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    Post [Story] Sabaody

    Prolog

    Es war ein gewohnt warmer Morgen, der sich ankündigte, als die ersten Sonnenstrahlen über die verschiedenen Gipfel der Bergkette im Hintergrund der Szenerie schienen und die noch taufrischen Blätter des dichten Waldes beleuchteten.
    Der Wald war nicht nur dicht, er schien aus nur einer einzigen Pflanze zu bestehen, die überall dicke Wurzeln, riesige Pflanzen, die gefährlicher sein konnten als die tierischen Bewohner des Waldes, und farbenfrohen Blüten über ihre tentakelartigen Ausläufer verteilte.
    In diesem dichten Geschlängel aus verschiedenen pflanzlichen Substanzen waren keine Spuren von menschlichem Leben zu erkennen, wofür es riesige Fußspuren von bisher unentdeckten Tieren gab, die mal sehr breit und mal sehr schmal waren.
    Das einzige was in diesem Urwald lauerte und nicht von pflanzlicher oder tierischer Natur war, war ein uraltes Gebilde, das von Moos und Ranken überwuchert farblich fast nicht mehr vom Rest des Waldes zu unterscheiden war.
    Dunkles, altes Gestein reihte sich aneinander, war an manchen Stellen weggebröckelt. Es war ein Tempel aus uralten Zeiten, der erbaut wurde, noch bevor der Wald um ihn herum zu sprießen begonnen hatte.
    Seine Ausstrahlung des Erhabenen war nur durch eins übertroffen: Die magische Aura, die jeder Magier um ihn herum wahrnahm. Sie war von solch einer Dichte, dass selbst die Tiere sie als etwas Bedrohliches wahrnahmen und den Tempel mieden.
    Der Tempel hatte nur einen einzigen weiten Eingang, in dem fünf senkrechte Schlitze darauf hinwiesen, dass er nicht ohne weiteres zu öffnen war.
    Dies war der Tempel, der unser Leben verändern sollte, der uns in ein Abenteuer führen sollte, das keiner von uns erwartet hatte. Ein Abenteuer, das die Welt verändern würde.

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    Kapitel 1
    Eine fremde Welt


    Die schwüle Hitze, die in diesem tropischen Wald herrschte, machte ihnen allen zu schaffen. Sie stapften Schritt für Schritt durch das kniehohe Gewucher, mussten sich unter wuchtige Ästen, die dicker waren als sie selbst, hindurch ducken und immer wachsam auf die umherschleichenden Tiere, die es gewiss gab, achten.
    „Wir sollten eine Pause machen, Eldric, ein paar von den Älteren können glaub ich nicht mehr.“
    Eldric, der die Spitze des Trupps gebildet hatte, blieb stehen und wandte sich um. Er war ein stämmiger Mann, dem man sowohl Weisheit als auch Stärke ansah. Ein großer knorriger Druidenstab, die traditionelle grüne Druidenrobe und die Waldläufer, die ihm unerschrocken folgten, zeugten von seinem Führungsstand als Druide.
    „Wir haben doch erst vor weniger als zwei Stunden unser letztes Nachtlager verlassen. Wieso können die dann schon nicht mehr?“, erkundigte Eldric sich missbilligend, doch auch eine Spur besorgt, während er sich selbst den Schweiß aus den Augen wischte.
    „Senex meinte ihm würde das Klima zu schaffen machen, aber auch Georgius und Melchior haben nach einer Pause verlangt“, erwiderte Thoris, ein junger Waldläufer, der sehr geschickt im Umgang mit dem Stab war und Eldric mit seinen herausragenden Leistungen schon stolz gemacht hatte.
    Eldric schüttelte den Kopf. Die drei alten Männer, die mit zu seinen Leuten gehörten, waren für gewöhnlich jung geblieben und ausdauernder als er selbst, doch die hohen Temperaturen und die stickige Luft schienen dann doch einmal die Wunden, die die Zeit an diesen Veteranen hinterlassen hatten, aufzuzeigen.
    Letztendlich gab er sich geschlagen und rief eine Pause aus. Eldric würde zwar lieber ohne Unterbrechung durchmarschieren, um noch heute Abend an ihr Ziel zu kommen, doch lag ihm das Wohl seiner Läufer sehr am Herzen.
    Er überlegte wie er diese Unterbrechung nutzen konnte und beschloss Farik aufzusuchen.
    Eldric ließ also seinen Blick über seine knapp dreizig Waldläufer schweifen, sah auch die drei Greise, die sich auf einem ausladendem Stein niedergelassen hatten, und fand schließlich die Person, die er gesucht hatte.
    Er ging, durch den dicken Bewuchs zur Lahmheit gezwungen, zu Farik hinüber und fasste ihm kurz an die Schulter, da dieser dunkelhaarige, groß gewachsene Mann ihn noch nicht bemerkt hatte.
    „Oh, Eldric“, begrüßte er den Druiden. Er hatte einen Kompass und eine Pergamentrolle sowie einen Sextanten in der Hand. Auf dem Pergament war eine enge, saubere Handschrift zu erkennen, die viele kleine Bemerkungen zu diversen Skizzen geformt hatte.
    „Sind wir deiner Auffassung nach richtig?“, erkundigte Eldric sich, denn Farik war ein ausgezeichneter Navigator und der Druide schätzte seine Fähigkeiten sehr.
    „Ich denke wir sind auf dem richtigen Weg“, bestätigte Farik Eldrics Gedanken, „Wir haben zwar nur diese Hunderte von Jahren alte Karte, aber dem Stand der Sonne nach zu urteilen sind wir auf dem richtigen Weg. Außerdem gibt es bisher auch keine Kompass störenden Magnetströme.“
    „Gute Arbeit, Farik. Achte weiter so genau auf unseren Weg“, lobte Eldric den emsigen Waldläufer, der sich über das Lob sichtlich freute.
    Sie hatten Eldrics Meinung nach jetzt genug gerastet und da auch die drei Greise wieder auf den Beinen waren, wollte er den Befehl zum Weitermarsch erteilen. Er legte grade die Hände trichterförmig an den Mund, um laut rufen zu können, als plötzlich etwas Riesiges über seinen Kopf hinwegschwirrte.
    Es war eine Blutfliege, die doppelt so groß war wie die, die es in ihrer Heimat gab. Eldrics Schützlinge schrien auf. Die, die dem Vieh am nächsten waren, zogen Schwerter, die weiter hinten stehenden legten schon die ersten Pfeile an die Sehnen der Bögen.
    Eldric hielt seine beiden Handflächen dicht aneinander, bis zwischen ihnen ein eisiger Ball, von dem Nebel auf den Boden hinunterlief, entstanden war. Dann schleuderte er diesen eisigen Ball, der sich in der Luft zu einer Eislanze entfaltete, auf das Riesenvieh. Er traf einen der Flügel der Blutfliege, die sofort flugunfähig wurde.
    Die Kreatur krachte markerschütternd zu Boden und bekam gleich von allen Seiten Schläge ab, bis sie sich nicht mehr regte.
    Keiner sprach ein Wort.
    Dies war ihre erste Begegnung mit einem Monster dieser Insel gewesen und sie hatte auch nur wenige Sekunden gedauert, doch saß ihnen der Schock noch tief in den Knochen.
    Eldric schluckte einmal und beschloss seinen Leuten die Furcht zu nehmen, indem er zuerst einmal das Schweigen brach: „Wir sollten wohl noch vorsichtiger sein, als wir es ohnehin schon waren. Lasst eure Bögen in den Händen, wenn ihr euch dann sicherer fühlt. Wir sollten jetzt weitergehen.“
    Fast alle behielten ihre Bögen in den Händen und als Eldric sich zum Gehen wandte, folgten sie ihm alle ohne zu zögern.
    Weiter ging es durchs dichte Blattwerk, durch gefährliche Gebiete mit riesigen fleischfressenden Pflanzen und vorbei an Unheil verkündenden Knochen, die einst zu einem riesigen Monstrum gehört haben mussten.
    „Was meinst du, Eldric, warum war diese Blutfliege so groß?“
    Eldric sah sich um und sah Melchior, einen der Veteranen. Der alte Mann schloss zu dem Druiden auf, während Eldric über die Antwort auf seine Frage nachdachte.
    „Ich denke,…“, begann Eldric besonnen und die Worte sorgfältig wählend, „…dass sie hier im Gegensatz zu den Blutfliegen in unserer Heimat einfach seit Jahrhunderten ungestört leben konnten. Die Natur hier ist allgemein unglaublich. Ich frage mich, ob unsere Heimat auch so aussähe, wenn wir Menschen sie nie betreten hätten.“
    „Das haben wir auch vermutet“, gab der Alte nickend kund, „Wir müssen vorsichtig sein. Eine überdimensionale Blutfliege mag noch kleinzukriegen sein, aber was ist wenn wir einem riesigen Schattenläufer über den Weg laufen?“
    „Wir müssen eben vorsichtig sein und alles geben, wenn es drauf ankommt“, erwiderte Eldric selbstbewusst, „Wir kehren jedenfalls nicht um. Adanos selbst hat uns einen Wink gegeben und dem werden wir folgen.“
    Melchior musste bei diesen Worten verschmitzt lächeln: „Ja, endlich ist es soweit. Endlich werden wir von unserem großen Gott für unseren eisernen Widerstand gegen die Kreaturen Beliars belohnt.“
    Last edited by MiMo; 09.07.2010 at 13:27.

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    Kapitel 2
    Der Eingang


    „Da, ich glaube ich sehe ihn!“
    „Ich auch!“
    „Was? Wo?!“
    Laute Rufe waren zu hören, als man durch die vielgliedrigen Palmen, die vor ihnen wie ein riesiger Wall wuchsen, ein altes Gemäuer erkennen konnte.
    Die letzten Meter liefen die Waldläufer stürmisch auf ihr ersehntes Zielobjekt zu, sodass Eldric mit den drei Alten allein zurückblieb.
    Der Druide hatte es einfach nicht für sinnvoll empfunden seine erhabene Haltung zu vernachlässigen, nur um ein paar Sekunden früher vor dem Tempel zu stehen und Senex war genau wie Georgius und Melchior einfach nicht dazu in der Lage zu rennen.
    „Endlich sind wir angekommen“, japste Melchior, blieb stehen und stützte sich schwer auf seinen Stab. „Du sagst es“, pflichtete Senex ihm bei, „Das Klima hier tut mir wahrlich nicht gut.“
    „Versucht doch einfach das alles ein wenig optimistischer zu sehen“, versuchte Eldric sie aufzumuntern, „Wir haben es geschafft. Wir haben den Tempel gefunden, den Adanos uns aufgetragen hat zu finden. Hier werden wir sein Geschenk finden.“
    „Da hast du recht“, stimmte Georgius zu, „Alle Strapazen werden sich gelohnt haben, wenn wir den Schatz unseres Gottes endlich gefunden haben.“
    Sie standen nun direkt zu den Füßen des riesigen Tempels, wo die Waldläufer jubelnd den alten, von der Sonne gewärmten Stein berührten.
    Eldric jedoch beschäftigte etwas ganz anderes als die Fassade des Tempels.
    „Du spürst es doch auch, oder Eldric?“ Senex musterte ihn erwartungsvoll.
    „Natürlich“, erwiderte Eldric, „Ich weiß aber nicht, wie ich sie deuten soll. Ist sie gut oder schlecht für uns?“
    Senex legte die Stirn in Falten: „Ich denke diese übermenschliche Aura geht von Adanos‘ Schatz aus.“
    „Ich bin eher der Meinung, dass diese Magie von Schutzvorrichtungen wie Barrieren oder ähnlichem zeugt“, sprach Georgius Eldrics Befürchtungen aus.
    „Wovon redet ihr?“, fragte Melchior barsch. Es wurmte ihn immer, wenn er nicht mitreden konnte.
    „Wir reden über die hohe Dichte der magischen Energie, die von dem Tempel ausgeht“, erklärte Eldric sachlich.
    Sofort war Melchior, wie es vorherzusehen war, verstimmt. „Ist doch egal. Fühlt euch bloß nicht zu toll, nur weil ihr Magie spüren könnt, ich den Kniff allerdings nie rausbekommen habe. Das macht euch lange nicht zu etwas besonderem“, zeterte der alte Mann und schritt dann beleidigt davon.
    „So ist er nunmal, unser Melchior“, sagte Georgius und lächelte dabei zufrieden.
    Auch Eldric hatte geschmunzelt, doch nun musste er sich wieder dringenderem zuwenden. Auf dieser der vier Seiten des alten Gemäuers gab es nämlich keinen erkennbaren Eingang.
    Er rief Horus und Aila zu sich. Horus interessierte sich sehr für solch alte Hinterlassenschaften, sein Spezialgebiet waren jedoch Artefakte. Aila hatte die wohl besten Augen unter seinen Leuten und war ganz nebenbei noch eine von den lediglich vier Frauen, die unter seinen Fittichen standen.
    „Könnt ihr einmal um den Tempel herumgehen und nach einem Eingang oder einem Mechanismus suchen, der einen Eingang freigibt?“, fragte Eldric die beiden, obwohl sofort klar war, dass es mehr ein Art Befehl als eine Frage war.
    „Sofort“, erwiderte Horus und auch Aila nickte ohne zu zögern.
    Der nächste Schritt musste jetzt sein, in den Tempel einzudringen und den Schatz, den Adanos ihnen versprochen hatte, zu finden, überlegte der Druide als er den Fortgesandten nachsah, bis diese um die nächste Ecke des Tempels bogen.

    „He, warte mal, Horus!“
    Horus blieb stehen und sah zu Aila zurück: „Was ist los?“
    „Hast du das hier bemerkt?“ Aila beugte sich vor und strich mit ihrem Zeigefinger über einige bestimmte Stellen zwischen den Steinen.
    „Was ist da denn? Der Eingang befindet sich sicher auf der nächsten Seite, das hier ist schließlich erst die vorletzte“, meinte Horus ungeduldig, doch da Aila keine Anstalten machte, weiterzulaufen, lief er die paar Schritte zurück und sah ihr über die Schulter.
    Sie hatte mit ihrem Finger eine dünne Schicht Moos über einem flachen Schlitz in der Steinwand weggekratzt. Horus fiel auf, dass der Schlitz absichtlich dort sein musste, denn er wurde von einem kunstvoll verziertem Rahmen eingeschlossen. Rund um diesen Rahmen waren Runen, die er zwar nicht kannte, die unter der Moosschicht aber bestimmt noch weitergingen.
    „Das sieht aus wie ein Schlüsselloch, findest du nicht auch?“, fragte Aila und rupfte noch mehr von dem Moos ab.
    „Könnte sein“, stimmte Horus ihr zu und begann Interesse an ihrer Entdeckung zu empfinden. Ihm war grade eine breite Doppellinie aufgefallen, die an dem Rahmen des Schlitzes begann.
    „Sieh mal, hier ist noch eins“, rief Aila wie ein glückliches Kind, das ein Goldstück auf der Straße gefunden hatte. Die beiden Schlitze waren identisch und beide waren durch diese Doppellinie miteinander verbunden.
    „Lass uns das Moos von diesen Linien reißen, ich bin sicher, dass da noch mehr Schlitze unter dem Grünzeug sind“, rief Horus nun vollends begeistert.
    Nach wenigen Minuten waren noch drei weitere längliche Löcher in der Tempelwand freigelegt worden. Die Linien bildeten nun ein großes Fünfeck in dessen jeder Spitze ein Rahmen mit einem Schlitz eingelassen war. Das oberste Schlüsselloch war dabei ein Stück über Horus Kopf, die beiden tiefsten nur auf Höhe ihrer Knöchel, sodass diese Fläche eine erstaunliche Größe aufzuweisen hatte.
    „Das muss er sein, das ist der Eingang“, verkündete Horus laut und streckte beide Arme triumphierend in die Höhe.
    „Scheint so, aber wie sollen wir den öffnen? Wir haben nicht einen einzigen Schlüssel, fürchte ich“, gab Aila zu bedenken.
    Ernüchtert ließ Horus die Arme wieder sinken. Doch dann hellte sich seine Miene wieder auf, er trat wieder nah an die Felswand und begann noch mehr von dem vielen Moos abzureißen.
    „Ich wette in den Inschriften steht beschrieben wie man das Tor öffnet!“, erklärte Horus seine neue Idee, „Hilf mir mal das Moos abzumachen.“
    „Mach ich“, antwortete Aila und trat an seine Seite. Zusammen streckten und bückten sie sich, um die Hieroglyphen freizulegen, was mehr Zeit in Anspruch nahm, als sie gedacht hatten, doch das fiel ihnen nicht auf, so begeistert waren sie bei der Arbeit.
    Als die Sonne begann unterzugehen, waren sie fertig. Die ganze Tempelmauer war bis in circa zwei Meter Höhe von allen Pflanzen befreit und überall zogen sich immer mehr Reihen der Runen entlang, die als großes Ganzes betrachtet sogar ein Muster ergaben, dessen Mittelpunkt die Schlüssellöcher waren.
    Erschöpft ließ Aila sich ins hohe Gras fallen und blieb dort ausgestreckt liegen. „Endlich fertig“, murmelte sie müde. Horus ließ sich neben sie ins Gras sinken und umschlang mit seinen Armen seine Beine: „Ich find das beeindruckend. Diese fantasievollen Runen, die sich zu einem schönen Muster zusammenfügen und zugleich einen praktischen Nutzen erfüllen, davon bin ich jedenfalls überzeugt, finde ich einfach faszinierend. Was Eldric dazu wohl sagen wird.“
    Aila richtete sich mit einem Mal kerzengerade auf: „Eldric! Wir hätten längst zurück sein müssen. Sie warten bestimmt schon auf uns, halten uns vielleicht sogar für verschollen.“
    „Hast recht, sollten uns beeilen“, stimmte Horus ihr zu, richtete sich auf und hielt Aila seine Hand hin, um ihr aufzuhelfen. „Danke“, sagte Aila zuerst überrascht, dann lächelnd und ließ sich von ihm aufhelfen.

