ausdauer nicht die beste war und er gegen das Schwert im Nachteil war.

Es war ein Zeichen Molotows an einen seiner Krieger, als dann der Morra einen Holzschild zugeworfen bekam. Das was Tat’ank’Ka von Anfang an dem Morra gegeben hätte. Der packte seine Gelegenheit und wehrte damit Hiebe ab, bevor er konterte. Die Dunkelmorra bekam Probleme, denn mit dem Schild war der Morra nicht so schlecht für seine Möglichkeiten.
In einem Moment da er sie fast hatte, wechselte die Dunkemorra den Schwertarm und überraschte ihren Gegner. Auch Tat’ank’Ka.
Der Morra schaffte es mit dem Schild noch Deckung zu finden und schlug dann mit dem Streitkolben gegen den Sand. Der flog und die Dunkelmorra nahm Distanz auf, um den Sand aus dem Gesicht zu bekommen.

Beide standen sich acht Schritte gegenüber und Tat’ank’Ka entschied, dass es wiede sorgerecht zugehen sollte.
“Gorbag! Dein Dolch für die Morra.”, befahl der Schwarzork. Gorbag rief der Dunkelmorra was in der Morrasprache zu und warf den Orkdolch auf den Boden der Arena. Beide Morras eilten dahin, doch war die Dunkelmorra schneller und hielt den Orkdolch wie ein Schwert. Für Morras war es wie ein grobes Kurzschwert.
“Und jetzt gewinn!”, knurrte Tat’ank’Ka sie auf orkisch an.

Chala Vered
21.08.2025, 20:05
Der Dolch war schwerer, als er aussah. Grob in ihrer Hand, aber nicht unbalanciert – mit einer Härte geschmiedet, die keine Eleganz kannte. Der Griff war rau, in Leder gewickelt, vom Gebrauch geschwärzt. Kein Werkzeug für feine Schnitte. Ein Keil für klaffende Wunden. Chala hob ihn, spürte das Gewicht – und akzeptierte es. Nicht als Gabe. Nicht als Gnade. Als Waffe.
Sie hatte ihn nicht erbeten. Aber jetzt gehörte er ihr. Und das bedeutete, er konnte töten.
Ihr Gegner stand nicht weit entfernt. Auch er hatte den Dolch gesehen, hatte sich in Bewegung gesetzt – aber zu spät. Ihre Reaktion war schneller gewesen, ihre Beine wendiger, der Wille zum Vorstoß fester verankert. Jetzt stand sie da, den Dolch in der Rechten, Wildkatze weiterhin in der Linken, und spürte, wie die Rufe der Menge nicht mehr wie Donnerschläge klangen, sondern wie das Brodeln unter einer Haut, die kurz vor dem Aufreißen stand.

Zwei Waffen. Zwei Hände. Und ein Moment, der uns gehört, flüsterte Sorgfalt, beinahe andächtig.
Zeigen wir ihnen, dass wir nicht nur überleben. Zeig wir ihnen, dass wir wählen, wer fällt, knurrte Narzissmus.
Sie warf einen Blick zu den Rängen. Kurz. Genug, um zu sehen, wie Blicke flackerten. Der große schwarze Ork brüllte ihr etwas zu, stand wie ein Fels zwischen aufgedunsenen Männern mit zu viel Rüstung und zu wenig Rückgrat. Und daneben – die Schamanin. Regungslos. Doch Chala spürte den Sog. Dieses Rufen, das nicht laut war, aber in ihr vibrierte wie ein Saitenton. Als wolle die Schamanin jede Bewegung verschlingen, analysieren, sezieren.

Der Kerl vor ihr bewegte sich wieder. Langsamer jetzt. Vorsichtiger. Die Sandwolke hatte ihn nicht gerettet, aber ihr einen Moment geraubt. Und er wusste, dass sie zurück war. Nicht taumelnd, nicht tastend. Bereit.
Sie ließ ihn kommen. Zwei Schritte. Drei. Der Streitkolben zu hoch geführt – ein Reflex, keine Strategie. Der Schild lag tief, zu tief, und das war sein Fehler. Sie schlug mit der Linken gegen den Schild, nicht um ihn wegzudrücken, sondern um ihn zu binden – und trat gleichzeitig zur Seite, schräg, unpräzise, weil sie es nicht gewohnt war das Gleichgewicht mit zwei Waffen zu halten. Der Dolch in der Rechten ging nicht voran – er wartete, bis die Lücke da war. Und dann stieß er vor
Vorbei. Knapp neben der Flanke. Beinahe, aber es reichte nicht.

Ihr Kontrahent keuchte, wich zurück, hob instinktiv die Waffe – zu spät. Chala trat nach, ließ die Klinge der Wildkatze von links kommen, eine bogenförmige Bewegung, zu flach, um zu schneiden, aber genug, um das Gleichgewicht zu stören. Der Schild wankte. Der Kolben zuckte, doch sie war schon weiter.
Die Klinge des Dolches tauchte wieder auf – diesmal auf der anderen Seite. Kurz. Hart. Das Ziel die Hand, die den Schild hielt.
Der Mann schrie. Nur ein Laut. Einmal. Dann ließ er los.
Jetzt weiß er, dass wir ernst machen, sagte Exzentrik mit leiser Freude. Und du weißt es auch.
Doch sie zögerte nicht. Kein innerer Disput, kein Gefühl von Reue. Nur Handlung. Der Kolben war noch da, gefährlich, und auch wenn der Kerl taumelte, war er nicht besiegt.

Sie duckte sich unter dem Schwung hindurch, fühlte die Luft, die der Kolben zerschnitt, dicht an ihrer Schläfe. Ihr linker Fuß stieß sich ab, der rechte führte nach. Der Körper rollte, nicht zum Rückzug, sondern zur Neupositionierung.
Er stand wieder, aber schief. Blut tropfte von der Linken Die Hand hing nutzlos. Doch seine Augen – sie flackerten. Noch war er nicht gebrochen.
Das ist gefährlich, dachte sie. Nicht aus Mitleid. Aus Pragmatismus. Sie ging wieder vor.
Der nächste Schlag kam höher. Übertrieben. Eine Finte, die sie ignorierte. Sie duckte sich nicht – sie trat ihm gegen das Schienbein, ließ Wildkatze mit voller Kante gegen das Knie donnern. Kein Schnitt. Nur Kraft. Und der Körper vor ihr knickte ein.

Er fiel nicht ganz. Aber er sank. Und das reichte.
Der Dolch kam von oben. Nicht frontal. Seitlich. In die Schulter, wo Fleisch nicht geschützt war. Wo die Nerven blank lagen.
Er brüllte. Riss sich los. Aber taumelte. Noch immer lebendig.

Chala trat zurück. Atmete. Tief. Wildkatze senkte sich. Der Dolch blieb oben.
Willst du es beenden?, fragte Naivität – nicht zweifelnd, sondern still.
Wenn er wieder aufsteht, dann stirbt er. So einfach, meinte Narzissmus.
Wir haben nichts zu beweisen. Aber sie schauen alle. Und manche sehen mehr als Blut, murmelte Empathie.
Ihr Gegner kniete. Keuchte. Blickte zu ihr auf. Kein Flehen. Kein Hass. Nur… Akzeptanz.
Sie ging einen Schritt näher. Ein zweiter. Dann stoppte sie.
Der Dolch senkte sich langsam. Die Schärfe wich nicht. Nur die Eile.
„Steh auf“, sagte sie leise. Ihre Stimme war nicht triumphierend. Nur fest. „Wenn du kannst.“
Er rührte sich. Nur minimal.

Dann – ein Ruck. Der Körper sackte zusammen. Das Licht entfloh den Augen.
Chala trat zurück. Blick noch immer auf ihn gerichtet. Keine Geste des Sieges. Kein Schrei.
Nur ein stilles Einvernehmen mit sich selbst: Sie hatte entschieden. Sie hatte gesiegt. Nicht durch Gnade. Nicht durch Zufall. Sondern, weil niemand ihr nahm, was sie festhielt.
Und sie alle haben es gesehen, sagte Sorgfalt.
Selbst der Schwarze da oben, spottete Exzentrik leise.
Chala drehte sich langsam, das Schwert in der linken, den Dolch in der rechten Hand.
Der Sand klebte an ihren Füßen.
Doch in ihren Augen war kein Staub. Nur Klarheit. Darüber, dass sie zwar diesen Kampf gewonnen hatte, aber auch darüber, was ihr Preis sein würde.

