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24.12.2011 00:56
#201
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Mythos
Merediths Erben – Prolog – Kapitel 2
Ängstlich stand die zierliche Elfe mit den großen Augen am Rande der Schlucht und blickte vier schwer gepanzerten Templern entgegen, die kurzen Prozess mit ihr machen würden. Aber Merril kannte den Plan und hatte Vertrauen in Hawke. Schließlich hatte er damals zu ihr gehalten, hatte ihr immer versucht, die Sache mit dem Spiegel auszureden. Und als sie ihren Fehler eingesehen hatte, hatte er ihr vergeben. Merill wusste, dass Hawke sie beschützen würde.
Die Templer waren stehen geblieben und sahen sich mit einer Mischung aus Verwirrung und Belustigung an. An eine Falle dachten sie in ihrer Arroganz nicht. Ihr Anführer trat einige Schritte vor und nahm eine selbstsichere Haltung ein. Die Chance, sich zu ergeben oder zu fliehen, würde er der magiebegabten Elfe nicht geben. Mit einer duzendfach geübten Bewegung zog er das Schwert aus der Halterung am Rücken und formte mit der anderen Hand eine Faust. Ein weißes Leuchten erglomm und breitete sich über den Arm auf seinen gesamten Körper aus. Dieser einfache aber wirksame Schutzschild würde jegliche Magie von ihm abhalten, sei es ein elementarer Angriffszauber oder ein geistestäuschender Fluch. Schließlich öffnete er die Faust wieder und ergriff das Langschwert beidhändig. Seine drei Kameraden blieben stehen, legten aber die Hände an die Knäufe ihrer Schwerter.
„Soso, du Magierschlampe willst uns aufhalten. Das gefällt mir. Beim Erbauer, ich bin über jede unheilige Seele froh, die ich aus dem Griff der Dämonen erlösen kann.“
Langsam aber strammen Schrittes ging er auf sie zu. Armael verfolgte von seinem Aussichtspunkt alles genau. Es verlief wie geplant. Im Geiste bereitete er das magische Siegel für den Zauber vor.
Merill widerstand dem Drang, sich hilfesuchend nach ihren Freunden umzusehen...oder auf die Stelle am Boden. Der Templer schritt weiter auf sie zu. Noch drei Schritte...zwei....einer. Dann ging alles ganz schnell. Eine der drei vergrabenen Feuerbomben explodierte unter dem Fuß des Templers. Das Feuer absorbierte sein Zauber, aber der explodierende Bombe hatte der Templer nichts entgegen zu setzen. Er wurde zur Seite geschleudert, sein rechtes Bein verwandelte sich in einen blutigen Klumpen. Metallsplitter fuhren ihm in den Unterleib. Fluchend lies der Mann das Schwert fallen und plumpste in seiner Plattenrüstung zu Boden. Während der Schmerz nur so durch seinen Körper rasen musste, kramte er hastig in seiner Gürteltasche herum. Die Templer waren von Meredith zu knallharten Soldaten ausgebildet wurden, er würde nicht die Nerven verlieren. Aber er war aus dem Kampf genommen. Nicht so die anderen drei, die reflexartig reagierten, ihre Waffen zogen und nach ihrem Templer-Schild griffen. Durch die schmale Gasse, wo die Bombe explodiert war, stürmten sie unter der Deckung ihres Schildes auf die Elfe zu. Und sahen so nicht die grün leuchtenden Symbole, die Armael ihnen direkt vor die Füße zauberte. Zwei von ihnen erfasste der lähmende Zauber, einer widerstand. Das lief ausgezeichnet.
„Varric!“
schrie Hawke zu dem Zwerg auf der anderen Seite der Schlucht. Varric hatte bereits reagiert und Bianca auf den letzten kampffähigen Templer gerichtet. Ein Bolzen fuhr im zielsicher in den linken Fuß und nagelte ihn am Boden fest. Ohne mit der Wimper zu zucken, riss er seinen Fuß mit einer kräftigen Bewegung los. Doch sein Ansturm war ins Stocken geraten. Als er wieder nach vorn über den Schild lugte, jagte die geisterhafte Gestalt seiner Jugendliebe auf ihn zu. Umgeben von einem Flammenring kreischte sie ihm entgegen.
„Du Bastard! Hast mich verlassen, um ein Templer zu werden. Und wo bist du nun? Ohne einen Orden, von Versagern umgeben, von Feinden umringt.“
Der Schreckenszauber war nur für ihn sichtbar, für alle anderen sauste lediglich ein grauer Nebelhauch auf ihn zu. Der arme Kerl, der nur aus Gruppenzwang bei der Magierhetze mitmachte, wie wohl die meisten ehemaligen Templer, lies erschrocken Waffe und Schild fallen. Genug Zeit für Varric, ihm ein miasmisches Fläschen direkt an den Schädel zu werfen. Es zersplitterte und setzte das betäubende Gas frei. Benebelt blieb der Templer stehen und versuchte sein Gleichgewicht zu halten. Immerhin war der Spuk vorbei.
Isabelas lockeres Lachen riss Hawke aus der Kampfbeobachtung.
„Aber nächstes mal darf ich wieder mitmachen.“
Missmutig blickte Hawke sie an. Diesen Spaß am Kampf würde er nie verstehen. Dennoch war Isabela nicht ohne Grund hier. Er hatte sie wegen ihrem zweifelhaften Ruf als grausame Piratin mitgenommen. Welcher natürlich nur durch die Erzählungen eines gewissen Zwerges im Umlauf war.
„Dafür darfst du sie jetzt „befragen“, meine Teuerste.“
Varric kletterte indes geschickt die Schlucht hinunter. Die beiden Menschen taten es ihm auf der anderen Seite gleich. Merril nutzte die Zeit, einen weiteren Zauber auf den verletzten Templer zu werfen, damit er vorerst keine Dummheiten machen konnte. Sein Schutzzauber war verbraucht, so war es an der Zeit für ein kleines Nickerchen.
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29.12.2011 12:53
#202
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Mythos
77) Die frohe Botschaft
Kaum dass seine Frau den Raum betreten hatte, spürte er, dass etwas ganz und gar nicht alltäglich war. So wie sie strahlte konnte es eigentlich nur Gutes verheißen, dennoch bemerkte Alistair, wie seine Frau sich taumelnd an der Wand abstützen musste. Besorgt erhob er sich aus seinem Sessel und durchquerte den Raum mit raschen Schritten.
Seine Gedanken rasten. Hatte sie etwas ausgefressen wie damals auf Schloss Cousland mit Theano? War etwas mit ihren Freunden passiert? Er konnte sich keinen Reim auf ihr Verhalten machen. Sie wirkte derart überglücklich, dass er seine Befürchtungen schon fast verärgert beiseite schob.
„Was hast du, meine Liebe?“ Er betonte vor allem die letzten beiden Worte, spürte er doch diese wohlbekannte Wärme in seinem Kopf, in seinen Händen, er war sich sogar sicher, dass seine Augen leuchten mussten wie zwei Fackeln in der Dunkelheit. Unglaublich, schoss es ihm durch den Kopf, ich bin von Anfang an völlig vernarrt in diese Frau gewesen und es hat keinen Deut nachgelassen.
Seine Augen fanden ihre, die so grün schimmerten wie zwei dunkle Smaragde. Er hätte diese überall auf der Welt wiedererkannt. Ob es nun ein strahlendes grün war, dunkel vor Zorn oder verschwommen in Trauer, er hatte es immer unglaublich schwer gefunden, seinen Blick von ihren Augen abzuwenden, sie nahmen ihn jedes Mal aufs neue gefangen. Ihre Antwort, die aus ihr hervor gesprudelt kam, riss ihn aus seinen Träumereien. „Ich erwarte einen Sohn!“
Alistair bemerkte gar nicht, wie ihm die Augen über gingen. Wie konnte das sein? Sie war eine Graue Wächterin und er war ein Grauer Wächter. Er wusste, dass Frauen in ihrer Furchtbarkeit wesentlich schwerer getroffen waren als Männer. Theano hatte ihm dies bestätigt – oder hatte sie ihm das nur weismachen wollen?
„Aber...“ war das einzige, was er mühsam hervorbrachte. Seine Erinnerungen bestätigten ihm, dass er durchaus fruchtbar war, seine Mundwinkel verzogen sich zu einer verächtlichen Grimasse, als er an Morrigan dachte – und an sein „Kind“. Doch im nächsten Augenblick hatte ihn das glückliche Strahlen seiner Gattin wieder in die Gegenwart zurückgeholt. Nichtsdestotrotz überwog seine Verwirrung. Offensichtlich meinte sie das Gesagte ernst, aber der König konnte ihr nicht folgen.
Sie musste es an seinem Blick gesehen haben, denn sie berührte ihn leicht am Unterarm und erklärte: „Zwei Mal hat ein Geist helfend in mein Leben eingegriffen. Wynne vermutete ein weiteres Mal, als sie mich im Zirkel nach meinem ... Zusammenprall mit der Mauer untersuchte. Jetzt haben wir Gewissheit.“ Sie deutete auf ihren Bauch. „Der Geist, er sie gepriesen, hat diesen Bereich von der Verderbnis gereinigt. Nur diesen Teil ...“, ihre Stimme verkam zu einem Flüstern ehe sie ganz verstummte, denn Zevran und Leliana waren neben Alistair getreten, der noch verdutzt zu begreifen versuchte, was seine Frau da sagte. Die Bardin hingegen stürzte sich auf Jaina und umarmte sie so heftig, dass die beiden gemeinsam gegen die Wand prallten – was sie nicht im Mindesten zu stören schien, quieksten sie doch glücklich während der blonde Elf grinsend die Arme um beide Frauen legte.
„Wundervolle Neuigkeit, Jaina, ich hab ja gewusst, dass ich hinreißend und wunderbar bin, aber dass du glaubst, es sei nötig, ein kleines Double von mir in die Welt zu setzen – wenn Lel das hier auch noch macht, wimmelt es bald von attraktiven Meuchlern.“
Zevrans Worte bewirkten, dass Alistair einen Stich von Eifersucht spürte, obwohl er ganz genau wusste, dass der Elf nur Scherze machte. Zu seiner Befriedigung konterte Jaina augenblicklich. „Ich kann dich beruhigen, Zevran, kein Geist würde es als nötig erachten, mich zu reinigen, nur damit ich deine Kinder empfange!“
Leliana hatte Jaina aus ihrer Umarmung entlassen und wiederholte selbiges nun bei Alistair, der sie kaum auffangen konnte, als sie sich in seine Arme warf und ihm ein herzliches „Toll! Glückwunsch!“ ins Ohr flüsterte. Gerührt erwiderte Alistair die Umarmung der Bardin.
„Moment mal, Jaina, wenn das Kind nicht von mir ist – von wem ist es dann?“ Scheinbar geschockt sah Zevran von Jaina zu Leliana und erst nach kurzem Zögern zu Alistair. „Den restlichen Anwesenden traue ich so ein Meisterstück nicht zu – oder sie sind anatomisch dazu nicht in der Lage.“ Alistair hörte erneut ein Flüstern an seinem Ohr, als Leliana ihn losließ: „Lass ihn reden. Du kennst ihn doch.“
„Andererseits hörte ich auf meinen Reisen von Leuten die glauben, dass der Heiland und Erlöser von einer Jungfrau geboren worden sei – mir fällt ihr Name nicht mehr ein. Ich hielt das immer für weit hergeholt, aber ich weiß ja, was du alles fertig bringst...!“ Zevran machte Anstalten, sich vor Jaina zu knien, als ob er ihren Segen haben wollte.
„Wie gut, dass du andere immer wieder unterschätzt, mein liebster Zevran, denn sonst wäre Jaina nicht hier, um uns diese wunderbare Neuigkeit zu überbringen!“ Energisch hakte sich die Rothaarige bei dem Assassinen unter und zog ihn, seine Proteste missachtend, mit sich aus dem Zimmer. Mit einem letzten Blick über die Schulter warf sie noch ein flüchtiges Lächeln in Richtung Alistair, dann zog sie die Tür hinter sich zu.
Der König stand immer noch an derselben Stelle und kam sich allmählich dümmlich vor. Sag irgendetwas, rief etwas in ihm, aber er fand nicht die richtigen Worte. Erst langsam begriff er, langsam verknüpfte er die Zusammenhänge und nahm tatsächlich wahr, was Jaina gesagt hatte. Sie ist schwanger. Sie trägt mein Kind aus. Unseren Thronerben!
Er drehte sich zu Jaina, die noch immer mit einem glücklichen Gesichtsausruck an der Wand lehnte und ihn abwartend und gleichzeitig freundlich ansah. Nein, nicht freundlich – liebevoll. Er spürte sich unter ihrem Blick fast dahinschmelzen und musste sich streng zur Ordnung rufen, um nicht zu stolpern, als er auf sie zutrat.
„Du bist so putzig, wenn du nachdenkst“, neckte sie ihn indes sie ihre Arme um seinen Nacken schlang. „Das ist ... wundervoll!“ sagte er endlich und das selige Lächeln unterstrich seine Worte. „Wirklich, das ... es ist ein so glücklicher Moment, jetzt und hier.“ Sein Lächeln verstärkte sich, er spürte die Wärme und Freude wie nie zuvor durch seinen Adern pulsieren. „Der glücklichste Moment meines Lebens!“ Instinktiv senkte er den Kopf während Jaina den ihren hob, die Lippenpaare trafen sich zu einem leidenschaftlichen, nicht enden wollendem Kuss, der in Alistair ungemeine Erregung erzeugte. Er wollte ganz nah bei dieser Frau sein, seiner Frau, dieses wunderbare Geschöpf, das sich nur für ihn entschieden hatte und nun den Samen ihrer gemeinsamen Liebe in sich trug. Mit einem Ruck hob Alistair Jaina hoch, umfasste ihre Oberschenkel und drückte sie und sich an die Wand hinter ihr, nahezu gierig an ihren Lippen saugend. Er spürte wie die sehnigen Beine der Cousland seine Hüfte umschlossen und ihn näher an sie pressten, während ihre Zunge seine Lippen teilte und spielerisch die seine anstupste.
Fast schon stürmisch erwiderte er die Bewegung, strich mit seiner Zunge fordernd über ihre, was ihr ein hörbares Stöhnen entlockte. Seine Hände kneteten ihre Oberschenkel und wanderten immer höher, während sie zwischen den heißen Küssen an seinem Hemd zu nesteln begann. Kaum dass sie einige Knöpfe gelöst hatte, ließ sie ihre Hände unter das Hemd tauchen, jetzt war es an Alistair wohlig aufzuseufzen, ihre kühlen Hände fuhren über seine erhitzte Haut und hinterließen kribbelnde Spuren. Er vergrub sein Gesicht in ihrer Halsbeuge, die genauso war war, wie er selbst und küsste sich ihren Hals entlang, während er seinen Griff um ihre Schenkel festigte, sie erneut hochhob und quer durch das Zimmer trug. Sie ließ nicht von ihm ab, klammerte sich an ihn und versuchte die letzten Knöpfe zu lösen. Umgestüm versetzte Alistair der angelehnten Tür zum Nebenraum einen Tritt, sodass sie aufsprang, und ließ sich, immer noch Jaina festhaltend, mit ihr auf das breite Sofa fallen. Ihr war es mittlerweile gelungen, die letzten Knöpfen von Alistairs Hemd zu öffnen, ungeduldig befreite sie ihn davon, während er blindlings die geschnürten Schleifen an ihrem Rücken entzwei riss, die das Kleid hielten. Hastig schälte Jaina sich aus dem samtenen Gewand und zog Alistair auf sich, der die Konturen ihres Oberkörpers mit der Hand nachzeichnete und sein Verlangen nach dieser wunderschönen Frau in sich brennen spürte. Er spürte ihre Hände über seinen Rücken, seine Rippen und schließlich seine Hüften fahren, den Hosenbund entlang und schließlich über die Oberschenkel tiefer wandern. Er konnte sich kaum noch über ihr halten, all sein Blut musste mittlerweile in seine Lenden geflossen sein, er spürte es pulsieren und ließ sich stöhnend neben Jaina fallen, die die Gelegenheit nutzte und ihn seiner Hose entledigte. Nun war es sie, die sich über ihn beugte, ihre langes dunkles Haar fiel in sein Gesicht, als sie ungestüm an seine Lippen drängte, und nur zu gerne gewährte er ihr wieder Einlass ...
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„Hoffentlich denkt sie sich wenigstens einen schöneren Namen aus als 'Alistair der Zweite'“, kicherte Zevran.
„Und hoffentlich weißt du, dass du dem Kind ein gutes Vorbild sein musst!“ Leliana hatte ihre roten Haare geöffnet, die ein ganzes Stück gewachsen waren, und kämmte sie sorgfältig. Die beiden hatten sich auf das Gästezimmer im Palast zurückgezogen.
„Als ob ich dann noch hier wäre. Im Moment ist es sogar noch spannend, dem Jungen beim Regieren zuzuschauen, aber ich bin mir sicher, hier wird es sehr bald langweilig werden. Spätestens wenn Jaina mit der Erziehung ihres Tölpels beschäftigt ist.“
„Was noch mehr als ein halbes Jahr dauern wird, also glaub ja nicht...“
„Ich meinte nicht das Kind!“ unterbrach Zevran die Bardin breit grinsend. Leliana konnte sich den Anflug eines Lächelns nicht verkneifen. „Wir reden noch darüber, wo wir bleiben, mein lieber Herr Elf. Vorerst wird das hier sein. Wenn dir langweilig ist, kannst du Jaina ja helfen, das Kinderzimmer einzurichten. Oder nach Highever reiten und Fergus die Nachricht überbringen.“
„Sag sowas nicht, ich ahne schon, dass wir mit dieser Aufgabe betraut werden“, brummte Zevran.
„Mit dem Kinderzimmer? Hoffentlich! Ich würde es orlaisianisch einrichten lassen, mit weichem Teppich, am besten in einem dunklen Blau gehalten ...“ „Ich meinte die Nachrichten überbringen. Ich fasse es schon fast als Beleidigung auf, dass man mich als Meuchelmörder in der Weltgeschichte herumschickt, um zu verkünden, dass die Königin von Ferelden ein Kind erwartet. Mein Status ist ohnehin schon angekratzt, aber das untergräbt doch meine restliche Würde vollkommen!“ Beleidigt verzog Zevran das Gesicht, während sich Leliana vor Lachen kaum auf dem Stuhl halten konnte. „Ist doch wahr!“ verteidigte sich der Elf aufgebracht. „Vielleicht die Nachricht, dass ich das Kind der Königin unbemerkt getötet habe, aber doch nicht sowas ... Unverschämtheit!“
Zevran fuhr fort in seinen nicht vorhandenen Bart zu grummeln, während Leliana ihn neckend aufzog und irgendwann die Kerze in ihrem Zimmer löschte.
"You were the Chosen One! It was said you would destroy the Sith, not join them! Bring balance to the Force, not leave it in darkness!" [Star Wars, The Revenge of the Sith]
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30.12.2011 13:06
#203
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Mythos
78) Langeweile
Jaina schritt durch die ihr mittlerweile vertrauten Gänge im Palast von Denerim. Sie wusste den Weg zu Wynnes Zimmer, die alte Maga hatte sich dort eingerichtet und war als Heilerin und Beraterin am Hof angestellt. Vor einiger Zeit war auch Irving angereist, um dem König und der Königin vom Fortschritt des Wiederaufbaus des Zirkels zu berichten – waren es doch diese beide gewesen, die ihm damals geholfen hatten. Irving und das Königspaar verband eine Freundschaft der besonderen Art, so wie die beiden Kämpfer den Turm von Abscheulichkeiten gesäubert hatten, so hatte Irving ohne großes zureden einen Exorzismus an einer Abtrünnigen durchführen lassen, die einen Erzdämonen in sich trug – eine Freundschaft von großem Wert und tiefgreifender Bedeutung, wie Leliana in einer ihrer Balladen zu singen pflegte.
Nun war Jaina auf dem Weg zu Wynnes Zimmer, um dort eine weitere Untersuchung über sich ergehen zu lassen. Ihr Bauch wölbte sich mittlerweile deutlich sichtbar vor ihr. So hübsch Jaina als Kämpferin gewesen war, so gesund sie gelebt hatte durch die viele Bewegung und die frische Luft, so abgemagert und eingetrocknet wirkte sie jetzt. Sie musste sich jeden Kampfhaltungen fern halten – viele Streitgespräche sowohl mit Zevran und Alistair als auch mit Wynne hatten das nicht verändern können, außerdem konnte Jaina kaum etwas bei sich behalten und wurde folglich immer dünner. Trotz ihrer scheinbar fragilen Gliedmaßen war Jaina viel zu stur um sich schwach zu fühlen, wenngleich ihre Reizbarkeit und Ungeduld merklich zugenommen hatten. Selbst Alistair wurde zuweilen unberechtigterweise angefaucht, die einzige, die Jaina dann noch zur Vernunft bringen konnte, war Leliana.
Trotz allem war der König nicht böse auf seine Frau, zumal er sah, wie sehr sie körperlich unter der Schwangerschaft litt. In einem Gespräch mit Wynne hatte er erfahren, dass die immer noch zirkulierende Verderbtheit die Schwangerschaft merklich beeinträchtigen würde – nicht das Kind, aber die Mutter während der neun Monate.
Ungeduldig klopfte Jaina an Wynnes Tür, und trat auf das „Herein“ ein. Wynne hatte sich von ihrem Schreibtisch erhoben und geleitete Jaina ans Bett. „Majes-“, ein Blick in Jainas Gesicht ließ Wynne die Anrede gerade noch umwandeln, „ähem, Jaina, Ihr seht nicht gut aus. Denkt daran, im Moment müsst ihr zwei versorgen, Euch und euren Sohn. Und jetz gerade langt es nicht mal für einen von euch beiden.“
„Ich kann nichts essen. Es kommt eh wieder raus“, murrte Jaina. „Wisst Ihr denn kein Mittel dagegen? Ich hab ehrlich gesagt keine Lust ein paar Minuten nach dem Essen wieder über irgendeinem Bottich zu hängen. Ihr müsst wissen, durch den Ball da vorne kann ich mich nicht so gut bücken und kriege immer Rückenschmerzen“, fügte sie ironisch hinzu.
„Nein, Jaina, das ist die Verderbheit. Ich kann nichts dagegen tun. Macht Euch keine Sorgen. Sobald Euer Sohn auf der Welt ist, wird es Euch gehen wie zuvor. Ihr solltet zumindest zusehen, dass Ihr ausreichend trinkt. Habt Ihr denn die drei Krüge für heute schon geschafft?“
„Wenns drei Krüge mit Wein sein dürfen mache ich es sofort und alle auf einmal. Dann spüre ich vielleicht nicht mehr, wie der Rotzbengel rumort. Wenigstens schläft er nachts und lässt mich auch schlafen.“ Langsam schien die Launenhaftigkeit von Jaina zu weichen, als sie sanft über ihren kugelrunden Bauch strich. „Ich freue mich so auf den kleinen Racker. Und wie Alistair sich erst freut.“ Tatsächlich strahlte sie schon wieder, das lächeln ließ ihre abgemagerten Züge wieder gesünder erscheinen und für einen Moment sah Wynne wieder die alte Jaina vor sich.
„Nein, keinen Alkohol. Und bleibt Zevran fern. Ich habe Angst davor, dass er Euch irgendwie ungeschickt berührt und einer von Euch Schaden nimmt.“
„Wenn er das macht, ist er der Erste der Schaden nimmt!“ grinste die Königin ganz und gar unköniglich. „Jaina!“ mahnte die Maga streng. „Ihr seid schwanger, wenn ich Euch dabei erwische, wie ihr irgendeine Kampfhandlung vollzieht, werde ich ...“ „Keine Sorge, Wynne, ich meinte auch eher, dass Zev durch Alistair Schaden nehmen wird“, unterbrach die Schwangere.
Nun musste Wynne doch ein wenig lächeln. „Na schön. Also, denkt daran, genügend trinken! Stellt Euch vor, euer Kleiner fühlt sich jetzt so, wie wir in den Tiefen Wegen – über all war es staubig und trocken und wir hatten kaum noch Wasser.“ Jaina nickte nur, plötzlich wieder etwas müde.
„Keine Sorge, es wird alles gut werden. In einem Monat ist es geschafft“, ermunterte die Maga die Königin.
„Ja. Danke,“ erwiderte Jaina tonlos, während sie sich zur Tür begab, hinaustrat und ohne eine weiteren Blick hinter sich schloss.
„Liebes, was ist denn mit dir los?“ Alistair, der in voller Montur auf dem großen Bett saß und gerade dabei war, seine eisernen Schnallen an den Stiefeln zu schließen, sah auf, als Jaina eintrat.
Die Königin sah aus wie eine abgemagerte Ratte, die eine gestohlene Melone mit sich herumschleppt. Kaum, dass sie ihren Mann sah, erhellte sich Jainas Miene etwas und sie kam auf ihn zugewatschelt, bemüht, die Arme nicht gegen den Bauch schwingen zu lassen.
„Ach, ich weiß nicht. Oder anders gesagt, ich weiß, warum ich nie Kinder wollte. Ich bin doch nun schon seit Monaten zum Nichtstun verdammt. Ihr alle übt und trainiert mit euren Waffen und Wynne meckert, sobald ich in die Nähe eines Zahnstochers kommt. Ich frage mich, ob sie mienen Bauch für eine Luftblase hält.“ Währenddessen wandte sich Jaina der Wand zu, an der zwei große Rüstungsständer standen, die mit einer schwarzen und einer silbernen Rüstung bestückt waren. Der leere dritte Rüstungsständer hatte lediglich oben auf der Spitze noch den goldenen Helm stecken.
Jaina bückte sich, um einen heruntergefallenen Lederhandschuh aufzuheben, als sie sich wieder aufrichtte stieß sie mit ihrem Bauch gegen den Rüstungsständer mit der silbernen Rüstung, der lautstark polternd zu Boden ging und die Rüstungsteile mit einem gewaltigen Scheppern im ganze Zimmer verteilte.
Alistair, der seine Stiefelschnallen endlich geschlossen hatte, lag rücklings auf dem Bett und hielt sich den Bauch vor Lachen.
Jaina drehte sich zu ihm um, warf den Lederhandschuh nach ihm und konnte sich selbst ein Grinsen nicht verkneifen. „Ich habe eben meine Propotionen nicht mehr im Griff. Mittlerweile könnte ich dich sogar im Ringkampf besiegen, weil ich das Gewicht von zweien habe“, triumphierend grinsend kam sie ans Bett, während Alistair sich halb aufrichtete, immer noch breit lächelnd. „Keine Sorge, ich bin stark genug, dich und den Kleinen aufzufangen“, grinste er und zog Jaina am Schärpengürtel zu sich und auf sich, sodass sie das Gleichgewicht verlor und auf ihr fiel. Doch geschickt fing er sie am Brustkorb auf und stützt sie so. „Siehst du?“
Lächelnd ließ Jaina sich neben ihn sinken und lehnte sich zurück. Alistair tat es ihr gleich, drehte sich auf die Seite und begann, Jainas Bauch zu streicheln, der sich wunderbar fest und warm unter dem dünnen Samtgewand anfühlte. Jaina hielt völlig still und wisperte: „Das gefällt ihm, er drückt sich gegen deine Hand“, und legte Alistairs Hand auf die besagte Stelle. „Wie sollen wir ihn denn nennen? Mir ist die ganze Zeit noch kein Name eingefallen, den ich meinem Kind guten Gewissens geben könnte. Nicht mal meinem Hund“, fügte sie kichernd hinzu.
„Woher weißt du denn so genau, dass es ein Sohn wird?“ fragte Alistair nach.
