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Quo vadis? Demokratie

  1. #1 Reply With Quote
    ANALytiker  walljumper's Avatar
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    Jun 2004
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    Dieser Thread soll eine Bestandsaufnahme sein, wie sieht es aus mit Demokratie, Rechtsstaat, Menschenrechten, Freiheit, sozialer Gerechtigkeit und Frieden in Deutschland und in der Welt.

    Schreibt, was euch beunruhigt oder ärgert, egal ob in der Schule, Kommunalpolitik, Arbeit oder internationalen Politik. Oder was macht euch Hoffnung. Was denkt ihr wohin geht der Trend, mehr Freiheit und Demokratie oder weniger.

    Aber auch was wir tun können um die Verhältnisse zu verbessern soll Thema sein, als Gesellschaft und als Individum.

    Ihr könnt auch gerne Tagespolitik und aktuelle Ereignisse miteinbringen und was ihr darüber denkt, in Bezug zu den Rahmen Themen. Ich hab mir das ganze auch mehr so wie eine Art Sammelthread vorgestellt, inspiriert wurde ich durch verschiedene anderen Themen hier, wie z.B. der Rauswurf von Eva Herman bei Kerner oder ein Thread zum Bundestrojaner, die ich sehr interessant aber auch traurig fand.

    Ich hoffe auf möglichst viele hochwertige Beiträge und wenige oder besser garkeine Einzeiler.

    Später kann ja vieleicht ein Mod noch eine Umfrage einfügen, wie die User die Lage beurteilen, aber damit würde ich noch gerne warten.

    Ich selbst werde später noch etwas zum Thema schreiben.
    "Die Physik ist für die Physiker eigentlich viel zu schwer" David Hilbert
    walljumper is offline

  2. #2 Reply With Quote
    Auserwählter Lemimus's Avatar
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    Mich bedrückt es, dass durch die Bologna-Reform in den Universitäten und Fachhochschulen die Studenten weniger Rechte als früher erhalten haben. Sicher, 3 Jahre zu studieren sind schon eine recht kurze Zeit. Und man muss auch entsprechend viel lernen. Aber berechtigt es dann Studenten auch dann in den FHs "gefangen zu halten", obwohl sogar Prüfungen und Prüfungsvorleistungen ("Scheine machen") nur bis zu einem bestimmten Tag während der vorlesungsfreien Zeit statt finden?
    Man muss für jeden Urlaub, den man geplant hat, einen Antrag ausfüllen.

    Sicher. Ich will lernen. Aber ich will auch mich ausruhen, um zu zeigen, dass ich eines von sieben Semestern mit Bravour geschafft habe. Oder ich ruhe mich aus, um über NEUE Lerntechniken nachzudenken, wenn ich durch eine Prüfung durchgefallen bin. Denn 2mal darf man eine Prüfung schreiben. Das finde ich als Einziges gut in den Hochschulen.
    http://forum.worldofplayers.de/forum/Es lebe die Vernunft. Aber ich lebe lieber unvernünftig!

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    Lemimus is offline

  3. #3 Reply With Quote
    ANALytiker  walljumper's Avatar
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    kannst du etwas mehr zu der Bologna-Reform sagen? Ich hab bisher noch nichts davon gehört.

    Mich stört aber auch so einiges an der deutschen Hochschulpolitik, allem voran die Studiengebühren.
    "Die Physik ist für die Physiker eigentlich viel zu schwer" David Hilbert
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  4. #4 Reply With Quote
    Frau General Victoria's Avatar
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    Ein sehr schöner Sammelthread wurde hier erschaffen. Ich hoffe, dass er sich in Zukunft prächtig entwickelt.

    An dieser Stelle möchte ich nur eine kleine Kritik an der aktuellen Nutzung von demokratischen Rechten inbesondere in der Schule äußern; an dieser Stelle muss ich mich auch höchstselbst kritisieren.
    Es geht mir um das Thema Abstimmungen in der Klasse;
    vor zwei Wochen hatten wir den Fall, dass unser französisch Lehrer am nächsten Tag eine Klausur durchführen wollte, eine Textanalye. Gerade mal einen Tag vorher die Ankündigung..
    Dann sollten wir uns per Handheben für die Klausur, oder für eine zeitliche Verschiebung derselben entscheiden; gerade mal die Hälfte der 29 Schüler starken Klasse nahm an der Wahl teil; und wer gehörte zu jenen, die garnicht abstimmten? Richtig, ich .

    Das macht mich teilweise richtig wütend; es sind Menschen gestorben, damit wir in einer Demokratie leben können. Und wie danken wir es ihnen?

