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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Effektivität = Spielspaß?



Ankou
30.09.2006, 14:44
Ich hatte gestern eine ziemlich lange, ziemlich haarsträubende Unterhaltung mit einer Bekannten, die bei uns in der Vampire-Runde mitspielt.
Und zwar hatte ich ein kleines Problem damit, dass sie des Öfteren gesagt hat, "Toreador sind für längerfristiges Spielen vollkommen uneffektiv" und ihr Charakter (Ventrue) sei auch garnicht effektiv, weil er sich ja nicht verdunkeln kann und so in einer Situation mal von der Polizei gecatcht wurde, während alle anderen wegwuselten. (Verdunklung und Thaumaturgie.)
Naja, unglücklicherweise konnte sie sich da nichtmal rausbeherrschen, da der Oberpolizist ein Werwolf war. Meine Güte, sie hätte fast geweint, meinte sogar "Das Klüngel hätte sie verraten und im Stich gelassen!" obwohl wir anderen garnicht gewusst haben, dass der Oberpolizist Werwolf ist. Und klar, wer die ganze Zeit auch intime mit seiner Beherrsching prahlt, den rettet man nicht, wenn er von zwie Polizisten festgenommen wird.
Naja, ein paar Sitzungen später stand ich dann mit meiner kleinen Malki, die in keinster Weise eine Schnitte gehabt hätte gegen einen Werwolf, vor besagtem Polizist und musste mich da auch mehr oder weniger durch reden und nicken und Amen sagen herauswuseln - durch Rollenspiel.
Ich spiele in der Gruppe regelmäßig jede Woche seit ungefähr einem halben Jahr mit und habe bislang dreimal eine Disziplinen eingesetzt - anderen geht es ähnlich (Bis auf den Tremeren, die Proller...) und bislang bin ich überall lebending herausgekommen. Da muss man dann eben auch dem Meister vertrauen, dass er nicht sofort die Charaktere niederschnetzelt.

Naja, ich weiche etwas ab. Es stört mich eben einfach, dass sie immer Ventrues spielt, immer das gleiche Konzept und sich immer nur durch ihre Disziplinen ("Ein Ventrue ohne Beherrschung 5 und Präsenz 5 ist vollkommen uneffektiv!") auszeichnen und nicht durch Charakter, durch Rollenspiel. Alle ihre Charaktere müssen immer Erscheinungsbild 5 haben, sonst sind sie ihrer Meinung nach unspielbar.
Selbst als wir Menschen gespielt haben, hatte sie natürlich alle Kampffertigkeiten auf 4 - obwohl sie eine Hofdame ist. *fasst sich an den Kopf*

Ich will jetzt nicht, dass es sich so anhört, als würde ich etwas gegen Leute haben, die oft Diszis einsetzen und ihre Charaktere aufpowern - ich möchte nur sagen, dass ich ein Problem damit habe, wenn man seine Charaktere nur in effektiv und uneffektiv aufteilt und durch seine ganzen Disziplinen das Rollenspiel vergisst.

Und wie seht ihr das? Darf man effektiv sagen? Spielt ihr vielleicht ähnlich?
Und: Bringt euch ein aufgemotzter Charakter, mal ganz unabhängig vom Vampire, mehr Spaß, als ein kleiner Wicht, der vielleicht kaum was kann und sich aus den meisten Sachen eher herausschlängeln muss?
Und: Habt ihr die Fähigkeit von Null anzufangen - auch mal eine Hure spielen, die ü-b-e-r-h-a-u-p-t nichts gut kann und trotzdem Spaß daran haben? :)

Harbinger
30.09.2006, 18:34
deinen letzten satz finde ich interessant ^^ wieso setzt du denn "nichts können" mit einer "Hure" gleich? §ugly

