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Womancier
[Story]Aufstehen
Aufstehen
- Eine Kurzgeschichte nach einer Idee von und mit Widmung an Ork-König -
„Aufstehen, du Trottel!“
„Na los, sonst verschimmelst du noch mehr!“
„Hahaha, dem fällt doch eh schon alles ab, so faulig ist der! Tschüss, du wandelndes Stück Schleim!“
Traurig blickte Grolp mit halb geöffneten Augen den wegsausenden rot glühenden Beinen der drei Jungspunden nach. Jeden Morgen war es dasselbe, jeden Morgen musste er dies immer wieder aufs Neue ertragen.
Ächzend stand er mittels ungelenkem Manöver auf, sein ganzer Körper tat ihm mal wieder weh, die Nacht auf dem groben Boden hatte ihm abermals nicht gut getan.
Vor Jahren hätte er über seine Situation noch geweint, doch jegliche Emotion war im Keim erstickt worden. Selbstschutz, so dachte Grolp, es war nichts weiter als Selbstschutz.
Doch er funktionierte. Die Gleichgültigkeit, selbst eingehämmert, bewahrte ihn größtenteils vor weiteren Demütigungen, doch gab es immer mal wieder welche, die ihn tief zu verletzen vermochten. Die drei jungen Feuergolems gehörten definitiv dazu, die Hitze, die von ihnen ausging, war Grolp schon unangenehm genug, doch das respektlose Verhalten machte ihm noch mehr zu schaffen. Stark bleiben, das war die Devise, doch innerlich war er schon zusammengebrochen, ein emotionales Wrack.
Schnaufend blickte er sich um, während er sich den herabrutschenden Schlamm aus seinem Gesicht wischte, was jedoch erfolglos blieb, da seine Hand ebenfalls mit Schlamm bedeckt war, und der Moder seinen ganzen Körper umschlang.
Als Sumpfgolem lebte es sich nicht leicht.
Vor allem nicht, wenn man höchstwahrscheinlich der letzte seiner Art war – eine der wenigen Fakten, die Grolp noch im tiefsten Innern erschüttern konnten.
Sumpfgolems waren im Lande langsam aber sicher ausgestorben, oder – wie Grolp in seiner verbitterten Art zu sagen pflegte – gestorben worden.
Als unansehnlichste Art der Golems waren die Wesen aus den Sümpfen schon immer verachtet worden, nicht ein Tag war vergangen, ohne dass man angestarrt wurde, weil man anders war. Der Körper nicht wirklich fest, Schleim und Matsch produzierend, unästhetische Formen annehmend, faulig riechend – Auch, wenn die meisten Golems gar keine funktionierenden Nasen hatten.
Das Starren war schlimm gewesen, doch hatte man damit leben können. Die schrecklichen Zeiten begannen erst wirklich, als sich die anderen, höheren und besseren Golems zusammenschlossen und entschieden, die Sumpfgolems als untergeordnete Rasse sich endgültig zu unterwerfen. Etliche Sumpfgolems wurden in der Nacht des Tralpur, die nach dem Oberhaupt Tralpur II. in der Stadt Golemia benannt wurde, verfolgt und umgebracht. Darunter waren auch Grolps Eltern gewesen, fast jede Nacht geisterten ihre verzweifelten Schreie und verzerrten Gesichter während des Foltermords an ihnen in seinen Träumen herum. Hier griff der Selbstschutz nicht – Das ohnehin schon zerbrochene, geschwärzte Herz wurde so noch weiter verletzt und verstümmelt, und mit der langen Zeit des Leidens war nur noch ein vernarbtes, schwach pochendes Etwas übrig geblieben.
Grolp, der damals noch jung und kräftig war, wurde auf Grund seines relativ vitalen Zustands nicht umgebracht, sondern versklavt. Schon damals waren es Feuergolems gewesen, die ihm das Leben besonders schwer gemacht hatten.
