PDA

View Full Version : Östliches Argaan #10



Pages : [1] 2

Urgo
13.01.2015, 08:55
Nach Tagen voller Kämpfe und energischen Rückzugsversuchen hatte sich der kleinwüchsige Ork Urgo mit seinem hünenhaften Gefährten Gargo am nordöstlichen Gebirgsrand nahe der verwüsteten Morrastadt Setarrif zurückgezogen.
Auf einer zerklüfteten Anhöhe des Gebirges hatten sie sich niedergelassen um dort ihre Kräfte zu regenerieren und zugleich die Stadt im Auge zu behalten.
Gargo dessen Körper mit etlichen blutigen Schlieren und verkrusteten Wunden übersät war, schlief tief und fest an einen Felsen gelehnt liegend. Er hatte gekämpft wie ein Berserker und den Urkmas damit grosse Ehre eingebracht.
Den Schlaf hatte er sich mehr als verdient und Urgo beäugte seinen Kumpanen mit Ehrfurcht und Respekt.
Ohne ihn, dass war ihm klar, wäre der Kleinwüchsige längst Echsenmenschenfutter gewesen.

Tagelang waren sie durch den Dschungel südlich der Stadt gewandert ehe sie auf die breite Morrastrasse gelangten die gen Setarrif führte. Doch Morras hatten sie auf ihrer ganzen Reise keine mehr angetroffen.
Obwohl es lange Zeit hiess, dass die zwei sich hassenden Morrastämme des Ostens und des Westens gleicher Stärke innehatten, war vom Stamm des Ostens nichts mehr übrig geblieben ausser die alten Bauwerke die sie hinterlassen hatten.
Nun war die einstige Stadt mit den goldenen Dächern nichts anderes mehr als ein Hort der Echsenmenschen und des Drachens der sie anführte.
Der Himmel war hier in einem steten dunkelgrau gehüllt und Donner hallte in enger Symbiose stürmischer Winde durch die Lande.
Urgo blickte, die Arme auf das auf einem Stein stehenden angewinkelten Bein stützend, hinab zu der Stadt deren Mauern eingefallen waren. Er sah die etlichen Echsen die sich da in Scharren durch die Strassen drängten. Er sah die Zellen aus geschmolzenem Gestein und Eisen in denen sich überlöebende Morras verbargen und er sah den Drachen, wie er sich durch die Lüfte schwang und auf den unter seinem Gewicht ächzenden Dächern Platz nahem um seinen Dienern Anweisungen zu geben.
Neidisch war Gargo anhand der ihm gezeigten Macht des Drachens. Nur zu gerne hätte er diese Kreatur unter den Fittichen der Bestienmeister der Karreks gesehen!
Der Kleinwüchsige Orak spuckte aus und ergriff seinen Stab, der bis eben noch an einen Felsen gelehnt ebenfalls gen Tal blickte.
Klappernd begann der Schädel an zu sprechen:

"All zu lange wir dir Gargo nicht mehr den Arsch retten können Urgo!"

"Er hat endlose Reserven!"

"Endlos? Hhrhrhrhrhr, du träumst! Er ist müde und erschöpft! Ein Gigant, wohl wahr! Doch auch er kann nicht Ewig alleine kämpfen!"

"Ich helfe so gut ich kann!"

"Hrhrhrhr.... ja, die am Boden liegenden zu erdolchen ist eine grosse Hilfe!"

"Ein Umstand der sich bald legen wird! Meine Macht wächst von Tag zu Tag!"

"Klar, hrhrhrhr, die Macht Licht zu machen! Die Macht Dinge mit Gedanken zu bewegen!"

"Jeder fängt mal klein an! Schon bald werde ich mich an grösseren Mächten versuchen dürfen so wahr SIE es will!"

"Hrhrhrhrhr, genau, jeder fängt Klein an...besonder duuuu Urgo! Muahahahaha!"

"Halts Maul Schädelstab! Anstelöle mich zu verspotten solltest du mir lieber erklären warum der letzte Spruch den ich erlernen sollte, noch immer nicht klappt!"

"Vielleicht solltest du ihn mal wieder an Urgo probieren! Mit etwas Glück für dich, wirkt der Pechzaubersüpruch und er stirbt! Dann hättet ihr beide Pech und du wärst ein wahrlich grosser Zauberer, muahahahaha!"

"Arrgh, Schweig!"

Urgo warf den Stab wütend in den Stab nahe des schnarchenden Gargos. Dann drehte er sich ab und setzte sich etwas abseits auf einen Felsen.
Grimmig wühlte er in seiner Tasche und packte dann den toten Raben den er darin aufbewahrt hatte.
Er hielt das tote Federvieh in die Luft und ritzte geübt mit dem Dolch einen Schnitt in dessen Bauch. Mit den Nägeln seiner Finger löste er dann das Gewebe vollends und legte die Innereien frei.
So platzierte er den Raben dann auf dem Felsen und begann mit Zeigefinger und Mittelfinger die Därme an die äusseren Ränder zu schieben. Die blutigen Finger strich er sich anschliessend mit geschlossenen Augen über sein Gesicht während er die alte orkische Formel rezitierte. Als die Magie die seinen Körper durchzog an der Oberseite seiner ledrigen Hände zu knistern begann, und er verspürte wie die alten Mächte durchs einen kleinen Leib wabberten, fokussierte er einen Kanal genau in den Kadaver des Rabens.
Diese begann zu zucken, leuchtete aus den Augen und schimmerte am ganzen Körper grünlichgelb.
Urgo war also fast soweit, es fehlte nur noch die letzte Zutat! Etwas was dem Opfer gehörte!
Da er aber gerade kein Opfer hatte, musste er sich selbst dazu auserkoren. Also biss er sich unsanft in die Zunge und liess das Blut das daraus entsprang in den offenen Leib des schimmernden Raben tröpfeln.
Sofort begann der Rabe an zu zucken und seine Innereien an zu dampfen. Das Innenleben des Kadavers ruckte folglich hin und her und dann ( dies passierte nun zum ersten Mal) schloss sich die Wunde des Raben wieder.
Erstaunt liess Urgo mit seinen Händen vor dem zitternden Leibe des Raben ab und blickte ihn mit grossen Augen an.
Die Flügel des Raben, noch immer im Schimmer gehüllt, begannen auf und ab zu zucken, dann erhob sich der Kadaver in die Lüfte und flog oder schwebte mehr schlecht als recht über den Kopf des noch immer staunenden Urgos. Als er gut zwei Köpfe über ihm war, krächzte der Rabe auch noch energisch kurz auf.
Und dann? Dann zerplatzte er in alle Richtungen!
Von den Federn, Innereien, Blut und anderem Zeug getroffen, flog Urgo erschrocken rücklings vom Felsen auf den Rücken.
Schwer atmend und nicht wissend was ihn nun erwartete blickte er mit grossen Augen nach links und nach rechts.
Hatte der letzte Spruch den er noch zu erlernen hatte dieses mal funktioniert?

Urgo
16.01.2015, 14:45
Er hatte funktioniert!
Beim Schöpfer und wie verdammt nochmal grossartig beschissen hatte er funktioniert!
Urgo hatte sich aufgerichtet und die Fetzen des Raben von seinen Schultern gezupft. Dann befehligte er mithilfe seines erlernten Spruches Telekinese seinen Stab durch die Luft in seine Hand und wollte gerade ziemlich verbittert Gargo wecken.
Doch dazu kam er nicht! Den gute zwei Schritte später, rutschte er an der Kannte des Hanges ab, verkeilte sich extrem unnötig zwischen zwei knöchelhohen Steinen, wirbelte so über die eigene Achse und flog daraus folgend, sich ständig überschlagend den steilen Berghang hinunter.

Der Sturz als solches war eigentlich schon schmerzhaft und körperplagend genug, aber nein, genau an diesem Hang befanden sich besonders dicke Dornensträucher durch die Urgo exakt hindurch raste und sich somit etliche zusätzliche Wunden und Kratzer riss.
Der kleinwüchsige Ork schrie wie am Spiess, doch der exakt in diesem Moment aufkommende Wind, liess sein Schmerzensgeheul im Nichts verschwinden. Also bekam der schlafende Gargo davon nichts mit und eilte nicht zur Hilfe.
Als der Kleinwüchsige dann endlich auf einer Ebene stöhnend zum halten kam, brannte der gepeinigte Orkkörper an Dutzenden Stellen vor Schmerzen auf.
Seine aufgeplatzte Lippe blutete und er glaubte einen Backenzahn verloren zu haben. Ausserdem hatte er sich auf die Zunge gebissen die nun geschwollen war und ihm das Sprechen erschwerte.
Der Stab mit dem Totenschädel lag nur wenige Schritt neben ihm. Klein Urgo wollte sich erheben, doch sein Körper versagte und verweigerte seinen Dienst. So sackte er ächzend zusammen.

"Aye, was für ein Pech! Grossartig Urgo! Du hast den letzten Spruch gemeistert! Welch Glück!"

Kalte Wut flammte in Urgo auf, da das gepiesacke des Schädels das letzte war, was er jetzt gerade gebrauchen konnte.
Erst wollte er etwas entgegnen, entschied dann aber,s eine Kraft dafür aufzuwenden seinen Körper einmal zu drehen damit er gen Himmel blickend nach Luft japsen konnte.
Stöhnend und ächzend vollbrachte er das Kunststück und zog dabei blutige Schlieren in den kargen und trockenen Dreck auf dem er lag.

"Och, sei mal nicht so! Ist doch alles gut Kleiner! SIE hat sicherlich gesehen wie uuuuuhuuuhuuunglaublich erfolgreich du heute warst! Muahahahahahaha!!!!
Nein wirklich Urgo! SIE und alle Dämonen die IHR heute beiwohnen klatschen sich sicher gerade lauthals lachend auf die Oberschenkel! Gnahahahahahhahahaha!
Was für ein Pfooosten du doch bist, gnihihihihihi, testet so einen Fluch an dir selbst! Gnahahahahahaha!!!"

Urgo wollte sich wütend aufsetzen und den verfluchten Stab über die Klippe werfen! Doch abermals versagte sein Körper. Das würde heute wohl nichts mehr werden. Vielleicht war sogar der ein oder andere Knochen gebrochen. Welch ein ...ja genau..Pech!
Doch die Magie der Orks galt nicht ohne Grund als alte und mächtig. Mit ihr war nicht zu spassen! Und so kam es wie es kommen musste, das Pech endete nicht...
Ein grosser Geier hatte den verletzten Urgo erspäht und warf sich im Sturzflug auf ihn. Der scharfe Schnabel und die breiten Klauen hackten und kratzten nach dem aufheulenden und jaulenden Ork der sich kraftlos mit seinen Armen zu verteidigen versuchte.
Der Schädel auf dem Stab untermalte das Szenario dabei mit lauten und absolut boshaften Dr. Evil lachen.

Ein Alptraum! Ein verdammter Alptraum!

Urgo
20.01.2015, 08:28
Jedes Mal wenn das Federvieh seine Krallen in seine Haut setzte, diese dann die Hautschichten durchdrangen und die Schmerzrezeptoren aufjaulten, wabberte eine eiskalte Welle über den Körper Urgos.
Er kannte dieses Gefühl. Nicht von sich selbst, aber von etlichen Patienten die er behandelt hatte. Es war ein Zeichen dafür, dass der Körper die Grenzen erreicht hatte und somit signalisierte: "Pass auf Orak! Bis hierher und nicht weiter!" oder um es auf den Punkt zu bringen: " Grünhaut, du gehst gerade drauf!"
Allerdings musste sich Urgo eingestehen, dass ihm diese eisige Kälte gerade recht gekommen war. Bis sie eingetreten war, war sein Leib von peinigenden Schmerzen geplagt.
Schmerzen wie er sie nie zuvor gespürt hatte! Und das Geiervieh zog ihm teilweise Hautstreifen mit dem Schnabel vom Rücken ab um sie dann vor seinen Augen zu verschlingen!
Irgendwo da, hatte seine Verstand aufgehört zu arbeiten und seine eh schon lahmen Armen hatten gleichzeitig aufgehört schwächliche Abwehrbemühungen auszuführen.
Die eisige Kälte also, umschlang ihn mehr wohlwollend als Unheil verkündend. Und er nahm den Frieden den sie ihm brachte gerne an.
Noch immer zuckte sein kleiner missgebildeter Orkkörper während der Geier unnachgiebig einen auf "all you can eat" machte.

"Eigentlich ein schönes Bild..." ging es Urgo durch den Kopf während er den geflügelten grossen über ihn bäumenden Geierkörper, halb geblendet von der Sonne die sich direkt dahinter erstreckte, mit vor Schmerz getrübtem Blick bestaunte.
Sein Versandt spielte ihm dann auch noch einen Streich indem er schier epische Musik in Form von Kriegsgetrommel alter Erinnerungen einspielte und Urgo zugleich das süsse Flüstern einer von Macht pulsierenden Stimme vernahm.

"Khrotak! Nashanga Urgo! Kesh! Kesh! ( Achtung! Komm her Urgo! Weiter ! Weiter!) "

Er blickte durch das Licht, zitterte am ganzen Leib und verlor sich immer wieder in den Schmerzen.
Was war das? Empfing ihn nun Tscherpak (der Schöpfer) ? Sollte so seine Reise enden?
Hoffentlich fand ihn wenigstens Gargo. Dann würde seine Geschichte so enden, dass er gegen eine Bestie gefallen war... man würde sich wenigstens ein wenig positiv an ihn erinnern...
Die Stimme erhallte erneut, diesesmal kräftiger und unnachgiebiger:

"Deine Prüfung ist abgeschlossen junger Diener! SIE hat dich als würdig empfunden mit ihren Gaben auf der Welt zu wandeln. Du hast genug Leid durchlitten und genug Blut verloren. Ein guter Preis für die Macht die dir gewährt wird!"

"Preis?"

"Dämonen verlangen immer einen Preis Urgo von den Karrek! Die endlose Dienerschaft bis nach dem Tod ist nur ein Bruchteil dessen wonach wir streben! Wir schenken euch Macht und Stärke und ihr uns Blut und Seelen!
Tanzet an den Feuern, labet euch an euren Siegen und lobpreiset die Geister und Dämonen die euren Stamm so wohlwollend umarmen. SIE wird immer über euch wachen, den ihr sei IHRE liebsten Kinder!
Du bestreitest den Weg der Hellhörigen! Den Weg derer, die direkt mit den Foki IHRER Macht IHRE Präsenz auf der Welt vernehmen. Preise IHREn Namen Urgo! Preise IHRE Weisheit und führe deine Brüdern und Schwestern auf IHREN Pfad wie es die anderen Schamanen der Karreks tun. Den SIE wird euch nie vergessen! SIE wird immer an eurer Seite stehen!Und SIE wird es sein, die am Ende aller Tage auf diese Welt steigen wird um mit ihren Kindern im Blut der Feinde zu waten!
Kehre nun zurück zu deinem Stamm Urgo. Du hast noch viel zu lernen. Den ersten Kreis, kennst du nun. Doch dies ist erst der Anfang! "

Ein lauter Knall ertönnte, dann knackte es und etwas rüttelte an Urgo. Er öffnete halb die Augen und erspähte Gargo der ihn energisch mit beiden Pranken schüttelte. Neben ihm lag der Geier. erschlagen von Gargos gigantischem Kriegshammer.
Der Fluch war aufgehoben...SIE hatte ihn aufgehoben ehe er darin seinen Tod gefunden hatte....Sie wachte über ihn...
Der kleine Urgo presste ein gequältes Lachen hervor, welches jedoch von einem Schwall Blut aus seinem Inneren der sich über die Lippen entleerte an Intensität verlor.
Dann nickte er weg. Weit, weeeit weg.

Cilie
10.03.2015, 15:45
Erschrocken riss das Mädchen ihre Augen auf, nachdem Tyr sie mit seinem Stiefel angestupst hatte. Mit starrem Blick zeigte er an den schmalen Schiffsmast gelehnt auf die eingestürzten Fassaden eines Hafens. Setarrif. Die Stadt welche Cilie nur aus Erzählungen als eindrucksvoll und golden kannte, stach den Beiden nun mit all seiner zerstörten und niedergetrampelten Pracht entgegen. Zwischen den brüchigen Hauswänden bewegten sich übernatürlich große Schatten. Zweibeinige Wesen, fast doppelt so groß wie die Nordmarerin, bedeckt von Schuppen trampelten über den zertrümmerten Steinboden. Ihre Tränen konnte die Braunhaarige sich nicht verkneifen, weshalb ihr Begleiter sie in den Arm nahm und begann nicht sehr erfolgreich beruhigend auf sie einzureden.

"Was da vor uns liegt, is' eh schon lang' geschehn'. Daran könn' wir jetz' nixmehr ändern. Schau nicht hin, gleich sind wir daran vorbei..."

Und so war es dann auch. Eine knappe halbe Stunde später erreichten sie eine kleine Bucht, in welcher sie ihr Boot parkten. Ab hier ging es wohl zu Fuß weiter. Wohin? Das wussten sie nicht. Zuersteinmal gingen die beiden los, um Fußspuren von eventuellen Flüchtlingen auszumachen, während das Mädchen weiterhin leise vor sich hin schluchzte...

Bartimäus
17.03.2015, 21:43
Sein Blick reichte im Osten bereits wieder den Hang hinab, die Richtung in der man irgendwo wieder an die Künste stoßen würde. Ob man sie bei Tag von hier aus hätte sehen können oder nicht, wusste der Waldläufer nicht, doch war es Nacht und sah er deswegen der Lichtverhältnisse wegen schon nicht sehr weit. Was er aber gesehen hatte waren Lichter in einiger Entfernung. Machten Echsen auch Lagerfeuer oder handelte es sich um Menschen? Reisende? Die letzten Flüchtlinge aus Setarrif? Männer eines Königs, Soldaten also? Oder sogar besonders waghalsige Abenteurer oder Räuber? Wer auch immer sie waren, Barti beschloss sich ihnen mit sicherem Abstand zu nähern und mehr herauszufinden.

Notwendig war dazu seine nächtliche Rast zu verschieben und auch in der Dunkelheit noch durch die Gegend zu streifen, doch da er genau genommen nicht einmal wusste, ob Echsenmenschen eher tag- oder nachtaktiv waren, konnte er auch gar nicht einschätzen inwiefern das gefährlicher oder sicherer hätte sein können.
Doch auch seine nächtliche Reise unterschied sich nicht wesentlich von denen am Tag, Echsen traf er keine und bald war das flachere Land erreicht, der überblick verloren und die Position des Feuers konnte er nur noch grob schätzen. Doch während er der Meinung war sich etwas weiter nordöstlich halten zu müssen, was von ihm aus gesehen eher links lag, vernahm er von rechts plötzlich leise Geräusche. Seine Aufmerksamkeit wandte sich also in diese Richtung, schnell versuchte er eine erste Einschätzung zu treffen ob es sich um Mensch, Tier oder Echse handeln konnte, doch letztere waren geschickt und vermochten es sich leise fortzubewegen. Demnach konnte er diese ausschließen und auch für Tiere klangen die Töne eher ungewöhnlich. Vorsichtig schlich er weiter in die Richtung und konnte auch im kargen Mondschein schon Spuren erkennen, die darauf schließen ließen, dass erst vor sehr kurzer Zeit jemand den Weg entlang geschritten waren und wenn Barti sie richtig deutete, war diese Person alleine.

Noch wollte sich der Waldläufer nicht zeigen, doch erschien ihm die ganze Situation sehr ungewöhnlich. Was die Person wohl vorhaben könnte?

Avik
17.03.2015, 22:22
Das Rascheln seines Kettenhemdes, das Klimpern seines Schwertes und das Poltern seines Schildes, verdammt, wenn man in einer Nacht und Nebelaktion davonschleichen wollte, sollte man zuvor wenigstens seine Kriegsmontur ablegen, dachte sich der junge Ordensbruder entnervt von den lauten Geräuschen. Mittlerweile sollte er jedoch längst außer Hörweite sein. Vielleicht suchte man bereits nach ihm, doch Avik vermutete, dass die Abwesenheit erst am Morgen beim Appell auffallen würde. Alle waren müde, nicht verwunderlich, wenn sein Zeltnachbar bereits schlief und die anderen dachten, er wäre auch zu Bett gegangen. Wie dem auch sei. Er stampfte in der Dunkelheit weiter.

Plötzlich jedoch stockte er und ein Schauer glitt über seinen Rücken. Sein Blut wurde von einem Mondlicht reflektierenden Schimmer in Wallung versetzt. Unverzüglich zog er sein Schwert. Etwas schimmerte im Mondlicht. Augen, und ein Körper. Es sah aus der Ferne betrachtet aus wie eine strahlende Rüstung in der Dunkelheit. Ein Ritter? Ein Ordensbruder? Sucht man ihn also doch? Die Rüstung war zu groß, das Schimmern der Augen war ungewöhnlich und kam von zu weit oben, als dass es sich um einen Menschen handeln könnte und kam zu schnell näher.

Avik wusste was das war und biss die Zähne zusammen. Er positionierte sich hinter seinem Schild, sein Körper spannte sich und seine schweren Stiefel suchten halt im lockeren Boden. Er würde standhalten. Die Gedanken der letzten Wochen waren verflogen. Desertieren, Orden, Iowice, alles unwichtig. Er war ein Krieger Innos` und in dieser Nacht würde nicht Beliar einen Sieg erringen, sondern die Ordnung der Menschen.

"Innos gib mir Kraft!".

Die stampfenden Schritte wurden lauter. Avik ärgerte sich nun nicht mehr, dass eine seine Kampfmontour anbehalten hatte, eher ärgerte er sich, dass sein Helm am Gürtel baumelte, anstatt dass er den eisernen Schutz trug. Dann verschwanden selbst diese letzten Gedanken aus seinem Kopf. Der Aufprall war enorm. Sofort wusste er, dass er das Spiel verlieren würde und öffnete seine Verteidigung, zog das Schild zurseite, eher der Druck ihn umkippen lassen könnte, oder sein Rücken oder Arm unter der Belastung nachgeben konnte. Die Lücke die Entstand bot genug Platz für sein langes Schwert. Er stach in die Dunkelheit und spürte Widerstand, noch ehe der Schrei seines Widersachers ihm bestätigte, dass er ins Schwarze getroffen hatte. Er machte einen weiten Schritt zurück, zog sein Schwert in der Bewegung aus dem Echsenkrieger und kniete nieder. Er horchte, doch kein Atmen, kein Zischen war mehr zu vernehmen. Innos hatte ihn gehört. Eine einsame Träne floss seine Wange hinunter. Sein Brustkorb hob und senkte sich bereits wieder gleichmäßig, als ein Zischen ihn erneut aufschreckte. Eines, dann noch eines, und noch eines....

Bartimäus
17.03.2015, 22:53
Schöne Scheiße!

Tagelang marschierte man über Stock und Stein, kam heil davon und wurde in keinen Kampf verwickelt und kaum begegnete man einer fremden Person, einem gerüsteten Soldaten noch dazu, der vermutlich aus Thorniara kam, dauerte es keine fünf Minuten da kamen diese Viecher schon aus ihren Löchern gekrochen.
Der Bogen war schussbereit, ein Pfeil angelegt, doch ein Schuss für den ersten Moment nicht notwendig. Der Soldat kam alleine zurecht - auch wenn der Waldläufer beim besten Willen nicht verstehen konnte, was er hier alleine zu suchen hatte - und es war für kurze Zeit kein Zischen mehr zu hören. Doch der Frieden wehrte nur kurz und schon bald darauf kam wieder Leben in die Nacht.
Zum Glück des Jägers befanden sich die Echsen - zumindest die, die er bisher wahrnehmen konnte - auf der anderen Seite des Soldaten, sodass Barti noch nicht unmittelbar Gefahr drohte. Wie lange das so blieb war fragwürdig und es galt jetzt zu entscheiden, ob er schnell Abstand zwischen sich und die Echsen bringen wollte und hoffen sollte, dass der Soldat sie lang genug aufhalten können würde oder ob er dem zum Tode geweihten helfen sollte.
Für alle denen ihr Leben lieb war mochte die Situation eindeutig erscheinen. Warum sein Leben für einen Fremden aufs Spiel setzen?

Barti entschloss sich jedoch anders. Waldläufer halfen hilflosen Wanderern, woher auch immer sie kamen und genau das würde auch er jetzt tun.
Wie bei Beliar sollte er bei dem Licht treffen? Es war ein Rätsel, doch viele Jahre der Erfahrung hatten ihn gelehrt sich nicht mit Gedanken aufzuhalten und der Intuition zu folgen.
Schnell war der Pfeil also angelegt, der Bogen gespannt und als der Selbstsichere die Rüstung des Echsenwesen im Mondlicht schimmern sah, reichte das aus um das Ziel auserkoren zu haben. Der Gegner stürmte auf den Soldaten zu, befand sich auf einer annähernd geraden Laufbahn, der Kopf befand sich logischerweise knapp über der glänzenden Rüstung und der Pfeil war abgeschossen.
Die Mutter war ihm gnädig und ein dumpfer Einschlag gefolgt von einem wilden Zischen zeugten von einem Treffer, durch den die Echse kurz darauf zu Boden ging.
Sofort war natürlich auch der nächste Pfeil bei der Hand, doch die passende Situation musste erst abgewartet werden.

Avik
17.03.2015, 23:44
Drei Echsen. Verdammt. Es war aus. Er sah dem Tod ins Gesicht. Vielleicht hatte er sich mit seiner Desertation von Innos abgewandt und jetzt bekam er sofort die pralle Strafe dafür spendiert. Tod durch Echsenkrieger. Ermordert beim vermeintlichen Gang zur Toilette. Wenn seine Brüder ihn finden würden, würden sie denken, er habe sich beim Pissen verlaufen. Wenn man ihn finden würde, würde man ihn hier in der kalten Erde begraben, oder im Osten von Thorniara, auf der unwichtigsten Insel des Reiches verbrennen. Sein Staub würde sich im Staub des Drachen verlieren und vermutlich würde seine Liebe, seine Frau, sein Sohn, nie erfahren, was geschehen war. Nie erfahren was passierte. Er würde bedeutungslos sterben. Er war geflohen um seinem Leben wieder einen Sinn einzuhauchen und jetzt starb er. Welch Ironie.

Doch er würde kämpfen. Hatte ihm sein Glauben eines gelehrt, zweifelte er vielleicht an seinem Leben beim Orden, zweifelte er vielleicht an seiner Aufgabe in diesem Krieg gegen Beliars Schergen, gegen den Drachen, die Pest, vielleicht gar das Königreich Argaan, die Rebellen, zweifelte er wie immer an sich selbst, so war er felsenfest entschlossen zu kämpfen. Den Tod nicht das Vergüngen zu überlassen, sondern selbst Vergnügen zu finden.

Er stürmte los. Mit Schild und Schwert bewaffnet. Dumm, in der Tat, lag die Stärke des eisernen Mannes doch in der Defensive. Die erste Echse erreichte ihn, während die zwei weiteren Echsen von der Seite ankamen. Doch noch ehe er einen Kampfruf erklingen lassen konnte, zischte etwas durch die Luft, ein dumpfer Schlag und die Echse landete vor ihm auf den Boden. Mit offenem Mund bremste er und stand dann einen Moment später vor der Leiche. Er konnte es in diesem Moment nicht verstehen, hatte auch gar keine Zeit dazu. Er drehte sich zu den nächsten Widersachern und wirbelte sein Schwert durch die Luft. Die Echsen wichen dem Schlag anscheinend schnell aus, denn die Klinge traf kein Echsenfleisch.

"Ahhhh", er dückte sich hinter seinen Schild, wusste er doch, dass er nicht gegen zwei Seiten gleichzeitig kämpfen konnte. Schon traf eine Klinge seine Schulter und beinahe hätte der Schwung der rostigen Axt ihn von den Füßen geholt. Die Klinge glitt an seinem Kettenhemd ab, doch das Stechen in der Schulter war so enorm, dass er für einen Moment seine Waffe nicht mehr heben konnte. So schlug er mit dem Schild. Ein schwacher und trostloser Versuch ein paar Sekunden mehr aus seinem Leben heraus zu holen. Sein Atem ging schwer und Schweiß lies seine Sicht trüben. Das Schild traf die Echse, doch hielt sie dem Hieb des eisernen Schild stand wie ein Fels in der Brandung.
Avik hatte jedoch einen Vorteil daraus gewinnen können. Er wusste nun wo sein Gegner stand und stach erneut zu, während er sein Schild wieder zurückzog und dies in einer möglichst deckenden Bewegung versuchte. Sein Hieb wurd pariert, überraschend hart und zielsicher in der Dunkelheit und so der Stich Richtung Boden umgeleitet. Er suchte sein Heil im Angriff und sprang nach vorne, während er versuchte das lange Schwert wieder in eine bessere Positon zu bringen, doch auf diese Distanz was es zu unhandlich und er knallte gegen die Echse. Sie war jetzt ganz nah. Er hörte ihren Atem, spürte ihre Nähe. Von hinten hörte er ebenfalls das Zischen. Er biss die Zähne noch fester zusammen, atmete tief ein und wirbelte mit seinem Schwert herum und knallte damit gegen die Axt der Echse. Es war ein ungleicher Kampf, er stand direkt unter ihr und sie drückte mit voller Kraft sein Schwert nach unten.

Auch wenn er diesen Zweikampf aushalten konnte, er stemmte seine Beine in eine sichere Position und drückte gegen die Echse, war sein Tod von hinten gewiss. Er wartete nur auf den Axthieb von hinten. Die zweite Echse würde ihn gleich zerteilen. Alle Chancen waren vertan.

Bartimäus
18.03.2015, 00:12
Der Soldat war zäh, stemmte sich gegen eine weitere Echse und sah vermutlich seinem Tod in die Augen. Der Waldläufer hingegen war sehr froh darüber immer noch nicht ins Ziel der Angreifer gerückt zu sein und unbescholten am Rand des Geschehens zu stehen. Bisher war es ihm leider unmöglich gewesen einen weitern Pfeil abzuschießen. Schnelle Bewegungen, wenig Abstand zwischen Feind und Fremden, der vermutlich den Freund darstellen sollte und schlechte Sicht hatten einen weiteren Abschuss unmöglich und unverantwortbar gemacht. Würde der Soldat nun sterben, so soll es so sein, würde auch Bartimäus jetzt sterben, so soll es so sein, doch hätte Bartimäus selbst den Soldat umgebracht und damit die Aufmerksamkeit auf sich gezogen, so wäre die Verkettung der Ereignisse so unglücklich, dass man im Nachhinein nur noch von Dummheit hätte sprechen können.
Doch die Situation hatte sich geändert, der Verteidigende war kurz davor zwischen zwei Echsen eingeklemmt zu werden und die Chance versehentlich ihn zu treffen sank immer weiter. Ebenso wie seine Überlebenschancen und deshalb kam der Waldläufer nicht mehr drum herum, als einschreiten zu müssen.

Innerlich dankte er der Mutter für die wolkenlose Nacht und die scheinenden Rüstungen der Echsenmenschen die ihm ein weiteres Mal erlaubten ein ungefähres Ziel anvisieren zu können. Schon war ein Pfeil verschossen, die Echse jedoch verfehlt, stattdessen aber durch etwas anderes in ihrem Handeln gestoppt. Denn der Jäger hatte beschlossen seine Beute als solche zu deklarieren. Anstatt sich von den Schmerzen des Wesens abzuschirmen, öffnete er die Schranken und versuchte sie mit so viel Entschlossenheit und Bedrohlichkeit zu konfrontieren wie er konnte. Er konnte fühlen wie die Echse der ihr zugeteilten Rolle nicht gerecht wurde, es schien fast als kannte sie das Gefühl gar nicht der Gejagte zu sein. Dennoch reichte es aus um sie für den Bruchteil einer Sekunde inne halten zu lassen, den Schlag gegen den Rücken des Soldaten abzubrechen und den Kopf in Richtung des neuen Feindes zuzuwenden.
Doch der freche Feind zögerte nicht und schoss ein weiteres Mal auf die erstarrte Bestie. Ein Schmerz traf den Jäger, doch tödlich war der Treffer wohl nicht. Weitere Schüsse folgten und während Bartimäus Schmerzen zunahmen, sanken die Lebensgeister der Echse, welche schließlich aus nächster Nähe mit dem Dolch einen Todesstoß versetzt bekam.

Avik
18.03.2015, 00:37
Er wartete und wartete. Seine Lippen begannen zu zittern, nicht nur durch die Anspannung, sondern auch durch die Furcht die sich durch das Warten in seine Glieder fras. Verdammt. Er würde sterben. Sterben. Sterben. Kein anderer Gedanke schaffte es mehr in sein Hirn. Komplett abgeschottet wurde er taub und blind. So fühlte man sich kurz vor dem Henker. Es war verwirkt. Doch, es kam kein Ende, oder fühlte es sich so an? Beliars Reich? Ein ewiges Warten auf den Tod, den Moment des Sterbens immer und immer wieder durchlebend? Nein, das konnte nicht sein, doch Innos Feuer war es definitiv auch nicht. Dafür war die Kälte des Angstschweißes, die Nasse seiner Haare und der Atem der Echse zu Real.

Schnaubend hielt er dem Kräftemessen stand. Der Winkel war ideal. Er konnte seinen ganzen Körper als Säule einsetzten, doch er musste etwas tun. So riss er sein Schild nach oben. Es war riskant, aber gab keine Alternativ. Mit dem Schild löste er das Schwert ab, donnernd suchte die Axt ihren weiteren Weg nach unten und prallte auf das Schild. Dieses drückte gegen den Kopf des Ordensbruder, der Aufschlag machte ihn benommen. Die andere Krallenhand des Monsters wirbelte durch die Luft und zerriss den Waffenrock an der Brust des Mannes, während sein Schild nach oben zeigte. Eine Klaue schien sich im Kettenhemd verkeilt zu haben und wütend riss die Bestie an Avik. Dieser konnte nichts anderes tun als unter den Bewegungen zu wanken. Endlich hatte er sein langes Schwert in Position gebracht. Er dückte sich und spannte sich zu einem letzten Sprung und drückte sich schließlich mit aller Kraft nach vorne. Er stach der Echse an ihrem Arm vorbei mitten in den Bauch, während die Axt seinen Schild zurückdrückte und ihn dabei den Arm verdrehte. Er schrie vor Schmerz auf und ließ sein Schwert los. Sein Schild riss ihn nach hinten, wo er auf den Boden aufschlug und benebelt liegen lieb. Gurgeld starb sie Echse, die nun ihrerseits zusammenbrach, Avik jedoch verbunden durch die verworrene Klaue mit sich zog. Er kam auf dem Monster zu liegen.

Stöhnend versuchte er Distanz zu den Zähnen zu wahren, während er zeitgleich sein Gewicht auf die Seite verlagerte um so den Axtarm der Echse zu blockieren. Sie sollte das Viech nicht mehr heben können. Er spürte förmlich wie die Gier nach Rache dieses Monsters stieg. Er konnte nichts anderes tun als zusehen, wie das Maul immer näher kam und sich öffnete, wie es mit bloßer Kraft den Körper des gepanzerten Mannes näher an die Zähne brachte.

Er hatte es geschafft. Dem Tod das Vergnügen geraubt.

"Kommt du schon du mmm-Mistvieh!", johlte er, betrunken von all den Gefühlen des Kampfrausches. Er lag auf seiner rechten Hand, sein Schildarm war taub und seine Beine nutzt er um die Axt auf den Boden zu drücken. Er war bewegungsunfähig und schon spürte er den kalten Atem.

Bartimäus
18.03.2015, 12:24
Während Barti erfolgreich die eine Echse erlegt hatte, schien es dem Soldaten weniger gut zu ergehen. Ein Schmerzensschrei war zu hören und der Waldläufer befürchtete schon er würde als einziger Überlebender aus dem Kampf hinausgehen, doch noch schienen sich beide Kämpfende zu halten. Vorsichtig kam der Jäger den beiden näher, denn er wollte auf keinen fall riskieren eine scheinbar überlegene Position zu verlieren, nur weil die zu Boden geworfene Echse doch noch irgendwo einen Schwanz oder eine Gliedmaße frei hatte mit der sie nach ihm schlagen und das Blatt wenden konnte.
Doch dazu kam es nicht. Das Wesen schnappte gierig nach dem Soldaten und schien abgesehen davon unfähig etwas zu tun. Dem Mensch erging es offenbar nicht besser und so war es nun Bartimäus Dolch, welcher die Lage hoffentlich entschärfen würde. Ein gezielter Hieb gegen den entblößten Hals, ein Schrei und eine blutige Sauerei, die den Fremden noch zusätzlich besudelte, dann war es still.

Einen Moment denn dann durchdachte der Waldläufer sein weiteres Vorgehen. Flink wollte er die auf dem Angegriffenen liegende Echse von ihm wegschaffen, musste dazu erst noch die Klaue lösen und sprach dann wenige, leise, aber bestimmte Worte.
"Es ist nicht vorbei. Wir müssen weg hier! Kannst du noch alleine? Blutest du?"
Ob er konnte, war keine Frage, er musste. Nur starken Blutungen sollte man vielleicht ein paar Sekunden Beachtung schenken, sonst würde er unterwegs noch verbluten.
"Komm!"
Sein Ton war hart, doch erschien es ihm momentan das Beste. Sie hatten weder Zeit, noch Kraft zu diskutieren und je länger sich der Fremde in einer Gefahrensituation sehen würde, desto länger würde das Adrenalin in seinem Körper auf ihrer Seite stehen und das Ganze positiv beeinflussen.
"Blut lockt die nur an. Oder anderes. Wir können froh sein, wenn sie nicht unserer Fährte folgen um Rache zu suchen."
Ob sie so etwas wie Rachegelüste kannten wusste der Jäger natürlich nicht, doch ihre Fährte zu verdecken war jetzt ein Ding der Unmöglichkeit. Alleine das Blut auf dem Soldaten würde über weite Strecken zu wittern sein, man konnte nur hoffen, dass das Schlachtfeld selbst fürs erste mehr Aufmerksamkeit auf sich zog.

Avik
18.03.2015, 13:43
Avik schleppte sich langsam vorwärts. "Nein, nein, ich blute nicht. Nur mein Arm... verdammt...", er fluchte und schleppte sich mühevoll weiter. Keine Zeit zu reden. Sein Atem ging schnell und rasselnd. Er war am Ende. Dann bleib er stehen und ließ sein Schwert fallen. Mühsam befreite er sich von dem Schild. Erleichterung als das schwere Ding seinen maltritierten Arm nicht weiter belastete. Befreit von seiner Bewaffung war er wesentlich schneller. Er versuchte einen Rythmus zu finden und eilte dem fremden Retter hinterher.

Bald erreichten sie die Brücke und eilten weiter. "Da irgendwo liegt mein Lager... ", keuchte Avik weiter. Alle Gedanken an Flucht und Freiheit waren vergessen. Er musste Alarm schlagen. Die Echsen waren nicht weit entfernt und seine Männer ahnten nichts. Auch wenn andere Einheiten vielleicht die Lage im Blick hatten, so musste er mindestens Meldung machen...

"Verdammt", keuchte er, während er schwankend weitereilte.

Trilo
03.09.2015, 20:48
Das waren die schlimmsten zwei Tage meines Lebens, direkt nach dem Sterben damals. Und es gibt ernsthaft Leute die freiwillig, oder sogar gern auf diesen Viechern durch die Gegend ziehen?!

Zwar war die Flucht des gesuchten Verbrechers geglückt, doch hatte sein Körper hierfür einen nicht unerheblichen Preis gezahlt. Schon einige hundert Meter außerhalb des Stadttores war das Vieh mit ihm durchgegangen und preschte durch ein nahe gelegenes Wäldchen. Zumindest kam es Trilo so vor, dass der Wald halb Argaan umfasste.

Noch innerhalb der Stadt hatte er sich durch ein Zugreifen der Mähne retten können um so nicht direkt wieder auf den steinernen Boden der Tatsachen und Thorniaras zu landen; doch konnte man von Reiten beim besten Willen nicht reden. Er saß weder richtig im Sattel noch hatte er irgendeine Möglichkeit das Monster von Pferd zu lenken. Kaum war er raus aus der Stadt, rutschte er aus dem Sattel beinahe ab und verhedderte sich mit dem linken Fuß im Steigbügel. Resultat war eine ausgiebige Erfahrung wie hart ein Waldboden sein kann und wie wenig doch das menschliche Gesicht gegenüber Stöcken und Steine auszusetzen hatte. Völlig zerschunden kam das Pferd dann mitten im Nichts zum stehen, schaute sich irritiert um und begann zu grasen.

In der nächsten Stadt kommst du zum Metzger,dachte sich der ehemalige Ritter noch bevor er sich zu dem Tier hinschleppte und die herunter hängenden Zügel griff. Humpelnd machte er sich sofort daran halbwegs stadtnah über die noch niedrigen Ausläufer des Gebirgszuges zu kommen, damit er auf der Westseite das Weite suchen konnte. Da er aus dem Osttor floh, würde man ihn vermutlich auch eher in Ostargaan zunächst suchen.

hummelchen
28.09.2015, 21:30
Träge schlugen die Wellen an das steile Ufer.

"Jetzt hab ich doch noch Glück gehabt. Nach dieser verdammten Reise, die nichts als Ärger gebracht hat.“

Hummelchen schleppte den Rest ihrer Habe ans Ufer. Das ungewöhnlich milde Wetter hatte die Wellen an dieser extrem steilen Küste nur liebvoll in den Abbruch geschoben. Der sah aber immer noch gefährlich aus. Der Bewuchs auf den Felstrümmern zeigte deutlich, was hier bei der bald einsetzenden Flut passieren würde. Hummelchen musste sich beeilen. Weiterpaddeln war auch nicht möglich, denn das Boot hatte auf dem felsigen Untergrund einige erhebliche Beschädigungen erhalten.

„Wie komme ich denn hier weg? Hier geht’s extrem steil nach oben und ich komme da keinesfalls hoch.“

Ein bisschen verzweifelt war sie schon. Diese Verzweiflung hatte sie auch nicht verlassen, seitdem diese Banditen sie im Boot ausgesetzt hatten. Und auch das war noch ein Glück gewesen, denn eigentlich waren es nicht wenige, die sie einfach ins Wasser schmeißen wollten. Warum konnte sie auch nie ihre Klappe halten? Gorr würde sich jetzt fürchterliche Sorgen machen und was sollte erst Gorrchen dazu sagen? Er war zwar jetzt ein großer Schmiedelehrjunge, aber er würde vermutlich doch heimlich weinen.

Aber alles würde sich finden. Erst einmal musste sie sich in Sicherheit bringen und die kostbaren Gewürze, die die Banditen ihr ins Boot geschmissen hatten, als sie sie auf hoher See ausgesetzt hatten.

Hummelchen schulterte den Seesack und versuchte zwischen den Felsbrocken einen Weg zu finden. Das war schwer. Die Felsbrocken waren glitschig, die Räume dazwischen mit Wasser, Schlamm, Krabben und ähnlichem Ungetier gefüllt. Immer wieder rutschte sie ab und konnte zudem noch sehen, wie zwischen den Steinen langsam das Wasser stieg.

Immer wieder richtete sie ihre Blicke auf die steile Felswand. Irgendwie musste sie doch etwas höher kommen. Wär doch echt lächerlich, wenn sie so viele Strapazen überlebt hätte und nun hier am Fuß dieses ….

„Was ist das denn? … Das kenn ich doch …“

Hummelchen starrte entgeistert in die Höhe. Hoch auf dem Gipfel ragte ein Gebäude über den Felsrand, das ihr sehr bekannt vorkam.

„Unsinn, das kann gar nicht sein. Ich bin von Khorinis Welten entfernt … oder nicht?“

Immerhin war sie tagelang auf dem Meer getrieben und hatte keinerlei Möglichkeit, sich zu orientieren. Diese Verbrecher hatten ihr nicht mal einen Kompass gegeben. Aber dieses Gebäude … so was gabs doch sicher nicht noch einmal. Aber vielleicht irrte sie sich ja auch. Und außerdem war es egal. Wenn sie jetzt absoff, spielte es keine Rolle, ob sie es zu Füßen des Kastells oder einer anderen ollen Burg machte.

Die Steine waren in letzter Zeit etwas größer geworden und Hummelchen konnte jetzt von Stein zu Stein springen. Das war etwas angenehmer, zumal die größeren Steine noch völlig trocken waren. Das würde allerdings nicht mehr lange so bleiben. Das Wasser stieg!
Plötzlich hörte sie schrille aufgeregte Schreie. Gellend kreischten sie und kamen schnell näher. Und da konnte sie es sehen. Ein schmaler Pfad schlängelte sich den Fels hinunter und auf ihm waren einige Scavenger dabei, sich dem Wasser zu nähern. Wild ruderten sie mit den Stummelflügeln und schienen ganz aufgeregt, sich der Wasseroberfläche zu nähern. Die ersten hatten das Wasser bereits erreicht und begannen aufgeregt, sich die kleinen fetten Fische zu schnappen, die mit der Flut zwischen die Felsen gespült wurden.

Scavenger – ihre Babys aus lange vergessenen Zeiten.

Hummelchen begann Lockrufe auszustoßen, während sie sich zu dem Pfad vorwärts kämpfte. Die Scavenger hatten ihre Köpfe gehoben und starrten die schmutzige zerlumpte Figur an, die so vertraute Rufe ausstieß. Endlich erreichte Hummelchen den Pfad, ließ ihren Seesack fallen und sank auf die Knie.

„Ich bin gerettet. Und ich muss auf Khorinis sein, oder in der Nähe. Die Tiere kennen meinen Lockruf, obwohl ich weit über 10 Jahre nicht hier war.

Kommt her meine Lieben, ich bins, Hummelchen, eure Hummel, die euch immer die fetten Mehlwürmer gebracht hatte.“

Obwohl – eigentlich war es albern. Von den Vögeln von damals konnte keiner mehr am Leben sein. Aber vielleicht waren das die Kinder? Hatten ihre Eltern ihnen den Ruf vertraut gemacht? Aber egal, jetzt hieß es, die Beine in die Hand nehmen. Das Wasser bedeckte inzwischen die Steine und stieg zügig an. Wenn sie noch einen Platz auf dem Pfad behaupten wollte, musste sie sich sputen. Die Scavenger liefen jetzt auch den Pfad hoch, sie hatten ihr Festmahl offenbar beendet.

Immer wieder wandten sie die Köpfe als wollten sie sagen: folge uns, wir bringen dich in Sicherheit.

hummelchen
29.09.2015, 13:22
Immer höher. Der Weg war anstrengend und Hummelchen musste sich immer wieder hinsetzen.

„Das ist gewiss kein Weg für Menschen. Möchte nicht wissen, wie viele hier schon in den Abgrund gestürzt sind.“

Aber da jeder Weg ein Ende hat so auch dieser. Es wurde schon dunkel, als Hummelchen dem Gipfel endlich so nahe war, dass sie sich richtig umschauen konnte. Die Scavenger hatten sie aufgeregt kreischend verlassen und so stand die kleine Frau völlig allein vor den hohen Mauern dieser Festung oder Kastell oder Burg.

„Also mich laust die Scavenger-Wanze, wenn ich das Gebäude nicht kenne. Ich weiß zwar nicht wie, aber es hat mich offenbar nach Khorinis verschlagen. Obwohl – stand das Kastell denn am Meer?“

Nachdem Hummelchen wieder bei Kräften war, ging sie entschlossen auf das finstere Gebäude zu.

„Ich wird schon rauskriegen, was hier los ist.“

Madlen
01.10.2015, 22:44
Sie hatten die Stadt aus der Ferne beobachtet. Völlig zerstört lag sie vor ihnen, zerborstener Stein, verbrannte Erde, schwarzes Holz. Alle an Bord hielten es besser, entfernt von Setarrif in einer geschützten Bucht vor Anker zu gehen. Einfach nur zur Sicherheit, damit immer ein Flcuhtweg offen blieb.
Vierundzwanzig dunkle Schatten waren dann an Land gegangen. Wie eine Flutwelle der Finsternis waren sie still und leise an den Sand gespült worden, eroberten ihr neues Territorium und gruben sich ein.
Dunkle Mäntel ließen sie mit der Nacht verschmelzen; die Rüstungen waren gut eingeölt, damit sie keine Geräusche von sich geben konnte. Schwarze Masken aus feinem Stoff bedeckten die Gesichter bis zu den Augen. Die freien Stellen waren mit dem Ruß von verkohltem Holz bemalt worden. Schwerter, Dolche, Messer, Bögen, Pfeile und Speere wurden mit Wolle umwickelt, sodass sie beim Laufen nicht klappern können. Der größte Teil der Ausrüstung stammte von dem Begleitschiff der Lerina, die bis an die Zähne bewaffnet zu sein schien. Man konnte leicht dreimal so viele Leute voll ausstatten.

Niemand sagte ein Wort, selbst ein Atmen war kaum war zu nehmen. Wenn man seine Nase ein wenig anstrengte, dann konnte man einen leichten rauch- und kräuterhaltigen Duft wahrnehmen. Dies rührte daher, dass in die Masken kleine Taschen eingearbeitet worden sind, in denen sich winzige Kügelchen aus stark duftenden Kräutern befanden. Weiterhin wurden drei Kuhlen gegraben und darin brannten drei Feuer, überdeckt mit provisorischen aus Treibholz gebauten Überdachungen, damit der Rauch verteilt wurde und das Licht nicht weithin sichtbar war.

Immer noch hörte man kaum ein menschliches Geräusch. Vierundzwanzig dunkle Schatten ruhten auf dem Strand in der Bucht, zwei Dutzend Geister bereiteten sich darauf vor vielleicht nicht mehr auf das Schiff zurückkehren zu können, sondern über den Horizont zu wandern. Sie wusste nicht, was sie in der Stadt erwartete, außer vielleicht viel Gold. Niemand kannte den Grund, warum Madlen unbedingt dorthin wollte.
Nun, für die Frau war es logisch, so zu handeln. Sie wusste, dass sie in ihre Heimat reisen würde, um dort ihr wahres Erbe anzutreten. Dennoch war Argaan ein zweites Zuhause geworden. Hier in Setarrif hatte sie viel erlebt und sie war nicht zur Stelle gewesen, als die Zerstörung begonnen hatte. Sie konnte nicht bei der Verteidigung helfen, konnte nichts gegen das Chaos unternehmen.

Und jetzt? Jetzt hatte sie die Möglichkeit Dinge der Erinnerung zu retten. Ein wertvoller Bogen, das Schwert von Marcel und ein Lammfell, auf welchem Vinona immer vor dem Feuer des Kamins in ihrem Haus gelegen hatte. Damit ist das Warum geklärt. Das Wie blieb natürlich weiterhin eine Frage, aber sie war zuversichtlich. Auch wenn ihre Männer ihr Leben für sie opfern würden, so…ja, was eigentlich? Madlen befand sich in einem Zwiespalt. Sie würde alles auf sich nehmen, um diese Sachen an sich zu bringen. Es schien so, als würde das Leben anderer nichts mehr für sie wert sein und doch wollte sie nicht, dass irgendwer für die junge Frau in den Tod ging.
Opfer waren notwendig, das war ihr natürlich klar. Dennoch war sie daran nicht gewohnt und es war etwas ganz anderes, es zu verstehen und es wirklich zu erleben. Wie immer versuchte die Bardin das Problem zu verdrängen, wenn sie es nicht gleich lösen konnte. Diesmal aber schien es viel schwerer als sonst zu sein. Die Stille…nun, das war nicht ganz richtig. Es war vielmehr das Fehlen jeglicher menschlicher Laute, welches einen die eigenen Gedanken viel zu laut hören ließ. Die Piratin fröstelte kurz, ob der Kälte der Nacht oder der Finsternis in ihr, vermochte sie nicht zu sagen.

In der Ferne hörte man neben den natürlichen Umgebungslauten, auch undefinierbare Laute, die aus der nahen Stadt kamen. Sie waren zwar hier in Sicherheit, dennoch spürte man ein unwillkürliches stilles Raunen durch die Gruppe wandern und jeder Muskel war wie eine Bogensehne bis zum Anschlag gespannt, bereit dafür jederzeit loszulassen und seine tödliche Kraft zu entfalten…

Hirni
02.10.2015, 05:49
"Psst" kam es von hirni. Hier im dichten wald konnte alles im unterholz auf sie lauern. Egal ob hase, reh, wolf oder mutierte eichhörnchen. Echsenmenschen jedoch schloss er aus. Dafür waren die körper zu robust, die rüstungen zu schwer als dass sie im wald herumpirschten. Vor allem im dickicht des waldes.
Wölfe schloss er auch aus. Die jagten eh im rudel und bisher waren ihm keine anzeichen von wölfen aufgefallen.
Olivias atem wurde immer schwerer, man spürte regelrecht, wie angespannt sie war. Sie suchte vermehrt deckung hinter hirnis rücken.
Andere leute wurden mutiger, wenn sie eine waffe in den händen hielten, seine schülerin wirkte gerade jedoch ziemlich verängstigt.
Wie kam sie eigentlich sofort auf echsenmenschen? Hirni kannte sich mit den dingern eigentlich gar nicht aus. Da wollte er sie nur ungern jagen gehen...

Dann brach ein bulliges behaartes wesen aus dem unterholz. Schmüffeln und kratzen war zu vernehmen. Dann ein grunzen. Hirni erkannte ein wildschwein. Es stellte sich vor den beiden auf und schien das revier zu verteidigen. "Wir gehen jetzt ganz langsam zurück... keine hastigen bewegungen. Wenn hier ein säugendes muttertier in der nähe ist, haben wir echt schlechte karten..." flüsterte er. Seine arme ausbreitend schritt er langsam zurück, darauf bedacht das schwein immer im auge zu haben. "Nicht den rücken zukehren" flüsterte er. Olivia folgte seinem beispiel... hirnis adrenalinspiegel stieg in die höhe, sein herz raste. Olivia würde es wohl nicht anders ergehen.
Nachdem sie einige meter zurück gewichen waren, trollte sich das schwein wieder.
"Puh... keiler und wildsäue in der nacht. Da begegne ich lieber einem nackten ork..."

Sie entschieden sich für einen anderen weg. Hirni hielt die augen offen nach dem was er suchte. Er sollte es bald schon finden, in der nähe eines kleinen strandes am waldesrand. Eine große lange schlange wand sich dort gerade über den boden.
"Ha!" Rief hirni langsam aus und warf olivia einen sack zu. "Aufhalten!" Sagte er zu ihr. Sie gehorchte. Dann drückte er leicht mit dem kampfstab auf den hinteren teil des kopfes, was ein langes zischen der schlange hervorbrachte. Sie wand und schlängelte sich, konnte aber nicht entkommen. Beherzt griff hirni zu und packte sie in den sack.
"Meine laborexemplare sind ja alle futsch..." meinte er enttäuscht. "Und ich besorg mir meine experementierchen lieber selber." Erklärte er einer olivia, die hier in der nacht wohl nicht so begeistert schien. "Komm... lass uns zum strand. Gleich geht die sonne auf, da gibts bestimmt noch ein oder zwei schöne exemplare..." frohlockte er und schulterte den sack...

Olivia Rabenweil
03.10.2015, 10:05
Schlangen… einfache, träge Schlangen! Das hätte Hirni auch gleich sagen können. Als er von Reptilien gesprochen hatte, war der letzte Gedanke den sie gefasst hätte, dass er Versuchstiere sammeln wollte. So etwas Blödes!
Olivia entspannte sich. Vor Schlangen brauchte sie keine Angst zu haben und auch vor Wildschweinen fürchtete sie sich nicht. Zwar hielten sich ihre Erfahrungen im Wals in Grenzen, doch dass die meisten Tiere sich mehr vor Menschen fürchteten, als die Menschen sich vor ihnen, das wusste sie.
Doch auch, wenn sich ihr Herzschlag langsam beruhigte, bedeutete dies nicht, dass sie weniger wachsam wurde. Immer hin galt es jetzt nicht nur nach Gefahren Ausschau zu halten, sondern auch nach dicken Eidechsen, Schlangen und anderem Getier. Zum Glück erweckte die Nacht den Wald zum Leben und es dauerte nicht lange, bis die einen Dachs ausgemacht hatten, der im Unterholz wühlte. Olivia hatte von der Zähigkeit der Dachse gehört und hielt das Tier damit perfekt für Untersuchungen. Doch wie sollten sie es heimbringen? Es würde sich schrecklich wehren und wahrscheinlich auch die Schlange töten, die bereits im Sack lag.
„Hirni“, rief Olivia, während sie auf das Tier zulief. Es hob den Kopf und zischte bedrohlich. „Dachse fressen doch auch Schlangen…!“ Als Olivia immer näher kam, nahm der Dachs irgendwann Reißaus. Doch schon nach kurzer Suche entdeckte sie dann den schuppigen Wanst einer Schlange. Wie sie es bei ihrem Lehrmeister gesehen hatte, fixierte sie das Reptil mit einem Stock bis es auch im Sack verschwunden war.

Der Weg der beiden nächtlichen Wanderer führte weiter Richtung Süden und schließlich an den Strand. Ob es am Strand wohl Schlangen gab? Lang suchten sie zwischen den größeren Steinen an diesem felsigen Strand und fanden nur kleinere Eidechsen. Während der Suche blickte sich Olivia immer wieder einmal um. Sie wollte die Wachsamkeit nicht fahren lassen, und da das Rauschen der anbrandenden Wellen die meisten anderen Geräusche übertönte, war es umso wichtiger in der mondscheinhellen Nacht die Umgebung optisch zu überwachen.

Inzwischen war er erste Schimmer morgenrot am Horizont auszumachen, doch die immer noch vorherrschende Finsternis machte das Erkennen irgendwelcher Tiere besonders schwer. So glaubte Olivia auch zuerst einen flachen Felsen aus dem Meer gucken zu sehen, als sie den dunklen Umriss im Wasser wahr nahm. Doch bei näherer Betrachtung erkannte sie, dass dieser angebliche Felsen sich bewegte. Er schob sich langsam auf den Strand zu. Olivia gab die Suche nach weiteren Kleintieren auf und ließ dieses Ding nicht aus den Augen. Was konnte das nur sein? Dann hob sich langsam ein Arm aus den Fluten. An seinem Ende saß eine gewaltige Schere. „Bei den Göttern!“, raunte Olivia, so ein Tier hatte sie noch nie gesehen. Dem Arm folgte ein gewaltiger Panzer auf sechst dornigen Beinen. „Hirni!?“

Vor ihnen hob sich eine gewaltige Krabbe aus dem Meer. Der Durchmesser ihres Körpers betrug sicherlich drei Meter und die Dicken Beine, die unter ihr sich in den Boden gruben, ließen sie noch breiter erscheinen. Leise klang das Klacken der Scheren zu ihnen herüber. Das Tier hatte sie entdeckt und bewegte sich in ihrem charakteristischen Seitwärtsgang auf sie zu. Die Augen stießen aus dem Panzer hervor, drehten sich in der kühlen Nachtluft hin und her, bis es die Beute fixierte.

Diese abnormen Stilaugen direkt auf sie gerichtet, machte Olivia vorsichtshalber einen Schritt zurück. Sie hob das Schwert und wartete noch einen Moment. Sie kannte Krabben aus der Heimat. Sie schmeckten ganz gut, besonders wenn im Sommer die Eier unter dem Panzer lagerten, die man nach dem Kochen so schön herausschlürfen konnte. Eine wahre Delikatesse. Doch sollten sie jetzt als Delikatesse für dieses Schalentier enden?
Das Vieh beschleunigte. Seine spitzen Füße, ließen sie Steine am Strand aufspritzen, während es hinüberpreschte. „Hirni!“, stieß Olivia warnend aus, dann brachte sie sich mit einem Sprung vor dem Angreifer in Sicherheit. Das große Tier war auf seinen sechs Beinen erstaunlich beweglich. Es drehte sich auf der Stelle und griff mit einer seiner Scherenhände nach ihr.
Die Krabbe war zwar groß und stark, doch mit ihren Greifern nicht sonderlich präzise. So tauchte Olivia darunter hindurch und verpasste dem Tier eins mit dem Schwert gegen eines der Beine. Sie bildete sich ein, eine kleine Kerbe in den Panzer geschlagen zu heben, doch verletzt hatte sie es auf keinen Fall. Sie erinnerte sich an den Kampf gegen den Tempelwächter in Varant. Auch diese Kreaturen hatten einen stark gepanzerten Körper besessen, den ein Dolch nicht zu durchdringen vermochte. Sie hatten diese hässlichen Geschöpfe erst zu Fall bringen können, als die die Gelenke angegriffen hatten. Doch damals in der Wüste waren sie viel mehr gewesen. Sie konnten ihren Gegner ablenken und von mehreren Richtungen angreifen. Das war hier nicht möglich. Sollte die einzige Rettung die Flucht in den Wald sein, der so dicht war, dass die große Krabbe nicht folgen konnte?
Wieder musste Olivia einem Angriff ausweichen. Inzwischen hatte auch Hirni sich an der Krabbe positioniert und schlug heftig auf das Tier ein. Da er viel mehr Kraft als sie besaß, war er es, der nun die Aufmerksamkeit auf sich zog.
Olivia hatte somit eine kurze Verschnaufpause und Zeit zum Nachdenken. Wenn sie den Panzer nicht durchdringen konnte, dann musste sie ihn eben vorher schwächen. Es war Zeit für die Schattenflamme.
Die gebündelte Magie tauchte schwach leuchtend und leise zischend zwischen ihren Fingern auf. Da Hirni sie gerade ablenkte, schlich sich Olivia mit schnellen Schritten halb um den Gegner herum und positionierte sich an seinen hinteren Beinen. Sie hob mit der einen Hand das Schwert, mit der andren den Zauber. Nun musste es schnell gehen. Sie drückte die magische Flamme gehen den Panzer, der rauchend nachgab. Jedoch konnte sie die Stelle nicht lange attackieren, da die Bewegungen der Krabbe einen längeren Angriff unmöglich machten. Somit war es jetzt das Schwert, welches seine Arbeit tun musste. Mit einem Aufschrei der Kraftanstrengung stieß sie die Waffe tief in den Panzer. Die Klinge versank bis zur Hälfte in dem Tier. Ein Schrei, der nicht menschlich war, ließ Olivias Ohren klingen. Noch während sich die gewaltig Kreatur umdrehte und sie dabei zu Boden riss, schoss es ihr durch den Kopf, dass Krabben eigentlich keine Stimmen haben sollten. Wozu brauchten sie sie? Doch dieses Exemplar war nicht nur aufgrund seiner Größe etwas ganz Besonderes.
Der Aufprall auf dem Boden war hart. Sie stieß sich den Kopf an den Steinen auf dem Boden. Sobald sie ihre Augen wieder öffnete, war die Krabbe über hier. Mit ihren kräftigen Beinen, verruchte sie sie aufzuspießen, doch Olivia schaffte es sich jedes Mal zur Seite zu winden. Völlig konzentriert auf diese spitzen Füße, erkannte sie die Schere, die nach ihrem Kopf griff, jedoch zu spät. In letzter Sekunde konnte sie den Arm hochreißen und verhinderte so, das ihr Kopf zwischen den Greifern gefangen war. Nun zog das Vieh sie an ihrem Arm hoch. Ohne Waffe war sie Hilflos, obwohl sie nun freien Weg zu den Augen gehabt hätte. Sie versuchte nach dem Gesicht, oder was sie dafür hielt, zu treten, doch je mehr sie sich bewegte, gruben sich die Scheren in das Fleisch ihres Armes. Nun war es ihr Schmerzensschrei, der die Nacht durchdrang.

Hirni
03.10.2015, 10:56
"Ey... du riesenlanguste... lass meine schülerin in ruhe." Rief hirni und schlug mit aller kraft auf das tier ein. Der panzer rund um rücken, bein und schere machten es jedoch schwer, dem vieh einhalt zu gebieten.
Dann kam ihm eine idee. Die meisten gepanzerten tiere waren nicht nur bei den augen und im mund ungeshützt, sondern auch im bauchbereich. Die natürlichen feinde der krabbe nutzten dies doch ständig. Doch dann fiel ihm die größe dieses exemplares wieder ein. Natürliche feinde hatte diese krabbe wohl eher nicht. Dennoch fragte er sich, warum es nicht auch einfach mal was einfaches an gegner sein konnte, wenn er mit frau rabenweil unterwegs war. Zuerst die begegnung mit dem riesenkalmar auf dem schiff und nun diese begegnung mit einer riesenkrabbe. Das konnte nur an olivia liegen. Sie zog das bestimmt an. Er hatte bei dem ausflug erhofft, das sie auf gegner wie warane, lurker, orks oder blutfliegen trafen. Stattdessen eine riesige krabbe.

Er schüttelte den kopf und damit die gedanken fort. Nun hiess es handeln, bevor seine schülerin in 2 teilen wieder zurück ins kastell gelangte. Hirni verpasste dem vieh mit seinem kampfstab zwei kräftige schläge ins auge. Daraufhin bäumte es sich auf, liess olivia los. Mit einem gekonnten wurf schleuderte hirni den stab bei seite und zog den einhänder. Mit aller kraft stiess er dem überdimensionalen meerestier das schwert in das weiche bauchfleisch. Immer und immer wieder. Es schrie wild auf, schmerzerfüllt und sackte dann in sich zusammen. Doch das leben war noch nicht aus den augen erloschen...

Olivia Rabenweil
04.10.2015, 21:50
Als die Kreatur sie losließ landete Olivia unsanft auf dem Boden. Doch anstatt wie sonst sich darüber zu beschweren, dass sie sich die Ellenbogen gestoßen hatte, war sie vielmehr dankbar, dass sie noch welche hatte. Die Schere hatte ihr tief ins Fleisch gedrückt, doch bis auf die Haut war zum Glück nichts verletzt.
Zuerst brachte sich Olivia durch ein Zurseiterollen in Sicherheit. Dann suchte sie ihr Schwert und versuchte die Lage zu erfassen. Hirni setzte der Kreatur hart zu, bis sie endlich in die Knie ging. Dennoch zuckte immer noch das Leben in ihr. Es war die Zeit gekommen, dies nun zu beenden.
Die junge Magierin hob ihre Waffe, machte einen Sprung nach vorn und setzte einen präzisen Stich in die Augenhöhle des Tieres. Durch diese ungeschützte Stelle viel der Angriff leichter. Da Olivia vom häufigen Verzehr dieser Tiere in ihrer normalen Größe einiges über ihre Anatomie wusste, war ihr auch klar, dass sie mit etwas Glück, das kleine Gehirn treffen konnte. Der gewaltige Leib hörte auf zu zucken. Nun lag die Krabbe still im Licht der aufgehenden Sonne.

Olivia zog sich zurück. Ihr Atem ging schwer und ihr Arm schmerzte. Ihr Blick suchte Hirni. Auch an ihm war dieser Kampf nicht spurlos vorbei gegangen. Er ließ das Schwert sinken und betrachtete, das Tier. Olivia machte ein paar Schritte auf ihn zu. „Vielen Dank für deine Hilfe. Ich war einen Moment unaufmerksam, da hatte mich das Vieh geschnappt. Es tut mir leid, dass ich nicht richtig gehandelt habe.“
Olivia schob die Klinge zurück in die Schwertscheide, dann begann sie damit auf den Kadaver hinauf zu klettern. Der Panzer war sehr fest und glitzerte im rötlichen Licht. Die Platten zeigten eine tiefrote Färbung, mit einigen schwarzen und orangenen Punkten darauf. Eigentlich war diese Zeichnung sogar ganz hübsch, fand Olivia. Ob man sie wohl noch für irgendetwas verwerten konnte?
„Dann ist es wohl wahr, was die Leute sagen. Seit der Drache aufgetaucht ist, sind auch vermehrt Meeresungeheuer rund um die Insel herum anzutreffen. Das ist jetzt schon die zweite Abnormität der See, der wir begegnet sind. Aber was machen wir jetzt mit diesem Tier? Willst du es mitnehmen oder zu mindestens Teile davon. Kannst du denn vielleicht sogar etwas davon gebrauchen? Ansonsten: Da sind jetzt zwei Schlangen und fünf Eidechsen in deinem Sack. Reicht das? Dann können wir zurück zum Kastell. Ich bekomme langsam Hunger auf ein ausgiebiges Frühstück.“

Hirni
05.10.2015, 12:45
Hirni überlegte kurz... Wie sollten sie das Monstrum denn mit ins Kastell kriegen?
"Hm... Frühstück? Vor dir liegt doch eine 3 Tonnen Krabbe. Hau rein! Nicht gut? Dann glaube ich, wird das eher Futter für die Möwen. Wie sollen wir das Tier den Berg hochkriegen? Ohne magischen Diener wird das wohl nichts. Und dein Kreuz scheint jetzt nicht so breit zu sein, das du es Huckepack hochtragen kannst." grinste der Schwarzmagier. Corax landete auf seinen Schultern und krächzte. "Ach, du alte Beule. Zeigst du dich auch mal wieder?" Ein erneutes heiseres Krächzen folgte. "Von mir aus kannst du dich dran laben..."
Die beiden schoben ihre Schwerter in die Scheide und Hirni band seinen Jutesack an den Kampfstab, den er nun als Wanderstab nutzte. "Nun gut, dann lass uns mal den Rückweg antreten." Gemeinsam machten sie sich auf den Weg zurück.

Auf dem Halben Wege zum Kastell sprangen 2 herunter gekommene Typen vor Ihnen aus einem Gebüsch. Mit gezogenen Schwertern standen sie vor den beiden Zirkelmitgliedern. "Hallo, wen haben wir denn da? Ein Liebespaar? Habt ihr euch verlaufen? Was ist in dem Sack...? Bestimmt eure Aussteuer..." sprach der Rechte neugierig und grinste breit mit seinen fauligen, schwarzen Zähnen. Der Mundgeruch war wohl 10 Meter gegen den Wind zu riechen und der Grund, warum die beiden Typen bisher noch nicht von den örtlichen Monstern gefressen worden waren. Der linke von beiden, etwas schmächtiger, dafür größer war sich scheinbar nicht ganz wohl in seiner Haut. Ein zittern des Schwertes und sein unsicherer Blick ließen darauf schließen. Darauf war vielleicht aufzubauen.
"Gestatten..." sprach Hirni extra geschwollen. "Mein Name ist Graf Janos Verkonnen und das ist Olivia von Rabenweil, wir wohnen dort oben auf dem Schloß und sind auf der Suche nach fähigen Opfern erm... Gäste für unsere... Gesellschaft." Er verneigte sich leicht, Olivia tat es ihm gleich. Natürlich, aufgrund der Lederrüstungen die sie trugen wirkten sie mehr wie Söldner, denn wie Schwarzmagier. Mit den Kutten wären sie wahrscheinlich nicht von den beiden Deppen auf ihrem Wege unterbrochen worden.
"Gulliver... Ich glaube das sind Schwarzmagier... die kommen von diesem verrückten Haufen da oben vom Berg..." nuschelte der Schisser, dessen Zähne zwar nicht ganz so schlimm aussahen, dafür aber nicht minder Mundgeruch aus seiner Schnauze kam.
"Selbst wenn... Ist mir egal. Die sollen mir zeigen was in dem Sack ist, und keine faulen Tricks dabei..." schnauzte der Faulzahn.
Hirni verstand es nicht, wieso die Gier nach Gold immer größer war als der Gesunde Menschenverstand. Die beiden Deppen hier würden, sollte Hirni noch seine magischen Kräfte besitzen, schon lange tot im Dreck liegen. Er hoffte, Olivia würde noch genug Kraft für einen weiteren Kampf haben. Denn auf diesen würde es hinauflaufen. Mit klugen Sprüchen würden sie hier wohl nicht weit kommen. Immerhin würde nun die Theorie wohl in die Praxis umgewandelt werden, ob Olivia wirklich eiskalt die Leute töten würde, die sie bedrohten, oder ob sie doch Gnade walten lassen würde.
Der Blondschopf wollte es darauf ankommen lassen und zuckte mit den Schultern. "OK... Du darfst den Sack haben." Das Faulige Gebiß freute sich jetzt schon diebisch. So leicht hatte er es sich nicht vorgestellt, so wirkte es.
Hirni löste den Sack vom Stab, öffnete ihn... Und schleuderte den Inhalt dem Kerl ins Gesicht. Dieser schrie auf, als Eidechsen und Schlangen auf ihn zuflogen, sprang beiseite und fluchte laut "Verfluchte Magierscheisse..."
Hirni derweil schlug mit dem Kampfstab nach dem Schisser. Dieser jedoch schien in dem Moment auf einmal von Kampfeslust gepackt und schlug den Stab beiseite. Der ehemalige Alchimist hatte eigentlich gehofft, dass der Lange vor Angst heulend weg laufen würde. Doch weit gefehlt. Er attackierte ihn nun mit seinem rostigen Einhänder. Hirni machte einen Ausfallschritt, wich somit dem Streich aus und griff nach seinem Schwert...

Olivia Rabenweil
05.10.2015, 18:33
„Meine Herren“, begann Olivia sachlich. Doch schon gingen die Männer zum Angriff über. Hirni hatte den langen Kerl an der Backe und der kleinere, stämmigere hielt sie nun für leichte Beute. Olivia seufzte. Eigentlich war sie müde und es plagte sie der Hunger. Warum hatten sie diese Männer nicht in Ruhe lassen können. Auch alle von Hirnis Versuchstiere waren nun verschwunden. So ein Mist.
Langsam nährte sich der stinkende Faulzahn und wedelte vor ihrer Nase mit dem Schwert herum. „Verdammt“, murrte sie und zog ebenfalls ihr Schwert.
„Komm zu mir, Kleines! Ich werde dir mal richtig zeigen, wie man mit einem Schwert umgeht… Hehe!“
Olivia war die dummen Sprüche leid. Wut entfachte sich in ihr, doch sie musste sich beherrschen. Wenn sie eines bei Hirni in der letzten Zeit gelernt hatte, dann, dass sie sich unter Kontrolle halten musste. Komme was da wollte.
Olivia ließ ihn näher kommen, während er sich ihr ohne große Vorsicht nährte und das Schwert in ihrer Hand nicht ernst nahm. Er griff mit seiner Hand nach ihr, doch Olivia wich zurück und schlug stattdessen mit dem Schwert zu. Ein roter Streifen zeichnete sich unter dem Schnitt in seinem Hemd ab. Fluchend zog er seine Hand zurück und hob nun seinerseits das Schwert.
„Na gut, du kleines Miststück! Dich kriege ich!“ Er fuchtelte wild vor ihr in der Luft herum. Olivia parierte seine Schläge, denn sie waren nicht besonders gut geführt.
„Hirni!“ Er kämpfte in ihrem Rücken, sie sah ihn deswegen zwar nicht, doch hören konnte sie ihn. „Lass uns diese Kerle mitnehmen und sie mit deinen gesammelten Schlangen ausstopfen!“ Der Mann machte nun endlich ernst. Seine Schläge wurden kräftiger und Olivia spürte, die die Schläge ihren Arm und die Schultern zum Schmerzen brachte. Olivia keuchte, der Schweiß stand ihr inzwischen auf der Stirn. Trotz der erhöhten Kraft, die ihr Gegner in seine Schläge legte, blieben seine Angriffe schlampig. Er schien davon auszugehen, dass sie keine Ahnung davon hatte, wie man eine Waffe benutzte. Oder hatte er vielleicht selbst einfach keine?
Olivia tauchte unter einem Schlag hindurch und traf den Strauchdieb in der Seite. Da sie nicht genügend Kraft in ihren Schlag hatte legen können, verletzt sie ihn damit nicht. Er grunzte bloß, packte sie in einer ruckartigen Bewegung und stieß sie zu Boden. Ein heftiger Hieb fuhr auf sie nieder. Olivia schaffte es gerade noch ihr Schwert in die Höhe zu reißen, ihre freie Hand gegen die breite Seite der Klinge zu drücken und sie den Schlag abzufangen. Die Kraftanstrengung trieb ihr die Luft aus den Lungen.
Der Druck seiner Klinge nahm zu. Olivias Arme zitterten. Lange würde sie dem Kerl nicht mehr standhalten können. Nicht nur, dass er um ein vielfaches mehr Kraft hatte und auch ein höheres Gewicht, welches er voll einsetzte, nein, auch der bestialische Gestank aus seinem Mund brachte sie fast um das Bewusstsein.
„Mistkerl!“, zischte die junge Magierin und bereute es, dass sie keine Hand mehr frei hatte, um ihm eine Schattenflamme in sein hässliches Gesicht zu drücken. Sie musste sich etwas einfallen lassen. Hirni konnte ihr gerade nicht helfen.
Sie sammelte all ihren Mut zusammen und zog ihre linke Hand ein. Ihre Klinge neigte sich und das Schwert rutschte darüber hinab. Da der Meister Faulzahn all seine Kraft auf seine Waffe gebracht hatte, schaffte er es nicht sich rechtzeitig zurück zu lehnen. Olivia nutzte sein Nach-Vorn-Stolpern aus, riss ihren Fuß in die Höhe und rammte ihn in seine empfindliche Körpermitte. Stöhnend klappte er zusammen und brach neben ihr zusammen. Olivia drückte sich vom Boden ab und kam auf die Füße. Neben ihr war auch der Mann dabei sich zu sammeln. Er machte sich daran ebenfalls aufzustehen, doch dazu ließ sie es nicht kommen. Ihre Schwertspitze landete an seinem Hals. So wie Luke sie auch schon auf dem Boden gezwungen hatte, tat sie es jetzt bei diesem Mann. „Ganz ruhig, Stinker!“ Um ihren Worten Nachdruck zu verleihen, drückte sie die Schwertspitze fester gegen seinen Hals. Ein paar Bluttropfen flossen darunter hervor.
„Hirni? Wie ist es bei dir? Ich denke wir nehmen den hier mit, ziehen ihm auf deinem Seziertischt, die Haut von seinem hässlichen Gesicht und ersetzen sie durch Affenarschgewebe… dann bohren wir ein Loch in seinem Kopf und setzten eine Eidechse dort ein. Vielleicht finden wir eine besondere Art die am liebsten Hirn frisst. Und zum Schluss schneiden wir seinen Brustkorb auf, brechen die Rippen auf, schneiden sein Herz heraus und ersetzten es gegen einen Frosch… Was hältst du davon?“

Hirni
05.10.2015, 20:55
Hirni hatte seinen widersacher nach seinem ausfallschritt erstmal einen tritt in die kniekehle verpasst, woraufhin dieser kurzzeitig zu boden gegangen war. Ein beherzter griff richtung schwert liess aus dem ungleichen duell ein gleichwertiges lassen. Zumindest dem anschein nach. In wirklichkeit hatte hirnis gegenüber das schwert wohl mehr als zahnstocher genutzt. Die schläge waren langsam, seine ganze art träge. Er wäre der bessere gegner für olivia gewesen.
"Andererseits wächst man an seinen aufgaben... und olivia ist doch gerne etwas hochmütig." Dachte hirni, nachdem er seinem gegenüber nach mehreren paraden und attacken kurzerhand einen schwerthieb mit der flachen seite an die schläfe verpasst hatte. Benommen war der kerl zu boden gegangen.
"Ich habe ihn besiegt, ohne ihn zu töten..." meinte hirni gespielt wichtig tuerisch... er hob seinen stab auf und warf das schwert des langen in den wald. Der dicke schaute schweiss gebadet zu hirni. Dann wieder zu olivia. Als hirni olivias vorschlsg vernahm ölachte er laut auf. Olivia hatte die gleiche fiese art wie er. Das gefiel ihm...
Dem dicken jedoch gefiel das weniger.

"Ihr seit echte schwarzmagier von da oben?" Stotterte er.
"Nein. Von oben kommen wir nicht. Wir sind aus dem kastell, ja. Wenn du das meinst. Ich lüge nie..."
"Was macht ihr hier?" Immer bleicher werdend realisierte er wohl gerade, das er tief in der patsche sass.
"Olivia ist meine einhand-kampf schülerin. Wir haben reptilien gesucht... die nun aber wieder fort sind weil ihr uns gestört habt..." zischte hirni und funkelte ihn böse an. Erst jetzt realisierte er, das neben dem gestank aus dem mund noch ein anderer "duft" von dem kerl aus ging. Er hatte sich vor furcht wohl eingeschissen.
In dem moment schrie hinter dem schwarzmagier jemand auf. Instinktiv zog er sein schwert, drehte sich um und stach zu. Er spürte den widerstand, auf den seine klinge erst traf. Dann schnitt sie durch eingeweide und magengrube. Der dolch, den der lange gezogen hatte, fiel zu boden und der kerl sackte in sich zusammen... "wenn aus dummheit mut wird, wird aus benommenheit tot..." meinte hirni bedauernd. Er hatte den kerl wirklich nicht töten wollen, ihn sogar extra entwaffnet damit der gar nicht auf dumme gedanken kam. Stattdessen zog der idiot einen dolch und versuchte damit ihn zu erstechen. So war es nun blosse notwehr gewesen. Er hasste es zu töten. Vor allem solche taugenichtse.
In dem moment vernahm er ein dumpfes plumpsen. Olivias widersacher war ohnmächtig zu boden gegangen. Der anblick seines freundes, der in seinem eigenen blut lag war wohl zuviel gewesen.
"Du hast jetzt die wahl..." sprach hirni kühl. "Entweder wir schleifen ihn mit was mir persönlich stinken würde, wir lassen ihn liegen... oder er endet so wie sein freund. Das wird dann aber nicht meine aufgabe sein..."

Olivia Rabenweil
05.10.2015, 21:40
„Bitte!“ Olivia holte aus und verpasste dem bewusstlosen Kerl einen heftigen Schlag mit der Breitseite ihres Schwertes. Sie traf ihn am Arm und der Schmerz brachte den Gefangenen wieder zur Besinnung. Erst zuckte er nur, presste die Lieder aufeinander, in der Hoffnung er würde liegen gelassen, doch weitere Schläge brachten ihn dazu sich zusammen zu kauern und mit dem Winseln zu beginnen. „Los steh auf!“, herrschte Olivia den Mann an.
Sie wusste das Hirni sie testen wollte. Er hielt nicht viel davon Unterlegene zu töten, doch Olivia sah dies anders. Diese Kerle hatten sie angegriffen und wäre Hirni nicht gewesen hätten sie sie wohl überwältigt und unaussprechliches mit ihr angestellt. Diese Erfahrungen hatte Olivia schon zur Genüge gemacht, Männer waren zu einfach zu durchschauen. Es gab nur wenig, die ein wenig Ehre besaßen. Joe Black hatte sie immer davor gewarnt…
Dennoch wollte sie ihrem Lehrmeister nicht vor den Kopf stoßen und beschloss somit diesen Kerl auf andere, unauffälligere Weise zu entsorgen.
„Du kommst mit uns. Gehe voraus und mach keine dummen Dinge, ansonsten ergeht es dir wie deinem Freund hier.“ Der Mann erhob sich. Ein hässlicher Fleck zierte sein Beinkleid und Olivia verzog angeekelt das Gesicht.
„Bitte! Lasst mich gehen!“, jammerte der Räuber und blickte dabei zwischen ihr und Hirni hin und her. „Ich wollte doch nur etwas zu Essen, wir hungern im Wald! Diese Echsen erlauben uns nicht mehr jagen zu gehen und Setarrif ist abgebrannt!“
Olivia nickte gütig. „Kein Problem, im Kastell gibt es für Jedermann genügend zu essen und auch Schutz. Dorthin wirst du uns begleiten.“ Sie wies mit ihrer Schwertspitze den Pfad hinauf, der zurück zum Kastell führte. Ihr Atem ging immer noch schwer und gerne hätte sie eine Pause eingelegt, doch es konnten noch mehr Räuber im Wald sein. Vielleicht hatten diese sogar Pfeil und Bogen, dagegen konnte auch der beste Schwertkämpfer wenig ausrichten.
So setzten sie sich langsam in Bewegung. Vorsichtig warf Olivia einen Blick in Hirnis Richtung. Auch er sah sie an. Anscheinend wollte er gerade etwas sagen, denn er öffnete seine Lippen, da verspürte Olivia einen stechenden Schmerz in ihrer Seite. Mit einem Schmerzensschrei ließ sie sich Fallen und drückte ihre Finger auf die schmerzende Stelle. Sie erspürte einen Holzschaft und warmes Blut, welches unter ihren Fingern hervorquoll. Ein Pfeil hatte ihre Lederrüstung durchbohrt. Das Atmen viel ihr schwer, sie musste sich beruhigen.
Hinter sich hörte sie laute Stimmen. Zwei weitere Männer brachen schreiend aus den Büschen. Sie waren mit einem Dolch und Knüppel bewaffnet. Ein dritter hielt sich zurück und erlegte mit seinem Bogen erneut an. Dieses Mal war Hirni sein Ziel.
„Verflucht!“, presste Olivia wütend zwischen ihren Zähen hervor. Ein Hinterhalt! Damit hätten sie rechnen müssen. Nun kam es darauf an, ihren Schmerz zu unterdrücken und sich auf die Verteidigung zu konzentrieren.
Die Angreifer waren schon fast da. Der Messermann nährte sich Olivia. Er erhoffte sich wohl leichtes Spiel. Doch die junge Magierin kämpfte sich auf die Füße. Das Schwert zitterte in ihren Händen. Schreiend stürzte er sich auf sie. Sein Dolch stieß gegen das gehärtete Leder ihrer Rüstung. Gefährlich nahe hörte sie, wie die schartige Klinge über das Leder schabte. Er zog die Waffe zurück, um erneut zuzustechen. Endlich kam Leben in Olivias Arm und sie holte zum Angriff aus. Sie musste diesen Kerl entwaffnen, wie Hirni es vorhin mit dem Langen getan hatte, dann konnte sie ihn gefahrlos niederstechen. Sie zielte auf die Klinge nahe am Heft des kleines Dolches, doch der Schlag glitt nur auf seiner Schneide ab. Wie Blitze durchzuckte sie der Schmerz bei den heftigen Kampfbewegungen. Erschrocken wich ihr Angreifer zurück, als Olivia laut aufbrüllte. Sie musste ihren Schmerz irgendwie ableiten. Sie durfte sich von ihm nicht unterkriegen lassen. Der Messermann vereinte sich mit dem Stinker, der mit einem Ast bewaffnet nun seinen Kampfesmut wiedergefunden hatte. Er stürzte zuerst auf sie ein. Olivia hatte nicht vor, diesen Kerl noch einmal davonkommen zu lassen. Eigentlich hatte sie ja andere Pläne mit ihm gehabt, doch so riss sie das Schwert nach vorn und zog ihm einen roten Strich über die Kehle. Gurgeln und sich den Hals haltend brach er zusammen.
Sein Kumpan, riss angstvoll die Augen auf. Er blickte sich um, suchte nach Rettung, doch er war allein. Und allein sah er sich einer knisternden Schattenflamme gegenüber…

Hirni
05.10.2015, 23:24
Hirni konnte einem heranfliegenden pfeil gerade noch ausweichen und schlug einen der angreifer mit dem schwertknauf ins gesicht. Olivia hatte den fettwanst nun erledigt, das hatte er aus den augenwinkeln gesehen. Es würde hier nun eh tote geben. Viele tote... und er hoffte, das es sich hierbei nur um tote banditen handeln würde. Die pfeilverletzung olivias war nicht gerade ideal. Sie hinderte nicht nur im kampf. Nein, bei zu langsamer versorgung könnte es auch zu wundbrand kommen. Ein hieb mit der keule gegen hirnis brustbein holte ihn zurück in das jetzt und hier. Ein knacken ertönte, als wäre eine rippe von ihm in mitleidenschaft gezogen worden. Er wollte sich gerade zur gegenwehr setzen, als mit einemmal vier große echsenartige wesen in aus dem wald heraus gestürzt kamen. Das mussten diese echsenmenschen sein. Wahrscheinlich eine gruppe späher oder eine wache, angelockt durch den kampf hier. Nur kurz blickten sich die großen wesen, in schweren rüstungen und mit riesigen schwertern, um. In der zeit beobachteten die kämpfenden die knurrenden wesen. Es vergingen nur sekunden, doch sie kamen hirni vor wie stunden. Dann stobten die banditen auseinander. Hirni rannte herüber zu olivia, griff sie am oberarm und zerrte sie weg. "Los! Auf zum kadtell verdammte scheisse!"
Das adrenalin, welches ihn gerade durch den körper pumpte, liessen den stechenden schmerz im brustkorb bei jedem atemzug, vergessen. Nun galt es nur noch zu überleben...

Olivia Rabenweil
06.10.2015, 00:17
Das charakteristische Fauchen entging auch Olivia nicht, als die Echsenwesen aus dem Wald auftauchten. Immer noch kämpfte sie mehr gegen die Schmerzen, als gegen den Banditen, den sie gerade mit ihrer Schattenflamme anzuvisieren versuchte. Gerade als sie den Zauber entließ, riss Hirni sie mit sich. Der Flammenball verschwand zischend im Himmel und Olivia verlor das Gleichgewicht. Mehr stolpernd als Laufend wurde sie von Hirni voran gescheucht. Doch schon nach wenigen Schritten hatte sie sich gefangen. Ihr Körper und die Überlebensinstinkte übernahmen die Kontrolle. Die Füße fanden von ganz allein den Weg, den steinigen Pfad hinauf.
Keuchend rannten sie dem Kastell entgegen. Olivia konnte noch mehr Schritte, außer die von Hirni hinter sich hören. Wahrscheinlich folgten ihnen die überlebenden Räuber.
Nach einigen Metern ertönte ein lauter Schrei. Die Echsenmenschen mussten den hintersten Läufer, bestimmt den Schützen, erwischt haben. Doch sie wagte es nicht sich umzudrehen. All ihre Konzentration galt dem Weg, an dessen Ende schon die Tore zu erkennen waren.

„Im Namen Beliars! ÖFFNET DAS TOR!“

Adson Muller
28.11.2015, 11:04
Seine nächtliche Wanderung hatte ihn ein ganzes Stück nach Norden gebracht. Der erst staubige Boden war mittlerweile zu hartem Fels geworden, der hier und da von rötlichem Sand überzogen. Adson war fast bis zur Morgendämmerung gewandert, dann hatte er eine geschützte Kante am Wegrand erklommen und sich ein paar Stunden Schlaf gegönnt. Viel zu früh war er wieder erwacht und hatte sich nicht wirklich erholt gefühlt. Das lag wohl an der sonderbaren Luft, die schwer und drückend auf ihm lag und einen sonderbaren Geruch verströmte. Adson hatte ein paar Bissen gegessen und war dann weitergezogen weiter nach Norden, um dieses Gebiet nur schnellstmöglich hinter sich zu lassen. Dabei hatte er größtmögliche Vorsicht walten lassen, hatte er doch von den Wesen gehört, die in diesem Teil der Welt ihr Unwesen treiben konnten. Feuerspeiende Echsen, Golems aus flammenden Steinen und Untote sollten hier auf unvorsichtige Wanderer warten und Adson wollte eine solche Begegnung möglichst vermeiden. Also bewegte er sich möglichst geräuschlos und versuchte jede mögliche Deckung auszunutzen.

Seit seiner Rast war schon einige Zeit vergangen und Adson stoppte, um einen Schluck Wasser zu trinken. Wenigstens das brachte ein wenig Erfrischung, während die stickige, warme Luft ihm nur den Schweiß ins Gesicht trieb und fast schon in der Lunge schmerzte. Sorgfältig verschloss er die lederne Wasserflasche und befestigte sie wieder an seinem Gürtel. Er rückte sein Gepäck zurecht und schritt langsam weiter. Er war schon drei oder vier Feuerwaranen begegnet, doch hatte er sie vorsichtig umgangen. Ansonsten schien er bisher Glück zu haben. 'Bald ist es zu Ende. Dann kommt wieder Wald.', brummte er vor sich hin. Er hatte sich einige Karten der Insel angeschaut, hatte nach Wegen zurück gesucht. Und hatte sich schließlich für diesen hier entschieden. Vielleicht aus Neugier, vielleicht um sein Wissen über die Insel zu vergrößern, vielleicht um den Knochenbrechern nicht nochmal begegnen zu müssen. Adson dachte darüber nicht mehr nach. Er wollte nur weiter, wollte endlich wieder Bäume sehen, wollte weg von diesem roten Sand, der unter seinen Füßen leise knirschte.

Was war das? Hatte er da nicht ein Klappern hinter sich gehört? Adson wollte sich umdrehen, da spürte er plötzlich ein sonderbares Kribbeln, ähnlich wie am Portal zur Bibliothek im Kastell. Instinktiv warf er sich zur Seite und entging auf diesem Wege einem magischen Geschoss, welches nun haarscharf an ihm vorbeizischte. Adson war schon wieder auf den Beinen und hatte das Schwert aus der Scheide gerissen, sein Bündel lag am Boden. Doch was er sah, das ließ ihn kurz erstarren. Hinter ihm standen zwei Skelette. Eines davon trug ein schartiges Schwert, dem anderen schimmerte ein bläuliches Leuchten um die knochigen Finger. Beide starrten ihn aus leeren Augenhöhlen an, während sich ein dritter Untoter gerade aus dem Boden schälte. Adson riss sich aus seiner Starre und sein Gesicht verfinsterte sich. Er ließ das Schwert ein wenig hin und her pendeln. Sollten die Knochenmänner doch kommen.

Adson Muller
28.11.2015, 15:37
Adson löste sich als erster und lief auf den untoten Magier zu, um diesen zu erreichen, bevor er wieder seine Magie gesammelt hatte. Doch der knochige Schwertmann stellte sich ihm in den Weg, so dass der Narbige scharf abbremsen musste, um der schartigen Klinge zu entgehen. Er brachte sich hinter dem schwerttragenden Skelett in Deckung, um vor den Angriffen des Magiers geschützt zu sein und ließ einen schweren Hieb an sich vorbeizischen. Schon ging er selber in Angriffsposition, tauchte unter der Deckung des Knochenmannes durch und führte einen Schlag gegen den unbekleideten Brustkorb des Knochenmannes. Doch das Schwert hinterließ nur einen kleinen Kratzer und glitt an den blanken Knochen ab, was Adson zum Zurückweichen zwang. Inzwischen hatte ihn der letzte Gegner erreicht, der mit einer Einhandaxt bewaffnet war. Adson wich dem langsamen Hieb gekonnt aus und parierten den Hieb des Schwertkämpfers, den er daraufhin von sich stieß. Zwei schnelle Schritte brachten den Narbengesichtigen neben den Axtkämpfer, der seine Waffe in einem schrecklichen Überkopfschlag gegen Adson führte, der sich gerade noch aus der Bahn des Axtkopfes drehen konnte. Doch aus der Drehung heraus ging Adsons Schwert punktgenau auf die Ellenbogengelenke des Knochmannes nieder und trennte Ellen und Speichen von ihrem Vorbesitzer.

