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Ritter
[Story]Verrat
Verrat
Prolog
Es war ein dunkler und verregneter Herbsttag, an dem, wie aus dem Nichts, ein kleines Floß den Hafen von Khorinis erreichte. Ein ungefähr 13-jähriger Junge lag, halb tot, darauf und bewegte sich auch nicht, als das Floß unsanft an die steinernen Docks des Hafens stieß. Selbstverständlich tauchten viele Schaulustigen auf, die jedoch keine Anstalten machten, dem Kind in irgendeiner Weise zu helfen.
Dann bemerkte Attila etwas von dem Aufruhr und ging an die Docks um nachzusehen, was dort los ist. Überrascht riss er die Augen auf, als er den kleinen Körper auf dem Holzfloß sah und niemand versuchte ihm zu helfen. Er wusste nicht genau warum, aber er sprang ins Wasser, schwamm zu dem Floß und rettete das Kind vor dem nahenden Tod.
Er wusste, dass er das Kind nicht alleine erziehen kann und eigentlich hatte er auch keine Lust dazu. So bat er Edda darum ihm zu helfen und, gutmütig wie sie war, sagte sie ja.
So wuchs der Junge mit unbekannter Herkunft in der Obhut einer armen Frau und eines Auftragskillers auf. Attila nannte ihn Stephen.
Ein paar Jahre später, Stephen war gerade 17 geworden, erkannte er, was für eine Arbeit sein „Vater „ hatte. Doch entgegen der Vermutung Attilas wurde Stephen nicht wütend. Nein, im Gegenteil. Er bekundete großes Interesse an dieser Arbeit.
An diesem Tag hatte Attila das erste Mal Angst vor ihm. Wie konnte ein fast erwachsener Junge, diese Arbeit mögen?
Doch ein paar Monate später war diese Furcht vergessen und Attila vermutete, das raue Leben im Hafenviertel habe ihn so abgehärtet.
Mit 20 Jahren trat Stephen der Diebesgilde bei. Cassia war äußerst beeindruckt von den äußerst präzisen und leisen Tötungen Stephens. So arbeiteten Attila und Stephen fortan gemeinsam.
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Ritter
Kapitel 1
„Nun komm schon“, murmelte Hanna ungeduldig.
Stephen holte einen Stengel Sumpfkraut aus der Tasche, zündete ihn an und zog einmal kräftig daran. Entspannt atmete er den grünlichen Qualm aus dem Mund aus, der sofort an die Decke schwebte und sich dort verdünnte.
Wütend schlug Hanna ihm den Stengel aus der Hand und zertrat ihn am Boden. „Verdammt, wie oft habe ich dir schon gesagt, dass du hier nicht rauchen sollst?!“
Stephen verdrehte die Augen. „Ja ja, ist ja gut.“
Schritt ertönten und die Tür hinter der Theke wurde geöffnet.
„Na endlich!“, zischte Hanna. „Warum muss das immer so lange dauern?“
Attila lächelte. „Reg dich nicht immer so auf. Was kann ich dafür wenn Cassia mich so lange festhält?“
Hanna fasste sich an den Kopf. „Verdammt, warum müsst ihr immer durch meinen Eingang gehen?“
„Du weißt genau, dass die Milizen Verdacht geschöpft hätten, wenn jemand plötzlich ins Wasser springt und zu einer versteckten Tür schwimmen würde“, sagte Stephen verächtlich.
„Also gut“, erwiderte Hanne. „Nun gut. Ihr solltet jetzt gehen, bevor jemand Verdacht schöpft.“ Sie griff lächelnd nach ihrem Besen.
„Das gefällt dir doch bestimmt immer wieder, oder?“
Hanna nickte. „Dann mal Los.“
„Verschwindet, verdammt nochmal!“, brüllte Hanna und jagte die beiden Männer mit ihrem Besen aus dem Haus. „Ich sagte euch schonmal, ich nehm hier kein Gesindel auf! Lasst euch hier nie wieder blicken!“
Ein Lächeln unterdrückend stürmten die beiden Auftragskiller aus der Unterstadt in Richtung Hafenviertel. Dort angekommen suchten sie Deckung hinter einem Haus. Die Milizen hier hatten sie schon lange aufmerksam beobachtet.
„Sie kann gut Schauspielern, nicht wahr mein Freund?“
Stephen nickte grinsend und holte einen Stengel Sumpfkraut aus der Tasche. Er zündete ihn an und zog einmal daran.
„Rauch nicht zu viel. In ein paar Stunden müssen wir los“, sagte Attila.
„Wer ist es diesmal?“
„Irgendein Händler aus dem Oberen Viertel. Lutero, heißt er.“
„Heute noch?“
„Diese Nacht.“
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Ritter
Kapitel 2
„Bist du bereit?“
Stephen nickte entschlossen.
„Gut“, sagte Attila leise. „Dann, los.“
Stephen warf einen Stein einige Meter entfernt auf den Boden. Ein lautes Knallen ertönte als er aufschlug.
„Was war das?“, fragte eine der Torwachen des Oberen Viertels.
„Was weiß ich?“, erwiderte die andere genervt. „Guck doch nach!“
Die eine zuckte mit den Schultern und ging schließlich in die Richtung aus der, der Knall kam.
„So, jetzt bist du dran“, flüsterte Stephen.
Attila lächelt und ging auf die letzten Wache zu. „H-if, i-ihr.“
Die Wache bemerkte ihn und fragte: „Was ist denn los?“
„Ich ... ich wurde soeben ausgeraubt. Er ist noch in meinem Haus. Er-“
„Wo ist es? Führt mich hin.“
„Folgt mir“, sagte Attila und ging zusammen mit dem Paladin fort von dem Tor.
Stephen lächelte triumphierend und vorsichtig betrat er das obere Viertel.
Hinter einer Mauer wartete er eine kurze Zeit bis Schritte ertönten.
„Alles gut verlaufen?“, fragte er.
„Ja“, erwiderte Attila. „Vor morgen wacht der nicht mehr auf.“
„Gut. Gehen wir weiter.“
Leise und mit bedacht nicht von den zahlreichen Milizen hier entdeckt zu werden, schlichen die beiden durch das Obere Viertel, auf das Haus von Lutero zu. Es dauerte nicht lange bis sie angekommen waren.
„Nun gut“, sagte Attila. „Geh rein. Ich warte hier draußen und sage bescheid wenn jemand kommt.“
Stephen nickte und betrat das Haus.
Vorsichtig schlich Stephen die Treppe hinauf ins Schlafzimmer, aus dem ein lautes Schnarchen ertönte. Er erreichte es und sah sich um.
Zwei Betten. In einem liegt eine Frau in dem anderen Lutero. Hoffen wir, dass ich die Frau nicht wecke und sie auch töten muss. Extra-Morde kriegen wir nicht bezahlt.
Er zog einen Dolch aus seinem braunen Ledergürtel und ging auf Lutero zu.
Wie friedlich er hier im Bett liegt. Warum Cassia in nur tot haben will...
Er schnitt Lutero die Kehle durch. Die letzte Luft in seinen Lungen wurde noch ausgestoßen und das Schnarchen endete. Wenn man Lutero jetzt so gesehen hätte, könnte man glauben, er lebe noch, wenn dieser tiefe Schnitt am Hals nicht sein würde.
Stephen schob den blutverschmierten Dolch wieder in den Gürtel und schlich auf die Treppe zu.
Aufmerksam beobachtete Attila seine Umgebung. „Alles ruhig“, murmelte er. „Scheint als hätten wir heute Glück gehabt.“
„Hey, Attila.“
Attila drehte sich zu Stephen um. „Alles erledigt?“
„Ja.“
„Gut gehen wi-“ Er heilt inne.
„Was ist los?“, wollte Stephen fragen doch Attila hielt ihm den Mund zu.
„Hörst du das?“
Stephen sah ihn fragend an.
Da ertönte ein seltsames Knacken und Stephens Augen wurden groß.
„Lauf!“
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Kapitel 3
Ein Regen aus Bolzen prasselte auf sie nieder, doch wie durch ein Wunder, wurden sie in keinster Weise getroffen.
Sie liefen los.
„Scheiße!“, schrie Stephen. „Wer war das?!“
„Paladine!“, erwiderte Attila der entsetzt zur Seite schaute, wo bereits einige Männer deren Rüstungen im Licht des Mondes glänzten aus den Büschen traten und ihre Armbrüste erhoben.
„Ducken!“
Stephen warf sich auf den Boden, hörte wie hinter ihm mindestens sechs Bolzen gegen eine Wand prallten, rollte sich ab und stand gekonnt wieder auf. Er blickte nach vorne wo bereits drei kräftig aussehende Paladine den Tunnel zum Hauptteil des Oberen Viertels versperrten.
„Wohin jetzt?“, fragte er verzweifelt und duckte sich unter einem weiteren Bolzenregen hinweg.
„Attila sah sich kurz um und fand schließlich eine Lösung. „Dort!“ Er wies mit dem Finger auf eine niedrige Mauer, hinter der das Dach des Adanos Tempels lag.
Stephen verspürte einen Funken Hoffnung. Zusammen mit Attila kletterte er die Mauer hinauf als ein weiterer Bolzensturm sie passierte.
Attila schrie auf als sich ein Bolzen in seinen Rücken bohrte.
Stephen drehte sich entsetzt um.
Zwei weitere Bolzen bohrten sich in seinen Rücken, einer lugte, rötlich schimmernd, mit seiner Spitze bereits wieder aus der Brust.
Stephen war unfähig sich zu bewegen, als Attila gurgelnd zu Boden sank und von der Mauer hinab in die Tiefe stürzte. Ein Laut, der für Stephen so schrecklich endgültig war und einen tiefen Einschnitt in seinem Leben darstellen könnte, ertönte als der tote Körper auf den Pflastersteinen aufschlug. Stephen stand da, und starrte hinab auf die Leiche der Person die ihm über alles im Leben etwas bedeutete. Durch drei einfache, kleine Holzstöcke mit angebunden Metallspitzen töteten die wichtigste Person in Stephens Leben durch die einfache Betätigung eines Abzugs.
Die Rufe der Milizen rissen Stephen aus seinen Gedanken. „Da ist er! Er darf nicht entkommen! Tot oder lebendig! Er hat Lutero getötet!“
Stephen sah sich hastig um. Verdammt! Soll ich es wagen hier herunterzuspringen?
Er wagte es.
Er bemühte sich mit seinen Füßen auf dem gepflasterten Boden aufzukommen, doch seine Beine knickten unter ihm hinweg und er riss sich die Knie auf. Er sah zurück und bemerkte, dass die Paladine nicht sprangen.
Gut. Das verschafft mir etwas Zeit.
So schnell er nur konnte, stürmte er geradeaus, und erreichte den Marktplatz. Hinter sich hörte er bereits das Rufen der Paladine. Scheiße! Wohin jetzt?
Er sah sich um und erkannte Hannas Herberge. Hoffnungsvoll setzte er seinen Weg dorthin fort und trat ein.
„Hanna!“, sagte er schwer atmend.
„Mein Gott, Stephen. Was ist los?“, fragte sie.
„Keine Zeit ... sie kommen ... muss mich verstecken!“
Hanna wandte den Blick ab, als würde sie sich schämen. „Geh hinter die Theke. Schnell.“
Stephen tat was sie sagte und versteckte sich hinter die Theke, kurz bevor die Paladine vor dem Eingang herstürmten. Einer von ihnen blieb stehen und betrat die Herberge.
„Hanna!“, sagte er laut. „Habt ihr hier gerade einen jungen Mann mit einer Lederrüstung herlaufen sehen?“
Hanna zögerte und biss sich nervös auf die Unterlippe. „Wieso?“, fragte sie. „Was hat er denn gemacht?“
„Er hat Lutero getötet! War er hier?!“ Der Paladin wurde ungeduldig.
„Ähm ... na ja.“
Mensch Hanna, mach jetzt bloß keinen Scheiß.