    „Wo bleiben die denn so lange?“, Eldric machte sich allmählich richtige Sorgen um Horus und Aila. Wer wusste schon, was in diesem Wald noch lauerte?
    „Eldric!“, rief da auf einmal eine Stimme, „Da kommen sie!“ Der Druide wandte sich auf diesen Ruf von Thoris hin um und sah, dass er vollkommen recht hatte.
    „Wo wart ihr denn so lange?“, empfing Eldric die beiden vermissten Waldläufer.
    „Wir haben einiges herausgefunden“, fing Aila an zu erklären.
    „Ja, wir haben nämlich sehr viel Moos von dem Tempel entfernt, um interessante Runen freizulegen. Außerdem vermuten wir, dass der Eingang sich erst dann öffnet, wenn man fünf besondere Schlüssel besitzt“, berichtete Horus begeistert von ihren Entdeckungen.
    Im ersten Moment freute Eldric sich über die vielen Entdeckungen der beiden, doch dann wurde ihm bewusst was für ein Problem diese Sache mit den Schlüsseln sein konnte.
    „Ruht euch jetzt erstmal aus. Morgen werden wir noch genug Zeit haben in den Tempel einzudringen“, entschied der Druide und wandte sich um. Auch er selbst wollte sich nun ausruhen, um morgen mit aller Kraft bei der Sache sein zu können.

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    Kapitel 3
    Erste Hürden


    „Könnt ihr diese Zeichen lesen?“ Eldric hoffte inständig, dass die drei Veteranen dies bejahen würden, denn sonst wären sie wohl aufgeschmissen.
    Der Druide war früh am Morgen mit den drei alten Männern hierhin aufgebrochen. Wenn jemand von ihnen die Runen entschlüsseln konnte, dann war es einer der drei, da war er sich sicher.
    Deshalb hatte er auch nur die drei mitgenommen, weitere Waldläufer hätten nur gestört.
    „Vielleicht“, erwiderte Gregorius nach langem Überlegen, „Ich kenne diese Schrift nicht, doch ist sie der alten Schrift des Volkes Adanos‘ sehr ähnlich. Vielleicht lässt sie sich über Umwege entziffern.“
    „Gut“, befand Eldric, wobei es ihm lieber gewesen wäre, wenn sie die Runen gekannt hätten, „Ich lass euch dann alleine und kehre ins Lager zurück. Ich schick euch außerdem zwei Wachen, nur für den Fall.“
    „Pah, halt uns doch nicht für gebrechlich, wir können auch auf uns selbst aufpassen“, raunte Senex.
    „Die Wachen werden uns schon nicht stören“, wandte Georgius zurecht ein, „Wir können beim Übersetzen der Runen unmöglich auch noch auf mögliche Gefahren aus dem Wald achten.“
    Senex schnaubte missbilligend: „Dann schick sie halt her.“
    Eldric versuchte ihn mit einem Lächeln zu besänftigen und verließ die drei dann.
    Kaum war er im Lager angekommen, schickte er Thoris und Boaltran, einen kräftigen Waldläufer, der seinen Stab mit einer unbeschreiblichen Kraft zu führen wusste, zu der runenbesetzten Seite des Tempels.

    Nun wurde es Zeit sich um die Versorgung seiner Truppe zu kümmern. Die wenigen Vorräte, die sie mitgenommen hatten, würden morgen zur Neige gehen, doch hatte er keinen Plan, wo er in dieser fremdartigen Welt Essbares herbekommen sollte.
    Er hoffte, dass der Verwalter der Vorräte, Phiolf, in dieser Hinsicht einfallsreicher war.
    „Eldric, hier steckst du!“
    Die leicht beleidigte Stimme gehörte niemand anderem als seiner Frau Lekia.
    Der Druide begrüßte sie mit einem Kuss und fragte dann, kaum dass sie sich voneinander gelöst hatten: „Warum hast du mich gesucht?“
    „Ich hab mir Sorgen gemacht, du warst schon weg, als ich aufgewacht bin“, beklagte Lekia sich. „Ich werd dir das nächste Mal eine Notiz dalassen“, versicherte Eldric ihr und strich eine ihrer hellblonden Haarsträhnen aus ihrem schönen Gesicht, „Und jetzt guck mich nicht mehr so böse an.“
    Lekia musste lächeln, sagte jedoch: „So leicht verzeih ich dir das aber nicht.“
    „Dann werd ich mich nachher wohl noch mit dir beschäftigen müssen“, erwiderte Eldric belustigt, „Aber jetzt kann ich nicht. Ich muss unbedingt mit Phiolf über die weiteren Vorräte sprechen.“
    „Ach so“, sagte Lekia nun fast gleichgültig. Eldric wusste, dass das ihre Art war Verständnis zu zeigen, küsste sie noch einmal und ließ sie dann allein.
    Phiolf war am Rande des Lagers damit beschäftigt einen Schlauch, in dem sie für gewöhnlich Wasser aufbewahrten, zu flicken. Ungeschickt hantierte er mit einer dicken Holznadel und einem strähnigen Faden herum. Als er Eldric bemerkte, sah er auf und begrüßte ihn: „Guten Morgen, Eldric. Weißt du schon wie wir in den Tempel kommen?“
    „Noch nicht ganz“, erwiderte Eldric abwinkend, „Du wirst schon rechtzeitig davon erfahren, wenn wir etwas Wichtiges herausgefunden haben, genau wie alle anderen auch.“
    Phiolf hatte sich wohl eine andere Antwort erhofft.
    „Warum ich eigentlich hier bin ist folgendes“, fuhr der Druide fort, „Wenn ich richtig liege, reichen unsere Vorräte nicht mehr lang, oder? Wir müssen dringend eine Möglichkeit finden sie aufzufüllen. Hast du die Blutfliege gestern nach essbaren Körperteilen untersucht?“
    „Allerdings, hab ich. Amus hat mir geholfen, er kennt sich mit Tieren schließlich viel besser aus als ich. Er meinte jedoch, dass die Blutfliege, mal abgesehen von ihrer Größe, den Exemplaren in unserer Heimat bis aufs Haar gleicht. Das heißt, dass lediglich ihre Flügel und der Stachel verwertbar sind, die aber auch nicht zum Verzehr geeignet zu sein scheinen.“
    „Das habe ich befürchtet“, gab Eldric zu, „Untersuch bitte die Pflanzen, ob die vielleicht essbar sind.“
    „Ich will es wohl machen, hab aber wenig Hoffnung. Mir scheint es, als könne die Versorgung noch ein echtes Problem werden“, meinte der Waldläufer.
    „Und wir werden alles tun, damit es nicht so kommt“, bekräftigte Eldric noch einmal, verabschiedete sich und machte sich wieder auf dem Weg durchs Lager.

    Das Lager bestand aus eng aneinander gereihten Zelten, die dicht am Tempel aufgestellt worden waren. Wahrscheinlich hatten ihre Erbauer sich an dem alten Gemäuer sicherer gefühlt als so nah an dem dichten Wuchs des Waldes, aus dem man zuweilen markerschütternde Tiergeräusche vernehmen konnte.
    Eldric beschloss nochmal nach den Veteranen zu sehen. Als sie in Sicht kamen, fiel als erstes auf, dass Boaltran an die Wand des Tempels gelehnt stand und döste. Thoris stand als deutlicher Kontrast gerade und aufmerksam da und beobachtete den Wald ohne ihn auch nur eine Sekunde aus den Augen zu lassen.
    „Nennst du das etwa Wache stehen?“, rief der nahende Druide der dösenden Wache schon von weitem zu. Boaltran schreckte auf, blickte sich hastig um, erkannte Eldric und versuchte schnell eine würdigere Haltung anzunehmen.
    „Was willst du schon wieder hier?“, fragte Senex Eldric, noch ehe dieser mit Boaltran fertig war.
    „Ich wollte nur mal nachfragen, wie weit ihr in der letzten Stunde so gekommen seid“, erwiderte Eldric ohne sich die Unfreundlichkeit des Alten zu Herzen zu nehmen.
    „Wir haben noch rein gar nichts rausgefunden“, berichtete Senex.
    „Wie denn auch, wenn wir ständig von dir unterbrochen werden?“, fügte Melchior hinzu.
    „Jetzt lasst doch mal gut sein“, unterbrach Georgius die beiden anderen. Dann wandte er sich tief Luft holend an Eldric, „Wir haben tatsächlich nicht sehr viel herausgefunden. Gib uns mindestens Zeit bis morgen, dann können wir dir wahrscheinlich schon viel mehr sagen.“
    „Gut“, sagte Eldric, und das meinte er auch so. „Gab es irgendwelche Probleme mit Monstern?“, fragte der Druide dann noch an Thoris gewandt.
    „Nein, keine“, antwortete die gefragte Wache und wandte nur kurz seinen Blick von der Gefahrenquelle ab.
    „Dann sei weiter so wachsam, und versuch auch Boaltran bei der Arbeit zu halten“, wies Eldric Thoris an und wollte sich schon zum Gehen wenden, als Melchior ihm noch hinterrief: „Nimm den doch wieder mit, der taugt eh nichts.“
    Doch Eldric sparte sich eine Antwort, denn er hörte schon, wie Georgius ihn für seine Worte rüffelte.

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    Kapitel 4
    Des Nachts


    Das Zirpen der Grillen war hier wahrlich genau wie bei ihnen zuhause, stellte Eldric fest, als er noch mal einen letzten Kontrollgang durch das nächtliche Lager machte. Abgesehen von dem lauten Gezirpe hörte man nichts, denn er und die Nachtwachen waren die einzigen, die noch nicht in ihren Zelten waren. Da er aber zufrieden mit den Sicherheitsvorkehrungen war, die getroffen wurden, wollte auch er sich jetzt zu Bett begeben.
    Nach ein paar Schritten hatte er das von den anderen Zelten nicht unterscheidbare Gehäuse erreicht, den Eingang leise aufgeknöpft und war hineingekrochen. Noch während er den Rücken dem Zeltinneren zugewandt den Eingang wieder verschloss, hörte er wie Lekia sich aufrichtete.
    „Du bist ja noch wach“, flüsterte Eldric und wandte sich ihr zu.
    „Ich hab auf dich gewartet“, erwiderte sie mit einem Lächeln im Gesicht, das Eldric so an ihr liebte.
    Er war grade dabei sich zu entkleiden, als er hörte wie die Wachen draußen miteinander redeten. Er verstand nicht was sie sagten und dachte sich auch nichts weiter dabei, doch im nächsten Moment zerriss ein gewaltiger Lärm die Stille.
    Bellen, Schreie und splitterndes Holz waren laut und deutlich zu hören. Eldric und Lekia blickten sich entsetzt an, dann stürzte Eldric aus dem Zelt, rückte seine Bekleidung wieder zurecht und blieb wie erstarrt stehen.
    Wölfe, deren Schultern auf gleicher Höhe mit denen der Wache stehenden Waldläufer waren, stürmten das Lager. Eldric beschwor Licht, das den gesamten Lagerplatz beleuchtete und wie er hoffte auch sämtliche Waldläufer, die noch immer schliefen, weckte.
    Überall kamen Waldläufer aus den Zelten, die nicht anders reagierten als Eldric und zuerst nur geschockt da standen.
    Dem Druiden wurde indes bewusst, dass die Wachen schon die ganze Zeit allein gegen zwei dieser riesigen Monster kämpften. Sofort rannte er los, um ihnen zu Hilfe zu eilen. Am Rande nahm er wahr, wie einer der Wölfe ein Zelt mit seinem riesigen Maul packte und in die Luft schleuderte. Eldric hoffte inständig, dass keiner mehr darin war.
    Er beschwor nun eine Eislanze und schleuderte sie auf den vor ihm mit den Wachen kämpfenden Wolf, der mit einer Frostbeule auf der Stirn jaulend zurückwich.
    Thoris schwang seinen Stab und rammte dem Monster die Klinge seiner Waffe in den Hals. Der Wolf biss in den Stab und schleuderte ihn mitsamt seinem Besitzer hoch in die Luft. Eldric bemühte sich Ruhe zu bewahren, während er hastig sein Mana sammelte.
    In Sekundenschnelle wuchs ein Felsgolem aus der Erde hinter ihm. Der Wolf biss nach ihm, hinterließ jedoch nur ein paar Kratzer auf dem Körper des magischen Wesens. Mit einem heftigen Schlag zertrümmerte der Golem dem Monster die Schädeldecke.
    Der erste der Wölfe war zwar besiegt, aber der zweite stürzte sich schon auf die beschworene Kreatur. Eldric überließ seinem Golem das Schlachtfeld und versuchte mit einem Blick die Lage zu erfassen.
    Dank seines Lichtzaubers erkannte er ohne große Probleme drei Wölfe, die zwischen den Zelten tobten. Er ließ die Waldläufer mit seinem Golem und dem Wolf allein und rannte über den Platz.
    Insgesamt waren sie also von fünf Kreaturen angegriffen worden.
    Eldric bemerkte zu spät, dass er nicht auf den Wolf rechts von ihm geachtete hatte, der nun über ihn hinwegsprang und ihm mit seinen Hinterläufen einen heftigen Tritt verpasste.
    Der Druide landete im Dreck direkt vor dem Tempel und noch ehe er sich aufgerappelt hatte, war der Wolf schon wieder nah über ihm, würde jeden Moment seine riesigen Fangzähne benutzen, um ihn aufzuschlitzen.
    Doch von links und rechts kamen plötzlich Gregorius und Senex zu seiner Rettung. Synchron verpassten sie dem nahendem Ungetüm mitten in der Luft zwei Schläge.
    Der Wolf taumelte zurück, schüttelte seinen Kopf widerspenstig, doch Melchior ließ ihm keine Zeit für einen Gegenangriff. Er sprang hoch und zerschmetterte ihm, genau wie der Golem seinem Opfer, den Schädel.
    Der übergroße Wolf jaulte noch einmal auf und krachte dann die Erde erschütternd zu Boden.
    Eldric hatte keine Zeit die grandiose Zusammenarbeit der Veteranen und die überdurchschnittliche Kraft Melchiors zu bestaunen. Er suchte mit seinen Augen nach seinem Golem, doch er schien nur noch ein Häufchen Schutt zu sein.
    Es standen allerdings auch nur noch zwei Wölfe, die von den Waldläufern umzingelt waren. Doch traute sich keiner mehr anzugreifen, weshalb der Druide sich sicher war, das die Monster sich gleich mit einem schnellen Angriff aus der bedrängenden Situation befreien würden.
    „Du musst dafür sorgen, dass sie nicht ausweichen können!“, befahl Melchior dem Druiden, der ihm nur fragend hinterhersah.
    „Tu was er sagt“, rief Gregorius ihm im Vorbeirennen zu.
    „Du sollst uns doch nicht unterschätzen“, wies Senex Eldric zurecht.
    Dieser begann endlich zu handeln und indem er Eislanzen knapp über dem Boden auf die Wölfe hetzte, schaffte er es, nachdem sich das Eis durch die Beine der Waldläufer geschlichen hatte, die Pfoten der Monster am Boden festzufrieren. Sie konnten sich jetzt nicht mehr mit einem Ruck losreißen, hoffte Eldric in Gedanken.
    Die drei Veteranen rannten nun auf die Feinde zu, Melchior in ihrer Mitte.
    Melchior lief voraus, hielt seinen Stab vertikal und sprang dann direkt unter den Köpfen der Wölfe gerade nach oben, sodass er beiden einen Kinnhaken verpasste.
    Der kurze Moment, in dem beide nur den Himmel sehen konnten und ihre Kehlen schutzlos präsentierten, wurde von Senex und Gregorius genutzt, die den Biestern die Kehlen aufschnitten.
    Röchelnd brachen die beiden Monster zusammen.
    Keiner der Wölfe lebte mehr, sie lagen alle nur noch als große tote Fellberge zwischen den größtenteils zerstörten Zelten.
    Eldric suchte mit seinen Augen die Menge ab. Lekia fand er ziemlich schnell und er stellte beruhigt fest, dass sie unverletzt war. Auch sonst keiner schien zu fehlen oder eine schwere Verletzung zu haben.
    Einige der Waldläufer ließen sich nun zitternd zu Boden sinken, geschockt wie plötzlich und grausam sie angegriffen worden waren. Keiner sprach ein Wort, weshalb sich eine drückende Stille breitmachte, in der man das laute Zirpen der im Wald lauernden Grillen wieder laut und deutlich hören konnte.
    „Wir sollten uns jetzt nicht entmutigen lassen“, versuchte Eldric seine Leute wieder aufzubauen, wobei ihm Lekias Blick begegnete, aus dem Zweifel sprach. Er lächelte seiner Frau ermutigend zu, und schaffte es nun, das Zittern aus seiner Stimme zu verbannen: „Dass wir es geschafft haben diese Wölfe abzuwehren, ohne dass jemand ernsten Schaden genommen hat, beweist nur dass wir es zum einem faustdick hinter den Ohren haben…“, der Druide machte eine eindrucksvolle Pause, „… und dass Adanos uns beschützt!“
    Diese Worte verfehlten ihre Wirkung nicht. Eldric bemerkte beruhigt wie die Hoffnung in die Augen seiner Miststreiter zurückkehrte. Er wollte in diesem Moment jedoch nur seine Frau in den Arm nehmen, spüren, dass es ihr auch wirklich gut ging.
    Allmählich verstreuten sie sich. Einige nahmen die zerstörten Zelte in Augenschein, retteten, was noch zu retten war, andere traten ihre Wachtschicht an, doch keiner ging zu Bett. Die, die keiner Tätigkeit nachgingen, setzten sich wieder an die fast heruntergebrannten Feuer und warteten auf das Ende der Nacht.
    Einzig die Veteranen schienen an die Tempelmauern gelehnt ein wenig Ruhe zu finden.
    Eldric setzte sich zu Lekia an eines der Feuer und legte seinen Arm um sie. Ihre Nähe zu spüren, gab ihm selbst auch wieder Hoffnung. Was auch kommen möge, sie mussten es schaffen. Je eher, desto besser.

