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  1. #41 Reply With Quote
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    Sep 2008
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    Ich wollte Euch ja erst wieder an einer spannenden Stelle hängen lassen. Aber dann war das abgeschlossene Kapitel doch die, meiner Meinung nach, bessere Alternative. Have fun.
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    „Verdammt, wo ist sie?“ Ulfrics Stimme bellte durch das uralte Gemäuer. Zusammen mit Jorleif und Wuunferth durchkämmte er die zahlreichen Gemächer.
    „Vielleicht ist sie einfach nur gegangen. Hatte keine Lust mehr auf ihren geliebten Ralof zu warten. Oder vielleicht wart Ihr auch einfach zu gut, mein Jarl, und sie hat sich umentschieden.“ ließ sich Galmar, der lustlos hinter dem aufgeregten Haufen hertrottete, vernehmen.
    „Wer wollte nicht mehr auf mich warten.“ Verwirrt verfolgte Ralof eine Szene, die er sich in seinen kühnsten Träumen nicht einmal vorzustellen gewagt hätte. Die Faust von Ulfric Sturmmantel landete gerade mit einer solchen Wucht im Gesicht seines engsten Vertrauten, dass Galmar mit einem undeutlichen, schnorchelnden Geräusch an Ralof vorbei die Treppenstufen hinunter segelte.
    „Ah, da seid Ihr ja, Kommandant Ralof.“ Im Nu hatte sein Kriegsherr sich wieder in der Gewalt, während er sich die schmerzende Faust rieb. „Leider fällt meine Nachricht für Euch nicht erfreulich aus. Seid so gut und begleitet mich in meine Gemächer…. Galmar, kommt Ihr oder wollt Ihr auf ewig dort unten liegen bleiben.“
    Ulfrics Selbstbeherrschung schien grenzenlos. In einem Moment schlug er den Mann, den er am meisten brauchte, um im nächsten fortzufahren als wäre nie etwas geschehen. Unschlüssig fuhr sich Ralof mit der Hand durch die vom langen Ritt durch ständiges Schneegestöber feuchten Haare. Der schwere Pelzumhang lastete auf seinen Schultern und verströmte den Geruch nach nassem Fell. Liebend gerne hätte er sich erst umgezogen und normalerweise wäre das auch Ulfrics erstes Angebot gewesen. Ein unangenehmes Gefühl machte sich in seiner Magengegend breit und er fühlte sich müde. Ohne ein weiteres Wort folgte er Ulfric in dessen Schlafgemach, während sich weiter unten Galmar erhob und erfolglos das Blut aus seinem Gesicht zu entfernen versuchte.

    Mit einem Blick erfasste Ralof die Situation in Ulfrics persönlichem Zimmer. Ihr Dai Katana lehnte an der Wand neben dem Kamin, ihre alte Stahlplattenrüstung hatte sie samt ihres Gepäcks sorgfältig auf einem großen Stuhl in einer freien Ecke des Raums deponiert. Das schwere leinene Bettzeug war ordentlich zurückgeschlagen und wies keinerlei Spuren eines Kampfes auf.
    „Wo ist sie?“ fragte er tonlos.
    „Spurlos verschwunden ist sie, Eure kleine Hure.“ Galmars blutverschmiertes Gesicht tauchte im Türrahmen auf.
    „Galmar! Haltet den Mund! Noch ein Wort und ich schicke Euch persönlich auf die Suche nach ihr.“
    „Galmar, ich brauche diesbezüglich keine näheren Erläuterungen von Euch.“ Fast zärtlich strich Ralof mit der Hand über ihre Rüstung, bevor er sie samt des Gepäcks auf den Boden legte und sich resigniert in den Stuhl fallen ließ. Nie würde er diese Frau verstehen, ihre widersprüchlichen Handlungen, die ihn in einem Moment in den Himmel hoben, um ihn im nächsten Augenblick mit Wucht wieder auf die Erde zu befördern, und doch liebte er sie mit allen Sinnen, die ihm zur Verfügung standen.
    „Sagt mir nur, weshalb sie hier war und was mit ihr geschehen ist. Niemals würde sie freiwillig die Stadt ohne diese Waffe verlassen.“

    Seine Hand deutete auf das im Feuerschein rötlich glänzende Dai Katana, das just in diesem Augenblick wie von Geisterhand bewegt, umfiel und mit einem leisen Klirren auf dem Boden zu liegen kam. Der Schein der Flammen spiegelte sich in seiner polierten Oberfläche und ließ die fein eingearbeiteten Zeichen wie böse Omen aus dem Reich des Vergessens vor seinen Augen zucken. Eine unheimliche Waffe. Nirgendwo sonst hatte er eine solche nochmals zu Gesicht bekommen. Sie konnte nur dem sagenhaften Oblivion entstammen und er mochte nicht mal ansatzweise wissen, wie sie in ihre Hände gelangt war, aber sie verstand sie zu führen wie sonst niemand.
    „Kommt Ralof“, Ulfrics Hände legten sich auf seine Schultern und er war nicht in der Lage ihnen auszuweichen. Eindeutig hatten nicht nur diese Hände ihren Körper berührt. „Wir werden sie finden. Das verspreche ich Euch.“




    Ungeduldig rutschte sie auf dem ekelerregenden Strohhaufen hin und her. Immer wieder umklammerte sie die ausgewählte Scherbe und prüfte, ob sie gut in der Hand lag. Die schwarze Kapuze lag griffbereit daneben. Es würde nur eine einzige Chance geben und die durfte sie auf keinen Fall vermasseln. Warum nur kam ausgerechnet jetzt niemand? Ihre Nerven waren zum Zerreißen gespannt.
    Die Müdigkeit würde sie bald überwältigen. Sie spürte es und begann am Erfolg ihres Plans zu zweifeln. Schließlich zog sie sich die Kapuze über den Kopf und legte die Arme, die Scherbe immer noch fest in der Hand, unter den Körper. Wenigstens sollte nichts auf die veränderte Situation hindeuten, wenn man sie schlafend vorfand.

    So ermattet sie auch war, der Schlaf wollte sich nicht einstellen. Immer wieder kreisten die Gedanken um das Warum ihrer Verschleppung und das Vorhaben der Entführer auch ihren Sohn in die Hände zu bekommen. Es konnte sich nur um die Inbesitznahme von Vlindrel Hall handeln. Von Raerek wusste sie um die Kaufanfrage eines Mittelsmannes für einen, wie er es nannte, einflussreichen und wohlhabenden Bürger aus dem südlichen Himmelsrand, der dort ein florierendes Geschäft besäße und in Markarth eins eröffnen wolle. Rothaarig sei dieser Mittelsmann gewesen, mit einem kurz gestutzten Bart, und in feiner blauer Gewandung erschienen. An den ihm genannten Namen konnte sich der alte Mann nicht mehr erinnern, aber daran, dass er ihm den derzeitigen Aufenthaltsort der kleinen Familie genannt hatte. Ab diesem Zeitpunkt mussten sie wohl im Visier des Interessenten gestanden haben. Er schien verdorben genug zu sein, seine Kaufabsichten in eine kostenlose Aneignung des Hauses umzuwandeln. Und er hatte sowohl die nötige Geduld als auch das nötige Geld, zu warten, bis Argis und sie, und wenn es nur für einen kurzen Zeitraum war,voneinander getrennt waren. Und dann erbarmungslos zuschlagen lassen. Es hatte ihn nicht einmal aus der Fassung gebracht, dass sie aus dem Gefecht mit seinen Söldnern als Siegerin hervorgegangen war. Er war des Wartens nicht müde geworden, sondern nahm den nächsten günstigen Zeitpunkt zum Anlass, sich ihrer zu entledigen. Überall schien es Augen und Ohren für ihn zu geben, auch wenn sie nicht verstand, warum er nicht schon in Flusswald zugegriffen hatte. Flusswald…, Agnar…, er wusste mit Sicherheit, wo sich der Kleine befand. Sie spürte dumpf erneute Panik in sich aufsteigen, die sie mit aller noch zur Verfügung stehenden Kraft bekämpfte.
    Vollkommen ausgelaugt schlief sie dann doch mit den sich überschlagenden Gedanken ein. Muiri, das Miststück hatte nicht gelogen, als sie versicherte, nichts mit Argis’ Tod zu tun zu haben. All das hier war ein paar Nummern zu groß für eine kleine Tavernengöre.
    Rifton…, Rifton war auch wichtig. Wenn sie hier jemals heraus kommen sollte, würde sie erst Agnar in Sicherheit bringen und dann nach Rifton gehen. Südliches Himmelsrand…Agnar… Ob er noch lebte?

    Eine nur allzu bekannte Berührung ließ sie erwachen. Mechanisch spreizte sie die Beine, wie sie es in der letzten Zeit allzu oft hatte tun müssen. Nichts sollte den Kerl, der da auf ihr lag, misstrauisch werden lassen.
    Sie wartete einige Augenblicke, lauschte dabei angewidert dem Stöhnen und Grunzen, bis sie ganz langsam die rechte Hand unter ihrem Körper hervorzog. Und wieder wartete sie. An seiner schneller werdenden Atmung hörte sie, dass die Zeit knapp wurde. Urplötzlich schoss ihr Linke hervor, riss sich die Kapuze vom Kopf und drückte den Kopf des vollkommen überraschten Mannes neben sich in das schmierige Stroh. Wenn er jetzt auch nur einen Laut von sich geben würde, wäre es mehr als fatal. Mit aller Kraft rammte sie dieScherbe das erste Mal in die Halsschlagader des Zappelnden. Ein zweites und auch noch ein drittes Mal. Das pulsweise herausschießende Blut besudelte ihren Körper, ihr Gesicht und spritzte bis an die Wände. Als seine Kräfte schnell spürbar nachließen, wand sie sich unter ihm hervor und kniete sich auf seinen Rücken. Ein gezielter Hieb mit der stumpfen Seite der Scherbe. Es knackte hörbar. Sie hatte ihm das Genick gebrochen und nur seine letzten Muskelreflexe ließen ihn noch ein wenig unter ihr zucken.

    Vorsichtig lauschte sie nach verräterischen Geräuschen, aber niemand schien ihr Tun bemerkt zu haben. Mit den Füßen drehte sie den Kerl auf seinen Rücken. Ein schmächtiges Kerlchen, gekleidet in eine sonderbare Lederrüstung, bewaffnet nur mit zwei billigen Eisendolchen. Rüstung und Dolche konnte sie bestens gebrauchen. So flink es ihre von der Anstrengung und Aufregung flatternden Hände zuließen, bekleidete sie sich mit den Utensilien des Mannes und warf ihm den stinkenden Lumpen, der einmal ein edles Nachtgewand gewesen war, über. Ihre Augen glänzten längst fiebrig als sie in einem letzten Racheakt das Objekt ihrer Pein mit einem scharfen Schnitt von seinem Besitzer trennte.

    Soweit sie es in der Zeit mitbekommen hatte, waren ihre ‚Besucher’ immer aus dem linken Gang erschienen. Sie schnappte sich eine Fackel aus der Wandhalterung und verschwand im Dunkel des rechten Gangs.
    Endlos zog sich dieser Weg, kreuz und quer, über Eck und schien immer weiter nach unten, statt nach oben zu führen. Kichernde, glucksende Geräusche hallten wider und schienen sie zu verfolgen. Es konnte aber ebenso gut eine Sinnestäuschung ihrer angespannten Nerven sein. Die Skeever jedenfalls waren es nicht. Sie waren durchaus real und in Rudeln vertreten. Einige Feuerbälle verschafften ihr den nötigen Freiraum. Durch einen noch brennenden Skeever entzündete sich eine undefinierbare Kloakenflüssigkeit, die den Boden des Raums bedeckte, den sie gerade betreten hatte. Unaufhaltsam bahnte sich das Feuerrinnsal seinen Weg durch tiefer gelegene halbrunde Abflüsse. In den Tiefen, ja es schien tatsächlich noch weiter hinunter zugehen, hörte sie menschliche Schreie. Hier lebten Menschen? In dieser Kloake? Ihre Vorstellungskraft reichte dazu kaum aus. Allerdings hatte sie auch keine Zeit sich weiter damit zu befassen. Wer konnte schon wissen, wen und was das Feuer und die Schreie in diesen unwirtlichen Gängen anlocken würde, ganz zu schweigen von ihren Entführern, die sich hier mit Sicherheit bestens auskannten.
    Der Widerschein der langsam ersterbenden Flammen zeigte ihr einen weiterführenden Gang genau gegenüber. Das Amulett glühte leise vor sich hin. Es wurde höchste Zeit, dass sie diesem Alptraum entkam und sich in heilende Hände begeben konnte. Ohne weiter nachzudenken, stürzte sie in die gegenüberliegende Öffnung und sah sich unvermittelt einem vollkommen zerlumpten Geschöpf mit einem wahnsinnigen Flackern in den tiefliegenden Augen gegenüber. Zu allem Überfluss trug dieses Wesen, war es Mann oder Frau, man konnte es nicht mehr unterscheiden, ein schweres Fleischerbeil mit sich herum. Ihr blieb nicht viel Zeit zu überlegen, wie eine solch ausgezehrte Person ein so schweres Gerät schleppen konnte, als sich selbige mit einem wahnwitzigen Schrei auf sie stürzen wollte.
    „Yol Toor Krein“.
    Übrig blieb nur ein Häuflein feine weiße Asche, gekrönt von dem Schneideblatt eines Fleischerbeils und brennendes Moos an den Wänden. Dem Ehrenkodex der Graubärte entsprechend, hatte sie es nach Möglichkeit immer vermieden die Drachensprache für profane Zwecke einzusetzen. Sie war ein Geschenk mit dem man keinen Missbrauch betrieb. Aber ebenso war diese Gabe dazu geeignet ihr Leben zu retten, also warum sollte sie sie nicht zumindest dazu benutzen.

    Weiter führte der Gang, aber nichts bis auf ein paar Skeever kreuzte noch einmal ihren Weg. Bald würde die Fackel erlöschen. Entweder hatte sie bis dahin einen Ausgang gefunden oder sie würde sich mit Zaubern weiterhelfen müssen. Keine angenehme Aussicht in Anbetracht ihres angegriffenen Zustandes. Der Gang mündete in einen größeren Raum, an dessen gegenüberliegender Seite zwei verfallende hölzerne Türen in dunkle Verschläge zu führen schienen. Rechterhand befand sich endlich eine Treppe, die nach oben führte. Eine Etage höher entdeckte sie eine weitere, diesmal eisenbeschlagene Tür, die ihr bekannt vorkam.
    „Bei den Göttern. Ich BIN in Rifton.“

    Die sonderbare Tür führte zu dem Raum, in dem Esbern sich jahrelang versteckt hielt, bis sie seiner Mithilfe beim Kampf gegen Alduin bedurften. Vielleicht gab es ja noch brauchbare Tinkturen dort. Flink huschte sie die Stufen nach oben und betrat vorsichtig den Raum. Enttäuscht drehte sie wieder ab. Es gab nichts mehr. Irgendjemand hatte Esberns ehemalige Behausung in Beschlag genommen und zu einem widerlichen, von allerlei Verfaultem und Exkrementen verdreckten, Loch verkommen lassen.
    Vage erinnerte sie sich an den damaligen Weg nach draußen. Aber dieser führte ausgerechnet durch das Hauptquartier der sogenannten Diebesgilde, einem relativ traurigen, an großen Coups wohl eher gescheiterten Haufen in einer ebenso traurigen Umgebung. Sie sah an sich herunter. Nun erkannte sie auch die merkwürdige Lederrüstung wieder. Deren Mitglieder trugen eine solche. Damals hatte sie kein besonderes Augenmerk darauf gerichtet, weil es sie nicht interessierte.
    Nun wusste sie zumindest mit wem sie es zu tun bekommen würde, aber es nutzte nichts, solange sie hier nicht herauskam. Sie vermied den Gang, der scheinbar direkt ins Zentrum führte und wandte sich einem Schmaleren zu, dem sie für einige Zeit völlig unbehelligt folgte. ‚Nicht aufgeben’, ‚nicht aufgeben’, immer wieder sprach sie mit sich selber, wenn ihre Schwäche den Tribut fordern wollte.


    Mit jedem neuen Schritt stieg der Wasserspiegel um sie herum an. Es störte sie nicht weiter. Jede Art an ein bisschen Sauberkeit zu gelangen, war ihr angenehm. Sinnend stand sie in dem mittlerweile hüfthohen Nass. Irgendwoher musste das Wasser kommen. Es handelte sich nicht um eine völlig stillstehende Lake, sondern die Oberfläche wies kleine Wellenbewegungen auf, die sie eine Weile beobachtete. Dann löschte sie die Fackel und tauchte entschlossen in die Dunkelheit ab.

    Der Luftmangel drohte bereits ihre Lungen zu zerreißen, als sie endlich wieder nach oben schwimmen konnte. Schwer nach Atem ringend, versuchte sie sich über Wasser zu halten und schätzte die Umgebung ab. Unmöglich. Ein dichter Nebel hüllte alles in ein undurchdringliches, dämpfendes Grau, das ihr nicht nur die Sicht auf die Stadt sondern auch die Lokalisierung der typischen Geräusche von Leben vollkommen verwehrte.
    ‚Laas Yah Nir’.
    Noch einmal tauchte sie unter einem Kanaltor durch, und befand sich in der Stadt. Jetzt war besondere Vorsicht geboten. Sie trug eine Rüstung dieser Diebesgilde, aber jeder von denen würde wissen, dass sie nicht dazugehörte. Mehr noch, sie würden an ihren auffälligen Haaren erkennen, dass sie die entflohene Gefangene war. In dieser Stadt würde sie vorerst niemandem trauen können. Bis sie, auf welche Art auch immer, an andere Ausrüstung gelangen konnte, musste sie sich verborgen halten. Oder Rifton erst einmal verlassen. Aber dazu war sie eindeutig zu schwach, auch wenn das kalte Wasser ihr für ein paar Momente ein wenig Lebensenergie zurückgab.
    Jetzt erst fiel ihr auf, dass der Lappen, der die ganze Zeit im Wasser hinter ihr herschwamm, eine Kapuze war. Sie dankte den Göttern für dieses kleine Geschenk an ihrer Rüstung, rollte ihre weißleuchtenden Haare zu einem dicken Knoten und schob sich die Kapuze über, bevor sie die Treppe ins Trockene hinaufschlich. Jetzt war der dichte Nebel ihr Verbündeter.
    ‚Laas Yah Nir’.
    Sie umschlich die leuchtenden Punkte, die sich auf dem Marktplatz konzentrierten, hinter ein paar Häusern entlang und hockte sich vollkommen erschöpft zwischen zwei Fässer, die hinter dem letzten Haus an der Stadtmauer standen. Vielleicht war sie hier erst einmal sicher. Zumindest für ein paar Stunden, in denen sie sich ausruhen konnte.

    Unaufhaltsam zitterte und fror sie sich in der vollkommen durchweichten Lederrüstung langsam in den Schlaf. Ein Feuer… Argis, Liebster, wisst Ihr, dass ich mein Leben jetzt für ein wärmendes Feuer hergeben würde?
    EMS is offline Last edited by EMS; 04.10.2012 at 03:16.
  2. #42 Reply With Quote
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    Sep 2008
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    Da Kiam meiner Story ja netterweise einen wunderschönen Platz auf seiner Seite eingeräumt hat, wo man alles im PDF-Format hintereinander findet, könnt Ihr weiterhin Eure Kommentare, so Ihr welche schreiben möchtet, mit in diesen Thread packen.

    Und weiter geht es . Auf Action muss diesmal leider verzichtet werden.
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    „Seid Ihr sicher?“
    „Ja Aerin, das bin ich. Es stimmt zwar etwas nicht mit ihr. Aber ein Mitglied der Diebesgilde ist sie mit Sicherheit nicht.“
    „Was gibt Euch diese Sicherheit?“ die Stimme des Mannes war von Zweifeln geprägt. Fast schon weibisch hörte er sich im Gegensatz zu der tatsächlich weiblichen Stimme an. Freya hielt ihre Augen halb geschlossen. Erst einmal hören, was die Beiden noch zu sagen hatten.
    „Aerin, seid versichert. Ich hätte schon davon gehört, wenn ein Neuzugang angekommen wäre. Außerdem…, schaut sie Euch doch einmal genau an. Vollkommen abgemagert in einer zu großen Rüstung. Diebesgilde hin oder her. Sie gehört nicht dazu. Aber wo kommt sie tatsächlich her? Kommt, wir müssen uns um sie kümmern.“
    „Wenn Ihr meint. Irgendwann werdet Ihr deswegen noch in Schwierigkeiten geraten.“
    „Wenn Ihr Euch das damals auch so vor Augen gehalten hättet, läge ich heute skelettiert vor einer Dwemerruine.“

    Unbekannte Hände gerieten in ihre Nähe. Sie sprang auf. Automatisch suchte ihr Arm nach dem Dai Katana. Wertvolle Zeit ging verloren bis sie registrierte, dass es noch in Windhelm in Ulfrics Zimmer lag. Es würde nichts nützen. Bis sie jetzt an die Dolche gelangt war, hätte man sie längst überwältigt. Sie ließ von ihren Angriffsabsichten ab und nahm die beiden Personen genauer in Augenschein.
    Die Augen der weiblichen Person, deren linke Gesichtshälfte durch eine martialische blaue Kriegsbemalung völlig entstellt wirkte, musterten sie freundlich, während der Mann, der hinter ihr stand, eine eher abwehrende Haltung einnahm. Krasser konnte ein Kontrast nicht sein. Sie, eindeutig eine Kriegerin, er, ja was mochte er sein…, abgewetzte feinere Kleidung und ein wenig männliches Gesicht. Definitiv kein Händler, eher ein heruntergekommener Lebemann.
    Sie wich einen weiteren Schritt zurück, aber die Fässer und die Hauswand setzten ihrem Rückwärtsdrang ein Ende und so blieb sie stehen.
    „Wer seid Ihr und wieso tragt Ihr eine Rüstung der Diebesgilde?“
    Sie konnte keinen Falsch in den Augen der Frau entdecken, aber trauen konnte sie ihnen auch nicht. Niemandem konnte sie hier trauen. Es würde schwer werden, hier in Rifton einen Fuß in die Tür zu bekommen. Und so schwieg sie.
    „Aerin, wer hat heute Dienst am Tor?“
    „Warum fragt Ihr? Valborg und Alfarin.“
    „Dann hat es keinen Zweck. Die sind wie Wasserträger. Wir müssen bis zur Dunkelheit warten. Hier nehmt erst einmal. Mehr habe ich Moment leider nicht bei mir.“ Die Frau zog einen Apfel aus ihrer Gürteltasche und drückte ihn ihr in die Hand. „In eurem eigenen Interesse…, bitte bleibt hier. Ich komme Euch heute abend holen. Kommt Aerin, ich denke, wir müssen noch für eine dritte Person einkaufen.“

    Wie angewurzelt stand sie da, mit einem Apfel in der Hand und überlegte angestrengt, was sie nun tun sollte. Frei bewegen konnte sie sich in der Stadt nicht, schon gar nicht in dieser Rüstung. Ebenso gut war es möglich, dass dieses Pärchen jetzt unterwegs war, um sie zu verraten und sie am Abend die ganze Diebesgilde am Hals hatte. Gleichermaßen bestand aber auch die Chance, dass sie vielleicht eine, oder sogar zwei Personen getroffen hatte, die mit dieser Diebesgilde nichts am Hut hatten. Den Wachen am Stadttor schien man ebenfalls nicht trauen zu können, abgesehen davon, dass einer langen und aufwendigen Flucht in ihrem geschwächten Zustand nur wenige Erfolgsaussichten beschieden waren. Sie zog sich die Kapuze noch ein Stück tiefer ins Gesicht, setzte sich wieder zwischen die Fässer auf den Boden, biss herzhaft in den Apfel und harrte der Dinge, die unweigerlich auf sie zukommen würden.





