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Neuling
»Kommandant! Wir haben jetzt alle Häuser durchsucht.«
»Und was sagen die Zahlen, Schreiber?«
»Auf unserer Seite: Null Tote, Zwei Verletzte, davon einer leicht, der andere mittelschwer, Kamir sagt aber, daß er morgen wieder auf den Beinen ist. Auf der Seite der Anderen: Acht-und-dreißig Tote, Null Verletzte. Ach ne, ich vergaß den toten Priester, also einer mehr. In den Häusern fanden wir zwanzig Frauen und elf Kinder. Wir haben sie in ein Haus gebracht, wo wir sie bewachen.«
»Gut, nehmt alles, was ihr tragen und kriegen könnt. Das Übliche halt. Wie viele Wachen sind bei den Frauen und Kindern?«
»Zwei, Ljungar und Petersen.«
»Jemand soll den beiden was zu futtern und was zu saufen bringen. Aber nicht zu viel, nur Bier. Die beiden sollen die Frauen und Kinder die ganze Nacht bewachen, ich schneid ihnen die Kehlen durch, wenn einer entkommt. Sag ihnen das.«
»Jawohl Kommandant.«
»Du kannst jetzt gehen!«
»Jawohl Kommandant.«
Thorik nahm einen weiteren Schluck aus dem geschöpften Wasser, dann beendete er die Reinigung der Beilblätter, er musste sie heute Abend noch schärfen. Danach ging er zur Taverne des Dorfes, wo sich die übrigen seiner Männer versammelt hatten, das würde sicher noch ein netter Abend werden, sein Durst nach Blut war erst einmal gestillt, doch der Durst nach Bier noch nicht.
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21.11.2004 01:28
#22
Jede Reise hat ein Ende...
Mit einem gewaltigen Aufprall, der beinahe ein paar Rippen gebrochen hätte, landete er auf einem harten Erdboden, der schon seit Tagen keinen Regen mehr gesehen hatte. Um sie herum war noch blauer Dunst zu sehen, der sich erst langsam auflöste, es war der Dunst des Teleports von de Braga. Erst nach einer Weile konnte er wieder aufstehen, hielt sich etwas schmerzend den Schädel und rieb vorsichtig unter den Haaren, da das die Schmerzen schnell vertrieb.
»Hey, alles klar mit dir mein Freund? Siehst ja etwas mitgenommen aus, noch nie einen Langstreckenteleport gemacht?«
Eine Faust traf Glu-donk im Magen und er ging keuchend in die Knie. Ohne noch einen weiteren Schlag zu setzen sah der Nordmann auf ihn herab und wartete, bis der Schatten zu ihm schaute.
»Ich bin nicht dein Freund, merk dir das ein für alle mal!«
Glushu nickte eifrig, denn damit hatte er wahrlich nicht gerechnet. Doch schnell entspannte sich die Situation und der Magiergehilfe richtete sich wieder auf.
»Wo sind wir hier eigentlich?«, fragte der junge Herr, gerade als sich die letzten Nebelschwaden verzogen.
Auf einmal roch er diesen penetranten Geruch, wie war es nur möglich, daß er ihn bisher ignoriert hatte? Leichengeruch, verbrannte Leichen. Verbrannte Erde, noch immer glühende Aschereste, das was einst Häuser waren. Auf der Straße lagen Leichen, Leichenteile. Ein kleiner Arm lag neben ihm und er schreckte ehrfürchtig zurück.
»Schätzte das ist Shomain, ein kleines Dorf, etwa sieben Tagesreisen von Gorthar entfernt. Hier müssen sie als letztes gewütet haben.«
»Das ist ja widerlich. Dieses Dorf... es erinnert mich an meine Vergangenheit, die ganzen Leichen... ich... lass uns mal schauen, ob es noch Überlebende gibt, von Thoriks Männern oder Xzar scheint jedenfalls keine Spur zu sein.«
Die beiden gingen ein wenig durch das Dorf, das wirklich total zerstört war. Kein einziges Haus stand mehr, alle wurden angezündet und überall lagen Leichen, so als ob sie überrascht worden wären und keine Chance gehabt hatten, sich zu verteidigen. Sie schlenderten gemächlich auf der einzigen größeren Straße, doch von Leben keine Spur. Penibel wich er allen Leichenteilen aus, wollte sie nicht weiter entehren und auf ihnen herumtrampeln und ging schon wieder zum Dorfausgang, als sich plötzlich etwas regte. Sofort war er voll konzentriert und legte den Zeigefinger auf die geschlossenen Lippen, um Glushu Schweigen zu signalisieren. Mit gezogenem Schwert ging er auf den Trümmerhaufen zu, Holztrümmer und eine Plane aus Rindleder bildeten den Haufen und forsch zog er die Plane zurück und ging mit dem Schwert voraus, als er plötzlich eine Frau und einen Säugling entdeckte, die vollkommen verängstigt dasaßen und sich zusammengekauert hatten. Schnell steckte er das Schwert zurück in seine Scheide und lächelte etwas, wenigstens zwei Überlebende gab es also.
»Habt keine Angst, wir tun euch nichts.«, sprach er mit sanfter Stimme, die sehr ungewohnt für ihn war, auf die Frau ein.
»Tot... sie... sind alle tot.«, sprach die Frau mit zitternder Stimme.
»Sie sind jetzt weg und werden so schnell nicht wiederkommen, bitte kommt aus diesem stockdunklen Versteck heraus, ihr könnt uns vielleicht helfen.«
Nach mehreren Überredungsversuchen hatte er es endlich geschafft und die Frau kam heraus, mit ihrem schlafenden Säugling auf dem Arm, sah sie über das Schlachtfeld, was sie einst ihre Heimat genannt hatte.
»Könnt ihr uns sagen, was hier passiert ist?«
»Die Plünderer kamen total überraschend. Sie haben uns bei helllichtem Tag überfallen. Wir sind Bauern, keine Krieger, wir waren absolut wehrlos. Sie haben alle getötet, Männer, Frauen, Kinder, nur weil ich im Chaos hierher geflohen bin, haben sie mich übersehen.«
»Wisst ihr zufällig, wer euch überfallen hat?«
»Nein, es waren nur wenige Männer, vielleicht ein Duzend, so genau weiß ich das nicht. Aber ein Mann ist mir aufgefallen, ich habe gesehen, wie er gleich drei Männer auf einmal getötet hat, mit seinen zwei Äxten in der Hand, ein grausamer Mensch voller Blut und Körperinnereinen an seiner Rüstung. Wildes Haar und mörderische Augen. Ich werde diesen Anblick nie vergessen. So ein schrecklicher Mann.«
»Das muss Thorik gewesen sein, Thorik Blutbeil!«, ließ Glushu verlauten und der Nordmann stimmte ihm zu.
»Wo Thorik ist, ist Xzar nicht weit weg. Sagt mir bitte, wo sind die Plünderer hingezogen. Wir müssen sie unbedingt finden!«
»Ja, wir werden euch rächen!«, auf diesen unüberlegten Satz erntete Glu-donk nur einen abschätzigen Blick des jungen Kriegers, ehe er sich wieder an die Frau wandte. Von Rache konnte keine Rede sein, er wollte nur das Buch haben, mehr nicht, alles andere musste dann entschieden werden.
»Ich weiß es leider nicht, da ich mich versteckt hielt, aber ich hörte wie einer der Söldner das Wort "Gartum" benutzte.«
»Ja und?«, bohrte er nach.
»Gartum ist ein Dorf, etwa sieben Stunden von hier entfernt.«
»Das ist gut. Dann haben sie sicher vor, auch Gartum zu überfallen. Wir können sie noch einholen. Könnt ihr uns sagen, in welche Richtung wir gehen müssen.«
»Ja, immer nach Südwesten, in diese Richtung.«
Die Frau zeigte ihnen mit einem Handschwenk die Richtung, alles Weitere lag nun in ihren Händen.
»Danke... und viel Glück.« So zynisch diese Worte klingen mochten, mehr konnte er für die Frau und ihren Säugling nicht tun, sie mussten weiter. Das war nicht sein Krieg. Aber jetzt hatten sie eine heiße Spur, Thorik und Xzar würden ihm nicht entkommen, die Entfernung würde er bald aufgeholt haben.
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Neuling
Am nächsten Morgen, mit den ersten Sonnenstrahlen des Tages, wachte der Magus auf und löste die Zauberfallen, die er aufgebaut hatte. Zwar waren sie für ihn unschädlich, doch man wusste ja nie. Schnell hatte er seine Robe angezogen und etwas die Muskeln in Schwung gebracht, als er schon wieder das Zimmer verließ. Mit einem Schnippen zerfielen die beiden Wächterskelette zu Staub und Knochen, so als ob es sie nie gegeben hätte. Das ganze Dorf war ruhig und kaum ein Ton war zu hören, die Penner schliefen wohl alle noch. Zielsicher, ganz der Nase nach, steuerte er auf das Wirtshaus zu und riss die Tür auf. Ein widerlicher Gestank kam ihm entgegen, kaum Atemluft war hier noch zu finden, stattdessen Bierfahnen und andere Alkoholsorten. Fast wäre er über einen der Söldner gestolpert, der sich auf dem Boden umgedreht hatte und noch selig schlummerte, was ihn zu einem grimmigen Gesicht veranlasste.
»Diese Mistkerle, nichts als saufen im Kopf.«, grummelte er vor sich hin, als er mittels kleinerer Zaubertricks die Schränke öffnen ließ, er suchte etwas zu essen. Aus einem Schrank kamen ein paar Äpfel rausgekullert und erwischten ausgerechnet Thorik schmerzhaft am Kopf, aber das störte ihn nicht. Besser als nichts, einen Apfel nahm er für gleich und einen zweiten als Wegzehrung, sie würden schließlich bald wieder in ihrem Versteck sein und da gab es genügend Nahrung. Mit hastiger Miene packte er Thorik am Kragen und versuchte ihn hochzuziehen, das gelang aber nicht, denn sein Söldnerkommandant war viel zu schwer. Also ließ er ihn wieder fallen, worauf dieser endgültig aufwachte.
»Thorik! Wach auf du Elendiger! Wir brechen in einer Stunde auf, schaff deine Leute hier raus und bring sie in einen Zustand, den man LAUFEN nennt. Los jetzt, ich warte am Brunnen. Wir müssen zurück zur Grotte, dort werden wir die nächsten Tage verbringen. Hast du mich verstanden?«
»Nein... ja... jaja Chef. Eine Stunde, hrmmmmm.«
Das war's, dem Kerl war doch nicht mehr zu helfen. Xzar verschwand aus diesem Drecksloch, er hatte es eilig, zur Not würde er den Söldnern mit einem Feuerregen schon Beine machen. Oder sollte er einen Blizzard nehmen? Darüber musste er jetzt nachdenken...
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Neuling
Nach einer halben Stunde riss er sich endlich aus dem Schlummer, in den der Kommandant wieder gefallen war. Die Zeit drängte und Xzar konnte echt sauer werden, außerdem widerte ihn dieser Zustand an und seine Männer waren noch viel schlimmer. Wie spät war es eigentlich gestern Nacht? Zu spät, fürchtete er. Das Bier floss reichlich, sie hatten die meisten Vorräte des Dorfes geplündert, viel Braten und Bier.
Er rieb sich zunächst einmal die Augen und trat dann ins Freie, wo der Geruch schon ganz anders war. Nach einer längeren Pinkelpause hatte er genau das Richtige gefunden. Eine Regentonne. Er ignorierte die toten Fliegen und tunkte seinen Kopf herein und siehe da, die Lebensgeister kehrten zu ihm zurück. Noch einmal tunkte er sich, danach war er wieder richtig gut drauf.
»Aaaahhhhhh« Ein zufriedener Schrei verließ seine Kehle und eines seiner Beilblätter schlug in die Tonne ein. Er fühlte sich wieder richtig gut. Thorik marschierte mit mächtigen Schritten zur Taverne, trat die Tür kurzerhand ein und trat seine eigenen Leute oder packte sie hoch.
»Aufwachen ihr Penner! Xzar wartet und ihr wisst, daß er nicht gerne wartet. In zwanzig Minuten ist Abreise, es geht nach Hause. In fünf Minuten steht ihr Säcke draußen in Reih und Glied, oder ich schleife euch in zwei Hälften dort hin, verstanden?« Ein paar murmelten »Ja Kommandant«, die meisten aber sagten gar nichts und gähnten noch. Es war dennoch kein Wunder, daß nach exakt fünf Minuten die ganze Truppe stand, selbst der Verletzte Kamir.
»Sehr gut Männer. Ihr habt noch eine Viertelstunde um zu frühstücken, falls es hier noch was gibt.« Dabei biss er in einen der Äpfel, von denen auch Xzar welche genommen hatte und die ihm so unglücklich auf den Schädel gefallen waren. »Alle Wertsachen werden zum Brunnen geschleppt. Ihr fünf kümmert euch um den Transport und ihr entzündet die Fackeln und brennt alle Häuser nieder, die hinter dem Brunnen sind.«
»Jawohl Kommandant!«
Daraufhin verabschiedete sich Thorik, um Xzar beim Brunnen etwas Gesellschaft zu leisten.
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Neuling
Nach genau fünfzehn Minuten standen alle elf Männer, Xzar und Thorik um den Brunnen versammelt. Nur die beiden Wachposten im Haus der Frauen und Kinder waren nicht dabei, sie wussten ja auch von nichts. Hinter ihnen stiegen dichte Rauchsäulen auf, das halbe Dorf stand in Flammen und einige Fackelträger waren bereit die zweie Hälfte zu entzünden, denn das dieser Befehl von Thorik kommen würde, das war allen klar. Da ging es dahin, die Arbeit von so vielen Bauern, die Arbeit von Schwächlingen und Idioten. Für Thorik waren die Flammen ein Sinnbild seiner Macht, Xzar hingegen konnte bei so was nur den Kopf schütteln, mischte sich jedoch nicht in die Angelegenheiten seines Söldnerführers ein, sollte er doch machen was er wollte, er sollte ihm ja auch hauptsächlich nützlich sein. Der Magier hatte es nur eilig und wollte endlich los.
»Ihr drei geht zu Ljungar und Petersen und sagt ihnen, ihr Dienst ist beendet. Die Fackelträger werden Wache halten und sobald ihr fertig seid das Haus anzünden und dann jedes weitere, bis hier alles brennt. Auch die Kapelle! Der Rest kommt mit mir und Xzar. Wenn ihr fertig seid, schließt ihr zu uns auf.« Seine Anweisungen waren wie immer unmissverständlich und deutlich und doch hatte einer der drei Söldner eine Frage, die wichtiger nicht hätte sein können.
»Und was sollen wir mit den Frauen und Kindern machen?«
Der Kommandant schaute aus funkelnden Augen und seine Mundwinkel formten sich zu einem Grinsen, eine hässliche Fratze, wie sie nur von ihm sein konnte. Thorik kannte kein Erbarmen, er kannte nicht einmal das Wort...
»Tötet sie! ... ... ... ...«
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21.11.2004 01:34
#26
Sie waren immer nach Südwesten gegangen, so wie die Frau es gesagt hatte uns so waren sie noch vor Einbruch der Nacht an ihrem Ziel. Aber sie hatten nicht sieben, sondern nur fünf Stunden gebraucht, vielleicht stand deswegen die Sonne noch hoch am Himmel. Wie auch immer, das Tempo das er angeschlagen hatte, war jedenfalls mörderisch gewesen. Glushu kam dabei ganz schön ins Schwitzen und schien froh zu sein, die erste Rast seit ihrer Ankunft in Shomain machen zu dürfen. Während ihrer Reise hatten sie nur wenige Worte miteinander gewechselt, aber der Nordmann hatte sich noch einmal vergewissert und sich selbst bestätigt. Glushu - oder auch Glu-donk, was auch immer das heißen mochte, - trug zwei Langschwerter an seinen Seiten, was darauf schließen ließ, daß er zumindest mit einem kämpfen konnte. Vielleicht war das andere ja nur Ersatz, oder beherrschte er die Doppelschwertkunst, die nur den größten Schwertmeistern vorbehalten war? Unmöglich, dieser Kerl... niemals. Jedenfalls würde er ihm noch behilflich sein können, dennoch behielt er den Kerl im Auge, er wollte nicht kurz nach Erhalt des Buches eine Klinge im Rücken haben. Die besten Freunde sind ja doch nur die besten Feinde.
Das von ihr beschriebene Dorf - Gartum - es existierte nicht mehr. Sie hatten schon ein oder zwei Stunden vor ihrer eigentlichen Ankunft Rauch in der Ferne gesehen und nun bestätigte sich das, was er vermutet hatte. Das ganze Dorf brannte, doch selbst diesem Aspekt gab es Positives abzugewinnen, denn da noch beinahe alle Gebäude frisch loderten und die Flammen herausbleckten konnte das nur bedeuten, daß sie Thorik und Xzar dicht auf den Fersen waren. Sie hatten allerhöchstens vier Stunden Vorsprung, vielleicht auch nur zwei. Die grausame Entdeckung des Blutsees, der noch immer nicht versickert war, blieb ihnen am Toreingang nicht erspart. Sie hatten also Widerstand geleistet, aber es waren nur Bauern unter den Opfern, grausame Szenen, wie auch in Shomain. Der noch viel schrecklichere Anblick der verbrannten, bzw. brennenden Frauen- und Kinderleichen blieb ihnen zum Glück erspart, das Haus brannte noch immer wild, das Blut der vielen Toten hielt die Flammen am Leben. Leider fanden sie keinen Überlebenden mehr, aber sie hatten Glück, im sandigen Untergrund des Dorfausgangs waren Spuren zu lesen, die auf eine eindeutige Richtung hinwiesen. Die Verfolgung ging weiter.
Nach einer weiteren Antreibung seinerseits und einem schnellen Gehspurt hatten sie es schließlich geschafft. Durch seinen unbändigen Antrieb wurde auch Glushu mitgezogen und gemeinsam holten sie die gemächliche, wenn auch nicht trödelnde Söldnergruppe ein. Sie hatten sie nun erfasst und konnten einen Irrtum ausschließen, das bestätigte auch Glushu. Allerdings blieben sie vorerst auf gehörigem Abstand, erst wenn es dunkel werden würde, könnten sie überhaupt daran denken näher zu kommen, schließlich würden sie sofort auffallen, der junge Krieger war nicht so naiv zu glauben, daß Thorik seine eigenen Leute nicht gut genug kannte. Aus der Entfernung zählte er fünfzehn Männer, davon mussten zwei Thorik und Xzar sein, wahrscheinlich die beiden, die ganz vorne liefen. Bis auf den einen Vorderläufer trugen alle Männer schwer gepanzerte Rüstungen und wirkten deswegen dicker, als sie eigentlich waren. Das dürre Männchen an der Spitze, das eine weiß-blaue Robe trug, das musste also Xzar sein, aber Bücher konnte er aus der Entfernung nicht erkennen. Er würde auf die Rast der Truppe warten, ehe er zuschlagen wollte. Solange wollten sie der Gruppe unauffällig folgen und gaben sich dafür auch große Mühe, was bei diesem dicht bewaldeten Gebiet aber auch keine große Kunst war, außerdem drehten sich die Männer von Thorik eh nie um, sie fühlten sich in Sicherheit.
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Neuling
Nach einigen Stunden der ruhigen Reise erreichten sie den Brombeerwald. Er wurde so genannt, weil es unzählige Brombeersträucher gab, an denen sich sowohl Mensch als auch Tier genüsslich laben konnten, natürlich nur zur Blütezeit der süßen Früchte. Das interessierte Xzar aber herzlich wenig, denn für solche banalen Dinge wie Essen verschwendete er so gut wie keine Gedanken, ganz im Gegensatz zu den Söldnern, die nie genug fressen konnten und sich dabei unmöglich benahmen. Deswegen zog er es auch seit langem vor seine Mahlzeiten alleine einzunehmen, außerdem gab er sich nicht gerne mit den stinkenden Kerlen ab, sie führten einzig und alleine ein Zweckbündnis, das ihnen beiden nutzte und das war jeden, der etwas mehr Intelligenz wie ein Baumstamm hatte auch klar.
Der Brombeerwald war deswegen so schön, weil er abgeschieden von allen möglichen Dörfern lag. Vielleicht verirrten sich mal ein paar Jäger und Waldläufer hierher, doch ganz sicher nicht eine Brigade Holzfäller oder gar Bauern. Und der Brombeerwald diente ihnen als Versteck. Nach nur wenigen Schritten ins Waldinnere erreichten sie den steilen Abhang, wo es geradlinig nach unten ging. Die Söldner hatten ein paar Stufen in den Fels geschlagen, was er sehr begrüßt hatte. In diesem Krater, der mitten im Inneren des kleinen Waldes lag, gab es ein paar Grottensysteme, allerdings führte nur die tiefste noch Wasser, es handelte sich um heißes Wasser, das von einer unterirdischen Quelle kommen musste. Dort konnte man gut baden und entspannen, wozu er leider nur selten kam. Der Rest der Grotten war bewohnbar, er hatte mithilfe einiger Skelette wohnliche Räume erschaffen und erst später die Söldner einquartiert. Die Stalagmiten und Stalaktiten waren alle abgeschlagen und die rundlichen Decken ausgeputzt worden. Es erinnerte nicht mehr viel an eine Grotte, auch wenn sie immer noch eine war.
Er konnte es gar nicht mehr erwarten zu seinem Experiment zu kommen und außerdem brauchte er neue Heiltränke, die auf seiner langen Reise fast gänzlich verbraucht wurden. Das hieß, Kräutersammeln, dafür erschuf er gleich noch ein Skelett, das sich auf den Weg in den Wald machen sollte. Die Söldner nahmen den Zauber unbeachtet auf, auch sie freuten sich jetzt auf ein paar freie Tage und etwas Entspannung in den Thermen. Es sei ihnen gegönnt. Ohne ein Wort mit Thorik zu wechseln löste er den Zauber von den beiden Templerskeletten, die am Eingang Wache gestanden hatten und öffnete die schwere Holztür. Sofort konnte er spüren, daß alles in Ordnung war und hinter ihm löste sich eine magische Falle nach der anderen, während Söldner um Söldner in ihrem Teil der Grotten verschwanden, machte sich Xzar auf in die Laboratorien zu kommen.
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21.11.2004 01:36
#28
Ohne sie noch einmal aus den Augen zu lassen war das Duo im Auftrag von Braga dem Trupp gefolgt, in den Wald hinein, wo sie sich näher herangeschlichen hatten. Dieser Wald bot mehr Deckungsmöglichkeiten als manche Ebene bei Nacht und so gelang es dem Nordmann bis auf zehn Fuß an das Ende der Gruppe zu kommen. Mit seinen Dolchen hätte er jetzt leichtes Spiel gehabt zwei der Söldner zu töten, aber das hätte sie nur auffliegen lassen. Er wollte schlauer sein. Auch Glushu sah, wie der Trupp der schwer gepanzerten Männer den Abhang hinunter ging und in einer seltsamen Steinhöhle verschwand. Sie waren schon bald alle in der Grotte verschwunden, nur ein einsames Skelett kam zurück und zwar mitten auf sie zu.
»Und was jetzt?«, fragte Glushu den offenen Anführer des Duos, während er sich dichter an die Baumrinde schmiegte.
»Eine willkommene Abwechslung. Siehst du den Korb an der Hand des Skeletts? Vermutlich soll er hier was sammeln. Vielleicht Kräuter? Es ist harmlos, hat nicht mal eine Waffe, aber es könnte uns bemerken. Bleib einfach da.«
Sie ließen das Skelett näher kommen, bis es in Schlagdistanz war, dann sprang der junge Krieger aus seinem Versteck hervor und packte es an seinem knochigen Arm. Einerseits war es widerlich, andererseits sah er genauso aus... na ja, vielleicht ein bisschen schöner.
»Stich zu!«, forderte er seinen Begleiter auf, während er dem Skelett jede Bewegungsmöglichkeit nahm und dieses nur ungläubig mit den Zähnen klapperte? Zufall oder Ausdruck von Angst? Hatten Skelette Angst? Bestimmt nicht.
»Was soll ich tun?«, fragte Glu-donk nur verblüfft in die gesellige Runde.
»Du sollst es töten, stich ihm ins Herz oder Schlag den Kopf ab, aber versuch mich nicht zu treffen, du kannst doch kämpfen oder nicht?«
»Ja... Nein... ich meine.«, stotterte er nur noch.
»Schon gut, ich mach's selbst!«, seufzte er. Mit einem Ruck riss er den Arm aus der Schulter des Knochenmannes und rammte ihm die Schulter unter den Hals, kurz darauf zog er sein Schwert und köpfte ihn. Keine Bewegung, alles bestens. Mit einem bösen Blick strafte er den Zögernden, wenn das kein Skelett, sondern Thorik gewesen wäre... Glu-donk trug zwei Langschwerter an seinen Seiten, das wusste er. Und dennoch hatte er gezögert. Wieso? Der Mann hatte etwas zu verbergen, nur was? Er würde ihm weiterhin nicht vertrauen, das stand jetzt fest.
Zusammen gingen sie näher an den Krater heran und sahen auf die Grotte. Sie war recht groß, aber der Krater war auch nicht von schlechten Eltern. Mindestens fünfzehn Meter ging es nach unten, bis eine Staubschicht das Ende markierte. Aber wer wusste schon, wie weit diese Grotten nach unten verliefen.
»Toll, jetzt sind sie da drinnen so sicher wie in einer Burg. So kommen wir nie an sie heran.«, meinte Glushu ernüchtert, aber der Nordmann winkte ab.
»Irrtum. Diese Grotten sind alles andere als sicher. Siehst du denn nicht die vielen Fenster? Da passen wir durch. Zwar haben die Söldner einen Heimvorteil, aber wir haben den Überraschungseffekt. Allerdings ist es zu hell, man kann uns überall sehen. Wir müssen warten, bis es dunkel wird, solange können wir uns hier im Wald ausruhen.«
»Gut, dann werde ich ein paar Brombeeren holen, die wachsen ja wie wahnsinnig. Mir knurrt schon der Magen.«
»Ist gut, ich warte hier und behalte den Eingang im Auge.«
So hieß es erst einmal warten, doch der Abend sollte bald kommen und ihn erlösen.
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21.11.2004 01:37
#29
Die Stunden waren schneller vergangen als gedacht, zwar konnte er nicht wirklich schlafen, aber zumindest für ein paar Momente die Augen schließen, ehe er sie wieder ruckartig öffnete, nur um sicher zu gehen, das er nichts von der Grotte verpasst hatte und das er nicht plötzlich einen Dolch im Magen hatte, dieser Glu-donk war einfach rätselhaft. Er tat so, als ob ihm ein einziger Hieb gegen ein wehrloses Skelett schwer fallen würde, wozu dann diese Schwerstbewaffnung? Er verstand es nicht. Als es aber endgültig dunkel war schlichen sich die beiden schnell hinab zur Grotte, allerdings gingen sie am Kraterrand entlang und kamen von hinten, damit die Skelettwachen am Eingang nicht auf sie aufmerksam wurden. Das Xzar diese Geschöpfe beschwören konnte war für ihn nichts Neues, Braga hatte ja auch lauter Teufelszeug als Diener rekrutiert.
Als sie die Grotte erreicht hatte, pressten sie sich an den weißen Kalkstein und warteten auf eine gute Gelegenheit, die sich in einem geschlossenen Fenster in Schulterhöhe bot. Mit einem kräftigen Schwerthieb und ohne Rücksicht auf den Lärm brach er die Fensterscheibe auf und zog sich dann hoch, dicht gefolgt von Glushu. Trotz des Lärms hatte sie aber anscheinend niemand gehört, denn es waren weit und breit keine Wachen zu sehen. Der Nordmann wusste, daß sie nicht viel Zeit hatten, nur diese eine Nacht, um das Buch zu stehlen. Nachtarbeiten lagen ihm aber ohnehin und so war er optimistisch. Nach kurzem Lauf auf einem langweiligen Kalksteingang, der mit einem schlichten Teppich und brennenden Lampen ausgestattet war, kamen sie zu einer Abzweigung, wo sich die Wege teilten.
Sie sahen sich kurz an, dann hatte Glushu verstanden und zeigte sich zum Glück einverstanden.
»Ich Rechts.«
»Ich Links.«, lautete die einfache Abmachung der Beiden und so trennten sich ihre gemeinsamen Wege an dieser Stelle. Während der junge Krieger nach rechts ging, lief Glushu nach links und somit waren beide von nun an auf sich gestellt.
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Neuling
»Wo ist denn nur dieser verfluchte Lurchschwanz hin? Argh, diese blöden Putzhilfen, warum erfinde ich nicht mal ein Skelett mit einer weiblichen Ader, diese Weiber sind ja wirklich unnötig, aber wenigstens halten sie Ordnung. Dauernd gelingen mir nur diese verplanten Geschöpfe.« Mit einem Grummeln fand er endlich den Schwanz und warf ihn in die gefährlich brodelnde Suppe, die in einem Kessel kochte. Auf einem Alchemietisch standen Laborkolben und passende Behälter, einige gefüllt, andere nicht. Dazu die vier neuen Innosstatuen, zwei waren aufgeschnitten, eine schon gefüllt, die andere noch vollkommen intakt. Xzar gönnte sich keine Pause, die Arbeit an seinem Experiment war für ihn pures Lebenselixier.
»Und wo zum Teufel sind jetzt die Mandelröschen? Verdammt Beliar, wozu mache ich denn dieses Experiment, wenn du mir keine fähigen Diener schickst, die Skelette kommen doch von dir. Vielleicht sollte ich mich mal an deinen Statuen versuchen, vielleicht schickt mir Innos ja nen Engel zum aufräumen.« Ein Grummeln später hatten auch die Mandelröschen ihren Weg in den Kessel gefunden und Xzar wirkte zufrieden.
»Ja, koch nur schön mein süßes Elixier. Auf das du schön ziehst. Ach verdammt, ich hab ja die Razorenhörner vergessen, so eine Scheiße. Nicht weglaufen, bin gleich wieder da!«, sprach er leicht paranoid zu seinem kochenden Kessel und marschierte in einen Gang, der ihn zu der Vorratskammer bringen würde, nichts ahnend, was da vom rechten Gang herankam.