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    Kapitel 5
    Die nächsten Schritte


    „Ihr habt sie also vollständig übersetzen können?“, fragte Eldric froh über diese gute Nachricht.
    „Ja, haben wir“, entgegnete Gregorius geschäftig in einem Stapel Pergament blätternd.
    Eldric, die drei Veteranen und die beiden als Wachen anwesenden Horus und Amus standen bei den 5 senkrechten Schlitzen am Tempel.
    „Ihr beide könnt gehen und euch ausruhen“, sagte Eldric an die beiden Waldläufer gewandt, „Ich schätze mal, dass ihr auch nicht geschlafen habt, oder? Versucht das jetzt doch nachzuholen.“
    Horus sah aus, als wolle er lieber hierbleiben und den übersetzten Inschriften lauschen, doch schloss er sich Amus ohne etwas zu sagen an.
    „Also…“, begann Senex mit einem aufmerksamkeitsheischenden Räuspern, „Die Schrift war recht kompliziert, vor allem die Leserichtung mussten wir eher erraten, als sie zu erahnen, doch wir glauben die Zeichen richtig übersetzt zu haben, denn nur so scheinen sie einen Sinn zu ergeben.“
    „Ich glaube nicht, dass Eldric die Schrift interessiert, Senex“, unterbrach Melchior ihn, „Wir haben herausgefunden, dass wir tatsächlich fünf schlüsselähnliche Artefakte finden und in die dafür vorgesehenen Schlitze einführen müssen, um den Tempel zu öffnen.“
    „Und wo finden wir diese Schlüssel?“, hakte Eldric ungeduldig nach.
    „In fünf kleineren Gemäuern, die zusammen die Eckpunkte eines Fünfecks bilden, in dessen Mitte dieser Tempel liegt“, erklärte Georgius sachlich und zog nun eine fest zusammengerollte Karte hervor. Als er sie entrollte, fiel Eldric sofort auf, dass es die Karte der Insel war.
    „Wir haben die Standpunkte dieser kleineren Tempel so genau wie möglich bestimmt und dann in dieser Karte eingetragen. Sie liegen alle etwa acht Kilometer von hier entfernt“, fuhr Melchior mit dem Bericht fort.
    „Aber…“, setzte Senex mit einem gehässigen Grinsen an, „…in den Runen ist auch die Rede von mächtigen Schutzmaßnahmen. Übermächtige Schutzpatronen und zahllose hinterlistige Fallen werden versuchen uns daran zu hindern an die Schlüssel zu kommen.“
    Das gefiel Eldric gar nicht: „Wir werden wieder wochenlang unterwegs sein. Ich weiß nicht wie erfreut die anderen darüber sein werden, vor allem jetzt, wo sie wissen, was in diesem Wald lauert.“
    „Wir haben uns diese langwierige Schlüsselsuche ja auch nicht ausgesucht“, erwiderte Georgius, „Wir werden nicht um sie herum kommen.“
    „Gibt es denn keine Möglichkeit die Suche zu beschleunigen?“, fragte Eldric hoffnungsvoll.
    „Nein, keine“, erwiderte Senex, „Da müssen diese Jungspunde wohl mal zeigen was in ihnen steckt.“
    „Es gäbe theoretisch schon eine Möglichkeit“, gab Melchior da zu bedenken, „Wir könnten uns aufteilen.“
    „Aufteilen wenn in diesem Wald solche Monster umherstreifen?“, entrüstete Eldric sich, „Was ist wenn eine unserer Splittergruppen von einem ganzen Wolfsrudel attackiert wird?“
    „Wir müssen uns ja nicht gleich in fünf Gruppen aufteilen“, warf Georgius, der Gefallen an der Idee gefunden zu haben schien, ein, „Selbst wenn wir uns nur in zwei Gruppen aufteilen, halbieren wir damit die Suchzeit schon.“
    „Da hast du Recht“, musste Eldric sich eingestehen, „Wenn wir uns auf zwei Gruppen aufteilen, würde unsere Kampfkraft vermutlich noch hoch genug sein, um bei eventuellen Angriffen klar zu kommen. Aber ich weiß nicht, wie die Waldläufer dazu stehen. Wir sind schließlich eine Gruppe, die bisher alles zusammen gemacht hat. Vielleicht ist ihnen das wichtiger, als das schnelle Eindringen in den Tempel.“
    „Es ist deine Aufgabe darüber zu entscheiden“, erinnerte Georgius ihn, „Weder wir noch die Waldläufer können dich zu etwas zwingen. Du musst wissen, was du für richtig hältst.“
    „Wobei wir Veteranen dem Druiden beratend zur Seite stehen sollen und diesen vor etwaigen Fehlentscheidungen zu warnen haben“, warf Senex grummelnd ein.
    „Dein Misstrauen in die nach dir kommenden Generationen wird dir eines Tages noch zum Verhängnis werden“, merkte Melchior kopfschüttelnd an.
    „Wir haben die Idee mit der Aufteilung der Gruppe eingebracht, folglich werden wir wohl eher kein Veto dagegen einlegen, oder?“, erinnerte Georgius Senex mit schneidender Stimme.
    Senex brummelte noch etwas vor sich hin, doch keiner beachtete ihn mehr.
    „Ich werde mit den Waldläufern reden“, entschied Eldric, „Ich will, dass sie hinter meiner Entscheidung stehen.“
    „Das ist eine weise Entscheidung“, lobte Georgius ihn.

    Kaum dass Amus von seinem Wachdienst zurückgekehrt war, hatte Phiolf ihn auch schon aufgegabelt und an den Rand des Lagerplatzes gezerrt, wo die fünf Wölfe nebeneinander lagen.
    „Kannst du die auf essbares Fleisch untersuchen? Unsere Vorräte gehen heute Abend zur Neige, wenn wir nicht schnellstens für Nachschub sorgen“, plapperte der Verwalter der Lebensmittel los.
    „Ich werd sehen was ich machen kann“, entgegnete Amus, der die Gelegenheit lieber zum Schlafen genutzt hätte, doch da ihm der Ernst der Lage bewusst war, verschob er diese Annehmlichkeit.
    Später stellte er erschöpft fest, dass der Wolf genau die gleiche Anatomie besaß wie sein kleinerer Bruder in ihrer Heimat.
    „Wir können das Fleisch bedenkenlos essen“, verkündete Amus, als er sich aufrichtete, „Aber wir sollten es schnell haltbar machen, es liegt ja schließlich schon seit einem halben Tag an dieser schwülen Luft.“
    Phiolf sprang erfreut auf und lief sofort los, um noch weitere Waldläufer herbeizuholen, die ihnen beim Ausnehmen helfen sollten.

    Als Eldric ins Lager zurückkehrte, türmte sich das Fleisch schon über einen Meter hoch auf, obwohl noch drei Wölfe darauf warteten bearbeitet zu werden.
    Eldric kam staunend zu ihnen hinüber: „Wao, sind das Fleischmengen!“
    „Ja“, stimmte Phiolf nickend zu, „Und das Beste ist, dass man es essen kann! Davon können wir den nächsten halben Monat leben, wenn wir einigermaßen sparsam sind!“
    „Sehr gut“, befand der Druide, während Boaltran und Farik sich daran machten dem dritten Monster das Fell abzuziehen.
    „Wir benötigen allerdings immernoch eine Wasserquelle“, erinnerte Phiolf mit erhobenem Finger, „Es wäre wohl ratsam Suchtrupps in den Dschungel zu schicken, oder was meinst du, Eldric?“
    „Ich will ja nicht zu viel verraten, aber wir werden morgen so oder so in den Wald aufbrechen. Ob wir dann Wasser finden ist Glückssache“, entgegnete Eldric, „Heute Abend erfahrt ihr alle mehr. Wir treffen uns dann in der Mitte des Lagers, um unser weiteres Vorgehen abzusprechen.“
    Fragende Gesichter ließ der Druide zurück, als er ihnen den Rücken zuwandte, ohne noch weitere Details zu verraten. Ihm graute es schon fast vor der Diskussion am Abend. Was war, wenn ihre Gruppe sich in zwei Lager spaltete, es zum Streit kam, ob dieser wichtigen Entscheidung?
    Last edited by MiMo; 23.12.2010 at 17:07.

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    Kapitel 6
    Wieder in den Wald


    Erschöpft ließ Eldric sich neben den warmen Körper seiner Frau sinken und zog sich die Decke über den Körper. Lekia kuschelte sich an ihn und schlief, fast ebenso erschöpft wie er selbst, sofort ein.
    Es war eine schwierige Diskussion gewesen, da sehr viel von der Entscheidung abhing.
    Immer wieder waren die Argumente durchgekaut worden. Teilten sie sich auf, war die Gruppe schwächer, blieben sie zusammen, musste jeder Waldläufer doppelt so viel Weg durch das gefährliche Gebiet laufen wie getrennt.
    Einige hatten Befürchtungen gehabt, dass unfaire Gruppen zustande kämen, doch sogar das war am Ende vom Tisch gewischt worden.
    Es war nun beschlossene Sache, dass sie getrennt gehen würden. Jede der beiden Gruppen würde an einem der südlichen Tempel beginnen. Dann würden die Gruppen in verschiedenen Richtungen um den großen Tempel herum laufen, bis beide sich am Nordtempel wiedertreffen würden, wenn alles glatt ging.
    Eldrics Blick ruhte nun auf Lekia, die im Schlaf so zerbrechlich aussah, dass Eldric sie am liebsten wieder zurück in die Heimat gebracht hatte. Aber das war Blödsinn. Lekia war eine hervorragende Bogenschützin, das wusste er.

    Am nächsten Morgen herrschte Aufbruchsstimmung.
    Phiolf verteilte die Fleischrationen gleichmäßig an die Leute. Jeder würde von nun an seinen eigenen Vorrat tragen, so wie es beschlossen worden war.
    Es blieb nur noch ein halber Liter Wasser pro Person, Nachschub wurde also dringend benötigt, doch da auf der Karte, die sie hatten, keine Wasserläufe eingezeichnet waren, würde es ihrem Glück überlassen sein, Wasser zu finden.
    Die Zelte wurden sorgfältig zusammengepackt. Die geflickten Zelte stachen deutlich aus den anderen hervor und Eldric befürchtete, dass sie neues Gestänge brauchen würden. Die Zeltplanen waren mit dem neu gewonnen Wolfsfell gut ersetzt worden.
    Dann war es soweit. Die eine Hälfte der Waldläufer, unter ihnen Horus, Aila und Phiolf, scharten sich um die drei Veteranen, die sie anführen würden. Die drei alten Männer hatten genügend Erfahrung im Orientieren, um die Gruppe sicher zu führen.
    Eldric wusste, dass er nicht ganz perfekt darin war, weshalb Farik, der begnadete Nachwuchsnavigator, zu seinen Leuten gekommen war. Auch Lekia hatte er natürlich zu sich geholt und auch Thoris war dabei.
    „Ihr werdet den südwestlichen Tempel als erstes aufsuchen, während unser erstes Ziel der südöstliche Tempel ist. In ungefähr zwei Wochen treffen wir uns alle hoffentlich wohlbehalten am Nordtempel wieder“, fasste Melchior noch einmal zusammen.
    „Stimmt genau“, sagte Eldric nickend.
    Dann wandten sie sich um und gingen in verschiedene Richtungen weiter.

    Dies war ein recht komisches Gefühl, fand Eldric. Die Gruppe war so klein und ohne Senex ewigen Einsprüche war die Reise viel entspannter.
    Fariks abgezeichnete Karte war zwar viel schlechter als das Original, doch Eldric war sich sicher, dass Farik die wichtigen Dinge eingetragen hatte und sie sicher an ihre Ziele führen würde.
    Viel interessanter fand er momentan die angedrohten Fallen und Schutzpatronen, die die Schlüssel angeblich bewachten.
    „Hörst du das auch?“, riss Lekia ihn aus seinen Gedanken.
    „Was denn?“, fragte er irritiert.
    Alle verstummten und lauschten angestrengt. Eldrics Miene erhellte sich. Das Plätschern von Wasser konnte auch er nun sehr deutlich hören.
    Aufgeregtes Gemurmel machte sich breit. Sie würden endlich ihre Wasservorräte auffüllen können. Alle holten ihre Flaschen heraus, tranken die letzten Schlucke daraus und stürzten dann in Richtung des Erfrischung versprechenden Geräuschs.
    Schon bald kam ein Wasserfall in Sicht, der eine sehr hohe, steile Felswand hinunterdonnerte und seine Flüssigkeit in einem ausladenden See laufen ließ, von wo es einen kleinen Fluss hinabfloss.
    Einer der Waldläufer rannte voraus. Eldric erkannte, dass es der jüngste unter ihnen, Felko, war. Er war grade mal sechszehn Jahre alt und hatte noch eine kindliche Begeisterung an sich, die in diesem Moment deutlich zum Vorschein kam.
    Er sprang mit einem Satz ins Wasser und tauchte erstmal komplett unter.
    Die anderen Waldläufer hockten sich an den Rand des Sees, wo sie ihre Flaschen auffüllten.
    Lekia hatte sich ins hohe Ufergras gesetzt und ließ nun ihre Füße in dem kühlen Nass plantschen. Eldric setzte sich neben sie.
    Doch plötzlich kam ein Schrei von dem immernoch herumtollendem Felko.
    Alle Blicke flogen zu ihm hinüber und sahen wie ein riesiger Lurker Felkos Knöchel im Mund aus dem Wasser sprang und dann den ganzen Waldläufer mit in die Tiefe riss.
    Es war zu schnell geschehen, als dass irgendwer hätte reagieren können. Thoris war der Erste, der ihm mit einem Kopfsprung folgte.
    „Der will jawohl nicht unter Wasser einen Kampf mit so einem Lurker aufnehmen, oder?“, schrie Amus entsetzt.
    Eldric stakte auf die Mitte des Sees zu, wobei er versuchte Stein unter der Wasseroberfläche auszumachen, auf dem er laufen konnte.
    Thoris bekam unter Wasser von all dem nichts mit. Mit seinen Augen suchte er nach Felko, doch konnte er nur schwarz erkennen. Der Wasserfall hatte den See über die Jahre hinweg ungewöhnlich tief ausgehöhlt.
    Doch plötzlich schoss etwas von hinten an ihm vorbei. Es war der Lurker, der den bewusstlosen Felko noch mit dem Maul gepackt hatte. Thoris bekam grade noch den Schwanz der Kreatur zu packen. Diese wandte sich irritiert um und erfasste den tauchenden Waldläufer mit seinem eiskaltem Blick.
    Thoris wusste, dass ihm bald die Luft ausgehen würde und dass er nicht nur für sich, sondern auch für Felko diesen Kampf gewinnen musste.

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    Kapitel 7
    Zu viel und zu wenig Wasser


    „Das war’s“, verkündete Melchior, als er seinen Flachmann wieder absetzte, ihn zuschraubte und in seine Tasche zurücksteckte.
    „Ich hab auch nichts mehr“, erwiderte Georgius mit einem mehr als kratzendem Gefühl im Hals.
    „Es war doch klar, dass das so kommen würde“, stichelte Senex durch seinen Durst noch gereizter als üblich, „Niemand hat sich über so etwas Gedanken gemacht, wie sollte es also auch anders kommen, dieser Eldric ist eben doch noch viel zu grün hinter den Ohren, Georgius hätte lieber noch…“
    „Jetzt reicht es aber Senex!“, unterbrach Melchior ihn.
    „…ein paar Jahre länger Oberhaupt unserer Gemeinschaft bleiben sollen“, beendete Senex seinen Satz unbeirrbar.
    „Seit wir an dieser Insel angelegt haben, sind wir auf keinen Fluss, See oder etwas ähnliches gestoßen. Unter meiner Führung würde es uns nun also kaum besser gehen“, verteidigte Georgius seinen Nachfolger.
    Alle drei Veteranen schwiegen und beobachteten die Waldläufer, wie sie ihre letzten Schlucke tranken und trotzdem das trockene Gefühl des Durstens im Hals nicht loswurden.
    „Du siehst durstig aus, Aila.“
    Aila schreckte aus ihren betrübten Gedanken hoch und erblickte Horus.
    „Ich hab noch ein bisschen Wasser. Wenn du willst, kannst du es haben“, sagte Horus und kratzte sich verlegen im Nacken.
    Aila sah verdutzt aus, fragte jedoch nicht nach dem Grund, sondern ergriff einfach den Flachmann, den Horus ihr hinhielt.
    „Danke“, sagte sie und meinte es auch wirklich so.
    „Gern geschehen“, erwiderte Horus krächzend.
    „Warum hast du das Wasser nicht selbst getrunken?“, fragte Aila mit mitfühlendem Blick.
    „Ach, das…“, Horus schluckte, um das Kratzen aus seiner Stimme zu verbannen, was ihm allerdings nicht gelang, „Ich muss wieder zu meiner Tasche. Ich habe sie noch nicht gepackt und wir müssen gleich bestimmt weiter.“
    Verdutzt schaute Aila Horus, der sich von ihr abgewendet hatte und davongelaufen war, mit einem merkwürdigen Gefühl hinterher.

    Seine Kehle brannte. Sie begehrte frische Luft zum Atmen, doch nur Wasser drückte auf seinen Mund, seine Nase und anscheinend auch auf sein Gehirn.
    Thoris wollte nicht einfallen, was er machen sollte, als der übergroße Lurker auch schon mit seiner Pranke nach ihm ausschlug.
    Den Stab konnte Thoris hier unten kaum schnell genug bewegen, um damit den Lurker zu erledigen, also hoffte er darauf, dass das Wasserlebewesen ihm an die Oberfläche folgen würde.
    Schmerzen in seiner Magengegend ließen ihn aufkeuchen, doch da immernoch die gewaltigen Wassermassen um ihn herum waren, schluckte er nur viel zu viel Wasser.
    Sein Blick verschwamm, während er sah wie rote Schliere von einer Wunde an seinem Körper aufstiegen.
    In seiner Lunge sammelte sich Wasser, seine schlaffe Hand ließ den Stab los, der nach oben trieb, während er selbst nun langsam nach unten glitt…
    Ein Ruck war das nächste was er spürte. Etwas zog an den Wirbeln zwischen seinen Schulterblättern und zog ihn mit hoher Geschwindigkeit durchs Wasser.
    Und dann war sie da: Luft!
    Mit langen Zügen sog er sie ein, während er im schlammigen Ufer landete, wo er die anderen Waldläufer sah, die einen erstarrten Eisstrang in den Händen hielten, der sich an seinem Nacken festgefroren hatte. Eldric musste eine Eislanze an ihm befestigt haben, mit deren Hilfe er dann hinausgezogen worden war!
    Thoris rappelte sich prustend auf und erblickte Eldric, der dem aufgetauchten Lurker allein gegenüber stand.
    Der Druide schoss eine Eislanze auf ihn, doch der Lurker bäumte sich nur erbost auf, wobei er Felko aus seinem Maul in den See fallen ließ.
    Eldric hatte es gesehen und sprang sofort hinterher. Während der Druide dem Bewusstlosen hinterhertauchte, musste er der scharfen Klaue des Monsters ausweichen.
    Dann hatte Eldric Felko endlich am Arm gepackt und schwamm mit ihm so schnell es nur ging ans Ufer.
    Die Waldläufer lieferten sich derweil einen heftigen Kampf mit dem Lurker.
    Boaltran stemmte sich mit seinem Stab gegen die große Kreatur, wurde jedoch Schritt für Schritt zurückgedrängt. Der Lurker holte weit aus und schlug den Stab in Stücke, Boaltran stolperte rückwärts, wäre von dem nächsten Hieb aufgeschlitzt worden, wenn Farik ihn nicht rechtzeitig weggezerrt hätte.
    Wieder bäumte sich das Biest auf, wollte nun beide vor ihm stehenden Waldläufer gleichzeitig erledigen, als seine Glieder plötzlich erschlafften.
    Lekia stand noch mit hoch erhobenem Bogen da, neben ihr Amus, der ihr grade genau gesagt hatte, wo sich die empfindlichen Punkte eines Lurkers befanden.
    Das Ungetüm stürzte rücklings ins Wasser und verschwand blubbernd in den Tiefen des Sees.
    „Felko, atme!“, war ein verzweifelter Ruf zu hören.
    Eldric saß mit ein paar anderen Waldläufern um den jungen Mann herum und versuchte das Wasser aus dessen Lungen heraus zu bekommen.
    Plötzlich spuckte Felko viel Wasser und kam vor Husten und Prusten kaum wieder zum Luftholen.
    Beruhigt ließ Thoris, der schon besorgt aufgestanden war, sich wieder sinken. Die Wunde an seinem Bauch war nicht tief, doch fühlte er sich trotzdem ein wenig zittrig.
    „Du blutest ja“, stellte Amus auf einmal fest, „Die Klauen eines Lurkers von dieser Größe können Menschen entzwei hauen, du hattest wohl großes Glück!“
    „Es ist gar nicht so schlimm“, erwiderte Thoris, zuckte dann jedoch vom Schmerz, der durch ihn gezuckt war, zusammen. Vielleicht nahm er die Verletzung doch zu sehr auf die leichte Schulter.
    „Ich wär auch allein mit dem Lurker fertig geworden“, meinte Felko trotzig und verschränkte die Arme.
    „Ja klar, bis du soweit bist, müssen noch ein paar Jahre vergehen“, erwiderte Eldric froh darüber, dass es ihm gut ging und erhob sich dann.
    „Ihm ist nichts passiert, oder?“, fragte Lekia mit ein wenig Besorgnis in ihren Augen.
    „Mach dir keine Sorge, dem geht’s gut“, beruhigte der Druide sie, „War übrigens ein klasse Schuss.“
    „Bei einem so großen Lurker sind auch die für ihn lebensgefährlichen Punkte größer als gewöhnlich und somit leichter zu treffen“, entgegnete Lekia, „Es gehört nicht viel dazu sein Zentralhirn zu löchern.“
    Eldric musste grinsen. Das war seine Lekia!