In der Regel blieb ein Sumpfgolemsklave nie lange beim gleichen Meister, als Sklave wurde man zum Handelsgut degradiert, es wurde mit einem getauscht, es wurde um einen gefeilscht. Die Würde der Sumpfgolems war vollkommen zerstört, und für diejenigen die noch lebten war es eher Glück als Unglück, bei einem Meister unterzukommen, der sie recht schnell im Zuge eines Wutanfalls umbrachte.
Grolp jedoch war es ganz anders ergangen. Wurde er in seiner Anfangszeit als niederer Sklave noch hin und her getauscht und verkauft, so fand recht schnell ein Feuergolempaar an ihm Gefallen.
Diese zweifelhafte Art der Zuneigung hatte sich darin geäußert, dass sie Grolp aus purer Befriedigung folterten, nicht selten hatten sie begonnen, Zärtlichkeiten auszutauschen, während der Foltermeister Grolp auspeitschte, anzündete und noch viel schlimmere Dinge mit ihm tat.
Dem Sumpfgolem war es unbegreiflich, wie so zwei grausame Golems imstande gewesen waren, drei Söhne zu haben. Schaute er sich diese Feuergolemjünglinge aber genau an – und er musste dies oft genug - so wusste Grolp sicher, dass sie nur aus dieser schrecklichen Familie stammen konnten.
Die Erinnerungen daran schmerzten Grolp gewaltig, seine Vergangenheit war ebenso voller Qual gewesen wie die Gegenwart, und wie gerne hätte er über dieses absurde, ungerechte Schicksal gelacht, doch hatte er nie jemanden gehabt, mit dem er darüber hätte lachen können.
Und nun stand er erst recht alleine da, niemand war da, der mit ihm etwas zu tun haben sollte, niemand, zu dem er eine persönliche Bindung hatte, niemand, der sich um ihn kümmerte.
Hier, mitten in Golemia, wo sich zahlreiche Schicksale und Lebensgeschichten kreuzten, wo Zukunftspläne entwickelt wurden und wo jeder seines Glückes Schmied war, genau in diesem geschäftigen Ort voller anderer Golems, war Grolp vollkommen allein.
Es war keine normale Form des Alleinseins, vielmehr war es ein dichter, dunkler Schleier der Einsamkeit, der sich über Körper und Geist legte, bevorzugt nachts, wenn sich Grolp mit Erinnerungen, Niederlagen und Komplexen verstärkt herumschlagen musste.
Er fühlte sich wertlos, er wusste, dass er wertlos war, sowohl für die einzelnen Personen als auch für die Gesellschaft im Allgemeinen. Er war ein Bettler, den niemand freiwillig ansah, jemand, der nie die Chance hatte, einen Beruf zu erlernen, dies aber gleichzeitig vorgeworfen bekam.
Für Grolp war es nie so gekommen, wie er es sich gewünscht hatte. Alles was passierte, wirkte wie ein verdrehtes Bild seiner eigenen Wünsche, ein Planspiel der Götter, dass ihm allein das Leben schwer machen sollte.
So kam auch der Wechsel des Golemoberhaupts zu spät. Als Tralpur II. nach einer viel zu langen Amtszeit voller Grausamkeiten auf Grund einer schweren Krankheit abgedankt hatte und kurz darauf verstorben war, war sein Nachkomme, Tralpur III. der direkte Nachfolger geworden. Im absoluten Gegensatz zu seinem Vater trat er für die Rechte der Sumpfgolems ein und stellte die Verfolgung unter Strafe. Grolp respektiere zwar, dass Tralpur sich mit solch einer Entscheidung gegen das mordlüsterne Volk stellte, doch war dieser Wandel eindeutig zu spät gekommen, denn Sumpfgolems die von diesen neugewonnenen Rechten etwas hätten haben können, gab es nicht mehr viele. Und das einzige Recht, was der verachteten Rasse gewährt worden war, war das Recht auf das nackte Leben. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Erst jetzt realisierte Grolp wirklich, wo er sich befand. Er hatte wieder einmal in einem Haufen Sumpfgasdrohnenmist schlafen müssen, einer der wenigen Orte wo man ihn in Ruhe ließ, da der Gestank jedem den Atem verschlug, ob nun tatsächlich Besitzer einer funktionierenden Nase oder nicht.