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21.11.2004 01:40
#31
Ohne Vorahnung war er dem rechten Kalksteingang gefolgt und durch ein paar Steinbögen geschlüpft, hatte eine verschlossene Holztür eingetreten und eine Skelettwache besiegt. Er dachte, daß dies normal wäre und nichts Besonderes bedeuten musste, jedenfalls hätte er sich weitaus Schlimmeres als diesen einen Knochenmann mit seinem rostigen Zweihänder vorstellen können. Als er aber auf einmal einen üblen Geruch in die Nase bekam, da musste er diesem natürlich folgen und stand kurz danach in demselben Raum, in dem Xzar bis vor wenigen Minuten noch gestanden hatte. Keine Skelettwache hatte ihn am Betreten des Labors gehindert, keine Tür hatte es verschlossen, nur ein Steinbogen wies ihm den Weg hinein. Er wunderte sich nicht schlecht, als er all diese Werkzeuge, Labor- und Alchemieanlagen, Töpfe, Kessel, Schränke und Bücher sah. Der unangenehme Gestank kam aus einem brodelnden Kessel, der von einem brennenden Feuer angeheizt wurde. Irgendjemand musste sich hier noch aufhalten oder bald wiederkommen. Doch an Xzar dachte er zunächst nicht, als sein Blick auf dem großen Tisch an der Eckwand fiel. Nette Statuen lagen da, nur leider zum Teil kaputt. Als er eine schwere, noch ganze begutachtete, fiel ihm sofort das Gold auf und so massiv dem Gewicht nach. Er legte sie aber wieder hin und sah lieber in die aufgeschlagene Seite eines dicken Buchs, das dort daneben lag. Leider waren die Texte in einer Sprache verfasst, die er überhaupt nicht kannte, also blätterte er noch eine Seite herum und begutachtete die Zeichnung. Er erkannte zwanzig kleine Statuen, die wie die vier auf dem Tisch aussahen und aus allen drang ein schwarzer Nebel heraus. Was das wohl zu bedeuten hatte? Während er ein wenig neugierig weiterblätterte nahm das Unglück seinen Lauf, denn geradewegs kam der mächtige Ebenenmagier Xzar zurück und ließ vor Schreck glatt die Razorenhörner fallen, als er den Eindringling sah. Das Poltern ließ wiederum den Nordmann aufschrecken und reflexartig umdrehen und beide sahen sich für kurze Zeit tief in die Augen. Vom Schreck hatte er sich schnell erholt, denn ihm war klar, wer da vor ihm stand. Diese weiß-blaue Robe, dieses Gesicht...
»Xzar!«
»Was bei den sieben Ebenen? Wie seid ihr hier herein gekommen? Was macht ihr mit dem Riam'dzeh Dzalim?« Mit jedem Wort verformte sich das Gesicht des Magiers zu einer Fratze, die bösartiger nicht sein konnte. Seine magischen Kräfte strömten in die Finger, wurden aber noch nicht herausgelassen. Gleichzeitig zog der Krieger nur eine Augenbraue hoch und blickte noch einmal auf das aufgeschlagene Buch, das das einzige Buch in seiner Griffweite war. Unglaublich, er hätte es beinahe übersehen. So toll war dieser Schmöker doch gar nicht.
»Das da ist das Riam'dzeh Dzalim?«, wobei er mit dem Zeigefinger darauf deutete.
»Ja und egal wer ihr auch seid, ihr werdet es niemals bekommen!« Aus dem Mund von Xzar spritzte Speichel heraus und jetzt ging es erst richtig los. Der Magier war vollkommen außer Kontrolle, die Überraschung und die Besessenheit von diesem Buch waren eine verhängnisvolle Mixtur, jetzt entfesselte er seine Magie, ohne Rücksicht auf die Einrichtung oder den Almanach selbst. Feuerbälle schlugen hinter ihm ein, ließen Bücherregale in Flammen aufgehen oder zersplitterten an der weißen Kalkwand, die abbröckelte. Gerade noch rechtzeitig konnte er ausweichen und sich auf den Boden werfen, wollte gerade seinen Dolch ziehen, da drohte ihn eine riesige Lanze aus Eis zu durchbohren und im letzten Augenblick rollte er zur Seite. Dem Großmagier schien dies nur noch mehr anzustacheln, mit einem wahnsinnigen Gesicht kicherte er lauthals und warf weitere Eislanzen, denen er nun im Spurt Richtung Steinbogen auswich. In seinem Wahn hatte der Magier beinahe das gesamte Labor vereist, jedenfalls war zwischen dem Labor und dem Kalksteingang nun eine zentimeterdicke Eisschicht. Ohne aber zu merken, daß das Buch noch immer dalag, wo es sich die ganze Zeit befunden hatte, machte der Magier weiter Jagd auf den Eindringling. Er erschuf drei Zombies und ließ drei blaue Bälle in seiner Hand entstehen. Dies konnte er geradeso durch das durchsichtige Eis erkennen, das natürlich schmolz und Facetten spiegelte. Gerade noch rechtzeitig zog er sein Schwert, als die drei untoten Kreaturen neben ihm auftauchten, durchbohrte den Oberkörper des Ersten und huschte an die Eiswand, die ihrem Namen alle Ehre machte und ihn frieren ließ. Die langsamen Untoten griffen an, doch er duckte sich unter ihren Schlägen weg und konterte im wahrsten Sinne des Wortes "eiskalt". Als beide in sich zusammenfielen schnaufte er durch und wollte sich umdrehen, als er ein gleißendes Licht sah und sich nach hinten fielen ließ. Um Haaresbreite war ein Feuerball - so groß wie sein Kopf - an ihm vorbeigesaust. Sofort kamen weitere nach und er presste sich an die Kalksteinwand, um ihrem Feuer zu entgehen Das Eis war nun total durchlöchert, als eine schwarze Flamme nach ihm schlug und das Eis endgültig zerbrach.
Er flüchtete tiefer in den Gang, als der wahnsinnige Zauberer ihm folgte, als er für einen Moment zu Xzar schauen konnte sah er, wie dieser von einem Ring aus kleinen, scharfen Klingen umgeben wurde, die um ihn wirbelten und scheinbar unangreifbar machten - zumindest im Nahkampf. Er dachte kurz nach und entschied sich für seine Idee. Ein weiterer Feuerball zielte auf seinen Kopf, doch er duckte sich rechtzeitig und griff blitzschnell zu seinem Spießdolch. Ohne zu zögern warf er den Dolch und traf die ungeschützte Schulter des Magiers, was ihn aus der Konzentration brachte und einem Schmerzensschrei provozierte. Sofort rannte er los, schlitterte an dem abgelenkten Magier vorbei, was bei dem engen Gang nur so möglich war, richtete sich wieder auf und rannte zum Labor. Er konnte nicht einfach abhauen, da war ja noch das Buch, das Ziel. Er schlug das Ding zu und nahm den dicken Wälzer in beide Hände, als plötzlich Xzar auftauchte, er hatte die Verletzung erstaunlich gut weggesteckt, denn der Dolch steckte noch immer in seiner Schulter.
