Noch kein sehr guter Post im November? Nein?
Na gut, ich habe einen gefunden. Vor dem Lesen des Posts empfehle ich das lesen des Steckbriefs da dieser einiges aufklärt. Zum Post selbst ( der wies ausschaut der erste hier ist)ist meiner Meinung nach zu sagen: Sehr schön geschrieben und umschriebe und tolle Einleitung in das Dilemma des Charakters. Freue mich schon darauf weiter zu lesen


Quote Originally Posted by Catalina View Post
Catalina spürte das Knie von Master Leberweg gefährlich nah an ihrem Schaft.
"Ihr kommt mir zu nah!" erklärte sie bemüht lässig, wenngleich das Déjà-vu, das sie in diesem Moment erlebte, ihr Angst einjagte. Sie zitterte am ganzen Leib, nicht weil sie frierte, obwohl es wahrlich scheißkalt war, sondern weil sie einem Teufel persönlich ins Auge blickte.
Einem lüsternen, alkoholkranken Teufel, wohlgemerkt.
"Ich bin keine Hure", betonte sie abermals. Eigentlich hatte sie bereits Übung darin, Master Leberweg immer wieder abzuweisen, wenn er wie am späten Abend üblich im Zustand eines Trunkenboldes gefangen war und versuchte, sie von seinen ach-so-gewaltigen Vorzügen zu überzeugen. Das alles änderte aber nichts daran, dass sein verdammtes Knie kurz davor stand, ein wohlgehütetes Geheimnis zu entdecken.
"Ob Hure, Mätresse oder Eheweib, der Master macht sie alle reif", säuselte er ihr mit einem umwerbenden Singsang ins Gehör. Seine Zähne strichen verspielt über ihr Ohrläppchen, doch Catalina konnte sich an den Liebkosungen keineswegs erfreuen. Dazu stank sein Atem zu stark nach Wacholder und Bier.
"Herr!" flehte sie mit dünner Stimme. Sie umfasste seine fleischigen Schultern und schob ihn von sich, sodass er einige Schritte nach hinten taumelte, schwankend zum Stehen kam und dann mit einem lauten Hicksen protestierte. Er betrachtete sie durch glasige Augen, unter denen hässliche Ringe zu sehen waren, die das graue Gesicht noch ungepflegter erschienen lassen. Master Leberweg sah mit seinem dunklen Schnauzbart und den ungekämmten, in alle Richtigen abstehenden Haaren alles andere als reich und adelig aus. Lediglich sein Gewand wirkte prunkvoll genug, um seinen gesellschaftlichen Status kenntlich machen zu können, auch wenn sich inzwischen ein puterroter Saucenfleck auf der zu engen Brokatweste abzeichnete.
Master Leberweg war ihr keineswegs so nahe gekommen, dass sie es nicht mehr vermocht hatte zu atmen, doch spürte Catalina förmlich, wie die Luft ihre Lungen strömte, nachdem sie sich aus seiner Umklammerung gelöst hatte. Sie löste sich von der Mauer, gegen die sie gepresst worden war und nahm eine aufrechte Haltung ein, strich sich den Rock zurecht und prüfte anschließend ihre Frisur. Ihre rabenschwarze Haarpracht umrahmte ihr reichlich gepudertes Gesicht, indem sie ihr in sorgfältig geformten Locken wasserfallgleich vom Kopf floss ... Nun ja, zumindest glaubte Catalina, dass es genauso war, obwohl es ihr insgeheim davor graute, an diesem Abend einen Blick in den Spiegel zu werfen.
Master Leberweg indes hatte sich gegen die gegenüberliegende Hauswand gelehnt, er hielt nun etwa anderthalb Meter Abstand von Catalina und begann damit, mit müden Fingern eine Schnürung an seiner Hose zu finden.
"Stopp!" stieß Catalina etwas unkontrolliert aus, als sie den Plan ihres Begleiters verstanden hatte. "Ihr könnt das zuhause machen, aber nicht auf offener Straße, mein Lord."
"Was raus muss, muss raus!" rief er fast feierlich, während er mit einem solchen Schwung seine Hose hinunterzog, dass er beim Versuch, sich wieder Aufzurichten, beinahe umgekippt wäre.
Gleichzeitig krisch Catalina auf, die Augen mit einem Mal fest verschlossen. Ihr Atem wurde tiefer und ihr Herz pulsierte rasend schnell, pumpte merklich das Blut durch ihre Venen und ihr stieß merklich Röte in die Wangen. Nur langsam wagte sie es, die Lider zu öffnen, blinzelte erst mit dem einen Auge, dann mit dem anderen, ehe sie mit einem Schaudern die blutunterlaufenen Schweinsäuglein des Masters fixierte. Sie trat schwer atmend an ihn heran, darum bemüht, nicht weiter hinab zu blicken als zu den Schultern des Mannes. Unschlüssig, was sie tun sollte, immerhin bezahlte Master Leberweg maßgeblich ihre Miete, schloss sie neuerlich die Augen und ging vor ihm in die Hocke, wobei sie froh war, einen Rock zu tragen, der ihr bis zu den Knöcheln reichte.
Als sie schließlich auf Augenhöhe mit seinem Glied war, tastete sie nach dem Bund seiner Hose und zog sie ihm ebenso rasch wieder hoch, wie sie Minuten zuvor gefallen war. Dann band sie die Fäden fest zusammen, und hoffte, Master Leberweg würde sie nie wieder lösen können. Schließlich öffnete sie krampfhaft ihre Augen.
In jenem Moment, da sie sich wieder aufrichtete, fiel Master Leberweg ihr in die Arme. Sein Körper erschlaffte und ruhte mit dem gesamten Gewicht - und verdammt, er war schwer - an Catalinas Brust. Einen fürchterlichen Augenblick lang glaubte sie, dass er ihr Geheimnis aufgrund ihres fehlenden Vorbaus lüften würde, dann jedoch vernahm Catalina von ihm ein Röcheln, das sich schließlich in ein tiefes Schnarchen verwandelte.
Erleichtert stieß sie den Atem aus und griff dem Adeligen unter die Arme, sodass sie ihn mit einiger Mühe hinfortschleifen konnte. Sie würde ihn in sein Anwesen schleppen, ihn betten und zudecken und dann verschwinden, nur um tags darauf sehnsüchtig auf eine neuerliche Einladung des Masters zu warten.
So wie an jedem Abend.