Die Haufen waren etwas außerhalb der Stadt, was den Effekt des Zurückziehens noch verstärkte. Wäre er noch dazu fähig gewesen, hätte der Golem bei diesem Gedanken gelacht. Wovon zurückziehen? Von sozialen Kontakten brauchte er sich sicherlich nicht erholen. Und die Demütigung, der Schmerz und das Gefühl von Wertlosigkeit begleiteten ihn selbst in den tiefsten Matsch, dem dreckigsten Schleim und den stinkendsten Haufen von Exkrementen, er konnte noch so tief in seinen eigenen Ausscheidungen versinken, nichts konnte seine Pein irgendwie überdecken.
Mit steifen Gliedern stapfte Grolp Richtung Stadt, vielleicht konnte er ja irgendwo etwas erbetteln oder klauen.
Die Schritte fielen ihm sehr schwer. Als er, vorbei an trist wirkenden, verdreht erscheinenden Bäumen und sumpfigem Brackwasser, endlich an den Toren von Golemia angekommen war, legte er schnaufend eine Pause ein.
Zu spät sah er, dass gerade ein Steingolem aus einer der primitiveren Strohhütten herausgetreten war, und nun in seine Richtung ging, vermutlich, um die Stadt zu verlassen. Sich verstecken war zwecklos, und so wurde Grolp von dem eigentlich artverwandten Golem grob zur Seite gestoßen. Er taumelte und fiel mit dem Gesicht voran auf den harten, steinigen Boden.
Es hatte keinen Zweck, sich zu beschweren, und noch bevor er diesen kalten Akt des Hasses realisieren konnte, bemerkte er, wie einer der höheren Eisgolems von hinten durch die Tore hereinkam, und im Vorbeigehen vor Grolp verächtlich auf den Boden spuckte, wo sich nun kleine Eisbällchen bildeten.
Kurz darauf spürte er einen heftigen Tritt am Rumpf, woraufhin er sich krümmte und vor Schmerz aufschreien muss.
„Aufstehen!“ , brüllte der Verursacher dazwischen, und Grolp erkannte dass es der selbe Steingolem wie kurz zuvor war. Vermutlich hatte dieser nur nach einem Vorwand gesucht, an Grolp dem Sumpfgolem vorbeizugehen, um ihn irgendwie zu quälen. Und was dem Opfer anderer Golems am meisten zu schaffen machte, war der Gedanke, dass er es vielleicht gar nicht besser verdient hatte, dass die anderen vielleicht im Recht waren, und dass er sich mit diesen Sachen abfinden musste.
In solchen Momenten fragte sich Grolp noch mehr als sonst, warum er sich dies alles antun musste. Sein erbärmliches Leben bestand nur noch aus dem puren Negativen, und er hatte nichts, was ihn mehr in dieser Welt hielt. Und dennoch hatte er sich noch nicht verabschiedet, er spürte eine Pflicht, nein, mehr einen unangenehmen, strengen Zwang zu bleiben, um all dies zu erleiden. Nicht nur, dass die anderen ihn quälten – Er tat es auf diese Weise auch noch mit sich selbst.
Abermals richtete er sich auf, er musste die Zähne zusammenbeißen, um nicht erneut vor Schmerz aufzuschreien. Er wollte bei den höher stehenden Golems so wenig Aufmerksamkeit wie möglich erregen, sonst würde er womöglich wieder von den Wachen aus der Stadt geworfen.
Hier in diesem Viertel der Stadt erging es ihm normalerweise nicht so schlimm wie in den anderen Bereichen, denn hier lebte die Unterschicht – Die aber trotz ihres niedrigen sozialen Status weit über Grolp stand. Er selbst war nicht Teil der Gesellschaft, er war davon ausgegrenzt, und sollte sich in der Stadt der Golems besser nicht blicken lassen.