Tat'ank'Ka
22.08.2025, 07:10
“Tot?”
“Hmm…für Arbeit ist er so oder so unnütz geworden. Bringt ihn auf unsere Seite. Gargo! Bewegung! Und bring Gorbag seinen Dolch zurück.”, sagte Tat’ank’Ka und sah dann zu wie der orkische Koloss gemächlich losstampfte. Er packte den Morra am blutigen Bein und sah dann die Dunkelmorra an.
Gargo überragte sie um das doppelte ihrer Körpergröße und wog wahrscheinlich zehnmal so viel. Er streckte die Hand fordernd aus und bekam den Dolch zurück. Proya knurrte schon auf. Es ging ihr zu langsam.

“Hast du gewusst, dass sie ausgebildet ist?”, fragte der Schwarzork die Schamanin. Die schüttelte nur den Kopf und war auf die Morra fokussiert.
“Molotow hat das sicher nicht gefallen. Schau dir seine Orakai an, wie sie wie Orkhunde ihren Herrn anstarren, der ihnen das Fressen verwehrt.”, sagte Gorbag. Molotow ließ sich nichts anmerken, blickte aber wohl zu jenem Orak, der den Morra ausgesucht hatte.

“Der Kampf ist entschieden. Die Karrek danken für diesen kaputten Sklaven. Nun lasst uns richtige Kämpfe unter Oraks sehen.”, sagte der Kadan der Karrek, nachdem er sich erhoben hatte. Kurz darauf standen Rok Shar und Synkka auf und forderten als Duo in der Arena zwei Gegner, die sich messen wollte. Synkka mochte nicht einmal ein Schamane sein, aber so hatte es der Schöpfer entschieden. Ein wenig Hexerei beherrschte er. Aber mit den Jahren hatte er sich mit seiner dürren und orkisch kleinen Gestalt kämpferisch weiterentwickelt oder es eher müssen. Mit einem Orkspeer bewaffnet, den Tat’ank’Ka eigens für Synkka geschmiedet hatte, bildete er mit Rok Shar eine interessante Kombination.
Orkische Arenakämpfe gingen bis zum ersten Blut. Selten gab es aber auch Ehrenkämpfe, die bis zum Tod führten. Konflikte zwischen Orks wurden so geregelt oder Kinder von Musghas töteten einander, um zu beweisen, dass sie mehr wert waren wie ihr Geburtsrecht besagte.

Tat’ank’Ka indes blickte die Dunkelmorra an, die nun von Zasa geholt wurde.
“Sie ist wieder dir. Aber vielleicht werde ich sie hier noch brauchen. Einfach um Molotow zu ärgern. Wenn das so ist, dann sorge ich dazu, dass sie besser wird. Das kann ich dir als dein Kadan versprechen. Molotow wird sie wohl lieber tot sehen wollen, statt zu dulden, dass eine Dunkelmorra seine Orks daran erinnert, dass sie sowas Unwertes nicht mal zum spielen bekommen. Sie soll was zu essen bekommen. Der Schöpfer wird entscheiden, wie lange sie lebt.”

Chala Vered
07.09.2025, 23:22
Sie hatte nicht um Applaus gebeten. Und so störte es sie auch nicht, dass keiner kam.
Der Sand knirschte unter ihren Füßen, klebte an den Knöcheln wie getrocknetes Blut. Ihre Hände blieben ruhig, auch als sie die Klinge senkte – zuerst den Dolch, dann Wildkatze – als wollten die Waffen selbst noch spüren, ob der Sieg bestand hatte oder sich als Trugbild entpuppte.
Ein Schatten bewegte sich. Nicht bedrohlich, nicht hastig. Nur schwer. Massiv. Der Ork, der selbst unter Seinesgleichen wie ein Berg gewirkt haben musste. Seine Schritte ließen den Boden nicht erbeben – aber man spürte sie. Nicht in den Knochen, sondern in der Art, wie andere plötzlich weniger Raum einzunehmen wagten.
Er trat an sie heran, sagte kein Wort, streckte nur die Hand aus – wie man einem Kind bedeutet, etwas zurückzugeben, das ihm nie gehörte. Chala sah ihn an. Nicht feindlich. Nicht ergeben. Nur still. Dann reichte sie ihm den Dolch.