    Ralof, hochrot im Gesicht und außer sich vor Wut, starrte den Thron an, auf dem Ulfric langsam aber sicher einzuschlafen schien. Wie lange versuchten sie jetzt schon herauszufinden, wie es hatte passieren können, dass eine Person mir nichts dir nichts aus dem Königspalast entführt werden konnte.
    Bis auf Galmar, der ganz entspannt auf der Bank an der gedeckten Tafel saß und ein Stück Fleisch nach dem anderen zwischen seinen massigen Kiefern verschwinden ließ, waren alle am Ende ihrer Nerven.
    „Galmar, könnt Ihr nichts anderes als fressen, fressen, fressen?“ Ralofs Stimme bekam diesen unangenehmen schnarrenden Tonfall, der sich nur dann bemerkbar machte, wenn er sich über etwas ärgerte und laut wurde.
    „Hmm, doch könnte ich. Einen Krieg weiter vorbereiten. Einen Krieg, der Himmelsrand in die Unabhängigkeit führt. Aber hier dreht sich ja nur noch alles um Eure kleine Hure.“
    Dieses Mal war es Ralofs Faust, die den Kopf Galmars auf den vollgefüllten Teller prallen ließ. Für einen Moment riss Ulfric die Augen auf und seufzte ob des Anblicks, der sich ihm darbot. Nicht schon wieder. Galmar, sein Heerführer, dem es einen Heidenspaß bereitete, Ralof, den ihm untergebenen Kommandanten, immer da zu packen, wo es am meisten zwickte. Und dann der junge, blonde, hünenhafte Nord, der immer wieder darauf ansprang wie eine Frostbissspinne auf ihren Gegner. Die Prügeleien der Beiden in der letzten Zeit schienen ungezählt, und sie trugen sichtbare Spuren ihrer Auseinandersetzungen. Hoffentlich würden sie wieder zu dem Gespann, das sie einmal waren. Zusammen fast unbesiegbar.
    „Galmar, ganz Himmelsrand dürfte mittlerweile wissen, dass Ihr das Drachenblut verachtet. Aber das ist hier nicht von Belang. Und je eher wir es finden, desto eher können wir uns wieder den noch wichtigeren Dingen widmen.“
    Mit müden Augen beobachtete Ulfric seine Mannen. Wuunferth, der in einer Ecke, vor seinen Runensteinen sitzend, eingeschlafen war. Jorleif, der auf einer der Bänke ebenfalls schlief. Galmar, der gerade sein Gesicht von Essensresten befreite, während er Unverständliches in seinen Bart murmelte und schließlich Ralof, der wie ein eingesperrter Wolf hin und herlief. Mühsam erhob er sich von seinem Thron und reckte die eingeschlafenen Glieder.
    „Männer, lasst uns Schluss machen für heute. Jeder in dieser Runde kann Schlaf gebrauchen.“

    Obwohl auch ihn die Müdigkeit übermannte, war ihm nicht nach Schlaf zumute. Ralof schickte einen kurzen Gruß in die Runde und verließ, die Hände tief in den Hosentaschen vergraben, den Königspalast Richtung Haus Kerzenschein. Tief atmete er die frische Luft ein. Der Wind blies nicht mehr und die weißen Flocken fielen langsam und sanft auf den Boden.
    „Freya, meine Schöne, wo seid Ihr nur…“
    Er blickte nach oben in den wolkenverhangenen Himmel, aber eine Antwort war von dort auch nicht zu erwarten. Sie war verschwunden, ohne auch nur den Hauch einer Spur hinterlassen zu können. Er stapfte die ausgetretenen Stufen vom Königspalast zur Taverne hinunter. Von der Wirtin ließ er sich einen großen Krug Met einschenken. Nach einer aufgezwungenen Unterhaltung war ihm nicht zumute und so verzog er sich mit seinem Getränk in einen Sessel in einer vollkommen dunklen Ecke der oberen Etage. Die Beine lang ausgestreckt, der Rest seines Körpers völlig im Dunkel, hing er seinen Gedanken nach und lauschte mit halben Ohr dem Gesang der Bardin, die eine, für eine Dunmer, ungewöhnlich klare Stimme besaß.
    Es schien ihm fast als sei er irgendwann eingeschlafen, als neben ihm in der nächsten Nische eine Unterhaltung seine ganze Aufmerksamkeit weckte. Angespannt lauschte er den leisen Wortfetzen, die zu ihm herüber drangen.
    „Was … Euch … gedacht? ... Aufruhr gesorgt.“
    „ …Auftrag…“
    „Sie durchkämmen die ganze Stadt nach ihr.“ Die weibliche Stimme wurde lauter und klang verärgert.
    „Pst, nu seid doch leiser. Bald kann uns jeder hier hören.“
    „Ja, ist doch wahr. Meine ganzen Geschäfte kommen zum Erliegen.“ Unbeeindruckt fuhr die weibliche Stimme in der gleichen Lautstärke fort. „Warum musstet Ihr sie denn ausgerechnet mitten aus dem Palast der Könige verschleppen. Gab es keinen anderen Ort?“

    Er hatte genug gehört. Mit einem Satz sprang er aus der Ecke, zog seinen Dolch und packte den männlichen Gesprächspartner mit einem Würgegriff an den Hals. Völlig überrumpelt dachte dieser noch nicht einmal an Gegenwehr und sah ihn nur vollkommen erschreckt an, während sein Gesicht langsam eine ungesund aussehende bläuliche Verfärbung annahm. Warum nur war er nicht überrascht eine Wache des Königspalastes in seinem Griff zu haben.
    „Los aufstehen. Und denkt nicht einmal an Flucht. Ihr kämt keine drei Schritte weit. Und Ihr, Niranye…“, Ralof wandte sich an die Altmer, „Euch rate ich Stillschweigen zu bewahren, solltet Ihr in Windhelm bleiben wollen.“
    Ungeachtet der verwunderten Blicke stieß er die Wache Richtung Palast der Könige vor sich her.





    Wieder hatte der Nebel Rifton fest im Griff und tauchte alles um sie herum in eine undurchdringliche Masse aus Grautönen. Nur gedämpft hallten die Schritte der Einwohner, die über die Holzstege schritten.Wortfetzen waberten durch die allgegenwärtigen Nebelschleier. Aber nichts davon schien näher zu kommen.
    Sie setzte alle ihre Sinne ein. Sollten die Zwei sie verraten haben, würden sie ihr blaues Wunder erleben. Sie mochten wissen, dass sie das Drachenblut und entsprechend mächtig war, aber das wahre Ausmaß kannten sie mit Sicherheit nicht.
    ‚Beim Reich des Vergessens, wird man denn in dieser Stadt nie trocken?’ dachte sie, als sie die Rüstung an einigen Stellen lupfte, wo sie unangenehm an ihrem Körper klebte und widmete ihre Gedanken dem letzten Aufenthalt in dieser Stadt. Es war ihr Hochzeitstag und sie wurde mit einem ursprünglich ungeliebten Mann vermählt. Einem Mann, wie es keinen zweiten seiner Art wieder geben würde. Und jetzt schon war er tot. Sie wusste, dass sie in Himmelsrand nicht alleine damit stand. Zu hart und zu gefährlich war das Leben, um auf lange währende Ehen bauen zu können. Viele davon mochten ihre Partner mit der gleichen Intensität geliebt haben, wie sie Argis. Er würde immer ein Teil von ihr bleiben. Trotzdem musste sie in die Zukunft blicken. Da war Agnar, dessen Leben in Gefahr war und der sie jetzt dringender brauchte denn je. Und…

    Leise Schritte näherten sich. Sie versuchte die Anzahl der zugehörigen Personen auszumachen. Es schienen tatsächlich nicht mehr als zwei zu sein, was sie nicht daran hinderte, die beiden Dolche fest zu packen und sich kampfbereit aufzupflanzen.
    Die blonde Frau und dieser Aerin bogen um die Ecke und blieben erst einmal stehen, als sie ihre Kampfhaltung bemerkten.
    „Steckt Eure Waffen weg. Ihr habt von uns nichts zu befürchten. Ich bin Mjoll und den Namen meines Begleiters kennt Ihr ja bereits.“ Mit ausgestreckter Hand kam Mjoll auf sie zu. Sie überlegte einen Augenblick, dann platzierte sie die Dolche wieder in den Haltern und gab der Frau ebenfalls die Hand.
    „Freya ist mein Name.“ Mehr mussten sie im Moment noch nicht wissen.
    „Dann kommt. Bringen wir Euch erst einmal ins Trockene, und Hunger habt Ihr mit Sicherheit auch, wenn ich Euch so recht betrachte.“
    „Wohl wahr.“ Sie grinste. „Wundert Euch nicht, wenn ich beim gehen klappere.“

    Mjoll lugte um die Hausecke und zeigte an, dass sie folgen konnte. Mit wenigen Schritten hatten sie den Eingang erreicht und verschwanden flink in dem großen Haus. ‚Kein Wunder, dass sie mich entdeckt haben. Ich bin ja direkt in ihren Garten gestolpert’, überlegte sie, als sie sich in dem Gebäude umsah. So repräsentativ es von außen wirkte, so ärmlich wirkte innen die Einrichtung. Geld war hier eindeutig Mangelware.
    „Ich habe Euch oben ein Zimmer hergerichtet, in dem Ihr auch trockene Kleidung findet. Und einen großen Wascheimer mit heißem Wasser, wenn Ihr Euch reinigen wollt.“
    Mjolls Stimme riss sie aus ihren Gedanken.
    „Danke. Sehr gerne sogar.“

    Im Zimmer betrachtete sie ihre Bauchwunde. Das Wasser hatte zwar einen großen Teil des Eiters weggespült, aber gut sah dieser Krater dennoch nicht aus. Sie brauchte die orkische Paste. Dafür brauchte sie Kräuter. Kräuter gab es aber nur gegen Geld. Und davon hatte sie so gut wie nichts. Die paar Septime, die sie in der Diebesrüstung gefunden hatte, reichten bei weitem nicht aus.
    „Mjoll? Könntet Ihr vielleicht einmal hochkommen. Ich bräuchte Eure Hilfe.“
    Sie hörte die Schritte auf der Stiege und die Gerufene betrat den Raum. Entsetzt fuhr sie in den Türrahmen zurück. „Bei den Göttern, was hat man mit Euch angestellt?“
    „Das WOLLT Ihr gar nicht alles wissen. Sagt, habt Ihr Kräuter hier?“ Sie zählte ein paar Zutaten auf.
    „Das meiste davon habe ich hier. Nur die giftigen Zutaten nicht. Aber ich hole sie Euch gerne aus Elgrims Elixiere.“
    „Ich bin aber zur Zeit, bis auf dieses bisschen hier, völlig mittellos.“
    „Lasst das mal meine Sorge sein. Nur heute werde ich nichts mehr bekommen. Dafür ist es zu spät.“
    Sauber, die Wunde mit einem trockenen Lappen abgedeckt, lief sie in dem Kleid, das ihre Gestalt umschlotterte wie vorher die Diebesrüstung, die Treppe hinunter.
    „Seid Ihr sicher, dass Ihr an Essen aufbringen könnt, was ich an Hunger mit mir herumtrage?“


    In den nächsten Tagen lernte sie langsam aber sicher, Mjoll und Aerin zu vertrauen, ohne viel von sich preisgeben zu müssen. Die Beiden fragten nicht, sondern ließen sie erzählen, wenn ihr danach war. Sie hatte tatsächlich das unwahrscheinliche Glück besessen, auf zwei Personen zu stoßen, die mit dieser Diebesgilde nichts zu tun hatten, auch wenn sie sich permanent fragte, was diese patente Frau mit diesem weder-Fisch-noch-Fleisch-Kerl verband.

    Mit Interesse beobachtete Mjoll, wie sie die orkische Paste und noch einen ebenso übelriechenden Trank in einem kleinen Kessel über dem Feuer herstellte.
    „Pfui, das stinkt ja hundserbärmlich. Wozu soll das alles gut sein? Wollt Ihr Euch unbedingt vergiften?“
    „Diese Paste ist das beste Mittel zur Wundheilung, das jemals das Licht dieser Welt erblickte. Sie hat meinem Ehemann das Leben gerettet, als es schon fast vorbei schien. Ich verrate Euch das Rezept gerne, wenn Ihr möchtet.“
    „Eurem Gatten?“ Mjoll druckste ein wenig herum, wie ihr schien. „Und dieser scheußliche Trank?“
    „Er ruft Blutungen hervor. Das allerletzte, was ich möchte, ist womöglich ein Balg von einem meiner Vergewaltiger mit mir herumzuschleppen.“
    „Euer Gatte… wo ist er? Und wie sieht er aus?“
    „Er lebt nicht mehr. Warum fragt Ihr?“
    „Nun ja, da ist so ein großer Kerl…, ein Nord. Und er scheint nach jemandem zu suchen, auch wenn er es nicht offensichtlich macht. Aber wenn Euer Mann bereits tot ist...“
    „Wie sieht er aus?“ Sie ließ sich von Mjoll die Beschreibung geben und holte tief Luft. „Bringt ihn hierher, sobald Ihr die Gelegenheit dazu habt.“


    „Freya? Kommt Ihr mal bitte.“ Mjolls Stimme schallte laut durch das fast unmöblierte Haus.
    Sie verließ ihr Zimmer, stutzte einen winzigen Augenblick und sprang mit einem Satz von ganz oben in die mächtigen Arme des Mannes.
    „Ralof!!!“
    Er konnte nicht anders. Er hielt den schmalen Körper so fest er nur konnte und bedeckte ihr Gesicht mit Küssen. „Liebste, Ihr seht scheußlich aus und Ihr stinkt fürchterlich.“
    „Na, DAS nenne ich doch mal eine liebevolle Begrüßung.“ Sie lachte und legte die Arme um seinen Hals. „Trotzdem bin ich froh Euch zu sehen.“
    „Nur das? Ich hoffte…“
    Seine Worte erstickten unter ihren weichen Lippen, die ihn endgültig einer diesbezüglichen weiteren Fragestellung enthoben.
    „Noch weitere Fragen, mein Herr?“
    „Viele. Aber nur, wenn Ihr mir nicht vorher mit Eurer Umarmung das Genick brecht.“
    EMS is offline Last edited by EMS; 14.10.2012 at 17:29.
  3. #43 Reply With Quote
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    Ein bisschen Fluff, aber imho wirklich nur ein kleines bisschen... auch das darf mal sein. Trotzdem wünsche ich Euch viel Spaß beim lesen.
    ________________________________________________________________________________ _______

    Sie beobachtete Ralof, der sich gerade entkleidete und entdeckte die große, noch relativ frische Verletzung. „Was ist das für eine Wunde an Eurer rechten Seite?“
    „Ich wurde von einem Pfeil getroffen.“
    „Das sieht nicht gut aus. Lasst mich bitte einmal schauen.“ Vorsichtig glitten ihre Finger über die stark dunkel verfärbte Stelle und spürten prompt die Pfeilspitze auf, die noch verblieben war. „Ihr müsst unbedingt zu Danica, wenn wir wieder in Flusswald sind. Sie muss die Pfeilspitze entfernen.“
    „Dafür werde ich wohl keine Zeit haben.“
    „Wenn sie sich entzündet, könntet Ihr daran sterben und dann habt Ihr mehr Zeit als Euch lieb ist.“
    „Ja, Zeit, die ich mir in Sovngarde mit Eurem verstorbenen Gatten vertreiben kann. Wir müssen dann nur noch warten bis Jarl Ulfric und vielleicht noch ein paar andere Männer auftauchen, mit denen Ihr zwischenzeitlich das Lager teiltet. Es könnte eine interessante Runde werden.“
    Ein bitterer Moment, aber er musste irgendwann eintreten. Sie hatte es bereits in den letzten Stunden gespürt, als seine anfänglich überschwängliche Freude einer zunehmenden Zurückhaltung wich. Nur aufgrund der Anwesenheit von Mjoll und Aerin verlor er seine Beherrschung nicht. Jetzt, wo sie alleine waren, brach es unausweichlich aus ihm heraus. Er besaß eindeutig nicht die in sich selbst ruhende Sicherheit von Argis, die ihren damaligen Fehltritt hinnahm, weil er sie einfach so annehmen konnte wie sie war und trotz allem an ihrer Liebe zu ihm nicht zweifelte. Diese Eigenschaft schien Ralof nicht gegeben. Zudem hatte sie ihm oft übel mitgespielt.
    Leise seufzend wandte sie sich ab und legte sich mit dem Gesicht zur Wand in ihr Bett.
    „Ich möchte Rifton morgen erst einmal verlassen. Ich muss Agnar in Sicherheit bringen, falls sie ihn nicht ohnehin schon in ihren Fängen haben, bevor ich hier weitermachen kann. Werdet Ihr mich begleiten?“
    „Ja.“ Er legte seine Reisefelle aus und rollte sich, mit dem Rücken zu ihr, darin ein.

    Je mehr sie versuchte zu schlafen, desto wacher wurde sie. Schließlich legte sie sich auf den Bauch und schielte über die Bettkante zu ihm herunter. Mittlerweile lag er auf dem Rücken. Eine Strähne des störrischen blonden Haares hatte sich in sein Gesicht verirrt und wurde von den regelmäßigen Atemzügen immer wieder leicht angehoben. Sanft strich sie sie weg und fuhr mit ihren Fingern die Konturen seiner Lippen nach, bis er im Schlaf leise murmelte. „Was tut Ihr da?“
    Sie beugte sich vollends über die Bettkante, als das aufgeschichtete Stroh nachgab und sie haltlos auf ihm zu liegen kam.
    „Hey, was wird das?“
    „Hm…, eigentlich wollte ich Euch nur küssen.“
    Einen Moment stutzte er, fing dann aber doch zu lachen. „Meint Ihr, dass Ihr im Schlaf von mir bekommt, was ich Euch in wachem Zustand verwehre?“
    Ihre Miene wurde ernst. Sie stemmte sich von seiner Brust weg, stand auf und begann den Strohhaufen neu zu richten. „Ich werde mir nichts nehmen, was Ihr mir nicht freiwillig gebt.“
    Sie legte die Hände an ihr Amulett und wartete auf die Wärme von Argis, die sie daraufhin auch bald spürte. Dieses Mal sprach er nicht mit ihr. Was sollte er auch sagen. Seine geisterhaften Hände strichen nur zärtlich über ihr Gesicht bis sie einschlief.

    Dieser Morgen erinnerte sie an einen, der wie es schien, endlos lange her war. Sie wachte auf und blickte direkt in die leuchtend blauen Augen eines Mannes, der sie, auf seinen Arm gestützt, unverwandt ansah. Lächelnd zog sie ihn an seinem Haarzopf ein Stück herunter, „Sinneswandel?“
    „Ich weiß nicht. Aber ohne Euch ist mein Leben auch nicht einfacher.“
    „Neuanfang?“
    „Ich weiß nicht. Dafür funktioniert mein Erinnerungsvermögen zu gut.“
    „Bei Ysmir, was wisst Ihr denn?“ Sie schnaubte.
    „Dass ich Euch liebe und dieses Gefühl anscheinend jegliches Erinnerungsvermögen zu trüben vermag.“
    Es dauerte bis sie begriff. Vorsichtig zog sie ihn zu sich herunter. Ihre Hände streichelten seine Haare und seinen Rücken bis sie spürte, dass er seine Abwehrhaltung vollkommen aufgab. Erst dann suchten ihre Lippen die seinen und erhielten eine innige Antwort.
    „Ooh, nein. Bitte nicht.“ Er versuchte sich von ihr zu lösen. Zuckungen durchliefen seinen Körper und er stöhnte wie unter Schmerzen stehend auf.
    „Was…?“ Weiter brauchte sie nicht zu fragen. Sie fühlte seine warme Feuchtigkeit langsam an ihrem Bein herunterlaufen.
    „Verdammt…“
    „Hattet Ihr eine solche Sehnsucht?“
    „Scheint so. Könnt Ihr es mir verdenken?“ Sein entschuldigendes Grinsen ließ sie laut auflachen.
    „Ihr werdet mir doch nicht erzählen wollen, dass Ihr all die Zeit enthaltsam wart.“
    „Nein, keineswegs. Erst seit dem Tag als Ihr mit Eurem Drachen davonfliegen wolltet.“ Es entstand eine kurze Pause, bis er leise weitersprach, „Nach Helgen wollte ich eigentlich immer nur Euch, so gering die Chancen auch waren.“
    „Dann lasst es uns miteinander versuchen. Noch einmal möchte ich nicht von Gerdur hören müssen, dass Ihr Euch anderweitig vermählen wollt.“
    Blaue Augen blitzten sie spitzbübisch an. „Ich denke, diese Gefahr ist weitaus geringer, als die, Euch in fremden Betten suchen zu müssen.“
    „Schuft…“, sie nahm die Kopfrolle und schlug damit auf seinen Hintern. Es entstand eine kurze Rangelei, bei der sie feststellen durfte, dass er Argis an Kraft und Gewandtheit in nichts nachstand. Mit einem letzten Kuss stand er auf. „Kommt meine Schöne. Wir haben noch einiges zu erledigen.“
    „Ihr sollt mich nicht immer…“
    „Ja, ja, ich weiß… meine Schöne nennen. Gewöhnt Euch einfach daran.“
    „Muss ich?“
    Er drehte sich herum, während er in seine Hose stieg. Ihre Grimmasse war einfach unbeschreiblich.
    „So wie Ihr jetzt dreinschaut, ähnelt Ihr allerdings tatsächlich eher einem Hexenraben.“
    Die Kopfrolle flog in seine Richtung und er landete auf seinem Hosenboden. Mit einem äußerst zufriedenen Gesichtsausdruck erhob sie sich, legte ihre Rüstung und ihr Dai Katana an, die Ralof in weiser Voraussicht samt ihrem anderen Gepäck aus Windhelm mitgebracht hatte.


    „Wollt Ihr wirklich ohne Verkleidung auf den Markt?“ Mjoll schüttelte den Kopf. „Wäre es nicht besser, alle glauben, dass Ihr tot seid. Dann könntet Ihr später viel besser aus dem Hintergrund handeln.“
    „Nein Mjoll. Ihr werdet es vielleicht nicht verstehen, aber mich zu verstecken, liegt mir nicht. Sollen sie sehen, dass ich noch lebe, falls sie es nicht sowieso schon mitbekommen haben. Vielleicht versuchen sie erst einmal meiner Person wieder habhaft zu werden, bevor sie sich an Agnar vergreifen.“
    „Falls sie den Kleinen nicht schon haben.“ Ralof, der hinter ihr stand, legte seine Arme um sie. „Meiner Meinung nach solltet Ihr Euch nicht so offensichtlich zeigen. Mjoll hat recht. Wir wissen noch nicht, was mit Agnar und womöglich mit meiner Schwester und ihrer Familie passiert ist. Wenn sie jetzt schon wissen, dass Ihr noch lebt, wird es unsere Sache nicht vereinfachen.“
    „Unsere?“
    „Ja, meine Liebste, unsere. Ich möchte euch nicht schon wieder bewusstlos oder vollkommen abgemagert irgendwo auflesen müssen. Das hatte ich zur Genüge.“
    „Schön, dass Ihr so über meine Kampfkraft denkt.“
    „Damit hat es wohl kaum etwas zu tun. Aber wir haben nur einen einzigen Anhaltspunkt und wissen nicht mit wem wir es noch zu tun bekommen könnten.“
    „Die Beiden haben recht“, ließ sich nun auch Aerin vernehmen. „Hier nehmt diese Priesterkutte. Ihr könnt sie auch über Eure Rüstung anlegen.“
    Gegen so soviel geballten Widerstand schien sie machtlos. Missmutig wickelte sie sich in die sandfarbene Robe und zog die Kapuze tief über das Gesicht. „Besser, Ihr Besserwisser? Und wohin nun mit meiner Waffe?“
    „Lasst sie hier. Eure auffälligen Panzerhandschuhe am besten auch. Für einen kurzen Proviantkauf werdet Ihr beides nicht benötigen.“

    „Maul lungert schon wieder an seinem Lieblingsplatz herum.“ Aerin kam von der Haustüre zurück, wo er die Lage sondiert hatte.
    „Wer ist Maul?“
    „Einer ihrer Späher. Er steht jeden Tag dort und teilt seine Beobachtungen dann später im Rattenweg mit. Wenn wir darauf warten wollen, dass er seinen Stammplatz verlässt, sitzen wir bis heute nacht hier fest.“
    „Dann muss es anders gehen. Kann man von hier aus unbeobachtet zum Marktplatz gelangen?“
    „Nur wenn Ihr oben durch das Fenster klettert und dann hinter den Gärten am steinernen Sarg vorbei geht.“
    „Dann mal los.“

    Ungesehen erreichten sie den Weg zum Marktplatz. Ralof hielt sich ein Stück hinter ihr. Sie waren übereingekommen, sich nicht zusammen blicken zu lassen. So konnte er im Notfall schnell und unerwartet helfen.
    Mit einigen Blicken erfasste sie, wer was verkaufte. Ihr einziges Ziel würde die Dunmer sein, die direkt am Anfang des Marktplatzes stand und Lebensmittel feil bot. Zielstrebig steuerte sie darauf zu, als eine Stimme ihre Aufmerksamkeit erregte.
    „Falmerblutelixier. Leute kauft Falmerblut und Ihr werdet hunderte von Jahren alt. Falmerblutelixier. Kauft es und erlangt das Wissen von Generationen.“
    Vollkommen gebannt lauschte sie den Worten, um sich kurz darauf wie hypnotisiert in seine Richtung zu bewegen. Ihre Sinne überschlugen sich.
    Ralof riss die Augen auf. Was machte sie denn da? Vollkommen bewegungslos stand sie vor einem Kerl und schien nicht aufzuhören ihn anzustarren.
    „Werte Dame. Möchtet Ihr dieses Elixier kaufen? Sicher wird es Euch auch helfen eine innigere Verbindung zu den Göttern zu erhalten.“
    Sie reagierte immer noch nicht. Er musste eingreifen. So schnell, wie es die Unauffälligkeit zuließ, schlenderte er über den Platz und packte fest sie um die Taille. „Liebling, möchtet Ihr unser Geld wieder für unnütze Dinge ausgeben? Kommt mein Schatz. Das brauchen wir nun wirklich nicht.“
    Es schien ihm eine Ewigkeit bis er sie soweit vom Marktplatz weggeführt hatte, dass sie sich nicht mehr im Sichtfeld der Leute befanden. Wie eine Puppe hing sie ihn seinem Arm.
    “Was ist nur los mit Euch?“
    Sie reagierte immer noch nicht. Schließlich schüttelte er sie. Die Kapuze rutschte herunter und er blickte in ein entsetzensstarresGesicht.
    „Er… Er war es…“ flüsterte sie, ohne ihn tatsächlich wahrzunehmen.
    „Bei den Göttern. Wer war was?“
    Die Starre wich aus ihrem Blick und ihre Gesichtsfarbe besserte sich allmählich zur Normalität. „Der Anführer dieser… dieser… Er war es auch, der mir den Dolch an den Bauch hielt. Seine Stimme… sie ist es unverkennbar. Und wisst Ihr was? Habt Ihr gesehen wie er aussieht?“
    Ratlos zuckte er mit den Schultern.
    „Rote Haare, kurzer Bart und ein blaues Gewand. Er ist dieser Mittelsmann.“
    „Damit kann ich jetzt nichts anfangen. Das müsst Ihr mir später erklären. Zumindest scheint er Euch nicht erkannt zu haben.“ Zärtlich küsste er sie auf die Stirn. „Meint Ihr, dass Ihr es schafft, uns doch noch etwas Essbares zu besorgen?“
    „Knurrt Euch jetzt schon der Magen? Wir sind doch noch gar nicht unterwegs.“ In einer kessen Geste schlug sie die Kapuze wieder über und marschierte Richtung Dunmer. Vollgepackt kehrte sie zu ihm zurück.
    „Was habt Ihr denn vor?“ Staunend nahm er den schweren Sack, den sie ihm reichte. „Überleben in der Wildnis mit fünferlei Sorten Fleisch zum Abend? Wie soll ich denn damit durchs Fenster kommen.“
    „Wir brauchen nicht durchs Fenster steigen. Dieser Späher, Maul?, scheint seinen Posten verlassen zu haben. Kommt schnell.“
    Das Glück war ihnen hold. Die Wachen am Tor beschäftigten sich mit einem Neuankömmling und so schlüpften sie unbemerkt ins Haus.
    „Bringt Ihr das Essen in die Küche? Es ist unser letzter Abend bei diesen gastfreundlichen Leuten. Ich möchte uns allen was Feines kochen, aber dazu muss ich mich erst von der Rüstung befreien.“
    „Wenn Eure Kochkünste so explosiv sind wie Euer Gemüt, solltet Ihr sie vielleicht besser anbehalten.“
    „Ralof, Ihr könnt genauso schrecklich sein wie Argis.“
    „Aha, Euer Gatte war also schrecklich.“
    „Ja, und Ihr steht ihm in nichts nach.“ Lachend zog sie an seinem Zopf, gab ihm einen leichten Kuss auf die Nasenspitze und lief geschwind die Treppe hinauf, bevor er noch einmal etwas erwidern konnte.


    Bei einem frugalen Mahl am Abend erklärte sie den Dreien die letzten noch fehlenden Zusammenhänge um Vlindrel Hall und den Tod ihres Mannes. „Wer ist dieser Mensch überhaupt?“
    „Sein Name ist Brynjolf und er scheint eines der höhergestellten Mitglieder dieser sogenannten Gilde zu sein.“
    „Es muss aber noch eine Auftraggeberin existieren. Sie handelten nicht aus eigenem Antrieb, sondern wurden dafür entlohnt mich zu verschleppen. Sagt mal Ralof, wie konnten sie unbemerkt in Jarl Ulfrics Palast eindringen?“
    „Eine unserer Wachen war Mitglied bei Ihnen. Er versorgte sie mit der passenden Bekleidung und allen notwendigen Informationen, um Euch in einem passenden Augenblick zu ergreifen.“
    „Meint Ihr, er lebt noch?“
    „Ich weiß es nicht. Ulfric war außer sich vor Wut. Am liebsten hätte er sämtliche Palastwachen hingerichtet. Zeigte es ihm doch mehr als deutlich, dass man nicht einmal seinen eigenen Leuten vertrauen konnte. Ich bezweifel aber auch, dass er uns mehr bieten könnte. Diese Leute sind kleine Handlanger, die von dem großen Ganzen meist nichts wissen und nur die für ihre Aufgabe notwendigen Informationen erhalten.“


    Es war bereits spät, als sie gesättigt und gut gelaunt dasSchlafzimmer aufsuchten und sich in dem schmalen Bett zusammenkuschelten.
    „Hmm, mehr Platz braucht es nicht, was?“ Seine Erregung war deutlich zu spüren.
    „Nein Ralof, bitte nicht.“
    In einer Mischung aus Verwunderung und einem Anflug von Verärgerung ließ er von ihr ab.
    „Sie haben mich zu oft genommen, manchmal mehrere hintereinander. Es schmerzt immer noch. Außerdem möchte ich nicht, dass Ihr Euch mit dem Dreck vermischt, den sie in mich verbracht haben. Lasst mich erst meine Blutungen bekommen. Könnt Ihr solange warten?“
    „Natürlich meine Schöne. Ich wusste nur nicht um die Umstände. Könnt Ihr mir verzeihen?“
    „Da gibt es nichts zu verzeihen. Wie solltet Ihr das auch wissen. Und nennt mich nicht…“
    „…immer meine Schöne.“


    Sie nahm Mjoll in die Arme und drückte sie herzlich. „Seid versichert. Ich kehre…“
    „Wir kehren…“
    „Wir kehren zurück, sobald ich mehr um meinen Sohn weiß und dann werden wir die Ratten in ihrem Nest ausräuchern.“
    Rifton hüllte sich an ihrem Abreisetag erneut in den dichtesten Nebel, den sich ein Mensch vorzustellen vermochte. Das Wasser tropfte von den Häusern und Bäumen. Es tropfte einfach von allem. Die durchdringende kalte Feuchtigkeit ließ sie erschaudern. Was für eine dunkle Stadt mit einem ebenso dunklen Untergrund.

    „Meint Ihr Jarl Ulfric würde Euch wirklich solange aus Euren Diensten entlassen? Ihr seid einer seiner besten Männer.“
    Sie bepackten die Pferde. Ihres musste sie sich noch schnell kaufen und entschied sich kurzerhand für einen wunderschönen Falbenhengst mit kräftigen Muskeln und starken Gelenken. Er war nicht billig und der Stallbesitzer schien sich nur schwer von ihm trennen zu wollen, aber ihr Geldbeutel brachte dann doch die Meinungsänderung zustande.
    „Ich werde ihm einen Kurier schicken, sobald wir irgendwo einen auftreiben sollten.“
    In Gedanken versunken, trotteten sie nebeneinander die Straße Richtung Ivarstatt entlang. Nichts regte sich. Die Welt und ihre Kreaturen schienen vom grau dahinwabernden Nebel verschlungen worden zu sein. Einzig eine Frostbissspinne kreuzte kurz ihren Weg und bezahlte diesen Umstand mit ihrem Leben. Irgendwo in den Büschen brummte ein Bär, aber selbst ihm schien nicht nach jagen zumute. Sie bekamen ihn nicht zu Gesicht.

    Aus den Augenwinkeln beobachtete sie Ralof, der vor sich hindöste.
    „Ich liebe Euch.“ Die Spitzen ihrer Stiefel pickten kurz in die Flanken des Pferdes und sie galoppierte davon.
    „Was?... Was habt Ihr gesagt? Hey, nun wartet doch.“
    EMS is offline Last edited by EMS; 19.10.2012 at 12:33.
  4. #44 Reply With Quote
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    So, Fluff muss wieder der harten Realität weichen... Ich wünsche Euch ein paar angenehme Minuten.



    Gerdurs Schreie gellten durch das gesamte Dorf und übertönten sogar die Geräusche der Sägemühle und der Schmiede. Alles was zwei Beine besaß, rannte in Richtung Haus und blieb verblüfft stehen. Schreiend und heulend saß sie im Schneidersitz auf dem Fußboden, während ihr Oberkörper sich wie in Trance vor- und zurückbewegte. Stump sprang laut bellend um sie herum, während Frodnar völlig verängstigt unter seinem Bett hervorlugte. Erst als er Hod im Türrahmen stehen sah, kroch er hervor und lief schnurstracks auf ihn zu, um sich krampfhaft an seinen Hosenbeinen festzuhalten.
    „Vater, Vater, sie haben Agnar mitgenommen. Und sie hatten Pferde. Und Orks waren es, ganz bemalte Orks.“

    Mit einem gebieterischen Wink verscheuchte Hod die Schaulustigen und schloss die Haustüre hinter sich. Frodnar setzte er auf die Bank und strich dem zitternden Jungen über die Haare. Dann wandte er sich seiner Frau zu und hob sie vom Erdboden auf.
    „Gerdur, gute Frau, was ist passiert?“
    Es dauerte bis sie sich beruhigte. Heftiges Schniefen begleitete ihre Atemzüge, die im Moment klangen, als würde sie den Tag nicht überleben. Abwechselnd schüttelte er sie, um sie im nächsten Moment fest an sich zu drücken. Schließlich gelang es ihm, sie in einen annehmbaren Zustand zu versetzen. Völlig erschöpft setzte sie sich zu Frodnar auf die Bank. Mechanisch griff ihre Hand nach dem dort stehenden Krug und leerte ihn in einem Zug.
    „Hod, sie haben Agnar geraubt. Hier aus dem Haus. Und ich konnte nichts tun. Es waren zu viele.“ Ein neuerlicher Tränenschwall aus den dunkelblauen Augen begleitete ihre letzten Worte.
    „Was ist das für eine wilde Geschichte mit Pferden und Orks, die unser Sohn da von sich gibt?“
    „Es waren keine Orks, Hod. Es waren Männer. Sie waren nur bemalt, schwarz-rot, wie Orsimer im Krieg. Sie stürmten unser Haus, schnappten sich Agnar und ritten wieder davon. Es ging alles so schnell.“
    „In welche Richtung sind sie geritten?“
    „Ich weiß es nicht.“
    „Durchs Dorf können sie nicht gekommen sein. Das wäre allen aufgefallen. Bleibt nur der Weg, der zum Jagdunterstand Eures Bruders führt.“
    „Ohne Pferde haben wir keine Chance. Und wir haben keine Pferde.“

    Hod setzte sich zu seiner Frau auf die Bank. Immer und immer wieder zupfte er an seinem Bart, bis die zaghafte Stimme seines Sohnes in seine Gedanken drang.
    „Vater, warum haben sie Agnar mitgenommen?“
    „Ich weiß es nicht mein Sohn. Anscheinend gibt es Leute, die seiner Mutter und ihm nach dem Leben trachten.“
    „Ich will aber nicht, dass Agnar stirbt.“ Frodnar sprang von der Bank und krallte sich im Fell von Stump fest, der überrascht aufwinselte. Hod stand auf und nahm seinen Sohn, der eigentlich schon viel zu groß dafür war, auf die Arme. Unter anderen Umständen wäre ihm herber Protest entgegen geschlagen, aber im Moment schien es seinem Jungen gut zu tun.
    „Niemand möchte, dass Agnar stirbt.“
    „Werden sie auch Onkel Ralof töten?“
    „Warum sollten sie ihn töten wollen?“
    „Weil er Agnars Mama liebt und die wollen sie ja auch töten. Und Argis ist deswegen schon tot.“

    Gerdur und Hod blickten sich wortlos an. Ihr Sohn hatte viel mehr mitbekommen, als jemals Kommentare zu den laufenden Ereignissen seinem sonst doch recht vorlauten Mundwerk entfleucht waren.
    „Frodnar, Du weißt doch wie stark Ralof ist. Meinst Du nicht, er könnte Freya und sich selbst gut beschützen?“
    „Bestimmt… Du kannst mich jetzt wieder runterlassen, Vater.“
    „Natürlich, mein Sohn.“ Er strubbelte dem Jungen noch kurz über den Kopf, was dieser mit einem verärgerten Gesichtsausdruck quittierte und sich die Haare schnell wieder glatt strich.
    „Geh mit Stump zu Dorthe. Sie wartet bestimmt schon auf Dich.“

    „Och nee, die ist immer so neugierig. Und Stump darf nie eine Frostbissspinne bei ihr sein.“ Trotzdem klappte die Haustür hinter ihm und dem Hund zu und er verschwand Richtung Schlafender Riese zu seiner Spielkameradin.

    „Was machen wir jetzt?“ Gerdur erhob sich und schickte sich an mit der Zubereitung des Abendessens zu beginnen.

    „Ich werde Faendal zu Jarl Balgruuf schicken und einen Kurier nach Windhelm. Jarl Ulfric wird wissen, wo Ralof und Freya sich aufhalten. Und Balgruuf sollte Bescheid wissen, falls Freya dort ankommen sollte. Mehr können wir im Moment nicht tun.“





    Den Rücken an die Felswand gelehnt, starrte sie in die kleine Flamme des Lagerfeuers und lauschte den knisternden Geräuschen der zerspringenden Äste. Der Wind blies eisig und trieb die nachtschwarzen Wolkengebilde unbarmherzig vor sich her. Hin und wieder konnte man dahinter kurze Blicke auf die zwei Monde erhaschen, die diese Nacht aber nicht zu erhellen imstande waren. Nicht mehr sehr lange und der Winter würde das Land wieder fest im Griff haben.

    Sie hatten sich einen einigermaßen gut geschützten Rastpunkt ausgesucht. Trotzdem ließen sie die zahlreichen Geräusche der Nacht nicht ruhen. Warum? Sie wusste es selber nicht, waren sie ihr doch so vertraut und eigentlich keiner größeren Aufmerksamkeit wert. Ralofs Kopf ruhte in ihrem Schoß. Eingewickelt in eine dicke Decke, war er sofort eingeschlafen, als sie ihm anbot, die erste Wache zu übernehmen. Hin und wieder brummelte er etwas Unverständliches vor sich hin, wenn er sich bewegte, aber seine Augen blieben geschlossen. Liebevoll streichelte sie sein Gesicht mit den kurz gehaltenen, störrischen Barthaaren und entlockte ihm damit ein Lächeln. Es fühlte sich so anders an, anders als bei Argis, dessen geschorener Bart seinen Mund immer seidenweich umspielt hatte.