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    Kapitel 8
    Vorm Verdursten


    „Wir müssen weiter“, beschloss Melchior und erhob sich von seinem moosigen Stein.
    Es war inzwischen fast einen ganzen Tag her, dass sie ihr letztes Wasser getrunken hatten.
    Seit Stunden hatte keiner mehr etwas gesagt.
    Bedrückung war ihr ständiger Begleiter gewesen. Jeder wusste wie ernst es war und alle waren an ihre Grenzen gegangen.
    „Du hast recht“, stimmte Gregorius mit brüchiger Stimme hinzu.
    Senex erhob sich wortlos.
    „Meint ihr wir finden bald Wasser?“, fragte Gregorius besorgt. Sein Blick wanderte dabei über all die schlaffen Gestalten, die auf dem Boden lagen und total entkräftet nicht einmal in der Lage schienen aufzustehen.
    Senex gab ein trockenes Lachen von sich: „Warum sollte Adanos uns denn im Stich lassen?“
    Und dann fiel er vornüber. Er hatte sich nicht mehr aufrecht halten können.
    „Senex…“, krächzte Gregorius, versuchte sich zu erheben, doch auch er war zu schwach.
    Ihre trockenen Kehlen hatten in den letzten Stunden auch die Aufnahme von Nahrung verweigert.
    Mit zittrigen Knien bückte Melchior sich zu Senex hinunter und wollte sich einen seiner Arme über die Schultern legen, um ihn wieder hochzuziehen. Doch er schaffte es nicht und fiel stattdessen neben Senex auf die Knie.
    Es hätte wohl jemand von ihnen „Verdammt“, ausgespien, wenn das Sprechen nicht solche enorme Schmerzen verursachen würde.
    „Unsere Körper können nicht mehr“, krächzte Melchior dennoch, „Da kann der Geist noch so stark sein.
    „Nun kann uns nur noch ein Wunder retten“, erwiderte Gregorius und rutschte von dem Stein, auf dem er gesessen hatte ins immerhin einigermaßen kühle Gras.
    Melchior warf einen Blick über den Rücken. Nur ein Waldläufer war aufgestanden.
    Aila stakste mit ruckartigen Schritten durch das hohe Gras, bis sie vor einem der an einen Baum gelehnten Körper, dem von Horus, angelangt war.
    Bestimmt streckte sie die Hand aus: „Komm schon, ich helf dir hoch!“
    Diese Worte klangen mehr wie ein Flehen als eine Aufforderung. Horus hob seinen Blick, sodass er ihr gerötetes Gesicht sehen konnte. Horus wünschte er könnte seine Zweifel so gut verbergen wie sie. „Das hat doch keinen Sinn, wir werden verdurst…“
    Klatsch.
    Aila atmete schwer. Sie hatte dem verwunderten Horus eine Backpfeife verpasst. Der Handabdruck hob sich auf der nach Wasser dürstenden Haut seiner Wange besonders stark ab.
    „Wir… werden nicht verdursten“, keuchte Aila, dann verlor sie den Halt und fiel neben Horus ins Gras.
    „Vielleicht hast du recht.“ Horus wurde so warm. Vielleicht löste die Hoffnung dieses Gefühl aus, vielleicht war es…
    Tatsache war, dass er sich nicht mehr konzentrieren konnte. Sein Gehirn schien zu vertrocknen.
    Würde er hier neben Aila sterben? Beinahe wollte ihm die Vorstellung gefallen.

    „Was sollen wir tun?“, fragte Melchior niemand bestimmten, „Es gibt keinen Ausweg.“
    Dies hatte gereicht um Melchiors Kehle entflammen zu lassen. Er konnte nicht mehr weitersprechen.
    Als einziger kniete er zwischen seinen liegenden Kameraden, die vor der brennenden Sonne nur von vereinzelten Schatten geschützt wurden.
    Da spürte er wie jemand sein Handgelenk packte.
    Senex stierte aus tiefliegenden Augen zu ihm hoch: „Vertrau…“
    Weiter schaffte es der geschwächte Alte nicht. Sein Mund bewegte sich nur noch ohne Worte zu bilden.
    „…Adanos“, vollendete Melchior den Satz.
    Senex nickte mit – und das hatte Melchior seit wie es ihm vorkam Jahren nicht mehr an ihm gesehen – einem Lächeln. Sofort darauf sank sein Kopf in Melchiors Schoß, wo er reglos liegenblieb.
    Melchior wusste nicht, was er tun sollte.
    Vertrau Adanos. Das tat er doch schon, oder?
    Doch er wusste, was Senex gemeint hatte. Melchior hob seine beiden alten Hände und faltete sie fest.
    Doch warum sollte Adanos ausgerechnet ihn erhören, ihn, der nichtmal in der Lage war seine wunderbare Magie auszuführen? Ihn, der seine magische Energie nicht einmal erahnen konnte?
    Von Geburt an hatte er sich von Adanos benachteiligt gefühlt, was ihn zwar nie daran gehindert hatte an ihn zu glauben und ihn zu verehren, doch in dieser Situation?
    Sein Blick fiel auf Gregorius, der regungslos neben dem Stein lag, auf Horus und Aila, wie sie so im Einklang nebeneinander lagen, auf Senex Kopf, der ohne ein Anzeichen von Leben in seinem Schoß lag.
    Melchior presste seine gefalteten Hände stärker aneinander, als würde das etwas nützen, hob seinen Blick dann hoch zur Sonne, sodass sie ihn blendete, und schloss die Augen.
    Adanos!
    Wir vertrauen auf dich. Wir stecken in der größten Not, doch warten wir trotzdem voller Vertrauen auf deine Hilfe, die uns die Kraft geben wird, deinen Auftrag zu erfüllen.

    Er sprach diese Worte mit lauter, fester Stimme, versuchte den Schmerz in seiner Kehle zu ignorieren.
    Das Sonnenlicht, das durch seine Augenlider gedrungen war, verschwand, als hätte sich eine Wolke vor den Himmelskörper geschoben.
    Du hast uns einen Auftrag gegeben.
    Wir wussten, dass es schwer werden würde. Jeder von uns hat mit großen Anstrengungen gerechnet.
    Wir haben es mit unerwarteten Gefahren zu tun bekommen und haben uns trotzdem nicht von unserem Weg abbringen lassen.
    Wir haben uns in unserem Glauben nicht beirren lassen.
    Doch nun haben wir unsere Grenzen erreicht.
    Wir können uns nicht mehr helfen.
    Die Aufgabe war zu schwer. Vielleicht waren wir einfach nicht würdig solch einen Auftrag auszuführen.
    Aber wenn du dies hörst, dann bitte ich dich, bitte ich dich inständig – Hilf uns!
    Einige von uns sind noch zu jung zum Sterben, sie haben noch ihr Leben vor sich.
    Wir können nicht mehr.
    Hilf uns.

    Sein Hals brannte von der Litanei höllischer denn je. Er konnte nicht mehr weitersprechen.
    Plitsch.
    Etwas war auf seine Nase getropft. Langsam öffnete Melchior die Augen, und was er sah, waren keinesfalls die unerbittlichen Sonnenstrahlen.
    Es waren dunkle Regenwolken, die da am Himmel trieben.
    Plitsch.
    Platsch.

    Immer öfter hörte er das Geräusch, dass er so herbeigesehnt hatte.
    Immer schneller prasselten immer größere Regentropfen auf sie herab.
    Melchior saß mit offenem Mund da und starrte zum Himmel hinauf.
    War es Zufall oder war das tatsächlich Adanos Werk?
    Wie kam er eigentlich auf diese schwachsinnige Frage?
    „Danke“, schrie er in den Wald heraus, ein Schrei, den er sich selbst nicht mehr zugetraut hatte.
    Natürlich war dies Adanos Werk!
    Seine Lebensgeister erwachten, das Wasser kühlte seinen überhitzten Körper.
    Er griff nach dem großen Blatt einer Pflanze und trank das Wasser, das sich darin gesammelt hatte.
    Senex öffnete langsam die Augen.
    Einige andere Waldläufer setzten sich verwundert auf und blickten umher als wüssten sie nicht, ob das alles nicht doch nur ein Traum war.
    Immer mehr krochen zu Pflanzen und tranken von deren Blättern die erquickende Flüssigkeit.
    Andere labten sich gleich an den Pfützen, die sich durch den immernoch stärker werdenden Regen schnell gebildet hatten.
    Horus schlug langsam die Augen auf und das erste, was er sah, war Aila, die vor ihm stand und ihm vorsichtig ein Blatt, das randvoll mit Wasser gefüllt war, hinhielt.
    „Es wird Zeit mich zu revanchieren“, grinste sie ihn glücklich an.
    In diesem Moment musste Horus einfach nur lächeln.
    Alles war gut.
    Sie waren gerettet.
    Last edited by MiMo; 01.07.2011 at 19:10.

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    Kapitel 9
    Der erste Tempel


    Regen prasselte auf die weit ausufernden Blätter der großen Pflanzen.
    Der Niederschlag schränkte die Sicht für den kleinen Trupp Waldläufer ein, der eben seinen Wasservorrat wieder aufgefüllt hatte und nun weiter durch den immer schlammiger werdenden Boden stapfte.
    „Es kann nicht mehr weit sein“, meinte Eldric zu der neben ihm laufenden Lekia.
    Ihre Kleider hingen ihnen klatschnass am Körper, doch da der Regen ziemlich warm war, froren sie nicht.
    „Ist er das?“, antwortete Lekia unsicher.
    Eldric sah wieder nach vorne, wo sich tatsächlich ein schwarzer Umriss gegen die gräulichen Regenschlieren abhob.
    „Sieht so aus“, sagte Eldric, als er schließlich einen von Efeu umrankten Eingang sah, der mit Runen wie die an dem großen Tempel verziert war.
    „Ich geh vor“, verkündete der Waldläufer und schritt auf das kleine Gemäuer zu, das er in einer Minute zweimal umrunden könnte.
    Als er durch das Tor spähte wurde ihm klar, warum der Tempel von außen so klein wirkte. Direkt hinter dem Eingang ging eine teils versackte Treppe steil bergab.
    Eldric beschwor einen Goblin, den er vorlaufen ließ, nur für den Fall, dass es Fallen gab.
    Das Rauschen des Regens war nicht mehr zu hören, sobald sie die modrigen Mauern betreten hatten. Dicht hinter ihm war Lekia, gleich dahinter folgten die anderen Waldläufer im Gänsemarsch.
    Nur ihre Schritte auf dem kalten Stein waren neben dem Tropfen des Wassers, das durch die Decke sickerte, zu hören.
    Nach einigen Schritten hatte die Treppe ein Ende. Der Goblin sprang ungeduldig durch den kahlen Raum, während sich die Waldläufer nah beim Ende der Treppen sammelten.
    Keiner sagte ein Wort. Amus blickte wie die meisten anderen gespannt von einer Ecke des Raumes zur anderen.
    Felko kaute dabei auf seiner Unterlippe, während Boaltran die Wand gegenüber musterte, auf der in großen Schriftzeichen etwas geschrieben stand.
    Keiner von ihnen konnte diese Schriftzeichen lesen, bemerkte Eldric resigniert. Das hatten sie bei der Aufteilung nicht bedacht.
    „Farik, zeichne die Schriftzeichen bitte so genau wie möglich ab, dann können wir sie den Veteranen später geben. Sie könnten wichtig sein“, wies Eldric den Navigator an. Dieser nickte und zog neben einer Feder auch ein leeres Stück Pergament hervor.
    In diesem Moment zuckten alle erschrocken zusammen, denn mit einem lauten Krachen war der Boden unter dem Goblin zusammengebrochen.
    Eldric wollte zu dem Loch laufen, um nachzusehen, was sich darunter befand, doch er beschwor in weiser Voraussicht erst einmal einen zweiten Goblin, der den Weg dorthin testen sollte.
    „Meinst du wir müssen darunter?“, fragte Lekia mit bangem Blick, „Wir sind doch jetzt schon weit unter der Erdoberfläche!“
    „Sieht so aus“, erwiderte Eldric, als er einen Blick in das Loch warf. Darunter war nur ein dunkler Gang. Das Loch war zu niedrig als dass die Erbauer erwartet haben könnten, dass diese Falle einen Eindringling ernsthaft schaden könnte.
    Vorsichtig ließ Eldric sich in den schmalen Gang fallen. In beide Richtungen war er stockdunkel und nur ein bisschen breiter als er selbst.
    Er konnte sich mit einem Lichtzauber sicher durch diese Gänge bewegen, doch wie war das mit den anderen?
    Wie sollten sie sich Fackeln anzünden und noch viel besser war die Frage: wie sollten die Waldläufer im Falle eines Falles kämpfen, wenn sie in einer Hand eine Fackel hatten? Oder wie sollten sie ihre Fackel wieder entzünden, wenn sie mal erlosch?
    Es war also zu riskant außer ihm noch andere Grüppchen hier runter zu schicken. Dass alle zusammen nach dem ersten Schlüssel suchten, kam auch nicht infrage. Bei diesen engen Gängen würden sie sich auf eine Strecke von vielen Metern verstreuen.
    „Zwei von euch werden mich in die Tiefen des Tempels begleiten, der Rest wartet hier“, beschloss Eldric, sich sicher, dass es so am besten war, „Wer will freiwillig mit nach unten k…“
    Lekia war schon leichtfüßig neben ihm gelandet.
    „Ich dachte eher, dass du bei…“
    „…den anderen bleibst?“, vollendete Lekia Eldrics Satz, „Vergiss es! Ich kann hier oben nicht warten, während du dort unten vielleicht um dein Leben kämpfst!“
    „Aber hier ist es sicherer!“, wandte Eldric ein.
    „Dann kannst du ja hierbleiben“, erwiderte Lekia mit einem schnippischem Grinsen im Gesicht, das Eldric genau sagte, dass sie nicht umzustimmen war.
    Thoris war ihr inzwischen in den Abgrund gefolgt.
    „Gut“, nickte Eldric ihm zu, dann gab er den anderen noch ein paar Anweisungen: „Wenn wir eure Hilfe brauchen, schicke ich einen Goblin mit einer Nachricht zu euch, ansonsten müsst ihr unbedingt hier bleiben, egal was passiert!“
    Allgemeine Zustimmung war aus dem Gemurmel der Waldläufer herauszuhören. „Seid ihr soweit?“, fragte er Lekia und Thoris.
    „Du denn auch?“, entgegnete Lekia, „Natürlich sind wir bereit!“
    Thoris nickte mit einem vorfreudigen Glimmen in den Augen. Er schien förmlich darauf zu brennen den Tempel zu erkunden und den Gefahren des Weges ins Auge zu blicken.
    Eldric folgte dem ersten Goblin nun wortlos in den dunklen Gang. Nachdem der Druide ihn mit Licht gefüllt hatte, folgten Lekia, Thoris und der zweite Goblin.
    Die anderen Waldläufer waren schnell nicht mehr zu hören, während Eldric und seine Begleiter Windungen immer tiefer in die Erde folgten. Das Licht begann vor den Zehenspitzen des voranlaufenden Goblins und endete knapp hinter der Hacke des hinteren. Sie konnten immer nur den Flecken des Ganges sehen, den sie grade entlangliefen.
    Eldric wurde bewusst, dass es ihm in so einem engen Gang quasi unmöglich sein würde seinen Stab zu ziehen, wenn Gefahr drohte.
    Er hörte Lekia dicht hinter sich und er war versucht herumzuwirbeln und sie ganz fest in den Arm zu nehmen, um ihr und auch sich selbst den Mut zu geben diesem beunruhigenden Gang weiter zu folgen.
    „Eine Weggabelung“, flüsterte Lekia, als sie an eine Kreuzung kamen, wo der Weg sich in fünf weitere aufteilte.
    „Es kommt nicht infrage, dass wir uns aufteilen, aber welchen nehmen wir dann?“, fragte Eldric die beiden anderen.
    In diesem Moment hallten hastige Schritte aus dem Gang hinter ihnen.
    Eldric schrak zusammen, Lekia zog ihren Bogen schneller als er es wahrnehmen konnte und Thoris duckte sich auf den Boden, damit Lekia die Chance hatte über ihn herüber einen Pfeil zu schießen.
    Eldric spähte mit klopfendem Herzen in die Dunkelheit. Was war es, das da auf sie zukam?