Er tat es trotzdem, denn hier fand er vielleicht irgendwo im sumpfigen Boden ein paar Stücke verfaultes Sumpfrattenfleisch, von dem er sich ernähren konnte. Doch häufig verbrannten die anderen Golems diese Reste, nur um ihm nichts übrig zu lassen. Grolp wusste, dass sie ihn am liebsten direkt töten wollten, wäre da nicht die Angst vor einer Strafe Tralpurs. Daher zogen sie alle anderen möglichen Register, um ihm das Leben schwer zu machen – oder es zu beenden.
Er stampfte gerade an den einfachen Behausungen der anderen Golems vorbei, da sah er aus der Ferne, aus der Richtung des Vulkans, dem Zentrum der riesigen Stadt, eine Gruppe großer Feuergolems herannahen. Er wollte kein Risiko eingehen, und machte kehrt, und wäre er in der Lage gewesen, zu rennen, so hätte man dieses abrupte Verlassen der Stadt als Flucht bezeichnen können.
Mit wie immer hängenden Schultern und hängendem Kopf – sein Körper hatte sich schon an diese Haltung gewöhnt – stapfte er ziellos umher, in die Sümpfe hinein, tief in das Gebiet, welches von anderen in der Regel gemieden wurde. Zwischen moderigen Seen und fauligen Pflanzen konnte Grolp seinen tristen Alltag erleben, in absoluter Tatenlosigkeit. Nicht ein Gefühl der Hoffnung regte sich in ihm, besonders heute schien es so, als sei sein Herz nun endgültig abgestorben.
Plötzlich verlor er den Halt und schlug mit dem Kopf auf etwas hartes, spitzes auf. Er verzog keine Miene, er war über einige Wurzeln gestolpert, und auf einen alten, splitterigen Holzstamm gefallen. Er machte sich gar nicht die Mühe, die Holzsplitter aus seinem Gesicht herauszuziehen, stattdessen setzte er seinen Weg ins Ungewisse einfach fort.
Dieser dauerte nicht lange an, denn abermals verlor Grolp den matschigen Boden unter den Füßen, und stürzte mit dem Kopf voran in ein dunkles Loch, prallte auf harten Steinboden auf und begann zu rollen, bis er nach einer gefühlten Ewigkeit endlich zum Erliegen kam.
Langsam hob er seinen Kopf und konnte das Tageslicht erkennen, dass zum Eingang dieser Art Höhle zwischen den rankenden Pflanzen kaum durchkam. Zum Aufstehen war Grolp nun zu schwach, er wollte es gar nicht, stattdessen rollte er auf den Bauch und blickte auf den ganzen Schlamm, der sich in der Höhle befand, direkt vor ihm auf dem Boden.
„Nichts als ein Stück Matsch“ , murmelte er, und griff mit beiden Händen in den grünlichen Schlamm hinein. Er sah kaum noch einen Unterschied zwischen diesem leblosen Moder und sich selbst, er wusste, dass er selbst nur noch ein wertloses Stück Schlamm war, unangenehm, stinkend, niemand wollte ihn haben.
Abwesend und in Gedanken versunken wühlte er weiter im Schlamm herum.
Er dachte darüber nach, wie es wohl wäre, dazuzugehören, Freunde zu haben, oder wenigstens als gleichwertiges Lebewesen anerkannt zu werden. Doch er war nicht gleichwertig, und er hatte keine Hoffnung mehr, je akzeptiert zu werden. Sein Leben war vertan, es war nicht mehr lebenswert, und doch zwang er sich zum Leben. Er fand keinen Sinn, es war Unsinn, nichts als Unsinn, und er, Grolp, war mittendrin. Mittendrin, und ganz alleine, einsam und verlassen.