    Plötzlich horchte sie auf. Da war ein Geräusch, das nicht zur Nacht gehörte. Es klang wie das Wimmern eines Kindes. Sie versuchte die Richtung zu orten, aber schon war es wieder verschwunden. Mit einem Rütteln weckte sie Ralof, der seine Augen nur langsam öffnete.
    „Was ist los Liebling. Bin ich schon dran?“ murmelte er schlaftrunken.
    „Habt Ihr das auch gehört?“
    „Was? Nein, ich höre nichts.“
    „Da hat ein Kind geschrien.“
    Ralof richtete sich auf und lauschte, aber das Geräusch tauchte nicht mehr auf. Er legte seine Arme um sie und zog sie fest an sich.„Es wird die Angst um Agnar sein, die Euren Sinnen derartige Streiche spielt.“
    „Wahrscheinlich.“ Sie lächelte. „Schlaft weiter, mein Schatz. Ihr seht müde aus und es reicht, wenn ich Euch zu Eurer Wache wieder wecke.“
    „Ich bin müde.“



    Das Knacken des unter einer Last brechenden Astes und der darauf folgende kurze Fluch entsprangen keiner Sinnestäuschung. In Windeseile schälte sich Ralof aus seiner Decke und sprang auf. Seine halbgeschlossenen Augen suchten den Kriegshammer, der an der Felswand lehnte. Ihn ergreifen und sich dem ungebetenen Besucher entgegenstellen, waren eins. Sie stand neben ihm, das Dai Katana in Angriffshaltung vor sich gestreckt. Ein vollkommen schwarz-rot bemaltes Gesicht tauchte aus der Dunkelheit im schwachen Schein des Feuers auf und stürzte sich, ohne anzuhalten, auf Ralof. Und noch eins und noch eins. Insgesamt erschienen jetzt sieben Gestalten aus den Büschen und teilten sich auf sie beide auf. Orsimer? Nein, ihnen fehlten die typischen Eckzähne. Es waren Menschen.

    Ralof zog sich bis fast an die Felswand zurück, um Angriffen in seinen Rücken zu entgehen und sie tat es ihm gleich. Mit einem lauten knackenden Geräusch brach das Genick des ersten Angreifers, den Ralof zwischen dem Stiel des Kriegshammers und seinem Knie eingeklemmt hatte. Dann glitt der Körper leblos auf den Boden. Ralof konnte sich gerade noch herumdrehen, um den Streich eines weiteren Gegners zu parieren, als er von dem Dritten in die Seite getroffen wurde. Mit einem Schrei knickte er erst einmal zusammen.
    Sie bekam keine Gelegenheit weiter zu verfolgen, was mit ihm passierte, aber die schrecklichen Erinnerungen an Argis Tod kamen unweigerlich hoch und lähmten sie fast. Während sie einem ihrer Angreifer den Kopf abschlug, versuchte sie die Bilder aus ihrem Kopf zu bannen.
    Ein Schwerthieb durchdrang ihre Rüstung und nahm ihr die Luft. Sie taumelte und spürte das warme Blutrinnsal innen herunterlaufen. Es waren einfach zu viele. Sekundenbruchteile verfolgte sie, wie Ralof neben ihr auf dem Boden liegend, sich verzweifelt seiner Angreifer zu erwehren versuchte. Wut und vor allem Schmerzen beherrschten seinen Gesichtsausdruck.
    Das durfte nicht sein. Nicht schon wieder wollte sie einen geliebten Mann an irgendwelche Mörder verlieren.

    Für einen Moment erhellte ihr Feueratem die ganze Umgebung. Sie erschrak. Diese Männer schrien und wanden sich, aber sie starben nicht. Sie mussten darauf vorbereitet gewesen sein. Ralof stutzte. So hatte er sie noch nie gesehen, aber ihm blieb nicht viel Zeit für weitere Überlegungen. Schon kamen sie wie lodernde Fackeln wieder auf sie beide zu. Von Schmerzen gepeinigt, rutschte er an die Felswand. Sein Vorrat an Energie und Leben schien aufgebraucht und es waren immer noch fünf, wenn auch teilweise ebenso angeschlagen.
    In gekrümmter Haltung stand sie da. Ihr Amulett glühte, als sie die Stimme ihres verstorbenen Gatten vernahm. Sanft, aber eindringlich klang seine tiefe ruhige Stimme in ihrem Körper nach. „Mein Liebstes, erinnert Euch daran, wer Ihr seid. Erinnert Euch daran, was Ihr könnt.“

    Zum Entsetzen von Ralof ließ sie einfach ihre Waffe fallen. In ihrer linken Hand bildete sich ein kleiner violettfarbener Ball, während sie mit ihrer Rechten einen Feuerball nach dem anderen auf die Reise schickte. Jetzt waren es nur noch vier. Ralofs Gegner ließen von ihm ab. Er stellte keine Gefahr mehr dar und so wandten sich nun alle ihr zu. Der kleine violette Ball traf auf den Boden. Mit weit aufgerissenen Augen beobachtete er, wie im nächsten Moment eine ihm vollkommen fremde Kreatur, die die gleiche Rüstung trug, wie seine Liebste, als er sie vor Hillgrunds Grab fand, die Szene beherrschte. Mit einem riesigen Zweihänder, der ihn arg an eine stark vergrößerte Ausgabe von Argis’ Schwert, das er nur einmal kurz gesehen hatte, erinnerte, drosch dieses unbekannte gehörnte Wesen unter markigen Sprüchen um sich und mähte zwei der Männer mit einem einzigen Seitwärtshieb. Die anderen zwei suchten augenblicklich ihr Heil in einer kopflosen Flucht, aber das Wesen folgte ihnen und so verschwanden sie alle in der Dunkelheit.

    „Hier bedeckt Euch! Vollständig und jetzt!“ Sie warf ihm eine große schwere Decke zu. „Diese Schweine werden mir nicht entkommen.“
    Ralof wäre nicht Ralof gewesen, wenn er sich nicht eine kleine Blicklücke unter seinem unfreiwilligen Überwurf gelassen hätte. Sie richtete sich kerzengerade auf, auch wenn ihr dies Schmerzen zu bereiten schien.
    „Strun Bah Qo.“
    Er konnte mit diesen Worten nichts anfangen, aber die letzte Silbe dröhnte in den Ohren und strapazierte seine Trommelfelle fast bis zum Zerreißen. Der Himmel verdunkelte sich noch weiter, Unmengen von Regen prasselten laut auf den Boden und zahllose Blitze zuckten durch die nun vollkommene Schwärze. Sie sackte zusammen und blieb schwer atmend liegen. Den Versuch zu ihr zu gelangen, winkte sie vehement ab. „Bitte mein Herz. Bleibt wo Ihr seid. Mir passiert nichts.“

    Es dauerte eine ganze Weile bis das Unwetter endlich abebbte und langsam der voranschreitenden Morgendämmerung ihren Platz einräumte. Mühsam erhob sie sich und torkelte zu Ralof unter die Decke. Zitternd verbarg sie ihren Kopf an seinem Hals und suchte Wärme an seinem geschwächten Körper.
    „Was… Was war das alles? Diese Kreatur… Das Unwetter…“ Unsicher und fast mit Abscheu betrachtete er sie wie ein fremdes Wesen. „Ihr…Ihr seid mir unheimlich.“
    „Daran ist nichts Unheimliches.“ Mit einem Lächeln versuchte sie sein Vertrauen zurückzugewinnen. „Die Kreatur war nur ein beschworener Dremora-Fürst. Sicher, er ist ein Wesen aus dem Reich des Vergessens, aber vergänglich und er hätte Euch niemals angegriffen. Und meine Worte waren Worte der Drachensprache. Ihr kennt sie nicht, aber fragt mal Ulfric. Er ist einiger Worte ebenfalls mächtig.“
    „Ulfric?“
    „Ja, Ulfric. Darum heißt es allenthalben, er hätte den Großkönig totgeschrien.“

    „Warum habt Ihr mir die Decke übergeworfen?“ Kaum zu verhehlende Wut in seiner Stimme, trotz seines besorgniserregenden Zustandes. „Für was haltet Ihr mich? Für einen Schwächling, den man vor ein paar Blitzen schützen muss? Hättet Ihr das Gleiche mit Argis und Ulfric getan???“
    Fest bohrte sich ihr Blick in den seinen. „Ja, denn ohne diesen Schutz wäret Ihr jetzt tot. Diese Macht unterscheidet nicht zwischen Freund und Feind. Sie vernichtet jegliches ungeschützte Leben, auf das sie herabfährt. Argis wäre ihr damals beinahe zum Opfer gefallen, weil ich so dumm war und es nicht wusste.“
    Mit einem Seufzer schloss er seine Arme um ihren immer noch bebenden Körper. „Ich weiß nicht, ob mir das alles gefällt.“

    „Ich habe es mir nicht ausgesucht und es war mit mehr Schmerzen und Entbehrungen verbunden als Ihr Euch vielleicht vorzustellen vermögt. Denkt Ihr wirklich, eine Mutter gibt ihr Kind so ohne weiteres über Jahreszyklen hinweg in Obhut und zieht mit ihrem Gatten durch ganz Himmelsrand als wäre es das Selbstverständlichste der Welt? Das Drachenblut, zu dem man mich gemacht hat, was ich einmal war oder vielleicht auch noch bin, trägt nicht nur äußerliche Narben mit sich herum.“
    „Wieso einmal wart? Wie ich gerade erleben durfte, seid Ihr all dessen, was immer es auch sonst noch sein mag, wohl weiterhin mächtig.“
    „Sieht so aus. Ich möchte es schon lange vergessen. All diese Kräfte nicht mehr benutzen müssen und nur noch, jetzt an Eurer Seite, eine normale Frau sein. Das wollte ich schon mit meinem verstorbenen Gatten. Es scheint mir schon wieder nicht vergönnt und ich habe Angst, dass mein Leben Euch genauso umbringen könnte, wie es Argis das Seinige kostete.“
    „Argis wurde doch durch Banditen getötet, für eine Sache, die mit den Drachen und Euch als Drachenblut nun so gar nichts zu tun hat, sondern der unbändigen Habgier einer Person entspringt.“
    „Indirekt schon. Argis lebte an meiner Seite, half mir mit jedem seiner Atemzüge zu dem zu werden, was ich sein musste, um Alduin zu besiegen, und war dann dazu verdammt zu sterben, als ich meine Aufgabe erfüllt hatte. Und jetzt geht es mit Euch, mit dem Mann, den ich genauso liebe wie ihn, weiter.“
    „Wenn die Götter es so vorsehen…“
    „Nein.“ Sie hieb mit ihrer Faust auf seine Brust, dass sich sein ohnehin schon bleich gewordenes Gesicht vor Schmerzen verzerrte. „Noch einmal halte ich das nicht durch. Niemals, Liebster, werde ich zulassen, dass Ihr…“
    Mitten im Satz brach sie ab, sah an sich herunter und verfiel in ein leicht hysterisches Gelächter. „Bei Ysmir, es reicht nicht, dass ich aus irgendwelchen Wunden mein Blut verliere…, nein, jetzt quillt es auch noch zwischen meinen Beinen heraus.“
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  5. #45 Reply With Quote
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    Hand hoch, wer es geahnt hat. Diejenigen können sich mit einer 1+ im Leseheft wieder setzen. Viel Spaß!


    „Jorleif!!!“
    Der Gerufene zuckte unwillkürlich zusammen. Obwohl er keiner der Bediensteten im Palast war, sondern einer der wenigen Freunde des Jarl von Windhelm, so ließ man Ulfric besser nicht warten, wenn seine Stimme derartig die hohe Halle des Königspalastes ausfüllte.
    Jorleif unterbrach seine Unterhaltung mit Wuunferth und eilte den dunklen Gang hinunter, wo er den Rufenden wie einen Tiger im Käfig, auf- und abschreitend vorfand. In der Hand hielt er einen Brief, den er Jorleif nun reichte. „Hier lest. … Galmar!!!“
    „Ich bin nicht taub, mein Herr.“ Aus dem Besprechungsraum tauchte die Kriegergestalt auf. „Geht es vielleicht schon wieder um Kommandant Ralofs kleine …“
    Der Blick, den Jarl Ulfric ihm zukommen ließ, brachte ihn kurzerhand zum Schweigen.
    „Es geht nicht mehr ‚nur’ um das Drachenblut. Es geht ebenso um einen unserer besten Leute. Und wenn Ihr bald wieder seine Kampfkraft in unseren Reihen haben möchtet, solltet Ihr mir jetzt gut zuhören.“
    Galmar Steinfaust senkte den Kopf, aber dass Ulfric ihn nicht überzeugen konnte, was die ‚kleine Hure’, wie er sie nannte, betraf, war ihm deutlich anzumerken. „Ich höre.“
    „Bringt mir Niranye vom Marktplatz. Hierher, und zwar sofort. Sollte sie sich weigern, könnt Ihr dieser Mer gerne ausrichten, dass dies ihr letzter Tag in Windhelm sein wird.“


    „Eine gute Idee, mein Jarl. Ich hätte nicht gedacht, dass Niranye uns noch einmal von Nutzen sein würde, nachdem wir entschieden hatten, sie nach dem Vorfall hier im Palast in Ruhe zu lassen.“ Jorleif faltete den gelesenen Brief zusammen und gab ihn Ulfric zurück.

    „Ich auch nicht.“ brummte dieser und legte den Brief auf denTisch.
    „Das Kind des Drachenblutes zu entführen und damit den wundesten Punkt von Freya von Markarth zu treffen. Wenn ich nicht auf der anderen Seite stehen würde, würde ich es einen grandiosen Einfall nennen. Wer sind Gerdur und Hod?“
    „Gerdur ist Kommandant Ralofs Schwester und Hod ihr Mann.“ Eine kleine Pause entstand. „Ja, mit Sicherheit ist der Kleine einer der wunden Punkte des Drachenblutes, aber bestimmt nicht ihr einziger, nachdem sie schon ihren Mann und damit den Vater des Jungen an diese Bande oder was auch immer sie sind, verloren hat.“
    „Ach. Ralof ist gar nicht der Vater? Das hätte mir zumindest einen einleuchtenden Grund dafür gegeben, warum sie hier auftauchte und ihn so händeringend suchte.“
    Ulfric lachte und klopfte seinem Freund auf die Schultern.„Nein, mein Guter. So trivial ist die Angelegenheit leider nicht. Ihr erster Mann und der Vater des Kindes hieß mit Namen Argis. Er muss ein fantastischer Krieger gewesen sein. Einer, wie ich ihn gerne in meiner Armee willkommen geheißen hätte.“
    „Hmm, dann wird er wohl der geheimnisvolle Mann gewesen sein, der immer an ihrer Seite zu sehen gewesen sein soll, wie man sich allenthalben erzählte. Aber so fantastisch? Wenn er einigen obskuren Dieben zum Opfer fiel?“
    „Schweigt, Jorleif! Was wisst Ihr schon über den Kampf.“ Ulfric donnerte mit der Faust auf die große Tafel, dass sich das Geschirr anhob und klirrend wieder niederkam. „Ab einer gewissen Überzahl ist jeder noch so gute Krieger dem Tod geweiht.“ Sein Ton normalisierte sich und er fuhr fort. „Sie fand ihn sterbend unter zahllosen Leichen und konnte ihn nur noch in den Tod begleiten und ihm ein würdiges Begräbnis ermöglichen. Kommandant Ralof ist wohl ihr jetziger Lebenspartner. Außerdem ist er für den Jungen anscheinend so etwas wie die Vaterfigur, da dieser seinen eigentlichen Erzeuger niemals richtig kennenlernen konnte.“
    „Darf ich Euch etwas fragen mein Jarl?“
    „Warum so förmlich. Ihr dürft mich alles fragen, mein Freund. Ob Euch die Antworten dann gefallen, kann ich Euch allerdings nicht versprechen.“
    „Welcher Natur war dann Euer Verhältnis mit ihr? Wohl kaum das von Liebenden.“
    „Nein Jorleif, das von Liebenden wahrlich mit Sicherheit nicht. Sie ist eine Schönheit und bestens bewandert in den Gepflogenheiten körperlicher Bedürfnisse. In dieser Hinsicht beneide ich Kommandant Ralof zutiefst, aber als Frau an meiner Seite wäre sie mir zu stark und eigenwillig. Den Ursprung unserer Gemeinsamkeiten werde ich Euch nicht vermitteln können. Ihr würdet es nicht verstehen.“

    Wohl oder übel musste sich Jorleif damit zufrieden geben, obwohl sein Wissensdurst noch lange nicht befriedigt war. „Und warum lasst Ihr Euch jetzt so tief darein verstricken? Dieser Brief besagt doch nur, dass der Kleine entführt wurde und wir Ralof als auch sie darüber in Kenntnis setzen sollen, wenn beide oder einer von ihnen hier auftaucht.“
    „Denkt Ihr hin und wieder auch einmal ein Stück weiter als über den Rand Eures Metkruges hinaus? Ihr seid mein Vogt. Da erwarte ich ein wenig mehr.“ Ulfrics Stirn legte sich in Falten. Sinnend sah er seinen Freund an, der diese Stimmungsumschwünge allerdings nur zu gut kannte und jetzt einfach nichts entgegnete.
    „Erstens, Ralof wird seine Geliebte mit Sicherheit so lange begleiten, bis sie ihren Sohn gefunden haben. Ich möchte ihn aber alsbald wieder an meiner Front wissen. Zweitens, wenn es mir gelänge, den Kleinen vor ihnen ausfindig zu machen und am besten noch zu retten, habe ich ein Pfand, mit dem ich sie doch noch dazu bringen könnte, sich unserer Sache anzuschließen. Jorleif, stellt Euch vor. Das Drachenblut auf unserer Seite.“
    „Damit wäret Ihr nicht besser als dieser Mörderhaufen. Einer Entführung gleich die nächste folgen zu lassen. Und wer sagt Euch, dass sie ihren Entführern entkommen kann.“
    „Rifton ist nicht so weit und manchmal zwitschern die Vögelchen bis nach Windhelm. Sie hat bereits mit Ralof zusammen die Stadt verlassen. Und IHR seid ein Trottel. Ich meine damit keine regelrechte Entführung, sondern schlichtweg eine moralische Schuld oder von mir aus auch einen Appell an ihre Dankbarkeit. Versteht Ihr mich jetzt?“



    Der Flügel der riesigen Hallentür öffnete sich. Herein spazierte Galmar, dessen Finger geradezu am Arm der groß gewachsenen Altmer zu kleben schienen. Sie schimpfte vor sich hin und beschimpfte Galmar, der sie schweigend und unbarmherzig neben sich herzog. Unsanft drückte er sie auf die große Bank. „Setzt Euch und haltet endlich Euer Schandmaul. Mir klingen ja schon die Ohren.“
    „Was wollt Ihr von mir? Ich bin eine einfache Händlerin.“ Empört setzte Niranye eine Schmollschnute auf, obwohl die Hoffnung damit jemanden zu beeindrucken, denkbar gering war. Und sie hatte recht.
    „Sicher seid Ihr das, Niranye.“ Jarl Ulfrics Stimme troff so sanft und honigsüß in ihre Ohren, dass es fast schon schmerzte. „Eine einfache Händlerin, hoch stehend im Gefüge und der Gunst dieser sogenannten Diebesgilde, der wir die Entführung von Freya von Markarth aus meinem Schlafgemach zu verdanken haben.“
    „Wie kommt Ihr darauf?“ So einfach würde sie nicht aufgeben.
    „Niranye, ich hätte Euch für klüger gehalten. Behauptet Ihr Hochelfen das nicht immer von Euch? Klüger zu sein als wir einfachen dummen Menschen?“ Ulfrics Hand verewigte sich schmerzhaft auf ihrer Schulter. „Und jetzt redet, oder glaubt Ihr wirklich, Kommandant Ralof hätte uns verschwiegen, dass er Euch in einem äußerst vertrauten Gespräch mit einem der Entführer angetroffen hat. Er konnte uns sogar noch den genauen Wortlaut Eurer Begegnung berichten.“
    „Ich weiß nichts über ihren Sohn.“
    Mist, jetzt hatte sie sich selber verraten. Und natürlich war es auch Ulfric nicht entgangen. Seine Hand klatschte in ihr Gesicht. Die Wucht der Ohrfeige ließ sie von der Bank auf den Boden rutschen, von wo sie gleich unsanft wieder hochgerissen wurde.
    „Wollt Ihr das Ende dieses Tages noch in Windhelm erleben? Wollt Ihr je wieder Tageslicht sehen?“ Bedrohlich nahe erschien Ulfrics Gesicht vor dem ihren, als sie die Augen wieder öffnen konnte. Sie erkannte jede Pore, jede noch so winzige Narbe. Die dunkelgrünen Augen erdolchten sie fast. Sie konnte ihm nichts vormachen, aber vielleicht noch einen kleinen Handel herausschlagen.
    „Wenn ich Euch erzähle was ich weiß, kann ich dann weiter meinen Marktstand betreiben?“

    Galmars Hand wanderte zu seinem Dolch, während er auf sie zusprang. „Verdammtes Elfengeschmeiß…“, aber Ulfrics Handbewegung hielt ihn gerade noch zurück.
    „Es kommt ganz darauf an, was Eure Informationen wert sind. Wenn wir mit ihnen nicht unser Ziel erreichen sollten, werdet Ihr auf immer und ewig in den Genuss unserer unteren Behausungen kommen. Das verspreche ich Euch. Und jetzt erzählt Ihr mir fein und schön haarklein, was es mit den Entführungen des Drachenblutes und ihres Sohnes auf sich hat. Wohin hat man ihn gebracht? Und sagt mir nicht, dass dies nicht auch ein Werk Eurer sogenannten Gilde ist.“
    „Nein, ist es nicht.“ Die erhobene Hand von Ulfric deutete die nächste Gesichtsschlappe an und sie beeilte sich fortzufahren. „Wir sind raus aus der Sache, nachdem uns diese Freya durch die Lappen gegangen ist. Jetzt sind es die Söldner unseres Auftraggebers, die den Jungen verschleppt haben. Sie traute uns das Gelingen dieser Angelegenheit nicht mehr zu und beschäftigt uns seitdem nur noch mit kleineren Aufträgen.“
    „Sie? Wer ist sie? Was bezweckt sie damit? Und wer hat den Ehegatten von Freya ermordet? Euer verkommener Haufen?“
    „Wir morden nicht. Und es sind viele Fragen, die Ihr stellt, Jarl Ulfric.“
    „Beantwortet sie einfach der Reihe nach und zwar schön ausführlich.“
    Niranye seufzte. Ihr Leben war so oder so verwirkt. Entweder würde sie in den Verliesen des Palastes ihrem Ende entgegengammeln oder die Auftraggeberin würde einen Assassinen der Dunklen Bruderschaft auf sie ansetzen, sobald sie von ihrem Verrat Wind bekam. Eine winzige Hoffnung bestand nur in der Rückkehr zu den Summerset-Inseln. Und die wiederum konnte sie nur wahrnehmen, wenn sie jetzt alles und jeden verriet. „Sie. Sie ist die Protektorin der Diebesgilde, eine der einflussreichsten Personen in Rifton und unsere größte Auftraggeberin.“
    „Dabei dürfte es sich wohl kaum um Jarl Laila Rechtsprecher handeln. Die ist ja nicht mal in der Lage ihren eigenen Haushalt zu führen.“

    „Nein. Es ist Maven Schwarzdorn.“
    „Maven Schwarzdorn von der Schwarzdorn-Brauerei?“ Ulfric schluckte. Niranye hatte recht, eine der einflussreichsten Personen, nicht nur in Rifton sondern in ganz Himmelsrand. „Aber warum? Was wollte sie von Freya von Markarth und ihrer Familie?“
    „Sie möchte den Markt von Markarth erschließen und braucht dort dringend eine repräsentative Niederlassung. Brynjolf, unser Koordinator war in ihrem Auftrag in Markarth, um nach entsprechenden Gebäuden Ausschau zu halten und Verkaufsgespräche zu führen. Vlindrel Hall war das einzige Gebäude, welches sich dazu anbot, konnte aber von dem Jarl nicht veräußert werden, weil es ihm nicht gehörte.“
    „Maven Schwarzdorn könnte mit ihrem Gold ganz Himmelsrand zuscheißen, wenn ihr danach wäre. Warum ist sie nicht in Verkaufsverhandlungen mit Freya getreten? Stattdessen versucht sie die ganze Familie auszulöschen.“
    Niranye zuckte mit den Schultern. „Sie hat ihre eigene Art ihre Gewinne zu maximieren.“
    „Gut. Und wer hat Freyas Gatten ermordet?“
    „Das waren ihre Söldner. Die gleiche Truppe, die jetzt den Jungen entführt hat.“
    „Und wo wird er hingebracht?“
    „Das kann ich nur vermuten. Entweder ins Waisenhaus von Rifton, auf ihr Gut, Gut Schwarzdorn, etwas außerhalb der Stadt oder zu uns in die Diebesgilde. Zumindest wird er wohl vorerst noch nicht getötet werden. Sie braucht ihn noch als Lockvogel für seine Mutter.“
    „Ich danke Euch. Ihr wart sehr hilfreich.“ Ulfrics Hand löste sich von ihrem Arm und sie rieb sich die stark schmerzende Stelle.
    „Kann ich jetzt gehen?“

    „Aber natürlich, meine Beste.“ Ulfric grinste sie hämisch an. „Wachen!!! Würdet Ihr bitte diese Dame in die besonderen Gemächer im unteren Stock bringen?“
    „Aber Ihr habt mir doch versprochen…“ schrie sie entsetzt.
    „Das werde ich auch halten. Jarl Ulfric bricht niemals ein Versprechen. Das solltet Ihr Euch merken. Im Moment kann ich Euch allerdings noch nicht aus meinem Gewahrsam entlassen. Ihr werdet doch verstehen, dass ich sicher sein muss, dass Euer Kontakt zu Euren Freunden erst einmal unterbrochen ist. Ihr dürft dieses Gebäude sofort verlassen, sobald sich der Junge wohlbehalten hier in diesen Räumen befindet. Bis dahin seid mein ganz spezieller Gast. Es wird Euch an nichts fehlen.“

    Lächelnd wandte er sich Jorleif zu, dessen Gesicht von Zweifeln geprägt war. „Ihr wisst mit wem Ihr Euch anlegt, mein Jarl?“
    „Ja mein Freund, dessen bin ich mir sogar sehr bewusst.“
    „Und wir schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe. Maven Schwarzdorn ist eine der größten Förderinnen des Kaiserreiches. Wenn wir sie ausschalten könnten, würde das Kaiserreich um einiges geschwächt.“
    Erstaunt drehte sich Ulfric um. „Galmar, manchmal habt Ihr wirklich mehr Hirn, als es Euer Gesichtsausdruck unter diesem Bärenschädel da vermuten lässt. Sorgt jetzt dafür, dass eine gut geschulte und verschwiegene Truppe zusammengestellt wird. Ich sehe Licht am Horizont von Himmelsrand. Und außerdem hab ich Hunger.“




    Sie erwachte weil ein heftiges Zittern ihren Körper durchschüttelte und musste sich erst einmal orientieren. Das heftige Unwetter, das sie mit ihrem Sturmruf verursachte, hatte die Flammen des Lagerfeuers gelöscht und nur einen nassen Aschenhaufen zurückgelassen. Sie blickte auf ein kleines Schlachtfeld. Verbrannte Äste, dunkel verbrannter Boden durchtränkt mit noch dunkleren Flecken des Blutes, das in der Nacht hier vergossen worden war. Fünf, zum Teil verstümmelte Leichen mit Brandblasen an den Körpern und in den schmerzverzerrten Zügen und leeren Augen. Ein abgetrennter Kopf lag direkt zu ihren Füßen und schien sie anzustarren. Mit einem heftigen Tritt kickte sie ihn weit fort aus ihrem Sichtbereich. Die Sonne schien bleich durch hohe schleierartige Wolken, so bleich wie das Gesicht ihres zusammengesunkenen Liebsten.
    Das Zittern gehörte zu Ralof, der an ihrem Körper heruntergerutscht war und mit geschlossenen Augen leise Schmerzlaute ausstieß. Bei den Göttern, sollte er so schwer verwundet worden sein, und sie hatte es nicht einmal bemerkt?

    So vorsichtig es nur irgend ging, schob sie sich unter ihm hervor, um keine weiteren Schmerzen auszulösen. Seinen Kopf legte sie sanft auf eine Fellrolle, um ihn dann weiter auf Wunden zu untersuchen. Ihre Haare fielen auf sein Gesicht und riefen eine, wenn auch nur schwache, Reaktion hervor. Kurz öffnete er die Augen und lächelte sie matt an.
    „Liebster, hört Ihr mich?“ Ihre Hände klopften leicht an seine Wangen bis er mühsam erneut seine Lider hob. „Erkennt Ihr mich?“
    Ein leises Nicken war die Antwort, dann glitt er wieder in seine eigene Welt.
    Ihre eigenen Wunden schmerzten und das schmierige Gefühl zwischen ihren Beinen trug ebenfalls nicht zu einem Wohlbefinden bei, aber sie schien bei weitem nicht so angeschlagen zu sein wie der Mann an ihrer Seite. Mit vor Kälte zitternden Händen löste sie die Verschnürungen und Lederriemen seiner Rüstung und hielt dann inne. Besser erst mal ein neues Feuer entfachen, das sie beide ein wenig wärmte, bevor sie ihn seiner Kleidung entledigen würde. Steif gesessen und steif gefroren erhob sie sich und deckte Ralof mit der wärmenden Felldecke zu. Seinen mächtigen Körper jetzt vom blanken Boden auf ein Fell zu legen, dazu fehlte ihr die Kraft und außerdem wusste sie ja noch nicht wo sich seine Wunden nun befanden.
    Sie suchte und fand ein paar trockene Äste und etwas Tundragras. Mit einem Feuerstoß setzte sie den kleinen Holzhaufen direkt neben Ralof schon einmal in Brand, bevor sie sich der Suche nach weiteren trockenen Holzstücken widmete. Als ein genügend hohes Feuer loderte, um sie beide zu wärmen, machte sie sich daran ihn nach Wunden abzusuchen. Auch wenn er nicht ganz so massig wie Argis war, wog sein Oberkörper ohne eine Hilfe seinerseits eine ganze Menge. So schob sie sein Rüstungsoberteil in Richtung seines Halses, nur um festzustellen, dass außer den alten Vernarbungen und ein paar frischen kleineren Schnitt-, Stich- und Hiebwunden nichts zu finden war, was seinen erbärmlichen Zustand erklärte. Diese Kleinigkeiten hauten einen Krieger wie ihn mit Sicherheit nicht aus den Stiefeln. Ein Blick auf seine durchnässte Hose verriet ihr, dass er sogar zwischenzeitlich bewusstlos gewesen sein musste.
    „Fein, mein Herz. Jetzt haben wir beide die Hosen voll.“
    Sie küsste die geschlossenen Lippen, bevor sie weiter Ursachenforschung betrieb. Es half nichts, sie musste ihn umdrehen, egal was für Schmerzen sie ihm damit bereiten würde.

    Dann hörte sie es wieder. Das Wimmern und Schreien. Nein, es war keine Einbildung gewesen. Da jammerte ein Kind vor sich hin. Mutterinstinkte und die Gefühle für den Mann, der da so hilflos vor ihr lag, stritten sich dermaßen miteinander, dass sie sich erst einmal in die Büsche übergab. Schließlich gewann der angeborene Instinkt die Überhand. Ralof konnte sie schützen, das Kleine da draußen war der Natur vollkommen ausgeliefert. Vorsichtig zog sie sein Rüstungsoberteil wieder herunter und deckte ihn zu.
    „Ich bin gleich wieder da mein Liebster. Versprochen.“
    Sie schulterte ihre Waffe und legte mit einigen flinken Handbewegungen Feuerrunen rund um die Liegestatt von Ralof. So konnte niemand unbeschadet an ihn gelangen. Weder ein Tier noch ein Mensch. Sie wartete eine Weile bis die jämmerlichen Töne wieder erklangen und marschierte zielstrebig in diese Richtung. An den toten Pferden kam sie vorbei, auch Ralofs war darunter, nur ihr eigenes Tier nicht. Sie vermochte sich diesen Umstand nicht zu erklären. Ein Stück weiter stellte sie zufrieden fest, dass es auch die letzten des feigen Überfalls erwischt hatte. Und wieder wartete sie. Die dünne Stimme kam aus dem nächsten Umfeld. Es konnte nicht mehr weit sein. Heftig pochte ihr Herz bis in die Schläfen. Agnar vielleicht? Sollten sie ihn wirklich auf dieser Route transportiert haben? Passen würde es. Auf der anderen Seite klang Agnars Stimme schon wesentlich kräftiger als diese hier. Aber in so einer Notsituation? Fieberhaft suchte sie die Umgebung ab, konnte aber nichts entdecken, bis sie an einigen Büschen vorbeistrich.
    Da war sie, die Stimme, genau vor ihr. Sie zückte die Waffe und brach ohne weitere Vorsicht durch das Gestrüpp.
    EMS is offline Last edited by EMS; 10.11.2012 at 08:52.
  6. #46 Reply With Quote
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    Puuh, diesmal hats was gedauert bis zum nächsten Kapitel. Ich hoffe ich habe jetzt nicht alle Leser verloren. Wer noch dabei ist, dem wünsche ich jetzt ein paar unterhaltsame Minuten.


    „Was wollt Ihr mit ihm?“ Stirnrunzelnd betrachtete Ralof, immer noch vollkommen bleich im Gesicht, das winzige, blutig eingehüllte, Bündel, das sie ihm in die Arme drückte.
    „Ich konnte ihn nicht töten.“ Mit einigen Handbewegungen entfernte sie auch noch die restlichen Feuerrunen, die sie zu Ralofs Schutz gelegt hatte. „Ich bin froh, dass es Euch wieder besser geht.“
    „Besser ja, aber von gut weit entfernt. Und nun? Was machen wir mit ihm?“
    „Wir nehmen ihn mit. Faendal als Waldelf wird sicher seine helle Freude an ihm haben. Und er wird ihm eines Tages bei der Jagd behilflich sein können.“
    „Ein Wolf in Flusswald? Ihr seid verrückt.“
    „Was regt Ihr Euch so auf, mein Herz. Ihr seid der Liebhaber eines Drachen.“ Sie nahm ihm das kleine Wolfsjunge wieder ab und legte es vorsichtig neben sich.


    Es hatte im Gegensatz zu seiner Mutter sogar ihren Sturmruf noch überlebt. Bei soviel geballtem Lebenswillen ... Wer war sie, dass sie ihm das Recht verweigerte, weiter zu leben. Das Muttertier war wohl schon verletzt gewesen. Es ließ sich aber nicht mehr erkennen, was sie so zugerichtet hatte. Freya zog ihr das Fell ab und wickelte das Kleine darin ein, damit es durch den vertrauten Geruch beruhigt wurde und stapfte zurück Richtung Lager. Erfreut stellte sie fest, dass Ralof wieder bei Sinnen war und sich sogar aufgerichtet hatte.


    „Arme hoch.“
    „Was?“
    „Ich sagte Arme hoch“, lachte sie.
    „Das habe ich durchaus verstanden. Aber warum?“
    „Damit ich Euch die Rüstung ausziehen und Eure Wunden genauer untersuchen kann. Von irgendwas muss Euer miserabler Zustand ja herrühren.“
    Leuchtend blaue Augen betrachteten ihre Silhouette, die sich gegen das Feuer abzeichnete. „Erst einen Kuss.“
    „Für jemanden, der vor kurzem noch dem Tode geweiht schien und weißer aussieht als frisch gefallener Schnee, seid Ihr ganz schön frech.“ Zärtlich wischte ihre Hand die dicken Schweißperlen von seiner Stirn, die seinen wahren Zustand verrieten.
    „Hmm, wollt Ihr dann einem dem Tod Geweihten seinen letztenWunsch versagen?“
    „Ralof, Ihr seid ein Scheusal“, schmunzelte sie und fuhr wesentlich ernster fort, „Bitte sagt so etwas nie wieder. Es hätte zu Ende sein können, bevor es überhaupt richtig begonnen hat. Aber Euren Kuss bekommt Ihr. Mögen die Götter verhindern, dass es der letzte sein wird.“

    Noch während sie seine fast kalten Lippen fühlte, spürte sie, dass er wieder ohnmächtig zu werden drohte. Schnell ließ sie von seinem Mund ab und zog in Windeseile das schwere Rüstungsoberteil über seinen Kopf, bevor er zusammensackte. Jetzt konnte sie den Grund deutlich sehen. Die große Wunde, die ihr bereits in Rifton Sorgen bereitet hatte, war regelrecht aufgerissen. Ein zähes, tief dunkelrotes Gemisch aus geronnenem Blut und etwas Undefinierbarem quoll unaufhaltsam daraus hervor. Es stank bestialisch. Der Hieb einer stumpfen Waffe schien die dünne Haut zum Platzen gebracht zu haben. Jetzt konnte sie sich auch seinen völligen Zusammenbruch während des Kampfes erklären.
    „Bei den Göttern.“ stammelte sie. Hier waren andere Heilkünste gefragt, als die Geringen, die sie selber aufweisen konnte.
    „Was ist?“ ächzte er leise. Er war also noch bei Sinnen undwollte sich ihr zuwenden.
    „Bleibt liegen. Es ist Eure Pfeilwunde. Sie ist aufgeplatzt und ich vermute, dass der Pfeil vergiftet war. Ich kann die Spitze entfernen und die Wunde auswaschen. Aber Ihr braucht so schnell als möglich einen Heiler.“
    „Natürlich. Die laufen hier in der Wildnis ja zuhauf umher“, knurrte er, während sie ihm half sich so zu drehen, dass sie besser an die Wunde herankam.
    Er hatte recht. In seinem Zustand und ohne ihre Pferde würde er nicht einmal das nächste Dorf lebend erreichen. Sanft küsste sie seine nackte Schulter und stand auf. „Ich werde mal bei den toten Pferden schauen, ob ich was Brauchbares finde.“

    Sie nahm die angegebene Richtung. Waren ihr die Götter so gram, dass sie ihr gleich den nächsten Mann entreißen wollten? Mit Tränen in den Augen suchte sie die toten Tiere ab und nahm an sich, was sie brauchen konnte. Die Arme voller Leinentücher, Wasserschläuche und Heiltränke und bereits wieder zum Lager unterwegs, vernahm sie Hufgetrappel. In Sekundenschnelle war sie von dampfenden Pferdeleibern umzingelt, die ihr jede Möglichkeit zur Flucht abschnitten. Sie blickte kurz auf die Heilmittel in ihren Armen und überlegte, ob es sich lohnte, sie alle durch einen Kampf zu verlieren, als sich der Pferdekokon um sie herum auflöste und eine Gasse bildete.
    „Wo ist Kommandant Ralof, Drachenblut?“ donnerte die Bärenkopfmütze, unter der ein paar eisig blaue Augen und ein weit vorgeschobener Unterkiefer hervorlugten.
    Erst jetzt erkannte sie durch die nass verschleierten Augen, dass es sich um Sturmmäntel handelte. „Galmar Steinfaust, ich hätte nie gedacht, dass ich einmal sagen würde, ich bin froh Euch zu sehen.“

    Prüfend blickte sich der Genannte um, die toten Pferde, zwei Leichen. Der Boden nass durchtränkt wie nach einem Unwetter. „Was ist hier geschehen?“
    „Das erkläre ich Euch später. Wir müssen uns zuerst um Ralof kümmern. Sagt, habt Ihr einen Heilkundigen dabei?“
    „Ja, ich denke ich kann Euch helfen.“ Eine Stimme von einem der hinteren Pferde. „Ich bin des Heilens mächtig.“
    „Den Göttern sei Dank. Folgt mir bitte.“ Einschließlich Galmar zählte sie sechs Leute, die jetzt von den Pferden stiegen und hinter ihr hergingen. Was wollten sie hier? Rift und Ostmarsch waren Sturmmantelgebiet. Aus den Augenwinkeln beobachtete sie Galmar Steinfaust und bemerkte, dass er das Gleiche bei ihr tat. Sie war keine Freundin des Versteckspielens, also warf sie den Kopf zurück und blickte Galmar fest an. „Was tut Ihr hier? Solltet Ihr nicht an der Front oder an Ulfrics Seite sein?“
    „Kümmern wir uns erst einmal um Kommandant Ralof. Und dann schauen wir weiter.“ Er machte aus seiner Abneigung keinen Hehl. Sie wusste zwar immer noch nicht, weshalb er sie mit einer derartigen Vehemenz ablehnte, aber jetzt war kaum der richtige Zeitpunkt, nachzuhaken, und so schritten sie schweigend nebeneinander her.
    „Bei Ysmir“, entsetzt blickte Galmar um sich als er der verstümmelten und verbrannten Leichen gewahr wurde, die sie nur notdürftig am Rand des Lagers aufgestapelt hatte. Es verwunderte sie, hatte doch gerade dieser Mann mit Sicherheit schon wesentlich größere Schlachtfelder erblicken müssen.

    „Kommt Ihr? Ralof braucht dringend Hilfe.“ Sie wandte sich an die Heilerin, die die Zügel ihres Pferdes einem Kameraden überreichte und den Helm abnahm, während sie ihr folgte. Fast weißblondes Haar kam zum Vorschein, nicht ganz so lang und dicht wie ihres, aber sehr ähnlich. Für einen Moment starrte sie die junge Frau an, die schnell und wissend ihre Hand auf Freyas Arm legte. „Keine Sorge. Auch wenn es schmerzte. Ich habe es überwunden. Er hat immer nur Euch geliebt und welche Frau ist schon gerne ein, dazu wohl noch schlechter, Ersatz.“
    Sie konnte in diesem Moment nicht anders. Sie legte die gesammelten Sachen ab, nahm die Soldatin in die Arme und drückte sie von ganzem Herzen, was diese mit einem Lächeln quittierte. „Es hatte etwas sogar etwas Gutes. Seht Ihr den dunkelhaarigen Kerl dahinten, dem ich mein Pferd gab. Das ist mein Gatte und er liebt mich, und nicht jemanden, den er in mir zu sehen glaubt.“
    Svala, so hieß die junge Frau, folgte ihr um das Feuer und gewahrte das kleine wimmernde Fellbündel. „Was macht Ihr mit einem Wolf?“
    „Er ist für jemanden bestimmt.“
    „Doch hoffentlich nicht für Jarl Ulfric“, ertönte hinter ihnen Galmars Stimme. „Als ob wir nicht schon ohne ein solches Vieh genug Ärger im Palast hätten.“
    „Nein Galmar, er ist nicht für Ulfric, denn ich denke ein bissiger Bär in seinen Mauern reicht vollkommen aus.“


    Svala lüftete die Decke und wurde kreidebleich als sie dieWunde erblickte. „Wie ist das denn passiert?“
    „Ich weiß es nicht. Er hatte sie bereits, als er mich in Rifton abholte, aber da war sie noch von Haut überzogen. Sie stammt aus einem Gefecht.“
    Sie knieten neben dem schweißgebadeten Körper nieder. Svalas kundige Finger griffen in die große Wunde. Mit einem einzigen Ruck zog sie unbarmherzig die schwarze Pfeilspitze heraus, was Ralof zu einem unterdrückten Schrei und anschließendem gut hörbaren Zähneklappern veranlasste. Sein ganzer Körper begann zu zittern.
    Svala roch an der Pfeilspitze und warf sie dann weg. „Sie ist bereits zu lange in seinem Körper. Ich kann nicht mehr riechen, was für ein Gift es hätte sein können.“ Dann blickte sie hoch zu Galmar. „Ich brauche gleich noch zwei Mann, die ihn festhalten.“
    „Das werde ich selber erledigen. Das bin ich seiner Kriegerehre schuldig.“
    „Und ich bin der zweite, auch wenn ich kein Mann bin.“
    „Das wird aber kein schöner Anblick und er wird sich nach Kräften winden.“
    „Svala, unschöne Anblicke sind das letzte, was mich hiervon abhalten könnte. In den letzten Jahren durfte ich mich an viele von ihnen gewöhnen.“
    „Entschuldigung. Ihr seid das Drachenblut, von dem er immerzu sprach. Ich vergaß.“

    Svala stand auf, klaubte die Heilutensilien zusammen und begann mit den Vorbereitungen zum Ausschneiden der Wunde, während Galmar und sie Ralofs Körper so bequem wie möglich betteten. Sie öffnete ihren Dolchgürtel und schob ihn Ralof zwischen die klappernden Zähne.
    Die junge Heilerin kehrte zurück und kniete sich so, dass das Feuer das künftige Operationsgebiet gut ausleuchtete. Sie seufzte leise und sah Freya in die Augen. „Entweder er lebt danach noch oder… Ich wünschte nur mein Dolch wäre schärfer, so großzügig wie ich die Wunde ausschneiden muss.“
    „Hier nehmt meinen. Ihm kommt an Schärfe nicht viel gleich.“Aus dem anderen Ende des Dolchgürtels zwischen Ralofs Zähnen entnahm sie die Waffe und reichte sie Svala, die ungläubig auf das Oblivionzeichen auf dem Griff der Ebenerzwaffe starrte.
    „Bei Ysmir, was ist das denn für eine Waffe?“
    Sie zwinkerte ihr zu. „Fragt nicht. Benutzt sie einfach.“ Und Svala setzte an.