„Intuition. Und Wynne hat einen Zauber angewandt, mit dem sie in meinen Bauch gucken kann. Sagt sie. Aber der ist wohl sehr anstrengend, das hat sie bisher nur zwei Mal gemacht. Also, was meinst du?“
„Hm“, Alistair ließ sich auf den Rücken fallen. „Wir wäre es mit … Anakin? Oder Jacen?“
„Sammeln wir doch erst mal Vorschläge, und dann suchen wir aus. Ich schlage daher Joshua vor. Oder Nicolas.“
„Wenn wir Zevran fragen, schlägt er sicherlich ‚Zevran‘ vor“, brummte Alistair. „Oder Taliesen.“
Jaina lachte leise. Sie hatte sich das Namen ausdenken auch einfacher vorgestellt. Im Moment – und jedesmal wenn sie über mögliche Namen nachdachte, kam ihr ihr eigener Kopf wie leergefegt vor. Aber sie war sich sicher, dass sie gemeinsam mit Alistair sicherlich die richtige Entscheidung fällen würde.
„Lies doch mal vor, liebste Jaina“, bat Leliana, während sie ein grasgrünes Kleid anlegte, das hervorragend zu ihren leuchtend roten Haaren passte.
„In Ordnung. Aber es sind einige. Hab alle im Palast befragt.“ Jaina holte tief Luft und begann eine lange Pergamentliste vorzulesen: „Anakin, Arcadio, Adam, Barney, Bryce, Christian, Cormac, Charles, Cilian, David, Dorian, Eric, Eirin, Ethan, Edward, Henry, Ilanric, Jacen, James, Joshua, Jonathan, Kareed, Liam, Leonard, Leicester, Morin, Maurice, Matthew, Nicolas, Neil, Oren, Paul, Peran, Ronald, Sebastian, Serpin, Thomas, Theodore, Timotheus, Taliesen, Trevor, …“
„In Ordnung, das langt doch schon. Das kann sich ja kein Mensch merken. Ich mag orlasianische Namen. Deshalb finde ich Maurice gut. Matthew klingt ebenfalls verführerisch. Oder Theodore, da hat man gleich so etwas Intellektuelles vor Augen…“
„Leliana!“ stöhnte Jaina. „Das ist mein Sohn! Nicht dein nächster Geliebter. Oder Auftraggeber. Oder beides!“ „Wer weiß, wenn er nach seinem Vater schlägt …“, kicherte Leliana.
„Das habe ich gehört, Süße!“ rief Zevran, der punktgenau in diesem Moment ins Zimmer kam und die Tür hinter sich schloss. „Das ist ungerecht. Du ziehst den Sohn dieser halben Portion mir vor? Du bist so schamlos!“
Er fing Jainas Blick auf, die sich sehr gut denken konnte, wer mit der ‚halben Portion‘ gemeint war und grinste sie schelmisch an. „Verwöhnt dein Göttergatte dich auch gut? In Antiva wird Schwangeren viel Respekt entgegengebracht – zum einen weil man sich dort eher irgendwelche Krankheiten als Schwangerschaften holt, zum anderen weil das Frauen in der Blüte ihres Lebens sind. Es wurden spezielle Massagen nur für Schwangere entwickelt.“
„Ich kann mich schwerlich darüber beklagen, dass Alistair nicht die ganze Zeit am Bett sitzt und meine Hand hält, denn wenn ich schon nicht meine Pflicht ausüben kann, so muss er es zumindest tun“, brummte Jaina. „was soviel heißt wie ich langweile mich tagein, tagaus. Das Interessanteste was ich machen kann ist mir Namen für den Junior zu überlegen.“
„Sorg dich nicht, schöne Königin, sobald euer Spross auf der Welt ist, wird es mit der Langeweile schlagartig vorbei sein. Und mit stillen romantischen Nächten auch.“
„Ein Opfer, das ich gerne für mein Kind bringe“, lächelte Jaina sorglos.
Zevran sah Leliana grinsend an. „Merk dir was sie gesagt hat – das halten wir ihr vor, sobald sie sich beklagt. Was vielleicht drei Tage nach der Geburt sein dürfte.“
„Ihr schätzt mich ja großartig ein“, maulte Jaina. „Ich gehe dann mal, vielleicht ist Alistair ja freundlicher zu mir.“ Damit erhob sich Jaina vom bequemen Lehnstuhl, rollte das Pergament zusammen und ließ es im Ärmel verschwinden. Leliana wollte Jaina zurückhalten, doch diese hob nur abwehrend den Arm und verließ den Raum.
Schwangerschaft schön und gut, aber sie kam nicht damit klar, nun nutzloser Ballast zu sein, der nur durch den Palast geisterte. Nähen und Sticken hatte sie schon als Mädchen verabscheut, das überließ sie lieber den Edeldamen, die von irgendwelchen Gutshöfen an der Grenze zu Orlais oder Gwaren anscheinend den ganzen Tag mit Nadel und Faden verbrachten und das Ergebnis der Königin schickten, mit vielen guten Wünschen für den baldigen Thronerben. Jaina sehnte sich danach, wieder schlank und unabhängig zu sein. Ein Ritt auf ihrem Pferd, ein Spaziergang durch den Wald mit einem anschließenden Waldlauf, der ihr alles abverlangte – aber sie würde sich gedulden müssen. Sie hatte die Verantwortung für ihr Kind und so leidlich sie diese Schwangerschaft ertrug, so sehr freute sie sich auch auf den Kleinen.
In Gedanken versunken hatte sie den Weg zum Regierungsraum eingeschlagen. Immer wenn der Raum in ihre Sichtweite kam, erinnerte sie sich sofort an jenen Nachmittag vor wenigen Monaten, als sie Alistair die Nachricht überbracht hatte. Selten hatte sie leidenschaftlichere Tage erlebt.
Sie öffnete vorsichtig die Tür und sah Alistiar im bequemen Lehnstuhl schlafen. Zumindest hatte er die Augen geschlossen und atmete ruhig und gleichmäßig. Sie näherte sich ihm, nicht so leise wie beabsichtigt, da verhinderte der Watschelgang, den sie sich hatte angewöhnen müssen, um das zusätzliche Gewicht auszugleichen, aber er wachte nicht auf. „Alistair. Meinst du nicht, du könntest Ferelden besser regieren, wenn du wach bist?“ fragte sie ihn kichernd, während sie mit einer Hand seine Wange berührte.
Schläfrig öffnete er die Augen, erkannte sie und gähnte herzhaft. „Oh, ich muss eingenickt sein.“ Jaina nickte bestätigend. „In dem Sessel ist bisher noch jeder eingeschlafen, früher oder später.“
Alistair lachte, legte seine Hand auf ihre und küsste ihre Handfläche. „Gut, dass du mich geweckt hast. Heute Abend steht noch ein Gespräch mit Eamon aus. Er findet Theodore als Name am besten, meinte er.“
„Hm, das klingt so gebildet. Vermittelt einen falschen Eindruck, meinst du nicht?“ lächelte Jaina.
Nun musste Jaina gegen ein Gähnen ankämpfen, aber Alistair bemerkte es natürlich. „Jaina, du solltest dich hinlegen“, schlug er besorgt vor. „Ich bringe dich ins Gemach.“
Ohne auf ihre abwehrende Antwort zu hören, nahm er sie bei der Hand und führte sie aus den Regierungszimmern hin zu dem Schlafgemach des Königspaares. Er stützte sie ein wenig, sodass sie bequemer laufen konnte. Kaum, dass sie das Zimmer erreicht hatten, ließ sich Jaina erschöpft auf das Bett fallen und schloss die Augen. Alistair deckte sie sorgsam zu und drückte ihr einen Kuss auf die Wange. „Schlaf dich aus, meine Königin.“ Doch da war sie schon eingeschlafen.
"You were the Chosen One! It was said you would destroy the Sith, not join them! Bring balance to the Force, not leave it in darkness!" [Star Wars, The Revenge of the Sith]
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31.12.2011 14:18
#204
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Mythos
79) Vorboten
Es war mitten in der Nacht, als Jaina plötzlich einen siedend heißen Schmerz in ihrem Bauch wahrnahm. Nur ganz kurz, doch es reichte um sie aus dem Schlaf zu reißen. Keuchend fuhr sie auf und tastete nach ihrer gewölbten Kugel, die sich unter den zwei Decken riesenhaft ausbeulte. Sie atmete noch immer schnell, doch der Schmerz war verschwunden. Sie fühlte sich wieder völlig normal, der Mond spendete silbernes Licht, das zum Fenster hereinfiel und den Mann an ihrer Seite in ein sanftes Silber tauchte. Sie ließ ihren Blick auf Alistair ruhen, während sie sich in ihre Unmengen von Kissen zurücksinken ließ. Keine Spur mehr von dem Schmerz, den sie eben empfunden hatte. Nicht einmal mehr Rückenschmerzen waren zurückgeblieben. Wohlig kuschelte sie sich an ihren Alistair, der im Schlaf zufrieden seufzte.
Er erwachte schlagartig, als er eine Stimme neben sich wimmern hörte. Jaina wand sich im Schlaf, klammerte sich an seinen Arm und zuckte unnatürlich. Zwischendurch keuchte und schrie sie auf, dann winselte sie beinahe nur noch und schien sich zu beruhigen. Alistair gab sich alle Mühe sie sanft zu wecken, doch sie wachte nicht auf. „Hey, es ist alles gut, ich bin bei dir …“ murmelte er ihr zu, während er sich aus seiner Decke schälte, seine Frau in beide Arme nahm und sich mit ihrer Decke zudeckte. Ihr Zucken und Schreien hörte nicht auf. Vorsichtig tastete Alistair nach Jainas Bauch und zu seinem Entsetzen spürte er dort ein Pochen, fast ein Klopfen in unregelmäßigen Abständen. Es fühlte sich nicht so an, wie er es kannte, wenn der Kleine seine Mutter trat, nein, das war anders. Als ob jede Blutbahn, die sich durch Jainas Bauch zog in einem Maße pulsierte, das nicht zu übersehen war. Seine Hand erzitterte von den Stößen die ihr Bauch absandte. Er hatte seine Handfläche noch keinen Augenblick auf ihrem Bauch liegen lassen, als sie schmerzerfüllt aufschrie, sich ruckartig aufsetzte, sich ihm mit geschlossenen Augen zuwandte. Entsetzt nahm er ihren Gesichtsausdruck wahr, der in Schmerz, Wut und Hass verzerrt war, im nächsten Augenblick hörte er ein Klatschen und ein brennender Schmerz schoss durch seine Wange, während er rücklings ins Bett geworfen wurde. Er bekam es mit der Angst zu tun. Was war mit Jaina los – war es die Verderbnis in ihr? Was könnte er tun?
„Wynne!“ brüllte er heraus, das erste was ihm in den Sinn kam. Er hörte die Tür quietschen und eine Laterne erhellte den Vorderteil des Gemachs, doch er war zu sehr damit beschäftigt, Jaina festzuhalten, die mittlerweile wild um sich schlug, immer noch den Ausdruck des Wahnsinns und des Hasses auf dem Gesicht.
„Majestät, was geht hier vor? Geht es Euch gut? Was hat die Königin – sind es die Wehen?“
„Hol sofort Wynne her – und beeil dich! Ich weiß nicht was los ist, sie ist …“ Er ließ den Satz unvollendet und drückte die Arme seiner Frau auf das Bett, im Versuch ihr nicht wehzutun. Zumindest war er stärker als sie, sie hatte keine übermenschliche Kraft angenommen. Er achtete nicht auf die hastigen Schritte, die sich entfernten, beruhigend sprach er auf Jaina ein, die in ihrem Wahn gefangen zu sein schien. Nichts deutete darauf hin, dass sie ihn hörte, mal ebbten ihre Versuche, sich zu sträuben, ab, um nur mit sofortiger Wucht zurückzukehren.
Als Alistair endlich, endlich Wynnes Stimme hörte, war er schweißgebadet und hatte Jaina so unter sich bugsiert, dass er fast auf ihr lag und ihre Arme fixierte.
„Wynne, dem Erbauer sei Dank, dass Ihr endlich da seid. Jaina spinnt völlig. Sie ist nicht einmal wach, aber schlägt um sich und zuckt und zappelt.“ Er drehte den Kopf zu Wynne und nickte ihr erleichtert zu – was er in der nächsten Sekunde bereute, da Jaina seine Unachtsamkeit zu spüren schien und ihm im Aufbäumen den Ellenbogen unter das Auge schmetterte.
Alistair stöhnte schmerzgepeinigt auf und warf sich fast auf Jaina, um sie wieder in eine waagerechte Position zu bringen.
„Also wirklich, Alistair, ich wusste nicht, dass ihr auf *so etwas* steht!“ Alistair erkannte Zevrans Stimme noch bevor dieser ausgesprochen hatte, dann griffen zwei flinke Arme zu und packten Jaina an den Handgelenken. „Untersteh dich ihr wehzutun!“ fauchte Alistair, der rücklings gepackt worden war und von Jaina gezerrt wurde. Zevran schüttelte mahnend den Kopf. „Was Ihr mir alles zutraut. Nein, ich werde sie nur fesseln, ich will mich nämlich nicht von ihr verprügeln lassen“, schloss er grinsend. Er wandte sich Jaina zu, wich einem Schwinger aus, doch bekam ihre Hand nicht zu fassen. Ebenso schien sie seinen Griffen auszuweichen, bis Zevran ein verärgertes Knurren hören ließ. Mit einer plötzlichen Bewegung packte er ihren Arm und drehte ihn kurzerhand auf den Rücken. Das Knacken des Schultergelenks war überdeutlich zu hören.
Jainas Schmerzensschrei vermischte sich mit Alistairs, als er sah, wie grob Zevran mit der Königin umsprang. Eine rothaarige Gestalt sprang vor und versetzte Zevran einen Schlag zwischen die Schulterblätter, sodass er seinen Griff lockern musste und verärgert schnaubte. „Bist du verrückt, wir wollen sie festbinden, nicht sie verletzen!“ fuhr Leliana den Elfen an, der sich ein paar Schritte zurückzog, und machte sich daran, Jainas linken Arm mit dem Bettpfosten zu verschnüren. Als das geschafft war, war es ein leichtes, den rechten Arm ebenfalls einzufangen und in einer halbwegs bequemen Lage festzubinden. Nun hing Jaina in Fesseln in ihrem Bett, die Augen noch immer geschlossen und der Bauch für alle deutlich sichtbar zuckend. Wynne ließ sich sofort daneben nieder und begann mit leuchtenden Handflächen systematisch dem Bauch abzutasten. Leliana beugte sich über Jainas Gesicht und schien es mit einem Tuch von den Schweißperlen zu befreien.
Ein Blick auf seine nun wehrlose, aber in besten Händen befindliche Frau beruhigte Alistair, der jetzt herumfuhr und den zuschauenden Zevran am Kragen packte. Bevor der Elf sich wehren konnte hatte Alistair ihn mit aller Macht mit dem Rücken gegen die Wand geschmettert, tatsächlich rieselte von oben ein wenig Gestein herab. Der Assassine wimmerte voller Schmerz, versuchte aber dennoch sich zu befreien. „Du Mistkerl! Bist du vollkommen übergeschnappt?!“ herrschte Alistair ihn an, ohne seinen Griff zu lockern. Doch da war Leliana schon bei den beiden und drängte sich zwischen den König und ihren Liebhaber.
„Das reicht jetzt, Majestät!“ sagte sie streng. Alistair trat zwei Schritte zurück und holte tief Luft. Er hatte sich wieder seinen Gefühlen hingegeben. Vor lauter Sorge um Jaina hatte er völlig vergessen, dass er der König war. Ihm war bewusst, dass er den Elfen so nicht hätte angehen dürfen, und es machte ihn wütend. Nur weil er der König war, musste er zulassen, dass dieses Spitzohr sich an seiner Frau vergriff? Doch er beherrschte sich und beließ es dabei, Zevran einen drohenden Blick zuzuwerfen. Auf dem Absatz drehte er sich um und setzte sich zu Wynne, während er Leliana leise auf Zevran einreden hören konnte. „Was hat sie?“ fragte er die Magierin murmelnd.
„Die Wehen haben eingesetzt. Ich vermute, dass die Verderbtheit deswegen stärker durch ihren Körper gepumpt wird, weil die Durchblutung beschleunigt wird.“ Sie sah Alistair mitfühlend an. „Es wird schlimmer werden. Noch sind die Wehen bei weitem nicht schlimm.“
Der König sah sie völlig entsetzt an. „Ihr meint, sie muss das ertragen? Sie wird von ihrem Körper gefoltert, weil sie ein Kind bekommt? Wird sie … ich meine, ist sie …?“ Er brachte es nicht über sich, die Frage zu stellen. Er konnte einfach nicht.
Wynne hob die Schultern. „Ich denke nicht. Wie ich sie einschätze nicht. Sie ist unglaublich zäh.“ Die Maga bemerkte, dass der König keinesfalls beruhigt war. „Wenn meine Vermutung stimmt, dann bekommt Jaina das alles hier nicht mit. Ihr Körper leidet, nicht aber ihr Geist.“
Alistair nickte verstehend. „Kann ich ihr irgendwie helfen?“ „Ich denke schon. Sie nimmt die Außenwelt wahrscheinlich nur wenig wahr, aber wenn Ihr bei ihr seid, könnte ihr das helfen. Die Wehen werden sie mit der Zeit wecken, wenn sie schlimmer werden. Ich lasse eine Hebamme in den Nebenraum rufen. Wenn etwas ist, weckt mich.“
Der König nahm Wynne am Arm und bugsierte sie in seine Hälfte des Bettes. „Bitte, Wynne, bleibt hier. Ich würde es Euch und mir nie verzeihen, wenn irgendetwas daran scheitert, dass man Euch erst durch den Palast scheuchen muss.“
„Aber Majestät, das ist das Bett des Königs, ich kann nicht …“ „Es ist auch nur ein Holzgestell mit Matte obendrauf. Ich muss darauf bestehen!“ antwortete Alistair ungerührt. Wynne fügte sich widerstrebend und deckte sich langsam zu, gab einem bereitstehenden Diener noch eine Anweisung, und drehte sich dann auf die Seite während der Diener das Schlafgemach verließ.
Alistair setzte sich neben Jaina, die mittlerweile kraftlos in ihren Fesseln hing und zu schlafen schien, den Kopf auf die Schulter gelegt. Der König brachte sie in eine möglichst bequeme Position und deckte sich und seine Frau zu. Noch immer fiel Mondlicht durch das Fenster und Alistair wurde sich der Schmerzen unterhalb seines Auges bewusst. Krampfhaft schloss er die Augen und versuchte sich zu entspannen – vergeblich. Das ungewisse Schicksal seiner Frau, seines ungeborenen Sohnes ließen ihm keine Ruhe.
"You were the Chosen One! It was said you would destroy the Sith, not join them! Bring balance to the Force, not leave it in darkness!" [Star Wars, The Revenge of the Sith]
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01.01.2012 14:50
#205
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Mythos
80) Geburt
Die Nacht verging quälend langsam. Alistair schlummerte etwas, fand aber keinen richtigen Schlaf. Häufig wachte er auf, weil er glaubte, die Schreie seiner Frau zu hören, die neben ihm fast leblos zu liegen schien, der Bauch weiterhin seltsam zuckend. Der König versuchte ihr durch seine Nähe und sein Beisein Trost zu spenden, war jedoch so klug, die Kugel, die seinen Sohn beherbergte, nicht nochmals zu berühren. Nichts ließ erkennen, ob Jaina ihn bemerkte, ob sie seine Gegenwart wahrnahm.
Es wurde eine der längsten Nächte in Alistairs Leben. Ratlos ob dieser Situation wälzte er sich von einer Seite auf die andere. Warum hatte er nicht damit gerechnet, dass ihr Blut noch einmal Schwierigkeiten machen könnte? Es war doch so offensichtlich! Aber er hatte schlichtweg nicht daran gedacht. Die Neuigkeit, dass seine Frau zumindest soweit von der Verderbnis gereinigt war, als dass sie schwanger werden und das Kind austragen konnte hatten ihn so sehr überrascht, eine solche Freude in ihm ausgelöst. Sein Leben hatte längst eine überaus positive Wendung genommen. Die Zeiten des Leides waren vorbei, sein Leben im Kloster war Vergangenheit, die Verderbnis war besiegt und er nun der rechtmäßige König von Ferelden. Er hatte die vielen Toten nicht vergessen, noch immer wusste er Duncans Opfer als eines der schwersten, aber die Schuldigen waren gerichtet worden. Und schließlich hatte er inmitten der Kriegszeiten eine junge Frau kennengelernt, wie er noch keine gesehen hatte. Sie hatte sich inmitten von Männern in Ostagar durchgesetzt, die erste Sympathie, die er für sie empfunden hatte war schnell der jähen Zuneigung gewichen. Es hatte gedauert, bis er sich und ihr eingestehen konnte, dass er sich in sie verliebt hatte – sie war zu einem solch wichtigen Teil in seinem Leben geworden, der mehrmals drohte, wegzubrechen. Aber sie hatten es immer wieder geschafft, gemeinsam. Sie würden es auch diesmal gemeinsam schaffen, dessen war Alistair sich sicher. Zumindest hoffte er, dass er sich sicher sein könnte …
Warme Sonnenstrahlen weckten Alistair, die das Zimmer hell erleuchteten. Zu hell, für Alistairs Geschmack, er drehte sich auf die andere Seite und zog die Decke über den Kopf.
„Majestät, seid Ihr wach?“ hörte er eine Stimme neben sich.
„Nein, bin ich nicht“, nuschelte er schläfrig. Er spürte ein kurzes Rütteln an seiner Schulter. „Majestät, es ist bald die Mittagsstunde, Ihr solltet etwas essen und …“ „Dann mache ich jetzt meinen Mittagsschlaf“, murmelte Alistair unwirsch.
„Aber, Sire, Eure Frau …“ Die Stimme hatte den Satz nicht beendet, da warf Alistair förmlich die Decken von sich und drehte sich zu Jaina. Was war er für ein katastrophaler Ehemann, der wegen etwas Schlafmangel gleich seine schwangere Frau vergaß.
Sie lag ruhig auf dem Bett, die Hände mittlerweile nicht mehr an Bettpfosten gefesselt, sondern komplett frei neben ihrem Oberkörper auf der Matratze ruhend. Ihr Bauch pulsierte noch immer, es sah absurd aus, das straffe Schutzgewebe seltsam zuckte ohne sichtbare Aderverläufe darauf preiszugeben.
Nun trat der Diener, der zu ihm gesprochen hatte, neben ihn. „Majestät, Euer Frühstück steht dort drüben. Die Königin hat sich erst vorhin beruhigt, aber die Heilerin sagt, dass sie Wehen schlimmer werden.“
Nun fiel es Alistair wieder ein. Wo war Wynne hin? Er fragte den Diener danach, und bekam zu Antwort, dass sie einige Utensilien zur Vorbereitung der Geburt beschaffen müsse, sie wollte bald wieder da sein. Alistair akzeptierte das mit einem Nicken und kleidete sich rasch im Nebenraum an und würgte zwei Bissen vom frisch gebackenen Bot herunter, aber er hatte einfach keinen Appetit.
Der Tag verging nahezu ereignislos, Alistair blieb bei seiner Frau, behielt sie scharf im Auge, aber entweder schlief sie tief und fest, oder sie war noch immer abwesend. Wynne hatte sich zu ihm gesellt und beruhigte ihn, erzählte ihm ihre Vermutungen der Verderbtheit und gab ihm Ratschläge.
Sie blinzelte. Ihr Kopf dröhnte, ihre Lippen fühlten sich ausgetrocknet und rissig an, sie konnte kaum schlucken, so trocken war ihr Hals. Das warme Sonnenlicht fiel auf ihren Oberkörper. „Wasser“, krächzte sie in Richtung der beiden Gestalten, die sie am Rande ihres Blickfelds wahrnahm. Im nächsten Moment kam eine der beiden ihr sehr nahe und sie wich instinktiv zurück – an die Wand. „Ich bin es, Jaina. Ganz ruhig.“ Sie kannte den Klang der Stimme. Aber sie konnte ihn nicht einordnen. Angestrengt versuchte sie, ihren Blick zu schärfen und langsam nahm der Mann vor ihr deutlichere Konturen an. Er musste ihre Verwirrung bemerkt haben, denn er zog sich etwas zurück und berührte sie nicht, so als wolle er ihr keine Angst einjagen. „Erkennst du mich? Ich bins, Alistair!“ Nun erkannte Jaina ihren Mann zur Gänze und brachte ein schwaches Lächeln zustande. Sie erkannte die zweite Person als Wynne, die ihr in diesem Augenblick ein Wasserglas reichte, das Jaina gierig trank und sich noch einmal auffüllen ließ. „Ja, der Bastardprinz, ich erinnere mich“, gab sie schwach in Richtung Alistair zurück und ihre Mundwinkel zuckten kurz.
„Wie fühlst du dich? Du warst die ganze Zeit wie weggetreten und hast um dich geschlagen …“
„Ich bin müde. Und durstig. Und – aua!“ Jaina verzog das Gesicht als sie einen ziehenden Schmerz in ihrem Unterleib wahrnahm. Sie tastete vorsichtig über ihren Bauch und zuckte zusammen „Au!“ Wieder dieser ziehenden Schmerz, diesmal etwas länger anhaltend, als ob er sich dehnen würde. Wie Schuppen fiel es ihr von den Augen. „Das Kind – es …“ Jaina musste nicht zu Ende sprechen. Wynne hatte sich schon neben sie gesetzt, und aus dem Nebenraum stürzte eine ältliche Frau, die zu Jainas anderer Seite Platz nahm. In all dem Chaos stand Alistair und wirkte relativ verloren.
„Majestät, ich muss Euch bitten zu gehen. Die Geburt steht bald bevor. Wir rufen Euch, sobald Euer Sohn auf der Welt ist. Und nun, husch!“ Die Dame machte Anstalten, Alistair höflich aber bestimmt zur Türe zu geleiten, doch Jaina mischte sich ein: „Alistair, bleib bei mir!“ Mit einem Blick bat sie Wynne um Erlaubnis, die verständnisvoll nickte. Die ältliche Dame, anscheinend die Hebamme, wollte sich aber nicht so leicht geschlagen geben. „Ich kann Euer Bedürfnis nach dem König sehr gut verstehen, Majestät, aber es wäre unverantwortlich …“ „Bitte!“ rief Jaina schwach und streckte ihre Hand nach Alistair aus. Der, bisher unentschlossen von Wynne zu Jaina und zu Hebamme blickend, machte kehrt und ließ sich neben dem Kopfende nieder. Vorsichtig ergriff er Jainas Hand, die warm und feucht war. „Ich bin bei dir“, sagte er fest.
Die Hebamme schüttelte missbilligend den Kopf und wandte sich wieder Jaina zu. „Ihr müsst viel trinken Hoheit, außerdem versuchen Euch zu entspannen. Das wird jetzt in nächster Zeit etwas wehtun.“
„Etwas?“ stöhnte Jaina, von einem neuerlichen Krampf geplagt, der sich bis in ihre Beine zog. Doch gehorsam und durstig leerte sie innerhalb weniger Minuten einen ganzen Wasserkrug, in immer kürzeren Abständen von den ziehenden Schmerzen geplagt. Jedesmal, wenn sie sich durch ihren Körper zogen, in nicht enden wollenden Sekunden jede ihrer Muskeln überbelasteten, drückte sie Alistairs Hand, von der sie fürchtete, sie bald zu Mus zerquetscht zu haben. Es war ein wirrer Rhythmus, mal krümmte sie sich in Krämpfen, mal hatten sie ausreichend Verschnaufpause, um sich wieder zu erholen. Die Hebamme tauchte regelmäßig unter die Bettdecke ab, und schon kurz nachdem Jaina die Krämpfe verspürte, jauchzte die alte Frau geradezu. „Es geht bald los!“ Mit einigen trockenen Lappen trocknete sie das Bettlaken, doch Jaina fragte nicht nach, sie war viel zu sehr damit beschäftigt, die Krämpfe wegzustecken.