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    Kapitel 10
    Der Wunsch nach Anerkennung


    „Nicht schießen!“, gellte ein Schrei aus dem dunklen Abschnitt des Ganges hinter ihnen.
    Verblüfft klappte Eldrics Mund auf und Lekia ließ ihren Bogen langsam sinken.
    „Du?“, entfuhr es Thoris.
    Felko trat in das magische Licht, sodass die drei ihn erkennen konnten.
    „Was machst du denn hier?“, wetterte Eldric los, „Du solltest doch bei den anderen bleiben!“
    „Ich will aber auch mit! Oben ist es langweilig, hier ist sicher bald die Hölle los“, verteidigte Felko sich.
    „Und genau deshalb kommst du nicht mit! Hier ist es viel zu gefährlich!“, erwiderte Eldric in garstigem Tonfall.
    „Ach ja? Und warum dürft ihr gehen und ich nicht?“, entrüstete Felko sich, wobei er bewusst den Blick auf Thoris vermied, der ihn nur Tage zuvor vor dem Lurker gerettet hatte.
    „Weil du noch lange kein fertig ausgebildeter Kämpfer bist“, begründete Eldric seine Entscheidung, „Bisher hat Thoris dich noch bei jedem Traininskampf mit einem Schlag zu Boden geschickt!“
    „Ich will aber mit euch kämpfen und den Schlüssel finden!“
    „NEIN!“, schrie Eldric.
    Eldric hatte geschrien.
    Lekia sah ihn mit versteinertem Gesicht an. Eldric war ein ruhiger, besonnener Mann, der fast nie die Beherrschung verlor, weshalb es umso mehr Eindruck machte, wenn er dann doch mal laut wurde.
    Thoris musterte Felko, der mit entsetztem Ausdruck im Gesicht einen Schritt zurückgewichen war.
    Doch als Felko mit einer unbedachten Armbewegung einen Stein in der Wand eindrückte, krachte plötzlich ein Fallgitter von oben herab.
    Thoris sprang auf, packte Felko am Ärmel und zerrte ihn grade noch rechtzeitig weg, bevor die Eisenstäbe ihn durchbohrten.
    Schwer atmend lag er nur Zentimeter neben dem Gatter.
    „Ist dir was passiert?“, fragte Lekia den ersten Schrecken überwindend.
    „Nein, geht schon“, erwiderte Felko und rappelte sich auf. Wieder fiel sein Blick auf Thoris, der ihm nun schon zum zweiten Mal das Leben gerettet hatte. Warum nur musste immer er gerettet werden?
    Wortlos erhob Thoris sich und begann das Fallgitter zu untersuchen.
    Eldric stand benommen da und wusste nicht was er tun sollte.
    „Das Gitter kriegen wir hier nicht wieder weg, wir können ihn also nicht zu den anderen zurückbringen“, sprach Thoris den anderen zugewandt.
    Eldric warf einen bösen Blick auf Felko und kehrte ihm dann den Rücken zu: „Wir müssen weiter, wir können es ja nicht mehr ändern.“
    Dann warf er einen durchdringenden Blick über die Schulter, der Felko direkt zu durchbohren schien: „Wenn wir von irgendetwas angegriffen werden, rennst du weg!“
    Wortlos wählte Eldric einen der Wege und ging weiter. Lekia und Thoris beeilten sich ihm zu folgen, bevor das Licht vollständig in dem Gang verschwunden war, doch Felko stand wie vom Donner gerührt da.
    Als die Dunkelheit ihn zu verschlucken begann, beeilte er sich jedoch den anderen nachzukommen.
    Eldric schritt gedankenverloren vorweg. Sie mussten den Schlüssel so schnell wie möglich finden und hier wieder raus. Wer konnte schon ahnen was hier noch alles auf sie lauerte?
    „Eldric“, rief Thoris plötzlich, der als erster ein knackende Geräusch vernommen hatte.
    „Was ist das?“, fragte Lekia beunruhigt.
    „Das werden wir erst wissen wenn es zu spät zum Umkehren ist“, entgegnete Thoris.
    „Seid vorsichtig“, wies Eldric sie an, „Wenn ihr hier warten wollt, mach ich euch keinen Vorwurf.“
    Der Druide schlich sich den nun immer breiter werdenden Gang weiter entlang. Lekia und Thoris folgten ihm ohne zu zögern. Felko überlegte einem Moment, doch dann kam in ihm wieder sein Drang sich zu beweisen hoch.
    Die rustikalen Steinwände links und rechts von ihnen hatten inzwischen einen Abstand von mindestens zwei Metern. Zu dem klackenden Geräusch hatte sich außerdem das Plätschern von Wasser gesellt. Gab es hier unten etwa einen unterirdischen Fluss?
    Plötzlich schoss etwas Monströses aus der Dunkelheit vor ihnen, schnappte sich den vorauslaufenden Goblin und verschwand wieder. Das war so schnell gegangen, dass sie sich erst bewaffnet hatten, als die Kreatur schon wieder weg war.
    Eldric konzentrierte sich und schaffte es das Licht hell aufleuchten zu lassen. Jetzt konnten sie einem Minecrawler, der bis zur Decke des großen Raums ging, dabei zusehen wie er den Goblin knirschend verspeiste und dabei mit seinen Zangen das klickende Geräusch erzeugte, dass sie schon gehört hatten.
    „Renn!“, schrie Eldric Felko an.
    „Nein“, erwiderte dieser trotzig. „Ich werde es euch zeigen“, murmelte er und stürzte sich mit seinem Stab auf den Minecrawler. Er schlug der ins Essen vertieften Kreatur hart auf den Kopf, was jedoch nur dazu führte, dass sie aufsah und die vier Menschen erblickte.
    Der Minecrawler klickte wild und stürzte sich dann auf Felko, der ihm am nächsten stand.
    Eldric schleuderte grade noch rechtzeitig eine Eislanze durch die Luft, die den Crawler einen Schritt zur Seite taumeln ließ, der Felko das Leben rettete.
    Lekia schoss einen Pfeil auf das Biest, doch das Geschoss prallte an den Panzerplatten einfach ab.
    Thoris und Eldric stürmten nun zusammen auf das Ungetüm zu und bearbeiten es mit ihren Stäben, doch durch einen gewaltigen Hieb des zangenbewehrten Kopfes wurden die beiden Kämpfer durch die Luft geschleudert.
    Thoris schlug hart gegen die Wand, krachte zu Boden und blieb regungslos liegen. Eldric rollte sich ab und war sofort wieder auf den Beinen.
    Lekia hatte Felko am Arm gepackt und zerrte ihn zurück in den Gang: „Du musst weglaufen! Das ist zu gefährlich für dich!“
    „Nichts ist zu gefährlich für mich!“, schleuderte Felko ihr ins Gesicht, riss sich los und setzte erneut zum Angriff auf den Minecrawler an.
    Last edited by MiMo; 10.10.2010 at 21:57.

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    Kapitel 11
    Getrennt


    Eldric wandte seinen Kopf von dem Monster ab, als er entsetzt sah, dass Felko schon wieder in sein Verderben rannte. Diesen unachtsamen Moment des Druiden hatte der Crawler genutzt, um ihm eine seiner Zangen in die Schulter zu schlagen.
    Eldric stürzte stark blutend zu Boden, das Maul des Crawlers war genau wie Felko nur wenige Meter entfernt.
    Eldric erhob seinen gesunden Arm in die Luft und auf einmal wurde es bitterkalt. Rund um Eldric herum brach eine Eiswelle aus der Luft hervor und fror nicht nur den Minecrawler, sondern auch Felko ein.
    Schwer atmend erhob Eldric sich zwischen den beiden eingefrorenen Gestalten. „Felko“, presste er zwischen zwei schweren Atemzügen hervor, „Das ist kein Spiel mehr, hau ab!“
    Hinter ihm knackte das Eis, das den Crawler gefangen hielt, bedenklich.
    Thoris war wieder zu sich gekommen und stapfte langsam auf den Ring aus Eis zu.
    „Thoris, ich brauch deine Hilfe um dieses Vieh zu erlegen“, gestand der Druide.
    „Eldric“, Lekia sah mit vor Angst geweiteten Augen auf die Wunde an der Schulter ihres Mannes, die eine große Menge Blut auf die Druidenrobe verteilt hatte.
    „Ich werd mich heilen, sobald ich dazu Zeit habe“, erwiderte Eldric rasch und wandte sich von ihr ab und dem Minecrawler zu, „Kümmer dich bitte um Felko!“
    Mit einem Krachen befreite der Crawler sich aus dem Eis. Eldric hob den Zauber auf, sodass auch Felko von der Eisschicht befreit wurde.
    Wieder packte Lekia ihn am Arm und zerrte ihn weg. Thoris war um das Ungetüm herum gelaufen und stach ihm nun mit der Klinge seines Stabes in den Rücken.
    Der Minecrawler heulte auf und riss den Kopf herum, sodass der nicht so stark gepanzerte Rücken des Crawlers nun Eldric zugewandt war.
    Dieser schloss die Augen um sich auf den immens schwierigen Zauber vorzubereiten, den er gleich ausführen wollte. Er hörte wie die Zangen des Crawlers auf den Stab von Thoris trafen und wie Felko sich wieder loszureißen versuchte. Er wusste, dass er sich nicht noch mehr Zeit lassen durfte.
    Er öffnet die Augen, breitete die Arme aus, wobei seine Schulter höllisch protestierte und sprach den Zauber aus: „Eisexplosion!“
    Rund um Eldric herum explodierten Eisklumpen, die in Form von kleinen Dolchen aus Eis durch den ganzen Raum zischten. Viele Dutzend dieser Klingen versenkten sich im Rücken des Minecrawlers, der sich kreischend aufbäumte und dann in sich zusammenbrach.
    Einige Momente lang hörte man nur das Schnaufen der beiden Männer, die ihre Stäbe noch erhoben hatten.
    „Ist er tot?“, fragte Eldric, während er mit der Hand seines gesunden Armes unter seine Robe packte, um das Ausmaß der Wunde festzustellen.
    „Ich glaube ja“, antwortete Thoris und stach dem Minecrawler sicherheitshalber ins schimmernde Auge, „Ja, ist er“
    Eldric erwiderte nichts, sondern begann mit zusammengebissenen Zähnen seine Wunde durch einen Zauber zu schließen.
    Lekia rannte auf ihren Mann zu, besorgt wegen dem großen Blutverlust. Doch sie wusste schon, dass sie nicht ankommen würde, als ein Stein unter ihrem Fuß wegsackte.
    Lekia sah kurz nach unten, wo nun eine kleine Kuhle im Boden war, doch dann zuckte sie mit ihrem Kopf wieder nach oben, um die gigantische Bewegung zu beobachten, die sie aus ihren Augenwinkel schon erahnt hatte: Eine massive Steinwand krachte aus der Decke, grub sich tief in den Boden des Raumes und trennte diesen in zwei Hälften.
    „Eldric!“, schrie sie und trommelte auf die Wand ein, „ELDRIC!“
    Sie lauschte auf eine Antwort doch es kam keine. Eldric konnte sie durch die breite Steinmauer nicht hören.
    „Verdammt“, fluchte sie und biss sich auf ihre Lippe.

    „LEKIA!“, schrie Eldric auf der anderen Seite der Mauer. Zitternd sank er zu Boden und verbarg sein Gesicht in den Händen, „…Felko.“
    Thoris starrte die massive Wand mit grimmigem Blick an: „Da kann keiner von uns durch, Lekia und Felko müssen jetzt alleine klar kommen!“
    Eldric sprang wieder auf und wischte sich noch kurz die Augen, dann schritt er auch schon weiter den Tunnel entlang, der inzwischen wieder dünner wurde: „Wir müssen sie schnell finden, den Schlüssel einsacken und verschwinden!“
    Thoris nickte und holte ihn ein.

    Lekia nahm nichts mehr außer ihrem verzweifeltem Wunsch zu Eldric zu kommen wahr. Sie hatte nicht einmal bemerkt, dass es nun, da Eldrics Licht den Raum nicht mehr erhellen konnte, unglaublich dunkel geworden war.
    Doch plötzlich zuckten warme Flammen hinter ihr empor und tauchten den feuchten Raum in ein warmes Licht.
    Verwundert wandte Lekia sich um und sah, dass Felko eine Knospe, aus der rötlich-violette Flammen empor züngelten, vorsichtig in der Hand hielt.
    „Wo hast du die denn her?“, fragte sie den jungen Mann verdutzt.
    „Amus hat herausgefunden, dass diese Knospen ziemlich lange brennen, er meinte das käme von den Ölen, die in ihnen enthalten sind“, erwiderte Felko.
    „Aber warum hat Amus uns anderen nichts davon erzählt?“, fragte Lekia mit verwirrtem Gesichtsausdruck. Interessiert kam sie näher um die Knospe genauer zu untersuchen.
    „Naja, er hat sie durch Zufall entdeckt. Als die Wölfe uns angegriffen hatten, war Amus grade dabei ein bisschen rumzukokeln, er meint ja immer, dass das Verbrennen von Tierkrallen Glück bringt. Als die Wölfe ihn aufgeschreckt hatten, ist er aus Versehen in sein kleines Feuer getreten. Dabei hat er einen Fleck Gras angesteckt. Das Gras konnte er ohne Mühe löschen, doch diese Knospe brannte einfach weiter.“, erzählte Felko die Entdeckung der Knospe, „Auch als er am nächsten Morgen noch einmal nachsah, brannte sie noch. Dabei hab ich ihn gesehen und gefragt, was das ist. Er meinte ich solle niemandem davon erzählen, es sei ihm immer peinlich, wenn andere von seinem Aberglauben Wind bekommen. Er hat aber noch andere dieser Knospen gefunden und mir eine gegeben. Für Notfälle, meinte er.“
    „Und wie hast du sie angezündet?“, erkundigte Lekia sich staunend.
    Er hielt einen Feuerstein hoch: „Den hab ich noch aus unserer Heimat, ich hab ihn einfach gegen die Klinge meines Stabes geschlagen und den Funken mit der Knospe aufgefangen, das hat gereicht um sie anzuzünden!“
    Lekia nickte zufrieden: „Sehr gut, die wird uns helfen einen Weg zu Eldric und Thoris zu finden, lass uns schnell gehen!“
    Felko nickte, glücklich endlich mal Anerkennung gefunden zu haben und ging dann mit der großen, an der Spitze brennenden Pflanze voran.
    Last edited by MiMo; 03.01.2011 at 14:37.

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    Kapitel 12
    Prüfung der Fallen


    Das Geräusch von schnellen Schritten hallte unendlich von den kahlen Steinwänden wieder. Wenn es noch weitere Monster hier unten gab, würden sie sie sofort hören, doch das scherte Eldric nicht im Geringsten.
    Das Geräusch von plätscherndem Wasser, das sie schon zu einem früheren Zeitpunkt gehört hatten, wurde immer lauter. Der Ursprung dieses Geräusches musste ganz nah sein.
    Eldric war nur zu bewusst, dass sie sich mit jedem Schritt in diese Richtung von Lekia und Felko entfernten, sie mussten einen Weg in die andere Richtung finden!
    Plötzlich kamen sie in einen großen Raum, dessen Decke gewölbeartig nach oben ausbeulte. Das magische Licht beleuchtete den faszinierenden Wasserstrahl, der aus der Mitte der Decke hinablief.
    Doch statt auf den Boden aufzutreffen, fiel das Wasser durch ein großes rundes Loch im Boden, durch das man einen reißenden Fluss erkennen konnten, der darunter schäumend gegen die Wände klatschte.
    Nur ein schmaler Weg führte um dieses Loch herum.
    Staunend blieben Eldric und Thoris stehen.
    „Meinst du wir müssen da runter?“, fragte der Druide stirnrunzelnd.
    „Ich glaube wir sollten es eher mit den Wegen hier oben versuchen“, entgegnete Thoris und wies auf drei dunkle Gänge, die sich von dem schmalen Weg abzweigten.
    Eldric hatte diese Wege noch gar nicht bemerkt und musste zugeben, dass dies die schlauere Idee war.
    „Lass uns den linken Weg nehmen, der führt uns am ehesten zu den anderen zurück!“, entschied Eldric und begann sich eng an die Wand gedrückt den Weg am Abgrund entlang zu wagen.
    Beunruhigend nah waren sie den schäumenden Fluten und umso glücklicher waren sie, als sie den schmalen Gang erreichten.
    „Puh, ge…“
    Eldric brachte den Satz nicht einmal zu Ende. Ein riesiger Steinblock, der den ganzen Gang einnahm, schoss aus diesem hervor und schob die beiden Waldläufer über die Kante des Weges.
    „Verd…“, wollte Eldric grade entsetzt fluchen, als er plötzlich mitten im Sturz innehielt.
    Thoris klammerte sich mit der einen Hand an der Kante des Abgrunds fest und hatte mit seiner anderen Hand die von Eldric ergriffen.
    Doch das war noch nicht alles. Noch ehe sie sich von dem Schrecken erholt hatten, kam Flügel schlagend eine Harpyie aus einem der anderen Gänge.
    „Beute, Beute“, krächzte sie und hackte Thoris mit ihren scharfen Klauen in die Hand.
    Thoris ließ vor Schmerz aufschreiend los. Mit einem Platschen, das beinahe von dem Tosen des Wassers übertönt wurde, tauchten sie in das kühle Nass des reißenden Stroms ein.
    Doch kaum waren sie wieder aufgetaucht, mussten sie den Krallen der Harpyie, die ihnen hinab gefolgt war und nun schadenfroh über ihnen her flog, ausweichen.
    Zu allem Unglück wurden sie von der starken Strömung schnell davongetragen.
    Die Harpyie zerfetzte Thoris rechten Ärmel. Eldric, der sich lieber auf den Wasserlauf als auf die Kreatur konzentrieren wollte, beschloss kurzen Prozess mit ihr zu machen: Eine Wasserfontäne schoss aus dem Wasser hervor, erfasste die Harpyie und klatschte an die steinerne Decke.
    Bewusstlos fiel die Harpyie ins Wasser und versank in den Fluten.
    „Und nun?!“, fragte Thoris, der Mühe hatte sich und seine vollgesogenen Kleider über Wasser zu halten.
    „Keine Ahnung!“, brüllte Eldric gegen die Wassermassen an.
    Im nächsten Moment schmetterten die starken Wellen ihn mit dem Kopf voran gegen die Felswand und er verlor sein Bewusstsein.