    Gruß, Siddhartha
    There are no rules, there's only passion
    My passion gives me energy
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  5. #5 Reply With Quote
    Drachentöter Domingo's Avatar
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    Dann will ich mal auch meinen Senf dazu beitragen:
    Lobbys + Globalisierung
    Ich bin ziemlich besorgt über die Macht, die Unternehmen zurzeit (zumindest theoretisch) ausüben können aufgrund ihrer Geldmittel und der immer wachsenden Abhängigkeit des Staates von Arbeitgebern. Ehrlich gesagt grenzen manche Methoden der Lobbys schon an Erpressung, oder will man weitere Arbeitslose verbuchen lassen, die den Sozialstaat weiterhin belasten? Und das alles nur, um den Gewinn zu maximieren...
    Was bringt das Geld, wenn es nur dazu benutzt wird, um mehr Geld zu machen?
    Warum werden die Löhne nur extrem widerwillig erhöht?
    Geht dadurch nicht der Absatzmarkt zu Grunde?
    Natürlich kann man sich neue Märkte erschließen, weitere Konkurrenten aus dem Wettbewerb drängen und bessere Produkte entwickeln, doch irgendwann sind alle Märkte entweder so übersättigt, dass sich keiner was kaufen will, oder die Lebenserhaltungskosten sind so angestiegen, dass man gezwungen ist, die Produkte billiger zu verkaufen, was zu einem massiven Gewinneinbruch führen wird. Dies wird dann zu einer der größten Weltwirtschaftskrisen seit 1929 führen, falls das System so bleibt, wie es jetzt ist. Das Geld sollte meiner Meinung nach in einer Art Kreislauf fliessen, anstatt von bestimmten Personen in riesigen Mengen angehäuft zu werden.

    Die Ausnutzung der Pressefreiheit
    Gut, die Medien haben durch die Pressefreiheit eine wichtige Kontrollfunktion übernommen, da sich die Staatsorgane so weniger Fehler erlauben dürfen, aber was manchmal in der Medienlandschaft zu sehen ist, ist einfach widerlich. Regelmäßig wird das Recht auf Privatsphäre verletzt, auch auf die Politik wird teilweise eingedroschen, wo es nur geht. Nur machen es die Medien, auf die ich hier anspiele, es sich so einfach, dass sie zwar alles kritisieren, aber nichteinmal eine halbwegs anständige Argumentation aufbringen können. Das Hauptproblem ist jedoch, dass es genug Leute gibt, die wirklich alles glauben, ohne wenigstens etwas kritisch zu hinterfragen. Dadurch haben es die angesprochenen Medien (bzw. die Lobbyverbände dahinter) leichter, die Leute zu beeinflussen und die öffentliche Meinung in starken Zügen zu beeinflussen.

    Ressourcenkampf + Klimawandel
    Bekannterweise wird das Öl immer knapper, da man sich ja "komischerweise" noch immer nicht wirklich für alternative Kraftstoffe interessiert (die Tatsache, dass sehr viele Investoren der Automobilkonzerne zu den größten Öllieferanten gehören, mal außer Acht gelassen...). Deswegen wird es meiner Meinung nach kurz über lang zu einem Krieg kommen, wahrscheinlich zunächst zwischen China und den USA. Einen Krieg als Agressor zu beginnen ist in einer Demokratie normalerweise sehr schwierig, weswegen spätestens während des Krieges die Demokratie langsam abgebaut und durch eine Diktatur/Oligarchie ersetzt werden wird.
    Dies beschleunigt sich natürlich, falls sich die Befürchtungen bezüglich des Klimawandels bestätigen, worauf Großunternehmen sich einen Dreck scheren um die Auswirkungen. Die jetzigen "rettet das Klima"-Kampagnen sind nichts weiter als populistisches Geschwätz, um die Umsatzzahlen anzukurbeln. Hätte sich wirklich jemand dafür interessiert, hätten wir uns schon in den 70ern Gedanken darüber gemacht.

    Prognose
    Eine langsame Umwandlung der Demokratie in eine Plutokratie, mit anschließenden Kriegen, Diktaturen und dem Zerfall der Weltordnung, wenn es dann letztendlich keine Geldquellen mehr gibt und sich die Staaten kaputtbekriegt haben. Es sei denn, es ändert sich verdammt nochmal endlich was!

    Das musste jetzt raus.

    MfG,

    Domingo

    EDIT:
    Will keiner mehr etwas schreiben? Habe ich etwa alle vergrault?
    Domingo is offline Last edited by Domingo; 28.10.2007 at 00:13.