Grolp kehrte zurück in die Realität, und blickte auf eine runde Schlammkugel mit zwei Augen, die ihn freundlich anlächelte. Ohne es zu wollen und zu wissen hatte er aus dem Matsch der Höhle etwas geformt, was nun direkt vor seiner Nase lag und ihm irgendwie ein Gefühl gab, was er so nicht mehr genau kannte. Er spürte eine ungewohnte Wärme, wie er sich so dieses Gebilde ansah. Vielleicht war er doch noch nicht verloren. Vielleicht gab es doch noch Hoffnung. Vorsichtig zog Grolp den freundlichen Ball näher zu sich heran, sodass er direkt neben seinem Kopf lag. Fast schon vergnügt lächelte er zurück, das hatte er schon lange nicht mehr getan.
„Gralp“ , sagte er leise, „du sollst Gralp heißen.“
Morgen würde ein guter Tag werden, und alles würde anders sein – Mit diesem Gedanken glitt Grolp mit seinem neuen Gefährten in den Schlaf.
Der nächste Tag hielt, was er versprach. Grolp trug Gralp durch die Gegend, erklärte ihm die Welt und zeigte ihm, was die Natur zu bieten hatte. Es war nicht viel, und Gralp antwortete nicht, doch das brauchte er auch nicht. Wichtig für Grolp war nur, dass er das Gefühl hatte, nicht mehr ganz so allein zu sein. Etwas verband ihm mit Gralp, beide wurden nur als Schlamm angesehen, doch beide waren auf ihre eigene Weise mehr als das. Etwas seltsames war geschehen, doch Grolp war tatsächlich wieder in der Lage, glücklich zu sein. Vielleicht war das Formen seines Freundes ein Sprungbrett zum Leben gewesen, die entscheidende Stufe zum Verlassen des emotionslosen Vegetierens, die Flucht aus der Gleichgültigkeit und den Gefühlen der Minderwertigkeit.
Vielleicht war es doch nicht so schlecht, noch am Leben zu sein.
Es wurde bereits dunkel, Grolp hatte gar nicht gemerkt, wie die Zeit vergangen war, und mit Gralp im Arm suchte er wieder die Höhle auf, die er als sein neues zu Hause betrachtete. Behutsam legte er den Ball neben sich auf den Boden, erzählte ihm noch ein paar Geschichten über Golemia und die Gegend, und schlief mit erfülltem Herzen ein.
...
„Aufstehen!“
...
Hatte er da etwas gehört?
...
Eine unangenehme Hitze ließ Grolp erwachen, seine Augenlieder waren zu schwer, um sie sofort zu öffnen, doch als ihn das Gefühl nicht losließ, dass etwas nicht stimmte, gab er sich einen Ruck und blickte sich um. Sofort sprangen ihm drei rote Gestalten ins Auge, es waren die drei jungen Feuergolems, die ihm so viel Ärger bereitet hatten. Wie hatten sie ihn hier gefunden? Und was hatten sie da... – Panik ergriff den Sumpfgolem als er entdeckte, was, oder besser gesagt wer, dieser Ball in der Hand des größten der Feuerwesen war.
„Lasst ihn in Ruhe!“ , rief Grolp, doch der Befehl klang zu hilflos und ängstlich, als das er hätte ernst genommen werden können.
„Ach, auch mal wach?“ , sagte einer der anderen Feuergolems, und fügte lachend hinzu: „Ihn in Ruhe lassen, dass ich nicht lache... dieses Stück Matsch?“
„Er ist kein Stück Matsch“ , erwiderte Grolp erbost, „sein Name ist Gralp!“
„Der hat sie doch nicht mehr alle...“ , sagte der dritte der Feuergolems, und der größte sagte: „Gibt irgendwelchem ekeligen Schleim auch noch Namen... wobei... deine Eltern haben das selbe mit dir gemacht!“
Grolp versuchte sich nicht verunsichern zu lassen, und rief: „Jetzt lass ihn endlich los! Sonst...“
„Sonst was?“ , kam die Antwort, und alle drei Feuergolems begannen finster zu lachen.