Adson ließ das Schwert fallen und griff nach der Axt, die im nächsten Moment das verstümmelte Skelett zertrümmerte. Wo das Schwert zu graziös gewesen war, tat die Axt ihre zerstörerische Arbeit. Schnell wandte sich Adson dem Schwertmann zu und bedeckte ihn mit harten Schlägen, die die dürren Knochen erzittern ließen, bis sie zerbarsten. Doch Zeit zum Ausruhen blieb dem Narbigen nicht. Sein dritter Gegner hatte sich ein Stück zurückgezogen und feuerte seine zerstörerische Magie in Richtung des Jägers. Adson versuchte auszuweichen, doch traf das unheilige Geschoss seinen linken Unterarm, welcher sofort von einem stechenden Schmerz durchdrungen wurde und sich unnatürlich verkrampfte. Adson eilte zur Seite und begab sich hinter einer Felskante in Deckung. Sein Atem ging schnell und unregelmäßig, sein linker Arm schmerzte und ein eigenartiges Kribbeln lief durch seinen ganzen Körper. Er lugte aus seinem Versteck hervor und sah, wie das verbliebene Skelett sich in einem möglichst großen Bogen um die Kante herumbewegte und dabei sonderbare Gesten vollführte. Adson riss den Bogen vom Rücken und versuchte ihn mit der verletzten Hand zu greifen, doch gelang es ihm nicht. Panisch suchte er nach einer Lösung, dann griff er mit der rechten Hand einen Pfeil und klemmte den Bogen im Sitzen hinter seine Fußsohlen. Er legte den Pfeil an die Sehne, lehnte sich zurück, hob die Füße ein Stück an und streckte die Beine langsam nach vorn. Mit leicht zitternder Hand hielt der die Sehne fest und wartete,... wartete,... wartete,... wartete, bis die Gestalt des Skelettmagiers in seinem Blickfeld erschien. Er korrigierte die Fußhaltung, gab die Sehne frei und rollte zur Seite um sich zu Erheben und einem möglichen Angriff zu entgehen. Als er herumwirbelte lag das Skelett am Boden. Langsam trat er näher.

Redlef
30.11.2015, 20:54
Nachdem Ravenne am Tor aufgetaucht war, hatte die Reise ohne weitere Worte begonnen. Redlef kam das sehr entgegen. Ravenne wohl auch, denn sie sprach ja nicht.
Zu ihrem Aufzug hatte er erst einmal nichts gesagt, auch wenn ihn die laute Platte sehr störte. Die schwere Rüstung behinderte die zierliche Frau und würde Ihr früher oder später die Kräfte rauben. Dabei hatten sie noch nicht einmal mit dem Aufstieg begonnen.
Den Tag über hatten sie mehr oder weniger schweigend die Wanderung verbracht. Redlef hatte nur das nötigste gesagt und Ravenne hatte wahrscheinlich auch so ihre Probleme mit Schreiben und Wandern gleichzeitig.

Nun wurde das Gelände steiniger und auch steiler. Sie hatten den Fuß des Gebirges erreicht. Redlef suchte nach einem geschützten Ort. Pfade gab es hier nicht. So suchte er, immer noch mit dem Muli am Führstrick, nach einer geeigneten Stelle und krakselte durch das unwegsame Gelände. Inzwischen stach sein Knie schrecklich. Glücklicherweise hatte er Ravenne einige Schritte hinter sich gelassen. Von dieser Position aus, konnte sie nicht sehen wie er immer wieder schmerzerfüllt das Gesicht verzog. Kalter Schweiß stand auf seiner Stirn. Schnell wischte er mit seinem Ärmel darüber. Seine Schritte waren mit der Zeit langsamer geworden. Das Muli hielt problemlos mit ihm mit und wartete auch immer wieder artig neben ihm, bis er den weiteren Weg vorgab.
Glücklicherweise hatte er schon bald einen Platz gefunden, an dem sie die Nacht verbringen konnten.
Ein Felsabbruch bot Schutz vor den teilweise heftigen Winden und der herunter gefallene Felsen schirmte den Platz zur anderen Seite hin ab. Schutt und Geröll zwischen der Wand und dem Felsen, schlossen die Formation zu einem dreiseitigen Schutzwall.
Hier konnten sie sogar ein Feuermachen, auch wenn die Chance auf Echsenangriffe hier ehr unwahrscheinlich war.
»Wir rasten hier«, verkündete Redlef. Ravenne hatte inzwischen zu ihm aufgeschlossen. Er hielt das Maultier an, und begann damit den Sattel zu entladen. Die vier Säcke, die er gepackt hatte und die Truhe mit seiner persönlichen Ausrüstung war schnell abgeladen.
Immer wieder musste er sich zusammenreißen, um nicht aufzustöhnen. Besonders das Bücken war eine Qual.
Zuerst suchte er den Futtersack und den Hafer. Das Packtier freute sich sehr über sein Abendessen. Mit dem Strick band er das Tier an einen jungen Baum, der zwischen den Felsen hervorwuchs.
Anschließend kramte er aus einem weiteren Sack trockene Holzscheite und etwas Reisig hervor. Da es schon dämmerte war es höchste Zeit ein kleines Feuer zu entfachen. Mit dem Reisig und einem Feuereisen gelang es erfreulicher weise recht schnell.
Ravenne kümmerte sich derweil um ihre eigenen Sachen. Red war es egal. Immer noch nahm er diese Frau, die sich selbst als Ritterin bezeichnete, nicht ernst. So wie sie am Tor aufgekreuzt war, schien es Ihm, dass sie ihm etwas beweisen wollte. Doch da gab es nichts zu beweisen. Frauen waren nun mal keine Krieger. Dennoch war er dankbar für ihre Gesellschaft. Alleine Reisen war nicht sein Ding.

Nachdem das Feuer brannte begann Red damit seine Schlafstatt vorzubereiten. Die Wasserfeste Plane diente als Zelt, den Regen war zu erwarten. Mit zwei kurzen Stangen und ein paar Steinen war es schnell aufgestellt. Schnell waren die Decken ausgebreitet und seine Felldecke ausgepackt. Dann erst erlaubte sich Red sich zu setzen. Er wusste, dass er sich nun die nächste Zeit nicht mehr erheben könnte. Er seufzte leise, als er sein bein endlich ausstrecken konnte. Hoffentlich hatte es seine Reisebegleitung nicht gehört.
Aus seiner Kiste suchte er etwas von dem Dörrfisch und auch etwas Obst. Von Haralds Frau hatte er ein paar Lageräpfel bekommen. Zusätzlich zog er auch eine Karte des Gebirges hervor. Heimlich legte er zum Schluss noch das Gänsefett, ein paar Kräuter, und den Brandwein in seinen Schoß. Er musste sich etwas für sein Knie anmischen.

Er klappte die Karte auf und legte sie neben das Feuer.
»Wir sind hier, ungefähr«, begann er unvermittelt das Gespräch, »Hier und hier sollen die in dem Reisebericht erwähnten Zugänge in die Tunnelsysteme sein. Wir werden noch etwas bis dahin brauchen. Was meint Ihr? Sollten wir einen direkten Weg versuchen, oder besser noch weiter auf der Straße reisen? Es dann weiter im Süden versuchen?«
Er reichte ihr die Karte, sodass sie sich einen besseren Blick verschaffen konnte. Währenddessen biss er in den Apfel. Er schmeckte prima.
»Wollt Ihr auch einen?« Red hielt ihr einen Apfel entgegen.

Luke Drake
01.12.2015, 14:47
Luke atmete erleichtert aus, nachdem sie endlich das Kastell verlassen hatten.
Zwar wollte der junge Druidenlehrling immer noch nach Tooshoo und erwischte sich auch dabei, wie er nach Möglichkeiten suchte, seine Freunde vorerst zu verlassen um in den Sumpf zu gehen, aber er wusste auch das ihr Auftrag von Esteban wichtig war und eine gute Beziehung zwischen den Waldvölklern und dem Schwarzmagiern von enormen Vorteil sein könnte. Deswegen würde er, zumindest vorerst, bei seinen drei Gefährten bleiben und mit ihnen Echsen jagen. Vielleicht würde ihn das auf andere Gedanken bringen.

Vom Kastell aus folgten die vier Männer einem Weg, der sie nach Setarrif führen würde, sollten sie ihm lange genug folgen. Doch das hatten sie eigentlich nicht vor, da sie in der Nähe des Kastells bleiben wollten, um Esteban nicht nur die Zungen von den Echsenmenschen zu bringen, sondern auch einen ganzen Körper.
Vor ihnen baute sich das Weißaugengebirge auf und Luke wusste, dass es immer Gefährlicher wurde. Deswegen hatte er seine Waffe griffbereit und konzentrierte sich auf die Umgebung. Geredet wurde so gut wie gar nicht, was es leichter machte auf alle möglichen Geräusche zu achten.

"Hier, seht mal", meinte Luke leise, aber so dass die Anderen ihn hören konnte.
Der Dieb hatte sich hingekniet und schaute sich die Fußspuren von Echsenmenschen an, denen sie schon eine Weile vorsichtig folgten.
"Blut", murmelte er. "Wahrscheinlich ist eine der Echsen verletzt. Und so wie es aussieht, scheint sich die Gruppe auch aufgeteilt zu haben."
Der Druidenlehrling folgte den Spuren einwenig weiter. "Zwei von ihnen scheinen hier ganz in der Nähe zu sein. Darunter auch die Verletzte. Der Rest ist wohl weiter nach Setarrif.
Mit den Zweien sollten wir es aufnehmen können…"

Ravenne
01.12.2015, 21:29
Die Rüstung hatte sie beim Auszug eigentlich nur getragen, um zu signalisieren, dass sie im Auftrag des Ordens unterwegs war. Präsenz zu zeigen. Natürlich ließen sich ihre Schutzeigenschaften nicht wegdiskutieren, aber sie war auch laut und hinderlich, egal, wie sehr sie zu klettern und zu kämpfen übte. Es war also kein Wunder, dass sie hinter Redlef zurückfiel, aber es war ihr recht egal. Interessanter fand sie, dass es wohl einen Rittlehrmeister in Thorniara gab, seit sie fortgewesen war. Anders konnte sie sich nicht erklären, wie ein Soldat wie Redlef gelernt haben sollte, ein Pferd oder Maultier richtig zu führen. Damit fing beim Reitunterricht alles an. Ravenne hatte noch weiter gehen müssen und das Pferd besorgen und für sich trainieren müssen, damit es auf sie reagierte, aber das war ja da nicht notwendig. Wenn sie wieder in Thorniara waren, würde sie Scáthach zu einem Ritt um die Insel mitnehmen ... das war sie ihr schuldig.

Redlef kündigte eine Rast an. Die Vorbereitungen waren rasch getroffen, das Zelt aufgebaut. Die Kuse lag griffbereit neben ihr, als sie sich vom Dörrfleisch aus dem Rucksack nahm. Ihre Gedanken schweiften zum Gebirge. Warum hatte man damals dort die Schmiede gebaut? Es war ... seltsam gewesen, sie zu finden. So einige der Brüder, mit denen sie bei der Expedition gewesen war, hatte sie lange nicht mehr gesehen. Aaron, Rod, Kerdric, ... was machten die eigentlich? Als Redlef unvermittelt das Gespräch begann, schrak sie aus diesen Gedanken hoch. Im Versuch, es sich nicht anmerken zu lassen, sah sie schnell auf die Karte, dann kramte sie in der Tasche nach Kreide und Tafel.
Ich bin für den direkten Weg. Der zweite im Manuscript beschriebene Weg ist beschwerlicher. Außerdem führt beim direkten Weg ein Teil des Weges lang, den wir auf der Suche nach der Schmiede genommen haben, das heißt, wenn sich da keine Magien erneuert haben oder sonst was - mit dem Zeug kenn ich mich nicht aus - dann sind wir zumindest Steingolems und sich bewegende Steinstatuen los.
Für den anderen Weg spricht natürlich, dass der Teil, der unterirdisch liegt, geringer ist, dafür komplett unbekannt. Ist auf dem Weg nach Süden mit Echsen zu rechnen? Wo treiben die sich hauptsächlich herum?

Redlef
01.12.2015, 23:13
Redlef überflog die Zeilen auf der Tafel.
»Um genau das herauszufinden sind wir ja hier. Die Berichte über die Echsen sind spärlich. Es gibt keine Patroullien, die zu weit in den Süden reisen. Die Soldaten bleiben in der Regel in der Stadtnähe. Nur selten wagen sie sich weiter vor, sodass die letzten Berichte veraltet sind. Ich weiß nur, dass die häufig in Gruppen auftreten. In der Regel ein knappes Dutzend. Ihre Haut ist dick, die Schuppen wie Panzerplatten. Sie tragen große unverwüstliche Waffen und sind schnelle und bewegliche Kämpfer.«
Red lehnte sich zurück, zog die Felldekce über seine Beine und begann in seinen Vorräten der Heilertasche nach den richtigen Kräutersäckchen zu suchen. Diese musste er nur in das Gänsefett einrühren und sie dann auf seine Knie schmieren. Etwas Alkohol dazu und morgen wäre er dann wieder fit.
»Ich bin ihnen schon einmal begegnet. Wie aus dem Nichts tauchten sie aus dem Wald auf. Griffen und an überwältigten uns in wenigen Augenblicken. Ich habe einen guten Mann bei diesem Angriff verloren. Das war jedoch im Sommer. Im Winter, besser gesagt bei Kälte sind diese Echsen träger und im Gebirge gibt es nicht viele Möglichkeiten, wie sie uns überraschen könnten. Daher gehe ich davon aus, das die Gefahr weiter oben und dazu so weit im Norden welchen zu begegnen relativ gering ist. Jetzt wo es kühler geworden ist erhoffe ich mir einfach, dass sie sich ehr näher Setarrif aufhalten.«
Redlef hatte die passenden Kräuter gefunden. Er begann damit alles zusammenzuführen. Inzwischen musste Ravenne aufgefallen sein, dass er unter seiner Decke etwas tat. Er brauchte ein Alibi…
»Wenn Ihr das Gebiet und Teile der Stollen bereits kennt, dann finde ich den Vorschlag diesen Weg zu nehmen natürlich nur einleuchtend und annehmbar.«
Leise ließ er die angehaltene Luft entweichen. Er hatte die Knie versorgt und nun ließ der Schmerz nach. So griff er dann zu seiner Pfeife und begann sie mit Tabak zu stopfen, den er ebenfalls in seinem Schoß deponiert hatte. Er hoffte darauf, dass Ravenne nun glaubte er hätte die ganze Zeit den Pfeifentabak vorbereitet.
»Morgen werdet Ihr«, fuhr er nach einiger Zeit fort, »Eure Rüstung auf das Maultier packen und dann die Führung übernehmen. In ein oder zwei Tagen werden wir dann hoffentlich den Höhleneingang erreicht haben. Dort werden wir unser Basislager aufschlagen, die Gegend und eventuell auch die Tunnel erforschen. Unsere vorrangige Aufgabe ist es, weitere Informationen über die Lager hier zu finden. Gibt es Schleichwege, die die Echsen benutzen können um sich unerkannt der Stadt zu nähren? Haben sie dort vielleicht schon irgendwo ein Lager aufgeschlagen. Können wir Spuren finden, die auf ein vermehrtes Auftreten dieser Viecher hindeuten? Und zu guter Letzt: Sind die Vermutungen über ein Nest oder eine andere Versammlungsstätte innerhalb des Berges zu bestätigen?«
Genüsslich zog er an seiner Pfeife und lehnte sich zurück. Einen Moment noch wollte er die Ruhe des Abends genießen. Ravenne als Reisepartnerin war eine angenehmere Zeitgenossin als er gedacht hatte. Ihr Schweigegelübde sorgte für entspannte Ruhe. Er hörte bloß das Knacken des Feuers und das Heulen des Windes.
Bei Zeiten musste er Ravenne einmal fragen, warum sie dieses Gelübde abgelegt hatte. Aber nicht heute. Heute würde er nach seiner Pfeife bestens einschlafen können.
»Legt Euch zur Ruhe, ich übernehme die erste Wache.«

Ravenne
02.12.2015, 16:01
Männer. Ravenne hatte die komischen Bewegungen unter der Decke ignoriert. Auch wenn sie einen Teil der Tunnel bereits kannte, ergab es keinen Sinn, diesen Weg zu nehmen, wenn das Ziel das Verfolgen der feindlichen Truppenbewegungen war, nicht das Erkunden der Tunnel. Einen Moment hatte sie überlegt, dann hatte sie die Schrift weggewischt.
Wenn es um feindliche Truppenbewegungen geht, ist es klüger, beide Eingänge abzusuchen und zu sehen, ob Echsenpartouillen unterwegs sind und ob sie bestimmte Eingänge häufig benutzen. Damit haben wir Hinweise auf mögliche Nester und einen Grund, einen bestimmten Tunnel zu betreten, statt das Gebirge auf gut Glück abzusuchen.
Der Vorschlag ist also, uns zum direkten Tunnel zu begeben, nach Spuren zu suchen, und wenn wir keine finden, zum zweiten Eingang zu reisen. Natürlich Augen offen halten nach Echsen. Praktisch die Gebirgsausläufer absuchen.

Am Morgen hatte Ravenne die Plattenteile in Decken eingewickelt und so zum Schweigen gebracht. Mit dem Gambeson ausgerüstet führte sie also das Maultier, das ihrer Meinung nach gar nicht erst hätte mitkommen sollen. Sie behielt den Boden vor sich im Blick, in der Hoffnung, eine Echsenspur zu erkennen, wenn sie sie sah. Es gab auf Argaan so viel komisches Getier, Blutfliegen, dieses komische Vieh mit den großen Klausen, das sich aus dem Boden gegraben hatte. Der Vogel, den Kea mal gehabt hatte, Vielfraße, Faren, Berglöwen, die ganz anders waren als die Löwen in der Wüste, wie sie gehört hatte. Dafür musste man morgens nicht in seinen Schuhen nach Skorpionen schauen, was wiederum nicht unpraktisch war, immerhin wurde man nicht beim Schuheanziehen vergiftet. Und giftige Schlangen gab es nur in bestimmten Gegenden auf Argaan.

Redlef
02.12.2015, 18:56
Immer noch ärgerte sich Red über Ravennes Worte vom gestrigen Abend. Sie schien ihn für ziemlich blöd zu halten, wenn sie tatsächlich glaubte, er wüsste nicht, wie man ein Gelände erkundete. Er hatte im Krieg nichts anderes getan. Was glaubte sie, mit wem sie sprach? Doch er hatte sich vornehm zurückgehalten und sie nicht auf die Wichtigkeit eines Basislagers hingewiesen. Mit Frauen militärisch-strategische Dinge zu besprechen war auch einfach nicht förderlich. Immerhin hatten sie einfach nicht den Verstand dafür. Und so lange sie glaubte, sie hätte ihn belehren können und nicht erkannte, dass sie bloß die Antwort gab, die Red ihr praktisch schon vorformuliert hatte, gab sie zu mindestens Ruhe. Das letzte was er gestern Abend noch gewollt hatte war eine Diskussion über diese Tafel.

Heute hatte sie das Maultier sowie auch das Vorweggehen übernommen. Zwar hatte dieser Umstand schon den ganzen Tag an seinem Stolz gekratzt, doch gleichzeitig war er dankbar, dass er unbeobachtet blieb und jedes Mal verschnaufen konnte, wenn sie sich abhockte und den Boden auf Spuren untersuchte. Die Schmerzen in seinem Knie hatten zugenommen. Es wurde frischer, je höher sie stiegen. Er fror nicht, doch sein Gelenk dankte es ihm kaum.
Inzwischen neigte sich der Tag wieder der Nachtruhe zu. In der Finsternis war es dumm, weiter zu marschieren, besonders weil das Maultier wahrscheinlich noch am meisten von ihnen allen etwas erkannte. Und da sie in der Dunkelheit für alles Mögliche leichte Beute waren, hatten sie bereits in der Dämmerung ein Lager aufgeschlagen. Dieses Mal gab es keine schützenden Steine, so mussten sie mit niedrigen Sträuchern vorlieb nehmen.
Während Ravenne das Packtier versorgt hatte, war es an Redlef gewesen weiter entfernt wachsen Sträucher zu sammeln, um ihr Brennmaterial aufzufüllen. Zum Glück waren die Zweige relativ trocken, sodass sich die Rauchentwicklung in Grenzen halten würde.

Inzwischen saßen sie an einem niedrig brennenden Feuer, das durch aufgeschichtete Steine ein wenig abgeschirmt werden konnte. Redlef hatte einen kleinen Topf darauf gestellt und das mitgebrachte Wasser darin mit einer kleingeschnittenen Rübe, einem Apfel, Trockenfleisch und einfachen Gewürzen zum Kochen gebracht. Auch Ravenne konnte von seiner improvisierten Suppe gern etwas abhaben, auch wenn es ihn ärgerte, dass sie ohne größere Wasservorräte aufgebrochen war. Sie hielt nicht viel von dem zusätzlichen Begleiter. Sie glaubte, dass sie besser ohne das Tier losgereist wären, doch dann hätten sie Stunden für die Wasser- und Feuerholzsuche opfern müssen. So konnten sie alles, was sie brauchten unterwegs auf den Packsattel laden und waren nicht am Ende des Tages auf bessere Lager angewiesen. Vielleicht sollte er ihr dies noch einmal verdeutlichen? Denn begriffen schien die die Vorteile immer noch nicht zu haben.
Doch wozu…? Frauen und Logik: Es war hoffnungslos.
Ein tiefes Seufzen entglitt ihm, als er den ersten Zug von seiner Pfeife nahm. Vorhin hatte er unbeobachtet noch sein Knie versorgen können und inzwischen wirkte sie Salbe. Was für eine Erleichterung.

»Ihr scheint ja ganz gut mit dem sturen, alten Bock dort klarzukommen.« Er wies auf das Maultier. »Wer hat Euch das Reiten beigebracht? Und wie kommt es, dass Ihr tatsächlich den Kampf mit der Lanze unterrichtet habt? Ich dachte, dass ihr an der Lanze ausgebildet habt, sollte etwas anderes bedeuten…«

Ravenne
02.12.2015, 23:58
Es war ... ungewöhnlich für Redlef, eine Unterhaltung zu beginnen. Er schien eher schweigsam zu sein. Andererseits konnten es Menschen wohl wirklich einfach nicht aushalten, still nebeneinander zu sitzen. Es war ihr oft aufgefallen, dass Menschen in ihrer Umgebung auf Beliar komm raus reden mussten, als konnten sie die Stille zwischen ihnen nicht ertragen, auch wenn sie Ravenne nicht unangenehm war. Sie hielt es ihrerseits für unnötig, darauf hinzuweisen, dass sie es nicht schlimm fand, herumzusitzen. Vielleicht war Redlef langweilig? Sie barst jetzt nicht unbedingt vor Fragen über seine Beschäftigung in Thorniara und seinen Verbleib. Seine Anspielung zum Thema Lanzen und Speere überging sie geflissentlich. Würde sie bei jeder kleinen Anspielung in die Luft gehen, hätte sie die Rekrutenausbildung damals nicht überstanden. Oder überhaupt die Zeit in der Armee. Wobei sie zugeben musste, sie hatte an Geduld dazugelernt dadurch, in Al Shedim war sie für ihre schnelle Hand bekannt gewesen.

Man darf ihm nicht jeden Kleinkram durchgehen lassen, sonst denkt er, er bestimmt, wo es langgeht. Mein Vater hat mir die Grundlagen des Reitens beigebracht. War gar nicht so einfach, der alte Säufer hat fast täglich seine Meinung geändert oder irgendwelche unmöglichen Aufgaben gestellt, aber er hat wohl vermittelt, was es zu vermitteln gab. Falls du fragst, weil du lernen willst, zu Pferd zu kämpfen ... das habe ich bei Griffin gelernt, aber zum Einen weiß ich nicht, wo er sich herumtreibt und zum Anderen ist er Angehörigen des Ordens gegenüber nicht sonderlich aufgeschlossen. Er sagte, er lernte es bei einer Frau namens Succa in Nordmar, ich kenne sie nicht.
Ich weiß nicht mehr genau, wie es kam, dass ich Rekruten unterrichtet habe. Es hat sich so ergeben, dass man es mit wenigen Worten und viel Training jemandem lehren kann, und ich hatte Unterstützung. Einen Rekruten hatte ich sogar dabei, der weigerte sich, gegen mich zu kämpfen, weil ich eine Frau bin ... hat eine Weile gedauert, bis er es ernstgenommen hat. Ich glaube, er hatte außerdem ein Problem damit, dass ich die Beschreibungen durch einen Helfer gab. Aber der ist sowieso nicht mehr in der Armee, und als er dort war, hat er nichts als Ärger gemacht. Falls du damals Kerkermeister warst, könntest du ihn getroffen haben. Er hatte eine Weile Obdach bei euch.

Adson Muller
03.12.2015, 19:39
Adson hielt die Augen geschlossen und lehnte mit dem Rücken am Stamm des Baumes, während seine Beine locker baumelten. Das dichte Blätterdach hielt ihn vor vielen Blicken verborgen und so gönnte er sich eine kleine Pause irgendwo im Blätterwerk.
Ein Vogel kreischte irgendwo und Adson atmete hörbar aus. Langsam öffnete er sein linkes Auge und blickte auf seine Hand, die auf dem Weg hierher von den Skelettmagier verletzt worden war. Noch immer schmerzten die Gelenke und noch immer wehrten sich die Finger gegen die Bewegungen, doch Adson zwang sich die Schmerzen zu ignorieren. Seine Hand sank nieder und seine Augenlid legte sich wieder über das Sehorgan. Er atmete langsam und ruhig und ließ seine Gedanken schweifen.

Warum war er hier hergekommen? Was machte er auf dieser Seite der Insel, wo sich kaum ein menschliches Wesen bewegte? Was machte er hier, nahe der alten Perle Argaans, nahe Setarrif? Irgendwo dort im Norden lag die Stadt, jenseits des grünen Pflanzenmeeres. Dort lag die Stadt, die lückenhaft in Adsons Gedächtnis auftauchte. Straßen, Gebäude, Menschen - ab und an blitzten losgerissene Erinnerungen in ihm auf. Lockte ihn die Stadt? Die Stadt, die zur Zeit wohl kein Mensch betreten sollte. Adson öffnete die Augen und ließ die Halswirbel knacken. Wohin nun?

Redlef
03.12.2015, 23:43
Ravenne und Redlef lagen seit einiger Zeit still auf der Lauer. Um sie herum wuchst etwas Krüppelholz, sodass sie sich bis hier her hatten ungesehen schleichen können. Doch vor den kalten Winden konnte es nicht schützen. Die Kälte kroch unaufhaltsam in die Knochen.
Gegen Nachmittag hatten sie en ersten Höhleneingang entdeckt und observierten ihn seitdem. Bisher waren keine Aktionen zu sehen gewesen.
Red sah zu Ravenne herüber. Er nickte. Das unabgesprochene Zeichen zwischen Soldaten, dass soweit alles sicher war und nun weitere Schritte eingeleitet werden mussten. Vorsichtig schlich er sich in der Dämmerung nächster an den Höhleneingang. Sollte es hier Echsen geben, dann hatten sie wohl bisher weder von ihnen, noch von dem Muli, dass sie ein ganzes Stück des Weges zurückgelassen hatten, Witterung aufgenommen.

Leise erhob sich Redlef. Als er jedoch sein rechtes Bein zu belasten versuchte, stach ein höllischer Schmerz durch es hindurch. Redlef unterdrückte zischend einen Schrei. Er fluchte leise und schaffte es erst dann auf die Füße.
»Scheiße!«
Die Kälte war auch in sein Bein gekrochen und vom langen Nicht-Bewegen war es jetzt steif und nicht mehr zu gebrauchen. Red war dankbar für Ravennes Schweigen. Er sah sie an. Sein Blick aus den eisgrauen Augen war finster. Seine Wut galt nicht Ravenne, sie konnte nun wirklich nichts für seine Dummheit, seine Wut galt ihm selbst und seiner Nutzlosigkeit.
»Na los. Wenn wir hier nicht festfrieren wollen, dann müssen wir jetzt weiter. Ich denke dieser Eingang hier ist echsenfrei.«
Frustriert humpelte er voran. Mit einer kraftvollen Bewegung zog er das Schwert aus der Scheide. Zum Eingang war es noch ein ganzes Stück. Genügend Strecke, um sein Knie wieder beweglich zu machen.

Am Höhleneingang angekommen, drückte er sich an die Felswand. Ravenne flankierte die andere Seite. Erneut nickte er ihr zu. Es war seine Pflicht voranzugehen.
Er machte die ersten Schritte in die Höhle. Es war dunkel, kaum dass e sie betreten hatte. Doch such Still. Seine Hoffnung, dass sie hier allein sein würden wuchs. Zusammen sicherten sie die Höhle, soweit es ihnen möglich war. In der Finsternis war es besser nicht zu tief in die Tunnel vorzudringen. Doch um heute Nacht hierbleiben und diesen Ort als Basislager nutzen zu können, mussten sie den Gang erst einmal sichern.
Red sah zu Ravenne herüber. Sie hatte ihre Sache gut gemacht. Vielleicht steckte in ihrer Rüstung doch mehr, als ein Frauenkörper.
»Und wer geht jetzt das Maultier holen?«

Dennik
04.12.2015, 17:33
Sie hatten Echsenspuren gefunden und diese verfolgt. Eine Weile lang waren sie ihnen der Steilküste entlang nachgelaufen, doch dann trafen die Spuren wieder mit anderen Spuren zusammen. Die markanten Fußabdrücke der Echsen verstreuten sich in alle Himmelsrichtungen, kamen von überall her und schienen einer ganzen Armee von Echsen zu gehören. So jedenfalls interpretierte es Dennik. Er seufzte enttäuscht. Der Sand und schwarze Staub, der auf den Steilküsten umhergeblasen wurde, gab die vielen Abdrücke unverfälscht wieder und dokumentierte wohl die letzten Tage an Geschehen.

"Die Echsen scheinen recht umtriebig zu sein", kommentierte er nur. Eine Weile lang blieben sie an der Stelle stehen, wo ihre verletzte Echse ins Gewirr ihrer Kameraden verschwunden war, dann fand San plötzlich wieder den Fußabdruck ihres Opfers. Der Staub war nicht trocken, sondern glänzte und klebte und verriet das Blut, dass ihn zusammenhielt, nachdem der Echsenfuß mit dem Gewicht dieser Krieger den Kontakt zum Boden gesucht hatte.

"Hier entlang!", brummte der Pirat und schielte in die Dämmerung.

"Wir müssen vorsichtig vorgehen, wir wissen nicht auf was wir uns hier einlassen", mahnte Dennik. Setarrif war von einer Armee überrannt worden und schon drängten die Echsen aus den Löchern des Gebirges auch in das Bluttal. Hier war es bestimmt ähnlich, wenn nicht sogar schlimmer. Ein Wunder, dass das Kastell bisher nicht bedroht wurde, oder war es vielleicht kein Wunder?

Luke Drake
04.12.2015, 17:45
"Sogar noch frisch", meinte Luke leise. Langsam und vorsichtig folgten die vier Waldvölkler den Spuren der Echsen. Hin und wieder verloren sie zwar die richtige Spur, meistens wenn viele Echsen auf an der Stelle lang gelaufen waren, aber fanden sie sie schnell durch die Blutspur wieder.

Nach einer Weile fanden sie dann die Echsen. Wie schon angenommen, waren es zwei. Eine von ihnen, die Unverletzte, stand einfach nur rum und starrte irgendwo in die Ferne. Die verletzte Echse saß an einen Felsen gelehnt, tat es seinem Artgenossen aber gleich und blickte Planlos irgendwo hin. Zumindest sah es für Luke so aus. Was taten sie wohl? Ruhten sie sich aus, oder warteten sie auf neue Befehle des Drachen?

Aus einiger Entfernung beobachteten Luke und die Anderen die zwei Echsenmenschen.
"Wie wollen wir vorgehen? Erst auf die Verletzte oder auf die Andere? Oder beide gleichzeitig? Ich würde sagen, erst die Unverletzt. Die kann nämlich am meisten Schaden anrichten. Am besten wir locken sie hier hoch und legen ihr dann einen Hinterhalt oder so", schlug der junge Druidenlehrling vor ohne den Blick von den Dienern des Drachens zu lassen.

Ravenne
05.12.2015, 00:49
Der Frost schien auch Redlef zuzusetzen. Ravenne biss sich durch, der andere Soldat konnte sich manchmal das Fluchen nicht verkneifen. Wenn sie wissen würde, wie man das tat, würde sie vielleicht auch einmal einen Fluch zischen, aber vermutlich benötigte man dafür eine Stimme. Außerdem gehörte sich fluchen nicht, hatte ihre Mutter ihr immer eingetrichtert, auch wenn sie später wie eine Furie auf Bardasch losgegangen war. Unter Soldaten sah man das allerdings sowieso noch einmal anders als bei Nomaden. Ravenne hatte geseufzt, was mehr wie ein Hauchen herauskam, und war gegangen, das Maultier zu holen. Sollte der stolze Mann doch den Tunnel sichern. Er musste sich doch irgendwie beweisen, wenn Frauen es auch ins Militär schafften. Genau wegen solcher Dinge hatte sie begonnen, die Heilige Elena zu achten, derentwegen sie immerhin eine Waffe hatte ergreifen dürfen.

Nachdem sie das Tier zum Eingang der Tunnel geführt und festgemacht hatte, zückte sie die Kuse und folgte in den Tunnel. Echsen konnten da lauern, aber es hatte keine Spuren von ihnen gegeben. Minecrawler hatten die Höhlen möglicherweise zurückerobert oder andere hatten sich hier eingenistet, etwa andere Menschen oder Bären oder was auch immer sich so Höhlen suchte. Entweder war Redlef sehr tief in die Tunnel eingedrungen, oder es gab nichts, das war es, was sie aus dem fehlenden Kampflärm schlussfolgerte. Noch einen Moment wartete sie ab, ging langsam in das Innere des Tunnels, dann ließ sie den Speer in einer Hand und nestelte mit der anderen an ihrer Gürteltasche herum, um die Kreide hervorzuholen und eine Markierung an die Wand zu machen. Nur zur Sicherheit. Vermutlich würden sie die Höhlen hier nicht gründlicher erkunden, da sie keine Hinweise auf Echsen gefunden hatten. Ein kleines, überdachtes Lager, dann ginge es nach Süden, den anderen Eingang überprüfen, den der Schreiber vermerkt hatte.

Redlef
05.12.2015, 03:55
In der Dunkelheit war nicht viel auszumachen gewesen. Also hatte er es dabei belassen nur wenige Schritte in die Höhle zu treten, während Ravenne das Maultier holte. Still hatte er an einer Wand gelehnt, versucht möglichst flach zu atmen und dabei in die Dunkelheit zu horchen.
Ab und zu war das Tropfen von Wasser in einiger Entfernung zu hören gewesen, doch ansonsten rührte sich nichts. Da auch kein strenger Geruch wahrzunehmen war, ging Red weiter davon aus, dass sie Höhle, zu mindestens im vorderen Bereich, unbewohnt war.

Erst als er den Hufschlag des Packtieres hörte, löste er sich aus seiner wachsamen Starre. Er schritt zu der Ritterin herüber und nickte ihr zu. Dieses Mal war es ein dankbares Nicken, doch ob sie das verstand lag an ihr. Am Maultier angekommen suchte er die Grubenlampe. Mit dem entzündeten Licht in der einen Hand und dem Führstrick des Maultiers in der anderen Hand kam er zurück in die Höhle. Er wollte das Tier lieber Innen an einem Stalagnaten anbinden. Das arme Vieh musste ja nicht draußen in Wind und Kälte stehen, während sie beide es sich hier drin an einem Feuer bequem machen würden.
Nach dem er den Knoten festgezogen hatte, fuhr er mit der Erkundung fort. Er hatte sich schon einige Schritte vom Ravenne entfernt, da drehte er sich noch einmal um.
»Ich werde die Höhle noch einmal mit etwas Beleuchtung untersuchen. Ihr könnt Euch mir anschließen, oder hier schon einmal das Lager aufbauen, was ich fast die bessere Idee fände. Wir werden heute hier in der Höhle nächtigen. Ich bin nämlich nicht scharf darauf bei dem aufziehenden Sturm draußen zu sein. Außerdem können wir hier ein größeres Feuer machen, wenn wir es nicht gerade direkt am Eingang entzünden.«
Damit war alles Wichtige gesagt und Redlef setzte sich wieder in Bewegung.

Mit Schwert und Lampe fühlte er sich gleich viel wohler. Das Licht warf unheimlich tanzende Schatten an die unregelmäßig geformten Höhlenwände, doch ansonsten bewegte sich hier nichts. Redlef suchte nicht nur den Weg vor sich und die Decke ab, sondern auch sorgfältig en Boden. Doch Knochen oder Fellreste waren nicht zu entdecken. Also lebte hier immerhin kein Tier. Das war viel wert. Denn auch zusammen hätten sie sich gegen einen wütenden Höhlenbären schwer getan.
Vor Redlef verengte sich plötzlich der Gang. Er musste sich schon schmal machen, um weiter gehen zu können. Zum Glück war es nur eine kurze, enge Passage, dann öffnete sich der Gang wieder und war höher als zuvor. Redlef hielt die Lampe höher, um mehr Licht zu machen. Er sah ein paar Schritte weit, dann verschlang die Finsternis alles weitere. Der Boden wurde unebener und Red musste weiter darauf achten wohin er trat. Doch nicht sehr weit führte sein Weg, denn irgendwann tauchte aus der Dunkelheit ein Geröllhaufen vor ihm auf. Wäre er Jemand gewesen, der sich mit Steinen ausgekannt hätte, dann wäre ihm vielleicht aufgefallen, dass diese Steine zu einer anderen Gesteinsschicht gehörten, doch so sah er, auf den daraus entstehenden Vorteil bedacht, nur eine Barriere, die den Zugang zu dem dahinterliegenden Höhlensystem versperrte. Dies bedeutete, dass sie von diesem Gang keine weiteren Feinde zu erwarten hatten.
Dennoch zuckte er zusammen, als er auf einmal ein kratzendes Geräusch hörte. Er ließ die Lampe etwas sinken, um sich nicht selbst zu blenden und suchte den Steinhaufen ab, von dem das Geräusch zu kommen schien. Erst auf den zweiten Blick erkannte er eine Öffnung im oberen Bereich des Schutts. Dort hatte der Steinrutsch den Gang nicht ganz geschlossen. Eine kleine Öffnung war geblieben. Ohne Rüstung konnte sich vielleicht Ravenne da hindurch zwängen, doch für Ihn würde es schon schwer werden. Ganz zu schweigen, von der Ausrüstung die sie mitführten.
Red kletterte eine Stück weit auf die Steine, um durch die Öffnung hindurch zu spähen. Das Geräusch, welches er schon wieder hörte, schien von dort zu kommen. Was konnte das sein?
»Hallo?«, fragte er ins Ungewisse. Daraufhin ertönten jedoch nur noch mehr Kratzen und ein leises Rumpeln. Dann entfernten sich tippelnde Schritte, die sich anhörten wie die eines übergroßen Käfers.
Konnte es sich um die gefürchteten Crawler handeln? Wahrscheinlich. Sie sollten ja häufiger in Höhlen vorkommen.
Red hatte noch nie einen gesehen, doch davon gehört. Sie waren groß und sehr gefährlich. Doch durch diese kleine Öffnung konnten auch sie sich nicht zwängen, daher bestand keine Gefahr. Indem er an den Felsen rund um die Öffnung rüttelte, versicherte sich Redlef, dass sie alle festsaßen. Man konnte nicht vorsichtig genug sein. Doch es rührte sich nichts.
Der Kerkermeister nahm die zuvor abgestellte Lampe und drehte sich zum Rückweg. Er würde Ravenne hiervon berichten müssen, doch gleichzeitig konnte er ihr auch versichern, dass sie ein sicheres Nachtlager gefunden hatten und dass sich weitere Nachforschungen bezüglich der Echsen hier vorerst nicht lohnten.

Dennik
06.12.2015, 12:05
Die Echsen saßen dort unten wie auf dem Präsentierteller und doch gefiel Dennik die Sache ganz und gar nicht. Er schaute zurück und weit in der Ferne konnte er das Kastell ausmachen. Es war zu weit um es in einer Verfolgungsjagd rechtzeitig zu erreichen und auch zu weit entfernt um eine Echse bis dort hin zu tragen.

Er ließ seinen Blick über die Landschaft um sie herum wandern. Die Steilküsten waren keineswegs eine übersichtliche Gegend. Felsbrocken und Blöcke aus schwarzen scharfen Steinen, Berge von Schutt und Asche, kleinere Wege die um diese und durch diese Hindernisse hindurchführten. Je näher man der Küste kam, desto weitläufiger wurde das Areal, bis schließlich der Abgrund einen Blick auf das wilde und stürmische Meer zuließ. Es ging weit nach unten und dort im Meer tummelten sich scharfe, wie Speere wirkende, Felsen, die jedes Schiff, dass der Küste zu nahe kam, den Bug aufrissen. Hielt man sich jedoch von der Steilküste entfernt, dann war die nähe des Weißaugengebirges zu spühren. Es wurde immer steiler und die Asche und der Staub immer rutschiger. An manchen Stellen waren Lawinen abgegangen und andere waren wohl noch davon bedroht. Kaum eine Pflanze schaffte es in dieser lebensfeindlichen Umgebung zu gedeihen. Der Tot schien wahrlich hinter jeder Ecke, hinter jedem steinernen Hügel und in jeder Schlucht zu lauern.

Sie hatten verdammt viele Echsenspuren gezählt und nun fanden sie die verletzte Echse wirklich alleine vor? Irgendwie konnte er der Sache nicht trauen... waren die Echsen schlau genug ihnen eine Falle zu stellen? Wussten sie längst, dass Menschen in ihr Gebiet eingedrungen waren? Wie mussten sie vorgehen?

Ab und zu durchrissen kleinere Schluchten, Gräben und ausgetrocknete Flussbetten den steinernen Boden. In so einer kleinen Grub standen die Echsen und schauten Richtung Gebirge. Sie selbst kamen aus Richtung des Kastells, also eher von der Küste und hatten so einen guten Blick auf die Echsen. Um das Risiko entdeckt zu werden, zu minimieren, hatten sie sich auf den ungemütlichen Boden gelegt und so gut es ging hinter Steinen, Staub am unebenen Boden Deckung gesucht.

"Ein Schmerzensschrei von den Echsen und wir sind geliefert. Dann erwachen bestimmt alle Schatten, Höhlen und Schluchten zum Leben. Ich habe das Gefühl, dass es ungut wäre hier anzugreifen. Vielleicht gibt es ja eine Möglichkeit die Echsen anzulocken, ohne dass sie dabei um Hilfe schreien, oder Verstärkung aufwecken", meinte er leise und versuchte herauszufinden in welche Richtung der Wind blies.

San Daran
08.12.2015, 10:43
Die Hand von San Daran, auf der die Bärentatze war, hatte er mittlerweile in Lederstreifen eingebunden. Er tat es als blauen Fleck ab, den er sich auf der Flucht vor dem Dämon geholt hatte. Jetzt lag er mit seinen Freunden auf dem von der Feuchtigkeit des Meeres durchtränkten Boden und betrachtete, die Augen zusammengekniffen, die beiden Echsen, die sich vor ihnen befanden.

Ein Urinstinkt sagte ihm, dass er sie jetzt angreifen sollte. Einer war verletzt, sie hatten den Überraschungsmoment auf ihrer Seite und waren in Überzahl. Doch hatte Dennik schon Recht, sie wussten nicht, was alles so in den Schatten lauerte. Wenn sie damals ein Schiff hatten kapern wollen, das ihnen in Größe und Stärke überlegen war, oder eines, das in Reichweite von mehr feindlichen Schiffen war, hatten sie sich mit ihrem wendigen Schiff langsam in die Nähe begeben, und wenn sie entdeckt worden waren, hatten sie gewendet und versucht abzuhauen.
Der Großmut der anderen hatte sie oft dazu veranlasst, ihnen zu folgen, denkend, dass sie leichte Beute witterten. Stattdessen wurden sie in ein Klippengebiet gelockt, durch das das wendige Piratenschiff sich schnell in Position gebracht hatte, während die größeren Schiffe aufgelaufen sind und hilflos wurden.

So ähnlich konnten sie das auch machen. Die Echsen brauchten nur denken, dass sie, oder einer von ihnen, den beiden bei weitem überlegen waren, dann würden sie auch keine Verstärkung holen.

"Aye, ich werde der Lockvogel sein. Wir machen einen Rückzug, bauen mir Krücken und ich nähere mich den beiden langsam, während ich so tue, als wäre ich verletzt. Wenn sie mich entdecken, fliehe ich in eure Richtung, vielleicht in eine Art Waldstück, in dem wir eine Falle bauen. Wie klingt das?"

Ravenne
08.12.2015, 15:48
Redlef kam aus dem Gang und gab sein Okay für das Nachtlager. Er erstattete Bericht, während Ravenne das Feuerholz hervorholte, aus Steinen einen Kreis legte und so die Feuerstelle sicherte. Dann versorgte sie das Maultier, das sie in der Nähe angebunden hatte, mit Futter und Wasser. Vermutlich würde es sich auch freuen, einen überdachten Lagerplatz zu haben, schätzte Ravenne, als sie ihm die Ladung abnahm und sich dann dranmachte, den Schweiß abzuwischen und nach Wunden zu suchen, wie Bardasch es ihr beigebracht hatte. Bei dieser Kundschaftsaufgabe war das Maultier ein wichtiger Begleiter, also musste auch dafür gesorgt werden, egal ob Ravenne es ursprünglich hatte dabeihaben wollen oder nicht. Sah allerdings alles gut aus, keine Wunden, Schnitte oder sonst was und es lahmte auch nicht. Anschließend setzte sie sich an das Feuer. Eigentlich hätte sie gedacht, die südlichen Inseln wären wärmer, immerhin gab es einen Dschungel und alles, aber im Gebirge war es kalt, wenn nicht noch kälter als erwartet (es war nicht schwierig, Wärmeerwartungen einer Varanterin zu untertreffen).

Wenn der Gang dicht ist, geht's also gen Süden weiter. Was mir gerade eingefallen ist, das sind doch Reptilien, du erwähntest, Kälte macht sie träge ... Wie kalt wird es im Winter im Dschungel vor Setarrif? Hier im Gebirge ist es ziemlich kalt, wenn bei dem vermutlichen Echsennest keine warme Quelle ist oder so etwas, gibt es doch keinen Grund für sie, hier zu sein?
Den gesamten Dschungel zu prüfen, wäre Irrsinn, ich weiß. War nur eine Überlegung. Wir haben ja schon gesehen, dass sich nichts in der Nähe von Thorniara herumtreibt.
Ich übernehme die erste Wache.

Redlef
08.12.2015, 21:56
Red laß die Tafel, dann gab er sie zurück.
»Das Klima auf dieser Insel ist mir größtenteils unerklärlich.«
Er versuchte es mit einer Erklärung der Gegebenheiten, die er selbst nicht ganz verstand.
»Im Norden kann es besonders im Winter schon recht kalt werden. Manchmal liegt sogar Schnee, auch wenn das nie ein langes vergnügen ist. Auch im Westen wird es bisweilen schon etwas kühler. Der Osten und der Süden sind dagegen sehr viel wärmer. Der Dschungel, ich habe ihn selbst noch nie besucht, soll wirklich immergrün sein. Auch in Setarrif hat man wohl nie Schnee gesehen. Ich habe mal gehört, dass das Gebirge dafür verantwortlich sein soll. Doch wie das funktionieren soll weiß ich nicht.«
Er blickte ins Feuer. Dort köchelte ein kleiner Topf mit roten Bohnen. Red griff in seine Trockenfleischbestände und warf eine Handvoll davon hinein.
»Da wir davon ausgehen können, dass sich die Echsen in Setarrif und im Umland der Stadt aufhalten werden. Auch der Dschungel wird ihr Gebiet sein. Dort werden wir dem entsprechend keinen Fuß hineinsetzen. Das wäre ein Himmelfahrtskommando. Mein Plan ist, dass wir hier erst noch ein paar Tage das Gelände erkunden. Diese Höhle bleibt dabei unser Lager. Dann werden wir, sollten wir hier keine weiteren Hinweise finden, in den Süden in Richtung des zweiten Eingangs reisen. Dort werden wir ebenfalls die Gegend erkunden. Ich wäre froh, wenn wir dort keine Echsen finden. Wenn doch, müssen wir zusehen, dass wir dort schleunigst verschwinden und keine von ihnen, unsere Anwesenheit mitbekommt.«
Vorerst musste das mit den Erklärungen ausreichen. Nun war es Zeit zu essen.
Er teilte die Mahlzeit durch zwei und reichte einen Teil an Ravenne weiter.
Das Abendessen war nichts Besonderes doch es sättigte. Anschließend, dankbar dafür, das Ravenne Wache hielt, legte er sich zur Ruhe.

Am nächsten Morgen hatte er sich schon früh aufgamacht. Direkt nach dem Sonnenaufgang observierte er zuerst die Umgebung, als sich aber länger nicts tat, da schnappe er seine Waffe und begab sich vor die Höhle. Der Kerkermeister atmete tief durch, streifte die Scheide von der Klinge und ließ die Schultern rollen. Es war Zeit für ein paar Übungen. Wenn er seinen eingerosteten Körper mehr forderte, dann würde er vielleicht in der Zukunft nicht mehr solche Probleme mit den Gelenken haben.
Er Streifte sein Hemd ab. Die Luft war kalt auf der nackten Haut. Die Narben auf seinem Rücken zwickten, doch es kümmerte ihn nicht. Zu lange hatte er dieses alte allmorgendliche Ritual nicht mehr durchgeführt.
Er stellte sich breitbeinig hin, schwang das Schwert durch die Luft und begann mit ein paar einfachen Kampfübungen. Immer wieder wiederholte er die gleichen Bewegungsabläufe. Früher waren sie im in Fleisch und Blut übergegangen. Er hatte gewusst, wie jeder einzelne Hieb zu setzten gewesen war. Die ewig gleichen Schritte – fast wie ein Tanz – hatten vor langer Zeit eine meditative Wirkung auf ihn gehabt. Die Ertüchtigungen befreiten den Geist. Jetzt musste er sich weit mehr darauf konzentrieren. Angestrengt fuhr er mit der Klinge herum. Er hatte nicht nur die Routine sondern auch einen großen Teil seiner Kraft eingebüßt.
Dennoch sirrte das Schwert im ersten Morgenlicht wieder und wieder durch die Luft. Seine Bewegungen wurden mit der Zeit flüssiger. Seine Gestalt warf in der frühen Sonne lange Schatten auf die taubedekten Berghänge.
Erst als seine Arme zitterten und der Atem schwer ging, ließ er das Schwert sinken und kehrte in die Höhle zurück.

»Guten Morgen, Ravenne. Seit Ihr bereit um weitere Erkundungen anzustellen?«
Er zog sich das Hemd wieder über. Ravenne würde es zwar bestimmt Niemandem etwas erzählen, doch Noxus‘ Verewigung auf seinem Rücken musste sie nun wirklich nicht erblicken.
Er ließ sich am heruntergebrannten Feuer nieder und warf ein Scheit hinein. Irgendwo in der Kiste mussten noch Euer und etwas getrockneter Schinken sein. Das Stück war wahrscheinlich mehr Wert, als ein Stück Gold in gleicher Größe, doch nach seinen anstrengenden Übungen genau das Richtige.
Mit einem Zweig stocherte Red in der Glut, um das Feuer wieder zu entfachen. Als die Flammen begonnen empor zu flackern und an den Scheiten leckten, da suchte er nach der Pfanne.
»Nach dem Essen brechen wir auf!«

Dennik
09.12.2015, 12:10
Dennik nickte überzeugt. Sans Vorschlag war zwar riskant, doch gab es in dieser Region niemals ein sicheres Szenario auf Echsenjagd zu gehen und es machte mehr Sinn als dumm auf die Echsen loszugehen. Hinzu kam noch, dass sie den Ort der Überraschung selbst wählen konnten und Dennik wusste sofort, wo sie die Echsen hinlocken würden. Die Steilküsten rund um das Kastell wirkten wie hundert Baustellen an denen nicht mehr gearbeitet wurde. Wie viele tausend kleinere Befestigungen waren Schluchten von unebenen zersplitterten Mauern umgeben, Schutthaufen ragten empor und die wenigen Wege an der Küste entlang führten oft durch eben jene Schluchten.

"Könnt ihr euch noch an die Stelle erinnern, knapp bevor die ersten Spuren aufgetaucht sind, wir sind dem normalen Pass gen Setarrif gefolgt, ehe wir dem Spuren nachgegangen sind. San wenn du es schaffst zurück zur Straße zu rennen und die Echsen dir folgen, dann können wir ihnen dort an vielen Stellen perfekte Hinterhalte legen. Wir werden uns einen Platz suchen, der es uns erlaubt von oben mit Pfeilen und Magie auf die Echsen einzuwirken, während du einfach weiter rennst. Sollten wir versagen, dann haben die Echsen dennoch nur Nachteile und viel Aufwand, wenn sie zu uns nach oben kommen wollen, beim Versuch zu klettern können wir sie genauso unter Beschuss nehmen, wie wenn sie versuchen aus der Schlucht hinauszukommen. Du kannst immer weiter rennen, bis dich keiner mehr verfolgt", schlug der Meisterdieb vor und unterstrich so San Darans Plan.

Ravenne
15.12.2015, 23:17
Redlef sollte Recht behalten. So spät im Jahr schienen die Echsen nicht gen Norden vorzustoßen. Der Winter bot Thorniara also Sicherheit und Zeit, seine Belange zu ordnen und vorzubereiten. Andererseits war Ravenne nun erst recht beunruhigt, was im Frühjahr kommen mochte. Ein Schlag im Winter würde den Wesen sicher einen starken Schlag versetzen ... das war wirklich in Erwägung zu ziehen, wenn Militär von der Stadt abgezogen werden konnte vorm Frühling. Ravenne hatte sich das auf einem Pergament vermerkt, auf dem sie auch die Wegbeschreibung des Adligen abgeschrieben hatte.

Für heute hatten sie das Kundschaften eingestellt, es war zu dunkel geworden, um etwas zu erkennen. Sie hatten das Gelände um den Eingang ausgekundschaftet und waren schließlich weitergezogen. Nun waren sie auf dem Weg nach Süden und tatsächlich hatten sie manchmal alte Echsenspuren gefunden. Eine winterliche Echsenwanderung gen Süden?Während Redlef am Feuer saß, hatte Ravenne sich etwas entfernt, um ihre eigenen Leibesübungen zu vollführen. Abseits der Höhle hatte sie einen Baum für die Übungen ausgesucht, griff ihn immer wieder an, bremste die Schläge jedoch, bevor die Kuse auftraf. Das Maultier schnaubte auf, es klang nervös. Einen Moment hielt Ravenne verwirrt inne. Sie war es nicht mehr gewohnt, ein Pferd in der Wildnis nervös zu erleben. Natürlich erinnerte sie sich daran, wie Scáthach durch von Wassermagiern hervorgebrachte Erdbeben durchgegangen war und Menschen niedergetrampelt hatte, aber es war einfach verdammt lange nicht mehr vorgekommen. Griffin hatte sowohl Ravenne als auch Scáthach darin trainiert, sich von den Gefahren im Kampf zu Pferd nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Andererseits war das nicht Scáthach, sondern einfach nur ein Maultier.
Ravenne ging zum Maultier und strich ihm beruhigend über die Nüstern, während sie nach der Gefahr Ausschau hielt. Im Licht des Feuers sah sie etwas aufblitzen, also näherte sie sich und stach mit der stumpfen Seite der Kuse drauf ein. Erwartet hatte sie einen Berglöwen oder so, aber das Geräusch, das das Wesen ausstieß, klang ganz anders. Irgendwas kam auf sie zu, sie sah nicht viel, schaffte es knapp, es zu blocken. Krallen, vermutete sie. Sollte das das erste zusammentreffen mit einem Echsenmenschen sein? Ein Lurker oder Waran ließ sich ausschließen und wie eine Großkatze wirkte es auch nicht. Vielleicht hatte das Feuer es angelockt.

Redlef
17.12.2015, 22:57
Das Geräusch, welches Ravennes Schwertübungen am Baum erzeugt hatten veränderte sich abrupt. Sofort ertönten auch die nervösen Schreie des Maultiers.
Red schreckte vom Feuer hoch, an dem gesessen hatte und eine Abendmahlzeit zubereitete. Das Schwert lag griffbereit neben ihm. Doch er musste es als Stütze nutzen, um überhaupt auf die Füße zu kommen. Stöhnend stellte er sich hin. Mit der freien Hand griff er nach der Scheide. Mit einem zarten Klingen zog Red die Klinge und warf die Scheide beiseite.
Er stürmte aus der Höhle. Ravenne konnte nicht sehr weit sein. Nach ein paar stolpernden Schritten hatte er sich gefangen und stürmte den Hang hinunter.
»Ravenne? Ravenne?«
Sie antwortete nicht. Doch Redlef hörte die Schläge Ihrer Klinge. Er folgte den Geräuschen.

Das einschneidige Hauschwert vergrub sich gerade in dem Schuppigen Leib einer Echse. Zweifelsohne, das waren diese grässlichen Kaltblüter. Redlef erinnerte sich nur zu gut an sie.
Zwei Stück, sie hatten Ravenne überrascht und nun rückten sie der Frau zu Leibe. Bisher hatte sie die Kreaturen zurückdrängen können, doch an Kraft und Geschicklichkeit waren sie ihr überlegen.
Red griff das Schwert fester und stürzte sich ins Getümmel. Seine Hand landete auf der Schulter der Echse. Er riss sie zurück, damit sie Ravenne nicht den Kopf abriss. Das Vieh fauchte, wirbelte herum und traf Red mit dem Schwanz am Bein. Er drohte zu stürzen, doch fing sich.
Taumelnd kam er in sicherer Entfernung vor seinem Gegner zum Stehen. Zwar hatte ihn das Tier getroffen, doch dafür lag seine Aufmerksamkeit nun auf ihm und nicht weiter aus der Ritterin.

Um den Geschuppten weiter zu beschäftigen täuschte er einen Schlag an. Die Echse ging in den Angriff über. Red fing den Schlag mit dem Schwert. Diese Dinger hatten viel Kraft. Red legte seine rechte Hand ebenfalls an das Heft. Er hob die Waffe und führte einen Stich auf die Kehle aus. Er verpasste seinen Gegner nur knapp. Alles was die Haut der Echse davon trug war ein dünner Schnitt. Etwas fiel zu Boden, doch verletzt war sie nicht wirklich.
Red ließ nicht locker. Er deckte die Echse weiter mit Schlägen ein.
Er durfte nicht locker lassen. Doch er hatte sein gegenüber unterschätzt. Besondern den langen Schwanz. Gerade drängte er ihn in die Defensive, da zog ihm ein heftiger Schwanzhieb die Füße unter dem Körper weg.
Er stürzte und fiel auf Ravenne.
Da saßen sie nun auf dem Boden Rücken an Rücken, den Echsen gegenüber. Diese hielten für einen kurzen Moment inne und schauten nur.
»Entschuldige bitte«, murmelte er. Wie auf‘s Stichwort gingen die Echsen wieder in den Angriff über.

So langsam kamen sie immer mehr in Bedrängnis. Irgendwie schafften sie es sich auf die Füße zu kämpfen. Rücken an Rücken standen sie nun in der Dunkelheit. Ihre Gegner lauerten. Dass er und die Ritterin es noch einmal auf die Füße kamen, hatten diese widerwärtigen Kreaturen wohl nicht erwartet.
Red nutzte die kurze Verschnaufpause, um sich zu orientieren. Seine Stiefel rutschten über den Boden. Hier war er fest. Sie hatten einen sicheren Stand. Ravennes Rücken an seinem gab zusätzliche Sicherheit.
Und jetzt mussten sie nur noch diese Nacht überstehen.

Es folgte der nächste Angriff.

Luke Drake
18.12.2015, 15:42
Während Luke weiter die Echsen beobachtete, hörte er San Daran und Dennik zu. "Hört sich nach nem Plan an, der funktionieren könnte. Auch wenn ich nicht glaube, dass die Echsen sich groß darum kümmern, ob du Krücken hast oder nicht, San. Aber wenn du das machen willst, dann nur zu", meinte Luke und drehte sich dann zu seinen Freunden um. "San, am besten du gibst uns etwas Vorsprung, damit wir uns vorbereiten können. Dennik, Rekhyt, können wir los?", fragte der Druidenlehrling und ging schon mal langsam den Weg zurück, von welchem sie gekommen waren. Solange San schnell genug rannte, dürfte ihm nichts passieren und im Notfall müssten die drei Anderen ihm zur Hilfe kommen. Sobald sie diese Echsen erledigt hatten, konnte es bald Richtung Tooshoo gehen und drauf freute sich der junge Dieb schon…

Adson Muller
19.12.2015, 21:18
Adson hatte sich in den letzten Tagen viel auf Bäumen aufgehalten. Oben in den Wipfel fühlte er sich vergleichsweise sicher, wusste er doch, dass sich am Boden allerlei Gegner herumtreiben konnten, denen er wohl nicht gewachsen wäre. So hatte er zumeist auf starken Astgabel geschlafen und hatte schließlich festgestellt, dass man, wenn die Bäume nah genug standen, auch von Ast zu Ast und Baum zu Baum wandern konnte. Natürlich war er auch immer wieder zum Boden herabgestiegen, hatte die Spuren am Boden beschaut und seine Wasservorräte aufgefüllt. Und so war er Stück für Stück nach Norden vorgedrungen. Und nach und nach war ein seltsames Gefühl in ihm aufgestiegen. Ein sonderbare Unruhe, vielleicht auch Erregung, die der Narbige lange nicht zu deuten gewusst hatte. Doch irgendwann war es ihm klar geworden; es war die Stadt, der er sich unweigerlich näherte. Die Stadt mit den goldenen Kuppeln, die immer wieder bruchstückhaft in seiner Erinnerung auftauchte und ihn an eine Zeit erinnerte, in der sein Name noch einem anderen Menschen gehört hatte. Einem Menschen, der Ziele und Aufgaben hatte und der zu einer Gemeinschaft gehört hatte. Nun war er ein Schatten und Herumtreiber, der auftauchte und verschwand, wie es ihm gerade gefiel. Der die Gesellschaft anderer Menschen mehr mied, als dass er sie suchte. Und nun lag diese Stadt nur wenige Stunde von ihm entfernt im Norden.

Adson schüttelte sich kurz, um sich von diesen Gedanken zu lösen und nahm schließlich noch einen Schluck aus der ledernen Wasserflasche. Dann band er sich wieder sorgfältig am Gürtel fest und lockerte Hals und Nacken, bevor er sich auf den nächsttieferen Ast gleiten ließ, um von da auf den Boden zu springen, wo er kurz verharrte. Als sich nichts regte, erhob sich der Narbige und drang leicht gebeugt nordwestlich ins Unterholz ein. Er wollte die Hänge des Gebirges ein Wenig erklimmen, um einen Blick auf die Stadt zu erhaschen und sein weiteres Vorgehen zu überdenken.

San Daran
20.12.2015, 10:29
"Naja, ein verletztes Ziel wird doch lieber verfolgt, als ein Gesundes!", erklärte der Pirat seinem Freund. "Außerdem schöpfen sie so weniger Verdacht! Hoffe ich zumindest"...
Sie verabschiedeten sich und San Daran ging, während seine Gefährten zu ihrem Hinterhalt aufbrachen, zu einem kleinen Waldstück, in dem er Stöcke abschnitt, die lang genug für Krücken wären. Dann ging, und schließlich kroch, er zurück zu der Stelle, von der sie die Echsen beobachtet hatten.

Sie waren noch in der gleichen Position, wie er sie verlassen hatte. Der Verletzte blicke auf das Meer hinaus, der andere war andersweitig beschäftigt. Jetzt hieß es nur noch warten, bis die drei den Hinterhalt gelegt hatten. Wie lang würden sie wohl dafür brauchen?

Er betrachtete gedankenverloren seine Hand, auf der noch klar die Bärentatze prankte, als ob er sie darauf tätowiert hätte. Was das wohl bedeutete? War der Dämon ein Bär? Sollte er einen Bären jagen und töten? Hieß das, der Dämon besaß Macht über ihn?
Vielleicht sollte er einen Druiden fragen, doch bangte er vor dessen Antwort. Nicht, dass er verbannt werden würde, weil er irgendein Todesmal auf der Hand trug. Oder dass er als vom Teufel besessen galt, und jemand ihn exorzieren wollte.

Langsam verband er die Hand wieder, dass das Mal nicht mehr zu sehen war, und spähte weiterhin zu den Echsen. Sie unterhielten sich leise in einer zischenden Sprache, und gestikulierten mit den schuppigen Händen. Weglaufen war nicht Sans Stil. Trotzdem ging es vielleicht manchmal nicht anders.
Waren seine Freunde fertig? San Daran blickte zur Sonne, die sich ein Stück weiter in den Westen geschoben hatte. Vielleicht eine halbe Stunde war vergangen. Lieber noch etwas warten.

Um sich die Zeit zu vertreiben, kramte er etwas in seinen Taschen, zog schließlich sein Notizbuch heraus, das er aus dem Kastell mitgenommen hatte, und einen Kohlestift. Gedankenverloren blätterte er weiter zu seinem Skizzenteil, in den er Waffenideen und Muster zum Tätowieren hinzeichnete. Mit wiederholtem Blick zu den Echsen zeichnete er eine Echse im Kampf mit einem Bären. Die Waffe der Echse schob sich dabei tief in die Seite des Bären, aber dessen Fangzähne bohrten sich in den Hals des schuppigen Etwas. Fett oder Schuppenpanzer. Kraft oder Agilität. Zähne oder Metall. Wer gewann wohl?

Die Sonne schob sich immer tiefer und San Daran beschloss, dass seine Freunde fertig sein mussten und sie wohl keinen Hinterhalt legen konnten, wenn es dunkel würden. Noch hatten sie Zeit zum Sonnenuntergang.

Der Pirat krabbelte ein Stück zurück, dann ging er den Weg zurück, aus dem sie gekommen waren. Dann klemmte er sich die Krücken unter die Achseln und humpelte, ein fröhliches Lied pfeifend, den Echsen entgegen. Er kam zu der Stelle, an der er eben gelegen war, nur jetzt stehend und blickte scheinbar das Meer bewundernd hinaus.

Die Echsen sahen ihn und er sah sie, schnell humpelte er davon, als er aus ihrem Sichtfeld kam rannte er sogar ein Stück, bis sie ihn wieder sehen konnten. Er humpelte so rasch er konnte, bald kam er ins Schwitzen. Die Tiere verfolgten ihn etwas schneller als er war, doch selbst das Verletzte konnte nicht so schnell, wie es wollte. Er musste einfach die Maskerade der so leichten Beute tragen, dass die beiden ihn für einen problemlosen Fang hielten und auch weiterhin verfolgen konnten.

Hoffentlich war es nicht zu weit bis zu seinen Freunden.

Dennik
20.12.2015, 14:22
"Wo bleibt er denn?", murmelte Dennik unruhig und ließ seinen Blick weiter über den Weg schweifen. Sie hatten sich zurückgezogen und nachdem sie aus dem Blickfeld der Echsen verschwunden waren, waren sie zur Schlucht geeilt. Dort hatten sie sich den Hüeln und Felsen über dem Weg positioniert und auf den Felsen und Hügeln um die tiefe Schlucht Stellung bezogen. Von hier oben würden sie einen deutlichen Vorteil gegenüber den Echsen genießen. Rekhyt lag am Ende der Schlucht versteckt hinter Felsen. Ihm würde eine besondere Rolle zukommen sobald San an ihm vorbei gerannt war und die Schlucht sicher verlassen hatte. Luke und Dennik hingegen kauerten am Eingang der Schlucht um die Echsen sofort nach ihrem Betreten unter Feuer zu nehmen. Dennik hielt seinen Bogen in der Hand und die Pfeile hielt er in der Hand. Bereit sie alle auf die Bestien zu feuern, wenn es sein musste. Es war das erste Mal, dass er seinen neuen Bogen gegen ein lebendiges Ziel ausprobieren durfte. Aufregung kochte in ihm hoch und verstärkte seine Unruhe noch.

"Da!", es war der Druidenlehrling, der San als erstes Entdeckte und auf die hastig vorwärtshumpelnde Gestalt auf der Steilküste zeigte. Abwägend schaute Dennik zu ihm und dann seinen beiden Verfolgern. Sie hatten anscheinend Glück gehabt, keine anderen Echsen hatten sich der Hetzjagd angeschlossen und sie hatten die zwei mühelos von ihrer Armee trennen können. Dennoch durften sie jetzt nich übermütig werden, klar sie waren im Vorteil. Hatten eine gute Falle gelegt, doch es konnte immer noch allerhand schief gehen. San Daran jedenfalls erfüllte seine Aufgabe. Er hielt den Abstand zu den Echsen beinahe konstant groß und humpelte den Weg entlang in ihre Richtung. Die Echsen fauchten und hoben ihre rostigen Waffen über die Köpfe, wirbelten sie umher und wollten ihre Beute endlich zerfleischen, das konnte der Meisterdieb förmlich spüren.

Endlich kam San bei ihnen an. Der Schweiß stand ihm auf der Stirn und müde schaute er zu ihnen hoch, als er die Schlucht erreichte, wie um sich zu vergewissern, dass seine Freunde ihn jetzt nicht im Stich ließen.

Endlich betraten auch die Echsen die Schlucht hinter San. Sie hatten auf den letzten Metern den Abstand deutlich verringert. Die Hetzjagd wäre bald zu Ende gewesen. Es wurde also Zeit, dass die Söldner sich einklingten. Dennik stand auf und zielte auf die Echsen die direkt unter ihm San verfolgten. Er atmete tief durch, legte den Pfeil ein, spannte und schoss. Der Pfeil sauste auf die gesunde Echse nieder. Von hier oben konnte man sein Ziel beinahe nicht verfehlen und so traf der Pfeil auch in den Rücken der Echse. Das Zischen wurde lauter und jetzt kam der Moment, wo ihre Falle aufflog. Die Echen kreischten, vor Wut, oder als Warnung für die jeweilige andere Echse, gar alle Echsen, konnte Dennik nicht sagen, er wusste nur, dass es jetzt schnell gehen musste. Er spannte wieder und schoss. Er spannte und schoss.

"San renn ans Ende der Schlucht!", brüllte der Jäger dann, während er eine kurze Pause einlegte um die Echsen zu beobachten. Die ehemals unverletzte Echse hatte zwei Pfeile in ihrer Schulter stecken und einen am Rücken und denoch stand sie aufrecht und fauchte. Sie visierte wieder San an und rannte dem Piraten weiter hinterher. Sie hatte sich also für eine Jagd entschieden. Jetzt lag es an Rekhyt, ob er die Schlucht rechtzeitig nach San Darans Verschwinden mit Steinen überschütten konnte.

Die verletzte Echse hingegen zog sich aus der Schlucht zurück. Anscheinend hatte sie vor zu ihnen nach oben zu kommen. Einen weiteren Pfeil legte der Meisterdieb ein und bedachte ihn der Echse, die San verfolgte. Er schoss und traf wie erhofft ihren Fuß. Er strahlte vor Glück. Die ersten Schüsse waren sichere Treffer gewesen, doch dieser Schuss hatte einiges an Risiko bedeutet. Jedenfalls traute er sich wenig zu, wenn es um das Bogenschießen ging. Die Echse zischte schrill und knickte kurz ein. Der gewünschte Effekt der Verlangsamung trat ein und jetzt würde sich Dennik der anderen Echse widmen.

San Daran
20.12.2015, 19:17
Die Falle war zugeschnappt. Spätestens, als das Brausen der Pfeile zu hören gewesen war. Nun brauchte San auch diese schrecklichen Krücken nicht mehr, er war von oben bis unten durchgeschwitzt, war er doch so schnell es seine Beine erlaubt hatten mit den Krücken hier her gerannt. Er schmiss beide weg und rannte los, schneller, aber lang hielt er wohl nicht mehr durch.

"...bis ans Ende der Schlucht!", hörte er Dennik rufen.

Nun, das war ja nicht mehr weit. San Daran blickte über seine Schulter und sah die Echse, viel näher als er sie geglaubt hätte, an ihn heraneilen. Geifer lief ihr aus dem Maul, die Klinge war hoch erhoben. Dann sah er den nächsten Pfeil, er durchbohrte die Schulter des Ungetüms und es wurde etwas langsamer, doch stoppte es nicht. Den Blick wieder nach vorne richtend, beeilte sich der Pirat noch mehr, das Ende zu erreichen, es kam immer näher.

Dann schlüpfte er durch zwei Felsen hindurch und war hinaus, zu seiner linken und rechten erstreckten sich keine Wände mehr. Und so plötzlich, wie er die Schlucht verlassen hatte, hörte er ein Bröckeln und Krachen hinter sich. Er drehte sich um und sah Felsbrocken herunterfallen, gerade zu auf den Echsenmensch, der genau hinter ihm gewesen war. Vermutlich hatten sie eigentlich dessen Weg abschneiden sollen, doch er war so dicht hinter San Daran gewesen, dass sie nun direkt auf ihn drauf fielen. San stützte sich auf seine Knie und atmete tief durch. Zum Glück war es vorbei. Aber da war noch die andere Echse.

Rekhyt kam auf ihn zu, lächelnd. "Haben die Steine geholfen?"
"Sie haben mir den Arsch gerettet. Wollen wir nach dem anderen sehen?"
"Da müssen wir aber oben rum", entgegnete Rekhyt.
"Lass uns das machen, aber geh du vor, ich muss erst durchschnaufen!"
San Daran schnaufte noch alleine durch. Vielleicht war das Rauchen doch nicht so gut für ihn. Doch er raffte sich auf und trabte zu der Stelle, von der Echsengekreisch kam.
Dann hörte er plötzlich hinter sich ein Schaben.

Langsam blickte er zu der Stelle, an der die Echse begraben worden war. Da erhob sich etwas, stieß Steine von sich und zischte laut.

"Verdammte Scheiße...", murmelte der Pirat und zog Säbel und Hammer. "Was braucht es, um so ein Teil zu töten?", fragte er sich.
Dann ging er zu den bewegenden Steinen. Noch war nichts zu sehen, nur das Rollen von Brocken. Eine Hand kam zum Vorschein und sofort schlug er mit dem Hammer zu.
Es gab ein lautes Knirschen und sofort bemerkte San seinen Fehler: Er hätte noch warten sollen.
Ein Stein traf ihm am Kopf und er stolperte rückwärts. Aus den Brocken befreite sich nun die Echse, abschüttelnd, als ob sie nur aus einem Sandhaufen kommen würde. Dunkles, zähes Blut lief ihm vom Schädel und vom Arm, eine Hand, die auf die San geschlagen hatte, presste er an die Seite, doch in der anderen war seine grausige Waffe.

Mit einem Brüllen machte San einen Satz auf das Ungetüm, schlug auf die Seite, in der keine Waffe war. Doch dafür war die Echse noch schnell genug, sie parierte, doch ihr Blick war schon fast leer. Sie war am Schädel verletzt, er musste auf Schnelligkeit setzen.
San Daran schlug nun abwechselnd rechts und links, schneller als die Echse in ihrer Lage reagieren konnte. Kaum parierte sie den Säbel, da landete der Hammer an der rechten Kopfseite.

Das Wesen wurde zu Boden geschleudert. So ein Schlag hätten einen Bullen umgeworfen, doch die Echse rappelte sich wieder langsam auf. Deswegen zielte San nun auf das schuppige Bein und nach einem wuchtigen Schlag steckte der Säbel im Oberschenkel des Wesens. Noch mehr dunkles, zähes Blut kam hervor und bespritzte Sans Gesicht. Nun brachte er es zu Ende.
Zuerst zielte er auf die letzte unverletzte Hand, dann auf den Schädel, bis es sich nicht mehr rührte.
Er wollte sicher sein, dass es nun liegen blieb, deswegen trennte er den Kopf des Wesens ab.
Dann rappelte er sich wieder auf, nun noch mehr außer Atem. Seinen Säbel musste er nun schärfen. Nach der Reinigung natürlich.
Doch zuerst musste er nach seinen Freunden sehen.

Luke Drake
03.01.2016, 16:29
Erst dauerte es eine gefühlte Ewigkeit, bis San und die zwei Echsen in Sicht kamen und dann ging alles ziemlich schnell. Dennik hatte die unverletzte Echse mit Pfeilen beschossen, doch diese entschied sich dafür, weiterhin San Daran zu verfolgen.
Dafür versuchte die Echse, die von Anfang an verletzt war, nun zu Dennik und Luke zu gelangen.

Der Druidenlehrling hatte seine Magie erweckt und wartete darauf, dass die Echse auf einen Stein trat, den er mit einem Zauber wegziehen konnte.
Glücklicherweise passierte dies auch. Luke griff mit seiner Magie den Stein und zog ihn nach Hinten. Das brachte die Echse ins stolpern und dann zum fallen.
Bevor ihr Gegner sich wieder aufrichten konnte, waren Dennik und Luke mit gezogenen Waffen bei ihr und beendeten mit einpaar gezielten Hieben und Stichen das Leben der Echse.

"Hoffentlich haben San und Rekhyt die andere Echse erledigt", murmelte der Dieb und steckte seine Axt weg, zog dafür aber den Dolch. Damit wäre es wohl um einiges einfacher, an die Zunge zu kommen.
"Wir sollten sie wohl hier auseinander nehmen, so gut es geht. Oder denkst du, wir schaffen es sie hoch zum Kastell zu tragen?", fragte er Dennik, bevor er sich zu der toten Echse kniete und ihren Mund öffnete.

Dennik
03.01.2016, 18:52
Sie alle waren unverletzt geblieben und hatten zwei Echsen erlegt. Sie konnten wirklich stolz auf sich sein. "So machen das richtige Söldner!", grinste Dennik und freute sich über die getane Arbeit. "Schnappen wir uns die Zunge der einen Echse und nehmen die verwundete Echse mit ins Kastell. Jeder schnappt sich eine Gliedmaße und wir versuchen sie zu tragen... ich glaube wir schaffen es, aber zur Not brechen wir das Unterfangen einfach ab", schlug der Meisterdieb vor und seine Freunde waren einverstanden.

Luke und Rekhyt machten sich an der Zunge der gesunden Echse zu schaffen, während Dennik versuchte so viele von seinen Pfeilen wie möglich zu retten, während der Pirat sich noch einen Schluck Wasser gönnte, ehe sie losgingen. Einige der Pfeile waren durch die Felsbrocken und Steine gebrochen, die die eine Echse unter sich begraben hatte, doch zwei Pfeile wenigstens konnte er wieder zu seinem Bestand hinzufügen. Dennoch wurde ihm schmerzlich bewusst, dass Pfeile schnell ausgehen konnten und er dringend neue kaufen musste. Das war wohl der Nachteil des Bogenschützens, ohne Pfeile keine Angriffe.

Gemeinsam zogen sie die Echse schließlich nach oben und dann ging es los Richtung Kastell. Es würde ein anstrengender Weg werden, doch weit und breit war keine Gefahr mehr zu erblicken und sie hatten Zeit Pausen einzulegen und sich ihre Kräfte so gut es ging einzuteilen.

Ravenne
04.01.2016, 16:32
Redlef war ihr zu Hilfe gekommen, mittlerweile standen sie Rücken an Rücken. Nach der ersten Überraschung, dass es kein einfaches Wildtier war, das sie mit stumpfen Schlägen vertreiben konnte, hatte sie die Kuse gewendet und machte ernst. Einfache Schläge von oben rutschen ohne größere Auswirkungen von den Schuppen der Tiere ab, musste sie feststellen. Entweder musste sie da mehr Kraft aufwenden, oder es lassen, die Wahl fiel ihr nicht schwer. Plötzlich wurde sie zu Boden gerissen, im Sturz schaffte es eine der Echsen, mit den Krallen über ihr Gesicht zu fahren. Sie verfluchte Redlefs keine-Platte-Politik in diesem Moment, im Gambeson fühlte sie sich davor nicht gut geschützt. Blut rann ihr die Schläfe herab. Redlef nuschelte etwas, aber sie ignorierte das. Irgendwie kämpften sie sich wieder hoch und standen Rücken an Rücken, dadurch teilten sich auch die Echsen auf, eine pro Person.

Es war ... seltsam, ihr Versuch eines Anti-Echsenmensch-Kampfstils. Von oben oder schräg oben zu schlagen brachte nichts und in dem Licht sah sie auch nicht, ob der Kopf ebenfalls von diesen starken Schuppen geschützt wurde oder nicht. Infolgedessen blockte sie die Angriffe der Echsen und schlug von unten nach oben, in der Hoffnung, unter die Schuppen zu dringen und Schaden anzurichten. Ein Schlag gegen das Bein ließ sie taumeln, aber gegen Redlefs Rücken konnte sie nicht stürzen. Sie berappelte sich und machte weiter, wobei ihr der Gedanke kam, dass sie es ja sogar noch recht bequem hatte, immerhin führte sie eine Distanzwaffe. Mit einem glücklichen Schlag erwischte sie den Hals des Reptils, drang unter die Schuppen und trennte ihn mit einem glatten Schnitt auf. Mit dem Schaft des Speeres stieß sie die Echse mit aller Kraft zurück und drehte sich nun zu Redlefs Gegner. Mit einem Schwert war er gefährdet, schoss es ihr durch den Kopf, er musste nah an die Echse, um sie zu treffen, was es der Echse ebenfalls einfacher machte.

San Daran
04.01.2016, 21:03
Sie mussten sich Fackeln entzünden, um noch etwas sehen zu können. Die Dunkelheit, die sich angedroht hatte, als San Daran vor den Echsen geflohen war, war nun über ihnen hereingebrochen und drohte alles zu verschlucken, was sich außerhalb ihres flackernden Kreises von Fackellicht befand.

Die Viecher waren schwerer als vermutet, wahrscheinlich wogen diese ganzen Schuppen einiges. Wie konnten sie nur so schnell und behände sein, wenn sie ein Schuppenpanzer, ähnlich schwer wie eine Plattenrüstung trugen? Er überlegte sich, ober er sie entschuppen sollte, um daraus Waffen zu machen, doch ihm fiel keine Möglichkeit, sie zu verwenden, die den Aufwand lohnen würde. Wieso war er nur kein Rüstungsmacher, dann wäre das hier seine Goldgrube! Konnten sie darauf vielleicht Rüstungen für sich machen? Wie das Leder, dass sie dem Rüstungsmacher gebracht hatten. Vielleicht wogen die Schuppen ja nicht so viel, sondern die Muskeln, die darunter waren.

"Lederrüstungen... Snapperschuppenrüstungen... Wieso keine Echsenpanzerrüstung?", er ließ die Frage mit Absicht so offen, dass seine Freunde sich ihren Teil denken konnten.
"Zumindest Wert wären sie einiges, oder etwa nicht? Vielleicht könnten die Waldvölkler sie ja sinnvoll verwenden. Wenn schon nicht als Rüstung, wieso nicht als Pfeilspitzen? Als Schildverstärkung? Echsenleder als Köcher, die nicht so schnell kaputt gehen!"

Plötzlich tauchte vor ihnen dieser Turm auf. Aus dem nichts, in die Nacht gebettet, als käme ihre wahre Natur nur bei dieser Tageszeit zum Vorschein.
Was jetzt?

Dennik
04.01.2016, 21:22
Es hatte eine gefühlte Ewigkeit gedauert und ihnen stand der Schweiß auf der Stirn doch schließlich erreichten sie das Kastell. Sie ließen die Echse zu Boden und verschnauften einen Moment. Skeptisch blickte der Meistdieb auf die Skelette, die das Tor schmückten.

"Pete im Fort experimentiert schon herum wie man diese Echsenschuppen am Besten verwenden könnte. Ich glaube, dass wenn es einer schafft von uns, es wohl Pete ist", antwortete Dennik noch auf Sans Träume und fügte dann spaßeshalber hinzu: "Jetzt denke erstmal über Drachenschuppen nach!". Er grinste breit bei der Vorstellung. Ja, es waren beinahe Kinderträume. Sie mit dicken Äxten bewaffnet und protzigen Rüstungen aus purschwarzen Drachenschuppen. Die Damenwelt würde ihnen zu Füßen liegen.

"So wertes Tor... müssen wir jetzt noch einmal kenntlich zeigen, dass wir Freunde des Kastells sind, oder reichen die Gaben vom letzten Mal noch aus? Wir wollen nur unsere Beute an Don Esteban überreichen", Dennik war sich wie immer nicht sicher, ob er gerade mit dem Kastell, den Skeletten, seinen Freunden oder sonstigen unsichtbaren Zuhörern redete.

San Daran
04.01.2016, 21:35
Es geschah genau das, womit keiner gerechnet hatte: Nichts.

San Daran pochte mit der Faust gegen das Tor.

"Hallo? Halloooohoo?"

Eigentlich hatte er Angst vor den Dämonen und Hexen da drinnen, aber andererseits war er einfach gestrickt. Da war ne Tür, sie ging nicht auf, also hämmerte man solange dagegen, bis jemand aufmachte. Als sich nach ein paar Minuten nichts tat, blickte er ratlos Dennik an, doch der zuckte nur mit den Schultern.

"Vielleicht müssen wir noch auf jemanden oder etwas warten, bemerkt hat uns sicher wer! Es bleibt uns nichts anderes übrig, bis auf warten."

Sie gingen zu zweit Richtung Wald, um Feuerholz zu holen, damit sie es wenigstens behaglich warm hatten, bis jemand ihnen öffnete, und Rekhyt und Luke blieben da, falls jemand aufmachte.

"Dass mit den Drachenschuppen... Das wäre schon was!", grinste San Daran in die Dunkelheit und hörte Dennik lachen. Sie sammelten Äste vom Boden auf, sogar einen kleineren gefallenen Baum, der etwa so Breit wie Sans Obererarm war, zogen sie zurück zu den anderen.

"Stell dir vor, ich mache uns Waffen aus Drachenknochen. Oder besser: Zähnen. Klauen! Stell dir das mal vor, ein Schwert nur aus Horn! Oder ein Hammer aus einem Beinknochen! Das würde Banditen schon bei unserem Anblick fliehen lassen! Oder Rotröckler!"

Darauf brauchte San Daran erst einmal einen Schluck Rum, dem sich Dennik auch nicht verwehren konnte.

"Was machen wir nachdem wir mit Don gesprochen haben? Zu unseren Leuten zurück? Ich würde gerne einen Druiden sprechen..."

Dennik
04.01.2016, 21:49
Dennik hielt inne, während sie das Feuerholz vor dem Kastell stapelten. "DU willst einen Druiden sprechen?", irritiert ob er sich nicht doch verhört hatte, blickte Dennik zu Rekhyt, dann zu Luke. Er selbst tat sich ja schwer mit Zauberei, Verbundenheit zur Natur und dem Samhain Fest, doch San Daran hatte bisher nicht einmal darüber reden wollen, geschweige denn zugehört, wenn Luke oder Rekhyt über die Künste der Magie sprachen.

"Wofür brauchst du denn einen Druiden? Hast du etwa Durchfall... da gebe ich dir einen kleinen Tipp: mehr Brot, weniger Rum", Dennik kramte die Feuersteine und etwas Zunder aus seiner Tasche und machte sich daran das Feuer in Gang zu bringen. Endlich begann das Glimmen rund um die trockensten Stücke Holz. Zum Glück war hier an den Steilküsten wenig Feuchtigkeit zu finden, abseits vom Meer, der Sand und Ruß schien alles Wasser in Sekundenschnelle aufzusaugen und dementsprechend leicht leckten die Flammen an den Stöcken und Stämmen.

Stolz holte Dennik seinen Bogen hervor. Gerade noch hatte der Pirat über Drachenknochen gesprochen. Er selbst hatte einen Knochenbogen und er hatte sich heute wirklich bewehrt. Er würde Andrahir noch einmal wirklich danken müssen für diese schlagfertige Waffe.

San Daran
04.01.2016, 22:01
"Quatsch, meiner Verdauung gehts gut, der Rum hilft sogar beim Flutschen! Nein ich hab da etwas, was ich einem Druiden genauer zeigen möchte, vielleicht kann er mir bei etwas helfen, was sonst keiner kann..."

Er zeigte Dennik das Mal auf seiner Hand.

"Es trat das erste Mal auf, seit ich alleine in der Bibliothek gewesen war. Irgendein Dämon ist wohl in mich eingedrungen und hat etwas in mir verändert..."

Sie saßen um das Feuer herum und blickten hinein, langsam wurde San Daran immer heißer, so nah an den glühenden Stäben sitzend. Er nahm einen großen Schluck und reichte seinen Flachmann weiter.

"Nehmt einen tiefen Schluck, soll gut gegen Halsschmerzen sein. Die holt man sich ja schnell bei einem so schnellen Wechsel aus kalt und heiß!"
Schweigend saßen sie weiter da und schauten auf die Glut, wartend, dass jemand endlich aufmachte, sodass sie endlich reinkonnten. Jemanden so lange draußen zu lassen war nicht direkt die feine Art. San bemerkte dass sein Hammer herunterhing und er steckte ihn wieder in seinen Mantel.

"Dennik, kennst du vielleicht jemanden, der mit bei meinem Problem helfen kann?"

Redlef
05.01.2016, 00:31
Diese verfluchte Echse machte ihm ganz schön zu schaffen. Ihre Schläge waren weiterhin gewaltig, auch wenn sie von Schlag zu Schlag langsamer zu werden schien. Redlef lief der Schweiß in Strömen über das Gesicht. Seit Atem ging schwer. In seinem Rücken spürte er Ravenne, die ihn schon mehrfach in diesem Kampf vor dem Fallen bewahrt hatte.
Ein dumpfes Geräusch verriet ihm, das Ravennes Gegner zu Boden gegangen war. Nun wandte sie sich seinem Gegner zu. Redlef packte der Ehrgeiz. Er würde sich nicht von einer Frau, dieser Frau helfen lassen.
Entschlossen packte er sein Schwert fester und legte auch die zweite Hand ans Heft. Knurrend riss er die Waffe nach vorn. Die Echse wischte seine Klinge jedoch spielerisch zur Seite. Red musste einen Schritt zur Seite machen, um sein Gleichgewicht zu wahren. Doch die neue Position ermöglichte ich einen neuen Schlag. Die Echse hatte ihre Deckung für den kraftvollen Konter aufgeben müssen. So hatte er nun die Möglichkeit, ihr in die Flanke zu stechen. Ein grässliches Kreischen ertönte. Die Echse taumelte zur Seite. Red nutzte die Chance und landete einen zweiten Treffer. Tief fuhr seine Klinge in den Unterbauch des geschuppten Scheusals und es fiel zu Ravennes Füßen in den aufgewühlten Dreck.
Red ließ das Schwert sinken und erlaubte sich ein tiefes Durchatmen.
Er hockte sich neben die ihr Leben aushauchende Echse nieder und betrachtete sie. Dieses Exemplar war viel großer, kräftiger und im allgemeinen imposanter, als jenes, das er im Kerker liegen hatte. Es sah sogar noch bedrohlich aus, als das Licht in seinen geschlitzen Augen erlosch. Was waren das nur für eigenartige Kreaturen.

»Wir sollten schnell zum Lager zurückkehren und es besser sofort abbrechen. Unser Kampf war nicht gerade leise und wenn es noch mehrere dieser Geschuppten in der Nähe gibt, werden sie uns finden«, sprach er zu der Ritterin.
Beim Aufstehen ließ der Kerkermeister noch einmal sein Blick über die Umgebung schweifen. Zu sehen war nichts, doch es war schließlich auch die Aufgabe von Spähern nicht gesehen zu werden.
Sein Blick fand die Frau. Ihr Gesicht blutete. Wann war das passiert? Doch ansonsten schien es ihr gut zu gehen. Da er inzwischen gelernt hatte, dass sie seine Führsorge nicht sehr schätzte, ließ er sie in Frieden. Da ihre Wunde schlimmsten falls in ein paar Tagen anfangen würde sich zu entzünden, konnte er zu gegebener Zeit auch dann noch etwas für sie tun, so denn sie ihn ließ.
Nach ein paar Schritten fühlte er etwas Eigenartiges unter seinem Stiefel. Aus einem Reflex heraus bückte er sich und hob den kleinen eigenartigen Gegenstand auf. Er sah aus, wie ein Quarzkristall, der tief aus seinem Innersten gelblich leuchtete. Er hing an einer dünnen einfachen Kette. Doch eigenartige Geräusche aus der Ferne verbaten es ihm, sich weiter mit dem Ding zu beschäftigen. So stopfte er es vorerst achtlos in sein Wams und griff nach Ravennes Arm, schob sie vorwärts und zusammen eilten sie zurück zur Höhle.