Sie konnte Alistairs Hilflosigkeit förmlich spüren, als er ihre Hand hielt und ihr das schweißnasse Gesicht trocknete, wenn die Krämpfe sich legten, und sie wünschte, sie könnte es ihm leichter machen. Welle um Welle der Wehen überflutete sie den ganzen Tag hindurch, in immer kürzeren Abständen und immer heftiger. Jaina wünschte sich mittlerweile nichts mehr, als dass ihr Sohn sich endlich herausbegeben würde und sie mit diesem Schmerzen verschonen könnte. Schweißüberzogen lag sie auf dem zerwühlten Bett mit geröteten Wangen und völlig ermattet, nur um von der nächsten Wehe erfasst zu werden. Sie keuchte und stöhnte, aber sie schrie nicht, kein einziges Mal. Alistair kniete die ganze Zeit bei ihr, hauchte ihr immer wieder dieselben Worte ins Ohr und tröstete sie ob ihrer Schwäche.
In den frühen Abendstunden, es war immer noch sehr hell draußen und die Sonne erleuchtete das Zimmer bis in den hintersten Winkel, stieß Jaina ein übermenschliches Fauchen aus. Alistair, alarmiert und vorbereitet, packte sie so vorsichtig es ging und hielt sie fest. Ihre Arme wollten gerade wieder unkontrolliert losschlagen und ihr ganzer Körper zitterte in Krämpfen. Die Hebamme und Wynne hatten Jainas Beine aufgestellt und fixiert, während Wynne den Bauch vorsichtig und mit glühenden Handflächen massierte, tauchte die Hebamme zwischen Jainas Beinen ab und rief Dinge wie „Ruhig durchatmen!“, „Entspannen!“, „Pressen“ hervor, und diesmal schien Jaina ansprechbar zu sein. „Hilf mir, Alistair, bitte, hilf mir!“ Noch immer drohten ihre Arme um sich zu schlagen, doch das abgemagerte Gesicht Jainas war mittlerweile leichenblass, sie spürte Tränen ihre Wangen hinunterkullern. „Ich kann nicht, es tut weh, meine Arme – sie tun nicht …“ stammelte sie weinend, von einem neuerlichen Krampf geschüttelt, der ihr den Schmerz in die Augen trieb. Alistair sah ihren schmerzgepeinigten Blick und wollte alles tun, um ihn ihr abzunehmen, aber er wusste instinktiv, dass er ihre Arme nicht loslassen durfte.
Jaina schrie auf, als sie ein Reißen in ihrem Unterleib verspürte, ohne Ankündigung, auf einmal spürte sie einen gewaltigen Druck in ihrem Bauch, sie fühlte sich als müsse sie jeden Moment platzen. Sie wand sich unter Alistairs Griff, wollte der Hebamme einen Tritt versetzen, doch die ließ sich nicht irritieren. „Los Majestät, gleich habt Ihr es geschafft! Pressen! Und noch mal! Tief einatmen und mit dem ausatmen zudrücken! Wie bei einer Kampfübung! Gleichmäßig atmen! Ihr könnt das – genau so!“
Schnaufend wie ein altes Pferd presste Jaina die Augen zusammen und spannte mit aller Kraft ihre Muskeln an – ließ wieder los, und wiederholte das Spiel. Sie konnte nicht mehr. Es war einfach zu viel. Sie hatte keine Kraft mehr. Keuchend schnappte sie nach Luft „Von wegen Kampfübung!“ schnappte sie atemlos, doch Alistair nickte ihr aufmunternd zu. „Weiter, Liebes!“
Sie sah in seine braunen Augen, die sie jedes Mal an reife Haselnüsse erinnerten, ein so wunderschöner Farbton. In den Augen sah sie Stärke und Freude, und es spornte sie an. Ihr Mann, der Vater ihres Sohnes, glaubte an sie – sie wollte dem gerecht werden – sie würde dem gerecht werden. Sie ignorierte die Wehen, die mittlerweile im Sekundentakt ihre Muskeln malträtierten und fokussierte sich nur darauf, ihren Sohn aus seiner Höhle zu pressen. Sie wusste nicht, wie lange sie so unter spitzen Schmerzensschreien ihre Muskeln anspannte, entspannte und wieder anspannte, wie lange sie das Geplapper der Hebamme ertragen hatte. Mittlerweile hochrot im Gesicht stieß sie stoßweise die angehaltene Luft hervor und ihr entkam ein gewaltiger Schrei – der sich mit einem zweiten vermischte.
Jaina ließ sich in ihr Kissen fallen, der Druck war auf einmal verschwunden, ihre Lenden schmerzten, als hätte sie versucht, sich auf einem heißen Felsen aufzuspießen – nein, eher so als ob es ihr gelungen wäre, sich auf einem heißen Felsen aufzuspießen. Sie nahm das Geschrei des kleinen Kindes wahr und eine Freude strömte durch ihren Körper, sie hörte die Hebamme jauchzen und Alistair lachen, Wynne sprach beruhigend auf irgendjemanden ein – wahrscheinlich auf sie.
Jaina hob einen Arm, was ihr nur zur Hälfte gelang, doch sofort war Alistair neben und über ihr, ergriff mit beiden Händen ihre Gesicht, das sich heiß und geschwollen anfühlte. Noch immer rannen Tränen daran herab und hinterließen feuchte Spuren. Jaina brachte ein fragiles Lächeln zustande, ihre Muskeln gehorchten ihr kaum noch, sie war völlig erschöpft. Als hätte er ihren Wunsch erraten, beugte sich Alistair zu ihr herab und küsste sie sanft auf den Mund. Dann erhob er sich, nahm der Hebamme das Kind aus den Armen und zeigte es Jaina. Die setzte sich mühsam auf und lehnte sich an der Wand hinter sich an. Der König legte ihr einen Säugling in die Arme, er war in ein dicken Leinentuch gewickelt, nur die Fingerspitzen und das winzige Gesicht gucken heraus. Jainas wickelte ihn kurzerhand aus dem Tuch, und betastete jede Faser des Babykörpers glückselig strahlend. Der Kleine seufzte zufrieden und Jaina bedeckte ihn erneut mit dem Leinen. Voller Freude drückte sie ihren Sohn an sich und spürte, wie sich ein Arm um ihre Schulter legte. Sie blickte in Alistairs ebenso glückliches Gesicht, als er seinem Sohn mit einem Finger über die Wange fuhr. Das Kind hatte dunkelblaue Augen, die verschwommen schienen und war über und über mit einer gelblichen Schmiere bedeckt. Jaina ließ sich ein Becken mit warmen Wasser bringen und gemeinsam mit Alistair wuschen die stolzen Eltern ihren Sohn.
Als die Sonne ihre letzten Strahlen durch das Fenster schickte und somit allem einen orangenen Glanz verlieh, legte sich Jaina in einem blütenweißen Nachthemd auf ihr frisches Bett, das Kind, nun sauber und duftend, war ebenfalls in ein weißes, kleines Gewand gehüllt worden und ruhte in Jainas Armen, die kaum mehr aufhören konnte zu lächeln.
Der König, ebenfalls frisch gemacht und für die Nacht gekleidet, setzte sich neben seine Frau und sein Kind. „Wie nennen wir ihn nun?“
„Ich weiß es nicht. Wir wäre es, wenn jeder einen Namen vorschlägt, und so hat er dann zwei Vornamen? Und kann sich den aussuchen, der ihm am besten gefällt. Ich weiß, dass Fergus und Oriana es so gemacht haben.“
Alistair nickte. „Einverstanden. Dann schlage ich ‚Theodore‘ vor.“ „Und ich ‚Ethan‘.“
Alistair beugte sich über das winzige Kind und strich vorsichtig über seinen mit Flaum bedeckten Kopf. „Ethan Theodore Theirin. Ich hoffe, du hast meine Vorliebe für Käse geerbt.“
Jaina lachte leise und schmiegte sich glücklich an ihren Mann. Sie hatte tatsächlich einen gesunden Sohn bekommen. Wynne hatte keinerlei Verderbnis in ihm feststellen können – was ein Segen war. Erschöpft legte sie den kleinen Ethan Theodore in seine Wiege, wo er selig weiterschlummerte und kuschelte sich an ihren Gemahl. „Danke dir, für alles“, flüsterte sie ihm zu und presste ihre Lippen auf seine, die den Kuss erwiderten.
Jaina konnte das leise Lachen Alistairs mehr erahnen als hören, und sie wusste genau was er dachte – dasselbe wie sie: Meine Familie.
"You were the Chosen One! It was said you would destroy the Sith, not join them! Bring balance to the Force, not leave it in darkness!" [Star Wars, The Revenge of the Sith]
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25.01.2012 13:55
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Dunkle Brut
#206
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Columna
Teil 8
Verdammt! Was sollte das heißen? Wer war dieser Crispin? Und warum wollte er sie töten? Rache wofür? Was hatte ihr Ziehvater getan? Nun, er hatte schon einige getötet in seiner bisherigen Laufbahn. Bestimmt war darunter auch Jemand, der diesem ominösen Crispin nahe stand. Aber wer war das nächste Opfer? Hatte ihr Ziehvater bei diesem Auftrag Hilfe gehabt? Egal, was war, aber vermutlich war es nun an der Zeit, nach Hause zu kehren. Denerim… Jahre war es her und eigentlich hatte sie gehofft, nie wieder zurück zu kehren…
Aus den Gedanken zurückkehrend, stellte sie fest, wie eben die Sonne aufging und so erhob sie sich, ging zu Faren, den sie weckte. „Aufstehen! Wir müssen los!“ Faren grummelte vor sich hin. „Ach übrigens, unsere Pläne haben sich geändert, wir reisen nach Denerim“, fügte sie noch an. Bei diesen Worten öffnete Faren schlagartig die Augen und setzte sich auf: „Denerim? Hab ich was verpasst?“ Er blickte sie verwirrt an. „Und was ist mit Zevran? Wollten wir nicht zu ihm?“ Shi’nayne schüttelte den Kopf und sprach: „Ihm geht’s gut. Die Templer und der verräterische Shemlen waren nicht hinter ihm her sondern hinter mir. Daher vermute ich, dass er noch lebt. Aber wir müssen dennoch erst nach Treviso, dort wartet ein Schiff auf mich.“ Shi’nayne lachte fröhlich. Faren schüttelte nur den Kopf, denn jetzt war er verwirrter als zuvor. Doch er fragte nicht. Während Shi’nayne leise vor sich hin summend das Frühstück bereitete, packte Faren ihre Sachen zusammen. Nachdem sie die Mahlzeit verspeist hatten, begaben sie sich wieder auf den Weg. Zwei weitere Tage vergingen ohne Zwischenfälle, doch am dritten Tage stießen sie plötzlich auf einen Trupp Dunkle Brut.
Verflixt! Wo kamen die plötzlich her? dachte Shi’nayne. Sie gab Faren ein Zeichen, inne zu halten und leise zu sein, dann zählte sie die Dunkle Brut. Auf zwölf kam sie. So ein Mist, das waren eindeutig einige zu viel. Doch halt, was war das? Dort, unter der dunklen Brut, sah sie eine junge Frau, die ängstlich aussah. Jetzt konnte sie sich nicht einfach abwenden. Schon oft hatte sie sich dumme Sprüche anhören müssen, weil sie den Armen und Schwachen geholfen hatte. Aber so war sie einfach, egal, wie viele sie schon getötet hatte, sobald Jemand ernsthaft in Nöten war, konnte sie sich nicht einfach abwenden. So wies sie Faren an, einen Bogen um die Gruppe zu machen und von hinten anzugreifen. Leise zog sie ihre Schwerter, verhüllte sich in einen Nebel und schlich sich an die Gruppe heran. Als sie nah genug an dem ersten Gegner, ein Hurlock, war, verpasste sie ihm einen Tritt, der ihn betäubte, dann schlug sie mit beiden Schwertern gleichzeitig zu und hieb ihm den Kopf ab. Blut spritzte aus der Wunde, verteilte sich auch auf ihrem Gesicht. Der Nebel verschwand und sie war wieder voll zu sehen. Gleich danach wandte sie sich dem nächsten Gegner zu. Aus den Augenwinkeln sah sie, dass nun auch Faren mit einem Wutschrei zwischen die Gegner fuhr, mit beiden Händen den Holzgriff seiner Axt umklammerte und sie im Kreis durch die Massen schwang. Shi’nayne wurde durch einen Lichtblitz abgelenkt. Verdammt, was war das? Plötzlich fluchte sie auf. Ein Genlock hatte sie mit einem Schwert am Arm erwischt. Die Wunde brannte. Sie mußte die Waffe fallen lassen und so kämpfte sie einhändig weiter. Inzwischen war sie der jungen Frau ein Stück näher gekommen.
„He, Ihr da! Wir sind hier, um Euch zu helfen!“, rief sie über den Kampfeslärm der jungen Frau zu. Sie wollte ihr Mut machen. Die Frau war merkwürdig gekleidet. Um die Brüste hatte sie einen dunkelgrünen Stoff geschlungen und um die Hüften hatte sie einen Stoff in derselben Farbe geschlungen. Um ihren Hals waren Lederstreifen gewickelt, daran war ein Anhänger. Waren das Fangzähne?!? Ihr Körper war tätowiert. Sie hatte rabenschwarze Haare und ihre Haut war dunkler als die Shi’naynes. Gerade noch wehrte sie den nächsten Angriff ab, als die Frau zu Boden ging. Sie sah, wie sich die Lippen der Frau bewegten, dann schaute sie zu dem Hurlock auf, der grinsend über ihr stand und gerade zum Todesstoß ansetzte. Shi’nayne erstarrte, als sie den Blick der Frau sah. Ihre Augen waren ganz schwarz, Blut floss aus einer Schnittwunde im Gesicht und ein eiskaltes Lächeln umspielte ihre Lippen. Plötzlich schossen Schmerzensschreie aus den Mündern mehrerer Gestalten der Dunklen Brut, die um die Frau herum standen. Blut sprudelte aus ihren Körpern, aus Wunden, die wie aus dem Nichts aufgetaucht waren. Schnell schüttelte Shi’nayne die Erstarrung ab, dann rannte sie auf die Gegner zu und gab ihnen den Rest. Dann griff sie in ihren Beutel am Gürtel und zog ein kleines Fläschchen heraus, welches sie in eine weitere Gruppe von Dunkler Brut warf. Es explodierte und heraus spritzte eine grüne Flüssigkeit, die ätzende Wunden verursachte. Gerade wollte Shi’nayne sich dem nächsten Gegner zuwenden, als sie merkte, wie sie immer schwächer wurde. Ihr wurde schwindlig, alles drehte sich. Den Kopf schüttelnd hoffte sie, wieder klar zu werden, doch dadurch wurde alles nur noch schlimmer. Langsam drehte sie den Kopf zu der Frau, die inzwischen wieder hochaufgerichtet dastand, so als wäre sie nie verwundet worden. Entsetzen weitete sich in Shi’nayne, dann umfing sie eine erlösende Schwärze und sie sank zu Boden.
Faren blickte auf, als seine Ohren einen Kriegsschrei vernahmen. Er fluchte laut, denn hinter einem Hügel tauchten weitere Dunkle Brut auf. Es waren einfach zu viele, sie sollten nun lieber fliehen. „Shi’nayne, wir müssen…“ Faren brach ab, denn er hatte Shi’nayne entdeckt, die unweit der Hexe auf dem Boden lag, bleich wie der Tod. Es musste eine Hexe sein, denn wie konnte man es anders erklären, was sie gerade tat? Blut rann aus den Mundwinkel Shi’naynes, ebenso aus der Nase und sogar den Augen. Es sammelte sich in einem kleinen Fluss am Boden, welcher auf die Hexe zufloss, an ihrem Körper hochkroch und in einer Wunde am Handgelenk verschwand. Faren brüllte wütend auf, dann raste er blind vor Zorn auf die Hexe zu. Mit seiner Axt fest im Griff, metzelte er sich durch die Menge, dann drehte er sie um und schlug mit dem Griff die Hexe nieder. Er betete zum Erbauer, dass er den Zauber durchbrochen hätte, doch noch floss das Blut. Er befestigte seine Axt an den Gurten auf seinem Rücken, anschließend warf er sich Shi’nayne über die Schulter, griff noch nach ihrem Schwert und wehrte noch einen der Brut ab. Nur mühsam gelang ihm die Flucht, zum Glück war Shi’nayne nicht viel größer als er und dazu noch ein Fliegengewicht. Verzweifelt wehrte er die Gegner ab, griff in Shi’naynes Beutel, zog ein Fläschchen heraus und nach einem kurzen Blick darauf, warf er es hinter sich. Er hatte Glück gehabt, es war eine Rauchbombe, deren Fläschchen klirrend zerbrach, als es auf den Boden schellte. Beißender Rauch stieg auf, der die Brut husten und keuchen ließ. Nicht wenige gingen zu Boden, die Hände an die Kehle gelegt und um Luft ringend. Nur die, die eh schon durch den Kampf schwerst verletzt waren, starben auch. Es waren nicht viele, doch es reichte aus, um einen guten Vorsprung zu erhalten.
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29.01.2012 19:05
#207
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Mythos
81) Traditionen I
Wochen und Monate des Glücks und der Freude waren vergangen. Ethan Theodore wuchs beständig und machte seine Eltern glückselig. Mit dem Ende der Schwangerschaft war Jaina wieder die fröhliche und humorvolle junge Frau geworden, die sie davor gewesen war. Das Königspaar und auch Ferelden blühten regelrecht auf. Jeder, der den König mit seiner Frau und seinem Sohn sah, war überzeugt, was für eine gute Verbindung die Heirat gewesen war, selbst der Begriff „Liebeshochzeit“ war hin und wieder zu hören.
Leliana nahm sich des kleinen Ethan Theodore an, wenn Jaina und Alistair dringenden Regierungsbesuchen nachgehen mussten, auch Wynnes Herz ging beim Anblick des Kleinen auf. Selbst Zevran, der anfangs abfällig geschnaubt hatte, als er das Kind halten sollte, setzte sich mehr und mehr mit dem Thronfolger auseinander und schien ihn lieb zu gewinnen – was er jedoch niemals zugegeben hätte.
Sein und Lelianas Aufenthalt im Palast von Denerim war ihm mittlerweile willkommen, hatte er sich doch an den Luxus gewöhnt und konnte sich jederzeit die Freizeit nehmen, durch die Hauptstadt und deren dunkelste Winkel zu spazieren.
An einem düsteren Tag mitten im Winter spielte Zevran im großen Kaminzimmer mit Ethan Theodore, Wynne saß strickend in einem großen Ohrensessel (sie hatte ebenso wie viele Adelsfrauen aus Ferelden zum Kleidersortiment des Kindes beigetragen) und warf hin und wieder einen wachsamen Blick auf den Assassinen.
Der hatte den Kleinen in seinen Schoß gesetzt und bastelte aus einem Leinentuch einen Schultergurt, den er Ethan über Schulter und Bauch legte. „Wenn du mal groß bist, schenke ich dir einen richtigen Gurt. In dem kannst du dann Wurfmesser, Wurfsterne, kleine vergiftete Pfeile und lauter nützliche Sachen aufbewahren“, erzählte der Elf dem Kleinen ernst. Ethan quittierte das mit einem zufriedenen Glucksen und reckte die Hand in Richtung Zevrans Gesicht.
Wynne schüttelte ungläubig dem Kopf. „Zevran, was erzählt Ihr dem Jungen da für Geschichten. Er wird einmal ein König, kein Meuchelmörder!“
„Na und? Heutzutage kann man doch alles kombinieren. Ihr seid auch eine Maga und strickt, als hinge Euer Leben davon ab“, erwiderte Zevran grinsend.
„Das ist auch etwas vollkommen anderes. Ich bin sicher, seine Majestät würde es nicht schätzen, wenn er wüsste, dass Ihr seinem Sohn in derart jungem Alter schon von Wurfmessern und... und Pfeilen und so etwas erzählt. Und ich muss ihm zustimmen, ...“ fuhr sie etwas heftiger fort, wurde jedoch von dem Elfen unterbrochen.
„Alistair könnte ein Wurfmesser nicht von einem Pfeil unterscheiden – nicht mal dann wenn es in seiner Schulter steckt. Ethan ist ein Junge. Früher oder später wird er mit so etwas in Berührung kommen – sei denn, sein Vater ist so dämlich und steckt ihn ebenfalls ins Kloster.“
„Das würde Jaina nie zulassen“, schallte es von der sich öffnenden Tür her, durch die Leliana hereintrat, die mittlerweile überschulterlangen Haare in einem geflochtenen Zopf zusammengefasst. Sie warf den beiden Männern einen liebevollen Blick zu und stellte sich mit ausgestreckten Händen an das warme Kaminfeuer. Die weißen Flocken in ihrem knallroten Haar schmolzen langsam dahin.
„Irgendwie erleichtert mich das“, kicherte Zevran, der den kleinen Ethan hochhob und mit ausgestreckten Armen über sein Gesicht hielt. Jainas Sohn versuchte immer noch leise schmatzend, Zevrans Gesicht zu berühren, doch der Meuchler hielt ihn außerhalb der Reichweite.
„Stell dir noch so einen prüden Sexkrüppel vor, wie will sich da die Linie Theirin erhalten?“
„Zevran!“ rief Wynne entsetzt und blickte schnell zur geschlossenen Tür und dann zu Leliana, die zwischen Lachen und Schimpfen schwankte. „Naja, Jaina hat ihm ja anscheinend genügend beigebracht.“ Sie nickte in Richtung des kleinen Ethan während sie sich mit dem Rücken zum Feuer drehte.
„Also wirklich, Leliana, ich hätte Euch mehr Feingefühl zugetraut!“ mahnte Wynne energisch. „Ich bin sicher, dass das Kind eine fundierte und solide Ausbildung erhalten wird und somit keinerlei Bedenken für die Zukunft unter seiner Herrschaft gerechtfertigt wären. Jeder von uns kann dem Jungen etwas beibringen.“
„Ah, dann übernehmt Ihr das mit der Aufklärung?“ vollkommen ernst sah Zevran die alte Maga an, deren etwas faltige Haut nun ein leichtes Rot überzog. Ein lautes Kreischen von Ethan durchbrach die peinliche Stille, denn der Thronerbe hatte anscheinend genug davon, Zevrans Gesicht nicht erreichen zu können und streckte sehnsüchtig die kurzen Arme nach Wynne aus, die sich aus ihrem Sessel erhob, das Strickzeug beiseitelegte, Zevran mit einem strengen, schon fast bösen, Blick das Kind abnahm und sich mit diesem in den Ohrensessel setzte. Kaum hatte sie sich Ethan zugewandt, war all ihre Strenge aus ihrem Gesicht verschwunden und eine mütterliche Güte zeigte sich in ihren Zügen. Sanft und gekonnt wiegte sie das Kleinkind, das leise quieksend in ihren Armen lag.
„Oma Wynne“, lächelte Leliana. „Und alt dazu“, bemerkte Zevran sardonisch. Zwei Augenpaare schossen tötende Blicke auf ihn ab, und Leliana setzte sich neben ihren Freund, zwang ihn, sie anzusehen und hielt ihm die Nase zu.
„Du bist ein Ekel. Unhöflich, undiszipliniert, zweideutig vor Kindern, ...“
„Kurz, all das was du so sehr an Männern liebst“, unterbrach Zevran und gab ihr einen schmatzenden Kuss auf die Lippen.
Zur selben Zeit verabschiedeten Jaina und Alistair Arl Wulff, der den räuberischen Übergriffen auf sein Land nichts mehr entgegenzusetzen hatte. Das Königspaar hatte versprochen, ihre besten Leute zur Bewachung zu senden und Wulff hatte sich damit zufriedengegeben, wusste er doch genau, was Jaina und ihre Kameraden alles Mögliche und Unmögliche geschafft hatten.
Mit einer tiefen Verbeugung verließ der Arl, von einem Diener begleitet, die Regierungsgemächer.
Kaum war die Tür zugefallen lehnte sich Jaina an den polierten Holzschreibtisch, und der König streckte gähnend die Beine unter dem Tisch aus. Dunkle Augenringe zierten beider Gesichter, aber das tat ihrer Fröhlichkeit keinen Abbruch.
„Das war der letzte für heute,“ seufzte Jaina erleichtert. „Mhm,“ war das Einzige, was Alistair als Erwiderung brummte. Jaina erhob sich und ging mit rauschendem Gewand um den Tisch herum. Sie trug ein samtenes Kleid in weinrot, das der Kälte draußen trotzen konnte, ganz nach ihrem Geschmack fast ohne Ausschnitt und Verzierungen, einzig eine schmale goldene Schärpe zog sich um ihre schlanke Taille.
Ihr Gemahl trug ein seidenes Hemd in dunklem Rotton, ebenfalls mit goldenen Verschnörkelungen darauf, dazu eine braune, samtene Hose. Liebevoll beugte die Cousland sich über ihn, ihr weiches Haar fiel ihm auf die Schulter. „Du siehst müde aus, mein König.“ Alistair schlang seine Arme um Jaina und zog sie so auf seinen Schoß. Genießerisch schmiegte er seinen Kopf an ihren Oberkörper. „Irgendjemand hat mich die letzten Nächte mit seinem Geschrei wachgehalten.“
„Stell dir vor, es wäre ein Erzdämon geworden, der hätte noch viel mehr Lärm gemacht,“ lachte Jaina.
„Und er würde nicht in die Wiege passen“, fügte Alistair lachend hinzu. Doch sein Lächeln wich schnell einer ernsten Miene. „Ich kann dir gar nicht sagen, wie froh ich bin, dass alles so gut gelaufen ist.“ Anscheinend etwas unbehaglich wich er Jainas Blick aus. „Ein gesundes Kind, ein kleiner Sohn, es ist der beste Anfang den wir uns wünschen konnten.“
Jaina schenkte ihm ein frohes Lächeln und wandte sich in Richtung Tür. „Ich gehe mal nach dem Frechdachs sehen – und nach Ethan.“ Lachend nickte Alistair ihr zu und während sie den Raum verließ, bekam sie mit, wie er seine Schreibtischschublade öffnete, das Rascheln von Pergament drang an ihr Ohr, als sie die Türe leise schloss.
Leichtfüßig schritt die Königin durch die Gänge hin zum Kaminzimmer. Im Winter war es der liebste Aufenthaltsort fast aller Palastbewohner. Mit einem verschmitzten Gesichtsausdruck dachte sie an Wynne, die sicherlich in ihrem Ohrensessel saß, an Leliana, die es sich auf dem dicken Teppich im Schneidersitz bequem gemacht hatte und mit Ethan spielte, indem sie ihn auf seine zwei noch sehr wackeligen Beine stellte, ohne ihn loszulassen. Jaina näherte sich der geschlossenen Türe immer weiter, mittlerweile mit einem sichtbaren Grinsen auf dem Gesicht, als sie sich vorstellte, wie wohl der blonde Elf dort drinnen sitzen würde. Tatsächlich was es seine Stimme, die sie durch das Holz vernehmen konnte:
„...wie sie wohl ein Mädchen genannt hätten. Theodora? Das klingt ja gräßlich!“
Wie auf Kommando stieß Ethan einen anscheinend empörten kleinen Schrei aus, sodass Jaina sich ein Lachen verbeissen musste. Ihre Hand griff nach der Türklinke …
„Seien wir froh, dass es kein Mädchen ist. Das ist bei weitem einfacher und weniger mit Hochverratsanschuldigungen belastet als ein Junge“, hörte sie Lelianas klare Stimme. Sie hielt inne – ihre Hand schwebte nur weniger Fingerbreit über der eisernen Klinke.