    In diesem Moment fuhr Argis’ tiefe ruhige Stimme durch ihren ganzen Körper. „Halt mein Herz. Haltet ein. Nur für einen Augenblick.“
    „Stoppt. Auf der Stelle.“ hörte sie sich sagen, während vier Augen völlig verständnislos auf sie blickten.
    „Was ist? Kneift Ihr jetzt, wo es ernst wird.“
    „Galmar. Haltet den Mund. SOFORT.“ Sie vernahm ein leises Klacken.
    Mit weit geöffneten Augen verfolgten Galmar und Svala den Weg des Drachenamulettes mit den blutrot glühenden Rubinaugen, das von ihrem Hals in ihre rechte Hand rutschte.
    „Und nun, mein über alles geliebter Schatz, legt es ihm um. Er wird die Prozedur sonst nicht überleben. Wenn er wieder genesen ist, wird er es Euch freiwillig zurückgeben.“ Noch bevor sie mit ihrem verstorbenen Gatten sprechen konnte, spürte sie nur seinen innigen Kuss und wie seine Wärme ihren Körper wieder verließ.
    Sie legte Ralof das Amulett um den Hals und verschloss es sorgfältig. In diesem Moment begann es zu glühen, erst rötlich, dann bis zur vollständigen Weiße. Argis selbst schien es zu speisen.
    „So wir können beginnen. Fangt an.“ Sie reichte Ralof ihre Arme und küsste ihn sanft. „Hier mein Liebster. Haltet Euch fest.“

    Svala tauchte einen sauberen Lappen erst in Wasser und goss dann eine unbekannte gelbliche Flüssigkeit noch darüber. Vorsichtig reinigte sie erst einmal die Wunde, bis sie vollkommen von der übelriechenden Masse befreit war und die angewesten Fleischränder zum Vorschein kamen. Ralof zitterte zwar am ganzen Körper, aber seinem Bewegungsdrang wurde durch Galmar, der sich kurzerhand auf seine Beine gesetzt hatte, eine sehr enge Grenze gesteckt und so bohrten sich seine Finger in ihre Arme, während seine Augen ihr den ganzen Schmerz verrieten. Aber noch war er bei Bewusstsein und gab kaum einen Laut von sich.

    „Jetzt wird es ihn übel schmerzen. Ich muss ausschneiden.“ Sorgfältig reinigte Svala die Klinge von den Eiterresten, betrachtete sie noch einmal genau und hielt sie dann ins Feuer. Im Hintergrund schleppten die restlichen Sturmmäntel die Leichen aus dem Lager, um sie ein Stück weiter außerhalb zu verbrennen. Freya schloss die Augen. Sie wusste was kommen würde. Helgen, Festung Amol…, der Geruch von verbranntem Fleisch. Warum nur musste sich alles wiederholen? Sie rückte näher an Ralof heran, legte seinen Kopf in ihren Schoß und packte ihn fest unter den Armen, als Svala mit der glühenden Klinge der Wunde zu Leibe rückte. Es zischte, es stank fürchterlich, aber nur so konnten sie verhindern, dass er verblutete.
    Seine Augen weiteten sich panikartig, seine Hände umspannten ihre Unterarme wie eiserne Fesseln. Der mächtige Körper bäumte sich auf, dass Galmar fast nach hinten fiel. Die Unterkiefer krampften sich in den Dolchgürtel. Kein Schmerzensschrei, nur tiefes Stöhnen. Sie blickte Galmar an, der, sie konnte es kaum glauben, sie aufmunternd anlächelte.

    „Pause. Ich muss die Klinge säubern und neu erhitzen.“ Svala fischte die abgeschnittenen Fleischreste aus der Wunde und warf sie ins Feuer.
    Ralof sackte zusammen, aber die Schweißperlen auf seinem Körper und die Tränenspuren in seinem Gesicht verrieten die Pein. Ihre rechte Hand löste sich aus seinem eisernen Griff. Sie holte tief Luft und wirkte einen Heilzauber auf ihn. Solange bis sie spürte, dass ihr die Energie ausging. Aber er wirkte. Ralof entspannte sich und lächelte sie sogar für einen kurzen Moment an.
    „Ihr könnt Heilzauber?“ Erstaunt blickte Svala von ihrem Tun hoch.
    „Nur einen geringen. Nichts was seinem jetzigen Zustand gerecht würde. In den Schulen der Zerstörung und Beschwörung bin ich besser ausgebildet.“
    „Beschwörung? Ist das nicht das, wo man Tote für seine Zwecke missbraucht?“
    „Nicht nur. Das ist nur eine Spielart.“
    „Hmm, Spielart? Ein ekliges Spiel.“
    „Immerhin war es ein beschworenes Wesen, das Ralof und mir das Leben rettete.“
    Svala blickte sie verständnislos an. Man konnte ihr am Gesicht ablesen, dass sie mit diesem Ausdruck nichts anfangen konnte. Aber es war auch jetzt nicht wichtig. Wichtig war allein der geliebte Mann, der halb besinnungslos in ihrem Schoß lag. Sie bat Svala um ein sauberes feuchtes Tuch und wischte den Dreck und Schweiß aus seinem Gesicht.

    „Es kann weitergehen. Wir haben es bald geschafft.“ Schmurgelnd fraß sich die scharfe Klinge weiter und tiefer durch den mittlerweile handtellergroßen Krater.
    Inzwischen machte ihr der Gestank des verbrannten Fleisches nichts mehr aus. Sie wünschte sich nur noch, dass die Tortur bald ein Ende für ihn haben würde. Er war ein Krieger, kein Zweifel, aber nun schien seine Leidensgrenze erreicht. Beim nächsten Schnitt, den Svala jetzt in die Tiefe vollführte, schrie er gequält auf und verlor das Bewusstsein.
    „Soll ich ihn zurückholen?“
    „Nein, lasst mal. Ich bin gleich fertig. Dann ist immer noch Zeit dazu.“ Svala inspizierte die Wunde noch einmal genau, kratzte hier und da noch schlechtes Fleisch weg und verschorfte schließlich die Stellen, aus denen noch Blut sickerte. Mit der gelben Flüssigkeit reinigte sie noch einmal die Wundränder und deckte sie schließlich mit sauberen Leintüchern ab, die sie mit Bienenwachs fixierte. „So, das müssen wir jetzt erst einmal trocken halten. Diese Klinge ist fantastisch. Ich mag gar nicht daran denken, wie oft ich mit meinem Dolch hätte ansetzen müssen.“
    „Dann behaltet sie. Mehrunes Dagon wird sich selber verzehren, wenn er sieht, dass sie Leben erhält, statt es zu nehmen.“ Freya lächelte. „Und solltet Ihr Euch einmal damit verteidigen müssen, so werdet Ihr feststellen,dass sie auch dann eine besondere Wirkung hat.“
    „Vielen Dank.“ Svala strahlte über das ganze Gesicht. „Mehrunes Dagon? Wer ist das?“
    „Unerheblich. Sie soll Euch nur gut dienen.“ Sie stand auf, reckte sich und rieb die durch Ralofs krampfhafte Griffe schmerzenden Stellen. „Galmar, helft Ihr mir noch einmal? Ich möchte ihn nicht in seinem Dreck liegenlassen. Das hat er nicht verdient.“
    Sie entledigten Ralof seiner Hose, bevor sie den immer noch Bewusstlosen warm zudeckte und über dem Feuer in einem großen Kessel Wasser erhitzte. Schließlich fütterte sie das winzige Wolfsjunge mit Milch aus einem Schlauch, den sie bei einem der toten Pferde gefunden hatte, bevor sie mit Ralofs Sachen Richtung Fluss verschwand. Sie wusste ihn in Sicherheit und auch sie hatte eine Reinigung dringend nötig.

    Wenn auch vollkommen durchnässt, aber sauber und erholt, betrat sie wieder das Lager, wo die Soldaten unter der Anleitung von Galmar fleißig dabei waren, Fallen auszulegen und Barrieren zu schaffen. Eindeutig, der Mann verstand sein Handwerk.
    Das Wasser im Kessel war nun warm genug. Die Leintücher würden noch gebraucht werden. So riss sie ein Kleid aus ihrem Gepäck entzwei und begann sorgfältig Ralofs Körper von Schweiß, Blut und seinen Hinterlassenschaften zu reinigen. Eine kleine Bewegung ließ sie innehalten. Er kam wieder zu Bewusstsein.
    „Was ist passiert?“
    Sie streichelte sein Gesicht und küsste die jetzt warmen Lippen. „Alles gut mein Liebster. Ich hole Euch was zu trinken.“
    Sie blieb noch eine ganze Weile bei ihm bevor sie sich zu den anderen begab und Svala zulächelte, die sich in die Arme ihres Mannes gekuschelt hatte und ihm stolz den neuen Dolch präsentierte. Schließlich ließ sie sich neben Galmar fallen. „Ihr seid heute der Segen der Götter gewesen. Aber was führt Euch in diese Gegend?“
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    Nein, noch seid Ihr nicht von meinen geistigen Ergüssen befreit. Viel Spaß und ein paar unterhaltsame Minuten.


    Kyne tobte mit allem was sie zu bieten hatte. Der Sturm peitschte die Regentropfen unbarmherzig vor sich her. Wie Nadelspitzen trafen sie auf die blanke Haut. Die Kapuze ihres Umhangs konnte diesen Gewalten nicht standhalten und so schlug sie sie nach hinten, auch wenn es bedeutete, dass ihr Gesicht schutzlos dem eiskalten Regen ausgesetzt war. Neben ihr hielt Galmar den Kopf tief gesenkt. Es sah aus als würde ein Bär auf einem Pferd reiten.
    „Wenn das so weitergeht, werden wir es heute nicht mehr schaffen.“ knurrte er.
    „Wenn wir schneller reiten würden, könnten wir es schaffen.“entgegnete sie. „Den Pferden täte eine Aufwärmung auch gut.“
    „Weib, ich reite doch nicht in mein Verderben. Man sieht ja kaum die Hand vor Augen.“
    „Lok Vah Koor.“
    Sie achtete nicht auf die entsetzten Gesichter, sondern setzte ihr Pferd in einen schnellen Galopp als sich der Himmel für einige Zeit aufklarte und zwang die Anderen somit, ihr zu folgen. Nur so schnell als möglich Agnar befreien und dann zurück zu Ralof, den sie mit Svala und deren Mann im Lager zurückgelassen hatten. So schnell als möglich die Enttäuschung in Ralofs Augen vergessen, als sie ihm mitteilte, dass sie ohne ihn mit Galmar aufbrechen würde. Es hatte gedauert und sie viele Worte gekostet, ihn davon zu überzeugen, dass er noch viel zu schwach war. Er konnte sich kaum aufrichten, aber um Agnars und ihretwillen, hätte er sich sogar in den Tod geritten.

    Der Gedanke, jetzt endgültig ihre Rache an diesem Gesindel, das ihr Argis und nun auch noch Agnar genommen hatte, nehmen zu können, ließ sie lächeln.
    „Was grinst Ihr so, Drachenblut?“ Galmar hatte aufgeholt und galoppierte nun wieder neben ihr her.
    Unvermittelt hielt sie ihr Pferd an. Das Tier hinter ihr prallte ungebremst auf, während sein Reiter in hohem Bogen durch die Luft segelte und auf dem, vom unablässigen Regen, völlig durchweichten Boden landete. Eine unansehnliche braune Masse erhob sich aus dem Modder und stieg unter einigen unschönen Flüchen wieder auf.

    „Was wollt Ihr, Galmar? Seitdem ich das erste Mal im Königspalast aufgetaucht bin, begegnet Ihr mir wie einem widerwärtigen Insekt.“
    „Ja, Ihr taucht auf und nehmt Euch was und wie es Euch beliebt, durchkreuzt eine ganze Kriegsstrategie. Erst Kommandant Ralof, dann Jarl Ulfric, dann wieder Ralof. Jetzt sind wir auf der Suche nach eurem Balg anstatt unsere Waffen gegen das Kaiserreich zu richten. Wer und was kommt als Nächstes dran? Hä?“
    Sie kniff die Augen zusammen und beobachtete eine Weile wie es in seinem Gesicht zuckte, während hinter ihnen die Mitreiter den Atem anhielten, gespannt darauf, was nun kommen würde. Schließlich huschte ein verächtliches Lächeln über ihre Lippen.
    „Ihr mit Sicherheit nicht, Galmar Steinfaust. Und Eure, mit größter Wahrscheinlichkeit von Jarl Ulfric verordnete Suche nach meinem Sohn wird ihren Preis bereits haben. Ich bin sicher, ich werde ihn erfahren, sobald wir wieder in Windhelm sind.“


    Ungehindert erreichten sie Rifton und schlugen ein kleines Lager weit außerhalb der Sichtweite der Stadt auf. Galmar bestimmte erst einmal nur einen seiner Männer, sich unauffällig in der Stadt umzuhören. Er war ein guter Stratege, erkannte sie neidlos an.

    Sie griff sich die verschwitzte Pferdedecke, wickelte sich darin ein und setzte sich neben ihn ans Feuer. Alles war besser als diese durchdringende, feuchte Kälte zu ertragen, die die näher rückende Nacht mit sich brachte.
    Die letzten Stunden waren sie schweigend nebeneinander hergeritten, jeder in seine eigenen Gedanken versunken.
    „Habt Ihr Papier und ein Stückchen Kohle?“
    „Wozu?“
    „Ich kann Eurem Mann die Informationssuche erleichtern.“ Sie schrieb ein paar Sätze auf das dargereichte Pergament und hielt es dem Soldaten hin. „Hier gebt dies einer Frau, deren linke Gesichtshälfte blau bemalt ist. Ihr Name ist Mjoll. Gebt es ihr nur, wenn Ihr unbeobachtet seid und bei den Göttern, lasst Euch damit nicht erwischen. Und wenn Ihr schon einmal in der Stadt seid,“ sie kramte einen Batzen Goldstücke aus ihrer Gürteltasche, die die Augen des Soldaten leuchten ließen, „dann ersteht bei Balimund, dem Schmied der Stadt, bitte einen Dolch für mich. Er hat gute Ware. Sucht daraus das Beste aus.“
    „Wer ist Mjoll?“ knurrte Galmar, dem ihre Einmischung zuwider schien.
    „Die einzige Person, der wir in dieser Stadt vertrauen können. Sie wird uns den Zugang erleichtern.“

    Sie wickelte sich enger in die stinkende Pferdedecke und legte sich zurück um zu schlafen. Unablässig kreisten die Gedanken um das bevorstehende Ereignis. Es war soweit. Alles was sie so lange mit sich herumgetragen hatte, die Trauer um Argis, der unauslöschliche Durst nachVergeltung, all das würde in den nächsten Tagen seine Erfüllung finden und wenn sie mit ihnen fertig war, würde es jemals wieder weder eine Maven Schwarzdorn noch eine sogenannte Diebesgilde geben. Hoffentlich lebte ihr Sohn noch, aber irgendetwas in ihr sagte, dass dem so war.

    Bekannte, warme Hände, die über ihr feuchtkaltes Gesicht strichen, ließen sie hochschrecken.
    „Argis, Liebster, wie kommt Ihr hierher? Ich trage das Amulett doch gar nicht.“
    „Ihr tragt mich in Eurem Herzen. Da bedarf es keines Amuletts.“
    „Ihr werdet immer Euren Platz dort haben.“
    „Ich weiß mein Schatz“, sie fühlte seine weichen Lippen, „aber hiernach wird mein Geist ebenfalls ganz in Sovngarde einziehen und dann werde ich dort auf Euch warten.“
    „NICHT SCHON WIEDER!“, war ihre bisherige Zwiesprache stumm geführt worden, so schrie sie jetzt auf. Um sie herum regten sich die anderen und sahen sie aus schlaftrunkenen Augen verwundert an. Sie sprang auf, schnappte sich ihre Decke und rannte tränenblind in die schützende Dunkelheit. Außerhalb des Feuerscheins ließ sie sich nieder und wartete auf sein erneutes Erscheinen.
    „Warum? Argis, warum verliere ich Euch noch ein weiteres Mal?“
    „Ihr werdet mich nie verlieren, mein über alles geliebtes Herz. Ich werde immer bei Euch sein. Nur anders als jetzt. Als eine schöne Erinnerung bis wir uns wiedersehen. Ralof liebt Euch, wie ich Euch geliebt habe und jetzt ist seine Zeit gekommen. Er ist ein guter Mann und auch Ihr seid ihm zutiefst zugeneigt.“
    Er blieb eine ganze Weile, in der er sie küsste und streichelte, bis sie sich in die Zeit zurückversetzt fühlte, als sie noch beide lebten und die glücklichsten Menschen der Welt zu sein schienen. Mit einem letzten Kuss und einem leisen Lächeln verschwand er, um nun endgültig in Sovngarde den ihm gebührenden Platz einzunehmen.
    Mit einer tiefen inneren Zufriedenheit wickelte sie sich erneut in die Decke und schlief ein. Sie konnte sich nicht erklären, wo diese Zufriedenheit herkam, aber es fühlte sich gut an.


    Mit Würfelspielen und Scheingefechten vertrieben sie sich die Zeit bis zur Rückkehr des ausgesandten Soldaten. Missmutig hämmerte sie mit dem Griff ihres Dai Katanas auf einigen Stellen der Rüstung herum, um diese wenigstens notdürftig zu reparieren. Ein ziemlich aussichtsloses Unterfangen. Das gute Stück war so alt und abgewetzt, dass es ihr kaum gelang, die zahlreichen Risse und Waffenspuren auch nur einigermaßen zusammen zu klopfen. Insgeheim wünschte sie sich in ihre daedrische Rüstung, so auffällig diese auch sein mochte. Aber hier mit diesem Teil war wirklich kein Staat mehr zu machen.

    Hin und wieder beobachtete sie aus den Augenwinkeln Galmar Steinfaust, der ihr Treiben mit leicht hochgezogenen Mundwinkeln verfolgte. Irgendwann stand er auf, kramte umständlich in einem Gepäckstück herum und eine merkwürdige Rüstung landete auf ihrem Schoß.
    „Hier, nehmt das, Drachenblut. Ich ertrage Euer sinnloses Gehämmere nicht mehr.“
    Sie rollte das Bündel auseinander. Es schien sich um die gleiche Rüstung zu handeln, wie er sie trug, einschließlich der markanten Bärenfellkopfbedeckung.
    „Ein bisschen zu weit? Hmm?“
    „Das können wir ändern. Zieht sie erst einmal an und dann schauen wir.“
    Das Leder war weich und angenehm, bot aber trotzdem genügend Schutz vor Hieben. Eingearbeitete Stahlringe verliehen zusätzliche Festigkeit. Sie fühlte sich auf Anhieb wohl darin. Galmar stand hinter ihr und faltete das überschüssige Leder sorgfältig zusammen, um es wenig später mit einigen gekonnten Stichen zu befestigen. Den stahlverzierten Gürtel trennte sie durch und verknotete ihn.
    „So fertig. Jetzt habt Ihr hinten sogar doppelten Schutz“, griente er. „Zieht einmal den Helm bitte auf. Ich will sehen, was wir daran noch ändern müssen.“
    Das Ergebnis konnte sich sehen lassen, auch wenn sie sich jetzt wie ein Bär auf zwei Beinen vorkam.
    „Gut seht Ihr aus.“
    „Ich will nicht gut aussehen, sondern gut geschützt sein“, maulte sie ungehalten, um kurz darauf in Gelächter zu verfallen. „Ich danke Euch trotzdem Galmar. Und wenn ich tatsächlich in dieser Aufmachung eine Wohltat für Eure Augen darstelle, soll es mich nicht weiter stören. Ich denke, Ihr habt wenig genug angenehme Anblicke in diesem Krieg.“
    Es war das erste Mal, dass sie sich nicht gegenseitig angifteten.