Inzwischen waren seit diesem Kampf drei Tage vergangen. Viel geredet hatten sie in der Zwischenzeit nicht. Dafür konnten sie aber ein gutes neues Lager in einer kleinen Höhle errichten. Dies war bei der schlechter werdenden Witterung auch zwingend nötig. Schnee war gefallen und eisige Winde fegten über die Berghänge. Ohne den felsigen Schutz würden sie nicht mehr viele Nächte im Freien überleben.
Gedankenverloren hatte sich Red an die Höhlenwand gelehnt. Das Feuer brannte nur gering, doch es reichte aus um den kleinen Innenraum der Höhle, die mehr eine Felsniesche war, über dem Gefrierpunkt zu halten.
Umso verwunderlicher, dass der kleine Kristall in seinen Händen sich so warm an fühlte. Er hatte den ganzen Tag während ihrer Erkundigungen in der Kälte auf dem Höhlenboden gelegen und dennoch fühlte er sich an al ob den ganzen Tag die heißeste Sommersonne auf ihn geschienen hätte.
»Ravenne, Ihr seid doch schon etwas länger im Orden. Ist Euch da so etwas wie dieser Stein schon einmal untergekommen? Er leuchtet und strahlt von innenheraus Wärme ab.«
Red drehte den kleinen Stein zwischen seinen Fingern hin und her. Das schwache Glimmen, das ungefähr so hell war, wie das Licht einer erstickenden Flamme, faszinierte ihn. Doch um eine Antwort erhalten zu können hielt er ihr das echsische Kleinod hin.
»Ich habe es bei dem toten Echs gefunden. Apropos: Wie entwickelt sich Eure Gesichtswunde. Bei diesem Licht erscheint sie mir sehr gerötet…«

Ravenne
05.01.2016, 17:58
Das Wetter wurde schlechter. Der Wind pfiff ihnen kalt um die Ohren, wenn sie weiterreisten, und Schnee war gefallen. In Nordmar hatte sie sich einigermaßen an kaltes Wasser vom Himmel gewöhnt, aber dass es so schillerte und glitzerte, erstaunte sie noch immer. Dieses Mal hatte sie jedoch kein Staunen dafür übrig, sie war grummelig. Es war rutschig, wenn es auf die Kleider kam, war es feucht, dann kühlte es aus. Der kalte Wind bereitete ihr Kopfschmerzen, und wenn es wenigstens etwas gab, worüber sie froh war, dann dass Redlef die Klappe hielt. Sie hatten ihr Lager in einer Felsnische gefunden.

Redlef schien mit irgendwas in den Fingern zu spielen, Ravenne hatte sich kurz zurückgelehnt und versuchte, den Kopfschmerz durch schieren Willen zu verdrängen. Als er sie ansprach, öffnete sie träge die Augen, ehe sie entgeistert aufsprang und ihm das Teil aus der Hand schleuderte. Es fiel einige Schritte neben ihnen zu Boden und hopste noch weiter, ehe es unschuldig zum Liegen kam. Vermutlich dachte er nun, der Wahn habe sie heimgesucht, aber was auch immer. Ihre sonst so saubere Handschrift glich mehr kruden Runen, die man von alten Kulturen in Ruinen fand, als die Schrift gerade erfunden wurde.

Bist du wahnsinnig, ein offensichtlich magisches Teil von einer beliarverdammten Echse mitzunehmen? Hörst du irgendwelche Stimmen, hast du die komplette Kontrolle über deinen Körper? Welchen Rang und Dienstgrad hast du in Thorniara und wie ist dein vollständiger Name?

Erzürnt hielt sie ihm die Tafel hin. Sie konnte sich zu gut an ihre eigene Geschichte mit dem magischen schwarzen Erz erinnern, und der Dämonenbesessenheit, die gefolgt war, ehe ein Mann ihn mit einem Gebet an Innos hatte vertreiben können. Jetzt versuchte sie, zu prüfen, ob etwas Ähnliches mit Redlef passiert war, und wenn er auch nur ein Anzeichen von Dämonenbesessenheit und Nicht-Er-Selbst-Sein zeigte, würde sie das Lager sofort abbrechen und seinen dämonenverseuchten Hintern zu einem Priester schleifen. Wie konnte man so einfältig sein? Sie wussten doch, dass die Echsen Feinde waren und zum Drachen gehörten!

Redlef
05.01.2016, 19:22
Überrascht ob der heftigen Reaktion Ravennes schreckte Red zurück, sah sie entsetzt an und ignorierte das schnelle Gekritzel auf ihrer Tafel und streckte sich nach dem Steinchen. Während sie noch eifrig schrieb legte er das eigenartige Ding zurück zu seinen Sachen.
»Seid Ihr denn von allen guten Geistern verlassen? Was soll dieses Getue?«
Mit Nachdruck hielt sie ihm die Tafel unter die Nase. Er schob sie und die Frau von sich und drückte sie zurück auf Ihren Sitzplatz.
»Was ist denn nur in Euch gefahren?« Er nahm ihr die Tafel ab. Nicht nur ihr Verhalten, sondern auch ihre Schrift war hektisch.
»Was sollen diese dummen Fragen? Natürlich weiß ich wer ich bin und wie ich heiße. Vor allem aber bin ich weiterhin ruhig und habe Euch eine vernünftige Frage gestellt. Ich trage dieses Steinchen schon seit drei Tagen mit mir herum, da ist es wohl auszuschließen, dass ich von irgendetwas besessen worden bin. Ganz im Gegenteil zu Euch! Schlagt wild um Euch…«
Er warf die Tafel auf ihr Lager, wo sie weich landete. Dann wandte er sich der offensichtlich verrückt gewordenen Frau zu. Hatte sich ihre Wunde doch entzündet? Das wäre schlecht, denn dann müssten sie ihre Mission sofort abbrechen.
Er fasste ihr auf die Stirn. Sie versuchte seinen Griff abzuschütteln und wehrte sich dagegen. Red drückte sie nieder. Hielt ihre Hände und presste sie an den Körper. Sie wehrte sich immer heftiger, doch kein Mucks kam über ihre Lippen.
»Schluss jetzt!« Zischte er ihr zu. Sie drehte völlig durch, wie die Verrückten im Kerker. Er griff ihre Arme, drehte sie auf den Rücken und rang sie nieder. Sie verpasste ihm einen Tritt und er verlor kurzzeitig den Griff. Es folgte ein Kampf.
Sie schleuderte ihn fort und schwer atmend saßen sie sich gegenüber.
»Verdammtes Weib! Was ist denn in Euch gefahren. Eure Haut glüht! Die Wunde stinkt und hat sich infiziert! Weil Ihr zu Stolz wart, um Hilfe zu bitten seid Ihr jetzt im Fieberwahn! Einfältiges Frauenzimmer! Ihr habt nicht nur Euch sondern auch mich in Gefahr gebracht.
Setzt Euch jetzt da hin, und lasst mich nachsehen was Euch fehlt. Mir geht es gut, das versichere ich Euch aber Ihr braucht dringend Hilfe.«
Red griff nach seiner Tasche mit den Salben und kam erneut auf die Frau zu. Hoffentlich nahm sie seine Hilfe an!

Ravenne
05.01.2016, 22:49
Er hatte es definitiv als Wahnhandlung aufgefasst, es war zu einer Rangelei gekommen. Nun hockte sie da, während Redlef versuchte, ihr mit irgendwelchen Tiegeln zu Leibe zu rücken. Misstrauisch ließ sie ihn machen und beäugte jeden seiner Handgriffe. Es war zugegebenermaßen ein Versäumnis gewesen, sich nicht nach seinen Fähigkeiten zu erkundigen: Sie hatte schlicht nicht gewusst, dass er sich mit Wundheilung auskannte und selbst versucht, den Schnitt im Gesicht von der Echsenkralle irgendwie zu flicken. Nur dass sie keinerlei Ahnung hatte, wie man eine Wundabdeckung am Kopf anlegte, worauf man zu achten hatte oder welche Kräuter man da verwendete. Als er fertig zu sein schien, griff sie nach der Tafel und wartete ab, ob er versuchen würde, sie davon abzuhalten.

Ich war nicht zu stolz, sondern zu unwissend, immerhin nahm ich an, einen Soldat im Schlepptau zu haben, keinen Barbier. Ebenso, wie du zu naiv bist, diesen verdammten Stein drei Tage mit dir rumzuschleppen. Wer weiß, wozu die Echsen so was benutzen, bisher hat Innos wohl seine schützende Hand über dich gehalten.
Ich sage dir (du weißt, wie ich's meine), was los ist. Mich hat mal dämlicher Leichtsinn dazu getrieben, Erz an mich zu nehmen, von dem es hieß, es sei dämonisch. Gab eine hübsche Halskette ab, vor allem, als ein Dämon sich in mir einnistete. Ein Streiter Innos', ich kenne seinen Namen nicht, konnte den Dämon vertreiben. Ich will verflucht sein, wenn ich so etwas unter meiner Aufsicht noch mal passieren lasse! Wir hätten für den Mist einen Priester mitnehmen sollen.

Sie schob ihm die Tafel hin. Anscheinend hatte er gemerkt, wie wichtig ihr die war, sonst hätte er sie wohl sonstwohin geworfen. Wo der Stein, den er ihr hatte zeigen wollen, hingerollt war, wusste sie nicht, auf Anhieb sah sie ihn nicht. Solche magischen Sachen waren ihr einfach nicht geheuer, vor allem, ohne jemanden, der das untersuchen konnte oder sich mit Magie auskannte. Ein von innen leuchtender, warmer Stein klang jedenfalls nicht nach einem einfachen Edelstein, die taten das nicht.

Redlef
06.01.2016, 01:18
»Naiv hat mich noch nie jemand genannt. Interessant!« Er lachte leise. »Ich wiederum finde Eure Angst vor fremdartigen Dingen zwar ein wenig übertrieben, doch nach Euren Erfahrungen nachvollziehbar. Entschuldigt bitte, dass ich Euch so angefahren habe.«
Red setzte sich wieder auf seine seinen Platz an der Wand und verstaute seine Sachen wieder Ordnungsgemäß. Dann schlang er die Decke um sich. Trotz des kleinen Feuers war es kalt.
»Ihr habt Fieber. Die Wunde hat sich entzündet. Nicht so schlimm, wie es hätte sein können, doch schlimm genug, dass es Euch die Kräfte raubt. Also werden wir noch zwei Tage hier bleiben und dann zurückkehren, wenn sich Euer Zustand nicht bessern sollte. Unsere Mission ist wichtig, aber nicht wichtiger als Euer Leben.«
Unzufrieden verschränkte er die Arme vor der Brust. Ein Abbruch dieses Auftrages würde all seine Pläne zunichtemachen. Dann wäre alles für Umsonst gewesen.
»Zu dem Stein: Natürlich könnte es sich um ein hochmagisches, dämonisch verseuchtes Artefakt sein. Aber warum sollten zwei einfache Späher ein solch wertvolles Artefakt bei sich tragen? Magie, besonders gebunden in Artefakte, ist etwas Kostbares und seltenes. Ich denke die Chance, dass wir hier draußen etwas so gefährlichem begegnen, sehe ich als äußerst gering an. Dieser Stein muss etwas anderes sein. Ich weiß nicht was genau es ust, doch vielleicht können sie im Tempel mehr dazu sagen.«
Redlef machte es sich an der Felswand bequemer. Der Tag war relativ ereignislos verlaufen. Doch nun war es an der Zeit Ruhe zu finden. Besonders Ravenne hatte es nötig, da sie sich erholen musste.
»Legt Euch jetzt schlafen. Ich halte Wache. Gute Nacht!«

Ravenne
07.01.2016, 17:13
In der Nacht hatten Albträume sie heimgesucht. Vom Dämonen, von der Stimme in ihrem Kopf, die lange nicht verschwunden war, davon, ihren Körper nicht mehr nach ihrem Willen bewegen zu können, während jemand anders ihn übernahm. Wenn sie glaubte, dass Redlef es nicht bemerkte, holte sie das Amulett, dem sie den Mist zu verdanken hatte, aus der Tasche. Es wirkte unschuldig. Die zerbrochene Kette hatte sie nicht repariert, einfach zusammengebunden, damit sie nicht aufging. Durch das Erz ging ein großer Riss bis in die Fassung. Auf der Rückseite war das Symbol eingraviert, das Silmacil und sie sich überlegt hatten, Schwert und Feder. Gegen Morgen hatte sie sich schließlich aufgesetzt, die Augen geschlossen und in Gedanken das Gebet aufgesagt, mit dem der Fremde damals den Dämonen verbannt hatte. Sie erinnerte sich noch gut an den Moment, die Dunkelheit, das Licht in seinen Augen und das Schreien des Dämons.
Innos sprach: „Folgt mir und ihr werdet die Kinder des heiligen Feuers! Folgt mir nicht und ihr werdet in tiefe Dunkelheit fallen und von meinen Streitern gerichtet, denn gesegnet sei der, der den Gefallenen in die Dunkelheit folgt!“ Denn er ist der wahre Streiter des Innos und das Licht, das die Dunkelheit vertreibt und das lodernde Feuer, das die Welt reinigt von Beliars Schergen! Und ICH werde große Rachetaten an denen vollführen, die da versuchen aus den Schatten zu kommen und die Kinder des heiligen Feuers zu verderben! Und mit Grimm werde ich sie strafen, dass sie erfahren sollen: Innos ist mein Licht! Und siehst du nicht das Licht, so lerne das Feuer kennen!

Redlef bestand noch immer darauf, dass sie nicht weiterreisten, solange das Wundfieber nicht komplett weg war. Es war unangenehm, so schweigend dazusitzen, auch wenn zumindest Ravenne nicht viel dafür konnte. Irgendwann berappelte sie sich. Der Blick auf die Tafel hatte ihr verraten, dass sie gestern mehr preisgegeben hatte, als sie unter anderen Umständen getan hatte. Vielleicht hatte das am Fieber gelegen, vielleicht war es tatsächlich notwendig gewesen.
Du scheinst bisweilen keine gute Meinung vom Orden zu haben, habe ich das Gefühl. Darf man fragen, weshalb? Als Kerkermeister dienst auch du dem Orden mehr oder weniger, wenn auch vielleicht nur indirekt.

Redlef
07.01.2016, 23:14
Den ganzen Tag hatten sie in der Höhle verbracht. Nur gegen Mittag, als der Wind nicht ganz so stark pfiff hatte Redlef Ravenne für ein paar Stunden allein gelassen und die Gegend erkundet. Inzwischen konnten sie sich sicher sein, dass es auch hier wenige Echsen gab. Zu mindestens hatte er keine gesehen. Dafür aber hatte er den zweiten Höhleneingang gefunden. Weiter oben an der Felsflanke war deutlich ein Eingang zu sehen. Eine halben Tag Marsch und Klettern und sie hätten das Ziel erreicht. Doch in Ravennes derzeitigem Zustand war das nicht möglich.
Also war Redlef zurückgekehrt und hatte damit bekommen all ihre Beobachtungen und Eindrücke, sowie Vermutungen und Erkenntnisse in Skizzen und Berichten festzuhalten. So konnte er den Tag halbwegs sinnvoll nutzen, wenn er Ravenne nicht gerade neue Wickel machte oder Wasser brachte. Ihr Zustand war nicht lebensbedrohlich doch er setzte sie außer Gefecht.

Als Ravenne ihm die Tafel hinhielt, da schrieb er gerade ein paar taktische Hinweise für den Kampf mit den Echsen nieder. Dann legte er Pergament und Feder beiseite und griff nach der Tafel. Er überflog die Zeilen und gab ihr dann die Tafel mit einem skeptischen Blick zurück.
»Ich habe keine gute Meinung vom Orden? Wie kommt Ihr denn auf diese Idee? Habe ich mich so verhalten?«
Red lachte leise. Diese Frau war eigenartig.
»Nun in Anbetracht der Tatsache dass wir hier so kuschelig in der Höhle sitzen ist für mich noch kein Anlass mit Euch über politische Probleme zu besprechen. Aber ich kann so viel sagen, dass ich mit der Politik des Ordens in jüngster Zeit nicht immer konform gehe. Da sind viele Dinge, die anders laufen sollten. Jedoch halte ich viel von der Obersten Feuermagierin. Ich bin ihr bereits einmal begegnet und dieses Treffen hat mich nachhaltig beindruckt.
Als Kerkermeister bin ich aber ehr Mitglied der Miliz und arbeite mit dem Orden zusammen. Ich weiß ehrlich gesagt aber nicht, was genau ich vom Orden halten soll. Die Dinge die mich stören sind bedingt durch den Krieg, der viel zu lange durch das Reich getobt ist. Hier auf der Insel macht er seine Sache doch ganz gut. Gern würd ich näher mit den Kämpfern des Ordens zusammenarbeiten. Ich bin mir sicher dadurch die Situation der Menschen in der Stadt verbessern zu können, doch in letzter Zeit hatte der Orden so viel zu tun, dass keine Chance sah sinnvoll etwas zu starten. Wie auch immer, ich werde weiter mein Bestes geben und zusehen, dass ich meinen Teil beitragen kann. Vielleicht ermöglicht mir das irgendwann den Weg heim… auch wenn es unwahrscheinlich ist.«
Die letzten Worte sprach er leise, mehr zu sich selbst.
»Was hat Euch in den Orden gebracht. Was hat Euch dazu gebracht, Familie, Güter und persönliche Ziele aufzugeben und Euer Leben dem Orden und Innos zu widmen?«

Ravenne
08.01.2016, 16:01
Die oberste Feuermagierin ... nein, die hatte Ravenne noch nicht getroffen, hatte sich keine Meinung bilden können. Bestimmt eine interessante Persönlichkeit, die die Geschicke der Feuermagier leitete, die sie so kannte. Offenbar war Redlef nicht unbedingt redselig gelaunt, das schloss sie aus seiner Aussage, nicht über Politik sprechen zu wollen. Schade. Aber die Kraftübungen oder das Training am Speer hatte er ihr untersagt, also ... kurz gesagt, auch wenn sie das ungern zugab, sie langweilte sich. Andere Leute hätten sich unter den Umständen bestimmt auch unterhalten, oder nicht? Na gut, er war ja zumindest ein bisschen auf sie eingegangen, weshalb sie sich nun fragte, wie viel von ihrer Lebensgeschichte sie teilen wollte. Sie war kein großer Freund davon, jedem alles auf die Nase zu binden.

Der Krieg wird geführt, wo er notwendig ist, um Menschen zu beschützen. Vor Dämonen, Orks und auch Anbetern Beliars. Ich bin selbst kein Freund von Krieg, aber wenn der Orden bedroht wird, schlage ich zurück. Ich lasse mir nicht von Wassermagiern Gleichmut predigen, wenn sie Rekruten umbringen und mit Erdbeben Schaden verursachen. Hätte ich das nicht selbst miterlebt, würde ich vermutlich auch anders von ihnen denken.
Ich komme aus Al Shedim, als die Nomaden nach Setarrif gerufen wurden, bin ich mit ihnen gekommen, aber es hat mir nichts eingebracht, außer ausgelacht zu werden. Nach dieser unschönen Dämonengeschichte wollte ich in Thorniara mein Glück finden, und es lief besser. Man nahm mich auf und lehrte mich, mich zu verteidigen. Für alles, was ich für den Orden geopfert habe, habe ich mehr zurückbekommen, als ich erwarten konnte. Ich kam ohne richtige Familie und bin nun in einer Gemeinschaft. Die Fähigkeiten, die ich erworben habe, werden anerkannt. Das soll was heißen ... die meisten neigen ja dazu, Stumme zu ignorieren, aber hier werde ich sogar unterstützt, zu Innos zu beten und für ihn zu kämpfen, damit er mich eines Tages vielleicht erhört.
So viel zu mir. Darf ich erfahren, inwiefern zu besser mit dem Orden zusammenarbeiten willst? Wenn wir wieder in Thorniara sind, kann ich versuchen, mich umzuhören, ob vielleicht noch irgendwo etwas dafür frei ist. Hängt natürlich davon ab, wie unser Bericht ausfällt ... aber wenn wir den Winter gut nutzen, um Thorniara wieder aufzubauen oder gar den Echsen zuvorkommen und ihnen einen Schlag versetzen vor dem Frühling, haben wir womöglich etwas Zeit zum Aufatmen.

Rekhyt
08.01.2016, 18:21
Endlich war es Zeit zum Aufbruch. So toll das Angebot des Wissens auch war, welches man im Kastell finden konnte, so war es dennoch auch ein Ort der Dämonen und des Todes. Doch ein paar Momente standen sie noch vor den Toren ehe sie mit ihrer Reise anfangen würden und diese Momente nutze der Schweigsame um noch ein paar Worte an Luke zu richten.
"Du hast es ziemlich eilig", kommentierte er erst einmal.
"Wieso? Wegen dem was wir auf dem Weg hierher gespürt haben? Oder steckt mehr dahinter?"
Selbst wenn es ein neuer Druidenlehrling war, noch neuer sogar als er selbst, so konnte man doch nie wissen was für Geheimnisse sie zu verbergen hatten und vielleicht gab es ja tatsächlich etwas, was er nicht vor allen erzählen wollte.
Zu einer Antwort kam Luke allerdings nicht mehr bevor Dennik wieder zu ihnen stieß, doch der Anfang des Weges würde sich ebenso gut für ein kurzes Gespräch eignen.
Um seinen Worten mehr Nachdruck zu verleihen, fügte er noch einen mysteriös, fragenden Blick hinzu, so auf die Art Gibt es noch etwas, das ich wissen sollte?. Ob seine Kommunikation mit Luke aber schon so weit fortgeschritten war, dass er ihn auch verstehen würde, wusste er nicht. Bei Leuten wie Dennik oder Gath die ihn schon lange, beinahe ewig kannten, wäre es auf jeden Fall kein Problem gewesen.

Redlef
08.01.2016, 23:19
»Gute Ravenne«, hob Red an zu sprechen, als er der Dame ihre Tafel zurückgab.
»Ihr habt mich falsch verstanden, wenn Ihr mich für einen dieser verblendeten Pazifisten haltet, die es leider auch in den oberen Kreisen des Ordens zu Hauf gibt. Ich habe gedient, gekämpft in Schlachten und alles ertragen, was der Krieg mich durchleiden ließ. Und genau da komme ich zu einem der vielen Punkte, die mich so sehr stören. Bevor dieser Drache kam, hatte der Orden in Verbindung mit dem Reich alle Möglichkeiten diesen Scheußlichen Konflikt auf dieser götterverlassenen Insel zu beenden. Es hätte die Möglichkeit gegeben, Setarrif zurück ins Reich zu holen und sich wieder auf das wesentliche zu konzentrieren. Hier gibt es einen ausgeprägten Beliarskult. Auch habe ich sogar gehört, dass sie auf dieser Insel sogar ein Kloster haben sollen. Dagegen sollte man vorgehen. Auch dieser Drache könnte lägst aus den Bergen vertrieben worden sein, wenn Setarrif und Thorniara vereint gegen dieses Ungeheuer gestanden hätten, bevor es sich erhob. Doch stattdessen bekämpfen sich Menschen sich gegenseitig und geben Monstern wie Echsen und Dämonen die Chance sich unter uns breit zu machen. Vielleicht ist das Unheil, das uns trifft, ja unser eigener Verdienst.
Innos und seine heilige Flamme stehen auch für die Entschlossenheit, doch von der wurde sich hier abgewendet. Und Zweifel sind das Werk Beliars. Ein kurzer entschlossener Krieg, der den falschen König abgesetzt hätte und seine Generäle und Rädelsführer in die Verbannung gesetzt hätte, hätte uns vor viel Schaden bewahrt. Hätte für Frieden gesorgt.
Doch … hätte … hätte… jetzt helfen all diese Worte nicht mehr.«
Der Kerkermeister hatte sich in Rage geredet. Das Vorgehen mit dem abtrünnigen, selbsternannten König, war ja nur eine Sache, die ihn immer wieder aufregte. Das Ungleichgewicht in der Stadtbevölkerung war ein ganz anderes und völlig alltägliches Problem. Auch hier müsste der Orden viel entschiedener eingreifen. Doch stattdessen schiebt man all jene, die die Armut und Verzweiflung in die Sünde zwingt, in den Kerker, in der Hoffnung, dass tage voll Angst, Leid und Dunkelheit sie zu besseren Menschen macht.
Als ob es das nicht schon genügend in der Welt gab.
Er zog wütend die Decke fester um sich. Seine Gedanken waren finster und die enge, kalte Höhle machte es nicht besser.
»Jetzt ist mir doch was zur Politik herausgerutscht.« Er presste die Lippen aufeinander und starte verbittert ins Feuer. »Das ist kein gutes Thema und wir sollten darüber nicht sprechen.«
Eine Weile starrte er ins Feuer. Ravenne beachtete er nicht. Nach ein einiger Zeit griff er nach seinen Pergamenten und führte seine Notizen fort. Es half ihm die Gedanken zu ordnen.
»Ich gehe nicht davon aus, dass wir zwei, sollten wir wirklich auf Echsen oder ihr Lager stoßen viel ausrichten können. Aus diesem Grund berichte ich so penibel. Je mehr der Orden und seine Streiter wissen, desto höher sind die Chancen einen erfolgreichen Kampf gegen diese Viecher zu führen. Seit Monaten liegt eine lebendige Echse in einer meiner Kerkerzelle, die dafür gefangen wurde, sie zu untersuchen. Doch obwohl entsprechende Berichte den Orden vorliegen hat sich bisher niemand bei mir gemeldet.«
Und schon wieder waren sie beim Thema Ordenspolitik… Red schloss für einen Moment die Augen und konzentrierte sich dann wieder auf seinen Bericht. Seine Feder kratze langsam und bedächtig über die Tierhaut. Nach wie vor sah seine Schrift krakelig und kindlich aus, doch dafür ermüdete sein Handgelenk nicht mehr, wenn er längere Texte verfasste.
»Ich seid also wirklich stumm? Ich dachte immer ihr wärt aus besserem Hause und dem Orden im frommen Gedanken beigetreten, oder weil Ihr Vater das wollte, vielleicht um Eure Jungfräulichkeit zu wahren. Auch war ich in diesem Zusammenhang davon ausgegangen, dass Ihr ein Schweigegelübde abgelegt hättet. Doch Ihr seid wirklich stumm, oder? Ohne Stimme?«
Red war noch nie einer wirklich stummen Person begegnet. Jemanden, der nicht mal in der Lage war in Erregung oder im Schmerz zu schreien.
»Wie kommt das? Eine Verletzung oder seid Ihr so geboren?«
Es war unhöflich das zu fragen, doch es interessierte ihn sehr. Seine alte Neugier aus Kindertagen hatte sich den Weg zurück in sein Handeln gekämpft. Früher hatte es ihn häufig in Schwierigkeiten gebracht. Erst in der Armee hatte er gelernt sie zu unterdrücken. Doch jetzt war sie wieder da. Vielleicht war es die abenteuerliche Suche nach den Echsen, die seinen alten Fluch reaktiviert hatte?
Ein ganz wenig verlegen und gleichzeitig voller Erwartung blickte er sie an.

Luke Drake
10.01.2016, 22:36
Endlich konnten sie aufbrechen und das ließ Luke sich nicht zweimal sagen. Er lieferte sich ein halbes Wettgehen mit San, wer als erster das Kastell verlassen würde. Nachdem sie das Kastell dann verlassen hatten und auf Dennik warteten, sprach Rekhyt ihn an. Bevor Luke aber antworten konnte, kam der Meisterdieb zu ihnen und so ging die Reise Richtung Tooshoo endlich los. Der Vorschlag von San wurde von dem Druidenlehrling komplett ignoriert. Rasten konnten sie, wenn sie in Schwarzwasser waren.

Nach einiger Zeit bot sich für Luke die Möglichkeit, Rekhyt alleine anzusprechen. Es war nicht so, dass er seinen Freunden nicht traute, aber der andere Druidenlehrling war wohl der Einzige hier Anwesende, der ihn am besten Verstehen konnte.
"Es ist so...Seit einiger Zeit überkommen mich seltsame...Gefühle, Erinnerungen und all so was, wenn ich irgendwelche Gegenstände berühre. Das ist nur manchmal so. Mal kommt es häufiger vor, mal gar nicht. Und diese Erinnerungen und all das, gehört nicht zu mir. Es ist, als würde es zu einer anderen Person gehören. Und manchmal hab ich auch seltsame Träume. Eigentlich fast die Gleichen, die ich auch schon hatte, als die Mutter mir die Gabe der Magie gab. Deswegen glaub ich, dass ich in Tooshoo Antworten finden kann", erklärte der junge Druidenlehrling dem Schweigsamen.

Auf dem Weg nach Tooshoo rasteten sie einpaar Mal, aber nie wirklich lange. Es schien, als wolle jeder von ihnen endlich in den Sumpf kommen. Zumindest glaubte Luke das, weshalb er sein Tempo erhöhte.
Sie kamen dem Sumpf immer näher und bald schon konnte man die ersten Bäume sehen, die zu Tooshoo gehörten…

San Daran
10.01.2016, 22:55
Also wurde doch nichts aus dem Schlaf... Naja, er hatte ja noch etwas von seinem Wach-macher-Zaubertrank! Er griff zu seinem Flachmann und nahm einen kräftigen Schluck, aber anscheinend wollte niemand seiner Freunde etwas davon haben.

Je länger sie unterwegs waren, desto mehr veränderte sich die Landschaft. Der Wald wurde dichter, die Bäume exotischer. Langsam machte sich die höhere Feuchtigkeit bemerkbar, sie schwitzten mehr und San Daran musste sich seinen Mantel ausziehen und über die Schulter werfen, gemeinsam mit dem Fass. Der Boden wurde vermooster, sie mussten sich schon manchmal durch Dickhicht schlagen, wobei sein Säbel ihnen gute Arbeit leistete. Der Weg war nicht immer erkenntlich und der Pirat war sichtlich erleichtert, dass er mit seinen Freunden unterwegs war, die sich anscheinend ohne Probleme auskannten und die Richtung anhand verschiedener Merkmale bestimmen konnten.

Die Bewegung an der frischen Luft tat ihm auch gut, obwohl der Schlafmangel sich etwas bemerkbar machte. Doch die Tage in den stickigen Räumen des Zirkels hatten auf seine Laune geschlagen und allmählich atmete nicht nur er, sondern auch sein Geist auf und kam auf optimistischere, träumerische Gedanken. Bewundernd betrachtete er die Landschaft, die an ihnen vorbeizog. Wunderliche Bäume und Sträucher, Blumen, die er noch nie zuvor gesehen hatte. Es sprangen sogar ein paar wilde Scavenger ein Stück weit von ihnen durchs Geäst, doch näherten sie sich ihnen nicht weiter. Anscheinend hatten sie Angst vor der kleinen Truppe.

Reumütig fasste er allerdings an seinen Waffengurt. Normalerweise würde Sir Rufus jetzt über seine Schulter klettern und den Wald genauso genießen, wie er es gerade tat. Doch er musste darüber hinwegkommen, sein Tod war mehr als gerächt worden und hätte San Daran ihn nicht in Thornaia gerettet, wäre er vermutlich schon viel früher eingegangen. Alles was ihn erheitern konnte war, dass er dem kleinen Affen einige Jahre schönere Lebenszeit hatte schenken können. Träumerisch blickte er in die Baumkronen, die vom Tageslicht erleuchtet wurden und beinahe vor Tau glitzerten. Vielleicht gab es dort oben auch kleine Affen, die herumkraxelten und ihnen zusahen. Der Gedanke erheiterte ihn und so quatschte er fröhlich auf Dennik ein, ob dieser sich nicht ein Affentattoo stechen lassen wollte.

Dennik
10.01.2016, 23:13
Der einprägsame Geruch des Sumpfes wurde immer intensiver, die Flora dichter und die Sonne verschwand immer öfters unter dem Blätterdach des Waldes. Mosquitos und kleine Blutfliegen summten um sie herum und die ein oder andere für Denniks Geschmack zu große Fliege schlug dieser mit dem gezückten Schwert in Stücke.

Langsam wurde der Boden matschiger und längst hatten sie den Pfad verloren. Jetzt hieß es nach Gefühl laufen. Rechts von ihnen konnten sie ab und an die Gipfel des Weißaugengebirges erkennen und das musste so bleiben.

"Ich schlage vor wir laufen etwas schräger weg vom Weißaugengebirge um so zum Strand zu kommen. Je näher wir am Meer laufen umso leichter sollte es voran gehen und so vermeiden wir auch die dichten Sümpfe", Dennik dachte an die dichten wilden Sümpfe und atmete tief durch. Schon vor Jahren als er das erste Mal nach Schwarzwasser gekommen war und dort Zuflucht gesucht hatte vor Elster, hatte er einmal mit ein paar Waldläufern eine Expedition unternommen und war dort auf Sumpfhaie gestoßen. Widerliche Dinger. Und jetzt gab es ja auch noch die Echsen. Bisher hatten sie wahrlich Glück gehabt, dass sie nicht auf die Bestien gestoßen waren. Der Meisterdieb vermutete, dass sich die meisten irgendwo nahe des Orkwaldes aufhielten an der nächsten Grenze zu feindlichem Gebiet, oder aber weiter in ihrem Heimatsland dem Gebirge.

Trotzdem mussten sie vorsichtig sein. Sumpfhaie, Blutfliegen, Scavanger, Lurker, Spinnen und Snapper waren nur die bekanntesten unter den Monstern des Sumpfes. Auch die Pflanzen waren gefährlich, Dornen und giftige Pilze, der benebelnde Geruch und das eklige Sumpfwasser, alles konnte ihnen gefährlich werden. Für den Meisterdieb war diese Region das Herz der Natur von Argaan. Nirgends war man unsicherer, nirgends musste man mehr aufpassen und nirgends war das Überleben so schwierig.

Er dachte an ihr fertiggestelltes Lagerhaus am Strand und seufze bei dem Gedanken daran, dass all ihre Pläne von damals kaltgestellt worden waren.

"Haltet die Augen offen!".

"Dennik, wie wäre es mit einem Affentattoo?".

Na toll, anscheinend nahm San die Situation nicht ganz so ernst wie Dennik.

"Ein Affentattoo, warum bitte Affe?", er überlegte kurz, "Wenn doch etwas, dass mehr mit mir zu tun hat, oder? Ein geheimes Erkennungszeichen, dass ich ein Dieb bin... andererseits, wenn sich sowas rumspricht, dann bin ich gebrandmarkt... ein Tattoo kann einen immer enttarnen und ist der endgültige Beweis", erteilte der Jäger seinem Freund leider eine Absage und duckte sich im gleichen Moment unter einem Ast hindurch, überholte dabei San Daran, bog einen kleinen Strauch aus seinem Weg und wollte gerade durch das Schilf hindurchschlüpfen, als: "Plaaaatsch", der Meistdieb nach vorne stolperte und mit voller Körperlänge im Wasser lag. Panisch rundernd versuchte er Boden unter den Füßen zu bekommen und stellte dann peinlich berührt fest, dass das Wasser nur bis zu seinem Bauchnabel reichte. Er hüstelte leicht und wischte sich die nassen Haare aus dem Gesicht. Schnell vergewisserte er sich, dass seine Ausrüstung an Ort und Stelle war und bereite sich dann auf den Spott seiner Söldnerkameraden vor, die wohl gleich durch das Schilf gucken würden.

Luke Drake
10.01.2016, 23:26
Sie kamen Tooshoo immer näher, dass hieß aber auch, dass es immer gefährlicher wurde.
Dennik, der scheinbar ein Problem mit Affentattoos hatte, war vorgegangen und es dauerte nicht lange, da hörte Luke ein platschen. Erst dachte er, dass irgendetwas Gefährliches auf sie zu kommen würde, da aber nichts kam konnte nur Dennik derjenige gewesen sein, der in das Wasser gefallen war.
"Dich kann man auch nicht alleine los gehen lassen", rief Luke lachend.
Allerdings hielt dieses Lachen nicht lange an, da der Druidenlehrling hörte, wie etwas von hinten auf sie zugelaufen.
Schnell hatte er seine Axt gezogen und sich umgedreht, als er einen Scavenger sah.
Doch anstatt Rekhyt, San oder Luke anzugreifen, lief er ziemlich schnell durch ihre Mitte.
"Was war das denn?", fragte Luke etwas verwirrt. Seine Axt behielt er in der Hand und jetzt machten sich die drei Waldvölkler auf die Suche nach Dennik. Nicht das dieser schon ertrunken war.
Das Problem war nur, sie konnten Dennik nicht finden…
"Verdammt, wo steckt der schon wieder?!", murrte der junge Dieb während er nach seinem Freund suchte.

Dennik
10.01.2016, 23:36
Luke war der erste, der sich zu Wort meldete und lachend Dennik verarschte, dann aber abrupt inne hielt und bisher schaute auch niemand durch die Schilfwand hindurch.

"Achtung, Rekhyt!"

"Wah!"

"Argh!"

Seine Freunde wirkten nicht wirklich verängstigt, doch Dennik versuchte eiligst im Schlamm und Wasser vorwärts zurückzueilen um seine Freunde bei was auch immer zu unterstützen. Sanken sie im Boden ein, oder wurde einer gerade von einer dicken Blutfliege ausgesaugt?

Noch im selben Moment erübrigte sich jede Überlegung, ein Scavanger kam durch das Schilf gesprungen und wild gurrend landete es auf Denniks Kopf, stieß sich ab und kam irgendwo weitentfernt im Wasser auf um davon zu schwimmen. Der Jäger hingegen verlor sein Gleichgewicht und wurde unter die Wasseroberfläche gedrückt. Er landete am Grund und völlig benebelt raste ein Gedanke nach dem nächsten durch seinen Kopf. Wovor rannte der Scavanger weg? Hieß es nicht alles gute kam von oben? Sah gerade aber anders aus. War das vielleicht der Jadewolf, der es mal wieder eilig hatte und durch den Sumpf jagte? Es fiel ihm unglaublich schwer sich im Schlamm abzustoßen und wieder an die Wasseroberfläche zu kommen und es dauerte gefühlt eine Ewigkeit ehe er hustend und prustend nach Luft schnappte.

Er wischte sich das stinkende Wasser aus den Augen und Wut stieg in ihm hoch. Jetzt würde es ein Jahr, oder länger dauern, bis er den Geruch vollständig aus seiner Kleidung hatte. Keine Frau der Welt, sei sie noch so hässlich, würde jetzt noch gefallen an ihm finden. Bei Beliar! Versucht sei dieser Scavanger.

Seine Freunde waren immer noch nicht näher gekommen und so kämpfte sich der Braunhaarige zurück. Die drei Söldner standen mit dem Rücken zu ihm und liefen Richtung Weißaugengebirge. Wollen sie ihm einen Streich spielen? Was taten sie da?

"Ehm... Leute... ?", irritiert blieb der Dieb kurz stehen, schaute sich dann Hilfesuchend um und schüttelte entnervt den Kopf. "LEUTE!?", brüllte er dann lauter, traute er sich doch nicht super laut durch den Sumpf zu brüllen. Augen und Ohren des Feindes waren überall.

Die drei Gefährten reagierten nicht und trudelten immer weiter in die Arme der tiefen Sümpfe. Schon warteten sie im Wasser und unbeirrt gingen sie ihrem Untergang entgegen. Eilig begann Dennik zu rennen.

San Daran
11.01.2016, 00:21
Irgendwie hatte Dennik anscheinend etwas gegen Tätowierungen... "Naja, ich finde schon, dass ein Affentattoo deinem Wesen entsprechen würde!", grummelte San Daran und überlegte seinen Freund vielleicht betrunken einmal zu tätowieren. Oder zumindest anzumalen und so zu tun, als wäre sein Freund tätowiert worden. Bei dem Gedanken alleine musste er schon grinsen.

Dann machte es einen lauten Platscher und Dennik landete im Wasser. San Daran konnte nicht an sich halten und prustete los. "Das Geschick eines Affen hast du zumindest!"

Doch bevor er seinem Freund helfen konnte, schrie Luke sehr männlich auf und ein Scavenger pflügte durch ihre Mitte, bevor San Daran überhaupt mit seinem Säbel nach dem Viech hacken konnte.

"Alles in Ordnung Luke? Rekhyt?"

Anscheinend war keiner von ihnen angegriffen worden. Er spähte ins Dickicht, doch konnte der Pirat kein Wesen darin erkennen, geschweigedenn hören. Es war insgesamt verdächtig leise... "Los, lasst uns Dennik helfen, bevor der uns noch ersäuft!"

Doch als sie sich umdrehten, sahen sie nur Denniks Rücken, als dieser dichter in den Dschungel rannte.

"Dennik??", rief Luke und schaute San verwirrt an. Dieser zuckte die schultern und spurtete hinterher. An den knackenden Zweigen hörte er, dass seine Freunde ihm nachkamen. Was war denn in Dennik gefahren, wollten sie nicht Richtung Meer?

Dennik
11.01.2016, 00:36
Schneller und hastiger versuchte der Meisterdieb nun seine Freunde einzuholen, doch auch seine drei einstigen Begleiter hatten angefangen schneller zu laufen. Wütend und verzweifelt versuchte Dennik sie einzuholen. Er rannte über Steine, durch Büsche, an Lianen vorbei und über Hindernisse hinweg. Sein Atem ging schnell und doch schienen seine Freunde immer im gleichen Abstand vor ihm zu rennen. Eine einzelne Träne wurde durch seine Geschwindigkeit über seine Backe nach unten zu seinem Kinn gedrückt. Er war schlicht verzweifelt. Das machte doch alles keinen Sinn!, schrie es in ihm und in der Tat, was hatte seine Freunde veranlasst so schnell zu laufen? Gab es neben dem Scavanger vielleicht noch etwas, dass seine Freunde aufgewirbelt hatte und sie nun veranlasste diesem Ding zu folgen? Nein! Sie würden ihn doch niemals alleine lassen.

Von einer Sekunde auf die andere blieb er stehen. Sein Atem ging schwer. Ein Gedanke hatte ihn veranlasst zu stoppen. Seine Freunde würden ihn nie alleine lassen. Er hob seine Klinge an, die er die ganze Zeit in der Hand gehalten hatte und schaute sich um. Was ging hier vor sich? Um ihn herum lag das Moore. Die tiefen Sümpfe. Umgestürzte Bäume, morsche Äste, nasser Boden und längst konnte man nicht mehr unterscheiden ob der nächste Schritt nicht vielleicht ein Schritt ins tiefere Wasser war. Unheimlich still war es. Nur das Summen der Insekten. Ein Tausendfühler wanderte unweit von Dennik über ein Stück Holz, während in weiterer Entfernung immer noch San Daran, Rekhyt und Luke zu sehen waren, wie sie sich seltsam anmutend durch das Geäst schlugen und sich von Dennik entfernten... der Meisterdieb gestattete sich einen Blick zurück, doch konnte er nicht weit schauen, Büsche und Bäume versperrten ihm die Sicht. Es würde verdammt schwer werden den Weg zurück zur exakten Position des Scavangerangriffs wieder zu finden. Er schluckte. Jetzt war er ganz und gar alleine. Verloren im Sumpf.

Ravenne
12.01.2016, 18:53
Die Politik schien ihm ein unangenehmes Thema zu sein und er hatte eine starke Meinung, die er zurückzuhalten versuchte. Letztlich war es Ravenne gleich, solange er nicht Beliar anbetete. Sie war schon mit ganz anderen klargekommen, es war ja nur diese Mission. Was die lebendig gefangene Echse anging, da war vielleicht irgendwo der Nachrichtenweg unterbrochen worden ... sie würde es sich merken und nachforschen in Thorniara.

Mein Vater? Aus gutem Haus? Du hast interessante Ideen. Ich habe schon mitbekommen, dass Adlige es wohl als gegeben ansehen, Ränge im Militär kaufen zu können. Und am Ende sind dann irgendwie Nichtsnutze an hohen Positionen, könnte ihnen so passen. Nein. Mein Vater ist nur ein alter Säufer, der wahrscheinlich irgendwo in einer Gasse liegt und bettelt. Alles, was ich habe, habe ich mir erarbeitet.
Und ja, ich war schon immer stumm. Keine Verletzung, kein Unfall oder sonst etwas. Ich bin komplett gesund, wenn man davon absieht, dass ich keine Stimme habe, auch bei Schmerz oder Überraschung nicht.

Ich meinte nicht, dass wir beiden einen Angriff auf die Echsen beginnen sollen. Ich meinte mit "wir" eher die Gesamtheit des Ordens, also ja, wir sollten ausführlich Bericht erstatten. Wir sollten so bald wie möglich weiterziehen.

Redlef
12.01.2016, 23:56
Ravennes Worte laß er mit gerunzelter Stirn. Diese Informationen, die sie ihm hier gegeben hatte, waren sehr aufschlussreich und erklärten einiges…
»So Euer Vater ist ein Säufer, ohne Stand, ohne Ruf…«
Res ließ schwer die Luft aus, warf der Ritterin mit einer laschen Handbewegung die Tafel zurück in den Schoß und lehnte sich zurück.
»Dieser verfluchte Krieg hat das Reich vor die Hunde gehen lassen. Der adeligen Ritter viel im Kampf gegen die Orks und die Bauern werden zu Rittern. Also wenn wir schon beim Thema Politik sind, dann kann ich Euch jetzt auch sagen, was mich wirklich am meisten stört: Es ist genau dieser Punkt, dass die alten Gesellschaftsstrukturen zerfallen und das Reich nichts dagegen unternimmt. Der König ist ein ehemaliger Gefangener aus der Strafkolonie, Paladine und Ritter sind Bauernkinder und Priester davongelaufene Handwerksgesellen. Wir werden von einfachen Leuten, Bauern und Verbrechern regiert. Auch wenn ich die Separation des Königs Ethorns missbillige, so ist es mir angesichts dessen doch verständlich.«
Er machte eine kurze Pause und blickte seiner Gegenüber direkt in die Augen.
»Wir Adligen kaufen uns nicht in die Ränge im Militär, wir werden geboren und in dieses Leben hinein erzogen. Ich wurde seit meinem dritten Lenz unterrichtet. Ich erhielt Bildung in allen Bereichen, die es braucht um für die Untertanen zu sorgen. Mit Politik, Wirtschaft, Literatur, Etikette, Kampf und Verantwortung bin ich groß geworden. Das ist wohl nichts was ein Bauer oder Straftäter von sich behaupten kann. Unwissend und dumm, wie sie sind versuchen sie Geschicke zu leiten, von denen sie nichts verstehen.
Sitzt also nicht dem Irrtum auf, dass Ihr Euch etwas im gleichen Maße wie die Adligen erarbeitet hättet. Die Not des Krieges war es, die euch alles was ihr heute Euer Eigen nennt ermöglicht hat!«

Die alte, sonst so gut unterdrückte Wut war wieder in ihm aufgestiegen. Doch auch, wenn sie ein arrogantes, eingebildetes Weib war, so musste er sich zügeln. Am Ende war und blieb sie nur eine Frau, mit einem losen Mundwerk und einem leeren Kopf. Sie war einfach so von den Göttern geschaffen und es ziemte sich nicht sie so sehr anzufahren.

»Schlaft jetzt!«, fuhr er nach einiger Zeit im barschen Befehlston fort. »ich sehe es auch so, dass wir hier zu lange herumsaßen. Morgen werden wir unsere Suche nach den Echsen fortsetzten. Entweder Ihr seid dann im Stande zu folgen, oder ich schicke Euch mit dem Maultier nach Hause. Es war ein Fehler Euch überhaupt mitzunehmen. Eine Frau trägt besser einen Besen als ein Schwert!«

Ravenne
13.01.2016, 16:14
Diese Laus war ihm also über die Leber gelaufen. Für den Abend hatte Ravenne es dabei beruhen lassen, was nicht heißen sollte, sie würde das in Zukunft übergehen. Von klein auf dazu erzogen, für Untertanen zu sorgen, natürlich. War wohl nichts dabeigewesen, was ihm tatsächlich jetzt gerade weiterhalf, dachte sie sich, als sie später noch am Feuer eine Skizze für eine Gravur vorbereitete. Das Licht des Feuer hatte ihr dafür gereicht, sie hatte auf dem Pergament festgehalten, welche Wünsche der Kunde gestellt hatte und das Bild der Flamme Innos' entworfen, in deren Licht er seine Anvertraute ehelichen wollte.

Am nächsten Tag hatte Redlef schließlich, wie angekündigt, sein Tempo angeschlagen. Der Boden war matschig von angeschmolzenem Schnee und nach Ravennes Geschmack war es immer noch viel zu kalt. Sie war die Hitze Varants gewohnt, oder die Hitze der Esse, mit Kälte kam sie immer noch nicht gut zurecht. Mühsam kämpfte sie sich durch den Schlamm, wenn irgendwas war, ließ sie sich das nicht anmerken. Schlimm genug, dass diese verdammte Echse sie erwischt hatte. Sie hatte erwogen, auf dem Weg eine Antwort zu schreiben, aber der Kampf gegen den Schlamm war noch schwieriger, als sie erwartet hatte. Wenn sie wegrutschte, schaffte sie es meistens, sich abzufangen, doch sie musste sich so sehr darauf konzentrieren, dass es wirklich nicht mehr mit Griffins Übung, freihändig zu reiten, vergleichbar war. So also hatte sie jede Menge Zeit, sich zu überlegen, was sie sagen wollte. Nach dem Abendmahl also griff sie erst zur Tafel.

Ich habe im Bereich Adel und Militär wenig zu tun, ich sehe Adlige nur, wenn sie etwas von mir wollen. Wie darf man sich das Hineinwachsen in diese Offiziersrolle vorstellen? Dass das Militär irgendwann auf euch zukommt und darum bittet, euch zu Offizieren machen zu dürfen?
Anders gefragt, wenn Ihr meint, eher ein Recht darauf zu haben, Ritter zu sein, als ich, wie kommt es dann, dass wir hier sitzen und der Adlige aus guter Familie der Kerkermeister ist und die Handwerkerin ohne Hintergrund Ritthauptmann war? Habt Ihr je beim Orden vorgesprochen?
Sie schob ihm die Tafel hin und bereitete sich innerlich auf jede mögliche Konsequenz vor. Sollte heißen, die Kuse lag griffbereit, wenn er gewalttätig werden sollte, weil er auf die Provokation ansprang, würde sie ihn abwehren können. Vielleicht würde schon ein Schlag auf seine schlechte Hand ihn kampfunfähig machen, das wusste sie nicht, wie schlecht es darum stand. Sie wollte seine Haltung verstehen, wenn er behauptete, Qualitäten zu haben, wieso verwendete er sie nicht für den Orden, wenn er mehr mit ihm arbeiten wollte?

Redlef
13.01.2016, 23:21
»Auch ich habe mir meine Sporen verdienen müssen. Auch ich habe mir alles was ich hatte, erarbeiten müssen. Ihr seid arrogant. Nicht gerade etwas, was einer stummen Frau gut zu Gesicht steht. Und bitte sagt mir, welche Reiter ihr unter Euch hattet? Ich habe in Thorniara nie einen nennenswerten Reiterzug gesehen.
Aber spottet nur, es ist mir Gleich. Ich tue das was ich kann. Meine Verletzung wird mich nicht unterkriegen. So werde ich auch irgendwann das Erbe meiner Familie antreten und all die Schande von meiner Familie nehmen. Doch ich kann nicht gleichzeitig meine Ländereien verwalten und im Orden sein. Der Orden würde mich zwingen all das für immer aufzugeben. Warum sollte ich mein Erbe für eine Sache aufgeben, hinter der ich nicht stehen kann, von der ich nicht überzeugt bin?«
Dieses Mal ruhig und behutsam reichte er Ihr die Tafel zurück.
»Und nun noch ein gut gemeinten Rat: Versucht nie wieder in einer Ortssituation wie dieser zu Euer Waffe zu greifen. In einer Felsnische wie dieser ist für eine Kuse nicht genügend Platz.«
Ihre Blicke und das vorsichtige Tasten ihrer Fingerspitzen nach ihrer Waffe, waren ihm nicht entgangen.

Ravenne
14.01.2016, 15:02
Also gut, Frotzeleien beiseite. Mit einer Kuse kann man auch an engen Räumen kämpfen, aber darum geht es gerade nicht. Ihr könnt den Kurs des Ordens nicht unterstützen und gedenkt eines Tages Ländereien zu erben und zu verwalten. Alles schön und gut, aber wie hilft Euch das hier dabei weiter? Mal ehrlich, was tut Ihr hier? Inwiefern trägt diese Mission dazu bei?
Ich weiß, Ihr gebt einen Fliegendreck auf meine Meinung. Aber von hier aus könnt Ihr kaum irgendwelche Ländereien und Bürger verwalten. Wenn Ihr das übernehmen sollt, warum seid Ihr hier, und nicht dort bei den Untertanen, um die Ihr Euch sorgt? Was den Orden angeht, ich respektiere Eure Meinung, dass Euch der Kurs nicht gefällt. Habt Ihr schon mal erwogen, dem Orden beizutreten und daran mitzuarbeiten, einen Kurs einzuschlagen, der besser ist? Mit den Fähigkeiten, die Ihr zu haben behauptet, dürfte man Euch anerkennen und diese Möglichkeit geben. Von im Gebirge sitzen und sich das Maul zerreißen oder als Kerkermeister darauf warten, dass Euer Vorgänger bei den Ländereien stirbt, verbessert sich keines Eurer Probleme.
Wir nähern uns dem Eingang ins Gebirge. Die Echsenspuren nehmen allmählich zu. Wenn wir das Gebirge betreten, betreten sollten, will ich diese Scherereien möglichst beigelegt haben. Mit den Viechern in der Nähe wird es zu riskant, sich nicht auf seinen Nächsten verlassen zu können und wir HABEN diesen Auftrag nun einmal, hier auszuspähen.

Ravenne reichte ihm die Tafel wieder. Er war auf die Provokation eingegangen, hatte sie arrogant geschimpft. Hatte noch niemand gemacht, außer geschmähten Männern bisher, aber vielleicht war ihr Spott auch unangebracht gewesen. Seine Anmerkungen, Frauen taugten nicht zum Militär, nahm sie ihm dennoch übel. Auf seinen Spruch über die Reiter einzugehen hatte sie vergessen, fiel ihr auf, aber es war eh nur ein kleiner Trupp gewesen, was allerdings nicht hieß, dass sie auf ihr erstes Kommando nicht stolz gewesen war. Ah, da würde sie zusätzlich beten müssen, Stolz und Arroganz standen niemandem gut zu Gesicht.

Redlef
17.01.2016, 22:41
»Ich werde mit Euch nicht meine persönlichen familiären Beschaffenheit oder gar Probleme besprechen. Glaubt mir aber, dass ich in diesen Dingen eine bessere Übersicht habe als ihr. Zudem gibt es Gründe von denen ihr als einfache Frau nichts wissen könnt. Also lassen wir das.«
Red klang nun wieder etwas versöhnlicher. Er hatte sich in die Sache hineingesteigert. Sie war nur eine einfache Bürgerin. Auch wenn sie noch so viele Titel haben mochte: Sein Geburtsrecht konnte sie ihm niemals nehmen. Die göttliche Ordnung war unumstößlich. Und vielleicht sollte er es doch einmal wagen die missliche Situation des Reiches auch zu seinen Gunsten zu nutzen? Immerhin konnte es nur gerettet werden, wenn die letzten Männer von Stand, sich endlich einmal daran machten all die Bauern aus den Hierarchien vertreiben.
»Eure Bedenken, die Euch an meiner Verlässlichkeit zweifeln lassen, würden mich unter anderen Umständen beleidigen. Es ist eine ungeschriebene Regel, dass Dinge die am Feuer besprochen werden, nichts auf dem Schlachtfeld verloren haben. Es gilt als Unehrenhaft, einen Kampfgefährten im Gefecht nicht den Rücken freizuhalten, egal was vorher vorgefallen war. Sowas lernen die Adligen auch. Ich werde mich auf Euch verlassen, so wie Ihr Euch auch weiterhin auf mich verlassen könnt.«
Er lächelte leicht und ließ es dann mit diesen Worten gut sein, sich umgedreht und schlafen gelegt.


Am nächsten Morgen waren sie früh aufgebrochen, hatten sich weiter den Berg hinaufgekämpft und gegen Mittag den gesuchten Eingang gefunden. Bei genauerer Betrachtung waren alte, fast verwitterte Bearbeitungsspuren am Eingang zu entdecken gewesen. Ein gutes Zeichen. Red fertigte eine einfache Skizze von dem kaum noch zu erahnenden Tor und der näheren Umgebung an.
Kaum waren sie einige Schritte in das Dunkel getreten, hatten sie die Fackeln aus den Säcken gesucht, sich mit Seilen und Kletterharken ausgerüstet und auch die Grubenlampe schon hervorgeholt und begannen den Abstieg in das Ungewisse.
Sie waren eine ganze Weile gegangen und teilweise geklettert. Doch bisher waren sie gut vorangekommen. Der Weg war an so gut wie allen Stellen einfach passierbar, nur für eine kleine Essenspause hatten sie ein paar Augenblicke angehalten.

Gerade gingen sie um eine Ecke und der Gang öffnete sich en wenig. Wieder waren Arbeitssuren an den Wänden zu sehen. Da diese nicht Wind und Wetter ausgesetzt waren, konnte man viel mehr erkennen. Die Wände waren gerade zugerichtet. Red erinnerte es an die Arbeit, die die Orks in seinem Kerker geleistet hatten. Wer auch immer die Wände hier begradigt hatte, tat dies mit einem groben Werkzeug. Vielleicht einer Hacke? Auch der Boden war nun Grade und nicht mehr naturbelassen.
Nach wie vor war alles still. Nur das Knistern Ihrer Fackeln und der Wiederhall der Schritte störte die Geräuschlosigkeit.
Red ließ seine Hand über den rauen Stein gleiten. Er war trocken und sogar leicht warm. Zu mindestens kam es ihm so vor.
»Was meint Ihr? Könnte dies Euer gesuchter Tempel sein? Oder zu mindestens der Weg dorthin?«
Redlef drehte sich zu seiner Begleiterin um. Er presste sich an die Wand, um sie vorbei zu lassen. Sie sollte sich lieber selbst ansehen, was sie hinter dieser Ecke erwartete.

Redlef
11.02.2016, 11:32
Auch am nächsten Morgen hatten die Verletzungen der Kämpferin immer noch zu schaffen gemacht. So hatte sich Red selbstverständlich dazu bereit erklärt ihr den Platzt auf dem Sattel zu überlassen. Zwar hatten sie die Decken über die rohen Holzbretter gelegt, die das Tragegestells des Sattels bildeten, dennoch würden sich über kurz oder lang die Holzkanten schmerzhaft ins Sitzfleisch drücken. Daher neidete er Ravenne den Platz nicht. Vielmehr sehnte er sich nach einer Rast, da er die ganze Nacht kein Auge zugetan hatte und dies zusammen mit all den anderen Strapazen der bisherigen Reise, nun seinen Tribut forderte. Er hielt sich mit dem Gedanken an sein eigenes, gemütliches, sauberes Bett in seinem eigenen Haus in Thorniara auf den Beinen.

Vor sich blickte er immer wieder auf den Hinterkopf des Orks. Der lief in Speerreichweite vor ihm her und ertrug ohne zu murren alles, was Red von ihm verlangt hatte. Der Kerkermeister konnte sich vorstellen, wie sehr sein Rücken unter der Last der schweren Kiste inzwischen schmerzen musste und seine Unterarme waren sicherlich auch wund gescheuert, dennoch setzte er Schritt um Schritt und erduldete all das Leid. Eine solche Genügsamkeit konnte nur von der lebenslangen Demütigung eines Sklavenlebens herrühren. Von einer Teuschung seitens des Orks ging Red inzwischen nicht mehr aus.
Doch genauso wenig erheiterte ihn der Gedanke, das dem Ork dieses Leid wiederfahren war. Eine solch mächtige und stolze Kreatur so willenlos und gebrochen zu sehen war einfach nicht richtig. Ihm fiel das Gleichnis eines feurigen Hengstes ein, der mit Schlägen, Sporen und Kandare so lange malträtiert wurde, bis der Glanz aus seinen Augen verloren ging und das Pferd nicht mehr zu gebrauchen war.
Diese Gedanken behielt er aber lieber für sich. Denn er hatte auch nicht die hingeschlachteten Frauen und Kinder vergessen, an denen er vorübergeritten war, wenn sie einen Landstrich von den Orks befreit hatten. Diese haarigen Biester waren und blieben Beliars Diener, seine blutsaufenden Schergen.

Als sich der Mittag nährte, wurde das Land langsam flacher. Sie nährten sich dem Fuß des Berges. Es öffnete sich der Himmel, und durch die grauen Wolken drangen wärmende Sonnenstrahlen. Red reckte das Gesicht der Sonne entgegen und genoss das wohlige Gefühl.
»Wir machen kurz Halt«, sprach er, ruckte dem Ork am Seil und wand sich dann den verbliebenen Packtaschen am Sattel zu. Er wühlte in ihren Vorräten und sagte dann lächelnd zu Ravenne, »Nur eine kurze Essenspause. Möchtest du vom Sattel kommen? Deine Beine müssten schon ganz steif sein.« Er fand die letzten vier schrumpeligen Lageräpfel und zog sie aus der Tasche. Einen drückte er Ravenne mit den Worten, »Dann helfe ich dir gleich runter«, in die Hand.
Den zweiten Apfel bekam das Muli, das herzhaft hineinbiss und den Apfel im ganzen zerkaute, um danach seine Nase in das harte Wintergras zu stecken. Mit dem dritten Apfel ging er zum Ork, dessen Namen er schon wieder vergessen hatte, und zog sein Messer vom Gürtel. »Los setz‘ dich«, befahl er. Der Ork ließ sich schwerfällig auf das Gras nieder. Man sah ihm an, dass ihn die Kiste sehr in seinen Bewegungen einschränkte.
Als er saß, zerschnitt Red den Apfel in zwei Hälften und legte sie ihm auf die Knie, dann schritt er um ihn herum und Band ihm die Kiste vom Rücken. Unter dem Fell waren die ersten Scheuerstellen zu erkennen. Ob sich das Fell wohl bei Orks auch weiß verfärben würde, wenn es auf Druckstellen nachwuchs? Konnte man das dann wie bei Pferden als Satteldruck bezeichnen? Ein eigenartiger Gedanke.
Er holt Kopfschüttelnd eine Decke und band sie so unter die Kiste, dass der Ork auf der Weiterreise weniger Probleme mit ihr haben sollte. Als das Gepäck auf ihrem zweibeinigen Lastentier wieder gut verschnürt war, schritt er mit dem letzten verbliebenen Apfel, in den er jetzt herzhaft biss, zurück zu Ravenne. Wir sind fast im sicheren Bereich. Da hinten liegt ein Weingut, das gehört schon zu Thorniara. Blad müssten wir dann den Außenposten sehen können. Vielleicht können wir da mit einem Versorgungstrupp zurück nach Thorniara kommen. Oder was meinst du Ravenne?« Er hielt ihr die Hand hin, um ihr aus dem Sattel zu helfen.

Ravenne
11.02.2016, 16:19
Allmählich fragte sie sich, wieso Redlef eigentlich der Meinung war, ihr aufs und vom Maultier helfen zu müssen. Er hatte selbst festgestellt, dass sie reiten konnte und auch wenn er ihr womöglich nicht glaubte, sie war mal Ritthauptmann gewesen. Also ja, sie wusste durchaus, wie man auf ein Pferd kam. Runter war nicht einmal das Problem, sie war schon tiefer gesprungen und so sehr behinderte die Verletzung am Bein sie nun auch wieder nicht. Ihr Gesicht war etwas ganz anderes. Offenbar war da während der Reise alles Mögliche in die Verletzung gekommen, sie hatte den Gestank gerochen, als Redlef die Wundauflage gelöst hatte. Wenn sie an einer spiegelnden Fläche vorbeikäme, würde sie selbst mal schauen müssen. Sie nahm seine Hand, als Zeichen, dass sie seine wohlwollende Geste nicht zur Gänze ausschlug, verzichtete aber auf jede weitere Hilfe, als sie vom Maultier stieg.

Die Schmiedin streckte sich und aß. Erst danach holte sie die Tafel einmal öfter hervor. Was sie aussagen wollte, war in Zeichen einfach viel zu schwierig darzustellen und Herumgerate war lächerlich und irreführend. Nicht einmal mit Neros oder Silmacils Zeichensprache konnte sie das zeigen. Für militärische Operationen war eine Zeichensprache vielleicht nicht schlecht, überlegte sie. Kurze Befehle. Aber das ging nur bei Sichtkontakt, also beispielsweise nicht nachts oder in dunklen Tunneln.

Ein Tross ist zu langsam. Wir müssen den Fund im Gebirge schnellstmöglich Lord Hagen oder seinem nächsterreichbaren Vertreter melden. Was habt Ihr eigentlich dann mit dem Ork vor?
Außerdem wäre da noch etwas. Fühlt Ihr Euch gut genug, um, sagen wir, einen Testkampf zu machen? Ich kenne mich nicht gut genug mit Schwertern aus, um einen Unterschied merken zu können, also ähnlich wie Ihr Euch nicht mehr Speeren auskennt. Wenn es sich ähnlich verhält, werde ich also wahrscheinlich gar nichts merken, ebenso wie Ihr keine Probleme mit meiner Waffe gehabt zu haben schient.
Lange Rede, kurzer Sinn: Ich habe etwas im Tempel gefunden, von dem ich wissen muss, ob es Innos geweiht ist oder nicht. Wenn es geweiht ist, wird es sich nicht vernünftig im Kampf führen lassen. Wenn Ihr Euch nicht gut fühlt, kann ich aber auch jemanden in Thorniara darum bitten.
Und zuletzt, meine Fußverletzung schränkt mich nicht so sehr ein, dass ich nicht nebenhergehen könnte. Den Rest des Weges könnt Ihr auf dem Maultier verbringen, dann kommen wir vielleicht noch etwas schneller voran.

Howahkan Nashashuk
11.02.2016, 18:06
Mit monotonen Bissen zerkaute Howahkan schmatzend die zweite Hälfte seines Apfels, während sein Blick unsicher über die flache Landschaft schweifte. Schließlich stoppte er und fixierte das Weißaugengebirge. Die Gipfel wurden von grauen Wolken bedeckt und der Ork meinte den Wind durch die Pässe pfeifen zu hören. Er seufzte schwer und schluckte den saftigen Apfel herunter.

Er hatte schon den ganzen Tag geschwiegen und kein Wort gesagt, während sie sich an den Abstieg aus dem Weißaugengebirge gemacht hatten. Mit jedem Schritt war das Unbehagen in ihm weiter gewachsen und der Fluchtgedanke intensiver geworden. Das Weißaugengebirge hatte die letzten Monate seines Lebens ausgefüllt. Er hatte sich einreden können dort seinen Bruder zu suchen, hatte von Tag zu Tag gelebt und überlebt. Jetzt verließ er es beinahe unfreiwillig. Dieser plötzliche Wechsel machte ihn beinahe schon panisch. Er kannte sich hier nicht aus und war gleichzeitig gefesselt. Es war keine gute Mischung und so wurde er immer unruhiger. Hektisch dachte er nach. Die Morras führten ihre seltsam asynchrone Unterhaltung. Noch konnte sich der braune Ork sich keinen Reim daraus machen, warum die Rothaarige nicht sprach. Stattdessen nutze sie Tafel und Kreide um ihre Gedanken aufzuschreiben. Eine sehr eigenartige und mühselige Art der Kommunikation fand der Nashashuk. Wollten sie Dinge vor ihm geheim halten, oder gab es einen anderen Grund?

Der Boden war weicher geworden, Gräser und Büsche hatten sich gehäuft und immer mehr Bäume standen am Wegesrand. Auch war es wieder deutlich wärmer geworden und auch der Wind ging hier oben nicht so stark und dennoch hatte sich die Landschaft im Vergleich zum bekannten Setarrif verändert. Es war nicht so feucht, eher konnte man die Fauna mit der Region Silbersee vergleichen. Tannenbäume, Sträucher und viele Pilze. Seit seiner Arbeit als Kräutersammler, hatte er ein besonderes Auge für solch kleine Dinge entwickelt. Es gefiel ihm und gleichzeitig hatte er Sorgen auf dem Herzen und Angst. Wo sollte er hin? Hier lebten die Morras!

"Morras mich losmachen. Ich will zurück!", unterbrach Howahkan dann das einseitige Gespräch seiner Begleiter und schaute sie aus ängstlichen Augen an. "Ich weiß nicht wo ich bin. Ich will wieder alleine sein!". Er wälzte sich unter dem Gewicht seines Gepäcks auf die Knie und rutschte so fordernd näher an den Rotschopf heran. "Ich habe euch aus dem Gebirge Sachen getragen und jetzt lass ihr mich gehen!". Er wollte nur noch weg. Das Gefühl der Furcht war unerträglich geworden.

Snydex
12.02.2016, 09:53
Einige Zeit war vergangen, als Snydex beschlossen hatte, ohne Pierre zum Weingut zurück zu kehren. In Thorniara konnte er sich nicht ausreichend auf seine Übgungen konzentrieren.
Er hatte alle Kerzen in seinem Zimmer gelöscht, so dass es relativ dunkel war. Entschlossen ließ der Novize seine Augenlider sinken, versuchte seine Magie zu bündeln.
Pierre hatte ihm gesagt das er nicht auf die Wärme in sich achten solle, sondern viel mehr auf die pure magische Energie in ihm.
Der Novize spürte, wie seine Magie in die Fingerspitzen schoss. Er legte seine Handflächen übereinander und entfesselte die Magie in beiden Handflächen. Langsam und mit ruhigen Bewegungen ließ er eine kleine Lichtkugel erscheinen.

Begeistert über seinen Erfolg riss er die Hände in die Luft - zu seinem eigenen Pech, denn die Lichtkugel sauste nun unkontrolliert durch das Zimmer, prallte wie ein Flummi gegen die Wände und schoss weiter. Im letzten Moment duckte Snydex sich noch, sonst hätte er die Kugel im Gesicht kleben gehabt. Nach mehreren Minuten des unkontrollierten Durcheinanders fand die Kugel den Weg durch das Fenster nach draußen und verschwand. Der Novize kratze sich am Kopf und fing an zu lachen.

Gut das Pierre nicht hier ist.

Die Antrengung, die Kugel zu erschaffen, war deutlich zu spüren, weshalb Snydex entschloss an die frische Luft zu gehen. Er schnallte sich sein Schwert um den Rücken und verließ den Raum. Wann konnte nie wissen, ob diese verfluchten Echsen vor der Tür auftauchen würden.

"Bastian? Ich gehe raus an die Luft. Wenn was ist, findest du mich dort."

"Dann fang uns direkt was zu Essen, damit ich was kochen kann", erwiderte der Butler.

Selbstverständlich würde er was zu Essen suchen, es war ja auch eine Leichtigkeit, mit einem Schwert einen Hasen zu jagen. Er rollte mit den Augen und verließ das Anwesen.
Einen Hasen zu finden sollte kein Problem darstellen, es war noch nicht all zu spät am Morgen und das Anwesen lag direkt an einem Wald. Entschlossen betrat er dann auch eben diesen Wald, hockte sich in einen Busch und erkannte auch direkt eine kleine Gruppe von Hasen. Wie sollte er das nun am besten angehen? Losrennen und hoffen das er mit dem Schwert einen erwischt? Nein, das war unklug. Doch hatte er eine Idee, die funktionieren könnte.

Er kanalisierte die Magie erneut in seinen Händen, um eine Lichtkugel zu erschaffen. Doch ehe er so weit kam, erschien ein helles Licht am Himmel. Die eben aus dem Zimmer verschwundene Lichtkugel hatte nicht aufgegeben und war entschlossen, Snydex auf die Nerven zu gehen. Fröhlich schoss sie mitten in die kleine Gruppe von Hasen, welche erschrocken aufsprangen und versuchten, sich aus dem Staub zu machen. Der Novize hatte nun keine Zeit mehr großartig zu überlegen und beschwor eine kleine Flamme in seiner Hand, welche er auf den nächstgelegenen Hasen schleuderte. Wild quickend stand das Hässchen nun in Flammen und tat seinen letzten, qualvollen Atemzug. Schnell versuchte Snydex, die Flammen mit seiner Magie erlöschen zu lassen, ehe das Tier vollkommen verkolt war. Vorsichtig näherte er sich dem Hasen, der Geruch war widerlich und wie er feststellen musste, war das Tier auch nicht mehr verwertbar. Enttäuscht ließ Snydex den Kopf hängen. Er brauchte einen Bogen, den er hoffentlich im Anwesen finden würde. Die Lichtkugel hingegen sauste erfreut um den Novizen herum, ehe sie dann ein für alle mal verblasste und entgültig verschwand.

Adson Muller
12.02.2016, 19:38
Das Bündel war noch da! Ein erleichtertes Lächeln glitt über Adsons Gesicht und schnell löste er das verknotete Paket von der Astgabel, in welcher er es vor einigen Tagen hinterlassen hatte. Zügig prüfte der Narbige sein Hab und Gut und nahm etwas getrocknetes Fleisch zu sich. Dann gönnte er sich einen Moment der Ruhe und döste mit offenen Augen vor sich hin.

Adson hatte Glück gehabt. Es war ihm gelungen eine kleine Gruppe von sechs Goblins anzulocken und zu überraschen. Nach nur wenigen Hieben waren vier der kleinen Biester gefallen, die beiden anderen hatten das Weite gesucht. Adson war ihnen gefolgt, hatte Gänge durchquert, die ihm bekannt waren und schließlich einen Teil der Katakomben erreicht, den er bisher nicht untersucht hatte. Und dann hatten die beiden sich getrennt. Ob gewollt oder nicht, das konnte Adson nicht feststellen, also hatte er sich spontan für eine der beiden Richtungen entschieden. Danach hatte sich die Hatz noch einige Zeit hingezogen, so dass Adson längst die Orientierung verloren hatte, bis er plötzlich, einen Wasserfall umrundend, im Freien gestanden hatte. Er war so verblüfft gewesen, dass er die Verfolgung des Goblins abgebrochen hatte und den sternenbedeckten Nachthimmel sinnlos angestarrt hatte. Doch bald hatte er sich wieder gefangen und auf die Suche nach dem Versteck seiner Habseligkeiten gemacht.

Adson öffnete die Augen und streckte sich. Fast wäre er eingeschlafen, doch dann wäre er mit Sicherheit von dem dicken Ast gefallen, auf dem er noch immer saß. Bedächtig stieg er nach unten und rüstete sich für die anstehende Wanderung. Es war Zeit, wieder zum Silbersee zurückzukehren.

Redlef
13.02.2016, 02:28
Redlefs Augen wanderten nur langsam über den Text, den Ravenne ihm in die Hand gedrückt hatte. Da die Tafel nicht übermäßig groß war, hatte sie für ihre vielen Worte sehr klein schreiben müssen. Darauf folgte, das viele Buchstaben, geschrieben mit einem einfachen Stück kreide, nicht so gut zu erkennen waren.
Während er noch die einzelnen Laute entzifferte beantwortete er die Fragen in der Reinfolge, wie Ravenne sie auf den Schiefer gebracht hatte: »Ihr habt Recht, ein Tross ist langsam, dafür aber auch sicherer. Aber vielleicht können wir uns dort auch Pferde leihen, dann kämen wir noch schneller voran, als zu Fuß.

Was ich mit dem Ork mache weiß ich noch nicht so genau. Eigentlich hatte ich vor, ihn einfach außer Sichtweite der Tore laufen zu lassen. Ich habe ihm mein Wort gegeben, dass er von uns kein Leid erfährt. Aber ich könnte ihm beschreiben, wie man in den Orkwald kommt… Dafür muss er durch das Bluttal, soll sich das Waldvolk drum kümmern«, setzte er leiser hinzu.
Seine Augen wanderten weiter über den Text. »Ich kenne mich ganz hervorragend mit Speeren aus!«, eschauffierte er sich mit einem Lächeln. »Als Junge bin ich praktisch mit der Saulanze verwachsen gewesen«, erklärte er, »Ich war nicht aus dem Sattel zu bekommen und habe Tagelang auf der Jagd nach Ebern und Hirschen verbracht. Leider ist das lange her und war vor meinem Sturz. Seit dem bin ich nicht mehr zur Jagd geritten und habe diese wunderbare Waffe auch nicht mehr in der Hand gehabt… Naja, mit Ausnahme Eurer Kuse. Ich muss aber gestehen, dass es sich, wie es sich auch mit dem Schwert verhalten hatte, komisch mit Links anfühlt. Vielleicht sollte ich mal mehr Zeit auf dem Übungsplatz verbringen. Das linkshändige Kämpfen klappt ja, nach den vielen Übungsstunden mit Aaron auch inzwischen ganz gut.«
Die Jagd… Red hatte beinahe verdrängt, wie viel Spaß ihm dieser Zeitvertreib früher bereitet hatte. Doch leider besaß er inzwischen weder die Fertigkeit, noch ein geeignetes Pferd oder die Ländereien dafür. Es war eine Schande.
»Auch Orks sind mir im Krieg einige vor die Lanze gekommen, doch auch das ist lange her…« Ein wenig verbittert schwelgte er in alten Erinnerungen und laß weiter.
»Aber Ihr schätzt mich falsch ein, wenn Ihr denkt, dass ich nicht bereit für ein kleines Kämpfchen wäre! Es geht um dieses Schwert, das Ihr gesucht habt? Ihr denk es ist die Waffe dieser Heiligen? Natürlich, wenn Ihr mögt, können wir das sofort erledigen. Also sobald Ihr aufgegessen habt…«
Für die letzten paar auf die Tafel gequetschten Worte brauchte er noch etwas länger für die Entzifferung. Dann aber gab er ihr die Tafel zurück. »Meine Beine sind in Ordnung. Daher kann ich auch Laufen«, erwiderte er barsch. »Es gehört sich so, der Dame den Platz anzubieten, doch…« Red sprach den Satz nicht zu ende. Die raue Stimme des Orks unterbrach ihn. Er drehte sich um und erblickte den heranrutschenden Ork.
»… Ich habe euch aus dem Gebirge Sachen getragen und jetzt lass ihr mich gehen!«
»Nein, du kannst jetzt nicht gehen, Ork! Wir brauchen dich noch ein wenig!« Er stutze kurz. War das festhalten und der Zwang zur Arbeit nicht sowas wie Sklaverei, gegen die er sich gerade gestern Nacht so vehement ausgesprochen hatte? Redlef wischte den Gedanken schnell beiseite. Es war ein Ork, und es würde ihm nicht weiter schaden, wenn er sie noch einen Tag begleitete. Zudem könnte er ihn dann wie besprochen Richtung Bluttal schicken und so dieses haarige Problem lösen.
»Du willst allein sein? Da muss ich dich enttäuschen, denn auch in den Bergen wirst du nicht allein sein. Dort wohnen die Echsen. Die haben nicht versprochen die nichts zu tun! Es wird nun immer wärmer werden, und je wärmer es ist, desto mehr Echsen werden sich in den Bergen herumtreiben. Allein und unbewaffnet hast du keine Chancen. Komm noch ein Stück mit uns, dann lasse ich dich wie versprochen gehen. Ich kann dir sogar einen Weg verraten, wie du zu deinesgleichen zurückkehren kannst, ohne das Gebirge durchqueren zu müssen. Ich denke mit der Lösung sind wir alle glücklich, nicht?« Eigentlich war sein letzter Satz keine Frage. Redlef erwartete eine Zustimmung und würde keine Widerrede dulden.

Doch bevor der Ork ihm antworten konnte, hatte etwas anderes Redlefs Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Ein Flackerndes Licht war in nicht allzu weiter Entfernung zwischen den Bäumen erschienen. Alarmiert zog der Weibel sein Schwert. Mit einem Kopfnicken machte er auch Ravenne darauf aufmerksam und griff mit der freien Hand nach dem Ork, um ihn auf den Boden zu drücken. »Liegenbleiben!«, knurrte er in seine Richtung. Ravenne bedeutete er mit einer Handbewegung zurück zu bleiben. Plötzlich wieder hellwach, konnte er auch alleine herausfinden, ob es sich erneut um Echsen handelte oder was sonst noch im Wald auf sie lauerte.
Vorsichtig schlich er sich mit der Waffe bereit zum Schlag näher.

Snydex
15.02.2016, 08:52
Der Hase war leider nicht weiter verwendbar, dennoch wollte der Novize ihn da nicht liegen lassen und schleppte das verkohlte Tier mit.
Es war dunkel draußen und in dem dichten Wald konnte man die Hand vor Augen kaum noch erkennen, weshalb Snydex den Entschluss fasste, sich noch einmal mit einer Lichtkugel zu versuchen.

Die Augen verschlossen kanalsierte er abermals die Magie in seinen Händen, diesmal aber nicht so viel wie das letzte Mal. Die Kugel musste unter Kontrolle bleiben, sonst machte sie sich wieder selbstständig. Langsam und bedacht erschuf der Novize eine kleine, Handflächengroße Kugel, die ein helles, warmes Licht von sich gab. Er lies die Kugel in seiner Hand ruhen. So konnte er diese wie eine Art Lampe benutzen. Vorsichtig und Schritt für Schritt ging er voran. Ab und an hörte er Äste unter seinen Fußen krachen und er hoffte, weder damit die Tiere zu verschrecken, noch irgendwelche anderen Viechen anzulocken.

Plötzlich vernahm er ein grunzen und sofort ließ er das Licht in seiner Hand erlöschen. War das ein Wildschwein? Ein paar Schritte weiter erkannte er dein einen Frischling, noch ganz klein und sicherlich nicht allein. Ganz langsam versuchte er sich rückwärts zu entfernen ohne das Schwein aufzuschrecken, denn seine Mutter war sicherlich nicht weit entfernt. Doch wie Snydex halt so war, stolperte er rückwärts über eine hohe Baumwurzel, wo hinter sich ein kleiner Abhang befand. Mit einem riesen Lärm rollte er den Abhang herunter ehe er schließlich durch einen Baum ausgebremst wurde. In der nächtlichen Stille hatte man dies vermutlich sogar noch auf Callindors Weingut wahrgenommen, doch wenigstens war er nun außer Reichweite der Schweine. Sein Glück jedoch war nur von kurzer Dauer, denn nun hörte er etwas anderes. Näherte sich jemand oder hatte das Schwein ihn verfolgt? Auf jeden Fall wusste dieses etwas oder jemand, dass er sich hier befand, weshalb er von sich selbst ablenken musste. Erneut erschuf Snydex eine kleine Lichtkugel und versuchte diese kontrolliert einige Meter von sich weg zu schießen. Die Kugel war klein und daher viel es ihm deutlich leichter diese zu kontrollieren. Das sanfte Licht schimmerte nun neben einem kleinen Baum, den Snydex noch erkennen konnte um zu sehen, wen er damit anlocken würde. Er hoffte nur das er das Licht lange genug kontrollieren konnte.

Redlef
15.02.2016, 10:53
Der Wald am Hang wurde immer dichter. Das war generell ein gutes Zeichen, weil es bedeutete, dass sie dem Inselflachland nicht mehr fern waren, doch gerade behinderte es Redlefs Sicht was ihn nun nur noch langsam vorrankommen ließ. Wer immer da auch im Wald hockte, er machte einen großen Lärm. Red hatte auch grunzen gehört und schloss dadurch auf Schweine, doch die beschworen in der Regel keine magischen Lichter. Also war es ein Magier, der Probleme mit wilden Sauen hatte, oder einer, der gekonnt durch das Unterholz strich und nur von ihnen gestört wurde. In beiden Fällen musste er vorsichtig sein, da beide Szenarien ängstlich oder aggressiv umhergeworfene Zauber beinhalten konnten.
Das Licht war inzwischen verschwunden und der Weibel hielt sich hinter dem Stamm eines mächtigen Baumens. Er musste Abwarten ob das Unbekannte im Wald noch einmal ein Zeichen von sich geben würde.
Tatsächlich dauerte es nicht lange und eine weitere Lichtkugel tauchte aus. Für einen Moment schwebte sie an einer Stelle, dann schoss sie ins Unterholz davon. Red hatte schon die Deckung seines Baumes verlassen, da wurde ihm klar. Dass sich die Kugel zu schnell für Jemanden bewegte, der sich hier durch das dichte Unterholz kämpfen musste.
Ein Trick? Redlef zog sich wieder hinter den Baumstamm zurück und beobachtete die Lage noch einige Augenblicke. Dann schlich er in einem Bogen, geschützt hinter Büschen auf die Stelle zu, an der er zuerst das Licht gesehen hatte.
Dort lag ein Mann, ganz still wohl in der Hoffnung nicht entdeckt zu werden. Er trug die Robe eines Novizen des Feuers, doch das passte für Red überhaupt nicht zusammen. Was machte ein Novize allein hier draußen im Wald? Es gab hier kein Lager in der Nähe, von dem der Weibel wusste. Auch er trug eine bemerkenswerte Waffe und obwohl er gerade immer noch am Boden war, schien es Red, dass er auch damit umgehen konnte. Der Kerl musste ein Spion oder Ähnliches sein. Auch wenn durch diese Annahme nicht alles hinreichend geklärt war, eine andere Erklärung gab es nicht.
Da er selbst verletzt war, wollte er einen offenen Kampf nicht riskieren. Er konnte sich aber auch nicht weiter heranschleichen, da zwischen ihm und dem Mann eine Menge trockenes Laub auf dem Boden lag, welches ihn verraten hätte. Ein unlauterer, feiger Trick musste ihm helfen…
Vom Boden griff er sich einen faustgroßen Felssplitter und warf ihn in die Richtung, in der er das Wildschwein vermutete. Am oberen Ende des Abhangs, zu dessen Füßen sie sich befanden, schlug der Stein in einen Busch ein und scheuchte die Wildschweine auf, die dort friedlich nach Futter gesucht hatten. Grunzend und die Frischlinge quiekend machten sie sich aus dem Staub. Die paar Sekunden des Lärms und der Ablenkung reichten Red, um die letzten Meter zwischen seinem Versteck und dem Lichtzauberer zu überbrücken. Mit eiligen Schritten huschte er hinter den Fremden und legte ihm das Schwert an den Hals.
»Komm nicht auf dumme Gedanken!«, sprach Redlef leise. Sein Atem war etwas schwerer als gewollt, denn der kurze Spurt hatte die große Wunde an seinem Arm schmerzhaft zum Pochen gebracht.
»Heb die Hände über den Kopf, da wo ich sie sehen kann und dann erhebe dich langsam.«
Die Klinge seines Schwertes wanderte vom Hals auf die Schulter. So lief er nicht Gefahr, den Fremden zu schneiden, wenn dieser sich erhob, hatte jedoch immer noch die Möglichkeit zuzustechen, wenn er den dummen Fehler machen sollte, nach seiner Waffe zu greifen.

Snydex
15.02.2016, 11:13
Toll. Sein Trick hatte ganz wunderbar funktioniert, denn nun hatte er eine Klinge am Hals. Begeisterung stieg in ihm auf und er ließ sein Schwer fallen, um die Hände zu heben. Vorsichtig um nicht von der Klinge geschnitten zu werden erhob sich der Novize, den Mann so weit es ging musternd.

"Bei Innos! Ihr bedroht einem Novizen des Feuers, Lehrling von Hochmagier Callindor. Legt die Waffe ab!"

Er versuchte selbstsicher zu klingen, doch die Klinge schüchterte ihn mehr ein, als er zugab. Wer war der Kerl? Ein Bandit? Das einzigst Wertvolle war sein Schwert und selbst das wäre keine lohnende Ausbeute gewesen. Wenn es ein Bandit war, dann musste er handeln, denn sein Leben war ihm doch schon was Wert. Der Novize überlegte, wie er den Kerl ablenken konnte, ohne sich selbst zu verletzen. Und da kam ihm auch schon eine Idee, auch wenn sie riskant schien. Die Lichtkugel leuchtete noch immer in einiger Entfernung vor sich hin und dies wollte er sich zu Nutzen machen. Vorsichtig und ohne das der Kerl es bemerken sollte bewegte der Novize vorsichtig eine seiner Hände über dem Kopf, versuchte, die Kugel etwas größer werden zu lassen. Und tatsächlich wurde sie größer, zwar nur etwas, aber dennoch genug um mehr Licht zu erzeugen. Und just in diesem Moment kappte er die Verbindung zu der Kugel und wie beim letzten Mal, schnellste diese durch die Gegend, unkontrolliert, und prallte gegen die vielen Bäume in der Nähe.

Redlef
15.02.2016, 11:47
Der abgekämpfte Weibel sah dem Fremden dabei zu, wie er die Waffe fallen ließ und sich langsam erhob. So weit so gut nun musste er nun noch sich etwas einfallen lassen, wie er diesen Kerl unschädlich machte und so ihre sichere Weitereise gewährleistete.
Ihm immer noch das Schwert vor das Gesicht haltend entspannte er etwas den anderen Arm. Die Schmerzen wollten nicht nachlassen und Red vermutete, dass die Wunden wieder ausgerissen waren. Der Verband der seinen Oberarm umschloss war schon so gut wie schwarz von alten, getrocknetem Blut und so war es ihm gerade nicht mit einem schnellen Seitenblick möglich festzustellen, ob neues Blut sich in die Stoffbanen sog.
Der Fremde und Red musterten sich gegenseitig ein paar Augenblicke lang, bevor der kräftige junge Kerl, den Rad tatsächlich als einen Kämpfer einschätzte, sich selbst als Novize des Feuers vorstellte.
Seine Stimme klang aufgesetzt selbstsicher. Wenn er aber ein Novize war, warum dann diese Angst, wenn doch ein Mitglied der thoriarer Miliz vor ihm stand. Zwar war Redlefs roter Wams inzwischen bräunlich und starr vor Dreck, sein Gesicht musste aussehen wie das eines Waldschrats, mit den vom Schweiß in der Stirn klebenden Haaren und dem buschigen, zerzausten roten Bart, der sein halbes Gesicht seit zweieinhalb Wochen überwucherte. Dennoch musste er bei genauerem Hinsehen als Mitglied der Kerkerwache zu erkennen sein – irgendwie.
Das Verhalten des angeblichen Novizen machte ihn nur noch verdächtiger. Er log!
»Ich kenne keinen Magier Callindor, Eure Geschichte ist erstunken und erlogen, Spion!« Red machte einen Schritt zwischen den Fremden und sein Breitschwert, um ihm die Möglichkeit zu nehmen, diese Waffe aufzuheben. Dabei achtete er jedoch darauf, dass er weiter sein eigenes Schwert erhoben hielt. Es zeigte nach wie vor auf den Hals des Mannes.
»Dreht Euch um und dann auf die Kn…«, weiter kam er nicht, da er zu spät die heranrasende Lichtkugel entdeckte, die auf sein Gesicht zuhielt. Als das Geschoss ihn traf, lähmte eine eigenartige Kälte seine Haut. Es war eine Kälte, die nur als heiß beschrieben werden konnte. Oder doch andersherum? Er keuchte vor Schreck auf und ließ sein eigenes Schwert fallen. Klappernd stürzte es auf die Klinge des Spions und das Lied von singendem Stahl hallte für einen Moment durch den Wald. Wütend Aufschreiend schlug er sich diesen verfluchten Zauber aus dem Gesicht.

Snydex
15.02.2016, 12:04
Es hatte funktioniert! Die Waffe des Kerls fiel zu Boden und landete auf seinem eigenen Schwert. Doch hob der Novize sein Schwert nicht auf, sondern sah den Kerl nur verwirrt an. Das Licht der Kugel hatte ihm offenbart, dass es sich hier wohl um einen Milizionär handeln musste. Zumindest sollte das seine Kleidung wohl mal darstellen. Auch den Verband konnte er nun erkennen.
Snydex stellt sich auf beide Klingen, machte aber keine Anstalten der Kerl irgendwie anzugreifen. Vielmehr versuchte er nun die Lichtkugel verschwinden zu lassen, was nach ein paar Mal hin und her auch funktionierte.

"Ihr seid Milizionär aus Thorniara, richtig? Ich bin nicht Euer Feind, denn ich bin wirklich ein Novize Innos'. Ich lebe momentan in einem Weingut nicht weit von hier. Das Weingut von Hochmagier Callindor, den es wirklich gibt. Außerdem seht Ihr nicht gut aus, Ihr braucht Hilfe." Er deutete auf den Verband.

"Wenn Ihr mir nicht glaubt, dann geht Eures Weges und wir haben uns niemals getroffen."

Sein Blick wurde ernster. Er wusste nicht, ob der Mann vertrauenswürdig war oder nicht, doch war Snydex ein gutgläubiger Mensch und dieser hier benötigte seine Hilfe.

Redlef
15.02.2016, 13:39
Red hielt sich die Stirn. Dort wo der Lichtball ihn getroffen hatte, machte sich eine eigenartige Taubheit breit und das Auge schaffte es kaum noch Umrisse wahrzunehmen, da es geblendet wurde.
Fürwahr Hilfe konnten sie gebrauchen. Doch einem Fremden vertrauen, in diesen schwierigen Zeiten? Red musterte den Mann erneut. Sein Fuß stand auf den Schwertklingen, doch er machte keine Anstalten sie aufzuheben. Auch nicht, als er erkannt hatte, das Redlef nach Thorniara in die Miliz gehörte. Auch hatte er keinen weiteren magischen Angriff durchgeführt und aus seiner Stimme schwang Ernsthaftigkeit und auch ein Anflug von Besorgnis mit.
Redlef hasste die Momente, in denen er eine Entscheidung treffen musste ohne alle Parameter ausreichend erforscht zu haben. Er selbst wusste nicht viel über die internen Strukturen des Ordens und so konnte ein Spion alles, was Redlef ihn fragen konnte auch durch gutes Beobachten und Recherche erfahren haben. Von dem was er sah und meinte zu spüren, konnte er sich nicht vollends absichern. Die einzige Chance die ihm blieb, war seinen Instinkten zu vertrauen.
»Gebt mir meine Waffe wieder, dann kommt mit mir. Gerne möchten wir, mein Trupp und ich, Euer Entgegenkommen annehmen und vielleicht auch auf dem Gut unsere Wasservorräte auffüllen. Die Expedition lagert dahinten.« Er zeigte verhalten in die ungefähre Richtung. Bewusst hatte er seine Worte gewählt. Sie waren nicht gelogen, dennoch implizierten sie eine größere, besser ausgestattete Menge, als er dort tatsächlich finden würde. Also selbst wenn dieser Kerl etwas im Schilde führen würde, so müsste er es sich jetzt noch einmal gründlich überlegen. Und wenn er zu einem ganzen Haufen von Spionen oder Banditen gehören sollte, dann würden diese wohl auch nicht sofort angreifen. Außerdem hatte er tatsächlich von diesem Weingut schon einmal gehört und wusste, dass es einem Magier aus der Stadt gehörte.
Mit Habichtsaugen verfolgte er nun jede Bewegung und Regung im Gesicht seines Gegenübers. Wenn er etwas zu verheimlichen hatte, dann würde man es am ehesten dort erkennen.


»Mein Name ist übriges Redlef Cast, ich bin Weibel der Wache!« Red streckte die Hand aus, um sich von dem Kerl seine Waffe zurückgeben zu lassen. »Und Ihr, Novize des Feuer mit der Waffe eines Kriegers? Wo habt ihr die her?« Ganz zweifelsfrei konnte auch ein Laie erkennen, dass es Reds altes einhändiges Gardeschwert niemals vernünftig mit dem neuen, exquisit gepflegten Eineinhalbbastard aufgenommen hätte. Der Novize besaß eine ganz wunderbare Waffe und der Kerkermeister war gespannt darauf zu erfahren, wie er daran gekommen war.

Snydex
15.02.2016, 14:07
"Man nennt mich Snydex. Freut mich!" Mit einem verschmitzten Lächeln hob er Redlefs Schwert auf. Vorsichtig gab er es dem Weibel, darauf achtend ob er etwas geplant hatte. Aber selbst wenn er etwas vor gehabt hätte, hätte Snydex sowieso keine Zeit mehr zum reagieren gehabt. Ihm blieb daher nichts anderes übrig, als seinem Gegenüber zu vertrauen.

"Nunja, die meisten Schwerter schmiedet ein Waffenschmied, woher auch meines ist." Der Novize grinste sanft, damit es nicht arrogant rüber kam.
"Ich habe mir das Schwert in Thorniara schmieden lassen da ich mich nicht nur auf meine, nicht sonderlich ausgereifte, Magie verlassen kann". Aber Ihr spracht von einer Gruppe? Das Gut bietet zwar Platz, doch werden Callindors Angestellt bei einer großen Menge sicherlich weniger erfreut sein. Aber dennoch werde ich euch natürlich helfen".

Er musterte Redlef noch mal kurz und deutete anschließend auf seinen Verband, ehe er nun sein eigenes Schwert aufhob und es wieder in die Schwertscheide auf seinem Rücken steckte. "Was ist denn passiert?" Gleichzeitig setzte er zum Gang an um in die von Redlef gedeutete Richtung zu marschieren.

Redlef
15.02.2016, 20:46
Mit einem halben Schritt Abstand folget Red seinem neuen Begleiter und zusammen machten sie sich zurück auf den Weg zu Ravenne und dem Ork.
»Nun, wir haben Erkundungen eingezogen und dabei bin ich angegriffen worden.« Red blickte auf seinen Arm. Inzwischen hatte der Schmerz schon wieder etwas nachgelassen. Dennoch wurde es dringen Zeit sich endlich vernünftig um diese Wunde zu kümmern. Sie eiterte schon, der durchgehende dumpfe Schmerz verriet das.
»In den Höhlen hat mich ein käferartiges Tier angegriffen und mir mit seinen Fängen die Haut aufgerissen. Nicht weiter schlimm…« Diese Aussage war mehr als nur geflunkert, doch Red hatte keine Lust weiter über ihr bisheriges Tun zu sprechen und hoffte den Novizen damit abspeisen zu können. Da wechselte er lieber das Thema.
»Da kauft Ihr Euch also einfach so mal ein Schwert? Wie kommt es, groß geerbt oder seid Ihr aus reichem Hause? Eine solche Waffe muss ein halbes Vermögen gekostet haben. Mir ist nicht bekannt, dass Novizen so gut belohnt werden. Sind nicht schon tausend Goldstücke für den Eintritt in den Orden draufgegangen?« er schüttelte lächelnd den Kopf. »Überhaupt ist der Gedanke eines Magiers mit einem solchen Breitschwert wie Eurem ein eigenartiger Gedanke. Sowas gibt es wohl nicht zweimal… wollt ihr den Magier werden, der einzige Kämpfende mit all den sonst so gebrechlichen Gelehrten oder doch lieber zu den Paladinen und den Götzendienern Beliars in den Hintern treten?«
Der Weg bis rauf zum Lager war nicht weit. Sobald sie ihre Füße aus dem Wald hinaus in das harte Wintergras setzten, war der deutlich kühlere Wind sofort zu spüren. Wieder stieg in ihm die heiße Sehnsucht nach seinem Bett oder besser noch einem Zuber, gefüllt mit warmem Wasser, auf.
»Hier lang«, Red korrigierte die Richtung, sodass sie nun gerade auf ihr Lager zuhielten. Schon bald tauchte der Hintern des Maultiers auf. Es wedelte gelangweilt mit dem Schweif.
Redlef beobachtete erneut den Novizen und danach die Umgebung. Weiterhin war alles ruhig. Keinerlei Anzeichen dafür, dass sie verfolgt oder beobachtet wurden. Keine auffliegenden Vögel, keine fliehenden Tiere, kein Knacken im Gehölz. War es sicher?

Red überholte Snydex und schritt über die Hügelkuppel. Ravenne war immer noch am Feuer. Der Ork schien sich beruhigt zu haben. Anscheinend hatte er keinen Fluchtversuch unternommen.
»Ich habe unseren Beobachter gefunden. Snydex, ein Novize des Feuers, seid nett und stellt Euch vor!« Irgendwoher kam dieser merkwürdige Sarkasmus. Red schob es auf seine Erschöpfung.

Ravenne
15.02.2016, 23:54
Also gut, Redlef stellte auf stur und der Ork verweigerte plötzlich die Mitarbeit. War ihr recht. Sie hatte dem Vieh nicht vertrauen können. Wäre es ein aus Setarrif geflohener Ork gewesen, der ursprünglich aus Lagos gekommen wäre, dann hätte sie vielleicht die Geschichte mit den Ringen für Hyperius ausnutzen können, aber das war jetzt egal. Der Ork wollte zurück ins Gebirge? Konnte er haben. Oder Redlef verriet ihm den Weg in den Orkwald, auch schön. Das lamentierte sie so vor sich hin, als sie abwartete, während er auskundschaftete, was das Licht im Wald war. Ein Irrlicht? Sie hatte von ihnen gehört, doch sie erwartete eigentlich keins vor Thorniara.

Nach einer Weile kam Redlef zurück und hatte noch jemanden im Schlepptau. Der Mann trug eine Robe der Novizen des Feuers und ein Schwert, was wiederum ungewöhnlich war. Als er auf sie zukam, sah sie nur den Griff und den Knauf hinter seinem Rücken heraufragen, und der Knauf war alles andere als simpel, sehr sorgsam gearbeitet. Welche Technik der Schmied wohl angewandt hatte, um die Feinheiten auszuarbeiten. Sie schüttelte den Kopf, darum ging es gerade nicht. Sie erhob sich vom Feuer, den Speer in Angriffshaltung gehoben. Eine Novizenrobe konnte gestohlen sein, ebenso wie das Schwert. Ein gepflegtes Äußeres konnte täuschen. Warum sollte ein Novize ein so großes, wertvolles Schwert mit sich führen? Der Name Snydex war ihr ebenfalls nicht bekannt. Rasch schaute sie, dass der Ork nichts Bescheuertes versuchte - wenn er ihr nur einen Vorwand gab, würde sie nicht zögern - und überlegte, wie sie schreiben konnte, während sie den Fremden bedrohte. Um auf sie zuzugehen, würde sie den Ork im Rücken lassen müssen, was sie auch nicht wollte, es war ihr unangenehm. Sie versuchte, einen Kompromiss zu finden, indem sie kurzzeitig den Ork im Rücken ließ, auf den Fremden zutrat und sich auf die Seite stellte, um den Ork und den Fremden im Blick behalten zu können. Auffordernd tat sie so, als würde sie mit dem Speer nach ihm stechen wollen.
Mach schon! Wer bist du, woher kommst du?, dachte sie und hoffte, das war aus ihren Gesten ersichtlich.

Snydex
17.02.2016, 10:05
Die "Gruppe", so wie Redlef sie beschrieben hatte, bestand also tatsächlich nur aus einer hysterischen Frau sowie einem Ork. Was bei Innos hatte ein Ork hier zu tun?
Der Frau zugewandt sprach er mit ruhiger, aber bestimmenden Stimme.

"Gerne stelle ich mich noch einmal vor, nachdem Redlef das ja bereits tat. Mein Name ist Snydex, Novize des Feuer im Namen Innos', Lehrling von Hochmagier Callindor." Ein verschmitztes Lächeln folgte seiner Vorstellung.

"Wie Redlef mir mitteilte, könntet ihr etwas Hilfe benötigen. Ein Stück weiter werdet Ihr das Weingut meines Meisters finden. Ich führe euch gerne hin, wenn ihr wollt. Aber sagt mir vorerst, was bei Innos will der Ork bei euch? Ich werde ihn sicherlich nicht mit zum Gut nehmen."

Der Novize beobachtete den Ork noch eine Weile, wärend er die aufmerksam auf eine Reaktion der beiden anderen wartete.
Es war schon seltsam. Noch vor einiger Zeit wäre Snydex mit der Situation vollkommen überfordert gewesen doch jetzt, nach der gemeinsamen Zeit mit Callindor und Pierre, war er deutlich selbstbewusster geworden. Er wusste, was er konnte und wozu er fähig war, das hatte er bei Callindors Kugelblitz gesehen. Dennoch war Vorsicht geboten, denn Überschätzung kostete schon so manche Menschen das Leben.

Howahkan Nashashuk
17.02.2016, 20:44
Der braune Ork lag noch immer am Boden und wartete darauf, dass Redlef ihm beim Aufsetzen half. So wie der Rotschopf ihn auf den Boden gedrückt hatte, fiel es Howahkan schwer sich ohne fremde Hilfe wieder aufzuraffen. So lag er still dort und atmete Staub ein und dennoch machte er keinen Mux und versuchte nicht den Neuankömmling anzuschauen, geschweige denn nach Hilfe zu fragen. Er wusste aus Erfahrung, dass viele Morras davon beleidigt waren, wenn er sie neugierig musterte. Auch wollte er den Neuling nicht provozieren, oder einschüchtern. Mit gesenkten Kopf wartete ab, dass es weiter ging und der Rotschopf ihm half.

Was hatte sich der braune Ork auch dabei gedacht mit diesen Morras mitzugehen, fragte er sich im Stillen. Einerseits machte ihm die Situation nichts aus, es war nichts neues, dass die Menschen ihn herumschupsten und seine Anliegen ignorierten, doch hatte er zum ersten Mal eine Wahl gehabt und bereute nun seine Entscheidung. Es war ein tiefes Unwohlsein, dass in ihm aufstieg. Ein Gefühl, dass er seit seiner Flucht aus der Sklaverei nicht mehr gespürt hatte. Warum nur hatte er sich wieder in die Nähe der Morras gewagt? War das seiner Einsamkeit verschuldet, oder glaubte er ernsthaft, dass zusammen mit Morras etwas gutes rauskommen konnte? Er hoffte sehnsüchtig, dass er lebend aus dieser Situation heraus kam und schwor nie wieder einem Menschen zu nahe zu kommen. Jetzt waren es schon drei von ihnen und anscheinend würden sie jetzt eine Unterkunft aufsuchen, was vermutlich noch mehr Morras bedeuten würde. Er sah sich bereits wieder in einem Kerker.

Ravenne
17.02.2016, 22:51
Etwas verdutzt sah Ravenne den Mann an, dann musterte sie ihn noch mal, aber er schien nicht unaufrichtig zu sein. Dann senkte sie den Speer, griff nach Tafel und Kreide und bereitete sich zum Schreiben vor. Der Ork lag weiterhin auf dem Boden, so wie Redlef ihn zusammengeschnürt hatte, würde er Hilfe brauchen. Erst mal musste sie etwas wegen des Fremden unternehmen.

Es ist in Ordnung. Dass es Hochmagier gibt, wäre mir zwar neu, aber es gibt einen Feuermagier namens Callindor, den ich schon persönlich getroffen habe und das Weingut gibt es tatsächlich. Ich gehe also davon aus, dass er nicht lügt. Wir können uns da noch mal versorgen, bevor wir nach Thorniara weiterziehen. Meinetwegen kannst du ihn auch fesseln und zum Kistentragen verdonnern, aber ich glaube nicht, dass das notwendig ist.

Sie gab Redlef die Tafel, dann half sie dem Ork hoch. Als Redlef fertiggelesen hatte, nahm sie die Tafel wieder entgegen, wischte sie sauber und schrieb schnell und knapp etwas anderes:

Ich bin Ravenne, Ritterin des Ordens. Mein Begleiter hat sich bereits vorgestellt, schätze ich. Der Ork und wir haben gemeinsame Feinde im Gebirge gefunden, aber er hat bereits sein Interesse daran geäußert, die Reisegruppe zu verlassen.

Diesen Text gab sie dann dem Novizen zu lesen. Wie hatte er sich genannt? Snydex ... sie merkte sich den Namen mal, hoffentlich kannte ihn jemand vom Orden in Thorniara.

Redlef
17.02.2016, 23:17
Redlef zog nur skeptisch eine Augenbraue hoch, als er Ravennes Worte las. Sie tat ja gerade so, als ob er seinen Spaß daran hätte, Fremde zu verschnüren und mit Sklavenarbeiten zu plagen. Dabei hatte er doch nur Sicherheit herstellen wollen. Auch Ravenne hatte wohl keine Lust eine heimtückische Attacke des Orks zu erfahren. Und so blieb ihnen dass mit großer Wahrscheinlichkeit erspart.
»Ich wollte doch nur…«, begann er sich zu rechtfertigen, während sie dem Ork auf die Füße half. Ohne Anstalten zu machen ihr zu helfen verstummte er und betrachtete wie sie dem Ork auf die Füße half. Steinet wegen hätte er da auch noch so lange liegen bleiben können, bis die sich auch tatsächlich wieder auf den Weg machten. Gerade wollte er seinen Satz zu Ende bringen, da riss sie ihm auch schon wieder die Tafel aus der Hand, um sie mit neuen Worten zu füllen.
Reds Laune verschlechterte sich dramatisch.
Verstimmt ging er zum Maultier herüber und kontrollierte den Gurt, zog ihn nach und tätschelte dann kurz den Hals des Tieres. Währenddessen dachte er über ihr Geschriebenes nach. Zu der Einschätzung, dass dieser Snydex wahrscheinlich die Wahrheit sagte, war er ja auch schon gekommen. Somit hab es vor den Ohren des Novizen dazu nichts mehr zu sagen.
Vielmehr wartete er ab, was sie jetzt noch zu schreiben hatte, verstand aber, dass es nicht an ihn gerichtet war, als sie die Tafel an den jungen Mann weiterreichte.
»Wir werden mit Euch zum Weingut gehen und dort zwei Pferde leihen, mit denen wir nach Thorniara reiten werden«, bestimmte Red, als Snydex die Botschaft der Ritterin las. »Dann brauchen wir den Ork auch nicht mehr… er hat unsere Sachen getragen, wie Ihr sehen könnt und wird natürlich nicht mit dorthin kommen!«, beantwortete Red noch die vorhin gestellte Frage, während er schon nach dem Strick des Gefangenen griff, um ihn zum Vorwärtsbewegen anzutreiben.
Ein Stück würde er die schwere Kiste noch tragen müssen, erst hinter der nächsten Hügelgruppe waren sie Nahe genug an dem Hof, dass sie seine Hilfe nicht mehr benötigten.

Snydex
18.02.2016, 09:54
"Hat es Euch die Sprache verschlagen?" Snydex zog eine Augenbraue hoch und musterte Ravenne noch einen Moment, ehe er sich wieder Redlef zuwandte.
"Wir sollten alsbald aufbrechen, den Ork nehmen wir nur so weit wie nötig mit, dann lasst ihn laufen. Ich will ihn nicht in der Nähe des Weinguts haben", wiederholt der Novize sich. Er selbst war schließlich auch nur zu Gast im Gut und Ärger wollte er entsprechend keinen haben. "Soll ich euch etwas abnehmen? Allzu fit wirkt ihr alle beide nicht. Unterwegs könnt ihr mir dann erzählen, was vorgefallen ist und wie ihr überhaupt hier her gekommen seid." Wie es dem Ork ging interessierte Snydex wenig, in seinen Augen waren es Tiere, nicht mehr und nicht weniger. Damals schon bei Faring hatte er gemeinsam mit Idun einen getötet und er würde nicht zögern, es erneut zu tun. Er streifte noch seine Novizenrobe ab und wartete darauf, dass die Herrschaften sich in Bewegung setzten.

Redlef
18.02.2016, 10:52
»Die edle Dame Ravenne zieht es vor lieber schriftlich zu kommunizieren. Ich bitte Euch das zu respektieren und keine weiteren Fragen dazu zu stellen!« Redlefs Stimme klang ernst. Auch wenn er Ravenne teilweise, auch aufgrund ihrer Stummheit, immer noch für ein Web hielt, das im Haushalt einem Mannes besser ausgehoben war, als in der Armee, so konnte er doch nicht mehr leugnen, dass sie seinen Respekt erworben hatte. Mehrfach hatte sie bewiesen, dass sie von Ehre war, trotz der kritischen Gespräche, die sie geführt hatten, in denen er sie sogar angegriffen hatte. Also lag es jetzt an ihm, sie zu mindestens mit dieser Behinderung aus dem Interessenfokus des Novizen zu nehmen. Sie konnte es mitteilen, wenn sie es wollte, doch danach frage durfte er nicht, das war unhöflich!

»Aber ihr habt natürlich Recht, je schneller wir hier wegkommen, desto besser ist es. Der Himmel zieht sich zu, es könnte sein, dass wir es sehr bald mit schlechtem Wetter zu tun bekommen. Das wäre alles, was uns zu unserem Glück noch fehlt…«
Er musterte noch einen Moment den Himmel und versuchte abzuschätzen, wie schnell sich das Wetter verändern würde. Sie befanden sich auf der Ostseite des Gebirges, da war das Wetter in der Regel besser als auf der anderen, doch gerade sagten ihm die schwer zu erkennenden Wolken überhaupt nichts.
»Hier nehmt mir den Ork ab.« Red drückte Snydex den Strick in die Hand und ging dann ohne ein weiteres Wort zu Ravenne hinüber, die schon die Zügel des Maultiers ergriffen hatte. Er wollte ihr zurück in den Sattel helfen, doch eindeutige Gesten verreiten ihm, dass sie sich sehr wohl im Stande fühlte Laufen zu können. Stattdessen machte sie Anstalten ihm erneut den Platz anzubieten. Red presste darauf die Lippen aufeinander. Er würde sich nun kurz vor ihrem Zwischenziel nicht vor fremden Augen von einer Frau auf einem Maultier führen lassen, wie ein kleines Kind. Somit war er zum ersten Mal wirklich dankbar für ihre Stummheit und bedeutete ihr Wortlos, dass er auf ihr Angebot verzichtete.

»Snydex, kommt bitte mit dem Ork hier her. Wir können die Kiste zurück auf das Muli laden und dann nehmen wir das Vieh noch soweit mit, bis wir eine gut Stelle zum Aussetzten finden.

Snydex
18.02.2016, 13:47
Er hatte kaum Zeit zum Antworten, ehe er die Leine des Orks in die Hand gedrückt bekam.
"Beweg' dich, Ork!", befahl er, an dem Gurt zerrend.

Während dessen zog sich der Himmel weiter zu und es wurde deutlich dunkler.
Der Novize schloss die Augen und konzentrierte sich einen Moment, ehe er abermals eine kleine Lichtkugel herauf beschwor, diese ließ er über dem Maultier schweben.

"Besser als nichts. Ich weiß nur nicht, wie lange ich das aufrecht erhalten kann. Wir sollten uns ohnehin beeilen, ich will ungern durchnässt ankommen."

Während er auf Ravenne und Redlef wartete, überlegte er an einer weiteren Aufgabe, die Pierre ihm vor seinem Aufbruch gegeben hatte.
Bewege einen Gegenstand nur mit der Kraft deiner Gedanken. Versuche dich aber bloß erst an kleinen Gegenständen. Du wirst schnell merken, wie dies an deinen Kräften zehren wird. Verlasse dich auf dein Inneres, konzentriere dich auf die Magie und denke an das Objekt und wo es sich hin bewegen soll. Sei nicht enttäuscht, sollte es nicht funktionieren. Es wird seine Zeit dauern, bist du Begriffen hast, wie die Magie auf der materiellen Ebene wirkt.

Wieso sollte er mit kleinen Dingen beginnen, wenn er doch genauso gut mit der Kiste anfangen könnte, die Redlef gerade trug? Er hatte noch genug Kraft in sich, so oft hatte er heute seine Magie noch nicht verwendet. Er fokusierte daher seinen Blick auf die Kiste, schloss seine Augen und stellte sich das Objekt bildlich vor. Es sollte sich auf das Maultier bewegen. Die Bilder und Befehle waren klar, jetzt musste sich das Ding nur noch bewegen.

Schweiß lief über seine Stirn und die Anstrengung wurde von Sekunde zu Sekunde größer, zwang ihn letztendlich auf die Knie. Im selben Augenblick geschah etwas, auch wenn es nicht geplant war. Ein kleiner, Fingernagel großer Stein erhob sich wie durch Luft getragen und sauste durch die Gegend, nahm letzten Endes Kurs auf des Orks Gesicht.

Howahkan Nashashuk
18.02.2016, 14:58
Howahkan schmeckte Galle als er mit aller Kraft und ohne Hilfe versuchte dem Befehl zu folgen und aufzustehen. Seine Hände waren immer noch auf dem Rücken zusammengeknotet und er schnaufte vor Anstrengung und Frust. Seine Schultern waren von der Verrenkung am Boden eingeschlafen und taub. Er war müde und außer Kräften. Langsam schleppte er sich zum Maultier hinüber. Er nahm die Neuigkeiten der weiteren Reiseplanung ohne Kommentar entgegen und konzentrierte sich nur darauf, dass diese Gefangenschaft bald enden würde. Sie wollten ihn aussetzen. Es musste einfach so sein. Die Unruhe stieg erneut in ihm hoch und sein Herzschlag verschnellerte sich.

"Howahkan braucht Ruhe", murmelte er leise in sich hinein. "Ich will allein sein. Morras nehmen keine Rücksicht. Die Morras hassen uns Orks", er wiederholte die Sätze immer und immer wieder im Stillen, bewegte dabei aber seine Lippen. Die Tortur der letzten Tage, sein ständiger Hunger und Durst, die schlechte abwertende Behandlung und die Erinnerung an sein Leben als Sklave, sowie die unbekannte Umgebung ohne Aussicht, dass er seinen Bruder je wieder sehen würde, gaben ihn den Rest und brachten ihn in einen unruhigen Zustand der puren Panik.

Sie setzten sich in Bewegung nachdem sein Marschgepäck auf das komische kleine Pferd gepackt worden war. Die Lichtkugel verschwand zur Erleichterung des braunen Orks wieder. Er kannte die Magier aus Setarrif und hatte ab und an ihre Fähigkeiten bestaunen können, doch hatte er sich dabei immer unwohl gefühlt. Seine Finger hatten beim Anblick der Lichtkugeln und Eiszauber immer zu kribbeln begonnen.

Es dauerte eine Weile ehe er selbst realisierte wie unruhig und verzweifelt er war. Er musste sich ablenken. Er musste sich beruhigen. "Du von anderen Orks gesprochen", murmelte Howahkan dieses mal hörbar in die Richtung des Rotschopfes.

Redlef
18.02.2016, 23:28
Da Redlef die schwere Kiste mit deinem verletzten Arm kaum heben, daher bugsierte er den Ork direkt neben den Sattel und versuchte die Kiste irgendwie ins Tragegestell zu hieven, doch plötzlich war dieses Ding gar nicht so schwer wie er sie in Erinnerung hatte. Bevor Ravenne ihm helfen konnte war das Gepäck verladen.
Während er die Seile um die Kiste festzurrte, sah er zum Ork hinab, dem gerade ein Stein ins Gesicht flog?
Die Worte blieben ihm kurz weg. Was war denn das? Doch dann besann er sich zu einer Antwort. »Ja, auf der anderen Seite des Gebirges gibt es den Orkwald. Dort leben deine grimmigen Verwandten. Wenn wir dich laufen lassen, dann werde ich dir den Pass zeigen, der dich über das Gebirge, aber nicht zu nahe an die Zitadelle bringt. Dann kannst du durch den Bluttalwald Richtung Süden zu deinen zottigen Freunden laufen.«
Da die Kiste verschnürt war, schubste er den Ork unsanft zur Seite und setzte sich dann in Bewegung. Snydex musste ihn weiter führen, Ravenne übernahm das Maultier und Red die Führung.
Der Weg bis zum Weingut sah nicht schwer aus. Der Weg ging zwar durch die Hügel, doch es waren keine Felsen zu sehen. Insgeheim war er erleichtert.
Nach einiger Zeit ließ er sich zurückfallen und wanderte nun neben Snydex.
»Wir haben Im Gebirge nach Spuren und Bewegungen der Echsen gesucht. Ich muss sagen, wir haben einiges gefunden. In der Kiste sind einige Kleinigkeiten, die vielleicht für Experten von Interesse sein können. Besonders die Skizzen und Berichte über die Gegend, alte Lager oder die von den Echsen benutzten Höhlensysteme sind strategisch wichtige Informationen. Auch etwas, das vermutlich ein Artefakt der Echsen ist, haben wir gefunden. Vielleicht ist es darüber möglich festzustellen, ob sie sogar selbst über Magie verfügen. Ein beängstigender Gedanke… Diese Informationen sind von höchster Dringlichkeit, daher ist es wichtig, dass wir schnellst möglich zurück in die Stadt kommen. Habt Ihr denn Pferde auf dem Hof, die wir uns bis zur Stadt leihen können. Ihr habt mein Wort, dass ich sie sofort zurückschicken lassen, wenn wir angekommen sind.«

Ravenne
21.02.2016, 22:36
Ausgezeichnet, er würde den Ork zurückschicken! Dann brauchte Ravenne sich keine Gedanken darüber zu machen, was in Beliars Namen man mit einem Ork in der Ordensstadt anfangen sollte. Was hatte er sich dabei gedacht, ihn mitnehmen zu wollen? Hatte Redlef nicht sogar mal erwähnt, in den Orkkriegen gekämpft zu haben? Umso mehr wunderte es Ravenne, dass er auf eine so abstruse Idee gekommen war. Ork als Schutz gegen die Echsen war ein ... machbares Arrangement, aber ihn in die Stadt mitnehmen zu wollen, ging eindeutig zu weit.
Da das geklärt war und sie dementsprechend bestimmt auf dem Gut willkommen waren, so ohne Ork, zum nächsten Problem. Pferde waren eine gute Idee, dann mussten sie trotzdem das Maultier noch mitnehmen, es sei denn, sie konnten es im Gut unterstellen. Hatte das Gut überhaupt Pferde? Das würde Snydex ihnen sagen müssen und falls es welche gab, wie abhängig waren sie von gesprochenen Befehlen? Damit würde sie sich befassen, wenn es so weit war. Irgendwie würde sie das schon hinkriegen, verdammt! Einmal öfter war die Tafel gezogen, diesmal mit wesentlich weniger Text beschrieben als sonst, als sie sie Snydex hinhielt:

Ich verspreche, die Pferde selbst zurückzubringen, sobald die Berichte abgegeben sind, falls Ihr Euch dann sicherer fühlt. Das kann ich Euch gern auch noch mal mit Siegel geben.

Snydex
22.02.2016, 15:17
"Natürlich haben wir dort Pferde, doch kann ich nicht die Entscheidung treffen, Euch diese zu überlassen. Wie bereits erwähnt ist das Gut im Besitz von Meister Callindor, welcher zur Zeit erkrankt ist. Jedoch befindet sich sein Schützling Pierre vor Ort, er wird entscheiden. Natürlich bin ich sehr daran interessiert euch zu Untersützung, gerade da Eure Angelegenheit wirklich äußerst wichtig zu sein scheint." Snydex sprach zu Ravenne und Redlef gleichermaßen, ehe er dann das Wort nur an Redlef richtete.

"Ich denke, dass wir nun nah genug am Gut mit dem Ork sind. Ich möchte nicht, dass dieser die genaue Position erfährt. Daher lass ihn bitte gehen, wenn Ihr ihn nicht umbringen wollt." Er betrachtete das haarige Vieh noch eine Weile, ehe er schnaubend den Kopf schüttelte und den Kopf zum Himmel streckte.

"Es beginnt gleich zu regnen, wir sollten uns also sputen."

Redlef
22.02.2016, 20:46
Snydex hatte Recht. Dieses hier war ein guter Ort, um den Ork freizulassen. Zurzeit standen sie auf einer Hügelkuppe. Das Tal, in das sie sahen, verlief zwischen zwei Ausläufern des Weißaugengebirges. Das bedeutete, dass dieses zottige Untier nur der Talsohle folgen musste und dann schon einen Pass finden würde, der ihn auf die andere Seite der Insel brachte. Wenn Redlef geographischer Sinn ihn nicht täuschte, dann musste sich ungefähr westlich von ihrem derzeitigen Standpunkt das Bluttal befinden.
»Ist gut!«, er nickte dem angehenden Magier zu, nahm ihm das Seil aus den Händen und bedeutete Ravenne einen Moment zu warten.

»Komm mit«, herrschte er den Ork an und zerrte ihn ein Stück auf dem Hügelkamm entlang, bis sie eine noch bessere Sicht auf das Gebirge hatten. Dort stehend zeigte der Weibel auf das Argaanmassiv. Wolken hüllten die höchsten Spitzen ein, doch die am Rande liegenden, niedrigeren Gipfel waren trotz der aufziehenden Sturmfront gut zu erkennen. «Wenn du zu deinen Leuten willst, dann musst du über das Gebirge und dann nach Süden. Dort gibt es südlich des Silbersees einen großen Wald, der sich weit den Berghang hinaufzieht. Wir nennen ihn den Orkwald, weil dort die Orks hausen. Quer über das Gebirge wirst du ihn nicht erreichen. Daher empfehle ich dir, dass du diesem Tal folgst, welches du vor uns siehst. Das Gebirge ist hier im Norden der Insel viel niedriger, du wirst es auch ohne Ausrüstung gut besteigen können. Zudem sind hier so gut wie keine Echsen gesichtet worden, das bedeutet du hättest nur Berglöwen und Bären zu befürchten, doch die werden wahrscheinlich sowieso vor deinem Geruch fliehen wollen. Sobald du den Kamm des Gebirges erreicht hast, halte dich immer stark nach Süden. Schon während des Abstiegs. Denn auf der anderen Seite befindet sich durch Thorniara kontrolliertes Gebiet. Wenn du dich da sehen lässt, bist du tot. Erst im Wald, der im Bluttal liegt, kannst du dich sicher schätzen. Du wirst ihn vom Gebirgskamm aus sehen können.«
Red machte eine kurze Pause und überlegte. »Mitten im Wald gibt es ein altes Fort. Es wird von Leuten bewohnt, die nicht viel den Rittern aus Thorniara zu tun haben. Sie werden dir sicherlich weiterhelfen können. Frag sie, wenn du sie gefunden hast.«

Howahkan Nashashuk
23.02.2016, 14:58
Howahkan hatte nicht gewusst, dass es auf seiner Heimatinsel so viele Morras gab. Er wusste, dass Menschen die Insel angegriffen hatten und die Silberseeburg besetzt hatten, doch nicht, dass es neben den Sklavenhaltermorras im Süden und den Angreifern im Norden noch weitere gab. Der Rotschopf schnitt seine Fesseln durch und entließ den braunen Ork so in die Freiheit. Es war ein merkwürdiges Gefühl. Einerseits freute sich Howahkan, andererseits jedoch spürte der Nashashuk Trauer und Zorn in sich aufsteigen.

"Ihr Morras seid ein sehr böswilliges Volk", raunte der Ork ohne Stimme und betrachtete seine aufgeschürften Hände. Dann schaute er zu dem Mann hinüber, der ihn gefangen genommen hatte, ihn behandelt hatte, wie einen Gefangenen und nicht wie jemand der seine Hilfe angeboten hatte. "Ich wünsche nie wieder dich zu sehen", mit diesen Worten drehte sich der ehemalige Sklave um und stapfte in die erklärte Richtung auf das Gebirge zu. Seine Gedanken rasten, sein Herz pochte schnell und Müdigkeit und Hysterie tauschten sich gegenseitig von Moment zu Moment aus. Howahkan merkte, dass er sich veränderte. Solche Gefühlsregungen wie Zorn hatte er früher selten gespürt und wenn dann gegen sich selbst. Jetzt jedoch war er auf die ganze Welt sauer.

Ravenne
23.02.2016, 15:27
Großartig, das Orkproblem war gelöst. Das Zottelvieh machte seinen Abgang in Richtung Artgenossen und Ravenne konnte endlich aufatmen (in zweierlei Hinsicht: So ein Ork roch einfach nicht gut). Dann also weiter zum Gut, mit diesem Pierre reden. Den Namen hatte sie noch nie gehört, aber sie kannte nicht jeden Novizen des Ordens, vor allem, da sie zuletzt so viel Zeit auf dem Festland verbracht hatte. Die Ritterin nahm die Zügel des Maultiers und bedeutete den anderen beiden, weiterzugehen. Sie war schon einmal bei diesem Gut gewesen, damals hatte Nero ihr Zeichensprache beibringen wollen. Da hatte sie noch nicht zu Pferd kämpfen können und war als Späherin mitgekommen, also kannte sie den Weg. Was Callindor anging, zuletzt hatte sie ihn vor der Schlacht im Bluttal gegen das Waldvolk gesehen, und er war mehr als missgelaunt gewesen. Wie lange sie auch überlegte, sie kam einfach nicht darauf, wie lange diese Schlacht nun her war, aber es war auch egal. Die Lage war jetzt sowieso komplett anders.

Redlef
23.02.2016, 17:37
»Na das beruht wohl auf Gegenseitigkeit«, antwortete Red mehr zu sich selbst und beobachtete er Gefangene, wie er in das Tal hinab stieg. Vorsorglich hatte er sein Schwert gezogen. Da den Ork nun keine Fesseln mehr behinderten, wäre es für ihn ein leichtes, einem Bären gleich, Red mit einem Prankenhieb den Bauch aufzureißen. Daher wollte er lieber wachsam bleiben.
Als der ehemalige Sklavenork jedoch einige hundert Schritte entfernt war, drehte auch er sich um und schloss zu der Gesellschaft auf.

Er schloss neben Ravenne auf und bemerkte sofort wie die Müdigkeit und Erschöpfung zurückkehrte, als die Anspannung fiel. Sich nach Ruhe sehnend legte er eine Hand auf den Schweifriemen des Sattels, hielt sich daran fest und schloss dann für einen verführerischen Moment die Augen. Seine Füße bewegten sich ganz von allen. Und die paar Sekunden, die seine geschlossenen Lieder ihm vergönnten, flossen über seinen Geist wie Honig. Die nächsten Schritte kreisten erneut nur um die Gemütlichkeit seines Bettes. Schlafen… Augenschließen… Nur einen Moment.
Doch der Moment endete jäh. Sein Fuß verfing sich in einem Erdloch und er wäre Gestürzt, wenn er sich nicht am Geschirr des Mulis festgehalten hätte.
Kurz schüttelte er den Kopf und zwang sich dazu weiter zu gehen. Es musste noch einen Moment durchhalten.

Je länger sie gingen, desto weiter schien sich der Hof zu entfernen. Es war furchtbar.
Reds Laune verschlechterte sich und als sie auf ihrem nur denkbar schlechtesten Tiefpunkt angelangt war, da bogen sie auf den ausgefahrenen Weg ein, der direkt zum Tor des Anwesens führte.
Abgekämpft stapften sie auf den Hof. Ein imposantes Herrenhaus erhob sich vor ihnen. Der Platz davor wurde von diversen Wirtschaftsgebäuden und auch den Ställen umgeben.
Ställe, sie kamen Redlef in diesem Moment vor wie goldgeschmückte Tempel. Er konnte ein wiehern hören.

»Wunderbar. Snydex, bitte suche diesen Pierre und bitte Ihn uns die Pferde zur Verfügung zu stellen. Das Maultier samt Gepäck werden wir mitnehmen. Es wird den Weg bis zur Stadt noch schaffen. Dann habt Ihr keine Arbeit damit.«
Er nickte dem Novizen zu und wandte sich dann an Ravenne. »Wie geht es Euch?« Er kam auf sie zu und legte ihr behutsam die Fingerspitzen auf die Stirn. Sie war immer noch warm und ihr Gesicht blass. Doch in ihren Augen stand weiterhin der Ausdruck von Entschlossenheit. Sie würde den Rest des Tages noch überstehen. Zum Sonnenuntergang würden sie endlich in der Stadt sein. Ein Lächeln schlich sich auf sein Gesicht, beim Gedanken an sein Bett. Er sah Ravenne immer noch an. Kontrollierte ihre Verbände und war froh zu sehen, dass sich die Entzündungen in Grenzen hielten. Dann legte er ihr eine Hand auf die Schulter.
»Wir haben es fast geschafft. Werdet Ihr es auf dem Rücken eines Pferdes noch bis zurück in die Stadt schaffen?«

Ravenne
23.02.2016, 18:23
Es gab mindestens ein Pferd, ein guter Anfang. Damit kamen sie zu Ravennes Angst, sie könnte es nicht schaffen, mit den Tieren klarzukommen. Sie hatte das Auf- und Absteigen, sowie die Pflege mit Simún gelernt, aber letztlich hatte sie nur gelernt, ein Pferd zu reiten, nämlich das, welches sie selbst darauf abgerichtet hatte, auf ihre wortlosen Befehle zu reagieren. Sie riss sich aus diesen Gedanken, als Redlef ihr die Hand auf die Schulter legte. Nachdenklich legte sie den Kopf schräg, dann holte sie die Tafel hervor.

Ich werde es schaffen, irgendwie werde ich schon in der Stadt ankommen. Ich hoffe nur, die Pferde sind Wort-Kommandos nicht zu sehr gewohnt, aber das sollte sich schon regeln lassen. Jetzt müssen wir nur noch diesen Piär überzeugen, dann können wir den Auftrag endlich abschließen.

Nicht mehr in der Wildnis schlafen, während jemand Wache halten musste, oder nachts Wache halten. Keine dauernde drohende Echsen-Angriffgefahr, oder miefender Ork am Nachtlager. Und sie konnte die Verletzungen endlich komplett auskurieren, ohne durch Argaan zu hetzen. Ein Traum!

Snydex
24.02.2016, 10:58
Sie waren zwischenzeitlich auf dem Gut angekommen und der Ork hatte auch das Weite gesucht. Er war erstaunt, wie schnell so ein kleiner Ausflug in den Wald zu so einer Aktion wechseln konnte. Er deutete seinen Begleitern einen Moment zu warten und verschwand daraufhin im Haus. Pierre saß am Tisch und unterhielt sich mit Bastian.

"Da bist du ja wieder! Wo warst du so lange? Ist alles in Ordnung?" Pierre schien sichtlich erleichtert, seinen Schützlich wieder zu sehen, immerhin war er für ihn mehr oder weniger verantwortlich.

"Es ist alles gut, Pierre. Ich habe draußen im Wald hilfsbedürftige Soldaten getroffen. Unter anderem eine Dame, die zwar nicht viel spricht, jedoch wichtig zu sein scheint. Sie benötigen Pferde. Können wir ihnen welche geben? Ich habe ihr Wort, dass sie diese zurück bringen."

Pierre überlegte einen Moment, ehe er zustimmte. Doch wollte er sich die beiden noch genauer betrachten, weshalb der Snydex gebot ihm zu zeigen, wo die beiden warteten.
Die zwei Ordensbrüder gingen nach draußen zu Ravenne und Redlef, welche immernoch sichtlich erschöpft schienen. Der Novize zeigte auf die beiden.

"Ihr beiden benötigt also ein Pferde? Wer seid ihr und warum sollte ich euch helfen? Könnt ihr beweisen wer ihr seid und das eure Absichten ehrlich sind?"

Redlef
24.02.2016, 12:10
Während Snydex verschwunden war und sie warteten, laß Red Ravennes Worte und musste dann Schmunzeln. »Welches Pferd reagiert denn auf Stimme? All die, die ich bisher geritten bin, reagierten auf Gewicht, Schenke und Schläge auf den Hintern. All das bekommt Ihr auch ohne Stimme hin. Sogar, wenn die Tiere hier Kutschpferde sein sollten.« Er gab ihr die Tafel zurück. »macht Euch keine Sorgen, wir bekommen Euch schon zurück. Zur Not führe ich Euch.«

Über den Hof kam Snydex mit einem weiteren Mann auf sie zu.
»Innos auch mit Euch«, erwiderte Red dem Fremden, der sie beide mit seiner Fragerei überfallen hatte. »Habt dank der Nachfrage, wir hatten eine gute Reise und freuen uns auf eurem Gut willkommen zu sein.« Seine Stimme klang kühl und aufgesetzt höflich. Auch wenn sie das Gut inzwischen erreicht hatten, so war seine Laune immer noch schlecht. Da kam ihm so ein Wichtigtuer gerade recht.
Er kam mit langen Schritten auf den Hofverwalter zu, baute sich zu voller Größe vor ihm auf und zog seine Reichsbürgerurkunde aus seinem Wams. »Hier, meine Papiere. Ich bin Weibel Redlef Cast von der Wache Thorniaras. Die Holde an meiner Seite ist Dame Ravenne, Ritterin des Ordens.« Seine Verletzungen und die Müdigkeit setzten ihm immer noch zu, doch er versuchte sich nichts anmerken zu lassen. Alles versteckte er hinter der Fassade des freundlichen Sarkasmus‘.
»Wir haben wichtige Informationen zum Schutz unserer schönen Heimat und müssen diese schnellstmöglich in die Stadt bringen. Dafür erbitten wir höflichst Eure Pferde, die wir selbstverständlich sofort zurück bringen lassen, wenn sie versorgt wurden. Darauf habt Ihr mein Wort. Das muss Euch als Beweis reichen.«
Nachdem der Mann, Red hielt ihn für diesen Pierre, seine Dokumente geprüft hatte, nahm er sie ihm ab und steckte sie zurück in seine Tasche. Red hakte seine Daumen in den Gürtel und blickte finster auf den Kerl hinab. »Solltet Ihr Euch jedoch verweigern, werde ich im Namen der Stadt die Gäule beschlagnahmen und ihr müsst die Konsequenzen Eurer Behinderung unserer Arbeit tragen.« Alle Freundlichkeit, auch die aufgesetzte, war aus seiner Stimme verschwunden. Hoffentlich kam das hier bald zu einem Ende.
Er hatte einfach keine Lust mehr!

Der Orden Innos
24.02.2016, 13:57
"Erst war ich gewillt Euch zu helfen, doch Ihr habt tatsächlich versucht mir, einem Feuermagier, zu drohen? Ich sehe das jetzt ganz einfach, ihr seht zu das ihr Land gewinnt und ich vergesse die Sache" , befahl der überhebliche Feuermagier.

"Aber...Pierre?", stammelte Snydex, der seinen Lehrer perplex ansah.

"Keine Widerrede. Dieses Papier könnt Ihr auch sonst wem abgenommen haben. Snydex, verabschiede dich von deinen "Freunden", sie sind hier nicht länger willkommen."

Snydex sah seinen Leher völlig verwirrt an. Es fiehl Pierre auch nicht leicht, solch harte Worte von sich zu geben. Aber der letzte Satz seines Gegenübers hatte ihn misstrauisch gemacht. Welcher Soldat sprach so mit einem Feuermagier? Es war zu riskant die Pferde her zu geben. Sollten diese nicht wiederkehren, dann würde Callindor ihm den Kopf abreißen.

"Wir sind hier fertig.", beschloss der Magier knapp und machte sich wieder daran, ins Haus zu gehen.
War es die richtige Entscheidung gewesen? Er war sich nicht sicher, doch er musste seinem Gefühl folgen. Und sein Gefühl sagte ihm, das die beiden nichts guten im Schilde führten.

Snydex

Snydex
24.02.2016, 14:05
Völlig außer sich sah Snydex seinem Lehrer hinterher und im Haus verschwinden.
Was war los mit ihm? So kannte er den sonst so freundlichen Magier gar nicht. Natürlich war Redlefs Kommentar absolut unangebracht gewesen, doch er konnte ihn verstehen. Er war verletzt, erschöpft und völlig fertig, genau wie Ravenne es war. Doch er konnte das nicht so stehen lassen.

"Kommt mit", flüsterte der Novize vorsichtig und machte sich auf den Weg zum Stall.

Er öffnete das Tor und deutete auf zwei Pferdeboxen. "Sattelt die Pferde und seht zu, das ihr Land gewinnt. Ich werde Pierre erzählen das ihr sie euch einfach genommen habt. Wenn eure Mission wirklich so wichtig ist, wie ihr behauptet, dann wird euch schon nichts geschehen. Wenn doch, dann wird Pierre euch schon finden." Ein schmunzeln folgte seinen Worten, ehe er noch einmal nach draußen lugte, ob Pierre sie beobachtete. "Bringt die Pferde aber wie versprochen wieder, sonst habe nicht nur ich ein Problem. Callindor wird auch Pierre zur Rechenschaft ziehen, wenn die Pferde länger weg sind und er es mitbekommt. Und entschuldigt bitte seine Art und Weiße, er ist eigentlich ganz umgänglich. Und jetzt seht zu das ihr verschwindet. Ich werde hinein gehen damit Pierre keinen Verdacht schöpft. Viel Erfolg auf eurem weiteren Weg. Innos mit euch!"

Mit diesem Worten verabschiedete sich der Novize und ging ebenfalls ins Haus zurück, um Pierre abzulenken. So würde er auch Snydex hoffentlich nicht verdächtigen, damit etwas zu tun zu haben.

Snydex
29.02.2016, 10:21
"Die Herrschaften sind nun weg", berichtete der Novize seinem Lehrer.
"Ich habe ihnen die Pferde überlassen, sie gaben mir ihr Wort, das diese schnellstens zurückkommen." Snydex war ein Novize des Feuer, lügen kam für ihn nicht in Frage. Und wenn er nun dafür die Strafe bekommen sollte, dann war es so. Pierre jedenfalls lief rot an.

"Du hast WAS getan? Ich hatte verboten, die Pferde zu benutzen." Pierre war in Rage, wütete umher. "Callindor wird mir den Kopf abreißen, wenn die Pferde nicht wieder auftauchen! Was hast du dir dabei gedacht? Du hintergehst mich, Callindor und alle anderen hier."

"Es war die richtige Entscheidung. Die beiden brauchten Hilfe, die du ihnen verweigert hast. Ihre Mission war wichtig. Auch wenn du ein Feuermagier bist, du hast geschworen in Innos' Namen zu handeln. Und das hast du nicht getan. Du hast nur an dich selbst gedacht." Die Stimme des Novizen war ruhig, ja fast schon provozierend. Doch war er sich sicher, das Richtige getan zu haben.

"Sieh zu das du verschwindest. Ich will dich hier nicht mehr sehen. Wenn die Pferde hier nicht wieder auftauchen, wirst du die Konsequenzen tragen. In zehn Minuten bist du hier raus. Packe deine Sachen und such dir jemand anderes, der dich unterrichtet." Mit diesen Worten wütete Pierre die Treppe nach oben und knallte seine Türe hinter sich zu. Enttäuscht ließ Snydex seinen Kopf hängen und seufzte.

Nachdem er seine wenigen Dinge zusammen gepackt und in einem Beutel verstaut hatte, verließ er das Gut in Richtung Thorniara. Er hoffte, das Redlef und Ravenne ihr Wort halten würde, sonst könnte sich Snydex bald vor Callindor verantworten müssen.

Snydex
01.03.2016, 09:53
Er war schon einige Zeit unterwegs, Thorniara sollte er binnen weniger Stunden erreicht haben, was ihm genügend Zeit gab, noch eine kurze Pause einzulegen.

Auch wenn Pierre ihn nicht mehr unterrichten würde, so wusste er dennoch das es noch einen weiteren Zauber zu erlernen gab. Er suchte sich eine kleine Stelle abseits des Weges und setzte sich vor einen Baum. Snydex war definitiv kein Freund von langen Fußmärschen, daher war es nicht wunderlich, das seine Füße sich schon beschwerten. Die Pause kam daher gerade Recht. Doch nutzte der Novize diese nicht zum faulenzen, sondern um den nun letzten Zauber zu üben. Er hatte diesen mittlerweile schon einige Male getestet, und es klappte schon gut.
Als Ziel wählte er einen faustgroßen Stein. Er schloss die Augen und ließ nicht wie sonst die Wärme in ihm auftauchen, sondern kanalisierte nur die pure Magie in seiner Hand. Diese richtete er auf den Stein, welcher nach einem kurzen Augenblick zu wackeln begann. Einen kleinen Moment später fing der Stein an zu schweben, bewegte sich auf den Novizen zu. Snydex breitete seine Handfläche aus und ließ den Stein auf einer Hand landen.

Er nickte zufrieden. Nun beherrschte er schon drei Zauber, ohne Callindors und Pierres Hilfe hätte er das niemals geschafft. Zukünftig musste er aber ohne deren Hilfe auskommen, doch war er überzeugt von sich selbst. Der Novize erhob sich und setzte seinen Weg fort, zurück nach Thorniara.

Maris
08.04.2016, 11:29
Als die Sonnenstrahlen sich langsam und mühevoll durch das dichte Blätterdach brachen, erwachte der Diener des Löwen. Sein Schlaf war ohnehin kein tiefer gewesen - den Luxus würde er sich hier nicht mehr leisten können. Und dennoch war der Ort, bis zu dem er sich nach dem schnell nach seinem Aufbruch erfolgten Einbruch der Nacht vorgewagt hatte, noch verhältnismäßig sicher, verglichen mit der Stadt selbst. Maris neigte seinen Kopf nach links und rechts, um seinem verspannten Nacken mit einem leisen Knacken zu etwas Erlösung zu verhelfen, und erhob sich, während er sich streckte. Er mochte Wälder nicht sonderlich, und je dichter sie waren, desto unlieber hielt er sich in ihnen auf - eine alte Angewohnheit eines Wüstenkindes, das die weiten Ebenen der Steinwüsten unter der gleißenden Sonne Varants gewöhnt war. Hier jedoch versprach jedes monströs geartete Blatt, jeder wuchernde Farn ein wenig mehr Sicherheit vor den Echsen, die sich in kleinen Gruppen überall in der Umgebung herum zu treiben schienen.
Am Vorabend, als er Setarrif auf leisen Sohlen verlassen hatte, war ihm die Tageszeit zur Hilfe gekommen. Im Schutze der Dunkelheit hatte sich das unbemerkte Voranschreiten als geringes Problem herausgestellt - andererseits hatte Maris auch bei weitem nicht so viel über Zahl und Organisation der Echsen herausfinden können, wie er gerne gewollt hätte. Doch dafür war später immer noch Zeit.

Brummend entnahm er seinem kleinen Proviantbeutel einige Früchte und spülte mit einem Schluck Wasser nach, bevor er sich auf den Weg machte. Er wollte den Dschungel auf der Suche nach Panthern durchqueren, sich wenn nötig auch bei anderen Tieren durchfragen. Eigentlich erwartete er sich davon keine großartig neuen Informationen, doch er hatte es Suzuran versprochen. Blieb nur zu hoffen, dass die Druidin sich im Gegenzug tatsächlich um das Biest kümmerte, das die Verbreitung der Panther im Gebirge Westvarants forciert und damit den Bruderzwist unter den Löwenfürsten provoziert hatte.
"Na dann wollen wir mal..."

Maris
11.04.2016, 00:55
In kurzen Atemzügen sog er den zweifelhaften Duft ein und kam zu dem Schluss, dass er dicht an seinem Ziel war. Der Kot war noch frisch, das Gebiet war vor nicht allzu langer Zeit erst von einem größeren Exemplar markiert worden. Das deckte sich mit den Eindrücken, die er aus der Befragung einiger Vögel gewonnen hatte, die einen tödlichen Schatten durch das Unterholz gesehen haben wollten - zumindest hatten sich die Bilder und Gefühle, die er von ihnen wahrgenommen hatte, so am einfachsten interpretieren lassen. Maris erhob sich von der unscheinbar wirkenden Kotspur und setzte sich wieder in Bewegung. Das Revier einer Katze war gefunden, sie war nahe... nun musste es nur noch die richtige Art sein.
Etwas unschlüssig blickte der Nomade auf das Stück Baumrinde, auf das er das Zeichen des Löwen geritzt hatte. Er war sich sicher, dass ein Aufeinandertreffen mit einem Panther zunächst in einem Kampf enden würde, den er für sich entscheiden musste, und dazu war es ratsam, auf die Kraft der Magie zu vertrauen. Sein Schwert würde ihm hier nicht viel nützen. Mit dem geistigen Vermerk, sich endlich ein Accessoire zuzulegen, auf dem er das Zeichen dauerhaft eingravieren lassen konnte, um nicht immer auf solche Behelfe zurückgreifen zu müssen, arbeitete er sich langsam durch das stockdunkle Dickicht. Er konnte Wälder nicht ausstehen, aber der Dschungel Setarrifs setzte jeder grünen Hölle noch einmal die Krone auf. Seine Augen waren so gut wie nutzlos. Nur gut, dass er sich noch nie ausschließlich auf sie verlassen hatte.

Ein Rascheln ließ den Löwendiener erstarren. Irgendwo vor ihm hatte sich etwas in den Büschen geregt. Wie einen Schild hob er die dünne Borke mit dem magischen Zeichen in die Höhe und tastete unweigerlich nach dem Griff seines Schwertes, wenngleich er es vorerst in der Scheide beließ. Mit flachem, ruhigem Atem drückte er sich langsam an einen Baum und versuchte, auf verräterische Anzeichen fremder Anwesenheit zu achten.
Stille.
Gerade wollte er es wieder wagen, sich zu regen, da sah er es: an einer winzigen Stelle, an der das dichte Blätterdach einen Hauch von Mondlicht auf den Boden hindurch ließ, huschte lautlos ein noch schwärzeres Dunkel vor der Finsternis, nur einen kurzen Moment lang. Der Jäger hatte seinen Ausblick verlassen und war in Stellung gegangen. Zumindest so viel wusste Maris über die fremdartigen Cousins der Löwen: sie nutzten die Bäume für ihre Jagd, warteten, lauerten im dicht bewachsenen Geäst, ließen die Beute zu sich kommen. Wenn der richtige Augenblick gekommen war, verließen sie ihren Hochsitz - nur selten im direkten Sprung auf das Opfer, zu riskant wäre das Manöver - nein, sie kehrten schleichend auf ebene Erde zurück, im Schutz des Gewächses, das sie zuvor erklommen, und vollbrachten dann ihr blutiges Werk auf klassischem Wege.

Maris war nicht das Ziel dieses Angriffs. Er war zwar nahe genug an die Szenerie herangeschlichen, um den Hauch einer Ahnung davon zu erhaschen, was geschah, doch das Opfer musste sich näher am Jäger befinden, um den Abstieg wert zu sein. Der Nomade machte sich keine Illusionen darüber, ob er immer noch unentdeckt war - er kannte die Wahrnehmung von Katzen gut genug um zu wissen, dass der dunkle Jäger seiner Anwesenheit längst gewahr geworden war - doch entweder musste die Beute das Risiko einer nahen Gefahr wert sein, oder er war als unbedenklich eingestuft worden.
Die Erfahrung sagte ihm, dass es Ersteres sein musste. Katzen waren umsichtige und bedachte Jäger, die lieber einen Fehlversuch hinnahmen, als eine unnötige Gefährdung in Kauf zu nehmen. Es war die simple Abwägung von Risiko und Nutzen: einen halben Tag länger hungern, oder eine Verletzung riskieren, die den Tod bedeuten konnte... wer würde da nicht Vorsicht walten lassen?

Plötzlich ging alles ganz schnell: die Sträucher erbebten unter dem plötzlichen Angriff des Jägers, der überraschte Ruf eines Wesens, das wie ein Scavenger anmutete, erfüllte einen Moment lang die Nacht, bevor er erstickt wurde, dann raschelte das Gebüsch noch einige Male, bevor Stille einkehrte. Maris verharrte bewegungslos, ließ den Jäger gewähren, sammelte aber bereits seine magische Energie im Zeichen des Löwen. Er war nicht überrascht, als plötzlich ein haarsträubendes Fauchen vor ihm ertönte - eine eindeutige Warnung! Als er genügend Kraft in das Zeichen investiert hatte, richtete er sich unerschrocken auf und trat ganz langsam einen Schritt in Richtung des Geräusches. Der Umriss des Panthers war schwer auszumachen, doch Maris konnte zumindest die Position ungefähr erahnen. Er sandte seine Magie aus, um den Jäger in der Seele zu berühren - der Versuch war zwecklos, das Gegenüber zu angespannt.
In einem neuerlichen Versuch verströmte er einen Geruch, den er bereits ganz ähnlich in Varant zur Beruhigung von Löwen verwendet hatte - einen Duft von Ruhe und Geborgenheit. Die Lage schien sich ein wenig zu ändern, die Anspannung aus der Luft zu verschwinden. Ein neuer Versuch, das Gegenüber zu berühren. Immer noch sträubte sich der Panther, doch sein Argwohn hatte nachgelassen und schließlich ließ er den Kontakt zu.
Mit aller Ruhe, die er in sich verspürte, und dem Vertrauen in seine Fähigkeiten sandte er die Botschaft, dass er ein Freund war, helfen wolle. Maris dachte an Suzuran, versuchte das Gefühl zu vermitteln, dass er mit ihr verband, einen Eindruck von dieser mächtigen Freundin zu geben, die dem Panther eine Mutter im Geiste war.
"Ich bin ihre Freund. Dein Freund. Ich will helfen...", murmelte der Nomade und lächelte in die Dunkelheit.
"Friss in Ruhe deine Beute - ich werde dich vorerst allein lassen."
Langsam zog er sich zurück, froh darüber, dass er das Zeichen des Löwen nicht hatte einsetzen müssen. Es war eine Versicherung, ja, aber sein Einsatz wäre ein Eingeständnis des Scheiterns gewesen. Geduld und Vertrauen mussten das Fundament dieser Bindung sein. Darin waren sich die Katzen gleich, auch wenn die Panther des Dschungels sich in so vielen Punkten von den Löwen Varants unterschieden.

Ein erster Erfolg war erzielt, eine lehrreiche Erfahrung gemacht.
Und ein Versprechen wurde endlich eingelöst.

Maris
16.04.2016, 13:39
Regen tropfte von der Nase des Nomaden, als er still an der Stelle stand, an der er auf den Panther getroffen war. Nur ein magisch begabtes Wesen hätte bemerkt, dass er nicht einfach nur so stand, sondern dass Einiges an Magie in ihm wirkte. Er sandte die gleichen Gerüche aus, die er bei der ersten Begegnung mit dem schwarzen Jäger genutzt hatte, doch diesmal investierte er weitaus mehr Kraft, denn er wollte auf sich aufmerksam machen. Der alltäglich nachmittäglich einsetzende Niederschlag half dabei nicht sonderlich, doch zum Glück für Maris gönnte sich das feuchte Mistwetter eine kurze Erholungspause vor dem nächsten Guss.
Es war Zeit, einen Bund zu schmieden, einen Bund der Katzen gegen die Echsenkrieger. Nach seinem Treffen mit dem Panther hatte Maris seine Mühen auf das Auskundschaften der Echsen konzentriert und hatte gleich mehrere kleinere Trupps sowie ein Lager - wenn man die Anhäufung der skelettierten Überreste der vielen Opfer dieser Biester denn so bezeichnen mochte - ausfindig machen können. Der Wald wurde immer und immer wieder von der Brut des Drachen durchkämmt und jedes größere Tier, dem es nicht gelang, seine Anwesenheit zu verbergen, war des Todes, wenn die geschuppten Schlächter kamen.

Der Diener des Löwen hatte nicht mehr viel Zeit bis zum großen Treffen beim nächsten Vollmond in Thorniara, und so musste nun endlich gehandelt werden. Der Plan war simpel, würde seinen Effekt aber hoffentlich nicht verfehlen. Und ein erster Schritt dessen war, die bestehenden Kräfte zu sammeln. Maris hoffte inständig, dass seine Versuche, den Panther dieses Reviers anzulocken, nach ihrer ersten Begegnung von Erfolg gekrönt wären - immerhin war er noch nicht völlig vertraut mit diesen fernen Vettern der Löwen, die sich in manchen Dingen doch völlig anders verhielten.
Ein Rascheln zog seine Aufmerksamkeit auf sich - mochte er das sein? Plötzlich ein weiteres Geräusch, noch eines - mit einem Schlag schienen rings um die gesamte Lichtung Wesen aufzutauchen. Hatten die Echsen ihn etwa entdeckt und eingekreist? Langsam schlossen sich seine Finger um den Griff seines Degens, der Blick huschte aufmerksam umher. Doch was er dann sah, ließ ihn jeden Gedanken an Kampf für einen Moment vergessen. Stolz, erhaben, mit misstrauischen Blicken in Richtung ihrer Begleiter schritt ein knappes Dutzend schwarzer Jäger aus dem Dickicht hervor, angelockt von der Magie des Nomaden, und blieben in vorsichtigem Abstand zu ihm und den anderen Katzen stehen. Die Panther waren unruhig, aber entschlossen, und das Treffen mit dem Einen schien eine größere Wirkung gezeigt zu haben, als er dachte. Dem ersten Eindruck nach handelte es sich zu großen Teilen um Weibchen, doch es hatten sich tatsächlich zwei andere Männchen in das Territorium des Anderen gewagt, und für den Moment schien er es zu tolerieren.
Zufrieden lächelnd wandte sich Maris dem Panther zu, den er bereits getroffen hatte, und ließ seine magische Energie wie feinen Sand zu ihm hinüber rieseln, um seinen Geist zu berühren. Er zeigte ihnen Bilder von den Echsen, Eindrücke aus dem Lager im Osten, wo der Urwald ein wenig lichter war, und versuchte erneut, deutlich zu machen, dass er ein Freund der großen Pantherfrau war. Langsam ging er reihum, nahm Kontakt zu jedem Einzelnen von ihnen auf, versuchte sie still zu überzeugen, dass sie zusammen kämpfen mussten - nur für den Moment, für das eigene Wohl. Doch es brauchte nicht viel Überzeugungskraft: die Katzen wussten selbst, welche Gefahr ihnen drohte. Maris hatte die Skelette einiger ihrer Artgenossen gesehen und mancher von ihnen hatte die Bedrohung bereits selbst aus nächster Nähe erlebt.

Als sich Maris an der Spitze einer Gruppe tödlicher Jäger den Weg durch das Dickicht bahnte, wollte sich ein Hauch von Unsicherheit in seinem Inneren ausbreiten, doch er ließ das Gefühl nicht zu. Er musste nun darauf vertrauen, dass sein Wissen um die Natur dieser Jäger und die Überzeugungskraft seines Willens ausreichen würde, um die Panther und sich selbst für diesen Kampf aneinander zu schmieden. Die Gewissheit, dass irgendwo in seinem Geist der Große Löwe ruhte und im Zweifel jederzeit hervorbrechen konnte, wenn sein Leben in Gefahr war, machte die Sache da natürlich erheblich einfacher.
So zog der Löwenkrieger als Führer der Panther in den Kampf, um den Schrecken über die Echsen zu bringen. Wenn sein Plan gelänge, würden die Bewohner des Dschungels am Ende dieses Tages wieder freier atmen können...

Maris
16.04.2016, 21:04
In stillem, aber regem Treiben agierten die Echsenmenschen in dem kleinen Lager, das sie am Rande des undurchsichtigen Dschungels errichtet hatten. Ihre Aufgabe war nicht mehr und nicht weniger als die Sicherung dieses Landstrichs der Insel - sie waren aus den Schatten gekommen ins Licht, und nun würden sie sich aus ihrem neuen Heim nicht mehr verdrängen lassen. Problemlos hatten sie, die Legion waren, im Schatten des großen Drachen die Stadt der Menschen erobert, ohne wirkliche Gegenwehr hatten sie die letzten Versprengten dahingemetzelt, mit ruhiger Überlegenheit hatten sie die Bewohner des dicht bewachsenen Umlandes - zweibeinige wie vierbeinige - beseitigt. Und es schien ein ruhiger Abend wie jeder andere zu sein. Doch der Schein trog.

Nichts kündigte den verheerenden Angriff der Katzen an, der wie ein Sturm über sie hereinbrach. Maris und seine Verbündeten warteten bis zum schnell verlaufenden Sonnenuntergang, bevor sie das Wagnis eingingen. Allein trat der Nomade hervor, der Degen ruhte in der Scheide. Nur ein dünnes Rindenblatt mit obskurer Zeichnung hielt er vor sich.
Ob die Echsenkrieger tatsächlich wie andere Wesen fühlten, wusste niemand, doch zumindest ansehen konnte man ihnen die Überraschung nicht. Wie ein Mann erhob sich die geschuppte, zwanzigköpfige Meute, griff zu den rostigen, groben Hackmessern und Beilen und stürmte auf Maris zu. Der Nomade wich kein Stück zurück, griff nicht zur Waffe. Doch als die Echsen nur noch wenige Schritte von ihm entfernt ihre Waffen in die Höhe rissen, streckte der Löwenkrieger das Zeichen vor.
Aus dem Nichts sprang die geisterhafte Gestalt eines Löwen hervor und riss mit ausgestreckten Pranken zwei der Echsen nieder - und im selben Augenblick brach eine schwarze Welle aus dem Unterholz hervor. Zehn Panther stürzten sich wie ein todbringender Schatten auf die völlig unvorbereiteten Echsenmenschen, schlugen Wunden, rissen Fleisch. Nun zog auch Maris den Degen und stieß den kalten Stahl in die beiden am Boden liegenden Opfer des Geistes, um sich sofort weiteren Gegnern zuzuwenden. Das Schlachtfeld lag in völligem Durcheinander, ringsum kämpfte jeder um sein eigenes Leben. Doch die Auseinandersetzung währte nur wenige Augenblicke: die Echsen zeigten weitaus weniger Entschlossenheit und Kampfwillen als bei der Eroberung Setarrifs, als sie gepeitscht vom puren Willen des Drachen ohne zu zögern in den Tod gegangen waren. Vier der Echsen stürmten in die Dunkelheit davon. Zwei Panther jagten ihnen im Jagdtrieb hinterher, zwei andere hatten den Angriff nicht überlebt. Ein weiterer kämpfte mit einer schweren Wunde, die ihm vermutlich das Leben kosten würde.

Der erste Schlag war getan, ein erster Erfolg erzielt. Doch die Verluste würden schwer wiegen im Kampf gegen die geschuppten Invasoren...

Maris
17.04.2016, 04:51
Die beiden Verfolger waren schnell zur Gruppe zurückgekehrt, und das mit schlechter Kunde. Maris sah es in ihrem Geiste, als er den Kontakt zu ihnen suchte: zwei der Echsen waren entkommen und hatten einen zweiten Trupp erreicht, der fast drei Dutzend Krieger umfasste und trotz der Dunkelheit zum direkten Gegenschlag ausholen wollte. Eine erneute direkte Konfrontation wäre das reinste Himmelfahrtskommando - eine andere Lösung musste her.
Der Diener des Löwen bedeutete den Panthern, die aufgrund des ersten Erfolges tatsächlich für den Moment seinen Gedanken zu folgen schienen, dass er sich zunächst bedeckt halten und der direkten Konfrontation aus dem Weg zu gehen würde. Wenn ein direkter Kampf keinen Erfolg brachte, musste der Feind aufgeteilt und in Angst und Schrecken versetzt werden. Maris plante, sie lauern, den Echsen unbemerkt zu folgen und nur zuschlagen zu lassen, wenn einzelne Opfer sich zu weit von der Gruppe entfernten. Dafür, dass das geschah, würde er schon irgendwie sorgen. Leider jedoch konnte er nicht mehr tun, als ihnen die grobe Idee mitzuteilen. Die magische Verbindung der Tierzunge machte es ihm leider nicht möglich, Befehle zu erteilen, so willig das Gegenüber auch sein mochte, und so musste er darauf hoffen, dass die schwarzen Jäger von allein verstanden...

Und sie mussten tatsächlich nicht lange warten, bis die Echsenkrieger in großer Zahl zum überrannten Lager zurückkehrten. Maris hatte sich ins Dickicht begeben und sah aus sicherer Entfernung zu, wie die Biester den verletzten Panther, den die Gruppe der Katzen zurückgelassen hatte, ohne zu zögern töteten. Das Mitleid der anderen Tiere würde sich ob des verlorenen Rivalen vermutlich in Grenzen halten - so war die harte Realität der Wildnis. Wild entschlossen sicherten die Echsen das ohne Kampf zurückgewonnene Lager, stellten Wachen auf und betrachteten die Spuren des blutigen Kampfes.
Aus dem Zischen der Krieger war natürlich kein Wissen zu erlangen, doch schnell wurde klar, dass eines der Biester eine Autorität über die anderen ausstrahlte, die es deutlich als den Befehlshaber des Trupps auszeichneten. Dieser Krieger war das Ziel des Nomaden. Unbemerkt ließ er seine Magie fließen und nahm Kontakt zum Verstand der Echse auf, berührte seine Seele und pflanzte einen fürchterlichen Samen der Angst. Der Anführer der Echsen spürte, dass etwas nicht stimmte, und blickte misstrauisch um sich, doch der Zauber war zu subtil. Es dauerte einige Momente, bis der manipulierte Verstand dem Opfer einflüstern würde, dass die Bäume Augen hatten, dass jede ihrer Bewegungen beobachtet würde - was ironischerweise sogar stimmte.

Ein ruckartiges Rascheln am anderen Ende der Kreuzung und eine plötzlich herabfallende und auf dem feuchten Grund erlöschende Fackel bedeuteten Maris, dass die Panther ihr grausames Werk wie erhofft fortsetzten. Einige der Krieger am Rand des Lagers, die zur Sicherung postiert worden waren, fanden ihr lautloses Ende, und die Katzen verschwanden ungesehen erneut im Dunkel. Der Samen keimte, die Furcht bahnte sich ihren Weg in das kalte Herz der Echse - und die wichtige Erkenntnis, dass auch diese Wesen fühlten, wurde erlangt. Um Haltung bemüht zischte er seine Anweisungen, doch die Verstärkung der Sicherungstrupps am Rande des Lagers und die Tatsache, dass er es nicht wagte, Patrouillen in die dichter bewachsenen Teile des nahen Waldes zu schicken, zeigten seine Nervosität nur zu deutlich.
Nun war es Zeit für den nächsten Teil seines Plans. Bisher gänzlich unbemerkt von den Echsen hatte Maris das Zeichen des Löwen auf dem schlammigen Boden des Lagers hinterlassen, das der Anführer nun zischend und gestikulierend durchquerte. Still und konzentriert ließ der Nomade nun seine Magie in das Zeichen fließen, speiste seine Kraft und Energie in die Falle. Und gerade als ein Tumult durch den Angriff der Panther an einem anderen Ende des Lagers ausbrach und die befehlshabende Echse nervös in die Richtung des Lärms hechtete, schlug er erneut zu: die geisterhafte Gestalt einer Löwin sprang aus der Dunkelheit hervor und sprang ihrem Opfer mit erbarmungsloser Wucht in den Nacken. Die mächtigen Kiefer schlugen in den Hals und die Wucht des Aufpralls riss den Anführer zu Boden, doch die Attacke tötete ihn wie erwartet nicht.

Maris brauchte einen Moment, um seine Kräfte neu zu sammeln. Zeit genug für die Echse, um sich - trotz des Schuppenpanzers von der Verletzung gezeichnet - mühevoll wieder aufzurappeln. Der Geist war so schnell verschwunden, wie er gekommen war, und zurück blieb nur die Angst. Nun griff der Nomade auf einen der ersten Zauber zurück, die er erlernt hatte. Erneut ergriff er mit Hilfe seiner Magie die Seele seines Opfers, das schon zu sehr mit seiner eigenen Sicherheit beschäftigt schien, um die Ordnung der Echsen aufrecht zu erhalten, und verstärkte die Emotionen des Anführers der Echsenmenschen. Der Effekt hielt nur kurz, doch er war verheerend für die Angreifer: von purer Angst ergriffen scharte der Befehlshaber eine Handvoll Krieger um sich und flüchtete geradezu gen Osten, in Richtung der Klippen und des lichteren Baumwuchses. Doch Maris kam nicht dazu, sein weiteres Vorgehen zu überdenken, denn just in diesem Moment hielt eine der patrouillierenden Gruppen genau auf sein Versteck zu.
So ein Dreck! Warum gerade jetzt?
Er wusste, dass er seine Position nicht verlassen konnte, ohne entdeckt zu werden. Es blieben nur zwei Möglichkeiten: aufrecht kämpfen und zugrunde gehen, oder geradewegs in de Dunkelheit flüchten und hoffen, dass er im stockfinsteren Dickicht nicht geradewegs in eine Falle tappte.

Seine Wahl fiel auf Letzteres. Mit aller Geschwindigkeit, die er nach so langem Verharren im Gebüsch aufbringen konnte, zwang er seine steifen Glieder dazu, sich zu regen, und sprang auf. Augenblicklich entdeckten ihn die Echsen und stürmten auf den Eindringling zu, der bereits die erste Attacke auf ihr Lager angeführt hatte. Mit vor das Gesicht erhobenen Armen stürzte der Nomade los in die Dunkelheit.
Der Jäger war zum Gejagten geworden.

Maris
17.04.2016, 05:25
Atemlos hechtete der Löwenkrieger durch das beklemmend enge und finstere Dickicht und schlug mit beiden Händen unentwegt Sträucher und Lianen beiseite, um sich immer weiter hinein in die Dunkelheit des Urwaldes flüchten zu können, bevor seine Verfolger ihn in die Klauen bekamen. Er wusste: würde er dieses Rennen verlieren, wäre das sein Ende. Die Echsen kannten keine Gnade, würden ihn an Ort und Stelle in Stücke hacken. Die Gewissheit, dass er so gewaltige Unordnung in die Reihen der Echsen gebracht und so große Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte, dass die Panther ihre Heimat nun selbst zurückerobern konnten, war da nur geringer Trost. Denn das Rascheln der grobschlächtigen Masse der Verfolger war so nah und direkt, dass er jeden Moment mit einem entscheidenden Axthieb in den Rücken rechnete.
Langsam, aber sicher verließen Maris die Kräfte. Es gelang ihm nicht, genug Abstand zwischen sich und seine Verfolger zu bringen, und sie waren definitiv zu viele für eine Konfrontation, zumal er viel zu erschöpft dafür war. Das hier konnte nicht gut enden, es musste in einem Desaster zu Ende gehen!

Plötzlich erblickte er vor sich Felsen - das Ende des Weges. Er hatte eine Sackgasse erreicht, konnte nicht mehr fliehen. Die Jagd war war vorbei. Doch in ihm steckte eine zu große Kämpfernatur, um nun einfach aufzugeben. Wild entschlossen zog er seinen Degen und wandte sich den Verfolgern entgegen.
Die Echsen ließen ihm nicht die geringste Zeit, auch nur die Lage zu überblicken, denn sie wollten ihn einfach nur tot sehen. Die erste Echse stürmte mit aller Wucht und hoch gerissenem Hackmesser auf den Nomaden zu, der nicht mehr tun konnte, als den enormen Reichweitenvorteil seines Degens nutzend die schlanke Klinge nach vorn zu strecken. Der Stich traf, bohrte sich erstaunlich widerstandslos in den Körper des Angreifers und genügte zumindest, den Angriff abzuwehren. Sofort begab er sich in Verteidigungsposition zurück und nutzte einen Baum, um zusätzliche Deckung zu erlangen. In den wenigen Augenblicken vermeinte er gut ein halbes Dutzend Echsen zu zählen, doch hatte er weder Zeit noch Muße, genauere Erkundungen anzustellen, denn schon musste er sich den Attacken zweier weiterer Echsen entziehen. Er flüchtete sich geradewegs in den Hieb eines anderen Angreifers hinein, und nur ein geistesgegenwärtiger Ausweichversuch sorgte dafür, dass die schmutzige Klinge ihm in den Oberarm schnitt, statt seine Kehle zu durchtrennen.

Gleißend zuckte der Schmerz durch den Verstand des Löwenkriegers. Nur mit Mühe hielt er den Degen fest, doch mit diesem Treffer war der Kampf im Prinzip vorbei. Maris flüchtete sich zurück bis an den Felsen, und erst jetzt sah er alle sieben Angreifer, die sich zum Halbkreis aufgefächert näherten, um ihm keine Chance zur Flucht zu lassen. Es war vorbei. Der Nomade erwartete den finalen Stoß.
Doch plötzlich übertönte ein grollendes, tiefes Knurren den Lärm dieser Hatz. Die Echsen wandten sich der Quelle dieses Geräusches zu, aber es war zu spät: wie eine monströse Verkörperung der Dunkelheit selbst schoss eine Bestie auf die geschuppten Krieger zu, riss drei von ihnen mit einem einzigen Stoß von den Beinen und schlug seine Fänge in einen vierten. Mit einer unfassbaren Kraft und Brutalität schleuderte das Monstrum den Echsenmenschen hin und her, bevor es den leblosen Körper wie eine Puppe ausspuckte und sich den anderen Kriegern zu wandte. Die Konturen dieses Wesens schienen klar umrissen und doch wieder völlig undeutlich zu sein, als verbarg sich das eigentliche Tier in einem Mantel aus Schatten. Die schrecklichen, leuchtenden Augen und die langen, weißen Zähne des aufgerissenen Mauls waren das Einzige, das man mit Sicherheit ausmachen konnte.
"Schattenläufer..."
Einen nach dem Anderen riss die Bestie in Stücke, erneut waren die Jäger zu Gejagten geworden. Maris sah, dass zwei der Echsen Reißaus nahmen, und tat es ihnen gleich. Mit letzter Kraft und einem Gefühl, als würde er jedem Moment seine brennende Lunge ausspeien, schleppte er sich durch die Finsternis, zurück in Richtung des Echsenlagers. Er und die Panther hatten den Echsen den Schrecken des Dschungels zeigen wollen, und nun hatte sich der tatsächliche Schrecken, der Herrscher dieses Waldes, offenbart. Der Macht des Schattenläufers waren diese Kreaturen nicht gewachsen, nicht ohne Führung, und wenn einige Echsen diese Nacht des Schreckens überlebten, dann nur, weil sie genügend Glück hatten, sehr schnell sehr viel Abstand zwischen sich und den fleischgewordenen Tod aus dem Dschungel zu bringen...

Maris
17.04.2016, 14:52
Der Schauplatz des großen Kampfes war ein blutiges Schreckensbild. Die Leichen der Echsenmenschen lagen überall verstreut, mit klaffenden Wunden und zum Teil herausgerissenen Fleischstücken. Erstaunt über die Wucht der von ihm ausgelösten Rache des Dschungels an den Dienerkreaturen des Drachen schritt Maris in dem toten Lager umher, betrachtete die Leichen und zählte die Opfer auf Seiten der Tiere.
Nicht alle Panther hatten den Kampf überstanden: insgesamt war am Vortag mindestens die Hälfte von ihnen gestorben im Kampf für ihre Freiheit und ein ungestörtes Leben. Es war ein zu erwartender Preis gewesen, vielleicht sogar ein kleiner angesichts der Schrecknis, die sie unter den Echsen ausgelöst hatten, und dennoch waren dies Verluste in der Population der schwarzen Katzen, die für diesen Teil des Dschungels schwer wogen. In wenigen Jahren aber würden Artgenossen aus tieferen Teilen des Urwaldes die Reviere der verschiedenen Katzen einnehmen und das Leben seinen gewohnten Gang gehen. Über Gedeih und Verderb einer Tierart wurde nicht in einer einzigen Nacht entschieden.

Nicht sonderlich überrascht stellte der Nomade fest, dass einige der Bissspuren an den Leichen der Echsen nicht zu den schwarzen Katzen passten. Sie waren zu groß für die vergleichsweise kleinen Köpfe der Jäger.
"Der Schattenläufer ist also tatsächlich bis in das Lager gestürmt..."
Das erklärte wohl auch, warum manche der Leiber bereits zu großen Teilen aufgefressen waren. Der Schattenläufer hatte das Festmahl dankend angenommen und die Schwäche der Echsen gnadenlos ausgenutzt. Der fürchterliche Schatten hatte sich seinen Teil geholt.
Unzufrieden stellte Maris fest, dass er selbst einen mörderischen Hunger hatte und dingend etwas Essbares brauchte. Kurz überlegte er, ob er sich nun tatsächlich auf die wenig aussichtsreiche Suche nach Früchten oder Ähnlichem machen sollte, entschied sich dann aber dagegen. Er zückte sein Jagdmesser aus magischem Erz und machte sich auf die Suche nach einer möglichst unversehrten Leiche. Im Zweifel musste man sich eben mit Echsenschenkeln zufrieden geben. Nun brauchte er nur noch ein kleines Feuer - und vor allem musste er sich endlich um die höllisch schmerzende Wunde an seinem Arm kümmern, bevor ihm das Ding abfaulte. Ein Fetzen seiner dreckverschmierten Nomadenkluft war eben nicht einmal als provisorischer Verband eine sonderlich gute Wahl...

Maris
18.04.2016, 23:46
Mit kritischem Blick kaute der Diener des Löwen auf einem gut durch gebratenen Echsenschenkel herum. Ein wenig hatte er ja darauf gehofft, dass man sich mit der Zeit an den merkwürdigen Geschmack und die Zähigkeit des faserigen Fleisches unter der dicken Schuppenschicht gewöhnte, doch vermutlich dauerte es länger als nur einen Tag, um jeden Sinn für guten Geschmack restlos abzutöten. Doch in der Not fraß Beliar Blutfliegen und immerhin schienen die Biester nicht giftig zu sein.
Das Lagerfeuer war längst kalt, denn der Mond war bereits voll genug, um die Lichtung, auf der das tote Lager stand, ausreichend beleuchten zu können, und er wollte die Bewohner des Waldes nicht durch das offene Feuer vertreiben. Tatsächlich schlichen bereits einige Tiere in der Nähe herum und labten sich an den Kadavern der Echsen - die Natur ließ nichts verkommen und auf diese Weise konnten die Kreaturen des Drachen der Umwelt doch noch etwas gutes tun. Auch die verendeten Panther fielen diesem Kreis zum Opfer, doch in der Wildnis gehörte der Tod nun einmal zum Leben dazu.
Von Maris schienen die hungrigen Aasfresser nicht einmal Notiz zu nehmen.

Der Nomade schleuderte den Knochen mitsamt der Fleischreste daran in die Dunkelheit - irgendjemand würde sich sicherlich um die Endverwertung kümmern - und widmete sich seinem neuen Verband. Ein wenig Improvisation musste zwar her, um den tiefen Schnitt zumindest halbwegs vernünftig zu versorgen, doch mit ein wenig Zeit und Mühe hatte er wohl das Beste im Rahmen seiner Möglichkeiten herausgeholt. Zum Glück hatte Aniron ihm einen kleinen Vorrat hilfrelcher Kräuter mitsamt Instruktionen auf die Reise mitgegeben - so hatte Maris das Grünzeug leicht zerkaut und anschließend den mit frischem Bachwasser gesäuberten Schnitt mit der grünen Paste bedeckt. Anschließend hatte er aus einem Bananenblatt Streifen gerissen und damit die Wunde fest verbunden. Leider war er entweder zu ungeschickt oder die Angelegenheit mit einer Hand doch ein wenig zu schwer zu bewerkstelligen, und so rutschte das Konstrukt immer wieder von Ort und Stelle.
Knurrend zurrte Maris den Verband wieder zurecht und erhob sich schließlich, um sich ausgiebig zu strecken. Hier gab es für ihn vorerst nichts mehr zu tun. Die Präsenz der Echsen am Tor zum Dschungel war vorerst gebrochen, und insofern eine der Echsen sich zurück in die Stadt gerettet hatte, würde sich - so hoffte er - die Kunde vom Schatten des Waldes verbreiten, der Angst, Schrecken und Tod mit sich brachte. Es war keine endgültige Lösung - vermutlich würde nur ein Sieg über den Drachen die Schuppenkriecher wieder vom Antlitz der Insel tilgen - doch zumindest würden die Bewohner des Dschungels vorerst wieder frei umherwandeln können.

Einen letzten Blick warf er über die grausig aussehende Lichtung, die im Lichte der Ereignisse dennoch eine seltsame Euphorie bei ihm auslöste, dann machte sich der Löwenkrieger auf den Weg zurück in Richtung Setarrif. Wenn das Abenteuer schon ein Sprung ins Dunkel war, dann erwartete ihn in der Stadt, die nun dem Drachen und seiner Brut gehörte, tiefste Schwärze. Die Höhle des Löwen war der letzte Ort, an dem ein Mensch, der an seinem Leben hing, sein wollte.
Und er wollte bis in die tiefste Kammer dieser Höhle - zum Hort des Drachen.

Tinquilius
28.04.2016, 13:23
Lange hatte er gebraucht, um aus den Schwarzen Schluchten hinauszukommen. Als die ersten Sonnenstrahlen des beginnenden Morgens sein Gesicht berührten, hatte er endlich diesen gefährlichen Teil der Reise hinter sich gebracht. Dabei war er keiner Menschenseele begegnet, auch keinem dämonischen Wesen oder einer Feuerechse. Das mochte an seinem vorsichtigen Handeln gelegen haben, vielleicht war es aber auch schlichtweg Glück. Wer wusste das schon. Wichtig war eines: Er hatte den Dschungel erreicht und war seinem Ziel einen Schritt näher.
Stunden später, ungefähr zur Mittagszeit, befand sich der Oberste Wassermagier wieder auf dem Weg. Er hatte nach der Ankunft im Dschungel ein kleines Nickerchen gehalten in einem Baumwipfel, um wieder fitter zu werden. Das hatte er auch tatsächlich geschafft, auch wenn er gestehen musste, dass ein wenig mehr Schlaf nicht geschadet hätte – oder ein weiches Bett in einem sicheren Ort. Denn obwohl er, so glaubte er wenigstens, durchgeschlafen hatte, wusste er, dass er sicherlich mehrfach wach geworden war aufgrund von irgendwelchen Geräuschen. Er war es nicht gewöhnt in der freien Wildnis zu schlafen, vor allem nicht im Dschungel südlich Setarrifs, der bereits ohne Echsenmenschen gefährlich genug war. Von diesen hatte er bislang aber noch keine gesehen, ein Glück.
Schritt für Schritt folgte er dem kleinen Pfad durch den Dschungel. Er hatte den breit ausgetretenen Weg sogleich verlassen und war nun auf dem kleinen Trampelpfad, den man auch problemlos übersehen konnte, wenn man nicht wusste wonach man Ausschau halten sollte. Hier, so hoffte er, würde er keinem Echsenmenschen begegnen. Auch wenn natürlich die Gefahr bestand, anderen Wesen in die Arme zu laufen. Der Setarrifer Dschungel war berüchtigt dafür, einer der gefährlichsten Orte auf der Insel, wenn nicht sogar in der bekannten Welt, zu sein. Giftige Pflanzen, giftige Frösche und andere Amphibien, dazu Warane, Raubkatzen und andere Wesen. Aufgrund der hohen Konzentration an Magie, die man hier vorfand, musste man sich auch immer davor hüten, unnatürlichen Wesen in die Quere zu kommen. Seine magischen Fähigkeiten, seine speziellen Sinne, waren jedoch nach den vielen Jahren des Übens und Praktizierens darauf geschult, solche Gefahren frühzeitig zu erkennen. Das klappte natürlich nicht immer, meist aber konnte er sich darauf verlassen. Und so war es nicht verwunderlich, dass er eine Art Erschütterung in der Umgebungsmagie spürte, die ihn sogleich stoppen und die Umgebung betrachten ließ. Er konnte nichts sehen, zumindest nicht in seinem direkten Sichtfeld, doch da draußen war etwas. Er wusste nicht genau wo, doch es musste sich irgendwo weiter vorne auf seinem Weg befinden. Das magische Potential war nicht riesig, kein Dämon oder dergleichen, doch es war ausreichend genug, um ihn innehalten zu lassen.
Mal schauen, was meine Sinne so erfassen können.
Seine Augen geschlossen konzentrierte er sich einzig und allein auf seine Magie, die pochend wie sein Blut durch seinen Körper floss. In allen Extremitäten, im Rumpf. Außen und innen. So wie jedes Lebewesen war er durchzogen von Magie. Mit wenig Aufwand jedoch, und dies gelang nur einem Magiekundigen, lenkte er die Magie in rechte Bahnen. Hin zu den Fingern, hin zu seinem Kopf. Einen Moment verblieb die Magie noch in ihm, sammelte sich und wartete – dann schoss sie aus ihm heraus. Kleine, silbrige Fäden flogen nach vorne, teilten sich wieder und wieder bis sich ein Netz aus magischen Tentakeln gebildet hatte. Diese tasteten sich unbemerkt vor, kein Nicht-Magiekundiger würde sie bemerken. Und in der näheren Umgebung fand sich auch nichts, das ihn beunruhigen sollte. Langsam und mit weiterhin geschlossenen Augen schritt er fort, tastete sich vor. Zunächst passierte nichts, alles war wie es sein sollte. Dann jedoch berührte einer seiner magischen Tastfäden etwas Magisches. Dabei blieb es aber nicht. Ungeahnte Kräfte wurden freigesetzt, versuchten den magischen faden zu ergreifen und festzuhalten. Tinquilius war aber darauf vorbereitet und stoppte sogleich den Magiezufluss, wodurch sich das Netz in Luft auflöste. Seine Augen schlugen offen und nun erkannte er auch, was es war, dass ihn greifen wollte: Eine kleine, unscheinbare Pflanze, deren Tentakel jedoch bei weitem länger waren und aus der Erde hinausschossen. Sie suchten die Umgebung ab, versuchten ihn zu finden, doch der Oberste Magier war weit genug entfernt.
Ob diese Pflanze wohl natürlichen Ursprunges ist? Oder hat sie jemand erschaffen? Welchen Nutzen könnte aber dahinterstehen? Hier so mitten im Wald?
Normalerweise würde er sich die Zeit nehmen und die Pflanze studieren, doch er war in Eile. Er machte einen großen Bogen um die noch immer suchenden Arme der Pflanze und begab sich weiter gen Norden. Bis kurz vor Setarrif würde er dem Dschungel noch folgen müssen, dann erst würde er einen passenden Übergang über das Gebirge nutzen können. Nicht mehr lange und ich bin wieder im Westen der Insel. In relativer Sicherheit.

Tinquilius
28.04.2016, 14:49
Es war ein Trauerspiel, was mit Setarrif geschehen war. Die einst so großartige Stadt, Jahrtausende alt und voller Kultur, gefallen. Keine Menschenseele mehr, die dort noch lebte. Niemand mehr, der die Kultur weitertragen konnte. Dafür stattdessen Echsenmenschen noch und nöcher, auf den Zinnen und Mauern, vor den Toren. Das zerfallene Bild, das die Stadt der goldenen Kuppeln ihm hier präsentierte, stimmte ihn traurig. Sie hatten alles versucht, sie hatten getan was sie konnten, doch zum Schluss war ihnen nur die Flucht geblieben. Der Schutz der Menschen an oberster Stelle, die leblosen Steine ohne Bedeutung. Nun, so lange Zeit nach dem Fall der großartigen Stadt, hatten sie es immer noch nicht vollbracht ihren Heimatort wiederzugewinnen. Noch immer hausten sie in einer kleinen Burg, umgegeben von einem provisorischen Dorf aus Flüchtlingen.
Was haben wir nur falsch gemacht? Wieso haben wie es nicht geschafft, die Stadt zu halten? Wir hatten doch alle Mittel und Möglichkeiten. Magier und Krieger. Technik und Magie. Doch nichts hatte eine Chance gegen den Drachen und sein Heer. Rein gar nichts.
Er ließ seinen Blick über das ferne Setarrif schweifen, während er aber nicht unvorsichtig genug war, nicht auf seine unmittelbare Umgebung zu achten. Er hatte den Dschungel hinter sich gelassen, befand sich nun an dessen Ausläufern und damit in offenem Gelände. Echsenmenschen, die er bereits am Ende im Dschungel erblickt hatte, gab es hier in der weiten Ebene vor Setarrif genug. Bislang jedoch hatte man den Obersten Magier noch nicht entdeckt und dabei wollte er es auch belassen. Anstatt noch näher an Setarrif heranzugehen, um die Lage besser einschätzen zu können, hielt er sich nun gen Westen, dem Gebirge zu. Ganz in der Nähe musste sich ein Übergang befinden, wenn er sich nicht täuschte. Der Übergang, den er zusammen mit Devazar genutzt hatte vor so langer Zeit. Und von dort wäre es nicht mehr weit und er befände sich endlich wieder im Westen der Insel, nahe der Silberseeburg. Damit sollte einem pünktlichen Ankommen in Thorniara nichts mehr im Wege sehen.

Madlen
10.05.2016, 23:00
Madlen hatte sich aus der Stadt geschlichen? Um ehrlich zu sein, wusste die junge Frau nicht mehr wirklich viel von diesem schrecklichen Ort. Jetzt war nur klar, dass sie gut eine halbe Tagesreise vor den Toren der Stadt mitten im Niemandsland lagerte. Alleine, mit Nahrung für einen weiteren Tag. Zu Trinken hatte sie noch weniger dabei. Gut, sie wusste natürlich, wie sie hier draußen überleben konnte. Das galt allerdings nur dafür, wenn die Gegend nicht von Monstern heimgesucht wurde. Der schnellste Weg war das Weißaugengebirge, das war ihr auch klar. Sie würde rennen müssen. Schnell sein müssen. Der Tod war ihr wieder dicht auf den Fersen. Aber daran war sie ja gewohnt. Er war fast ein alter Freund von ihr. Ihr ganzes Leben folgte er ihr. Im Grunde war sie eher seine Gehilfin.

Die Fürstin seufzte schwer. Zwar war sie jetzt ein ganzes Stück von der Stadt weg, allerdings fühlte sie sich nicht so, als würde sie wieder unter den Lebenden wandeln. Neben ihr lagen Dinge aus ihrer Vergangenheit, die dieses Gefühl noch verstärkten. Erinnerungen waren alles, was ihr im Moment half, einen klaren Gedanken zu fassen. Erinnerungen an ihre Männer, die wegen ihr sterben mussten. Ein Stück Stoff, ein Ring, ein Jagdmesser, eine Feder und ein Amulett. Alles Dinge, die einst einem lebenden, fühlenden, denkenden Menschen gehört hatten. Einem sanften Windhauch fuhr die zarte Hand von Madlen über die Gegenstände, blieb schließlich bei einem Stück weißem Schafspelz hängen. Eine grausame Erinnerung. Vor ihrem inneren Auge blitzten bruchstückhafte, zerrissene Geschichten auf, welche sie in längst vergessene Tage führten. Die Prinzessin fühlte sich in vergangene Zeiten zurückversetzt. Ihr Kopf schnellte hin und her, mal da, mal dorthin. Sie sah aber nicht dichtes Blätterwerk, eingehüllt in das dunkle Tuch der Nacht, sondern hell erleuchtete Hallen in den fernen Wüsten Varants. Befand sich mit einem Mal in der Stadt Setarrif vor dem Angriff. Dann wieder auf der Flucht durch die halbe Welt. Und immer und überall waren Marcel, Elesil, Thranduil, Dorumbar und in ihrer Mitte Vinona zu sehen. Sie sahen sie klagend an, ihre Finger deuteten drohend auf sie und ihre Münder öffneten sich, als wollten sie etwas sagen. Madlen konnte aber nicht hören, was sie ihr versuchte mitzuteilen…

Auf einmal riss ein unnatürliches Geräusch sie aus ihren Gedanken. In ihrer momentanen Verfassung war ihre Einsamkeit ihre größte Schwäche. Eilig packte sie sich den Pelz, sprang auf und fing einfach an zu laufen. Sie kümmerte sich nicht darum, wer oder was dort draußen auf sie lauerte. Wer das Geräusch verursacht hatte, war ihr ebenfalls egal. Was hätte es auch geändert. Sie war ja schon tot.

Und langsam wurde sie von der Nacht verschluckt. Ihr schwarzer Mantel machte sie zu einem Diener der Finsternis. Man hörte sie laufen, aber man erkannte sie nicht. Dunkelheit umhüllte die junge Frau, während sie sich immer weiter von ihrem Lagerplatz entfernte. Zurück blieben ein langsam sterbendes Feuer und Gegenstände der Erinnerung. Ein Stück Stoff, ein Ring, ein Jagdmesser, eine Feder und ein Amulett. Kreisförmig um das Feuer angeordnet. Beinahe konnte man im Säuseln des Windes Stimmen erkennen. Es hörte sich fast so an, als würden Lieder des Vergessens und der Trauer gesungen werden. Tiefe Stimmen, welche von einem harten Leben kündeten. Vielleicht einst Bauern, Holzfäller, Bergarbeiter oder Seemänner.
Nun, selbstverständlich musste man genau hinhören und nur jemand der wahrlich sehen konnte, hörte auch das, was niemand zu hören vermag. Schließlich war es ja nur das Säuseln des Windes an einem Ort mitten im Nirgendwo. Oder vielleicht doch Stimmen der Vergangenheit, welche endlich Frieden gefunden hatten? Alles was bleibt und sicher ist, war ein Schatten in der Nacht. Eine Frau, wandelnd zwischen dem Jenseits und dem Diesseits. Weder tot noch lebendig…

Hirni
20.05.2016, 08:21
Er stand fast vor den Toren Thornarias. Seine Füße taten ihm weh, seine Beine bedankten sich in seinem Kopf sarkastisch ob des Gewaltmarsches, den sie für ihn betrieben hatten. Schön war der Weg nicht gerade gewesen.
Der Schwarzmagier hatte die Wahl gehabt zwischen: Tooshoo durchqueren, den Orks im Orkwald die Flosse zu schütteln, dann quer durch das Bluttal laufen und dann endlich anzukommen, oder den Weg östlich an der Küste entlang, vor den Ruinen Setarifs abzubiegen, unter dem Weißaugengebirge hindurch, an der Silberseeburg vorbei und wiederum im Bluttal landen. Und von da aus nach Thornaria.
Doch das alles ging ihm nicht schnell genug. Teleportieren konnte er sich aber noch nicht. "Ein Grund mehr, das ganze langsam mal wieder zu können. Das war damals doch praktisch in solchen Situationen. Auch wenn ich eigentlich gerne laufe. Doch wenn der Papst brennt, ist nun mal Eile geboten."

Schlußendlich wählte er keinen dieser Wege. Stattdessen war er an der Weggabelung zur Unterführung des Weißaugengebirges einfach gerade aus weiter gegangen, und hatte sich an den Ausläufern der Bergkette entlang gequält, um den Echsen in Setarrif ein Schnippchen zu schlagen. Von weitem konnte er zwar kaum welche sehen, jedoch war es zu dem Zeitpunkt auch tiefste Nacht. Und das wollte er für sich Nutzen. Im Schatten der Dunkelheit war er so an den Mauern der Festung, oder besser an dem, was sich noch Mauer nennen konnte, vorbei geschlichen. Das ein oder andere mal war es brenzlig geworden, da das Scharren und Schnauben der Schuppigen Widersacher doch näher schien als erst angenommen, doch war ihm das Manöver mit viel Geschick und Ausharren irgendwie gelungen.

Ihm war noch immer fürchterlich kalt, und er fragte sich wieso. Schließlich war der ehemalige Hohepriester doch marschiert wie ein Fußsoldat auf dem Weg in den letzten, finalen Krieg um endlich zurück nach Hause zu kommen. Vielleicht lag es an der Schattigkeit der Nacht, und dem kalten Licht des Mondes. Oder einfach daran, dass er noch immer keine Zeit gefunden hatte, sich seine Rüstung anzulegen. Letzteres schloß er einfach aus. Es fühlte sich gerade sehr bequem an, einfach in der Natur mal baumeln zu lassen.
"Als König des Kastells kann ich mir das erlauben. Was kann ich dafür, das meine Kollegen zu blöd sind, um zu zweit die restliche Fraktionen hier einzudämmern, warum sie alle zu blöd sind um gemeinsam gegen den Drachen anzugehen?" fragte er sich im Stillen, und rieb sich die Füße.

So oder so hatte er, nachdem er den gefährlichsten Teil des Weges rund um Setarrif relativ locker dem restlichen Wege folgen können, und stand nun also vor seinem Ziel.
Er hatte riesigen Brand und was für einen Kohldampf. Mit aufgewärmter Suppe mussten sie ihm geich nicht kommen. Die Ganze Nacht war er durchmarschiert. Zum Sonnenuntergang los, und zur Morgendämmerung war er dann fast dagewesen. Nun schien wieder die Sonne über den Zinnen der statt, die Leute wurden langsam wach und gingen bald schon ihrem Tagesgeschäft nach. Ziegen auf dem Markt schlachten und Kunden im Stall verkaufen. Oder war es anders herum? Ach, was kümmerte ihn das. Hirni hatte nur Hunger und wollte endlich bei Olivia und Esteban sein. In der Hoffnung, das sie wirklich in so großen Schwierigkeiten steckten, wie der Dämon es ihm gesagt hatte. Falls dem nicht der Fall sei, könne er ja auch gleich wieder umdrehen und weiter nackt auf den Tischen des Refektoriums gebratenes Ei futtern...

Hirni
26.07.2016, 22:25
Das weissaugengebirge hinter sich lassend, begann nun der anstrengende aufstieg zum kastell. Sein knie tat ihm weh. Das lag aber weniger daran, dass hirni hingefallen oder umgeknickt war. Nein, er war einigen goblins begegnet, die sich seiner habseligkeiten bemächtigen wollten. Schließlich war hirni immer mit einer dicken goldtasche unterwegs und trug immer viel schmuck bei sich. Das glaubten die viecher wohl zumindest. Er trug nämlich nur lederrüstung und kampfstab mit sich. Sein letztes gold war in der taverne drauf gegangen.
So schmeckten sie also legendlich seinen kampfstab. Es war eine recht passende waffe, denn die kleinen wesen trugen selber nur alte knüppel bei sich. Und so ließ hirni dem ersten angreifer den stab ins gesicht sausen, während der zweite kleine dieb danach das ende des stabes in den magen bekam. Der erste ging sofort zu boden, der zweite krümmte sich.
Der dritte jedoch nutzte die offene deckung und schlug mit wucht gegen hirnis kniescheibe. Dieser schrie auf und sprang zurück.

Im sprung setzte er erneut den stab an, und schlug ihn nach der landung mit wucht unter das kinn des goblins. Das wesen flog im hohen bogen nach hinten und schlug hart auf dem boden auf.
Dem goblinoiden, der vorher die magenkeule abbekommen hatte, brannte dann der lendenschurz aus stoff schneller weg, als er schauen konnte.
Hirni hatte die kurze ruhe genutzt und diesen in brand gesetzt. Jaulend suchten die diebe sich ein anderes opfer als sie das feuer sahen oder spürten. Wenn sie es denn noch konnten und nicht geschlagen im staub lagen.

So humpelte hirni nun den berg hoch und nutzte seinen stab als stütze. Der kampf gegen drei gegner war also noch zuviel für ihn. Aber dank der kleinen magie einlage war er siegreich gewesen. Er betastete sein geschwollenes knie.
"Gleich also was futtern und dabei das knie kühlen..." seufzte er. Am horizont thronte bereits das kastell auf dem berg. Erhaben und majestätisch. Es war also nicht mehr weit.

Olivia Rabenweil
30.08.2016, 21:58
Als sie sich wieder zusammensetzten glänzte ein helles blaues Licht um sie Beide herum. Das Licht verleite der Szenerie einen ätherischen Glanz. Siebefanden sich in einer federleichten Schwerelosigkeit…

…dann kam der Aufschlag. Die Wucht war so heftig, das Olivia von den Füßen gerissen wurde. Es schleuderte sie durch die Luft, die verlor den halt zu Noxus und überschlug sich ein paar Mal, bevor sie zum Liegen kam. Keuchend schwanden ihr die Sinne. Olivia hatte schmerzen im ganzen Körper, sie wimmerte, sie sah nichts es war dunkel und ihre Hände griffen ins Leere.
»Noxus…Noxus?«, wimmerte sie leise. Doch ihre Hände griffen nur totes Laub.

Noxus Exitus
31.08.2016, 19:51
Mit dem Rücken dem weichen Erdboden gegen schaute er in den gräulichen Himmel hinauf. Einige Zweige eines nahe wachsenden Baumes versperrten die Sicht ein wenig, das leichte Wehen des Windes gab eine melancholische Szenerie ab. »Noxus?«
Die gedämpfte Stimme riss ihn aus seiner Hypnose, langsam richtete er sich leicht schmerzender Glieder auf. Seltsam, er hätte schwören können sich gerade noch übergeben zu müssen, zu wissen wo oben und unten war half allerdings beträchtlich. Olivia war derweil durch die Natur in Gefangenschaft genommen worden. Ihre obere Körperhälfte steckte in einem morschen, hohlen Baum fest - eben jenes Gewächs das noch eben ihm die Sicht versperrt hatte, allerdings ohne den komischen Effekt. Belustigt starrte er dem fluchenden Mädchen, welches leicht verängstigt seinen Namen wiederholte auf den Hintern. Am Kinn kratzend schob er einige lästige Gedanken beiseite, die seine Urinstinkte ihm entgegen schrien und näherte sich dem Weib. Ob er sie verarschen sollte? So etwas wie: Oh Gott Olivia, es ist ein Wunder das du noch lebst! Nicht bewegen, okay, ganz ruhig, oh mein Gott, bei Beliar, warte, ich hol Hilfe! Nicht bewegen, hörst du!
Das Schmunzeln verschwand wieder aus Noxus' Visage als er vergaß, dass es ihm ja nicht mal möglich war, sich so mitzuteilen. Hoffentlich waren die ganzen Tintengefäße nicht beschädigt worden - seine Tasche! Panisch suchend drehte er sich am Fleck, bis im Gebüsch sein Gepäck aufzufinden war. Ohne seine Utensilien waren weder Notizen, noch ordentliche Kommunikation möglich. Gebärdensprache war gerade nicht seine Stärke.

Als die wichtigen Prioritäten geklärt waren, näherte er sich abermals Rabenweil, welche inzwischen begriffen hatte, wo sie sich befand. Mit der Handfläche klopfte der Schwarzmagier leicht auf ihren Rücken, um zu signalisieren, dass er da war. Dann half er, so distanziert er konnte, sie auf dem Loch zu ziehen. Mit dem ganzen Schwung hatte sie sich ziemlich verheddert. Endlich an der frischen Luft sah sie recht gestresst aus, wer wusste schon in welcher Fantasie ihr gerade Höllenszenarien durch die Haut gefahren waren ... Sie natürlich.
Amüsierte deutete Noxus auf ihre Frisur, wurde dann ernster und zeigte auf die Taschen und dann zum Horizont. Der Dschungel war nicht zu weit entfernt und es lauerten genug Abscheulichkeiten auf Argaan, da musste man kein Risiko eingehen und auf Einbruch der Nacht trödeln. "Dschungel? Wir sind südlich von Setarrif? Wollten wir hier hin?"

Er konnte sich gut daran erinnern bereits mehrmals hier entlang gereist zu sein. Die Landschaft hatte sich verändert, war ergraut. Ob man hier von Beliars Einfluss sprechen konnte?

Olivia Rabenweil
31.08.2016, 20:50
Etwas bedröppelt stand Olivia nun neben Noxus und strich sich gedankenverloren die Haare glatt. Es half nichts.
Ihr Blick schweifte durch die Umgebung und blieb schließlich an einen inzwischen fast gänzlich zu gewucherten Steinhaufen hängen. Da war also Johanns Grab, dass sie damals in all der Eile angelegt hatte. Beliar sei Dank, war es unberührt geblieben.
Sie atmete schwer durch und Blickte dann zu Noxus herüber.
»Geht es dir gut?« Sie musterte ihn. Er schien unverletzt. Alle Finger, die Nase, die Ohren und Glieder waren an ihren vorgesehenen Stellen. Auch seine Haut war so weiß wie immer, ein Zeichen dafür, dass auch seine inneren Organe ihren verpatzten Zauber überstanden hatten. »Es tut mir leid, ich habe den Zauber nicht ganz so hinbekommen, wie ich es gedacht hatte. Aber wir sind an dem Ort, an den ich wollte. Von hier ist es nicht weit bis zum Tor Setarrifs«, fuhr sie leide fort. »Laut den Berichten die ich gehört habe, sollen hier überall Echsen umherstreifen. Daher müssen wir leise und vorsichtig sein und…«
Ein spitzer Schrei durchbrach den Dschungel und Olivia verstummte augenblicklich. Da war etwas im Nahen Blattwerk. Sie griff an ihren Gürtel und bemerkte erst jetzt, das die Hirnis Schwert nicht dabei hatte. Verdammt, ich muss es bei der ganzen Aufregung im Kastell vergessen haben, ärgerte sie sich im Stillen.
Das Rascheln wurde lauter und dann hob sich einer der hässlichen Echsenköpfe aus den Blättern. Dieser hier hatte eine rötliche Färbung und schwarze Streifen auf den Schuppen.
Langsam kam die Echse näher, erhob ihren ganzen Körper zu voller Größe aus dem Gebüsch und sah die beiden Magier aus ihren starren Echsenaugen an.
Olivia griff nach den magischen Kräften, musste aber feststellen, dass der Teleport sie mehr entkräftet hatte, als sie eingeplant hatte. In dem Moment, als die Magie durch ihre Glieder glitt, zum Angriff bereit, da wurden ihre Knie weich und sie musste sich an Noxus abfangen um nicht umzufallen. Dabei riss sie auch ihn aus seiner Konzentration und verhinderte effektvoll ein Zaubern seinerseits.

»Nicht zaubern!«, dröhnte es in ihren Köpfen. Olivia erschrak. Gab es hier etwa Dämonen?
Die Echse sah sie unverwandt an. Sollte die Stimme in ihren Köpfen etwa von diesem Vieh gekommen sein?
Verblüfft sah die junge Magierin nach dem der Echse. Erst jetzt bemerkte sie, dass dieses Exemplar einen aufwendigen Federschmuck trug. Sie hob die krallenbewehrten Hände – was auf den ersten Blick bedrohlich aussah doch wahrscheinlich beschwichtigend wirken sollte.
Dann schüttelte sie den Kopf und erneut dröhnte die tonlose Stimme in ihren Köpfen. »Ich werde euch nichts antun. Ich will reden.«

Noxus Exitus
31.08.2016, 21:54
Ein Echsenmensch der die Dämonenzunge beherrschte? Faszinierend ...
Etwas grob stellte er Rabenweil wieder auf die Füße und näherte sich der Echse. Ein Geruch von Ammoniak und Leder fuhr ihm in die Nase, als er sich der schuppigen Gestalt näherte, Olivia hatte er derweil komplett vergessen. Er war nicht der erste seiner Art, tatsächlich hatte er bereits Echsenmensch getötet - zugegeben, bei welcher Rasse war das noch nicht vorgekommen - dennoch, schien es ein seltsam zu sein, sich nicht mit Magie zu wappnen. Es war allerdings wohl keine Falle, sonst hätte man den Überraschungsmoment nutzen können, welcher offensichtlich für den hellen Warnruf vergeben wurde.

"Was ist dein Name?", Noxus schwankte mit seiner Einstellung zwischen Hochmut und Neugierde, eine typische Mischung seinerseits, doch die Neugierde gewann. Er kannte die orkische Kultur wahrscheinlich besser als die meisten Morras und der Kopfschmuck zeigte eine Menge Jägertrophäen, typisch für orkische Krieger und Schamanen. Ob es dort eine weitere Verbindung gab? Waren Echsenmenschen vielleicht der magische Hybrid aus Ork und Echse? Orkische Drachenkinder? Definitiv Humanoiden, intelligent genug um die menschliche Sprache zu erlernen, gar Gestik und Mimik nachzuahmen.
Noxus Gedanken fanden gar kein Ende mehr, rasend versuchte er alle Geheimnisse gleichzeitig zu lüften und stellte mehr Theorien in den Raum als er je belegen könnte.

"Mein Name Gus'hurk", das 's' war dabei selbst im Kopf gezischt, "ich bin vom Krotank-Clan, er befindet sich unweit von hier."
Er konnte sogar Grammatik besser einhalten als ein Innosler. Langsam zügelte sich die Neugierde und Vorsicht mischte sich bei. Der Hang der Echse sich zu wiederholen nervte Noxus bereits. Krotank? War das nicht orkisch für Flammenzunge? Das Weißauge zögerte kurz.

"Mein Name ist Caecigenus, das ist Olivia Rabenweil. Du bist ein Varrag, richtig? Ein Schamane?"

Wieso das verraten seines Clans? Als Drohung oder vorgegebene Schwäche? Beherrschten Echsen etwa Magie? Wie mächtig waren sie? Bezogen sie ihre Kraft von den Drachen selbst? Oder gab es gar keine Korrelation und sie dienten ihnen, wie er Beliar? Fragend blickte er zu Olivia, ob sie ihm Antwort geben könnte, die er suchte.

Olivia Rabenweil
31.08.2016, 22:38
Olivia zuckte mit den Schultern. »Ich habe schon gehört, dass es Magier in ihren Reihen haben«, sprach die in Noxus Richtung.
»Was willst du von uns Echse?« Die geschuppte Kreatur sah nun in Olivias Richtung. Sie fand diesen starren Blick unheimlich. Er war seelenlos. Trotz der recht dunklen Schuppenfarbe, waren die Augen viel zu hell. Fast wie die von Noxus. Das konnte nichts Gutes bedeuten.
»Ihr seid sehr … interessant. Ich will Euch in die Stadt bringen.«
Wie auf ein geheimes Zeichen tauchten mehrere Echsen aus den Büschen und hinter den Bäumen auf. Sie trugen gigantische Schwerter und armdicke Speere. Es war unfehlbar zu erkennen, dass es sich um Krieger handelte. Einige Narben auf ihren Schuppen und Scharten an ihren Waffen machte deutlich, dass sie auch schon die eine oder andere Schlacht überstanden hatten.
Sie schlossen einen engen Kreis um die Magier. Nun wurde deutlich, dass die Aufforderung des Hexer-Echse keine Bitte gewesen war.

Ohne weitere Worte setzte sich der Tross in Bewegung. Die Echsen gaben Zisch- und Knurrlaute von sich, die Olivia Furcht einflößten. Langsam bewegten sie sich in Richtung der Stadt. Das südliche Stadttor war komplett zerstört und nie wieder aufgebaut worden. Alle mussten über Trümmer steigen, um die Stadt zu betreten. Die Echsen stellten sich dabei weitaus eleganter an, als die beiden Magier.
»Wie soll es denn jetzt weiter gehen, Noxus?« zischte Olivia ihrem Freund zu, als sie die Gesteinsbrocken des Tores hinter sich gelassen hatten. »Was können sie von uns wollen? Werden sie uns vor ihren Herren, den Drachen, führen?«

Noxus Exitus
31.08.2016, 23:16
Noxus überlegte kurz, zeigte dann mit dem Finger auf den führenden Schamanen vor ihnen und versuchte mit Gestikulation Olivia klar zu machen, dass diese Echse wichtig war. Ob das bei Rabenweil tatsächlich ankam war die andere Frage. Diese Sprachbarriere machte ihn bereits jetzt wahnsinnig. Fest stand allerdings, dass die restlichen Echsenmenschen, welche sich durchaus in der Wildnis zu tarnen wissen, auf den Schamanen hörten. Gleiche Hierarchie auch bei den Orks, wo die geistigen Oberhäupter für gewöhnlich den Ton angaben. An diesem Punkt waren sie ziemlich der Gnade dieser Echsen ausgeliefert, Noxus bezweifelte dass seine junge Kumpanin den Teleport-Zauber mal eben wiederholen konnte, vor allem in einer Stresssituation war die Gefahr enorm, einen Fehler bei der Ausführung zu machen. Da sie sonst umzingelt waren, würden sie es im besten Fall schaffen zwei Echsen mit sich in Beliars Reich zu reißen, keine gerade effiziente Leistung. Was die Drachen-Frage anging, bezweifelte er dass sie mal eben vor das Geschöpf geführt wurden, wozu würde sich ein solches Geschöpf mit irgendwelchen Fleischbeuteln abgeben? Nein, sie waren die Opfer des Willens eines Echsenmenschen und hoffentlich war dieser gerade nicht zu hungrig.

Stumm folgten sie dem Stoßtrupp durch das Dickicht. Das Weißauge fragte sich immer wieder, ob der Schamane gewusst hatte, dass sie kommen. Es schien ihm so seltsam, bereits nach Sekunden der Ankunft abgefangen zu werden. Aber was ist, wenn genau das passiert ist? Wenn diese Echse vor ihnen genug Macht besaß, um eine Teleport-Zauber zu unterbrechen, ihn gar zu lenken. Halt - er musste aufhören zu fantasieren, sie waren in Gefahr und es war Zeit sich zu fokussieren, keinen Gedankenexperimenten hinterherzulaufen.

Die sogenannte "Stadt" schien noch nicht lange zu stehen, war dennoch recht beeindruckend. Es war ein Höhlensystem, das meiste schien bereits von Adanos erschaffen worden zu sein, der Rest waren meist Kuhlen im Boden, die wohl Windschutz bieten sollten. Soweit dem Schwarzmagier bekannt war, pflanzten sich nicht nur die Drachen durch Eier fort. Der stechende Gestank des Volkes vor ihnen wurde zunehmend stärker, doch erging es den Echsen mit ihnen als Menschen wohl genauso. Vielleicht gab es auch andere Gründe für das häufige Schnauben und Zischen.
Interessant war auch, das einige Echsen sie völlig ignorierten. Waren sie eine Opfergabe oder das Abendbrot? Waren die anderen Echsen gewohnt dass hier lebende Morras auftauchten, um geschlachtet zu werden? Andere hingegen liefen mit und starrten die beiden Reisenden unverhohlen an. Vor allem Olivia wurde das Opfer von gaffenden Einzelfällen, immerhin waren die Echsen nicht sonderlich auf das Anfassen aus. Ob sie Interesse am anderen Geschlecht ... Nein, das konnte nicht sein. Kloake und unsere Genitalien ... Noxus verzog das Gesicht, das war selbst ihm recht ... delikat. Wahrscheinlich zeigte Olivia einfach mehr Haut als der komplett vermummte Priester.

"Ihr beherrscht mächtige Zauber.", sprach der Schamane nun mit summendem Schmerz. "Ich will lernen, zeigt mir eure Zauber."

Zunächst wollte Noxus protestieren, schließlich bekamen sie nichts dafür. In ihrer Situation schien das allerdings nicht sonderlich klug zu sein. Recht schnell formte sie ein Kreis aus Schnauben und Zischen um sie, Unmengen an toten Augen waren nun auf sie fixiert.

"Zeigt mir eure Zauber.", wiederholte sich die Echse abermals, dieses Mal mit mehr Nachdruck in der Stimme.

Abermals blickten die zwei Gefangenen sich leicht perplex an, dieses zuckte das Weißauge die Schultern, verbeugte sich kurz und zeigte mit der Handfläche auf Olivia, die Dame sollte beginnen.
Kaum zu glauben, gerade noch im Kastell, jetzt durften sie eine Magievorstellung für Echsenmenschen vorführen. Betonung auf dürfen. Rabenweil starrte ihn mit großen Augen fragend an. Mit gepressten Lippen senkte Noxus den Kopf leicht. "Zauber was, egal was."

Olivia Rabenweil
01.09.2016, 00:13
Olivia schluckte. Sie sollte Zaubern? Noxus hatte mehrere auffordernde Gesten gemacht. Zögerlich hob sie die Hand. Hier gab es mehr als genügend Staub aus dem sich Knochen formen ließen. So sammelte sie die Magie und bemerkte sofort, dass sich ihr Körper immer noch nicht von den Strapazen erholt hatte. Zudem machten ihr all die starrenden Echsenaugen nagst. Ihr Kopf war aufgrund dessen wie leer gefegt. Was sollte sie nur zaubern? Sie zögerte, was die Echsen bloß noch unruhiger machte. Hilfesuchend sah sie zu Noxus, doch wirklich helfen konnte der Stumme ihr nicht. Ihre Knie zitterten immer noch.
Olivia zauberte das Naheliegenste.
Aus dem Staub entstanden Wirbel und die Wirbel formten schließlich einen Hocker. Dünne Knöchelchen formten einen feinen, verspielten Hocker, auf den sich die Magierin sinken ließ, sobald er entstanden war.
Das Ausruhen tat gut, doch lange kam sie nicht dazu. Der Echsenzauberer schubste sie herunter, sodass sie auf Noxus‘ Füßen landete. Derweil untersuchten die Echsen dien Stuhl eingehen. Reichten ihn herum, zogen an den Beinen, kratzen über das Knochenmaterials.

Olivia nutzte das Abgelenktsein der Echsen und sah zu Noxus herüber. »Wir sterben hier!«, flüsterte sie. »Sobald sie das Interesse an uns verlieren, fressen sie uns.«
Olivia fühlte sich so erschöpft. Sie wollte nicht aufstehen und blieb deswegen einfach auf den Füßen ihres Freundes liegen. Die Magie hatte sie förmlich ausgelaugt. Früher hatte sie sich besser unter Kontrolle gehabt. Da war das nicht passiert, warum nun ausgerechnet hier? Hatte sie sich so übernommen?

Noxus Exitus
01.09.2016, 15:24
Etwas irritiert beobachtete Noxus das erschöpfte Mädchen zu seinen Füßen, irgendetwas stimmte nicht. Sie schien bei weitem mehr erschöpft als sie sein sollte. Ob beim Teleport doch etwas schief gegangen ist? Er würde sie untersuchen müssen um das festzustellen, das ging gerade schlecht.

»Sobald sie das Interesse an uns verlieren, fressen sie uns.«

Rabenweil hatte Recht, sie waren wie Mäuse umzingelt von zischenden Katzen, die noch etwas Unterhaltung raus schlagen wollten, bevor sie sich an die Mahlzeit machten. Wie sein eigenes Fleisch wohl schmeckte? "Fokus du Idiot, was tun? LOS LOS LOS!"

Wild mit den Händen fuchtelnd verscheuchte er die Echsen etwas und vergrößerte den Kreis um sie wieder. Während Olivia sich etwas ausruhte, tänzelte das Weißauge theatralisch im Kreis, als würde er das Wetter beschwören wollen. "Was tue ich jetzt? Ein Skelett beschwören? Wie würde das helfen? Ich muss sie einschüchtern oder beeindrucken, um nicht weiter als bloße Unterhaltung klassifiziert zu werden, es muss doch eine Schwäche bei Echsen geben die ich nutzen ... denk nach, denk nach."

Sein Tanz endete und ging in fließende Armbewegungen über. Als sich die Beschwörung dahinzog, wagte es eine Echse etwas weiter nach vorn, als versuchte sie etwas zu erkennen dass nicht existierte, also schubste der Priester das große Tier zurück. Obwohl er seine Körperkraft hineinsteckte, wich der Echsenmensch mehr als Geste zurück, im Augenwinkel konnte Noxus einige eng gepackte Schwertgriffe erkennen. Um seiner Nummer authentisch zu bleiben, fuhr er mit den Bewegungen fort, keine, die sonst in der Magieausführung viel Platz finden würden. Er bewegte sich viel zu weiträumig um auch nur einen magischen Faden weben zu können.
"Vielleicht könnte ich den Häuptling heimsuchen? Wenn er besessen zu Boden geht - Nein, das bringt auch nichts, ich kann schlecht die ganze Herde damit in Angst und Schrecken versetzen, man würde uns direkt erschlagen, den einzigen Vorteil den wir haben ist die Überraschu- DAS ist es!"

Urplötzlich hielt Noxus inne. Die Fingerspitze seiner rechten Hand fuhr langsam in die Höhe. Zunächst bewegte sich der schwarze Stoff kaum, gab dann langsam der siechenden Schattenflamme nach und fiel auseinander wie eine zu schnell blühende Rose. Darunter zum Vorschein kam die grelle Hand mit einer zunächst flackernden Flamme, tiefschwarz schien sie jegliches Licht zu verschlucken. Nur ein Funken violett war zu erkennen, genau aus dem Zentrum. Sein Arm senkte sich etwas herab, gelassen schien er das schwarze Feuer mit einem Finger aufrechtzuerhalten. Einige Echsen zischten, die Atemgeräusche glichen einer Art lachen. So viel Drama für die kleine Flamme? Doch was die Echsen schlecht wissen konnten, war die Funktionsweise ihrer Magie, genau das war offenbar ja der Grund, warum sie überhaupt hier vorzaubern sollten. Wie würden sie denn eine Schattenflamme von Schattenschwarz differenzieren können, wenn Noxus ihnen beides als das eine verkaufte?
Einige Schweißperlen tropften ihm auf die Schulter, der stumpfte Klang schien so laut wie sein Herzschlag oder war das das Pochen?

Der knöcherne Stuhl Rabenweils befand sich gerade wieder in den Händen des Schamanen, so schritt Noxus langsam auf ihn zu und streckte die Schattenflamme den staubgeformten Knochen zu. Ein Chor von kehligen Geräuschen erklang, als der Stuhl nachgab - schien als hätte Olivia begriffen und ihre Magie versiegen lassen um ihn zu unterstützen.
Als nächstes drehte er sich einmal um die Achse und schritt nun auf einen Krieger zu. Dieser schien zurückweichen zu wollen, doch der Codex seiner Ehre verbat ihm so eine feige Aktion. Langsam legte Noxus den Finger auf das längliche Metallstück, welches Schulter und Flanke zu schützen versuchte, während es von einigen schmalen Ketten an Ort und Stelle gehalten wurde. Die Magie intensivierend erinnerte ihn der Vorgang an seine eigene Tätowierung. Nicht mehr lange und man würde auch das brennende Fleisch riechen. Der Ausruf der Echse war ähnlich grell, wie die Begrüßung vor keiner halben Stunde, als der Krieger nun doch zurückwich und ihn anstarrte, als sei er Beliar höchstpersönlich. Oder so wollte das Weißauge das zumindest wahrnehmen.

Mit dem Fuß stampfend, streckte er den Finger abermals in die Höhe und ließ die Flamme zu einem dunklen Feuerball anschwellen, der Größe eines Orkschädel. Er könnte noch etwas Größe drauflegen, doch das war nicht das Ziel. Die Echsen reagierten wie sie sollten, viele wichen noch weiter zurück, die meisten aber schienen bereit zum Kampf. Gerade als die Situation zu eskalieren schien, erschlaffte das magische Konstrukt in sich und verschwand. Kurz herrschte Stille, der Spuk schien vorbei.

"Beeindruckend ihr zwei. Aber nun ist es Zei-"

Der Häuptling stockte als die Fackeln um sie erloschen. Noxus hatte keine Möglichkeit mehr sich auf Theatralik zu konzentrieren, stattdessen stand er starr auf einem Fleck und blickte in die Ferne, einige Grade über den Horizont. Langsam erhoben sich nun beide Arme, während von der rechten Hand einige Binden hinabgegangen. Wenn er könnte, wäre dies wahrscheinlich der Moment den Namen seines Gottes in die Stille zu schreien, stattdessen entzog er dem Ort nicht nur Lärm, sondern auch Helligkeit. Als hätte man sie aus der Luft gefiltert, wurde es immer dunkler. Das Schattenschwarz kam nun unter seiner Klamotten hervor, wabernd suchte es einen Weg ins Freie. Es war enorm schwer den magischen Fluss so zu kontrollieren, normalerweise war das Ziel den Nebel einfach in alle Richtungen zu schicken. Nicht aber dieses Mal, die List würde auffliegen, wenn einer der Echsen das Schwarz berühren würde. Auch wenn die Schattenflamme dichter wirkte, würde das bei untergehender Sonne wohl kaum jemandem auffallen, der diesen Zauber nicht selbst studiert hätte. Für seinen letzten Trick hatte er oft genug in den Übungsräumen des Kastells geübt. Den Fokus auf seinen hungernden Magen, hielt er seinen Atem an und gewährte dem schwarzen Nebel den Weg ins Freie, als er seinen Mund verließ. Er hatte bereits dickere Nebelschwaden 'ausgehustet', doch sollte das genügen. An dieser Stelle war er recht froh generell unter Stress aufzuglühen, anders als seine Reisebegleiterin. Dafür hatte sie den kühleren Kopf.

Schwer atmend sank Noxus etwas in sich zusammen, schwor sich aber nicht in die Knie zu gehen. Jetzt Schwäche zu zeigen war der falsche Zeitpunkt. Erschöpft sah er zu Olivia, zeigte dann auf den Häuptling und dann in den Himmel. "Ich fordere eine Audienz mit deinem Anführer, Varrag. Sofort!", dachte er ausdrücklich und hoffte, dass die Interaktion der Dämonenzunge seines Gegenüber weiterhin aufrecht erhalten wurde.
Auch wenn das Weißauge zu gerne gesehen hätte, was der Schamane drauf hatte, wurde es langsam Zeit aus dem Mittelpunkt zu verschwinden. Zwei ausgelaugte Magier hatten Stahl wenig entgegenzusetzen und einen weiteren Trick hatte er nicht mehr auf Lager, auch wenn das den Echsen nicht bewusst war. Hoffentlich.

Olivia Rabenweil
04.09.2016, 00:04
Olivia hatte während Noxus kleinem Theater auf dem Boden Gesessen und ihren Körper mittels ihrer Willenskraft daran gehindert, einfach aufzugeben. Doch Noxus hatte ausreichend Zeit geschunden, sodass sie sich wieder im Griff hatte.
Lächeln hatte sie sich vorsichtig erhoben, als der Magier die Höhle verdunkelte. Und dann drehte er den Spieß um. Seine Geste war eindeutig und Olivia verstand was Noxus der Echse mitteilen wollte. Das Lächeln schwand aus ihrem Gesicht.
Die Forderung war hoch, doch auch genau die, die nun gestellt werden musste. Sie mussten zum Drachen und durften nicht länger von diesen Eidechsen aufgehalten werden. Aber ob sie den stummen Noxus verstanden hatten?

Die Echsen waren eine Zeitlang still. Sie blickten sie bloß aus ihren leblosen Augen an. Olivia schluckte. Doch dann gab die federgeschmückte Echse ein paar Zischlaute von sich und sofort setzten sich die geschuppten Krieger in Bewegung. Die beiden Magier wurden mit Speeren dazu aufgefordert vorranzugehen. Nun mussten sie den Echsen und Noxus Vorstellung vertrauen.

Die Gruppe verließ das Höhlensystem. Sie hielten wieder auf die Stadt zu. Es war inzwischen Nacht geworden und von der zerstörten Stadt war nicht viel zu erkennen. War es wirklich eine gute Idee, dem Weißauge in der Nacht gegenüber zu treten? Besser wäre es am nächsten Tag gewesen, da hätten sich die beiden zu mindestens einmal regenerieren können. Doch mit diesen Echsen wollte sie besser nicht verhandeln.

Der Weg durch die Trümmer der Stadt war unerwartet lang. Olivia schloss zu Noxus auf. An seiner Seite fühlte sie sich sicherer. »Ich weiß nicht, ob ich mich freuen oder fürchten soll. Wir werden dem Weißauge gegenübertreten«, flüsterte sie. »Und hast du schon eine Idee, wie man ein Gespräch mit ihm beginnen könnte. Sollen wir einfach mit der Wahrheit heraus rücken und ihn warnen, dass die Magier vorhaben ihn einzusperren? Oder wollen wir ihm unsere Aufwartung machen und ihm Honig ums Maul schmieren, und seine Überheblichkeit gegen ihn verwenden? Oder aber können wir ihm etwas zum Handeln anbieten. Auf dem Treffen wurde darüber gesprochen, dass der Drache Magie beherrscht aber auch all seine Untertanen. Wenn die Untertanen noch nie einen Teleport- oder Schattenzauber gesehen haben, dann kennt die vielleicht auch der Drache nicht. Wir könnten ihm etwas beibringen, wäre das ein guter Einstieg?« Sie fasste sich ans Kinn und dachte eine Weile darüber nach. »Nein wahrscheinlich nicht. Von uns wird er sich wohl nichts sagen lassen wollen«, wiederlegte sie ihre eigene Überlegung.
»Willst du mit ihm sprechen? Mir wäre das lieb…«

Sie hatten inzwischen den Königsplatz erreicht. Vor ihnen lag nun das, was von dem einst so stolzen Palast geblieben war. Auch im Mondlicht konnte man die goldenen Kuppeln erkennen. Einige waren beschädigt. Das mussten die gewesen sein, die der Drache in Flammen getaucht hatte, als Maris ihn besuchen war.
Nun doch mit einem üblen Gefühl im Magen ergriff Olivia Noxus‘ Hand und drückte sie.

Rudra
30.09.2016, 17:50
Grübelnd und brummend saß er da, umgeben von einigen seiner Stammesbrüder, ihm gegenüber das hässliche Schuppenvieh.
"Hmm... Was ist so anders an dir?"
Rudra hatte aufgehört, die Tage zu zählen, die seit seinem Auszug ins Gebirge vergangen waren. Sie waren zu einer Erkundungsmission aufgebrochen, um sich selbst einen Überblick über die Geschehnisse auf der Insel zu machen, doch ihre Expedition war zu einem ewig währenden Kampf gegen die Echsen verkommen. Es schien, als spuckte diese verdammte Insel immer wieder neue Abkömmlinge dieser verfluchten Brut aus, um ihre Geduld zu strapazieren.
Rudras Trupp hatte sich tief ins Gebirge vorgewagt, um von günstigen Aussichtspunkten aus nicht nur die Siedlungen der Morras zu beobachten, sondern auch den Ort zu finden, an dem damals der Stern herabgestürzt war, aus dem der Drache geboren wurde. Es hatte lange gedauert und viele Kämpfe erfordert, doch schließlich hatten sie den Platz gefunden - und mit ihm eine ganze Brut der geschuppten Bastarde. Doch die Orks waren nicht nur die besseren Krieger, sie hatten mittlerweile auch genügend Echsenschädel gespalten, um eine gewisse Übung im Kampf gegen die Biester zu erlangen. Umgekehrt schienen viele der Echsenkrieger zwar ebenso stark wie die Orks, aber weit unbeholfener im Kampf zu sein. In Verbindung mit den vorsichtigen Taktiken, die Rudra seinen Brüdern aufdrückte, stellten die Echsen kein allzu großes Problem dar.

Der Ort selbst schien keine wirklichen Besonderheiten aufzuweisen, außer einer Menge Echsenblut, die nun auf den dortigen Felsen fest fror. Doch unter den Geschuppten hatte sich ein Exemplar gefunden, das anders war als die anderen.
Mit orkischem Nachdruck hatte man das Vieh davon überzeugt, mit ihnen mitzukommen, und sich weiter gen Osten bewegt, hin zu einem Aussichtspunkt, von dem aus Setarrif zu sehen war - und beim Schöpfer, es war ein Anblick gewaltiger Zerstörung! Die Stadt schien zu großen Teilen zerstört, die Kuppeln eingestürzt, und die Natur hatte bereits begonnen, einige der Bauten für sich zurück zu erobern. Unzählige Echsen schienen sich innerhalb der zerstörten Mauern herumzutreiben, und Rudra meinte sogar den Drachen gesehen zu haben. Eine magisch aussehende Kuppel überzog einen Teil auf der Seeseite, doch allzu genau hatte man die Lage dort von ihrer Position aus nicht beobachten können.
So hatte Rudra drei Oraks unter Führung von Synkka losgeschickt, um dem Stamm Meldung zu machen - und nach zwei Wochen war der Palo mit einem Dutzend Stammesbrüdern als Verstärkung zurückgekehrt. Der Plan war einfach: sie wollten den Kampf unter die Echsen tragen, hinab in den Dschungel stoßen und die Waffen sprechen lassen.

Da waren sie nun, hatten mittlerweile am Fuß der Berge ein kleines Lager aufgeschlagen und machten von hier aus Jagd auf die Echsen. Und dann war da noch der Gefangene. Rudra wurde nicht schlau aus ihm. Er selbst hatte nicht mitgekämpft, doch als die Oraks ihn überwältigt hatten, schien der Widerstand unter den Echsen gebrochen zu sein. Seitdem hatte er sich zwar gefügt, wenn der Trupp weiter marschierte, doch ansonsten keine Regung gezeigt, die irgendeinen Aufschluss über ihn gestattet hätte. Rudra wusste nicht einmal, wie dieses Ding ohne etwas zu essen überlebte!
"Und wenn wir ihn aufschneiden und schauen, ob er innen besonders ist?", schlug Synkka nicht zum ersten Mal vor.
"Nein Palo, friss das Fleisch von den anderen Echsen!", brummte Rudra zurück. Sein Verstand war unterfordert, verlangte nach neuen Informationen, die er verarbeiten konnte - doch es gab keine. Die Kehrseite seiner neuen Fähigkeiten seit Proyas Ritual.
"Wir machen vorerst weiter wie bisher. Schließlich müssen wir dich satt bekommen", meinte er und klopfte Synkka auf den Bauch. Der dürre Palo schien ein wenig verwirrt, gab sich aber damit zufrieden. Vielleicht bot sich ja noch Gelegenheit für sie, etwas aus der Echse herauszupressen.

Françoise
03.10.2016, 13:24
Sie befanden sich auf dem letzten Wegstück vom Gebirge herab. Zu ihren Füßen offenbarte sich der Gruppe eine beeindruckender Blick über die Ebene. Françoise kannte diesen Teil der Insel nur von Karten und stellte überrascht fest, wie schön es hier tatsächlich war. Dichter Dschungel erwartete sie soweit das Auge blickte. Fragte sich, welche Gefahren sich hinter dieser Schönheit verbargen. Gewiss verschufen ihnen Jadewolfe und seine Begleiter hier einen wichtigen Vorteil.
Bereits während der beschwerlichen Reise über das Gebirge hatte Françoise festgestellt, wie wenig sie über diese Spielart der Magie wusste, die Jadewolf praktizierte. Ihre Bibliotheken gaben nur wenig her, wenn es um diese Naturmagie ging. Selbst über schwarze Magie besaß sie mehr Kenntnis. Es mochte damit zusammenhängen, dass Druiden nur selten in Erscheinung traten und selbst wenn sie es taten, fiel es den meisten Menschen nicht auf. Ganz im Gegensatz zu Totenbeschwörern und Schwarzmagiern. So gab es für den Orden wenig Anlass und ebenso wenig Gelegenheit sich eingehend mit Druiden zu beschäftigen.
Das änderte nichts an Françoises Neugierde. Wenn das hier überstanden wäre, blieb vielleicht Zeit diese Wissenlücke zu schließen. Jadewolf schien umgänglich genug zu sein, ein wenig über die Naturmagie preiszugeben.
»Diese Freundin, Jadewolf, ist sie ein Mensch oder auch ein Tier?«, fragte die Priesterin, als sie sich auf Höhe der Baumkronen befanden. »Nicht, dass ich etwas dagegen hätte, in einer Bärenhöhle Unterschlupf zu finden. Solange der Bär mir freundlich gesinnt ist.«

Ornlu
03.10.2016, 14:25
"Oh...ich glaube ich würde eine gescheuert kriegen, wenn ich sie als Bärin bezeichne.", entgegnete Ornlu und stellte sich Cecilia als Bärin in ihrer üblichen Kleidung vor. Furchtbar...sie sollte mehr Haarpflegemittel benutzen...viel mehr!

"Nein. Sie ist eine meines Schlages und eine ehemalige Schülerin. Ich sandte sie vor, um hier ein paar wachsame Augen zu haben. Ich bin selbst gespannt wo das Versteck sein wird. Ich vermute aber weniger eine Höhle die zugänglich ist. Die Echsenmenschen werden sie wohl nach all der Zeit auch kennen oder einfacher finden können. Meine Freunde werden die Aufgabe haben einen bestimmten Geruch zu finden und sie hat einen bestimmten Geruch geschaffen. Wir werden sie also finden. - Und keine Sorge sie hat jetzt nicht täglich die Fährte mit Ausscheidungen gelegt.", scherzte er etwas, ehe sie das Ende des Gebirges und der Anfang der Ebene wohl erreichten. Die Vegetation sprach eindeutig dafür.

"Wenn du dich hier besser auskennst, Maris. Dann führts du nun. Die Wölfe werden die Fährte schon suchen, aber wir müssen ja auch durch das Gebiet. Wir sollten uns für direkte Konfrontationen bereit halten.", meinte der Druide und löste den massiven, knorrigen Stab der mit manch besonderen Tiertrophäen verwachsen war, von der Halterung am Rücken. Als Gehhilfe hatte er diesen bisher nicht gebraucht - er war ja noch jung. Der Kristall im Kopf des Stabes glühte kurz feurig-orange auf und Ornlu schien froh zu sein, dass nun die ganze Sache näher am Ziel war.

"Vielleicht werdet ihr es ja selbst riechen oder spüren, wenn es soweit ist. Cecilia legte eine Fährte aus frisch gepflückten, zerriebenen Sumpfkraut...mit einen Hauch von Magie... - Ich nehme mal an das die Echsen sich nicht für solch einen Geruch interessieren. - Francois...erzählt uns doch noch einmal wie ihr das Erz nutzen werdet und ob es irgendwas Spezielles zu beachten gibt, wenn man es nutzen will. Aniron und Tinquilius bitte danach über diese Barriere. Für den Fall der Fälle, dass jemand nicht mehr mitwirken kann, sollte der Rest dafür bereit sein zur Not zu improvisieren.", erklärte der Druide.

Françoise
03.10.2016, 20:02
»Der Plan ist recht simpel.«, begann Françoise zu erklären, während sie einem geschlängelten Pfad hinab folgten. »Das Erz wird mir und meinen beiden Begleitern als magische Quelle dienen. Also ähnlich wie für unsere Wassermagier die kleine Barriere in Setarrif oder für dich, Jadewolf, diese ominöse Quelle von der du gesprochen hattest. Viel mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Wir entziehen dem Erz seine Kraft, bündeln sie und speisen sie zusammen mit euren Störmen in die Barriere. Das schwierigste wird sein, die drei Magieströme zusammenzuführen und daraus die Barriere zu formen. Ich glaube, ich muss niemandem hier sagen, wie wild reine Magie sein kann.«

Ornlu
06.10.2016, 13:54
Während Francois klar machte, dass es sich wirklich um reines, magisches Erz hielt, waren die beiden Wassermagier doch ein Stück reservierter...überlegten wohl was sie sagen wollten? Ehe einer von ihnen dann antwortete, tauchte Schwarzohr auf und machte allein mit dem Blick deutlich, dass er die Fährte gefunden hatte.
"Dann mal los!", sagte Ornlu und ging vor. Dem Wolf direkt zu folgen war natürlich nicht einfach für die Menschen. Doch mittlerweile hatte auch Ornlu mit seinem Näschen die Fährte aufgenommen und erwartete, dass der Rest es auch halbwegs tat oder zumindest noch folgen konnte.
Über Stock und Stein, durch Gebüsch und vorbei an Bäumen die nur auf der Ostseite Argaans zu wachsen scheinen.
Vorsicht war zwar geboten, aber genau so gut war es, einfach schnell den Unterschlupf zu erreichen.
Sie gelangten an die Küste, wo die Fährte fast schon aufgrund des Windes und der salzigen Luft verschwand. Doch der Wolf witterte noch genug und führte sie an eine Klippe.
Ornlu stand an ihrem Rand und blickte hinab auf den Sandstrand.
Der Rest kam hinzu und man fragte sich wohl, wo nun der Unterschlupf war. Am Strand sah man keine Spuren von Menschen oder menschenartigen Wesen, aber auch kein Lagerfeuer oder dergleichen.
Es war dann Tinquilius der fragte, wieso denn hier dieses Seil um eine Baumwurzel befestigt wäre. Eine ANtwort bekam er nicht gesagt, sondern sah wie alle wohin das Seil führte. In der Klippe, wenige Meter tiefer, schien es eine Höhle zu geben. Wie auch imemr diese dort entstanden war oder gar ausgehoben wurde - es war dann wohl doch deutlich.
Maris sollte zuerst runter und Ornlu als Letzter. Dieser verabschiedete die Wölfe dann, während der Rest nach und nach sich abseilte.
Als der Druide dann auch hinunter gehangelt kam, erblickte er prompt seine einstige Schülerin, die hier wirklich etwas vorbereitet hatte. An der Decke hingen Wurzeln und ein Bündel Sumpfkraut hinab und am Boden war eine Feuerstelle, sowie ein paar Hocker und ein alter Schrank. Etwas zu Essen war auch da und Cecilia erzählte - nachdem sie sich kurz vorstellte - dass hier wohl Schmuggler mal tätig waren. Als sie am Strand gewesen war, hatte sie es recht auffällig gefunden, dass eine Decke aus Jutesäcken an der Klippe hing und halb im Wind flatterte.
Gut für sie alle. Die Echsen würden sie hier nicht so einfach finden.
"Wir sollten und ausruhen. Kräfte sammeln für den kommenden Kampf. Wir sollten uns eine Karte Setarrifs nun ansehen und konkreter Planen wo wir uns platzieren und all der Kram.", schlug der druide vor, während Cecilia eine kärgliche Mahlzeit aus Nüssen, Beeren und Früchten verteilte. Halt das was sie so gefunden hatte.

Françoise
06.10.2016, 22:00
Keine Bärin, dafür aber eine Höhle. Die Vermutung der Priesterin hatte also nicht völlig fernab der Wirklichkeit gelegen. Auch wenn sie spartanisch wirkte, besaß die Schmugglerhöhle einen gewissen Charme.
Cecilia, wie sich die Bekanntschaft von Jadewolf vorstellte, hatte wie ein gute Gastgeberin auch für Essen gesorgt. Leider nicht besonders viel für so viele Leute. Glücklicherweise hatten Françoise und ihre Begleiter selbst Proviant in Form von Reis im Gepäck. Schließlich konnten sie sich nicht darauf verlassen unterwegs ein Gasthaus zu finden oder auf Kosten ihrer Weggefährten zu leben. Dennoch behielten sie ihrerseits den Reis nicht zurück, sondern teilten ihn mit den anderen. Eine eigenwillige Mischung mit den Beeren und Nüssen.
Die Wassermagier steuerten ihr Element bei und Françoise brachte den Reis zum Kochen. Im Nu war ihr kärgliches Mahl aufgewertet und niemand musste mit knurrendem Magen schlafen. Eine wichtige Sache, denn sie brauchten die Kräfte unbedingt.

Olivia Rabenweil
10.10.2016, 14:22
Jetzt waren sie schon seit Tagen unterwegs und hatten noch keine Spur von den anderen Magiern gefunden. Hatten die am Ende doch gekniffen? So langsam wurden ihre echsischen Begleiter ungeduldig. Lange hatten Olivia und Noxus sie damit vertrösten können, dass sie erst finden mussten und sie sicherlich kommen würden, doch so langsam war sich Olivia da nicht mehr so sicher.
Trotz aufwendiger Suche hatten sie nicht eine Spur, nicht einen Fußstapfen, nicht ein gelöschter Lagerfeuer finden können.

Mussten sie den Echsen nun doch eingestehen, dass die Menschen feige waren? Dies jedoch würde auch augenblicklich ihren Tod bedeuten.
Als sie sich erneut auf ihrer Suche dem Meer nährten blickte Olivia zu Noxus herüber. Leise flüsterte sie in deine Richtung, dass sie sich langsam einen Fluchtplan zurecht legen mussten. Zwar war ihr Teleport immer noch eine Option, doch damit würden sie sich jegliche Chance auf eine Zusammenarbeit mit dem Drachen verspielen. Denn dieser würde mit Leuten, die einfach verschwanden, nicht gerne zusammenarbeiten wollen. Nein, es musste eine andere Möglichkeit geben, eine bei der sie dem Drachen dennoch beweisen konnten, dass die Schwarzmagier die Kooperation wert waren.
Da die Echsen misstrauisch wurden, wenn sie zu viele Zettelchen tauschten hatten die beiden Magier eine rudimentäre Zeichensprache entwickelt. Noxus musste ihr dennoch mehrfach signalisieren, dass er zu diesem Zeitpunkt auch noch keine besonders gute Idee hatte, bevor sie ihn verstand.
Olivia seufzte und kam an der Klippe zum stehen. Der kühle Wind fuhr ihr durch die Haare. Unter ihr in der Tiefe umspülten die Wellen die Felsen, das Rauschen drang zu ihnen herauf. Frustriert lies sie sich auf einen Baumstumpf fallen und blickte aufs Meer.
“Fast wir zu Hause im Kartell, oder Nox? “

Ornlu
14.10.2016, 01:12
Nach er Zeit des Ruhens, gab es nun eine Zeit des Aufbruchs. Eine Zeit ohne Gewissheit ob es danach noch eine Zeit unter den Lebenden gab, aber wann hatte man schon die?
Halbwegs satt waren sie und schlafen konnten manche in der Gruppe ebenso ausgiebig, wie es schien. Ornlu fand nicht viel Schlaf, den fand er nie, wenn er sich auf etwas vorbereitete. Er wusste nicht wie es bei den anderen war, aber um dann gegen den Drachen zu handeln, würde er womöglich seinem Körper viel abverlangen müssen. Womöglich gar etwas wagen müssen, dass den eigenen Körper schaden würde. Dafür musste er sich bereit machen. Mit dem Geist sich in die Zukunft hineinversetzen und jeden Schritt des mächtigen Zaubers durchgehen.Zufälle gehörten zum Leben dazu, aber hier wollte es der Druide nicht darauf ankommen lassen. So war es am Ende so manches Sumpfkraut, ja gar ein Traumruf sogar, den er geraucht hatte, um sich auf das nahende Spektakel vorzubereiten.
Nun aber galt es nach Setarrif aufzubrechen.
"Maris und ich gehen etwas vor. Wir halten aber stets Blickkontakt zu euch. Wie beschlossen, wird uns Maris dann an diesen besonderen Ort bringen und wir machen uns dort ein Bild der Lage. Danach geht es los. Von nun an müssen wir gnadenlos sein. Wir müssen handeln und dürfen nicht zögern. Egal was kommen mag. Unser Gelingen entscheidet über das Schicksal der Insel. Lasst uns aufbrechen, bevor ich beginne geschwollen und episch über Dinge zu reden, die wir erst vollbringen müssen.", sprach Ornlu an und stieg auch als Erster aus der Schmugglerhöhle hinab.

Françoise
16.10.2016, 18:08
Die Zeit in der Schmugglerhöhle hatte Françoise gut genutzt. Sie hatte meditiert und erhebliche magische Kraft in sich gesammelt. Nicht für die Erschaffung der Barriere, sondern für all das Unvorhergesehene auf dem Wege. Diese Gegend hielt mit Sicherheit noch etliche böse Überraschungen für sie bereit, die sogar für die feinen Nasen der Wölfe nicht so leicht erkennbar wären. Davon einmal abgesehen gab die Meditation der Priesterin Gelegenheit, ihren Geist zu beruhigen. Eben weil so viel passieren könnte, machte sie sich viel zu viele Gedanken. Dass es nun endlich losging, war deshalb eine gute Sache. Jetzt hieß es handeln.
Jadewolf und Maris verließen als erstes die Höhle. Danach folgte Françoise, die ihnen behände hinterherkletterte. Nicht alle von ihnen stellten sich so geschickt dabei an ihr Versteckt zu verlassen. Zum Glück konnten sie einander helfen, so dass die Gruppe bald wieder beisammen stand. Wie vorher angekündigt, übernahmen Maris und Jadewolf dann die Vorhut. Ganz wohl war Françoise bei dem Gedanken nicht, als die beiden Männer fast aus ihrem Sichtfeld verschwanden. Andererseits ergab es durchaus Sinn. Sollten die beiden auf etwas unerwartetes stoßen, gab es den Wassermagiern und Feuermagiern ein bisschen mehr Zeit darauf zu reagieren. Und solange es nicht der Drache selbst war, würde sich derjenige wünschen ihnen niemals begegnet zu sein.
Während sie sich langsam der Stadt näherten, ließ Françoise ihren Blick über die Umgebung schweifen. Im östlichen Teil der Insel hatte sie sich vorher noch nicht aufgehalten und kannte ihn nur aus Büchern und von Karten. Bevor der Drache gekommen war, musste diese Gegend wirklich schön gewesen sein. Jetzt strahlte sie hingegen eine unheimliche Beklemmung aus. Dabei erinnerte die Vegetation die oberste Feuermagierin an ihre Heimat. Eine bizarre Mischung aus Gefühlen kam in ihr hoch.
Sie schüttelte den unschönen Gedanken ab und richtete den Blick nach vorn. Dort sah die Priesterin in der Ferne Jadewolf und Maris und noch weiter entfernt die Zinnen Setarrifs. Ein Teil von ihr hatte erwartet, dort einen Flügel, den Schwanz oder irgendetwas anderes vom Drachen zu sehen. Aber dort war nichts zu erkennen. Hoffentlich hatte er sich nur zwischen den Gebäuden zum Schlaf versteckt und war nicht ausgeflogen, um den Westen der Insel anzugreifen.

Aniron
22.10.2016, 21:04
Sie beobachteten, wie Ornlu und Maris Setarrif näher kamen und Aniron musste den Drang niederkämpfen, ihnen zuzurufen, dass sie zurückkommen sollten und sie sich einen anderen Plan ausdenken würden. Dass sie Setarrif mit einem großen Heer zurückerobern würden und nicht mit einer waghalsigen Aktion. Aber nein, es musste so ein. Es war ihre einzige Chance, gegen den Drachen anzukommen und sie mussten sie nutzen.
Aniron dachte an den Fokusstein, den in ihrer Ledertasche einstecken hatte. Nach reichlicher Überlegung mit Tinquilius hatten sie beschlossen, den Fokusstein, der mit Hyperius auf die Burg gekommen war, mitzunehmen, nur für den Fall, dass etwas Unvorhergesehenes geschehen würde. Gedankenverloren strich sie über ihre Tasche und packte ihren Kampfstab fester. Sie dachte an ihre Kinder. Danee hatte Maris und Aniron auf die Silberseeburg begleitet, war dann aber mit den Zwillingen nach Thorniara gegangen, für den Fall, dass ihr Plan schiefging und die Insel überrannt werden sollte. Von dort aus konnten sie zur Not wieder auf das Festland fliehen und bei den Wassermagiern in Al Shedim Unterschlupf finden. Hoffentlich würde das nicht eintreten und hoffentlich würden ihre Kinder keine Vollwaisen werden.

Sie bekamen ein Zeichen und setzten sich nur vosichtig in Bewegung, um Ornlu und Maris zu folgen, während die Stadtmauer oder zumindest das, was davon übrig war, näherkam. Noch hatten sie Glück, aber wie lange würde das anhalten?

Noctal
15.12.2016, 18:18
Sie hatten ihr Ziel erreicht … Argaan.
Noctal hätte nicht gedacht, dass er so schnell wieder hier sein würde, nachdem er auf dem Festland unterwegs war, um dort allerlei Erledigungen abzuschließen. Danach wurde er von Vincent, den Kopfgeldjäger in eine Falle gelockt, die dazu geführt hat, dass er in die Fänge einer Organisation geriet, die ihn nun auf dem Scheiterhaufen brennen sehen will.
Bei all dem Gold, das Vincent versprochen wurde, konnte Noctal ihm aber nicht mehr so böse sein, wie am Anfang, da er wusste, dass er dieses Angebot selbst angenommen hätte, wenn es um jemanden ging, der ihm nichts bedeutete. Allerdings wäre er für keinen Preis der Welt bereit, einen seiner Freunde zu opfern, denn dafür, war die Mentalität des Haarlosen zu loyal. Selbst Vincent hatte durch das Verschweigen seines Auftraggebers bewiesen, dass er nicht zur Sorte Mensch gehörte, die bereit war, zu verraten, wenn sie ihren Kopf aus der Schlinge ziehen konnten.
Durch das Ereignis, in dem die Allianz die beiden Wanderer gefangen genommen hatte, hatte auch Noctal etwas über sich erfahren. Er gab es noch nicht offen zu, aber vielleicht war er doch nicht so unbarmherzig, dass er Vincent eines Tages umbringen würde. Eine Selbsterkenntnis, die er sich wohl vorher nie eingestanden hätte. Er lernte, dass er vergeben konnte, wenn es darauf ankam. Die Verwunderung hielt immer noch bei ihm an, aber, ob es das alles wert war, dafür zu sterben? Eine Flucht machten die Wachen der Allianz unmöglich und selbst, wenn sie fliehen konnten, würden sie von den Armbrustschützen niedergeschossen werden.
Sie hatten bereits bewiesen, wie diszipliniert und gehorsam sie waren. Die Treffsicherheit der Schützen wollte Noctal nicht mit einer Flucht auf die Probe stellen. Sie würden dabei sterben, das war nicht abzustreiten.
Die selbe Wache, die einen Eimer voller Seifenwasser über beide Gefangene geschüttet hatte, kam nun mit einer weiteren Wache hinein. Sie hatten beide etwas aus Stoff in der Hand. Beim näheren Betrachten konnte man sehen, dass es sich dabei um einfache Säcke handelte. Sie wollten unbedingt den Standpunkt ihres Stützpunkts sichern und dabei konnten sie beiden Gefangenen noch den tollen Anblick der Landschaft verbieten.
»Spielen wir nun blinde Kuh?«, kommentierte Vincent lustig das Erscheinen der Wachen.
Noctal musste grinsen, wobei er das Grinsen wieder zurückhielt, um ernst zu bleiben. Er fragte sich, was mit ihm los war, dass er wegen eines Witzes von Vincent mal grinsen musste. Konnte es sein, dass Noctal von der gleichen Krankheit befallen war, wie Vincent, die dafür sorgte, dass man immer wieder Witze reißen musste und umgekehrt darüber lachte, egal, ob es angebracht war, oder nicht? Noctal schüttelte den Kopf.
»Lass die Witze, Vincent!«, versuchte er den Kopfgeldjäger zur Vernunft zu bringen.
»Hör auf den Rat Deines Kumpanen und lass das Quasseln!«, erwiderte streng die Wache, die vorher für das Seifenwasser verantwortlich war.
Noctal schmunzelte, dass diese Wache so in seinem Gedächtnis verbleiben würde: Als die Seifenwasserwache. Vincent hatte ihn tatsächlich angesteckt. Sie hatten keinen Widerstand geboten, als beide Wachen den beiden Gefangenen die Säcke über die Köpfe zogen und ihnen so die Sicht nahmen, wie auch den Geruch des Seifenwassers, sodass sie nur noch einen muffigen Geruch in den Nasen hatten.
Die Wachen machten weiter mit der Prozedur, legten die Ketten der Gefangenen ab, um sie danach schon wieder in Ketten zu legen. Nun waren sie aber mobil und zum Abtransport bereit.

Luman
16.12.2016, 16:44
Das, was der junge Magier nicht vermisst hatte, war der Gestank des Schwefels, der ihm unweigerlich in die Nase stieg, als er das Kastell verlassen hatte und den gewundenen Pfad hinabgestiegen war. Es war, als hätte er diese Gegend noch nie erblickt, so lange war es her, seit er das Kastell verlassen hatte und den Duft der Freiheit schnuppern konnte, was letztlich nur Schwefel war, der ihm die Tränen in den Augen kommen ließ.
Sobald Luman aber aus der unwirtlichen Gegend kam, würde sich die Landschaft und ebenso der Geruch ändern, der nicht mehr schwefelhaltig war, sondern aus den verschiedenen Pflanzengerüchen des Dschungels bestand und um einiges angenehmer war. Doch die Schönheit des Dschungels durfte nicht täuschen. Viele wilde Bestien tummelten sich dort, die das schnelle Ende für jeden Wanderer bedeuten konnte.
Zunächst musste der Magus diese Landschaft durchstreifen. Die dunklen Schluchten waren Zuhause von so mancher Gefahr, wie die interessanten und ebenso tödlichen Feuerwarane, die mit züngelnden Flammen Luman in wenigen Sekunden als Asche enden lassen konnten. Als er eins dieser Biester zu Gesicht bekam, hielt er sich zurück und wartete, bis der Feuerwaran einen anderen Weg einschlug, damit der Gefahr entgehen konnte. Sollte man ihnen zu nahe kommen, würden sie unmissverständlichen Drohgebärden signalisieren, dass man ihnen aus dem Weg gehen sollte, weil sie sonst zum Angriff schreiten würden.
Wenn man das ignorieren sollte, würden sie mit Feuer spucken, während sie auf einen zustürmen würden … Ein Ende, dem man nicht mehr entgehen konnte. Diese gefährlichen Biester mussten nicht beißen, um ihre Beute zu erlegen. Ihr feuriger Atem war dafür ganz alleine ausreichend. Luman würde nicht so lebensmüde sein, zu testen, ob er immer noch so schnell rennen konnte, wie früher, indem er einen Feuerwaran provozierte, der ihn dann jagen würde. Diesen Nervenkitzel benötigte er nicht, da er ebenso wusste, dass er dies nicht überleben würde.
Seine Ausdauer hatte gelitten, als er das Kastell nicht mehr verlassen hatte und mehr und mehr in sich selbst hineingekehrt war. Er musste zugeben, dass selbst diese Wanderung ihm einiges abverlangte und er sich Pausen gönnen musste, wenn er bereit sein wollte, zu rennen, falls eines der Biester ihm zu nahe kommen sollten. Er musste sich selbst schonen, um seine Ausdauer zu behalten. Er hoffte insgeheim, dass er eines Tages wieder die alte Kondition haben würde, die diese Pausen unnütz machen würden, aber er wusste auch, dass er selbst etwas dafür tun musste. Hoffen alleine brachte nichts.
Der Boden unter seinen Füßen fing zu beben an, als einer großer Golem aus altem Gestein sich zu nähern begann. Feuerrot glühte er, vermischt mit der Schwärze der Felsen dieser tödlichen Steinwüste. Luman ging sofort in Deckung, um sich Schutz zu suchen, falls dieser Golem noch näher kommen sollte. Einen Kampf konnte er nicht gewinnen, dies war eine Unmöglichkeit, die er nicht herausfordern durfte. Seine Magie war zu schwach, als dass er etwas ausrichten konnte und wenn er einem Kampf aus dem Weg gehen konnte, würde er das tun. Es galt zu vermeiden, mit Gegnern zu kämpfen, die er nicht bekämpfen konnte und musste. Falls es nötig war, würde er seine Beine in die Hand nehmen, um zu rennen, denn Mut war in diesen Fällen unangebracht.
Er schämte sich nicht, einzugestehen, dass er fliehen musste, falls es der Schritt war, der ihn zu seiner Unversehrtheit führen würde. Am Anfang seiner Reise, als er den Dschungel durchquert hatte, stand er einem Scavenger gegenüber, dessen Drohgebärde er nicht schnell genug wahrgenommen hatte, weil er in Panik geraten war. Er wusste, dass er keine Chance hatte, weil er weder Waffen, noch die nötige Ausbildung genoss, um sich wehren zu können. Er bereute es nicht, geflüchtet zu sein, da es ihm gewiss war, dass dieser Scavenger seinen Tod bedeutet hätte. Manchmal hat man eine andere Wahl, als zu kämpfen und wenn es nötig war, musste man die Chance nutzen, wenn man nicht als Futter für die Würmer enden wollte.
Seine Geduld zahlte sich aus, als der Feuergolem einen anderen Weg einschlug und Luman unversehrt an ihm vorbeikommen konnte. Es lauerten aber noch andere Gefahren hier und jede einzelne Gefahr musste umgangen werden, weil, das wusste der junge Magier, durfte nichts unterschätzt werden. Auch ein Scavenger konnte zur Gefahr werden, wenn man nicht aufpasste und sich seines Sieges sicher war. Man musste stets einen kühlen Kopf bewahren. Das galt auch im Kampf gegen einen vermeintlich schwachen Gegner zu beachten.
Der Wanderer vermied es, zu essen, weil ihm durch den schwefelhaltigen Gestank der Appetit vergangen war. Er nahm hin und wieder einen Schluck Wasser und stellte sicher, dass er nicht zu viel trank, weil er damit bis zu seiner Ankunft auskommen musste. Luman würde mit dem Essen erst dann anfangen, sobald er diese Region verlassen hatte und sobald dies geschehen war, würde er sich wieder wie im Refektorium nicht zurückhalten können, die Speisen in sich hineinzustopfen.

Madlen
16.12.2016, 22:06
Auch wenn die Geschehnisse keinen Atemzug lang zurück lagen, so konnte sich Madlen nicht erinnern, was denn wirklich passiert war. Zum einem mag das an der Überraschung liegen, dass auf einen plötzlich auftretenden Lichtblitz ein unglaublich lauter Knall folgte, zum anderen daran, dass sie immer verzweifelter versuchte, sich auf einem durchdrehenden Pferd zu halten. Zuerst war nur etwas über Setarrif zu sehen. Gerade als sie es beinahe wieder geschafft hätte, Rittmeister unter Kontrolle zu bekommen, da erbebte die Erde und der Schall erreichte das andere Ende der Insel. Und dann war es auch vorbei mit ihren Erinnerungen. Sie handelte teils instinktiv, teils vermutlich aus ihren trainierten Verhalten mit Redlef heraus und würgte sich beinahe selbst, so fest drückte sich die junge Frau an den Hals des Pferdes. Und schließlich galoppierte das Tier mit voller Kraft in Richtung Osten Argaans.
Zu diesem Zeitpunkt setzten ihre normalen Gedanken wieder ein. Sie fragte sie, ob sie Echsen treffen würde. Vermutlich nicht, da ja die Brücke zerstört worden war. Mit einem Mal klatschte ihr ein Ast in ihr Gesicht. Sie versuchte noch, sich nach dem blöden Teil umzudrehen, stellte allerdings schnell fest, dass solch ein Handeln in diesem Moment nicht günstig war. Verdammt, sie hatte wahrscheinlich den einzigen Baum in der gesamten Ebene erwischt. Allerdings war das immer noch ihr geringstes Problem, denn sie kämpfte immer noch darum, das Tier zu beruhigen. Sie versuchte sich daran zu erinnern, was Redlef ihr noch zugerufen hatte, als er hinter ihr zurückgefallen war. Zudem musste sie sich noch das Gelernte erneut ins Gedächtnis rufen. Und zu guter Letzt, wahrscheinlich der schwierigste Teil, durfte sie nicht vom Pferd fallen und sich dabei alle Knochen brechen.

Kreise reiten, das war es, was der Hauptmann gerufen hatte. Allerdings wusste sie nicht, ob sie sich bei diesem Tempo auf dem Pferd würde halten können. Also galt es zunächst die Geschwindigkeit zu reduzieren. Und wie sollte sie das schaffen? Das Tier achtete überhaupt nicht mehr auf sie. Also drückte sie Rittmeister immer fester ihre Oberschenkel gegen seine Flanken. Da dies wenig zu helfen schien, zog sie fest an dem Zügel. Dabei hätte sie es beinahe aber von dem Pferd getragen. Dennoch wirkte es, als sei dies der richtige Weg. Also zog sie abwechselnd links und rechts stark am Zügel. Und tatsächlich, es drosselt zumindest soweit die Geschwindigkeit des Pferdes, dass Madlen gefahrlos versuchen konnte, einen größeren Halbkreis zu reiten. Nur weg von dem nahenden Wald. Es blieb nun nur zu hoffen, dass Rittmeister nicht noch durch andere Dinge weiter durcheinander gebracht werden würde…

Noctal
17.12.2016, 14:53
Die Sonne blendete beide Gefangenen, trotz der über ihre Köpfe gezogenen Säcke. Noctal machte es etwas aus, sodass er immer wieder seine Hand erhob und vor sein Gesicht hielt, um seine Augen zu schonen.
»Ihr seht so aus, als könntet Ihr es vertragen«, amüsierte sich der Hauptmann mit dem Namen Sarion.
Noctal ignorierte den Witz und konzentrierte sich wieder darauf nicht zu stolpern, was ihm nicht gerade gut gelang. Auch Vincent hatte Schwierigkeiten damit, der Gruppe zu folgen. Sie konnten nichts sehen und die Wachen kümmerten sich nicht darum, ihnen den Weg zu weisen. Viel mehr amüsierten sie sich, dass beide Gefangene nichts sehen konnten und durch die Gegend stolperten, weil sie so hilflos waren.
Wenn sie ausversehen nicht den Weg gingen, den die Gruppe ging, schubste eine der Wachen gewaltsam die ahnungslosen Gefangenen wieder auf den richtigen Weg. Wenn das passierte, geschah es häufig, dass sie sich nicht halten konnten und auf den Boden fielen. Dann galt es so schnell wie möglich wieder aufzustehen, da man den Wachen alles zutrauen konnte. Sie würden nicht davor zurückschrecken, den am Boden liegenden Vincent oder Noctal zu treten. In der Hinsicht unterschieden sie sich nicht von der Grausamkeit so mancher Anhänger Beliars, zu denen Noctal selbst zählte. Sie konnten ebenso gewaltsam sein.
Der Tod auf dem Scheiterhaufen hatten sie bereits für ihn reserviert. Dass sie das vorhatten, bewies bereits, dass man an Grausamkeit einiges in die Wege leiten musste, wenn man das übertrumpfen wollte. Eigentlich dachte Noctal auch, dass die Schiffsfahrt mit Vincent, der Magenprobleme hatte, das Schlimmste sein würde, aber da irrte er sich gewaltig. Diese Wanderung war viel schlimmer und man konnte sie bereits als Folter bezeichnen. Die Wachen spielten mit ihnen, indem sie vorgaben, in die richtige Richtung zu laufen und durch die Geräusche dachten Vincent und Noctal, dass sie auf dem richtigen Pfad waren. Dann wurden sie aber in den Dreck geschubst. Man konnte ihnen aber auch noch zutrauen, dass die beiden Gefangenen richtig waren und die Wachen nur so taten, als hätten die beiden einen Fehler gemacht, um so einen Grund zu liefern, Gewalt an dem ungleichen Duo zu üben.
Es waren durch und durch Sadisten, denen es gefiel, Vincent und Noctal im Dreck liegen zu sehen und wenn sie Lust hatten, ihnen einen Tritt in die Magengegend zu verpassen. Wenn sie keine Anhänger Innos wären, würden sie gut in das Gespaltene Königreich passen, obwohl … Sie passten auch so sehr gut hinein. Diese Mitglieder dieser Innosischen Allianz erinnerten den Haarlosen an die Anhänger Innos aus dem Königreich, aus dem er stammte, in denen sie auch bevorzugt Gewalt an ihren Gefangenen übten. Man könnte sogar meinen, dass sie aus dem Königreich stammten. Es würde jedenfalls wie die Faust aufs Auge passen.
Es galt wieder, die Lauscher aufzusperren. Wenn der Hauptmann sprach, wussten beide Gefangenen, dass sie ihm folgen konnten und keine Angst haben brauchten, dass sie falsch waren. Der Hauptmann war wohl der Einzige, der nicht bei den Spielen seiner Soldaten mitspielte. Noctal, wie auch Vincent, hatten schnell gelernt und verinnerlicht. Wenn sie seine Stimme hörten und sei es nur, wenn er sich räusperte, folgten sie der Richtung, aus der das Geräusch kam. Bei allen anderen Soldaten war es ein reines Glücksspiel, das mit Schmerzen enden konnte. Schlimm war, dass die Gefangenen keine andere Wahl hatten, als die Prozedur über sich ergehen zu lassen, weil sie den sadistischen Soldaten ausgesetzt gewesen waren.

Luman
18.12.2016, 20:01
Der Magen des jungen Lumans grummelte unaufhörlich, weil er es vermeiden wollte, zu essen, da der Schwefelgeruch in seiner Nase nicht gerade anregend für den Appetit war. Er bereute schon fast, dass er nicht noch mehr im Refektorium gegessen hatte, aber er wusste auch, dass er das nicht durfte, wenn er sich nicht zu vollgestopft fühlen wollte. Diese gefährliche Gegend duldete keine Fehler und mit einem zu vollen Magen konnte die Aufmerksamkeit darunter leiden.
Langsam griff Luman in seine Reisetasche. Er wusste, dass er etwas essen musste, selbst, wenn er es nicht genießen konnte, aber um den Hunger einigermaßen zu stillen, würde es reichen. Er nahm ein Laib Brot in die Hand und brach ein kleines Stück ab, wovon er den Rest wieder einsteckte. Genießen konnte es der junge Magier überhaupt nicht, aber es erfüllte seinen Zweck und darum ging es. Da er so viel Hunger hatte, war das kleine Stück Brot auch schnell in seinem Magen verschwunden. Dafür würde er sich aber später, sobald er aus der Gegend raus war, eine größere Mahlzeit gönnen, ohne den penetranten Schwefelgeruch in der Nase.
Die Reise verlief ohne Komplikationen und Menschen, sah er keine, was nicht verwunderlich war, angesichts der unwirtlichen Gegend, die man wohl lieber meiden sollte, wenn man jeder Gefahr aus dem Weg gehen wollte. Der Dschungel war auch nicht besser. Dort konnten wilde Bestien lauern, die es auf leichte Beute nur abgesehen hatten. Luman konnte sich verteidigen, aber er würde keine Chance haben, wenn ein riesiger und hungriger Schattenläufer vor ihm stehen würde, der sich nach einem großen Stück Fleisch sehnte. Er hielt sich wieder den Magen. Eigentlich wollte er nicht mehr an Essen denken, aber er ertappte sich dabei und musste wieder hören, wie sein Magen nach Essen verlangte.
Wieder griff er in die Tasche, brach ein Stück des Brotes ab und steckte es sich in den Mund, das er kaum kaute, ehe er es runterschluckte, um seinem Magen das zu geben, was er brauchte. Danach konzentrierte er sich wieder auf die Umgebung, immer bereit, die Gefahren im Auge zu behalten, die auf ihn lauern könnten. Er wusste, dass der Weg nicht mehr weit war, bis er in eine andere Umgebung kam, die viel erträglicher war, auch, was die Gerüche anbelangte. Die Steinwüste konnte sehr faszinierend sein, aber man durfte die Gefahr, die von ihr und deren Bewohnern ausging, nicht unterschätzen. Luman war deswegen froh, dass er bald eine andere Seite Argaans zu Gesicht bekam: Den farbenfrohen, wie auch gefährlichen Dschungel. Dort musste er aufpassen, sich nicht zu verirren, weshalb er sich vornahm, immer auf den Trampelpfaden zu wandeln.
Wenn er vom Wege abkommen sollte, würde er dort nicht mehr lebend herauskommen. In der Nacht gab es die Schattenläufer, die auch nur dann jagten, da sie tagsüber schliefen. Tagsüber dagegen konnten wieder andere Gefahren auf ihn lauern. Er wollte versuchen, jeder Gefahr aus dem Weg zu gehen. Lieber rannte er, als seine Gesundheit aufs Spiel zu setzen. Er musste auch nicht jagen gehen, falls er Hunger hatte, da er sich zuvor genug mitgenommen hatte. Ohnehin verstand er von der Jagd nichts.
Die Intensität des Schwefelgeruchs nahm langsam ab und auch die Landschaft war nicht mehr mit der Steinwüste von vorher zu vergleichen, als Luman seinen Weg fortsetzte. Irgendwann, als er den weiteren Weg gegangen war, entschwand der schwefelhaltige Geruch in seiner Nase und er konnte schon den Dschungel sehen, der sich vor ihm aufbaute. Wie er es in seiner Erinnerung behalten hatte, war es ein farbenfroher Ort mit vielen verschiedenen, ihm unbekannten Pflanzen, mit denen man sicherlich einige Träne brauen konnte, wenn man die Grundlagen verstand. Jemand, der sich damit auskannte, konnte auch sagen, welche Pflanzen essbar waren und welche unweigerlich zum Tode führen würden. Luman war nicht eine solche Person. Sein Magiestudium hatte er vernachlässigt, was er bereute, aber er würde es eines Tages wieder aufnehmen.
Sein Herz schlug schneller und sein Puls beschleunigte sich inständig, als er drei Menschen sah, die an einem Lagerfeuer saßen. Es war die Angst vor Menschen, die sich wieder zeigte. Er konnte sich selbst sagen, dass er nicht mit ihnen in Kontakt treten musste, aber er wusste auch, dass er seine Angst nur bekämpfen konnte, wenn er sie konfrontierte, statt ihr auszuweichen. Mutig ging er weiter seinen Weg, sodass er ihnen immer näher kam.
»Hey, Fremder!«, rief nun ein Mann dieser Gruppe dem jungen Magier zu.
»Habt keine Angst! Gesellt Euch dazu!«, rief er weiter, als hätte er wissen können, dass in dem Magier die Menschenscheu innewohnte.
Luman versuchte, seine Angst vor Menschen auszublenden, aber ein gewisser Hintergedanke verblieb. Was er aber nicht wollte, war, dass er sich davon zu sehr einnahm. Er ignorierte die Angst und beschloss, mit den Menschen, die am Lagerfeuer saßen, in Kontakt zu treten.
Langsam ging er auf sie zu, dabei ignorierend, welche Ängste ihn plagten …

Noctal
19.12.2016, 17:55
Die Soldaten mussten so viel Spaß dabei haben, beide Gefangene immer wieder in den Dreck zu schubsen, dass sie es in Kauf nahmen, dass sich ihre Ankunft verzögern würde. Der Hauptmann mit dem Namen Sarion unterband diese Spielchen nicht, machte dabei aber auch nicht mit. Leider konnten sie nicht wissen, wie lange die Reise und damit die Tortur noch weitergehen würde, aber je länger sie hier draußen waren, desto länger würden sie leben. Sobald man sie erst einmal in ein Gefängnis werfen würden, gäbe es kein Zurück mehr. Der Scheiterhaufen würde schon auf sie warten.
Noctal hatte eine Idee, wie er es vermeiden konnte, dass die Soldaten in schubsten und in die Irre führten. Er würde Sarion in ein Gespräch verwickeln, an dessen Stimme man sich orientieren konnte, weil er nicht bei den Spielen seiner Soldaten mitmachte. Zugleich würde Noctal und Vincent etwas mehr über ihn erfahren, was als eine Abwechslung angesehen werden konnte. Er hatte genug davon, von den Anhängern Innos nur herumgeschubst zu werden, ohne etwas tun zu können. Wehren konnte er sich nicht, das würde es noch schlimmer machen.
»Sagt mir, Sarion …«, fing der Haarlose an zu sprechen.
»Für Euch heißt das immer noch Hauptmann Sarion!«, erwiderte der Hauptmann sofort und merklicher Strenge.
»Dann eben Hauptmann Sarion …«, sprach Noctal.
»Habt Ihr nie daran gedacht, Euch an Eurer Schwester zu rächen? Sie hatte Euch verbannt, obwohl Ihr sowieso gehen wolltet. Sie hat Euch Eure Ehre und Euren Stolz genommen!«
Eine Zeit lang sprach der Hauptmann nichts, als würde er immer noch davon angeschlagen sein, dass seine Schwester ihn ausgetrickst hatte und ihm eiskalt die Möglichkeit genommen hatte, zu seiner Familie zurückzukehren. Noctal und Sarion waren Feinde, aber sie teilten ein gewisses Schicksal miteinander: Die Verbannung aus ihren Familien.
»Ihr habt die nötigen Männer, um Euch zu rächen …«, versuchte Noctal ihm einzureden.
»Schluss damit!«, wurde der Hauptmann plötzlich laut.
»Ich will nicht darüber reden! Glaubt Ihr, ich erkenne nicht, dass Ihr mich manipulieren wollt? Es geht Euch nicht einmal etwas an! Nun geht weiter!«
Noctal hatte einen ziemlich wunden Punkt getroffen, aber, um es nicht zu übertreiben, hörte er auf Sarion und stellte das Reden ein. Vielleicht war Sarion einfach nicht der Typ für Rache, egal, was ihm seine Schwester angetan hatte. Noctal dagegen hätte kein Problem damit, seinen Vater umzubringen, da er so feige war und ihm Hochverrat unterstellte, der zu seiner Verbannung führte. Im Gespaltenen Königreich war es aber auch keine Seltenheit, dass sich Familienmitglieder untereinander bekriegten.
Es herrschte wieder eine peinliche Stille und Noctal bereitete sich wieder innerlich darauf vor, dass man ihn wieder herumschubsen würde. Vielleicht war es sogar ganz gut, wenn sie das taten, da die Gefangenen Zeit gewinnen konnten. Noctal dachte etwas optimistischer, nachdem auch Vincent erzählte, dass es vieles vereinfachen konnte und das stimmte den Haarlosen positiv.
Er würde sich nicht brechen lassen, denn er wusste, dass in dieser Zeit noch vieles geschehen konnte, das positiv für die beiden Gefangenen ausgehen konnte. Selbst, wenn er sich irrte, würde er nicht als gebrochener Mann sterben. Er würde tapfer seinem Tod in die Augen sehen.

Luman
20.12.2016, 17:07
»Ich grüße Euch, Fremder!«, sprach der Fremde.
Auch die anderen beiden Reisenden, begrüßten ihn freundlich. Insgesamt waren es zwei Männer und eine Frau, die anwesend waren.
»Zum Gruße!«
»Hallo!«
»Grüße!«, begrüßte auch Luman alle drei, die alle einen freundlichen Eindruck machten, der dafür sorgte, dass die Nervosität des jungen Magiers sinken konnte.
Der Mann, der die Gruppe anzuführen schien, trug eine Kapuze auf dem Kopf und hatte einen sehr gepflegten Vollbart. Es erinnerte Luman an ihn selbst, der selber Kapuzen trug, um seine Unsicherheit zu verbergen und sich vor Blicken zu schützen. Der Grund, warum er keinen Kapuzenmantel mitnahm, war, weil er sicherstellen wollte, nicht in Versuchung zu geraten, wieder eine Kapuze zu tragen und in alte Gewohnheiten zu verfallen.
»Was führt Euch hierher?«, riss der Kapuzenträger den Neuankömmling aus seinen Gedanken.
»Ich bin auf der Durchreise«, erwiderte Luman.
Der Fremde nickte freundlich.
»Wir auch!«
»Wohin verschlägt es Euch? Zur Silberseeburg?«
»Ich reise nach Setarrif.«
Der Fremde grinste, dann lachte er laut, was Luman verwunderte und ebenfalls verunsicherte.
»Habt Ihr unter einem Stein gelebt?«
»Entschuldigung, war nicht böse gemeint. Ein kleiner Scherz am Rande!«, versuchte er die Verunsicherung dem jungen Magier zu nehmen.
»Ihr wisst es wohl wirklich nicht, nicht wahr?«
Luman schüttelte ahnungslos den Kopf.
»Was meint Ihr?«
»Setarrif wurde zerstört …«
Dem jungen Magier wurde klar, dass er wirklich lange weg gewesen war, dass er selbst so etwas verpasste.
»Zerstört?«
»Ein Drache mitsamt seiner Armee hat die Stadt überrannt und ein Blutbad angerichtet …«
»Vielleicht ist es aber auch besser, wenn Ihr in letzter Zeit nicht hier wart. Die Gegend ist gefährlicher geworden, seit es hier Echsenmenschen gibt.«
Er hatte von den Echsenmenschen und dem Drachen gehört, aber mehr auch nicht. Dass er bereits so viel Schaden anrichtete und Luman nichts davon erfuhr, ließ in ihm ein komisches Gefühl entstehen. Es war allerhöchste Zeit, dass er wieder in die weite Welt hinauszog.
»Ich verstehe, dass es Euch schockt. Kaum seid Ihr hier, schon hört Ihr solch eine Botschaft.«
»Wann geschah das?«, fragte der Magier.
»Vielleicht vor einem Jahr, wenn nicht sogar länger. Auf jeden Fall sind sehr viele Monate verstrichen.«
»Unfassbar …«, tat Luman seine Verwunderung kund.
»Habt Ihr denn den Knall mitbekommen und das Erdbeben?«
Luman schüttelte den Kopf.
»Das ist verwunderlich! Ein schmerzerfüllter Schrei kam direkt aus der Richtung von Setarrif. Im Anschluss bebte die Erde. Ich bin mir sicher, dass es jeder auf der Insel mitbekommen hat. Und davon wisst Ihr auch nichts?«
»Nein, ich bin, wie Ihr, selber verwundert. Was glaubt Ihr, könnte das gewesen sein?«
»Ich bin mir nicht sicher, was das für uns zu bedeuten hat. Es bleibt abzuwarten. Ehrlich gesagt würde ich sofort weiterreisen, da wir nicht wissen, was uns erwarten könnte. Entweder bedeutet es Gutes … oder Schlechtes.«
Ein Erdbeben und ein Schrei? Um wieder an menschliche Kontakte zu kommen, hatte sich der junge Magier vielleicht nicht die beste Zeit ausgesucht. Diese Gruppe erschien aber vertrauenswürdig und genau danach hatte er gesucht.
»Die Gegend ist gefährlich geworden. Wie wäre es, wenn Ihr Euch uns anschließt? Wir sind auf direktem Wege zur Silberseeburg. Dort soll es sicher sein!«
Damit hatte der Reisende kein Problem gehabt. Zu viert würden sie sich gegenseitig den Rücken freihalten können und dabei konnte Luman wieder lernen, zu vertrauen. Trotzdem würde Misstrauen bei ihm verbleiben, da er die Gruppe erst seit kurzem kannte. Sie machten einen freundlichen Eindruck, der aber täuschen konnte. Er musste aber zugeben, dass er bei ihnen ein gutes Gefühl hatte.
»Ich bin einverstanden!«, stimmte Luman zu.
»Sehr gut! Das freut mich! Wenn wir schon dabei sind, können wir uns auch duzen. Das gefällt mir persönlich lieber. Ich weiß ja nicht, was Du davon hältst. Wenn es Dir lieber ist, können wir uns auch weiterhin mit anderen Anredeformen ansprechen.«
»Nein, das ist schon okay für mich. Duzen klingt gut!«, war Luman einverstanden.
»Freut mich, dass Du es genauso siehst!«, lächelte der Anführer der Gruppe freundlich.
Alleine sein Lächeln sorgte dafür, dass der Magier sich besser fühlen konnte, als würde man ihm sein Misstrauen abnehmen. Misstrauen konnte aber schützen. Vielleicht war es besser, wenn er mehr Vertrauen zulassen würde, weil Misstrauen wie eine schwere Last wiegen konnte, die nur darauf wartete, abgenommen zu werden. Er würde nicht vollends sein Misstrauen ablegen, da eine gute Portion immer noch gesund war. Vertrauen konnte aber auch gesund sein, wie sich einer Gruppe von Reisenden anzuschließen, die mehr Sicherheit bedeuten würde.
»Dann ist es nun Zeit, dass wir uns vorstellen!«, forderte er seine Wegbegleiter auf.
»Mein Name ist Joshua!«, stellte sich der zweite Mann der Gruppe vor.
»Und ich bin Julia!«, folgte die Vorstellung der einzigen Frau der Gruppe.
Luman hatte das Gefühl, als wäre er als Nächster an der Reihe, sich vorzustellen, weil der Anführer abzuwarten schien.
»Luman ist mein Name!«, stellte er sich schließlich vor, dabei versuchend, freundlich zu wirken.
Langsam nahm der Anführer die Kapuze ab und zeigte somit, dass Luman und er eine gewisse Ähnlichkeit hatten: Beide trugen Glatze. Wenn der Fremde statt einem Vollbart eine Henriquatre trug, würden sie wahrscheinlich wie Brüder aussehen.
»Ich heiße Dich in unserer Gruppe willkommen, Luman!«, sprach der Anführer der Gruppe mit einem breiten und freudigen Lächeln.
»Da sich alle vorgestellt haben, ist es nun für mich Zeit, mich vorzustellen!«
Der Anführer ließ eine Sprechpause einleiten.
»Man nennt mich Cleaver!«

Noctal
21.12.2016, 19:25
Ohne Pausen ging die Reise weiter. Die Soldaten, die währenddessen eine kleine Stärkung einnahmen, hatten, wie es zu erwarten war, nichts für Vincent und Noctal übrig. Sie sollten hungern, dursten und leiden, während sie aufpassen mussten, nicht in den Dreck geschubst zu werden. Rachegedanken schwirrten unaufhörlich im Kopfe des Haarlosen, der sich nicht mehr ausmalte, wie er Vincent Leid antun würde, sondern den Soldaten, die um einiges härter zu ihm waren. Aber ob er hier noch herauskommen würde?
Eine Chance zu fliehen gab es nicht und der Gedanke alleine war recht naiv. Ihnen war, im wahrsten Sinne des Wortes, die Hände gebunden und ihre Sicht wurde durch die Säcke, die über ihre Köpfe gezogen wurde, genommen. Die Kraft dazu hatten sie auch nicht mehr. Sie hatten schon so lange nichts mehr gegessen, dass sie, selbst, wenn sie die Möglichkeit zu fliehen, nicht davonrennen konnten. Ein Bolzen genügte, um sie wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. Der Optimismus, der von Vincent angesprochen wurde, half auch hierbei nichts. Noctal konnte sich nur noch an pessimistische Gedanken halten, aber Vincent, so, wie der Haarlose ihn kannte, würde weiterhin optimistisch vorangehen.
In der Hinsicht konnte er dies ausgezeichnet, aber ob es ihm half? Noctal bezweifelte es immer mehr, sich an den Optimismus zu klammern, der ihnen auch nicht die Fesseln abnehmen konnte, wie auch die Kraft zu schenken, aus der brenzligen Situation entfliehen zu können. Sobald sie ankommen würden, im Hauptquartier der Allianz oder wo auch immer sie hinreisen würden, wäre ein Gefängnis für sie bestimmt, das ihr Zuhause sein würde, bis die Soldaten entschieden, wann der Zeitpunkt des Todes für beide Gefangene gekommen war.
Unter der Kapuze fing der Haarlose zu grinsen an, der immer noch daran dachte, dass diese Leute ihm alles nehmen konnten, aber es niemals schaffen würden, seinen Willen zu brechen. Dafür war er viel zu stolz, als dass er gerade den Menschen seinen Willen überlassen würde, die er schon im Gespaltenen Königreich zu hassen lernte. Und bei Beliar, würde er dies auch einhalten, bis zu seinem Tod. Gerade diese Gedanken halfen ihm dabei, mit der schwierigen und aussichtslosen Situation umzugehen.

Luman
22.12.2016, 18:53
»Setz Dich ruhig dazu!«, forderte Cleaver den Neuankömmling freundlich auf.
»Hast Du Hunger?«
Gerade in diesem Moment knurrte der Magen von Luman, der sich peinlich berührt den Magen hielt. Er war aus dem Gebiet raus, in dem er kaum einen Bissen herunterbekam, aber nun war er in einer Gegend, in der er kein Problem damit hatte, eine Stärkung zu sich zu nehmen.
Cleaver lachte.
»Deinem Magen nach, hast Du sehr großen Hunger! Wir haben gebratenes Fleisch. Wenn Du willst, kannst Du zugreifen!«
Die freundliche Geste von Cleaver wollte Luman erwidern und er wollte ehrlich sein. Er konnte sich Proviant sparen, wenn er es von Cleaver annahm, aber er hatte selber genug, um über die Runden zu kommen.
»Das ist sehr freundlich! Ich habe aber selber genug zu essen. Es ist also nicht nötig.«
»Das macht doch nichts! Nimm ruhig. Man braucht eine warme Mahlzeit am Tag!«
»Vielen Dank!«, bedankte sich der Magier.
»Wenn Ihr alle wollt, würde ich auch gerne etwas von meinem Proviant dazugeben, um die Gastfreundschaft zu erwidern.«
Joshua schüttelte lächelnd den Kopf.
»Danke für das Angebot! Wir haben aber gerade gegessen. Du kannst ruhig das restliche Fleisch haben. Ich stimme auch Cleaver zu. Man braucht eine warme Mahlzeit, wenn man bei Kräften sein will!«
»Nochmals vielen Dank!«, sprach Luman und griff nach eine der Keulen, die er sich sofort einverleibte.
Er wollte dabei seine Manieren nicht vergessen. Trotz des großen Hungers, den er lange Zeit nicht gestillt hatte, wollte er nicht wie ein Barbar alles in sich hineinschaufeln.
»Sobald Du gegessen hast, können wir weiterreisen!«, sprach wieder Cleaver, der sich zurücklehnte, mit den Händen auf dem Boden abstützend.
»Woher kommst Du, Luman?«, kam Julia zu sprechen.
»Ich komme von Khorinis!«, erwiderte der Magier, der sich die nächste Keule schnappte.
»Das ist sehr weit von hier entfernt! Was verschlägt Dich nach Argaan?«
In Gedanken fragte Luman sich, wie viel er der Gruppe preisgeben sollte. Er kannte sie noch nicht genau und trotz der Gastfreundschaft musste er auf der Hut sein. Er durfte nicht zu viel vertrauen.
»Reine Abenteuerlust«, erzählte er.
Das stimmte zwar nicht so ganz, aber falls er die wahren Gründe sagen würde, würde er nur weitere Fragen beantworten müssen. Sein Vater wollte ihm ein besseres Leben ermöglichen und schickte ihn deswegen nach Argaan. Wenn er das sagen würde, konnte sich die Gruppe fragen, wieso er dann gerade hier unterwegs war, in einer Gegend, in der es zu gefährlich war. Wenn er sich aber als Abenteurer ausgab, ließen sich weitere Fragen sofort von alleine beantworten.
»Das ist bei uns ein ähnlicher Grund, warum wir in der Gegend sind«, erwiderte Julia.
Luman sah die junge Frau an, danach den Mann, der neben ihr saß. Sein Name war Joshua, wie er sich vorstellte. Der Magier fand, dass sie sich sehr ähnlich sahen.
»Ihr beiden seht Euch sehr ähnlich!«, plauderte Luman, um mehr über seine Reisegefährten herauszufinden.
»Das liegt daran, dass Joshua und ich Geschwister sind!«, lächelte Julia und steckte dabei noch Joshua an, der mitlächelte.
»Dann lag ich richtig mit der Vermutung!«, lächelte nun auch Luman, der danach wieder in eine Keule Fleisch hineinbiss.
Es war die letzte Keule, die Luman dazu brauchte, um seinen Hunger endgültig zu stillen. Nun war er satt und wenn es nach ihm ginge, konnten sie weiterreisen. Cleaver hatte wohl den selben Gedanken und stand auf, um sich bereit für den weiteren Weg zu machen.
»Hast Du eine Waffe, Luman?«, kam Cleaver auf das Thema zu sprechen.
Der Magier hätte sich auf die Lippe beißen können, weil er doch etwas vergessen hatte. Er hätte noch eine Waffe einstecken sollen, aber er ging auch nicht davon aus, dass er Reisegefährten dabei haben würde. Er konnte sich verteidigen, indem er eine Schattenflamme heraufbeschwören konnte, aber die Gruppe sollte nicht wissen, dass er ein Schwarzmagier war. Er musste, um sich selbst zu schützen, diese Information, wie auch das Können dazu, zurückhalten. Nicht jeder würde gerne mit einem Schwarzmagier reisen, dem man vieles unterstellen konnte. Falls es zum Kampf auf ihrer Reise kommen sollte, musste er abschätzen, ob es sinnvoll war, wenn er seine wahre Identität zu erkennen geben würde. Noch konnte er nicht wissen, wie seine Reisegefährten darauf reagieren würden.
»Ich habe keine Waffe dabei«, sprach der Magier, während er seinen Kopf schüttelte.
»Kein Problem! Hier, nimm meinen Dolch! Du kannst ihn so lange behalten, bis wir an der Burg angekommen sind.«
Luman nahm den Dolch von Cleaver dankend entgegen.
»Danke, Cleaver! Ich werde gut darauf aufpassen. Sobald wir die Burg erreicht haben, werde ich ihn Dir zurückgeben!«
»Mit dem Dolch wirst Du zwar gegen keinen ausgewachsenen Echsenmenschen kämpfen können, aber es ist immer noch besser, als gar keine Waffe zu haben. Bleib aber am besten im Hintergrund, falls es zu einem Kampf kommen sollte!«
Der Magier nickte zustimmend.
»Verstanden, Cleaver!«
»Julia und Joshua … Das gilt auch für Euch! Bleibt im Hintergrund und überlasst mir das Kämpfen!«, sprach Cleaver zu den beiden.
»Wir haben verstanden!«, erwiderte Joshua und sprach dabei für seine Schwester mit.
»Sehr gut! Dann wird die Reise nun weitergehen!«, sprach der Anführer der Gruppe.
Das Lagerfeuer wurde schnell gelöscht und die Gruppe war bereit, weiterzureisen.

Redlef
23.12.2016, 00:58
Als Red Madlen und Rittmeister endlich eingeholt hatte, stand sie mit dem Hengst am Rande des Waldes hinter dem die zerstörte Brücke lag. Sie hatte das Pferd ganz gut unter Kontrolle, doch beruhigt hatten sich beide noch nicht.
»ich bin beeindruckt. Sogar mich hätte es bei diesem Hüpfer wahrscheinlich aus dem Sattel geschmissen. Wie ich sehe, hast du den alten Knaben ja auch wieder eingefangen. Das ist gut…«
Red ließ seinen blick abschweifen. Gedanklich war er weniger bei seiner Reitschülerin, als bei der Explosion über Setarrif. Es musste etwas in Setarrif passiert sein. Da gab es keine andere Erklärung…
»Fühlst du dich noch stark genug für einen kleinen Ritt?« Redlef wusste, dass er ihr viel abverlangte, sondern dass er sie an die Grenze trieb. Rittmeister stand zwar still, doch er hatte sich noch immer nicht beruhigt. Dies war deutlich an seinem aufgeregt schlagenden Schweif, und an seinen bebenden Nüstern zuerkennen.
Eine wirkliche Antwort von Madlen wartete er nicht mehr ab. Vielmehr drückte er Möhre seine Fersen in die Flanken und trieb das Pferd in einen halsbrecherischen Galopp.

Die Brücke war schnell erreicht und zerstört, nach wie vor. Nun ärgerte es den Hauptmann. Zu gerne wäre er bis nach Setarrif durchgeritten. Doch nun hielt sie die Sicherheitsmaßname hier auf. Der Schaden im Brückenbogen war zu groß um darüber zu springen.
»Verdammt!«, schimpfte er laut und schlug mit der Faust wütend auf den Vorderzwiezel.
»Hier kommen wir nicht weiter. Was immer i, Süden passiert ist. Hier werden wir es nicht herausfinden können.«
Frustriert blickte er ein letztes Mal zur Brücke, dann zu Madlen. »Ich schlage vor, wir reiten zurück nach Thorniara. Hier weiter herum zu irren bringt uns nicht weiter. Außerdem denke ich, hattest du genug Abenteuer für einen Tag…«

Noctal
23.12.2016, 18:11
»Hauptmann, kann ich Euch eine Frage stellen?«, sprach dieser Welik, der die Idee hatte, den Haarlosen nur wegen seines Äußeren auf den Scheiterhaufen zu werfen.
»Nur zu, mein Junge!«, erwiderte Sarion sogleich.
»Stimmt das, was Ihr auf dem Festland gesagt habt?«, fragte der Soldat nach.
»Dass ich Euch für fähig halte, in meine Fußstapfen zu treten?«
Welik wartete auf eine Antwort seitens des Hauptmanns ab.
»Ich habe es genau so gemeint, wie ich es gesagt habe. Ich halte Euch für fähig und ich bin mir sicher, dass Ihr Euch eines Tages als Hauptmann dazuzählen dürft!«
Anhand der Stimme des jungen Soldaten, konnte Noctal erahnen, dass dieser Soldat lächeln musste.
»Vielen Dank, Hauptmann!«, sprach der Soldat glücklich.
»Wie rührend …«, konnte Noctal nicht mehr länger seinen Zynismus zurückhalten.
»Ruhe da drüben!«, rief ein anderer Soldat dem Haarlosen zu.
Danach wurde er wieder geschubst, aber Noctal konnte sich auf seinen Beinen halten. Er bereute seinen Spott nicht und je mehr er diesen Soldaten zeigen konnte, dass er mit der Tortur umgehen konnte, desto besser.

Madlen
29.12.2016, 22:41
„Danke, aber es wäre beinahe schief gegangen! Vermutlich haben mich die alten Götter oder wer weiß was beschützt, denn hier war mehr Glück im Spiel als alles andere!“ Auch wenn Madlen im Grunde völlig erschöpft war, würde sie diese Schwäche niemals gegenüber dem Hauptmann zugeben und folgte diesem stillschweigend in Richtung Setarrif. Es war nicht weiter schwer herauszufinden, warum der Rotrock weiter in den östlichen Teil der Insel vorstoßen wollte. Allerdings war es unvorsichtig. Nicht weil sie nur zu zweit waren, sondern vielmehr weil sie für eine solche Aufgabe nicht gerüstet waren. Und dennoch war es der jungen Frau gleich. Redlef würde sich selbst nicht in große Gefahr bringen, denn immerhin hatte er in diesem Punkt auch genug Erfahrung. Und damit wäre die Bardin für einen Moment in Sicherheit.

Es fiel ihr schwer mit Rittmeister dem Pferd von dem Innosler zu folgen. Der Hengst war immer noch aufgewühlt und nur unter größter Mühe schaffte sie es das Tier weiter in Richtung Setarrif zu halten. Allerdings erreichten sie schon nach kurzer Zeit die zerstörte Brücke, welche einst den Norden mit dem Osten der Insel verbunden hatte. Nun konnte man hier nicht mehr weiter reisen. Und so waren sie gezwungen wieder in Richtung Thorniara zu reiten. „Nun, viele Möglichkeiten gibt es nicht. Ich war gezwungen einige Zeit in der zerstörten Stadt zu verbringen.“ Madlen blickte weiter nach Setarrif. „Eine einst stolze Stadt, versunken in tiefster Finsternis beherrscht von eine alles zerfressender, tödlichen Dunkelheit. Nun, wie auch immer. Es kann nur etwas im Zusammenhang mit dem Drachen sein. Und da dieser sich in den letzten Tagen ruhig verhalten hat, kann es nur eine militärische Konfrontation zwischen der Kreatur und Menschen gewesen sein. Bleibt nur zu hoffen, dass wir gewonnen haben, ansonsten werden wir bald einige schwerwiegende Probleme bekommen.“ Schließlich wendete die Fürstin ihr Pferd und folgte Redlef zurück zur Stadt. „Es muss magischer Natur gewesen sein, etwas anderes kann eine solche Macht nicht entfesseln. Hoffentlich haben die Verursacher dies überlebt.“

Langsam beruhigte sich Rittmeister wieder und es gelang ihr, das Tier weiter unter ihre Kontrolle zu bringen. Allerdings merkte die junge Frau, dass das Pferd immer noch nervös war…

Redlef
03.01.2017, 00:39
Nun in einem gemächlicheren Tempo ritten sie zurück Richtung Thorniara. »Ihr wart in Setarrif, während der Drache dort hause? Ich bin beeindruckt, dass ihr das überlebt habt. Ich selbst war im letzten Frühjahr im Gebirge und habe die Echsenhorden dort in ihrem Nest gesehen. Ein fürchterlicher Anblick. Der ließ mir fast das Blut in den Adern gefrieren. Da waren tausende von diesen Viechern. Sie werden kommen und dann Gnade uns Innos. Im Sommer haben sich in Thorniara die Magier aus Thorniara, Setarrif, aus dem Wald und sogar aus diesem verfluchten Kastell getroffen, um darüber zu beraten wie man den Drachen loswerden könnte. Ich denke nun haben sie gehandelt. Die Oberste Feuermagierin müsste auch dort sein.« Er guckte grimmig. Dieses verdammte, dickköpfige Weibsbild. Sia hatte sich praktisch ohne Schutz in Gefahr begeben. Er betete zu Innos, dass sie heil zurückkam.
»Naja, wir müssen leider zurückkehren und abwarten.«
Weiterhin verärgert über seine eigene Machtlosigkeit, ärgerte er sich weiter still vor sich hin. Er hasste diesen Zustand mehr als alles andere. Und auch wenn man sicherlich nicht grundlos das Oberhaupt der Kirche wurde, so sorgte er sich dennoch mächtig. Was wenn ihr etwas zustieß oder sie nie zurückkam… Der Gedanke war nicht zu ertragen.

Rittmeister erschreckte sich vor einer Pfütze auf dem Boden und wich schnaubend zur Seite. Dieses brachte seine Aufmerksamkeit zurück auf Madlen. »Ja… äh, bleibt konzentriert. Die Zügel nicht so straff. Wenn er anfängt sich auf das Gebiss zu legen, dann kannst du daran herumreißen wie du willst und wirst dennoch nichts erreichen. Überhaut, pass auf, dass du das Pferd nicht riegelst. Wenn zu zu viel im Maul herumreißt, dann machst du das pferd nur stumpf im Maul und die Möglichkeit des feinen Reitens geht verloren. Besonders, wenn du dein Pferd irgendwann im Kampf führen möchtest, dann braucht ihr die Möglichkeit der feinen Einwirkung. Auch wenn das Pferd durchgeht.«
Redlef verlor sich in der Theorie über feine Hilfen, Gewichtseinwirkungen, unfaires reiten, Leute, besonders Frauen, die immer besonders dazu neigten in Pferdemäulern herumzureißen. Er echauffierte sich darüber, dass es die Weiber besonders gut verstanden, die Männer fein um den Finger zu wickeln, doch ein Pferd fassten sie an, als ob sie einen Ochsen zum Schlachthaus führen wollten. Dann holte er weit aus und ergoss sich über Paraden und Hilfen, erklärte lang und breit wann welche wie zu geben waren, wie man die Zügel zu halten hatte und wie man richtig mit den Waden - nicht mit der Ferse – treib.
Mitten in seinem Redeschwall, seufzte er. »Entschuldigt. Ich langweile Euch. Mir geht gerade einiges im Kopf herum, da habe ich mich gehen lassen. Passiert mir sonst nicht, entschuldigt…« Er schüttelte den Kopf und massierte sich mit Daumen und Zeigefinger die Nasenwurzel. So ein Zeichen von Schwäche ließ er selten durchblicken. Er war wirklich aufgewühlt. Er musste sich zusammenreißen.
Dann blickte er zu Madlen herüber. »Ihr macht das schon ganz ordentlich, kleine Prinzessin«, neckte er und lächelte sanft. »ich weiß, dass Euch die Heimat ruft. Ich denke Ihr habt noch viel zu lernen, doch vorerst solltet Ihr nicht mehr so schnell aus dem Sattel fallen.«
Gerade ritten sie über einen Hügel, da erklang das donnernde Geräusch von Hufen.
»Passt auf Madlen! Da kommen Reiter.« Eine ganze Horde von Ihnen ritt im scharfen Galopp auf sie zu. Redlef konnte das Wappen dieses fremden Ordens erkennen. Was wollten die hier. »Pferde lassen sich gern mitreißen, haltet ihn also gut fest.« Und tatsächlich. Als die Horde Gruppe an ihnen vorbei galoppierte, spielte Rittmeister sich auf. Er drohte zu steigen, doch Madlens energisches Vortreiben hinderte das Pferd daran. Sogar sein eigenes Pferd begann zu tänzeln, das Streitross war ebenfalls noch unter Spannung.
Im Vorbeireiten erhaschte Redlef einen Blick auf ihren Anführer. Sein Blick war festentschlossen, sein Gesichtsausdruck grimmig. Dieser Ritter Jun war wirklich eine bemerkenswerte Erscheinung. Red nickte ihm kurz zu und fragte sich gleichzeitig was dieser Kerl wusste, was er nicht wusste. Doch die Kämpfer hielten nicht auf die Brücke zu, vielmehr ritten sie in Richtung des Außenpostens.
»Nun gut«, murmelte Red, »reiten wir heim.«

Madlen
07.01.2017, 23:20
„Mag sein, dass ich einige Zeit dort war, aber ich habe nicht gelebt. Wie gesagt, meine Vergangenheit war vielseitig und ein Leben würde nicht ausreichen, um Euch erklären zu können, welchen Menschen ich ausgeliefert war. Diese Erfahrung und meine Ausbildung haben es mir ermöglicht in einer Welt der Toten zu überleben. Und mit jedem Tag wuchs die Angst in mir…“ Madlen schwieg einen kurzen Augenblick und seufzte dann. „Wie auch immer, nun bin ich wieder hier.“ Dann lachte die junge Frau kurz. „Es hat auch mein Weltbild verändert. Ein Beispiel. Dieser Zwist zwischen den verschiedenen Angehörigen der einzelnen Götter ergibt für mich keinen Sinn. Es sind Kleinigkeiten, welche so tiefe Gräben zwischen den Lagern ziehen, dass man sie nicht mehr füllen kann. Und wenn eine wirkliche Bedrohung, wie die Dunkelheit eines Drachen auf den Plan tritt, dann kooperiert man am Ende doch. Somit sind doch alle vorangegangenen Streitigkeiten nichtig!“

Schließlich schwieg sie wieder und hörte sich den Monolog an. Aufmerksam lauschte sie den Worten von Redlef, auch wenn dieser mit den Gedanken völlig woanders zu sein schien. Die Fürstin hatte genug Beobachtungsgabe, um zu wissen, dass den Hauptmann etwas völlig anderes plagte, als das Problem von Frauen und Pferden. Und es konnte noch so interessant sein, darüber etwas in Erfahrung zu bringen. „Ihr braucht Euch nicht zu entschuldigen. Wissen ist immer gut und somit kann ich nur dadurch lernen. Und meine Heimat kann noch warten. Um ehrlich zu sein, bin ich das lange Blutvergießen leid. Als Soldat wisst Ihr was ich meine. Könnt Ihr noch Euren ersten getöteten Feind sehen? Seinen letzten Blick, sein stummes Flehen? Bestimmt und daher muss das goldene Tal warten. Wenn ich geistig völlig tot dort ankomme, dann bin ich keine Kupfermünze mehr wert!“

Als dann eine Gruppe fremder Reiter sie passierte, wäre Rittmeister beinahe wieder durchgegangen. Mit einiger Mühe gelang es der jungen Frau das Tier wieder etwas zu beruhigen. Madlen wusste weder die Reiter waren noch wessen Wappen hier abgebildet war, allerdings schien der Hauptmann den Anführer der Gruppen kennen, da er ihm zunickte. Als die Bardin und der Rotrock passiert worden waren, ging es weiter Richtung Thorniara. „Nun, wenn Ihr in Erfahrung bringen wollt, was in Setarrif los ist…zu zweit können wir das durchaus schaffen. Vorausgesetzt Ihr könnt schnell, leise und lang reisen. Wir müssten mit leichtem Gepäck reisen und mit noch weniger Schlaf. Sollte Eure Neugier überwiegen, dann lasst es mich wissen.“
Bevor Redlef antworten konnte, ertönte in der näheren Umgebung das Heulen wilder Tiere. Für Rittmeister war das schlussendlich dann doch erneut zu viel, da die Geräusche immer wieder aus verschiedenen Richtungen ertönten. Er ließ sich für einen Augenblick nicht mehr steuern und brach nach rechts aus, direkt in ein kleines Waldgebiet hinein. Und natürlich befand sich dort gleich noch ein ausgetrockneter Bachlauf. Das Pferd war schon fast wieder in seinen vollen Galopp verfallen. Wie auch schon vorhin versuchte die Fürstin das Tier mit ihren Beinen wieder unter Kontrolle zu bringen. Ein Glück, dass sie beide die steinige Überquerung des Baches unbeschadet überstanden. Nach einiger Zeit gelang es Madlen auch langsam das Pferd wieder zu beruhigen. Anschließend blickte sie sich um und fand sich mitten in einem Dickicht wieder. Die Bardin wartete noch einige Zeit, ehe sie in die vermutete Richtung ritt, um aus dem Wald herauszukommen. Dabei versuchte sich so vorsichtig wie möglich zu reiten, damit das Tier nirgendwo hängenblieb oder falsch auftrat. Zudem passte sie sich den Bewegungen von Rittmeister im Sattel an und korrigierte immer nur leicht nach, um die ungefähre Richtung zu halten. Ansonsten sollte sich das Pferd lieber selbst seinen Weg suchen…

Redlef
12.01.2017, 13:16
Wölfe! So ein Mist, die hatten ihnen gerade noch gefehlt. Rittmeister verlor die Nerven und verschwand im Gehölz. Red wusste, dass er, wenn er ihnen jetzt nachsetzte, das scheuende Pferd in seiner Flucht nur noch bestärken würde, daher blieb er auf dem Weg. Das Heulen der Wölfe war sehr nah gewesen. So fasste er die Zügel fester und zog mit der Linken sein Schwert.
Was machten die Wölfe hier. Sie befanden sich zu sehr im Tal, als dass es hier größere Rudel geben dürfte. Die Wölfe hielten sich sonst höher in den Bergen auf, wo sie mit den Menschen weniger Kontakt hatten. Trieb sie der Hunger die Berge hinab? Doch so kalt und hart war der Winter hier nicht. Es gab dort sicherlich genügen zu jagen für sie. Was aber dann? Die Echsen? Flohen die Wölfe vor den Geschuppten? Ging es jetzt los?
»Madlen?« Laut rief er ihren Namen. Besser war es jetzt die wilden Tiere links liegen zu lassen und in die Stadt zurück zu kehren. Sollten sie wirklich einer Echseninvasion gegenüber stehen, dann war es hinter den Mauer sicherer als davor.
»Madlen?« Erneut rief er ihren Namen in den Wald. Wie weit konnte der Gaul wohl schon gelaufen sein? Hörte sie ihn nicht mehr?
Anscheinend nicht, dafür waren die Wölfe auf ihn aufmerksam geworden. Es raschelte zwischen den Büschen. Möhre hob witternd den Kopf. Er blieb händelbar, doch von seinem sonst so entspannten Wesen war nun auch nichts mehr zu spüren. Energisch trieb ihn Red vorwärts. Die Wölfe zeigten sich noch nicht. Der Hauptmann konnte nur hoffen, dass sie nicht besonders hungrig waren, dann würden sie ihn wohl auch nicht angreifen.
Red trabte an. Sicherlich würde Rittmeister den Weg nach Hause wählen. Dies musste dann bedeuten, dass er Madlen eher weiter unten am Weg wiederfinden würde. Oder das Pferd, wenn Madlen nun letztendlich doch heruntergefallen war.
Mit langen Tritten folgte er dem verschlungenen Waldweg. Immer wieder rief er Madlens Namen, in der Hoffnung, dass sie ihm antworten würde.
Schließlich verließ er den Wald und das Ackerland tauchte vor ihnen auf. Doch von seiner Reitschülerin war weit und breit nichts zu sehen. War sie vielleicht doch vom Pferd gefallen? Lag sie mit gebrochenen Knochen im Wald? War vielleicht sogar der Hengst gestürzt und hatte seine Reiterin unter sich begraben?
Besorgt wendete Red sein Pferd und trieb es in einen harten Galopp. Das Streitross setzte in wenigen Sprüngen den Hang bis zum Waldrand hinauf und durchbrach dann die niedrigen Büsche. Zweige und dünne Stämme konnten ihn nicht aufhalten und brachen an seiner breiten Brust. Red hatte sich weit über den Hals des Hengstes gelehnt, um den peitschenden Zweigen der größeren Bäume zu entgehen. Schon bald hatte sich das Laubdach über ihm geschlossen und der weiche Waldboden schluckte die Geräusche der stampfenden Hufe.
»Madlen! Madlen?« Immer noch sie suchend galoppierte er durch den Wald, der an dieser Stelle ungewöhnlich licht war. Mit Leichtigkeit setzte er über einen umgefallenen Baum hinweg, duckte sich unter dem tiefhängenden Ast einer Eiche hindurch, durchbrach einen kleinen Strauch und ritt weiter und weiter in den Wald. Doch plötzlich stockte Möhre. Er bremste und ließ sich von Red auch nicht weiter antreiben. Gerade wollte Red über seinen störrischen Gaul schimpfen, da erkannte er das Problem. Der Boden war hier sehr feucht. Die Hufe seines Pferdes versanken bereits bis zu den Fesselgelenken im Untergrund und so unsicher, wie sich der Hengst bewegte, schien es sich hier nicht nur um eine vom Regen aufgeweichte Stelle zu handeln.
»Verdammt!«, brummte Red du rief erneut Madlens Namen. Doch anstatt der jungen Frau antwortete ihm ein ängstliche Wiehern. Das konnte nur Rittmeister gewesen sein. Vorsichtig und bedächtig setzte er seinen Weg fort. Das Schwert hielt er noch immer in den Händen. Gegen den Sumpfigen Boden konnte er damit zwar wenig ausrichten, doch auch die Wölfe waren noch nicht verschwunden, und die ließen sich durchaus von kaltem Stahl beeindrucken.
Der Boden wurde immer sumpfiger. Wo war Madlen da nur hineingeraten. Und warum antwortete sie nicht? War ihr etwas zugestoßen? Waren sie und das Pferd in ein Sumpfloch gefallen? Oder war sie doch gefallen und die Wölfe machten sich über ihren ohnmächtigen Körper her? Verdammte Frauen, immer musste man auf sie aufpassen.
Das Vorankommen gestaltete sich immer schwieriger. Der Wald war an dieser Stelle kaum noch passierbar. Möhre balancierte von einem Tragfähigkeit versprechenden Grasbüschel zum nächsten. Der Boden zwischen diesen Grasinseln war mit Laub bedeckt, doch Red wusste, dass die leichten Blätter lediglich trügerisch auf den sumpfigen Oberflächen schwammen. Sollte er versuchen darüber zu reiten, dann wäre es das Ende für Ross und Reiter gewesen.
Red zügelte das Pferd und suchte nach einer Stelle wo er sicher Absteigen konnte, da erblickte er einen Wolf, der gebannt auf einem kleinen Hügel stand und zur anderen Seite blickte. Angespannt beobachte er etwas, das Red durch die Erderhebung verborgen blieb. Doch kaum hatte er das Tier erspäht, enddeckte es auch ihn. Der Wolf wendete den Kopf und begann zu knurren.
Red positionierte sein Pferd besser auf der Grasinsel, dann schlug der Wolf auch schon Alarm. Weitere Wölfe tauchten auf. Red wusste, dass er in Wolfsaugen nicht gerade eine gute Beute machte. Er war zu groß für fünf Wölfe und auch zu gefährlich, dennoch umringten sie ihn und Knurrten bedrohlich. Auf sein Pferd hatte dies Wirkung.
Red aber verstand, dass die Wölfe ihn nicht fressen, sondern lediglich verscheuchen wollten. Sie hatten sich bereits Beute auserkoren und warteten nur noch darauf diese auch reißen zu können. Entsetzliche Bilder von einer im Schlammloch versinkenden Madlen kamen ihm in den Sinn.
»Madlen, hört Ihr mich? Haltet durch, ich bin bleich da!«

Der erste Wolf, der auf Schwertesreichweite herankam, sprang heulend zurück, als die Schwertspitze ihm über die Schnauze fuhr. Reds Kampf war sehr eingeschränkt, da er nicht einfach aus dem Sattel springen konnte und somit vom Pferderücken aus kämpfen musste, ohne das er sein Ross großartig bewegen konnte.
Dennoch waren fünf Wölfe, die auch nicht absolut ausgehungert zu sein schienen, keine unüberwindbare Herausforderung.
Einer der Wölfe hatte Möhre an den Hanken erwischt, das Pferd hatte diesen Angriff mit einem mächtigen Auskeilen quittiert und den Wolf damit winselnd zurück geschlagen. Ein Zweiter zog sich durch Reds Schwert eine tiefe Wunde an der Schulter zu und als ein Dritter sogar unter seinem Schwerthieb fiel, ergriff das Rudel die Flucht.
»Madlen?«, rief er wieder in die Richtung wo er sie vermutete. »Alles in Ordnung mit Euch? Haltet aus, ich bin gleich da…«
Endlich ritt er den kleinen Hügel hinauf und suchte im schattigen Wald Madlen.

Madlen
12.01.2017, 19:51
Der Ritt durch den Wald war immer mehr zu einer Flucht verkommen. Langsam aber sicher wurden Rittmeister und die junge Frau von den Wölfen eingekreist. Immer öfter Haken schlagend versuchte Madlen das Pferd daran zu hindern, direkt in eines der wilden Tiere zu laufen. Ein ums andere Mal wurde es knapper. Das Gestrüpp ermöglichte es der Bardin nicht, in den vollen Galopp überzugehen. Selbst das momentane Tempo war schon fast zu schnell für den Waldboden. Und dennoch blieb ihr nichts anderes übrig. Sie musste dem Ross und sich selbst alles abverlangen, um aus dieser Sache wieder heil herauszukommen. Bisher war zum Glück noch nichts Schlimmeres passiert. Lediglich klatschte der Fürstin zwar ein Ast in ihr Gesicht, allerdings war das immer noch besser als von scharfen und spitzen Zähne zerfleischt zu werden.
An Kämpfen war in diese Zustand erst einmal nicht zu denken. Zudem konnte sie gerade so ihr Pferd lenken, sodass ein Schwert zu halten außerhalb ihrer Fähigkeiten lag. Wichtiger war nun erst einmal den Wald zu verlassen. Allerdings war dies leichter gesagt als getan. Madlen kannte sich hier überhaupt nicht aus. Sie hatte sich völlig verirrt und musste es weiterhin Rittmeister überlassen den Weg in die Stadt zu finden. Lediglich die Ausweichmanöver übernahm sie, damit sie nicht in Gefahr gebracht wurde und vom Pferd fiel.

Mit einem Mal vernahm die Bardin lautes Rufen, welches jedoch schnell im Heulen der Wölfe unterging. Sie versuchte die Geräusche zu filtern und tatsächlich, jemand suchte nach ihr. Das konnte nur Redlef sein, denn sonst wusste ja niemand, dass sie hier im Wald war. Ob es klug war zu antworten? Gerade, als sie zurückrufen wollte, tauchte hinter einer kleinen Anhebung einer der Jäger auf und fletschte die Zähne. Völlig perplex und erschrocken riss Madlen die Zügel herum und Rittmeister machte fast auf der Stelle kehrt. Ein Stich durchfuhr ihr linkes Schienbein, was sie jedoch ignorierte.
Doch auch ihr Rückweg war versperrt. Die Wölfe hatten es letztlich geschafft sie einzukreisen. Also blieb nichts anderes übrig, als sich den Tieren zu stellen. Ihr Ross wurde selbst immer panischer und tänzelte nervös auf der Stelle. Sie sprang herunter, zog mit der rechten Hand Aynur aus seiner Halterung und brachte einen nahen, toten, Baum mit dickem Stamm hinter sich. Rittmeister dazwischen. So konnten die Wildtiere nur in einer Art Halbkreis ihre Beute umrunden. Beim Auftreten durchfuhr sie erneut im linken Bein ein Schmerz und als sie an sich hinabblickte, entdeckte sie Blut, welches ihre beige Hose färbte. In diesem Moment wünschte sie sich, sie hätte mehr Rüstungsteile als nur ihre Armschienen angelegt. Aber hier half alles Jammern nichts. Sie musste kämpfen und würde Rittmeister um jeden Preis beschützen.

Gut ein halbes Dutzend Wölfe hatten sich um Ross und Reiter versammelt. In diesem Moment hörte sie erneut, wie Redlef nach ihr rief, diesmal bedeutend näher. Zwei der Tiere schienen davon abgelenkt zu werden. Eines davon lief in die Richtung der Geräusche davon, das andere bekam das Schwert der jungen Frau zu spüren. Ein sauberer Schnitt riss die gesamte rechte Flanke von dem Wolf auf, sodass dieser jaulend zu Boden ging.
Zwei andere Jäger nutzten die Lücke in ihrer Verteidigung, um sie zu umgehen und sich schnell Rittmeister zu nähern. Madlen war wirklich verwundert. Was veranlasste die Tiere nur zu einer solchen Handlung? Irgendetwas musste sie völlig verängstig haben. Denn sie schienen nicht unterernährt oder sonst in irgendeiner Art und Weise verletzt zu sein. Im Moment war allerdings nicht die Zeit dafür, um sich darüber den Kopf zu zerbrechen.

Die Bardin erkannte, dass sie die Wölfe nicht mehr schnell genug mit einem Schwerthieb erlegen würde können. Sie ließ Aynur fallen und rannte so schnell sie konnte zurück zu ihrem Pferd. Die Strecke war kurz, dennoch kam verging die Zeit unendlich langsam. Ein erneutes Jaulen war zu hören und anschließend ein dumpfes Geräusch, als würde jemand auf den Boden klatschen. Scheinbar war ein Tier zu nah an Rittmeister geraten und hatte dessen Hufe zu spüren bekommen.
Der andere Wolf setzte gerade zu einem Sprung an und war schon halb in der Luft, da erreichte Madlen ihn und setzte ihr ganzes Körpergewicht ein. Sie rammte das Tier mit ihrer Schulter zur Seite und beide landeten auf dem Boden. Dabei bohrte sich ein faustgroßer Stein in die rechte Hüfte der jungen Frau und drückte schmerzhaft in ihre Seite. Ihr Gegner rollte ein paar Mal, eher er sich schüttelnd wieder aufrichtete und knurrend in Richtung der Bardin blickte.
Diese hatte sich selbst auch wieder aufgerichtet und ihr Kurzschwert gezogen. Wie immer versuchte sie ihren Atem zu kontrollieren. Ein und aus. Sie ignorierte völlig, dass der Wolf auf sie zukam. Ein und aus. Ein und aus. Warte auf den richtigen Moment. Nicht zu schnell, nicht zu langsam. Noch ein paar Schritt. Erlege ihn im Sprung, dann kann er nicht ausweichen. Einen Augenblick und…jetzt.
Madlen wich unter Schmerzen nach links aus und schlug dann dem Wolf ihr Schwert direkt an den Halsansatz. Allerdings wurde der Kopf nicht völlig abgetrennt und ihr Schwert blieb dabei stecken, sodass sie wieder ohne Waffe dastand. Die anderen zwei Wölfe schienen aus den Fehlern ihrer Vorgänger gelernt zu haben und umkreisten Rittmeister und die Fürstin nun lediglich. Das gab ihr die Möglichkeit Barika zu ziehen und den Wolf gänzlich zu töten, welcher von dem Pferd zu Boden gebracht worden war.

Schlussendlich blieb sie schweratmend stehen, ihre Waffe von sich gestreckt, welche mit dem Blut des Tieres getränkt worden war. Zu sich selbst, aber auch zu Rittmeister meinte sie. „Das haben wir doch ganz gut hingebracht oder? Bin froh, dass du dageblieben bist!“ Erst jetzt drang die Stimme von Redlef zu ihr durch. Scheinbar war mittlerweile sehr nah. „Hier, Hauptmann! Noch geht es…“, rief sie als Antwort. Danach wischte sie sich einen Tropfen aus ihrem Gesicht und blickte kurz in den Himmel, ehe sie beiden Wölfe wieder fixierte und auf den nächsten Angriff wartete. Eine Hand an die Flanke von Rittmeister gelegt, die andere hielt Barika auf Abstand. „Natürlich muss es jetzt zu regnen beginnen!“, seufzte sie leise…

Jun
17.01.2017, 20:58
"Sammeln!", brüllte Giran als Kommando durch das ganze Feldlager in Ostargaan.
Nach ihrer Ankunft und einer erkundungsreise bis zur zerstörten Brücke, waren sie zurück gekehrt. Jun übernahm das Kommando, nachdem er dem kommandierenden offizier Hagens Weisung überbrachte. Es war eine klare Angelegenheit. Ein Plan den auch der bisher kommandierende Offizier kannte und keine Zeit damit verlor sich darüber aufzuregen. Sie alle wussten, dass es nun zählte rasch gen Thorniara zu stoßen. Alles zu verstärken, wenn das Schlimmste noch nicht vorüber war.
Das der Drache nicht mehr war - darüber konnten sie sich zwar nicht eindeutig überzeugen, aber wenn die Magier gescheitert wären, wäre der Drache wohl schon längst zum Racheflug aufgestiegen. So Innos wollte, war es aber mit dem Lindwurm zuende.

Jun hielt seinen roten Helm unter einem Arm. Saß auf seinem Pferd und musterte die in einer Kolonne angetretene Truppe. Leichte Reiterei mit Lanzen, leichte Infanterie und Schützen aus vielen jungen Kerlen bestehend und ein schlagfertiger Trupp aus gut gerüsteten Veteranen die wohl am ehesten wussten, was sie erwarten könnte. Ob Orks oder Echsen wenn sie das Überraschunsgmoment hätten, würde es trotzdem sehr hart werden. Menschen flohen, wenn sie taktisch überrumpelt und eingekesselt waren. Ihre Feinde nicht. Doch ob dies so käme wusste ja noch keiner.

"Ihr Söhne Myrtanas!", sprach Jun mit starker Stimme und bäumte sich noch leicht im Sattel auf. Sie wussten alle wer er war, auch wenn sein Banner nicht das Ihre war. Sie wussten, dass wenn er so zu ihnen spricht, er auch von sich spricht. Er ein Myrtaner im Herzen ist, der im langen Orkkrieg, während der Belagerung Vengards und den Varant-Feldzügen angeführt hatte, geblutet hatte und ein Teil des ganzen Sieges war. Innos war mit diesem Mann und jedem der Jun folgte.

"So Innos will ist dieser gräßliche Lindwurm wieder dort wo er hingehört! So Innos will! - Doch seine Dienerkreaturen sind nun frei im Geiste. Frei um durch das Land umherzustreifen und alles was Gut ist zu zerstören. Wir werden Thorniara zu Hilfe eilen, wenn sie kommen sollten! Wie ein Schildbruder zur Rechten und zur Linken werden wir uns zu Thorniara stellen und das verteidigen was das Gute ist! Unsere Familien, unsere Freunde, unsere Tempel - unsere Stadt! - Ihr Söhne Myrtanas! FÜR INNOS!", rief er und bekam die lautstarke Antwort die einem Anführer wie Jun gebührte. Jun setzte den geflügelten Helm des Roten auf und setzte sich an die Spitze der nun marschierenden Kolonne gen Thorniara.

Redlef
19.01.2017, 23:16
Nun, da er Madlen und das Pferd unbeschadet sah, lächelte Redlef erleichtert. Beide waren unverletzt.
»Ich hatte schon befürchtet, dass das Ihr in eines der Sumpflöcher gefallen seid. Hier ist der Boden überall unsicher und als ich die Wölfe sah, da dachte ich, dass sie nur noch darauf warten, dass Ihr schwach werdet und sie so leichte Beute machen können. Aber alles gut gegangen.« Vorsichtig ritt er den kleinen Hügel herunter. Er mustert sie und Rittmeister aufmerksam. Doch auch bei der zweiten Begutachtung könnte er keine schlimmen Verletzungen erkennen. »Ihr seid unversehrt?« Die Frage war ehr rhetorischer Natur, denn er wusste, das die Wölfe nicht fern waren. Nun begann es auch noch zu regnen, was den Boden nur noch gefährlicher machen würde. Es wurde höchste Zeit, dass sie zurück in die Stadt kamen. Sie waren schon viel zu lange fort.
»Steigt auf. Wir müssen los.«
Redlef wartet noch, bis Madlen wieder in den Sattel gekrabbelt war, dann suchte er einen Weg zurück zum Weg, auf dem sie gekommen waren. Dabei halfen Rittmeisters Spuren, die er auf dem Herweg hinterlassen hatte. Instinktiv hatte das Pferd die Schlammlöcher gemieden. Wobei es auf dieser Seite des Hügels auch weitaus weniger von ihnen gab. DA hatte die kleine Prinzessin Glück gehabt. Hätte es das Pferd noch über den Hügel geschafft hätte, dann hätte es böse für sie enden können.

Kaum dass sie den Weg wieder erreicht hatten, treib Red das Pferd in einen strammen Trab. Sie mussten Heim.

Schließlich hatten sie die Stadt erreicht. Die Tore zu passieren war für den Hauptmann kein Problem. Erst im Stall stiegen sie ab. Gerade wollte Red noch ein paar lobende Worte über Madlens Reiterei verlieren, da kam Pons auf ihn zu gerannt und fing an völlig aufgelöst auf ihn einzureden. Redlef brauchte mehrere Anläufe um zu verstehen, was der Junge ihm mitteilen wollte. Pons war einem Zusammenbruch nahe, er schluchzte mehr, als das er sprach. Schließlich verstand Redlef, dass es um einen Gefangenen ging, der sich im Kerker umgebracht hatte.
»Verzeiht Madlen, ich muss weg«, waren seine letzten knappen Worte, dann drückte er die Zügel seines Pferdes dem Stallknecht in die Hand und verschwand mit dem jungen Kerkermeister.

Madlen
27.02.2017, 21:37
Warum? Das hatte sie gerade noch gedacht. Und dann hörte sie eine Stimme. Ein längst vergessener Teil ihrer jüngsten Vergangenheit wurde plötzlich wieder ein Abschnitt ihrer Gegenwart. Sie brauchte sich nicht umzudrehen, um zu wissen, wer dort rief. Und sie konnte es auch nicht. Ihre Mauer aus Rüstung, Waffen und abgeschlossenen Gedanken drohte einzubrechen. Madlen hätte mit allem gerechnet, aber nicht damit. Mehrmals ballte sie die linke Hand zu einer Faust und öffnete diese wieder. Sie schluckte schwer, ihre Atmung flachte ab. Es war beinahe so, als würde ein kleiner Lichtschimmer am Ende der langen Dunkelheit auf sie warten. Wieso hatten manche Menschen auf dieser Welt eine solche Macht über andere? Die junge Frau fühlte sie gleichzeitig gerettet und verletzlicher als jemals zuvor und sie wusste nicht, ob sie so sein wollte. Nein, sie wollte nicht so sein und dennoch…nun, im Grund war ihr gar nichts klar. Und das war das Schlimmste an der Situation.

Im Schein der anbrechenden Nacht drehte sich Madlen schließlich doch noch um und blickte in die Richtung der Rufenden. Und tatsächlich, ihre Ohren hatten ihr keinen Streich gespielt. Redsonja kam ihr nachgelaufen. Woher wusste die Kriegerin, welchen Weg die Bardin gehen würde? Man konnte scheinbar nichts vor ihr verbergen, nichts geheim halten. Die Fürstin begann zu lächeln, sie konnte nicht anders. Seit langem fühlte sie sich nicht mehr hilflos. Mit einem Mal war alles weg. Selbst ihr inneres Durcheinander war wie verflogen. Ihre innere Dunkelheit war immer noch da, wurde aber von einer Flut der Glückseligkeit überlagert.
„Was meinst du mit diesmal?“, begann die Prinzessin als Sonja ihre Position erreich hatte. „Wolltest du mich zuvor schon einmal begleiten?“ Anschließend drehte sich Madlen um und begann wieder mit ihrem Marsch in Richtung Setarrif. Ihr Tier zog sich mit sich. „Darf ich dir vorstellen…“ fuhr sie fort und stockte plötzlich. „…nun, um ehrlich zu sein hat er noch keinen Namen. Aber vielleicht fällt dir einer ein? Ich fand ihn im Dickdicht auf dem Weg zur Silberseeburg. Durch einen…guten Freund habe ich den Pfad zum Reiten wieder erlernt.“ Dann lachte die junge Frau laut auf. „Aber ich rede zu viel. Wie ist es dir ergangen. Viel zu lange haben wir uns nicht mehr gesehen. Viel zu viel ist geschehen. Mehr als ein Zufall, dass du mich gerade jetzt aufsuchst!“

Und mit einem Mal wusste die Bardin, eine Antwort auf die Frage: Warum? Sie stand direkt vor ihr. Ohne Redsonja hätte sie Dead Priest, den dunklen Orden oder alle anderen Bedrohungen nicht überlebt, welche sie seit ihrer Ankunft auf Argaan gejagt haben…

Jun
05.03.2017, 18:43
"Schützen bereit machen!", brüllte Jun. Der gesamte Zug hatte Formation eingenommen. Die Schützen hatten rasch eine Schützenlinie eingenommen, während dahinter alle Infanteristen Stellung bezogen. In den ersten beiden Reihen die regulären gut gerüsteten Truppen, die von schwer gerüsteten Veteranen und abgesessenen Rittern von Juns Orden unterstützt wurden. Dahinter und vor allem an den Flanken die leichter gerüsteten und weitaus jüngeren Soldaten. Die leichten Lanzenreiter wurden losgeschickt und von Giran geführt, während Jun und andere, schwer gerüstete Reiter nahe an der Formation blieben.
"Anvisieren!", brüllte Jun und beobachtete wie sich die Echsenhorde ihnen eilig näherte. Momente vergingen in der der Kommandant seine Erfahrung spielen ließ, abwägte wann die Echsen nah genug wären und die nächsten Schritte einplante.

"Feuer!", befahl er, ließ Innos Zorn herab sausen und sah zu wie die erste Pfeilsalve auf die anstürmenden Echsen niederging. Natürlich hatten Pfeile die von einfachen Bögen abgefeuert wurden nicht die Wirkung von Armbrüsten, aber der Vorteil war, dass die nächste Salve umso schneller anstand. Ein weiterer Feuerbefehl, eine weitere Salve und manch Treffer zeigte Wirkung, weil die Echsen auch näher kamen.
"Feuern und hinter die Reihen!", befahl Jun und gab einem der abgesessenen Ritter Zeichen. Der brüllte die leichten Truppen die er anführte an und die machten sich kurzerhand bereit. Eine letzte Pfeilsalve jagte nieder. Nicht mehr als 80m trennte sie von den Echsen. Die Bogenschützen rannten zwischen den frei gemachten Reihen und von den Seiten stürmten nun einige leicht gerüstete Infanteristen mit Speeren an. Die nahmen Anlauf und warfen den Speer in Richtung Echsen. Erneut fielen ein paar Echsen zu Boden, bevor ein donnerndes "Vorwärts!" die Infanterie einen Schildwall formen ließ.
Jun und Reiter zogen sich zurück, um Tempo aufzunehmen, während ein Horn erklang und von der anderen Seite schon die leichten Lanzenreiter zu sehen waren.
Die ersten Echsen stürmten in den Schildwall, während von Hinten die ersten Lanzenreiter die letzten Echsen erreichten. Juns schwere Reiter stürmten ebenso an und visierten die Echsen zwischen den beiden Gruppen an. So war der Plan gewesen. Das mehr Echsen nun am Schildwall waren, war nicht nach Plan, aber so ein Manöver war nunmal stark vom Timing aller abhängig. Das hatte nicht ganz gepasst. Trotzdem stürmten sie an und es war Juns doppelt geweihte Klinge die einer Echse den halben Schädel kostete. Die leichten Lanzenreiter kamen hinzu und rasch waren die langsamsten Echsen niedergestreckt worden.

"Leichte Truppen!", brüllte Jun und entsandte ein gleißendes, blaues Licht gen Himmel. Auf das Zeichen folgte dann die Aktion und die leichten Truppen drängten von den Flanken her dem Schildwall zu Hilfe.
"Absitzen!", befahl Jun und machte selbiges, bevor die Reiterschar von hinten auf die Echsenschar zustürmte.
Diese kämpften erbittert und brutal, doch auch wenn eine Echse die Kraft von zwei Männern besaß, so konnte sie sich nicht gegen zwei oder mehr durchbohrende Klingen und Speerspitzen erwehrten.
Speere brachen, Klingen durchbohrten und Schilde zertrümmerten Schädel.
Am Ende stand keine Echse mehr. Am Schildwall aufgerieben und von den Flanken mit Speeren und von hinten von schweren Truppen attackiert, waren sie taktisch klar besiegt worden.
"Innos!", brüllte Giran und rekte seine blutige Großaxt in die Höhe. Alle erwiderten.
Danach wurden Verletzte gestützt und die Toten auf einen Wagen geladen. Die vielen Echsen blieben da auf dem blutigen Boden liegen gelassen. Sie hatten weder die Zeit noch die Materialien die Echsen nun allesamt zu verbrennen.
"Zwei Stunden. Dann ziehen wir weiter. Schick zwei Reiter nach Thorniara um unser Kommen anzukündigen und die Heiler sollen sich bereit machen. Hagen soll keine Truppen nachschicken. So Innos will, war das die einzige Echsenhorde hier in der Nähe.", befahl Jun Giran und widmete sich seiner Leute. Er selbst hatte einen ziemlich schmerzenden Arm, weil sein Schild eine wuchtige Echsenaxt abwehrte. Doch das Gefühl kannte der Streiter. Orkäxte schlugen genau so hart zu. Der Schmerz würde vergehen.

Redsonja
11.03.2017, 12:15
Madlen sprudelte, wie ein junger Brunnen. So kannte sie die Feundin gar nicht. Redsonja hingegen war ernster, hörte Madlen aber aufmerksam zu und meinte schlussendlich.

«Ich dachte du wärst tot. Obwohl ich immer irgendwo wieder eine Spur von der gefunden hatte, so warst du doch nie dort, wo ich dich vermutete. Ich habe dich immer wieder gesucht und nie gefunden und plötzlich stehst du vor mir. Entschuldige, aber das alles scheint noch so unwirklich, wie ein weiterer grausamer Trick des Schicksals.»

Redsonja schaute in die Ferne, tätschelte unbewusst das Tier, welches sogleich Vertrauen gefasst zu haben schien und meinte dann sehr nüchtern.

«Seit dem Desaster in Setarrif habe ich hauptsächlich trainiert und getrunken.»

Und dann merkte sie, wie eine Last von ihr abfiel. Sie hatte sich schuldig gefühlt Madlen nicht gerettet zu haben und eine Freundin vermisst.

Madlen
11.03.2017, 20:08
Madlen musste leicht lächeln. „Sieh dich um und du wirst erkennen, ich bin viel zu wirklich. Die Madlen, die du kanntest, lebt schon lange nicht mehr. Sie ist mit dem Teil ihrer Vergangenheit gestorben, der ihren Mann getötet und ihre Tochter genommen hat. Es war niemand mehr da, der diesen Teil noch lebenswert gemacht hätte.“ Die junge Frau blickte in den Himmel und seufzte. „Glaub mir, es ist nichts mehr von ihr übrig. Ich wandle zwischen den Welten. Ich töte ohne etwas zu fühlen. Nichts, was ich unternehme, bringt mir noch einen Hauch von wirklicher Freude. Sieh mich genau an und denke nochmal über das Gesagt von dir nach.“

Während die beiden langsam weitergingen, tätschelte Sonja kurz das Pferd der Bardin. Es schien dem Tier nichts auszumachen. Es war seltsam. Scheinbar wusste es, dass sie von der Kriegerin nichts zu befürchten hatte. „Das hier ist alles gespielt. In Wahrheit ist die Nacht mein Freund und der Mond meine Sucht. Tagsüber habe ich Schmerzen, welche tief in meiner Seele liegen. Es fühlt sich an, als würde meine Haut brennen und mein Geist zerbrechen. Der Durst nach dem Leben ist groß und er kann nur durch den Tod befriedigt werden. Ich bin ein Jäger der Finsternis und ein Monster. Dutzende Blätter zieren meinen Rücken, ein jedes steht für einen genommenen Menschen. Und mein Rücken ist nicht nur mit Tinte geschmückt.“ Madlen schien alle Freude verloren zu haben. „Nein, es gibt mich nicht mehr. Und doch stehe ich hier. Warum, wirst du dich fragen. Ich kann dir darauf keine Antwort geben. Die alten Götter haben wohl eine schützende Hand über mich gelegt, wer weiß warum. Und jetzt begebe ich mich auf die nächste Himmelfahrtsmission. Ich soll für den verdammten Hauptmann in dieser verdammten Burg einen verdammten Echsenkopf bringen. Nur, damit ich wieder ein Ziel vor Augen habe.“ Die junge Frau lachte laut. „Weit von hier entfernt wartet meine Heimat. Das östliche Königreich wartet auf seine Fürstin. Und ich sitze hier und jage laufende Reptilien. Das goldene Tal braucht mich und ich bin hier. Warum?“ Kopfschüttelnd fuhr die Prinzessin fort. „So viel ist geschehen und so viel musste ich durchmachen. Darum gibt es mich nicht mehr, darum kann ich nicht nach Haus zurückkehren. Meine Geschichte hält mich hier und es gibt keinen Weg heraus.“

Die Bardin wandte sich an ihre Begleitung. „Bist du dir also absolut sicher, dass mit einem Wesen der Nacht reisen möchtest? Ich habe keine Gefühle mehr…zumindest versuche ich das, auch wenn du mir es verdammt schwer machst. Versteh mich nicht falsch, ich bin unendlich froh, dass du hier bist. Aber das macht mich angreifbar und verletzlich…und damit unberechenbar. Wodurch du gefährdet bist.“ Die Stimme von Madlen wurde immer leiser. „Und das will ich nicht!“ Der letzte Satz war nur noch ein Säuseln im Wind.

Und von einem Moment auf den anderen wirkte die Fürstin wie ausgewechselt und schien der fröhlichste Mensch auf Erden zu sein. „Nun, was ist jetzt? Gehst du mit auf Echsenjagd, damit ich dem Bruder des Königs ein Geschenk machen kann. Scheinbar gelüstet es ihn nach einem kleinen Happen Reptilienfleisch. Wer weiß schon, auf was diese Adligen wirklich stehen! Und wenn wir keine finden, können wir immer noch Setarrif erkunden.“

Redsonja
13.03.2017, 21:04
Nun musste Redsonja ganz fein lächeln.

"Du weisst gar nicht wie gut ich all das verstehe, was du eben gesagt hast."

Sagte sie bloss. Vielleicht war das der Grund, warum sie nie diese Verbindung zu ihrem Sohn aufgebaut hat, die eine normale Mutter hätte aufbauen müssen. Sie sorgte sich um ihn, sie freute sich ihn zu sehen, aber es schmerzte sie nicht ihn in den Armen seiner Amme zu wissen, wenn sie durch die Welt zog. Von einigen wurde sie darum misstrauisch beäugt, niemand wagte es jedoch sie offen zu kritisieren. Zu sehr war sie als Kriegerin gefürchtet. Ein sehr hart verdienter Respekt. Sie streichelte ihre dunklen Klingen.

"Ich komme mit. Viel habe ich nicht zu verlieren."

Und sie war froh in ihrer Leere nicht alleine zu sein.

Madlen
13.03.2017, 22:09
„Du reist also gerne mit Monstern?“ Madlen musste lachen. „Ängstlich warst du ja noch nie, wohl wahr. Allerdings wirst du die nächste Zeit weit und breit der einzige Mensch sein. Aber sei es wie es wolle. Wir werden auf die Jagd gehen und den Reptilien in Setarrif das Fürchten lehren. Zu lange sitzen sie schon in den Ruinen der Stadt, welche ich seit langer Zeit Heimat nennen durfte. Und wenn man es recht bedenkt, so ist es immer noch ein Ort voller Leben, nur muss man es wieder entdecken. Setarrif mag nie wieder den Status erhalten, den es einst hatte. Aber man kann es wieder zu einem geselligen Ort machen. Auch Ruinen lassen sich verteidigen. Wenn dieser unselige Krieg zwischen dem Festland und dem König hier nicht wäre, dann würde niemand schützende Mauern benötigen.“ Die junge Frau zuckte mit den Schultern. „Nun, wer weiß. Wenn man genügend mutige Mitstreiter um sich scharen kann, dann ist es durchaus möglich die Perle zumindest von ihrem Staub zu befreien. Ein interessanter Gedanke, findest du nicht?“ Mit dem rechten Zeigefinger zeichnete Madlen den imaginären Umriss von einem Haus in die Dunkelheit. „Ein Heimat. Vielleicht ist das wirklich eine Möglichkeit.“

Schlussendlich seufzte die Bardin. „Du hast dein Leben, welches du verlieren kannst. Das ist für sich genommen schon viel. Über diesen Punkt bin ich schon hinaus. Was bedeutet. Wenn ich sage, du sollst fliehen, dann tust du das auch!“ Es war weder eine Bitte noch etwas ähnliches. „Mir kann nichts geschehen, was nicht schon längst passiert ist. Wie vorhin schon erwähnt, können wir deswegen auch nur in der Nacht reisen. Tagsüber bin ich zu geschwächt. Sollte unsere Jagd nicht erfolgreich sein, so fehlt mir sicherlich die Kraft für eine Rückreise. Es wird zwar Frühling, allerdings verwelken die Blätter meines Lebensbaumes.“ Madlen seufzte ein weiteres Mal. „Aber machen wir uns jetzt keine Gedanken über die Zukunft. Viel lieber sollten wir uns Sorgen darüber machen, wie wir einen Echsenmenschen töten wollen. Durch Fallen oder im direkten Kampf? Tagsüber oder nachts? Mit einem Schwert oder einer anderen Waffe?“ Sie schüttelte den Kopf. „So viele Fragen. Hast du schon einmal gegen diese Viecher gekämpft?“

Während sie langsam durch die Dunkelheit wanderten, fast völlig sorglos, überprüfte die Fürstin die Gurte der Taschen, welche sie an ihrem Pferd befestigt hatte. Die Welt war voller Gefahren, warum sollte man sich also den Kopf über die nächste zerbrechen? Der Tod war ein ständiger Begleiter, neben Freude und Leid und all den anderen Gefühlen, welche ein Mensch hatte. Und genau das war der Punkt. Ein Mensch…

Redsonja
21.03.2017, 21:05
Redsonja war irritiert. Madlen wollte nur zurückkehren, um einen toten Fleck Erde zu zurückzuholen? Eine Erinnerung? Sie würde da später genauer nachfragen müssen, aber erstmals beantwortete sie Madlens direkte Frage.

"Ich habe zu denen gehört, die in Setarrif waren, als es überrannt wurde. Ich weiss nicht wie viele der Echsen ich niedergemetzelt habe, aber es waren viele. Zusammen mit einigen anderen habe ich die Verteidigung organisiert, aber wir sind ab der schieren Masse und wegen des Drachens gescheitert. Brutal gescheitert."

Düstere Bilder traten vor ihr inneres Auge. Schreie erklangen. Menschen starben, Massen starben.

"Ich weiss nicht wie gross der Anteil der Bevölkerung ist, der in jenen blutigen Tagen gestorben ist, aber wir sind viel zu wenige, um so eine Stadt zu beleben. Was gibt es also für einen Nutzen darin sie zurückerobern zu wollen? Nur für ein paar Ruinen, die wir unter keinen Umständen verteidigen können, die wir erst in mehreren Generationen wieder füllen würden. Hier liegen all unsere düsteren Erinnerungen begraben. Sollten wir die nicht viel eher ruhen lassen und nach vorne blicken?"

Madlen
22.03.2017, 21:50
Madlen schüttelte leicht den Kopf. „Und es sind keine Erinnerungen, welche man erhalten sollte? Jeder, der mich in meinem Leben begleitet hat, ist jetzt auch wieder an meiner Seite. Alle Menschen, egal ob sie mir gutes oder böses antun wollten, sie sind hier. Aus ihnen ziehe ich Kraft, sie erhalten meinen Körper! Darum muss auch ein Ort, wie das zerstörte Setarrif erhalten bleiben. Es ist ein Tor ins Jenseits. Eine Verbindung zwischen hier und dort. Innerhalb dieser Mauern, ob sie nun zerstört sind oder nicht, lag einst meine Zukunft. Vieles habe ich dort erlebt und nicht alles war gut, was du sehr wohl weißt!“ Madlen seufzte. „Um ehrlich zu sein, hoffe ich den Ruinen eine Frage auf die Antwort zu bekommen. Warum ich innerlich Schmerzen habe, sobald ich dem Sonnenlicht völlig ausgesetzt bin. Warum mir ein durch mein Schwert getöteter Mensch ungeahnte Kraft gibt. Seit ich damals dort war und lange Zeit ein Geist war, bin ich nicht mehr die gleiche. Selbst die Echsen erkannten mich nicht als ein lebendes Wesen. Ich war tot! Verstehst du, was ich meine? Ich bin tot und doch stehe ich hier, worauf ich mir keinen Reim machen kann!“

Kurze Zeit schwieg die Bardin, dachte über das Gesagte nach und wunderte sich, weshalb sie sich nicht schon eher diese Frage gestellt hat. Sie wusste natürlich, dass sie gestorben war. Es aber laut auszusprechen war etwas ganz anderes. Jetzt musste sie beinahe lachen. Die Ironie an diesem Abenteuer war nicht zu leugnen. Sie ging in den Tod, um zu erfahren, warum sie tot war. „Und wenn ich das mit so einem völlig überzogenen Auftrag verbinden kann, dann werde ich das selbstverständlich machen. Allerdings werde ich diesem Fürsten im Nachgang möglicherweise meine Meinung sagen. Ich glaube kaum, dass alle Angehörigen dem König ein solches Opfer bringen müssen!“ Madlen zuckte mit den Schultern. „Und wenn alles nichts hilft, dann gibt es immer noch die Magier als letzten Ausweg. Auch wenn ich nicht schon wieder mit ihnen zu tun haben möchte. Immerhin haben die mir meine golden umrandeten Augen eingebrockt. Jeder schwache, männliche Geist zerbricht daran. Teilweise sehr lästig.“

Erneut schwiegen die beiden, ehe die Fürstin ein drittes Mal das Wort ergriff. „Eine Sache hätte ich beinahe vergessen. Jetzt weißt du, was wirklich los ist und warum ich überaus froh bin, dich hier dabei zu haben. Du bist der einzige Mensch auf dieser Insel, dem ich noch vertraue. Wenn ich schon auf der Suche nach dem Leben bin, dann mit dir!“ Und damit war alles gesagt, was gesagt werden musste. Sie würden zuerst eine Echse erlegen und im Anschluss daran sich auf die Suche von Erinnerungen machen…

Adson Muller
22.03.2017, 22:10
Adson drückte fester auf die wunde Stelle am Unterarm und spürte, wie der Schmerz aufflammte. Er hielt es mit verzerrtem Gesicht eine Weile aus, dann lockerte er seinen Griff und lehnte sich schlaff gegen den Baumstamm. Sein Körper schmerzte und fühlte sich zerschlagen an. Doch der Narbige schien Glück gehabt zu haben. Abgesehen hatte er den schnellen 'Abstieg' gut überstanden. So hatte er sich schließlich weiter geschleppt und war unerfreulich langsam bis zu den ersten großen Bäumen gehinkt, die eindeutig das Verlassen des Gebirges belegten. Wie ein verstörtes Eichhörnchen, hatte er sich für die Flucht nach oben entschieden und saß nun erschöpft auf einem dicken Ast, hoch über dem Boden. Er legte den Kopf zurück und zog gedanklich Bilanz. Er hatte den Ostteil der Insel erreicht, sein Körper fühlte sich an wie ein überreifer Apfel voller brauner Stellen und er hatte seinen Bogen verloren. Verärgert stieß er Luft durch die Nase aus und brummte halblaut vor sich hin. Vor ihm lag der unsichere Weg in die zerstörte Stadt, in die Akademie, oder was davon übrig geblieben war. Er wollte sich an ihrem Wissen bereichern und vielleicht war es auch ein bisschen die Sehnsucht nach besseren Zeiten, die in nach Setarrif zog. Zurück in die leere und zerschlagene Ruine, die ihn in diesem Moment ein bisschen an ihn selber erinnerte.

Adson wandte den Kopf in die Richtung, in der er die Stadt wähnte und blickte in die Dunkelheit die längst aufgezogen war. Er stockte. Es schien ihm, als würde er einen hellen Schein sehen, als würde ein großes Feuer brennen. Spielten ihm seine Augen einen Streich? Er wandte sich ab und trank den letzten Schluck aus dem Wasserschlauch. Dann nahm er das Seil aus seinem Bündel und wand es um den Stamm und seine Hüften. Er musste schlafen und wollte dabei nicht vom Baum fallen. So fiel der Narbige schließlich in einen unbequemen, traumlosen Schlaf, in der unsicheren Höhe eines Baumastes, die ihn vor den Räubern am Boden schützen sollte. Er hoffte, das die Ruhepause seine Schmerzen lindern und ihn für die nächsten Schritte bereit machen würde.

Adson Muller
25.03.2017, 01:23
Der Tag Ruhe hatte dem geschundenen Körper gut getan. Wie ein angeschlagenes Wildtier hatte Adson sich zurückgezogen und einfach gewartet. Und wie bei einem Wildtier hatte sein Körper sich gegen die Schmerzen und Verletzungen aufgebäumt. Erst hatte Adson noch überlegt, ob er sich auf die Suche nach lindernden Kräutern machen sollte, doch einerseits wäre ihm die Suche zu mühselig gewesen und andererseits kannte er sich nicht genug mit den Pflanzen der Insel aus. Also hatte er auf seinem Rückzugsort, oben unter den Baumwipfeln, geruht und sich vor allem darauf konzentriert, nicht bemerkt zu werden. Doch er hatte weder Mensch noch Echse zu Gesicht bekommen und lediglich ein paar Tiere hatten sich in seine Richtung verirrt. Spätestens als drei wohlgenährte Scavenger vorbeigetrottet waren, hatte Adson den Verlust seines Bogens schmerzlich bedauert.

Mit dem Aufkommen der Nacht war wieder Bewegung in den Körper des Narbigen gekommen. Langsam war er vom Baum gestiegen und hatte erstmal alle Gelenke und Muskeln aus ihrer Ruhe geweckt. Krachend und knackend waren Rücken und Gliedmaßen des Jägers aus ihrer Ruhe erwacht und so setzte hatte er seinen Weg fortgesetzt. Sein Schritte führten ihn auf, für ihn, unbekannten Pfaden, weiter in Richtung Setarrif. Wie die Stadt wohl Aussehen mochte? Und was war das für ein Feuerschein gewesen? Adson war klar, dass er sich auf einer Unternehmung befand, deren Gefahren er nicht einschätzen konnte. Als wandelte er vorsichtig, als lautloser, kaum sichtbarer Schatten durch die Nacht und verdrängte alle Zweifel an seinem Weg, zurück zur einstigen Perle Argaans, zurück zur einst berühmten Akademie der Kampfkünste.

Redsonja
28.03.2017, 21:42
Niemand hätte es Redsonja wohl verübelt, wenn sie eine kritische Frage gestellt hätte, denn was Madlen sprach konnte gleichwohl verrückt, wie ehrlich sein. Dennoch verliess kein Ton die Lippen der rothaarigen Kriegerin. Sie genoss das Vertrauen und erinnerte sich daran, dass es keine Rolle spielte, ob Madlen wirklich tot war oder nicht. Viel mehr war ihr Zustand entscheidend. Sie brauchte jemanden, der zu ihr hielt. Und das tat Redsonja, wie sie es wohl noch nie in ihrem Leben getan hatte. Vielleicht weil sie sich wünschte, dass das irgendwann auch jemand für sie tun würde. Sie ging also schweigend neben Madlen her, um plötzlich ein Knacken im Untergrund zu hören. Sie brauchte ihre Freundin nicht darauf hinzuweisen, denn diese schien es auch vernommen zu haben. Leise zog sie die beiden dunklen Klingen aus den Halterungen und verharrte still. Wer war da?

Adson Muller
28.03.2017, 22:16
Er hatte sie zuerst gehört und dann auch gerochen. Adson hielt nicht viel von Pferden. Ja, sie waren schnell und sparten den mühsamen Fußweg. Aber sie waren auch laut, groß und sie verströmten einen Geruch, den man zwischen vielen anderen wieder erkennen konnte. So hatte er sich also versteckt und die unerwarteten Wanderer zunächst beobachtet. Anscheinend war er nicht der einzige, der im Schutz der Dunkelheit unterwegs war, wie ein scheues Tier, das den suchenden Blicken der Raubtiere entgehen wollte.
Doch wer mochte auf dieser Seite der Insel durch die Nacht wandern? Adson war erstaunt gewesen, als er die beiden Wanderer genauer betrachtete. Unvermittelt trat eine Person aus seiner Vergangenheit auf den Plan, mit der er in keiner Form gerechnet hatte. Er hatte die Kriegerin mit den beiden dunklen Klingen erkannt. Sie war eine der ersten gewesen, denen er auf damals in Setarrif begegnet war. Unter ihren Anweisungen hatte der unerfahrenen Schreinergeselle den Schwertkampf gelernt und sich in die ersten Schlachten gestürzt. Was war von diesem jungen Handwerker geblieben?

Adson wischte den Gedanken beiseite und erhob sich aus seinem Versteck und schlug die weite Kapuze zurück. Ohne sich weiter zu verbergen trat er den beiden entgegen. "Wohin des Weges?", fragte er und musterte die Reiterin. Ihr Haar schimmerte hell im bleichen Mondlicht. Sie kam ihm bekannt vor, doch vielleicht irrte er sich auch.

Madlen
29.03.2017, 00:29
Die junge Frau war so in Gedanken gewesen, dass sie kaum auf ihre Umgebung geachtet hatte. Sie wurde von einem fremden Mann überrascht, welcher ihnen entweder schon länger gefolgt war oder zufällig ihren Weg kreuzte. Madlen hätte ihren gesamten Besitz auf ihre erste Vermutung gesetzt. Und doch fühlte sich die Fürstin nicht bedroht. Sie fühlte sich auch nicht ängstlich oder sonst etwas. Da war gar nichts. Sie kannte diesen Mann irgendwoher, so viel war ihr klar. Aber sie erkannte ihn nicht. Er konnte ihr nichts tun, was ihr nicht schon längst geschehen war. Sie zog nicht einmal im Ansatz ihre Schwerter. Wozu auch? Zur Not hatte sie versteckte Klingen an ihrem Handgelenk. Keine unbewusste Bewegung zu Aynur oder Barika. Völlig gleichgültig sah sie den Fremden an und sie wollte sich dafür hassen, konnte es aber nicht. Sie wollte Schmerzen spüren, nur um zu wissen, dass die alte Madlen noch in ihr war. Gerade, als sie mit Sonja gesprochen hatte, war etwas davon zurückgekommen. Aber jetzt war alles wieder weg.

Die Prinzessin stoppte ihr Pferd und hielt es fest an den Zügeln, während sie sich umdrehte. Neben ihr tänzelte das Tier leicht. Sie bedauerte sehr, dass es noch bereit war, geritten zu werden. Zumindest konnte es genug für eine lange Reise tragen. Schlussendlich musterte sie den fremden Mann und konnte den Gedanken nicht abschütteln, dass sie ihn kannte. „Eine Frage, welche eine Gegenfrage als Antwort erhält: Wohin führt Euch Euer Weg? Folgt Ihr zwei Frauen, auf der Suche nach Reichtum oder kreuzen sich unsere Pfade zufällig?“ Sie blieb völlig wertneutral. Weder lächelte sie, noch wirkte sie feindselig. „Was es auch sein mag, es spielt für mich keine Rolle.“ Im Anschluss daran verneigte sie sich kurz. „Madlen Aynur mein Name, wandernde Bardin aus Varant. Scheinbar macht die Musik auch vor der Dunkelheit keinen Halt. Nun, zurzeit ist es aber sicherer im Schutz der Nacht auf verschwiegenen Wegen zu wandeln. Und gerade diese führen uns nach Setarrif auf der Suche nach einem Echsenkopf für einen Fürsten.“ Sie musterte den fremden Mann nun etwas genauer. Die Fürstin vermutete, dass er schon länger abseits jeglicher Zivilisation unterwegs war. Er konnte kämpfen, so viel war klar. Als Bewaffnung konnte sie ein Schwert und einen Bogen ausmachen, mehr war im fahlen Schein des Mondes und in der trüben Dunkelheit der Nacht nicht auszumachen. Ansonsten trug er schwarz in schwarz. Nun, vermutlich sah es bei ihr genauso aus, auch wenn sie insgesamt drei Schwerter bei sich hatte, dafür keine Fernkampfwaffe.

In aller Seelenruhe überlegte sie, wie sie den Mann am schnellsten erledigen konnte. Ihre Kraft wurde von Tag zu Tag schwächer. Über kurz oder lang musste sie jemanden töten. Und der hier war so gut wie jeder andere. Und doch, ein Gedanke hielt sie zurück. Sie kannte den Fremden, weswegen es schwierig werden konnte, ihm das Leben zu nehmen. Erinnerungen, welche sie mit ihm geteilt hatte, würde sie heimsuchen und für lange Zeit begleiten und das galt es zu vermeiden. Schließlich wandte sie sich um und ging weiter, während der Fremde und Redsonja stehen blieben. Nach ein paar Schritten seufzte sie, blickte aber nicht zurück, obwohl sie wieder still stand. „Ob wir nun den Rest der Nacht hier diskutieren oder in Bewegung bleiben, ist nicht von Belang für mich. Und dennoch möchte ich Setarrif so schnell wie möglich erreichen. Also kommt mir Fremder oder lasst es bleiben. Eure Entscheidung!“

Immer noch war es ihr völlig gleichgültig, wie er reagieren würde. Sie fühlte nichts, weder Freude noch Hass. Sie würde ihn töten, sollte er angreifen. Aber es machte ihr weder Angst, noch fieberte sie dem Moment entgegen. Und immer noch wollte sie sich dafür verabscheuen…

Adson Muller
31.03.2017, 13:51
Adson schaute der 'Fürstin' zunächst wortlos hinterher. Dann meinte er: "Und für einen Echsenkopf reitet ihr bis nach Setarrif? Ihr hättet sicher auch leichter eines dieser Monster finden können." Er stockte und musterte die Frau erneut. "Ich wollte auch nach Setarrif und werd euch eure Echsenköpfe bestimmt nicht streitig machen. Wir können also zusammen reisen."

Adson richtete sein Gepäck und war bereit zum Aufbruch. Immer wieder blieb sein Blick an der Bardin hängen, die sich als Madlen Aynur vorgestellt hatte. Sollte dies ...? Aber nein. Das war eine andere gewesen. Oder doch? Er wandte den Blick ab. Stattdessen sprach er die rothaarige Kriegerin an: "Was für ein erfreulicher Zufall, hier im Niemandsland ein halbwegs bekanntes Gesicht zu sehen. Ich dachte, die Gegend würde weitläufig gemieden."

Redsonja
19.04.2017, 22:07
"Nur dumme und lebensmüde Gestalten finden hierher."

Meinte Redsonja trocken. Sie setzte sich zusammen mit den anderen in Bewegung.

"Was davon bist du?"

Fragte sie dann mit einem leichten Augenzwinkern, dass wahrscheinlich niemand sah. Ihre Art einen ehemaligen Schüler zu begrüssen vielleicht.

Adson Muller
19.04.2017, 22:22
"Vielleicht ja von beidem ein bisschen.", antwortete Adson und zuckte mit den Schultern, während er in die Dunkelheit blickte. Sein Leben war ihm wirklich nicht mehr sonderlich viel wert, auch wenn er es nach Kräften verteidigen würde. "Dich hab ich bisher nicht als dumm kennen gelernt, also musst du lebensmüde sein.", meinte er und schmunzelte versteckt. "Und bei dieser...", er stockte kurz, "...Madlen bin ich mir noch nicht sicher. Vielleicht bringt die Wanderung ja ein bisschen Klarheit."

Er schwieg eine Weile und konzentrierte sich zunächst wieder auf sich. Seine Schmerzen waren erträglicher geworden und seine Ausrüstung war fast komplett. Lediglich der kaputte Bogen ärgerte ihn. Vielleicht würde er in Setariff Ersatz finden.
"Aber sag mal", setze er schließlich an, "wollt ihr wirklich nur einen Kopf holen? Dann seid ihr eindeutig dumm und lebensmüde zugleich. Und wisst ihr wie es in der Stadt zur Zeit aussieht. Aus der Ferne sah ich noch vor kurzem ein schwaches Glimmen, als würde die Stadt in Brand stehen oder als würden große Feuer brennen. Es wäre interessant zu wissen, ob die Ruinen noch oder wieder bewohnt sind."

Madlen
24.04.2017, 14:31
„Macht Euch keine Gedanken über den Geisteszustand anderer Menschen. Wie gesagt, es steht Euch frei uns zu folgen oder nicht. Solltet Ihr allerdings bleiben, dann erwarte ich, dass Ihr nicht alle meine Entscheidungen in Frage stellt und nicht ständig über unsere Situation nörgelt.“ Madlen blickte direkt in die Richtung von dem Fremden. „Von uns dreien bin ich die einzige Person, welche längere Zeit in der zerstörten Stadt verbracht hat. Ich weiß sehr gut, was dort auf uns wartet und warum wir dort trotzdem sein müssen, ist mir auch klar. Und die Ruinen sind bewohnt, das könnt Ihr mir glauben.“ Seufzend wandte sich die junge Frau wieder in Richtung der Stadt, blickte aus gleichgültigen Augen in die anbrechende Dämmerung. Sie wollte Hoffnung verspüren, vielleicht sogar so etwas wie Furcht. Und doch war da nichts. Lediglich die schwache Ahnung, dass sie bald dort sein würde, wo sie hingehörte. Es galt herauszufinden, warum das so war. Sie wollte wieder fühlen können. Die warme Brise einer Sommernacht, die kühle Berührung eines klaren Gebirgsbaches. All die Dinge, die ein jeder Mensch für selbstverständlich hinnahm. Einst auch sie, bis zu jenem verhängnisvollen Tag, an dem sie diese schreckliche Entscheidung getroffen hatte. Die Fürstin griff nach den Zügeln ihres Pferdes, zog es sanft weiter und sprach erneut: „Wir sollten uns ein Versteck suchen. Tagsüber sind wir leichte Beute für die Echsenmenschen. Zum Anbeginn der Nacht haben wir den größten Vorteil. Wir brauchen den Schutz der Finsternis.“

Als sie noch ein ganzes Stück auf die nahende Stadt zugegangen waren, wich Madlen vom Weg ab und suchte abseits davon nach einem geeigneten Lager. Ein großer Baum, welcher durch einen Sturm entwurzelt worden war, stellte einen großen Glücksfall dar. Er bot Schutz im Rücken und man konnte sich gut daran anlehnen. Während die anderen mit ihren eigenen Vorbereitungen beschäftigt waren, kümmerte sich die Bardin um ihr Tier. Es wirkte ängstlich und so musste es natürlich beruhigt werden. Sanft begann Madlen zu singen. Wie bei ihrer ersten Begegnung wählte sie das Lied über die Spitzen der Götter, welches aus ihrer Heimat stammte. Daraufhin beruhigte sich das Ross und graste friedlich vor sich hin.
Im Anschluss daran kehrte die Prinzessin zu den anderen zurück und lehnte sich an den umgefallenen Baumstamm. Man konnte förmlich hören, wie er sich langsam zersetzte. Wie es immer noch in ihm arbeitete, obwohl er im Grunde genommen leblos war. Und auch hierbei fühlte die junge Frau nichts, obwohl die Wälder sie immer erfreut hatten. Sie musste die anderen beiden warnen. Sicher, sie würden sich nicht so lange aufhalten, wie sie es damals getan hatte. Aber dennoch würde die Stadt einen negativen Einfluss auf sie haben. „So hört mir gut zu, denn das, was ich jetzt sage, sage ich nur einmal: Wir werden einen Ort der Toten betreten. Egal, was ihr glaubt zu sehen oder auch nicht, es kann das genaue Gegenteil davon sein. Setarrif gehört nicht mehr ins Diesseits. All die Erinnerungen dort wurden mit uralter Magie getränkt. Sie sickerte aus dem Areal der Wassermagier heraus und überzog die gesamte Stadt. Warum sonst sollte ein Drache dauerhaft dort leben. Nun, er mag vermutlich tot sein, wenn man den Gerüchten glauben darf. Aber dennoch hat er seinen Teil dazu beigetragen, dass die Stadt nicht mehr den Menschen gehört. Sie hat mich verändert, sehr stark sogar. Und ich warne euch davor, dass euch möglicherweise das gleiche passieren wird, wenn auch in abgeschwächter Form, da wir nicht so lange dort verweilen werden.“ Madlen zuckte mit den Schultern. „Solltet ihr immer noch mit mir reisen wollen, dann macht Vorschläge, wie wir am schnellsten an einen Echsenkopf kommen können.“

Die Bürger
01.05.2017, 18:20
Es war bereits dunkel geworden, als Dregas sein Nachtlager aufschlug. Unglücklicherweise wurde der direkte Weg zum Hof des Bauern Hektor durch herumlungernde Banditen versperrt, weswegen der Vollstrecker auf eine weitaus längere Route ausweichen musste. Das Gewicht seiner eisernen Rüstung im unwegsamen Gelände unterschätzt, brauchte Dregas einige Stunden mehr, um sein Ziel zu erreichen. Weil die hiesigen Wälder aber vor Allem bei Dunkelheit nicht nur naturbedingt gefährlicher waren, sondern sich auch die Echsenmenschen näher an die Stadt heranwagten, entschied er sich dazu, den letzten Abschnitt des Weges im Morgengrauen fortzusetzen.

Seit einiger Zeit stand Dregas in der Schuld des Grafen und diente ihm seither hauptsächlich als Vollstrecker. In seinem Namen suchte er das Gesindel im Armen- und im Hafenviertel auf, um fehlende Raten einzutreiben oder die Schuldner mit Nachdruck an die pünktliche Zahlung zu erinnern. Doch es gab auch viele andere Aufgaben, bei denen sich Dregas die Hände schmutzig machte.

Dieses Mal sollte er eine horrende Goldsumme von einem der umliegenden Bauern einfordern. Es erschien ihm doch recht fahrlässig, wenn er mit einem Karren voller Gold durch die Wildnis von Argaan streifte. Ganz zu schweigen von den skeptischen Fragen der Torwachen. Doch der Vollstrecker hatte keine Wahl. Seine eigene Schuld wog schwer und der Graf hatte ihm glaubhaft versichert, dass er Unzuverlässigkeit mit dem Tode bestrafen würde. Sein Leibwächter machte außerdem den Eindruck, als würde er lediglich auf einen entsprechenden Befehl warten.

Dregas glaubte nicht, dass der Bauer das Gold aufbringen konnte. Bereits bei seinem letzten Besuch war nicht viel zu holen. In einem solchen Fall hatte der Vollstrecker auch klare Anweisung erhalten. Der Viehstall sollte in Flammen aufgehen, wenn der Graf die ausstehenden Raten nicht erhalten würde.


Maximus

Hirni
18.05.2017, 15:25
Vögel zwitscherten, Fliegen surrten, Käfer brummten und Hirnis schwitzten.
Es war eine fürchterlich schwüle Luft, ein Gewitter würde wohl bald für Abkühlung sorgen. Das verhießen zumindest die
Dunklen Wolken, die sich in der Ferne aufbauten. Ein Unterstand wäre nun genau das richtige… Doch konnte der Schwarzmagier diesen nicht wirklich irgendwo ausmachen. Nur Wald. Und der war als Unterschlupf gegen Gewitter jetzt nicht so toll.

Seine Augen juckten, der Hals kratzte und die Augen tränten. Das immer wiederkehrende Drama zu dieser Jahreszeit. Wenn es heiß wurde und alles blühte, überkam ihn eine Art Krankheit. Als würde sein Körper darauf reagieren, das die Welt fröhlich und bunt wird.
Der Blondschopf fand das fürchterlich. Bis zu einem gewissen Grade war warmes Wetter ja ganz ordentlich. Doch wenn man bei jeder Bewegung anfing, seine eigenen Körperflüssigkeiten los zu werden, die Klamotten vollschwitzte und alles an einem klebte… Wo konnte da von „schönem Wetter“ die Rede sein?

Missmutig stapfte er dem vor ihm liegenden Pfad entlang. Er überquerte eine große Steinbrücke und trat gelangweilt gegen einen Stein. Dieser kullerte über die Pflastersteine und blieb ein Stück entfernt von ihm Liegen.
„Laaangweilig“ schoß es dem Schwarzmagier durch den Kopf. Seit Wochen und Monaten hatte er keine Menschenseele mehr getroffen. Ob er das Sprechen wohl verlernt hatte? Es wurde Zeit, einfach mal wieder unter Menschen zu kommen. Leider war das Kastell so weit abgelegen, das es zur nächsten Siedlung wohl noch etwas dauern würde. Und so schritt er weiter… Genervt von dem schönen Wetter, genervt von der Langeweile. Eigentlich genervt von allem…

Madlen
14.10.2017, 23:20
Kurz war Madlen noch vor der Tür gestanden, ehe sich mit erhobenem Kopf und geradem Rücken in ihre neue Zukunft marschierte. Beinahe hatte sie vergessen, wo sie eigentlich war. Immerhin waren hier immer noch zahlreiche Feinde unterwegs und so duckte sie sich schnell wieder, drückte sich an nahe Häuserwände und schlich von Deckung zu Deckung. Die nahende Dämmerung eines neuen Tages war noch ihr Freund. Doch sobald die Sonne am Himmel stand, würden die Kreaturen aktiver werden. Also hieß es schnell handeln. Sie wusste, dass sie egoistisch und rücksichtslos war. Allerdings, so redete sie es sich selbst ein, musste sie so sein. Der jungen Frau folgten die Schatten aus dem Jenseits. Sie war im gewissen Sinne eine Bäuerin geworden. Sie erntete ebenfalls das, was einst gesät worden war. Mit einem kleinen Korn angefangen, hatte es seine Wurzeln in den Boden geschlagen und war zu einer großen Pflanze gewachsen. Und schlussendlich kam der Schnitter und machte dem Leben ein Ende. Sie konnte immer noch nicht völlig begreifen, was in ihrem alten Haus geschehen war. Mit ihrem Schwert sollte sie die Seelen der Verstorbenen ins Jenseits geleiten können? Wie würde so etwas von statten gehen? Brachte es Schmerzen mit sich? Vermutlich, denn nichts war umsonst. Sie hatte eine Aufgabe und diese würde sie erfüllen. Koste es, was es wolle. Und am Ende war immerhin Ata, der dort auf sie warten würde. Und genau deswegen musste sie zwingend zum Kastell. Mitten durch feindliches Gebiet. Sie konnte nur hoffen, dass die meisten Echsen hier waren und nicht in der südlichen Wildnis.
Madlen seufzte. Und das war ja noch nicht das Schlimmste an diesem Teil von Argaan. Dichter Dschungel, Schattenläufer, Golems und andere Wesen treiben dort ihren Schabernack mit Eindringlingen. Vermutlich läuft dies in den meisten Fällen auf den Tot von einem Menschen hinaus. Wieso wollten hier eigentlich freiwillig Personen leben? Es gab so viel schönere Orte und Landschaften, wo man nicht Gefahr lief, aufgefressen, zerrissen oder einfach nur getötet zu werden. Nun, sei es wie es sei, sie musste dorthin. Im Kastell würde sie Antworten finden. Sie war sich ganz sicher. Ata würde dort auf seinen Wüstenwind warten.

Das alles hatte die Fürstin noch vor einiger Zeit gedacht, als sie in der scheinbar relativen Sicherheit von Setarrif war. Nun, stand sie mit ihrem Pferd südlich der zerstörten Stadt und sah einen Pfad vor sich, welcher ein wenig bergauf führte. Sie wusste aus früher studierten Landkarten, dass dies einer der wenigen Pfade durch den Dschungel war. Also musste sie ihn nehmen. Und dennoch lief es ihr eiskalt den Rücken hinab. Sie wollte auf einmal nichts mehr spüren, so wie noch einige Tage zuvor. Damit war das Leben so viel leichter. Vielleicht gab es ja einen kleinen Punkt in ihrem Kopf, den sie mental drücken musste, um wieder in diesen Zustand zu gelangen. Beinahe hätte sie laut aufgelacht. Das war natürlich alles Unsinn. Und dennoch hoffte sie, dass es wahr sein könnte. Und, dass sie Sonja und Adson nicht so stehen lassen hätte. Zu dritt war es schließlich einfacher. Aber vermutlich würden beide einen hohen Preis bezahlen, wenn sie der Bardin weiter folgen würden. Und Madlen war nicht bereit, zuzulassen, dass sie diesen auch zahlen würden. Niemand sollte Opfer von Menschen einfordern, die der jungen Frau beistünden. Also, musste sie alleine losziehen. Wieder einmal. Erneut seufzte die Fürstin und fragte sich zum wer-weiß-wievielten-Male, warum ausgerechnet sie?

Adson Muller
15.10.2017, 00:34
Die Nacht umhüllte die schweigenden Wanderer. Adson folgte der rothaarigen Kriegerin und spähte in alle Richtungen. Mit der veränderten Landschaft hatten sich auch die Geräusche und Gerüche geändert. Zwischen den hohen Dschungelbäumen hörte man das Zirpen von Grillen, ab und an erklang der Ruf eines aufgeschreckten Vogels, Zwischen den Gräsern und Büschen konnte man hier und da den schwachen Schein von zahlreichen kleinen Augenpaare erkennen und hörte das Rascheln von kleinen Füßen, die sich langsam davonstahlen. Adson registrierte all dies und hielt die Hand immer am Schwertknauf; er wollte bereit sein, wenn plötzlich ein Tier aus dem Unterholz brechen sollte.

Ein grün leuchtender Käfer flog surrend vorbei und Adsons Blick folgte der Bahn des Lichtpunktes für einen Moment. Leise raschelten die Blattkronen über ihnen im Wind und flüsterten die leisen Geschichten des Dschungels. Adson rieb sich mit der Hand über die Augen und versuchte die Müdigkeit wegzuwischen, was ihm zunehmend schwerer fiel. "Lass uns Rast machen.", schlug er deswegen und versuchte nicht zu gähnen. "Aber wir müssen Madlen einholen.", kam die knappe Antwort. "Warum hängst du so an der Frau?", fragte Adson, ohne eine Antwort zu erwarten und sprach direkt weiter. "Wenn sie ihre Reisegewohnheiten nicht geändert hat, dann holen wir sie am Tag leicht ein. Im Dunkeln verpassen wir sie nur. Lass uns ein bisschen schlafen und morgen nach ihren Spuren suchen."

Sonja hatte schließlich zugestimmt und sie hatten sich einen geschützten Platz gesucht. Adson hatte noch einen Schluck getrunken und sich dann in seine Decke gewickelt. Er würde die zweite Wache übernehmen. Kurz lauschte er noch den Geräuschen des Dschungels, sah noch drei der leuchtenden Käfer und roch den Duft von frischer Erde, dann fielen ihm die Augen zu und Adson fiel in einen ruhigen, traumlosen Schlaf.