„Leliana, Ihr übertreibt! Es wurde noch nie eine Königin des Hochverrats angeklagt, nur weil sie eine Tochter gebar, soweit ich mich erinnern kann!“ Wynnes ruhige, melodische Stimme hatte sich eingemischt, und sofort war Zevran wieder zu hören.
„Da heißt, das war ungefähr seit der Bevölkerung der schwarzen Stadt nicht mehr der Fall, wenn ich euer Alter richtig einschätze, Wynne. Darauf können wir uns verlassen, Lel.“ Ein unterdrücktes Lachen war zu hören und selbst Jaina konnte sich schon wieder eines Grinsens nicht erwehren. Dieser Elf!
„Nun Zevran, wenn Ihr so scharf darauf sein – seht mich nicht so an! - dann könnt Ihr ja Jaina die Problematik einer erstgeborenen Tochter erklären. Und hernach beweisen, wie schnell ihr laufen könnt ...“ konterte Wynne beinahe honigsüß.
„Als ob sie das nicht wüsste. Sie hat einen älteren Bruder. Und sie kann soweit denken, als dass sie weiß, wer Teyrn von Highever ist.“
Jainas Fröhlichkeit war mit einem Schlag abgeflaut und zurück blieb eine bittere Leere. Wie hatte sie nicht daran denken können? Ein Sohn war sozusagen das Wichtigste, was eine Königin zu besorgen hatte – und zwar besser früher als später. Auch unter Teyrns und Arls galten diese Regeln. Langsam wich sie von der Türe zurück, als hätte diese sie angeknurrt.
Sie müsste sich gar keine Sorgen machen, denn sie hatte einen Sohn bekommen, doch ihr Sinn für Gerechtigkeit trieb sie zurück in das Regierungszimmer, aus dem sie vorhin gekommen war. Den Weg dahin legte sie wie in einem bösen Traum zurück, jeder Gedanke bei den Konsequenzen irgendwelcher „Was wäre, wenn …?“
Ungeduldig klopfte sie an die Tür und trat ein.
Alistair sah von seinem mittlerweile mit Pergamenten beladenem Schreibtisch auf. „Und, ist er brav?“ Kaum, dass er Jainas Gesicht sah, fügte er mit bedrohlichem Unterton hinzu: „Hat Zevran etwas angestellt?“ und war so schnell auf den Beinen und um den Schreibtisch herum, wie sonst selten. Aufmerksam und eindringlich sah er Jaina an.
Diese erwiderte seinen Blick bestimmt. „Du weißt von diesem Marionettenspiel um unseren Sohn, oder nicht?“ Alistairs Gesichtszüge drohten nicht, wie früher, zu entgleisen, sondern verdüsterten sich. „Also? War es dir klar? Ist dir klar, dass dein Sohn mehr wert ist, als eine Tochter es je sein könnte?“ bohrte sie energisch nach, ohne Alistair aus den Augen zu lassen.
Dieser seufzte und wandte den Blick unbehaglich ab.
„Was soll ich sagen …, ja ich wusste es. Aber es ist doch alles in Ordnung. Wir haben einen Sohn und Ethan ...“ Er unterbrach sich und strich seiner Gattin vorsichtig über die Wange.
„Sieh mal Jaina, natürlich ist es schwachsinnig nur einen Jungen aus diesem Grund haben zu wollen, aber irgendwo kann ich es ein klein wenig nachvollziehen. Ein junger Mann wird viel eher eine adelige Frau heiraten können und mit ihr Kinder zeugen als anders herum.“ Seine Worte klangen jedoch nicht überzeugt.
„Na klar doch! Das hat dir ja auch wirklich geholfen, dass du ein Mann warst!“ erwiderte Jaina höhnisch. „Und gleich so viele Bewerberinnen zur Stelle gewesen wären. Anora zum Beispiel.“
Alistair seufzte. „Erinnere mich nicht daran. Ja, in Ordnung, diese … sagen wir, Tradition ist veraltet und seltsam, aber nichtsdestotrotz gängig.“
„Das sehe ich“, gab Jaina trocken zurück. „Kriege ich wenigstens die Lorbeeren dafür, dass ich alles richtig gemacht habe und ein Junge rausgekommen ist?“ fügte sie bissig hinzu.
„Jaina, sei nicht ungerecht. Ich habe das nicht erfunden.“ Vorwurfsvoll blickte Alistair seine Frau an. „Und du weißt genauso gut wie ich, dass ich unseren Jungen liebe – und eine Tochter ebenso lieben würde. Aber so ist es eben einfacher, mit dem Adel und überhaupt ...“
Bis zu seinem letzten Satz hatte Jaina besänftigt ausgesehen, aber kaum hatte er jenen angefangen, schien er zu merken, dass er es besser nicht getan hätte.
„Schön! Dann führ ihm dem Landthing doch wie einen orlaisianischen Zuchthund vor! Sie werden begeistert sein!“ Sie holte tief Luft, sie wusste genau, dass Alistair nichts für ihren Unmut konnte und sie schämte sich dafür, ihm hier eine solche Szene zu machen. Gleichzeitig aber hatte sie auch ein persönliches Motiv, des erklärte, warum sie diese Tradition so ungemein anwiderte.
„Sieh mal, ich bin das zweite Kind von Bryce Cousland. Nie und nimmer wäre mir diesselbe Liebe zuteil geworden, wenn ich die Erstgeborene gewesen wäre. Ich war glücklich mit meinem Los, und ich konnte es sein. Aber es ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit, dass ich unglücklich hätte sein müssen, weil meine Eltern mich nicht an erster Stelle gewollt hätten.“ Etwas leiser fuhr sie fort: „Fergus war immer der zukünftige Teyrn von Highever. Immer. Ich beneide ihn weiß der Erbauer nicht darum. Aber allein die Tatsache, dass auf andere Weise ich nicht so geliebt worden wäre, verleiht dieser Tradition, wie du sie nennst, einen schalen Beigeschmack.“
Nachdenklich fuhr sich die Cousland durch die schwarzen Haare. Alistair erhob sich nun auch und drückte Jaina einen Kuss auf die Stirn. „Es gibt vieles, was in dieser Welt schwachsinnig erscheint. Wenn wir es nicht bessern können, bleibt uns nur die Hoffnung auf die Generationen nach uns. Und das Schöne ist doch, dass du und Fergus euch trotzdem wunderbar versteht.“ Kurz pausierte er, dann fuhr er vorsichtig fort: „Aber was du sagtest entspricht prinzipiell dem, was ich – was wir tun müssen. Ethan muss dem Lanthing offiziell vorstellt werden. Eamon sagte mir, am besten sei es, wenn er etwas größer sei und man sicher sein könne, dass er überlebt ...“ Reflexartig packte Alistair die Arme seiner Frau, deren Hände sich zu Fäusten geballt hatten. „Lass mich los, Alistair. Ich will sofort mit Eamon reden!“ knirschte sie gereizt.
Sie ließ ihre Wut auf diese ganzen Adelsregeln deutlich durch ihre Augen scheinen. Schon lange hatte sie sich beherrschen und Ruhe geben müssen, eine vernünftige Frau werden – was ihr immer besser gelang. Nur noch ganz selten überwältigten sie ihre Gefühle so sehr, dass sie völlig unbedacht handelte. Dass genau jetzt so ein Zeitpunkt war, merkte sie nicht einmal – dafür aber Alistair, der sie mahnen und liebevoll zugleich ansah. „Meine Schöne, der arme Eamon würde sich von deinem Ausbruch nie erholen.“ Er lockerte den Griff um keinen Zentimeter.
„Findest du es etwa gut, dass sie unser Kind wie einen nützlichen Gegenstand anschauen?! Mal sehen wie gut er wächst und wie stark er wird, und dann könnte er möglicherweise ein guter König sein?! Wenn nicht, dann finden wir schon einen Weg ihn abzusetzen? Findest du das gut?!“, wiederholte sie ärgerlich.
„Nein. Aber so ist es nun mal.“
„ 'So ist es nun mal'? Hast du gar nichts gelernt? Es war auch so, dass Eamon zum Sterben verdammt war – und wir haben ihn gerettet. Oder Zevran sollte mich umbringen – und nun ist er hier. Dinge kann man ändern! Du solltest das doch am besten wissen! Und jetzt lass mich los!“ Wütend versuchte Jaina sich aus Alistairs Griff zu winden, doch er schlang einen Arm um sie und drückte sie an sich. Er spürte ihr Herz durch den Stoff aufgeregt pochen.
„Du hast ja Recht. Aber nun beruhige dich, bitte.“ Er spürte Jaina an seinem Körper tief durchatmen, einmal, zweimal.
„Lass mich vor dem Landthing sprechen“, bat sie dann mit fester Stimme, aus der sie alle aufwühlenden Gefühle verbannt hat. „Bitte.“
"You were the Chosen One! It was said you would destroy the Sith, not join them! Bring balance to the Force, not leave it in darkness!" [Star Wars, The Revenge of the Sith]
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05.02.2012 11:24
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K2 #25 • Die Seinen
#208
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Deus
Vorherige -> K2 #24 • Anmutung
Nach einem Erinnern an den Ehrenkodex der Chevalier hatte Tobias die Toten an den Erbauer übergeben und anschließend sein Handeln Isilde erklärt. Dann begaben sich die Drei auf den Weg zu Magaritts Anwesen. So entwickelte sich die Geschichte weiter:
K2 #25 • Die Seinen
So eilten sie den Weg zurück. Doch es würde eine Zeit dauern, bis sie das Anwesen sehen sollte. Tobias sagte kein Wort. Isilde schaute ab und zu ihm, doch er verzog keine Miene oder machte die Anstalten das Tempo mal zu drosseln. Sie gab sich alle Mühe den großen Schritten des Mannes zu folgen. Doch sie begann zu ermüden, denn sie war selten auf gleicher Höhe, meist hinter ihm. »Eine Pause«, dachte sie, »ja, eine Pause.« Die letzten Worte hatte sie nicht mehr gedacht, sondern laut gesprochen. Tobias hielt inne, schaute zu der Frau und dann zur Sonne und antwortete: »Du hast recht, machen wir eine kleine Pause.« Isilde lächelte zum Dank und wie es ihre Art so ist, entschlüpfte auch gleich eine Frage: »Was bedeutet Dir der Schild?«
Tobias hatte vermutlich mit vielen Dingen gerechnet. »Aber diese Frage jetzt?« dachte er sich. Und noch unschlüssig, weil er nicht wusste, ob es das Ergebnis ihres Steinwurfes war oder etwas anderes, was Isilde beschäftigte, fragte er zurück: »Ist mit dem Schild etwas nicht in Ordnung?« »Mit dem Schild ist alles in Ordnung! Habe ihn ja die ganze Zeit an Deinem Rücken gesehen. Aber wie fühlst Du Dich, wo Du ihn wieder hast und er auf Deine Schultern drückt?« bohrte sie nach.
»Ach so ist das gemeint«, antwortete Tobias. Dabei nahm er den Schild vom Rücken und sagte: »Er drückt tatsächlich ein wenig in die Schultern. Woher wusstest Du das?« »Geraten«, lächelte Isilde zurück. »Obwohl, Du hast beim schnellen Gehen ab und zu die Schultern verdreht, als wenn etwas jucken oder reiben würde.« »Ja, er drückt tatsächlich etwas, bin es nicht mehr gewohnt mit all diesen Dingen durch den Wald zu marschieren«, schmunzelte er zurück. »Doch zu Deiner Frage, ich denke schon darüber nach, was der Schild mit jetzt bedeutet«, erklärte er. »Tatsächlich«, entschlüpfte es ihr und wieder fühlte sie sich ertappt, ihm ins Wort gefallen zu sein. Aber der großgewachsene Mann mit seinem rosenblonden Haar ertrug es oder hatte er es überhaupt war genommen? Jedenfalls erzählte er weiter: »Nun mit dem Schild erkennt mich jeder, der das Wappen derer vom Südhang kennt. Man wird sich denken: ,Ach einer von den Leuten Brylands, vom Südhang.´« »Was ist denn daran schlimm?« unterbrach erneut Isilde Tobias. »Leonas Bryland hat ehrenhaft gegen die Besatzung gekämpft, das ist doch das, was die Menschen von dem Arl wissen.« Tobias hörte die Worte von Isilde und nickte dazu. »Das mag so sein«, sagte er mehr zu sich. »Doch was wird mich erwarten, wenn ich nach Hause komme? Wird mein Vater und meine Mutter noch leben? Werden sie mich erkennen? Was, wenn ich weitere Geschwister habe?« »Das sind doch keine schlimmen Dinge«, versuchte Isilde Tobias auf andere Gedanken zu bringen. »Schau Tobias, ich wohne zwar abseits von den Handelswegen oder einer großen Stadt, aber der Tod eines Arls spricht sich herum und ich habe nichts davon gehört. Und Geschwister zu haben, das ist doch schön. Ich hätte auch gern einen Bruder oder eine Schwester gehabt. Denn ich bin ja mit vielen Dingen allein.« »Da haben wir ja etwas gemeinsam«, sagte Tobias, »denn eigentlich war ich bis auf die Monate hier in Ferelden bei Dir und Deiner Mutter auch allein.«
»Was hat denn nun der Schild mit all den Dingen zu tun?« fragte Isilde nach. Tobias seufzte etwas, doch den Grund nannte er beim Antworten: »Stelle Dir mal vor, ich habe Geschwister. Eine Schwester oder noch schlimmer einen Bruder!« »Noch schlimmer?« verstand die Frau nicht. »Es ist nicht so, wie Du denkst«, sagte der Mann. »Dann erkläre es doch, so viel Zeit haben wir jetzt auch noch«, ermunterte Isilde Tobias.
»Also, ich bin im Alter von 10 Jahren entführt worden. Und meine Eltern haben mehr als 30 Jahre nichts von mir gehört. Sie werden denken ich bin tot. Und sollte ich Geschwister haben und meine Eltern noch leben, so wie Du sagst, dann wird einer von ihnen der künftige Arl vom Südhang sein.« Tobias machte eine kurze Pause, als wenn er nach den richtigen Worten suchen würde. Diesmal unterbrach Isilde den Redner nicht, denn sie ahnte was kommen würde. Sie wusste, dass sie darauf keine Antwort haben würde. Insgeheim ärgerte sie sich, diese Frage nach dem Schild überhaupt angesprochen zu haben. Doch es war zu spät.
»Nun stelle Dir vor«, unterbrach Tobias die Pause, »stelle Dir vor, ich komme heim. Ich bin der Erstgeborene. Selbst wenn ich nichts verlangen würde, ich bin der Erbe. Es stände mir zu und in bin in der Pflicht. Wie können sich, wenn es sie gibt, meine Geschwister darüber freuen? Ein Fremder, Ritter der Chevalier, meldet den Anspruch an! Darüber mache ich mir Gedanken, seitdem der Schild in meinen Rücken drückt.« Und weil Isilde in ihrer Vermutung bestätigt wurde, fragte sie, wie man als Frau nur fragen kann: »Was ändert jetzt der Schild daran? Du wolltest doch heim. Willst Du das jetzt nicht mehr?«
Tobias überraschte diese klare Fragestellung. Er schaute sie an und fand dabei sein Lächeln wieder: »Isilde, wie recht Du hast. Der Schild hat nichts zu tun damit. Ich habe mir eben nur bisher keine Gedanken gemacht. Alles schien so einfach, ist es aber nicht. Und das hat der Schild mir gerade gezeigt …« und nach einer kurzen Pause fügte er noch an »… eigentlich warst Du es die mich auf diesen Gedanken gebracht hat. Dafür bin ich Dir dankbar. Denn so kann ich mich darauf vorbereiten und würde gern, wenn ich soweit bin, mit Dir darüber reden.« »Gern, ja gern Tobias. Du kannst mit allen Dingen zu mir kommen. Denke nach und dann reden wir, versprochen«, freute sich Isilde. Und weil die Sonne in der Pause ihren Weg des Tages munter fortgeschritten war, sagte Isilde nach einem Blick auf die jetzt längeren Schatten der Bäume am Wegesrand: »Tobias, wir können weiter. Die Pause hat mir gut getan.« »Mir auch«, antwortet der Mann und so eilten beide in Richtung des Anwesens und der Mabari umkreiste sie dabei.
Und so wird die Zeit ergeben, ob Tobias seinen Weg zu den Seinen noch findet oder ob er gerade angekommen ist. Das aber hat er so richtig noch nicht erfasst.
~vorläufiges Ende ~
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12.02.2012 11:03
#209
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Mythos
82) Traditionen II
„Hilf mir mal bitte, reich mir die Nadel“, wies Jaina Leliana an. In einer geschickten Bewegung drehte sie mit der linken Hand ihre schwarzen, glänzenden Haare zu einem Knoten am Hinterkopf, und schob mit der rechten die von Leliana gereichte Eisennadel quer hindurch, sodass der Knoten am Kopf fixiert wurde. Wie immer hingen ihr einige Ponysträhnen ins Gesicht, die sie aber nicht weiter störten. Mit geübten Bewegungen legte sie sich das fließende, weiße Gewand an, das mit langen Ärmeln und einer weichen Fellfütterung gerade richtig für die kalte Jahreszeit war. Goldene Spiralen zogen sich die Schulter hinauf, den angedeuteten Ausschnitt entlang in zwei Linien bis ungefähr auf Höhe der Hüfte, wo sie abrupt endeten und von einem breiten goldglänzenden Gürtel verdeckt wurden.
„Mensch, du siehst umwerfend aus!“ staunte Leliana. „Das ist diesmal wenig mehr als nur Berechnung. Ich lass mich doch von denen nicht einschüchtern“, gab Jaina völlig trocken zurück.
„Das ist der Mutterinstinkt, Lel. Wie bei einem Raubtier. Wenn das Junge angegriffen wird, verwandelt sich das Muttertier in eine wahre Killerin!“ Frech grinste Zevran, der aus dem Nebenraum hereingekommen war, die Königin an, die ihm schon fast raubtierhaft die Zähne entgegenfletschte und ein Knurren hören ließ. Leliana brach in schallendes Gelächter aus.
„So solltest du deinen Vortrag vor dem Landthing vielleicht nicht beginnen ...“, keuchte sie atemlos, während sie sich gegen den Assassinen sacken ließ.
„Und auch der Rest des Vergleichs mit der Raubkatze hinkt nicht. Entweder ist der Vater ein nutzloser Trottel, oder er macht sich aus dem Staub!“ fuhr Zevran schonungslos fort.
Nun fuhr Jaina, einen schwarzen Pinsel in der Hand, zu ihm herum und hielt ihm das Schminkwerkzeug wie einen Dolch unter die Nase. „Meine Geduld ist heute äußerst begrenzt, Elf! Und den Rest hätte ich gerne für die Fragen der hochgeschätzten Landthing-Teilnehmer. Also, raus!“ zischte sie und ließ den Pinsel vorwärts schnellen. Zevran schreckte mit aufgerissenen Augen zurück, doch hatte sich sofort wieder in der Gewalt und grinste breit, während er versuchte, den schwarzen Fleck auf seiner Stirn wegzureiben. „Bin ich dir nicht weiblich genug? Musst du mich erst schminken? Jetzt verstehe ich, weshalb du so sehr auf Alistair steh-“ Bevor er den Satz zu Ende bringen konnte, hatte Leliana ihn am Arm gepackt und bugsierte ihn wieder ins Nebenzimmer, ließ die Tür ins Schloss fallen und schob den Holzriegel vor. Die rothaarige Bardin drehte sich um und betrachtete Jaina prüfend. „Du kennst ihn doch.“
„Irgendwann werde ich ihm so gewaltig in den Hintern treten, dass er mir ohne Mühe die Fußnägel abkauen kann!“ gab Jaina gepresst zurück und wandte sich wieder an ihr Spiegelbild. Vorsichtig und genau umrandete sie ihre grünen Augen mit dem schwarzen Pinsel und trug etwas Puder an Hals und Kiefer auf. Zufrieden betrachtete sie sich. Leliana sah sie beifällig an. „Scheint, als hätte mein Unterricht etwas bewirkt. Komm, holen wir Ethan.“
Gemeinsam betraten die beiden Frauen das Nebenzimmer, in dem eine Dienerin auf Ethan aufpasste und Zevran gerade etwas sehr eilig in seiner Gürteltasche verstaute.
Ohne ihn weiter zu beachten nahm Jaina der Dienerin ihren Sohn ab, der gleich glücklich zu glucksen begann, als er seine Mutter entdeckte. Mit einem Lächeln drückte Jaina dem Jungen einen Kuss auf die Wange und zwinkerte Leliana und Zevran zu, dann verließ sie die Kammer.
Unmittelbar davor erwartete sie Alistair, in seiner goldbeschlagenen Rüstung, die wie immer auf Hochglanz poliert war. Die Handschuhe noch in der rechten Hand haltend, zog er seine Frau mit seinem linken Arm an sich und strich dem Thronerben über den Kopf. Er musterte seine Frau eingehend. „Du bist wunderschön“, sagte er leise. Ihr strahlendes Lächeln schob ihre Anspannung und Nervosität zur Seite und sie reckte sich ihm entgegen, als ihr Mann ihr entgegenkam und sie küsste.
„Dann komm mal zu deinem Vater, Ethan. Ich hatte hier doch noch irgendwo Käse ...“, murmelte er mehr zu sich selbst, als er seinen Sohn in seine starken Arme nahm.
„Alistair, wenn du so weitermachst wird sein erstes Wort nicht 'Papa' oder 'Mama' sein, sondern 'Käse'“, warf Jaina belustigt ein. „Ja, wäre doch toll, oder nicht?“ strahlte der einstige Bastardprinz seine Frau an, die für einen Moment nachdenken musste, wie ernst er das meinte.
„So, genug gespaßt. Geh da rein und sag ihnen die Meinung. Aber so, dass wir hinterher keine Beschwerden und außerplanmäßigen Besuche haben, ja?“ Liebevoll sah Alistair Jaina an, die entschlossen nickte. „Dann los!“ Flüchtig drückte er seine Lippen auf ihre Backe und gab ihr einen kleinen Schubs in Richtung der Landthing-Tagungskammer.
Entgegen ihrer Erwartung kamen ihr keine Zweifel in letzter Sekunde. Sie ging auf die doppelseitige, mit Eisen beschlagene Holztüre zu, ergriff den eisernen Ring und drückte gegen das Tor. Sie war sich sicher, dass sie das Richtige tat. Sie wollte niemanden angreifen, sie wollte einige einleitende Worte sagen und dann ihren Sohn vorstellen. Und sie wollte unmissverständlich klar machen, dass eine Tochter ebenso fähig gewesen wäre, wie ihr Sohn es sein würde.
Sie hatte sich ihre Worte zurechtgelegt, wieder verworfen, überarbeitet um dann einen ganz neuen Ansatz zu wählen. Die Vorbereitung hatte ihr wieder gezeigt, was für ein impulsiver und spontaner Charakter sie eigentlich war. Letztlich hatte sie das Beste aus allen Versuchen zusammengenommen und der Rest würde sich ergeben. Eamon nannte es leichtfertig, sie aber vertraute ihren Gefühlen. Sie konnte nicht nachzählen, wie oft sie es schon getan hatte und damit richtig gelegen hatte.
In den Monaten als Königin hatte sie um ihre Wirkung bei ihrem Auftreten gelernt und sich damit auseinandergesetzt. Leliana und Zevran waren ihr eine große Hilfe gewesen, und obwohl sie mit Diplomatie von klein auf bekannt gewesen war, hatte sie sich von Fergus, wenn er in Denerim war, und von Eamon beraten lassen. Mit anderen Worten: Sie fühlte sich durchaus gewappnet für diesen Schritt.
Die Flügeltür öffnete sich etwas schwerfällig und Jaina trat in den Landthing-Saal. Einer der Wächter, der neben der Tür postiert war, verbeugte sich kurz und schloss die Türe hinter ihr. Gemessenen Schrittes, einen Fuß immer im gleich Abstand vor den anderen setzend, ging sie auf das Podest zu, ihr Blick glitt über die versammelten Adeligen. Sie kannte mittlerweile zumindest alle Namen, auch wenn sie manchmal noch überlegen musste, welches Gesicht dazugehörte. Sie sah, wie einige Adelige ihren Nachbarn etwas zutuschelten, sie sah Bann Alfstanna ihr freundlich zulächeln und deutete ein Nicken an. Dann war sie an dem Podest angekommen und stieg die zwei einfachen Stufen hinauf. Kurz flammte in ihr die farbenfrohe Beschreibung und der Wutausbruch Zevrans auf, der sich bei einem Sturz auf die Kante der zweiten Stufe den Arm gebrochen hatte. Ihre Mundwinkel zuckten ganz kurz, doch sie hatte sich im Griff, verbannte jedes Gefühl aus ihrer Miene und drehte sich endgültig zu den Adeligen.
Wie immer sahen sie von hier aus wie ein bunter Haufen an orlaisianischer Seide, Samt aus Tevinter und feinster fereldener Wolle. Es waren alle Farben vertreten, und die vielen Köpfe drehten sich alle zu ihr. In makelloser Übereinstimmung verbeugten sich die Adeligen vor ihrer Königin, um sie dann wieder zu fixieren.
„Lords und Ladys den Landthings“, Jainas klare Stimme drang bis in den hintersten Winkel des Saales, laut und verständlich. Die Selbstsicherheit schien in jedem Laut mitzuschwingen. „Ich danke Euch für Euer Erscheinen. König Alistair und ich werden heute den hier Anwesenden unseren Sohn präsentieren. Es ist das Recht des Landthings, den künftigen Thronerben vorgestellt zu bekommen. Ich bin sicher, Ihr werdet mit ihm zufrieden sein.“
Aus ihrem Stand heraus begann Jaina nun ein paar Schritte auf und ab zu gehen, ohne dabei die Menge aus den Augen zu lassen. „Aber davor möchte dem Landthing einen Gedanken mitteilen. Ein Gedanke, der mir angesichts meines Sohnes kam und von dem ich glaube, dass er allen Beteiligten das Leben schwer machen würde“, fuhr sie fort.
Sie glaube in den vorderen Reihen einen lächelnden Bann Teagan stehen zu sehen, aber ließ sich davon nicht beeindrucken.
„Ich fragte mich, wieso ein Junge so viel mehr wert sein sollte als ein Mädchen. Wie es überhaupt sein kann, dass ein Junge mehr wert ist als ein Mädchen. Oder anders formuliert: Warum kann ich mich glücklich schätzen, einen Thronfolger geboren zu haben, aber nicht, wenn es eine Thronfolgerin gewesen wäre?“ wandte sie sich fragend an die Adeligen. Leises Gemurmel erhob sich, doch keiner wagte etwas laut zu sagen.