äh, wurscht. also ich sach mal (und das kannst du deiner freundin von mir aus ausrichten ;) ), nach effektivität zu spielen ist vollkommener schwachfug. ich spiel einen charakter weil ich ihn mag und nicht, weil er was dolles kann. naja, es macht durchaus mal laune einen char zu spielen, der kampftechnisch total aufgemotzt ist (hab drei davon, einmal meinen Malk-Vampir mit Kettensäge und vierläufiger schrotflinte, dann meinen Gangrel-Vikinger und zuletzt meinen Thyrsus-Mage mit seinen beiden Desert Eagles und seinem geliebten schwert ^^), weil man dann in den kampfszenen richtig viel spaß haben kann - auf verschiedene arten. zum beispiel mein Malk, der eine strichliste mit "Frags" hat, die bei über dreißig angekommen ist (ich bin mit dem durch ein dorf voller zombies gerannt und hab geschnetzelt was da ankam ^^), andererseits stand er mal etwa zwei meter von einem gegner entfernt und hat alle vier läufe seiner schrotflinte mit willenskraft durchgezogen (resultierte in 15 angriffswürfeln ^^) und alles irgendwie danebengeholzt. das sind immer die lustigen augenblicke, wenn der mega-kämpfer in einem wurf total versagt (so auch bei meinem WofD-Ki-Adepten, der mit ausgestrecktem schwert an einem stationären ziel vorbeigelaufen ist ^^). aber immer wenn ich so einen char spiele, dann liegt das daran, dass die skills zu dem charakter passen (okay, der wikinger mit bewaffnetem nahkampf 5 war leicht übertrieben ^^) und nicht weil ich kein vertrauen in den spielleiter habe und meine ich müsste mich so gut wie möglich aufpowern, um am leben zu bleiben. so eine spielerin haben wir auch in der gruppe, bei der das aber noch ein wenig krasser ist. so wollte sie bei WofD einen weiblichen Ork mit menschlichem äußeren spielen, der dann etwa 1,60 groß ist, blond, schlank und sowieso eigentlich ein mensch, abgesehen von den orkspezifischen boni. weil sie (zitat) "nicht draufgehen wollte". das hat mich von daher noch mehr verwundert, da sie die freundin des spielleiters ist. das nenn ich mal vertrauen §ugly
naja, äh... wo war ich? achso, genau, ich spiele auch ganz gerne recht schwächliche charaktere, die sich mit dem, was sie können, behelfen müssen. so geschehen bei Frost, meinem Moros Necromancer, der keine kampfskills hatte, sich aber trotzdem eine ganze weile ziemlich erfolgreich mit einer aufgemotzten Obrimos-kämpferin gebattelt hat und dabei ihr nicht nur massig schaden durch diverse kleine tricks (tür ins gesicht hauen ^^) gemacht hat, sondern auch ihre pistole mit einem gut plazierten zauber in ihre einzelteile zerlegt hat. das hat irre viel spaß gemacht, kann ich euch sagen. also: ein charakter mit sinn und hintergrund macht wesentlich mehr spaß, als ein aufgepumptes PG-Monster, das tierisch zulangen kann, aber keiner weiß wieso. ein aufgeblasenes PG-Monster mit hintergrund ist übrigens auch sehr spaßig ;)

Iron Mouse
30.09.2006, 19:25
Ich leite meistens. Vampire kenn ich jetzt zwar nicht, aber egal.

Für mich gilt, wenn meine Spieler meinen, sie müssten powergamen, dann kann ich das auch. Nur das ich am längeren Hebel sitze :D

Ist allerdings noch nicht vorgekommen. Ein guter GM sollte sowieso darauf achten was die Charaktere können und darauf eingehen. Wenn die Spieler sich für kampftechnisch eher "schwache" Charaktere entschieden haben wäre es unfair, ihnen knallharte Kämpfe aufzuzwingen. Ebenso wie es frustrierend für den Spieler ist, wenn er seinen Char z.B. auf soziale Interaktion (bzw. Hellsichtmagie, Computerbenutzung oder andere "schwierige" Fähigkeiten) auslegt und man ihm keine Möglichkeit gibt, das auch zu nutzen.
Klar gehören Kämpfe zum Rollenspiel und wer kampfbasierte Chars spielt soll ebenfalls seine Chance zum glänzen kriegen. Aber wer glaubt, er kann alle Probleme lösen indem er sich voll aufs Kämpfen spezialisiert und alles andere vernachlässigt kann bei mir schnell auf die Schnauze fliegen.

Haylen
02.11.2006, 02:11
Das eigentliche Problem bei oben genannter Spielerin ist, dass es ihr garnicht um Rollenspiel geht, da sie keinen Unterschied sieht zwischen sich und ihren Chars.
RPG´s sind für sie wie Schach spielen. Es geht nur darum zu gewinnen, egal wie, solange man sich an die Regeln hält (und selbst das schafft sie neuerdings nciht mehr). Und sie ist immer die gleiche Person die vor ihrem Schachbrett sitzt, Partie für Partie (oder Char für Char) und denkt sich immer neue Taktiken aus.

Tja, ich würde sagen sie hat das Spielprinzip einfach nicht verstanden...

Nett war auch, als sie zu mir als Live-SL (Ich war/bin die SL!!!) kam, um über ihren neuen Char zu sprechen und verlangte, dass sie mindestens 65 FB braucht und unbedingt eine 8. gen sein muss, da sie sonst uneffektiv sei....