»Du wirst den Almanach nie bekommen, NIEMALS!« Nach diesen Worten ließ er Taten folgen, mit einem einzigen Handhieb ließ er einen Riss in der Erde entstehen, die Erde bebte und die halbe Decke kam herunter, doch die Kraft von Xzar war durch die vielen Zauber geschwunden und so schaffte er es nicht die gesamte Decke zum Einsturz zu bringen. Der junge Krieger hatte für einen Moment nach oben geschaut und sich ablenken lassen, da kam etwas auf ihn zu, was man allgemein als Totenschädel eines Menschen bezeichnete, aber dieser Schädel war aus Säure, es handelte sich um einen Spruch, den Xzar aus dem Almanach gelernt hatte. Er hieß "Dzalims Totengruß" und sorgte dafür, daß eine Giftgaswolke erschien, die jeden Sauerstoff aufsaugte und so für ein Ersticken bei allem Leben in einem gewissen Umkreis sorgte. Natürlich wusste er das nicht, aber dieser fürchterliche Schädel der da auf ihn zuraste hatte genug Schrecken. Für eine Flucht war es zu spät und ausweichen war auch nicht, ein einziger Schritt hätte mehr Zeit gebraucht als der Schädel. Er wusste nicht wie, aber reflexartig hielt er das Buch vor sein Gesicht und der Schädel prallte darauf. Eigentlich war es bei diesem Zauber egal, ob er nun das genaue Ziel traf oder nicht, denn er löste sich auch bei Hindernissen aus, doch dieses Mal war dem nicht so und es lag nicht daran, daß Bücher Zauber stoppen konnten. Es war der Almanach selbst, der den Schädel in sich aufgesogen hatte und mit einem "Plopp" war er verschwunden. Während Xzar fassungslos dreinblickte, entwickelte der nicht minder staunende Krieger eine Theorie. War es möglich, daß dieses Buch alle Zauber - zumindest die der Ebenen - schluckte?
Xzar hatte sich schnell erholt und bot noch mal sein bestes Können auf. In einer Hand einen riesigen Feuerball, in der anderen eine Eislanze, die er nun beide auf den regungslosen Fremden schickte. Dieser aber grinste nur und schien seiner Theorie zu vertrauen und er hatte Recht. Sowohl Eislanze, wie auch der Feuerball verpufften wirkungslos und schienen vom Buch gefressen zu werden, in seiner Hand fühlte es sich an, als ob es leben würde. Damit war der Kampf vorbei, ab sofort konnte ihm der Zauberer nichts mehr anhaben, dennoch blieb er vorsichtig.
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Neuling
Nein, das konnte nicht sein. Niemals. Der Almanach schluckte all seine Zauber und machte ihn somit wehrlos. Das war absolut unmöglich. Xzar atmete noch einmal tief ein und spürte die Schmerzen an der Schulter. Dieser Bastard, dafür sollte er bezahlen.
Die Magie der Ebenen ist mächtig, doch sie ist gefährlich.
Durch den Almanach hatte er gelernt, wie man den Auswirkungen der Gefahr entgehen konnte, doch in seiner Wut vergaß er diese spezielle Zaubertechnik. Jetzt war ihm alles egal. Er rastete vollkommen aus. Nicht die Schulterverletzung war das Schlimme, der Fremde war drauf und dran ihm seinen wichtigsten Besitz abzunehmen, das würde er niemals zulassen.
Mit aller Macht baute der Ebenenmagier eine Wand aus Feuerbällen auf, ein gutes Duzend wollte er auf einmal auf den Dieb schicken und er gab auch den Befehl, als es plötzlich geschah. Die Ebenen rächten sich für den Diebstahl ihrer Zauber, es wurde wie immer der Auslöser für den Würfelwurf betätigt. In einem elastischen Gefängnis musste der Großmagier mit ansehen, wie der Würfel auf einer negativen Wirkung liegen blieb und sich ein Zahnrad begann zu drehen. Plötzlich war er wieder in seiner Ebene, ein Blitz schlug in seine Hände und sein Körper veränderte sich. Binnen Sekunden verformten sich die Anatomie und die Größe des Mannes und an seine Stelle trat ein schwarzer Vogel, eine Amsel. Es war tatsächlich passiert, die Ebenen hatten sich auf diese grausame Weise gerächt, er konnte es nicht glauben, vor allem da er die Sprache nicht verloren hatte.
»Oh nein, das darf doch nicht war sein. Bei Beliar, warum tust du mir das an? Und Innos? Adanos? Verdammt, ich hasse euch Mistkerle.«
Die Amsel spreizte die Flügel und flog in Richtung des Fremden, dieser zückte sein Schwert und wollte sie erlegen, doch Xzar wich geschmeidig aus und flog noch ein paar Runden über den Kopf des Buchdiebes.
»Du hast Glück, daß das passiert ist, unser nächstes Wiedersehen wirst du nicht überleben, meine Rache wird kommen, verlass dich drauf!«
Mit diesen letzten Worten verschwand der Vogel im Gang, aus dem er gekommen war und es wurde ganz still im Labor...
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Neuling
Währenddessen im linken Gang...
Die meisten Söldner waren in den Thermen und ließen es sich in den heißen Quellen gut gehen, doch einige waren auch in den "Schankraum" der Grotte gegangen und feierten dort ausgiebig. Kartenspiele, Unterhaltung, Speis und vor allem viel Trank standen hier auf dem Plan, es hatte fast etwas Gemütliches und man konnte wirklich davon ausgehen, daß die Söldner eine kleine Familie waren. Fehlen tat es ihnen jedenfalls an nichts, sie hatten alles, was das Herz begehrte. Durch ihre zahlreichen Plünderungen war fast schon Wohlstand garantiert. Doch davon konnte Glushu nichts ahnen, wie er da sehr bemüht war leise zu sein und sich von dem lauten Gegröle fern hielt und in einen Nebengang wanderte, vielleicht war hier ja der Almanach. Es war eine kleine Holztür, die ihm den Durchgang verwehrte, doch da er hinter der Tür keinen Laut vernahm trat er ein. Ein Fehler, denn niemand anders als Thorik Blutbeil wartete dahinter, der sich nun überrascht umdrehte. Es schien, als ob er gerade etwas geschrieben hätte, ausgerechnet der unbeherrschte Barbar aus dem Norden? Jedenfalls legte er eiligst Pergament und Feder nieder, als er den Fremden erblickte, der zwar versuchte zu fliehen, aber jetzt schon verloren war. Thorik griff schnell zu seinen beiden Beilen und rammte riss die Tür auf, um die Verfolgung aufzunehmen, sich fragen woher der Fremde kam, das konnte man immer noch, aber Xzar hatte ja ausdrücklich befohlen alle Eindringlinge zu töten. Glushu flüchtete zurück, genau denselben Weg, den er gekommen war, dicht hinter ihm der Kommandant, der für diese Aufgabe keine weiteren Männer für nötig sah, obwohl sie direkt an einigen, halbnackten Quellenbesuchern vorbeiliefen, die zwar erst überlegten, dann aber die anderen im Schankraum informierten. Direkt eingreifen konnte aber keiner mehr, das erledigte der Kommandant persönlich. Als er Glushu beinahe erreicht hatte, reichte es einmal querdurch zu schlagen und eines der Beilblätter bohrte sich in den Rücken, was den Flüchtenden aus der Balance brachte.
Thorik wollte nachsetzen und mit dem zweiten Beil den letzten Schlag setzen, aber nun wehrte sich der Schatten. Er zog eines seiner Langschwerter und fuhr dem Barbaren in die Parade, indem er ihn übel am rechten Fuß traf, was Thorik aus dem Gleichgewicht brachte und schwer stürzen ließ. Zusätzlich ließ er dabei sein Beil los, doch anstatt nachzusetzen versuchte sich Glu-donk weiter von dem breitschultrigen Mann zu entfernen, was aber nur noch hinkend und langsam ging. Als er wieder an der Stelle war, wo sich die Gänge teilten verließen ihn seine Kräfte. Eine riesige Blutspur hatte sich die letzten Meter hingezogen und würde ihn zur leichten Beute machen, die Verletzung am Rücken war einfach zu schwer und blutete zu stark. Langsam schwanden dem Mann die Sinne und er verlor das Bewusstsein.