Unsere Spur bleibt trotzdem an der Klinge. Der Griff kennt jetzt unsere Wärme, flüsterte Exzentrik.
Die Leiche wurde weggezogen wie ein zu schwer geratener Hund, der nicht gelernt hatte, dass seine Größe nicht gleich Bedeutung war. Blut tropfte, warm, gleichmäßig, aus der Wunde in der Flanke. Keine Worte wechselten. Keine Ehre wurde ausgesprochen. Nur Funktion.
Und doch – als der Fleischberg von Ork sich abwandte, blieb sein Blick einen Moment länger auf ihr ruhen, als nötig gewesen wäre.
Dann hörte sie es: die Stimmen über ihr. Nicht laut, nicht schreiend – aber klar. Der Berserker mit dem Fellumhang sprach. Der große Ork mit dem Blick wie aus schwarzem Obsidian. Sie verstand die Worte nicht, aber sie hörte den Namen. Einen Namen nicht – ein Wort. Morra.

Sie reden über uns. Nicht wie über Beute. Wie über Insekten, bemerkte Sorgfalt mit nüchterner Schärfe.
Oder wie über Spielzeug, das sie auf den Tisch werfen, um zu sehen, wer es zuerst zerbricht, fügte Narzissmus finster an.
Der Blick der Schamanin bohrte sich wie ein Speer in ihren Rücken, auch ohne dass sie sich umwenden musste. Chala spürte ihn. Wie eine Prüfung. Wie das Wiegen einer Klinge in der Hand eines Meisters, der nicht weiß, ob sie ihm gefällt.
Dann trat Zasa an sie heran – jung, kraftvoll, mit einer Haut, die das Licht fraß und Muskeln, die noch nicht gelernt hatten, was echte Erschöpfung bedeutete. Kein Wort. Nur ein Nicken.
Chala folgte ihr. Nicht wie ein Gefangener, nicht wie ein Sieger. Wie jemand, der wusste, dass die Vorstellung nicht vorbei war. Nur das erste Kapitel geschrieben.

Der Lärm des Publikums wich langsam gedämpften Klängen, Stimmen, die sich nicht mehr um den Kreis drehten, sondern um das, was danach kam. Rufe wurden leiser. Das Knistern von Fleisch auf offenen Flammen drang durch, der Geruch von Fett, von Rauch, von Alkohol. Und irgendwo dahinter – ein Hauch von Eisen.
Sie wurde in eine abgelegene Ecke geführt, ein Schattenplatz zwischen zwei Steinmauern, wo weder Ruhm noch Schande sich festsetzen konnten. Nur Stille.
Ein Kessel stand bereit, mit Wasser, nicht mehr ganz heiß. Ein Stück Brot, trocken, aber nicht schimmlig. Und Fleisch – geräuchert, zäh, aber nicht verdorben. Eine Geste, keine Einladung.
Chala setzte sich langsam, nicht weil ihr der Kampf zu viel gewesen war – sondern weil sie jede Bewegung kostete, als wolle sie dem Boden etwas abtrotzen.