„Was willst du denn gegen uns ausrichten?“ , fragte der erste höhnisch, und der zweite fügte hinzu: „Du kannst doch gar nichts, du bist wertlos!“
„Bin ich nicht!“ schrie Grolp, und stürmte entschlossen auf die drei Unholde zu. Einen Augenblick später lag er auf dem Boden, brennend, und hatte Mühe, sich zu löschen. Alle drei hatten einen Feuerball auf ihn geworfen, und die ausgehende Hitze war unglaublich gewesen.
„Jetzt reicht es“ , sagte der Anführer der drei Feuergolems, und baute sich direkt über Grolp auf.
„Jetzt machen wir dich fertig, du mieses Stück Dreck.“
Er hob seine Faust und holte aus, und Grolp verabschiedete sich schon von seinem neu gewonnenen Leben, als plötzlich ein lautes Geschrei ertönte, dass den Feuergolem nach hinten umstürzen ließ, wobei auch Gralp auf den Boden fiel.
„Neiiiin!“ , rief Grolp erschrocken, und dann geschah alles ganz schnell.
Wie aus dem Nichts stürmten Menschen in schweren Rüstungen in die Höhle, und begannen unter lautem Geschrei mit ihren großes Äxten und Schwertern die Feuergolems niederzumetzeln. Sie hatten keine Chance, und wie in Zeitlupe beobachtete Grolp, wie die flammenden Körper auseinander fielen, und die schockierten Gesichter einfach zerrissen, bis nur noch Haufen von Asche übrig waren.
Dann stürmten die Männer mit lautem Geschrei auch auf ihn zu, Grolp wusste, dass auch er nicht überleben würde. Unachtsam trat einer der gerüsteten Menschen direkt auf Gralp, der unter der Last des gepanzerten Stiefels einfach in sich zusammenfiel.
„NEIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIN!“ , schrie Grolp, doch sein Schrei erstarb, als er gleich drei Klingen auf einmal in seinen Körper schnitten. Eine glitzernde Träne rann sein Gesicht herab, und dann wurde es für immer dunkel.
„Schrecklich“ , sagte Paladinhauptmann Garamond leise, als er die geborgenen Überreste der Golems aus der Höhle, die sich nun in der ehemaligen Stadt der Golems Golemia befanden, betrachtete.
„Anscheinend haben sie gegeneinander gekämpft, die Feuergolems gegen den Sumpfgolem“, sagte der Feuermagier, der sich zu ihm gesellt hatte.
„Wahrscheinlich hast du Recht, Aurelio“ , meinte Garamond nachdenklich, „wer weiß, was der Grund war. Doch so verschieden sie gewesen sein mögen, im Tod sind sie alle gleich.“
Aurelio nickte, und sah sich in den Ruinen von Golemia um. Innos hatte sie zu diesem Zentrum der Barbarei geführt, das sie wie prophezeit zerschlagen hatten, um alles Unrecht zu beenden. Dabei hatten sie zwar einige nützliche Gebäude ebenfalls beschädigt, doch das war der Preis, den sie hatten zahlen müssen. Das Fleckchen Erde um Golemia war nun von allen Golems befreit, und so vermutlich auch die ganze Welt. Aurelio wusste, dass es Innos’ Wille war, und sie hatten ihn erfolgreich ausgeführt.
Auch wusste der Feuermagier, dass es kein Wunder war, dass so eine grausame, gefühlskalte Gesellschaft wie die der Golems irgendwann zugrunde gehen musste, so eine Gesellschaft voller Ausgrenzung und Brutalität, ohne soziales Gewissen, hatte einfach nicht auf Dauer bestand. Er seufzte und blickte den Paladin an.
„Garamond?“
„Ja?“
„Bring die dreckigen Sklaven hierher, damit sie mal wieder ans Arbeiten kommen, und lass sie hier alles wieder aufbauen.“
„Jawohl.“
Last edited by John Irenicus; 03.09.2012 at 22:55.
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