    Lekia und Felko ahnten von der Gefahr, in der die anderen beiden in diesem Moment steckten, nichts.
    Sie waren zurück zu dem Raum gegangen, in dem sich der Weg in fünf andere aufgeteilt hatte. Dort wählten sie einen anderen Weg als beim ersten Mal.
    Die brennende Knospe leuchtete ihnen dabei zuverlässig den Weg.
    „Was meinst du wird die nächste Falle sein?“, fragte Felko.
    „Vielleicht sind wir ja auf einem fallenfreien Weg“, hoffte Lekia. In genau diesem Moment sackte ihr Fuß wie nur ein paar Minuten zuvor ein, sie kam ins Stolpern, versuchte sich an Felko zu halten, riss ihn aber nur mit zu Boden.
    Und das war sein Glück.
    Nur wenige handbreit über ihren Köpfen endeten sehr spitz aussehende Nadeln, die aus der Decke geschossen waren.
    „Das war Glück“, hauchte Lekia, „Krabbel weiter!“
    Felko nahm die zu Boden gefallene Knospe wieder in die Hand und kroch dann Armlänge für Armlänge unter dem dichten Wald aus Stacheln hindurch.

    „Eldric, Eldric!“
    Der Gerufene kam nur langsam wieder zur Besinnung. Langsam richtete er sich auf.
    Zu ihrer Linken war der reißende Strom, der sie hier offensichtlich an Land gespült hatte.
    „Wo sind wir?“, fragte der Druide benommen und rieb sich den Hinterkopf. Er bemerkte, dass Thoris Finger ziemlich zerschnitten waren und dass auch seine Schulter einen langen Kratzer aufzuweisen hatte. Die Hinterlassenschaften der Harpyie.
    „Komm her, ich heil deine Wunden“, bot Eldric an, doch Thoris wehrte ab: „Brauchst du nicht, sind nur Kratzer!“
    Ächzend erhoben sie sich, wobei die schweren Kleider gegen ihre Beine klatschten. Ein kalter Windzug ließ sie schaudern.
    Thoris Zähne klapperten.
    „Wart mal“, fiel Eldric da ein, „Hier ist Luftzug! Das bedeutet, dass hier irgendwo ein Gang nach draußen ist. Die Erbauer werden allerdings schon darauf geachtet haben, dass keiner über den Fluss hier eindringen kann. Und das heißt…“
    „…dass wir in der Nähe der ersten Halle sind, denn nur dort hat der Tempel eine Verbindung nach draußen!“, schloss Thoris den Gedanken ab.
    „Wir sind vorhin durch einen Gang in diese labyrinthartigen Gänge eingestiegen und haben eine der beiden Richtungen gewählt, dass heißt wir sind ganz nah der anderen Seite des Ganges, dem Ausgang quasi“, nahm Eldric den Faden wieder auf, „Und wenn wir dem Ende des Tempels nahe sind, sind wir vielleicht auch ganz in der Nähe des Schlüssels!“
    „Lass uns das gleich herausfinden“, erwiderte Thoris aufgeregt, lief los, und trat wieder auf einen wegsackenden Stein, der eine Falle auslöste.
    Der gesamte Boden brach ein und beide stürzten in unendlich schwarze Tiefe…
    Last edited by MiMo; 03.01.2011 at 14:41.

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    Kapitel 13
    Gefunden?


    Die sonderbare Knospe beleuchtete den kleinen Raum, in dem sie sich grade befanden. Aus einem Wasserspeier an der gegenüberliegenden Wand sprudelte eine klare Flüssigkeit heraus, die im Prinzip Wasser sein könnte, doch weder Lekia noch Felko hatte es gewagt etwas davon zu trinken.
    Beide hatten sich an die ständige Bedrohung, die in diesem Tempel scheinbar überall zuschlagen konnte, gewöhnt. Nur zu gut konnten sie sich vorstellen, dass das vermeindlich erquickende Wasser einen tödlichen Beigeschmack hatte.
    Da Felko die Füße vom vielen Laufen wehtaten, hatte Lekia eingewilligt eine Pause zu machen, obwohl sie im ersten Moment große Lust gehabt hatte ihm an den Kopf zu werfen, dass er selbst Schuld für seine gegenwärtige Lage war.
    Nun saßen sie beide nebeneinander an eine Wand gelehnt, zwischen ihnen das wunderbare Objekt, das sie mit tänzelnden kleinen Flammen spielend beleuchtete.
    „Ich hab Durst“, gab Felko mürrisch von sich. Er wartete nur darauf wieder angeranzt zu werden, dass er sich nicht immer so gehen lassen solle.
    Doch Lekias Reaktion verblüffte ihn: Sie nahm ihren Wasserschlauch von der Hüfte und hielt ihn ihm hin.
    Felko sah sie mit großen Augen an.
    „Trink, ich hab noch genug“, ermunterte Lekia ihn.
    Felko nahm unsicher den Schlauch in die Hand und starrte zu Boden.
    „Was ist?“
    „Eldric hätte mir kein Wasser abgegeben“, erwiderte Felko immernoch mürrisch auf den Stein vor seine Füße starrend.
    „Wie kommst du darauf?“, entrüstete Lekia sich und bereute schon im Affekt laut geworden zu sein. Wie kam er nur darauf, dass Eldric derartig kaltherzig war?
    „Er mag mich nicht“, gab Felko trocken zurück.
    „Warum sollte er?“, entgegnete Lekia mit schnippischem Unterton.
    „Du hast doch gesehen wie er reagiert hat, als er mich gesehen hat. Er hat mich sofort angeschrien!“
    Bis vor wenigen Sekunden war Lekia noch überzeugt gewesen, dass Felko sich etwas einreden würde, vielleicht auch nur Mitgefühl haben wollte.
    Doch nun verstand sie ihn plötzlich. Was er sagte, meinte er auch so, da war keine versteckte Absicht dahinter.
    „Er hat dich nicht angeschrien, weil er dich nicht mag“, begann Lekia wohl gewählte Worte an Felko zu richten.
    „Ach ja? Warum denn dann?!“, Felkos Stimme wurde schrill, als er seinen Blick endlich von seinen Füßen abwandte und Lekia zornentbrannt anstierte.
    „Verstehst du das denn nicht?“, fragte die Waldläuferin, dieses Mal ohne die Stimme zu erheben, sondern viel eher mitfühlend, „Er hat sich Sorgen um dich gemacht! Er hatte Angst, dass dir hier etwas passiert!“
    Felko sah sie entgeistert an.
    Lekia musste lächeln, er hatte nun wohl verstanden.
    „Komm, lass uns weitergehen!“

    Eldric erhob sich ächzend und rieb sich die schmerzenden Glieder. Doch wunderte er sich, dass es nicht schlimmer war, schließlich war er grade mehrere Meter tief gefallen.
    Verwundert stellte er allerdings fest, dass der Untergrund weich war. Als nächstes bemerkte er, dass das magische Licht verloschen war. Kaum hatte er dies registriert, beschwor er neues Licht.
    Nun konnte er den mit farnartigen Pflanzen bewucherten Steinboden klar erkennen. Sie befanden sich in einer großen Höhle, die, mal abgesehen von einem kleinen See, dicht von diesen Pflanzen bewachsen war, die anscheinend nur aus einem Büschel Farnblätter bestanden.
    Als nächstes viel sein Blick auf ein paar sich bewegende Farnblätter, unter denen Thoris hervorkroch.
    „Harte Ladung – wär aber weitaus schlimmer gewesen, wenn diese Pflanzen nicht hier wären“, kommentierte er ihren plötzlichen Abgang, dann stutzte er: „He, Eldric!“
    „Was?“, erwiderte dieser gereizt. Warum konnte er nicht gleich klarer werden?
    „Sieh mal dahinten, ist das etwa…“
    Eldric folgte Thoris‘ ausgestrecktem Zeigefinger. Sein Blick fiel auf eine einzelne aus den Farnen hervorragende Steinsäule, auf der etwas lag, das einer steinernen Karte ähnelte.
    „Ist das der Schlüssel?“, rief Eldric erstaunt und lief auf die Steinsäule zu.
    „Scheint so“, meinte Thoris, der ihm sofort gefolgt war, „Aber wieso ist die hier? Wir sind zweimal hintereinander in eine Falle getappt, wir müssten meilenweit von dem Schlüssel entfernt sein!“
    „Vielleicht ist gerade das der Sinn der Sache“, vermutete Eldric, „Wer allen Fallen ausweicht, wird diesen Ort hier nie finden. Nur wer schon einige Gefahren überstanden hat und viel Glück, vielleicht braucht man sogar die Gunst Adanos‘, gehabt hat kann den Schlüssel finden.“
    „Kann sein, ist aber ja auch egal, oder? Wir sind am Ziel!“
    „Du hast recht“, gab Eldric zu, „Am Ziel sind wir allerdings noch lange nicht, wir müssen noch Lekia und Felko wiederfinden und dann hier rauskommen!“
    Ohne Umschweife schnappte Eldric sich die kleine Steinkarte und ließ sie in seine Tasche gleiten, als sich plötzlich etwas hinter seinem Rücken bewegte.
    Er und Thoris wirbelten zeitgleich herum und sahen einer kleinen Armee Skelettsoldaten in die nicht vorhandenen Augen. Sie waren umzingelt.
    „Sie haben den Schlüssel also auch noch mit einer Falle gesichert“, bemerkte Thoris mit knirschenden Zähnen.
    „Die Knochen haben wir wegen diesen Pflanzen gar nicht sehen können“, erkannte Eldric zu spät, „Das war geschickt von den Erbauern.“
    „Mit den allen können wir es nicht aufnehmen“, schätzte Thoris die Lage richtig ein, „Aber wo geht es aus diesem Raum raus?“
    Eldric sah sich suchend in der Höhle um, parierte den ersten Schlag eines der Skelette und zertrümmerte ihm den Schädel. Er ließ das Licht bis in die letzten Winkel der Höhle leuchten, beleuchtete selbst die Wand hinter dem kleinen See – nichts!
    „Wie sollen wir hier wieder weg kommen?“, rief Thoris ein wenig bestürzt einem Skelett den Brustkorb durchstoßend.
    Immer enger wurde der Kreis der Untoten um die beiden Menschen geschlossen, die als ihre Beute enden sollten.
    „Erstmal brauchen wir jetzt Platz“, bestimmte Eldric, schulterte seinen Druidenstab und ließ seine magische Energie wirken. Steine erhoben sich vom Boden und setzten sich in der Luft zu einem Golem zusammen. Sofort stürzte er sich ins Getümmel.
    Der Koloss riss mit seinen riesigen Fäusten große Lücken in die Reihen der Knochenmänner, zerschlug sie mit nur einem Schlag, wohingegen die Schwerter der Skelette ihm kaum einen Kratzer zufügten.
    Eldric wandte sich von dem Golem ab und Thoris zu: „Die sind beschäftigt, es bleibt aber das Problem, dass diese verfluchte Höhle keinen Ausgang hat!“
    Last edited by MiMo; 03.01.2011 at 14:22. Reason: Korrekturarbeiten

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    Kapitel 14
    Wo ist Felko?


    Das Gurgeln des Wasserspeiers, den sie schon weit hinter sich gelassen hatten, war inzwischen nicht mehr zu hören. Seither waren Lekia und Felko auch von keinen weiteren Fallen überrascht worden.
    „Da vorne ist wieder ein Raum“, bemerkte Felko. Er hatte recht. Wieder waren sie an einer Stelle, wo der Gang in eine große Halle überging.
    „Was ist das?“, kreischte Lekia beinahe panisch, als sie etwas langes, dünnes, das sich auch noch bewegte, im Schein der Knospe wahrnahm.
    „Ich weiß nicht“, erwiderte Felko mit einem verekelten Gesichtsausdruck und wich ein paar Schritte zurück, „Eine Schlange vielleicht?“
    Lekia nahm ihren Bogen und spannte einen Pfeil ein, sie musste versuchen das Etwas zu treffen, auch wenn sie kaum Erfolgsaussichten hatte. Das schlangenähnliche Etwas schnellte plötzlich nach oben und schwirrte durch die Luft, als würde sie einem bestimmten Rhythmus folgen.
    Der Pfeil flog von Lekias Sehne und verfehlte das lange Etwas. Ein Jaulen, laut und deutlich! Irgendetwas lauerte da in der Dunkelheit und war von dem Pfeil getroffen worden.
    „Halt mir mal die Knospe her“, wies Lekia Felko an, der mit interessiertem Blick die Dunkelheit zu durchdringen versuchte. Das längliche Etwas verschwand derweil in der Düsternis.
    Lekia entzündete an der Knospe einen Feuerpfeil und schoss ihn schnell in die Finsternis.
    Im Flug erhellte der Pfeil den Gang, beleuchtete den alten Stein und die dicken Spinnenweben, die sie noch erwarteten und traf dann in etwas pelziges. Der Pfeil loderte bei dem Aufprall auf und erhellte das getroffene Wesen, das wieder wütend aufjaulte.
    Lekia und Felko stockte der Atem. Dort vor ihnen saß eine gewaltige Riesenratte, die den ganzen Gang ausfüllte. Hinter ihr konnte man den ekligen Rattenschwanz gewitzt hin- und herhuschen sehen.
    „Das war ein Rattenschwanz? So dick?!“, machte Felko seinem Entsetzen Luft.
    Wütend kratzte sich die Riesenratte mit ihren langen Krallen am Kopf, wobei sie den Pfeil abbrach und das Feuer erstickte.
    Ein Aufschrei der Ratte hallte durch den Gang, dann setzte sie sich mit schnellen, kleinen Schritten in Bewegung.
    „Lauf!“, schrie Lekia und rannte los. Felko war ihr schon einen Schritt voraus. Selbst er hatte erkannt, dass sie an der Ratte nicht vorbeikommen konnten.
    Doch das Ungetüm folgten ihnen, links, rechts, oben und unten an dem Stein des Tempels entlang scheuernd. Es holte immer weiter auf.

    Nur vereinzelt waren Gespräche zustande gekommen. Die meisten von ihnen waren in Gedanken bei ihrem Druiden Eldric und seinen beiden Begleitern.
    Boaltran fragte sich wie es ihnen wohl ging. Sie wussten schließlich nichts über diese Tempelanlagen, da konnte alles geschehen.
    „Was meinst du, Felko…“, wollte Boaltran ein Gespräch anfangen, doch als er links hinter sich blickte, saß da keiner mehr.
    „Felko?“, fragte Boaltran verdutzt. Eben – oder besser gesagt vorhin – war er doch noch dagewesen?
    Boaltran suchte schnell die ganze Menge ab, doch fand er den jungen Hitzkopf nirgends!
    „Felko ist weg!“, verkündete Boaltran mit seiner grollenden Stimme.
    Die wenigen Gespräche verstummten. Alle sahen sich um, doch keiner konnte ihn entdecken.
    „Vielleicht ist er nur kurz rausgegangen?“, hoffte Farik und raufte sich die Haare.
    „Es würde seinem Temperament viel eher entsprechen, wenn er Eldric und den anderen hinter ist!“, warf Amus zurecht ein.
    „Wir sollten Gyzel und Torcan fragen, vielleicht ist er wirklich nur draußen und vertritt sich die Beine“, gab Farik seine letzte Hoffnung kund.
    „Bin unterwegs“, erwiderte Boaltran und spurtete schon die Stufen zum Ausgang hoch, wo zwei Waldläufer Wache schoben, nur für den Fall, dass sich etwas dem Tempel näherte.
    „Was willst du denn hier, Boaltran?“, wurde er von einem verdutzt wirkendem Torcan begrüßt.
    „Felko“, japste der hochgespurtete Waldläufer, „Habt ihr ihn gesehen?“
    „Nicht seitdem wir die Wache angetreten haben“, antwortete Torcan, der sich mit einer Hand seine halblangen braunen Haare aus seinen ebenso braunen Augen strich.
    „Wieso fragst du? Ist er etwa weg?“, wollte Gyzel wissen. Gyzel hatte seine langen schwarzen Haare zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden und neben einem spitzen Kinn und hervorstehenden Wangenknochen eine eher bleiche Hautfarbe, was für einen Waldläufer ungewöhnlich war. Doch noch ungewöhnlicher war seine Waffe.
    Er trug nämlich nicht wie die meisten Waldläufer einen Kampfstab, er kämpfte auch nicht mit einem Schwert. Er kämpfte mit zwei Schwertern, die in diesem Moment über Kreuz auf seinem Rücken befestigt waren.
    „Ja, wir wissen nicht wo er hin ist“, berichtete Boaltran immernoch nach Atem ringend.
    „Er ist Eldric hinterher, garantiert!“, fauchte Gyzel, „Kann der Junge denn nicht einmal tun, was man ihm sagt?“
    „Wir müssen ihn suchen gehen, so schnell es geht!“
    „Das mache ich, du kannst doch sicher kurz allein Wache stehen“, entgegnete Gyzel und Boaltran signalisierte, dass er ihn begleiten wollte.
    „Schickt mir aber jemanden hoch!“, rief Torcan den beiden hinunter eilenden Waldläufern noch hinterher.
    Wieder im Raum bei den anderen Waldläufern angekommen, wurden sie sogleich mit Fragen bombardiert: „War er oben?“ „Was habt ihr vor?“ „Warum hat Gyzel seinen Posten verlassen?“
    „Wir gehen da jetzt runter und finden Felko“, antwortete Gyzel knapp, „Einer von euch muss Torcan oben unterstützen!“
    „Ich komm auch mit, ohne mich verlauft ihr euch doch nur“, drängte Farik sich auf.
    „Na von mir aus“, erwiderte Gyzel, ließ sich von Amus schnell eine Fackel reichen und sprang dann in den Gang hinab. Während er seine Fackel entzündete, folgte Boaltran ihm in das Loch.
    Nur Farik war noch oben und redete mit Amus.
    „Bist du bald soweit?“, rief Gyzel nervös nach oben.
    „Schon da!“, antwortete er, als er leichtfüßig neben ihm gelandet war.
    „Was willst du mit der zweiten Fackel?“, fragte Boaltran verwirrt, „Wir haben doch schon eine! Außerdem scheint die Fackel, die du da hast, schon abgebrannt zu sein.“
    „Das ist ja auch der Sinn der Sache“, entgegnete Farik, „Mit dem abgebrannten markiere ich den Weg den wir genommen haben, damit wir später schnell wieder zurückfinden!“
    „Gute Idee“, lobte Boaltran ihn. Gyzel murmelte etwas ähnliches und machte sich mit der Fackel in der Linken auf in das Dunkel des Ganges. Die anderen beiden folgten ihm. Keiner von ihnen ahnte, dass sie in diesem Moment eine vollkommen andere Richtung einschlugen, als Eldric, Lekia und Thoris vor ein paar Stunden…
    Last edited by MiMo; 14.09.2010 at 16:47.