Wir leben noch, sagte Naivität, fast feierlich.
Weil wir entschieden haben, dass er fällt, nicht wir, ergänzte Narzissmus mit stolzgeschwollener Brust.
Aber sie werden mehr wollen. Immer mehr. Und der Preis wird steigen, warnte Empathie.
Sie aß. Langsam. Kaute gründlich, trank in kleinen Schlucken. Nichts schmeckte. Aber alles zählte. Jeder Bissen war ein Entschluss, noch nicht zu sterben.
Aus dem Schatten beobachtete sie, wie zwei neue Kämpfer in die Arena traten. Orks. Keine Sklaven. Keine Morras. Die Zuschauer tobten. Etwas in der Art, wie sich ihre Körper bewegten, hatte nichts mit Zwang zu tun. Das war ein Tanz, aber kein schöner. Ein Ritual mit Zähnen.
Chala lehnte sich zurück. Ihre Finger lagen auf Wildkatze, die man ihr nicht abgenommen hatte.
Er hat entschieden, dass wir nützlich sind. Für den Moment, stellte Sorgfalt fest.
Vielleicht auch, weil wir ihn daran erinnern, dass selbst ‚Morras‘ Zähne haben, wenn man sie lange genug beißen lässt, murmelte Exzentrik.
Aber sie beobachten uns jetzt. Alle, fügte Empathie leise an.
Chala sagte nichts. Aber sie wusste: Der nächste Tanz würde nicht in der Arena stattfinden.
Sondern in den Schatten zwischen den Worten, in den Blicken, die sich nicht trafen – und in dem Moment, wenn jemand glaubte, sie verstanden zu haben. Dann, genau dann – würde sie entscheiden, ob sie fiel. Oder ob sie mit Zähnen zurückbiss.

Proya Anuot
08.09.2025, 09:52
Sie hörte seinen Schritt, lange bevor er sprach. Er war der Kadan – nicht nur in Namen, sondern im Klang seines Marsches. Als würde der Stein selbst weichen, wenn er kam.
Und dann die Worte:
„Sie ist wieder dir.“
Wie ein Knochen, den man einem Tier zurückwirft, das sich nicht bedient hat, als der Napf voll war.
Proya antwortete nicht. Sie sah zu Boden, auf den dunklen Sand, wo das Blut langsam eingetrocknet war. Kein Orakblut. Morra-Blut. Doch es war nicht das, was sie störte.
Was sie störte, war der Spalt in ihrer Brust – nicht vom Zorn allein, sondern von der Tatsache, dass sie sich geirrt hatte. Ein kleines bisschen. Die Dunkelmorra war nicht gebrochen.
Und jetzt, da sie wieder unter ihrer Hand war, wuchs in Proya etwas, das gefährlicher war als jede Verletzung: Interesse.

„Du gibst sie mir zurück... zäher, als du sie mir genommen hast“, murmelte sie leise, mehr zu sich als zu Tat’ank’Ka, Gorbag oder Zasa. Dann hob sie den Kopf. Ihr Blick fiel auf den Kessel, das Brot, das Fleisch – auf die armselige Mahlzeit, die für Sklaven vorgesehen war. Und auf die Frau, die sie nicht zu essen erwartet hatte, sondern zu sterben.
Doch sie aß. Nicht gierig, nicht dankbar. Methodisch.
Wie ein Ritual.
„Sie lebt noch“, sagte sie, nun lauter. „Und sie hasst uns nicht genug, um sich zu weigern, am Leben zu bleiben. Das ist... brauchbar.“
Ein Knacken ging durch ihre Finger, als sie sie ballte. Die Münze an ihrem Gürtel pochte, als wäre sie ein Herz.

Dann wandte sie sich zu Gorbag.
„Ich will ihre Waffen sehen. Jetzt. Die, mit denen sie gekämpft hat. Wer eine Klinge führt wie sie, führt auch einen Namen – selbst wenn sie ihn versteckt.“
Ich werde sie morgen ausfragen. Ihr das Gefühl geben, sie sei nun nicht mehr eine Gefangene. Dann beantwortet sie mir vielleicht meine Fragen zum Dschungle, nach dem Tod und nach dem, was in ihr haust.
Sie trat näher an die Dunkelmorra heran, bis der Geruch von Rauch und Eisen sie erreichte. Ihr Blick bohrte sich in die Augen der Gefangenen – aber diesmal war er nicht drohend. Nur wachsam.

„Ich hätte dich lieber zerschnitten als vorgeführt. Aber vielleicht war das besser.“
Sie ließ die Worte einen Moment hängen, selbst wenn sie kein orkisch verstand. Dann, tiefer, wie ein Versprechen:
„Jetzt weiß ich, dass du etwas in dir hast, das schreit, aber nicht redet. Und ich werde lernen, wie es klingt.“
Ein letzter Blick, ein kurzes Nicken an Zasa – dann verschwand sie in den Schatten.
Die nächste Nacht würde der Münze gehören. Und dem, was darin wohnen würde.
Denn der Tanz hatte erst begonnen.