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21.11.2004 01:44
#34
Nachdem es in dem Labor ruhig geworden war und nur noch der brodelnde Kessel blubbernde Töne ausspuckte, packte er das wertvolle Buch in ein paar Tücher, die wohl aus Rindleder waren. Danach schnappte er sich noch eine der beiden Goldstatuen, die dem Gott Innos geweiht waren, wobei er die schwerere, also die Gefüllte erwischte. Zum Glück war auch sein Dolch noch da, denn Xzar musste ihn verloren haben bei seiner merkwürdigen Verwandlung. Ohne sich noch weiter umzusehen rannte er wieder zurück, denselben Gang, wie er ihn auch gekommen war. Jetzt wo ihre Mission erfüllt war hoffte er nur, daß er so schnell wie möglich Glushu finden würde, damit sie abhauen konnten, doch so schnell hatte er es auch nicht erwartet.
Schon von weiten sah er den bewusstlosen Mann am Boden und lief schnell zu ihm hin. Rasch machte er sich einen Überblick über die Situation, aus dem Rücken prangte eine Wunde, die schwer blutete, auch die Spur deutete darauf hin, das würde sie schnell verraten. Er rüttelte an dem Körper und gab ihm leichte Klatscher auf die Backen, wobei er immer wieder seinen Namen erwähnte. »Glushu! Glushu! Aufwachen! Los, jetzt kommt schon, wir müssen hier weg. Du musst hier weg! Glushu!«
Plötzlich stöhnte sein Begleiter auf und öffnete die Augen, doch anstatt aufzustehen fuhr er langsam mit der Hand in seine Seitentasche und kramte eine Pergamentbotschaft heraus, die nun von den blutigen Händen rot gefärbt wurde.
»Hier... nimm das. Es... wird dich... zu Braga... zurück...bringen. Du musst nur... die Worte... lesen. Ich... es... ist zu... spät. Ich...aaaahhhhh.«
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21.11.2004 01:46
#35
Der Pfeil bohrte sich tief in den Nacken und erlöste den Mann von seinen Qualen. Er hätte es zwar sowieso nicht geschafft, aber er hätte es zumindest versucht. Stattdessen beendete nun der fremde Pfeil das Leben seines Begleiters, den er nie richtig kennen gelernt hatte und nun einfach vor seinen Augen erschossen wurde.
Rasch riss er seinen Kopf wieder nach oben und zog sein Schwert, als ihm zwei Bogenschützen entgegen stellten, die beide auf ihn zielten, allerdings nicht ihre Pfeile losließen. Plötzlich hörte man mehrere Streitstiefel auf dem Gang und Sekunden später versammelten sich schwer gepanzerte Söldner um die Schützen, mindestens sechs Mann waren dabei. Schon von weitem konnte man erkennen, wie ein Gang aufgetan wurde, die Männer - bis auf die Schützen - nahmen Haltung an und wichen freiwillig zurück. Thorik Blutbeil kam seines Weges, zwar am Fuße blutend, aber nicht kampfunfähig. Mit einem zufriedenen Grinsen nickte er den Tod des von ihm Gejagten ab, denn der war wirklich mausetot, selbst der Pfeil steckte noch in seinem Nacken, doch da gab es ja noch einen Eindringling, der unübersehbar lebendig war.
»Hrrrhrrrhrrr, wir haben heute ja eine ganze Menge an Besuch. Schon der zweite ungebetene Gast. Anscheinend reichen die zwei Gruselgestalten am Haupttor nicht, wir sollten noch ein Schild aufstellen "Fremde nicht erwünscht, Diebe bitte draußen bleiben"«
Ein gewaltiges Raunen machte die Runde und er konnte zahlreiche Zahnlücken für einige Augenblicke bewundern, ehe Thorik weiter sprach. Da stand er also vor ihm, der so hoch gelobte Thorik Blutbeil. Seinem Namen, seinem Körperbau und seinem Verhalten nach zu Urteilen war er ebenso wie er aus den Nordlanden, allerdings nicht vom selben Stamm wie er, da konnte er sicher sein. Er spürte beim Anblick des mächtigen Mannes gar nichts. Keine Furcht, keinen Respekt, keine Angst. Er war nur ein Mensch... und schlagbar.
»Xzar hat uns angewiesen jeden Eindringling zu töten. Also tötet ihn...« Mit einer abfälligen Bewegung drehte er ihm den Rücken zu.
»Blutbeil!« Da er bewusst den Nachnahmen gewählt hatte, was unter den nordischen Völkern meistens ungern gesehen wurde, blieb Thorik stehen.
»Ihr seid nichts weiter als ein feiger Hundesohn! Der große Thorik Blutbeil, der Schlächter des Westens, der mächtige Söldnerführer. Habt ihr etwa keinen Mumm in den Knochen? Seid ihr so schwach, daß ihr einen schwachen Fremden mit Bogenschützen niederschießen lassen müsst? Bogenschützen? Das ist euer Stil? Ihr seid ja erbärmlich, ein ganz kleiner Wurm seid ihr? Ich fordere euch zum Duell, ich gegen euch, nur wir beide. Draußen im Krater soll es schön sein. Ein Duell nach alter Tradition, keine Regeln, die Waffen und Rüstungen sind frei, der Sieger überlebt und häuft seinen Ruhm, der Verlierer... nun ja, keine Regeln... Aber wenn ihr Angst vor mir habt, dann lasst eure Schützen schießen, hahahaha.«
Er hatte bewusst diese massiven Äußerungen gewählt, weil er den Mann provozieren wollte, nur so hatte er eine realistische Chance, denn Pfeile konnten tödlich sein und das Fenster war noch weit entfernt, zudem war er abgeschnitten. Doch seine Provokation zeigte Wirkung, Thorik hob die Hand vor einen Bogen, was die Schützen zum Senken der Waffen bewegte.
»Ihr spuckt große Töne, Fremder! Ihr beleidigt mich in meinen eigenen Hallen und werft mir Feigheit vor. Und das vor meinen eigenen Männern.« Seine Stimme war tief und ernst »Aber ihr werdet diesen Tag bereuen, denn ich nehme eure Forderung an. Wenn ich mit euch fertig bin, werdet ihr mir die Stiefel lecken und winseln...«
»Ha-ha-ha, na dann mal los mein Bester, ihr geht voran, nehmt am besten ein paar Fackeln mit, sonst sehe ich eure Eingeweide gar nicht so schön.«
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21.11.2004 01:47
#36
Sie standen im Krater, wenige Fackeln standen kreisförmig und bildeten die Arena, die von den übrigen Söldnern zusätzlich abgegrenzt wurde. Niemand konnte also mehr fliehen, es gab kein Zurück mehr. Thorik war nicht so feige, um ihn auf dem Weg zum Krater angreifen zu lassen. Glushu hatte er dagegen zurücklassen müssen, was ihn betrübte, aber nicht zu ändern war. Die Wunde von Thorik war durch einen weißen Verband verdeckt, denn ansonsten strotzte er vor Ehrgeiz, allerdings weniger wegen dem Ruhm, sondern vielmehr aus Rachegelüsten, großen Rachegelüsten.
Sie standen parallel zueinander, einer oben, der andere unten, links oder rechts, Nord oder Süd, West oder Ost. In den Augen seines Kontrahenten brannte einer leidenschaftliche Flamme, was grundsätzlich eine wichtige Voraussetzung war zu gewinnen. Er hingegen sah fast ein wenig unterkühlt aus, denn in seinen Augen brannte höchstens der Schweiß, aber kein Feuer. Nicht in dieser Situation. Er hatte zwar keine direkten Pflichten den Tod seines Begleiters zu rächen, was ihn vielleicht treiben und anspornen würde, trotzdem sollte es auch ein Sieg für ihn werden. Gleichzeitig wäre es auch ein Sieg für die vielen toten Männer, Frauen und Kinder, von denen er nur einen winzigen Bruchteil kannte. So standen sich zwei Männer gegenüber, in denen bei beiden das Blut nordischer Vorfahren floss, doch der eine war ein gewissenloser Mörder und Schlächter, der mehr seinen Trieben und Instinkten folgte und sich am Blut von Mensch und Tier ergötzte und es trank, was der Andere zutiefst verurteilte. Der junge Krieger - der etwa zehn Jahre jünger als sein Gegenüber sein musste - war ganz anders, auch wenn auch sein Gewissen nicht vorhanden war - es hatte nach der unverschämten Überredung bei Braga wieder die Fliege gemacht - vielleicht war er deswegen ja so unterkühlt.