    Kurze Zeit später tauchte der Bote mit Mjoll am Lagerfeuer auf.
    „Mjoll, meine Gute, ich freue mich.“ Sie umarmte die Frau, die ihre Umarmung herzlich erwiderte und sich dann suchend unter den Anwesenden umblickte.
    „Wo ist denn Ralof?“
    „Eine ältere Verletzung ist aufgebrochen und hat ihn fast das Leben gekostet. Wir mussten ihn zurücklassen. Konntet Ihr in der Zwischenzeit etwas in Erfahrung bringen?“
    Mjoll setzte sich im Schneidersitz an das Feuer und griff gedankenverloren nach einem kleinen Ast, mit dem sie Muster in die lockere Erde malte.
    „Wir nehmen an, dass Euer Sohn in Haus Schwarzdorn festgehalten wird. Es ist das am stärksten bewachte Gehöft der Schwarzdorns und aufgrund der Anzahl an Söldnern, die dort hausen, nur schwer einzunehmen. In die Stadt wurde niemand gebracht. Da bin ich mir ziemlich sicher. Maven und ihre verdorbene Brut halten sich in der Stadt auf. Seit Ihr ihr durch die Lappen gegangen seid, ist sie unbarmherziger und herrischer als jemals zuvor. Selbst Brynjolf und seine Spießgesellen trauen sich kaum noch aus dem Rattenweg hervor und sind damit für ihre Zwecke fast nutzlos geworden. Wie wollt Ihr denn jetzt vorgehen?“
    Freya überlegte einen Augenblick, in dem sie versonnen Galmar anblickte, der dem Bericht äußerst interessiert gefolgt war.
    „Auf jeden Fall müssen wir erst Agnar befreien und in Sicherheit bringen. Ihnen jede Möglichkeit nehmen, ihn weiter als Pfand zu benutzen oder gar zu ermorden. Ich frage mich nur, ob ich die spätere Aktion alleine oder mit Kampfgefährten durchführen soll. Da bin ich mir noch nicht sicher. Aber das hat noch Zeit.“
    „Ich würde Euch sehr gerne helfen, wenn Ihr das möchtet.“
    „In Rifton werde ich Euer Hilfeangebot wohl annehmen. Haus Schwarzdorn werden wir mit diesen Männern hier alleine schaffen. Für Euch ist es besser, wenn Ihr dort nicht beteiligt seid. So könnt Ihr Euch weiterhin ungehindert in der Stadt bewegen.“
    Sie wandte sich an den Soldaten. „Habt Ihr mir einen Dolch besorgen können?“
    „Oh ja natürlich. Und ich denke, seine Qualität wird Euch gefallen.“
    Er reichte ihr ein sorgfältig in Leinen gewickeltes Päckchen. Als sie es aufschlug, kam eine kunstvoll gearbeitete und bestickte Lederscheide zum Vorschein, aus der ein fein ziselierter Dolchgriff herausschaute, den sie jetzt herauszog. Vorsichtig fuhr sie mit der Klinge über ihren Handrücken. Kaum berührt, quollen bereits die ersten Tropfen Blut hervor.
    „Perfekt“, nuschelte sie, während ihre Zunge das Blut ableckte.
    Galmar schüttelte den Kopf. „Hättet Ihr das nicht ebenso gut an einem Stück Leder ausprobieren können?“
    „Nein, ich muss selber spüren wie scharf er ist, um ihn richtig einsetzen zu können.“
    „Dann kehre ich jetzt erst einmal in die Stadt zurück und warte dort auf Nachricht von Euch. Viel Glück. Möget Ihr Euren Sohn bald wohlbehalten in die Arme schließen können.“
    Mjoll stand auf, reckte sich und winkte noch einmal kurz, bevor sie in den Büschen verschwand.

    Galmar blickte in den Himmel, der sich langsam wieder mit dem unweigerlichen Nebel zuzog.
    „Lasst uns aufbrechen. Dann sind wir mit Beginn der Dämmerung an Haus Schwarzdorn und haben noch genügend Zeit, uns dort ein wenig kundig zu machen.“
    Sie brachen das Lager ab und ritten in einem weiten Bogen um Rifton herum. Der Nebel verdichtete sich. Dumpfes Johlen und Gröhlen drang auf einmal an die Ohren. Sie hatten ihr Ziel erreicht, waren ihm wahrscheinlich sogar schon viel zu nahe gekommen.
    „Zurück“, zischte Galmar. „Noch haben sie uns nicht entdeckt.“
    Sie wendeten die Pferde und suchten Deckung hinter einem großen Felsen.
    „Kommt Galmar, lasst uns mal sehen wie gut wir im Schleichen sind.“

    Sie fühlte ihr Blut durch die Adern rauschen, spürte seinen Geschmack fast auf ihrer Zunge. Endlich, der so lang ersehnte Zeitpunkt. Ihre latente innere Wut schlug in ein erwartungsvolles Zittern um. Wann ging es endlich los? Ungeduldig beobachtete sie Galmar, der seinen Männern letzte Anweisungen erteilte, bevor er sich zu ihr gesellte. Augenscheinlich deutete er ihren offensichtlichen Erregungszustand richtig, denn er mahnte sie eindringlich.
    „Beherrscht Euch Drachenblut. Gerade jetzt ist es wichtig einen klaren Kopf zu bewahren.“
    Im Schutz des Nebels tasteten sie sich langsam aber sicher an die Lichtflecken heran, die ihnen verrieten wo das Gehöft stand. Die Stimmen der Söldner hallten unwirklich durch die teilweise weit offenen Fenster.
    „Verdammt, wo seid Ihr?“
    „Direkt hinter Euch Galmar, direkt dahinter.“
    „Und wieso höre ich euch nicht?“
    Ihr Grinsen konnte er ebenso wenig sehen. „Vielleicht kann ich besser schleichen als Ihr?“
    „Redet keinen Unsinn. Ihr …“
    „Aua, musstet Ihr unbedingt Euren Kriegshammer mitnehmen?“ Sie rieb sich die Stelle, an der der Stiel des Hammers ihren Kopf getroffen hatte, während er sich ihr zuwandte.
    „Seid still, Weib. Musstet Ihr denn unbedingt Euren Kopf genau dahin halten?“
    Eisblaue starrten in smaragdgrüne Augen. Dann prusteten sie beide leise los. Kameradschaftlich zupfte sie ihn am Ärmel, „Los kommt. Mit Lachen allein werden wir keinen Söldner niederstrecken.“
    Meter um Meter arbeiteten sie sich vor. Kaum atmend hockten sie hinter einem großen Busch, als sie eine helle Bewegung im Stall gegenüber wahrnahm.
    „Sieh mal einer an. Mein Pferd ist schon hier. Dann haben Ralof und ich den Überfall auch diesem Geschmeiß zu verdanken.“

    Schritte näherten sich. Die dazugehörige Person blieb kurz stehen und ging dann weiter. Es war ein Söldner, der aber an ihrem Versteck vorbei schlenderte. Sie zückte ihren Dolch, sah Galmar an und deutete auf ihre Stiefel. Er verstand und nickte nur. Flink huschte sie dem Schatten hinterher, blieb immer ein Stück seitwärts hinter ihm. Er wanderte ein ganzes Stück den Weg hinunter, war schon längst außer Sichtweite des ohnehin im Nebel versunkenen Hauses als er wieder umdrehte.
    Wie ein Säbelzahntiger schnellte sie aus ihrer Deckung, riss mit der linken Hand seinen Kiefer hoch und setzte mit der rechten einen Schnitt in seine Kehle, als ihr auch schon sein Kopf aus der anderen Hand rollte. Nicht einmal Zeit, um auch nur ein Geräusch von sich zu geben, war ihm geblieben. Nur der kopflose Körper schlug mit einem dumpfen Geräusch auf den Boden.
    „Bei Ysmir, was hat Balimund denn da geschliffen?“ Im Dunkeln betrachtete sie verwundert einen Dolch, der es schaffte, mit nur einem Ansatz gleich den ganzen Kopf abzutrennen. Dann kehrte sie zu Galmar zurück.
    „Nummer eins. Es kann weitergehen.“

    Sie befanden sich bereits fast am Haus, als ein weiterer Schatten um die Ecke kam. Er schien ebenfalls eine Bewegung wahrgenommen zu haben. „Harek, bist Du das?“
    Sie knuffte Galmar in die Seite, der jetzt laut und vernehmlich knurrte. Der Schatten verschwand wieder um die Hausecke und sie folgten ihm. Zwei, drei lautlose Sätze von ihr, sie riss seinen Kopf an den Haaren nach hinten und wieder trennte sie mit nur einem Schnitt den Kopf des Mannes von seinem Körper und warf ihn weit fort, so weit wie möglich.
    Galmars Augen weiteten sich vor Erstaunen. Sie deutete auf den Dolch und zuckte nur mit den Schultern. Leise umrundeten sie das Gehöft, aber es befanden sich keine weiteren Leute draußen. Der Lärm von innen ließ allerdings auf eine entweder zahlreiche oder ziemlich betrunkene Gesellschaft schließen. Auf jeden Fall erleichterte er das Eindringen.
    „Ich bin nicht gut im Schlossknacken. Wie stehts damit bei Euch, Galmar?“
    „Ich schon.“
    Noch bevor sie den Mund zu einem Protest öffnen konnte, jagte sein Kriegshammer mit der ganzen Wucht, die Galmar aufbieten konnte in die Türspalte und sprengte sie auf.
    “Soviel dann zur Beherrschung und einem klaren Kopf“, stöhnte sie auf. Dieser Knall konnte selbst dem Betrunkensten nicht entgangen sein, aber es waren weniger als sie erwartet hatte.
    „Los, sucht Euren Sohn Drachenblut. Das bisschen hier schaffe ich schon.“

    Zu seinem Entsetzen ließ sie ihm noch einen Dremora zur Unterstützung da und rannte den verwinkelten Flur hinunter. Sie wechselte nun zu ihrem Dai Katana und mit dem Überraschungsmoment auf ihrer Seite, sowie durch die Trunkenheit ihrer Gegner, arbeitete sie sich schnell und fast lautlos durch die Gänge. Trotzdem war die Zeit ihr Gegner. Sie musste Agnar finden, bevor einer der Söldner… Sie wagte gar nicht daran zu denken. Warum musste hier auch alles so verwinkelt sein?
    Sie stieß Türen auf, überraschte Söldner in ihren Betten und schlug ihnen gnadenlos die Köpfe ab, noch bevor sie sich erhoben hatten. Auf der Treppe nach oben stellten sich ihr gleich drei entgegen. Aber sie befand sich wie einem Blutrausch, überließ zwei davon ihrem nächsten Dremora, stach dem Dritten von unten in den Unterleib bis die Klingenspitze an seinem Rücken wieder ins Freie fand. Seinem ohrenbetäubenden Schmerzensschrei wurde durch den Dremora ein jähes Ende gesetzt. Dann herrschte Stille. Absolute Stille. Beängstigende Stille.
    „Nein, bitte nicht“, flüsterte sie und begann mit klopfendem Herzen und zitternden Händen eine Tür nach der anderen zu öffnen. Die Zimmer waren leer. Nirgendwo konnte sie ihren Sohn finden. Sie spürte die Tränen in sich aufsteigen. Sollte alles vergebens gewesen sein und Agnar war doch schon längst tot?
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  8. #48 Reply With Quote
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    So, Schreibblockade besiegt. Vorsicht! In diesem Kapitel gehts ganz ruhig zu.


    Durch die kleinen Öffnungen im Mauerwerk drangen Tageslichtstrahlen.Viel Helligkeit brachten sie nicht in den ansonsten recht dunklen Raum. Nicht einmal genug, um die Tageszeit abzuschätzen. Es war warm und roch nach frisch aufgelegtem Feuerholz.
    Eine Weile beobachtete sie die im Licht tanzenden Staubkörner, dann wandte sie sich dem Mann zu, dessen linker Arm sie selbst im Schlaf fest umschlungen hielt. Völlig entspannte Gesichtszüge und ein sich regelmäßig hebender und senkender Brustkorb verrieten ihr, dass er der diesseitigenWelt noch vollkommen entrückt war. Ein kleiner Speichelfaden lief aus seinem rechtem Mundwinkel. Lächelnd wischte sie ihn weg und küsste die feingeschwungenen Lippen. Es dauerte eine ganze Weile bis sich das Leben in seinem Körper regte. Er schien ihre Küsse, mit denen sie sein Gesicht bedeckte, für einen Traum zu halten. Schließlich erwiderte er ihre Zärtlichkeiten mit noch immer geschlossenen Augen.

    „Liebster, ich bin hier. Wollt Ihr mich nicht einmal ansehen?“
    Ruckartig öffneten sich Ralofs Lider unter denen nun endlich die leuchtend blauen Augen zum Vorschein kamen. „Bei Ysmir, seid… Seid Ihr es tatsächlich? Das kann nicht sein. … Aua.“
    „Glaubt Ihr mir jetzt?“
    Er lachte leise. „Ja, schon gut. Musstet Ihr mir dafür unbedingt in die Nase beißen?“
    „Anscheinend. Habt Ihr denn nicht gemerkt, dass ich mich heute Nacht zu Euch legte? Immerhin“, sie zeigte auf einen großen blauen Fleck an ihrer Seite, „habt Ihr mich eindeutig ziemlich festgehalten.“
    „Ich hielt es für einen Traum und den wollte ich nicht wieder loslassen.“
    „Dann hat es sich jetzt ausgeträumt.“
    „Habt Ihr denn jetzt vor in meiner Wirklichkeit zu bleiben?“
    „Wenn Ihr wollt, mein Herz.“
    Er schlang beide Arme um sie und seufzte. „Ich glaube, das will ich.“
    Sie kreuzte ihre Arme auf seiner Brust und legte ihr Kinn darauf. „So, so, Ihr glaubt. Was ist mit wissen?“
    „Hmm, ich glaube, dass es sogar sein kann, dass ich es weiß.“
    „Und ich weiß sogar, dass ich glaube, dass es jetzt reicht.“ Ihre Hand legte sich auf seinen Mund bevor er zum Sprechen ansetzen konnte. „Ihr habt die Wahl, mein Liebster. Küsst mich oder küsst mich.“
    „Meine Schöne... , Ihr lasst mir eine Wahl?“
    „Ja.“
    „Dann wähle ich ‚küsst mich’. Aber darf ich vorher noch fragen, wo sich Agnar befindet? Ist er in Sicherheit? Geht es ihm gut?“

    Eindringlicher hätte sich der echte Vater auch nicht um seinen Sohn bemühen können, dachte sie. Die Besorgnis in seiner Stimme rührte sie.
    „Agnar geht es blendend. Wir waren rechtzeitig da, bevor sie ihm etwas antaten und er hat die Entführung als großes Abenteuer erlebt. Er ist ebenfalls hier im Palast, aber ich denke nicht, dass wir ihn die nächsten Stunden zu Gesicht bekommen werden.“ Sie lachte. „Er hat sich in Galmar und seine Bärenkopfmütze verguckt. Als der ihm dann noch den Tisch mit den Standorten der Festungen zeigte, war es ganz um ihn geschehen. Ich hoffe, dass Eure Strategen noch wissen, wo sich die Markierungen ursprünglich befanden. Er bestand auch darauf mit in Galmars Zimmer zu schlafen. Was meint Ihr mein Herz, wenn er Euch erst einmal zu Gesicht bekommt. Auf den Augenblick freue ich mich jetzt schon.“
    „Ich mich auch. Habt Ihr ihm noch nichts gesagt?“
    „Nein, er war schon aufgedreht genug.“
    „Und Jarl Ulfric?“
    „Bereits in seine Gemächer entschwunden. Nur der Koch war noch wach und brachte etwas zu essen, bevor wir uns zur Ruhe begaben.“
    Er richtete sich auf. „Dann müssen wir unbedingt zu Jarl Ulfric.“
    „Liebster“, sanft drückte sie seinen Oberkörper zurück aufs Bett. „Liebster, nichts dergleichen werden wir jetzt tun. Er wird es sowieso von allen Seiten erfahren, sobald er die Augen geöffnet hat. Es sei denn, Euch ist eine Märchenstunde mit Ulfric lieber als eine Vereinigung mit mir.“
    „Ihr wollt mich endlich?“
    „Schon immer, alter Dickschädel. Ein Teil von mir wollte Euch schon und für immer.“
    Davon, meine Schöne, habe ich nicht viel bemerkt.“
    „Dann“, sie lächelte frech, „habt Ihr mir nie geglaubt. Dabei sagte ich es Euch schon damals bei meinem Abschied.“
    „Ich glaube, nein, ich weiß jetzt, dass ich einen schrecklichen Drachen liebe“, murmelte er, während er sie fest packte und auf den Rücken drehte. Sanft aber bestimmt drängte er sich zwischen ihre Beine. Die Leidenschaft mit der sie ihn in Empfang nahm, brachte ihn fast um den Verstand und beinahe zum Heulen. Wie lange war es jetzt her, dass er sie hatte so spüren können. Jahre, es waren Jahre gewesen.


    In diesem Moment schlug der Türflügel auf und eine helle Stimme gellte durch den halbdunklen Raum. „Maamaa! Raalof! Wisst ihr was Galmar...“ Abrupt blieb der Knirps stehen. „Was macht ihr da?“ Direkt dahinter schob sich eine massive Gestalt unter einer Bärenkopfmütze durch den Türrahmen und erfasste die Situation mit einem Blick. „Komm mein Junge. Ralof und Deine Mutter sorgen gerade für eine Schwester oder einen Bruder für Dich. Ich zeige Dir draußen solange, wie ein richtiger Krieger kämpft.“
    Mit in die Hüften gestemmten Armen postierte sich Agnar vor dem Bett und sah sie beide prüfend an. „Ah, wie bei Gerdur und Hod. Ich geh dann mal. Galmar, kommt Ihr?“ Der Angesprochene zuckte hilflos mit den Schultern und wandte sich ab. Kurz drehte er sich noch einmal herum, bevor sich die Tür hinter ihm wieder schloss. „Ihr seid eine schöne Frau, Drachenblut.“
    Für ein paar Minuten herrschte Ruhe, in denen sie verzweifelt lautes Lachen zu unterdrückten versuchten, auch wenn eher nichts durch die meterdicken Wände der uralten Festung zu dringen vermochte.
    Schließlich fuhren seine Lippen ihren Hals entlang. „Hmm, meine Schöne, möchtet Ihr denn ein Geschwisterkind für Euren Sohn?“
    Sie nahm seinen Kopf zwischen ihre Hände und sah ihn festan. „Nichts lieber als das, mein Herz. Und n…“.
    „…nennt mich nicht immer meine Schöne.“
    „Nein, diesmal nicht.“
    „Was dann?“
    Ihre Mundwinkel verbreiterten sich zu einem hämischen Grinsen. „Und nun fangt endlich mit dem Kindermachen an.“
    Sie vergaßen die Zeit und vergaßen die Welt um sich herum, als wollten sie all die Jahre an diesem einen Tag wieder aufholen. Immer noch benommen von ihrem gemeinsamen körperlichen Rausch, lag ihr Kopf auf seiner Brust. Sinnend beobachtete sie, wie er vor sich hindöste; die zerzausten Haare, das völlig verschwitzte Gesicht mit den kurzen störrischen Bartstoppeln, die sich nach der Nacht zeigten und überlegte, woher dieses tiefe Gefühl des Glücks kam.

    Ihr Blick schweifte ziellos durch den hohen Raum, der zweifelsohne seiner war. Ein ansehnliche Waffen- und Schildsammlung, sowie die gut gesäuberten hellen Felle von Schneebären und Schneesäbelzahntigern an denWänden, die dunkleren Pendants auf dem durch die Zeitalter fast schwarzen Dielenboden.Das große Bett stand mitten im Raum. Wenn sie sich aufrichtete, blickte sie auf die riesige Feuerstelle, die im Gegensatz zu den meisten anderen nicht in den Boden eingelassen, sondern erst in Hüfthöhe begann und mit einem dekorativen Mauerwerk versehen worden war. Das neu aufgelegte Holz hatte nun Feuer gefangen. Hell loderten die Flammen und gaben ihre gemütliche Wärme an den Raum ab. Als sie die zwei Rüstungspuppen erblickte, die jeweils rechts und links davon aufgestellt waren, musste sie schmunzeln. Eine Figur war mit einer vollständigen Sturmmantelrüstung bekleidet, deren Oberteil mehrmals mit ihrem Dai Katana Bekanntschaft gemacht hatte. Die Ausstattung der anderen Figur bestand aus ihrer daedrischen Rüstung, er musste den Torso irgendwann mal bei Gerdur mitgenommen haben, und langen weißen Haaren aus einem zurecht geschnittenen und sorgfältig durchgekämmten Schneefuchspelz.