Chala Vered
28.09.2025, 11:27
Die Sonne stand längst nicht mehr über dem Lager, aber die Hitze war geblieben – nicht in der Luft, sondern in ihr. In der Haut, in der Schulter, im Schaft des Orkdolchs, den sie inzwischen nicht mehr hielt, aber dessen Gewicht sich eingebrannt hatte. Der Kampf war vorbei, der Körper versorgt, der Hunger gestillt. Und doch kaute sie noch – nicht auf Fleisch, sondern auf Erinnerung.
Sie saß auf dem Rand eines flachen Felsens, unweit der Feuerstelle, die inzwischen nur noch als Glutpfütze vor sich hin flackerte. Ihre Beine angewinkelt, die Ellbogen auf die Knie gestützt, den Blick auf den sandigen Boden gerichtet, wo noch immer zwei Abdruckspuren davon zeugten, wie sie und der Sklave der Seeorks aufeinandergetroffen waren. Eine Choreographie ohne Schule, aber mit Wirkung.
Er hat gezögert, als wir wechselten, murmelte Sorgfalt leise, beinahe ehrfürchtig. Ein Moment. Ein Atem. Und seine Deckung war offen. Die Linke brachte ihn aus dem Takt, die Rechte zu Fall.
„Es war kein Tanz“, sagte sie leise, und die Worte entglitten ihr, bevor sie wusste, ob sie gedacht oder gesprochen worden waren. „Es war... ein Fluss. Nicht schön. Aber fließend.“
Du meinst: tödlich, knurrte Narzissmus. Er hatte keine Ahnung, wogegen er kämpfte. Eine Frau, ja – aber eine mit zwei Reißzähnen. Und wir haben gebissen.

Sie schloss die Augen, spürte den dumpfen Nachhall des Streits in ihren Schultern, die dumpfe Spannung im Rücken, das Brennen der alten Wunde, das gegen das neue Ziehen in der Seite ansang wie ein klagender Chor aus alten Narben. Und dazwischen: das Gefühl der Balance. Der Moment, als ihre beiden Hände nicht mehr gegeneinander arbeiteten, sondern gemeinsam.
„Zwei Waffen“, flüsterte sie. „Nicht doppelt. Nicht mehr. Einfach... vollständig.“
Wir sind viele. Warum also kämpfen wie eine?, schmunzelte Exzentrik in ihrem inneren Ohr. Du trägst uns in dir – lass uns auch in deinen Händen sein.
Chala hob die linke Hand, betrachtete sie. Die Finger waren verkrampft, etwas geschwollen, die Sehne an der Daumenwurzel gereizt vom groben Griff des orkischen Dolchs, der für ihre Hand zu schwer, zu dick, zu direkt war. Aber sie hatte gehalten. Und geführt. Und geschnitten. Nicht präzise – aber wirkungsvoll.

Der Griff war falsch. Der Winkel roh. Aber der Schmerz, den wir gaben, war echt, stellte Sorgfalt nüchtern fest. Mit Übung können wir das ausgleichen. Vielleicht sogar nutzen.
Sie ließ die Hand sinken, rieb sich über das Gesicht. Die Hitze des Feuers lag noch immer wie ein Film auf ihrer Stirn. Oder war es nur der Nachhall des Blicks, den Proya ihr zugeworfen hatte? Keine Worte. Kein Lob. Nur das lange, messende Schweigen eines Raubtiers, das zu ahnen beginnt, dass das Tier im Käfig nicht gezähmt ist – sondern nur wartet.
„Sie beobachtet uns“, sagte Empathie, „Und sie weiß, wir wissen es.“
Dann sind wir bereit, wenn sie es wieder tut, zischte Narzissmus. Zeigen wir ihr nicht, wie wir leiden. Zeig wir ihr, wie wir lernen, unsere eigene Geschichte schreiben. Und wenn sie uns den Dolch noch einmal reichen, nehmen wir ihn.