  6. #6 Reply With Quote
    Knight Commander Troan's Avatar
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    @Domingo: Was du ansprichst mag ja irgendwo sicher stimmen und ist ja auch nachvollziehbar (ich würde jedoch nicht soweit gehen. Von einer Plutokratie sind wir meilenweit entfernt). Doch die entscheidende und sofort auftauchende Frage: Was soll sich ändern?

    Punkt 1: Geld wird es immer geben. Ich glaube darin sind wir uns einig. Und genauso wird der Mensch immer nach Macht streben. Machtanhäufung ist meiner Meinung nach der stärkste Motor des Menschen. In unserer heutigen Welt bedeutet vorallem Geld = Macht. Auch da sehe ich keine Möglichkeit zur Änderung.
    Dass es dadurch jedoch zu einer Plutokratie kommen sollte, dass glaube ich nicht. Das Geld hat seinen Kreislauf. Gerade in Zeiten der Konjunktur wie jetzt, sieht man das doch: Es geht nicht nur den obersten Schichten toll, sondern der ganzen Gesellschaft. Ich schätze einfach mir gewisser Verzögerung.

    Punkt 2: Pressefreiheit einschränken? Auf keinen Fall. Auch hier sehe ich wennschon das Problem wieder beim Menschen, als bei der Presse. Er lässt sich beeinflussen, er mag die Klatschgeschichten, er will sie. Ausserdem glaube ich, dass es dort ein Gleichgewicht gibt. Jedenfalls in politischen Themen. Jene Zeitung steht für dieses ein und macht dafür "Propaganda" und diese Zeitung steht für das andere ein und tut dasselbe. Der Leser kauft sich diese Zeitung, dessen Meinung er am ehsten vertritt und sieht sich in seiner Meinung bestätigt. Und auch hier die Frage: Wie will man die negativen Einflüsse der Pressefreiheit ändern?

    Punkt 3: Klimawandel...ein heisses Thema (im wahrsten Sinne des Wortes). Du wirst mir verzeihen müssen, wenn ich dazu nichts sage. Vielleicht ein ander Mal, doch da könnte ich wieder Zeilen mit füllen.

    Fazit: Welche Änderungen müssten deiner Meinung nach durchgebracht werden um diese Missstände zu beheben? Politisch? Gesellschaftlich? Wirtschaftlich?

    Einziger Lösungsansatz, den ich sehe ist die klassische Aufklärung. Man müsste den Bildungsgrad der Leute weiter ankurbeln, eigenständiges Denken fördern und sie dazu motivieren. Ganz nach Kant:
    "Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen."
    - Immanuel Kant, Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? (1784), Aufsatz

    Gruss
    Troan

    P.S. Verzeiht mir inhaltliche oder formale Fehler fürs Erste...die Uhrzeit...

    O Fortuna, velut luna statu variabilis...


    Troan is offline

  7. #7 Reply With Quote
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    Quote Originally Posted by walljumper View Post
    kannst du etwas mehr zu der Bologna-Reform sagen? Ich hab bisher noch nichts davon gehört.

    Mich stört aber auch so einiges an der deutschen Hochschulpolitik, allem voran die Studiengebühren.


    Also, da muss ich in Wikipedia nachschauen. Ich weiß lediglich, dass die im Jahr 1999 bei einer Hochschulkonferenz in der italienischen Universität Bologna beschlossen wurde, der ältesten Universität in Europa (bereit 1088 gegründet). Und ich weiß lediglich, dass 45 Länder, unter anderem Deutschland, Frankreich und die USA dort mit machen.

    Was ich noch weiß, ist, dass man neue Studiengänge, sprich den Master und den Bachelor aus den USA "importiert" hat und damit das Studium "straffer" geworden ist als früher. Das führt leider dazu, dass den Studenten die Möglichkeit genommen wird, die Lerninhalte weites gehend selbst aufzubauen.

    Weiteres siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Bologna-Prozess


    Und mich stören die Studiengebühren auch. Vor allem, wenn sie "straferhöht" werden, indem man grob fahrlässig oder absichtlich vergisst, diese zu zahlen.
    http://forum.worldofplayers.de/forum/Es lebe die Vernunft. Aber ich lebe lieber unvernünftig!

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    Lemimus is offline

  8. #8 Reply With Quote

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    die pressefreiheit ist ja auch nur eine freiheit, die auf dem papier steht und eine freiheit der medienbarone ist. das war eigentlich ja mal anders gedacht.

    heut entscheidet der verleger, was in der zeitung steht. und die gehören wohl alle mehr oder minder zu einem bestimmten personenkreis

    ich befürchte etwas ganz anderes: meiner meinung gibt es ne starke demokratiemüdigkeit. das ist immer ein sehr schlechtes zeichen, denn dann fangen die leute an, auf den starken mann zu warten, der mal richtig aufräumt. da die demokraite bei uns immer mehr zur farce wird, vermute ich, wir werden wieder auf ne diktatur hinsteuern. früher oder später.
    meditate is offline

  9. #9 Reply With Quote
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    @Lemimus danke für den Link, hätt ich eigentlich auch selber drauf kommen können ^^

    Und ich kann den Kritikern der Bologna Reform nur zustimmen, das ist ne Sauerrei.

    Quote Originally Posted by meditate
    die pressefreiheit ist ja auch nur eine freiheit, die auf dem papier steht und eine freiheit der medienbarone ist. das war eigentlich ja mal anders gedacht.

    heut entscheidet der verleger, was in der zeitung steht. und die gehören wohl alle mehr oder minder zu einem bestimmten personenkreis
    Das denke ich auch, fragt sich nur wie könnte man das wieder gerade rücken.

    Quote Originally Posted by meditate
    ich befürchte etwas ganz anderes: meiner meinung gibt es ne starke demokratiemüdigkeit. das ist immer ein sehr schlechtes zeichen, denn dann fangen die leute an, auf den starken mann zu warten, der mal richtig aufräumt. da die demokraite bei uns immer mehr zur farce wird, vermute ich, wir werden wieder auf ne diktatur hinsteuern. früher oder später.
    Ja, das liegt vermutlich daran, dass die Menschen nur glücklich sind, wenn sich ihre Lebensbedingungen verbessern, bleiben sie gleich oder stagnieren sogar sinkt die Zufriedenheit und die Demokratie bietet nunmal auch die Freiheit dieser Unzufriedenheit Ausdruck zu verleihen.
    Nach dem 2. Weltkrieg ging es in Deutschland stetig bergauf mit der Wirtschaft und die Lebensumstände haben sich massiv verbessert. Aber seit den 90ern hat sich kaum etwas verändert, die meisten haben so viel zu Essen und Trinken wie sie wollen, ein Dach über dem Kopf, fast jeder hat einen Wagen, Strom und Wasser kommen zu jeder Tageszeit aus der Wand, Fernsehen sendet rund um die Uhr und wir sind voll vernetzt. Eigentlich müssten wir zufrieden sein, aber wer den Hunger nicht kennt, der kann auch einen reich gedeckten Tisch nicht schätzen.


    Aber das ausgerechnet wir auf ne erneute Diktatur zusteuern muss nicht sein, eine Bedrohung von außen könnte genauso erneuernd für die Demokratie wirken. Und sollch eine Bedrohung könnte auch durchaus Realität werden, der wiedererwachende russische Bär oder der aufsteigende chinesische Drache.
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  10. #10 Reply With Quote
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    Quote Originally Posted by meditate View Post
    ich befürchte etwas ganz anderes: meiner meinung gibt es ne starke demokratiemüdigkeit. das ist immer ein sehr schlechtes zeichen, denn dann fangen die leute an, auf den starken mann zu warten, der mal richtig aufräumt. da die demokraite bei uns immer mehr zur farce wird, vermute ich, wir werden wieder auf ne diktatur hinsteuern. früher oder später.
    Einverstanden. Da beklagen sich auch vorallem ältere Leute darüber im Sinne von: "Weshalb haben wir für die Demokratie gekämpft, wenn ihr sie nun nicht nutzen wollt."
    In den letzten Wahlen in der Schweiz hat man von einer sehr hohen (der höchsten seit weiss ich wie viel Jahren) Wahlbeteiligung gesprochen. Dabei war sie immer noch knapp unter 50%. Da frage ich mich: Das soll hoch sein? Jeder zweite ging abstimmen? In den umliegenden Ländern sieht es ja nicht viel besser aus.

    Die Entwicklung die du ansprichst medi, beunruhigt mich vorallem in Russland. Langsam sehe ich Putin nur noch als neuen Zaren an. Nun hat er auch noch die OSZE eingeschränkt...

    O Fortuna, velut luna statu variabilis...


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  11. #11 Reply With Quote
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    Quote Originally Posted by Troan View Post
    Punkt 1: Geld wird es immer geben. Ich glaube darin sind wir uns einig. Und genauso wird der Mensch immer nach Macht streben. Machtanhäufung ist meiner Meinung nach der stärkste Motor des Menschen. In unserer heutigen Welt bedeutet vorallem Geld = Macht. Auch da sehe ich keine Möglichkeit zur Änderung.
    Dass es dadurch jedoch zu einer Plutokratie kommen sollte, dass glaube ich nicht. Das Geld hat seinen Kreislauf. Gerade in Zeiten der Konjunktur wie jetzt, sieht man das doch: Es geht nicht nur den obersten Schichten toll, sondern der ganzen Gesellschaft. Ich schätze einfach mir gewisser Verzögerung.
    Das Problem ist jedoch, dass dieser Kreislauf immer langsamer vonstatten geht, da mehr Geld verwendet wird, um noch mehr Geld zu bekommen. Irgendwann können die Unternehmen ihre Gewinne nicht mehr steigern, was folglich den Niedergang des Unternehmens an der Börse und somit auch auf dem Markt bedeutet. Danach ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Konkurrenz wie eine Horde Aasgeier auf die Überreste stürzt (damit meine ich auch die Kundschaft), Monopole sind die Folge. Ebenso hat die restliche Gesellschaft durch die Geldansammlung weniger Geld als die Unternehmen. Irgendwann wird der Unterschied so groß sein, dass einige Unternehmer ihre Ressourcen zur Machtübernahme benutzen werden (du sagst es ja selbst: Geld = Macht).
    Eine Frage noch:
    Woran siehst du, dass es der Gesellschaft zurzeit besser als vorher geht?
    Falls es die "sinkenden" Arbeitslosenzahlen sind: Jeder, der irgendeinen Job hat, wird ja nicht als Arbeitsloser gezählt. Was passiert also, wenn ich einer Menge Arbeitslosen einen 1€-Job gebe? Richtig.

    Quote Originally Posted by Troan View Post
    Punkt 2: Pressefreiheit einschränken? Auf keinen Fall. Auch hier sehe ich wennschon das Problem wieder beim Menschen, als bei der Presse. Er lässt sich beeinflussen, er mag die Klatschgeschichten, er will sie. Ausserdem glaube ich, dass es dort ein Gleichgewicht gibt. Jedenfalls in politischen Themen. Jene Zeitung steht für dieses ein und macht dafür "Propaganda" und diese Zeitung steht für das andere ein und tut dasselbe. Der Leser kauft sich diese Zeitung, dessen Meinung er am ehsten vertritt und sieht sich in seiner Meinung bestätigt. Und auch hier die Frage: Wie will man die negativen Einflüsse der Pressefreiheit ändern?
    Einschränken auf gar keinen Fall, das wollte ich mit meinem Post eigentlich nicht aussagen. Ausser durch das von dir bereits angesprochene Ankurbeln der Bildung kann man hier leider nichts ohne die Einschränkung der Pressefreiheit ausrichten, da ansonsten ein ähnlich utopisches Menschenbild, wie es der Kommunismus vorraussetzt, vonnöten ist.

    Quote Originally Posted by Troan View Post
    Fazit: Welche Änderungen müssten deiner Meinung nach durchgebracht werden um diese Missstände zu beheben? Politisch? Gesellschaftlich? Wirtschaftlich?
    Hier stimme ich dir zwar zu:
    Quote Originally Posted by Troan View Post
    Einziger Lösungsansatz, den ich sehe ist die klassische Aufklärung. Man müsste den Bildungsgrad der Leute weiter ankurbeln, eigenständiges Denken fördern und sie dazu motivieren.
    Aber wie? Das ist das Problem. Viele hinterfragen gar nicht mehr kritisch die Berichte, die überall zu hören und zu sehen sind, das Bildungsinteresse sinkt auch. "Warum sollte ich mir die Mühe machen, zu Lernen und zu Hinterfragen?", denken sich wohl ziemlich viele. "Mich geht das meiste sowieso nichts an." Und hier greift die Demokratiemüdigkeit, auf die meditate zu sprechen gekommen ist. Aber auch hier die Frage: Wie kann man den Leuten die Demokratie wieder schmackhaft machen? Durch einen neuen Krieg? Eine grausame Diktatur? Die Vorschläge hören sich nicht gerade verlockend an...

    Ich habe übrigens, um ehrlich zu sein, keine konkrete Lösung für diese Probleme parat. Doch für mich ist es nicht nur wichtig, Probleme zu lösen, sondern auch auf solche aufmerksam zu machen. Denn wenn Probleme keine Beachtung finden, ist die Chance kleiner, dass irgendjemandem oder irgendeiner Personengruppe etwas nützliches Einfällt. Natürlich sollte man auch hier Prioritäten bezüglich der Wichtigkeit setzen und keine Scheinprobleme ansprechen, an der Killerspieldebatte konnte man diesen Missstand am besten beobachten.
    Domingo is offline

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