„Er ... er ist hinter der Theke.“
Last edited by Poison; 13.05.2006 at 20:45.
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Kapitel 4
Verzweifelt versuchend gegen die Tränen anzukämpfen, lehnte sich Stephen zurück an die Steinmauer des Kerkers und dachte nach.
Warum? Was soll das? Attila ist tot, Hanna hat mich verraten. Was soll das alles? Warum?
„Hey, Junge.“
Stephen sah zur Seite und bemerkte, dass eine weitere Person in diesem Kerker saß, die er vorher gar nicht bemerkt hatte. Ein alter Mann der schrecklich ausgehungert aussah, saß in einer dunklen Ecke der Zelle und sah zu ihm herüber.
„Was ist?“, fragte Stephen und wischte sich eine Träne mit seinem Ärmel aus dem Gesicht.
„Warum bist du hier?“
Stephen war empört. Was erwartet dieser alte Mistkerl, dass er ihm verrät, warum er hier ist. Aber etwas schwang in der Stimme des Mannes mit, Stephen musste an Weisheit denken, das ihn dazu brachte zu reden.
„Ich ... ich habe jemanden umgebracht.“
Der Mann sah ihm direkt in die Augen, als versuchte er, Stephen die Augen mit seinem Blick auszustechen.
„Wen?“
„Irgendeinen Händler aus dem Oberen Viertel. Lutero hieß er, glaube ich.“
„Nur den?“
„Nein ... ich ... ich bin ein ... Auftragskiller.“
Der Mann verzog zu Stephens Verwunderung keine Miene.
„Für die Diebesgilde, nicht wahr?“
Stephen sprang auf. „Ihr wisst von der Diebesgilde?!“
Der Mann nickte. „Was meinst du warum ich hier bin?“
„Warum?“
Der Mann lachte. „Ich kenne die Diebesgilde nicht nur. Ich war selbst ein Mitglied, besser gesagt einer der Mitbegründer und langjähriger Anführer. Damals hat Cassia noch nichtmal existiert.“
„Wie bist du nach hier gekommen?“
„Nun ja, Cassia kam vor vielen Jahren, es müssten ungefähr fünfundzwanzig sein, zu uns und wir haben sie natürlich aufgenommen. Sie war ein schlaues Mädchen und äußerst geschickt mit den Fingern. Doch sie war auch äußerst machtgierig. So hat sie mich eines Tages eiskalt abserviert. Sie hat mich an die dreckige Miliz verraten. Ich habe versucht sie auch aufliegen zu lassen, aber wer glaubt schon einem alten Mann, wenn er behauptet eine wunderschöne, junge Frau sei eine eiskalte Diebin? Jedenfalls wurde ich dann hier eingesperrt und warte seitdem auf meine Hinrichtung.“
Ein schrecklicher Gedanke beschlich Stephen. „Wann war das?“
„Hm, ich glaube vor ungefähr zwanzig Jahren.“
Stephen riss entsetzt die Augen auf rutschte an der Wand wieder nach unten. Zwanzig Jahre?! Wollen sie mich auch so lange auf die Hinrichtung warten lassen?!
Vor seinem inneren Auge sah er sich selber, halbtot auf dem Boden liegen von wo er einen sadistischen Milizen nach einem Schluck Wasser anbettelte.
Nein! Soweit darf es nicht kommen!
Last edited by Poison; 15.05.2006 at 14:56.
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Ritter
Kapitel 5
Von dem Tag an, ging Stephen lange Zeit in der Zelle auf und ab, was den alten Mann sehr freute; er empfand es als schlaffördernd, und überlegte, wie er aus dem Kerker entkommen könnte. Ich habe keine Waffe mit der ich den Wärter töten könnte und auch sonst nichts hilfreiches. Was soll ich tun?
Da vernahm er Stimmen von hinter dem Kerkergitter. Sofort hörte er genau zu, wer dort was zu sagen hatte.
„... ihr ihn sehen?“, sagte die Stimme des Wärters.
„Ich ... ich will mich von ihm verabschieden.“ Es war eine Stephen gut bekannte Stimme die dies sagte und Wut keimte in ihm auf.
„Na gut. Aber nur kurz.“
Das Gatter öffnete und eine Frau mittleren Alters trat ein. Hanna.
Sie sagte vorerst nichts, sondern blickte Stephen einfach nur an. Ein Teil in Stephen bat, nein schrie danach, die Hände um den Hals dieser Verräterin zu legen und einfach zuzudrücken, einfach zusehen wie das Leben in ihren bläulichen Augen erlosch, einfach zu töten. Sich zu rächen.
Doch er tat nichts dergleichen. Sie sahen sich nur gegenseitig an.
„Es ...“, begann Hanna schließlich, „es tut mir leid.“ Sie trat näher an ihn heran und Stephen wusste nicht ob er es ihr gleichtun sollte, oder ob er vor Abscheu zurückweichen sollte.
„Es ist nur verständlich wenn du mich hasst“, sagte sie.
Ja, das ist es wohl, du-
„Es tut mir leid. Ich konnte nicht anders.“ Sie machte einen weiteren Schritt auf ihn zu. „Sie haben mich dazu gezwungen.“ Noch ein Schritt.
Nun stand sie unmittelbar vor ihm.
Perfekt zum Erwürgen!
„Aber ich werde dir helfen“, flüsterte sie damit der Wärter der hinter ihr unter dem Gitter stand es nicht hörte.
Plötzlich umarmte sie ihn und küsste ihn auf den Mund. Stephen wollte zuerst entsetzt zurückweichen, bevor er bemerkte, was sie mit dem Kuss und der Umarmung bezweckte. Er fühlte wie sie ihm etwas kleines in seine Gesäßtasche steckte. Dann erst lösten sie sich voneinander. Hanna sah ihn noch mit einem Bitte-verzeih-mir-Blick an, bevor sie sich umdrehte und an dem lüstern grinsenden Wärter vorbei aus der Zelle trat.
Der Wärter sah Stephen noch einmal mit einer hochgezogener Augenbraue an, bevor er das Gitter wieder schloss.
Arschloch!
Stephen fühlte in seine Gesäßtasche und nahm den dort befindlichen Gegenstand in die Hand. Es war ein Messer.
Der alte Mann öffnete die Augen. „Du hast ganz schön Glück.“
„Du warst die ganze Zeit wach?“, erkundigte sich Stephen überrascht.
„Ja. Mache ich gerne, weißt du?“
Stephen lächelte und setzte sich anschließend im Schneidersitz auf den Boden und dachte weiter nach wie er wieder an die Freiheit kommen könnte. Nach einiger Zeit hatte er einen Plan.
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Kapitel 6
„Was ist das?“
„'n Eintopf, du Idiot. Damit du nicht vom Fleisch fällst“, erwiderte der Wärter schroff und gab Stephen eine Schüssel mit Eintopf durch das Gitter.
Stephen bedankte sich und sah anschließend in seine Schüssel.
Scheiße! Ist ja noch nichtmal warm!
Er hielt sich die Schüssel an die Lippen und trank einen Schluck, doch er spuckte es sofort wieder aus.
„Buah! Was ist das für'n Zeug?!“
Der Wärter lachte schallend. „Eintopf, was sonst? Einer unserer Milizen hat sich als Koch versucht.“
„Bah! Das schmeckt ja wie-“
Der Wärter hatte mit seinem Schwert durch das Gitter, gegen die Schüssel geschlagen, so dass ihr Inhalt in Stephens Gesicht spritzte. Wobei man spritzte nicht sagen kann; es war viel mehr wie ein Schlammball. Äußerst dickflüssig.
Wieder lachte der Wärter laut wobei er sich seinen Bauch hielt.
Du dreckiger verdammter Mistkerl! Das wirst du bereuen!
Einige Stunden später.
Die Nacht war bereits eingebrochen und Lord Andre und alle Milizen, außer jene die in der Stadt Wache hielten, waren bereits in ihren Schlafgemächern.
Jetzt oder nie.
Der alte Mann in seiner Zelle war bereit ihm zu helfen und sie klärten schnell noch einige Sachen ab, bevor Stephen anfing.
„He, Wärter!“
Der Wärter schreckte sprang von seinem Hocker, zog sein Schwert und sah sich hektisch um.
„Was ist los?! Wo?! Wer greift an?!“
„Niemand greift an“, meinte Stephen und versuchte seinen genervten Unterton zu bedecken.
Der Wärter ließ sein Schwert wieder in die Scheide gleiten. „Oh ... ich ... habe wohl geschlafen.“
Ach was!
„Irgendwas ist mit diesem Alten hier nicht in Ordnung.“
Der Wärter sah durch das Gitter und bemerkte entsetzt wie der Mann sich vor Qualen auf dem Boden wandt und dabei gepeinigt stöhnte.
„Was ist mit dem los?!“
Stephen hob die Schultern. „Woher soll ich das wissen?“
Schnell ließ der Wärter das Gitter hochfahren und betrat die Zelle. Sofort kniete er sich neben dem alten Mann nieder. „Was ist los mit dir?! Los! Sprich!“
In dem Moment ließ Stephen sein Messer durch die Kehle des Wärters gleiten. Blut spritzte dem Alten ins Gesicht und der Wärter kippte leblos zur Seite.
„Gut gemacht“, sagte der Mann.
Stephen lächelte und wischte die Klinge flüchtig an der Kleidung des Toten ab. „Los, gehen wir.“
Der Alte schüttelte lächelnd den Kopf. „Nein. Ich bleibe hier.“
„Was soll das heißen, du bleibst hier?!“ Stephen war verwundert.
Der Alte lächelte sanft. „Sie dich an. Du bist jung, hast dein Leben noch vor dir. Ich bin alt und hätte auch wenn sie mich nicht hinrichten würden, nicht mehr lange zu leben. Vielleicht kann ich die Milizen auf eine falsche Fährte schicken. Geh du nur, ich bleibe hier.“
Einen Moment lang, war Stephen gerührt. „Meinst du wirklich?“ Er wollte sicher sein.
Der Alte nickte.
„Gut. Dann soll es wohl so sein“, murmelte Stephen, bevor er sich davonstahl.
Last edited by Poison; 19.05.2006 at 22:00.
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Ritter
Kapitel 7
Vorsichtig, mit Bedacht nicht zu laut zu sein, damit keiner der schlafenden Milizen in der Kaserne aufwachte, schlich Stephen über den Hof des Gebäudes. Ein hell leuchtender Vollmond stand am Himmel, umringt von tausenden oder gar millionen funkelnder Sterne. Es war leise. Fast schon zu leise, dachte Stephen und sah sich aufmerksam um. Doch es gab nichts zu sehen, was ihm gefährlich werden könnte. Eine Maus trippelte über die Pflastersteine und verschwand kurz darauf in einem schwarzen Loch, eine Eule landete auf dem Dach der Kaserne und in der Ferne miaute eine Katze. Nichts Ungewöhnliches.
Er hatte den Hof der Kaserne schnell verlassen und befand sich nun auf dem vollkommen leeren Galgenplatz.
Erst jetzt bemerkte Stephen, dass er sich vor und während dem Ausbruch nie Gedanken darüber gemacht hatte, wo er hin sollte, sobald er wieder in Freiheit war. Er überlegte.
Vielleicht Hanna? Sie hat mir schließlich geholfen und sie muss mir auch erzählen, was das alles sollte.
Er beschloss Hanna aufzusuchen.
„Psst“
Hanna blickte von ihrer Lektüre auf. War da was?
„Psst“ Ein weiteres mal.
Hanna erhob sich von ihrem Ledersessel, legte ihr Buch auf einen kleinen Beistelltisch aus dunkelbraunem Holz und lauschte.
„Psst. He, Hanna.“
Sie erkannte die Stimme und trat aus dem Haus, wo Stephen bereits hockte.
„Du bist es“, flüsterte sie. „Komm rein.“
„Wo können wir ungestört reden?“
Hanna sah sich um. „Komm mit.“
Stephen folgte ihr hinter die Theke, wo er grimmig an die Nacht vor ein paar Tagen zurück dachte.