Ein Windhauch wehte Asche über den Boden. Chala stand langsam auf. Ihre Beine waren fest, wenn auch nicht ohne Schwäche. Aber sie schwankte nicht. Nicht mehr. Nicht jetzt. Ihre Finger wanderten zum Gürtel, tasteten nach Wildkatze – sie war noch da. Nicht weggenommen. Nicht verloren. Die Messer in ihren Halterungen – auch da. Und der Dolch?
„Er liegt bei ihnen“, sagte sie. „Aber er wird nicht bei ihnen bleiben.“
Wir holen ihn uns zurück, versprach Exzentrik mit süßer Gier. Aber nicht, um ihn zu führen wie sie. Sondern wie wir. Mit Absicht. Mit Leidenschaft.
Ein Geräusch aus der Ferne – Gelächter, grob, dumpf, vom Rand des Lagers. Es galt nicht ihr. Noch nicht. Aber sie wusste: Wenn sie weiterkämpfte – und sie würde weiterkämpfen – dann würden die Blicke sich wieder wenden. Vielleicht nicht mit Respekt. Aber mit Erwartung. Und das war mehr, als sie anfangs bekommen hatte.
Dann lass uns sie enttäuschen. Lass uns ihnen geben, was sie nicht erwartet haben: Kontrolle.
Sie blickte auf ihre Hände. Auf die Linke, auf die Rechte. Auf die Narben, die begannen, sich zu ähneln. Vielleicht, dachte sie, war es Zeit, sich nicht mehr zwischen ihnen zu entscheiden.
Sondern sie zu vereinen.

Tat'ank'Ka
25.11.2025, 12:34
“Niaaa…muss ich das? Darf ich es dafür stechen? Darf ich es essen, wenn es stirbt, Kadan?”, fragte Synkka mit krächziger Stimme und stützte sich an seinem Klingenstab ab. Der Palo wurde von Tat’ank’Ka in die Arena gerufen, damit er hier aushilft.

“Du darfst es nicht bewusst stechen. Ein Unfall ist auch nicht vorgesehen. Sie soll lernen und zeigen. Wenn sie stirbt…musst du das mit Proya klären, Synkka.”, sagte der Schwarzork mit verschränkten Armen und beobachtete das Geschehen in der Arena. Tage waren gekommen und wieder gegangen.
Neue Morrasklaven hatten die Karrek gemacht. Zwei von Drei Waldmorras hatten es hierher lebend geschafft. Den Dritten hatte Tat’ank’Ka an Tav-Tav verfüttert. Einen weiteren Morra in Rüstung griff man in den Bergen auf, als er fast erfroren vorgefunden wurde. Seine Begleiter fanden sie festgefroren unter Schnee. Ein Wetterwechsel konnte im Weißaugengebirge sogar einem Ork Probleme bereiten.

Auf der Gegenseite der Seeorks waren es sogar fünf Morrasklaven. Ob es Krieger waren oder einfache Bauern, sah man nur in der Arena und deswegen war der Häuptling der Karrek hier. Sich ein Bild von den Morras machen und seine Morras beaufsichtigen. Bald stünde ein Neumond an und dann würde es wieder Arenakämpfe geben. Der Schwarzork zweifelte nicht daran, dass es einen oder zwei Morrakämpfe geben würde und deswegen wollte er sich nicht die Blöße geben, dass seine Morras verloren.

“Sag der Dunkelmorra, dass sie jetzt kämpfen soll. Mit zwei Waffen. Der Orkdolch ist heute ihre zweite Waffe. Sag der Dunkelmorra, dass deine Waffe auch zwei Waffen vereint, aber eine Bewegung in seiner Kampfweise hat. Sag sie soll lernen, schneller zu sein. Zwei Bewegungen mit zwei Waffen machen. Die Beine müssen tanzen - nicht gehen wie bisher.”, gab Tat’ank’Ka vor und widmete sich dem Morra der seine Rüstung behalten durfte. Gute Kette und ein blauer Wams. Schulterplatten und dicke Stiefel. Gorbag prüfte, worin er gut war, auch wenn es offensichtlich war, dass der Morra einen Zweihänder führte. Seine Rüstung erinnerte den Karrek an die Zeiten des Imperiums. War das eine alte Orksöldnerrüstung?
Er schnaubte und sah sich den Kampf von Synkka und der Dunkelmorra an.