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    Kapitel 15
    Ausweg


    Sie rannten unvorsichtig laut durch die Gänge.
    Boaltran keuchte schon ziemlich und Farik war ein wenig zurückgefallen, da er an jeder Kreuzung, die sie passierten mit einem schwarzen Kohlestrich ihren Weg markierte.
    Gyzel rannte, die Fackel hoch erhoben, vor den anderen hinweg. Ihm war klar, dass sie in diesem Moment mehr als nur unvorsichtig waren, doch er meinte diesen Aspekt vernachlässigen zu können, wenn sie jetzt nur schnell Felko fanden.
    In diesem Moment hörte er einen Aufschrei. Gyzel wirbelte herum und sah erschrocken, dass ein Speer aus der linken Wand geschossen war und sich in der gegenüberliegenden versenkt hatte.
    Farik stand kurz davor: „Das war knapp!“
    Gyzel biss sich auf die Unterlippe: „Wie auch immer wir die Falle ausgelöst haben, vielleicht sollten wir tatsächlich vorsichtiger sein.“

    Eldric und Thoris steckten derweil immernoch in der Klemme.
    Der Golem zerschmetterte zwar Skelett für Skelett, doch kamen ständig neue nach und ein Ausweg aus diesem Loch war auch nicht gefunden worden.
    „Wir müssen halt irgendwie die Wände hochkommen, oder fliegen“, stellte Thoris resignierend fest, „Um wieder in den Gang zu kommen, aus dem wir auch hier herunter gekommen sind.“
    „Wenn du jetzt auch noch eine Idee hast wie wir das anstellen, bin ich dabei“, erwiderte Eldric, den Schlag eines Skeletts parierend. Der steinerne Koloss nahm ihnen zwar einen Großteil der Arbeit ab, doch schafften es immer wieder Knochenmänner an der beschworenen Kreatur vorbeizuhuschen.
    Dem Golem schien es immernoch blendend zu gehen, keine der Klingen konnte ihm etwas anhaben.
    Doch plötzlich krachte etwas in die Schulter des Wesens, grub sich tief hinein und hinterließ große Risse. Ein Bolzen!
    „Verdammt“, fluchte Eldric, schulterte seinen Kampfstab und suchte die Reihen der Skelette ab. Da ganz hinten im Zwielicht stand eine ganze Reihe von untoten Armbrustschützen. Eldric beschwor Eislanzen, die ihr Ziel nicht verfehlten und die Armbrüste einfroren.
    Gerade wollte ihm ein triumphierendes Lachen entfahren, als ein Feuerball wie aus dem nichts erschien und das Eis zum Schmelzen brachte.
    Hämisch gackernd schwebte ein Skelettmagier unter der Decke.
    Der nächste Feuerball dieser Kreatur hatte Thoris als Ziel. Nur durch den Golem, der seine Pranke schützend in die Schussbahn warf, wurde er gerettet.
    Währenddessen knallte Bolzen für Bolzen in den Golem. Immer größere Risse zersetzten den steinernen Körper.
    Sie mussten sich schnell etwas einfallen lassen wie sie den Magier und die Armbrustschützen loswurden!
    Ein Feuerball ließ die Pflanze neben Eldric in Flammen aufgehen. Der Golem preschte nun durch die Reihen der gewöhnlichen Krieger, direkt auf die Fernkämpfer zu.
    Eldric und der Skelettmagier lieferten sich derweil einen Kampf auf Distanz. Thoris hatte die Aufgabe die Krieger von dem Druiden fernzuhalten.
    Von Bolzen gelöchert war der Koloss nun bei seinen Zielpersonen angelangt und holte aus. Doch kurz bevor die Pranke das erste Skelett zerquetschen konnte, traf ein weiterer Bolzen den Arm des Golems. Das getroffene Körperteil zerbarst in hunderte von kleinen Steinchen.
    Wütend griff der Golem mit seiner anderen Pranke nach einer Armbrust und zermalmte sie, gleich gefolgt von ihrem Besitzer.
    Von hinten sprangen zwei Handvoll Skelette auf den einarmigen Golem zu und stachen ihre Schwerter in die größeren Risse. Noch zwei Bolzen und der Koloss sackte endgültig in seine Einzelteile zerlegt zu Boden. Achtlos trampelten die Skelettsoldaten über die Steine, die bis eben noch ihr Feind gewesen waren.
    Eldric schaffte es inzwischen endlich den Skelettmagier einzufrieren. Regungslos fiel er hinab und zersplitterte auf dem nackten Stein.
    Doch eine Verschnaufspause gab es keinesfalls. Die Armbrustschützen legten an. Eldric sah keine Möglichkeit ihnen auszuweichen, da nun auch die anderen Skelette wieder vermehrt auf sie zu kamen.
    Thoris erkannte ihre einzige Möglichkeit instinktiv: Der See!
    Er packte Eldric am Arm und zog ihn mit sich in die eiskalte Flüssigkeit. Über der Wasseroberfläche gingen die Bolzen ins Leere.
    Was die beiden Männer in diesem Moment viel mehr interessierte, war das, was sie direkt vor sich hatten: hinter der Steinwand ging der See in einem unterirdischen Tunnel weiter, bis er steil anstieg und an einer dunklen Fläche endete.
    Bevor sie dies begriffen hatten, brannten ihre Lungen schon vor Sauerstoffmangel.
    Sie mussten auftauchen, doch das machte sie zu leichter Beute für die Bolzen.
    Ein Ablenkungsmanöver musste her. Eldric sammelte seine magischen Kräfte und ließ eine Wasserfontäne emporstoßen.
    Der Moment in dem die Skelette alle vor Schreck einen Schritt zurückwichen, wurde von Eldric und Thoris genutzt um kurz aufzutauchen. Schnell tauchten sie wieder unter.
    Nun schwammen sie den Unterwassertunnel entlang, in der Hoffnung am anderen Ende einen Ausgang zu finden.
    Doch der Weg war so weit und ihre Luft schon so gut wie aufgebraucht…
    Heftig die heiß ersehnte Luft einatmend tauchten sie auf.
    „Sind sie uns gefolgt?“, japste Thoris. Eldric schüttelte zur Antwort nur den Kopf.
    „Wir sind wieder in den Gängen.“
    Tatsächlich waren sie in einem kleinen an die Wand gedrängten Wasserbecken, das von einem Wasserspeier gefüllt wurde.
    Erschöpft kletterten sie aus dem Bassin und wrangen ihre nassen Kleider so gut es eben ging aus.
    „Wir haben ihn, oder?“, vergewisserte Thoris sich.
    „Jepp!“, erwiderte Eldric und holte glücklich die steinerne Karte heraus.
    Im nächsten Moment schraken beide zusammen, denn lautes Getrappel und ein schlurfendes Geräusch kamen mitsamt von Stimmen aus dem Gang zu ihrer Rechten.
    Last edited by MiMo; 03.10.2010 at 17:42.

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    Kapitel 16
    Fettes Vieh


    „Da kommt was!“, rief Thoris und zog seinen mit Wasser vollgesogenen Kampfstab.
    „Ach ne“, erwiderte Eldric mit einem Lächeln auf den Lippen, dann wurde er wieder ernst und stierte in den dunklen Gang. Was dann kam erstaunte ihn genauso sehr wie es ihn erfreute.
    Lekia und Felko rannten beide offenbar unverletzt auf sie zu.
    Eldric wollte schon freudestrahlend auf sie zu rennen, doch dann kam auch die riesige Ratte in Sicht und er blieb entsetzt stehen.
    „Scheiße – was ein Biest!“, murmelte Thoris völlig verdattert.
    Eldric hatte keine Zeit für solche Kommentare, er war damit beschäftigt seine magische Energie zu bündeln, um das Vieh mit Eislanzen zu bombardieren.
    „Aus dem Weg!“, schrie er Lekia und Felko zu, die verstanden und so dicht wie möglich an die Wände liefen. Eine Salve Eislanzen traf die Riesenratte und brachte sie zum Stillstand. Eingefroren war das riesenhafte Viech noch lange nicht, doch es hatte verwundert innegehalten und nagte auf den großen Eisklumpen auf ihrem Körper herum.
    „Lekia!“, rief Eldric und fiel ihr um den Hals.
    „Eldric“, hauchte sie erleichtert und drückte ihren Mann noch kräftiger an sich.
    „Jetzt bist du auch noch nass“, stellte Eldric resigniert fest.
    „Wo wart ihr überhaupt, dass ihr so nass seid?“
    „Wir…“, wollte Eldric anfangen zu erklären, doch ein Fauchen aus dem hinteren Teil des Ganges erinnerte sie an ihren haarigen Feind.
    „Seid ihr bereit?“, fragte Eldric in die Runde und alle nickten. Für einen kurzen Moment blieb er mit seinem Blick verwundert an Felkos brennender Knospe hängen, doch er riss seinen Blick von ihr los und wandte seinen Blick wieder der drohenden Gefahr zu.

    Ein Fauchen wie nicht von dieser Welt grollte durch die Gänge.
    „Da scheint einer der Bewohner dieser Anlagen gestört worden zu sein“, deutete Gyzel die Geräusche richtig.
    „Wahrscheinlich Eldric und die anderen“, vermutete Farik.
    „Oder Felko“, warf Boaltran ein.
    „Ich glaub es kam von rechts, wir sollten also diese Abzweigung hier nehmen“, fuhr Farik fort.

    Thoris versuchte einen Seitwärtshieb gegen den Kopf des Biests, doch die Ratte schnappte sich mit ihren spitzen Zähnen den Stab und biss fest zu.
    Der Waldläufer konnte den nun horizontal im Maul der Ratte verankerten Stab nicht losreißen und so wurde er von der Ratte vor sich hergeschoben, als diese weiter auf die anderen zustapfte.
    Thoris nahm die beiden herausragenden Enden seines Stabes wieder in seine Hände und stemmte seine Füße dagegen. Er hoffte die Ratte so stoppen zu können, doch es klappte nicht.
    Eine Eislanze traf in diesem Moment die rechte Pfote des Monstrums. Wütend riss sie ihre Klaue los und kratzte damit an der rechten Wand.
    „Thoris, bring dich in Sicherheit“, rief Lekia besorgt, denn jeden Moment konnten die Klauen den Waldläufer erwischen.
    „Aber mein Stab…!“, wandte Thoris ein.
    Im nächsten Moment grub sich die klauenhafte Pfote in seine rechte Seite und schmetterte ihn gegen die linke Wand des Ganges.
    „Thoris!“, schrien die anderen entsetzt.
    Lekia spannte nun einen Pfeil in ihren Bogen und schoss ihn zielgenau ab. Direkt zwischen den Augen des Monsters bohrte er sich in das Fell.
    Doch die Ratte rannte trotzdem weiter auf sie, quetschte sich dabei an dem bewusstlosen Thoris vorbei, was diesem sicher nicht gut tat, und holte nun kurz vor Lekia aus.
    Eldric schlug die Pfote mit seinem Druidenstab zurück.
    „Eigentlich sollten wir versuchen abzuhauen, aber Thoris ist hinter diesem Viech!“
    „Hast recht“, erwiderte Lekia, „Aber wie werden wir mit dem Ding fertig?“
    Eldric horchte in sich hinein. Er hatte im Kampf mit dem Minecrawler, der Harpyie und den Skeletten viel Magie eingesetzt, gerade der Skelettmagier hatte ihm schwer zu schaffen gemacht. Doch einen großen Zauber schaffte er noch, das spürte er.
    Diese letzten Reste Energie sammelte er nun aus den verwinkelsten Gegenden seines Körpers, um sie dann in einen letzten Zauber zu stecken: Staub sammelte sich in einem Wirbel magischer Energie und verdichtete sich zu massivem Stein.
    Die Riesenratte preschte währenddessen unaufhaltsam ihrem Ziel entgegen, zweifellos wollte sie sich auch noch den Rest ihrer Beute sichern, bevor sie sich Thoris weiter annahm.
    Doch nun stellte ihr sich ein steinerner Koloss in den Weg, der sich mit seinem ganzen Gewicht gegen sie stemmte.
    Nur noch langsam und mühsam kam das Monster voran, bis es letztendlich von dem Golem zum Stillstand gezwungen wurde.
    Jetzt war es an Eldric und Lekia das Biest zu erledigen, doch alle Versuche scheiterten.
    Der Golem hatte alle Hände voll damit zu tun die Ratte in Schach zu halten, die Pfeile drangen nicht weit genug in das zähe Fleisch ein, um lebenswichtige Stellen zu erreichen und die Hiebe des mächtigen Druidenstabs schienen das Biest gar nicht zu jucken.
    Felko sah wie versteinert zu wie seine Kameraden alles versuchten um die Ratte zu töten, es jedoch nie schafften. Eldric hatte Recht gehabt, sie konnten nicht einfach wegrennen, sie konnten Thoris nicht im Stich lassen.
    Die brennende Knospe. Das erste Mal seit der Begegnung mit der Ratte wurde Felko sich ihrer wieder bewusst. Entgeistert sah er sie an, blickte dann an die Decke, wo Eldrics Licht wie eine Wolke umherwaberte. Sie brauchten die Knospe nicht mehr zwingend.
    Er fasst einen waghalsigen Entschluss und rannte los. Dieses Mal würde er ihnen allen beweisen, dass er auch zu etwas zu gebrauchen war. Er wollte, dass sie am Ende alle froh darüber waren, dass er ihnen nachgekommen war.
    Doch mit einem Krachen wurde er zu Boden gedrückt, die Luft blieb ihm weg, nur mit Mühe hatte er die Knospe weiter umklammern können.
    Der Arm des Golems, der von der Ratte abgetrennt und weggeschleudert worden war, hatte ihn erwischt. Felko versuchte ihn von sich zu schieben, doch der Stein lastete schwer auf ihm. Eldric musste sich besondere Mühe beim Verdichten der Steine gegeben haben.
    Eldric schlug verzweifelt auf die Ratte ein, der verkrüppelte Golem vermochte es kaum noch das Biest aufzuhalten.
    Nur Lekia bemerkte wie er da unter dem Arm lag und sich mühsam abstrampelte.
    „Fang!“, rief Felko ihr zu, in dem Moment, wo sie ihn ansah. Die Knospe flog dicht unter der Decke entlang. Lekia fing sie gerade so, warf Felko einen fragenden Blick zu, verstand.
    Sie wirbelte auf dem Absatz herum, der Golem zerfiel in seine Einzelteile, die Ratte quietschte triumphal, riss ihr Maul dabei weit auf. Und das war Lekias Chance: Sie warf die Knospe in den Schlund des Monsters.
    Die kaum zu löschenden Flammen verbrannten den Rachen der Ratte, die elendig fiepte, und sich vor Schmerzen windend in die Dunkelheit zurückzog, bis sie vollends geflohen war.

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    Kapitel 17
    Tageslicht


    „Wie geht’s ihm?“
    „Ich glaube soweit ganz gut, die Wunde ist nicht tief. Er dürfte jeden Moment wieder aufwachen“, antwortete Eldric auf die besorgte Frage seiner Frau, „Es war eine grandiose Idee von dir diese Ratte mit dem Feuer dieser merkwürdigen Knospe anzugreifen.“
    Eldric, Lekia und Felko standen um den am Boden liegenden Thoris herum. Eldrics Licht erleuchtete noch immer den ansonsten dunklen Korridor.
    „Das war nicht meine Idee“, warf Lekia schnell mit einem Seitenblick auf Felko ein, „Felko hatte es vorgehabt, wurde allerdings von dem Arm des Steingolems erwischt, wie du weißt.“
    „Ja, er hatte verdammtes Glück, dass nur ein paar Rippen geprellt wurden“, entgegnete Eldric, dann wandte er seinen Blick von Thoris ab und sah Felko direkt in die Augen, „Das war deine Idee?“
    „J…Ja…“, stammelte Felko ganz überrascht so direkt gefragt zu werden. Felko konnte Eldrics Mienenspiel erst nicht deuten, doch dann lächelte er ihn an: „Weiter so!“
    „Eldric? Bist du das?“ Ein Ruf aus weiter Ferne.
    „Gyzel?“, rief Eldric verblüfft als Antwort, kaum dass er sie erkannt hatte, „Was macht ihr hier unten? Ich hab doch gesagt ihr sollt oben warten!“
    „Aber Felko ist verschwunden! Wahrscheinlich ist er euch hinterher gelaufen“, warf Boaltran ein.
    „Da macht euch mal keine Sorgen“, erwiderte Eldric. Jetzt, wo Gyzel, Farik und Boaltran ins Licht getreten waren, konnte er erleichtert erkennen, dass sie unverwundet waren.
    „Felko!“, riefen die drei und ließen ihre Unterkiefer synchron hinunter klappen.
    „Das ist jetzt wohl alles unwichtig“, unterbrach Eldric die entstehenden Gespräche, „Wir müssen jetzt erstmal hier raus! Kannst du Thoris tragen, Boaltran?“
    „Klar“, erwiderte der stämmige Waldläufer und bückte sich nach dem Bewusstlosen.
    „Um den Rückweg brauchst du dir keine Sorgen zu machen“, erklärte Farik ihm, „Ich hab unseren Weg hierher mit dieser abgebrannten Fackel markiert! Wir müssen nur noch den Markierungen folgen und wir sind wieder draußen!“
    „Stell dir das mal nicht so einfach vor, hier drin gibt es allerlei Fallen“, belehrte Lekia ihn.
    „Wenn du sagst, dass wir nur noch hier raus müssen…“, warf Gyzel ein, „…heißt das doch, dass ihr den Schlüssel habt, oder?“
    Eldric nickte und hielt triumphierend die steinerne Karte hoch.
    „Jetzt sollten wir aber wirklich sehen, dass wir hier raus kommen“, versuchte Eldric sich in den Jubelschreien aller Gehör zu verschaffen, „Und denkt dran: Achtet darauf in keine Falle zu treten!“
    Ihr Rückweg stellte sich jedoch als genauso harmlos heraus, wie Farik sich ihn vorgestellt hatte.
    Endlich kam der große Lichtkegel in Sicht, der durch das Loch in der Decke des Ganges hereinfiel.
    „Wir haben es geschafft!“, jubelte Felko und rannte voraus. Eldric wollte ihn noch warnen vorsichtiger zu sein, doch irgendwie fehlte ihm die Kraft und der Wille dazu. Felko hatte hier drin seinen Mann gestanden, so viel war klar.
    Man hörte Rufe durch das Loch als die in der ersten Kammer zurückgebliebenen Waldläufer sie gehört hatten. Felko rannte voraus. Sofort wurden ihm Arme entgegen gestreckt, um ihm beim Hinaufklettern zu helfen.
    Als Eldric und die anderen auch noch kamen und Eldric allen die Steinkarte zeigte, waren alle in ausgelassener Stimmung. Niemand schien Thoris‘ Verfassung zu interessieren. Das fand Eldric jedoch nicht schlimm, er würde innerhalb der nächsten Stunden eh wieder aufwachen.
    Sie beschlossen den ungemütlichen Tempel zu verlassen und an die Oberfläche zurückzukehren.
    Eldric hielt seine Hand schützend vor die Augen als ihn das Tageslicht blendete. Boaltran legte Thoris an die Wand des Tempels gelehnt ab. Eldric legte seinen angeknacksten Kampfstab neben ihn. Der Stab brauchte erst einmal eine Generalüberholung, bevor er wieder einsatzbereit war.
    In diesem Moment regte Thoris sich und schlug langsam die Augen auf. Verwirrt starrte er erst auf den lädierten Stab neben sich und ließ seinen Blick dann über die ausgelassenen Waldläufer gleiten.
    „Hast du’s schon vergessen? Wir haben’s geschafft!“, ermunterte Eldric ihn und zeigte ihm noch einmal die Steinkarte.
    „Ja“, murmelte er langsam begreifend was geschehen war, „Wir haben es tatsächlich geschafft. Wir sind draußen!“
    Sie beobachteten Felko eine Weile, der zwischen den anderen herumsprang und ihnen von seinen ganzen Erlebnissen berichtete. Dabei fiel reichlich heroisches Vokabular, doch das verwunderte wohl keinen.
    „Den muss ich mir wohl ansehen, oder?“
    Eldric wandte sich um und antwortete mit einem Nicken. Es war Torcan gewesen, der sich den Stab aus einiger Entfernung wohl schon angesehen hatte. Er war Spezialist für den Bau von Kampfstäben und deren Reparatur, allerdings hatte er nur die wenigstens Werkzeuge und kaum Material mit auf die Insel nehmen können.
    Er griff sich den Stab und hielt ihn mit einer Hand auf Augenhöhe. Mit einem knarzenden Geräusch klappte das eine Ende herunter.
    „Sauber“, kommentierte Torcan das Geschehnis, „Noch ein bisschen mehr und er wäre ab gewesen. Wenn ich Felko richtig zugehört habe, soll das eine riesige Riesenratte gemacht haben, was?“
    Sein Tonfall verriet, dass er an Felkos Art der Darstellung nicht ganz glaubte.
    „Wir sind in der Tat einer riesigen Riesenratte begegnet“, klärte Thoris ihn mit einem Grinsen auf, „Außerdem einem riesigen Minecrawler, einer ebenso großen Harpyie, einer Armee Skelette, die mit ihren Magiern und Armbrustschützen auf uns los gegangen sind…“
    Mit jedem Wort klappte Torcans Kiefer weiter herunter und Eldric hatte das Gefühl, dass Thoris dies Vergnügen bereitete.