Hanna sah sich nochmals um, bevor sie einen kleinen Teppich zur Seite schob und so einen Ring der im Boden steckte hervorholte.
„Was ...?“
Hanna lächelte kurz über die Unwissenheit Stephens, umfasste anschließend den Ring, zog daran und aus dem Holzboden löste sich eine Klappe unter der ein schattiger Raum zum Vorschein kam.
Hanna kletterte über eine Treppe hinein und Stephen folgte ihr. Unten angekommen zündete Hanna eine Kerze an, stellte sie auf einen Tisch, zog einen Stuhl heran und setzte sich. Stephen tat es ihr gleich.
„Nun, du hast es also geschafft zu entkommen, nicht wahr?“ Das Licht der Kerze ließ ihr Gesicht unheimlich wirken, als wäre sie eine Dämonin Beliars, in Khorinis um ihn zu verführen.
„Ja, so sieht es aus, nicht?“
Hanna lächelte unsicher. „Wie hast du es gemacht?“
„Na wie wohl? Hab' dem Wärter die Kehle durchgeschnitten.“
„Gut. Was hast du nun vor?“
Eine Welle von Wut überkam den Auftragskiller. Er wollte die Kerze nehmen und ihr damit-
„Erstmal möchte ich wissen, was das alles sollte. Warum hast du mich verraten?“
Hanna wandte sich ab und Stephen erkannte an ihrem Gesicht, dass sie gehofft hatte er würde diese Frage nicht stellen. Doch er empfand nicht mal im geringsten Mitleid. Selbst nicht, als eine Träne über ihre Wange lief und kurz darauf ohne einen Ton auf den in Schatten getauchten Boden tropfte.
Sie wandte sich wieder ihm zu.
„Nun?“ Stephen wurde nervös. Er hasste es in einem dunklen, kleinen Raum zu sein. Es machte ihn ungeduldig ... was bei Stephen vieles auslösen konnte.
„Also ... es ... Cassia meinte ... ähm ...“
Stephen schlug mit voller Wucht auf den Tisch. Die Kerze machte einen Satz wobei Mengen von flüssigem Wachs herausspritzten und auf dem Tisch niedergingen.
Hanna sprang von ihrem Stuhl, zurück an die nur leicht erhellte Wand und hatte einen entsetzlich Gesichtsausdruck der ihre unglaubliche Furcht zeigte.
Doch Stephen wollte sie lediglich darauf hinweisen, dass er endlich die Wahrheit wissen wollte. Er wollte sie nicht so erschrecken. Er stand auf und ging auf die zitternde Hanna zu.
„Hey, ich wollte dir keine Angst einjagen. Ich-“
Schritte.
Hanna hörte schlagartig auf zu zittern, riss die Augen noch weiter auf als vorher und hob den Kopf.
„Hanna!“, rief eine Stimme.
Stephen kam sie bekannt vor, doch durch den dicken Holzboden war sie stark gedämpft, so dass er die Person die gerade rief nicht erkannte.
„Hanna! Wo steckst du?!“
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Ritter
Kapitel 8
Hanna sah Stephen ins Gesicht, erwartungsvoll, fast als würde sie sich Hilfe von ihm erhoffen, doch scheinbar sah sie ein, dass er ihr nicht helfen konnte, da er noch nichtmal wusste worum es ging.
„Bleib hier.“
Sie blies die Kerze auf, kletterte die Leiter hinauf, öffnete die Klappe und stieg nach oben. Hinter ihr schloss sie die Klappe und ließ Stephen zurück.
Stephen lehnte sich an die Wand und versuchte zu lauschen, doch er verstand bloß ein paar Gesprächsfetzen. Der Boden war sehr massiv.
„ ... du hier?“
„ ... Cassia ... du hast ... warum?“
„ ... ich ... nicht ...“
„ ... kommst ... zu ...“
„ ... nicht ... zwingen ...“
„Doch.“
Stephen hörte ein lautes, polterndes Geräusch, als sei etwas großes auf den Boden gefallen. Dann war alles still. Kein Laut drang an sein Ohr, bis auf das Pochen seines Herzens, welches ihm hier in der Dunkelheit, seltsam laut erschien.
Eine Zeit lang blieb er dort noch stehen, an die Wand gelehnt und immer wieder aufhorchend wenn ein Geräusch ertönte, welches meistens allerdings bloß eine Ratte war, die in der Dunkelheit nach Nahrung suchte. Schließlich entschied er sich dazu, nachzusehen wo Hanna bleibt.
Er stieg die Leiter hinauf, öffnete die Klappe und schloss sie anschließend wieder hinter sich.
Er sah sich um.
Von Hanna war keine Spur.
Leise durchsuchte er den gesamten Raum, stieg sogar vorsichtig die Treppe hinauf und sah in den Schlafzimmern nach, doch Hanna war nirgends zu sehen. Verwirrt ging er wieder die Treppe hinab und blieb ratlos neben der Theke stehen.
Wo kann sie nur sein?
in Gedanken versunken ließ er seine Hand über die Theke aus Holz gleiten, wobei er einige Ritze spürte. Verwundert blickte er auf den Theke und entdeckte, dass irgendjemand etwas in das Holz geritzt hatte.
„Was-?“
Irgendjemand hatte den Namen „Michael“ in das Holz geritzt. Stephen erkannte, dass das noch nicht lange er sein konnte. Die Ritze sahen neu aus.
„Michael ... Michael ... sagt mir nichts“, murmelte Stephen.
Er nahm sich vor, diesen Namen im Gedächtnis zu behalten, und wollte gerade schon das Haus verlassen, als ihn ein Geräusch innehielten ließ.
Was war das?
Da ertönte es wieder. Stephen war sich sicher, es war ein Schrei. Ein Schrei der Angst. Kurz darauf, ein weiterer Ton. Das Ziehen eines Schwertes.
All dies kam aus der Tür die hinunter zu der Diebesgilde führte.
Die Tür? Verdammt, die Tür! Die habe ich ganz vergessen!
Er lief zurück in das Haus und sah sich nach dem Schlüssel um. Glücklicherweise fand er ihn schnell neben einem Buch auf einem Tisch liegen. Er nahm ihn die Hand und schloss die Tür auf. Er öffnete sie, trat hindurch und lief die Treppe hinab, bis er Schritt hörte. Schritte und ein Keuchen.
Stephen blieb stehen und lauschte in die Dunkelheit, bis die Schritt und das Keuchen lauter wurden.
Wer ist das?
Da stürmte plötzlich eine Gestalt aus der Dunkelheit in seine Richtung, stoß gegen ihn und beiden landeten auf dem Boden. Es war Ramirez.
Ihm war die Angst ins Gesicht geschrieben, und nachdem er Stephen erkannte, kam noch Überraschung hinzu. Als Stephen merkte, wie eine warme Flüssigkeit auf sein Oberteil tropfte, sah er, dass Ramirez am Oberarm eine tiefe Schnittwunde hatte.
„Was ist los?“, wollte Stephen fragen, doch er hielt inne als er in der Dunkelheit weitere Schritte vernahm.
„Du Bastard!“, schrie eine tiefe männliche Stimme und kurz darauf hallte ein Schrei des Schmerzes durch den Gang und dazu das schreckliche Geräusch, das ertönt wenn Fleisch durchtrennt wird.
Ramirez sah Stephen voller Furcht ins Gesicht. „Hilf mir...“, formten die Lippen des verletzten Diebes, doch da schrie bereits eine weitere Stimme hinter ihm.
„Jetzt habe ich dich! STIRB!“
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Ritter
Kapitel 9
Eine humane Gestalt stürzte aus der alles verschlingenden Dunkelheit.
„Nein...“, wimmerte Ramirez. „Nein...“
Stephen drängte sich zusammen mit Ramirez an eine Wand des Ganges und entwich so dem tödlichen Schlag der glänzenden Klinge. Ein kleines Stück Stein wurde aus der Treppe geschlagen und traf Stephen im Gesicht. Blut lief ihm über die Lippen.
„Scheiße!“, schrie er als er und Ramirez in letzter Sekunde einem weiteren Schlag auswichen.
Wer ist das?
Zusammen mit Ramirez (Ramirez wurde eher mitgezogen) stürmte er die Treppe hinauf und er verspürte einen kleinen Funken Hoffnung als er vor sich das Licht aus Hannas Gasthaus erblickte.
„Bleibt stehen!“, brüllte hinter ihnen der Unbekannte.
Schließlich erreichen Stephen und Ramirez die Tür, stürmten in das Gasthaus und schlossen sie hinter sich.
Sie verschnauften einen Moment als ein lauter Knall von der Tür ausgehend ihre Aufmerksamkeit erregte.
Noch ein Knall. Der Unbekannte bearbeitete die Tür.
Ein weiterer Schlag. Die Klinge durchstieß das Holz und kam in ihr Blickfeld bevor sie wieder zurückgezogen wurde.
„Bitte nicht...“, wimmerte er vollkommen aufgelöste Ramirez. Stephen hatte ihn noch nie so geängstigt gesehen.
Ein weiterer Stoß. Die Tür wurde in Stücke gerissen.
„Scheiße!“
Ein Paladin mit einer vom Dreck der Kanalisation verdreckten Rüstung kam zum Vorschein.
Stephen sog erschrocken Luft ein.
„Da bist du, du dreckige, mistige Kanalratte!“, brüllte der Paladin Ramirez zu.
Stephen sah sich nach einer Waffe um, als ihm das Messer in seinem Gürtel einfiel.
Das könnte klappen.
Wütend und mit erhobenem Bihänder stürmte der Paladin auf den wimmernden Ramirez zu. Stephen ging von hinten auf den Ritter zu, sprang ihm auf seinen Rücken und versuchte seine Kehle zu durchtrennen.
„Was...?!“ Der Paladin drehte sich schwungvoll um wobei sich Stephens Griff löste, so dass er gegen die Theke geschleudert wurde.
„Du dreckiger...!“ Der Paladin holte zum Schlag aus, doch er verfehlte Stephen knapp und sein Schwert stieß in die Theke. Es steckte fest. „Was zum...?“
Den Moment der Verwirrung nutzte Stephen um ihn zu attackieren. Erfolgreich. Mit einem gekonnten Schnitt durchtrennte er die Kehle des Ritters. Dieser gurgelte einmal, bevor er mit einem überraschten, starren Blick zu Boden ging.
Stephen atmete durch. Die Gefahr war gebannt.
Ramirez lächelte nervös und doch befand sich immer noch Furcht in seinem Blick.
Da ertönten Stimmen. Stimmen und Schritte von dem Raum über ihnen.
Stephen fluchte. „Die Gäste. Die hab' ich ganz vergessen.“
Er packte Ramirez am Arm und zog an ihm. „Schnell, wir müssen weg hier!“, zischte er.
Ramirez sah immer noch verwirrt aus, doch er folgte Stephen aus dem Gasthaus.
Wohin jetzt? Vielleicht ins Hafenviertel. Bei Edda kann ich mich mit Sicherheit einen Moment ausruhen.
Gedacht, getan.
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Ritter
Kapitel 10
„Edda. Psst. Edda.“
Was? Wer ist das?
Edda verließ ihr Bett und ging gähnend zur Tür. „Wer da?“
„Edda, mach auf. Ich bin's, Stephen. Schnell.“
Sie schloss die Tür auf, öffnete sie und sofort stürmte Stephen ins Haus, gefolgt von einem verstört aussehendem Ramirez.
Edda schloss die Tür wieder. „Was ist los? Was wollt ihr so spät hier?“
Stephen setzte sich auf einen Stuhl und atmete durch.
„Ich frage es nur noch einmal: Was ist los?“, erkundigte sich Edda fordernd.
„Ich ... ein ...“ Stephen musste seine Gedanken ordnen. Er war durcheinander. „Ein Paladin hat uns attackiert. Ich musste ihn töten und dann mussten wir flüchten weil die Gäste des Gasthauses und gehört haben und aufgewacht sind.“
Edda starrte ihn mit weit aufgerissenen Augen an. Ihr Mund war, wie zum Schrei, weit geöffnet. „Pa- ... Paladin ... tot? Du hast einen PALADIN UMGEBRACHT?!“
„Psst, leise. Uns darf niemand hören.“
Edda nahm einen Stock zur Hand und bedrohte Stephen damit. „Verschwinde! Sofort! Raus hier!“
„Aber ... ich ...“
„RAUS!“
Da vernahmen sie ein Wimmern. Sie sahen sich um und bemerkten, dass Ramirez zusammengesunken an der Wand der Hütte saß und mit dem Kopf wippte. „Tot“, sagte er. „Tot. Verraten. Tot.“
Edda legte den Stock auf den Boden und hockte sich neben den Dieb. Ihr Gesichtsausdruck hatte sich von Entsetzen in Mitleid gewandelt.
„He, was ist los, hm?“
„Tot. Verraten. Jesper. Tot. Jesper ... Jesper ist TOT!“
Edda sah Stephen fragend an. Dieser zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es auch nicht. Ich weiß nur, dass ein Paladin ihn verfolgt hat. Und vermutlich hat dieser Jesper getötet.“
„Weißt du warum?“
„Nein, leider nicht.“
Edda wandte sich wieder dem wimmernden Ramirez zu. „He, Ramirez.“ Sie sprach mit ihm wie mit einem Dreijährigen. „Ramirez. Was ist los? Was ist passiert?“
Ramirez blieb stumm. Er wippte mit dem ganzen Körper vor und zurück.
Edda drehte sich zu Stephen um. „Der ist ja vollkommen verstört.“
Stephen hob die Schultern. „Ich weiß auch nicht genau was vorgefallen ist. Wir können nur warten bis er sich erholt hat.“
Edda nickte. „Vielleicht sollte er schlafen.“
„Ja, vielleicht hilft ihm das.“ Er gähnte. „Ich merke gerade, dass ich auch recht ermüdet bin. Vielleicht sollte ich nun ebenfalls nächtigen.“
„Gut, aber, es tut mir leid, ich habe hier nur ein Bett. Du musst auf dem Boden schlafen.“
„Ach, das macht nichts. Nach dieser Nacht ist mir egal, wo ich schlafe.“ Er versuchte zu lächeln, doch es misslang ihm.
Edda legte sich in ihr Bett, Stephen machte es sich neben einem Schrank so gemütlich wie nur möglich und schon bald hallte ein leises, gleichmäßiges Schnarchen durch den Raum.
Nur Ramirez wippte noch mit dem Körper.
Einige Stunden später, die Sonne zeigte sich bereits am Horizont, stand Ramirez auf und ging murmelnd auf die Tür zu. „Tot. Tot. Cassia.“
Er öffnete die Tür und verließ das Haus.
„Verrat. Cassia ... Cassia. Hanna.“
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Ritter
Kapitel 11
„Er ist WAS?!“
Edda zuckte mit den Schultern. „Er ist weg. Ich weiß nicht wohin und warum.“
„Weg?!“
„Ja. Als ich erwachte, stand die Tür offen und Ramirez war verschwunden.“
„Scheiße! Ich muss ihn suchen! In dem dem Zustand-“
„Du kannst da nicht raus“, sagte Edda und packte ihn am Arm. „Verdammt nochmal, du bist aus dem Gefängnis ausgebrochen und hast einen Paladin getötet! Selbst wenn dich bei dem Töten des Paladins wirklich niemand gesehen hat-“
„Mich hat niemand gesehen!“
Edda verdrehte die Augen. „Lass mich ausreden: Selbst wenn dich dort niemand gesehen hat, wirst du gesucht weil du ausgebrochen bist. Und die Milizen haben sich dein Gesicht mit Sicherheit gemerkt.“
Stephen fasste sich an die Stirn. „Bei Beliar! Was sollen wir denn dann machen? Hier rumsitzen und warten, dass Ramirez von selber zurückkommt?“
Edda überlegte einen Moment, dann lächelte sie. „Es stimmt, du kannst tatsächlich nichts tun.“
Stephen blickte sie verständnislos an. „Was soll das heißen?“
Edda trat an die Tür. „Bleib du hier. Ich werde versuchen unauffällig nach ihm zu suchen.“ Sie öffnete die Tür, trat hinaus, und schloss sie hinter sich.
Stephen sah ein, dass dies wohl die beste Lösung war, setzte sich auf einen Stuhl und wartete.
„Carl?“
Der Schmied sah auf und entdeckte Edda. „Ja, was gibt’s?“
„Ähm ... ein ... ein Freund von mir hat gestern bei mir zu viel getrunken und ist in der Nacht abgehauen. Hast du ihn gesehen?“
„Wie sieht er denn aus?“
„Also ... er hat graue Haare-“
„Nein, vergiss es. Ich bin erst vor kurzem aufgewacht und habe außer dir noch niemanden gesehen.“
„Na gut. Trotzdem danke.“
Sie setzte ihre Suche fort und machte sich auf den Weg in das Unterviertel, welches heute seltsam leer war. Fast schon ausgestorben. Bloß einige Arbeiter waren zu sehen die ihre Aufgaben nachgingen.
„Wieso ist denn hier so wenig los?“, fragte Edda einen Tischler, der ihres Wissens Thorben hieß.
„Wird mal wieder jemand aufgeknüpft. Das letzte Mal war vor Jahren und jetzt wollen natürlich alle dabei sein.“
„Ihr nicht?“
„Nein, muss arbeiten.“
„Nun gut. Danke für die Auskunft.“
Bereits vom Weiten war die große Menschentraube auf dem Galgenplatz zu sehen. Laute Stimmen waren zu hören und man erkannte die Umrisse der Person, die erhängt werden soll.
Er hängt noch nicht
Sie trat näher heran, mischte sich in die Menge, blickte zu dem Galgen auf und erschrak schlagartig.
Gott! Nein!
„Hier und Heute wird auf den Befehl Lord Hagens, dieser Dieb namens Ramirez hingerichtet. Er wurde angeklagt wegen Betrug, Diebstahl und gefährlichen Körperverletzungen bei einigen seiner Raubzüge. Dazu beging er in der letzten Nacht zwei Morde auf seiner Flucht. Der Richter hat ihn für schuldig befunden.“
Ein junger Mann in einer, zu seinem Job passenden, schwarzen Rüstung legte Ramirez die Schlinge um den Hals, prüfte einmal ob sie fest saß und trat anschließend einen Schritt zurück.
„Nun, verehrtes Publikum“, sagte der Herold lächelnd, „werden wir an diesem Mörder ein Exempel statuieren. Niemals dürfen sie vergessen, dass sie nicht vom rechten Weg abkommen dürfen, sonst enden sie bald wie diese Kanalratte hier.“
Das Publikum lachte und auch in dem Gesicht des Herolds war Schadenfreude zu erkennen.
Abartig, dachte Edda.
„Nun gut. Lass ihn hängen, Michael!“
Der Vollstrecker betätigte lächelnd mit seinem Fuß einen am Boden angebrachten Hebel. Kurz darauf öffnete sich eine Klappe unter Ramirez und er wäre gefallen, würde er nicht an dem Strick hängen.
„Sein Genick wurde nicht gebrochen“, sagte Michael und konnte die Freude in seiner Stimme nicht verstecken. „Jetzt wird er langsam sterben.“
Die Hände des Diebes fuhren an seinen Hals. Er gurgelte qualvoll und schwankte mit dem Strick hin und her.
„... C ... C ... Ca ... Cass-“
Mehr brachte er nicht heraus.
Er bewegte immer noch etwas seine Hände, aber Edda wusste, dass dies nur seine letzten Reflexe waren.
Ramirez war tot.
Edda drehte sich um und machte sich auf den Weg zurück zu ihrer Hütte.
Hinter ihr jubelte die Menge.
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Ritter
Kapitel 12
Nervös ging Stephen in Eddas Hütte auf und ab.
O Gott, hoffentlich findet sie ihn. Was wenn er in Schwierigkeiten geraten ist? Was wenn-
Die Tür wurde geöffnet und Edda trat ein. Sofort ging Stephen auf sie zu und sprach sie an: „Edda! Endlich! Hast du ihn gefunden?“
„... ja, ... ich ... ich habe ihn gefunden, aber-“
Stephen begann zu lächeln. „Du hast ihn gefunden?“, unterbrach er sie. „Wo ist er? Ist er wohlauf?“ Er sah zur Tür und erwartete, dass Ramirez eintrat.
„Nein, ... er ... er ist ... er ist tot.“
Stephen sah sie entsetzt an. Das Lächeln war verschwunden. „T-tot?“, vergewisserte er sich.
„Ja. Es ... es tut mir leid, ich-“
„Wo war er? Wer hat ihn umgebracht?!“
„Er ... er wurde ... aufgehängt. Sie haben ihn scheinbar entdeckt. Er soll auf seiner Flucht zwei Morde begangen haben.“
„Zwei Morde? Sagten sie, wer?“
Edda schüttelte den Kopf.
Stephen setzte sich auf einen Hocker und fasste mit seiner Hand an seine Stirn.
„Es ... es tut mir leid. Ich-“
„Es muss dir nicht leid tun. Du kannst nichts dafür.“
„Und was hast du nun vor.“
„Ich werde warten bis es Nacht ist. Dann muss ich versuchen, Nachforschungen anzustellen. Vielleicht finde ich heraus, was hinter diesem ganzen steckt. Und wo Hanna ist.“
„Und du hast diese Stimme damals nicht erkannt?“
„Na ja, sie kam mir stark bekannt vor, aber ich konnte sie einfach keiner Person zuordnen. Was diese Person wohl mit ihr...“
Edda legte ihre Hand auf seine Schulter. „Keine Angst. Du findest sie schon. Alles wird gut.“
Stephen versuchte zu Lächeln.
„Nun gut, ich muss nun zum Marktplatz, etwas Essbares kaufen“, sagte Edda. „Tut mir leid, dass ich schon wieder weg muss. Bis später.“
Sie verließ das Haus und ließ Stephen mit seinen Gedanken allein.
Nach einigen Stunden, es begann bereits zu dämmern, kehrte Edda zurück und die beiden aßen etwas Brot. Als die Nacht schließlich hereingebrochen war, verabschiedete sich Stephen von Edda.
„Ich werde nun gehen“, sagte er zu ihr.
„Gut. Du wirst wissen was das Beste für dich ist. Pass auf dich auf.“
Stephen versprach ihr, dies zu tun und verließ die Hütte. Er machte sich auf in Richtung Unterstadt.
Und nun? Wo soll ich anfangen?
Er überlegte einen Moment und schließlich kam er zu dem Schluss, auf dem Galgenplatz nachzusehen. Vielleicht ließen sich dort, an der Leiche zum Beispiel, Spuren finden.
Dort angekommen, blieb er vorerst, in einem tiefschwarzen Schatten, stehen und blickte zu dem Galgen. Die Leiche Ramirez' hing immer noch an ihm und schwankte leicht hin und her. Niemand anderes war in der Nähe. Stephen ging leise auf den Galgen zu, kletterte hinauf und beäugte die Leiche. Er fühlte sich schrecklich. Der leicht schwankende Leichnam war ein gespenstischer Anblick und in der Dunkelheit konnte einem der Geist so manche Streiche spielen.
Da erblickte Stephen etwas in der Tasche des Toten.
„Was ist das?“
Es war ein Stofffetzen. Er zog ihn vorsichtig aus der Tasche und sah ihn sich genau an. Er wusste von wessen Kleid er stammte.
„Hanna!“, sagte er und fuhr sofort darauf zusammen, erschrocken von der plötzlichen Lautstärke seiner Stimme. „Hanna“, sagte er noch einmal, leiser.
Ein Krächzen riss ihn unsanft aus seinen Gedanken. Er blickte auf und sah, dass eine Krähe auf Ramirez' Schulter gelandet war.
„Tue das nicht, du-“, zischte er, aber es war bereits passiert.
Mit ihrem spitzen Schnabel bohrte der schwarzgefiederte Vogel ein Loch in eines von Ramirez' Augen, wobei ein grässliches Geräusch an Stephens Ohr drang.
Stephen wandte die Augen vor Ekel ab. Er stieg wieder von dem Podest und entfernte sich wobei noch einmal das Geräusch ertönte, als die Krähe sich an Ramirez' Blut labte.
Eine einzelne Träne lief über Stephens Wange.
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Ritter
Kapitel 13
Gerade als Stephen an Coragons Kneipe vorbeischlich, ließ ihn ein Gebrüll aus dem Innern des Gebäudes zusammenfahren.
„Michael, verdammt nochmal! Das Bier musst du bezahlen!“
„Pah“, erwiderte eine andere Stimme. „Warum sollte ich dir Geld für dieses dreckige Gesöff geben?“
„Du wirst bezahlen!“
„Nein.“
„Doch!“
„Nein.“
Eine Zeit lang herrschte Stille, bis es lauter als je zuvor wieder anfing. „VERSCHWINDE, DU BASTARD!“
Eine in der Dunkelheit der Nacht nicht erkennbare Person trat aus der Taverne und machte sich auf in Richtung Oberes Viertel.
Michael, Michael... Michael!
Jetzt viel es Stephen wieder ein. Michael war der Name, der in die Theke in Hannas Gasthaus geritzt war. Stephen folgte der Person unauffällig.
„Hallo, Leute. Alles klar?“ Man konnte einen leicht ironischen Unterton heraushören, wenn man genau darauf achtete.
„Hallo, Michael. Ja, alles in Ordnung“, antwortete einer der beiden Wachen am Tor zum Oberen Viertel.
„Freut mich zu hören, alter Freund.“ Weiterhin lag etwas ironisches in seiner Stimme, doch scheinbar hatten die beiden Torwachen nicht vor das in naher Zukunft zu entdecken.
„Gut. Willst du durch?“
„Ja, ich habe noch etwas zu erledigen.“
„Gut. Dann geh mal. Aber verbrich nichts.“ Alle drei lachten.
„Würde mir doch nicht im Traum einfallen.“
In dem Licht einer Straßenlaterne sah Stephen erstmals das Gesicht Michaels. Es war seltsam blass, gleich dem eines Toten. Seine Augen waren hellblau, fast als würden sie leuchten und sein Haar war im perfekten Kontrast zu dem Gesicht tiefschwarz und reichte bis zu seiner Schulter. Ein hinterhältiges Lächeln umspielte gerade seine Lippen. Dann betrat er den abgegrenzten Teil der Stadt und entfernte sich von Stephen.
Dreck! Wie soll ich ihm jetzt bloß folgen? Ich muss die beiden Wachen irgendwie ablenken ...
Er dachte an seinen letzten Einsatz gemeinsam mit Attila zurück. Er nahm, wie damals, einen Stein zur Hand und warf ihn einige Meter entfernt vom Tor auf den Boden.
„Was war das?!“
„Weiß nicht. Guck doch nach.“
Das tat die Wache auch. Wie beim letzten Mal. Nur den zweiten Paladin musste Stephen anders loswerden. Lächelnd nahm er einen weiteren, größeren Stein zur Hand.
„Wer seid ihr?“, fragte die Wache als sich Stephen, das Gesicht im Dunkeln lassend, ihr näherte. „Wer seid ihr? Sprecht!“
Stephen ging einige weitere Schritte. Die rechte Hand der Wache näherte sich bereits dem Griff des Schwertes.
Jetzt musste er zuschlagen.
Er machte einen Sprung auf den Ritter zu und schlug ihm anschließend mit voller Wucht den Stein ins Gesicht. Ein Knacken ertönte als die Nase brach. Etwas Blut spritzte und der Paladin ging mit seltsam verdrehten Augen zu Boden. Bewusstlos, nicht tot.
So leise wie während des Rennens nur möglich war, betrat Stephen das Obere Viertel.
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Ritter
Kapitel 14
Stephen sah sich aufmerksam um und erkannte schließlich Michael der in Gedanken versunken auf das Rathaus zuging.
Was er da bloß will?
Doch seltsamerweise blieb Michael für eine kurze Zeit neben der Öffnung des Zauns vor dem Rathaus stehen, bevor er sich nach rechts wandte und in Richtung Haus des Richters ging. Dieses betrat er jedoch ebenfalls nicht. Er umrundete und ging von der Rückseite des Hauses in den Garten des Rathauses. Stephen wusste nicht das dort ebenfalls ein Durchgang ist. Er folgte ihm weiter.
„Michael. Da bist du ja endlich“, sagte eine tonlose Stimme. Stephen erkannte – erschrocken und gleichzeitig leicht erfreut –, dass es die Stimme war, die mit Hanna sprach, kurz bevor sie verschwand. Einer Person zuordnen konnte er sie jedoch immer noch nicht.
„Natürlich. Hast du geglaubt ich würde nicht mehr kommen?“, erwiderte Michael.
„Bei dir weiß man nie ...“
„Wohl wahr, mein Freund. Wohl wahr. Nun gut, gehen wir.“
„Ja. Folge mir.“
„Gut. Aber wir müssen leise sein: Hier sind einige Ritter und Milizen.“
„Sollten wir entdeckt werden, haben wir ja immer noch dich.“
„Ich würde sagen, ein durch das Obere Viertel schleichender Henker würde schon verdächtig wirken.“
„Recht hast du. Aber, genug geredet. Gehen wir.“
Das Gras raschelte als die beiden sich bewegten und so leise wie nur möglich verfolgte Stephen sie.
Nach einiger Zeit ertönte wieder Michaels Stimme. „Ist es dies hier?“
„Ja. Es ist hier drinnen.“
„Moment mal. Wohnt da niemand?“
„Nein. Es gehörte irgendeinem Händler namens Lutero. Er ist ermordet worden.“
„Stimmt ja. Cassia erzählte mir davon.“
Stephen horchte auf. Cassia! Er kennt Cassia! Ein Henker der die Anführerin der Diebesgilde kennt? Das kann nicht mit rechten Dingen zugehen.
„Aber was ist mit seiner Frau?“, fragte Michael.
„Sie hat den Verstand verloren.“
„Das heißt?“
„Ist vom Adanos Tempel gesprungen. Dummerweise mit dem Kopf aufgekommen.“
Michael lachte leise. „Tja, so kann's gehen.“
Einen Moment herrschte Stille und Michaels Lachen verstummte so abrupt, als hätte ihm jemand ein Stoffbündel in den Mund gestopft.
Stephen erschrak. Gott! Haben sie mich etwa...?
„Nun gut. Wir haben keine Zeit zu verlieren. Sie wartet schon.“
Sie. Das kann nur eine Person sein ...
Die beiden Personen betraten das Haus. Sie entflammten kein Licht um keine Aufmerksamkeit zu erregen. Stephen folgte ihnen. In dem Schatten des Hauses konnte man ihn nur schwer erkennen.
„So. Einen Moment ...“
Stephen hörte wie etwas, was möglicherweise ein Hebel sein konnte, betätigt wurde und anschließend, wie sich langsam Steine aufeinander rieben.
„Wie kommt's, dass in dem Haus eines Händlers so etwas ist?“
„Glaube das gehörte mal einem Dieb, oder so. Na ja, und Lutero war scheinbar nicht der hellste.“
„Stimmt wohl. Nun geh vor.“
Die noch unbekannte Person sagte nichts weiter und Stephen vernahm Schritte auf Stein. Seine Augen gewöhnten sich allmählich an die Dunkelheit und er sah, dass die beiden mit einem Hebel einen geheimen Durchgang in der Wand geöffnet hatten. Eine Treppe führte in die Dunkelheit hinab, auf der Michael und der Unbekannte nach unten gingen.
Er hatte sie unauffällig verfolgt. Nach kurzer Zeit standen die beiden vor einer hölzernen Tür, durch dessen Risse einige Lichtstrahlen an ihre Augen gelangten.
„Gut. Wie es scheint ist sie da“, murmelte Michael und öffnete die Tür.
Licht erschien so plötzlich, dass Stephen die Augen zusammenkneifen musste und etwas zurücksprang, damit der Schein der Kerzen die sich in dem Raum hinter der Tür befanden ihn nicht verraten würden.
„Michael! Da bist du ja!“, sagte eine Stephen wohlbekannte Stimme.
„Natürlich doch. Ich hoffe doch ich komme nicht später als erwartet?“
„Nein“, sagte Cassia. „Du kommst nicht zu spät. Wobei der Zeitpunkt auch keine besonders große Rolle spielt. Wir haben die ganze Nacht Zeit.“
„Wohl wahr, meine Liebe.“
„Nun, wollen wir?“, fragte die noch unbekannte Person.
„Oh, Harold, Dich habe ich ganz vergessen.“
Harold? Verdammt, den Namen kenne ich doch ... genau! Das ist dieser Gärtner der beim Rathaus arbeitet. Während er sich darüber wunderte, dass er den Namen des Gärtners kaum wusste, lauschte er weiterhin den Stimmen.
„Ja, es wäre wohl besser, wenn wir nun gehen.“
„Gut, dann los“, sagte Michael und Stephen vernahm Schritte.
Schnell und leise ging er die Treppe wieder hinauf und versteckte hinter einem der zahllosen Schatten in dem Haus. Dort harrte er aus, bis drei in der Dunkelheit gespenstisch anmutende Gestalten zum Vorschein kamen. Diese verließen das Haus und abermals folgte Stephen ihnen vorsichtig.
Kurze Zeit später in einer dunklen Ecke des Oberen Viertels.
Der Dunst von Sumpfkraut stieg Stephen in die Nase und in der Dunkelheit war ein einziger glühender Punkt zu sehen, welcher sich ab und zu bewegte und Stephen an die Augen von grausigen Monstern erinnerten, die an dunklen Stellen in Wäldern lauernd wartend auf ein frisches Stück Menschenfleisch.
Da fiel der glühende Punkt plötzlich zu Boden und wurde scheinbar durch einen Schuh gelöscht.
„Wer da?“ Die Stimme klang ängstlich und nervös wie die eines Kindes, dass verzweifelt versucht, die qualmenden Sumpfkrautstengel zu verstecken, wenn es plötzlich an der Tür klopft, während er heimlich raucht.
„Ein Schattenkrieger. Mach dich bereit zu sterben.“ Harold lachte leise.
„Ach, ihr seid es. Verdammt, schleicht euch doch nicht so an.“
„Was können wir für deine erbärmliche Angst vor der Dunkelheit?“, fragte Michael verächtlich. „Außerdem ist es sinnvoll zu schleichen, wenn man nicht von irgendjemandem entdeckt werden will.“
„Schon gut, schon gut. Ihr habt mich bloß erschreckt.“
„Nun gut, wir sind da. Wir sollten anfangen“, sagte Cassia.
„Ja, gut. Hast du es dabei?“ Die Frage war an Michael gerichtet.
„... ja, ich habe es. Wollen wir?“
„Ja ... dann geht mal.“
„Willst du etwa nicht dabei sein? Wieso? Ist doch ein schönes Erlebnis.“ Stephen spürte förmlich wie Michael lächelte.
„N-nein, sowas ist nichts für mich. Geht ihr nur.“
„Gut“, meinte Michael. „Wie du willst. Du bleibst auch hier Cassia?“
„Ja. Schließlich will ich unseren Freund Cornelius hier nicht alleine in der Dunkelheit lassen.“
„Gut. Man sieht sich.“
„Viel Spaß.“
„Werde ich haben.“
Schritte zweier Personen ertönten und Stephen entschied sich dazu Michael und Harold zu folgen.
Verflucht sei meine Neugier!
Last edited by Poison; 17.05.2007 at 11:23.
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Ritter
Kapitel 15
Was haben die vor? fragte sich Stephen.
Die durch die Nacht schwarz erscheinenden Gestalten, hinter welchen sich Michael und Harold versteckten, gingen den Weg, den Michael einige Zeit zuvor ebenfalls benutzt hat um zu Harold zu gelangen.
Der schwache Schein einer entfernten und augenscheinlich bald ausgehenden Laterne beleuchtete die beiden, während sie auf die Rückseite des Rathauses zugingen.
„Wo?“, fragte Michaels Stimme.
„Gleich hier“, erwiderte die Harolds.
Scharniere quietschten leise und Stephen sah wie die beiden Gestalten eine Art quadratische Tür in der Erde öffneten.
„Und das hat bisher noch niemand entdeckt?“
„Nein, ich habe das Gras, welches ursprünglich hier wuchs wie eine Art Teppich wieder hier platziert. Damit das jemand sieht, müsste er schon stolpern und direkt hier drauf fallen.“
„Gute Arbeit die du hier geleistet hast.“
Michael und Harold stiegen durch die hölzerne Luke und schlossen sie hinter sich.
Nun stand Stephen alleine in diesem Garten, umgeben von der Luke und einem danebenliegenden quadratischem Stück Erde auf der Gras wuchs. Er trat an die Luke heran und horchte.
„Hier ist das Fundament des Gebäudes“, meinte Harold.
„Schön“, erwiderte Michael scheinbar gelangweilt.
„Die Steine sind sehr locker und dahinter liegen Säcke mit Mehl. Man kann sie einfach durchstoßen, ohne dass jemand hier es hört.“
„Dann mach mal.“
Eine Gegenstand traf auf Stein und schon hörte man leise wie die Ziegel auf die Mehlsäcke fielen.
Darauf folgend vernahm Stephen, wie die beiden Personen über die Säcke krochen und schließlich im Keller des Hauses ankam. Die Stimmen waren nun nur noch sehr schwer zu hören.
„Pass auf ... gegenlaufen ... laut ...“
„... sicher nicht ... gehen?“
„Ja.“
Leise Schritte ertönten und schließlich hörte Stephen nichts mehr von ihnen.
Sofort öffnete er die Klappe und stieg in das bedrohlich wirkende, schwarze Loch hinab.
Er tastete sich an der Wand aus Erde rechts von ihm nach vorne, bis er auf das Fundament des Rathauses stieß.
Ein großes Loch war in diesem Fundament, hinter dem er so gut wie gar nichts erkennen konnte.
Er durchquerte es, kroch über die Mehlsäcke und kam schließlich in dem Keller an. Hinter einer angelehnten Tür konnte man schwaches Licht erkennen.
Stephen öffnete die Tür, trat hindurch und lehnte sie hinter sich wieder an.
Neben ihm führte eine Treppe ein Stockwerk höher und Stephen stieg leise die Treppe hinauf.
Oben angekommen, führte links von ihm eine weitere Treppe weiter nach oben und rechts von ihm war ein Durchgang in den Eingangsraum des Rathauses, in dem eine einzige Stadtwache, direkt neben dem Durchgang zum Treppenhaus, auf einem Stuhl saß und Wache hielt, welche allerdings augenscheinlich sehr müde wahr.
Da können sie nicht hergegangen sein. Also müssen sie die Treppe genommen haben.
Schnell schlich Stephen die Treppe hinauf und kam in der Wohnung des hiesigen Statthalters an.
Was wollen die hier?
Er vernahm flüsternde, tonlose Stimmen.
„Er ist in dem Raum dort drüben“, sagte Harold.
„Gut“, erwiderte Michael. „Gehen wir.“
Stephen sah die beiden in das Zimmer des Statthalters schleichen und folgte ihnen leise. Unauffällig beobachtete er sie.
„Mach das Fenster auf“, sagte Michael und Harold folgte seinem Befehl. „Gut so.“ Er zog einen Dolch aus seinem Gürtel und trat an den schlafenden Statthalter Larius heran.
Mit einer schnelle Handbewegung fuhr der Dolch durch die Kehle Larius' und Michael sprang zurück um nichts von dem spritzendem Blut abzubekommen.
Stephen riss die Augen auf und sog scharf Luft ein. WAS...?!
„Das wäre vollbracht“, sagte Michael und, obwohl er ihm den Rücken zugedreht hatte, war Stephen sich sicher, dass er lächelte.
„Dann bringe es schnell zuende. Wir müssen weg.“
Michael rührte sich nicht.
„Michael? Du ... du hast es doch dabei, oder?“
„Ja, aber ich werde sie nicht benutzen.“
„VER ... verdammt nochmal. Warum nicht“
„Nun, wir könnten es machen wie geplant, aber ich habe eine viel bessere Lösung. Die Kette werde ich nicht brauchen. Wenn wir vorgehen würden wie geplant, würden die Milizen die ganze Stadt durchsuchen, bis sie irgendwann auf Hanna stoßen.“
Hanna!?
„Das heißt“, fuhr er fort, „wir würden in Gefahr laufen, entdeckt zu werden. Wenn sie den Mörder gleich finden würden, tot, wäre alles viel einfacher.“
„Aber wem sollen wir es jetzt noch anhängen? Etwa ... doch nicht ... doch nicht mir, oder?“ In seiner Stimme schwang Panik mit.
„Nein, dir nicht. Nehmen wir doch einfach unseren Freund hier.“
Schritte kamen auf die in ihrem Versteck kauernden Person zu.
„Hallo Stephen.“
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Ritter
Kapitel 16
Stephen sprang auf, wobei er an einen Tisch stieß und eine darauf befindliche Vase gefährlich verschob.
„Wie geht’s dir? Gut?“
Stephen sah sich um nach einem Fluchtweg und wollte gerade an Michael vorbeistürmen, auf das offene Fenster zu, doch Harold stellte sich ihm in den Weg und traf ihn mit seiner Faust mitten im Gesicht. Ein Knacken ertönte, Blut spritzte aus der Nase und Stephen stürzte beinahe zu Boden; Michael fing ihn gerade noch auf, um Lärm zu vermeiden.
„So, mein Lieber“, sagte Michael. „Jetzt werde ich meinen schönen Plan verwirklichen. Die Milizen werden deine Leiche unter dem Fenster finden. Gebrochenes Genick.“ Er seufzte mit gespielter Trauer. „Leider bist du sehr unglücklich aufgekommen.“
„Was soll das Ganze hier?“, fragte Stephen. „Warum tut ihr das Alles? Und wo ist Hanna?“
„Du wirst zwar gleich sterben, aber trotzdem werde ich dir nichts erzählen. Nichts von der Sache hier und nichts von Hanna. Du wirst unwissend sterben.“
Porzellan fiel klirrend zu Boden, ein leises „Was?!“ war von dem Stockwerk tiefer zu hören und Schritte ertönten.
„Scheiße!“
Die Gelegenheit nutzend fuhr Stephen herum und stieß Michael zu Boden. Das gleiche tat er mit dem verwirrt aussehenden Harold und stürmte auf das Fenster zu. Er warf einen kleinen Blick hinaus und einen an der Wand unter sich entlang, bevor er auf die Fensterbank stieg und das Zimmer verließ. Mit den Füßen stützte er sich auf einen Fensterrahmen unter ihm ab, kletterte auf dessen Fensterbank und ließ sich zu Boden fallen. Er kam sanft und unverletzt auf, lief ein paar Schritte, bevor er sich schließlich umdrehte und zu dem erleuchteten Fenster aufschaute.
„Wer seid ihr?!“, war aus dem Zimmer zu hören. „Was... Statthalter Larius!“
„Ich empfehle mich“, sagte Michael und sein Schatten wurde am Fenster sichtbar, während ein scheinbar zwischen der Wache und Harold ausgetragener Schwertkampf hörbar wurde.
Michael kam auf dem Boden auf und entfernte sich sofort von dem Haus, allerdings nicht auf Stephen zu. Schnell verschwand er in der Dunkelheit.
Ein Schrei Harolds war zu vernehmen und darauffolgenden eine Stimme die „Durchsucht sofort das ganze Obere Viertel! Statthalter Larius ist tot“ brüllte.
Scheiße! Ich werde ja auch noch gesucht! Ich muss mich verstecken!
Er dachte daran, durch den normalen Eingang des Oberen Viertels zu flüchten. Nein, das geht nicht. Nachdem ich eine Wache niedergeschlagen habe, wird dort mit Sicherheit diese Nacht besser Wache gehalten.
Ihm kam die Idee wieder über den Adanos-Tempel zu flüchten und allem Anschein nach war das die einzige Möglichkeit. Er drehte sich um, als eine ihm bekannte Stimme ertönte.
„Gute Nacht, Stephen!“, zischte Michael und eine Hand schlug Stephen in den Nacken. Er wurde sofort bewusstlos.
„... mit ihm machen?“
„Ich denke mal, wir sollten ihn töten.“, erwiderte Michael. „Ist das einfachste.“ Man konnte fast hören wie er grinste.
„Gut, aber wann?“, fragte Cassia.
„Sehr bald. Er darf uns nicht entkommen. Es steht zu viel auf dem Spiel.“
„Gut. Und... he, er ist wach!“
Cassia und Michael drehten sich beide zu dem am Boden liegenden Stephen um, welcher soeben sein Bewusstsein wiedererlangt und die Augen geöffnet hatte. Er versuchte sich zu bewegen, doch er konnte es nicht. Er war mit den Händen an irgendetwas gefesselt, aber er konnte nicht sehen an was.
„Das trifft sich ja gut“, sagte Michael und ging auf Stephen zu. „Na, mein Freund? Wie geht's dir?“
Stephen erwiderte nichts auf diese Frage. Stattdessen sah er sich um. Er befand sich scheinbar in einem unterirdischen Raum und er vermutete, dass es der Raum unter dem Haus in dem einst Lutero lebte ist.
Der Raum war durch ein halbes dutzend Kerzen an den Wänden erhellt, welche durch ihr Flackern einige bizarre Schatten an die Wände warfen. Der Raum war sehr schlicht möbliert. Es gab einen Sessel, zwei Stühle und zwischen ihnen einen Tisch, auf dem sich eine weitere Kerze befand. Gleich hinter dem Sessel befanden sich zwei äußerst alt aussehende Truhen, von denen eine offen war und einige Schwerter und Messer zeigte.
„Nicht so gesprächig heute? Macht nichts, so geht’s doch jedem mal.“
„Was soll das alles?“, fragte Stephen. „Warum habt ihr Larius getötet?“
Cassia ergriff das Wort. „Nun, das hat einen ganz einfachen Grund, mein alter Freund. Jeder Statthalter besitzt ein Pergament, in dem der Nachfolger des Statthalters genannt wird, sollte dieser sterben. Natürlich kann man nicht einfach jeden zum Statthalter ernennen. Nur jemanden, der lange Zeit gut für ihn und die Stadt gearbeitet hat.“
Nun wurde es Stephen schlagartig klar. „Cornelius! Natürlich, Cornelius! Er hat lange Zeit für ihn gearbeitet und er erscheint vertrauenswürdig. Mit ihm habt ihr geredet.“
„Stimmt. Und er war der einzige der dem Statthalter nahe genug stand, um unauffällig das Pergament gegen ein anderes zu tauschen.“
„Aber warum hast du mich und Attila verraten? Das habt ihr doch, oder?“
„Ja, das habe ich. Auch der Grund dafür ist ganz einfach...“
„Du hattest Angst, dass dich Attila eines Tages als Spitze der Diebesgilde ablöst, nicht wahr?“, fiel ihr Stephen ins Wort.
Cassia schüttelte lächelnd den Kopf. „Nein, das war eher ein angenehmer Nebeneffekt. Der wahre Grund ist viel schlichter. Die Diebesgilde als Organisation wie sie damals existierte war mir nicht mehr von Nutzen und somit waren mir auch die meisten Mitglieder nicht mehr von Nutzen.“
Ungläubig starrte Stephen sie an und spürte wie Wut in ihm aufstieg. Nicht mehr von Nutzen?, dachte er. Du hast Attila sterben lassen weil er dir nicht mehr von Nutzen war?! „Und Hanna... sie musste das Spiel mitspielen, oder?“, fragte er, während er versuchte seine Stimme möglichst ruhig zu halten.