    Die Lichtstrahlen fielen mittlerweile von hoch oben in den Raum und beleuchteten den großen Badezuber. Wie schon Argis, schätzte auch Ralof Sauberkeit, sofern immer sie möglich war. Nicht einmal die kältesten Bachläufe konnten sie davon abhalten, diesem Bedürfnis nachzugeben. Hmm, jetzt ein warmes Bad. Sie versuchte nun doch die Tageszeit nach den einfallenden Strahlen zu messen und kam zu dem Ergebnis, dass es bereits nach Mittag sein musste. Eigentlich sollten sie längst aufgestanden sein, aber die Wärme des neben ihr liegenden Körpers war einfach zu verführerisch. Sie kuschelte sich wieder an ihn und fuhr mit dem Zeigefinger über das Amulett mit den glänzenden Rubinaugen an seinem Hals. Es leuchtete immer noch leicht. Sein Gesundheitszustand demnach immer noch nicht wiederhergestellt.
    „Wollt Ihr es wiederhaben?“ Er räkelte sich in ihre Richtung und schlang erneut die Arme um sie.
    „Nein. Es wird seinen Weg zu mir alleine finden, wenn die Zeit dafür gekommen ist.“
    „Liebste?“
    „Hmm…“
    „Könntet Ihr euch vorstellen mit mir verheiratet zu sein?“
    Sie hob den Kopf, „Ja, das kann ich.“
    „Würdet Ihr mich heiraten?“
    „Bei Ysmir. Ja. Und wie ich Euch heiraten möchte. Sofern Mara mir in der Gestalt von Maramal die Gnade einer zweiten Ehe gewährt. Das und Kinder mit Euch zu haben. Mehr möchte ich nicht.“
    „Unsere Hochzeit wäre demnach abhängig von Maramal?“
    „Seid unbesorgt, mein zukünftiger Gemahl. Wir werden heiraten. Mara gibt uns ihren Segen, denn der ist weniger von Eingebungen Maramals bestimmt, als von dem was in seinem Spendenbeutel landet. Wisst Ihr übrigens, dass ich gerade die glücklichste Frau der Welt bin?“

    Ein vernehmliches Räuspern unterbrach den innigen Kuss. „Wären denn die glücklichste Frau der Welt sowie ihr wahrscheinlich ebenso glücklicher zukünftiger Gemahl bereit, so langsam ihre Aufwartung bei Jarl Ulfric zu machen? Ich denke ‚Ungeduld’ ist noch die harmloseste Umschreibung seines derzeitigen Gemütszustandes.“ Egal wie sehr er es auch zu verbergen suchte, Galmar konnte sich das Grinsen nicht verkneifen. „Und Euer Sohn, Drachenblut, hat mitterweile bereits den gesamten Palast auf den Kopf gestellt und ist gerade dabei die Wachen im Hof zur Inspektion stramm stehen zu lassen.“
    Sie mussten lachen bei dieser Vorstellung, aber Galmar hatte recht. „Sagt Ulfric, dass wir in wenigen Augenblicken erscheinen werden, aber er möge uns zumindest die Zeit geben, uns etwas überzuziehen.“
    Nur widerwillig lösten sie sich voneinander. Sie saß auf der Bettkante und beobachtete Ralof wie er sich anzog. Schmaler war er geworden. Die Verletzung hatte einige seiner Reserven aufgebraucht. Es würde dauern bis er seine alte Form wieder erreichte. Inständig hoffte sie, dass Ulfric ihn auch tatsächlich so lange von seinen Pflichten befreite. Schließlich raffte sie sich auf, zog ein Kleid über, schlüpfte in ihre Stiefel und band die reichlich verworrenen Haare schnell zu einem Zopf. Hand in Hand liefen sie durch den halbdunklen Gang, nicht ohne sich doch noch schnell zwischendurch ihrer gegenseitigen Zuneigung durch ein paar Küsse zu versichern. Galmar sah es mit Gelassenheit. Ulfrics Temperament würde sich so oder so entladen.

    „Das wurde aber auch Zeit.“ Jarl Ulfrics tiefe, normalerweise wohlgesetzte, Stimme dröhnte durch die Halle. Trotzdem ging ihr erster Blick zur Decke. Eine Armada aus Steinmetzen und Hilfskräften hatte den riesigen Leuchter wieder an seinem ursprünglichen Platz befestigt. Aber egal wie viele Leuchter man noch aufhängen würde, die Atmosphäre in diesen uralten Mauern blieb kalt und jagte ihr Schauder über den Rücken.
    Der zweite Blick in Richtung des Jarls von Windhelm ließ sie lächeln. Es passte zu ihm, was sie sah. Faendal würde seinen Jagdgehilfen wohl nie erhalten, denn hinter Ulfric trottete ein kleines schwarzgraues Fellbündel mit wachen gelben Augen, immer bemüht mit den großen Schritten seines Herrn mitzuhalten.
    Ansonsten erschien ihr das Leben in diesen Mauern wesentlich lebhafter als sie es aus den wenigen Tagen ihres letzten Aufenthaltes in Erinnerung hatte. Yrsarald fluchte laut im Besprechungsraum vor sich hin,Wuunferth rannte wie ein angeschossenes Kaninchen durch die Halle und lugte in jede Ecke und Mauerritze. Aus der Küche im unteren Bereich drangen die aufgeregten Stimmen von Jorleif und Sifnar, dem Koch. Selbst Ralof schien überrascht. „Was ist denn hier los?“
    Nur Galmar, der unerschütterliche Haudegen, nahm in aller Seelenruhe auf einer der Bänke Platz, zog einen Teller mit kleinen Köstlichkeiten zu sich heran und begann wie üblich zu futtern. Ihn wird der Tod eines Tages beim essen ereilen, dachte sie bei sich, wurde aber in diesem Moment durch Ulfrics scharfe Stimmlage aus ihrem Gedankengang herausgerissen.

    „Was hier los ist? Das fragt Ihr? Ihr wagt es tatsächlich zu fragen, was hier gerade los ist?“

    In Ralofs Gesicht zuckte es verräterisch. Seine Lippen pressten sich zu einem schmalen Strich. Missbilligend hob sich die rechte Augenbraue und vom Hals herauf zog langsam aber sicher eine tiefe Röte über die Wangen. Da brach sich ein Ralof die Bahn, wie sie ihn noch nicht kannte. Sie vermied es einzugreifen. Er war Manns genug sich gegen Ulfric zur Wehr zusetzen.
    Unbeirrt polterte Ulfric weiter, während er den herzzerreißend winselnden kleinen Wolf aufnahm und ihn zu kraulen begann. „Dieser kleine Bengel. Bringt ihn zur Räson oder ich werde das erledigen. Nur eine Nacht und einen halben Tag, und nichts ist mehr da wo es hingehört. Fangt ihn ein, bevor er noch die Grundmauern des Palastes verschleppt.“
    Jetzt war sie es, die nicht mehr an sich halten konnte. Ihr dunkles Lachen schallte fast unwirklich in den unverkleideten altehrwürdigen Mauern, zwischen denen mit Sicherheit sonst nicht viel gelacht wurde.
    „Ulfric, so beruhigt Euch doch. Wo ist mein Sohn und was hat er angestellt?“
    „Was er angestellt hat??? Die Runensteine meines Hofmagiers irgendwo in diesen Palastmauern versteckt, die Wochenration an gebratenem Fleisch an meine Palastwachen verteilt, die Markierungen vom Kartentisch entfernt. Möge Talos wissen, wo sie sich jetzt befinden. Oder vielleicht Euer Sohn. Und wo der ist? Wahrscheinlich bereits auf dem Weg zum nächsten Unsinn.“
    „Ralof! Ralof! Hier bin ich.“ Die fröhliche Kinderstimme drang aus dem Kartenraum. „Guckt mal was ich hier habe. Ist die nicht schön?“

    Der Stimme folgte ein Agnar mit einem vor Anstrengung hochroten Gesichtchen, mühsam eine feinst gearbeitete und verzierte Kriegsaxt hinter sich herziehend. Eindeutig handelte es sich um Ulfrics Standessymbol. Nur die Götter wussten, wie er daran gelangen konnte. An Beschäftigungsideen schien es ihm jedenfalls nicht zu mangeln. Er war ein kleiner Junge, der zum ersten Mal einen großen Palast für sich entdeckte.
    Sie schlug die Hand vor den Mund, um ihr Lachen zu unterdrücken und Ulfric nicht weiter zu erzürnen. Schließlich ließ Agnar die Axt fallen und bettelte um Aufnahme auf Ralofs Armen, die dieser ihm auch mit einem breiten Lächeln gewährte. Eng drückte sich der Junge an die breite Brust und legte den Kopf auf die Schultern des geliebten Freundes.
    „Hmm, mein Kleiner. Hast Du hier alles in Unordnung gebracht? Komm, wir bringen jetzt erst einmal die Axt weg. Sie gehört Ulfric und normalerweise darf niemand sie anfassen. Unterdessen erzählst Du mir, wo die Runensteine und die Markierungen sind, ja?“

    Als er, immer noch mit Agnar auf den Armen, zurückkehrte, war dieser fest eingeschlafen. Vorsichtig, um den Jungen nicht zu wecken, setzte er sich mit ihm auf eine der Bänke und blickte Ulfric erwartungsvoll an.
    „Nehmt Platz mein Jarl. Ich weiß wo die Sachen sind. Wir können sie auch später noch holen. Ich denke, dass Euch die Berichte von Galmar und von meiner zukünftigen Frau um die Ereignisse in Rifton mehr interessieren werden als ein paar alte Steine und einige Fähnchen.“
    EMS is offline Last edited by EMS; 29.01.2013 at 21:58.
  9. #49 Reply With Quote
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    Leider mit einem bösen, bösen Cut. Aber sonst würde das Kapitel einfach zu lang.



    Knirschend fraß sich die scharfe Klinge in das Holz des Stützbalkens und hinterließ eine beachtliche Kerbe. Ein zweiter, ein dritter und noch ein vierter Schlag folgten.
    „Wenn Ihr so weiter macht, habt Ihr das Haus zum Einsturz gebracht, bevor wir es verlassen können. Außerdem stumpft Ihr unnötig Eure Klinge ab.“ Die Stimme gehörte zu Galmar Steinfaust, der neben ihr stand und mit dem Unterarm seine Augen vor den umherfliegenden Splittern zu schützen versuchte.
    Sie senkte die Waffe und setzte sich auf eine der Treppenstufen.
    „Wo ist er? Was haben sie mit ihm gemacht? Er ist doch noch ein kleiner Junge, der niemandem etwas angetan hat.“ Erneut hob sie das Dai Katana. „Büßen werden sie dafür. Verdammt. Niemand aus dieser Brut wird überleben.“ Zischend sauste das Schwert durch die Luft und trennte einem der toten Söldner den Kopf ab, der daraufhin leise polternd den unebenen Holzboden hinab rollte.
    „Reißt Euch zusammen. Wir werden ihn finden. Wahrscheinlich haben sie ihn doch in die Stadt gebracht und diese Frau hat es nur nicht bemerkt.“
    „Wahrscheinlich.“ Sie seufzte und erhob sich. „Vereinfachen wird es die Sache nicht.“
    „Lasst uns von hier verschwinden. Wir müssen Euren Sohn finden bevor man in der Stadt Wind...“ Galmar Steinfaust brach mitten im Satz ab und horchte in eine unbestimmte Richtung.
    „Was ist?“
    Mit einem Wink brachte er sie zum Schweigen, horchte noch einmal und dann hörte sie es auch. Schwere Schritte, gefolgt von dem kurzen Schrei eines Kindes.
    „Bei den Göttern.“ stieß sie hervor. „Es gibt noch einen Keller. Agnar!“ Sie schrie seinen Namen in der Hoffnung, dass er ihr antworten konnte. Ein dumpfer Schlag ertönte, als ob eine Holztür zufiel und durch ihre Augenwinkel huschte ein Schatten Richtung Ausgang.
    Auch Galmar schien ihn bemerkt zu haben und sprintete mit einer Behendigkeit, die sie dem schweren Körper nie zugetraut hätte, Richtung Eingangstür. Zu spät. Der Söldner, mit einem sich heftig sträubenden Agnar im Arm, stand bereits hämisch grinsend im zerschmetterten Türrahmen.
    „Na, was wollt Ihr jetzt tun? Euren eigenen Sohn in Gefahr bringen?“ Gelbe schiefe Zähne zeigten sich in dem blutrot und schwarz bemalten Gesicht. Ergeben senkte sie ihre Waffe.
    „Mama!“ Agnar zappelte unaufhörlich in der festen Umklammerung vor sich hin, was ihm eine saftige Ohrfeige des Mannes eintrug. Blut rann aus der kleinen Nase.
    Galmar schaffte es gerade noch, sie an ihrem Zopf packen, bevor sie sich wie eine Furie auf den Mann stürzen konnte, der den Jungen nun wie in einer Schraubzwinge festhielt und ihm seinen Dolch an die Kehle hielt. Noch ein lauter Lacher und die zerschmetterte Eingangstür klappte hinter ihm zu.
    „Jetzt. Wenn er mit dem Jungen die Stadt erreicht, ist alles vorbei.“ Galmar löste seine Hand aus ihrem Haar, schnappte sich einen herumliegenden Bogen samt Köcher und lief nach draußen. Sie tat es ihm gleich und sah den hellen Schatten ihres Pferdes aus dem Stall herauskommen. Einen Moment zögerte sie. Was würde passieren, wenn Agnar unglücklich fiel oder sie nicht richtig trafen.
    Galmar ließ ihr keine Zeit für weitere Überlegungen. Er spannte den Bogen, zielte kurz und der Pfeil schnellte von der Sehne. Sie war keine gute Bogenschützin, war es nie gewesen und würde es nie sein. „Argis, steht mir bei. Es ist unser Kind.“ murmelte sie leise vor sich hin, während die Pfeilspitze auf den Rücken des Mannes zielte und sich nun ebenfalls mit einem leisen Zischen auf den Weg machte.
    Ein Schrei ertönte, dann noch ein weiterer heller. Die Pfeile hatten ihr Ziel nicht verfehlt, aber waren sie auch tödlich? Oder hatte diese Bestie womöglich noch Zeit gefunden ihrem Jungen etwas anzutun.
    Der Bogen entfiel ihrer Hand und sie rannte los. Den ausgetretenen Pfad, hinein ins Dunkel der Nacht, wo das Licht aus den Fenstern keine Macht mehr besaß, dicht gefolgt von Galmar. Sie waren noch nicht weit gekommen als sie in ihrer Hast über einen leblosen Körper stolperte. Sie vermochte noch so gerade ihren Schreckensschrei zu unterdrücken. Es handelte sich um den Söldner, tödlich getroffen von zwei Pfeilen.
    „Agnar? Wo bist Du?“
    Fieberhaft begann sie das nähere Umfeld abzusuchen, aber von ihrem Sohn weit und breit keine Spur.

    „Nein, Du blödes Pferd. Bleib stehen. Wir müssen wieder zurück.“ Für einen Moment herrschte Ruhe. „Los. Nein. Hierhin. … Ja, so ist es gut.“
    Leises Hufgetrappel und schließlich löste sich die Silhouette ihres Pferdes aus dem Dunkel. Weniger von Agnar als von einem natürlichen Stalltrieb gelenkt, kamen Pferd und Reiter auf sie zu. Brav blieb der Hengst vor ihr stehen und schüttelte nur ob der ungewohnten Zügelrupferei unwillig den mächtigen Schädel. Ein kleiner Junge mit einer eingetrockneten Blutspur unter seiner Nase saß irgendwo zwischen Hals und einer wohl eilig übergeworfenen Satteldecke auf dem Widerrist und sah stolz auf sie herab. „Mama. Schaut. Ich kann reiten.“ Neugierig beäugte ihr Sohn den unbekannten Mann an ihrer Seite und kam nach wenigen Momenten zu einem für ihn unerschütterlichen Ergebnis. „Mama, der Mann ist hässlich. Nehmt lieber Ralof. Der ist viel schöner.“
    „Agnar!“ Ihre Freudentränen blieben auf halbem Wege stecken. Vorsichtig warf sie einen Blick in Richtung Galmar Steinfaust, dessen eisblaue Augen aber vor Vergnügen strahlten. Ein breites Grinsen erschien unter dem Bärenkopfhelm. „Drachenblut, ich muss sagen, Euer Sohn gefällt mir.“
    „Na, ich weiß nicht.“
    „Besser, wir verschwinden so schnell wie möglich. Oder braucht Ihr unbedingt noch Euren Sattel?“
    „Nein, ich bin gewohnt auch ohne zu reiten.“
    Galmar wandte sich dem Jungen zu, ergriff ihn und rückte ihn auf dem Pferderücken an die richtige Position. „So, junger Mann. So reitet ein Krieger. Nicht auf dem Hals. Und hiermit wird gelenkt. Aber schön vorsichtig. Meinst Du, das schaffst Du?“ Schließlich drückte er dem Jungen, der eifrig nickte, die straff gezogenen Zügel in die kleinen Fäuste und gab dem Tier einen leichten Klaps, damit es sich in Bewegung setzte. „Und schön hinter Deiner Mutter und mir bleiben.“
    „Habt Ihr Kinder, Galmar?“
    „Ich hatte. Zwei Söhne. Sie sind tot, genau wie ihre Mutter. Verdammtes Kaiserreich mit seinen Elfenherren.“ Seine Miene verfinsterte sich. Schweigend legten sie den Weg zum Lager zurück.



    „Und jetzt?“ Galmars Blick richtete sich missbilligend gen Himmel, als würde er damit die Wolken, die den nächsten Schauer bereits ankündigten, vertreiben können. „Wollt Ihr nicht erst Euren Sohn in Sicherheit bringen?“
    Nachdenklich betrachtete sie Agnar, der gespannt das Hnefatafl-Spiel zweier Soldaten verfolgte, die ein ausgeschnittenes Lederstück mit einem sauber aufgemalten Spielfeld zwischen sich gelegt hatten und nun mit kleinen Steinen darauf spielten. Schließlich reckte sie sich, um die Restmüdigkeit der letzten sehr kurzen Nacht aus ihren Knochen zu vertreiben.
    „Nein. Ich würde gerne, aber sie dürfen keine Chance für einen wie auch immer gearteten Gegenschlag erhalten. Ich werde diese Mörder und Diebe jetzt und ein für allemal vom Anlitz dieser Welt tilgen. Noch einmal werden sie meiner Familie kein Leid antun. Nie wieder.“ Die letzten Worte spie sie geradezu heraus.
    Die Gesichter der Anwesenden drehten sich zu ihr, selbst Agnar schaute sie erschreckt an, aber in diesem Moment hatte sie sich wieder im Griff und senkte die Stimme. „Nein, es wird hier und jetzt passieren.“
    „Habt Ihr einen Plan?“
    Sie schüttelte den Kopf. „Noch keinen festen. Mir ist danach, meine Klinge in ihre Leiber stoßen, aber das ist unklug. Es muss noch eine andere Möglichkeit geben, die weniger aufsehenerregend ist.“






    Niemand sprach ein Wort. Die Köpfe gesenkt, die Kapuzen über die Gesichter gezogen, ritten sie in Richtung des alten Lagerplatzes, um erst einmal Abstand zwischen sich und die Stadt zu bringen. Die saugenden Geräusche der Hufe auf dem durchweichten Boden mischten sich mit den Geräuschen der Tropfen auf den Blättern der Bäume. Ansonsten schien die Natur um sie herum in eine Starre verfallen zu sein. Die Welt war eine einzige breiige Mischung aus grau und braun. Daran konnten auch die herbstlich gefärbten Blätter der Birken nichts ändern. Bei Sonnenschein wird der Anblick wohl grandios sein, dachte sie. Aber wann scheint hier die Sonne?
    Sie vermisste die dunkelgrünen Tannen und die vielen verschiedenen Grüntöne des abfallenden Hangs, wenn sie morgens aus ihrer Haustüre trat, um den Anblick der aufgehenden Sonne zu genießen. Blass leuchtete sie über die Strohdächer von Flusswald, wenn dort langsam das Leben erwachte.
    Und sie vermisste Ralof. Seine warme Herzlichkeit und unabdingbare Liebe.
    „Mama, mir ist kalt.“ Die Worte ihres Sohnes rissen sie unbarmherzig in die Wirklichkeit zurück. Die blonden Haare klebten in seinem nassen Gesicht. Obwohl sie ihn mit in ihren Umhang eingewickelt hatte, war der Regen bereits durchgedrungen.
    „Wir sind gleich am Lagerplatz.“ Sie lächelte in die haselnussbraunen Augen, Argis' Augen. „Dann gibt es ein großes warmes Feuer, etwas Heißes zu essen und Ralof ist auch da.“
    „Ralof? Wirklich?“ Agnar wurschtelte sich angestrengt aus ihrem nassen Umhang frei und hopste ungeduldig auf dem Widerrist herum. Widerwillig schüttelte sich der Hengst und verfiel in einen holprigen Trab.
    „Schluss, mein Herz. Setz Dich wieder ordentlich hin. Wir sind ja gleich da.“ Der strenge Blick gelang ihr nicht. Innerlich freute sie sich genauso auf ihn wie ihr Sohn.

    „Mama, wo ist denn Ralof? Hier ist ja niemand.“ Die Enttäuschung in seiner Stimme entsprach in etwa ihrem Grad an Panik, der sie innerlich befiel, als sie den Lagerplatz kalt und verlassen vorfanden. Keine Spur von Ralof, Svala oder deren Gatten. Das Feuer schon lange erloschen, die Asche bereits fast vollständig verweht. Krampfhaft hielt sie sich an der Mähne ihres Pferdes fest, um sich nicht ungewollt hinsetzen zu müssen.
    Nicht lange und einer der Sturmmäntel kam mit einem Stück Papier auf sie zu, das sie mit einem kaum beherrschbaren Zittern ihrer Hände entgegen nahm. Das letzte Mal, als sie ein solches Schriftstück erhielt, hatte es Argis' Leben gekostet.
    Vorsichtig entfaltete sie den Zettel und atmete hörbar auf. Es war Ralofs schwungvolle Handschrift und enthielt die Mitteilung, dass es ihm soweit gut gehe, dass Svala und ihr Mann beschlossen hatten, ihn schon nach Windhelm zu bringen, um die weitere Wundversorgung besser gewährleisten zu können. Der letzte Satz, in dem er sie in seine Arme wünschte, trieb ihr fast die Tränen in die Augen. Wäre sie alleine gewesen, wäre sie jetzt auf ihr Pferd gestiegen und bis Windhelm durchgeritten.
    So blickte sie in die müden Augen der durchfrorenen und durchnässten Mitstreiter und die erwartungsvollen Augen ihres Sohnes. „Sie sind bereits nach Windhelm unterwegs. Machen wir für heute erst mal das Lager fertig.“

    Sie schnupperte und schnitt sich eine große saftige Scheibe Fleisch ab, in die sie genussvoll hineinbiss. Agnar lag neben ihr, eingerollt in die schwere warme Satteldecke und schlief bereits. Auf ihrer anderen Seite kaute Galmar Steinfaust gemütlich auf einem Stück knusprig brauner Haut herum. Sie grinste ihn an. Noch vor kurzem erbitterte Gegner, hatten sie gelernt sich gegenseitig zu respektieren und verstanden sich nun fast ohne Worte.
    „Alles?“
    „Alles.“
    Mit dem Handrücken wischte sie sich das Fett vom Kinn und begann zu erzählen.
    EMS is offline Last edited by EMS; 14.05.2013 at 09:45.
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