Dann ging es los, ohne Überraschungen, ohne Bogenschützen, Armbruststaffeln und versteckten Fallen, Thorik griff nur nach seinen beiden Beilen, von denen er jeweils eins in einer Hand hielt, also eine Doppelwaffe benutzte. Nur die höchsten Krieger konnten dies perfekt und dann waren es noch Beile, anstatt Schwertern. Zwar waren diese Waffen anders als die langen Schwerter, doch nicht minder tödlich. Unterschätzen würde er seinen Kontrahenten nicht. Während Thorik mit ruhigem Schritt näher kam, als ob er noch ein paar Sekunden heraus gehen wollte, und der Sand unter den schweren Stiefeln knirschte, fuhr er langsam zu seiner Schwertscheide und zog langsam am Griff, ehe die Waffe in all ihrer Schönheit in den nächtlichen Himmel strahlte. Die Klinge glänzte, als wäre sie gerade frisch poliert, so schön wie er sie selten gesehen hatte. Wenn sie sprechen könnte würde sie sagen wollen »Nur für dich und nur für diese Nacht, habe ich mich so schön gemacht« Thorik hätte sich vielleicht mehr Aufmerksamkeit gewünscht, doch die blieb ihm versagt. Der Einzelgänger sah lieber in den wolkenklaren Nachthimmel, hinauf zu den Sternen. Ein seltsames Gefühl beschlich ihn, als ob es die letzten Sterne sein könnten, die er in seinem Leben sehen könnte, während sein Schwert wie ein Drachenzahn zu Thorik zeigte.
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21.11.2004 01:49
#37
Zehn Meter vor dem Standort des jungen Kriegers nahm Thorik sichtbar an Tempo zu, nun beließ er es nicht mehr bei ruhigen Schritten um sein Bein zu schonen, nun wurde seine Blutgier und sein Rachedurst zu groß, er konnte ihn nicht mehr zurückhalten und griff an. Beide Beilblätter donnerten auf die Brust des etwa gleichgroßen Widersachers. Nun endlich kehrte auch in seinen Körper neues Leben, wie in Trance riss er seinen Drachenzahn nach oben und gab dem Druck der Beile nicht nach, aber Thoriks Kraft zu sehen war einfach, sie zu spüren umso schwieriger. Der Mann hatte eine Kraft wie zehn Ochsen oder zwei Braunbären, jedenfalls enorm. Bei der Abwehr rutschte er nach hinten und wirbelte Sand auf, gleich darauf zog eines der Beile knapp an seiner Nase vorbei und schlitzte sein Gesicht auf. Es war nur eine winzige Öffnung, aber etwas mehr nach innen und er wäre nun tot gewesen. Aus der Wunde spritzte Blut in den Sand und färbte ihn rot, gleichzeitig lief es ihm die Wange herab. Thorik ließ keine Zweifel stehen, er war wild, kräftig und sogar talentiert. Ein würdiger Doppelwaffenmeister. Sofort setzte er nach, wieder konnte das Schwert nur mühsam abwehren, der Knauf eines Beils schwang seitwärts in seine Hüften, ihm blieb die Luft weg und er fiel zu Boden. Als er aufstand blieb wieder nur eine Waffe zum abwehren, die Linke räumte seine Deckung ab und auf einmal war es passiert. Zwischen Bauch und Seite erwischte ein Beilblatt den Körper, es durchdrang die Rüstung und bohrte sich in das Fleisch, wurde aber sofort raus gezogen, da der Körper von ihm wirbelnd zu Boden ging. Er wurde getroffen. ER wurde getroffen. Blut spritzte aus seinem Mund, fast wäre er dran erstickt. Gleichzeitig überfielen ihn Schmerzfolterer und alles abwärts der Hüfte schien gelähmt. Er atmete schwer, die Augen weit aufgerissen, da machte Thorik seinen ersten und einzigen Fehler. Er versäumte es nachzusetzen und lachte kurz auf, ehe er beide Beile in Richtung Rücken schlug.
Die Augen des Jungen waren groß, wie die Augen eines Rehs sahen sie aus, als plötzlich ein Feuer entbrannte. Seine Augen... brannten. Wie eine Raubkatze rollte er zur Seite und Thoriks Angriff verpuffte im Sand. Im Nu war er auf den Beinen, umpackte das Schwert beidhändig und ließ einen Schlag auf Thorik ab, was diesen umwarf. Seine zwischen gestellte Axt zerbrach, der mit Stahl umhüllte Griff wurde durchtrennt und das Blatt fiel schwer zu Boden. Nun war es nur noch eine Waffe. Trotz der Verletzung warf er sich in den Bären hinein, bohrte seine Klinge durch dessen Schulter, huschte an der Seite vorbei und entging dem gleichzeitigen Angriff. Nun war auch Thorik mehr als angekratzt, doch beide Nordmänner waren zäh und stabil, keiner sank auf die Knie, trotz Blutverlust und Schmerzen. Dennoch war das Duell nunmehr ungleich, denn der zehn Jahre jüngere Barbar war in keiner Weise mehr "normal". Wie ein Selbstmordkommando rannte er sofort wieder auf Thorik zu, nicht mit dem Schwert voraus, sondern mit den Armen. Verwundert nahm der Söldnerkommandant Maß und wollte beidhändig den Kopf vom Körper seines Widersachers reißen, die Kraft und die passende Waffe hatte er dafür. Als der Schwertkämpfer in Reichweite war, holte er aus und riss das Beil zur Seite, doch absolut unbeschwert tauchte der junge Krieger unter dem Beil hindurch, ließ seinen Drachenzahn leicht drehen und drückte ihn tief in die Brust von Thorik. Genau durchs Herz. Der Schlächter riss die Augen auf, der Schmerz war zu groß. Sofort zog er es wieder heraus, denn Thorik war besiegt. Erst sank er keuchend auf die Knie und mit einem gezielten Tritt landete er dann bauchwärts im Sand, wo er liegen blieb. Jeden anderen Widersacher hätte er nun enthauptet, die Ehre seines Blutsbruders verbot ihm das jedoch, trotz all der Gräueltaten des Mannes. Dies war nicht sein Krieg, nicht seine Rache...
Thorik, der Schlächter des Westens, der Unbezwingbare, der Söldnerkommandant und rechte Hand von Xzar, er war nun tot. Ernüchterung machte sich breit, als er das im Sand gereinigte Schwert zurück in seine Scheide steckte. Ohne Worte hob er den zuvor abgelegten, eingewickelten Almanach mit der einen Statue auf und ging wortlos an zwei Söldnern vorbei, die alle wie gelähmt waren. Heraus aus der Arena, weg vom Krater, tief in den Wald. Auf einer Lichtung setzte er sich auf einen Stein und wickelte die blutverschmierte Schriftrolle aus.
»Glushu... du Idiot...«, flüsterte er leise, während er noch sein eigenes Blut spürte, die Blutung hatte aufgehört.
Mit den Worten des Pergaments erhellte sich die Lichtung und blaue Sterne flogen durch die Luft, einen Moment später löste er sich in Luft auf und erzeugte einen blauen Magieball in diesem kleinen Wald. Er hatte es geschafft, er hatte das blöde Buch... aber für welchen Preis...
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21.11.2004 01:51
#38
Nachsatz
Doch wisset eins:
Wahre Helden wählen ihr Schicksal nie selbst, das Schicksal wählt sie!
Balthasar Bortkan, 692 TZ
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