„Ja, das musste sie“, sagte Michael, welcher einen äußerst ungeduldigen und genervten Gesichtsausdruck hatte. „Und Jesper und Ramirez haben wir aus demselben Grund verraten. Kann ich ihn jetzt töten?“
„Sie doch nicht so ungeduldig. Ich will noch ein bisschen mit ihm reden.“ Sie wandte sich wieder an Stephen. „Mein Freund Michael hat mir erzählt, du willst wissen wo Hanna ist, nicht wahr?“
Stephen nickte leicht und hörte aufmerksam zu.
„Nun“, sagte Cassia kalt lächelnd, „sie liegt in ihrem Gasthaus, hinter der Theke. Tot.“
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Ritter
Kapitel 17
„Sean! Stan! Erstattet Bericht!“
Die beiden Milizen höheren Ranges salutierten vor dem Paladin Cedric und berichteten nacheinander von ihrer Suche nach den Mördern Larius'.
„Ich habe den Südöstlichen Teil des Oberen Viertels untersucht und bin auf nichts gestoßen“, sagte Sean, ein stämmiger Mann in den Vierzigern, mit gutmütigem Gesichtsausdruck und Schnurrbart.
„Ich dagegen konnte im Südwestlichen Teil des Viertels etwas interessantes in Erfahrung bringen“, sagte Stan, ein junger Mann in den zwanzigern mit leichten Stoppeln im unteren Teil des Gesichts. „Eine der Wachen des Oberen Viertels wurde nicht allzu lange vor dem Mord angegriffen. Sie wurde mit einem Stein bewusstlos geschlagen.“
„Hm, und der Mörder konnte auf diesem Weg eindringen?“, fragte Cedric.
„Nun, da ist etwas seltsames“, erwiderte Stan. „Offenbar konnte einer der Mörder ungehindert in das Obere Viertel kommen. Es war der seltsam Blasse, von dem einer der Ritter in dem Rathaus berichtete. Sein Name ist Michael und er ist Henker der Miliz.“
„Michael? Den kenne ich doch... na klar, ich war bei seiner letzten Hinrichtung dabei. Aber warum bringt er Statthalter Larius um.“
„Nun“, begann Sean, „Ich habe da eine Vermutung.“
„Sprecht.“
„Ich könnte mir vorstellen das jene Person, welche eine der Wachen angegriffen hatte, zusammen mit dem mittlerweile toten Gärtner Harold Statthalter Larius umbringen wollte. Vielleicht war Michael nur dort um etwas mit dem Statthalter, oder Cornelius, zu besprechen.“
„Hm, das wäre möglich.“
„Wie geht es momentan eigentlich Cornelius?“, fragte Sean. „Hat sich sein Zustand gebessert?“
„Ja, er wurde nicht allzu schwer verletzt. Er bekam nur ein paar geringfügige Schnittwunden ab. Er konnte uns übrigens verraten, wer ihn angegriffen hat. Er konnte ihn leicht aber sicher im Schein der nächsten Lampe erkennen.“
„Wer war es?“, fragte Stan.
„Eine Frau. Wie er sagte, die Besitzerin des Gasthauses in der Unterstadt. Hanna ist ihr Name. Nun gut, Stan, untersuche mit der anderen Gruppe die Unterstadt! Sean, untersuche du den Rest des oberen Viertels.“
Stephen keuchte auf, als Cassia sagte, dass Hanna tot ist. Er musste wieder daran denken, wie sie ihm aus dem Gefängnis geholfen hat, obwohl er damals einen so unglaublichen Hass auf sie empfand.
„Ja, sie ist tot“, sagte Cassia fröhlich und lächelte Stephen mit einem Lächeln an, welches verriet, dass ihr das Erzählen unheimlich viel Spaß machte. „Sie liegt da, mit durchgeschnittenen Pulsadern hinter der Theke in einer Lache ihres eigenen Blutes. Natürlich wird es jeder für Selbstmord halten. Warum auch nicht, bei dem was sie getan hat.“ Sie lachte auf. „Beziehungsweise, bei dem was die Miliz und die Paladine denken, was sie getan hat.“
In dem Moment wurden Schritte hinter der nahen Tür hörbar und Michael und Cassia sogen hörbar erschrocken Luft ein. Die Hände beider umfassten die Griffe ihrer Waffen.
„Dreck! Wer ist das?“, zischte Cassia tonlos und mit weit offenen Augen.
Ein Klopfen wurde von der Tür her hörbar und anschließend sagte eine Stimme: „Keine Angst, Fische der Meere.“
Michael und Cassia atmeten auf und lösten ihre Griffe von den Waffen. „Kommt herein, Fischersleut'“, erwiderte Cassia und Stephen begriff, dass es sich hierbei um eine Art Code gehandelt haben musste.
Die Tür öffnete sich knarzend und eine Person in roter sauberer Milizrüstung trat ein. Hat etwa eine der Milizen diesen Code in Erfahrung bringen können?, dachte Stephen erschrocken, doch Michael und Cassia blieben überraschenderweise vollkommen ruhig und lächelten dem Milizen entgegen.
„Sean!“, sagte Michael und lachte. „Eine Freude dich zu sehen. Wie kommt es, dass du diese Nacht noch kommst?“
„Das hat sich so ergeben. Ich sollte den nördlichen Teil des Oberen Viertels untersuchen und da wollte ich gleich noch mal vorbeikommen.“
„Eine gute Idee war das, Sean“, sagte Cassia lächelnd. „Nun, hat alles funktioniert?“
„Ja, perfekt. Cedric hat gemeint, es sei tatsächlich möglich, dass Michael nur zufällig dort war. Und auch mit Cornelius ist alles richtig gelaufen.“
„Er hat also Hanna beschuldigt?“
„Ja, das hat er“, erwiderte Sean und lächelte freundlich und entdeckte nun den gefesselten Stephen. „Das muss dieser Stephen sein. Warum habt ihr ihn hier?“
„Wir mussten unseren Plan spontan ändern“, sagte Cassia. „Michael hat ihn glücklicherweise hierher geschafft, so können wir mit ihm ungefähr dasselbe machen, wie mit Hanna. Das können wir eigentlich auch jetzt machen. Das du gerade da bist, trifft sich gut.“
Michael löste Stephens Fesseln von dem Gegenstand, an dem er gefesselt war und führte ihn, gefolgt von Sean, Cassia war vor ihnen aus dem Raum. Stephen erkannte dabei, dass er an eine Säule gefesselt worden war, welche die Decke abstützte.
Die vier gingen die Treppe hinauf in den Eingangsraum des Hauses und von da in ein kleines Nebenzimmer. Sean zündete einige der Kerzen an, damit sie besser sehen konnten.
Bis auf einen Sessel an einer Wand, und einem Kamin auf dem wohl mal einige Wertsachen gestanden hatten, welche nun wohl einigen kleinen Dieben gehörten, war der Raum leer.
Michael stieß Stephen an, so dass dieser auf den Boden fiel. „Nun, Stephen, wird dir die Ehre erwiesen, durch mich zu sterben.“ Er grinste, und dieses Grinsen verursachte ihm eine Gänsehaut und ließ ihn schaudern.
„Halt dich nicht zu lange mit irgendwelchen Späßen“, sagte Cassia. „Sean wird gleich die Milizen holen. Wir können hier nicht allzu lange verweilen.“
„Gut, ich gehe dann“, sagte Sean und lächelte, als er Stephen ansah. Es war ein freundliches, gutmütiges Lächeln. Würde man den Mann einfach so auf der Straße sehen, dachte Stephen, Würde man ihm nicht zutrauen, dass er mit Cassia und Michael verbündet ist.
„Und ihr verschwindet schnell, wenn ihr fertig seid, ja?“, sagte Sean. „Am besten durch die Truhe. Ich übernehme keine Verantwortung, wenn die Milizen euch noch hier entdecken, klar?“
„Ja ja, geh schon“, meinte Michael und verdrehte die Augen. „Ich mache es schnell. Muss ich ja wohl leider.“
Sean verließ den Raum und anschließend das Haus und Michael wandte sich wieder Stephen zu.
„Leider kann ich mir nicht viel Zeit für dich lassen. Also, bringen wir's hinter uns!“
Er umfasste Stephens Unterarm mit der linken Hand und hob ihn etwas an während er seine Lippen mittels seiner Zunge anfeuchtete. Stephen packte Entsetzen als Michael sein Messer hervorholte, da er erst jetzt wirklich verstand, was er vorhatte. Tausende Gedanken schossen ihm in dieser Sekunde durch den Kopf. Greif ihn an! Entreiße ihm deinen Arm! Versuche ihn zu treten! Verdammt nochmal, mach was!
Doch es war bereits zu spät. Ohne groß zu Zögern öffnete Michael lächelnd mit einem einzigen sauberen Schnitt Stephens Pulsadern und ein heißer pochender Schmerz brannte auf.
Sichtlich Gelangweilt betrachtete Cassia die Szene und keine noch so kleine Regung zuckte durch ihr Gesicht, als das Blut Stephens an die Oberfläche trat und auf den Boden floss. „Bist du fertig?“, fragte sie.
Michael musste sich scheinbar überwinden, um seinen Blick von Stephens Schnitt abzuwenden. „Ja ja, ich bin fertig!“, erwiderte er leicht gereizt und wischte sein Messer an Stephens Kleidung ab bevor er es wieder einsteckte. „Wir können gehen.“
Cassia nickte mit hochgezogenen Augenbrauen und ein leichtes Lächeln umspielte nun ihre Lippen. „Gut“, sagte sie.
Die beiden verließen den Raum zügig und ließen Stephen, wie er dort auf dem Teppich lag, voller Panik und voller Blut, allein.
Last edited by Poison; 19.10.2006 at 18:29.
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Ritter
Kapitel 18
Ihre Waffen in den Händen haltend standen drei Milizen und Cedric vor dem Haus in dem einst Lutero lebte.
„Er befindet sich hier drin?“, fragte Cedric.
„Ja, er liegt in diesem Haus, in dem Raum rechts von dem Eingangsraum“, erwiderte Sean. „Aber ihr braucht doch eure Waffen nicht. Er ist tot! Tote können nicht mehr andere angreifen; jedenfalls unter normalen Umständen.“
„Trotzdem, man weiß ja nie. Vielleicht lebte er noch und ihr habt euch geirrt.“
Sean schüttelte den Kopf. „Aber, nun gut, wenn ihr meint. Sollen wir eintreten, Sir?“
„Ja, gehen wir“, sagte Cedric und öffnete die Tür.
Von dem Eingangsraum gingen sie in das Zimmer rechts von ihnen und sahen sich um.
„Ich hatte da mal einen Freund“
Blut floss in Strömen aus der Wunde und formte eine große Lache auf dem Boden.
„der wurde schwer verwundet, an den“
Mit weit aufgerissenen Augen starrte Stephen auf den Schnitt, unwissend, was er nun tun sollte.
„Pulsadern. Weißt du wie er sich gerettet hat?“
„Nein, wie denn, Attila?“
„Er hat die Wunde“
Die Erinnerung kam zurück. Sie kam ihm wider ins Gedächtnis und kurz darauf fragte sich Stephen, wie er sowas nur vergessen konnte. Er riss sich sein Hemd von Leib, presste es auf die pulsierende Wunde, die einfach nicht aufhören wollte in Strömen zu Bluten. Stephen spürte, wie sein Körper langsam von Schwäche befallen wurde, spürte, wie seine Augenlider schwerer wurden.
„Ihr haut dann schnell ab, wenn ihr hier fertig seid, ja? Am besten durch die Truhe.“
Die Truhe?