Madlen
17.10.2017, 22:22
Den ganzen Tag über hatte sie gerastet und sich erholt. So, wie sie es immer zu tun pflegte. Wenn die Sonne schien und vereinzelt die friedlichen Geräusche des Tages ertönten, fühlte sich Madlen wohl und hatte nicht das Bedürfnis zu wandern und zu reisen. Vielmehr hing sie ihren eigenen Gedanken nach, lauschte der Umgebung und genoss einmal die relative Ruhe und Sicherheit einer ihr sonst nicht immer wohlgesinnten Umwelt. Sie beobachte ihr Pferd – mittlerweile hatte sie sich entschieden, das Tier Oie Dhubar zu nennen, was so viel wie Nachtschatten bedeutete – und sah dabei zu, wie der mittlerweile wieder erstarkte Hengst sich vorsichtig durch das Gestrüpp wagte und am Boden nach Nahrung suchte. Sein schwarzes Fell war nicht mehr zerzaust, sondern glatt und gepflegt. Dafür trug die Fürstin auch Sorge und brachte dem Ross große Zuneigung entgegen. Solange sie nicht unterwegs waren, hatte Madlen den Sattel von dem Pferderücken entfernt und ihn an einen nahen Baum gelehnt. Abwesend blickte die Bardin in die Richtung von diesem Gegenstand und sah daran befestigt einen Echsenkopf, eingewickelt in ein Tuch. Sie konnte nur hoffen, dass er die weitere Reise unbeschadet überstehen und sie nicht nur einzelne Fetzen davon in die Hände von ihrem künftigen Lehnsherrn geben würde. Nun, vielleicht fand sie im Kastell eine Möglichkeit, den Kopf etwas…haltbarer zu machen? So könnte man es vermutlich beschreiben.

Wie dem auch sei, es war wieder dunkel geworden. Sie hatte ihr Pferd und sich selbst bereitgemacht, die Feuerstelle gelöscht und ihre Habseligkeiten zusammengerafft. Sie gab sich keine Mühe, ihre Spuren zu verwischen. Bisher waren ihr keine Echsen begegnet, auch wenn sie in der Ferne immer wieder seltsame Schreie gehört hatte. Aber immerhin war diese Gegend auch in eine eher gefährlichere Kategorie einzuordnen. Letzten Endes machte sie sich keine großen Hoffnungen, ohne Kampf bis zum Kastell zu gelangen. Und doch hoffte sie tief in ihrem Inneren, dass die Mächte, welche ihr die schwere Bürde einer Seelenernterin auferlegt hatten, sie auch in irgendeiner Form beschützen würden. Ansonsten blieb ihr nicht viel anderes über, als weiter zu reisen und allzeit bereit zu sein. Egal, was da noch kommen würde…

Adson Muller
01.11.2017, 20:55
Adson besah sich das niedergedrückte Gras und an einer erdigen Stelle hatte die beiden Wanderer viele Hufspuren entdeckt, so dass die Situation klar erschien. Sie hatten den nächsten Lagerplatz erreicht. Hier hatten Madlen und ihr Reittier wohl den gestrigen Tag verbracht. "Es ist immer das gleiche.", meinte Adson und wandte sich an die Rothaarige. "Tag für Tag kommen wir ihr näher, und Nacht für Nacht enteilt sie uns wieder. So wie es aussieht werden wir sie nicht vor dem Kastell einholen." Sonja nickte und setzte sich wieder in Bewegung, Adson folgte ihr. "Sie ist bisher nicht vom direkten Weg abgewichen.", meinte die Kriegerin schließlich. "Wir könnten auch im Dunkeln reisen, ohne befürchten zu müssen, dass wir sie verlieren." Adson nickte und sah sich um. Der grüne Bewuchs des Dschungels hatte nachgelassen und mehr und mehr prägten Steine und Felsen die Umgebung. Sie kamen dem Kastell immer näher.

"Warst du schon im Kastell?", fragte Sonja und warf dem Narbigen einen forschenden Blick zu. Adson nickte wieder. "Ein seltsamer Ort.", brummte er schließlich. "Ich kennen keinen anderen Platz, an dem sich die Magie so spüren lässt, wie hinter den Mauern des Kastells." Er machte eine Pause. "Ich war wegen der Bibliothek dort.", fügte er schließlich noch hinzu. "Ich frag mich, was sie dort will."

Adson Muller
17.11.2017, 20:03
Sie hatten die Spur verloren. Das karge Gelände und das Wetter hatten Madlens Fährte verwischt. Waren sie vor ihr oder hinter ihr? Adson hatte keine Ahnung. Den ganzen Tag war er gelaufen, seit den frühen Morgenstunden hatte er unzählige Schritte aneinander gereiht und mittlerweile fühlte sich seine Beine gleichermaßen leer und schwer an. Ob es Sonja auch ging? Sie ließ sich nichts anmerken und auch der Narbige versuchte seine Müdigkeit zu vertuschen. Und doch sehnte er sich nach einer Pause, nach einer kurzen Rast, nach einem sicheren Schlafplatz. Doch die kargen Felswände wirkten alles andere als einladend und ein stickiger, unangenehmer Geruch hing in der Luft.

Adson blieb stehen, um einen Schluck zu trinken. Das Wasser benetzte ihm erfrischend den Mund, doch nach wenigen Augenblicken kehrte das unangenehme Gefühl von stumpfer Trockenheit zurück, welches die Zunge am Gaumen kleben ließ und den Rachen rau und kratzig machte.

Adson setzte sich wieder in Bewegung. Der steinige Weg vor ihm begann langsam anzusteigen. “Es kann nicht mehr weit sein.“, krächzte er heiser. In Gedanken stellte er sich das Kastell vor. Die großen Tische, gefüllt mit Speisen und Getränken, die, von Gedanken geformt, erschienen, um jeglichen Hunger zu stillen. Ein rotleuchtender Apfel, rund und saftig. Adson konnte den Duft des Apfels riechen. Ein Hauch von Obstwiesen, leuchtend grüne Blätter, sanfter Sonnenschein, ein Windhauch streichelt die Bäume. Doch was war das? Ein Geräusch? Hufschlag vielleicht? Adsons Gedanken waren wie weggeblasen. Stickige, schweflige Luft schlug ihm ins Gesicht, ein Stein löste sich und polterte über den felsigen Boden. Adson lauschte. Bisher hatten sie alle Probleme umsichtig umgehen können. Doch diesmal?

Madlen
24.11.2017, 13:09
Irgendwie hatte Madlen schon den ganzen ein seltsames Gefühl gehabt. Als würde sie verfolgt werden und doch…jedes Mal wenn sie sich umsah, ein wenig in das Unterholz schlich, während sie ihr Pferd anband, und versuchte, die Umgebung abzudecken, konnte sie nichts entdecken. Es war, als würde eine unsichtbare Präsenz ihr folgen. Jetzt hatte sich die Umwelt stark verändert und wich einer kargen Landschaft. Vermutlich lag es daran, dass sich die junge Frau beobachtet fühlte. Diese Gegend war so unwirtlich, dass man hier alle möglichen Gefahren vermuten möchte. Hier konnte niemand lang überleben und so war es notwendig, dass sie so schnell wie möglich weiter zum Kastelle wandern würde. Selbst tagsüber musste sie reisen, gönnte sich nur ein paar kurze Moment der Ruhe. Ihr Pferd hatte schon seit einiger Zeit nichts mehr fressen oder trinken können und in diesem Gebiet gedeiht nichts, floss kein Wasser und es schien kein normales Leben zu geben. In der Ferne konnte man ein Grollen hören, als würden Felsbrocken aneinander gerieben. Zudem konnte man ein eigentümliches Zischeln vernehmen. Sollte ihre Reise und gar ihr Leben in dieser unwirtlichen Gegend ein jähes Ende finden? Allerdings würde sie sich nicht kampflos ergeben und Überraschung war immer noch der beste Weg, einen Vorteil zu erlangen. So verbarg sie sich hinter einem nahen Felsen, während ihr Pferd einfach nur stumm dastand und ebenfalls zu lauern schien. Mittlerweile waren alle Geräusche eingeschlafen und nur noch ein unerbittlicher Wind fegte pfeifend durch die vielen Schluchten. Er brachte rötlichen Sand mit sich, als wäre er ein Vorbote der nahenden Gefahr. Madlen konnte schwefligen Geruch wahrnehmen, schmeckte etwas Eisenhaltiges auf ihrer Zunge. Wahrlich, dies war ein vollkommener Moment der Anspannung.

Während sie also hinter dem Felsen lag und lauschte, aber nicht sehen konnte, was sich näherte. Hörte sie einen Stein rollen, als wäre er losgetreten worden. Nun, er konnte sich natürlich auch von selbst gelöst haben. Wie auch immer, die Fürstin atmete leise ein und aus, zählte bis fünf und trat mit gezogenem Schwert hinter dem Felsen hervor. Bevor sie jedoch ein Wort sagen konnte, verschlug es ihr die Sprache. Erst einige Augenblicke später, brachte sie heiser von dem schabenden Wind hervor: „Ich habe euch doch verboten mir zu folgen. Aber, es ist schon euch zu sehen und dennoch traurig, dass ihr hier seid!“ Damit ging sie zu ihrem Pferd, steckte Aynur zwischenzeitlich wieder weg, und nahm einen Schluck Wasser aus einem am Sattel befestigten Schlauch. Anschließend bot sie sowohl Redsonja als auch Adson etwas davon an. „Wir haben nicht mehr weit, jedoch ist es vermutlich das gefährlichste Stück der Reise!“

Adson Muller
24.11.2017, 21:42
Adson griff wortlos nach dem angebotenen Wasser und trank einen Schluck. Er hatte eine ähnliche Begrüßung erwartet, doch mit müden Beinen, brennenden Augen und brummenden Kopf stieß ihm der schroffe Hochmut der jungen Frau unangenehm auf. Zwar war ihr eine gewisse Freude anzumerken, doch Adson war nicht in der Stimmung für einen weiteren verworrenen Schlagabtausch. Sollte Sonja sich doch mit der komplizierten Fürstin herumschlagen. Adson hingegen ließ sich kurz auf den Boden sinken, um sich eine kurze Pause zu gönnen. Doch viel Zeit war nicht, schließlich hatte Madlen nicht unrecht. Nicht nur die Luft hier war wiederlich, auch die hier lebenden Wesen waren alles andere als angenehm. Große Echsen mit kräftigen Mäulern und stechenden Augen, die so munkelte manch Abenteurer in der Taverne, Feuer spucken konnten. Adson hatte dies noch nicht erlebt, doch hatte er zu viele Absonderlichkeiten gesehen, um diese Berichte als bloße Aufschneiderei abzutun.

Also zogen sie weiter, nun als Trio, doch nicht weniger müde. Sie kamen nicht sonderlich schnell voran, schließlich waren sie nicht in bester Form und waren sehr darauf bedacht, unnötige Konfrontationen zu vermeiden. Auch dem Pferd war es anzumerken, wie wenig ihm diese Reise gefiel. Madlen musste ihr Reittier immer wieder motivieren, sei es durch gute Worte oder Streicheleinheiten. Adson ging bei einer dieser kurzen Pause einige Schritte weiter, um den kommenden Weg zu überblicken. Der Wind brauste auf und Adson kauerte sich hinter einen Felsen, um sich vor den Böen zu schützen. Nach wenigen Augenblicken beruhigte sich der Himmelsatem und Adson wollte weitergehen. Obwohl. Vielleicht noch einen kurzen Moment der Rast? Nur kurz verharren? Der Narbige lehnte den Kopf an einen Stein und schloss für einen Moment die Augen ...

Der 'Moment' endete mit einem Scharren, dass den Narbigen die Augen plötzlich öffenen ließ. Ein Scharren von langen Krallen. Adson wandte den Blick zur Seite und sah eine schuppigen Kopf neben sich auftauchen, die Zunge züngelte rotleuchtend hervor. Die feurigen, gelben Augen starrten den ehemaligen Tischler an, als wäre das Tier auch nicht auf die Begegnung gefasst gewesen. Adson griff instinktiv zum Schwert und schlug ziellos und wild auf den Kopf ein. Ein zorniges Fauchen war zu hören, dann ein Röcheln, dann ein verklingendes Gurgeln. Adson schlug noch drei-, viermal zu, dann erstarrte er, noch immer etwas benommen vom ungewollten Nickerchen. Er brauchte noch einen Moment, bis er voll aufnahmefähig war, dann besah er sich die Situation. Dunkle, dickes Blut floss vor ihm über dem Boden und klebte an seinem Schwert. Der Kopf des Warans war von zahlreichen, ziellosen Schlägen arg beschädigt, überall hatte Adson Schnitte und Scharten hinterlassen. Ein großer Schnitt klaffte im Nacken des Tieres. Adson erhob sich und schüttelte sich. Glück gehabt. Die Aufregung legte sich, sein kühler Verstand gewann wieder die Oberhand. Madlen und Redsonja mussten noch hinter ihm sein. Sollte er ihnen entgegen gehen? Er entschied sich zu warten und kniete nieder um das tote Biest zu untersuchen. Dann nahm er das Messer zur Hand und trennte die Zug des Warans heraus. Auch Krallen und teile der schuppigen Haut schnitt er zurecht. Sie würden ihm gutes Geld bringen, sollte er jemals wieder die Gelegenheit zum Handeln haben.

Redsonja
25.11.2017, 18:03
Dumpf. Stumpf. Benommen.
Irgendetwas war seltsam. Die Luft war... sie konnte es nicht beschreiben, aber alles in ihrem Inneren schlug Alarm. Eine schwere, unnatürliche Müdigkeit wollte sie erfassen. Gerne hätte sie sich deswegen mit Madlen unterhalten, doch fühlte es sich auch falsch an hier Lärm zu machen. Ihre Lippen waren trocken, ihre Kehle stumm. Also wiederholte sie vor ihrem inneren Auge Kampfabläufe. Das hielt sie wenigstens wach. Hin und wieder schaute sie sich nach Madlen um, doch diese schien nicht wirklich der Auffassung zu sein, dass man sich um sie kümmern sollte. Daher beschloss die rothaarige Kriegerin sich keine Sorgen zu machen.

Plötzlich entdeckte sie allerdings eine blutüberströmten Gestalt. Mit einem sehr leisen Sirren, flossen die beiden dunklen Klingen geradezu in Redsonjas Hände. Sie pirschte heran, bis sie Adson erkannte. Den Geräuschen schienen sie hier also auch nicht trauen zu können, denn sie hatten gar nichts von einem Kampf gehört. Wenn sie bloss ihre Augen nicht täuschten. Sie versuchte es also doch mit sprechen.

"Adson? Lass uns weiter gehen."

Meinte sie und war sich ziemlich sicher, dass sie dies nicht vor dem Schlimmsten hier bewahren würde.

Madlen
25.11.2017, 19:05
Der Wind nahm immer mehr zu, der Sand schabte einem buchstäblich die Haut von den Muskeln, zerrte beinahe an den Sehnen und auf den Knochen. Es fühlte sich an, als wäre dieses fein gemahlene Steinmehl überall. Und durch nichts konnte diese Naturgewalt aufgehalten werden. Niemand war vor dem heißen Atem der Götter sicher. Alles fühlte sich an, als hätte man eine große Kuppel über diesen Teil der Insel gestülpt. Alle Geräusche wurden durch das dröhnende Pfeifen des Windes verschluckt. Und so konnten Sonja und die junge Frau erst im letzten Moment erkennen, dass Adson scheinbar auf seiner Erkundungstour einen Kampf ausgetragen hatte. Er war blutüberströmt und kniete über einem toten Tier. Was genau das für ein Bewohner dieser trostlosen Lande war, konnte Madlen nicht sagen, aber sie wusste, dass eine mögliche Infektion durch Verletzungen hier tödlich enden würde.

Sie trat seitlich an ihr Pferd heran und führte es zuerst in den vermeintlichen sicheren Bereich hinter einem Felsen. Hier fegte der Wind nicht allzu stark durch. Anschließend griff sie in eine der beiden Satteltaschen und zog ihr helle Bluse hervor. Eigentlich war diese dafür gedacht, ihre Rüstung gegen leichte Kleidung in den Städten zu tauschen, aber jetzt würde sie anderweitig benötigt werden. Beinahe hätte die Fürstin laut gelacht. Sie hatte tatsächlich Verbandsmaterial vergessen. Sicherlich, sie war keine Heilerin, aber hatte oft genug gekämpft und zahlreiche Wunden gesehen, um zu wissen, wie man eine Blutung stoppt. Also zerschnitt sie mit ihrem Kurzschwert das einfach gewebte Kleidungsstück in mehrere Streifen und ging auf Adson zu, welcher gerade mit Sonja zu sprechen schien. Madlen hörte nur noch, wie die Kriegerin meinte, dass sie weiterreisen sollten. Die Bardin schüttelte den Kopf und reichte einen der Stofffetzen an ihren Begleiter. „Nein, wir sollten uns etwas im Schutz von einem Felsen ausruhen. Wenn wir so weitermachen, sind wir, bevor wir das Kastell erreichen, tot. Auch wenn wir nicht viel zu Essen und zu Trinken haben, wird es uns doch helfen, die Beine ein wenig zu erholen. Dieser Wind kostet uns zu viel Kraft und wenn wir dann auf einen Feind stoßen, werden wir leichte Beute sein.“ An Adson gewannt sprach sie weiter. „Du solltest dich damit abreiben. Vielleicht hast du Wunden, welche verbunden werden müssen. Zudem lockt so viel Blut mit Sicherheit Feinde an. Bevor wir uns also etwas erholen, müssen wir noch ein ganzes Stück weiterwandern. Wenn du noch mehr Stoff brauchst, gib Bescheid!“ Danach ging sie zu ihrem Pferd Oie Dhubar zurück. Sie kramte erneut in den Satteltaschen und versuchte den Anblick von dem Echsenkopf abzuwenden. Schließlich fand Madlen, was sie gesucht hatte. Das Stofftuch, welches sie damals in Setarrif getragen hatte, als sie das erste Mal nach dem Fall der Stadt dort gewesen war. Sie band es sich um ihre untere Gesichtshälfte, um ein wenig Schutz vor dem Wind zu finden und zog die Kapuze von ihrem Mantel im Nachgang wieder über den Kopf. Vielleicht half es ja ein wenig. Dann ging sie zusammen mit ihrem Ross wieder zu Adson und Sonja. Hoffentlich hatte Adson keine Wunden davongetragen…

Adson Muller
25.11.2017, 21:09
Adson nahm die provisorischen Verbände entgegen und schaute an sich herunter. Jetzt wurde ihm klar, warum die beiden Frauen so reagiert hatten. Das Blut des Warans hatte ihn reichlich besudelt und auf den ersten Blick war es natürlich nicht zu erkennen, ob das Blut von Adson stammte oder nicht. Unwillkürlich fuhr sich der Narbige mit der rechten Hand über den linken Arm, als müsste er sich selber davon überzeugen, dass er nicht verletzt war. Dann legte er die Stoffstreifen schnell zusammen und reichte sie an Madlen zurück. Sie würde sie sicher irgendwann gebrauchen können, sollte sie weiter kreuz und quer über die Insel wandern, als hätte sie eine Reise an die gefährlichsten Orte Argaans geplant.

"Keine Sorge, mir geht es gut.", meinte Adson, während er sich wieder hinter den Felsen kauerte, der ihm zuvor schon Schutz vor dem schneidenden Wind geboten hatte. "Wenn ich mich nicht täusche, sollten wir bald die aufsteigenden Pfade erreichen, die uns zum Kastell bringen sollten. Wir sollten abwarten, bis dieser Wind wieder abflaut und dann so schnell wir möglich weiter reisen."

Der Gedanke an die düsteren Wände Kastells wirkte plötzlich ungewohnt einladend. Fast verspürte Adson eine gewisse Vorfreude auf die Bibliothek, die ruhige, alten Räume und natürlich den Speisesaal. Oh ja, vor allem auf den Speisesaal. Kein Wunder, dass manche der Kastellbewohner scheinbar nie einen Fuß vor die Pforten des Gebäudes setzten. Doch noch waren sie nicht da und noch waren klares Wasser, saftige Äpfel und duftender Braten nur schöne Träume.

Redsonja
26.11.2017, 16:52
"Was ist eigentlich geschehen?"

Raunte Redsonja gegen den Wind an. Ihre Kehle war so trocken und ihre Stimme kratzte ungemein. Zudem konnte sie Adson gar nicht richtig erkennen, denn ihre Augen tränten. Aber sie musste ihre Gedanken geordnet halten und zu sprechen half, zudem waren Informationen oft überlebenswichtig.

Adson Muller
26.11.2017, 17:13
“Ich war äh... unaufmerksam.“, Adson biss sich fast auf die Zunge, er würde nie zugeben, das er kurz eingeschlafen war.
“Ich muss den Waran irgendwie übersehen haben. Plötzlich tauchte er direkt neben mir auf, als ich hinter dem Felsen Schutz suchte. Ich hab dann draufgeschlagen, bis das Vieh sich nicht mehr regte. Ich bin also nochmal mit dem Schrecken davongekommen.“ Adson machte eine Pause und schaute an sich herunter. “Dann hab ich noch Trophäen geholt, deswegen das Blut.“

Adson beendete seinen kurzen Bericht. Den kurzen Schlaf würde er totschweigen. Und jetzt wollte er nur schnell hier weg.

Callindor
25.03.2018, 15:18
Callindor schien die mild wärmende Sonne des endlich startenden Frühlings in sein Gesicht, als er gemächlichen Schrittes aus dem Anwesen des Weinberges trat. Seiner Meinung nach hatte der fröstelnde Winter viel zu lange angehalten. Mal abgesehen von den Schäden an den Reben, die eine zu lange Schnee- und Eiszeit mit sich brachte, erhoffte sich der Feuermagier von den gestiegenen Temperaturen auch ein Ansteigen seiner Laune. Das trübe Wetter machte ihn regelmäßig ungenießbar, das wusste er selbst.
Sein Freund Carston nahm es ihm zwar nicht krumm, dass sich Callindor an ihm häufig abreagierte, schließlich war diesem der Hintergrund für den Missmut des Magiers nur allzu bekannt. Nicolas ...

Zum Glück nahmen ihm Karissa und Carston einiges an Arbeit auf dem Anwesen ab und griffen ihm unter die Arme, wo es nur ging. Eigentlich waren sie nur Bedienstete, im Laufe der Jahre und Ereignisse aber zu so viel mehr geworden.

"Schön dich mal wieder hier draußen zu sehen, Callindor", meinte Karissa lächelnd und reichte einem jungen Burschen den Kampfstab, mit dem sie trainiert hatten. Ihr rötliches Haar schimmerte ihm Sonnenlicht, als sie sich dem Magier näherte und ein Tablett mit ein paar Happen gereichte.
"Du siehst richtig abgemagert aus, hau ruhig rein", mahnte sie fordernd und würde wohl kein Nein akzeptieren und warten, bis das Brettchen geleert sein würde.
Obwohl Callindor der nötige Appetit fehlte, schob er sich widerwillig eines der Stückchen belegter Brote in den Mund und kaute darauf ohne viel Ambition herum.
"Ein wenig mehr Elan hatte ich von dir schon erwartet, aber immerhin", meinte Karissa nur freundlich und begleitete den Feuermagier entlang des Schotterwegs hin zum Eingang des Guts.
Und gerade als die beiden besagten Eingang erreichten, hörte Callindor schon das Pferdegetrampel der Kutsche, mit der Carston die wöchentlichen Einkäufe aus Thorniara besorgte. Schon von weitem konnte der empathische Magier am Gesichtsausdruck seines Freundes erkennen, dass etwas vorgefallen war.

"Gut, euch beide hier zu sehen, dann könnt ihr mir gleich mit den Besorgungen helfen. Und ihr glaubt gar nicht, was ich erlebt habe. In den letzten Tagen kam es scheinbar zur Eskalation in der Stadt. Einige Tote und viele Verletzte, auf beiden Seiten. Ich weiß nicht, wie es nun weiter geht. Die Moral unter den Leuten ist dadurch bestimmt nicht gestiegen, ganz im Gegenteil."

Callindor, Carston und Karissa teilten die Waren gleichmäßig untereinander auf und trugen alles ins Haupthaus. Die Neuigkeiten beunruhigten den Feuermagier etwas, doch hatte er sich in den letzten Jahren dezent im Hintergrund des Ordens gehalten, und solange Francoise oder ein anderer Hochmagier ihn nicht um Hilfe bat, würde er lieber hier auf seinem Gut bleiben.

"Francoise hatte als Schirmherrin des Ordens wohl alles im Griff und kümmerte sich mit Hilfe anderer Helfer um die Verwundeten so gut es eben ging. Ob das nun erst der Anfang war, oder eher das blutige Ende, wird sich wohl in den nächsten Tagen und Wochen zeigen. Brisant bleibt die Situation in der Hafenstadt aber allemal."

Callindor nickte zustimmend und sah besorgt in den frühlingshaften, sonnigen Nachmittagshimmel.

Callindor
03.04.2018, 09:26
Der Winter hatte sich endgültig verabschiedet und überließ das Feld dem wechselhaften Frühling. Ein heutiger morgentlicher Regenguss erfreute sicherlich die Reben und Pflanzen auf dem Hof, Callindors Gemütszustand blieb gleichsam trübe. Seit seinem schmerzlichen Verlust von Nikolay waren inzwischen mehr als fünf Jahre vergangen und auch wenn er es sich anders erhofft hatte, brachte ihm seine Beziehung mit Demron keine im gleichen Maße erhoffte Erfüllung, sodass sie alsbald getrennte Wege gingen, nachdem beiden klar wurde, dass die Erinnerung an Nikolay immer zwischen ihnen stehen würde. Und wie könnte man mit einem Toten schon konkurieren ...

"Was ist denn nun?", hatte Lea ganz aufgeregt gefragt, nachdem Callindor indes bewusst wurde, dass er mal wieder unkonzentriert seinen Gedanken nachgehangen war, anstatt seiner Ziehtochter aufmerksam zuzuhören. "Wirst du es mir nun beibringen oder nicht?"
Lea war von den dreien neben Liz und Pierre vielleicht die begabteste und fleißigste Anwärterin auf den Titel eines Feuermagiers und wenn sich die Zeit und Gelegenheit ergab, würde sie sich ihrer Tracht als würdig erweisen. Ihre Bitte war nur konsequent und richtig. Warum jemand anderen um Hilfe bei der Ausbildung bitten, wenn man einen Adoptivvater hatte, der das für einen erledigen konnte? Callindor jedoch kamen Zweifel. Seine letzte Lehre war einige Jahre her und Snydex war nicht sein ruhmreichster Schüler, hatte der Hochmagier ihn doch mitten in der vertieften Magielehre hängen lassen.

"Ich weiß nicht so recht", erwiderte Callindor mit wenig Elan, doch Lea ließ das nicht gelten. Sie war eine aufgeweckte Frohnatur und würde ihren Willen schon bekommen. Auf dem Weg in die Stadt legte sie ihre Gründe dar und am Ende blieb dem Magier quasi nichts anderes übrig, als ihr folgerichtig zuzustimmen. Freudestrahlend fiel sie ihm um den Hals und verkündete, dass sie die Magietheorie schon aus einem der Bücher auf dem Gut hatte anlesen können. Sie wollte wohl wieder den schnellsten Weg gehen, doch gerade bei so etwas heiklem wie der Magie konnte dies selbst bei den einfachsten Zaubern tödlich sein.

"Du musst dir im Klaren sein, dass ich dir nur bestimmte Zauber beibringen kann. Jeder Kreis der Feuermagie bietet einige Sprüche und Fähigkeiten, sie dir alle zu verinnerlichen würde aber den Rahmen sprengen. Wenn dir meine Fähigkeiten nicht zusagen, musst du dir einen anderen Lehrmeister suchen."

Lea nickte verstehend und zog ihre Novizenrobe enger, als sie das Eingangstor Thorniaras erreichten. Callindor war wie üblich mit seinem roten Kimono gekleidet, während ein schwarzer Umhang seinen Körper zusätzlich vor den kühlen Frühlingswinden schützte, begleitet von seinem schwarzen Kampfstab. Man würde ihn kennen und keinerlei Fragen ob der Abgabe seiner Waffe stellen, auch wenn seine Besuche in der Stadt in den letzten Jahren eher sporadisch waren. Kurz vor dem Passieren der Stadtmauern hielt Callindor inne.

Noch immer war es für ihn unverständlich gewesen, wie es zwischen den Anhängern des Ordens und der Bevölkerung Thorniaras zu Ausschreitungen dieser Größenordnung hatte kommen können. War das die Ordnung und Gerechtigkeit für die sein Gott Innos stand? Doch war nicht der Tod das letzte Züchtigungsmittel? Hatten Francoise und die anderen Magier und Streiter des Ordens weniger drastische Mittel, um die uneinsichtigen, aufgebrachten Leute zur Räson zu bringen?

Callindor würde um eine Audienz bei Francoise bitten, um sich diese Missetat begründen zu lassen, denn in seinen Augen war das etwas gewesen, weswegen man die oberste Feuermagierin des Ordens gleichsam maßregeln würde müssen. Sie hatte hier eine falsche Entscheidung getroffen. Doch ungeachtet dessen gab es noch einen anderen Grund, das sonst so bedacht handelnde Frauenzimmer aufzusuchen. Callindor würde ihre Hilfe brauchen und kam wohl nicht umhin, sie um Rat zu fragen, auch wenn ihr Verhältnis zueinander wohl nie das Beste war oder noch werden würde. Dafür hatten sie schon zu viel erlebt oder besser gesagt hatte Callindor in seinem Jahren im Orden zu viel Schabernak getrieben und Leichtsinnigkeit an den Tag gelegt, man denke nur an die Konsequenzen seines Zöglings Vic. Und nun trat Lea in seine Fußstapfen. Diesmal würde der Magier es besser machen.

Narzuhl
25.05.2018, 19:18
Die kurze Rastpause, die sie eingelegt hatten lag nun schon eine ganze Weile hinter ihnen - ebenso wie die Sumpflandschaft um Tooshoo. Nach dem Salazar aus seinem Traum aufgeschreckt war, hatten sie nicht lange gezöert und waren sie bei Zeiten aufgebrochen. Der Hüter war seit dem besonders schweigsam und sofern es seine Aufmerksamkeit zuließ mehr in Gedanken vertieft. Salazars Traum, dass Joe gestorben war, konnte dies mehr als ein Produkt aus Erschöpfung und Erlebtem sein? Narzuhl dachte an den kurzen magischen Kontakt mit dem sterbenden Pilzungetüm zurück und welche Bilder ihm in den Verstand gepresst worden waren. Die Theorie, dass der Traum und sein Inhalt daher weniger zufällig als viel mehr gewollt eingepflanzt war...nun wie so oft bedurfte dies weiterführender Studien. Der Magier hatte daher auch darauf verzichtet seine düsteren Gedanken mit seinem Gefährten zu teilen.


Die Stimmung besserte sich merklich als sie allmählich den Aufstieg in die Ausläufer des Gebirges geschafft hatten. Die beeindruckende steinerne Brücke war nicht mehr weit und damit auch der erste Blick auf das Kastell. Die Landschaft um sie herum hatte sich derweil deutlich verändert. Von Sandstrand konnte längst keine Rede mehr sein, auch wenn man im Fernen stets das Meer toben hörte. Die bedrückend dichte Vegetation des Sumpfwaldes war rasch nur noch vereinzelten Bäumen und Sträuchern gewichen, bis schließlich kaum noch ein Grashalm zu finden war und sie durch eine karge Felslandschaft wanderten.


Wir haben es so gut wie geschafft. Ich hoffe für euch, dass ihr kein Problem mit großen Höhen habt. Die Brücke da vorne müssen wir passieren. Dann ein letzter Anstieg durch die Felsen auf die Klippe und ... Narzuhl wieß in die Ferne ... wir haben das Kastell erreicht. Unverkennbar thronten die Gemäuer über den heranrollenden Wellen. Auch wenn seine Studien unfreiwillig unterbrochen wurden, so kehrte der Magier doch stets mit Freude nach Hause zurück. Der erste Anblick der Landschaft samt Kastell musste sicherlich sehr ansehnlich sein, doch wollte Narzuhl so kurz vorm Ziel nicht unnötig Zeit vertrödeln. Kommt, der Anblick ist von nahem noch spetakulärer...

Salazar Kagan
27.05.2018, 23:12
Je weiter sie sich von dem stinkigen Sumpf entfernten, desto mehr stieg Salazars Laune.
Zu ihren Fußen offenbarte sich ein wüstes Brachland, welches jedem vernünftigen Mann Argaans klar gemacht hätte, dass man besser wusste worauf man sich einlies oder umkehren sollte. Salazar zählte sich nicht zu diesen Leuten und das trockene Knirschen unter seinen Füßen erfüllte ihn mit beinahe jugendlichem Leichtsinn. Zu Beliar mit all jenen, die einen dichten Wald schätzen. Hier gab es keine Ungeheur die sich durch das Unterholz anschlichen. Keine Stechmücken. Meine Blutfliegen. Nur Staub und Stein.

Als Salazar das Gebäude zum ersten Mal durch den leichten Dunstschleier der im Himme hing erblickte, wäre er beinahe ehrfürchtig stehengeblieben. Dort war es. Das Ziel ihrer Reise. Stolz stieg ihn ihm auf. Und Mitleid. Joe, der das Kastell bisher so sehnsüchtig in seinen Träumen gesehen hatte, musste auf den imposten Anblick des dunklen Gemäuers verzichten. Dafür war jedoch die Heilung seines Freundes nicht mehr weit. Die Nähe zum Ziel verlieh seinen Füßen zusätzliche Kraft.

"So kurz vor dem Ziel werde ich mich von möglicher Höhenangst nicht zurückhalten lassen." Sagte er und klang damit mutiger als er in diesem Augenblick war. Etwas mulmig wurde ihm bein Ablick der Brücke schon zumute. Wer bis jetzt nicht umgekehrt war, überlegte das vielleicht noch einmal beim Anblick des schmalen Bauwerks, dass über einen peitschenden Meeresarm führte. Salazar vermied einen Blick hinab, stattdessen sah er Narzuhl an. Der sonst so ruhige und gefasste Magier schien selbst ein wenig euphorisch zu sein. Salazar lies ihn vorgehen und folgte in einigem Abstand. Obwohl die Brücke breit genug war um sie locker zu überqueren, hatte er das plötzliche Gefühl, bei jedem Schritt gefährlich zu wanken. Das Meer donnerte in seinen Ohren und der aufkommende Wind nahm ihm zusätzlich die Orientierung. Beinahe war Salazar sich nicht mehr sicher, ob er nur von garstigen Böhen, oder fliegenden Wesen umschwärmt wurde. Doch letztlich erreichte er das Ende der Brücke, wo Narzuhl bereits mit seinem Felskolos wartete. Ein Glück, dass die Brücke nicht unter dem Golem zusammengebrochen war. Salazar grinste verlegen, sah zum Kastell hinauf und sank auf die knie.
"Ich brauche eine Minute." Sagte er schwer atmend und lehnte den Kopf vorüber.

Sinistro
04.09.2018, 20:41
Regen prasselte auf die Schultern und die Haare des Mannes mit den grünen Augen, als er den kleinen Hof hinter sich ließ. Dunkel lag der Himmel über ihm, nur vereinzelt erhellte ein Blitz die Welt. Der Bauer und seine Frau lagen schon in ihrem Bett und sie hatten sich nicht mal mehr von ihrem ungewöhnlichen Gast verabschieden können. Sie hatten ihm ein wenig über die Insel erzählt, ihm Geschichten über einen großen Baum und seine Bewohner mit auf den Weg gegeben und ihm nahegelegt, sein Glück dort zu suchen. Insgesamt waren die beiden freundlich zu dem ehemaligen Hohepriester, boten ihm Nahrung und ein Lager für die Nacht, doch der Mann hatte dankend abgelehnt, wollte er doch noch heute mehr über das seltsame Volk und das Zentrum ihrer Welt, den großen Baum, erfahren.
Dass sich auch dort die Situation in den letzten Wochen und Monaten verändert haben könnte, dass es gefährlich sein könnte, nachdem die Echsenmenschenaufgetaucht waren- all diese Worte der Warnung ignorierte der Grünäugige gekonnt.
Urplötzlich brach ein Blitzstrahl die Dunkelheit, gleichzeitig grollte ein markerschütterndes Donnern über den Kopf des Mannes ohne Vergangenheit- und das Haus auf dem Hof stand in Flammen.
Der unheimliche Gast drehte sich um, sah, wie das Feuer in sekundenschnelle das Dach des Hauses vernichtete, auf die Mauern übergriff, alle hölzernen Verkleidungen standen sofort in Flammen. Sinistro drehte sich um, sah, was dort, wo er noch die letzten Stunden verbracht hatte, an Chaos hereinbrach und er überlegte kurz, ob er den beiden unglücklichen Menschen, die nun wahrscheinlich im Schlaf ihren Tod fänden, helfen könnte.
Erneut ein Blitz, ein Donnern und ein Grollen, als der ehemalige Magier nun unter einem Ast begraben wurde und das Bewusstsein verlor.

elfaire
17.12.2018, 17:47
Die kleine Gruppe hatte sich schon vor einer Weile in Bewegung gesetzt und die Südostspitze der Insel, auf dessen bedrohlich aufragenden Klippen das Kastell wie ein alle Zeiten überdauerndes Monument thronte, hinter sich gelassen. Zwar war Elfaires Aufenthalt dort nur von sensationell kurzer Dauer gewesen - vor allem, wenn man sich vor Augen rief, wie lange sie für ihren Weg dorthin gebraucht hatte -, das heimische Gefühl, daß ihren Körper und Geist mit Betreten der alten Gemäuer durchströmt hatte, war ihr jedoch Beweis genug, die für sie richtige Entscheidung getroffen zu haben. Und nun mit alten und neuen Weggefährten einem neuen Abenteuer entgegen zu blicken, versprach aufregend zu werden - außerdem lernte sie so neben ihren Mitreisenden auch die Insel besser kennen, etwas, was sie in den letzten Jahren versäumt hatte.

Schritt für Schritt waren sie den Pfad entlanggegangen und Elfaire, die nun neben ihrem alten Freund Hirni ging, war erstaunt, zu hören, was in den Jahren ihrer Abwesenheit so alles passiert war. Offenbar war ein Großteil der Magier verschollen oder fortgegangen und das Kastell nun nahezu verwaist. Sie erinnerte sich noch gut an die turbulenten Zeiten, in denen ein stetiges Ein und Aus geherrscht hatte und jeder spannende Geschichten mitgebracht hatte. Sie schaute zu Hirni hinüber - oder eher gesagt hinauf -, musterte ihn, und entdeckte, erahnte, einige neue Facetten an ihm. Was er wohl so alles erlebt hatte? Aber vor Allem sah sie dort einen vertrauten Menschen. "Ich habe dich auch vermisst, Hirni, und ich freue mich, daß wir uns hier wieder sehen, so ganz woanders, aber irgendwo auch immernoch am gleichen Ort." Sie lächelte, senkte dann verlegen den Kopf und blickte ihn erneut an. "Und Entschuldigung, daß ich dich da auf einmal so ganz alleine gelassen habe, in dieser fremden Stadt. Ich bin mal wieder meiner eigenen Nase gefolgt und ehe ich mich versah, hab ich schon wieder in ganz anderen Abenteuern gesteckt. Auf die Freundschaft!" Sie hielt ihm eine Faust entgegen. Das hatte sie unterwegs mal irgendwo aufgeschnappt und da sie sich nun nicht besser zu behelfen wusste, hielt sie es für eine Möglichkeit, ihre Aussage zu unterstreichen.

Hinter ihnen stellte die Kriegerin, die sich als Nienor vorstellte, eine Frage. Elfaire zuckte nur ahnungslos mit den Schultern. "Da kann ich leider keine Auskunft zu geben, nach Setarrif hat mich mein Weg bisher nicht geführt." Sie stellte fest, daß Hirni und sie zuletzt der Gruppe vorweg gegangen und dabei ziemlich vertieft in ihr Gespräch gewesen waren. "Ich weiß ja nicht mal, ob wir hier grade richtig sind." Sie blickte fragend zu den Anderen. Bevor diese jedoch antworten konnten, preschte der Hund, Gomez, der beinahe so groß wie Elfaire selbst zu sein schien, an der Gruppe vorbei... "Oh, und ob mir meine Magie aktuell noch helfen kann, wage ich zu bezweifeln, aber das werden wir wohl gleich sehen!" Vorsichtshalber hob sie einen größeren Stein vom staubigen Boden auf, den sie notfalls wagemutig mit aller Kraft auf den mutmaßlichen Feind schleudern würde.

Nienor
17.12.2018, 19:20
Nienor zog in einer instinktiven Bewegung ihr Schwert aus der Scheide. Der helle, sirrende Ton der Klinge schreckte alle auf. Was hatte der Hund bloß wieder entdeckt? Leider war er wohl nie trainiert worden, so taugte er nicht als Jagdhund. Und wie sie Dumak kannte, hatte der ihm höchstens Männchen beighebracht, damit die Leute auf den Marktplätzen dieser Welt mehr in den Klingelbeutel warfen, wenn sie einen niedlichen Hund sahen. Wobei ... niedlich ... das war er ja nicht wirklich. Das Tier hieß nicht umsonst Gomez. Dumak meinte damals, als sie ihn im Minental gefunden hatten, es stamme aus einem Wurf von den Hunden des Erzbarons ab. Hunde, die er den Erzählungen nach auf unbotmäßige Buddler und andere Menschen gehetzt haben soll.
Doch noch ehe die Kriegerin weiter über die Vergangenheit im Minental nachdenken konnte, kam Gomez wieder angerannt.
»Er hat wohl bloß ein Kaninchen gewittert«, meinte sie und schob ihre Waffe wieder zurück.

Don-Esteban
17.12.2018, 19:40
»Hoffen wir es«, brummte Esteban.
»Aber unser Weg wird noch genug Gefahren für uns bereit halten.«
Mittlerweile waren sie in den Dschungel an der Südöstlichen Küste eingetaucht. Hohe Baumriesen hatten sie verschluckt und das Sonnenlicht war einem ewigen Dämmer gewichen, denn durch das dichte Blätterdach der immergrünen Bäume drang kein Lichtstrahl. Nur schummeriges Licht, Schatten, die sich ineinander schoben, weit nach oben strebende Stämme, ein Gewirr von Luftwurzeln, bedeckt von Kletterpflanzen, die sich an ihnen entlang rankten. Ihr weg war kaum zu erkennen, so überwuchert war er von Büschen und kleineren Bäumen, die im Halbdunkel der großen auf ihre Chance, ans Licht zu kommen, warteten.

»Angesichts der Gefahren sollten wir alle unsere Magie parat haben. Hirni«, wandte er sich an seinen Zirkelbruder.
»Da fällt mir ein, du solltest dringend den nächsten Magiekreis in Angriff nehmen. Aber das können wir ja gleich auf der Reise in Angriff nehmen. Welche Sprüche sind aus dem dritten Kreis für dich von größtem Interesse?«
Dann sah er zu elfaire hinüber. »Auch du hast sicher viel verlernt, wo auch immer dein Weg dich in den letzten Jahren hingeführt hat. Aber eine Auffrischung ist sicher nicht verkehrt. Fangen wir zur Sicherheit mit dem ersten Kreis an. Was davon kannst du noch?«

Hirni
17.12.2018, 20:33
Als Elfaire ihm die Faust fast schon unter die Nase rieb, schaute er etwas skeptisch. Welch verrückte Eigenart war dies nun wieder? Er musterte sein weibliches Gegenüber, dann die Faust, dann wieder Elfaire. Eine hoch gezogene Augenbraue später überlegte er: Will sie nun einen Faustkuss? Soll ich mal daran schnuppern? Ist das nun das neue Zeichen der demonstrativen Stärke der Frau?
Hirni zuckte mit den Schultern, improvisieren konnte er ja schon immer. Also tat er so, als wüsste er was zu tun ist, nahm die Faust in beide Hände und schüttelte kräftig.
Dann lächelte er: "Ach weißt du, deine Eigenart immer hier und doch ständig unterwegs zu sein macht dich doch aus. Nie in Ruhe, immer rastlos. Behalte das bei. Ich zum Beispiel hab das letzte Jahr im Kastell verbracht. Man, war das öde. Vor allem das letzte halbe Jahr ging mal gar nicht. Ich wollte mich aber auch nicht aufraffen, irgend etwas zu erleben. Kastelldepression könnte man das schon fast nennen.
Um so schöner, das wir beide gemeinsam mal wieder ein Abenteuer erleben." strahlte er sie an.
"Und in einer ruhigen Minute sitzen wir dann einfach mal bei einem Bierchen zusammen, und erzählen uns was so geschah in den letzten Jahren."

Dann fielen ihm die Worte Nienors ein, der rätselhaften Amazonin. Bis auf die Tatsache das Esteban, Dumak und Hirni sie aus dem Raum mit der verlangsamten Zeit befreit hatten, wusste Hirni noch so gut wie gar nichts über sie. Es war vielleicht auch besser so? Selten war es clever, wilde kämpferische Frauen nach ihrer Vergangenheit zu fragen.
"Entweder es endet mit blauen Augen, oder man wacht irgendwann eines Morgens in einer Schweinegrube auf, nackt und frierend. Missbraucht von seinen eigenen männlichem Verlangen. Beides ist... nicht zu empfehlen." Schloß er seinen Gedanken ab und wandte sich dann an Nienor direkt selbst.
"Mein letzter Stand über Setarrif ist, das es von den Echsenmenschen als Heimstätte ausgesucht worden war und diese von dort vertrieben wurden. Ob es sich nun wieder im Aufbau befindet, oder weiterhin in Ruinen liegt, kann ich ehrlich gesagt nicht beantworten. Es muss auf jeden Fall ein Schauplatz großer Schlachten sein. Allerdings ist das Niederschlagen der Terrorherrschaft des Drachen ja nun auch schon wieder über ein Jahr her, wenn ich mich nicht irre?"

Hirni überlegte kurz. Es machte eigentlich nur Sinn, wenn man Setarrif wieder aufbaute. Das Inselreich war zu klein, als das Thornaria weiterhin die einzige wirkliche Zuflucht der Menschen sein konnte. Wobei es da ja auch noch die Siedlung um die Silberseeburg gab. Doch hatte er weiterhin absolut keine Ahnung von den Innenpolitischen Dingen hier auf der Insel. Zu beschäftigt war er gewesen mit... ja, mit was eigentlich? Mit Aquarien, Trollgeistern und Magielehren. Magierkram halt. Verrücktes Zeug, welches kein Normaler Mensch eigentlich so machte in seiner Freizeit. Warum war er nicht einfach Bäcker geworden?

Esteban riss ihn aus seinen Gedanken. Der weißhaarige Magier konnte scheinbar Gedanken lesen. So als wolle er verhindern, das Hirni eine neue Karriere als Meisterbäcker begann, erkundigte sich der Hohepriester nach seinen neuen Wünschen in der Magie.
Fachkundig, so als wüsste er genau was Sache war, antwortete er:
"Es macht ja im Grunde nur Sinn, wenn ich meine Skelettbeschwörung perfektioniere. Hüfthohe Skelette mögen ja ganz toll sein, doch muss ein menschliches Skelett doch eigentlich der Gradmesser sein, nicht wahr?
Und wenn ich schon beim Beschwören bin, wäre ein Golem eine gute Sache. Ich denke, in einer Mine oder Höhle kann er uns von Nutzen sein. Sicherlich nicht in engen Gängen, aber in großen Räumen dort bestimmt. Etwa um eingestürzte Gänge frei zu legen? Dort dürfte ja auch niemand mit einem Hammer um die Ecke kommen, und ihn zerschlagen."
Dann überlegte er, kam ins Straucheln. Weg war die Souveränität, zurück die Ahnungslosigkeit.
"Allerdings... Fehlt mir noch ein bisschen die Idee, welch dritter Spruch es sein sollte. Das Verschließen? Nun, ich habe nicht viele Besitztümer. Und jemanden einsperren ist auch nicht von Belang für mich.
Meinem Umfeld das Licht entziehen reizt mich auch nicht. Was hätte ich davon?
So bleibt noch die Heimsuchung. Doch auch dort entzieht sich mir der Nutzen..."
Zweifelnd kratzte er sich am Kopf.
"Ich denke, über den dritten muss ich mir noch kurz Gedanken machen. Da bin ich mir noch unsicher. Wenn das ok ist?"

elfaire
18.12.2018, 16:55
Elfaire verstand kaum ein Wort von dem, was Hirni da so mit Esteban über die Magie fachsimpelte. Er schien sich in den letzten Jahren wirklich eingehend mit dieser Thematik auseinandergesetzt zu haben. Sie war beeindruckt. Zwar hatte sie sich selbst in der Vergangenheit mit allerhand geistigen Reichtümern füllen können, die Studien der Magie Beliars gehörten jedoch nicht dazu. Nun war sie umso überraschter, von Esteban auf ebendiese angesprochen zu werden. "Heißt das, du würdest mich wieder unterrichten?" Offensichtlich hieß es das, seine Wortwahl ließ nichts anderes vermuten. Elfaire dachte angestrengt nach, konnte sich aber nicht einmal mehr daran erinnern, wann sie das letzte Mal von ihren magischen Fähigkeiten Gebrauch gemacht hatte. "Nun, ich glaube, ich kann tatsächlich überhaupt nichts mehr von dem anwenden, was du mir einst beigebracht hast. Zumindest weiß ich nicht mehr, wie ich noch darauf zugreifen könnte. Die Magie schlummert sicherlich noch irgendwo in mir.. Und ja, ich würde sie gerne wieder zu nutzen wissen. Womit kann ich anfangen?"

Don-Esteban
18.12.2018, 23:13
»Selbstverständlich werde ich dich wieder in der Magie Beliars unterweisen. Der Tag, an dem eine Geweihte des dunklen Gottes keiner Magie fähig ist, dieser Tag ist noch fern«, antwortete der Schwarzmagier elfaire.
»Die Magie Beliars wurde, seit Xardas den Runen ihre Kraft nahm, neu geordnet«, erklärte er dann.
»Nun muss der Magier, der Magie anwendet, sie selbst in sich kanalisieren und in das gewünschte Ergebnis umwandeln, anstatt dies zum großen Teil der Rune zu überlassen. Das Wirken von Magie erfordert seitdem einerseits mehr Übung, andererseits sind wir auch nicht mehr von Hilfsmitteln abhängig, sondern unser eigenes Können bestimmt die Zauber, die wir wirken.
Um trotzdem eine Richtung und einen Weg vorzugeben in der unendlichen Weite der Magie, haben wir in jedem Kreis fünf Zauber festgelegt, von denen drei zu erlernen, ein konkretes Ziel, auf das man sich konzentrieren kann, darstellt.
Für den ersten Kreis sind dies Spielereien mit den fünf Elementen Feuer, Wasser, Erde, Luft und Äther. So gibt es einen Spruch, um Feuer zu entfachen, einen um ein Gefühl der Angst überall eindringen zu lassen, einen zur Beschwörung kleiner Skelettwesen aus der Kraft der Erde, einen die Luft zu einer Lichtkugel zu formen und die Schattenflamme, die die Kraft des Äthers nutzt. Wähle drei davon, die ich mit dir üben soll.«

Und zu Hirni sprach er: »Zwei Sprüche sind genug, denn wir lernen einen nach dem anderen. Beginnen wir mit der Beschwörung von größeren Skeletten. Als erstes ist es wichtig, die Unterschiede in der Anatomie zu kennen. Natürlich kannst du auch einfach nur eine sehr, sehr große Maus beschwören, indem du mehr von der magischen Energie einsetzt, die dir zur Verfügung steht. Aber wichtiger ist es, über den Bau der zu beschwörenden Wesen Bescheid zu wissen. Wo liegen die Knochen, wie greifen die Gelenke ineinander, wo werden sie gestützt und wie werden die Kräfte abgeleitet. Was weißt du über die Anatomie größerer Wesen?«

elfaire
21.12.2018, 00:59
Das kleine Lagerfeuer, vor wenigen Stunden noch hektisch flackernd und die lodernden Flammenarme nach allen Seiten reckend, war bereits erloschen und die übrig gebliebene Glut war der einzige Hinweis auf die Reisenden, der das tiefe Dunkel der Nacht durchbrach. Elfaire hielt ihr zerbrochenes Schwert in den Händen und stocherte damit in den glimmenden Kohlen herum. Sie hatten ihr Nachtlager inmitten des Dschungels aufgeschlagen, ein Ort, der auch zu dieser Zeit nicht zu schlafen schien. Fremdartige Laute schallten durch die dichten Baumreihen, mal nah, mal fern und manches Mal war Elfaire sich nicht sicher, ob sich nicht schon ein Waldbewohner an die Rastenden herangeschlichen hatte.
Sie betrachtete die Klinge, die ihr Kaligulas vor vielen Jahren geschenkt hatte. Es hatte ihr in unzähligen Situationen das Leben gerettet und sie war stolz gewesen, es nach abgeschlossener Ausbildung führen zu dürfen, ehe es schließlich zerbrochen war und sie es nun mehr als Andenken denn als Waffe mit sich führte.
Sie dachte über die Worte Estebans nach. "Eine Geweihte des dunklen Gottes..." Zu ihr hinauf schaute ihr Spiegelbild, das in der zerbrochenen Klinge reflektiert wurde. "...Bin ich das denn?" Eine nachdenkliche Frau blickte sie an, sie hatte sie lange Zeit nicht mehr gesehen.
Elfaire seufzte und legte die Klinge beiseite. "Das werde ich wohl nur herausfinden, wenn ich mich an die Arbeit mache.."
Sie bettete ihren Kopf auf ihrem Rucksack, der neben ihr am Boden lag, zog den schwarzen Umhang enger um sich und schloss die Augen. Bald darauf hatte sich ihr Atem dem eines Schlafenden angeglichen.
Morgen würde sie Esteban mitteilen, daß sie sich dafür entschieden hatte, ihre Studien mit den Elementen Wasser, Erde und Äther zu beginnen.

Hirni
22.12.2018, 21:46
Lange hatte Hirni über Estebans Frage gegrübelt. Was wusste er über die menschliche Anatomie? Eigentlich Alles. Und doch nichts. Zu lange waren seine Heiler-Kenntnisse schon im Geiste gesperrt geblieben. Er konnte sich kaum erinnern. Lange grübelte er nach. Und Esteban ließ ihm die Zeit, das musste er dem Hohepriester lassen.
Abends dann, nach dem sie an einem Lagerfeuer Rast gemacht und das eher spärliche Mahl aus Kaninchen, Beeren und einigen Nüssen welche sie am Wegesrand aufgelesen hatten, setzte Hirni dann zur Antwort an:
"Ich habe nun lange über deine Frage nachgedacht, Esteban. Und... ah, es ist schwierig.
Einst war ich begabter Heiler. Habe Wunden genäht, Knochenbrüche geheilt, Innere Organe Zwecks magischen Fähigkeiten geschloßen. Doch nun ist dies alles verblasst in meinem Geiste. Diese verzwickten Türen, die verschloßen wurden. Welche ich erst wieder öffnen muss. Ähnlich ist es ja mit der Magie.
Ich versuche also, mich Dunkel daran zu erinnern. Der menschliche Körper zum Beispiel enthält über 200 Knochen. Schädelknochen, Rippen, Wirbelsäule, Hüftknochen. Speiche, Elle, Kniescheibe und Wadenknochen. All dies wird von Sehnen und Muskeln gehalten.
Bei einem Skelettkrieger bestehen Muskeln und Sehnen natürlich nicht. Hier werden die Knochen von Magie gehalten. Anders würde das Gerippen einfach in sichen zusammen sacken.
Die beiden Labertaschen an unseren Kastellmauern zum Beispiel. Ich nehmen an, das da eine magische Verbindung zum Kastell besteht, welche ständig aufrecht erhalten wird. Sonst würden die beiden Knochensäcke am Boden liegen und hätten schon seit Jahrhunderten Feierabend.
Ähnlich ist es natürlich auch mit großen Wesen, welche ein knöchernes Skelett enthalten. Ochsen zum Beispiel, wobei dort die Anatomie natürlich gänzlich eine andere ist. Aber dennoch, auch hier MÜSSEN im Lebenden Organismus Sehnen und Muskeln, sowie Bänder jeglicher Art das Wesen an sich zusammenhalten. Alles fasst in einander. Durchtrennt man zum Beispiel die Sehne der Beine des Ochsen, bricht er zusammen und quält sich. Gerne nutzt man dies, um ihn schnell zu schlachten. Bei einem magisch beschworenen Wesen ist dies natürlich nicht annähernd von Belang. Da kann man noch so sehr versuchen irgendwelche Sehnen zu zerschneiden. Da wird nichts passieren. Denn Magie kann man nicht zerschneiden. Sie zu stoppen ist nur möglich, wenn man den Wirkenden selber unterbricht. In welcher Form auch immer..." schloß er seine Antwort erst einmal ab.

Stille regierte nun. Zumindest ansatzweise. Denn die Wesen der Dunkelheit gaben ihre Laute von sich. Und die Laute von Dumak gab ebenfalls Töne von sich. Aber sonst sprach niemand. Der Hund Dumaks wärmte sich am Lagerfeuer, welches noch leise vor sich hinprasselte, und elfaire knabberte noch an einer Nuss. Hirni hingegen vermisste irgendwie ein frisch gezapftes Pils. Es würde das erste Sein, was er sich zu Gemüte führen würden, wenn sie an irgendeiner Taverne Halt machen würden...

Dumak
07.01.2019, 00:02
Dumak stoppte die Handbewegung, die seine Finger über die Saiten geführt hatte. Er hob den Kopf und lauschte.
»Hast du das auch gehört?«, fragte er Nienor, die neben ihm saß und wieder einmal an irgendeinem Rüstungsteil herumfummelte.
»Da war doch irgendwas! In diesem Dschungel hier kann man sich doch nie sicher sein, dass einen keiner beobachtet. Oder irgendwas.«
Irgendwo im Wald um sie herum zirpte etwas laut und anhaltend. Äste knackten, aber es war gedämpft, ein Stück weit weg.
»Ich kenne da so eine Geschichte, die hat mir mal jemand in Khorinis erzählt. So ein vorlauter junger Bursche, der sich immer zu weit in den Wald getraut hat. Der hat mir berichtet, was passierte. Anfangs war alles noch gut und schön, Vögel zwitscherten fröhlich.«
Eine Eule ließ von irgendwoher ihren typischen Ruf erklingen.
»Ja, genau so«, meinte der Sänger. »Naja, oder so ähnlich. Er drang jedenfalls immer tiefer ein in den dunklen Forst. Das Licht wurde immer dämmriger, die Baumkronen immer höher und immer dichter, bald drang kein Sonnenstrahl mehr auf den Boden. Und jeder Laut erstarb. Und da sah er plötzlich zwei glühende Augen aus einem Dickicht heraus auf sich gerichtet. Genauso wie diese Augen dort.«
Er zeigte auf zwei gelbe Punkte, die aus dem Dunkel um sie herum starrten.
»Und dann warf ihn irgendwas anderes von hinten um und noch ehe er etwas tun konnte, biss ihm irgendein Monster die Kehle durch. Man fand später nur noch seine Knochen.
Das hat er mir genauso erzählt, wie er es im Wald erlebt hatte. Ist also wahr.«
Er zog die Stirn kraus.
»Moment. Das kann ja doch nicht stimmen ...«
Dumak zuckte mit den Schultern.
»Egal. Mal sehen, was mir der Küchendämon so eingepackt hat.«
Er griff sich seinen Reisebeuten und wühlte darin herum.
»Ah, belegte Brote. Mit schön dicken gepökelten Rindfleischscheiben. Sensationell.«
er biss herzhaft hinein und kaute zufrieden. Dann klimperte es leise und er holte einen Bocksbeutel aus dem Sack, entkorkte ihn und ließ sich etwas Kastellwein durch die Kehle rinnen.
»Ja, dieses Kochgenie weiß, was gut ist. Die Leute sind auf euch Schwarzmagier doch nur sauer, weil sie nicht so großartige Köche haben wie ihr. Das ist purer Neid.«
Laute und gruselige Geschichte waren vergessen. Und auch irgendwelche aus dem Dunkel schauenden Augen.

Nienor
07.01.2019, 00:25
Nienor hatte dem Barden nur mit einem Ohr zugehört, als er seine Gruselgeschichte erzählte. An einer Armschiene hatte sich ein Niet gelockert, der den Rand hielt. Hier draußen in der Wildnis würde sie ihn kaum reparieren können, denn einen Schmied gab es weit und breit nicht in dieser verlassenen Ecke der Insel.
»Ach Dumak ...« murmelte sie, während er sein Garn weiter sponn, ohne noch groß auf seine Zuhörer zu achten.
Da - Gomez hob den Kopf, der bis eben noch auf den Vorderpfoten geruht hatte. die Ohren waren aufgestellt. Er hatte irgendetwas wahrgenommen. Das Feuer, obwohl einige Schritte entfernt, denn wie alle Tiere hatte auch Gomez Angst davor und traute sich nicht allzunahe heran, beleuchtete sein Fell auf einer Seite, so dass es fast aussah, wie das eines jungen Fuchses.
Nebenan erzählte der nie um irgendeine Geschichte verlegene Barde etwas von gelben Augen in der Dunkelheit, ehe er seine Erzählung weiter sponn.
»Was hast du gesagt?«
Doch Dumak war schon wieder ganz woanders.
Nienor suchte den Waldrand ab, der in tiefem Dunkel lag. So weit reichte der Schein ihres Feuers nicht, um ihn zu erhellen.
Jetzt sah auch sie die beiden gelben Punkte. Vorsichtig griff sie das Heft ihres Schwertes, das sie für die Rast abgelegt, aber nicht zu weit entfernt auf den Boden deponiert hatte, ließ es mitsamt dem Gehänge über die Knie sinken und zog es langsam aus der Scheide.
Sie hätte es auch mit Tränenbringer versuchen können, doch wäre ein Pfeil, abgeschossen ins Dunkel, nur aufs Geratewohl auf irgendetwas, eine unsichere Option gewesen. Nienor sah ihren Gegner gern. Doch mit einem Mal waren die Augen verschwunden. Die junge Frau starrte noch eine Weile unverwandt ins Dunkel, doch sie tauchten nicht wieder auf. Vielleicht hatte das Feuer das unbekannte tier abgeschreckt?
Das Schwert blieb trotzdem außerhalb der Scheide.
»Willst du nicht Hirni etwas aus deinem Beutel anbieten?«, fragte sie dann Dumak. »Er scheint seinen Proviant vergessen zu haben. Ich glaube, du hast noch einen zweiten Bocksbeutel mit Bier in deinem Reisesack.«
Und noch ehe der Sänger fragen konnte, woher sie das denn wüsste, antwortete sie schon.
»Ich habe auch einen. Der Dämon wird uns alle Ähnliches mitgegeben haben.«

Dumak
07.01.2019, 00:30
»Was?«
Er wühlte kurz in dem Beutel.
»Tatsache. Aber das trink ich lieber selber! Schmeckt mir auch besser als Wein im Moment. Spende doch deinen, wenn du magst. Außerdem lernt Hirni so, nicht seine Vorräte zu vergessen, wenn er aus dem Haus geht. So ein tüdeliger Magier. Das erfüllt ja alle Vorurteile!«
Und damit steckte er den Weinschlauch wieder weg und angelte sich stattdessen den Bocksbeutel mit dem süffigen Kastellbier.

Nienor
07.01.2019, 00:45
»Nun, wenn du nicht magst, dann tue ich es. Da hast du recht«, erwiderte Nienor schlicht, schnappte sich ihren Umhängebeutel und ließ sich bei den drei Magiern nieder.
»Warum so trübsinnig, Hirni?«, fragte sie dann.
»Ich hab hier Bier, wir haben ein Feuer, der Hund passt derweil auf und die Zeit, die Wache zu bestimmen, damit alle anderen schlafen können, ist noch noch nicht heran.«
Damit setzte sie sich und reichte ihm den ledernen Schlauch hinüber.
»Ich habe mich bei dir und Esteban noch gar nicht bedankt für die Rettung vor einiger Zeit«, sagte sie.
»aber wenn man es genau nimmt, dann haben mich die Bewohner des Kastells nicht nur gerettet, nein das Kastell hat mit all seiner gefährlichen Magie und seinen seltsamen Dingen mich überhaupt erst in diese Gefahr gebracht. Ich finde, so sehr tief stehe ich gar nicht in eurer Schuld.«
Sie schloss mit einem spöttischen Lächeln, war sich aber nicht sicher, ob die beiden das genauso sahen.
Die Magierin, die Esteban und Hirni gut zu kennen schienen, war ihr hingegen unbekannt, so dass sie nicht wusste, wie sie sie ansprechen sollte. Zum Glück war dies jetzt auch gar nicht nötig, denn sie hatte sich gerade entschlossen zu schlafen, so dass nur noch die beiden Männer am Feuer saßen. Sicher hatten sie gerade über Magie oder ähnliche Dinge gesprochen.
»Schauen wir mal, was wir noch so dabei haben.«
Sie holte aus ihrer Tasche Brot, Käse und kalten Braten hervor. Mit dem Messer, dass sie am Gürtel trug, hatte sie flugs von allem einige Scheiben abgeschnitten, so dass für jeden handliche Portionen entstanden.

Hirni
07.01.2019, 23:13
"Ja, das kastell und seine spielereien. Ich glaube ja, man geht eine art pakt ein mit dem betreten der mauern.
Das kastell ernährt und beschützt einen zwar von äusseren einflüssen, gleichzeitig wird man aber auch zum spielball der magischen gefahren im inneren. Man ist sozusagen das versuchskanninchen der perfiden spielereien von dämonen und magie.
Und die zirkelmitglieder sind sozusagen die oberkanninchen. Dürfen mit aufpassen und studieren, sind aber zumeist die experimentierfreudigsten und leben teils am gefährlichsten. Eine art symbiose, sozusagen..."

Dankbar nahm er das angebot nienors an. Er war zwar kein großer weintrinker, aber einem geschenkten gaul schaut man ja nicht ins maul.
"Ich denke, wir sind durch das teilen des mahls nun quitt. Das passt schon so." Lächelte er die kriegerin an.
Beide kauten still schweigend auf ihren happen herum. Das lagerfeuer prasselte derweil vor sich hin. Es knackte und kinsterte, dann fühlte hirni sich beobachtet. Gerade als es hier etwas gemütlich werden sollte am feuerchen. Er schärfte vorsichtshalber seine magischen sinne. Dann, um sich abzulenken versuchte der schwarmagier sich an einer plauderei.
"Du scheinst dumak und esteban schon sehr lange zu kennen? Wenn man esteban denn kennen kann. Er wirkt immer recht unnahbar..."

elfaire
20.01.2019, 23:54
Ihre Hand bewegte sich an der mit Stoff verhangenen Wand entlang, ehe sie schließlich etwas metallenes ertastete. Sie drückte die Klinke herunter und öffnete die Tür einen Spalt breit. Von Außen wehte ein kühler Wind hinein in den kleinen Kellerraum, dessen fremdartige Einrichtung durch flackernde bunte Lichter erhellt wurde. Aus den Wänden schien Musik zu erklingen, deren seltsamen Klängen Elfaire keine ihr bekannten Instrumente zuzuordnen wusste. Vielleicht sollte sie darüber einmal Nachforschungen anstellen. Wenn sie das nächste Mal in eine Stadt kommen würde, würde sie dort einen Musikkenner aufsuchen. Außerdem würde sie ein Instrument spielen lernen. Daran hätten mit Sicherheit auch ihre Mitmagier ihre Freude, wer hatte schon etwas gegen wohlklingende Musik, wie sie die Schwarzmagierin mit Sicherheit schon bald herbeizuzaubern vermochte? Sie öffnete die Tür vollständig und lugte in den nächsten Raum, in dem sich eine Treppe befand. Je höher sie diese erklomm, desto heller wurde es. Und als sie schließlich die höchste Stufe erreicht hatte, war das Licht gleißend hell geworden. Das flimmernde Surren, das die letzten Minuten - oder waren es Stunden? - über angehalten hatte, verebbte langsam, bis es schließlich völlig still war. Dann wurde es schlagartig dunkel, Lagerfeuerknistern und leises Gemurmel setzten ein und ihr linker Arm machte durch ein starkes Kribbeln darauf aufmerksam, daß er zuletzt recht ungünstig gelegen hatte.

Sie war also bloß kurz eingeschlafen, und der Raum mit den seltsamen Gerätschaften war ein Produkt ihrer Fantasie gewesen. Es waren wirklich sonderbare Dinge in ihrem Traum passiert: Zuerst hatte sie mit einigen Menschen, die allesamt Kopien ihrer selbst hätten sein können, an einem großen Tisch gesessen. Davon war jeder Millimeter mit köstlichen Speisen und Getränken gefüllt gewesen, und die einzige Aufgabe, die ihnen allesamt auferlegt worden war, war ihre Leiber zu füllen. War alles aufgegessen, füllte sich der Tisch erneut. Diese Traumepisode zog sich in die Länge und Elfaire konnte schon bald kein Essen mehr sehen, als sich die Speisen in funkelnde Lichter verwandelten, die nach und nach in die Höhe schossen und dort mit einem ohrenbetäubenden Knall explodierten. Dabei erzeugten sie so viel Rauch, daß die Schwarzmagierin schon bald keine Armlänge weit mehr blicken konnte. Während sie noch nach ihrer Hand suchte, stellte sie fest, daß sie einen dünnen Holzstab in der Hand hielt, an dessen Ende ein zylinderförmiges Häuschen befestigt war ( es hatte immerhin ein Dach ), aus dem eine Zündschnur herausragte. Elfaire konzentrierte sich auf ihre Mitte und imaginisierte eine Flamme, wobei ihr wohlig warm wurde. Sie sah sich selbst Magie wirken und damit die Schnur entzünden. Offenbar hatte sie ihr Studium der Magie Ernst genommen und an ihren Fähigkeiten gearbeitet. Warum dies allerdings beinhaltete, daß sie Feuerzauber wirken konnte, war ihr unklar, schließlich hatte sie sich doch für andere Elemente entschieden? Sie wurde in ihrem Denken unterbrochen, als die Zündschnur ausgebrannt war und die Rakete mit einem lauten Zischen gen Himmel emporschoss. Elfaire, die den Holzstab noch immer umklammerte, wurde mit in die Höhe katapultiert, und ihr Gefährt zog sie hoch hinaus über die Nebelschwaden hinein in die dunkle Nacht. Sie flogen durch die Lande und sahen Riesen, die kleine Farbkleckse gegen Klippen schleuderten und kleinwüchsige Wesen, die überdimensionale Torten backten. Sie kamen immer höher, ehe sie schließlich die Himmelsgrenze durchbrachen und ins Weltall eintraten, wo die Sterne zum greifen nah waren. Elfaire nahm sich ehrfürchtig einen handgroßen Stern und biss voller Erwartung hinein. Er war aus Käse. Sie war schon ein wenig enttäuscht, hatte sie doch einen besonderen Geschmack erwartet. Immerhin war es wohlschmeckender Käse.
Sie landeten auf einem kleinen grünen Planeten, auf dem lediglich ein Baum und ein Haus standen. Die Schwarzmagierin betrachtete die Oberfläche genauer, stellte fest, daß der Planet nur angemalt war. Sie kratzte mit der abgebrannten Rakete auf dem Boden herum, bis die Farbschicht aufplatzte und ein faulender, stinkender Untergrund zum Vorschein kam. Sie trat angewidert zurück und stieß sie gegen den Baum, der ebenfalls nicht natürlichen Ursprungs zu sein schien. Er war vielmehr ein recht tristes Abbild eines lebendigen Baumes, an dessen Ästen auf Papier gemalte Äpfel hingen. "Was habt ihr nur mit eurem armen Planeten gemacht." dachte sie traurig. Elfaire wandte sich dem Haus zu, ging hinein und die Treppen runter, an deren Ende sich die Tür zu dem kleinen Kellerraum mit den bunten Lichtern befand. "PRO.KT S..B..E....T.N." prangte auf einem Schild an der Wand. Viele der Buchstaben waren absolut unleserlich geworden, sodaß sie nicht entziffern konnte, was das Schild einmal mitteilen wollte. Der Raum mit seinen eigenartigen Geräten wirkte auf sie wie eine futuristische Version von Hirnis Alchemielabor - oder zumindest so, wie sie es sich vorstellte, gesehen hatte sie es bislang noch nicht. Ein rot leuchtender Knopf zog ihre Aufmerksamkeit auf sich und sie sah, wie sich ihre Hand wie automatisiert darauf zubewegte. Der Mechanismus ließ sich einwandfrei betätigen, offenbar hatten die Erbauer des Hauses nicht an Qualität und einen wahren Meister seines Handwerks mit dem Knopfbau beauftragt...

Das Lagerfeuer knackte laut, ein paar verkohlte Äste waren auseinandergebrochen und hatten das Geräusch verursacht. Elfaire erwachte aus ihrem Dämmerschlaf und öffnete die Augen. Sie befand sich noch immer inmitten des Dschungels, unweit von ihr saßen ihre Weggefährten beieinander und unterhielten sich. Sie hätte fast meinen können, daß sie einen ganzen Monat lang durchgeschlafen hatte, so viele Geschichten hatte sie durchträumt. Aber offenbar war sie nur kurz weggedöst. Es war lange her, daß sie so unbekümmert in der Wildnis hatte schlafen können, doch mit ihren Begleitern fühlte sie sich sicher und gut geschützt. Sie richtete sich gähnend auf und schüttelte ihren noch immer tauben Arm. Wenn sie ihre Augen nicht täuschten, konnte sie Hirni, Dumak und Nienor im Schein des Feuers ausmachen. Vielleicht war nun ja ein guter Zeitpunkt, um einander besser kennen zu lernen? Sie würde von ihrem seltsamen Traum erzählen, davon, daß sie alle gut auf ihre Welt aufpassen sollen, von dem, was hinter dem Himmel liegt, davon, daß Sterne auch in unmittelbarer Nähe zu finden sind, sie fragen, ob sie nicht einmal ein Fressgelage im Refektorium des Kastells veranstalten wollten und von ihren musikalischen Plänen erzählen.
Doch grade, als sie auf sich aufmerksam machen wollte, packte etwas ihr Bein und sie wurde ruckartig in den Wald gezerrt.

Hirni
25.01.2019, 22:04
Es war wie verhext, er kam einfach nicht dazu mit Nienor ein vernünftiges Gespräch aufzubauen.
Gerade als die Fragen gestellt waren und die Kriegerin zur Antwort ansetzen wollte, vernahmen sie ein Knurren, dann fiel das Zelt in sich zusammen in welches sich Elfaire vorher zurück gezogen hatte.
Man sah nur noch, wie sie von einem großen Schatten Richtung Walddickicht gezogen wurde, verzweifelt strampelnd und um sich schlagend.
Sofort sprangen die Beiden auf, während Dumak vor Schreck die Klampfe fallen ließ.
Der große Hund hingegen zögerte auch nicht lange, nahm sofort die Verfolgung des Wesens auf. Nienor packte sich ihr Schwert, Hirni festigte sofort in Gedanken seine magischen Kräfte und zog gleichzeitig seinen Kampfstab zu Rate. Dann nahmen auch sie die Verfolgung des Wesens auf.

Einen Geistesblitz erhaltend wühlte Hirni schnell in dem Zusammen gefallenen Zelt umher, bis er für Elfaire ein Kleinschwert fand und packte dieses. Dann würde sie, sollte sie dazu in der Lage sein, sich ebenfalls im Kampfe wehren können.
Der Schwarzmagier hoffte inständig, dass das Wesen erst mal nur mit ihr "spielen" würde, und nicht sofort ihre Halsschlagader zerbiss oder ähnliches. Sie nach so langer Abwesenheit auf solche Art für immer als Freundin zu verlieren, das könnte er wohl kaum ertragen.
Sie schlugen sich in einer wilden Hatz durchs Dickicht. Nasse Zweige und Gestrüp schlugen ihm wie Peitschen durch das Gesicht, Nienor wusste scheinbar die Fährte auch im Dunkeln zu verfolgen. Voran rannte der Hund, dessen Name Hirni entfallen war und schlug einen Haken nach dem anderen, um den Wurzeln und Büschen auszuweichen.
Ein ums andere Mal wäre Hirni fast der Länge nach hin geschlagen, jedoch konnte er jeweils das Gleichgewicht halten. Es war faszinierend, wie gut der menschliche Körper in solch Gefahrensituationen alles richtig machte. Rein Automatisch, aus einem Instinkt heraus geschah dies alles, so schien es.

Auf einer kleinen Lichtung blieben sie zum Stehen. Hirni blickte sich erst einmal um, versuchte die Situation zu erfassen:
Elfaires Gefluche war zu vernehmen, ein großer Schatten war über sie gebeugt, um sie herum waren noch zwei oder drei weitere tierische Wesen. Sie waren auf allen vieren Unterwegs. Sie knurrten, lauerten scheinbar- Ihre Beute wollten sie endlich erlegen und dann ihr Abendmahl geniessen. Doch da hatten sie die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Oder besser ohne Elfaire und Ihre Begleiter.
Während Elfaire wild um sich trat, so schien es, und gleichzeitig mit den Händen auf die Wolfsartigen Gestalten einschlug, sprang Nienor mit einem wilden Schrei auf die Gruppe Tiere los.
Der Hund befand sich bereits im Kampf mit einem anderen Geschöpf.
In Windes Eile entwickelte sich auf der kleinen Lichtung ein wilder Kampf zwischen Mensch und Tier!

Hirni indes hielt sich auf Abstand, bündelte seine magische Energie und sorgte erst einmal für eine etwas stärkere Lichtkugel, damit man den Kampfplatz etwas besser überschauen konnte. Aus Schemen wurden klare Bilder Man erkannte riesige Wolfshunde. Oder waren es sogar Wölfe? Dazwischen tanzte Nienor um sich her, und der Hund sprang ebenfalls zwischen den Wölfen umher.
Während er diesen Spruch aufrecht erhielt, teilte er seine magischen Kräfte und beschwor gleichzeitig ein kleines Goblinskelett.
Diesem reichte er die Klinge für Elfaire und ließ das Wesen in den Pulk rennen.
Bei Elfaire und ihrem Fänger angekommen, trieb es die Klinge dem Wolfswesen in den Hals, worauf hin ein lautes Quieken zu vernehmen war. Als das Goblin-Skelett die kleine Klinge aus dem Körper zog, sackte dieser schwer über Elfaire zusammen. Sie war zwar fürs erste gerettet, steckte nun aber unter dem Wolf fest...
"Hm... Hauptsache sie wird erstmal nicht gefressen." zuckte Hirni mit den Schultern.

Nienor
06.02.2019, 22:53
Nienor war etwas verwundert über die Tatsache, dass Hirni sie nach Esteban fragte, während dieser neben ihnen am Feuer saß. War das nicht etwas unhöflich? Oder herrschten bei den Schwarzmagiern andere Gepflogenheiten? Wirklich gewundert hätte sie es nicht. Insgeheim war sie eher froh, aus dem Kastell wieder entkommen zu sein. Mit seinen unerklärlichen Räumen, die irgendwelchen Gesetzen folgten, die ein normaler Mensch nicht verstand, war das Heim der Schwarzmagier ihr unheimlich. Doch ehe sie sich etwas zurechtlegen konnte, um Hirnis Frage so zu beantworten, dass es nicht despektierlich für Esteban werden würde, war sie dank der plötzlichen Ereignisse davon enthoben worden.

Zuerst hatte sie Tränenbringer in der Hand, die Waffe, die sie einst von Esteban bekommen hatte und wovon sie Hirni hätte berichten können, ließ ihn aber dann, eingedenkt dessen, dass es in der Finsternis unter den hohen Kronen der immergrünen Bäume in diesem Teil der Insel nicht viel Sinn gemacht hätte, auf irgendwelche Bestien, die nur schemenhaft erkennbar waren, zu schießen, wieder zurück auf ihren Rücken gleiten, wo er in seinem Futteral ruhte. Unter einem wolkenfreien Sternenhimmel wäre es etwas anderes gewesen ... Stattdessen nahm sie ihr Schwert in die Hand und stürzte sich in den Kampf. Nach kurzer, nahezu instinktiver Einschätzung der Lage suchte sie sich dasjenige von den tieren, das im Begriff war, sie zuerst zu erreichen. Mit einem weiten Sprung verkürzte sie die Distanz, schwang dabei das Schwert in hohem Bogen und ließ es auf den Schädel der wilden Bestie herabsausen. Mit einem Knirschen drang der Stahl in den Schädel des Tieres ein. Schnell zog sie ihr Schwert zurück, bereit, den nächsten Angriff auszuführen. Schon waren ein, zwei weitere dieser wolfsartigen Bestien auf sie aufmerksam geworden und umkreisten sie, als ob sie auf irgendein geheimes Angriffssignal warteten.

Plötzlich, kaum, dass sich Nienor vom ersten Gegner abwenden konnte, nachdem sie sich überzeugt hatte, dass er tot war und keine Gefahr mehr darstellte, sprangen beide auf sie zu. Gleichzeitig streckte sie die Schwertspitze gegen den einen Angreifer und ließ sich fallen, so dass auch der zweite sie verfehlte. Jedoch schabten seine langen Krallen über ihr Kettenhemd und rissen ihr, als sie am Hals ankamen, eine Wunde. Die Bestie jaulte auf, als sie mit einem Schertstich von schräg oben wie aus dem Lehrbuch getroffen wurde, landete jedoch wieder auf allen vieren und setzte den Angriff, ohne ihre Verletzung zu beachten, fort. Nienor hieb auf den zweiten Angreifer ein, um ihn auf Distanz zu bringen und wandte sich beim letzten Schwertstreich in einer fließenden Bewegung, aus dem Schlag heraus um eine halbe Drehung um. So sah sie, dass der erste Angreifer, der wohl durch seine Verletzung nur noch wilder wurde, erneut mit gefletschten Zähnen auf sie zusprang. Schnell konnte die Kriegerin noch ihre Waffe zur Abwehr vor sich halten, ein wirksamer Schlag war jedoch nicht mehr möglich. Schon war die Bestie über ihr und riss sie fast um. Mit lautem Knurren versuchte der Wolf, ihren Hals zu erreichen, rutschte jedoch an der stählernen Rüstung der Kriegerin ab. Hinter sich hörte sie ein kurzes Jaulen, dann war dort Stille.

Dumak
06.02.2019, 23:03
»Man kann nie genug Messer haben«, erklärte Dumak mit einem schiefen Grinsen.
Aus dem Hals der getöteten Wolfsbestie - war es vielleicht ein Warg? - ragte ein Dolchgriff, dessen stählerner Knauf im wenigen Licht glänzte, dass es bis hier auf den Waldboden unter den Bäumen geschafft hatte.
»Vorsicht!«, rief er Nienor zu, aber die Kämpferin hatte schon selbst bemerkt, dass ihr neue Gefahr drohte und setzte ihren Kampf gegen die zweite Bestie fort.
Doch im Hintergrund sah Dumak noch mehr. Sie lauerten, überall erschienen im Schutz des dunklen Dickichts außerhalb des freien Platzes, auf dem sie gerade kämpften, gelbe Punkte und verschwanden wieder. Es war nahezu unmöglich, die wahre Zahl der Angreifer zu bestimmen. Aber es war definitiv ein größeres Rudel.

Der Magier hatte die entführte Schwarzmagierin erreicht und sich um die Angreifer in ihrer Nähe gekümmert. Gut. Nienor kam mit ihrem verbliebenen Gegner wohl gut alleine zurecht. Wenn hier einer kämpfen konnte und viel Erfahrung hatte, dann wohl sie. Der Barde schaute sich um, um den Überblick zu behalten. Lösten sich weitere Tiere aus der Dunkelheit, um in den Kampf einzugreifen? Er hatte das nächste Messer wurfbereit in der Hand. In der Linken das nächste. Zur Not konnte er auch damit werfen. Wenn auch nicht ganz so treffsicher.

»Gomez! Zu mir!«, rief er seinen großen Wolfshund. Der treue Begleiter war kaum auszumachen, balgte sich irgendwo mit einem der Warge. Hoffentlich verwechselte ihn niemand mit einem Angreifer. Aber er hatte doch auch keine dieser gelben Augen. Das müsste doch jeder sofort erkennen, oder? So richtig sicher war sich Dumak nicht. Einmal im Gefecht konnten viele Dinge passieren.
Gomez hörte nicht auf den Ruf. Von irgendwoher hörte Dumak ein Knurren, dass ihm bekannt vorkam.
»Gomez! Aus! Bei Fuß!«

Don-Esteban
06.02.2019, 23:57
»Er hört wohl nicht auf dich?«, kommentierte Esteban das Offensichtliche.
Auch er war nun auf dem Kampfplatz angekommen. Eile hielt er nicht für geboten, meinte er doch, dass drei Leute, die sich alle halbwegs bis prächtig verteidigen konnten, einstweilen genug seien, um eine Person zu befreien. Ein Vierter würde da seiner Meinung nach keinen Unterschied machen. Zumal er seine Waffenfähigkeiten seit vielen Jahren nicht mehr geübt und fast gänzlich verloren hatte. Er hatte nicht einmal den Kampfstab mitgenommen auf die Reise, obwohl er den Umgang damit vor vielen Jahren bei Aniron in der Wüste von Varant erlernt hatte. Doch wenn man nie anwendet, was man gelernt hat, vergisst man es wieder.

Doch da fiel es ihm wieder ein. Er war ja Magier. Wieso nicht mit Magie eingreifen? Das war sowieso viel hochwertiger als dieses Geschwinge und Gewerfe von Eisen und Stahl. Und man kam auch nicht so sehr ins Schwitzen. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil, wenn man immer perfekt erhaben und geheimnisvoll wirken wollte. (Vielleicht sollten der Magieausbildung auch einige Lehrstunden im Fach Attitüde hinzugefügt werden, damit zukünftige Magier dem Zirkel keine Schande machten.)
»Nun denn. Beginnen wir mit etwas Licht, um zu sehen, was hier vor sich geht.«
Er beschwor mit Hilfe der üblichen, von ihm - weil längst verinnerlicht - ohne größeres Nachdenken nur noch leise und monoton gemurmelten Worte und theatralisch erhobenen Händen die Magie der Luft, die sich augenblicklich zusammenballte, ihm gehorchte und zu einem kleinen Lichtball zündete, der lodernd und pulsierend immer weiter anwuchs, bis ein kaltes, helles Licht die gesamte Umgebung erhellte, die Bäume, Sträucher und Personen lange, unheimliche Schatten werfen ließ und die ganze Szenerie in ein gespenstisches Licht tauchte, das alles nur noch unheimlicher erscheinen ließ.
»Jetzt ist es besser«, befand der Hohepriester.
Er setzte den einmal eingeschlagenen Weg der Magie mit einer Schattenflamme fort, die anders als das zuvor beschworene Licht keine Explosion von Helligkeit darstellte, sondern vielmehr einen Bereich absoluter Schwärze innerhalb des vom Lichtzauber beleuchteten Gebietes.

»Lichtstrahl, der du Dunkelheiten,
Finsternis und Schwärze fliehst!
Oder sind's die finst'ren Zeiten,
Durch deren dunkles Herz du schießt?
Ohne Dunkel gibt’s kein Scheinen -
Formlos Schatten ohne Licht«

Hungrig labte sich das entwickelnde Magische Geschoss an den Worten des Zauberspruches, die Esteban ebenso leise wie schnell vor sich hin murmelte.

»Nur dich oder aber keinen!
Widersetze dich mir nicht!
Sprüh hervor aus deiner Sphäre,
Bring die Kraft der Helligkeit!
Dien der Macht, die ich erkläre,
Jetzt bis in die Ewigkeit.«

Wabernd entfaltete sich der Bereich vernichtender Energie, zog sich die Magie zu einem verdichtenden Kern zusammen, bereit, alles mit ihrer arkanen Kraft auszubrennen und zu verschlingen, was ihr als Ziel aufgetragen werden würde.

»Willst auf meinen Wunsch nicht glühen,
Sträubst dich gegen mein Diktat?
Dann sollst stumpf und schwarz du sprühen,
Rasend nah'n als Todes Saat!«

War es ein Kreischen, das aus unbestimmten Tiefen drang, wie eine der legendären Sirenen mit ihrer Wut und ihrem Hass die doch allen Menschen klangen wie wunderschönster Gesang? Nein, hier war es nicht so. Ein Quietschen und Schaben erhob sich und mit Vollendung des Spruches raste der Ball aus Dunkelheit los, leckte am Licht, das er durchquerte und suchte sich sein Ziel: Eine der Bestien, die augenblicklich von Dunkelheit zerrissen wurde. Die Schattenflamme faserte aus und Tentakeln aus schwarzer Magie griffen gleich Armen in die Nacht hinaus, auf der verzweifelten Suche nach mehr Zielen, denn der Hunger war nicht gestillt. Doch verebbte die herbeigerufene Macht schnell und schon nach einigen Wimpernschlägen war nichts mehr davon zu spüren. Nur der zerrissene Körper des Wargs lag anklagend auf der Lichtung.
Esteban schaute, ob er noch mehr tun konnte.

elfaire
09.02.2019, 20:01
"Fabelhaft." kommentierte Elfaire gedanklich die Tatsache, das sie nun - nunja, feststeckte. Ihre Miene war nahezu regungslos, betrachtete man das Gesicht der Schwarzmagierin genauer, konnte man allerdings ein leichtes Zucken an ihrem rechten Auge ausmachen. Ob dies nun Ausdruck ihres Erstaunens oder des Ekels war, wusste sie selber nicht. Wahrscheinlich irgendetwas dazwischen. Begraben unter einem Geschöpf - tot, blutend, sabbernd, geruchsintensiv und voll schlamm-, das sich wahrscheinlich das Vierfache ihres eigenen Körpergewichtes angefressen hatte und unfähig, sich selbst aus ihrer misslichen Lage zu befreien, geschweige denn am Kampfe mitzuwirken... Den Ausflug hatte sie sich irgendwie anders vorgestellt.
"Vielleicht haben die ja die ganzen verschollenen Schwarzmagier gefressen. Die sind so riesig, da muss Magie im Spiel sein." mutmaßte sie und war froh, nicht selbst als Hundefutter geendet zu sein. Da sie an einer Karriere als Liegstätte für selbige jedoch ebenfalls nicht interessiert war, versuchte sie nun, sich aus ihrem Gefängnis zu lösen. Ein schwieriges Unterfangen, hatte sie doch nur ihren rechten Arm zur Verfügung stehen; mit dem Linken hielt sie den schweren Kopf des Ungetüms von sich fern, da dieser sich sonst auf ihr Gesicht gebettet hätte. Sein grünlicher, nach Verwesung stinkender Speichel tropfte auf ihre Wange.
"Hirni!" rief sie, "Esteban?" ihre nähere Umgebung verdunkelte sich kurz, ein dunkler, magischer Ball flog über sie hinweg. "Nienor, Dumak!" Elfaire seufzte. Grade als sie die Hoffnung, gehört zu werden, aufgeben wollte, trat ein weiterer Vierbeiner in ihr Blickfeld, trat knurrend auf sie zu. Ihre Augen weiteten sich. Sollte dies nun das Ende sein? Das Biest kam immer näher, machte sich bereit für einen Sprung... Da spürte Elfaire warmen Atem auf ihrem Gesicht. Sie blickte nach oben, hin zum Kopf des Wargen unter dem sie eingeklemmt war und sah, wie gelbe Augen die ihren fixierten. Offenbar hatte Hirnis Skelett ihn doch nicht vollends zur Strecke bringen können. Er richtete sich auf, bleckte die Zähne und machte sich bereit, seine Mahlzeit zu verzehren. "Oh verdammt..." entfuhr es ihr. Dann geschah alles blitzschnell: Das Wesen, das sich ihr genährt hatte, sprang mit einem Satz nach vorne, biss sich im Hals des Wargen fest und schleuderte mit ihm zur Seite. Die Beiden rollten ein Stück weit über den Boden, bis der Warg endgültig zusammensackte. Elfaire war nicht länger unter dem immensen Körper begraben und blickte zu ihrem vierbeinigen Retter. "Gomez!" lächelte sie. Der Hund schaute kurz zu der verdreckten Magierin hinüber und lief dann, als hätte er einen Ruf vernommen, fort in die Dunkelheit.

Elfaire richtete sich auf, machte sich ein Bild von der Lage. Nienor wirbelte in einiger Entfernung mit ihrem Schwert herum, um sie lagen dutzende Warge, die den Fehler gemacht hatten, sich mit der erfahrenen Kriegerin anzulegen. Um Esteban funkelte es in den tollsten Farben, während er seine magischen Geschosse auf die Waldwesen losließ. Ein hübsch anzusehender Nebeneffekt der Zauberei und ein weiterer Grund, weshalb Elfaire ihr Studium unbedingt weiter vorantreiben wollte. Es schien ein ganzes Rudel über sie hergefallen zu sein, und noch immer strömten weitere Gegner aus den Tiefen des Waldes nach, hinaus auf die Lichtung, die nunmehr einem Schlachtfeld glich. Da Elfaire keine Waffe mit sich trug, war sie weiterhin in der unvorteilhaften Situation, sich nicht verteidigen zu können. Und da sie ihr Glück nicht überstrapazieren wollte, wählte sie nun eine für sie untypische Strategie: Sie kletterte auf den knorrigen Baum, der in der Mitte der Lichtung stand und beschloss, dort oben zu warten, bis der Kampf vorüber war. Es war wahrlich ein Spektakel, das sich ihr von dort oben bot und sie musste heftig lachen, als sie Hirni erblickte, der seinem magischen Spross zu kämpfen hatte. Das Goblinkelett, welches er zur Rettung Elfaires beschworen hatte, schien sich gegen seinen Herrn gerichtet zu haben und jagte ihn über die Lichtung. Sie waren gerade unter dem Baum angekommen, auf dem Elfaire sich versteckte, als Hirni stehen blieb, dem Skelett einen Tritt gegen den knöchrigen Schädel verpasste und es in sich zusammensackte. Elfaire musste laut auflachen, was Hirni offenbar nicht entging, sodaß er sich suchend umblickte.
Dann sah Elfaire den Wargen, der sich rücklinks an ihren Freund anschlich... "Hirni, hinter dir, pass auf!" rief sie, geriet aus dem Gleichgewicht und während sie sich noch an dem dicken Ast, auf dem sie saß, festklammern wollte, hörte sie ein unheilvolles Knarzen... Der Ast brach entzwei, und mit ihm fiel die Magierin in die Tiefe. Das Holz landete zielsicher auf dem Kopf des Wargen, es knackte, sein Genick war gebrochen. Elfaire landete weich auf dem Körper des Tieres. "Na, das nenne ich ausgleichende Gerechtigkeit." triumphierte sie und grinste den verdutzten Hirni an.

Hirni
14.02.2019, 21:48
"Das war nun aber auch nicht wirklich graziler als ein Warg im Waffenladen," gab Hirni zu Bedenken.
Er war magisch dezent erschöpft, sein drittes Goblinskelett hatte sich irgendwann gegen Ihn selber gerichtet, nachdem er versucht hatte nebenbei den Lichtkegel aufrecht zu erhalten.
Da war noch viel magisches Wirken von Nöten, um so lange so stark Magie wirken zu können wie Esteban. Lange ist es her gewesen, das er selber auch so beständig mehrere Zauber gleichzeitig wirken konnte. Die neue Art der Magie war ihm einfach noch zu fremd.
"Nun denn," meinte Hirni. "Muss ich also auf die alte Waffenkraft zurück greifen."
Er zog seinen Kampfstab vom Rücken, und suchte sich einen Vierbeiner den er kräftig vermöbeln konnte.

Schnell fand sich auch einer. "Komm, lass uns Stöckchen spielen."
Der Warg knurrte, schnappte nach dem Stab. Hirni zog diesen Beiseite, holte daraufhin aus und schlug dem Mistvieh mit einem kräftigen Hieb des anderen Stabendes direkt in die Schnauze. Zähne knirschten, das Tier winselte, gab aber nicht nach. Kurz benommen, wunderte es sich was da gerade geschehen war. Dann machte es einen Satz nach vorne, Hirni hingegen trat einen Schritt zurück und zog ihm mit dem anderen Stabende kräftig den Scheitel. Diesesmal schlug er dem Warg wirklich die Zähne aus. Leider stachelte dies dass Vieh nur noch mehr an. Es verbiss sich nun in den Kampfstab.
"Hmpf... dann leck mich doch." Wütend zog Hirni an dem Stab, der Warg wurde nach vorne gerissen. Den Stab noch festhaltend, trat er dem Warg direkt gegen die Nase, das Vieh jaulte auf. Instinktiv zog Hirni den Schlagstock aus dem Maul und stach mit dem Stumpfen Ende voran dem stinkenden Vierbeiner direkt ins Auge. Dadurch trieb er seinee Waffe direkt durchs Auge ins Hirn des Wesens. Es zuckte nur noch kurz, dann lag es tot vor ihm. Kräftig an dem Stab ziehend, befreite er diesen aus dem Wesen. Am Ende hing noch etwas Auge und Hirnmasse.
Er hielt ihn Elfaire unter die Nase:
"Hunger?"
Sie schaute ihn nur angeekelt an und rümpfte die Nase. Schüttelte dann den Kopf.
Der Schwarzmagier zuckte mit den Schultern, dann suchte er sich etwas zum Abwischen.

Langsam lichtete sich das Schlachtfeld. Die Warge gaben langsam auf, merkten wohl das ihre leichte Beute doch nicht so leicht zu erlegen war.
"Warum lässt du dich eigentlich von so einem Vieh verschleppen, Elfi? Ist das so ne Art Rotkäppchen-Syndrom?"
Er hatte mal in der Bibliothek von Rotkäppchen gelesen. Das war eine Geschichte über eine Göre und ihrer Großmutter, die sich von Wölfen und Jägern verführen ließen. Oder war es entführen? So oder so, es endete damit das die Großmutter und das Rotkäppchen IM Wolf irgendwelches Schweinkram machten und der Jäger sie am Ende aus dem Wolf heraus schneiden mussten. Das musste irgendwas mit okkulten Opfergaben zu tun haben oder so. Wer auch immer sich solche Geschichten ausdachte, er hatte wohl nicht mehr alle Pferde im Stall.
"Alle OK? Keiner Verletzt? Ich würd dann gerne mal langsam wieder ans Lagerfeuer gehen, war gemütlicher dort als das Abschlachten dieser Pelzviecher hier..." schlug Hirni vor...

Nienor
17.02.2019, 23:12
Nienor schaute sich um.
Der Rest des Rudels schien sich zurückzuziehen. War es überstanden? Noch stand sie, zweifelnd, das Schwert in der Hand, bereit, sofort wieder zuzuschlagen. Doch die Bestien, Wölfe, Warge, was auch immer, umkreisten die Gruppe und plötzlich - wie auf ein geheimes Signal - waren sie verschwunden, hatten sich in das Dickicht des Dschungels zurückgezogen.

Doch ein Schatten raste unerwartet auf sie zu. Schon erhob sie ihre Waffe, bereit einen weiteren Schlag auszuführen, sobald das Monster sie ansprang ... doch es hechtete mit weiten Sprüngen an ihr vorbei, beachtete sie gar nicht und stürzte sich auf den Barden. Nienor stieß sich vom Boden ab, um schnell an Geschwindigkeit zu gewinnen und Dumak zu Hilfe zu eilen. Erde spritzte auf unter ihren Füßen, als sie zu ihm rannte. Dieser leichtfertige Mensch konnte wieder einmal nicht auf sich selbst aufpassen. Nicht einmal ein Messer hatte er griffbereit gehabt, wie die Kriegerin aus den Augenwinkeln sehen konnte. Ein Wunder, dass er all die Jahre überlebt hatte, so sorglos, wie er immer war.
»Dumak«, rief sie gellend, »pass auf!«

Dumak
17.02.2019, 23:25
Die schwarze Bestie stürzte auf Dumak zu.
Doch der machte gar keine Anstalten, sich zu verteidigen.
»Ja fein!«, rief er stattdessen, und ließ sich von dem Monster umwerfen.
»Ja hast du sie alle in die Flucht geschlagen?!«
Er kraulte seinem Hund den Hals, während der ihm außer sich vor Freude das Gesicht ableckte.
»Buärks! An deinem Atem müssen wir aber noch arbeiten«, stellte der Dieb fest.
Dann ließ er sich weiter von Gomez vollsabbern.
»Du bist mein kleiner Süßer! Ja das bist du. So knuddelig. Tust keiner Fliege was zuleide, was?!«
Das entsprach offensichtlich nicht den Tatsachen, wie einige der mit durchgebissenen Kehlen auf der Lichtung herumliegenden Warge bewiesen.
Dumak strubbelte durch das Fell des Wolfshundes.
»Na gut, den ganz bösen Jungs zeigst du es richtig, was?! Ja, toll! Brav.«, freute er sich weiter.
»Guck mal, ich hab hier ein Leckerli!«
Er holte etwas von dem guten Kastell-Schinken aus dem Beutel, der ihm noch immer über die Schulter hing.
Niemand wusste, wie er den bei dem ganzen Kampf bei sich behalten konnte, aber vielleicht lag das ja an seiner früheren Diebeskarriere, bei der er sicher eine besondere Körperbeherrschung erlernt hatte. Nämlich die, einmal eingesammelte Beute unter keinen Umständen wieder zu verlieren.

Nienor
17.02.2019, 23:47
Nienor war stehengeblieben und schaute angesichts der übertriebenen Zuneigung, die Dumak seinem Hund entgegen brachte, mit Erstaunen auf das Schauspiel.
»Das ist ja fast schon widerlich«, befand sie dann und wandte sich ab. Doch sie lächelte ein wenig dabei.
Sie ließ ihr Schwert wieder in die Scheide gleiten, nachdem sie sich vergewissert hatte, das keine weitere Gefahr mehr durch das Rudel der Angreifer drohte. Da Dumak von seinem eigenen Hund wohl keine Gefahr drohte, schaute sie sich nach den Mitreisenden um. Esteban stand ungerührt am Rand der Lichtung und schien sich gerade ein Stäubchen von der Robe zu putzen. Ein merkwürdiger Mann. Passte nicht hierher und auch sonst nirgendwo hin. Wie sie ihn einschätzte, hätte er mit etwas mehr Aufwand die ganze Angelegenheit auch alleine klären können. Aber vermutlich hatte er gerade kein Forschungsinteresse daran gehabt, so dass er auch die anderen ihren Anteil leisten mussten. Oder welche von anderen nicht nachvollziehbaren Gedanken auch immer er gehabt hatte ...
Hirni schien sich mit elfaire zu beschäftigen. Oder umgekehrt. Die beiden kannten sich, das war offensichtlich. Nienor hingegen hatte keine Verbindungen ins Kastell. Esteban hatte ihr vor vielen Jahren - als er selbst den Magiern Beliars beitrat und sein Waldläuferleben aufgab - seinen Langbogen Tränenbringer geschenkt, der einst der beste in der Kolonie gewesen sein sollte. Sie hatte nie erfahren, warum. Aber es schien ihr, dass dies in einem anderen Leben war, so lange her und mit ganz anderen Menschen, als sie jetzt unterwegs war. Seitdem hatte sie kaum noch die Schwarzmagier besucht und an ihren Dingen keinen Anteil genommen.
»Jetzt lass den Hund in Ruhe, Dumak!«, rief sie dem Barden zu, um sich selbst aus diesen Gedanken zu befreien.
»Das ist ja nicht auszuhalten!«, schalt sie ihn.
Na gut, eher sollte der Hund Dumak in Ruhe lassen. Zum Glück war Gomez durch ein Stück Schinken abgelenkt, so dass sich der Barde wieder aufrappeln konnte und sich daran machte, seine Wurfmesser zusammen zu suchen, die in den Hälsen verschiedener Kadaver steckten.
Seltsamerweise beruhigte es Nienor, zu sehen, dass Dumak unverletzt war.

Don-Esteban
18.02.2019, 22:51
»Bist du in Ordnung?«, fragte Esteban elfaire, nachdem der Kampf beendet war. Doch um die Magierin kümmerte sich schon Hirni.
Esteban trat trotzdem heran.
»Ja, kehren wir zurück zum Lager«, bekräftigte er dann Hirnis Vorschlag.
»Heute Nacht wird wohl niemand mehr Ruhe finden. Vielleicht sollten wir einfach weiter ziehen, es wird sowieso bald hell werden. Schon in wenigen Stunden erreichen wir dann die Ruinen von Setarrif.«
Dort würde es ungleich gefährlicher werden als hier im Dschungel, wo nur ein paar wilde Bestien auf sie lauerten. In den Ruinen der Stadt hingegen streiften Razoren in Rudeln umher, gingen Snapper gemeinsam auf die Jagd und trieben ihre Opfer in Sackgassen, von denen es mehr als genug gab. Eingestürzte Häuser blockierten mit ihren Schuttbergen so manche Straße. Auf den Plätzen harrten Gruppen von Untoten und Skelettkriegern aus, stumpf ihrem Zwischenwelt-Dasein ergeben, bis ein fremder Reiz sie aus dem Nichtstun weckte und sie zum nächsten Kampf rennen ließ, in den sie sich blind stürzten. Vielleicht hatten sich sogar auch Trolle in irgendwelchen alten Hallen niedergelassen, wo sie ihre Schätze bewachten, die sie in Streifzügen durch die Mauern der Stadt zusammengerafft hatten. Und in einem Bezirk, nahe der Klippen würde die magische Kuppel leuchten und leise vor sich hin summen. Die Kuppel, mit der die Wassermagier ihre Bibliothek, ihr Heim schützten. Als ob sie jemals wieder hierher zurück kommen würden. Welch Naivität. Wenn die Ruinen von Setarrif schon längst zerfallen wären, Urwald die Stelle der alten Hauptstadt des Reiches von Argaan überwuchert hätte. Dann würde noch immer diese magische Barriere alles innerhalb in einem Zustand des ewigen Stillstandes bewahren. Wie ein Mahnmal für die Hybris der Menschen. Die schönste Stadt, die Menschen je bauten - und die sie dann nach Jahrhunderten des Wachsens wieder zerstört hatten.
Doch von alldem erzählte er seinen Mitreisenden nichts. Stattdessen wandte er sich zuerst an elfaire.
»Siehst du, für solche unvorhergesehenen Ereignisse ist es sehr nützlich, Magie zu beherrschen. Dann muss man sich nicht auf andere verlassen, in der Hoffnung, dass sie sich zur Rettung aufmachen. Wie wäre es, wenn du mit dem Lichtauber anfängst? Licht in der Dunkelheit kann äußerst nützlich sein. Manche Kreaturen schrecken sogar davor zurück und lassen sich damit vertreiben, da sie nicht daran gewöhnt sind und es ihnen weh tut.
Alles, was du tun musst, ist die Kraft in deinem Inneren zu erspüren, zu fühlen, dass dort eine Stärke vorhanden ist, die du nutzen kannst, um sie für deine Zwecke zu formen. Die Beherrschung dieser Kraft ist es, was jahrelange Übung erfordert. Aber wenn du mit kleinen Schritten beginnst, kann es gelingen. Wenn du einmal einen Moment der Ruhe hast, ziehe dich ganz in dich zurück und ertaste, was du fühlen kannst.«
Dann sah er, dass auch Hirni zugehört hatte.
»Du hingegen solltest mehr deinem Können vertrauen. Ich weiß, dass du bereit bist, die Skelette größerer Kreaturen zu beschwören. Du musst nur an dich selbst, an deine Fähigkeiten glauben. Oh, und natürlich ein wenig Selbstdisziplin. Nicht ablenken lassen, denn das könnte während einer magischen Beschwörung verheerende Folgen haben.«

Redlef
12.06.2019, 15:37
…in meinem hellen, reinen Licht Läuterung und Gnade!
Immer wieder wehten diese Worte wie eine sanfte Briese durch Redlefs Gedanken. Er konzentrierte sich auf seine Umgebung, spähte in die Schatten, versuchte unsichere, einsturzgefährdete Ruinen oder Bewegungen in den Schatten auszumachen. Doch all seine Wachsamkeit und die Konzentration auf seine Suche nach möglichen Gefahren konnten die Erinnerung an das am Vormittag gesehene nicht vertreiben.
Was sollten diese Worte bedeuten? Waren sie ein Hinweis? Ein Auftrag?
In dem Moment, in dem die gleißende Sonne in seine Augen geschienen hatte, hatte er etwas Besonderes gespürt. Neben dem brennenden Schmerz, war dort auch ein unbestimmtes Gefühl der Glückseligkeit gewesen. Eine angenehme Wärme und die Erinnerung einer lange nicht mehr erfahrenen Geborgenheit hatten ihn überkommen.
Wie aber passte das am Ende mit der bedrückend klingenden Botschaft zusammen?
Redlef lenkte Möhre um eine halb eingerissene Wand herum auf einen weiten Platz. Was auch immer diesen Platz einst eingefasst hatte, lag nun in Trümmern. Die verbliebenen Wandfragmente und abgebrochenen Säulen waren schwarz vom Ruß. Große Brocken Mauerwerk lagen über das steinerne Pflaster verteilt. Sein Hengst kam ins Stocken und blieb plötzlich sehen. Er hob den Kopf, spannte sich an und gab ein leises, aufgeregtes Geräusch von sich. Red griff die Zügel fester, versuchte der Anspannung seines Tieres entgegen zu wirken und blieb wachsam. Möhre hatte etwas entdeckt das ihn verunsicherte. Doch Redlef konnte nichts Außergewöhnliches entdecken. Kräftig stieß er seine Fersen in die Pferdeflanken. Wiederwillig setzte sich der Hengst erneut in Bewegung. Redlef suchte sich vorsichtig einen Weg durch die Trümmer und versuchte weiter die Geheimnisse der Vision zu ergründen.
Wer hatte sie ihm beschert?
Er musste etwas beschämt zugeben: er hatte Sumpfkraut am Morgen konsumiert, und es war sicherlich auch nicht das Beste gewesen, welches der Thorniarer Schwarzmarkt zu bieten gehabt hatte. Die Wirkung aber hätte gerade deshalb zur Mittagszeit schon wieder verflogen sein müssen. Also welche Stimme hatte er gehört?
Er konnte sie nicht zuordnen und je mehr er versuchte sie zu erfassen, desto sicherer war er sich, dass es gar keine richtige Stimme gewesen war. Es waren Worte und er hatte ihren Sin verstanden, jedoch keinen Klang vernommen.
Red wischte sich mit den Fingern durch die Augen. Das ganze Grübeln bescherte ihm Kopfschmerzen.
Möhre war wieder stehen geblieben. Ärgerlich stöhnend ließ er die Hand fallen und holte Schwung, um dem störrischen Gaul einen weiteren Tritt zu verpassen, da erkannte er, was sein treues Ross zum Halten gebracht hatte: Nur wenige Schritte entfernt lag ein riesiger Schädel zwischen einigen Steinbrocken. Da die vergilbte Farbe der Knochen, die von mumifizierten Fleischresten vage überspannt waren, hob sich kaum von den Sandsteintrümmern und dazwischen liegndenen Fetzen ab. Ihm war das Haupt des toten Drachen nicht aufgefallen.
Redlef starrte, dann schluckte er. Seine Lippen waren trocken und in einer kurzen, nervösen Geste befeuchtete er sie mit der Zunge.
Die Ausmaße des Tieres waren gewaltig. Er hatte den Drachen ein paar Mal im Vorbeiflug gesehen, doch nun direkt davor zu stehen, stellte alle Vorstellungen in den Schatten.
Der Gedanke an einen Kampf, Auge in Auge, mit dieser Bestie machte ihn für einen Moment fassungslos. Tiefe Demut und größter Respekt machte sich in ihm für die mutigen Männer und Frauen breit, die sich dem Drachen gestellt und ihn letztendlich auch niedergerungen hatten. Für einen Moment hielt er inne, gedachte der unbeschreiblich mutigen Obersten Feuermagierin und ihren Gefährten. Er dankte Innos und war stolz darauf, dem selben Orden anzugehören, wie die Mitglieder, die dieses hier vollbracht hatten.
Er lächelte zufrieden und trieb Möhre weiter den Pfad hinab. Vielleicht war die Eingebung, über die er sich nun seit dem Vormittag den Kopf zerbrach, doch nicht so düster und geheimnisvoll) Vielleicht bedeutete sie genau das? Jeder war im Lichte Innos dazu im Stande unvorstellbar Gutes zu vollbringen.
Olivia war am Tag des Todes des Drachen auch hier. Und Noxus…
Diese Erkenntnis traf ihn wie ein Hammer. Sie machte alles zunichte, was er sich gerade sorgsam konstruiert hatte.
Nichts war gut an dieser Schlacht gewesen. Der Drache hatte es Noxus ermöglich aus der Stadt zu fliehen, er hatte unzähligen Bürgern das Leben gekostet und die Stadt, soagr die ganze Insel über Jahre in große Not gestürzt. Hatte Innos sie all diese Jahre willentlich leiden lassen? Hatte er…

Das helle Wiehern seines Hengstes warf ihn aus seinen Überlegungen. Das Pferd hatte völlig unvermittelt den Kopf in die Höge gerissen und begonnen, die Umgebung zusammen zu schreien. Red riss an den Zügeln, bis die Kandare den Kopf des Tieres an seine Brust zwang. Doch obwohl er durch die zusammengezwängte Haltung nun eigentlich kaum noch etwas hätte sehen dürfen, hörte er nicht auf unter seinem Reiter zu tänzeln und weiter energische Rufe auszustoßen.
Überraschender Weise konnte sein Gebaren nur eines bedeuten…
Red beugte sich zur Seite und warf einen Blick unter den Bauch des Hengstes. Jetzt war er sich sicher: eine Stute musste in der Nähe sein und sie war rossig. Nur eine paarungsbereite Dame vermochte es seinen gut ausgebildeten Hengst so in Rage zu bringen.
Den Hengst unter Mühe im Zaum haltend, ließ Red ihn der Witterung der Stute folgen. Sollte es sich um ein entlaufendes Pferd handeln, dann konnte er es vielleicht einfangen und Olivia darauf setzten. Das würde ihm für die Weitereise einiges an Ärger ersparen und ihm am Ende in Thorniara auch noch etwas Geld einbringen.
Außerdem bedeutete ein entlaufendes Pferd, dass keine Orks und vermutlich auch keine Echsen in der Nähe waren. Pferde konnten ihren Gestank nicht ausstehen.

Möhre brachte ihn an den Rand Setarrifs. In der einstigen Mauer klaffte nun ein großes Loch und gab den Blick auf den Dschungel dahinter frei. An dieser Stelle war die Stadt nicht weit vom Gebirge entfernt. Vor ihm erhoben sich die Hänge. Sollte es hier einst so etwas wie einen Pfad gegeben haben, war dieser verwildert. Durch das Unterholz des Waldes kamen sie nur langsam voran. Häufig musste sich Red auf den Hals seines Pferdes pressen, um von tiefhängenden Ästen nicht aus dem Sattel geworfen zu werden.
Doch der Drang des Pferdes eine willige Dame zu treffen, überwand auch das dornigste Gebüsch.
Redlef hatte es irgendwann aufgegeben einen besseren Weg suchen zu wollen. Es gab keinen. Es blieb ihm nichts anderes übrig, sich an den Hals zu klammern und seinem Gefährten vertrauen zu müssen. Er hielt den Kopf unten, Mund und Augen fest zusammengepresst.
Nach einiger Zeit lies das Reißen und Zerren durch Äste und Dornen an seinem Wams nach. Zwischen die mit dem Weg immer lauter werdenden Geräusche des Waldes mischte sich das Plätschern eins kleinen Baches. Möhre ließ erneut ein lautes Wiehern hören. Er musste seine Stute gefunden haben. Vorsorglich griff Red die Zügel fester, erhob sich und sah sich um.
Eine Stute war jedoch nicht das erste, auf das sein Blick fiel. Ein fast nackter Oberkörper fesselte seinen Blick. Eine zierliche Frau hielt sich am Bach auf und blickte ihn nun alarmiert an.
Nur zu gut konnte er plötzlich dem Ansinnen seines Hengstes nachempfinden. Doch leider war er kein sich seinen Trieben hingeben könnendes Tier und riss sich von dem Anblick los. Schnell hielt er sich die Hand vor die Augen und versuchte gleichzeitig durch festen Zug an den Zügeln sein liebestolles Reittier im Zaum zu halten.

Olivia Rabenweil
09.11.2019, 16:00
Das Wetter war umgeschlagen. Der Wind pfiff eiskalt durch die Felsen und nach dem Sonnenaufgang war es bin jetzt nicht richtig hell geworden, da graue Sturmwolken über den stahlfarbenden Himmel jagten.
Olivia saß schweigend auf dem schaukelnden Sattel von Casts Pferd, eingehüllt in seinen alten Fellmantel, den er ihr aufgrund des stetig schlechter werdenden Wetters nur wiederwillig überlassen hatte. Doch ihr Kleid war auf unerklärliche Weise am gestrigen Abend verschwunden und daher blieb ihr nichts anderes übrig, als das inzwischen stark juckende Fell auf ihrer Haut zu ertragen.
Dennoch war sie seit den frühen Morgenstunden von einem Funken Freude erfüllt, der auch intervallmäßig auftretenden Niesel nicht zum Erlöschen bringen konnte.
Sanft strichen ihre Finger über das glatte Haupt des Schädels, den sie vom Ufer aufgehoben hatte, nachdem sie noch vor der Morgendämmerung nach schlechten Träumen voller Finsternis, schleichender Nebel und schwarzen Sandes, aufgewacht war. Die beiden Männer schliefen am Feuer. Olivia konnte sich nur zu gut vorstellen, wie sie die Müdigkeit überkommen haben musste. Cast hatte die vergangene Nacht nicht geschlafen und der Alte war ihnen von Thorniara aus zu Fuß gefolgt. Beiden war die Erschöpfung in ihren Gesichtern anzusehen gewesen.
Sie hatte ihre Müdigkeit ausgenutzt, war unter der Decke hervorgekrochen, hatte den Schädel geholt und war danach wieder unter die Decke gekrochen. Da sie diese nach dem Aufstehen der Herren diesen Mantel nicht mehr abgelegt hatte, war es ein leichtes gewesen, den Schädel vor den kritischen Augen der Innosler zu verstecken.
Nun hatten sie einen schwierigen Weg hinter sich. Den Dschungel südlich Setarrifs und auch die schwarzen Felsen dahinter durchquert.
Im dichten Dschungel war das Vorankommen mit dem Lahmen, dem Alten und dem Pferd nicht immer einfach gewesen. Cast hatte sich mit dem alten Gardeschwert, welches er bei sich trug ein ums andere Mal den Weg freischlagen müssen. Doch glücklicher weise war Ihn kein wildes Tier begegnet. Vermutlich war sein lautes Fluchen Abschreckend genug gewesen. Anders sah es da in den Schluchten aus. Der Weg war einfacher gangbar, doch Olivia erinnerte sich wage an die großen Warane, die hier ihr Unwesen trieben. Sie warnte die Männer vor diesen Kreaturen, doch Cast sagte bloß, dass er schon mitbekommen habe, dass in den Schluchten etwas nicht stimmte. Es dauerte eine Weile, bis sie erkannte, dass das Pferd hier und da stehen blieb, den Kopf in die Höhe reckte und die Nüstern blähte. Dann wechselte Cast den eingeschlagenen Weg und nahm einen anderen. So dauerte die Durchquerung lange, doch sie bekamen keinen der Warane zu Gesicht.
Dennoch ging der Weg nicht gänzlich spurlos in ihnen vorbei. Cast war für einen Moment unaufmerksam und stürzte. Für Olivia sah es nicht schlimm aus, doch er keuchte vor Schmerzen und humpelte danach noch weitaus stärker.
Nun dämmerte es schon wieder. Olivia bemerkte, dass der Weg leicht anstieg. Ein Grinsen schlich sich auf ihr Gesicht. Sie nährten sich dem Kastell, sie waren fast zu Hause!

Vicktar
18.11.2019, 02:10
Welch eine gottverlassene Gegend dies doch war! Sie passte nur zu gut zu einer Sekte von Paktierern des Dunklen, von Mördern, Hexen und unmenschlichen Möchtegern-Gelehrten, die vor keiner moralischen Grenze in ihren Studien zurückschreckten. Der Dschungel südlich der gefallenen Stadt war schon ein mühseliges Terrain gewesen, und immer wieder hatte sich Vicktar gefragt, weshalb Redlef die Beliarshure zu zuvorkommend behandelte und sie nicht einfach mit den Füßen an dem Pferd festband und selbst auf dem Gaul ritt. Stattdessen quälte sich der Recke mit eiserner Disziplin trotz seines lahmenden Beines über die Insel und gönnte dem Miststück eine bequeme Reise.
Doch spätestens in den Schwarzen Schluchten hatte jedes Verständnis seitens des Feuermagiers für die zuvorkommende Behandlung geendet. Redlef hatte sich durch einen Sturz nur noch mehr verletzt und biss verbittert die Zähne zusammen - Vicktar wollte dieses Verhalten nicht begreifen, doch er würde die Hexe bei ihrer Ankunft dafür umso mehr leiden lassen. Die Schluchten selbst sahen genauso aus, wie er sie sich aus den Erzählungen immer vorgestellt hatte: karge, zerklüftete, trostlose Felsen, so weit das Auge reichte, Schwefelblumen allerorten, stets die Gefahr, von einer unheiligen Kreatur attackiert zu werden. Genau so musste der Vorhof zu Beliars Reich aussehen. Es war eine Abscheulichkeit!

Es war kaum zu glauben, dass sie sowohl den Dschungel, als auch die Schluchten ohne größere Zwischenfälle durchqueren konnten, doch vielleicht war Innos doch mit ihnen. Der Feuermagier kannte sich in diesem Teil der Insel nicht im Geringsten aus, doch als der Abend nahte, schien es, als würden die Schwarzen Schluchten schließlich enden und der Pfad langsam ansteigen, um sich aus diesem verachtenswerten Felslabyrinth zu erheben. Auch die Hexe schien zuversichtlich zu sein, hatte sie doch scheinbar nicht verstanden, dass sie ihrem Todesurteil entgegen schritten. Missmutig verzog Vicktar das Gesicht, als er hinter Redlef neben der Mähre einher gehend die Miene des verkommenen Görs erblickte. Sie hatten ihr gegenüber seit dem Aufbruch aus Setarrif viel zu viel Milde walten lassen, doch das sollte enden. Bevor er jedoch ganz offen die harte Hand der Gerechtigkeit walten ließ, wollte er ihr zumindest das dumme Grinsen aus dem Gesicht entfernen, solange sie ihr Ziel noch nicht erreicht hatten.

Die Magie wallte in ihm auf und manifestierte sich in seiner Kehle, diesmal allerdings nicht in der Art, wie es in Setarrif geschehen war. Die Macht der Stimme war vielseitig - und sie mochte manchmal auf äußerst tückische Art für das Opfer daher kommen. Seine Stimme war ein tonloses Flüstern, nur ein Hauchen, kaum mehr als der Wind. Von Magie getragen, entging sie Redlefs Ohren, doch sie schnitt sich tief in den Verstand der Rabenweil, wie der Klang ihres eigenen, nagenden Gewissens.
"Worüber freust du dich? Du gehst dem Tod entgegen."
Das Lächeln erstarb.
"Sie werden dich aufhängen, ein Exempel an dir statuieren. Sie werden dich unmenschliche Qualen leiden lassen, damit es kein Diener Beliars mehr wagt, Thorniara zu betreten."
Suchend wandte sich der Kopf um. Vicktar konnte nicht genau erkennen, wie sie die eingeflüsterten Worte auffasste, doch er vertraute darauf, dass sie ihre Wirkung entfalten würden.
"Du wirst den Moment herbeisehnen, in dem du hinüber trittst. Und vielleicht hast du es auch einfach verdient. Nach allem, was passiert ist, allen, die du betrogen hast. Du hast sie alle an den Orden verraten! Vielleicht ist der Tod das Beste, das dir jetzt noch zusteht. Mit welchem Recht kannst du jetzt noch weiterleben?"
Der freimütige Geständnis der Hexe am Bergsee der gefallenen Stadt war Gold wert. Mit dem dort gewonnenen Wissen musste es ein Leichtes sein, ihr jegliche Hoffnung, jeglichen Lebenswillen zu nehmen. Vicktar wollte kein Risiko eingehen: diese Frau musste sterben. Und wenn sie die Klinge selbst an ihre Adern anlegte - es würde ihm recht und billig sein.

Olivia Rabenweil
24.11.2019, 11:21
Der erste Blitz zuckte über den finsteren Himmel, sein Donner folgte in gebührendem Abstand.
Olivia ließ der Gedanke nicht los, dass sie nicht nur dem Ende ihrer Reise, sondern auch dem Ende Ihres Lebens näher kam – mit jedem Schritt.

Als sie vor wenigen Tagen mit Cast aufgebrochen war, hatte sie das alles für eine gute Idee gehalten. Er hatte sie zum Kastell bringen sollen und ihr den nötigen Geleitschutz stellen können. Doch dann war dieser Magier aufgetaucht. Er war im Gegensatz zu dem zwar von Unwillen erfüllt, dennoch vom Pflichtgefühl gegenüber einem gegebenen Befehl getrieben. Sicherlich kämpfte beides in ihm miteinander, doch am Ende war und blieb er ein einfach gestrickter Soldat, der darauf getrimmt war seinen Vorgesetzten zu folgen und den Willen des Ordens zu erfüllen.
Meister Vicktar, dieser Magier, hatte keinen solchen Befehl. Er war einzig und alleine hier um Olivia einer seiner Meinung nach gerechten Strafe zuzuführen. Anfangs hatte sie Ihn nicht sonderlich erst genommen, da sie darauf vertraute, dass Cast sich weiter an seinen Befehl gebunden fühlte und den Alten von ihr fern hielt, doch nun, da sie sich dem Kastell nährten, würde Casts Befehl bald erlischen und Olivia wäre den Männern hilflos ausgeliefert.
Sie zog den Mantel enger um sich und klammerte sich an den Schädel. Was konnte sie ihn ihrer Situation tun? Vom Pferd springen und fortlaufen? Wohl kaum. Ihr Körper war für eine Flucht viel zu schwach, die Männer hätten sie mit Leichtigkeit eingeholt, sie nieder gerungen und ihre Flucht als schwer zu ahndendes Vergehen geurteilt.
Wahrscheinlich würden sie sie an das Pferd binden und den ganzen Weg nach Thorniara zurückschleifen um sie dort als stinkendes Mahnmal über den Toren der Stadt aufzuhängen. Krähen würden ihr zuerst die Augen aushacken und danach die Eingeweide aus ihrem Mageren Körper picken, bis nichts mehr von ihr über war als morsche Knochen und eine hässliche, verschrumpelte haut, die sie überspannte.
Olivia schluchzte leise unter dem Mantel. So wollte sie nicht enden. Sie wollte zurück in das Kastell, wo sie sicher war und ein gutes Bett besaß in dem sie sich verkriechen konnte.

Doch… war sie dort sicher? Konnte sie sich dort verkriechen? Nun, da sie dem Magier alle Ihr bekannten Namen der Kastellmagier genannt hatte würde er sicherlich Jagd auf sie machen. Es war ja nun nicht so, dass die Kastellmagier bisher frei in Thorniara ein und ausgehen konnten, bis vielleicht auf Meister Esteban, der sogar mit der Obersten Feuermagierin an einen Tisch saß, um mit ihr die Rettung der Insel zu diskutieren, doch mit den Namen, war es nun sicherlich noch schwieriger und zusätzlich hätte Olivia dies aus Gründen der Loyalität des Zirkels gegenüber einfach nicht sagen dürfen. Sie war wohl das unwürdigste Zirkelmitglied in der Geschichte des Zirkels. Es war unverzeihlich, was sie getan hatte und nur Beilar allein wusste, was mit ihr geschähe, wenn die anderen Magier von ihrem Verrat erfuhren.
Ein eiskalter Schauer lief ihr den Rücken herunter… was war wenn Meister Ardescion davon erfuhr.
Die schlimmsten Gedanken überrannten ihren Geist. Olivia sank noch mehr in sich zusammen und begann leise zu weinen.

Redlef
24.11.2019, 15:16
Ein Gewitter. Zu allem Überfluss musst es jetzt auch noch ein Gewitter sein.
Im Stillen ertappe sich Redlef dabei, wie er den Orden verfluchte, dass er diesen Befehl auszuführen hatte. Ihre Reise kam ihm jetzt schon eine Ewigkeit vor und sie wurde von Moment zu Moment schlimmer.
Als der Donner über sie hinweg rollte, der Wind auffrischte hoffte er zum ersten Mal, dass sie dieses verfluchte Kastell bald erreicht hätten, da sie einem Sturm hier auf den schroffen Felsen der Südspitze der Insel nichts entgegen zu setzten hatten. Auch Möhre spürte den heraufzeihenden Sturm und verspannte sich an der Hand seines Besitzers. Red griff die Zügel fester, durfte er es doch auf keinen Fall zulassen, dass sich der Hengst her erschreckte oder gar in Panik geriet. Wenn er sich losriss und Hals über Kopf davon stob, war es vorherzusehen, dass er sich in diesem steinigen und unwirklichen Gelände irgendwo verletzen würde.
Redlef drehte sich um. Olivia saß immer noch im Sattel. Sie hatte seinen Hasenfellmantel so fest um sich geschlungen, dass von ihr selbst, bis auf einen Büschel Haare oben am Scheitel nichts mehr zu sehen war. Dahinter trottete der Magier Vicktar drein. Sein Gesicht zeigte nach wie vor grimmige Entschlossenheit. Redlef war klar, dass er versuchen würde Olivias habhaft zu werden, sobald sie erklärte, dass sie nun Zuhause sei und seinen Befehl damit als erfüllt ansah. Ihn schreckte der Gedanke nicht, ganz im Gegenteil. Dennoch, der Hauptmann hatte klargestellt, dass er die Frau nicht mehr in Thorniara sehen wollte. Ob der Umstand, dass Rabenweil umfangreich gestanden hatte, daran etwas änderte, war unklar.
Doch all diese Überlegungen waren aktuell nicht weiter wichtig. Der Niesel war zu einem ernstzunehmenden Regen herangewachsen, die Temperaturen waren weiter abgefallen und die Schmerzen in seinem Knie trieben ihn an den Rand des Wahnsinns. Am liebsten hätte er das Rabenweil-Gör aus dem Sattel geschmissen und sich selbst hinein gesetzt um im gestreckten Galopp den Rückweg anzutreten, doch diese Idee war in vielerlei Hinsicht absolut blödsinnig. Der Boden und die zurückgelegte Strecke gaben einen Galopp nicht her, zudem würden die Bewegungen des Pferdes die Schmerzen nur noch verschlimmern, auch konnte er weder den Magier noch Rabenweil hier einfach zurücklassen. Also stütze er sich weiter an der Pferdeschulter ab, die ihm eine brauchbare Krücke war und setzte den Weg mit zusammengebissenen Zähnen fort.
Bis sie an eine Weggabelung kamen und weder auf der einen Seite noch der anderen eine Spur die Schwarzmagierbehausung zu erkennen war.
»Rabenweil, wo lang?« Die Frau ignorierte ihn. Da aufgrund der Schmerzen und des schlechten Wetters Redlefs von Natur aus kurzer Geduldsfaden eh schon zum Reißen gespannt war, griff er nach ihren Oberschenkel erwischte sie kurz über dem Knie und fasste fest zu. Olivia schrie vor Schreck und Schmerzen laut auf. Ihr verängstigtes Gesicht tauchte aus dem Mantel auf und sie blickte ihn entsetzt an. Erst seine Hand, dann sein mürrisch dreinblickendes Gesicht. Als er sich ihrer Aufmerksamkeit sicher sein konnte, widerholte er seine Frage. »Wo lang? Welches ist der Weg zu diesem Kastell?«
Doch anstatt glücklich über das baldige Ende ihrer Reise zu sein, weiteten sich ihre Augen weit vor Schreck und sie schüttelte unmerklich den Kopf. Eine Antwort blieb sie ihm schuldig.
»Da brat mir doch einer ´nen Adler! Was soll das denn jetzt nun wieder. Wo geht es zu diesem verschissenen Haus. Du wolltest dort hin, jetzt sag nicht, dass du doch zurück nach Thorniara willst, nachdem du gestern am See so schön gesungen hast.« Er hatte ihr Knie noch nicht los gelassen und drückte noch fester zu. Olivia jammerte or schmerzen und versuchte sich seiner Hand zu entziehen. Doch vergeblich. Redlef zog an Ihr, sodass sie Half aus dem Sattel fiel. »Ein Sturm zieht auf. Wir müssen einen Unterschlupf finden und ich denke, dass in dieser götterverlassenen Gegend, dieses verfluchte Kastell das einzige ist, was und davor bewahrt von diesem Felsen geweht zu werden.«
Redlef ließ ihr Bein los und blickte sie auffordernd an, doch Olivia sah ihn nur aus ihren großen Augen an. Doch sie blieb stumm, als ob sie ihre Zunge verloren hätte.
»Meister Viktar, wir müssen weiter, doch sie schweigt. Vielleicht könnt ihr noch einmal auf sie einwirken?« Er drehte sich nach hinten, um nach dem Alten Ausschau zu halten.
»Nein, nein, nein, nein…« jammerte sie, doch Redlef ignorierte es geflissentlich. Ihm waren ihre Spielchen nun endgültig zuwider.

Ein weiterer Blitz ging über dem Meer nieder, der Donner klang nun schon viel näher.

Vicktar
17.01.2020, 16:02
Der Donner rollte dröhnend über ihre Köpfe hinweg, der Regen tauchte sie in einen dichten, grauen Schleier aus Wasser. Nur schwer konnte Vicktar mit zusammengekniffenen Augen sehen, während das Wasser ihm in Rinnsalen von den Brauen floss. Es fühlte sich an, als wolle die Welt hier und jetzt enden - schon war alles um sie herum hinter dem Schleier verschwunden, es existierte nur noch die Kreuzung mit den drei Reisenden.
Der Feuermagier hatte es scheinbar ein wenig übertrieben mit der Einflüsterung düsterer Gedanken. Er war davon ausgegangen, dass der Weg zu ihrem Zielort einfach zu finden wäre, doch scheinbar brauchten sie die Ketzerin noch, um diese Reise zu einem Ende zu bringen. Sie jedoch saß apathisch in ihrem Sattel und reagierte kein Bisschen auf Redlefs Mühen. Vicktar hatte keine Geduld mehr für diese Spielchen. Wenn sie in ihren Gedanken von Tod und Verrat, die er ihr eingeflüstert hatte, gefangen war, half nur eine radikale Methode, um sie wieder aus der Starre zu reißen.
"Ihr habt sicher ein Seil in Eurer Packtasche, Herr Cast?"
Der Recke öffnete die Tasche für ihn, doch er musste das Seil nicht herüber reichen, denn kaum hatte er es erblickt, ließ Vicktar es heraus schweben. Wie eine unheilige Schlange entwirrte sich der Strick in der Düsternis des Regengusses und ragte drohend hinter der Rabenweil auf. Der Alte ergriff das eine Ende, während das andere sich zu einer Schlinge formte. Lautlos senkte sich die Schlinge über den Kopf der Frau und zog sich so weit zusammen, dass sie gefangen war. Noch bevor die Ketzerin wusste, wie ihr geschah, festigte der Alte seinen Griff um das Seil und zerrte sie rüde seitwärts vom Pferd.

Klatschend schlug ihr Körper auf den felsigen Grund. Ein Schrei durchschnitt das Rauschen des Regens - Arm, Schulter, Gesicht, irgendetwas in ihr hatte den Aufschlag sicher nicht heil überstanden. Redlef reagierte unweigerlich, doch Vicktar erhob scharf die Stimme:
"Haltet ein, Herr Cast! Sie wird nicht sterben, bevor wir da sind."
Er kniete nieder und packte harsch den durchnässten Schopf der sich am Boden windenden Rabenweil. Er drückte ihren Kopf auf den felsigen Untergrund, bis sie spitz aufschrie, und beugte sich zu ihr hinab.
"Ihr müsst zurück ins Hier und Jetzt geholt werden, was? Der Schmerz ist ein gutes Werkzeug dafür. Schmerz klärt den Geist."
Der Feuermagier packte mit der anderen Hand den Kragen des Mantels, in den geschlungen sie aussah wie erlegtes Wild, und zerrte an ihm, bis ihre Schultern und ein Teil ihres Rückens entblößt waren. Er krümmte die Finger seiner Hand zur Klaue. Der Regen auf seinen Fingern begann mehr und mehr zu dampfen, und schließlich glühten seine Fingerspitzen.
"Du wirst uns augenblicklich zu diesem verdammten Kastell führen, oder du wirst Schmerzen erleiden, wie du sie noch nicht kennengelernt hast!"
Ruppig zerrte er ihren Kopf an den Haaren vom Boden hoch und brüllte ihr ins Ohr:
"Hast du mich verstanden?"

Olivia Rabenweil
11.04.2020, 15:39
Ein reißender Schmerz in ihrer Schulter ließ Olivias Verstand wie einen nach Luft gierenden Ertrinkenden durch die Oberfläche des Wahnsinns brechen.
Der Regen prasselte in Strömen um die kleine Gruppe hernieder. Inzwischen hatte er den Boden durchtränkt und den Himmel gänzlich verfinstert. Über das Brausen des Sturms hinweg hörte sie dunkle Worte. Schmerz war eines davon. Es zauberte Olivia ein breites Grinsen auf das Gesicht. Ihre zerschundenen Lippen teilten sich zu einem Zähne zeigenden, wölfischen Grinsen.
Ja, Schmerz ist gut… Den kenne ich! Sein Willkommen, alter Freund.
Starke Hände griffen nach dem Fetzen aus Fell und Stoff, der sie bisher ein wenig gegen den Regen und die Blicke der Männer abgeschirmt hatte. Sie rissen an dem Mantel. Sie wusste, was sie nun erwarten würde. Und es war Gerecht, auf die eine oder andere Weise. Olivia wehrte sich nicht.
Instinktiv krümmte sie ihren Körper jedoch schützend um den Schädel, denn sie immer noch in ihrem Schoß verbarg. Sie presste ihn zwischen ihren Beine und den Bauch. Die Männer durften ihn nicht finden, Ihr nicht fortnehmen. Ihre Unversehrtheit spielte keine Rolle, der Schädel aber war es für den sie jeden Schmerz ertragen wollte – musste. Sie grub ihre Fingerspitzen in die leeren Augenhöhlen. Er war ihr Schicksal – ihr Leben – ihre Liebe!
Klauenartige Finger griffen ihr in die Haare. Scharfe Fingernägel kratzten über ihre Kopfhaut und ein starker Rück zwang ihren Kopf in den Nacken. Sie zischte verstimmt, bewahrte sich aber das dämonische Grinsen. Ihre Lieder flatterten während sie die Augen öffnete und den Blick ihres Peinigers versuchte zu finden.
»Hast du mich verstanden?« Seine brüllende Stimme hallte in ihren Kopf nach. Sie spürte das wütenden Zittern seiner Finger an ihrem Hinterkopf.

Olivia nahm sich einen Moment um all die Pein in ihrem Körper aus ihrem Bewusstsein zu drücken. Als sie schließlich nur noch den stoßweise aus den erzürnten Lungen gepressten ihres Begleiters wahrnahm hatte sie es geschafft ihre eigenes Bewusstsein soweit zu sortieren, dass sie zu einer Antwort fähig war.
Sie wusste nur zu gut, wie sie nun zu reagieren hatte. Zu lange war Noxus Exitus ihr ein guter Lehrmeister gewesen.
»Ihr braucht nicht zu schreien«, flüsterte sie. »Ich höre euch sehr gut – viel wichtiger Aber: Der Dunkle hört Euch auch. Sogar noch viel klarer und deutlicher als ich…« Olivia genehmigte sich ein schmunzeln. Ihr immer noch vage umhersuchender Blick fand nun endlich seine glühenden Augen. Sie schmunzelte. »Beliar kennt und führt all eine Anhänger! So braucht auch Ihr nur einfach dem Weg folgen, er wird euch in seine sanfte Hand führen…«

Redlef
19.04.2020, 23:13
Die frechen Worte ließ Meister Vicktar das vorlaute Mädchen bitter büßen. Den Vorwurf, dass er sich einem anderen Gott als Innos hingab konnte und wollte er so nicht stehen lassen. Er riss an dem Seil und drückte ihr die Finger in den Rücken. Der erstarkende Regen erstickte beinahe das zischende Geräusch, doch Olivias Schreie und das platschende Geräusch ihrer umhertretenden Füße war unüberhörbar.
Redlef verstand nicht, warum sie nicht redete. Sie konnte doch nicht mehr gewinnen. Was versuchte sie hinauszuzögern? Es war ihr Wunsch gewesen, das Kastell zu erreichen. Sie sagte es wäre ihre Heimat, doch nun weigerte sie sich den Weg zu weisen.
Still und schweigend stand Redlef nach wie vor an der Schulter seines Pferdes gelehnt. Möhre, der schon die eine oder andere Schlacht gesehen hatte, ließ sich von Schreien und dem Geruch von verbranntem Fleisch nicht stören. In Red löste letzteres jedoch eine Erinnerung aus. Er fühlte sich zurückversetzt in den Moment, als er selbst gefesselt auf dem Boden gelegen hatte, hilflos einem Fanatiker ausgeliefert. Auch er hatte schreiend um sich geschlagen und versucht sich zu wehren, auch wenn es absolut aussichtslos gewesen war. Er spürte die Klinge seines eigenen Dolches, die in Exitus vor Erregung zitternder Hand durch die Haut auf seinem Rücken fuhr. Die Fetzen seines Hemdes hatten sich mit seinem heißen Blut vollgesogen. Doch am schärfsten erinnerte er sich an die raue Stimme des wahnsinnigen Beliarsjüngers, der sich während seiner Tat freudig an ihm rieb.
Auch Redlef hatte seinen Blick in diesem Moment hilfesuchend zu der einzigen Person gewendet, die ihm hätte zur Hilfe kommen können: Olivia Rabenweil. Doch das Mädchen hatte lediglich teilnahmslos am Feuer gesessen und war schließlich sogar gegangen.

Nun war er es, der von ihren hilfesuchenden Augen angefleht wurde.
…erfahren in meinem hellen, reinen Licht Läuterung und Gnade!
Redlef erinnerte sich an die Worte in seinem Kopf am vorherigen Tag. Er hatte sich lange damit beschäftigt, was diese eigenartige Vision bedeuten konnte. Was sie wichtig? Doch was wollte sie ihm überhaut sagen? Was hier geschah war gut und recht!
… oder etwa nicht?

Redlef schüttelte entschieden den Kopf. Er hätte sich damals Hilfe gewünscht. Es wäre ihm egal gewesen, wer den Kerl auf seinem Rücken verscheucht hätte, wenn es nur jemand getan hätte. Wenn irgendwo ein Lichtstreif der Hoffnung hergekommen worden wäre. Redlef atmete tief durch. Die Hand an der Pferdeschulter ballte sich zur Faust. In Erwartung eines stechenden Schmerzes in seinem ununterbrochen pochenden Knie, machte er einen entschiedenen Schritt nach vorn.
»Das reicht, Hochwürden.« Die Stimme des Soldaten war ungewohnt sanft. Er legte dem älteren Priester eine Hand auf die Schulter und zog ihn sanft zurück. Er wollte den in Rage geratenen Mann nicht weiter provozieren.
Doch Redlef hatte sich verschätzt. Der Priester war so in aufgebracht, dass nun auch Red ein Stückchen seines Zornes abbekam. Der Mann wollte sich nicht bremsen lassen. Vor allem aber, wollte er von Olivia nicht ablassen. Das Gesicht des Mädchens lag inzwischen wie leblos in einer schlammigen Pfütze.
»Es reicht!« Redlef brüllte den Mann an, der versuchte sich Redlefs zu entledigen.
Die erstaunlich kräftige Hand des Priesters schlug ihm vor die Brust. Redlef kam ins Taumeln und stolperte zurück. Seine überstrapazierten Knie trugen sein Gewicht nicht länger. Im Fallen versuchte er sich irgendwo festzuhalten. Alles was er zu fassen bekam, war der Zügel seines Pferdes. Der Hengst, der versuchte dem plötzlichen Reißen an seinem Maul zu entkommen, wich zurück. Seine großen Hufe stampften durch den Schlamm. Im Fallen sah Red, wie das Pferd über Olivia hinwegstampfte und dann, in einer Drehung, den Priester zur Seite stieß. Dies beendete das Treiben.

Redlef fand sich mit dem Hintern in einer Pfütze sitzend wieder. In seiner Faust hielt er noch das Ende des Zügels. Das Pferd stand einige Schritt entfernt, hatte das Haupt gehoben und prustete Luft in dampfenden Wolken in die Nachtluft. Olivia lag immer noch zusammengekrümmt im Dreck. Nur der Priester war auf den ersten Moment nicht zu sehen.
Fluchend stemmte er sich in die Höhe. Er fuhr mit der Hand kurz über Möhres Nase und suchte in der Dunkelheit dann nach dem Mann. Er entdeckte ziemlich schnell eine Hand, die zwischen zwei Felsen hervorguckte.
Redlef fand Vicktar zwischen den Steinen. Er regte sich kaum. Doch er hatte auf genügend Schlachtfeldern gekämpft, um einen Toten von einem Verletzten zu unterscheiden. Ungeschickt kletterte über die Brocken und kam neben ihm an. Er war augenscheinlich gegen einen der Felsen gefallen und hatte sich den Kopf angeschlagen. Er hatte sich nicht schwer verletzt, war vermutlich nur ein wenig benommen.
Für einen Moment betrachtete Redlef ihn. Was war das richtige zu tun?
»Ach verdammt.« Redlef wandte sich ab. Er wandte sich Olivia zu, griff den Mantel, der immer noch ihren Körper bedeckte und legte ihn über Vicktar. Der alte Mann hatte zwar schon ein paar Jahre auf dem Buckel, doch er war auch rüstig genug, um nicht sofort wieder zusammenzubrechen. Noch kurz kontrollierte er den Kopf, des wieder zu sich kommenden Mannes und verließ ihn, als er sich sicher sein konnte, dass Vicktar nichts weiter fehlte.

Um den Rest der Reise zu beschleunigen hatte er beschlossen die beiden Kreaturen zu trennen. Seine Aufgabe war es, Olivia zu diesem Kastell zu bringen. Schweigend hob er das magere Mädchen vom Boden auf. Er sah in ihr Gesicht. Ihre Lieder flatterten und er war sich nicht sicher, dass sie ihn wahrnahm.
»Hey, Rabenweil!« Redlef schüttelte sie in seinem Armen sanft. Sie musste zu sich kommen, um ihm endlich das letzte Stück des Weges zu weisen. »Rabenweil! Kommt zu euch!« Sie schlug die Augen auf. Sie waren leer. Redlef fuhr rasch fort, bevor sie ihm wieder wegdämmerte. »Dein Heim, wo ist es?« Ihr Blick war auf ihn fixiert. Doch dann schweifte ihr Blick ab. Sie sah in die Richtung des linken Weges, dann verließ sie ihn in die Dunkelheit.
Red seufzte. Der schmale und steilere Pfad. Natürlich… es hätte so einfach sein können.
Redlef schnalzte seinem Hengst zu. Das Tier reagierte und schloss zu ihm auf. Gemeinsam schritten sie langsam, im unerbittlich strömenden Regen, den steinigen Pfad hinauf. Redlef mit dem Mädchen auf dem Arm voran und das große, hässlich gefleckte Pferd hintendrein.

Gorr
21.02.2023, 09:29
Caw caw. Caw caw. Caaaw. Aufgehetzte Rabenschreie drangen dumpf an sein Ohr. Es klang nach einem Kampf. Rabe gegen Rabe? Nein. Ein schriller hoher Schrei gellte den Raben dazwischen. Da war noch ganz anderes Federvieh involviert. Etwas Großes, bedrohliches. Sie kämpften. Doch nicht lang. Die Raben flatterten aufgeregt davon. Ihre Flügelschläge verhallten in sämtliche Himmelsrichtungen. Dann plötzlich vollkommene Stille.

Steinerne Kälte umgab ihn. Sein Gesicht fühlte sich reglos an, hart und kühl wie Marmor. Seine Lider wollten sich partout nicht öffnen. Oder waren sie bereits weit offen - und die Finsternis um ihn war nur so dicht gewoben, dass er den Unterschied nicht merkte? Was war geschehen? Sein Erinnerungsvermögen schien so trüb und träge wie sein Körper. Bilder huschten vor seinem inneren Auge vorbei. Alte Bilder, mit einem nebligen Schleier überzogen. Unklar, unscharf, verschwommen und doch irgendwie vertraut. Eine üppige Frau mit rundem, gutmütigem Gesicht und apfelroten Wangen. Ihr Haar floss wie Seide an ihm vorbei und verströmte dabei einen Duft... Herrje, was für ein Duft. Nach Vanille und Zimt, Puderzucker und Mehl auf Zedernholz. Ein Zopf. Ein dick geflochtener, blonder Hefezopf. Ein schallendes Lachen aus tiefstem Herzen.

So schnell das Bild erschienen war, so flüchtig zog es an ihm vorüber. Ein anderes nahm seinen Platz ein. Ein junger, strammer Mann mit eisblauen Augen und strohblondem Haar, die Seiten kurzgeschoren, unter der Lippe ein kurzer, borstiger Kinnbart. Auf den Lippen ein verschmitztes Lächeln.
Wer waren diese Personen? Was hatte das alles mit ihm zu tun? Und viel wichtiger noch? Wer war er eigentlich selbst? Er schien gerade erst aus einem tausendjährigen Schlaf zu erwachen. Langsam und qualvoll.
Sein rechtes Auge zuckte vor Schmerz - und plötzlich fiel etwas von ihm ab. Im buchstäblichen Sinne. Er zwinkerte heftiger und schüttelte noch etwas mehr von dieser krustigen Substanz von seinen Wimpern. Die Dunkelheit blieb, doch durch den schmalen Schlitz vor seinem Auge konnte er nun graue Konturen erkennen. Scharfkantige Formationen. Und ein schmaler Strahl aus Licht, nicht breiter als ein Daumen, der durch einen Spalt über ihm an sein Auge drang. Er war in einer Höhle.

Gorr
04.03.2023, 10:08
Details waren schwerlich auszumachen, doch langsam, ganz langsam gewöhnte sich sein Auge an das wenige Licht, das ihn erreichte, das sich jedoch gleißend hell ausnahm, wenn man gefühlte tausend Jahre in Finsternis verbracht hatte. So erschien es ihm. Sein Körper war vollkommen steif, als wäre er in Blei gegossen, auf einem eisernen Thron, der ihn in seiner Umklammerung hielt - und tatsächlich saß er. Als hätte er sich gerade erst vor ein paar Augenblicken zu seiner Familie an den Mittagstisch gesetzt. Die Ellenbogen vor sich auf den Tisch gestützt, die Hände wie zum Tischgebet vor dem Mund gefaltet. Moment. Familie? Welche Familie? Er war allein in der kühlen, finsteren Stille.
Sein Rückgrat war steif als hätte man ihm einen stählernen Speer durch den Leib getrieben und ihn festgepinnt wie einen gefangenen Schmetterling hinter Glas. Er spürte keinen Schmerz. Er spürte gar nichts, außer der Kälte, die ihn von unten durchdrang. Das wenige Bisschen, das er erkennen konnte, ergab zudem keinen Sinn. Die gewaltige Struktur vor ihm, die in der Tat ein Tisch sein mochte, schien aus dunklem, glänzenden Stein geschlagen. Er sah seine in sich verschlungenen Hände, seine massiven, venigen Unterarme, die eine gerade Linie zu dieser lithischen Tischplatte bildeten - und er sah seinen Bart, der durch seine Hände, sich an seinen Armen herabrankankelt, wie eine Schlange sich windend, auf den Tisch hernieder ging und sich von dort wie Efeu in sämtliche Richtungen ausbreitete. Und ... im Tisch verschwand? Aus Tisch bestand? Zu seinem Entsetzen stellte er fest, dass all dies, was er sah, aus dem selben schimmernden Material geschlagen zu sein schien. Der Tisch. Der Efeu, der sein Bart war. Seine Unterarme. Selbst die feinsten Härchen auf seiner Haut. Die Haut selbst, glatt und unnachgiebig. Aus Stein. Alles aus Stein.

Gorr
10.03.2023, 12:24
Das wollte erstmal verdaut werden. Er war aus Stein. Aber war er das? Wirklich? Wie sollte er dann sehen können? Mit dem rechten Auge zu zwinkern war unangenehm, aber etwas bröckelte von ihm ab, wenn er es trotzdem versuchte. Das linke Auge rührte sich kein Stück.
Obwohl er seine Gliedmaßen nicht spürte, probierte er es mit den Fingern. Er schloß das rechte Auge um sich auf das Gefühl zu konzentrieren, seine Gedanken in die richtigen Bahnen zu lenken. Es kribbelte - und Wärme schien in die Spitze seines rechten kleinen Fingers zu steigen. Wie ein Stein, der den gesamten Tag der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt gewesen war und diese Energie nun selbst verströmte. Eine Wärme die er scheinbar schon seit Äonen nicht verspürt hatte.
Er setzte alles daran, sich diese Energie zunutze zu machen. Sein Finger zuckte, zitterte und brach sich Bahn. Winzige Haarrisse entstanden und pulsierten, öffneten und schlossen sich kaum merklich bei jeder Regung. Die Risse wurden länger, verästelten und verzweigten sich, vertieften sich. Dann endlich brach der Stein. Etwas fiel von ihm ab. Er öffnete das Auge und sah nun das verletzliche Fleisch seines kleinen Fingers aus der steinernen Umarmung seiner Hände ragen. Wie ein Würstchen im Teigmantel sah der Finger aus - aber er rührte sich und setzte neue Energien frei. Er war nicht aus Stein - er war nur von einer Schicht Stein ummantelt! Das gab ihm neuen Mut. Seine Finger krümmten und streckten sich, so weit es eben ging. Die Handflächen presste er ineinander als wollte er das Gestein zwischen ihnen zerreiben - und gewissermaßen gelang ihm das. Mehr und mehr Risse zeigten sich. Mehr und mehr Steinmasse fiel von ihm ab, wie loser Putz von einer feuchten Wand. Er ballte die ineinander verschränkten Hände zu einer gemeinsamen Faust - und sprengte schließlich seine Fesseln.

Gorr
19.03.2023, 10:42
Jetzt, wo seine Hände frei waren, sah die Sache doch schon ganz anders aus. Er drehte die Handgelenke und brach mehr und mehr von der ihn ummantelnden Gesteinsschicht weg. Es knirschte und platzte und bröckelte, das es eine wahre Freude war. Bald waren seine massiven Unterarme frei und er konnte endlich sein Gesicht fassen, auch wenn seine Ellenbogen noch immer fest mit dem Tisch vor ihm verbunden waren. Sein Gesicht fühlte sich kalt und glatt wie Marmor an. Doch da sein rechtes Auge schon ein wenig frei lag, hatte er wenigstens etwas, woran er sich buchstäblich festhalten konnte - so begann er mit den Fingern nach und nach das Loch um sein Auge immer mehr frei zu prökeln und je weiter er kam, desto größer wurden die Stückchen, die er mit einem Mal abbrechen konnte. Was für eine Erleichterung. Im wahrsten Sinne. Das Gestein war schwergewichtig und hatte ihn geradezu in seiner sitzenden Position niedergedrückt. Festgehalten. Doch nicht für alle Zeit. Nicht ihn.
Vom Gesteine befreit waren Stirn und Fläche, frei die Augen, was für ein belebendes Glück. In die Finsternis ging hinaus sein Blick.
Das Szenario, das sich ihm bot, war andersweltlich. Phantastisch und grausig zugleich. Wie ein antikes Gemälde oder Mosaik, das nur für ihn, vor ihm, in Szene gesetzt worden war.
Ruckartig knickte er seinen Kopf, erst links, dann rechts, und brach damit den Nacken frei. Doch sein Bart war weiterhin fest mit dem Tisch verbunden. Er folgte den versteinerten Strängen, die sich wie Efeu herabwanden und über den Tisch verliefen. Um den Tisch. In den Tisch? Sein Bart musste, solange er hier war, weitergewachsen sein und hatte sich in liebender Umklammerung mit seiner steinernen Umgebung vereint. Wo das eine begann und das andere aufhörte, war nicht auszumachen. Doch das war noch nicht das Wunderlichste, was seine Augen ihm preisgaben.

Gorr
27.04.2023, 19:08
Irgendwie traute er seinen Augen nicht, doch von wirklicher Bedeutung war jetzt, sich endlich zu befreien. Sonst würde er hier in dieser verfluchten Höhle womöglich noch verhungern - oder vor Langeweile sterben. Er sammelte alle Kraft, die er noch in sich spüren konnte und spannte sämtliche Muskeln auf einmal an. Seine Brust schwoll genauso an wie seine Arme und Beine, der Rücken wurde breit und spannte sich gleichzeitig wie ein Bogen, seine Hinterbacken waren gerade so fest, dass man Nüsse damit hätte knacken können.
Und dann schließlich entlud sich alle Anspannung in einer Explosion aus einem wutentbrannten Schrei, davonfliegenden Steinscherben und einer gewaltigen Staubwolke, als er es schaffte, in einer singulären Bewegung die Arme hochzureißen, aufzuspringen und den Kopf in den Nacken zu reißen. Als der Staub sich legte, stand er immer noch so da, der gesamte Körper wie aus dem Stein gemeißelt, jede Muskelfaser unter der Haut definiert und hart. Splitterfasernackt. Wie aus dem Ei gepellt.
Seine Kleidung, wie auch seine Rüstung, waren zu Stein geworden - und nun gesprengt. Als der gellende Schrei aus seinem bärtigen Mund schließlich versiegte und sämtliche Luft aus seinen Lungen entwichen war, klappte der bärige Mann nach vorn über zurück auf den Tisch, mit dem sein Bart noch immer verwachsen war. Doch auf dem Tisch lag eine zweischneidige, reich verzierte Axt, überzogen mit Spinnweben und Staubschwaden sah sie aus, als hätte sie schon hunderte Jahre an diesem Ort gelegen. Doch als seine kräftige, aderige Hand mit den langen, breiten Fingern den lederumwickelten Griff umschloss, konnte er spüren, dass es seine war. Wie lange war es her?
Entschlossen hob er die Axt über seinen Kopf hinaus und ließ sie auf den Tisch niedersausen, wo sein Bart darin wurzelte. Sie grub sich mit einer Kerbe in den Stein und zerbarst dabei das versteinerte Haar. Er taumelte, die schwere Axt brachte ihn aus dem Gleichgewicht, das er so lange schon nicht mehr benötigt hatte.
Plötzlich stand er mitten in der kühlen Luft der sich um ihn ausbreitenden Dunkelheit der Höhle. Die Haare in seinem Nacken stellten sich auf. Es herrschte vollkommene Stille.
Die Szenerie, die sich ihm bot, beleuchtet durch das kleine Loch irgendwo über ihm, war absurd - und er hatte keine Erklärung dafür. Es standen drei Gestalten vor ihm. Zwei davon, links und rechts, waren in in schwere, klobige Rüstungen gehüllt. Die Schultern bedeckt mit Schattenläuferfellen, eine Schulter mit schweren Panzerplatten umschlossen, auf der Brust ein kreisrunder Metallpanzer mit ähnlich ornamentalen Verzierungen wie auf seiner Axt. Es sah beinah wie die gleiche Handschrift aus - wenn man bei solchen Schmiedearbeiten von Handschrift reden konnte. Die beiden Männer, Söldner womöglich, waren versteinert. In Ihren Bewegungen eingefroren. Der Linke hatte versucht, seine Augen mit dem Arm gegen etwas abzuschirmen, als wäre er bedroht, von einem durchdringenden Licht geblendet zu werden. Der Rechte stand da mit erhobenem Schwert, weit ausholend in einem breiten Stand, als hätte er alle Kraft, die er aufzubringen vermochte, versucht in diesen Schlag hineinzulegen. Sein Schwert wiederum steckte im Hals der dritten, mittleren Gestalt. Deren Augen waren eigenartigerweise auf die polierte, glänzende Schwertklinge gerichtet, während sich ihre vier Arme abwehrend in beide Richtungen zu den Männern links und rechts von ihr streckten. Offensichtlich war es zum Kampf gekommen. Und niemand hatte dabei gewonnen.
Durch die Versteinerung konnte man noch immer ihre Hautstruktur erkennen, die in der Körpermitte von großen Schuppen bedeckt und dann nach außen hin von immer kleineren Schuppen gesäumt war. Die Hüfte lief nach unten in einen schlangenhaften Schwanz aus, wo eigentlich Beine hätten sein sollen. Das Ende des Schwanzes war nicht zu sehen. Er war gewaltig. Ebenso gewaltig waren die 6 Brüste, die prall und forsch aus ihrem Torso hervorsprangen. Die Paare wurden größer, je höher der Blick wanderte und die versteinerten Brustwarzen waren lang und ersteift wie Fingerspitzen, die noch immer auf ihn zu zeigen schienen, nach all der Zeit. Er wünschte, er hätte sich im ersten Augenblick der Begegnung mit dieser Kreatur mehr mit diesem Anblick auseinandergesetzt. Denn er fürchtete, dass sein Blick eher auf das Gesicht der Schlangenfrau gerichtet gewesen war, deren Haare aus kleineren, aufgeregt in sämtliche Himmelsrichtungen gestreckten Schlangen bestand, die mit weit aufgerissenen Mäulern von ihrem Haupt abstanden. Als wollten sie entfliehen. Als wären sie ebenso erschrocken, wie die versteinerten Männer um sie herum, als die Vier aufeinandergetroffen waren.
Er schien der einzige zu sein, der die Begegnung überlebt hatte. Wenn auch nicht, ohne Verluste. Von seiner Kleidung abgesehen waren seine Erinnerungen daran, wo er war, was er hier getan hatte und wer er überhaupt sein mochte sehr verschwommen. Wenn nicht abhanden gekommen. Doch Eines stand für ihn fest: diese Höhle würde er nun hinter sich lassen.
Mit festem Griff umklammerte er seine Axt und begab sich in die Richtung, aus der ein frischer Hauch in die Höhle wehte.

Gorr
27.04.2023, 20:28
Die Sonne strahlte und hüllte ihn in wohlige Wärme, als Gorr aus dem Höhleneingang heraustrat. Was er damals hier gesucht hatte oder was ihn hergeführt hatte - er wusste es nicht mehr. Wie lange es her war? Keine Erinnerung. Er warf sich die schwere Streitaxt über die rechte Schulter und stellte sich breitbeinig vor dem Eingang auf, um sich zu sammeln, und sah dabei wieder beinahe wie eine sorgfältig positionierte Statue aus. In Wirklichkeit ging er tief in sich. Versuchte sich zu erinnern.

Das stärkste Bild, das in ihm aufstieg, als die Sonne sein Gesicht küsste, war diese Frau. Diese wunderschöne, üppige Frau, mit vollem, dichtem Haar das teilweise wie dicke Hefezöpfe geflochten war. Ihre runden, rötlichen Backen und ihre dunklen Rehaugen erschienen vor seinem geistigen Auge. Er konnte festen, schweren Teig zwischen seinen Fingern spüren. Große, runde, wohlgeformte Brotlaibe. Beinah zu groß, um sie mit zwei Händen zu fassen. Goldbraun und warm und duftend und lecker. Helle, saftige Brötchen mit herrlich glatter Oberfläche. Und dieser unglaublich herrliche Duft nach Mehlstaub, Puderzucker und Zimt. Noten von Vanille, Nelken und Ingwer in der Luft. Es war eine belebende Erinnerung, die nicht nur seine Muskeln straffte.

Keine Frage. Das war seine Frau. Und wenn es nicht seine Frau war, dann musste sie es werden. Er musste sie finden. Und plötzlich wusste er, was zu tun war. Er musste in den Süden. So marschierte er los. Im Adamskostüm über den Feldweg, die Axt auf der Schulter, beschwungenen Schrittes. Jetzt hatte er ein Ziel vor Augen und die Müdigkeit und Trägheit seines steinernen Gefängnisses fiel nach und nach von ihm ab. Er kostete die letzten Strahlen der untergehenden Sonne aus und freute sich kindisch über jedes Zeichen gedeihenden Lebens um ihn herum.

Er sog den harzig-würzigen Duft der Nadelbäume tief in sich auf. Beobachtete flauschige Kaninchen, die über Wiesen tollten und sah die wundervollsten Frühlingsblumen blühen. Er beugte sich hinab und griff in das bunte Getümmel, um eine davon zu pflücken. In seiner groben Hand nahm sich das zierliche Pflänzchen winzig aus und überstrahlte mit seiner Schönheit doch alles was er seit langem gesehen hatte. Er hob es an seine Nase um daran zu riechen - und heraus flog ein pummeliges, flauschiges Wesen, der dicke Hintern mit Blütenstaub gepudert, die Flügel im Vergleich zum rundlichen Körper so winzig, dass man sich wunderte, dass es überhaupt zu fliegen vermochte. All dies nahm er in einem einzelnen Wimpernschlag wahr. Er folgte dem drolligen Wesen mit seinem Blick. Betrachtete, wie es gemächlich davon flog. Dann fokussierten seine Augen ein Objekt in der Ferne. Ein steil aufragendes Gebäude im Südosten. Ein merkwürdig aussehender Turm.
Und so marschierte er entschlossen weiter in diese Richtung.

Gorr
29.04.2023, 12:56
Gorr war die ganze Nacht lang durchmarschiert. Nach all der Zeit im Sitzen war es, als ächzte und sehnte sich sein Körper nur so nach Bewegung. Der Turm war im Mondlicht immer zu sehen gewesen. Irgendwie umgab ihn ein gewisses... Etwas. So richtig konnte er es nicht fassen.

Sein Geist drehte sich aber auch um etwas ganz anderes. Diese Frau. Diese unfassbar schöne, faszinierende Frau. Er musste bei ihr sein. Er wollte sich an ihrem süßen Duft laben, seine kräftigen Hände in ihre Hüften graben und sie über sich erheben, wie es einer Königin seines Herzens gebührte. Sein ganzer Körper war durchströmt von Optimismus und Glücksgefühlen und Frohsinn. Auch das trieb ihn mächtig an, voranzukommen.

Diese Frau war ein Geschenk der Götter - und sie nur aus Erinnerung heraus zu betrachten, sie nicht in den Arm schließen, nicht mit ihr reden zu können, schmerzte ihn beinah körperlich. Das ganze Glück, das er verspürte wollte aus ihm heraus. Er wollte es mit ihr teilen. Er wollte sie in Komplimenten baden. Und konnte es nicht.

Dann wurden seine Gedanken abrupt beendet. Er war da. Nicht am Turm, direkt. Sondern am Fuße einer steil aufragenden Klippe, die sich halsbrecherisch über das Meer erhob - und darauf stand wiederum der Turm. Gorr wurde schwindelig als er an den Aufstieg dachte. Plötzlich wich alle Kraft, die er eben noch so überdeutlich gespürt hatte, aus seinem Körper. Und er wurde furchtbar müde. So entschied er, hier an dieser Stelle erst einmal Rast zu machen, bevor er den Aufstieg wagte.

Am Wegesrand fand er einen von Büschen zugewucherten Karren, aus dessen hölzernen Eingeweiden noch Pfeilschäfte herausragten. Auf der Ladefläche lag eine halb verrottete, bemoste Plane, mit der wohl einst die transportierten Waren abgedeckt worden waren, von denen ansonsten keine Spur mehr übrig war. Er kletterte auf die hölzerne Ladefläche und rollte ein Stück herunter, da eines der Räden gebrochen war und der Wagen nun ein wenig abschüssig da stand. Er drapierte die morsche Plane über sich, so gut er konnte, umklammerte mit beiden Armen seine Streitaxt und fiel sofort in einen tiefen, festen Schlaf.

Thara
04.06.2023, 13:47
Etwas grunzte. Thara schlug verschlafen die Augen auf und blinzelte. Das Grunzen ertönte noch einmal. Lauter diesmal. Näher. Thara setzte sich auf, drehte sich um… und starrte genau in das Gesicht einer unförmigen, haarlosen Monstrosität, kaum eine Armeslänge von ihr entfernt. Ein breiter Kopf mit einem ebenso breiten Maul voller gelber, spitzer Zähne saß auf einem gedrungenen Körper, der von kurzen, kräftigen Beinen getragen wurde. Die Haut der Kreatur war faltig und unter einer Dreckschicht aus Erde und totem Laub von einem sonderbar rosig wirkenden Farbton. Kleine schwarze Augen in tiefliegenden, von Knochenwülsten geschützten Augenhöhlen waren auf Thara gerichtet und schienen sie zu taxieren.
Einen Moment lang starrten sie sich beide nur an, als wüssten sie nicht, was sie von dem jeweils anderen halten sollten.
Dann senkte die Kreatur drohend den Kopf und stieß ein heiseres Quieken aus. Das Geräusch riss Thara aus ihrer Schreckstarre. Ohne nachzudenken, trat sie panisch nach dem Vieh. Ihr nackter Fuß traf es genau auf die Nase.
Obwohl es kein kräftiger Treffer war, war das Tier für einen Moment überrascht und zog sich einen Schritt zurück. Thara nutzte die Gelegenheit, um sich aufzurappeln. Das Vieh quiekte erneut und hopste auf Thara zu. Es schnappte nach ihr. Das Mädchen sprang gerade noch zur Seite, um den kräftigen Kiefern zu entgehen, und brachte ein wenig Abstand zwischen sich und die Kreatur.
Thara sah sich panisch um. Sie befand sich in einer kleinen Höhle, nicht groß, kaum mehr als ein Spalt, der ein paar Meter in den Fels hinein reichte. Nach ihrer Flucht aus der Stadt (https://forum.worldofplayers.de/forum/threads/1510764-Thorniara-32?p=27184111&viewfull=1#post27184111) war sie blindlings in den Wald gelaufen. Sie hatte weder auf den Weg noch auf die Zeit geachtet, hatte sich einfach nur durch das Unterholz gekämpft, weiter, immer weiter, bis bereits der rötliche Schimmer des ersten Morgengrauens über dem Horizont aufgetaucht war. Es hatte leicht zu nieseln begonnen und ihre Glieder waren bleischwer gewesen, als sie sich schließlich dazu entschied, eine Rast einzulegen. Sie hatte diesen Felsspalt gefunden, war hineingekrochen, hatte sich einfach auf dem Boden zusammengerollt und war fast augenblicklich eingeschlafen.
Wie sich herausstellte, hatte sie es sich, ohne es zu ahnen, in der Wohnstatt dieser Kreatur gemütlich gemacht. Jetzt erst bemerke sie zwischen dem Laub und den Ästen am Boden die Knochen, Federn und Fellreste kleinerer Tiere. Der Bewohner der Höhle war kein Vegetarier. Und er stand nicht nur genau zwischen Thara und dem rettenden Ausgang, sondern zu allem Überfluss lag auch noch ihre Tasche, an der auch ihr Messer befestigt war, so, dass sie erst an dem Tier vorbeimusste, um sie erreichen zu können.
Die Kreatur stieß erneut ein drohendes Quieken aus und kam langsam näher. Thara wich zurück, aber sie hatte nicht mehr viel Raum. Fieberhaft suchte sie den Boden nach irgendetwas ab, womit sich verteidigen konnte, und entdeckte einen langen Ast, halb bedeckt von totem Laub und Moos. Sie zerrte daran, aber die Rinde war glitschig und löste sich, so dass sie kaum Halt fand. Die Kreatur kam indessen immer näher. Verzweifelt verdoppelte Thara ihre Anstrengungen, und endlich gelang es ihr, den Ast unter den Steinen hervorzuziehen, die ihn eingeklemmt hatten. Es war alles andere als eine überzeugende Waffe, krumm und morsch, wie er war, aber sie hatte kaum eine andere Wahl – mit einem eher verängstigt als tapfer klingenden Kampfschrei stürzte sich Thara auf ihren Gegner und ließ den Ast in hohem Bogen auf seinen Kopf niedersausen. Die Kreatur quiekte überrascht auf und hopste einen Schritt nach hinten, schien sonst aber nicht sonderlich beeindruckt zu sein. Thara holte erneut aus, aber diesmal reagierte die Kreatur mit einer Schnelligkeit, mit der sie nicht gerechnet hatte – die Kiefer schnappten zu und schlossen sich um den Ast. Mit einem kräftigen Ruck seines massigen Schädels riss das Tier Thara die Waffe aus der Hand und brachte sie zudem aus dem Gleichgewicht. Noch vom Schwung ihres Angriffs getragen, taumelte Thara nach vorn, stolperte an ihrem Gegner vorbei und landete unsanft bäuchlings auf dem Erdboden.
Das Biest grunzte, fast als wäre es belustigt, und ließ es Ast fallen. Thara rappelte sich panisch auf alle Viere und versuchte, kriechend aus der Reichweite der muskulösen Kiefer zu kommen. Ihr Gegner setzte ihr nach. Hatte das Vieh bisher noch eher ein wenig unschlüssig gewirkt, so schien es jetzt beschlossen zu haben, dass der Eindringling wohl keine große Gefahr darstellte und ein nettes Frühstück abgeben würde, auch wenn da vielleicht nicht viel Fleisch auf den Knochen war.
Thara schlug sich die Knie auf den kantigen Steinen auf, aber sie achtete nicht auf die Schmerzen und krabbelte weiter. Durch ihren misslungenen Angriff stand das Vieh jetzt zumindest nicht mehr zwischen ihr und dem rettenden Höhlenausgang. Nur, das würde ihr alles nichts bringen, wenn sie den Ausgang nicht erreichte, weil sie zu langsam war. Und das war sie. Das Biest war schon fast bei ihr. Noch zwei oder drei Sprünge, und es würde nach ihren Knöcheln schnappen!
Verzweifelt vergrub Thara ihre Hände im steinigen Erdboden, packte so viel Erde, Laub und Steinchen, wie sie konnte, und schleuderte sie dem Tier entgegen. Es funktionierte – das Vieh hielt kurz inne und schüttelte den breiten Kopf. Thara zögerte keine Sekunde. Sie rappelte sich unbeholfen auf und stürzte aus der Höhle, im Vorbeirennen griff sie sich noch ihre Tasche. Sie hörte das empörte Quieken und Grunzen der Kreatur hinter sich, drehte sich aber nicht um. Sie rannte, so schnell sie ihre Beine trugen, achtete nicht darauf, wie dorniges Gestrüpp ihre Haut aufriss und ihre Haare immer wieder im Geäst eines Baumes hängen blieben. Ihr Denken existierte kaum noch. Alles, was zählte, war die Flucht...

Thara
04.06.2023, 17:30
Thara rannte, bis ihre Lungen brannten und sie sich kaum noch auf den Beinen halten konnte. Erst, als ihr Körper die weitere Zusammenarbeit verweigerte, blieb sie stehen und stützte sich schwer keuchend an einem Baumstamm ab. Furchtsam spähte sie in die Richtung, aus der sie gekommen war, ob sie das Biest aus der Höhle nicht etwa verfolgte, aber es war nichts zu sehen. Oder zu hören. Lediglich die Vögel zwitscherten im Geäst der Bäume und der Wind rauschte in den Wipfeln.
Langsam beruhigte sich Thara und ließ sich erschöpft auf den Boden sinken. Sie lehnte sich gegen den Baumstamm und schloss kurz die Augen. Was war das für ein Ding gewesen? Sie hatte so etwas noch nie zuvor gesehen, aber das war nicht weiter verwunderlich – sie hatte in ihrem Leben die Grenzen der Stadtmauern bislang vielleicht ein knappes dutzend Mal verlassen, und dann nur in Orins Begleitung, wenn er sie am Waldrand Reisig für den Kamin sammeln ließ. Im Wald selbst war sie noch nie gewesen. Alles, was sie kannte, waren die Geschichten der Ammen aus dem Waisenhaus. Und diese Geschichten waren ganz offensichtlich vor allem dazu gedacht gewesen, die Kinder davon abzuhalten, in den Wald zu laufen.
Trotzdem waren sie, wie Thara realisieren musste, ihre einzige Wissensquelle. Sie hatte kaum einen Anhaltspunkt, welche der Kreaturen und Monster, die in den Geschichten der Ammen vorgekommen waren, wirklich existierten und welche nicht. Aber das Biest in der Höhle war echt gewesen. Sie dachte nach, ob sie es aus den Beschreibungen wiedererkannte, und nach einer Weile fielen ihr tatsächlich einige Geschichten ein, in denen ähnliche Tiere eine Rolle gespielt hatten. Nur, dass sie in diesen Geschichten stets als harmlos dargestellt worden waren, sie verspeisten allenfalls die unvorsichtigen Helden der Geschichte, nachdem diese von größeren, weit gefährlicheren Bestien zu Tode gebracht worden waren, und dienten sonst eher selbst als Beute für Jäger. Molerats, erinnerte sich Thara – so lautete die Bezeichnung…
Sie zog die Beine an den Körper und legte den Kopf auf ihre Knie. Sie kam sich verloren vor. Alles um sie herum war so fremd, so unbekannt… Sie wusste nichts über den Wald. Nichts! Und wenn dieses Biest von vorhin, diese Molerat, wirklich so harmlos war im Vergleich zu anderen Dingen, die zwischen den Bäumen vielleicht noch lauerten? Welche Chance hatte sie da überhaupt, jemals lebend wieder herauszukommen?
„Scheiße…“, murmelte Thara und vergrub die Hände in ihren Haaren, zog an ihnen, bis es schmerzte. Tränen traten ihr in die Augen. „Scheiße, scheiße, scheiße!“
Verflucht, konzentrier dich!, forderte sie sich selbst auf. Sie ließ ihre Haare los und atmete tief ein und aus. Ruhig bleiben… Ich muss ruhig bleiben!
Sie musste heraus aus dem Wald. Vielleicht nicht gleich in die nächste Siedlung, aber… zumindest irgendwo hin, wo nicht so viele unbekannte Gefahren lauerten. Mühsam überredete Thara ihre erschöpften Beine dazu, aufzustehen, und sah sich um. Es musste doch einen Weg geben… Irgendeinen Hinweis, der ihr sagte, welche Richtung sie einschlagen musste? Doch egal wohin sie schaute, alles, was sie sah, waren Bäume, Bäume und noch mehr Bäume. Es sah alles gleich aus.
„Scheiße…“
Was sollte sie tun? Sie hatte nicht die geringste Ahnung, wo sie war und wie sie sich zurechtfinden konnte. Wohin sollte sie gehen? Wenn sie die falsche Richtung einschlug und nur noch tiefer in den Wald geriet… oder zurück nach Thorniara… auf der anderen Seite, wo wollte sie überhaupt hin? Sie hatte nicht einmal ein Ziel!
Sie schloss erneut die Augen.
„Bist du da?“, fragte sie leise. Aber es antwortete nicht. Jedenfalls nicht direkt. Thara hatte plötzlich den Eindruck, irgendwie spüren zu können, in welche Richtung sie sich wenden musste. War das tatsächlich der Fall, oder spielte ihr überreizter Geist ihr nur einen Streich, um sie davon abzuhalten, völlig durchzudrehen? Einerlei. In irgendeine Richtung musste sie gehen, und nachdem sich sonst keine der Richtungen irgendwie von den anderen Unterschied, konnte sie auch einfach auf ihre Intuition vertrauen.
Thara atmete noch einmal tief durch, schulterte ihre Tasche und machte sich auf den Weg.

Thara
05.06.2023, 13:42
Thara nagte an den letzten Resten der Käserinde, die neben dem steinharten Kanten Brot ihren einzigen Proviant darstellte, und versuchte, einfach an nichts zu denken. Die Strahlen der Sonne fielen warm und angenehm auf ihre nackte Haut. Ihre Wanderung hatte sie auf eine kleine Lichtung geführt, an der ein Bach entlangplätscherte, und sie war einfach erschöpft zusammengebrochen. Sie hatte sich einfach dort hingelegt, wo die Sonnenstrahlen einen Weg durch das Blätterdach fanden, und war in einen tiefen, traumlosen Schlaf versunken. Als sie irgendwann wieder aufgewacht war – die Sonne war inzwischen weitergewandert, Thara lag im Schatten und frohr – hatte sie versucht, sich im Bachlauf ein wenig zu waschen und auch ihr Kleid zu säubern. Ihr einziges Kleidungsstück starrte vor Dreck (genau wie sie selbst). Ein Großteil davon war noch immer Orins Blut, das halb getrocknet die ganze Vorderseite des Kleides besudelte. Das Wasser des Baches war jedoch eiskalt und ihr taten bald die Hände weh, als sie versuchte, den Dreck aus dem Stoff zu reiben. Totzdem, zumindest ein wenig sauberer als vorher war ihr Kleid jetzt und lag nun zum trocknen in der Sonne.

Thara nutzte die Zeit, sich noch ein wenig auszuruhen und etwas zu essen. Sie hatte hunger… Vor ihrer Rast hatte sie kaum bemerkt, wie hungrig sie eigentlich war, aber jetzt fühlte sie sich, als könnte sie ein ganzes Schwein verspeisen. Oder eine ganze Molerat, dachte sie, wenn die nicht mich fressen würde… Sie musste sogar kurz lächeln bei dem Gedanken.
Trotzdem war ihr bewusst, dass sie bald etwas zu essen würde auftreiben müssen. Die Käserinde, deren letzte Brösel sie gerade herunterschluckte, und das Brot, das sie, um es genießbar zu machen, im Bachlauf einweichen lassen musste, würden sie nicht weit bringen. Thara wusste, dass es jede Menge essbare Dinge im Wald gab. Genauso, wie es jede Menge Dinge im Wald gab, die einen umbrachten, wenn man sie verspeiste. Und sie hatte nicht die geringste Ahnung, wie sie das Eine vom Anderen unterscheiden konnte…

Thara
05.06.2023, 22:41
Thara pustete vorsichtig in die winzige Flamme, die in dem Zunder emporzüngelte, und legte ein paar halbwegs trockene Stöckchen darauf, in der Hoffnung, dass sie endlich Feuer fingen. Es fühlte sich an, als würde sie schon seit Stunden versuchen, das Lagerfeuer in Gang zu bringen, aber sie brachte nur Qualm hervor. Das Holz war einfach zu nass!
Den ganzen Tag über hatte die Sonne geschienen, aber jetzt, gegen Abend, war es immer schwüler geworden, dunkle Wolken hatten sich vor die Sonne getürmt und schließlich hatte sich die Spannung in einem Gewitter entladen, bei dem es in Strömen geregnet hatte. Der Platzregen hatte nur wenige Minuten angehalten, aber er hatte ausgereicht, um Thara von Kopf bis Fuß zu durchnässen. Und jetzt, wo die Sonne dabei war, hinter dem Horizont zu verschwinden, fror sie erbärmlich.
Sie hatte Unterschlupf unter einem überhängenden Felsen gesucht – wobei sie darauf geachtet hatte, nach eventuellen Spuren von Raubtieren Ausschau zu halten – und probierte nun, ein Feuer zu entfachen. Bislang vergeblich. Der Regen hatte alles durchtränkt, sie konnte kaum trockenes Holz oder Laub finden, um die Flammen damit zu nähren. Und mittlerweile ging auch ihr Zundervorrat zur Neige, nach so vielen erfolglosen Versuchen…
Das Flämmchen züngelte um die dünnen Äste, die Thara ihm hinhielt, aber sonst nichts. Sie schob noch ein trockenes Blatt nach, um das Feuer ein wenig länger am Leben zu halten, aber es schien nicht zu helfen. Die Äste wollten einfach nicht…
Doch! Endlich! Thara wagte kaum zu atmen und hielt so still wie möglich – gar nicht so einfach, wenn man vor Kälte zitterte wie Espenlaub –, als die Flammen endlich auf einen der Äste übersprangen. Nach ein paar weiteren Sekunden brannte auch der zweite Ast. Mit aller Vorsicht, die sie aufbringen konnte, legte Thara die beiden Ästchen auf die vorbereitete Feuerstelle und schichtete nach und nach weiteres Brennmaterial auf. Angespannt biss sie dabei auf ihrer Unterlippe herum, jede Sekunde rechnete sie damit, dass das Feuer wieder ausgehen würde.
Aber das Feuer ging nicht aus. Es dauerte eine Weile, aber irgendwann, indem sie behutsam nach und nach das trockenste Material verbrannte, das sie hatte finden können, war die Feuchtigkeit so weit aus den größeren Ästen gezogen, dass sie anfingen zu brennen. Thara tat etwas, dass sie sonst so gut wie nie tat: Sie sprach ein kurzes Dankgebet zu Innos, einen kindlichen Vers, den sie im Waisenhaus gelernt hatte und eigentlich genau deshalb hasste.

Als das Feuer loderte, rutschte Thara so nah heran, dass die Hitze ihr schon fast die Haut zu versengen drohte. Aber es war ihr gerade recht. Um sie herum versank der Wald in Finsternis, als die Sonne endgültig unterging. Das kalte Licht des Mondes vermochte kaum durch die dichten Baumkronen zu dringen. Aber Thara saß im Schein ihres Feuers, das sie wärmte und schützte.
Zumindest hoffte sie, dass es sie schützte.
Das Flackern der Flammen ließ die Silhouetten der Bäume und Sträucher wie gespenstische Schatten tanzen. Immer wieder glaubte Thara, aus dem Augenwinkel etwas sich bewegen zu sehen und fuhr unwillkürlich herum, nur um festzustellen, dass es sich um nichts anderes als Äste oder Blätter handelte. Die Geräuschkulisse änderte sich, als der Gesang der Vögel nach und nach verstummte. Es wurde still.
Zu still.
Irgendwann konnte Thara nur noch das leise Knistern des Feuers und das Rascheln des Windes in den Baumkronen hören. Sonst nichts…
Sie zog das Messer aus der Tülle und presste es eng an ihre Brust. Nervös und ängstlich spähte sie angestrengt in den Wald hinein, aber da war nichts.
Zumindest nichts, was sie sehen konnte.

Plötzlich knackte ein Ast ganz in der Nähe. Thara stieß einen kurzen Schrei aus vor Schreck, sprang auf und hielt das Messer in abwehrender Haltung vor sich. Ihre Hände zitterten. Es war ein großer, stabiler Ast gewesen, der Lautstärke des Geräusches nach zu urteilen. Was einen solchen Ast zerbrechen konnte, musste selbst groß sein. Thara starrte in die Finsternis und rechnete jeden Augenblick damit, dass etwas Gewaltiges mit rotglühenden Augen und Klauen wie Fleischermessern auf dem Unterholz brechen würde. Ungebeten kamen ihr wieder die Geschichten aus dem Waisenhaus in den Sinn, von Bestien groß wie zehn Männer, dreiköpfig mit bluttriefenden Schnauzen und dornengespickten, peitschenartigen Schwänzen, mit denen sie ihre Opfer langsam zu Tode malträtierten, bevor sie ihre Schädel aufbissen, um das weiche Gehirn aus der Hirnschale zu lecken. Und die Reste ihres Mahls dann den Molerats zu überlassen…
Es knackte wieder. Aus einer anderen Richtung diesmal. Thara fuhr herum. War es nähergekommen? Ihr Herz hämmerte gegen ihren Brustkorb und sie umklammerte den Griff des Messers so fest, dass ihr fast die Finger verkrampften. Ihre Nerven waren bis zum Zerreißen gespannt. Irgendetwas war da draußen! Irgendetwas schlich um ihr Lager herum, lauernd, abwartend. Thara konnte es nicht sehen, aber sie spürte es. Sie spürte es mit jeder Faser ihres Körpers. Es war dort draußen, und es labte sich an ihrer Angst. Es war nicht zufällig auf die Äste getreten. Ein solcher Jäger trat nicht unvorsichtig auf einen Ast. Es hatte gewollt, dass Thara wusste, dass es da war…
Sie schluchzte vor Angst. Das Messer würde nichts ausrichten. Das Feuer würde sie nicht beschützen. Wenn die Bestie angriff, wenn die glühenden Augen aus der Dunkelheit kamen, wenn sich die Kiefer um ihren Schädel schlossen, um ihn zu knacken wie eine Walnuss… Tharas Beine versagten ihr den Dienst und sie sackte kraftlos zu Boden. Das Messer glitt ihr aus der Hand. Welchen Nutzen sollte es auch haben? Sie schloss die Augen, senkte den Kopf und weinte leise. Wartete, dass es passierte.
Wartete auf das Ende.