    „Ist das einer?“
    „Ich glaube ja. Endlich sind wir angekommen“, antwortete Gregorius Melchior.
    Vor ihnen erhob sich einer der kleinen Tempel, nach denen sie suchten.
    „Liegt genau dort, wo wir ihn vermutet haben“, bestätigte Senex mit einem zufriedenen Nicken, „Sollten wir nicht vorerst alleine da rein gehen? Wer weiß, was da auf unsere unerfahrenen Gören wartet.“ Dabei warf er insbesondere Aila einen scharfen Blick zu.
    „Er scheint dich für nicht sehr vertrauenswürdig zu halten.“
    Aila wirbelte herum. Eine Frau war an sie herangetreten. Sie sah mit ihren langen, krausen, weißen Haaren, die nur durch ein Stirnband gebündelt wurden ziemlich exzentrisch aus.
    „Und woher willst du das wissen, Mira?“, erwiderte Aila leicht auf die Füße getreten.
    „Das hab ich ausnahmsweise mal an seinem Blick erkannt“, antwortete Mira milde lächelnd. Mit ihren großen Augen ließ sie Aila nicht einen Moment aus den Augen.
    „Wer weiß denn auch was in dem Tempel da lauert? Ich glaube auch nicht, dass ich da reingehen sollte!“
    „In diesem Tempel wird niemand sterben.“
    „Ach, und woher willst du das nun schon wieder wissen? Hat dir das auch Senex‘ Blick gesagt?“
    „Nein meine Liebe“, erwiderte sie, lächelte geheimnisvoll und hielt ihr eine aus stabilem Pergament gefertigte Karte unter die Nase, die schon ziemlich abgegrabbelt wirkte. Auf ihr war etwas abgebildet, dass wie ein auf die Seite gekipptes T aussah.
    „Das ist der Aufschub, noch wird keiner sterben!“
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    Kapitel 18
    Der zweite Tempel


    „Du solltest endlich mit deinen Tarotkarten abschließen, Mira. Daran glauben doch höchstens ein paar kleine Kinder“, mischte sich Horus in das Gespräch ein.
    Aila freute sich, dass Horus ihr zu Hilfe geeilt war, was man von Mira gar nicht behaupten konnte. Sie schnitt eine Grimasse als hätte sie Scavengerkot im Mund, erwiderte dann aber in einem gewohnt ruhigen Tonfall: „Dich haben meine seherischen Fähigkeiten also noch nicht überzeugt? Nun denn. Ich werde dir schon beweisen, was ich kann!“
    Sie mischte ihre Karten auf verschiedene faszinierende Weisen, schob sie dann wieder zu einem Stapel zusammen und nahm die oberste Karte, ohne sie sich anzusehen.
    „Wann wirst du deinen ersten Kuss ernten?“, fragte Mira mit Unheil schwangerer Stimme, „Oder hattest du ihn vielleicht schon?“
    Horus wurde rot und bereute es schon sich in das Gespräch eingemischt zu haben. Aila lächelte ihm ermutigend zu: „Mach dir doch nichts aus ihrem kleinen Hokuspokus. Kommt eh nur Blödsinn bei heraus.“
    „Die Schöpfung!“, rief Mira theatralisch und zeigte ihnen die Karte, die sie zuvor blindlings gezogen hatte. Eine konfuse Karte mit verschiedensten Symbolen wurde Horus fast ins Auge gestochen. „Sie steht nicht nur für einen Neuanfang, für das Zurückgehen zu den Anfängen, sondern auch für etwas Positives und nicht zuletzt für die Zeitspanne einer Woche. Sieben Tage noch, dann wirst du deinen ersten Kuss bekommen, Horus! Die Frage ist nur, ob du hier eine Einheimische triffst, oder ob du unserem Anführer die Frau ausspannst. Dass ich die Glückliche bin, bezweifle ich. Ich steh nicht so auf Zweifler. Aber wie wäre es denn mit Aila? Wir müssten die Karten nur fragen, wen sie als nächstes kü…“
    „Es reicht!“, schrie Aila und schlug Mira die Karten aus der Hand, „Du bist echt zu weit gegangen, das geht dich gar nichts an!“
    Mira machte ein entsetztes Gesicht und bückte sich rasch, um ihre Karten wieder aufzuklauben.
    „Komm, wir gehen“, fügte Horus noch hinzu und machte sich mit Aila zusammen davon.

    „Ich denke wir sollten erst einmal allein reingehen und sehen, was es da unten zu finden gibt. Erst wenn wir das Ausmaß der Gefahren da unten abschätzen können, sollten die anderen nachkommen.“
    „Ganz deiner Meinung, Melchior“, stimmte Georgius nickend hinzu.
    Nur wenige Augenblicke später kletterten die Veteranen die schmalen Stufen der Treppe hinab. Man konnte es tatsächlich als Klettern bezeichnen, da viele Stufen vollständig versackt oder in der Mitte durchgebrochen waren. An einer Stelle wuchsen dicke Wurzeln quer über den Weg und mussten mühsam zerschnitten werden.
    Endlich unten angekommen, traten sie vorsichtig in den Raum. Es war nicht viel Besonderes zu entdecken. Der Raum war gewöhnlich rechteckig. Das einzig interessante an ihm war die der Treppe gegenüberliegenden Wand.
    Hunderte von Schriftzeichen wanden sich an dem Gestein entlang, teils verblasst, doch nie vollständig unleserlich, und inmitten der Schriftzeichen ragten zehn alte Hebel aus der Wand. Jeder einzelne wirkte harmlos, doch konnte man sich denken, dass sie nicht nur zum Benutzen, sondern auch zur Abwehr von Eindringlingen zugegen waren.
    „Ach herrje“, seufzte Senex, „Das sieht nach Arbeit aus.“
    „Was hast du erwartet?“, neckte Melchior ihn, „Dass der Schlüssel uns auf dem Präsentierteller serviert wird, sobald wir einen der Tempel gefunden haben?“
    „Ach Blödsinn“, fauchte Senex beleidigt zurück, „Machen wir uns lieber an die Übersetzung!“
    „Wir dürften dafür nicht allzu lange brauchen, jetzt wo wir die elementaren Strukturen der Sprache durchschaut haben“, ermunterte Georgius ihn, „Bis zum Sonnenuntergang haben wir es geschafft.“
    „Wenn wir uns schon so hochtrabende Ziele stecken, sollten wir nicht so nutzlos hier rum stehen, sondern endlich mal anfangen“, beschwerte Senex sich mal wieder.
    „Ist ja gut“, seufzte Melchior und trat stirnrunzelnd einen Schritt auf die Schriftzeichen zu, „Georgius kann oben Bescheid sagen, was wir hier drinnen gefunden haben und dass es länger dauern wird. Schließlich sollen sie sich keine unnötigen Sorgen machen.“

    Die Abenddämmerung hatte begonnen.
    Die Waldläufer hatten sich bereits einige Lagerfeuer angezündet, um eine sparsame Portion des Wolffleisches zu braten.
    Doch es gab eine Person, die die Lagerfeuer viel lieber als Unterstützung für Schauergeschichten nutzte.
    „Was meint ihr? Haben die anderen bei Eldric bereits einen Schlüssel?“, fragte Mira geheimnisvoll in die Runde. Keiner wollte ihr antworten.
    „Ich weiß es!“, gab sie zu keiner großen Verwunderung bekannt. Was als nächstes kam, kannte schon jeder auswendig. Mira zog eine zerschlissene Karte aus einer Tasche und hielt sie gut sichtbar für alle hoch. „Das Monster!“, betitelte sie die schwarzen Schemen auf der Karte, „Den anderen ist ein grauenerregendes Monstrum begegnet, das keiner von uns sich auch nur vorstellen könnte!“
    „Holst du mal eben eine Pfanne, Mira? Ich glaube das Feuer ist bald soweit“, unterbrach Aila ihre überzogene Vorstellung ihrer seherischen Fähigkeiten.
    „Du störst meine spirituelle Empfänglichkeit, Aila! Adanos hat mir aufgetragen euch über alles zu informieren“, fauchte Mira.
    „Hier, kannst anfangen zu braten“, wurde sie dieses Mal von Horus unterbrochen, der sich erbarmt hatte und die Pfanne geholt hatte, welche er gleich darauf in Miras Arme gedrückt hatte, „Wir wollen noch vor Sonnenuntergang was zu beißen haben!“
    Mira konnte nun nicht mehr verbergen, dass sie vor Wut kochte. Doch sie gab maulend nach und hockte sich mit der Pfanne ans Feuer.
    Horus zwinkerte Aila zu, die grinsen musste.

    „So, das dürfte alles sein!“
    Georgius hielt ein langes Pergament in Händen, auf dem die von ihnen über Stunden hinweg angefertigte Übersetzung geschrieben stand.
    „Es ist ziemlich merkwürdig, oder?“, rätselte Melchior, „In dem Text ist kein Hinweis auf den Schlüssel vorhanden, nicht mal eine Anweisung was nun zu tun ist.“
    „Wovon handelt er überhaupt?“, Senex runzelte die Stirn, während er mit fragendem Blick über das Pergament huschte, „Von einem Mörder, oder?“
    „Oberflächlich betrachtet schon“, stimmte Melchior zu, „Doch sollten wir ihn einfach mal im Stück durchlesen und dabei auf noch so kleine Anspielungen achten, jedes Detail könnte entscheidend sein!“
    Last edited by MiMo; 20.12.2010 at 16:43.

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    Kapitel 19
    Das Rätsel


    Es waren einmal zehn Brüder:
    Ichi, Ni, San, Yon, Rin, Hyo, Nana, Hachi, Kyu und To.
    Sie wuchsen in Zeiten des Friedens auf. Doch der Tag kam, an dem sie getrennte Wege gehen mussten und sich voneinander verabschiedeten.
    Schon bald nach der Trennung erkrankte Kyu an einer seltenen Krankheit und verstarb.
    Die verbliebenen neun Brüder waren sehr traurig über diesen Verlust. Am schlimmsten jedoch nahm es To, der Älteste der Brüder hin.
    Er wurde eigenbrötlerisch, und kaum hatte ihn ein weiterer Schicksalsschlag ereilt, begann er die Welt zu hassen.
    Ni war der einzige gewesen, der zum Zeitpunkt Kyus Todes außer Landes gewesen war und so die Trauerzeremonien verpasst hatte. Ni hatte lieber die Welt entdeckt, als sich in seiner Heimat eine Arbeit zu besorgen.
    To sah dies als Verrat an und suchte ihn im Zorn auf, um ihn zur Rede zu stellen. Doch dabei blieb es nicht: In Rage tötete To seinen Bruder.
    Er bereute, was er getan hatte und schulterte den Leichnam. Er trug ihn bis zu dem Hause seines Bruders Yon, der ihm helfen sollte.
    Yon hatte eine Schmiede und konnte gut mit Feuer umgehen. Er sollte Nis Leichnam verbrennen, um die Spuren der grausamen Tat zu verwischen. Doch als Yon sich weigerte, packte To die Verzweiflung und wieder beging er einen Mord an einem seiner Brüder.
    To verbrannte beide Körper in der Esse seines Bruders.
    Nun waren schon drei der Brüder in kürzester Zeit verstorben, und Hachi war der erste, der von den beiden weiteren Toden erfuhr.
    Denn als er eines Tages Yon besuchen wollte, fand er nur die durch den Kampf der Brüder verwüstete Behausung vor. Doch Hachi fand heraus, was geschehen war und konsultierte sofort seine verbleibenden Brüder.
    Neben To, der schon als Mörder verdächtig wurde, kam auch Ichi, der jüngste Bruder, der Einladung nicht nach.
    San, Rin, Hyo und Nana waren außer sich, als sie von Hachis Vermutungen hörten.
    Am Tag darauf machten die Fünf sich auf die Suche nach To, überstanden unendliche Gefahren und fanden schließlich, was lange gesucht war.
    To versuchte gar nicht erst seine Taten zu leugnen, doch er wollte sich keineswegs hinrichten lassen. Aus diesem Grunde nahm er San als Geisel und floh.
    Als To aus der Reichweite seiner Brüder entkommen war, tötete er auch San.
    Rin und Nana verließen derweil Hachi und Hyo, da sie nicht noch mehr Kämpfe anzetteln wollten. Sie rieten ihren Brüdern außerdem es ihnen gleich zu tun, doch diese hörten nicht.
    Hachi und Hyo stellten ihren Bruder To nach einiger Zeit der Suche in einer mystischen Höhle.
    Keiner von ihnen war ihm gewachsen, denn er hatte die Kräfte der Finsternis in sich gesammelt und war zu unglaublicher Stärke gelangt.
    To hatte sechs seiner Brüder getötet, war kaum noch aufzuhalten.
    Ein dunkles Zeitalter sollte eingeläutet werden, als noch jemand das Wagnis einging dem Avatar der Finsternis in den Weg zu treten.
    Ichi, Tos jüngster Bruder, stand ihm mit blanker Klinge gegenüber. Ihre Kräfte kreuzten sich, der Himmel ward gespalten, Träume kollidierten.
    Letztendlich lag Ichi, letzte Instanz des Guten, sowohl besiegt als auch leblos vor seinem ältesten Bruder.
    Doch dies reichte To nicht, er plante diesen besonders zähen Körper zu zerfetzen, bis nichts mehr übrig blieb.
    Doch keiner der Brüder blieb von diesen Schwankungen im Gefüge der Welt unberührt. Plötzlich stellten Rin und Nana sich schützend vor Ichis leblosen Körper. Sie bargen ihn und verschwanden.
    Nie wieder wurde einer von ihnen in heute noch erhaltenen Schriften erwähnt. Es wurde still um die Brüder, ihre Geschichte zur Legende.
    Doch ich bin mir sicher, hätte Ichi über rechts angegriffen, wäre alles gut geworden.


    „Ich seh immer noch nicht mehr in diesem Text als die Geschichte von zehn Brüdern“, murrte Senex und fuhr sich missgelaunt über die fast kahle Kopfhaut.
    „Ich glaube, so langsam durchblicke ich den Sinn der Schrift“, murmelte Melchior versunken.
    Senex zog ungläubig eine Augenbraue hoch, doch genau wie Georgius sagte er nichts, um Melchior nicht zu stören.
    „Es sind zehn Brüder“, begann er seine Idee darzulegen, „Und wir haben hier zehn Hebel zur Auswahl.“
    Er wies auf eben diese Schlüsselobjekte des Tempels.
    „Wir ordnen jedem Hebel einen Namen zu, genau in der Reihenfolge wie sie in der ersten Zeile aufgezählt werden. Wahrscheinlich sind sie dort nach ihrem Alter geordnet, doch das ist für uns wohl egal.“
    „Ich verstehe“, Georgius war ein Licht aufgegangen, „Die einzigen Überlebenden sind Rin, Nana und To. Du meinst also, dass es einer dieser drei Hebel ist, der uns weiterbringt?“
    „Es ist nicht davon auszugehen, dass uns mehr als ein Hebel weiterbringt“, unterbrach Senex die konzentrierte Atmosphäre, „Solche Schutzmechanismen sind darauf ausgelegt so viele Eindringlinge wie möglich abzuwehren. Es gibt keinen Grund für einen zweiten Lösungsweg.“
    „Und deshalb werden wir die Kandidaten auch noch weiter aussortieren“, stimmte Melchior ihm zu, „To wird als Avatar der Finsternis dargestellt, er ist ein Mörder. Deshalb gehe ich davon aus, dass auch sein Hebel die Falle auslöst, was immer das sein wird.“
    Anerkennend nickte Senex.
    „Bleiben uns also nur noch Rin und Nana, also der fünfte und der siebte Hebel.“, schlussfolgerte Georgius, „Und ich habe den Verdacht, dass absichtlich zwei Lösungswege offen gelassen wurden, damit man selbst wenn man das Rätsel gelöst hat, auch noch Glück benötigt, um den Schlüssel zu bekommen.“
    „Rin und Nana unterscheiden sich in dem Text an keiner Stelle, sie werden immer nur zusammen genannt und führen die gleichen Aktionen durch, das stützt deine These leider“, bestätigte Senex.
    Betreten sahen sie sich an. Sie mussten sich also auf ihr Glück verlassen.

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