Er erhob sich und wankte auf den Hebel zu, der den Geheimgang betätigt, wobei er darauf achtete, keine Blutspuren zu hinterlassen. Er betätigte den Hebel, der Gang öffnete sich und er ging die Treppe hinab, in den Raum, in dem er sich noch vor wenigen Minuten aufgehalten hatte.
Die Truhe, die Truhe, die Truhe. Eine der Truhen war verschlossen...
Er sah zu den beiden Truhen hinüber, wobei er abermals bemerkte, wie Schwäche in befiel und er presste fester zu. Plötzlich fiel ihm ein weiterer Gedanke ein.
„Ja, er hat etwas auf seine Wunde gepresst, aber nicht nur das. Stephen, ich will das du dir das merkst. Bei unserer Arbeit kann man leicht verletzt werden.“
„Gut, was hat er denn noch gemacht?“
„Er hat seinen Arm abgebunden, verstehst du?“
Stephen riss von seinem Hemd einen breiten Streifen, welcher größenteils noch nicht von Blut durchtränkt war, ab und erinnerte sich daran, wie Attila ihm damals genau zeigte, wie man seinen Arm abbindet. Dies tat er nun ebenfalls. Er wickelte den Streifen um seinen Oberarm, zog ihn fest und verknotete ihn. Er hoffte, dass dies helfen würde, doch er fühlte sich immer noch von Schwäche befallen.
„Er befindet sich hier drin?“, hörte Stephen eine Stimme von oberhalb der Treppe sagen, gerade noch laut genug, um wahrgenommen zu werden.
„Ja, er liegt in diesem Haus, in dem Raum rechts von dem Eingangsraum“, erwiderte die Stimme Seans, was Stephen dazu antrieb, sich zu beeilen.
Die Stimmen sprachen noch weiter, aber Stephen achtete nicht mehr auf sie, während er die Truhen untersuchte. Die Linke war offen und mit Waffen gefüllt. In der rechten muss etwas sein...
Die rechte Truhe, welche ihm nun größer vorkam als die linke, war nicht verschlossen und er hob den Deckel an.
Ein großer und frischer Blutfleck war auf dem braunen Teppich zu sehen, doch von einer Leiche war keine Spur.
„Er ist also tot?“, fragte Cedric und sein Gesichtsausdruck verfinsterte sich.
Sean starrte mit offenem Mund auf den Blutfleck. „Er... er...“
„Verdammt nochmal! Deine 'Leiche' ist aufgestanden und weggegangen. Sean, wie soll ich mir das erklären? Was geht hier vor?“
„Cedric, Sir! Kommt schnell hierher!“, rief die Stimme eines der Milizen aus dem Eingangsraum.
Cedric wandte sich wütend von Sean ab und trat in den Eingangsraum. „Was, bei Beliar, ist denn so...?!“
Er entdeckte den Grund, für das Rufen des Milizen. Mitten in der Wand prangte ein gewaltiges Loch, welches jedoch bei dem hereinkommen, von dem Profil eines Schranks verdeckt war. Er sah in das Loch und erblickte eine Treppe die hinab in die Dunkelheit führte. „Hier muss der Mörder hergegangen sein“, sagte Cedric mit grimmiger Stimme und zog sein Schwert. „Folgt mir!“
In der Kiste befand sich Dunkelheit.
Jedenfalls, war es das, was Stephen zuerst dachte; dass hier in der Truhe vielleicht irgendein Zauberer die Dunkelheit versteckt hielt. Versteckt, um sie jede Nacht herauszulassen, damit sie Khorinis verdunkelt.
Dann sah er, dass sich ein Loch im Boden der Truhe befand und scheinbar auch im Boden darunter. Meine Vermutung stimmte also. Ein Geheimgang.
Er konnte den Boden unter diesem Loch nicht sehen und auch nicht, wo genau es hinführte, aber etwas ließ ihm das vollkommen nebensächlich erscheinen. Eine Stimme die, gefährlich nahe, rief: „Cedric, Sir! Kommt schnell hierher!“
Stephen erschrak von der Nähe, aus der diese Stimme kam; sie musste direkt von oberhalb der Treppe kommen. Er entschied sich, in das Loch zu steigen, unwissend, was ihn dort erwarten könnte, was dort unten auf einen schwachen jungen Mann warten könnte, etwas das sein Blut riechen könnte...
Schwachsinn!, sagte er sich. Michael und Cassia sind auch hierher gegangen! Dies erschien ihm plausibel, doch etwas seiner Angst blieb.
Er ließ seine Beine über den Rand der Kiste hängen und rutschte hinunter, in die Dunkelheit hinein.
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Ritter
Kapitel 19
Die Dunkelheit umhüllte ihn vollkommen und er kam unsanft mit den Knien auf den feuchten Boden auf.
Feucht?
Der Boden war mehr als feucht. Stephen kniete in ungefähr ein Fuß tiefem Abwässern. Dies muss die Kanalisation sein, dachte er und der nur allzu bekannte Geruch verriet ihm, dass er recht hatte. Ratten quiekten irgendwo in der Dunkelheit und leise Stimme drangen aus dem leuchtenden Rechteck über ihm.
Hastig stand er auf, taumelte mit ausgestreckten Händen vorwärts, bis er eine steinerne Wand ertastete, an die er sich lehnen konnte. Schmerzhaft pochte die Wunde unterhalb seiner linken Hand. Er fühlte sich schwach. Unglaublich schwach.
„Hier runter!“, schrie eine Person aus dem leuchtenden Rechteck. „Er muss hier herunter gesprungen sein!“
Diese Stimme riss Stephen schlagartig aus seinen Gedanken. Dreck, ich muss hier weg!, dachte er und setzte sich in Bewegung, wobei er am Rand des Tunnels ging, um nicht durch die Geräusche des Wassers auf sich aufmerksam zu machen.
Eine weitere Stimme hallte durch die Kanalisation: „Gehen wir vorsichtig da runter. Sean! Du zuerst!“
Stephen beschleunigte seinen Schritt noch etwas, trotz seiner Schwäche.
Plötzlich quiekte etwas in der Dunkelheit direkt vor Stephen. Sein rechter Fuß prallte gegen eine warme, sich bewegende Masse, ließ ihn stolpern und er fiel der Länge nach auf den harte Boden der Kanalisation.
„Scheiße!“, schrie er, als er für einen Moment vergaß, dass er verfolgt wurde.
Das quiekende Etwas befand sich nun fauchend vor Stephens Gesicht und war den Geräuschen nach ein Prachtexemplar von einer Ratte.
Stephen erkannte sofort, dass die Ratte eine Gefahr darstellte und seine Hand fuhr instinktiv zu seinem Gürtel um seine Waffe hervorzuholen. Doch da war keine Waffe. Nicht mal ein Stock.
Ein Stück hinter sich hörte Stephen etwas schweres im Wasser aufkommen und kurz darauf ein geschrienes „Scheiße!“.
Stephen versuchte sich langsam aufzurichten, doch das aggressive Fauchen der Ratte ließ ihn innehalten. Sein Atem ging flach und das Pochen wurde schmerzhafter. Mit seiner rechten Hand tastete er auf dem Boden und in den Abwässern nach einem einigermaßen großen Stein, fand aber keinen. Er sah geradeaus, in die Richtung, aus der die Geräusche der Ratte kamen und ganz leicht ein glänzendes Augenpaar in der Dunkelheit zu sehen war.
Verdammte Ratte!, dachte Stephen. Warum muss die auch ausgerechnet dort liegen, wo ich herlaufen muss? Er konnte nicht einfach dort liegenbleiben, bis die Milizen kommen.
Ein wütender Schrei war hinter Stephen zu hören. „Verfluchte Drecksratte!“ Ein Schwert wurde gezogen.
Diese Geräusche nun erregten wohl kurz die Aufmerksamkeit der Ratte, denn ihr Augenpaar wandte sich von Stephen ab und sah in den Tunnel hinter ihm. Jetzt!, brüllte Stephen in Gedanken und so schnell er konnte stand er auf und wollte gerade weiterlaufen, als die Ratte seine Bewegungen bemerkte. Sie fauchte laut und stürzte sich nach vorne, in Richtung Stephen. Dieser spürte, wie scheinbar plötzlich ein Gewicht an seinem Bein hing und wie sich unzählige kleine Zähne blutgierig in seine Wade gruben. Er biss die Zähne zusammen und versuchte den Schrei zu unterdrücken, doch dies gelang ihm nicht. Gepeinigt schrie er auf und versuchte verzweifelt die Ratte von seinem Bein zu entfernen, während die Geräusche der Milizen für einen Moment aufhörten.
Sie haben mich gehört!, dachte Stephen erschrocken, voller Angst. Bei Beliar, sie haben mich gehört!
Ein weiteres Mal bohrten sich die Zähne der Ratte in seine Waden. Dieses Mal war es nicht so heftig wie zuvor, aber all dieser Schmerz entriss Stephen für einen kurzen Moment seiner Schwäche und mit seiner rechten Hand schlug er der Ratte in den Nacken. Er erkannte nicht, wie heftig er geschlagen hatte, bis ein Knacken ihm verriet, dass er das Genick der Ratte gebrochen hatte. Leblos sank sie von seinem Bein auf den Boden und blieb dort liegen.
Stephen wünschte, er hätte für einen Moment verschnaufen können, doch eine Stimme ein Stück hinter ihm sagte grimmig: „Er muss direkt vor uns sein. Weiter Männer!“
Schwerter wurde gezogen und schnelle Schritte auf den Steinen der Kanalisation ertönten.
Stephen setzte seinen Weg schneller als zuvor fort. Verdammt! Warum müssen nur alle Lampen aus sein? Dreckige Kerzen!
Er lief weiter hinein in die Dunkelheit, darauf hoffend, bald den Ausgang zu finden.
„Verfluchte Drecksratte!“, brüllte Cedric, nachdem eine Ratte versucht hatte ihn zu attackieren. Er zog sein Schwert und trennte den Kopf der Ratte mit einem glatten Schnitt vom Körper, worauf sich ein Schwall Blut in die Abwässer ergoss. „Warum haben die anderen Paladine, als sie hier waren nicht gleich diese scheiß Ratten abgeschlachtet?!“
Die Milizen erwiderten nichts darauf, was nur allzu verständlich war. Man lief in Gefahr etwas falsches zu sagen und man sollten einen wütenden Paladin nicht noch mehr als ohnehin schon verärgern.
In dem Moment ertönte ein lauter Schrei aus der Dunkelheit vor ihnen. Die Person war nicht sehr nah, aber auch nicht allzu weit entfernt.
Cedric steckte sein Schwert wieder ein und hielt sich den rechten Finger an die Lippen. „Psst!“, zischte er und sie alle lauschten. Leises Quieken und Fauchen war zu hören, dann etwas wie ein gepeinigtes Stöhnen und schließlich ein leises Knacken.
„Er muss direkt vor uns sein“, sagte Cedric mit einem grimmigem Lächeln im Gesicht. „Weiter Männer!“
Sie alle zogen ihre Schwerter und schritten voran, in die Richtung aus der die Geräusche gekommen waren. Eine tote Ratte lag am auf den Steinen, doch die Männer beachteten sie nicht weiter, beschleunigten ihre Schritte.
Du entkommst uns nicht, dachte Cedric. O nein, mein Lieber. Du wirst nie wieder das Licht der Sonne erblicken. Doch dann wandte er sich in Gedanken wieder Sean zu. Er hatte gesagt, der Mörder würde tot auf dem Boden liegen. Aber er war nicht tot. O nein, er ist sehr lebendig, aber die Blutlache weißt darauf hin, dass er schwer verletzt wurde. Dieser Sean... ob der irgendetwas mit dem Mord zu tun hat?
Er hörte das Atmen der Milizen und dachte sich, die meisten atmen wohl – wie er selbst – durch den Mund, weil sie nicht an den Geruch gewöhnt sind.
„Schneller“, sagte Cedric nach einer Weile. „Er darf uns nicht entkommen!“ Und er begann damit, so schnell zu rennen, wie es ihm seine Rüstung erlaubte.
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