Jaina wartet einige Augenblicke, dann warf sie ein: „Ungefähr so war auch meine Reaktion. Ich konnte es mir nicht erklären. Der Erbauer und mein Bruder wissen, dass ich keinerlei Grund habe, diese Tradition in Frage zu stellen, weil sie mir geschadet hat. Nein, keinesfalls. Aber ich hätte diese Frage noch viel drängender stellen müssen, wenn mein Kind eine Tochter geworden wäre. Wieso sollte sie, die die gleichen Eltern hat wie unser Sohn, nicht ebenso gut eine Königin werden können? Ich gebe Euch die Antwort: Sie wäre nicht schlechter als ein Sohn.“ Damit blieb sie stehen und lächelte erstmals. „Ich hoffe, Ihr werdet Euch damit befassen. Für den Moment aber habe ich die Freude, Euch meinen Sohn Ethan Theodore Theirin vorzustellen.“
Mit den letzten Worten wandte sie sich an die Tür, die aufgehalten wurde. Die Adeligen verbogen sich die Hälse und reckten die Köpfe, um zu sehen, wer oder was dort stand. Das leise Gemurmel war nun von aufgeregtem Tuscheln überdeckt worden. Dann trat Alistair mit Ethan auf dem Arm in die Kammer und die Adeligen begannen ohrenbetäubend und begeistert zu klatschen, als sie das Kind sahen. In Jainas Bauch erhob sich wieder ein ganzer Schwarm Schmetterlinge … oder irgendwelche anderen Tiere, die ein solches Kribbeln und Zittern verursachen. Sie spürte, wie ihr der Schweiß auf der Haut ausbrach, als sie Alistair auf sich zukommen sah. Er sah so wunderschön aus!
Der König schritt auf seine Gemahlin zu, legte ihr einen Arm um die Schulter und zog sie an sich. Den Adeligen bot sich eine kleine, vertraute Königsfamilie. Nur langsam legte sich der Trubel, und erstarb schließlich vollends, als Alistairs tiefe Stimme erklang.
„Wir danken Euch, Lords und Ladys. Wir freuen uns ebenso wie Ihr, dass die Königsfamilie ein Mitglied mehr bekommen hat. Ethan Theodore ist ein gesunder, aufgeweckter Kerl.“
„Er ist Euch wie aus dem Gesicht geschnitten!“ tönte es von vorn, während von weiter hinten eine Stimme erschallte: „Ganz die Mama!“ so mischten sich die unterschiedlichsten Rufe durcheinander, sodass der Lärmpegel wieder merklich anstieg – sehr zum Missfallen des Kindes, das seinem Unmut in lautem Schreien deutlich machte. Schnell nahm Jaina den Kleinen auf den Arm und drückte ihn an ihren Brustkorb um ihn sanft zu wiegen, doch sein Weinen und Kreischen wurde nur lauter. „Alistair, er ...“ Ihr Mann nickte ihr kurz zu. „Geh du. Ich kümmere mich um die Adeligen.“ Ein zärtlicher Blick traf die Königin. „Warte hinten auf mich.“
"You were the Chosen One! It was said you would destroy the Sith, not join them! Bring balance to the Force, not leave it in darkness!" [Star Wars, The Revenge of the Sith]
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16.02.2012 10:27
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Schuldgefühle
#210
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Ehrengarde
„Du gehst nicht und das ist mein letztes Wort.“ Eine zierliche junge Frau funkelte wütend einen viel größeren jungen Mann an. Der Mann hatte seine Arme vor seinem Oberkörper verschränkt und erwiderte den Blick unbeeindruckt. Er runzelte seine Stirn als er sprach. „Du kannst mir nicht sagen, was ich zu tun habe und was nicht, Schwester. Du magst das Familienoberhaupt sein, aber ich habe es satt in deinem Schatten zu stehen. Was ist mit meinen Wünschen? Warum kann ich mich nicht beweisen? Dies ist eine sehr gute Gelegenheit mir einen Namen zu machen und du wirst mich nicht daran hindern.“
„Das ist Krieg, Carver. Krieg! Hast du eine Ahnung, wie gefährlich das ist. Was ist, wenn du verletzt wirst? Was ist, wenn du getötet wirst? Wer wird dann deinen Namen kennen. Huh? Du wärst nur einer von vielen. Verscharrt in einem Massengrab…“ Carver senkte seine Arme und ballte die Fäuste. „Genug. Ich habe genug, Schwester. Ich gehe und das ist MEIN letztes Wort.“ Er drehte sich um und nahm sein großes Schwert, das an der Wand neben der Tür lehnte. Er öffnete die Tür und trat hinaus. Bevor er sie wieder schloss unterbrach ihn die Stimme seiner großen Schwester. „Und was ist mit Mutter, Carver?“ Carver zögerte kurz doch sagte nichts. Er verließ das Haus und schloss die Tür leise hinter sich und machte sich auf den Weg nach Ostagar.
Bethany sah dem Wortaustausch ihrer Geschwister traurig zu. Oft, viel zu oft, stritten sich die Beiden und es tat ihr weh. Sie fühlte sich schuldig. Es war doch ihr Fehler, dass es zu diesem großen Bruch zwischen den Beiden gekommen ist. Alle drei waren unzertrennlich, als sie noch kleiner waren. Sie spielten zusammen, sie lachten zusammen und sie weinten zusammen, doch dann… Bethany zitterte und schloss die Augen. Nein, sie wollte nicht daran denken. Es war zu schrecklich und die Erinnerungen würden ihr wieder den Schlaf rauben. Als sie die Augen wieder öffnete, sah sie den besorgten Blick ihrer Schwester auf sich ruhen. Sie atmete tief ein und schüttelte den Kopf. Sie wollte nicht, dass sich ihre Schwester Sorgen machte. Sie hatte doch schon genug davon mit Carver. Sie lächelte leicht und versuchte Marian abzulenken.
„Marian, du solltest dir nicht zu viele Sorgen machen. Carver ist stark. Er wird überleben.“ Marians besorgter Blick verschwand und sie wurde wieder wütend. „Bah. Ich mache mir keine Sorgen. Soll er doch gehen. Er sollte jedoch nicht heulend angelaufen kommen, wenn er auf dem Schlachtfeld stirbt.“ Bethany runzelte die Stirn über die Wortwahl ihrer großen Schwester. „Marian… das ist widersprüchlich. Er kann nicht heulend angelaufen kommen, wenn er…“ Weiter kam Bethany nicht als ein lauter Knall sie zusammenzucken ließ. Sie blickte etwas nervös zu ihrer Schwester. Diese stand mit gesenktem Kopf regungslos vor der Tür. Ihre Faust war erhoben und ruhte auf der hölzernen Tür. Bethany sah wie etwas Blut Marians Arm runter floss. „Marian…“ Marian drehte nur ihren Kopf leicht zur Seite. „Was. Auch. Immer.“ Das war alles, was Marian sagte, bevor sie wütend aus dem Haus stapfte und die Tür hinter sich zu knallte. Bethany seufzte leise. Marian würde unausstehlich sein, bis Carver zurückkommt. Auch wenn sie das Gegenteil behauptet, sie machte sich Sorgen um ihren Bruder. Doch das Schlimmste würde die Reaktion von Mutter sein. Sie würde Marian Vorhaltungen machen, dass Carver gegangen ist. Sollte Carver etwas passieren, dann würde Marian allein die Schuld bekommen. Auch wenn sie nichts dafür konnte. Bethany betete zum Erbauer, dass Carver wohlbehalten zurückkommt.
Die Tage vergingen und die Atmosphäre im Haushalt der Hawkes war zum Zerreißen gespannt. Es gab keine Nachrichten von der Front und die Sorge um Carver stieg mit jedem Tag. Wie es Bethany vermutet hatte, machte ihre Mutter Marian für das Fortgehen von Carver verantwortlich. Es kam zu einem großen Streit zwischen ihnen und die Beiden haben seitdem kein Wort mehr miteinander gewechselt. Bethany versuchte so gut es ging zu vermitteln, doch ohne Erfolg. Die Anspannung zwischen ihrer Mutter und Marian machte ihr sehr zu schaffen und die Sorge um Carver verschlimmerte es nur. Wäre sie nur stärker, dann wäre es damals nicht passiert. Dann wäre Carver nicht fort. Dann wäre… Tränen kullerten über Bethanys Wangen. Es ist schon viele Jahre her, doch sie kann das Geschehene einfach nicht vergessen. Und in letzter Zeit kamen die Erinnerungen immer häufiger zurück. Oh, wie sie sich wünschte alles zu vergessen. Wenn es sie nicht geben würde, dann wäre ihre Familie besser dran. Es ist ihre Schuld. Ihre Schuld allein.
Carver war nun schon seit Wochen fort und in dieser mondlosen Nacht hatte sie wieder einen Alptraum. Bethany wälzte sich unruhig hin und her. Als eine Hand sie schüttelte schrie sie auf und schlug um sich. „Shhh, ganz ruhig. Ich bin es. Marian. Es ist nur ein Traum. Es ist nicht real, Bethany.“ Bethany blinzelte und es dauerte eine Weile bis sie völlig wach war. Als ihre Sinne voll da waren, sah sie ihre besorgte Schwester auf der Bettkante sitzen. Sie konnte es nicht verhindern, dass sie in Tränen ausbrach. Ihre Schwester nahm sie tröstend in die Arme und sprach ruhig auf sie ein. Nach einiger Zeit hatte sich Bethany wieder soweit beruhigt, das sie ohne zu schluchzen sprechen konnte. „Es tut mir Leid, Schwester. Ich wollte dich nicht wecken.“ Marian schüttelte nur den Kopf. „Mach dir keine Sorgen darüber. Soll ich bei dir schlafen?“ Bethany öffnete den Mund um zu verneinen. Doch der Blick von Marian verriet, dass diese keinen Widerspruch duldete. Wortlos rutschte sie zur Seite und machte Platz für ihre große Schwester. Marian legte sich zu ihr und nahm sie in die Arme. Bethany fühlte sich geborgen und sicher, denn ihre Schwester würde sie beschützen. Es dauerte nicht lange und sie schlief wieder ein.
Trotz des Alptraums war es eine erholsame Nacht für Bethany und sie stand gut gelaunt auf. Als erstes bemerkte sie, dass ihre Schwester nicht mehr da war. Nachdem sie sich angekleidet hatte, ging sie in die Wohnstube. Nach einem kurzen Mahl verließ sie die kleine Hütte. Ihre gute Laune verflog, als sie draußen ihre Schwester sah. Marian argumentierte gerade lautstark mit ihrer Mutter. Mutter weinte und sie wunderte sich, was los war. Unsicher blickte sie zwischen den Beiden hin und her. Sollte sie sich bemerkbar machen? Oder wäre es besser mit den Arbeiten auf der Farm zu beginnen. Die Entscheidung wurde ihr abgenommen als sich ihre Mutter plötzlich umdrehte. „Da bist du ja, Bethany. Wir haben Neuigkeiten von Carver.“ Bethanys Augen erhellten sich. Doch ihre Freude verflog wieder schnell, als sie den Gesichtsausdruck ihrer Mutter und die leicht geröteten Augen sah. Das waren ganz sicher keine Freudentränen. „Ist… ist etwas passiert?“ Ihr Herz verkrampfte sich bei dem Gedanken, dass ihrem Bruder etwas zugestoßen ist.
Es war Marian, die die Frage beantwortete. „Der Kampf ist vorbei. Die dunkle Brut hat gewonnen.“ Bethanys Augen füllten sich mit Tränen. „Woher wisst ihr das? Gab es Überlebende? Es muss Überlebende geben. Carver lebt. Bestimmt.“ Marian seufzte. „Ich war heute Morgen im Dorf. In Lothering sind die ersten Flüchtlinge angekommen, die vor der dunklen Brut flohen. Einige von ihnen erzählten, dass der König tot ist und die dunkle Brut die Armee niedergemetzelt hat. Ich werde mich auf den Weg nach Ostagar machen und nach Carver suchen.“ Bethanys Augen weiteten sich und die ersten Tränen kullerten ihre Wange hinab. „Du wirst nicht gehen, Marian. Ich erlaube es nicht. Es ist schon schlimm genug, dass du erlaubt hast, dass Carver etwas zu stößt. Ich will nicht noch ein Kind verlieren.“ Marian blickte ihre Mutter schuldig an und Bethany wünschte, sie könnte etwas von ihrer Last tragen. Sie konnte nicht verstehen, warum Mutter Marian die ganze Schuld gab. Carver hatte seinen eigenen Kopf und hörte nur selten auf seine große Schwester.
Marian drehte sich wortlos um und verschwand im Haus. Bethany sah ihre Mutter unschlüssig an. Diese seufzte leise und nahm sie in die Arme. „Wir müssen stark sein. Für Carver und…“ Sie brach ab, als sie anfing zu schluchzen. Bethany konnte nicht verhindern, dass auch sie zu weinen anfing. Sie wusste nicht wie lang Mutter und sie weinten, als sie von Geräuschen aufgeschreckt wurden. Sie lösten sich aus der Umarmung und drehten sich um. Vor ihnen stand Marian. Sie hatte eine kleine Tasche an ihrem Hüftgürtel befestigt und ihren Zauberstab auf den Rücken geschnallt.
„Marian. Ich sagte dir, dass ich es nicht erlaube, dass du gehst.“ Marian zuckte nur mit den Schultern. „Ich habe dich gehört, Mutter. Ich gehe trotzdem. Carver ist viel zu dickköpfig um zu sterben. Und sollte er verletzt sein, dann braucht er schnell Hilfe. Hilfe, die ich ihm geben werde.“ Ihre Mutter schaute sie hilflos an. „Rede nicht so über deinen Bruder, Marian. Und was ist mit Bethany? Wer passt auf sie auf, wenn du nicht da bist? Glaub ja nicht, dass ich nicht bemerkt habe, dass sie letzte Nacht wieder einen Alptraum hatte.“ Bethany zuckte zusammen und senkte beschämt den Kopf. Doch dann ballte sie ihre Fäuste und schaute ihre Mutter entschlossen an. „Ich bin kein Kind mehr, Mutter. Ich kann auf mich selbst aufpassen.“
Marian blickte ihre Schwester verwundert an. Es passte nicht zu ihr so laut zu werden. Einen Blick auf ihre Mutter zeigte ihr, dass diese ebenso überrascht war. Bethany war selbst überrascht über das, was sie sagte. Doch sie meinte jedes Wort ernst. Ihre Mutter seufzte und nahm unerwartet Marian in den Arm. „Ich weiß, dass ich dir nichts ausreden kann. Doch ich mache mir Sorgen um dich und um Carver. Ich bin eure Mutter. Vergiss das nicht, mein Schatz. Sei vorsichtig. Und bring Carver heim.“ Marian erwiderte die Umarmung. Dann drückte sie Bethany fest an sich. „Wirst du klar kommen, Schwester? Gehe niemals allein ins Dorf. Nur wenn Mutter dabei ist, ist es in Ordnung zu gehen. Sollte jemand bemerken, dass du eine Magierin bist, dann verstecke dich in dem geheimen Raum.“ „Ich komme klar, Schwester. Mache dir keine Sorgen um mich.“ Marian grinste sie an und nickte. „Ich mache mir immer Sorgen um dich.“ Bethany lächelte ein falsches Lächeln bei diesen Worten. Sie wusste, dass Marian es nicht böse meinte, doch die Schuld begann wieder an ihr zu nagen. Wenn sie nicht wäre, dann müsste ihre große Schwester sich nicht so viele Sorgen um sie machen. Sie hätte ein eigenes Leben und vielleicht wäre sie sogar schon verheiratet. Bethany blickte ihr nach, bis sie nicht mehr zu sehen war. Sie hoffte, dass der Erbauer gnädig war, und Marian und Carver wohlbehalten zurückkommen würden.
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14.03.2012 23:55
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Vom Spiel, zum Leben.
#211
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Lehrling
Hallo liebe Dragon Age Gemeinde. Ich hoffe ich kann ein wenig von euch überzeugen auch nach meinem ersten Kapitel meine Geschichte weiterhin zu verfolgen. Das 1te Kapitel ist besonders lange und ich kann nicht versprechen immer so ein langes Kapitel zu schreiben. Und ich hoffe auch das es euch gefallen wird.
Dies wird meine erste Geschichte zu Dragon Age 2. Ich besitze auch (noch?) keinen Beta der mich hierbei unterstützt, dennoch hoffe ich das euch meine hier und da Rechtschreibefehler nicht zu sehr beeinträchtigen den Inhalt meiner Story zu verstehen, die ab und an von dem Spiel abweicht, doch im großen und ganzen auch meist dem Spiel ähnelt. Doch die meisten Antworten, sind anders. Ich hoffe meine Extravagante Geschichte wird euch gefallen, da ich mir wirklich große mühe hineingelegt habe und sie mal etwas...anderes ist Aber nun zu meiner Geschichte. Viel spaß beim Lesen.
Inhalt: "Es fühlt sich noch immer wie ein Traum an. Und wenn ich zuhause jemandem davon erzählen sollte...sie würden mich auslachen. Wer würde einem schon glauben wenn man erzählen würde, man wäre in einer Welt gelandet, die in Wahrheit nur ein Spiel ist? Wohl eher niemand. Und ich kann sie auch verstehen. Doch ich bin hier. Es ist die Realität. Und ich muss damit zurecht kommen. Dass ich hier ein leben als Hawke, spiele. Ich kann es selbst noch kaum fassen." das sind die Gedanken eines Jungen, der über Nacht in einer Fremden Welt aufwacht. Und ob er zurückkommt in seine eigene Welt..das wird nur die Zeit zeigen.
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Prolog
„Bereit für ein Abenteuer, welches Ihr niemals vergessen werdet?“ - „Wer spricht da?“ es war stockfinster. Er konnte niemanden erkennen der zu ihm sprach. Er dachte darüber nach, wo er sich zuletzt befand. Woran er sich zuletzt erinnern konnte. Und da kam auch schon die Erinnerung. Er befand sich zuletzt in seinem Bett und musste schlafen, da er am nächsten Tag wieder Schule hatte.
„Ein Abenteuer, das euer Leben verändern wird. In einer euch nur zu vertrauten Welt!“ - „Wer bist du? Und was redest du da?“ plötzlich erschien ein heller Lichtstrahl, der auf ihn gerichtet war. Alles andere war wie zuvor in das Tiefste Schwarz umhüllt. Es schien als würde jemand von Oben einen Scheinwerfer oder sonstiges auf ihn halten. Er musste unweigerlich an einen SAW Film denken und auch darüber, das er keine große Lust hätte eine Hauptfigur in solch einem Film zu werden. „Es wurde alles schon abgesprochen. Ihr werdet sie nun sehen.“ - „Wenn werde ich nun sehen?“ die Stimme hatte er noch nie Gehört. Es handelte sich hierbei um eine Weise, Ältere und dennoch zu gleichen Teilen, Mächtige Stimme.
„Ihr werdet noch früh genug erfahren wer ich bin. Wenn die Zeit reif ist. Und nun...zieht ein, in eure neue Welt. Heimat. Die Welt....von Dragon Age!“ als er den besagten Titel hörte, weiteten sich seine Augen und er wollte gerade noch etwas erwidern, als ihm Plötzlich schwindelig vor Augen wurde und er das Bewusstsein verlor.
Kapitel 1: Ist es ein Traum?
„Wach auf Bruder!“ hörte er eine ihm nur zu bekannte Stimme, als er langsam die Augen öffnete, nur um sie nach kurzer zeit wieder zu schließen. Das Licht war zu hell, weshalb er wieder die Augen zukneifen musste. Doch nach einem kurzem Augenblick versuchte er es erneut. Den er war Neugierig, wer diese Person sein könnte. Vor allem da er Bruder genannt wurde. Denn seine beiden Halbgeschwister konnten es nicht sein. Dafür wohnten diese zu weit weg und die Stimme war auch ganz anders. Viel...liebevoller. Dieses mal konnte er die Augen offen halten. Doch in was für ein Gesicht er blickte... ihm Stockte der Atem. War dies Wahrhaftig...Bethany? Die Jüngere Schwester von Hawke? „Hast du dir was getan Bruder?“ sprach sie ihn erneut an. „Bethany?“sprach er mit Erstaunen in seiner Stimme, welches sie auch sofort heraushörte. In ihrem Blick war Sorge zu erkennen. „Bruder? Ich?“ die Verwirrung war in seinem Blick deutlich erkennen, und Bethany stand auf, da sie die ganze zeit vor ihm auf dem Boden Kniete.
Sie reichte ihm eine Hand, die er sofort dankend annahm, damit er mit ihr auf einer Höhe war. „Bist du verletzt oder so was?“ stellte sie ihm die gleiche frage, nur mit neuer Formulierung. Er blickte sich um. Wo befand er sich hier?Weshalb stand eine Spielfigur vor ihm die ihn als Bruder betitelte und was war das für ein Seltsamer Traum letzte Nacht? Moment. Der Traum! Alles hatte damit Angefangen. Diese Stimme behauptete, er würde ein Abenteuer erleben in der Welt von...Dragon Age. Er war also aus einem bestimmten Grund hier. Doch wie sollte dieser Lauten?Wenn er nun hier sei, würde er auch das beste daraus machen. Er würde sein Hintergrundwissen einsetzen um Sachen schneller zu lösen und sein hier sein dazu nutzen...mehr Informationen zu bekommen. Doch Moment. Welche Rolle besaß er hier? War er etwa... Hawke? Der Hawke? Seine erstellte Spielfigur? Er musste so schnell wie möglich einen Spiegel finden. Er musste sehen wie er aussah. Den er konnte spüren das er mehr Muskeln besaß. Ebenfalls bemerkte er, das er größer geworden war. Doch während er die ganze Zeit nachdachte, merkte er gar nicht das er von der Magierin angesprochen wurde. „Wie meinen?“ richtete der Frischgebackene Hawke das Wort an seine...Schwester, wie ungewöhnlich dies auch für ihn klang.
„Wie bist du hierher gekommen?“erst jetzt erkannte er den Ort an dem er sich befand. Es war der Hafen. Eine ziemlich üble Gegend, zumindest bei Nacht. Doch er selbst konnte sich schon immer viel ausdenken. Unweigerlich musste er an Varric denken, den er so oder so noch kennenlernen würde. „Ach Schwesterherz. Ich bin heute nicht ganz bei der Sache. Ich weiß es nicht wirklich wie ich hierher gekommen bin oder gar was ich hier mache. Bitte verzeih mir wenn ich ungewöhnliche Fragen stellen werde. Doch ich möchte das du sie mir dann immer beantwortest. Auch wenn es dinge sind die ich...normalerweise Wissen müsste. Ich denke der Alzheimer hat mich schon in diesem Zarten Alter von Sechzehn, eingeholt.“ - „Sechzehn? Bruder, geht es dir wirklich gut? Du weißt aber schon, dass du bereits zwanzig bist.“ gespielt schlug sich der neue Hawke mit der Flachen Hand gegen den Kopf. Frage Eins wurde ohne Probleme gelöst. Er war also Tatsächlich Vier Jahre Älter gemacht worden, als er es sonst schon war. „Ich hab Tatsächlich einen Sonnenstich bekommen. Oder die Arbeit die wir ein Jahr lang bei Meeran machen mussten tat mir nicht sonderlich gut. Aber zum Glück sind wir das ja endlich losgeworden.“ meinte er um sich herausreden zu können. „Dann solltest du heute mehr im Schatten bleiben, damit es dir besser geht." Keine Widerworte? Also hatte er doch recht gehabt. Er wurde an den Punkt gebracht, an dem das Spiel richtig begann. Also würden sie bald auf Varric stoßen.
Aber erst jetzt viel es ihm ein. Er war ein Krieger. In seiner Welt hatte er noch nie ein Schwert in der Hand gehabt. Hier und da war er schon mal in einer Schlägerei gewesen, doch um Leben und Tod ging es bis dahin noch nicht. Was hier an der Tagesordnung stand. Was hätte er für Probleme wohl gehabt wenn er als ein Magier in diese Welt geschickt worden wäre. Dann hätte er auch Carver ertragen müssen. An ihn wollte er gar nicht denken. Er wäre sicher oft mit ihm zusammengekracht. Aber nun weiteten sich seine Augen. Er war nicht nur in dieser Welt. Er hatte auch die Wahrhaftige Bethany vor sich. Die, die er so oder so für eine Wunderschöne Junge Frau hielt, als er sie nur aus seinem Videospiel kannte. Er musterte sie von Kopf bis Fuß. Sie sah in ihrer Typischen Kleidung einfach Atemberaubend aus. Und wenn er sie in Wirklichkeit vor sich hätte, würde er sie sicherlich mal ansprechen.Zumindest...in der Wirklichkeit seiner Welt. Doch er dachte, das es nicht so gut ankommen würde wenn man sich als Bruder an seine kleine Schwester ran machen würde. Er fand es schon alleine in seinem Spiel sehr schade das er sie nicht länger in seinem Team haben konnte. Und es machte ihn Traurig, wenn er an ihr Schicksal denken musste. Was wäre besser? Zirkel, sie Tag für Tag unglücklich zu sehen, oder von ihr Gehasst werden wenn man sie nach den Tiefen Wegen zu den Wächtern schickte? Weshalb machte er sich jetzt schon Gedanken darüber? Bis dahin würde es noch lange dauern und er konnte sich ruhig noch zeit lassen und zu einem Späteren verlauf sich darüber Gedanken machen.
„Weshalb hast du mich eigentlich gesucht, Schwester?“ Stellte er die Frage, als sie ihn Gemustert hatte, während er in seinen Gedanken vertieft war. „Wir wollten doch zu diesem Zwerg, der eine Expedition in die Tiefen Wege machen will.“ - „Stimmt ja. Lass uns zu Bartrand gehen.“ meinte er an seine neue Schwester gewandt und lief mit ihr in die Richtung, in der er ihn Vermutete. Besser gesagt, lies er die Magierin etwas Vorlaufen und schloss sich ihrem Weg an und wenn sie zu ihm schaute, tat er so als hätte er den Weg bereits gekannt.
Nach geschätzt einer Stunde kamen sie auch beide bei diesem Zwerg an, und versuchten ihn zu überzeugen. Doch er ließ nicht locker. Er stellte auf stur.
„Nein. Bei Andrastes Brust, Mensch! Wisst ihr wie viele Leute bei dieser Expedition anheuern wollen?“ -„Aber wir haben gehört, Ihr geht in die Tiefen Wege. Ihr braucht doch bestimmt jede Hilfe die Ihr...“ - „Nein!“ unterbrach Bartrand Bethany.
„Dies ist die Art von Unternehmung, bei der man reich wird. Ich gehe keine Risiken ein wenn ich irgendwelche dahergelaufenen Menschen anheuere.“ - „Wir haben bereits Erfahrung mit der Dunklen Brut, Zwerg. Und wenn es euch soviel ausmacht, ich gebe euch noch einen aus bevor wir in die Tiefen Wege gehen. So gewinnen wir alle.“ gab nun der Ältere der beiden Geschwister von sich. Doch erst jetzt merkte er, was er überhaupt gesagt hatte. Er hatte sich einfach von seiner neuen Rolle ergreifen lassen und das so mit der Dunklen Brut gesagt gehabt.
„Stellt euch hinten an, Mensch. Halb Kirkwall will momentan mein bester Freund sein.“ er lief einige Meter, ehe er noch ein „Sucht euch einen anderen Weg.“ von sich gab, ehe er verschwand.
Oh nein. Jetzt kam die Stelle an der Bethany kurz vorm verzweifeln war, da dieser elendige Zwerg uns nicht aufnehmen wollte.
„Was sollen wir nun tun?“ richtete sie das Wort an ihren Bruder. „Wir haben nichts das jemanden daran hindern sollte uns zu verkaufen. Die Expedition...sie war unsere letzte Chance...“ in ihren Augen war die pure Angst zu erkennen. Die Zukunftsangst. „Schwester. Du kennst mich. Ich finde doch immer irgendeinen Weg uns aus der Scheiße zu reiten. Also vertraue mir.Das bekommen wir schon hin.“ er lächelte sie Charmant an. Er mochte es nicht Frauen traurig zu sehen. Und erst recht nicht seine neugewonnene Schwester. „Das müssen wir auch.“ sie deutete mit ihrer Hand an, das er weitergehen sollte, was er auch tat. „Wir brauchen etwas wie Geld oder Status. Etwas...wohinter wir uns Verstecken können. Sonst sind wir als Flüchtlinge...niemand. Vielleicht kennt unser Onkel jemanden, der für uns mit Bartrand redet.“ - „Weshalb gerade er? Er ist immerhin der Grund weshalb wir seit einem Jahr hier sind.“ -„Er hat uns nach Kirkwall hineingebracht. Und wir waren bis jetzt immer in Sicherheit. Mir gefällt es zwar auch nicht ihn zu fragen..aber irgendwas müssen wir ja tun.“ gab sie von sich und ging weiter. Mit einem Augenrollen folgte er der Magierin.
Gerade als die beiden Geschwister los gelaufen waren, rempelte ein junger Mann mit kurzen roten Haaren Hawke an. Rene, so wie er in seinem Richtigem leben hieß, merkte natürlich sofort was los war und drehte sich um. „Hey, stehen bleiben!“ schrie er ihm hinterher, doch der Dieb kam nicht weit. Den gerade als dieser sich davon machen wollte, wurde er Buchstäblich an die Wand genagelt.
„Ich kannte mal jemanden, der einem alleine wenn er jemanden Angelächelt hatte, alle Münzen aus der Tasche stehlen konnte. Die Oberstadt ist nichts für dich kleiner.“ kam es von einem kleinen blonden Mann der Zwerge, mit einem braunem Mantel, Grinsend. Er schlug dem Jungen noch einmal in sein Gesicht, nahm ihm den Beutel ab und zog den Pfeil aus der Schulter des Diebes, welcher sofort zu Boden ging.
Langsamen Schrittes lief der Zwerg auf die Geschwister zu und warf den Beutel zu Rene, welcher diesen sofort fing und sicher verstaute. „Varric Tethras, zu euren Diensten! Sehr erfreut euch kennen zu lernen. Ich entschuldige mich für meinen Bruder. Er würde eine Gelegenheit nicht einmal erkennen, wenn sie ihm direkt ins Gesicht klatscht.“ - „Und ihr? Tut ihr dies?“ fragte Hawke, besser gesagt Rene mit einem Grinsen. „Natürlich. Mein Bruder versteht nur nicht, dass wir eben solche Leute wie euch brauchen. Er würde es aber nie zugeben. Daran hindert ihn sein Stolz. Ich dagegen bin Praktischer veranlagt.“ meinte Varric grinsend.
„Und woher wisst ihr, das wir euch behilflich sein können? Ihr wisst doch nichts über uns?“ stellte Rene die Frage. Mit dem Hintergrundwissen, das Varric fast alles weiß, was sich in Kirkwall abspielte. „Ganz im Gegenteil. Der Name Hawke ist weit verbreitet. Ihr habt euch im letzten Jahr einen beeindruckenden Namen gemacht. Das muss man euch lassen.“ - „Und was ist mit meiner Schwester? Habt ihr über sie auch was gehört?“er Grinste den Zwergen weiterhin an. Er mochte ihn nicht nur im Spiel, sondern auch jetzt als er direkt vor ihm stand. Dieser Zwerg konnte einem einfach nur Gefallen von seiner Art her. „Nicht annähernd so viel wie über euch, doch auch sie ist gerne eingeladen uns zu begleiten. Doch das überlasse ich euch.“ - „Mir ist es Recht das du im Mittelpunkt stehst, Bruder.“ mischte sich nun auch Bethany ein.
„Nun gut. Lasst uns nun über das Geschäftliche Reden. Was müssen wir machen um euren Bruder zu überzeugen?“ wollte Rene wissen, und zog eine braue in die Höhe. „Ihr müsst in die Expedition investieren. Denn wir brauchen euch als Partner und nicht noch mehr Tagelöhner. Wenn ihr Fünfzig Sovereigns auftreibt, kann er nicht ablehnen. Nicht wenn ich da bin,um für euch zu bürgen.“
„Natürlich. Fünfzig Sovereigns. Lasst mich mal kurz in meiner Geldbörse nachschauen.“ er öffnete kurz den Beutel den er davor von Varric wieder bekommen hatte und blickte entsetzt zu Varric. „Oh nein. Dieser Dieb hat mir mein ganzes Geld gestohlen. Dort hatte ich zufällig Fünfzig Sovereigns drinnen, die ich nicht gebrauchen konnte.“ grinste er den Zwergen an. „Ich verstehe schon. Doch ihr müsst größer denken. Es gibt nach einer Verderbnis nur ein kurzes Zeitfenster in dem es in den Tiefen Wegen nicht vor Dunkler Brut wimmelt. Mit dem Schatz den ihr dort findet, könntet ihr und eure Familie ausgesorgt haben! Ich helfe euch auch Aufträge zu finden, womit ihr ganz schnell an das nötige Geld herankommt. Was meint ihr?“ - „Wir sind uns einig.“ gab Rene Hawke...wie ungewöhnlich es auch für ihn noch klingen mochte,von sich und reichte seinem neuen Partner die Hand, welcher sofort diese Ergriff. „Perfekt.“ meinte er nur, und Grinste Rene an.
„Wir sollten Aveline fragen ob sie vielleicht etwas Arbeit für uns hat.“ meinte Bethany, die sich das gesamte Gespräch extrem zurückgehalten hatte, woraufhin sie nur ein Nicken ihres Bruders bekam. Zumindest dachte sie das es ihr Bruder war. Wer kann ja schon ahnen das über Nacht ein völlig anderer Mensch im Körper seines Geschwister teils landete? Eher niemand. Doch gerade als sie losgehen wollten, hielt sie Varric noch ein kurzen Augenblick auf. „Hawke. Wir sollten uns mal unter Vier Augen unterhalten. Vielleicht...im Gehängten Mann. Wenn ich nicht geradebei euch bin, bin ich dort.“ meinte er und auch dieses mal Nickte Rene.
Nach diesem Satz begannen sie zu dritt durch die Stadt zu laufen. Ihr Ziel, die Feste des Vicomte. Hier und da hörte Rene Bethany und Varric zu wie sie miteinander sprachen. Doch im Großteil hielt er sich aus dem Gespräch heraus. Doch an einem Punkt konnte er nicht anders als Bethany mit großen Augen anzustarren. Als sie Varric davon erzählte, wie Carver ihren Zopf des öfteren mal an ihr Bett genagelt hatte. Warum tut man so etwas? Dachte sich Rene nur Augen rollend und betrachtete die Steinfigur eines Vogels, der am Eingang der Feste befestigt war.
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Ich hoffe ich konnte euch überzeugen weiterhin mitzulesen wenn ich das nächste Kapitel veröffentliche. Nun...ich weiß nicht was ich nun noch sagen soll außer das ich mir lange überlegt hatte wo und wie ich beginnen sollte mit der Geschichte. Wer Ideen hat wie es weiter verlaufen könnte, abgesehen von der "Hauptstory", kann mir ruhig ne Nachricht schreiben. Bin für Tipps, Ideen usw. immer dankbar.
ein ganz freundliches auf wiedersehen meinerseits 
edit: Ein paar Fehler korrigiert
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05.04.2012 15:58
#212
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Mythos
83) Ein ambivalenter Vorfall
Eiligen Schrittes zog sich Jaina zurück in Richtung der Kammer, in der sie sich angezogen und geschminkt hatte. Dort angekommen ließ sie sich auf einen Stuhl sinken und drückte ihren Sohn, der mittlerweile sein Schreien eingestellt hatte, an sich. Mit fahrigen, ungenauen Bewegungen suchte der Spross die Brust seiner Mutter zu umfassen, die lächelnd das Kleid von der Schulter streifte und begann, ihren Sohn zu stillen.
Eine Ruhe überkam Jaina, als sie so dasaß, eine Ruhe, die nicht mit der Stille im Raum zusammenhing, die nur hin und wieder durch das Schlucken und Schmatzen von Ethan unterbrochen wurde. Es war eine Art innerer Frieden. Sie hatte ihre Bewährungsprobe vor dem Landthing als Königin bestanden. Ihr war klar, dass jeder der Adeligen sie akzeptierte – aber geschätzt wurde sie, weil sie einen Sohn geboren hatte. Ihre Worte würden das innerhalb der nächsten Zeit nicht ändern können und dennoch empfand sie ein gewisses Erfolgsgefühl.
Ihr Blick streifte die Pinsel und kleinen Farbtöpfchen, die auf der Ablage vor dem Spiegel standen und sie hob dem Kopf, um sich im spiegelnden Glas zu sehen. Die sorgfältig dunkel umrandeten Augen, die die grüne Iris betonten, stachen hervor, die etwas gebleichten Wangen betonten die ausgeprägten Kieferkonturen. Dennoch wurde dem markanten Gesicht einiges von seiner Strenge genommen, nur dadurch, dass einige schwarze Haarsträhnen einzeln über die Schläfen und Wangen fielen. In einem Anflug von kindlichen Erinnerungen streckte Jaina ihrem Spiegelbild die Zunge heraus und wandte sich wieder ihrem Sohn zu.
Der König lächelte freundlich und unermüdlich, aber innerlich trippelte er ungeduldig von einem Bein auf das andere und wartete sehnlichst darauf, endlich gehen zu können. Vor ihm verbeugten sich ständig andere Adelige und empfahlen sich der Königin, Eamon stand die ganze Zeit neben ihm und hatte ihn unter kräftigem Schulterklopfen in den Himmel gelobt ob dieses fabelhaften Sohnes. Alistair hatte alle Komplimente und Lobeshymnen bescheiden und freundlich lächelnd angenommen, aber ihm waren nicht die giftigen Blicke entgangen, die Eamons Frau, Isolde, ihm immer wieder zuwarf.
Irgendwann bot sich tatsächlich die Gelegenheit, sich offiziell zu verabschieden und das Landthing zu vertagen. Die Adeligen verbeugten sich ehrerbietig und verstreuten sich in kleine Grüppchen. Alistair atmete innerlich auf und ging schnellen Schrittes auf die Flügeltür zu, als er eine Stimme hinter sich hörte: „Majestät, wartet!“ Er erkannte zweifelsfrei die Stimme der Frau, die seine Stiefmutter hätte sein können und er musste sich am Riemen reißen, um nicht laut aufzufluchen. Konnte man ihn denn nicht in Ruhe lassen?! Er blieb stehen und atmete tief durch, dann drehte er sich um, bemüht einen neutralen Gesichtsausdruck aufzusetzen.
„Lady Isolde, was kann ich für Euch tun?“
Die Gattin Eamons trat noch einige Schritte auf ihn zu und ihr war anzusehen, dass sie am liebsten woanders gewesen wäre. „Nicht Ihr sollt etwas für mich tun, Majestät, ich komme, weil ich etwas für euch tun … soll,“ antwortete sie kühl und mühsam beherrschter Stimme. „Mein Gemahl schickt mich, für den Fall, dass Eure Frau Hilfe in Erziehungsfragen oder Kinderbetreuung benötigt, stehe ich Euch zur Verfügung.“
Nun war es an Alistair sich zu beherrschen, es war offensichtlich, dass Isolde das nur auf Eamons Befehl hingetan hatte und es war für Alistair ebenso offensichtlich, dass er von dieser Familie sicherlich keine Erziehungstipps annehmen würde. Er schluckte seinen Ärger herunter und deutete eine Verbeugung an. „Ich weiß dieses Angebot sehr zu schätzen, Lady Isolde. Sollte die Königin …,“ weiter kam er nicht, denn der bisher einigermaßen überdeckte Zorn der Lady verlor endgültig die letzte Fassade. Ärgerlich sah sie ihn an und giftete: „Gar nichts wisst Ihr zu schätzen! Lügt mir nicht ins Gesicht, Majestät!“ Unverhohlener Neid war in ihren Blick getreten. „Ihr mögt vielleicht der König sein, aber deshalb seid Ihr immer noch kein Stück besser als früher. Wenn es nach mir gegangen wäre ...“
Alistair spürte überall auf seiner Haut den Schweiß ausbrechen, als er merkte, dass er in der Klemme saß. Die Ehefrau Eamons, seines Beraters, fühlte sich zurückgewiesen und es wäre ganz und gar nicht königlich gewesen sie vor dem Landthing entweder zurechtzuweisen oder sie gar zu blamieren – obwohl Alistair nichts lieber getan hätte. Einem Impuls folgend verbeugte er sich – scheinbar dankbar – tief vor der orlaisianischen Frau und sagte deutlich hörbar: „Ich danke Euch für euren Rat, Mylady. Er wird wie immer Gold Wert sein.“ Ohne sie noch einmal anzusehen, drehte er sich auf dem Absatz um und durchschritt die Flügeltür und bedeutete den Wachen, diese zu schließen.
Die Lady machte keinen Versuch ihm zu folgen, und kaum dass er außer Hörweite der Wachen war, seufzte er erleichtert auf. Diese Adeligen konnten einem aber auch den letzten Nerv rauben. Und was war das mit Isolde gewesen? Was wollte sie bezwecken? Nachdenklich fuhr sich Alistair mit der entblößten Hand über das Gesicht und ging auf den Raum zu, aus dem Jaina vorhin gekommen war. In seine Gedanken versunken hörte er die Geräusche nicht, die dumpf durch die hölzerne Tür drangen. So kam es, dass Alistair nichtsahnend die Tür aufstieß, in den Raum trat und den Blick umherschweifen ließ auf der Suche nach seiner Frau – was er fand, entsprach allerdings überhaupt nicht seinen Erwartungen: Er spürte, wie ihm die Augen übergingen, als er inmitten von verstreuten Kleidungsstücken zwei nackte Gestalten sah, die sich auf dem Boden vor dem Tisch wälzten – er erkannte zweifelsfrei die feuerroten und blonden Haare, die sich gerade aus einem Knäuel heraus lösten. Starr vor Schreck und seltsamen Entsetzen stand der König da, unfähig ein Wort zu sagen oder eine Bewegung zu machen, indessen hob Zevran den Kopf über Lelianas Schulter und sah Alistair an, der den Elfen noch nie so dreckig hatte grinsen sehen. „Nachhilfe gefällig?“ forderte Zevran den verwirrten König höhnisch heraus – der sich endlich soweit gefasst hatte, dass er beschloss, dass jetzt nicht die Zeit für Tiraden war, sondern die Zeit der Flucht. Mit einem Satz war Alistair wieder an der Tür und schloss sie lautkrachend hinter sich, immer noch Lelianas leises Kichern im Ohr.
Eilig, schon fast panisch ging er zum Nebenraum, linste vorsichtig zur Türe hinein und sobald er sich versichert hatte, dass in diesem Raum tatsächlich seine Frau saß, huschte er durch die Tür und lehnte sich aufseufzend von innen daran.
Jaina hatte gerade ihr Kleid wieder über die Schulter gezogen, als sie ihn sah und glücklich anstrahlte. Das Lächeln verblasste etwas angesichts Alistair Gesichtsausdruck, bevor es sich erneut verstärkte. „Was ist denn mit dir passiert? Du siehst aus als hätte Zevran dir einen Heiratsantrag gemacht,“ meinte Jaina fröhlich. Alistair empörter Gesichtsausdruck ließ sie auflachen, während der König begann, im Raum umherzulaufen.
„Damit liegst du näher an der Wahrheit, als du dir womöglich vorstellen kannst!“ erwiderte Alistair aufgeregt. „Die beiden haben … also sie sind – neben an und ...“ Innerhalb weniger Worte war Alistair so rot angelaufen wie noch zu Zeiten mit Morrigan in Lothering und es verstärkte Jainas Heiterkeit, die sich vor lauter Kichern kaum mehr auf dem Stuhl halten konnte. Zu allem Überfluss sah Ethan das als etwas sehr lustiges an und Alistair, völlig von den Socken und um Beschreibungen verlegen, sah seine Frau und seinen Sohn ihn herzlichst anlachen. „Wenn die das vor Ethan gemacht hätten, wärst du sicher auch nicht glücklich!“
„Was denn? Ihre Waffen geschliffen? Dolch-Weitwerfen gemacht? Was ist nur los mit dir?“ lachte Jaina. Mit einem großen Schritt war Alistair bei ihr und beugte sich über Frau und Kind. „Schhhhhhh,“ machte er und legte einen Finger über die Lippen. Innerhalb weniger Sekunden war es still, Jaina hatte neugierig die Ohren gespitzt und Ethan sah seinen Vater erwartungsvoll an, ob dem was nun kommen würde. Tatsächlich drangen einige Laute herüber, die Jaina eindeutig zuzuordnen wusste. Eine zarte Röte kroch nun auch über ihre Wangen, während Ethan begeistert aufkreischte und von seinem Vater gehalten werden wollte. Alistair legte die Handschuhe beiseite und nahm seinen Sohn entgegen, während Jaina leise zur Tür schlich und ihr Ohr daran legte. Ja, das klang tatsächlich nach etwas, das sie nie und nimmer in einer Landthingskammer riskieren würde – und dennoch musste sie zugeben, dass sie eine gewisse Bewunderung verspürte.
„Was sagen wir ihnen nur?“ fragte Alistair. Jaina antwortete mit einem Schulterzucken. „Nichts. Vielleicht ein scharfzüngiger Kommentar deinerseits, dass man durch das ganze Meuchelmorden für Gefahr abstumpft – oder wirst du dann wieder rot?“ neckte Jaina ihren Mann, dessen Gesicht noch immer rötlich leuchtete wie eine untergehende Sonne. „Wahrscheinlich. Aber jetzt lass dir erst mal erzählen, was im Landthing passiert ist ...“
"You were the Chosen One! It was said you would destroy the Sith, not join them! Bring balance to the Force, not leave it in darkness!" [Star Wars, The Revenge of the Sith]
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13.04.2012 20:30
#213
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Mythos
84) Rückblick
Jaina hob aufmerksam geworden den Blick: „Wieso, was ist geschehen?“ Alistair deutete an Schulterzucken an, während er Ethan vorsichtig wiegte. „Wenn ich es nicht besser wüsste, und ohnehin vorbelastet wäre, was Isolde angeht, würde ich sagen,“ argwöhnisch sah er sich im Raum um und setzte verschwörerisch flüsternd hinzu, „dass sie eine hinterhältige Giftspritze ist!“
Jaina lachte auf und erhob sich von ihrem Stuhl, ging auf Alistair zu und streichelte Ethans Rücken. „Damit könntest du Recht haben. Solange sie sich von uns fernhält.“ „Ich hoffe es,“ kritisch runzelte Alistair die Stirn. „Sie lässt dir ausrichten, dass du in Erziehungsfragen immer zu ihr kommen kannst. Anscheinend auf Eamons Geheiß hin. Leider hat sie gemerkt, dass ich darüber nicht begeistert war.“
„Ehe ich zu Isolde gehe und mir sagen lasse, wie man Kinder erzieht, frage ich einen Mabari-Hüter!“ gab Jaina verächtlich zurück. „Was sie wohl sagen würde? 'Steck den Jungen ins Kloster, sonst belästigt er dich den ganzen Tag?' Oder 'Wenn es ein Magier ist, halte es ja geheim, sonst nimmt man ihn dir weg!'? Nein, sicherlich nicht.“
Gemeinsam machte sich das Königspaar mit ihrem Sohn auf den Weg zurück zum Palast. Dort wartete schon eine Dienerin gemeinsam mit Wynne, die dem jungen Paar einen fast vorwurfsvollen Blick zuwarf. „Majestäten, Ihr solltet darauf achten, dass der junge Theodore regelmäßig seinen Mittagsschlaf bekommt. Kleine Kinder brauchen noch wesentlich mehr Ruhe als Erwachsene. Ich will mich um ihn kümmern!“ Dienstbeflissen baute sich Wynne vor den beiden auf und strahlte über das ganze Gesicht, als Alistair ihr Ethan übergab. Mit einer knappen Verbeugung verließ sie den Raum, die Dienerin im Schlepptau und ließ ein sich angrinsendes Königspaar zurück.
„Sie ist gerne Ethans Oma. Sie hätte wohl auch gerne Kinder gehabt,“ meinte der König lächelnd. „Oh, ich glaube, sie hatte eines. Aber im Zirkel war das nicht leicht. Sie erwähnte da mal etwas, aber ich weiß es nicht mehr genau.“
„Dann hätte sie mir ja doch meine Socken stopfen können!“ rief Alistair aus. „Geh schon mal ins Regierungszimmer, ich komme gleich nach. Ich will mich nur von diesem Blecheimer befreien!“
Jaina nickte und schlug den Weg zu dem Zimmer ein, in dem so manche wichtigen Entscheidungen gefallen waren. Sie erinnerte sich an die Zeit vor bald zwei Jahren, als sie diesen Weg in einem Strudel der Gefühle zurückgelegt hatte, als sie gerade erfahren hatte, dass sie ein Kind in sich trug. Wie glücklich war sie gewesen – und wie glücklich war Alistair gewesen als er es endlich verstanden hatte. Jaina lachte leise, als sie sich ins Gedächtnis rief, wie verdutzt Alistair zuerst gewesen war, wie er alle vernünftigen Erklärungen zwar anzuhören schien, aber der Groschen erst später fiel.
Die Tür fiel hinter ihr ins Schloss und sie plumpste direkt auf den weichen, rot gepolsterten Sessel hinter dem Schreibtisch. Neugierig öffnete sie die oberste Schreibtischschublade. Darin befanden sich einige bekritzelte Pergamente und obenauf, nicht zu übersehen, lag eine silberne Kette mit einem blauen Amulett daran, das die Sonnenstrahlen, die zum Fenster herein drangen, widerspiegelten. Ohne zu zögern griff Jaina in die Schublade und legte das Geschenk von Alistairs Mutter auf den Tisch. Instinktiv fasste sie an ihren eigenen Hals, aber sie trug die Kette nicht, die ihr Vater ihr gegeben hatte. Auf einmal nachdenklich stützte Jaina die Kopf auf die Hände und ihr Blick verschwamm, als sie an ihren Vater dachte.
„Ihr müsst gehen! Flieht durch den Geheimgang! Ich schaffe es nicht!“ „Du kommst mit uns, Bryce!“ ließ sich Eleanore Cousland vernehmen. Jaina schoss an die Seite ihres Vater und nahm ihn am Arm, bereit ihn über ihre Schulter zu hieven. Sie versuchte nicht daran zu denken, in welchem Zustand ihr Vater sein musste, als sie die Lache aus Blut am Boden sah. „Du kommst mit uns. Wir finden jemanden der dich heilt. Ich lasse dich nicht zurück!“ Mit aller Kraft stemmte Jaina sich ihren Vater über die Schulter, es ging einfach, er war nicht schwer, sie fühlte sich, als könne sie auch den schwersten Krieger schleppen. Sie mussten hier weg! Das Ächzen ihres Vaters ließ sie aufmerken. „Nicht, Kleines. Ich schaffte es nicht, jedenfalls nicht, wenn ich nicht einige Teile verlieren will.“ „Bryce!“ schrie ihre Mutter schrill auf. Der Arm, den Jaina sich umgeworfen hat, begann langsam an ihr herabzurutschen, doch das ließ Jaina nicht zu. Sie ließ sich in die Hocke auf den Boden und mit einem Griff schob sie den Körper ihres Vaters auf sich. „Nein!“ knurrte Jaina. „Ich lasse dich nicht zurück! Mutter, hilf mir!“
Aber Eleanore Cousland hatte sich neben ihrem Gatten niedergelassen, der vollkommen auf Jainas Rücken lag und schüttelte den Kopf. „Euer Vater hat Recht. Wir müssen uns beeilen, wenn wir hier lebend rauskommen wollen.“ Jaina kannte diese dunkle Stimme, und der Ausruf ihrer Mutter bestätigte es ihr: „Duncan!“
Zornig hob Jaina den Blick. Was fiel diesem Wächter ein, hier hereinzuspazieren und ihr vorzuschreiben, wer wann wo fliehen konnte? Ihr Vater würde mit ihr kommen, und wenn es ihr Tod sein würde! Auf einmal spürte sie die Hand ihrer Mutter an ihrer Wange. „Lass ihn los, Liebes. Ich werde bei ihm bleiben. Flieh mit Duncan! Finde Fergus! Ich weiß, dass du das schaffen wirst!“
Fassungslos ob der Worte ihrer Mutter vergaß Jaina ihren Griff zu halten, und langsam aber sicher glitt ihr Vater von ihrem Rücken, sie spürte das viele Blut ihren Nacken herabtropfen und ihre Rüstung nässen. „Was?! Ich soll euch einfach hier zurücklassen?“ Duncan nickte und wandte sich an Jainas Vater. „Lasst mich sie zu einer Wächterin machen. Ich kann nicht mit leeren Händen zurückkehren.“ Bryce Cousland nickte erschöpft. „Ja, wenn ihr sie nur lebend hier raus bringt. Passt auf sie auf, Duncan!“ Damit bettete er seinen Kopf auf Eleanores Oberschenkel und streckte die Hand zitternd nach Jaina aus und berührte ihr Knie. „Tochter, geh mit ihm. Mach uns stolz!“ „Aber … !“ Jaina hatte keine Zeit noch etwas zu sagen, ihre Mutter hatte ihren Bogen vom Rücken genommen, positionierte ihn vorsichtig neben dem Kopf ihres Gemahl und legte in aller Seelenruhe einen Pfeil auf. „Sie werden dich nicht kriegen – nicht solange ich lebe!“ versprach sie ihrem Mann fest. Dann warf sie Jaina einen Blick zu, der voller Liebe war, und doch keinen Widerspruch duldete. „Geh jetzt, meine Liebe. Gib auf dich Acht. Und vergiss nie, wer du bist!“
Da hatte Duncan Jaina schon am Arm gepackt, und als ob er den Weg schon tausendmal gegangen wäre, zog er sie in den Gesindegang hinter der Speisekammer. Jaina folgte nur mechanisch, ihre Gedanken waren bei ihren Eltern. Sie wollte umkehren – sie musste umkehren, und ihnen beistehen! Einmal war sie kurz davor, sie wollte sich bereits umdrehen, aber als hätte er es geahnt, fuhr Duncan herum und blitzte sie an: „Das hat keinen Zweck! Du lieferst dich Howe nur vollkommen umsonst aus! Wir werden deine Eltern rächen, aber erst müssen wir zum König. Ich versichere dir, er wird das nicht unbestraft lassen.“ Sein Blick war – entgegen Jainas Erwartung – nicht zornig oder böse, sondern ruhig aber überaus eindringlich. Sie machte keinen weiteren Fluchtversuch, aber ihre Gedanken rasten. Hin und her, zurück zu ihren Eltern und auf der Suche nach Fergus.
Die Flucht aus Highever verlief ohne größere Zwischenfälle, abgesehen von einer von Howes Patrouillen, die in einem größeren Kreis um die Burg gingen und just in dem Moment, in dem Duncan und Jaina aus einem Gebüsch hervorbrachen, ihnen gegenüberstanden. Noch nie war Jaina so schnell damit gewesen, einer Truppe von vier Leuten das Leben auszuhauchen. Ihre Augen versprühten Hass, ihre Tritte trafen Kiefern, die mit lautem Knacken brachen, ihre Faust rammte sie an ein Brustbein und ihre beiden Klingen vollführten einen Tanz aus filigranen Schnitten, scheinbar harmlos, die aber tiefe Blutspuren hinterließen. Mit einem gewaltigen Sprung warf sie den letzten Wachmann auf den Boden und schnitt ihm, auf seiner Brust kauernd, mit einem blitzschnellen Streich die Kehle auf.
Duncan erwiderte nichts auf Jainas Ausbruch, er wies ihr mit einem Nicken die Richtung und dann setzten sie sich in Trab, immer gen Osten.
Das Laufen hielt Jainas Denken im Gange. Wo vorher Vater und Mutter gestanden hatten, fühlte sie nur noch Leere. Und der Name ihres Bruders geisterte vor ihrem inneren Auge hin und her. Sie fragte Duncan nach Fergus aus, der nur wusste, dass dieser Richtung Ostagar aufgebrochen war. Sie ließ nicht locker und versuchte alles Wissen, bewusst oder unbewusst, aus Duncan herauszupressen. Doch bald sah sie ein, dass es keinen Zweck hatte. Sie musste damit warten, bis sie in Ostagar angekommen wären.
„Warte, Jaina.“ Duncan war stehengeblieben und einige Schritte nach links gegangen, auf einen verwahrlosten Baum zu, der bemerkenswert komisch aussah. V-förmig streckten sich zwei Stämme in die Höhe, erst in fünf Schritt Höhe betrug der Abstand der beiden Holzmasten mehr als einen Schritt. „hier ist eine Quelle. Die Sonne wird gleich aufgehen. Wir müssen uns etwas ausruhen, jetzt da wir weit genug vom Schloss weg sind.“
„Ich bin noch nicht müde,“ entgegnete Jaina stur. „Lass' uns weitergehen. Ich muss zu König Cailan und herausfinden was mit Fergus ist.“
Doch Duncan schüttelte unnachgiebig den Kopf. „Nein. Dort erwartet uns eine Schlacht. Wir können es nicht riskieren völlig ermattet dort anzukommen. Unsere Körper brauchen Ruhe. Und du ganz besonders. Es ist viel geschehen ...“ „Was weißt du schon über mich?!“ fauchte Jaina zornig.
Duncan sah sie fast kalt an. „Dass du gerade deine Eltern verloren hast, und glaube mir, damit wirst du dich jetzt auseinander setzen. Und diese Zeit gebe ich dir hiermit. Nutze sie!“
Seine Worte trafen sie ins Herz, eines nach dem anderen. Aller Trotz, den sie Duncan entgegenschleudern wollte, aller Hass auf Howe und seine treudoofen Speichellecker – alles verpuffte mit einem Mal und sie war nur noch eine ermattete, müde und todtraurige Kriegerin. Duncan ruckte mit dem Kopf in Richtung des Baumes. „Dort ist die Quelle,“ fügte er sanft, ja verständnisvoll hinzu. Ohne weiter auf Jaina zu achten, schnallte er sein Schwert vom Rücken, trank durstig seinen Lederbeutel aus und legte sich auf den Rücken, die Hände hinter dem Kopf verschränkt.
Der Himmel hatte sich bleigrau gefärbt und zwischen den beiden Baumstämmen sah Jaina ein kleines Stück glühendes Rot, das sich langsam aber sicher ausbreitete und der schwarzen Landschaft viele Hundert Schritt vor ihr Farbe und Wärme verlieh.
Erschöpft ließ sich Jaina auf die Knie fallen und trank durstig aus der Quelle. Das Wasser war kalt, aber es belebte ihre Sinne. Langsam drückte sie ihren Rücken durch und erblickte voller Schreck ihr Spiegelbild im Wasser. Ihre Rüstung war über und über mit Blut beschmiert, das sicher nicht ihr eigenes war, ihre Haare waren von Blut verklebt, und ein getrocknetes, fingerdickes Rinnsal zog sich an ihrem Hals hinab in Richtung ihres Rückens. Mit fahrigen Fingern löste sie Schnallen und Riemen und riss sich die Rüstung vom Oberleib. Ihre Haut war mit getrocknetem Blut bedeckt, die Rüstung am Rücken durchnässt. Fassungslos fuhr Jaina mit ihrer Hand über den Schutz und sah ihre Handfläche rot färben. Das Blut ihres Vaters an ihren Händen – durchzuckte sie ein Gedanke. Sie hatte seinen Tod mit zu verantworten! Wenn sie nicht nachgegeben hätte, wäre es ihr gelungen, ihn herauszuschaffen. Und jetzt war nicht nur ihr Vater, sondern auch ihre Mutter tot. Jaina spürte salzige Tränen ihre Wangen herunterlaufen und die Lippen berühren, die ausgetrocknet und spröde waren. Sie hatte alles verloren! Schniefend setzte sie sich auf und warf die Rüstung mit einem Platschen ins Wasser, versuchte durch reiben das Blut wegzuwaschen. Blut, Wasser und Tränen vermischten sich auf Jainas Händen, während sie still grübelte. Es half alles nichts. Howe mochte ihr alles genommen haben, aber nicht ihren Bruder, und nicht ihre Rache. Ein lautes Bellen ließ sie herumfahren und sie sah einen Mabari mit einem gewaltigen Satz über Duncan hinwegspringen. Sie konnte nicht anders, ihre Lippen verzogen sich zu einem breiten Lächeln, als ihr Hund ihr in die Arme sprang und beide rücklings ins Wasser klatschten.
"You were the Chosen One! It was said you would destroy the Sith, not join them! Bring balance to the Force, not leave it in darkness!" [Star Wars, The Revenge of the Sith]
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14.04.2012 15:31
#214
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Mythos
85) Aussicht (Epilog)
Alistair fuhr sanft über Jainas schwarzes Haar, strich behutsam eine der berüchtigten Ponyfransen hinter ihr Ohr. Es war ein schöner Anblick zu sehen, wie ihr Blick sich langsam klärte und im Erforschen des Raumes die grünen Augen hin und her huschten. Sie blieben am Amulett hängen, das noch immer auf dem Tisch lag.
„Bist du eingeschlafen oder nur in Träumen versunken – oder beides?“ neckte der König seine Frau, die sich aufrichtete und im Stuhl zurücklehnte. „Ich musste an meinen Vater denken, an meine Flucht aus Highever. An den Beginn meines eigenen Lebens,“ gab Jaina langsam zurück. Alistair wartete ab und sagte nichts.
„Damals war alles noch so einfach. Ich entschied, was richtig für mich war und damit hatte es sich. Jetzt … ist das anders. Ich bin anders.“ „Definitiv. Früher hättest du solche Gedankengänge nicht einmal mit Rauschkraut bekommen!“ grinste Alistair, was Jaina mit einem Knuff an seine Schulter quittierte.
„Du sehnst dich wohl danach wieder so sein zu können wie früher?“ hakte der König nach. „Könnte ich verstehen. Mir geht es teilweise genauso. Aber dann merke ich, wie schön mein Leben geworden ist. Keine Witze über meine Scheu bei Frauen. Keine gehässigen Bemerkungen, dass ich doch eh nur ein lyriumsüchtiger Templer bin. Und vor allem – keine dunkle Brut, die mein Leben noch drastischer verkürzen möchte.“ Mit einer theatralischen Geste breitete Alistair die Arme aus. Stattdessen eine wunderschöne Frau, um die mich jeder beneidet, eine funkelnagelneue, blitzende Krone, eine weise Beraterin, die sich rührend um meinen Sohn kümmert und das Schlimmste was mir passieren kann, ist Ethans Windeln zu wechseln!“
Jaina spürte, wie sich die Verkrampfung in ihrem Innern löste, als sie zu lachen anfing und immer weiter lachte. Mit bebenden Schultern erhob sie sich und fiel in Alistairs Arme. Sie brauchte ein wenig, bis sie sich wieder gefangen hatte und wischte sich einige Lachtränen aus den Augen. Sie wusste, dass kein anderer sie so aufmuntern konnte wie ihr Ehemann.
Sie liebte diesen Mann, den sie erst für einen lustige Witzbold gehalten hatte, über alles und würde ihn nicht gehen lassen. Ihr gemeinsamer Sohn sollte wachsen und ein erfülltes Leben haben.
Ihre Freunde, Leliana und Zevran, würden ihr beistehen, wann immer es nötig wäre. Sie planten bereits die ersten Ausflüge, sobald Ethan laufen konnte, um ihm zu zeigen, wo Lothering gewesen war, wo die Dalish lebten und die Wacht in Amaranthine besuchen.
Das Hindernis dabei würde nicht nur Wynne sein, die sich für eine wesentlich gemächlichere Erziehung voller Stricksocken und Geschichten einsetzte. Die alte Frau liebte den Jungen abgöttisch und verbrachte viele Stunden damit, ihm vom Zirkel und von Magie zu erzählen.
Der Onkel Ethan Theodores besuchte seine Schwester häufig in Denerim und in geschwisterlicher Arbeit verhalf vor allem Highever Ferelden zu neuem Glanz.
Sämtliche Gefahren waren endgültig beseitigt und es verblieben nur kleine Aufgaben, die das Königpaar und das Landthing zu bewältigen hatte.
Nur manchmal fragte sich Jaina, was wohl mit Morrigan passiert war und wie es der Hexe gehen würde. Aber alles in allem war es nur recht und wahr, wenn Jaina sagte: „Warum mein altes Leben? Jetzt bin ich glücklich!“
ENDE
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15.04.2012 22:20
#215
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Mythos
So könnte es auch sein – Ein Elf in Ferelden
Kapitel 1) Kindertage
„Hab dich!“ Ein kleines Holzstöckchen schnitt vor dem Jungen durch die Luft, der im Zurückweichen über einen Stein stolperte in rücklings ins Gras fiel. Das Mädchen ließ sich auf ihn fallen und hielt den Stock an seinen Hals „Ergib dich!“ rief sie fröhlich.
„Das ist nicht fair! Ich bin hingefallen!“ protestierte der Junge und stemmte seine Hände gegen den Oberkörper des Mädchens. Die aber setzte sich auf seinen Bauch und lachte. „Na und? Gewonnen ist gewonnen.Wenn das jetzt ein richtiger Feind gewesen wäre, wärst du tot!“ Mit einer ruckartigen Bewegung schleuderte das Mädchen ihre aschblonde, schulterlange Haarpracht nach hinten und befreite ihr Gesicht von schweißverklebten Strähnen. Der Junge nutzte die Gelegenheit, packte die schmalen Schultern des Mädchens, drehte sie auf die Seite und rollte sich auf sie, sodass nun er die Oberhand hatte. „Ha!“ triumphierte er. Nun zog das Mädchen eine Schnute. Doch der Junge erhob sich schnell und half seiner Spielgefährtin beim Aufstehen.
In dem Moment schallte es von den Häusern her: „Airón! Essen!“, nur einen Moment später folgte eine andere Stimme: „Menora – kommst du?“
„Jaaah!“ brüllten die Kinder zeitgleich zurück und grinsten sich an. Während sie den Weg zurücklegten, warf Menora missmutig ihr Stöckchen weg. „Warum muss Mama mich immer Menora nennen. Ich hasse diesen Namen!“ Überrascht sah Airón sie an. „Wieso denn – er klingt doch schön! Wer hat ihn dir denn gegeben?“ „Das war Papa, aber Mama fand ihn auch schön. Es ist antivianisch für 'klein' oder 'winzig', ich war als Kind eben klein.“
„Nur als Kind? Du bist jetzt auch noch klein,“ neckte Airón, woraufhin er einen Rippenstoß kassierte. „Gar nicht wahr! Ich bin fast so groß wie du!“ behauptete Menora. „Außerdem bin ich älter!“
Airón beließ es dabei und verabschiedete sich, sobald sie am Ortseingang angekommen waren, von seiner Freundin und eilte nach Hause.
Airóns Familie, besser gesagt seine Eltern, wohnten in einer etwas schäbigen Hütte nahe der Kirche. Die Steine waren von grünem Moos bedeckt und die Dachschindeln sahen aus, als würden sie im nächsten Moment herunterfallen. „Mam, ich bin da!“ rief Airón in den Raum hinein, als er die Tür öffnete. Es duftete herrlich nach Hühnersuppe, ein Gericht, das bei ihnen nur selten auf den Tisch kam. „Geh und wasch dir die Hände vor dem Essen. Dein Vater hat zum Dank ein Huhn bekommen, und da ihr beiden die Suppe so sehr mögt …,“ lächelte seine Mutter, die aus der Küche gekommen war. In eine weiße Schürze gehüllt und die rabenschwarzen Haare in einem festen Knoten an den Hinterkopf gebunden waren die spitzen Ohren zu sehen, die eng am Kopf anlagen.
Airón nickte und eilte zu dem Waschzuber, um sich zu reinigen. Schnell saß er am Tisch und hatte den Löffel in der Hand, während er sehnsüchtig wartete, dass seine Mutter den Kessel brachte.
„Na, Junge, warst du schön spielen?“ Airóns Vater, ein hochgewachsener, schlanker Mann setzte sich zu ihm an den Tisch und krempelte die Ärmel seines Hemdes hoch. Der wachsame Blick aus grauen Augen lag auf seinem Sohn, der die schwarzen Haare seiner Mutter, aber die Augenfarbe seines Vaters geerbt hatte. „Ja, mit Nora. Sie hat mich wieder besiegt,“ gab er traurig zu. „Mach dir nichts draus, eines Tages, dann wenn es wichtig ist, wirst du sie besiegen,“ schmunzelte sein Vater.
Endlich trug Airóns Mutter das Essen auf, Dampf stieg aus dem riesigen Kessel, den sie in die Mitte des großen Holztisches wuchtete. „Wie immer riecht es wunderbar, Arcantha,“ lächelte Airóns Vater als er sich erhob und sich nacheinander die Schalen reichen ließ. „Nun übertreib nicht gleich so, ma vhenan. Es ist doch nur eine Suppe,“ entgegnete die Elfin, doch auch sie schien glücklich zu sein. Gemeinsam ließen sie sich das Festmahl schmecken.
„Wo warst du so lange?“ keifte Mella, sobald ihre blonde Tochter das Haus betrat. „Hast du dich wieder mit diesem Elfen herumgetrieben? Wie oft muss ich dir noch sagen, dass dieser Junge dir nicht gut tut?“ theatralisch seufzte sie auf, während sie geräuschvoll den Tisch deckte und einen Topf Kartoffeln und eine Schale voller Gemüse auftrug. „Und wasch dich vor dem Essen!“ fügte sie streng hinzu.
„Airón ist völlig in Ordnung!“ gab Nora patzig zurück, während sie sich eine Ladung Wasser aus einem Zuber ins Gesicht klatschte und verrieb. Notdürftig wusch sie sich die Hände und rubbelte sich trocken, nur um dann mit dem Holzlöffel bewaffnet in Angriffsposition zu begeben.
„Menora, er ist nur ein Elf. Elfen hatten schon immer die schlechteren Berufe als Menschen, was glaubst du, wird er einmal machen, wenn er groß ist. Was wirst du denn einmal machen?“ „Ich werde die berühmteste Schurkin aller Zeiten sein! Und Airón wird mein Kamerad! Wir üben schon jeden Tag!“ erzählte Nora eifrig.
Nun lächelte Mella ein wenig. „Kind, was du dir alles ausdenkst. Nun iss, sonst wird das Essen kalt.“ Das brauchte sie der Tochter nicht zweimal zu sagen, Nora hatte den Mund schon voller Kartoffeln.
„Wo ist Papa?“ kaute Nora zwischen den Zähnen hervor, was ihr einen strengen Blick ihrer Mutter einbrachte, die gerade zu einer Antwort ansetzen wollte, als ein kräftiges „Hier!“ durch den Raum klang und eine Tür zuschlug. Nach einem Augenblick trat ein breitschultriger Mann in den Raum, der Drei-Tage-Bart in seinem Gesicht war das einzige, das nicht in das saubere und makellose Erscheinungsbild passte. Die muskelbepackten Arme spannten durch das dünne Hemd, als der Mann sich Kartoffeln auftat. „Und, Papa? Sind die neuen Dolche da? Darf ich sie sehen?“ Bettelnd sah Menora ihren Vater an, der gutmütig lachte. „Wenn du artig bist, schleifen wir sie nachher gemeinsam.“ „Jipiieh!“ rief Nora aus und wollte schon aufspringen, doch ihre Mutter hielt sie fest. „Erst wird aufgegessen. Dass du immer so stürmisch sein musst! Dazu taugen Schurken ja allemal!“ Mella verdrehte die Augen in Richtung ihres Mannes.
„Soso, eine Schurkin willst du werden? Gestern wolltest du noch meine Schmiede übernehmen,“ bemerkte der Vater.
„Ach, ich mache einfach beides,“ antwortete Nora großspurig.
„Brian, irgendwann wird sie noch als Landarbeiterin enden, wenn sie weiter mit diesem Elfenkind spielt!“ warf ihre Mutter ein.
„Was ist denn an Elfen so schlecht?“ wollte Nora wissen. „Sie leben in Wäldern, unzivilisiert und ernähren sich von Pflanzen. Sie tun geheimsnisvoll, als ob sie alles wüssten und wir nichts, aber in Wahrheit müssen sie schwer kämpfen um zu überleben. Sie sind einfach arrogant!“ spie Mella geradezu aus.
Verwundert blickte Nora von ihr zum Vater, der unbestimmt den Kopf schüttelte. „Das verstehst du noch nicht, Menora, dazu bist du zu jung.“
„Bin ich gar nicht! Ihr wollt mir nur nicht sagen, was ihr gegen Airón habt! Wahrscheinlich, weil ihr ihn einfach nicht mögt. Oder seine Mama. Dabei ist sie ganz lieb!“
„Menora, wie oft habe ich dir schon gesagt, dass du nicht mit diesem Jungen nach Hause gehen sollst?“ mahnte Mella streng.
„Nenn mich nicht immer Menora!“ fuhr ihre Tochter sie an. „Ich heiße Nora. Und irgendwann heirate ich Airón einfach, dann sehr ihr, was ihr davon habt!“ Beleidigt schob Nora den noch halb gefüllten Teller von sich und rutschte vom Stuhl.
„Na, da bin ich mal gespannt ob der Junge da mitmacht,“ meinte der Schmied an seine Frau gewandt, als im nächsten Moment die Tür zur Schmiede ins Schloss fiel. „Denn das dürfte sehr anstrengend mit ihr werden.“
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30.05.2012 23:25
#216
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Mythos
Kapitel 2) Getrübte Idylle
Fortsetzung zu Kapitel 1) Kindertage
Es rumpelte und ratterte, es fühlte sich an als würde die Erde beben. Dabei war es in Wahrheit der Schubkarren, der in Windeseile über die unebene Grasfläche bei der Windmühle geschoben wurde. Nora schnappte nach Luft, was aber nicht viel half, die kratzigen Kartoffelsäcke um sie herum ließen scheinbar keinen frischen Hauch hindurch. Sie konnte jeden ihrer Knochen spüren und jede Kartoffel, gegen die sie gepresst wurde. Doch sie versuchte still dazuliegen. Aber diese Hitze hier drin machte sie noch wahnsinnig. Und der Staub! Sie hätte den Sack vorher waschen sollen, bevor sie sich darin verschnüren ließ. „Airón, mach schon. Ich ersticke gleich!“
„Sei still, da vorn ist ...“ im nächsten Moment hörte sie die wohlbekannte Stimme ihrer Mutter und spürte, wie das Beben nachließ und schließlich abebbte. Mucksmäuschenstill lag sie da und rührte sich nicht. „He, du. Hast du Menora gesehen? Wo ist sie?“
„Tut mir sehr Leid, Mylady, ich weiß es nicht,“ antwortete der Elfenjunge ruhig und gefasst. „Wann hast du sie zuletzt gesehen?“ fragte die schneidende Stimme ihrer Mutter. „Und lüg mich nicht an, ich weiß genau, dass ihr ständig zusammen spielt!“
„Ich entschuldige mich vielmals, Mylady, aber zuletzt habe ich sie heute Morgen an der Schmiede gesehen, als sie ...“ „Das weiß ich auch, du nichtsnutziges Klingenohr! Aber ich suche sie jetzt!“ einen Moment herrschte Stille und auf einmal bemerkte Nora einen Reiz in ihrer Nase. Oh nein, nicht jetzt, bitte nicht jetzt …
„Was machst du da eigentlich, du Trottel? Willst du noch Kartoffeln an die Dunkle Brut verkaufen, bevor sie uns überrennen?“ Nora spürte förmlich, wie ihre Mutter näher trat und den Blick über die wildaufeinandergestapelten Säcke gleiten ließ. „Was soll das, Junge? Das sind unsere Vorräte! Bring sie sofort zurück!“
Noras Nase kribbelte immer mehr, sie konnte ihre Hand aber auch nicht bewegen, ohne dass man es von außen sah. Verzweifelt drückte sie ihre Nase gegen den nächsten Sack und spürte den harten Widerstand der Erdäpfel.
„Tut mir sehr Leid, Mylady, das sind Kartoffeln aus unserem Anbau und ich soll sie sofort wegbringen. In die ...“
„Ach verschwinde, um dich ist es eh nicht schade. Aber wenn du Nora siehst, sag ihr, sie soll sofort, und ich meine sofort, zur Schmiede kommen. Der Angriff der Brut steht kurz bevor,“ keifte Mella, bevor sie sich, den Geräuschen nach zu urteilen, heftig umwandte und davonstolzierte.
Die Schubkarre setzte sich wieder in Bewegung, das Holpern begann von Neuem und füllte Noras Ohren. Sie hielt die Luft an, sicherheitshalber, aber im nächsten Moment nieste sie so gewaltig, dass es klang, als hätte man eine Haubitze abgefeuert. „Das war verdammt knapp!“ schniefte sie hörbar.
„Ja. Ich weiß wirklich nicht, ob das eine so gute Idee ist, der Brut entgegenzulaufen, Nora! Deine Mama hat Recht, wir sollten zu unseren Familien!“
„Ach was!“ entgegnete Nora leichtfertig. „Vergiss nicht, wir haben Dolche. Damit können wir uns verteidigen. Aber bitte, wenn du dich nicht traust, dann kundschafte ich eben alleine aus!“ Mit diesen Worten fummelte sie an den Rändern ihres rauen Gefängnisses und nach einigen Sekunden hatte sie die Schlaufe gelöst und steckte den Kopf heraus. Tief sog sie die frische Luft ein. „Gleich sind wir da,“ reif sie vergnügt, und tatsächlich, die Windmühle war mittlerweile riesengroß und keine 50 Schritt mehr entfernt. „Wird auch Zeit,“ keuchte Airón. „Der Karren wird langsam echt schwer!“
„Oh man, was bist du für ein Waschlappen!“ stöhnte Nora entnervt. „Das nächste Mal kannst du ihn ja schieben!“ gab der Junge patzig zurück. „Und wie soll ich mich dann vor meine Mutter verstecken, du Hirni?“ fauchte das Mädchen. Airón gab darauf keine Antwort, aber sein Kiefer spannte sich an. Endlich stellte er die Schubkarre hinter der Mühle ab und half Nora, sie aus dem Sack zu schälen. Als das geschehen war, huschten die beiden Kinder durch den Eingang und erklommen die Stufen der Mühle, die normalerweise um diese Zeit auf Hochtouren lief. Heute allerdings, wo Kriegsgeruch in der Luft lag, hatte man alle Arbeit in Lothering ruhen lassen und bewachte stattdessen den Stadtzugang. Die Templer waren unruhiger als sonst und Frauen samt Kinder wurden in die Kirche gebracht.
Das riesige Gewinde des Mühlrades wand sich wie die Wendeltreppe in einem engen Kreis, die Treppe immer um das immense Werkzeug herum, und schwer atmend kamen die beiden Kinder am obersten Balkon, direkt unter dem Dach mit der Mühle, an.
Mit einem Ruck öffnete Nora die Türe, die zu dem kleinen Balkon führte, der einmal den Mühlturm umrundete, und trat hinaus. Sie reckte den Kopf und versucht mit ausgestrecktem Arm an das nächste Windrad heranzukommen, doch sie war zu klein. Airón verkniff sich seinen Kommentar als er ihre Bemühungen sah. Wachsam überschaute er die Landschaft, die nahmen Hügelketten, die weiten Wiesen und Felder und das kleine Dorf. Es schien wie ausgestorben. Am hinteren Tor konnte man einige Templer erkennen. Nora hatte ihre Bemühungen aufgegeben und duckte sich nun hinter das Geländer. „Und was nun?“ fragte der Elf seine Spielgefährtin. „Wir warten. Bis die Brut kommt. Und dann … überraschen wir sie und fallen ihnen in den Rücken!“ fügte sie fast begeistert an.
„Das schaffen wir nie. Wenn es stimmt, was Papa sagte, dann sind das Horden, denen kann man nicht einfach in den Rücken fallen,“ gab Airón zu bedenken.
„Ich kann das!“ erwiderte Nora großspurig. „Schau mir einfach zu und mach es nach.“ Sie schenkte ihm ein aufmunterndes Lächeln.
Der Elf erwiderte nichts, aber seine Miene verfinsterte sich, als er im gleichen Moment aus einer der Hügelketten etwas … strömen sah. Erst langsam, dann immer schneller werdend wälzte sich eine Menge an schwarzen Gestalten aus dem engen Gebirgsausgang und breitete sich wie ein Ölteppich über die grüne Wiese aus. „Runter!“ bekam Airón noch hervor, hatte Nora aber schon gepackt und auf den Boden des Balkons gedrückt, der aus stabilen Planken bestand. Durch die engen Ritzen konnte man sehen, was direkt unter dem Balkon geschah und das Geländer war auch aus breiten Holzlatten roh zusammengezimmert.
„Wir warten einfach, bis sie unter uns sind. Dann können wir runterspringen und ...“ begann Nora mit etwas zittriger Stimme, als sie die vielen Brutwesen sah. Hässlich, riesengroß, sicherlich an die zwei Schritt und mit spitzen Waffen und rohen Prügeln bewaffnet geiferten sie. Noch waren die beiden Kinder anscheinend nicht bemerkt worden, denn die Brut hielt direkt auf den Hintereingang Lotherings zu.
„Hör auf damit, Nora,“ erwiderte Airón heiser. „Du weißt genau, dass das unser sicherer Tod wäre. Spiel jetzt bitte nicht die Heldin.“ Er warf ihr einen ungeduldigen Blick zu, den er fast sofort bereute, als er sah, wie mitgenommen sie aussah. Schweiß perlte von ihrer Stirn und verklebte ihren blonden Haaransatz. Sie hatte große Augen angesichts der Brut bekommen und ihre Unterlippe zitterte leicht. „Keine Sorge, ich bring dich schon wieder hier raus,“ murmelte Airón tröstend und legte eine Hand auf ihre Schulter. Das Mädchen schluckte und nickte dann. Gemeinsam robbten sie in eine Position, die ihnen mehr Überblick verschaffte, ohne dabei große Geräusche zu machen. Endlich hatten sie eine Ritze im groben Holzgeländer gefunden, der den Blick freigab zum Ortseingang. Sie mussten nicht durch den Zaun sehen, um zu wissen was dort geschah, der beißende Geruch in ihren Nasen sagte es ihnen. Die Brut brannte Lothering nieder.
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03.07.2012 23:00
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Xallans Tagebuch
#217
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Lehrling
Meister Xallans Tagebuch, Einträge 745 - 746
ältere Eintrage
9:32 ZDD
Nubulis
Irvins Gefolge brachte heute Morgen die neue Lieferung für die Templer. Ich ging allein zum Rand der Siedlung, um sie in Empfang zu nehmen, obwohl ich zunächst Cullens jammernder Bitte nachgegeben hatte, mich zu begleiten. Doch ich teilte ihn zu einer völlig überflüssigen Wache am Ostrand des Waldes ein, weil er mich ein weiteres Mal der Blutmagie bezichtigt & seine Templer auf mich gehetzt hatte. Ich kann diesen Typen nicht leiden und werde alles daran setzen, ihm die härteste Zeit seines verweichlichten Lebens zu bereiten.
Irvings Templer brachten zusammen mit zwei Kisten Lyrium erfreuliche Nachrichten vom Zirkel. Ein Lehrling hatte beim Kehren im Keller mein Phylakterium zerbrochen. Man bat mich um einen Tropfen Blut, um ein neues herzustellen, doch ich konnte sie mit einer herrlich absurden Geschichte von akuter Lyriumglobin-Entzündlichkeit davon abhalten und etwas Zeit schinden. Der Verstand dieser Männer erreicht bisweilen die Begriffsstutzigkeit von Besänftigten. Ich konnte meine Schadenfreude nur knapp unterdrücken.
Doch es gibt auch beunruhigende Neuigkeiten. Unter den Jägern der Dalish hat es einen neuen Fall der Lykanthropie gegeben. Die Elfen des Clans erinnern sich mit Schrecken an den Angriff der Werwölfe vor zwei Jahren und befürchten eine Epidemie. Ich werde zu den Ruinen des Tempels aufbrechen müssen, um die Sache zu klären. Bis jetzt konnte ich die Dalish überreden, zu bleiben, aber ihre neue Hüterin drängt immer stärker zum Aufbruch.
Gerade jetzt würde mich ihre Abreise mehr schmerzen, als ich zugeben möchte. Rubin, eine Jägerin des Clans, hat mein Interesse geweckt. Ich möchte ihre Tattoos genauer untersuchen. Außerdem sind diese sogenannten „Vereinigungspraktiken“ von extrem kumulativer Stimulanz.
Aber die Dalish sind seit jeher ein Wandervolk. Wer bin ich, ihre endlose Reise aufzuhalten?
Ich genieße ihre Gegenwart, meine Hütte ist keine Stunde von ihrem Lager entfernt. Die Heiler tauschen diese wundersamen Dinge gegen meine Ernte, die Kinder spielen in meinem Garten und an Festtagen wirke ich ein paar Feuerzauber, die sie allesamt entzücken.

Ich beim Anschieben von Sarels Wagen
9:32 ZDD
Molioris
Liebes Tagebuch,
entschuldige, dass ich mich dir so lange nicht widmen konnte. Es sind ein paar unschöne Veränderungen eingetreten, die meine volle Aufmerksamkeit verlangen. Vor einem Monat sind die Dalish weitergezogen, doch nicht wie erwartet aufgrund einer vermeintlichen Lykanthropie. Diese hat sich nach eingehender Analyse als mehr oder weniger heftige Form gemeiner Gonorrhö herausgestellt. Ihr Aufbruch ist vielmehr diesem verfluchten Wiedergänger anzurechnen, der mein bescheidenes Heim und die Heimat meiner Freunde bedroht.
Ich habe ihm schon ein dutzendmal den Schädel eingeschlagen, aber diese Abscheulichkeit trägt wohl nicht umsonst ihren Namen. Es hat sich zu einer ausgewachsenen Fehde entwickelt. Der Mistkerl hetzt jede zweite Nacht Skelette und schlimmeres auf mich, was mich ganz schön auf Trab hält und außerdem die Reihen der Templer derart dezimiert hat, dass ich diesen Teil des Waldes nun völlig für mich allein habe. Cullen ist mit Mann und Maus zum Zirkel geflohen, wie es ihm sein niedriger Charakter gebot. Aber die Sache hat auch gute Seiten. Seit ich die Melonen hinter dem Haus mit dem Knochenmehl der Skelette dünge, komme ich mit der Ernte nicht mehr hinterher.
Ich besuchte den Zirkel, um Aufzeichnungen über Wiedergänger zu finden. Man stelle sich vor: ich musste eine halbe Stunde mit einem Besänftigten über meine abgelaufene Mitgliedskarte diskutieren! Nicht zu fassen, diese Eunuchen des Hirns. Ich sollte mir einen aus Irvings Bestand stehlen, um ihn zuhause als Lampenschirm zu benutzen.
Wie dem auch sei, in den Büchern fand sich wenig neues, außer einem winzigen Hinweis, dass ab und zu ein „Revenant“ zur reinsten Plage werden kann, wenn man sich auf einer persönlichen Ebene mit ihm anlegt. Was also habe ich getan? Seine Mutter beleidigt? Seinen modischen Geschmack kompromittiert? Unglaublich, mit was für Dingen man sich in diesen merkwürdigen Zeiten beschäftigen muss.
Bei einem guten Glas Sonnenblond kam ich mit Wynne schließlich auf die Idee, ihm ein Gefäß zu bauen. Das sollte ihn vorerst ruhigstellen, bis mir was besseres einfällt.
Nebenbei sei noch erwähnt, dass ich eine ausgeprägte Neigung zu meinen eigenen Lyriumkeksen entwickelt habe. Es kommt nicht selten vor, dass ich morgens ein ganzes Paket, das für Denerim bestimmt ist, allein verputze. Dass muss aufhören, oder Rubin wird mich kaum wiedererkennen, geschweige denn das Studium ihrer Tattoos wiederaufnehmen lassen, sollten wir uns jemals wiedersehen.
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08.07.2012 02:56
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Hüter des Feuers, Kapitel 2, Teil #1
#218
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Lehrling
(Link zu Kapitel 1)
„Was ist das letzte, an das Ihr euch erinnert?“ fragte Yin, ohne den Blick von den Flammen zu nehmen.
„Ich erinnere mich an sie“, sagte Bale.
„Ich erinnere mich daran, wie sie einen Oger fällte, als wäre er ein Baum, der ihr im Weg stand“. Während er sprach, blickte er auf einen schimmernden Gegenstand in seiner Hand, drehte und wendete ihn.
„Ich muss von irgendetwas getroffen worden sein. Das nächste, was ich weiß, seid ihr, wie ihr euch an meiner Rüstung zu schaffen macht.“
„Ihr müsst entschuldigen“, sagte Yin. „Ich hielt Euch für tot. Was angesichts des Leichenberges, in dem ich Euch fand, nicht verwunderlich ist.“
Bale schwieg. Er traute diesem Plünderer nicht über den Weg, aber im Moment war er sein einziger Hoffnungsschimmer. Er zog die Decke enger um die Schultern. Die Nächte wurden kälter.
Noch einmal gingen ihm die Bilder der Schlacht durch den Kopf. Die Erinnerungen rührten die alte Wut in ihm an, die in den Jahren seiner Ausbildung zu einem engen Vertrauten geworden war. Als ihn der Plünderer in in den Trümmern der Kirche von Lothering gefunden hatte, fühlte er fast ein wenig Bedauern, dass er nicht sein Leben im Kampf gelassen hatte. Wie durch ein Wunder war kaum einen Kratzer an ihm, wenn man von seinem brummenden Schädel einmal absah. Nob hatte weniger Glück gehabt. Sie fanden seine Leiche an den Resten einer Mauer, kaum mehr von den Kadavern der Dunklen Brut zu unterscheiden. Selbst im Tod hatte sich die Verderbtheit seines Körpers bemächtigt.
Dann hatte er begonnen, in den schwelenden Ruinen nach Mia zu suchen. Wie betäubt war er zwischen den Leichen der Templer, der Dorfbewohner und der Dunklen Brut umhergelaufen, doch er konnte sie nicht finden. Er nahm an, dass der Oger sie unter sich begraben haben musste, als er fiel. Doch auch dort fand er sie nicht. Der Plünderer, der sich Yin nannte, hatte den Boden untersucht und alles an sich genommen, was er tragen konnte. Ab und zu sagte er etwas wie: „Dieser hier kämpfte einen aussichtslosen Kampf.“ Oder: „Mit den Zaubern eines Gesandten ist nicht zu spaßen.“ Plötzlich sagte er: „Seltsam. Die Streitmacht der Horde hat sich wie ein Unwetter nach Norden gewandt, das ist unschwer zu erkennen. Aber eine kleinere Gruppe scheint sich gelöst zu haben. Dort führen eindeutig Spuren nach Süden.“
Bale wandte sich in die Richtung, in die Yin wies. Er war kein guter Fährtenleser, aber er sah den aufgewühlten Boden. Das Gras war zertreten und von schwarzem Blut befleckt. Als er über die Leichen stieg, um die Stelle genauer zu untersuchen, erregte ein Glitzern seine Aufmerksamkeit. Er kniete nieder. Sein Blick fiel auf eine Rune, die aus ihrem Sockel gerissen worden war. Er hob sie auf. Es war die Waffenrune eines Schwertes, wie sie die Aschekrieger von Luthias führten. Sie gehörte zu Mias Schwert.
„Was Ihr da vorhabt, ist aussichtslos“, sagte Yin und streckte sich mit einem Stöhnen auf seinem Lager aus. „Seit zwei Tagen folgen wir nun ihrer Spur und es ist anzunehmen, dass diese kleinere Gruppe von Biestern Gefangene mit sich führt. Aber ich habe eine ziemlich genaue Vorstellung davon, was Ihr finden werdet. Nämlich gar nichts.“
„Wenn es so aussichtslos ist, warum folgt Ihr dann mit mir dieser Spur?“ fragte Bale.
Yin, der sich die Kapuze über die Augen gezogen hatte und sich anschickte, zu schlafen, sagte: „Wenn Eure Freundin noch am Leben ist, gibt es nur einen Mann, der Euch sagen kann, wo Ihr sie findet. Und ich bin zufälligerweise gerade auf dem Weg zu ihm. Ich muss sagen, es beunruhigt mich ein wenig, dass diese Spur genau in seine Richtung führt.“
„Was ist das für ein Mann?“ fragte Bale.
„Er beschäftigt sich mit den Gepflogenheiten der Dunklen Brut, wenn man so will. Und wenn Ihr eure Wache in dieser Nacht ernst nehmt, könnten die Artefakte in meiner Tasche uns beide reicher machen, als Ihr euch vorstellen könnt.“ Mit diesen Worten drehte er Bale den Rücken zu und zog eine Decke über seine Schultern.
Bale starrte in das Feuer, das langsam erstarb. Er legte ein paar Äste nach, um es am Leben zu halten. Dann stand er auf und blickte nach Süden, wo sich die gewölbten Kuppen der Südhügel gegen den Sternenhimmel erhoben.
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24.07.2012 00:03
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Hüter des Feuers, Kapitel 2, Teil #2
#219
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Lehrling
vorheriger Teil
Sie liefen den ganzen Morgen, der so grau war wie die Furcht, die ganz Ferelden erfasst hatte. Bale behielt den Plünderer im Auge, nicht weil er einen Hinterhalt fürchtete, oder in eine Falle gelockt zu werden glaubte. Vielmehr misstraute er Leuten, die von den Toten nahmen, um sich selbst zu bereichern.
Yin trug eine Tasche mit sich, die mit den Habseligkeiten der Templer und der Brut gefüllt war. Ab und zu blickte er hinein, wie um sicherzugehen, dass noch alles da war.
"Erzählt mir von diesem Mann, zu dem Ihr unterwegs seid", sagte Bale, der hinter Yin ging, da er längst die Spur im staubigen Gras der Ebene verloren hatte.
"Ich weiß nicht viel von ihm", sagte Yin. "Er scheint sich mit diesen Kreaturen zu beschäftigen. Mit der sogenannten Verderbnis, die über uns hereinbrechen soll. Ein Märchen aus Tevinter, wenn ihr mich fragt."
"Ein Heer von Bestien, das ganze ganze Dörfer niederwalzt, scheint Euch wohl nicht zu beeindrucken", sagte Bale.
"Ich will nicht bestreiten, dass sie zahlreicher geworden sind. Aber dass sie von Drachen angeführt werden..." Yin lachte spöttisch. "Ich bitte euch!"
Bale wusste von einigen der Wächter, dass die Dinge weitaus ernster standen, doch er sagte nichts. Dass die Kreaturen überhaupt die Tiefen Wege verlassen hatten, sprach bereits Bände. Er wich einem größeren Felsbrocken aus, während seine Gedanken zu Mia wanderten. Wo mochte sie sein? Wenn sie überhaupt noch am Leben war.
"Dort vorn", sagte Yin und Bale hob den Blick vom Boden. Sie hatten den Rand des Waldes erreicht. Über den Baumkronen konnte man die größeren Erhebungen der Südhügel sehen.
"In diesem Wald trennen sich unsere Wege, Aschekrieger. Der Mann, den wir treffen werden, kann Euch vielleicht weiterhelfen. Er wohnt in einer Hütte zwischen den Hügeln. Seid freundlich zu ihm. Er ist etwas mürrisch geworden auf seine alten Tage."
Sie betraten den Wald, der eine angenehme Kühle ausstrahlte, auch wenn er das Tageslicht nahezu verschluckte. Die mächtigen Stämme alter Eichen erhoben sich wie die Säulen einer Halle um sie herum. Je weiter sie vordrangen, umso dichter standen die Bäume und es wurde schwieriger, sich zu orientieren. Yin schien das nicht zu kümmern. Er marschierte zielstrebig voran.
Bales Gedanken verfinsterten sich. Er hatte grausame Geschichten von den Rittern aus Ostagar gehört, als er am Vorabend der Schlacht mit ihnen getrunken hatte. Sie handelten davon, wie sich die Dunkle Brut an den Erschlagenen verging, wie sie ihre Opfer ausweideten und fraßen. Und davon, wie sie Überlebende in die Tiefen Wege verschleppten, aus welchem Grund auch immer. Dass man das nicht lange überleben konnte, schien so gut wie sicher. Er hoffte, dass Mia genug Kraft aufbot, um ihnen zu trotzen, bis er sie erreichte. Denn genau das würde er tun, egal, was auf ihn wartete.
Plötzlich konnte er Feuer in der Luft riechen. "Wir sind nah", sagte Yin. "Reißt euch zusammen!"
Sie traten auf eine Lichtung hinaus, die fast kreisförmig eine kleine Blockhütte umringte. Rauch quoll aus dem Schornstein. Das Dach war komplett mit Moos bedeckt. An der Hüttenwand lehnte ein Stoß Brennholz, zu dessen Füßen eine Axt in einem Hackklotz steckte. Dieser Ort verströmte Wärme und Frieden und Bale war von einer Empfindung gerührt, die selten geworden war in Zeiten des Krieges. Obwohl er die bekannte Anspannung in sich spürte und seine Hand auf dem Knauf des Schwertes ruhte, fühlte er, dass hier ein guter Geist am Werk war.
Er hörte jemanden eine Melodie pfeifen und wandte den Kopf in Richtung des Waldrandes. Ein Mann trat zwischen den Bäumen hervor. Er trug einen Ast quer über die Schultern, an dessen beiden Enden Wassereimer baumelten. Es schien kein alter Mann zu sein. Dennoch war sein Haar schneeweiß und er trug eine einfache, graue Robe. Als er die beiden Ankömmlinge erblickte, blieb er abrupt stehen und sah hinüber. Yin hob die Hand. "Meister Xallan!" rief er. Der Mann stellte die Wassereimer ab, nahm den Ast und richtete ihn auf Bale. Etwas Leuchtendes flog auf den Aschkrieger zu, der sofort sein Schwert zog, aber plötzlich in der Bewegung erstarrte. Ein gleißendes Licht ging von ihm aus und Yin erhob abwehrend die Hände. Seltsame Ringe hatten sich um Bales Füße gelegt, der starr wie eine Statue alter Könige mit halb gezogenem Schwert im Gras stand.
"Wer ist das, beim Erbauer!" rief der Mann und näherte sich mit schnellen Schritten. Yin hatte sich kaum von dem Schrecken erholt, als er am Kragen gepackt wurde und in das zornige Gesicht des Magiers blicken musste. "Ich ahnte schon, dass mir irgendwann ein gieriger Schurke die Templer auf den Hals hetzen würde!", sagte er. "Dass es nun ausgerechnet Ihr seid!"
"Er ist kein Templer!", beeilte sich Yin zu sagen. "Er ist ein Überlebender aus Lothering!"
"Lothering..." sagte Xallan mit ruhiger Stimme und ließ Yins Kapuze los. Er blickte dem gelähmten Krieger in Gesicht, das noch immer von der Energie des Zaubers umschlossen war.
"Er sieht nicht aus wie irgendein Bauerntölpel aus Lothering. Außerdem trägt er die Bemalung eines Aschekriegers. In was für Schwierigkeiten steckt Ihr diesmal wieder?"
Der Zauber löste sich auf und Bale wurde aus der Erstarrung gerissen. Sein Körper führte die angefangene Bewegung aus, die sein Geist längst abgeschlossen hatte, weswegen er aus dem Gleichgewicht geriet und stolperte. Als er sich gefangen hatte und das Schwert gegen den Magier richtete, sagte dieser mit erhobener Hand: "Verzeiht, Fremder, dass ich euch in eine so unschöne Situation gebracht habe. Die Verderbnis hat mich vorsichtiger werden lassen. Vielleicht zu vorsichtig. Gestattet mir, mich vorzustellen."
Bale hatte Mühe, sein wütendes Blut unter Kontrolle zu bringen. Sein Atem ging schnell, sein Herz pochte. Doch nach allem, was Yin über diesen Mann angedeutet hatte, schien es unklug, ihn an Ort und Stelle zu erschlagen. Obwohl er nichts mehr hasste, als von Magie berührt zu werden, welcher Schule sie auch immer angehörte, steckte er sein Schwert zurück.
"Mein Name ist Xallan“, sagte der Magier und deutete mit dem Kopf ein Verbeugung an. „Bescheidener Diener der Wissenschaft und Einsiedler der Südhügel. Wie ich sehe, habt ihr mit meinem...Kollegen hier schon Bekanntschaft gemacht. Was führt Euch hierher?"
Yin machte ein verstimmtes Gesicht. "Vielleicht könntet Ihr," sagte er, "in Eurer unendlichen Güte Euren Gästen ein Lager und etwas zu Essen anbieten. Es war nicht unbedingt ein Spaziergang, wenn Ihr versteht." Dabei hielt er die Ledertasche hoch, die er bei sich trug. Der Magier sah die Tasche an. "Ist das alles?" fragte er und befühlte sie.
"Nun gut", sagte er. "So folgt mir."
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06.08.2012 10:47
#220
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Mythos
Kapitel 3) Der Überfall
Der Schmied Lotherings, Brian, Menoras Vater, hatte sich in die Schmiede zurückgezogen und bediente am Hinterausgang seines Ladens seine Dorfmitbewohner. Seine Waffen waren die besten (abgesehen davon, dass er der einzige Schmied war) und er rüstet alle Männer mit breiten Schwertern oder stacheligen Streitkolben aus. Der Geruch des Krieges lag in der Luft, seit er sich vor Sonnenaufgang erhoben hatte. Insgeheim war er dankbar dafür, dass er immer so fleißig gewesen war, er gab gerade sein letztes verbliebenes Schwert an einen guten Freund aus, der ein Wachmann war und auf den Namen Leo hörte. Er nahm das Schwert dankbar entgegen und warf Brian einen fragenden Blick zu. „Ist deine Familie sicher? Du musst hierbleiben und sie beschützen. Ich werde mit den anderen die Brücke verteidigen.“
„Ich denke schon,“ erwiderte Brain. „Ich weiß, dass Mella mit mir aufgestanden ist, ich vermute, sie kümmert sich um Nora.“ Mit einem Klappern zog der Schmied die Holzläden vor und verrammelte alle noch offenstehenden Fenster. Nur die Tür, in der Leo stand, war noch geöffnet, und in diesem Moment stürmte eine blonde Frau herein, die sich als Mella entpuppte. „Brian!“ rief sie schrill aus und warf sich in seine Arme, „ich kann Menora nirgends finden. Sie ist nicht hier, nicht bei ihren Freundinnen, nicht mal dieses Klingenohr hat sie gesehen!“ Zwischen Entsetzen und Angst schwankend schlang sie die Arme um den Hals ihres Mannes, Leo völlig ignorierend. Brian hielt seine Frau fest und strich ihr tröstend über den Kopf. „Sie wird schon hierher zurückkommen. Sie weiß, dass die Brut gefährlich ist. Ganz sicher, mein Schatz.“ Doch sein Blick sagte etwas gänzlich anderes. Leo setzte an etwas zu sagen, doch eine rasche Geste Brians ließ ihn verstummen.
„Mella, Liebes, Leo bringt dich zu den anderen Frauen und ich werde hier aufpassen. Wir wohnen nah am Eingang, wenn Nora kommt, dann sehe ich sie sofort und … kann ihr helfen, wenn es nötig sein sollte.“ Seine Frau ließ ihn nur widerstrebend los und Brian erkannte die Tränen, die in ihren Augen glitzerten. „Bitte, Brian, sie muss zurückkommen,“ flehte sie, als läge es ganz in der Macht des Schmiedes. Brian senkte den Kopf zu ihr und presste seine Lippen kurz auf ihre. "Mach dir keine Sorgen und bleib in Sicherheit!" Da bot Leo ihr schon den Arm: „Komm, Mella, wir müssen uns beeilen. Vielleicht ist Nora ja schon bei der Kirche!“ Damit führte er sie rasch aus der Schmiede, deren Tür donnernd zuflog.
Brian hieb frustriert mit dem Hammer auf den leeren Amboss, sodass ein dumpfes „Klonk“ durch die Schmiede hallte. Er ahnte Fürchterliches. Den Hammer beiseitelegend schnallte er sich sein eigenes Schwert um und bückte sich zu dem kleinen Schrank an der Wand, zog die unterste Schublade hervor. Dort lag, wie gestern auch, die dünne Leinendecke, die die Dolche beherbergte. Brian griff danach, und in dem Moment, in dem er das Tuch berührte, wusste er, dass er richtig gelegen hatte. Er zog den weichen Leinenfetzen aus der jetzt leeren Schublade und schüttelte ihn, als könnten die zwei Dolche noch herausfallen. „Verdammt!“ fluchte er, warf das Tuch von sich und stürmte zum Eingang, wo er die Tür öffnete und Lothering überblickte. In diesem Moment bog Leo um die Ecke und kam vor ihm, ziemlich außer Atem, zum Halten. „Brian!“ schnaufte er, „ich habe deine Tochter gesehen. Auf der Mühle sind zwei Kinder! Und Arcantha sucht auch nach ihrem Jungen, sie und Mella beschimpfen sich jetzt gegenseitig.“
Brian schob den Kiefer vor und malmte stumm mit den Backenzähnen aufeinander. „Ich muss sie holen,“ knurrte er.
„Bist du wahnsinnig, jeder der einen Fuß vor das Tor setzt, ist des Todes!“
„Pass auf, was du sagst!“ schnauzte Brian seinen Freund an. „Ich werde meine Tochter nicht im Stich lassen!“
Leo hob verteidigend die Hände, gab aber nicht klein bei. „Du weißt, was ich meine. Sie hat gute Chancen ungesehen zu bleiben. Der Elf wird sie schon dort oben halten, wenn er die Gefahr erkennt. Aber wenn du jetzt da raus gehst, kriegen das alle mit und du kannst dir vorstellen, wie die Verteidigung des Dorfes dann aussieht – wie ein gackernder Hühnerhaufen!“ Der Wachmann packte den Schmied am Arm. „Komm mit, hilf uns, danach können wir deine Tochter retten. Und erwähne ja nichts davon gegenüber Mella oder Arcantha!“
Brians Widerstand bröckelte und schließlich ließ er sich von Leo zur Brücke schleifen. Im Stillen schwor er sich, der Brut jeden einzelnen Moment der Sorge heimzuzahlen und sein Dorf zu verteidigen.
In der Kirche hatten die Frauen und Kinder Lotherings Schutz gesucht, doch sobald Arcantha die heiligen Räume betreten hatte, war Mella auf sie losgestürmt und hatte sie mit wüsten Beschimpfungen eingedeckt.
„Ihr, was wollt Ihr denn hier, wie könnt Ihr es wagen, nachdem Euer Sohn sicherlich meine Tochter entführt hat!“
Entrüstet und etwas panisch, aber bei weitem nicht so hysterisch gab Arcantha zurück: „Mein Sohn hat niemanden entführt, er ist nicht aufzufinden! Wahrscheinlich streunt er wieder irgendwo mit Nora herum! Und Ihr wollt mir dafür die Schuld geben? Wenn Euch etwas nicht passt, dann regelt das mit Eurer Tochter, nicht mit mir!“
Entschieden drehte sie der Menschenfrau den Rücken zu, diese jedoch schubste die Elfenfrau mit einem kräftigen Ruck gegen eine der Kirchenbänke. „Wie könnt Ihr es wagen so mit mir zu reden!“ keifte sie drauflos und war schon im Begriff zu einer neuen Tirade anzusetzen, als eine Schwester sich zwischen die beiden Frauen drängte und zu vermitteln suchte. Das war bei weitem nicht einfach, doch nach einiger Zeit verstummten die Streitgeräusche und die beiden Frauen saßen da, einander den Rücken zugekehrt und mit stolz erhobener Nase in die entgegengesetzte Richtung blickend. So bemerkte keine von beiden das hereinplatzende Kind, das sich unter lautem „Mama, Mama!“-Rufen auf den Schoß einer Frau verkroch und wild drauflos plapperte.
Es dauerte seine Zeit, bis Mella das Wort „Mühle“ und „Kinder“ vernahm und sofort fiel der Groschen. Sie hatte den Elfenjungen gesehen, auf dem Weg zur Mühle – er hatte irgendwas mit den Kartoffeln vorgehabt. Zögernd drehte sie sich zu Arcantha um und hatte schon den Mund geöffnet, als es sie siedend heiß durchfuhr: Menora!
Sie musste in diesem Schubkarren gewesen sein! Plötzlich ergab alles einen Sinn, Mella war überzeugt, dass ihre Tochter mit dem Elfenburschen zur Mühle gefahren war, um dort irgendwelche verrückten Sachen auszuprobieren – oder zu kämpfen, wie Menora es so liebend gerne tat.
Mit einem Satz war sie auf den Beinen und eilte mit wehendem Rock durch den Hauptgang der Kirche, auf das Eingangstor zu, das nur noch einen Spaltbreit offen stand. Sie stieß dagegen und quetschte sich an einem Templer vorbei ins Freie, der ihr nur „He, Ihr da!“ hinterherrufen konnte, da war sie schon durch eine Gasse gehastet, zum Flusslauf hinuntergestiegen, mit einem Satz darüber gesprungen und hastete weiter zum Dorfausgang in Richtung Mühle. Die Sorgen um Menora trieb sie an wie ein stetig brennendes Feuer und ließ sie alle Gefahr vergessen. Sie musste ihrem kleinen Mädchen helfen!
Die Männer, die sich an der Brücke positioniert hatten und genau in ihre Richtung schauen sollten, bemerkten sie, wie sie anhand des Gebrülls feststellen konnte. Unbeeindruckt jagte sie dennoch weiter auf die Mühle zu, von dem Gedanken besessen ihre Tochter retten zu müssen. Hysterie und Sorge erdrückten sie fast, doch sie blieb auf den Beinen und rannte in unverminderter Geschwindigkeit weiter. Die Mühle fest im Blick sah sie dahinter, aus dem Gebirge, die Brut strömen. Keuchend hielt sie kurz inne, blickte nach links, wo schon die ersten Wesen auftauchten, nach rechts, wo sie noch etwas mehr Platz hatte, und nach vorne, wo sich eine schwarze Walze donnernd auf sie zubewegte. Sie kreischte panisch auf, nahm ein hohes Sirren wahr und blickte rechtzeitig hoch in die Luft. Sie erkannte den Pfeilhagel, der sich genau auf sie zubewegte. Schützend hob sie beide Arme vor das Gesicht und spürte im nächsten Moment, wie ein Pfeil nach dem anderen in ihren Körper drang, als würde man sie mit Wucht hineinhämmern. Stöhnend und voller Schmerz sackte sie auf den Boden, mit aller Kraft öffnete sie noch einmal die Augen, und durch die Körper der Brutwesen, die auf den Eingang des Dorfes zusprengten, sah sie eine blonde Gestalt, hoch oben auf der Mühle, und in ihrem letzten, rasselnden Atemzug, meinte sie das geschriene Wort „Mama!“ zu hören.
"You were the Chosen One! It was said you would destroy the Sith, not join them! Bring balance to the Force, not leave it in darkness!" [Star Wars, The Revenge of the Sith]
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