So viel von der Tremere-Proller-Front

SithLord
01.04.2007, 15:13
Oh ja ein wirklich spaßiges Thema.

Als ich damals neu in die Gruppe kam, mit der ich heute noch spiele, haben wir mit D&D 3.0 angefangen. War eine ganz normale Kampagne, hat viel Spaß gemacht. Aber auch da gab es schon Leute die immer meinten: " Kopf durch die Wand, entweder geht mein Gegner unter oder ich."

Doch das war damals noch im Rahmen. Dann kam allerdings ein Min/Max – Spezie in die Runde, und eh man sich versah, fingen alle an ihre Charas zu Maxen und aufzupowern das der SL gar keine Chance mehr hatte Gegner und Herausforderungen vernünftig vorauszuplanen. Führte zu masseweisen Gruppen- und Spielertoden, was wiederum dazu führte den nächsten Char noch mächtiger zu machen. In anderen Systemen war es leider nicht besser. Irgendwann machte es keinen Spaß mehr und D&D wurde als schlechtes System abgestempelt.

Inzwischen haben wir reagiert und Spielleiter regeln ganz klar ab, was man spielen und steigern darf, und welche Bücher, bzw. welche Ausrüstung zugelassen wird. Und siehe da, es funktioniert wieder wunderbar. Selbst der Barde der jahrelang als „uneffektiv“ angesehen wurde, ist nun akzeptiert auch wenn er nicht "wegschafft" wie Hulk. Jedenfalls ein Paradebeispiel wie man sich selbst den Spielspaß kaputtmachen kann, weil man nur noch in Werten denkt und meint sein Char muss alles können. Warum einige solange gebraucht haben zu begreifen das der SL immer am längeren Hebel sitzt und einem IMMER auf den Kopf geben kann wenn er will, keine Ahnung.

Klar ist es auch mal lustig auf dicken Macker zu machen weil man was kann, aber wenn man darin sein "Standardcharakterkonzept" hat, ist das einfach nur arm. Zumindest in meiner Gruppe ging die Gleichung Effektivität = Spielspaß nicht auf.

Mr Sulak
02.04.2007, 09:58
Es liegt wohl einfach daran, dass die Spieler glauben, mit einem 'overpowered' Charakter können sie alles und jeden besiegen.

Wir (ich und ein paar Freunde) haben mal aus Spaß eine DSA-Runde eröffnet und uns einfach alles richtig Gute gegeben, was es so gab. Nach nicht mal 15 Minuten haben wir wieder aufgehört. Es wurde langweilig.

Ich persönlich fände ja wirklich eine kleine 'Kröte', die sich bei jedem Kampf verstecken oder wenigstens hinter dem dicken Krieger verkriechen muss, viel launiger. Zumal dann, wenn dieser Feigling dann irgend etwas 'Großartiges' vollbringt, was die gesamte Gruppe weiter bringt. :)

Ich sage ja auch weiterhin immer: Wer einen 'overpowered Char' braucht, der soll ihn nehmen, sich dann aber nicht beschweren, wenn plötzlich ein steinharter Gegner vor ihm auftaucht und ihn nebenbei vernichtet.
Vor allem, wenn man mit dem dicken Kerl auch einfach nur hätte reden können, um durch die Tür hinter ihm zu gelangen.

Es wird halt immer Leute geben, die glauben, nur mit einem aufgemotzten Charakter könnten sie alle Situationen meistern. Was soll´s, ich weiß es ja besser.

Greets,
Sandji

Likimeya
02.04.2007, 16:48
Das Rollenspielverständnis Deiner werten Mitspielerin lässt sich wohl unter dem Wort powergaming subsummieren (wie IronMouse schon bemerkte). Diese Spielweise ist definitv nichts für mich (und Gott sei Dank auch nichts für meine Runde). man muss allerdings den Leuten eingestehen das sie ein Spiel spielen wie es Ihnen gefällt. Dann allerdings in einer Gruppe von Gleichgesinnten.
Immer denselben Charakter zu spielen halte ich denn allerdings doch für etwas... beschränkt ;) Die powergamer die ich so kenne finden zumindest Gefallen daran Ihre Gegner mit immer neuen Bollwerken der Gewalttätigkeit umzuwemsen.

Aber powergaming (oder Würfelmarathon) ist mir ohnehin fremd. Vampire ist da vielelicht ein wenig anders, immerhin muss man Blut trinken um zu überleben :D ) Aber bei Mage - The Ascension (auch WoD) hat mir am meisten Spaß immer mein Dreamspeaker gemacht... einer seiner flaws war Schmerzempfindlichkeit... noch Fragen? :cool: